Für den schnellen Leser
Die Gebrauchsanweisung
q Diese Bedienungsanleitung soll Ihnen helfen, größtmöglichen
Nutzen aus Ihrem Texterbuch zu ziehen. Deshalb lesen Sie hier
noch einmal einen Überblick der wichtigsten Kapitel und finden
unterschiedliche Wege ins Thema.
//Die Gliederung
Dieses Buch hat 6 Kapitel:
01. Grundlagen
02. Stil
03. Formen
04. Handwerk
05. Werkzeuge
06. Zauberkasten
»Grundlagen« will grammatikalisches Wissen einfach, ohne schu-
lischen Beigeschmack auffrischen. Denn aus der Schule wissen wir
noch: Grammatik ist langweilig. Informationen über Wortarten und
Satzbau sind trocken. Hier ist kurz und komprimiert, was Sie darü-
ber wissen sollten. Wer ohne Grammatik einsteigen will, erfährt in
diesem Kapitel auch, wie wir Texte mit den Augen aufnehmen.
»Stil« liefert einen Werkzeugkasten, um bestehende Texte zu opti-
mieren und um den eigenen Umgang mit Text weiter zu professio-
nalisieren. Selbstverständlich gibt es viele hundert Stilregeln und
Stilbücher. Die will dieses Kapitel nicht ersetzen. Es will Ihnen aber
sehr pragmatisch und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit Wege
zeigen, mit Ihren Texten weiterzukommen.
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»Formen« setzt bei den formellen Anforderungen eines Textes an:
Werbebrief, Pressemeldung, aber auch der Liebesbrief oder das
Schreiben von Anreißern für das Internet stellen Anforderungen an
den Text. Hier schlagen Sie einfach nach, wenn Sie beispielsweise
einen Werbebrief schreiben wollen – und legen los.
»Handwerk«: Wie in vielen Bereichen gibt es im Text handwerkli-
che Aspekte, die über den Erfolg entscheiden. Hier geht es nicht um
die großen stilistischen Anforderungen an ein Medium, sondern ein-
fach um »richtig« oder »falsch«. Wie spricht man im Brief korrekt
an? Wie indexiert man richtig? Was sollte man zur Unterschrift un-
bedingt wissen? Künftig schlagen Sie einfach nach ...
»Werkzeuge«: Neue Ideen finden? Schnell eine Wortbedeutung
nachschlagen? Ein passendes Zitat? Verlässliche Informationen, was
an einem bestimmten Tag passierte? Woher kommt ein bestimmtes
Sprichwort? Im Kapitel Werkzeuge finden Sie Empfehlungen, die
für Profi-Schreiber unerlässlich sind – mit Linkliste ins Internet und
konkreten Lesetipps.
Der »Zauberkasten« fällt etwas aus dem Rahmen. Er ist ein
Sofort-Programm für bessere Texte. Sie nehmen, was Sie geschrie-
ben haben, aktivieren Ihren Zauberkasten und finden garantiert
Ansatzpunkte, um Ihren Text zu optimieren.
Noch mehr Details zu den einzelnen Kapiteln liefert Ihnen übri-
gens das jeweilige Vorwort. Viel Spaß!
Kapitel 01 Grundlagen
q Grundlagen
Die Spielregeln der Sprache
Grammatik, Satzbau, Satzzeichen und das Wissen, wie Lesen »funktio-
niert«. Diese Grundlagen unserer Sprache sind Basiswissen für jeden
Profi-Schreiber. Nun kann natürlich jeder lesen und schreiben. Aber wer
erinnert sich wirklich noch an die Grundlagen in Deutsch aus der Schul-
zeit? Wie benennt man die Grundelemente unserer Sprache? Und wie
kombiniert man sie?
q Schaden kann sie keinesfalls, die kurze Grammatik für Nachho-
ler. Sie fasst Basisregeln der deutschen Sprache zum schnellen
Nachschlagen zusammen. Nicht in Schuljargon, sondern einfach
und schnell zu lesen. Mal ehrlich: In vielen Text-Talenten ist dieses
Basiswissen verschüttet oder als langweiliges Schulerlebnis abgelegt.
Dabei wäre die Reaktivierung wie eine erfrischende Dusche für die
Sprache. Oder können Sie die einzelnen Teile des vorherigen Satzes
benennen, ihre Funktion beschreiben?
Der erste Abschnitt dieses Kapitels führt in die Wortarten, Ab-
schnitt zwei zu Satzzeichen. Doch zuerst ein Bild, das Ihnen hilft,
Wortarten und ihre Rolle im Satz ganz einfach zu behalten. Stellen
Sie sich Wörter doch einfach wie Schauspieler auf einer Bühne vor ...
Los geht’s ...
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Die Themen dieses Kapitels:
Auf der Wortbühne 013
Wortarten: Die Elemente im Satz 014
Sätze und Satzbau: Bühne frei! 019
Die Satzzeichen: So führen Sie gekonnt Regie 026
Lesen: Was uns ins Auge fällt und was nicht 036
Auf der Wortbühne
q Willkommen im Worttheater! Schon kommt das Ensemble auf
die Bühne. Zuerst die Hauptdarsteller jeder Vorführung: die Haupt-
wörter. Sie sehen mit ihren Großbuchstaben vorne dran immer sehr
bedeutend aus. Und sie haben immer einen Begleiter in der Nähe,
das Begleitwort oder den Artikel. Egal, wie ein Hauptwort kostümiert
ist, an den Begleitern erkennt man sofort, wer da auftritt: Männchen,
Weibchen oder ein Ding. Direkt neben den Hauptwörtern marschie-
ren die Wiewörter. Je nach Wiewort erscheinen Hauptwörter immer
wieder anders: Groß, klein, rot, blau usw. Sieht man genauer hin,
haben die Hauptwörter Stellvertreter mitgebracht, die für sie später
in die Handlung einsteigen. »Fürwörter« sind Ersatzspieler – und
davon gibt’s mehrere Typen (er, sie, es usw.).
Die quirligsten Darsteller sind aber die Tuwörter oder Verben. Sie
bringen Leben auf die Bühne. Sobald sie vorn am Bühnenrand er-
scheinen, weiß das Publikum, was »los« ist. Verben nach vorn!
Am Rand der Bühne trödeln auch Zahlwörter und Ausrufwörter
herum. Ausrufwörter gehören eigentlich nie so richtig dazu und sind
Eigenbrödler. Zahlwörter haben aber immer einen großen Auftritt –
wenn man sie braucht.
Als sich die Handlung entwickelt, tauchen drei neue Darsteller
auf. Bindewörter ordnen Darsteller einander zu. Das ist einfach: Ein
kleines »Und« macht schnell klar, was wohin gehört. Verhältniswör-
Kapitel 01 Grundlagen
ter (Präpositionen) machen noch klarer, wie die Dinge zueinander
stehen (in, im, unter, zwischen, über, hinauf oder hinab). Und Gott
sei Dank läuft immer wieder ein Darsteller mit einer Tafel über die
Bühne, um zu erklären, unter welchen Umständen gerade etwas ge-
schieht: Gestern, heute, dort ... – der Job des Umstandsworts oder
Adverbs.
Ein schönes Theater! Aber man sagt, diese Truppe kann alles
spielen.
Wortarten: Die Elemente im Satz
q Schreiben ist einfach: Stellen Sie sich Sprache doch wie einen
Baukasten vor. Darin liegen zehn verschiedenfarbige Klötzchen: un-
sere Wortarten. Ganz oben die drei wichtigsten Bausteine: Verben,
Substantive und Adjektive.
Tätigkeitswörter oder Tuwörter (Verben)
Verben drücken Handlungen, Vorgänge und Zustände aus.
Hauptwörter (Substantive oder auch Nomen)
Nomen bezeichnen Lebewesen, Pflanzen, Dinge, Materialien und abs-
trakte Begriffe wie Eigenschaften, Vorgänge, Beziehungen usw.
Eigenschaftswörter (Adjektive)
Adjektive dienen dazu, einem Lebewesen, einem Gegenstand, einer
Handlung, einem Zustand usw. eine Eigenschaft, ein bestimmtes
Merkmal zuzuschreiben.
Schaut man genauer hin, ist schnell erklärt, was diese drei Haupt-
elemente tun: Verben bringen Bewegung in unseren Text (da tut
sich was), Hauptwörter sind das, was bewegt wird, und mit Eigen-
schaftswörtern grenzen wir das, was bewegt wird, voneinander ab.
014 015
Artikel, Pronomen und Zahlwörter ergänzen diese drei Bausteine
und bilden gemeinsam mit Verben, Substantiven und Adjektiven
das flexible Grundmaterial der Sprache. Diese sechs Wortgruppen
verändern sich im Satz. Im Germanistendeutsch: Sie werden ge-
beugt und machen Sprache dadurch noch lebendiger. Hier sind zu-
nächst die »Bausteine«:
Geschlechtswörter / Begleitwörter (Artikel)
Der Artikel tritt immer zusammen mit einem Hauptwort auf. Er zeigt das
Geschlecht – und er macht kleine, aber feine Unterschiede. »Das Haus
am Meer« meint ein bestimmtes Haus. »Ein Haus am Meer« ist noch
unbestimmt.
Fürwörter (Pronomen)
Pronomen stehen im weitesten Sinn für das Hauptwort. Anstelle von
»das Haus« schreibe ich im Folgesatz »es«. So kann ich als Schreiber
Wiederholungen vermeiden und verschiedene Verhältnisse zu und zwi-
schen Hauptwörtern deutlich machen.
Zahlwörter (Numerale)
Neben den bestimmten Zahlwörtern (ein, zwei, drei) besonders wichtig:
die unbestimmten, wie alles, wenig, viel usw.
//Wenn Wörter in Bewegung kommen ...
Ein Phänomen haben alle bisher genannten Wortarten gemein-
sam. Sie bleiben im Satz nicht immer gleich. Solche Veränderungen
nennt man Beugung oder Flexion. Ein Oberbegriff, denn die Flexion
oder Beugung des Substantivs nennt man Deklination (des Hauses,
der Häuser usw.), die Flexion des Verbums: Konjugation (ich lese,
du liest) und die Beugung des Eigenschaftsworts: Komparation oder
Steigerung (schön, schöner, am schönsten). Sechs unserer zehn Ele-
mente des Wortbaukastens werden also gebeugt.
Kapitel 01 Grundlagen
Vier Elemente fehlen noch im Wortbaukasten: Umstands-, Ver-
hältnis-, Binde- und Ausrufwörter. Sie bleiben immer gleich und
werden nicht gebeugt.
Umstandswörter (Adverbien)
Das Adverb bezeichnet die Umstände, in denen ein Geschehen, eine
Handlung verläuft. Durch Adverbien bezeichnete Umstände können zum
Beispiel Ort, Zeit und Art und Weise sein (Er hat es dort weggenommen. /
Ich habe gestern gelesen. / Wir sind anders gefahren.). Adverbien ste-
hen allerdings nicht nur beim Verb, sondern auch bei Eigenschaftswör-
tern (besonders schön) und in weiteren Kombinationen (Ich komme sehr
bald. / Das Haus dort gehört mir.).
Verhältniswörter (Präpositionen)
Präpositionen verbinden Wörter und Wortgruppen miteinander. Sie be-
zeichnen dabei ein räumliches, zeitliches, modales (Art und Weise) oder
ursächliches (kausales) Verhältnis zwischen zwei Sachverhalten.
Bindewörter (Konjunktionen)
Konjunktionen verbinden Satzteile, Nebensätze und Hauptsätze mitei-
nander (und, sowie ...).
Ausrufwörter (Interjektionen)
Interjektionen sind Ausdrucks- und Empfindungswörter. Sie werden
meist in Gesprächen verwendet, um die Gefühlslage und das Empfin-
den des Sprechers auszudrücken und / oder die Aufmerksamkeit des
Hörers zu wecken (Pfui, rühr das nicht an!).
Diese zehn Elemente sind das Material für Ihre Sätze. In der
folgenden Tabelle sind sie noch einmal übersichtlich für Sie zu-
sammengestellt:
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Lateinische Deutsche Beispiele
Bezeichnung Bezeichnung
1. Verb Tätigkeitswort,
- Vollverb Zeitwort - lesen, schreiben ...
- Hilfsverb - sein, haben, werden…
- Modales Hilfsverb - wollen, müssen,
(Modalverb) mögen ...
2. Substantiv Hauptwort Buch, Haus, Liebe ...
3. Adjektiv Eigenschaftswort gut, süß, schön, rot ...
4. Artikel Geschlechtswort
- Bestimmter Artikel - der, die, das
- Unbestimmter - ein, eine
Artikel
5. Pronomen Fürwort
- Personalpronomen - persönliches - ich, du, er, sie, es,
wir, ihr, sie
- Reflexivpronomen - rückbezügliches - mich, dich, sich
- Demonstrativ- - hinweisendes - der, die, das
pronomen
- Possessivpronomen - besitzanzeigendes - mein, dein, sein, ihr,
euer, unser
- Relativpronomen - bezügliches - der, die, das
- Reziprokpronomen - wechselseitiges - einander
- Interrogativprono- - fragendes - Wer? Was? Wie?
men Welcher? Welche?
Welches? Woher?
Wohin? Weshalb?
Wieso?
Kapitel 01 Grundlagen
Lateinische Deutsche Beispiele
Bezeichnung Bezeichnung
6. Numerale Zahlwort
- Bestimmtes - Bestimmtes - ein, zwei, drei ...
- Unbestimmtes - Unbestimmtes - alles, nichts, wenig,
viel, manches,
einiges, etwas
- Sonstige - Sonstige - einfach, zweifach ...
einmal, zweimal ...
7. Adverb Umstandswort
- lokal - des Ortes - hier, dort, da, bergauf
- temporal - der Zeit - heute, morgen, bald
- modal - der Art und Weise - gern, vielleicht,
ebenso
- kausal - des Grundes - darum, deshalb
8. Präposition Verhältniswort in, im, auf, unter, über,
zwischen, mitten,
entlang, hinauf, hinab,
diesseits ...
9. Konjunktion Bindewort
- Nebenordnende verbinden zwei und, zudem, außerdem,
Konjunktionen Hauptsätze, Neben- sowohl – als auch,
sätze, Satzteile oder, entweder – oder
- Unterordnende verbinden Haupt- als, wenn, weil, da, da-
Konjunktionen mit Nebensatz mit, so dass, obwohl
10. Interjektion Ausrufwort Aua! Ach! Hallo! Oh!
Hoppla!