EMKG – Einfaches Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe
Das EMKG unterstützt Betriebe bei der Gefährdungsbeurteilung von Tätigkeiten mit Gefahrstoffen. Mit leicht zugänglichen Parametern können Risiken eingeschätzt, mit Maßnahmen verknüpft und durch Schutzleitfäden (SLF)
umgesetzt werden. Die roten Markierungen zeigen am Beispiel „Reinigung mit Aceton“, wie die Maßnahmenstufe bestimmt wird.
Mindeststandards
Starten Sie mit den Mindeststandards. Die Mindeststandards umfassen 5 grundlegende Schutzleitfäden zur Lüftung, Lagerung, Brandschutz, Hygiene und Organisation. Diese sind im-
mer umzusetzen. Die Schutzleitfäden der Reihe 100 bieten eine umfangreiche Hilfestellung und können als Checklisten genutzt werden. Sie enthalten zusätzliche Hinweise zur Unterwei-
Immer sung und Wirksamkeitsüberprüfung.
SLF 100 Freie Lüftung SLF 110 Organisations- und Hygienemaßnahmen „Einatmen“ SLF 120 Organisations- und Hygienemaßnahmen „Haut“
SLF La-101 Bereitstellen und Lagern SLF pc-170 Brandschutzmaßnahmen
Haut Einatmen Brand und Explosion
Gefährlichkeitsgruppe (GG)
Hat ein Stoff einen Arbeitsplatzgrenzwert (AGW), benutzen Sie diesen bei der GG Einatmen. Ansonsten bestimmen Sie die GG über die H-Sätze/R-Sätze. Informationen dazu finden
Sie im Sicherheitsdatenblatt, Abschnitt 2 und 8 oder in Datenbanken, wie beispielsweise der GESTIS-Stoffdatenbank oder dem Informationssystem für gefährliche Stoffe – IGS. R-Satz-Tabellen:
www.baua.de/EMKG-Leitfaeden
H-Satz GG AGW nach TRGS 900 H-Satz GG
H-Satz,
Feststoffe Flüssigkeiten GG
wenn kein AGW vorliegt
Kein H-Satz, EUH066, EUH203, EUH204, EUH205, EUH208 HA (mg/m³) (ppm) Kein H-Satz* pc-A
Schritt 1
Kein H-Satz, H304, H319, H335, H336 ,
10 bis 1 500 bis 50 A H226, H252, H280, H281, H290, EUH206, EUH209A pc-B
H315 HB EUH201A, EUH207, EUH211 und EUH212
H302, H318, H332, H371 B H222, H223, H224, H225, H228, H229, H251, EUH018, EUH209 pc-C
H312, H317, H371, H373 HC 1 bis 0,1 50 bis 5
H301, H314, H331, H334, H341, H351, H361, H242, H261, H270, H271, H272, EUH014, EUH044 pc-D
H311, H314, H341, H351, H361, H361d, H361f, H361fd H370, H372 HD
0,1 bis 0,01 5 bis 0,5 H361d, H361f, H361fd, H370, H373, EUH029, C H200, H201, H202, H203, H204, H205, H206, H207, H208 H220, H221, H230, H231,
H310, H311 + H314, H340, H350, H360, H360D, H360Df, H360F, H360Fd, H360FD, EUH031, EUH070, EUH071 pc-E
HE H232, H240, H241, H250, H260, EUH001, EUH006, EUH019
H362*
* Nur für Schwangere und Stillende 0,01 bis 0,001 0,5 bis 0,05 H300, H330, H360D, H360Df, H372, EUH032 D
*
Nicht eingestufte staubende Feststoffe sind grundsätzlich mit pc-C einzustufen. Nicht
Schutzmaßnahmen für Feuchtarbeitsplätze und hautsensibilisierende Gefahrstoffe finden Sie H340, H350, H350i, H360, H360F, H360Fd, explosionsfähige Feststoffe gehören je nach Brennzahl (BZ) in die GG pc-A (BZ 1-3)
kleiner als 0,001 kleiner als 0,05 H360FD E
im Schutzleitfaden 250 oder pc-B (BZ 4-6).
Wirkfläche Mengengruppe klein mittel groß
Schätzen Sie die Größe der Hautkontaktfläche ab. Persönliche Schätzen Sie die eingesetzte Menge pro Tätigkeit ab.
Schritt 2
Schutzausrüstung ist hierbei außer Acht zu lassen.
klein gross
Spritzer z. B. Handfläche
Feststoffe g kg t
Flüssigkeiten ml l m³
Wirkdauer Freisetzungsgruppe niedrig mittel hoch
Schätzen Sie die Dauer des Hautkontaktes ab.
Informationen zur Festlegung der Freisetzungsgruppe finden Sie im
kurz lang
Sicherheitsdatenblatt, Abschnitt 9.
unter 15 Minuten über 15 Minuten
Bei Granulaten und Pellets kann es zu feinem Staubabrieb kommen, Feststoffe
Schritt 3
zum Beispiel durch das Fördern, Abwerfen oder Abkippen. Für diese
Es entsteht kaum Staub, der sich nach Staub, der einige
freigesetzten Stäube ist die Freisetzungsgruppe „hoch“ zu wählen. Staub oder Abrieb einiger Zeit wieder Minuten in der Luft
(z.B. Granulat, absetzt (z. B. Wasch- bleibt (z. B. Mehl,
Beim Versprühen von Flüssigkeiten, z.B. Sprühschmiermittel, Pellets, Wachs) mittel, Zucker). Toner).
Haarspray oder Sprühlack ist ebenfalls die Freisetzungsgruppe „hoch“ Flüssigkeiten*
zu wählen. Siedepunkt mehr als 150 °C 50 bis 150 °C weniger als 50 °C
Der Hautkontakt endet erst mit Abwaschen des Gefahrstoffes oder Dampfdruck weniger als 5 hPa 5 bis 250 hPa mehr als 250 hPa
*
Gilt für die Arbeit bei Raumtemperatur.
Maßnahmenstufe
Durch Kombination der Ergebnisse aus Schritt 1 bis 3 leiten Sie die Maßnahmenstufe ab. Schutzmaßnahmen der Reihe 100 sind Mindeststandards und daher immer umzusetzen.
Je nach Maßnahmenstufe können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein.
GG Wirkfläche Wirkdauer Maßnahmenbedarf Freisetzungsgruppe Maßnahmenstufe 1 Freisetzungsgruppe Maßnahmenstufe 1
Maßnahmenstufe 1
kurz • Mindeststandards GG Menge • Mindeststandards GG Menge • Mindeststandards
klein • Schutzleitfäden der Reihe100 niedrig mittel hoch • Schutzleitfäden der Reihe100 niedrig mittel hoch • Schutzleitfäden der Reihe100
lang
HA
kurz klein klein
groß Maßnahmenstufe 2
lang flüssig
mittel pc-A mittel * • technische Maßnahmen
kurz A fest
Maßnahmenstufe 2 Maßnahmenstufe 2 • Schutzleitfäden der Reihe 200
klein flüssig
lang • technische und organisatorische • technische Maßnahmen groß * * • erweiterte Brandschutzmaßnahmen
groß
Schritt 4
HB Maßnahmen fest • Schutzleitfäden der Reihe 200 • vorbeugender Explosionsschutz
kurz
groß • Schutzleitfaden 250 klein • tätigkeitsspezifische Zündquellenvermeidung
lang klein
mittel pc-B mittel * *
kurz B
klein flüssig Maßnahmenstufe 3
lang Maßnahmenstufe 3 groß Maßnahmenstufe 3 groß * * *
HC fest • geschlossenes System
kurz • hoher Maßnahmenbedarf • geschlossenes System • Schutzleitfäden der Reihe 300
groß • Substitution fest • Schutzleitfäden der Reihe 300 flüssig
lang klein klein • hohe Brandschutzmaßnahmen
• geschlossenes System flüssig • anlagenbezogene/tätigkeitsspezifische
kurz C fest
klein mittel Zündquellenvermeidung
lang groß pc-C flüssig • konstruktiver Explosionsschutz
HD mittel *
kurz Maßnahmenstufe 4 fest Maßnahmenstufe 4
groß klein fest
lang • keine Schutzleitfäden flüssig • keine Schutzleitfäden
groß * Maßnahmenstufe 4
kurz D
klein mittel • keine Schutzleitfäden
lang pc-D
HE groß
kurz
groß E pc-E * Bei Feststoffen reichen hier Brandschutzmaß-
lang nahmen aus.
Beispiel: Reinigung mit Aceton
Schritt Haut Einatmen Brand und Explosion
1 EUH066 → GG = HA AGW 500 ppm → GG = A H225 → GG = pc-C
2 Spritzer, kleinflächige Benetzung der Haut → Wirkfläche = klein 100 ml verwendet → Mengengruppe = klein 100 ml verwendet → Mengengruppe = klein
3 Gefahrstoff wird nicht entfernt, längerer Hautkontakt → Wirkdauer = lang Flüssigkeit, Siedepunkt 56 °C → Freisetzungsgruppe = mittel Flüssigkeit, Siedepunkt 56 °C → Freisetzungsgruppe = mittel
4 Maßnahmenstufe 1: Schutzmaßnahmen Reihe 100 sind ausreichend und decken die Gefährdungen ab.
Wirksamkeitsprüfung von Schutzmaßnahmen
Schritt 5
Prüfen ob: gute Organisations- und Hygienestandards gelebt werden technische Anlagen regelmäßig geprüft werden Schutzhandschuhe und Hautschutzmittel genutzt werden
Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten sind staubarm gearbeitet wird (z. B. Nassreinigungsverfahren, kein die Beschäftigten ausreichend Zeit zur Einhaltung und
Abblasen von Staubablagerungen) Umsetzung der Maßnahmen haben
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