Internationale Sommerakademie Varna
Deutsch mit allen Sinnen
27.08.-02.09.2023
Arbeitsformen
Die Kettenübung ist eine Arbeitsform, die Lernen und Motorik verbinden
kann. Ein Schüler wirft einem anderen einen Ball zu und stellt eine Frage.
Der Schüler, der den Ball gefangen hat, beantwortet die Frage und stellt
sie danach einem anderen Schüler. Der Ball bestimmt, wer als nächstes
das Rederecht bekommt. Dabei sind alle Schülerinnen und Schüler sehr
aufmerksam, denn sie könnten ja im nächsten Moment an der Reihe sein.
Beim Klassenspaziergang gehen die Lernenden durch das
Klassenzimmer und befragen die Person, der sie begegnen, oder
antworten ihr. Eignet sich gut für große Klassen. Ähnlich funktioniert auch
die Autogrammjagd, bei der die Jugendlichen für jede mit Ja
beantwortete Antwort eine Unterschrift von ihren
Mitschülerinnen/Mitschülern erhalten. Wer als erstes alle Autogramme
eingesammelt hat, hat gewonnen.
Beim Karussell bilden die Lernenden einen Innen- und Außenkreis und
führen kurze Gespräche zu einer Vorgabe / zu einem Thema. Auf ein
Zeichen der Lehrkraft drehen sich die Kreise gegeneinander und ein neuer
Dialogpartner steht gegenüber. Diese Arbeitsform eignet sich gut für große
Klassen. Durch das Zufallsprinzip kommen auch einmal Lernende ins
Gespräch, die sonst wenig miteinander zu tun haben.
Eine Abwandlung von Karussell ist die Arbeitsform Speed Dating. Dabei
verteilen sich die Teilnehmer auf zwei einander gegenüberstehende Stuhl-
bzw. Stehreihen, so dass jeweils zwei Personen sich einander
gegenübersitzen/ gegenüberstehen und Blickkontakt miteinander haben.
Nach Ablauf der vereinbarten Zeit rücken alle Teilnehmer der einen
Stuhlreihe/Stehreihe einen Platz nach links/hinten. Auf diese Weise
entstehen neue Zweiergruppen. Bei jedem Wechsel wird eine neue Frage
formuliert, das Speed Dating dauert maximal so lange, bis jede/r mit
jeder/m in der gegenüberliegenden Reihe einmal gesprochen hat. Die
Ergebnisse können auf Zetteln/Karten stichpunktartig festgehalten und
später in Form einer Tabelle oder in Clustern aufgehängt werden.
Arbeitsformen können verschiedene Sozialformen integrieren, wie
beispielsweise das Stationenlernen. Beim Stationenlernen werden
verschiedene Arbeitsaufträge räumlich an verschiedenen Plätzen/Stationen
im Kursraum verteilt. Die Lernenden arbeiten eine begrenzte Zeit an
einem Tisch / einer Station und wechseln danach an den nächsten Tisch.
Die Arbeitsaufträge können dabei in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit
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bearbeitet werden. Das Stationenlernen eignet sich gut für
binnendifferenzierendes Arbeiten, da die Stationen unterschiedlich
schwierig gestaltet sein und auch unterschiedliche Lerntypen ansprechen
können. Außerdem arbeiten die Jugendlichen an den Stationen sehr
selbstständig; sie können dazu aufgefordert werden, ihre Arbeit zu
dokumentieren, was wiederum die Lernerautonomie fördert.
Die Grundidee eines Rückendiktats ist es, ein Diktat in zwei Abschnitte
aufzuteilen, so dass jede/r Schülerin/Schüler einmal diktiert und einmal
hört und schreibt. Diese Diktatform trainiert gleichzeitig das Hören,
Sprechen und Schreiben und findet in einer Interaktion zwischen zwei
Lernenden oder zwei Gruppen statt.
Eine weitere effiziente Arbeitsform, in der die Aktivität der Lernenden auch
physisch erhöht werden kann, ist das Laufdiktat. Beim Laufdiktat
arbeiten die Lernenden zu zweit. Sie hängen die Textvorlagen A und B
weit vom eigenen Tisch entfernt an eine Wand oder legen die Vorlagen auf
einen entfernten Tisch. Dann pendelt ein Lerner zwischen Sitzplatz und
Textvorlage A hin und her, wobei er sich immer kleine Textportionen merkt
und diese seinem Schreibpartner diktiert. Nachdem er Text A fertig diktiert
hat, wechseln die Partner ihre Rollen. Jetzt pendelt der andere Lerner
zwischen Platz und Vorlage B hin und her und diktiert seinem Partner den
Text Satz für Satz. Im Anschluss korrigieren die Partner dann die Texte
des jeweils anderen. Neben dem Training des Hörverständnisses und der
korrekten Schreibung wird auch die kommunikative Kompetenz der
Lernenden erhöht: Sie müssen nachfragen, wiederholen, langsamer
sprechen, das Verständnis sichern usw. Beim Laufdiktat sind die Lerner
zudem motorisch aktiv. Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass die
Verbindung von Bewegung und Lernen sehr effizient ist.
In Rollenspielen übernimmt jede/r Lernende eine Rolle, meist in
Diskussionen oder Streitgesprächen. Rollenkarten liefern oft zusätzliche
Informationen zur Situation und zur Charakteristik der Rolle, die gespielt
wird.
Ein Zickzack-Dialog ist eine Übungsform zur mündlichen Interaktion im
Fremdsprachenunterricht. Er eignet sich zum Einüben von
Diskursroutinen, besonders solchen zur Verständnissicherung. Diese
Übungsform regt auch sonst weniger aktive Schüler durch sanften
Gruppendruck zur mündlichen Interaktion an.
Die Klasse erhält als Aufgabe eine Dialogsituation zwischen zwei Personen.
Es ist sicherzustellen, dass die Situation von allen Teilnehmern verstanden
wird. Die Klasse wird in zwei gleichgroße Gruppen (A und B) aufgeteilt.
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Die Gruppenmitglieder sitzen oder stehen sich in zwei Reihen gegenüber.
Jede Gruppe übernimmt nun eine Rolle des Dialogs. Der erste Schüler in
Gruppe A (A1) beginnt den Dialog, der erste Schüler in Gruppe B (B1)
reagiert auf die Äußerung von A1. Auf seine Äußerung reagiert wiederum
A2, darauf B2 usw. Auf die Reaktion des letzten Schülers in Gruppe B
reagiert wieder der erste in Gruppe A. Die Lehrkraft achtet weniger auf die
Korrektur sprachlicher Fehler als darauf, dass die Schüler nicht aus der
Rolle fallen.
Die PlacematActivity (engl. für Platzdeckchen) ist eine Form der
Gruppenarbeit und ein Bestandteil des kooperativen Lernens. Die Klasse
wird in (Schüler-)Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe besteht aus
idealerweise vier Mitgliedern. Jede Gruppe erhält eine Placemat, das wie
auf der Abbildung unten vorbereitet worden ist, damit vier Felder plus eins
in der Mitte entstehen. Das Placemat hat eine Größe eines A3- oder A2-
Papiers.
Placemat
Alle erhalten einen Auftrag zu einem bestimmten Thema. Jeder Teilnehmer
schreibt seine Gedanken, Ideen oder Wissen auf seinem Teil des Placemat
in einer vorher festgelegten Zeit – etwa fünf bis zehn Minuten.
Das klassische Vorgehen ist Folgendes:
1. Nachdenken und Schreiben: Jeder notiert in seinem Segment eigene
Gedanken zu der Hauptfrage (Dauer etwa fünf Minuten)
2. Stummes Vergleichen: Jeder liest die Notizen der anderen und stellt
nur Rückfragen bei Verständnisproblemen oder Leseschwierigkeiten
(Dauer etwa fünf Minuten)
3. Teilen und Konsens finden: Die Gruppe entscheidet gemeinsam,
welche der genannten Gedanken in die Mitte des Blattes geschrieben
werden. Hilfreich ist eine Begrenzung, etwa „Einigt euch auf fünf
Hauptpunkte.“ Diese Hauptpunkte können dann auch noch priorisiert
werden. (Dauer etwa zehn Minuten)
4. Abschließend präsentiert jede Gruppe ihre Arbeitsergebnisse der
ganzen Klasse.
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Bei der Vier-Ecken-Methodewerden vier Begriffe/vier Zitate zu einem
Thema aufgeschrieben und in je einer der vier Ecken des Raumes
aufgehängt.
Alternativen:
[Link] sucht sich die Aussage aus, der er/sie am meisten zustimmt und
stellt
sich in diese Ecke. Die Lehrkraft befragt einzelne nach ihren Gründen, sich
in
eine bestimmte Ecke zu stellen.
[Link] sucht sich die Aussage aus, der er/sie am meisten zustimmt und
stellt
sich in diese Ecke. Alle dort Stehenden diskutieren über ihre Gründe, sich
für
diese Ecke zu entscheiden. Sie berichten anschließend im Plenum über
ihre
Diskussion.
[Link] geht in eine beliebige Ecke und tauscht sich mit den anderen, die
dort
stehen, über die Aussage aus. Dann wechseln alle ihre Ecken und führen
wieder ein Gespräch. Dies wird viermal durchgeführt, bis jeder einmal in
jeder Ecke gestanden und diskutiert hat.
Heißer Stuhlist eine Methode, die sich für die Arbeit mit großen Gruppen
bzw. mit der ganzen Klasse eignet. Auf dem "Heißen Stuhl“ stellt sich eine
Person den Fragen der Gruppenmitglieder. Diese Methode kann zur
Wiederholung herangezogen werden. Auch persönliche Themen können im
Zentrum einer Fragerunde stehen.
Man bildet einen Stuhlhalbkreisund lässt einen Stuhl vor dem Halbkreis
unbesetzt! Die Kandidaten sind Freiwillige, die sich auf den "Heißen Stuhl"
setzen und den Fragen ihrer Mitschüler stellen.
In einer anderen Variante wird eine frühere Quiz-Sendung nachgespielt.
Die Kandidaten dürfen den Schwierigkeitsgrad und den Themenaspekt
wählen.
Die Kärtchen werden ausgelegt oder an eine Pinnwand geheftet.
Expertengruppen
Die Gruppen-Experten-Rallye ist eine Methode, bei der Lernende
gleichzeitig auch als Lehrende agieren. Es werden Stamm- und
Expertengruppen gebildet, wobei die Lerner sich erst eigenverantwortlich
und selbstständig in Gruppenarbeit exemplarisch Wissen über einen Teil
des zu bearbeitenden Themas erarbeiten, welches sie dann in einer
nächsten Phase ihren Mitlernern in den Stammgruppen vermitteln. Alle
erarbeiten sich so ein gemeinsames Wissen, zu dem jeder einen Beitrag
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leistet. Wesentlich an der Methode ist es, dass jeder Lerner aktiv (d.h. in
einer Phase auch zum Lehrer) wird. Die Methode wird auch Gruppenpuzzle
[Link] Methode eignet sich gut zur Einführung neuer Inhalte, wobei
Grund- und Basiskenntnisse vermittelt werden können.
Bevor sich Expertengruppen bilden, kann es sinnvoll sein, kurz eine
Stammgruppenphase stattfinden zu lassen, damit sich die spätere Gruppe,
in der die Experten ihr Wissen vermitteln werden, schon kennen lernt. Die
Anzahl der Gruppen richtet sich nach Gruppengröße und Anzahl der
Teilthemen die bearbeitet werden, d.h. die Anzahl der Stammgruppen
ergibt sich, wenn man die Gruppengröße durch die Anzahl der Teilthemen
dividiert (geht die Gleichung nicht auf, übernehmen zwei Personen ein
Expertenthema).
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