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FULLTEXT01

Reinhard Blecks umfangreiche Studie über angelsächsische und friesische Runen auf Goldstücken des 6. und 7. Jahrhunderts verbindet ideologiekritische Ansätze mit der Analyse von Goldbrakteaten, Solidi und Tremisses. Der Autor kritisiert vehement die Forschung von Karl Hauck und dessen Einfluss auf die Brakteatenforschung, was zu einem aggressiven Ton und unbelegten Behauptungen führt. Trotz interessanter Analysen und detaillierter Kenntnisse bleibt die Arbeit aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung und der persönlichen Angriffe auf andere Forscher umstritten.

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Reinhard Blecks umfangreiche Studie über angelsächsische und friesische Runen auf Goldstücken des 6. und 7. Jahrhunderts verbindet ideologiekritische Ansätze mit der Analyse von Goldbrakteaten, Solidi und Tremisses. Der Autor kritisiert vehement die Forschung von Karl Hauck und dessen Einfluss auf die Brakteatenforschung, was zu einem aggressiven Ton und unbelegten Behauptungen führt. Trotz interessanter Analysen und detaillierter Kenntnisse bleibt die Arbeit aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung und der persönlichen Angriffe auf andere Forscher umstritten.

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Reinhard Bleck. Angelsächsische oder friesische Runen auf Goldstücken des 6.

und
7. Jahrhunderts (Goldbrakteaten, Solidi und Tremisses). Göppinger Arbeiten zur
Germanistik, 784. Göppingen: Kümmerle, 2016. 597 pp., numerous plates. ISBN
978-3-86758-039-7. € [D] 78.00.

Reviewed by Martin Hannes Graf

Der Autor, der bereits eine ganze Reihe von Monographien zu Themen der
mittel­hoch­deutschen Literatur und ihrer Überlieferung in derselben Reihe vor­
gelegt hat, tritt nun auch mit einem außerordentlich umfangreichen Werk über
runen­ beschriftete Goldstücke in Erscheinung. Das — seltsamerweise bereits
ver­griffene — Buch ist Blecks „erstem Lehrer“ (S. 4), dem Mittelalter-Historiker
Johannes Fried, gewidmet. Wie aus dem „Dank“ (S. 4 f.) hervorgeht, ist Bleck
aber nicht in erster Linie Historiker, sondern wohl eher Literatur­wissen­schaftler
bzw. ein Forscher, der aus verschiedenen Disziplinen über mehr oder weniger
ver­tiefte Sach­kenntnisse verfügt. Den Impuls für die Arbeit gab ihm jedenfalls
offen­kundig ein literatur- bzw. stoffgeschichtliches Problem, nämlich die Nen­
nung des Wieland-Namens auf dem Goldstück von Schweindorf (S. 15), die Bleck
allerdings — mit etwas faden­scheinigen Argumenten — verwirft (S. 409 f.; s. u.).
Über das Wieland-Problem hinaus stellte sich für den Autor in der Folge dann
aber vor allem die Frage, welche Goldstücke, die mit dem Solidus von Schwein­
dorf in einem Zusammenhang gesehen werden müssen, in England, und welche
im Land der Friesen entstanden sein können. Die Literatur zu diesem Problem­
kreis (und darüber hinaus zu vielen Problemen der Brakteaten­forschung und der
germanischen Alter­tumskunde) ist zweifellos stellen­weise ideo­logisch belastet,
und diese Belastung ist es denn auch, die Bleck zum Anlass nimmt, sein eigentliches
Thema mit dem der ideologie­kritischen Auf­arbeitung der Thematik zu verknüpfen.
Ja, nicht nur zu verknüpfen, sondern sogar zum (schein­baren) Haupt­gegenstand
zu machen, denn bereits der erste Satz der englischen „Conclusion“ macht
deutlich, dass es dem Autor darum ging, eine „analysis of Hitlerist ideology in
German bracteate research and runology“ durch­zuführen. Dies ist ein schwieriges
und — wollte man wirklich seriöse Wissen­schafts­geschichte schreiben — gewiss
ein ehrenvolles Unterfangen. Es ist Bleck jedoch ganz und gar nicht gelungen.
So ist die Arbeit im wesent­lichen ein Buch geworden, das sich in grenzenlosem
Hass gegen Karl Hauck (1916–2007) und seine wissen­schaftlichen Nachfolger und
Schüler ergießt. Der Autor vergreift sich dabei immer wieder massiv im Ton und
bedient sich unbelegter, pauschaler Urteile statt einer sachlichen Aus­einander­
setzung. Die Studie enthält im Hinblick auf die Runen-Thematik zweifellos
einige interessante Analysen, intelligente Schluss­folgerungen und bedenkens­

Graf, Martin Hannes. Review of Reinhard Bleck. Angelsächsische oder friesische Runen auf Goldstücken des 6. und
7. Jahrhunderts (Goldbrakteaten, Solidi und Tremisses). Göppinger Arbeiten zur Germanistik, 784. Göppingen:
Kümmerle, 2016. 597 pp., numerous plates. ISBN 978-3-86758-039-7.
Futhark: International Journal of Runic Studies 8 (2017, publ. 2019): 167–71.
DOI: 10.33063/diva-384663

© 2019 Martin Hannes Graf (CC BY)


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werte Resultate, sie stehen jedoch in einem selt­samen Kontrast zu den ideologie­
kritischen Passagen, so dass am Ende der Lektüre ein sehr ungutes Gefühl bleibt.
Dem einleitenden „Dank“, der sich in erster Linie an englische, niederländische
und belgische Museen, Sammlungen und Forscher richtet, schliesst sich ein
längerer „Kein Dank“ (S. 6–10) an, der offenlegt, mit welchen Problemen Bleck im
Zusammen­hang mit dem Zugang zu seinen Quellen in Leeuwarden, Freiburg und
Bremer­haven zu kämpfen hatte. Insbesondere ein ausführlich zitierter E-Mail-
Verkehr mit der Leitung des Archäo­logischen Museums im Colombi­schlössle
Frei­burg im Breisgau soll aufzeigen, wie einem Forscher in Deutschland heute der
Zugang zu archäo­logischen Fund­stücken verwehrt werde — im Gegensatz etwa
zu Biblio­theken, die dem Forscher für frühere Arbeiten stets großzügigen Zugang
zu allen gewünschten mittel­alterlichen Hand­schriften gewährt hatten. Nun kann
der Rezensent allerdings aus eigener Erfahrung berichten, dass man ihm im
Rahmen eines Forschungs­projekts durchaus überall in Deutschand — und gerade
auch im Freiburger Colombi­schlössle — jeweils unkompliziert und mit großem
Entgegen­kommen Zugang zu mit Runen beschrifteten Objekten gewährte. Hatte
Bleck also einfach Pech? Oder sind die Sammlungen im Zusammen­hang mit
Gold­stücken restriktiver im Hinblick auf die Zugäng­lichkeit? Man weiß es nicht,
und es ist auch unerheblich in Bezug auf den Inhalt des anzu­zeigenden Buchs.
Klar ist aber: Bleck ist ein streitbarer Geist, der nicht mit Kritik spart, der oft kühn
und kämpferisch argumentiert, meist aber ziemlich erbittert zur Sache geht.
Dem laut Buchtitel eigentlichen Forschungsgegenstand des Buches (den Gold­
brakteaten, Solidi und Tremisses) geht ein rund 180 Seiten starkes Kapitel mit
dem Titel „Voraus­setzungen“ voraus, das sich den einschlägig diskutierten und
umstrittenen Forschungs­fragen zu den Fundumständen, zur Herkunft, zur Datie­
rung, Herstellung und Funktion der Münzen widmet. Eingewoben sind hierin
fünf teils längere Exkurse, die die Hauptprobleme nur am Rande betreffen.
Einer befasst sich mit dem „Klima an der ‚Reichsuniversität‘ Straßburg 1941–
44“ (S. 137–160). Dieser Exkurs macht — zusammen mit ungezählten weiteren
Stellen — sehr deutlich, worum es Bleck ganz zentral geht: der Entkoppelung der
Brakteaten­forschung vom Namen Karl Hauck und einer daraus folgenden neuen
Beurteilung der Brakteaten und der anderen die germanische Altertums­wissen­
schaft interessierenden Goldstücke. Schon in einer weiteren präambel­ haften
Vorbe­merkung schlägt Bleck (S. 18) einen diesbezüglich radikalen Ton an:
Die Brakteaten zitiere ich nicht nach den Nummern des sogenannten Ikono­graphischen
Kata­loges der Hauckianer(innen), um mich davon zu distanzieren, weil ich die Grund­
lage und Zielsetzung des Unternehmens, die „germanische“ Religion aus den Brakteaten
zu rekonstruieren, nicht nur für verfehlt, sondern für gefährlich halte. Was der
„Germanen“-Wahn der Menschheit angetan hat, kann bis zum Ende der Welt nicht
mehr wieder­gutgemacht werden. Mal ganz davon abgesehen, dass die Brakteaten das,
was diese Forscher(innen) suchen, gar nicht enthalten.

Im Zusammenhang mit der Ausbildung und Tätigkeit an der Universität Straß­


burg, wo Hauck eng mit — sicherlich streitbaren — Forscherfiguren wie Siegfried

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Angelsächsische oder friesische Runen • 169

Guten­brunner, Joachim Werner oder Hermann Heimpel zusammen­


arbeitete,
schreibt Bleck (S. 159) über Hauck:
Seine „Ikonologie“ ist die Kunst, aus einem X ein U zu machen. Die Herkunft ist für die
Ab­leh­nung von Haucks Lebenswerk nicht entscheidend, sondern das Weiter­machen.
Hauck hätte an sich arbeiten können, um sich die hitleristische Ideologie aus dem Kopf
zu schlagen. Dazu hatte er aber keine Veran­lassung, weil seine Umgebung sich ja nicht
verändert hatte. Der „Führer“ war weg, seine Gefolgs­leute waren noch da. Und sie
mussten nicht einsehen, dass sie irgend etwas falsch gemacht hatten. Hauck hat sein
Leben lang den Auftrag, den er an der „Reichsuniversität“ Straßburg erhalten hat, erfüllt.
Aus der braunen Suppe wuchs ein graubrauner giftiger Schimmel heraus, Karl Haucks
Brakteaten-„Forschung“, die weiter den „Germanen“-Wahn in den Mittel­punkt stellte.

Diese komplette Ablehnung von Hauck hat zur Folge, dass Bleck nicht nur den
Ikonographischen Katalog weitestgehend ausblendet, sondern dass er — natür­
lich — Haucks Publikationen zu großen Teilen ignoriert. Und nicht nur das. Wer
sich in seiner Forschung nicht kritisch genug mit Hauck auseinander­setzt(e),
bekommt Blecks massive Kritik zu lesen, so etwa der bedeutende deutsche Runen­
forscher Klaus Düwel: „Ich hatte früher eine hohe Meinung von Klaus Düwel, die
mir durch das Studium der neueren deutschen Brakteaten­forschung ver­gangen
ist. Wer den zum Hitleristen ausgebildeten Karl Hauck, der seine Richtung
beibehalten hat, recht­fertigt, recht­fertigt Adolf Hitler, Krieg, KZ und millionen­
fachen Massen­mord“ (S. 130). Solche Stellen lassen den Leser leer schlucken, sind
derartige Anwürfe in wissen­schaftlichen Publi­kationen ja nicht unbedingt all­
täglich, ja weniger noch: sie sind schlechter­dings untragbar, denn sie greifen eine
Person nicht im wissen­schaftlichen Diskurs an (wo natürlich auch bisweilen mit
harten Bandagen gefochten werden darf), sondern auf einer persönlichen und
zuweilen nach­gerade ehr­verletzenden Ebene. Aber auch mit anderen Forschern,
ins­besondere mit anderen Forschungs­meinungen, geht Bleck nicht zimperlich
um, teils vielleicht berechtigt, teils aber mit Worten, die jede Differenziert­heit
vermissen lassen.
Auch im Sachlichen kennt Bleck kein Pardon: So kann man etwa die seman­
tische Analyse von medu ‚Met’ auf dem Bakteaten von Undley sicherlich in Frage
stellen; Blecks (S. 224) Argumentations­verfahren ist in ihrer Radikalität jedoch
einzig­artig:
Eine Inschrift auf einem Goldstück, die die Bezeichnung für ein alkoholisches Getränk
ent­hält, wäre vorstellbar, wenn der Goldschmied extremer Alkoholiker gewesen oder
wenn der Brakteat zum Beschaffen von Met verwendet worden wäre. Bei der ersten
Mög­lich­keit wäre der Brakteat nicht zustande gekommen, bei der zweiten hätte man den
Met gleich hekto­literweise abnehmen müssen. Eine Inschrift, die „Met“ enthält, wäre
auch vorstellbar auf einem Trinkgefäß, einem Gerät zum Umrühren des Getränks, zum
Bei­spiel einem Löffel, oder an der Tür einer Trinkstube, aber kaum auf einem Gold­stück.

Man kann dies scharfsinnig, humorvoll oder auch unangebracht finden — solche
Passagen wirken in jedem Fall nicht recht wissen­ schaftlich. Es ist tat­
säch­

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lich bisweilen unter­haltsam, Blecks Argumen­tationen zu folgen, die sich auch


dadurch auszeichnen, dass sie aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Bei
näherem Hinsehen erweisen sie sich aber meist doch nur als nicht weiter über­
prüfbare Behauptungen.
Dies und gewisse methodische, darstellerische bzw. formale Eigenheiten des
Bandes machen die Lektüre also nicht gerade einfach. Es wäre keine Kunst, hier
weitere Müsterchen penibel und spitzfindig aufzulisten. Auch über die lin­guis­tische
Expertise Blecks könnte man einiges sagen (sie erschöpft sich im wesent­lichen
darin, in Wörter­büchern nach lautlich oder graphisch passenden Wörtern nach­
zuschlagen), aber man wird dem Buch nicht gerecht, wenn man nicht erwähnte,
dass ins­besondere in der zweiten Hälfte des Bandes die gegenstands­bezogene
Sachlich­keit überwiegt und die ideologie­kritischen Passagen etwas zurück­treten.
Dazu kommt, dass der Autor seinen Forschungs­gegenstand ins­gesamt gut kennt,
ja dass er nicht nur eine verblüffende Detail­kenntnis an den Tag legt, sondern
auch stets das große Ganze in seiner erheb­lichen Komplexität über­blickt. Ebenso
kennt Bleck die umfangreiche Forschungs­literatur zu allen Aspekten des Themas
und referiert sie lückenlos. Auch an eigentlichen Resultaten (oder vielleicht
müsste man eher sagen: an argumentativ breit ausgewalzten Hypo­thesen) ist
das Buch nicht arm, und die zukünftige Brakteaten­forschung wird wohl nicht
darum herumkommen, sie wenigstens zur Kenntnis zu nehmen. Davon seien
einige aufgezählt: Gold­brakteaten, imitierte Goldsolidi usw. seien keine Einzel­
anfertigungen zu kultischem Gebrauch und mit Amulett­charakter, sondern wohl
in mehreren hundert Exemplaren angefertigte Schmuck­stücke für Frauen, die
diese vornehmlich als Wertanlage besessen und getragen haben sollen (S. 132–
136). Dass es sich dabei um verschleiertes Raubgold handelte (S. 132), ist denk­bar,
aber kaum beweisbar. Vorbilder seien römische Stücke, Medaillons und häufig
Bronze­münzen gewesen (passim, vgl. etwa S. 208–210). Die bei den Einzel­stücken
differierende Ornamentik der Brakteaten dürfte individuell, jedoch von ein und
derselben Werkstätte angefertigt worden sein (S. 116). Die heu­tigen Fundorte
würden nicht auf ehemalige Zentral­plätze, Fürsten­sitze, Macht­zentren oder Kult­
stätten (jedenfalls im Hinblick auf Sievern, S. 42–54) ver­weisen, und ebensowenig
sollen die Fundumstände auf eine rituelle Opferung oder der­gleichen schließen
lassen. Beschriftet wurden nach Bleck die Münzen nicht mit Wortschatz, der
auf die germanische Götterwelt referiert, sondern der gewisser­maßen selbst­
referentiell auf die Münze selbst, auf Münzstätten, den Geldwert, die Trägerin
und ähn­liches verweist (vgl. zum Brakteaten von Undley etwa S. 234–239). So ist
es wohl tat­sächlich nicht ganz unwahr­scheinlich, dass die bentin(o)-Tre­misses
auf den (Münz-)Ort Benenden in Kent verweisen (S. 447), die deraịona-Tre­misses
(so von Bleck gelesen) vielleicht auf Darenth, ebenfalls in Kent, oder Darmsden,
Suffolk (S. 480–485). Blecks diesbezügliche Deutungs­vorschläge werden mit aller
Vor- und Umsicht vorgetragen und erheben auch nicht den Anspruch auf letzt­
gültige Wahrheit. Des weiteren seien auf den Goldstücken nicht germanische
Götter­fürsten (jedenfalls auf den untersuchten Stücken) dargestellt, sondern die
römischen Kaiser der Vorbilder in freier Umgestaltung.

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Interessant — jedoch alles andere als überzeugend — ist ferner Blecks Stellung­
nahme zum oft diskutierten Problem der friesischen runischen -u (S. 75–81 sowie
passim): Diese sollen keine Reflexe von urgermanisch *-az darstellen (und damit
eine Art Allein­stellungs­merkmal des Vor­alt­friesischen), sondern Nominative der
femininen o-Deklination, so bei ka〈m〉bu, ko〈m〉bu (Oostum resp. Toorn­werd),
habuku (Oostum [nach Bleck zum Frauen­namen mod. Hauke]) sowie scanœ
mœdu (Blecks Lesung, London). Bei æniwulufu (Folkestone) setzt Bleck aus­
gefallenes -s einer lateinischen Endung -us voraus, was damit begründet wird, dass
kein Friese, sondern ein Angelsachse im mutmaßlichen Anthropo­nym genannt
sei (wofür es im Angel­sächsischen allerdings tatsächlich Beispiele gibt). Und auf
adujislu (Wester­emden, Blecks Lesung) allein sei, wenn nicht doch ein Frauen­
name Gisela vorliege, nichts aufzubauen. Schließlich liest Bleck die Inschrift auf
dem Solidus von Schweindorf þelad oder welad, also ohne das in der Regel als
Runen­zeichen u aufgefasste Zeichen am Ende der Inschrift (S. 406), mit dem so
simplen wie un­begründeten Argument: „Das vermeintliche u gehört nicht zur
runischen Inschrift“. Es kann hier dazu nicht detailliert Stellung bezogen werden,
aber der Gestus Blecks scheint hier doch recht klar in die Richtung zu gehen,
dass ein­fach generell der -u-Diskussion ein Ende gesetzt werden sollte — nach dem
Muster „Was nicht sein kann, darf nicht sein“. Philologische Differen­ziert­heit sähe
jeden­falls anders aus. Auf die zwar zitierten Beiträge zu diesem Thema von Robert
Ne­doma und Roland Schuh­mann geht Bleck nur polemisch dahin­gehend ein, dass
sie „offenbar die Hypothese von 1970 für die Ewigkeit konser­vieren“ sollten.
Leider hat das Buch keinen Index, aber über das differenzierte Inhaltsver­
zeichnis (S. 11–13) und eine gute interne Vernetzung (via Fußnoten) sind ein­
zelne Sach­bereiche schnell aufzufinden. Jedes Kapitel enthält eine vollständige
Stellen­bibliographie, und eine ausführliche englische „Conclusion“ (S. 523–549)
schließt den Textteil des Buches ab. Es folgen eine tabellarische Übersicht über
die behandelten Brakteaten und Goldmünzen (S. 550 f.) sowie ein (über 40 Seiten
starkes) Quellen- und Literatur­verzeichnis (S. 552–597). Etwas eigensinnig ist
die An­ordnung der Titel einerseits nach „Beiträgen ohne Bezug­nahme auf die
runischen Goldstücke (alphabetisch nach Verfasser)“ und anderer­ seits nach
„Beiträgen, die auf die runischen Goldstücke Bezug nehmen (chrono­logisch)“.
Letztere Liste mag für forschungs­geschichtliche Implikationen interessant sein,
ansonsten erschließt sich ihr Sinn dem Rezensenten nicht.
Der Text ist nahezu fehlerlos, zahlreiche illustrative Zeichnungen begleiten die
Darstellung.

Futhark 8 (2017)

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