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Beispiellösung zum Kapitel: BL 13-01

Moderne (1890–1933)

Beispiellösung zur Klausurvorbereitung:


Die vergleichende Analyse von Gedichten verfassen
In dem expressionistischen Gedicht „Morgens“ aus dem Jahr 1919 von Jakob van → Einleitung
Hoddis beschreibt der Sprecher den beginnenden Morgen einer modernen Groß- (Titel, Autor,
stadt im Kontrast mit dem Morgen in der freien Natur. Dabei geht es thematisch um Jahr, Textsorte,
Thema)
die Entfremdung des modernen Menschen von sich selbst im anonymen Getriebe
5 der durch Technisierung und Industrialisierung gekennzeichneten Großstadt.
Im Folgenden soll das Gedicht insbesondere im Hinblick auf Sprachgestaltung und → Vorgehensweise
Bildlichkeit analysiert werden. Dabei soll auch der Epochenkontext des Expressio-
nismus berücksichtigt werden. Mitbedacht ist, dass dieses Gedicht im zweiten Teil
der Klausur mit dem romantischen Gedicht „Morgendämmerung“, 1837 von Joseph
10 von Eichendorff verfasst, verglichen werden soll.
Das vorliegende Gedicht enthält kein explizites „lyrisches Ich“. Jedoch findet sich → Hauptteil
ein Verweis auf ein „Du“ (V. 15) und in den Versen 21 und 23 jeweils ein Imperativ, (aspekt-
der ebenfalls zum Ausdruck bringt, dass sich der Sprecher des Gedichts an orientiertes
Vorgehen)
jemanden wendet. Denkbar ist auch, dass der Sprecher eine Art Selbstgespräch
15 führt und seine Reflexionen an sich selbst richtet. Dies würde bedeuten, dass das
Gedicht eine Art Selbstvergewisserung bzw. Bestandsaufnahme des Gemütszu-
standes des Sprechers ist.
Der inhaltliche Aufbau des Gedichts umfasst drei Teile. Im ersten Teil (V. 1–14) → inhaltlicher Auf-
schildert der Sprecher, wie er den Beginn der Industrie- und Arbeitswelt am frühen bau (Stimmung,
20 Morgen erlebt. Im zweiten Teil (V. 15–20) bringt der Sprecher seine Beobach- Motive, Gedan-
kenführung)
tungen der Menschen in dieser Großstadt zur Sprache, die mürrisch zur Arbeit
gehen. Der dritte Teil (V. 21–24) befasst sich mit der Wahrnehmung der Natur, die
fernab der Stadt fröhlich den Morgen begrüßt.
Zu Beginn wird die durch Technisierung geprägte Großstadt sehr bildlich → Sprache und Stil
25 dargestellt. Der Sprecher berichtet von einem „starken Wind“, der „empor [springt]“ (Stilmittel, Bild-
(V. 1). Der Wind wird hier personifiziert: Er ist es auch, der die Tore „öffnet“ (V. 2) lichkeit, Wort-
wahl, Satzbau)
und „an die Türme [schlägt]“ (V. 4).
Der Himmel über der Großstadt ist „eisern“ (V. 2) und öffnet „blutende Tore“ (V. 2).
Hier lassen sich Parallelen zur Eisenindustrie finden. Die „blutenden Tore“ können
30 für Fabriktore stehen, die sich in der Früh für die Arbeiter öffnen und den Blick auf
die heiße Glut des für die Eisenschmelze benötigten Feuers freigeben. Auch die
„Türme“ (V. 4) sind ein Symbol für die Industrialisierung. Ebenso wird die Sonne
als „rußig“ (V. 7) beschrieben: Eine Metapher für die Rußablagerungen der Indus-
trie und den allgemeinen Schmutz in der Stadt. Selbst die „Morgensonne“ (V. 7),
35 die eigentlich Licht in das Dunkel der Großstadt bringt, schafft dies nicht.
Der Sprecher geht jedoch nicht nur auf diese visuellen Eindrücke der Stadt ein,
sondern er berichtet auch von seinen akustischen Wahrnehmungen. So wird die → sprachliche
Großstadt als lärmend und unerträglich „laut“ (V. 5) erlebt. Dies wird auch durch Mittel mit Zitaten
die folgende Alliteration noch unterstrichen: „Auf Dämmen donnern Züge“ (V. 7–8). belegen
40 Die Stadt wird als „bleich“ (V. 10) beschrieben, gleich einem kranken Menschen.
Auch die „Dampfer und Kräne“ (V. 11) werden wie Lebewesen beschrieben, denn
sie „erwachen am schmutzig fließenden Strom“ (V. 11–12). Diese Personifizierun-
gen unterstreichen den Eindruck, dass in der modernen Großstadt nicht der
Mensch im Vordergrund steht, sondern die Maschinen.
45 Auch die Kirchturmglocken können dieser als unheilvoll empfundenen Entwicklung
nichts entgegensetzen, denn das Gotteshaus, zu dem sie gehören, ist „verwittert“
(V. 14). Es scheint, als stamme es noch aus einer anderen Zeit. Auf die moderne
Großstadt hat es offenbar keinen Einfluss mehr. Dies verdeutlicht auch die

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Beispiellösung zum Kapitel: BL 13-01
Moderne (1890–1933)

Personifikation der Glocken, die über die Entwicklung nicht erfreut sind: „Verdrossen
50 klopfen die Glocken am verwitterten Dom“ (V. 13–14).
→ Text/
Die unzusammenhängende und elliptische Reihung assoziativer Eindrücke unter- Sinnabschnitte
stützen die These, dass der Sprecher sich in seiner Stadt nicht mehr beheimatet, durch Absätze
sondern entfremdet und entwurzelt fühlt. Es entsteht der Eindruck, dass nicht die gliedern
Fabriktore, sondern er innerlich blutet. Er leidet augenscheinlich unter der Indus-
55 trialisierung und darunter, dass nicht die Stadt an sich „bleich“ (V. 10) ist, sondern
dass der Sprecher durch den Lärm selbst erkrankt ist. Die Verdrossenheit der
Domglocken ist letztlich nur ein Spiegelbild des inneren Zustands des Sprechers.
Er selbst ist mutlos, hoffnungslos und lustlos. Er sehnt sich nach den wilden
Feldern fernab der Stadt, wo die Lerchen singen (V. 24).
60 Dieses Unwohlsein, das durch das Adjektiv „bleich“ (V. 10) zum Ausdruck gebracht
wird, findet sich ebenfalls im 2. Teil des Gedichts, in dem der Sprecher die anonym
bleibenden Menschen, die zur Arbeit gehen, beobachtet. Die Frauen, die er dort
sieht, erscheinen „im bleichen Licht“ (V. 17). Sie wirken blass, blutleer, fahl und
grau. Dennoch nimmt der Sprecher die Sinnlichkeit der Mädchen und Frauen wahr:
65 „Wild von der Nacht. / Ihre Röcke wehn. / Glieder zur Liebe geschaffen.“ (V. 17–19)
Auf dem Weg zur Arbeit (vgl. V. 20) erscheinen die Frauen kraftlos. Hier wird ein
starker Kontrast zwischen dem Vers 19 und dem Vers 20 geschaffen: Die Arbeits-
welt wird symbolisch durch die „Maschine“ verkörpert, wegen derer die Frauen ihre
Sinnlichkeit einbüßen. Ihre Lustlosigkeit wird zudem durch die Alliteration
70 „mürrischem Mühn“ (V. 20) noch verstärkt dargestellt.
Angesichts der als trostlos, lärmenden, krank machenden und unzumutbar em-
pfundenen Stadt wendet sich der Sprecher der Natur zu, die er als „zärtlich“ (V. 11;
V. 12) und heilend erlebt: „Sieh in das zärtliche Licht. / In der Bäume zärtliches Grün“
(V. 21–22). Die Natur ist für ihn das Heilmittel, das ihn von der Trostlosigkeit der
75 Stadt befreit und ihn rettet. Indem er für die grünen Bäume (vgl. V. 21) und die
singenden Lerchen (vgl. V. 24) sensibel wird, kann er sich von der von Industrie
dominierten Stadt erholen. In der Natur kann der Mensch genesen; hier ist die
eigentlich Leben spendende Kraft zu finden, ein Gedanke, der in dem anschließend
zum Vergleich anstehenden Gedicht von Eichendorff im Zentrum steht.
80 Damit handelt das Gedicht „Morgens“ von Jakob van Hoddis von einem Menschen in → textübergrei-
der Krise, der nach einem persönlichen Ausweg aus der von der Industrialisierung fende Aspekte
geprägten Lebenswelt der Stadt auszubrechen versucht. Es weist damit typisch (Expressionis-
mus als Hinter-
expressionistische Motive auf, denn sowohl das Motiv der Großstadt mit den Zeichen grund)
von Technik und Industrialisierung als auch der Blick auf die anonym bleibenden
→ Ergebnisse
85 Menschen gehört zum Motivkreis des Expressionismus.
zusammen-
Das zweite Gedicht „Morgendämmerung“ von Joseph von Eichendorff aus dem Jahr fassen
1837 dagegen lässt sich der Romantik zuordnen und thematisiert die Natur als → Gedichtvergleich
Sehnsuchtsraum romantischer Wünsche. Im Gegensatz zu dem expressionistischen unter Epochen-
Gedicht, das eine freie Form hat, ist das Gedicht „Morgendämmerung“ ein Sonett, das bezug
90 eine klare Struktur mit einem regelmäßigen Reimschema (abba, abba, cde, cde) auf-
weist.
Der inhaltliche und formale Aufbau des Sonetts umfasst zwei Quartette und zwei → inhaltlicher und
Terzette. Das erste Quartett (V. 1–4) thematisiert den nächtlichen Gesang der formaler Aufbau
Nachtigall, durch den die ambivalenten Erfahrungen, die sich im Zustand des des zweiten
Gedichts
95 Traumes offenbaren, zum Ausdruck kommen. Das zweite Quartett (V. 5–8) be- (Stimmung,
schreibt den Flug der Lerche, die sich noch vor Tagesanbruch durch die Luft Motive, Gedan-
schwingt. Im ersten Terzett (V. 9–11) erfährt der Leser, dass der lyrische Sprecher kenführung)
schon seit geraumer Zeit draußen ist und die Natur wahrnimmt. Das zweite Terzett
(V. 12–14) beschreibt das gemeinsame Warten auf den Tagesanbruch.
100 Der lyrische Sprecher tritt in den ersten beiden Strophen noch nicht in Erscheinung.
Noch ist es Nacht. Der Sprecher des Gedichts befindet sich offenbar in einem
unbewussten Zustand des Traumes, in dem sich das Unbewusste Raum verschaffen

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kann. Der Zauber der Nacht ist ambivalent und fördert verschiedene Gemütszustände → Sprache und Stil
zutage. Die „irren Klagen“ (V. 3) der Nachtigallen verweisen darauf, dass die Wahr- des zweiten
105 nehmung diffus bleibt. Das Unvermögen, das eigentlich Empfundene auszudrücken, Gedichts
(Stilmittel, Bild-
wird ebenfalls thematisiert: „können’s doch nicht sagen“ (V. 3). Schmerzhafte und lichkeit, Wort-
lustvolle Erfahrungen des Träumenden gehen ineinander über: „Die Schmerzen all wahl, Satzbau
und Wonne“ (V. 4). Im Gegensatz zu „Morgens“ von van Hoddis steht hier das
Erwachen der Natur im Zentrum.
110 In der dritten und vierten Strophe tritt der lyrische Sprecher explizit in Erscheinung.
Anders als in dem Gedicht „Morgens“ gibt es hier einen lyrischen Sprecher, der
sich im Einklang mit der Natur befindet: „Ich aber stand schon lange in dem
Garten“ (V. 9). Der lyrische Sprecher fühlt sich der Nachtigall und der Lerche
verbunden. Er bildet eine Einheit mit den Tieren, die er in diesem Garten wahrnimmt,
115 und erlebt eine nahezu religiöse Naturverbundenheit: „O fromme Vöglein, ihr und ich,
wir warten“ (V. 12). Das gemeinsame Warten auf den Tagesanbruch, auf das „frohe
Licht“ (V. 13), weckt die Sehnsucht und das Verlangen.
Damit umkreist das Sonett die typisch romantischen Motive Nacht, Sehnsucht, → Schluss
Verlangen, Unterbewusstsein, Einsamkeit und Natur. Dabei ist die Natur in dem formulieren
120 Sonett kein realer Ort, an dem der gestresste Großstädter Zuflucht findet, wie in (Ergebnisse
zusammen-
dem Gedicht „Morgens“, sondern stellt eine Seelenlandschaft dar. So sind die hier fassen)
verwendeten Naturmetaphern Stimmungsträger, die bestimmte Gefühle hervorrufen.

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