HM Script
HM Script
Inoffizielles Skriptum zur Vorlesung Höhere Mathematik für Informatiker basierend auf
Vorlesungen an der Universität Karlsruhe (TH) 2000 – 2004
ii
Inhaltsverzeichnis
I. Eindimensionale Analysis 1
0. Vorbemerkungen 3
0.1. Mengen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
0.2. Abbildungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
0.3. Aussagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
1. Zahlen 7
1.1. Reelle Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1.2. Axiome der reellen Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1.3. Natürliche Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.4. Prinzip der vollständigen Induktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.5. Einige Formeln (Notationen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
1.6. Wurzeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
1.7. Potenzen mit rationalen Exponenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2. Folgen, Konvergenz 19
2.1. Definition der Folgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.2. Konvergenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.3. Monotonie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
2.4. Häufungswert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
2.5. Cauchy-Kriterium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
3. Reihen 37
3.1. Exponentialfunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
3.2. Eigenschaften der Exponentialfunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
4. Potenzreihen 51
4.1. Der Cosinus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
4.2. Der Sinus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
4.3. Weiteres zu Sinus und Cosinus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
5. g-adische Entwicklungen 59
7. Stetige Funktionen 71
7.1. Potenzreihen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
7.2. Zwischenwertsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
7.3. Nullstellensatz von Bolzano . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
7.4. Kompakte Mengen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
7.5. Monotonie, Umkehrfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
7.6. Exponentialfunktion und Logarithmus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
iii
Inhaltsverzeichnis
9. Differentialrechnung 93
9.1. Differentiationsregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
9.2. Umkehrfunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
9.3. Extrempunkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
9.4. Mittelwertsatz der Differentialrechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
9.5. Anwendungen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
9.6. Die Regeln von de l’Hospital . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
9.7. Cosinus und Sinus, die Zahl π . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
9.8. Sonstiges . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
9.9. Höhere Ableitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
9.10. Höhere Ableitungen bei Potenzreihen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
9.11. Satz von Taylor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
9.12. Extrema . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
[Link] 147
11.1. Fundamentalsatz der Algebra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
[Link]-Reihen 175
16.1. Orthogonalitätsrelationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175
16.2. Die Fourier-Reihe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175
16.3. Komplexe Schreibweise von Fourier-Reihen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
iv
Inhaltsverzeichnis
[Link] im Rn 195
[Link] im Rn 211
21.1. Partielle Differenzierbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211
21.2. Differenzierbarkeit und Stetigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215
21.3. Die Richtungsableitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221
21.4. Der Satz von Taylor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
[Link] im Rn 241
23.1. Das Riemann-Integral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
23.2. Integration über allgemeineren Mengen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247
23.3. Verallgemeinerung der Substitutionsregel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 258
v
Inhaltsverzeichnis
A. Tabellen 327
vi
Tabellenverzeichnis
Dieses Skriptum erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit. Einige Beweise, die in den
Saalübungen geführt wurden, sind nicht enthalten.
Kommentare, Fehler, Patches und Vorschläge bitte an post@[Link] senden. Bei Fehlern bitte
nicht die Seitenzahl sondern die Nummer des Satzes, der Abbildung etc. sowie die Revisionsnummern
angeben.
Die aktuelle Version dieses Dokuments sowie die Quelldateien hierzu sind unter der Web-Adresse
[Link] zu finden.
Dieses inoffizielle Skriptum basiert auf dem Mitschrieb von Daniel Winkler zu den Vorlesungen an der
Universität Karlsruhe1 in den Jahren 2000 und 2001 von Prof. M. Plum. Kombiniert wurde er durch
Markus Westphal und Sebastian Reichelt mit Material aus den Vorlesungen in den Jahren 2002
bis 2004 von HDoz. Dr. P. Kunstmann und AOR Dr. Ch. Schmoeger.
Sowohl die Konzeption als auch das Manuskript der genannten Vorlesungen stammen allein von AOR
Dr. Ch. Schmoeger.
Weitere Korrekturen und Ergänzungen wurden eingebracht von Julian Dibbelt, Martin
Röhricht, Christian Senger, Norbert Silberhorn, Johannes Singler und Richard Wal-
ter.
Teil Rev.
Layout 282
HM 1 289
HM 2 291
Anhang 256
vii
Tabellenverzeichnis
Don’t panic!
viii
Teil I.
Eindimensionale Analysis
1
0. Vorbemerkungen
0.1. Mengen
Eine Menge ist nach Cantor eine Zusammenfassung M von bestimmten wohlunterschiedenen Objek-
ten unserer Anschauung oder unseres Denkens (welche Elemente von M genannt werden) zu einem
Ganzen.
Notation: geschweifte Klammern {}
Beispiel 0.1. Notationen:
• M = {1, 2, 3}
• M = {x : x ist Vielfaches von 7} oder {x ∈ N : x Vielfaches von 7}
M ∪N = {a : a ∈ M oder a ∈ N } (Vereinigungsmenge)
M ∩N = {a : a ∈ M und a ∈ N } (Schnittmenge)
M \N = {a : a ∈ M und a ∈
6 N} (Komplementmenge)
0.2. Abbildungen
Seien M, N Mengen. Eine Abbildung oder Funktion f von M nach N ist eine Vorschrift, die jedem
Element a ∈ M in eindeutiger Weise ein f (a) ∈ N zuordnet.
Notation: f : M → N, a 7→ f (a)
3
0. Vorbemerkungen
Beispiel 0.4.
R→R
M = N = R, f:
x 7→ x2
f : M → N heißt
• injektiv , wenn für alle a, ã ∈ M mit a 6= ã gilt: f (a) 6= f (ã); (x 7→ x ist injektiv, x 7→ x2 nicht)
• surjektiv , wenn für alle ã ∈ N ein a ∈ M existiert mit f (a) = ã (⇒ die Bildmenge wird voll
ausgeschöpft)
• bijektiv , wenn f sowohl injektiv als auch surjektiv ist; eineindeutige Zuordnung
Für M1 ⊂ M heißt f (M1 ) = {f (a) : a ∈ M1 } Bildmenge von M1 (unter f ).
Für N1 ⊂ N heißt f −1 (N1 ) = {a ∈ M : f (a) ∈ N1 } Urbildmenge von N1 (unter
f ).
Sind f : M → N und g : N → P Abbildungen, so heißt die Abbildung
M → P
g◦f :
a 7→ g(f (a))
0.3. Aussagen
Unter einer Aussage verstehen wir ein sprachliches oder gedankliches Gefüge, welches entweder wahr
oder falsch ist.
Beispiel 0.5.
• 4 ist eine gerade Zahl“ ist eine wahre Aussage.
”
• Bananen sind kugelförmig“ ist eine falsche Aussage.
”
• Nachts ist es kälter als draußen“ ist keine Aussage.
”
• Es gibt unendlich viele Sterne“ ist eine Aussage, die wahr oder falsch sein kann.
”
Sind A, B Aussagen, so sind die Aussagen ¬A, A ∧ B, A ∨ B, A ∨˙ B, A ⇒ B, A ⇔ B erklärt durch:
¬A: A ist falsch (Negation)
A ∧ B: A und B sind beide wahr (und)
A ∨ B: A oder B ist wahr (oder)
A ∨˙ B: entweder A oder B ist wahr (excl. oder)
A ⇒ B: aus A folgt B; wenn A wahr ist, dann ist auch B wahr (Implikation)
(ist immer wahr, wenn A falsch ist; ist nur dann falsch, wenn B falsch ist)
Bsp: Wenn Bananen kugelförmig sind, ist 4 gerade.“ ⇒ eine wahre Aussage.
”
A ⇔ B: A ist genau dann wahr, wenn B wahr ist. (Äquivalenz)
Sei M eine Menge und E eine Eigenschaft, die ein Element a ∈ M haben kann. Dann sind folgende
Aussagen machbar:
• ∀a∈M a hat die Eigenschaft E; jedes a ∈ M hat die Eigenschaft E
(∀ heißt All-Quantor )
4
0.3. Aussagen
5
0. Vorbemerkungen
6
1. Zahlen
Axiomatische Forderung: Es gibt eine Menge R, genannt die Menge der reellen Zahlen, mit folgenden
Eigenschaften:
1.2.1. Körperaxiome
In R seien zwei Verknüpfungen +, · gegeben, die jedem Paar a, b ∈ R genau ein a+b ∈ R und ein a·b ∈ R
zuordnen. Dabei soll gelten:
∀a, b, c ∈ R (a + b) + c = a + (b + c)
∃0 ∈ R ∀a ∈ R a+0=a
∀a ∈ R ∃(−a) ∈ R a + (−a) = 0
∀a, b ∈ R a+b=b+a
∀a, b, c ∈ R (a · b) · c = a · (b · c)
∃1 ∈ R ∀a ∈ R a · 1 = a, 1 6= 0
7
1. Zahlen
∀a, b ∈ R a·b=b·a
A9: Distributivgesetz
∀a, b, c ∈ R a · (b + c) = a · b + a · c
a2 = a · a = a · (a + a − a) = a · (a + a) + a · (−a)
= a · (a + a) + (−a) · (a + a − a) = a · (a + a) + (−a) · (a + a) + (−a) · (−a)
= (a + a) · (a − a) + (−a)2 = (a + a) · 0 + (−a)2 = (−a)2
1.2.2. Anordnungsaxiome
A10
∀a, b ∈ R a≤b ∨ b≤a
A11
∀a, b ∈ R (a ≤ b ∧ b ≤ a) ⇒ a = b
8
1.2. Axiome der reellen Zahlen
A12
∀a, b, c ∈ R (a ≤ b ∧ b ≤ c) ⇒ a ≤ c
A13
∀a, b, c ∈ R (a ≤ b) ⇒ (a + c ≤ b + c)
A14
∀a, b, c ∈ R (a ≤ b ∧ 0 ≤ c) ⇒ a · c ≤ b · c
Schreibweisen:
∀a, b ∈ R b ≥ a :⇔ a ≤ b
a < b :⇔ (a ≤ b ∧ a 6= b)
b > a :⇔ a < b
Alle bekannten Regeln für Ungleichungen lassen sich aus A1 bis A14 herleiten und seien von nun an
bekannt.
Beispiel 1.2.
(1) ∀a, b, c ∈ R (a ≤ b ∧ c ≤ 0) ⇒ a · c ≥ b · c
Beweis:
c ≤ 0 ⇒ 0 ≤ −c
⇒ a · (−c) ≤ b · (−c)
⇒ bc ≤ ac
(2) ∀a, b, c ∈ R (a ≤ b ∧ c > 0) ⇒ a · c ≤ b · c
(1) |a| ≥ 0
(2) |a| = 0 ⇔ a = 0
(3) |a| = | − a|
(4) |a · b| = |a| · |b|
(5) a ≤ |a|, −a ≤ |a|
(6) Dreiecksungleichung:
|a + b| ≤ |a| + |b|
9
1. Zahlen
Beweis: zu (6)
1. Fall: a + b ≥ 0. Dann:
:⇔ ∃γ ∈ R ∀x ∈ M x≤γ
:⇔ ∃γ ∈ R ∀x ∈ M x≥γ
Existiert sup M und gilt sup M ∈ M , so heißt sup M auch Maximum von M (Bezeichnung max M ).
Existiert inf M und gilt inf M ∈ M , so heißt inf M auch Minimum von M (Bezeichnung min M ).
10
1.2. Axiome der reellen Zahlen
(2) M = (1, 2]
obere Schranken: alle Zahlen ≥ 2
sup M = 2, 2 ∈ M ⇒ max M = 2.
untere Schranken: alle Zahlen ≤ 1
inf M = 1, 1 6∈ M , daher existiert das Minimum von M nicht.
(3) M = [2, ∞)
inf M = 2; 2 ∈ M , also min M = 2
sup M exisitert nicht.
Ist A nach unten beschränkt und γ eine untere Schranke von A, so gilt:
Beweis:
(1) Wähle x ∈ A. Da sup A obere Schranke von A, gilt: x ≤ sup A
Da inf A untere Schranke von A, gilt: x ≥ inf A
⇒ inf A ≤ sup A
(2) (obere Zeile): sup A ist obere Schranke von A, also (wegen B ⊂ A) auch von B. Da sup B kleinste
obere Schranke von B, folgt sup B ≤ sup A.
(3) (obere Zeile):
⇒“: Sei γ = sup A, und sei ε > 0. Da γ − ε < γ, ist γ − ε keine obere Schranke von A. Also existiert
”
ein x ∈ A mit x > γ − ε
11
1. Zahlen
⇐“: Es gelte ∀ε > 0 ∃x ∈ A x > γ − ε. Wäre γ nicht das Supremum von A, so existiert eine kleinere
”
obere Schranke γ̃ von A. (also γ̃ < γ).
Setze ε := γ − γ̃ > 0. Nach Voraussetzung existiert ein x ∈ A mit x > γ − ε = γ − (γ − γ̃) = γ̃
⇒ γ̃ ist keine obere Schranke von A. ⇒ Widerspruch. ( )
Satz 1.12.
(1) Ist A ⊂ R eine Induktionsmenge, dann gilt: N ⊂ A
(2) N ist eine Induktionsmenge.
(3) N ist nicht nach oben beschränkt.
(4) ∀x ∈ R ∃n ∈ N n > x
Beweis:
(1) Klar nach Definition von N.
T
(2) Da 1 ∈ A für jede Induktionsmenge A ⊂ R, gilt auch 1 ∈ A = N.
A IM
T
Sei x ∈ N = A. Also x ∈ A für jede Induktionsmenge A.
A IM
T
Da x + 1 ∈ A für jede Induktionsmenge A, ist x + 1 ∈ A=N
A IM
⇒ N ist Induktionsmenge.
(3) Annahme: N ist nach oben beschränkt. Nach A15 existiert also ein s := sup N.
⇒ s − 1 ist keine obere Schranke von N.
⇒ ∃x ∈ N x > s − 1; da N Induktionsmenge ist, gilt x + 1 ∈ N, andererseits x + 1 > s
⇒ Widerspruch, da s obere Schranke von N.
(4) folgt aus (3).
12
1.4. Prinzip der vollständigen Induktion
Beweis: N ⊂ Ã für jede Induktionsmenge Ã, insbesondere N ⊂ A. Außerdem ist A ⊂ N nach Voraus-
setzung, also A = N
Beispiel 1.14.
(1) Behauptung: ∀n ∈ N n ≥ 1
Beweis: induktiv
Sei A(n) wahr, also n ≥ 1. Dann n + 1 ≥ 1 + 1 ≥ 1 + 0 = 1 d.h. also A(n + 1) ist auch wahr für alle
n ∈ N, d.h. ∀n ∈ N n ≥ 1.
Behauptung: x 6∈ N
⇒ N⊂A
13
1. Zahlen
Beweis:
1(1+1)
(1) Stimmt für n = 1, da 1 = 2
n(n + 1) n (n + 1)(n + 2)
1 + 2 + 3 + · · · + n + (n + 1) = + (n + 1) = (n + 1) +1 =
2 2 2
⇒ Behauptung gilt für n + 1
Definition 1.15.
N0 := N ∪ {0}
Z := N0 ∪ {−n : n ∈ N} ganze Zahlen
p
Q := : p ∈ Z, q ∈ N rationale Zahlen
q
Satz 1.16. Sind x, y ∈ R und x < y, so existiert ein r ∈ Q mit x < r < y.
1
Beweis: Wähle q ∈ N, q > y−x , dann qy − qx > 1. Dann existiert (Beweis später) ein p ∈ Z mit
qx < p < qy, d.h. x < pq < y.
Nachweis der Existenz eines solchen p:
Setze M := Z ∩ (−∞, qx] nach oben beschränkt.
s := sup M
14
1.5. Einige Formeln (Notationen)
n ∈ Nn!
(3) Für
n
0 , k ∈ N0 , k ≤ n:
k
:= k!(n−k)! (Binomialkoeffizenten)
Es gilt: 0 = 1; nn = 1
n
Ferner: nk + k−1 n
= n+1
k ,1 ≤ k ≤ n
(1 + x)n ≥ 1 + nx
Beweis: n = 1 : (1 + x)1 = 1 + x = 1 + 1x
Gelte die Behauptung für ein n ∈ N;
(5) Summenzeichen, Produktzeichen:
Will definieren:
n
X
ak := a1 + a2 + · · · + an
k=1
n
Y
ak := a1 · a2 · · · an
k=1
1
Y
ak := a1
k=1
Sind für je n Zahlen a1 , . . . , an ∈ R bereits obige Ausdrücke definiert und sind a1 , . . . , an+1 ∈ R, so
setze
n+1 n
!
X X
ak := ak + an+1
k=1 k=1
Produktzeichen analog
Sind p, q ∈ Z, p ≤ q, ap , . . . , aq ∈ R, so definiere
q
X q−p+1
X
ak := ap−1+k
k=p k=1
q
Y q−p+1
Y
ak := ap−1+k
k=p k=1
15
1. Zahlen
1.6. Wurzeln
√
Will nun n einführen.
x ≤ y ⇔ xn ≤ y n
Beweis: Eindeutigkeit nach obigem Lemma. Die Existenz: mit Zwischenwertsatz für stetige Funktionen
7.11.
Bemerkung 1.19.
√
• 2 6∈ Q
√ √ p2
Beweis: Annahme: 2 ∈ Q, d.h. es gibt p, q ∈ N, p, q teilerfremd, mit 2 = pq ; dann 2 = q2 , also
p2 = 2q 2
16
1.7. Potenzen mit rationalen Exponenten
Dann
h √ iq √ mq √ np h √ n i p
m
xq = n
a = na = na = na = ap
Analog für y q .
d.h. xq = y q . Nach Hilfssatz also x = y
Also obige Definition in Ordnung.
Es gelten die bekannten Rechenregeln.
1
Ist a > 0, r ∈ Q, r < 0, so setze ar := a−r .
17
1. Zahlen
18
2. Folgen, Konvergenz
Bemerkung 2.2. Ist p ∈ Z und a : {p, p + 1, p + 2, . . .} −→ X eine Funktion, so spricht man ebenfalls
von einer Folge in X.
Bezeichnung: (an )∞
n=p oder (ap , ap+1 , . . .)
Beispiel 2.3.
• an := n1 für alle n ∈ N, also
(an )n∈N = 1, 12 , 13 , . . .
• ∀n ∈ N a2n := 0, a2n−1 := 1
also (an )n∈N = (1, 0, 1, 0, . . .)
• ∀n ∈ N an := (−1)n
also (an )n∈N = (−1, 1, −1, 1, . . .)
Beispiel 2.5.
• N ist abzählbar, denn N = {a1 , a2 , a3 , . . .} mit ∀n ∈ N an := n
• Z ist abzählbar.
Definiere etwa: a1 := 0, a2 := 1, a3 := −1, a4 := 2, . . .
19
2. Folgen, Konvergenz
• Q ist abzählbar.
⇒ Unendliches Rechteck
1 2 3 4 ···
1 2 3 4
2 2 2 2 ···
.. .. .. .. ..
. . . . .
Definition 2.6. Sei (an ) eine reelle Folge. (an ) heißt nach oben bzw. unten beschränkt, wenn die Menge
M = {a1 , a2 , a3 . . .} nach oben bzw. nach unten beschränkt ist. In diesem Fall: sup(an )n∈N := sup M .
Analog für die andere Seite.
(an ) heißt beschränkt, wenn (an ) nach oben und nach unten beschränkt ist.
2.2. Konvergenz
Der Begriff der Konvergenz ist der zentrale Begriff der Analysis. Wir betrachten zunächst die Konvergenz
reeller Folgen.
Sei (an ) eine Folge in R und a ∈ R. Was soll an → a für n → ∞“ bedeuten?
”
1. Schritt: Die Folgenglieder an kommen a beliebig nahe oder |an − a| wird beliebig klein, wenn n groß
”
wird.“
2. Schritt: So sollte doch zum Beispiel gelten:
1
|an − a| <
1000
Nur: für welche n?
Idee: Ab einem gewissen Index n0 soll für alle n ≥ n0 die obige Ungleichung gelten.
Ebenso sollte es ein n1 ∈ N geben mit |an − a| < 10−6 für alle n ≥ n1 .
3. Schritt: Ist ε > 0 (und ε beliebig klein), so sollte es stets ein n0 = n0 (ε) ∈ N geben, mit
Definition 2.7.
(1) Die Folge (an ) heißt konvergent gegen a, wenn gilt:
20
2.2. Konvergenz
(2) Eine Folge (an ) heißt konvergent, wenn es ein a ∈ R gibt derart, dass (an ) gegen a konvergiert.
(3) Eine Folge (an ) heißt divergent, wenn sie nicht konvergent ist.
Beweis:
Daher gilt:
Beispiel 2.10.
∀n ∈ N |an − c| = 0
Behauptung: (an ) → 0.
21
2. Folgen, Konvergenz
Also
1 1
∀n ≥ n0 |an − 0| = ≤ < ε
n n0
• ∀a ∈ N an := n
(an ) ist nicht konvergent, da sie nicht beschränkt ist. (vgl. obiger Satz)
• ∀n ∈ N an := (−1)n
Beweis: Annahme: (an ) ist konvergent, also exisitert a ∈ R mit an → a. Dann gilt: a 6= 1 oder
a 6= −1. Etwa a 6= 1:
Dann
√ √ √ √
n+1− n n+1+ n 1 1 1
∀n ∈ N an = √ √ =√ √ ≤ √ ≤√
n+1+ n n+1+ n 2 n n
Behauptung: an → 0
1
Sei ε > 0. Wähle n0 ∈ N mit n0 > ε2 .
1 √1
Dann n0 < ε2 , also n0 <ε
n2
• ∀n ∈ N an := n2 +1
Dann:
n2 n2 + 1 1 1 1
∀n ∈ N |an − 1| = 2
− 2
= 2 ≤ 2 ≤
n +1 n +1 n +1 n n
1
Sei ε > 0; wie oben: wähle n0 ∈ N mit n0 > ε etc. (vgl. oben)
• ∀n ∈ N an := √1
n
Behauptung: an → 0
22
2.2. Konvergenz
Beweis:
Idee: |an − 0| = √1 <ε ⇔ n> 1
n ε2 .
1
Sei ε > 0. Wir finden ein n0 ∈ N mit n0 > ε2 .
1 √1
Für jedes n ≥ n0 gilt dann n > ε2 , also |an − 0| = n
< ε.
• Sei x ∈ R.
Zu jedem n ∈ N finden wir ein rn ∈ Q mit rn ∈ x − n1 , x + 1 1
n , d.h. mit |x − rn | < n.
Bemerkung 2.11. Sei p ∈ Z fest. Für Folgen der Form (an )∞ n=p definieren wir Konvergenz, Be-
schränktheit, . . . analog zu Folgen der Form (an )n∈N . Im folgenden formulieren wir Definitionen, Sätze
etc. nur für Folgen der Form (an )n∈N . Sie gelten sinngemäß für Folgen der Form (an )∞
n=p .
Beweis:
zu (1): Ergibt sich aus der Definition des Konvergenzbegriffes.
zu (2): Sei ε > 0. Da αn → 0, existiert ein n1 ∈ N mit ∀n ≥ n1 |αn | < ε
Ferner existiert ein n2 ∈ N mit ∀n ≥ n2 |an − a| ≤ αn
Wähle n0 := max{n1 , n2 }
Dann ∀n ≥ n0 |an − a| ≤ αn = |αn | < ε
Also an → a
zu (3): ∀n ∈ N : |an | − |a| ≤ |an − a| =: αn
Wegen an → a folgt aus (1): αn → 0
Nach (2) also |an | → |a|
23
2. Folgen, Konvergenz
ε
zu (4): zu (i) Sei ε > 0. Wegen an → a existiert ein n1 ∈ N mit ∀n ≥ n1 |an − a| < 2
Dann αn → 0, da bn → b (ii)
Nach (2) also b1n → 1b
an 1
Nach (iii): bn = an · bn → a· 1b = a
b
24
2.3. Monotonie
Beispiel 2.13.
1
(1) Sei p ∈ N und ∀n ∈ N an := np
Behauptung: an → 0
Beweis:
1
1. Möglichkeit: Setze bn := n, dann 0 ≤ an ≤ bn wegen np ≥ n.
Daher an → 0
1
2. Möglichkeit: Setze cn := n → 0. Mit vollständiger Induktion über p folgt mit (4) (iii): an → 0
(2)
3 6
5n2 + 3n + 6 5+ n + n2 n→∞ 5
∀n ∈ N an := = 4 1 −−−−→
7n2 + 4n + 1 7+ n + n2
7
2.3. Monotonie
monoton wachsend
Definition 2.14. Die Folge (an ) heißt , wenn
monoton fallend
wachsend oben
Satz 2.15 (Monotonie-Kriterium). Ist (an ) monoton und nach beschränkt,
fallend unten
dann ist (an ) konvergent.
Beweis: Setze a := sup an . Dies existiert, da (an ) nach oben beschränkt ist. Sei ε > 0. Dann ist a − ε
keine obere Schranke von (an ).
Behauptung: ∀n ∈ N an < 2.
25
2. Folgen, Konvergenz
√
3
Beweis: a1 = 6<2
Gelte an < 2 für ein n ∈ N.
√ √
Dann an+1 = 3 6 + an < 3 6 + 2 = 2 (wegen an < 2).
Behauptung: (an ) monoton wachsend.
Beweis: a1 ≤ a2 . Gelte an ≤ an+1 für ein n ∈ N.
p √
an+2 = 3 6 + an+1 ≥ 3 6 + an = an+1
2. Fall: a > 0
√ p √ p
∀n ∈ N |an − a| = p an − ( p a)
Nach Verallgemeinerung der 3. binom. Formel:
p−1
√ √ X √ √
= p
an − a ·
p
( p an )p−1−k ( p a)k
k=0
26
2.3. Monotonie
√ √ √ p−1−(p−1) √ p−1
≥ p
an −
a · ( p an )
p
· pa
| {z }
√ p−1
=( p a) =:c
√ √
⇒ ∀n ∈ N : p
an − p a ≤ 1c |an − a|
√ √
⇒ p an → p a
1. Fall: x = 0 ⇒ an → 0
2. Fall: x = 1 ⇒ an → 1
Bernoullische
Ungleichung
n n n
|an | = |x | = |x| = (1 + δ) ≥ 1+n·δ >n·δ
Bernoullische
n Ungleichung
1 1 n
= = (1 + y) ≥ 1+n·y >n·y
|an | |x|
1 1
⇒ ∀n ∈ N : |an | < y · n ⇒ an → 0
n
xk .
P
Beispiel 2.19. Sei x ∈ R und ∀n ∈ N sn :=
k=0
1
Behauptung: (sn ) konvergiert ⇔ |x| < 1; dann: lim sn = 1−x .
n→∞
Beweis:
2. Fall: x 6= 1
1−xn+1
Mit vollständiger Induktion zeigt man: sn = 1−x für jedes n ∈ N.
xn+1 konvergiert
⇒ (sn ) konvergiert ⇔
⇒ (sn ) konvergiert ⇔ |x| < 1
1
außerdem: |x| < 1 ⇒ xn+1 → 0 ⇒ sn → 1−x
√
Beispiel 2.20. Behauptung: n
n → 1 für n → ∞.
27
2. Folgen, Konvergenz
√ √ √
Beweis: Es gilt: ∀n ∈ N n n ≥ 1 (da n n ≥ n 1).
√
Sei ∀n ∈ N an := n n − 1 ≥ 0. Zu zeigen: an → 0
Es gilt:
n
√ n(n − 1) 2
n X n n−k k n
∀n ∈ N n= n
n = (1 + an )n = 1 · an ≥ · a2n = · an
k 2 2
k=0
r
2 2
⇒ ∀n ≥ 2 a2n ≤ =⇒ ∀n ≥ 2 0 ≤ an ≤
n−1 n−1
⇒ an → 0 für n → ∞.
√
Beispiel 2.21. Sei c > 0 fest. Behauptung: n
c → 1 für n → ∞
Beweis:
1. Fall: c ≥ 1:
∃m ∈ N c ≤ m also ∀n ≥ m 1 ≤ c ≤ n
√ √
⇒ ∀n ≥ m 1≤ n
c≤ n
n
|{z}
→1
√
Also n
c → 1. (s.o.)
n
1 n 1
P
Beispiel 2.22. Für jedes n ∈ N sei an := 1 + n und bn := k! .
k=0
Beweis:
n Bernoullische
1 Ungleichung 1
an = 1 + ≥ 1+n· =2
n n
28
2.3. Monotonie
(v) Wir zeigen mit der Bernoullischen Ungleichung, dass für alle n ∈ N gilt: an+1 > an .
n+1 n
1 1
an+1 > an ⇔ 1+ > 1+
n+1 n
n+1 n
n+2 n+1
⇔ >
n+1 n
n
(n + 2) · n
n+1
⇔ >
(n + 1)2 n+2
n
1 n+1
⇔ 1− 2
>
(n + 1) n+2
n
1 1
⇔ 1− >1−
(n + 1)2 n+2
| {z }
bleibt zu zeigen
29
2. Folgen, Konvergenz
Also:
an ≥ cn , cn → bj ⇒ a ≥ bj
(vii)
j beliebig und bj → b ⇒ a ≥ b ⇒ a = b.
1 n
Definition 2.23. e := lim 1 + n heißt Eulersche Zahl.
n→∞
2.4. Häufungswert
Definition 2.24. Sei (an ) eine reelle Folge und (n1 , n2 , n3 , . . .) eine Folge in N mit n1 < n2 < n3 . . .
Setze ∀k ∈ N bk := ank
Die Folge (bk ) heißt dann Teilfolge von (an ).
Beispiel 2.25.
(1) (a2 , a4 , a6 , . . .) ist Teilfolge von (an )
(Setze nk := 2k)
(2) (a1 , a4 , a9 , a16 . . .) ist Teilfolge von (an )
(Setze nk := k 2 )
(3) (a4 , a2 , a8 , a6 , a10 , . . .) ist keine Teilfolge von (an ).
(
2 · (k − 1) für k gerade
Denn: nk := ist nicht streng monoton wachsend.
2 · (k + 1) für k ungerade
30
2.4. Häufungswert
Beispiel 2.27.
(1) ∀n ∈ N an := (−1)n
∀n ∈ N a2n = 1 → 1
(a2n ) = (ank ) mit nk := 2k ist Teilfolge von (an ).
⇒ 1 ist Häufungswert von (an )
∀n ∈ N a2n−1 = −1 → −1
(a2n−1 ) = (ank ) mit nk := 2k − 1 ist Teilfolge von (an ).
⇒ −1 ist Häufungswert von (an )
Induktiv fortsetzen: Es existiert eine Teilfolge (ank ) mit a < ank < min a + k1 , ank+1
für alle
k ∈ N, k ≥ 2
Also (ank ) → a für k → ∞
⇒ a ist Häufungswert.
(3) ∀n ∈ N an := n
Für jede Teilfolge (ank ) gilt:
(ank ) = (n1 , n2 , n3 , . . .) unbeschränkt
⇒ Jede Teilfolge ist divergent. ⇒ Es existieren keine Häufungswerte.
31
2. Folgen, Konvergenz
Beweis:
⇒“ Wir finden eine Teilfolge (ank ) von (an ) mit ank → α (k → ∞).
”
Sei ε > 0. Dann existiert ein k0 ∈ N mit
ank ∈ Uε (α) für alle k ≥ k0
d.h.
an ∈ Uε (α) für alle n ∈ {nk0 , nk0 +1 , . . .} =: M
M ist unendlich.
⇐“ Zu ε = 1 finden wir n1 ∈ N mit α − 1 < an1 < α + 1.
”
Zu ε = 12 finden wir n2 ∈ N mit α − 12 < an2 < α + 12 .
..
.
Wir erhalten eine Teilfolge (ank ) von (an ) mit
1
ank − α < für alle k ∈ N
k
k→∞
⇒ ank −−−−→ α ⇒ α ∈ HW(an ).
Satz 2.29. Ist (an ) konvergente Folge und (ank ) einen Teilfolge
o von (an ), so ist auch (ank ) konvergent
und lim ank = lim an . Insbesondere ist HW(an ) = lim an .
k→∞ n→∞ n→∞
Beweis: Sei a := lim an . Sei ε > 0. Wegen an → a existiert ein n0 ∈ N mit ∀n ≥ n0 |an − a| <
ε.
Da n1 < n2 < . . . existiert ein k0 ∈ N mit nk0 ≥ n0 . Dann gilt ∀k ≥ k0 : nk > nk0 ≥
n0
⇒ ∀k ≥ k0 |an − a| < ε, also konvergiert ank → a.
32
2.4. Häufungswert
2. Fall Es gibt unendlich viele niedrige Indizes. n1 < n2 < n3 < . . .. Da für alle k ∈ N der Index nk
niedrig ist, gilt ∀n ≥ nk : an ≥ ank . ⇒ (ank ) monoton wachsend.
Satz 2.31 (Satz von Bolzano–Weierstrass). Jede beschränkte Folge hat mindestens einen Häu-
fungswert.
Beweis: Nach obigem Lemma enthält (an ) eine monotone Teilfolge (ank ). Da (an ) beschränkt ist, ist
auch (ank ) (nach oben und unten) beschränkt. Nach dem Monotonie-Kriterium ist (ank ) konvergent.
Dann ist lim (ank ) Häufungswert von (an ).
k→∞
Beweis:
zu (1): Wir finden ein c ≥ 0 mit |an | ≤ c für alle n ∈ N.
⇒ Für jede Teilfolge (ank ) gilt |ank | ≤ c für alle k ∈ N.
⇒ Für jedes α ∈ HW(an ) gilt |α| ≤ c.
ε
zu (2): Sei s := sup HW(an ) und ε > 0. Wir finden α ∈ HW(an ) mit s − 2 < α ≤ s.
⇒ Uε/2 (α) ⊂ Uε (s).
In Uε/2 (α) liegen unendlich viele der Folgenglieder an .
⇒ in Uε (s) liegen unendlich viele an .
⇒ s ∈ HW(an ).
lim sup an := lim an := max HW(an ) heißt limes superior oder oberer Limes von (an ).
n→∞ n→∞
lim inf an := lim an := min HW(an ) heißt limes inferior oder unterer Limes von (an ).
n→∞ n→∞
Beachte: Aus obigem Satz folgt: Ist (an ) konvergent, dann gilt:
33
2. Folgen, Konvergenz
n
Beispiel 2.35. ∀n ∈ N an = (−1)n 1 + n1 .
1 2n
Dann gilt ∀n ∈ N a2n = 1 + 2n . (a2n ) ist Teilfolge von (an ) und lim a2n = e. Ferner
n→∞
2n+1
1
∀n ∈ N a2n+1 =− 1+
2n + 1
(a2n+1 ) ist Teilfolge von (an ) und lim a2n+1 = −e. Also (!) ist HW(an ) = {e, −e}. d.h.
n→∞
2.5. Cauchy-Kriterium
Definition 2.37. Eine Folge (an ) heißt eine Cauchy-Folge, wenn gilt:
Beweis:
⇒“ Sei ε > 0. Sei a := lim an .
” n→∞
ε
Da (an ) konvergent ist, existiert n0 ∈ N mit ∀n ≥ n0 |an − a| < 2
Nach Bolzano-Weierstraß hat (an ) also einen Häufungswert, d.h. es existiert eine konvergente
Teilfolge (ank ).
Sei a := lim ank . Zu zeigen: a = lim an .
n→∞ n→∞
34
2.5. Cauchy-Kriterium
Beispiel 2.39. (an ) rekursiv definiert durch:
1
a0 := 1, an+1 :=
1 + an
Dann:
∀n ∈ N an > 0, an < 1
(Beweis per Induktion)
1 1
⇒ ∀n ∈ N0 an+1 = ≥
1 + an 2
1
⇒ ∀n ∈ N an ≥
2
Daher:
1 1
∀n, k ∈ N, n ≥ 2 |an+k − an | = −
1 + an+k−1 1 + an−1
|an+k−1 − an−1 |
=
(1 + an+k−1 )(1 + an−1 )
n−1
4 4
≤· |an+k−1 − an−1 | ≤ . . . ≤ an+k−(n−1) − an−(n−1)
9 9
n−1 n−1
4 4
≤ |ak+1 | + |a1 | ≤ 2
9 9
n−1
4
⇒ ∀n, k ∈ N |an+k − an | ≤ 2 ·
9
n0 −1
⇒ (an ) ist Cauchy-Folge: Sei ε > 0 wähle n0 ∈ N mit 2 · 49 < ε.
Seien n, m ≥ n0 . o.B.d.A. sei m > n. Setze k := m − n.
n−1 n0 −1
4 4
⇒ |am − an | = an+k − an ≤ 2 · ≤ 2· < ε
9 9
⇒ (an ) ist Cauchy-Folge. ⇒ (an ) ist konvergent.
1
Sei a := lim an . Wegen an+1 = 1+an und an → a und an+1 → a folgt:
n→∞
1
a=
1+a
r √
1 1 1 5
⇒ a2 + a − 1 = 0 ⇒ a = − ± +1 = − ±
2 4 2 2
1 1
Wegen an ≥ 2 (s.o.) gilt auch a ≥ 2 . Also +.
1 √
⇒ a= 5−1
2
35
2. Folgen, Konvergenz
36
3. Reihen
n
P
Definition 3.1. Sei (an ) eine Folge in R und sn := ak . Die Folge (sn ) heißt unendliche Reihe und
k=1
wird mit
∞
X
ak
k=1
bezeichnet.
sn heißt n-te Teilsumme oder Partialsumme.
P∞
ak heißt konvergent :⇔ (sn ) konvergent. Analog: divergent.
k=1
∞
P ∞
P
Ist ak konvergent, so heißt lim sn der Reihenwert oder Reihensumme und wird ebenfalls mit ak
k=1 n→∞ k=1
bezeichnet.
∞
P
Das Symbol ak hat also im Konvergenzfall zwei Bedeutungen.
k=1
Bemerkung 3.2.
(1) Ist p ∈ Z und (an )∞
n=p eine Folge, so definiert man entsprechend
n
X
∀n ≥ p sn := ap + ap+1 + · · · + an = ak
k=p
Die kommenden Sätze und Definitionen werden nur für den Fall p = 1 formuliert, gelten aber
entsprechend auch für andere p ∈ Z.
P ∞
P
Man schreibt für p = 1 auch oft ak statt ak , wenn keine Verwirrungen zu befürchten sind.
k=1
(2)
∞
X ∞
X
ak = aj = · · ·
k=1 j=1
Beispiel 3.3.
(1) geometrische Reihe
∞
X
xk
k=0
Also ∀n ∈ N sn = 1 + x + x2 + · · · + xn .
37
3. Reihen
Wie bereits gezeigt (2.19): (sn ) konvergiert ⇔ |x| < 1. In diesem Fall:
1
lim sn =
n→∞ 1−x
∞
xk ist konvergent ⇔ |x| < 1, und in diesem Fall:
P
Also
k=0
∞
X 1
xk =
1−x
k=0
∞
1 1 1 1
P
(2) k(k+1) , d.h. ak = k(k+1) = k − k+1 .
k=1
d.h.
1 1 1 1 1 1
∀n ∈ N sn = a1 + a2 + · · · + an = 1− + − + ··· + − =1−
2 2 3 n n+1 n+1
n→∞
−−−−→ 1
∞ ∞
1 1
P P
Also k(k+1) ist konvergent und k(k+1) = 1.
k=1 k=1
∞
1 1 1
P
(3) k! , also ∀n ∈ N sn = 1 + 1 + 2! + ··· + n! .
k=0
1 1
Also ∀n ∈ N sn = 1 + 2 + 3 + · · · + n1 .
1 1 1 1 1
⇒ ∀n ∈ N s2n = sn + + +··· + ≥ sn + n · = sn +
n+1 n+2 2n
|{z} 2n 2
| {z } | {z }
1 1 1
≥ 2n ≥ 2n ≥ 2n
| {z }
n Summanden
1
Also ist (sn ) keine Cauchy-Folge, denn sonst gibt es zu ε = 2 ein n0 ∈ N mit
Satz 3.4.
(1) Monotoniekriterium: Es gelte ∀k ∈ N ak ≥ 0
∞
P
Ferner sei (sn ) nach oben beschränkt. Dann ist ak konvergent.
k=1
38
(2) Cauchy-Kriterium für Reihen:
∞
X m
X
ak ist konvergent ⇔ ∀ε > 0 ∃n0 ∈ N ∀n, m ≥ n0 m > n ak < ε
k=1 k=n
∞
P ∞
P
(3) ak sei konvergent, dann ist für jedes ν ∈ N die folgende Reihe ak konvergent, und für
k=1 k=ν+1
∞
P
rν := ak gilt lim rν = 0.
k=ν+1 ν→∞
∞
P
(4) Ist ak konvergent, so gilt lim ak = 0.
k=1 k→∞
Achtung: Die Umkehrung ist im Allgemeinen falsch. Beispiel: harmonische Reihe.
Beweis:
(1) Da ∀k ∈ N ak ≥ 0 ist (sn ) monoton wachsend. (sn+1 = sn +an+1 ) Ferner (sn ) nach oben beschränkt.
Also nach dem Monotoniekriterium für Folgen gilt: (sn ) ist konvergent.
m
P
(2) Für m > n gilt sm − sn = ak
k=n+1
Dann ∀m ≥ ν + 1 sm = a1 + · · · + aν + aν+1 + · · · + am = sν + σm .
∞
P ∞
P
D.h. ak ist konvergent und ak = s − sν .
k=ν+1 k=ν+1
Also ∀ν ∈ N rν = s − sν → 0 für ν → ∞.
(4)
Beispiel 3.5.
∞
(1) ak := (−1)k für alle n ∈ N. Dann ak 6→ 0 für k → ∞. Also (−1)k divergent.
P
k=1
∞
1 1
P
(2) k divergent, obwohl k → 0 für k → ∞.
k=1
39
3. Reihen
P P
Satz 3.6. ak , bk seien konvergent, und seien α, β ∈ R. Dann konvergiert auch
X
(αak + βbk )
und
X X X
(αak + βbk ) = α ak + β bk
n
P n
P P P
Beweis: ∀n ∈ N sn := ak , σn := bk . Da ak , bk konvergent: (sn ), (σn ) auch konver-
k=1 k=1
gent.
Und:
Achtung: Eine Gleichung der Form
X X X
(αak + βbk ) = α ak + β bk
P P
macht nur Sinn (als Gleichung zwischen Grenzwerten), wenn ak , bk konvergie-
ren.
P P
Definition 3.7. ak heißt absolut konvergent :⇔ |ak | konvergent.
P P
Satz 3.8. Ist ak absolut konvergent, so ist ak konvergent. (Die Umkehrung ist falsch).
Beweis:
m
X m
X
∀m > n ak = |an+1 + · · · + am | ≤ |an+1 | + · · · + |am | = |ak |
k=n+1 k=1
P
Sei ε > 0. Da |ak | konvergent nach Voraussetzung, folgt Behauptung aus dem Cauchy–Kriterium.
∞ ∞
P (−1)k+1 P (−1)k+1
Zeige: k ist konvergent. Aber offenbar: k ist nicht absolut konvergent, denn
k=1 k=1
∞ ∞
X (−1)k+1 X 1
= (ist divergent)
k k
k=1 k=1
∞
P (−1)k+1
Zur Konvergenz von k :
k=1
40
n
X (−1)k+1 1 1 (−1)n+1
∀n ∈ N sn := =1− + + ··· +
k 2 3 n
k=1
(−1)n+1
Setze an := n . Dann
1 1
∀n ∈ N s2n+2 = s2n + a2n+1 + a2n+2 = s2n + − ≥ s2n
2n + 1 2n + 2
| {z }
≥0
⇒ (s2n ) ist monoton wachsend. Analog zeige: (s2n−1 ) ist monoton fallend:
(−1)2n+1 1
s2n − s2n−1 = a2n = =−
2n 2n
1
⇒ s2n−1 = s2n +
2n
Induktiv folgt:
Insbesondere ist (s2n ) nach oben beschränkt (z.B. durch s1 ) und (s2n−1 ) ist nach unten beschränkt (z.B.
durch s2 ).
⇒ Nach Monotoniekriterium sind beide konvergent.
Sei s := lim s2n , s̃ := lim s2n−1 .
n→∞ n→∞
Satz 3.10 (Leibniz–Kriterium). Sei (bn ) eine Folge, bn ≥ 0, (bn ) monoton fallend; lim bn = 0, und
n→∞
an := (−1)n+1 bn .
∞
P
Dann ist an konvergent.
n=1
41
3. Reihen
Beweis: an := (−1)n+1 bn , sn := a1 + · · · + an , n ∈ N
Dann gilt für jedes n ∈ N:
s2n = a1 + a3 + . . . + a2n−1 + a2 + a4 + · · · + a2n
2 n−1 !
1 1 1 1 1
= 1 + + ··· + − 1+ + + ... +
2 n 2 2 2
| {z } | {z }
=:αn
=:βn
1
Es ist βn konvergent (geometrische Reihe): βn = 1− 12
= 2.
Satz 3.12.
∞
P
(1) Majorantenkriterium: Seien (an ), (bn ) Folgen, mit |an | ≤ bn für fast alle n ∈ N. Ferner sei bn
n=1
konvergent.
∞
P
Dann ist an absolut konvergent.
n=1
(2) Minorantenkriterium: Seien (an ), (bn ) Folgen, mit 0 ≤ bn ≤ an für fast alle n ∈ N. Ferner sei
∞
P
bn divergent.
n=1
∞
P
Dann ist auch an divergent.
n=1
Beweis:
(1)
∃k0 ∈ N ∀n ≥ k0 |an | ≤ bn
Seien m > n ≥ k0 :
m
X m
X
σ̃m,n := |ak | ≤ bk =: σm,n
k=n+1 k=n+1
Sei ε > 0
o.B.d.A. sei n0 ≥ k0 .
42
Beispiel 3.13.
∞
1 1
P
(1) (n+1)2 , d.h. an = (n+1)2 .
n=1
Dann
1 1
|an | = an = ≤ =: bn
(n + 1)(n + 1) n(n + 1)
| {z }
≥n
P
Bekannt bn konvergent.
P
⇒ an konvergent.
∞ ∞ ∞
1 1 1 π2
P P P
Also (n+1)2 = n2 konvergent. ⇒ n2 konvergent. (Reihenwert: 6 ).
n=1 n=2 n=1
∀n ∈ N n ≥ nα
1 1
⇒ ∀n ∈ N ≥
nα n
P1 P 1
Da n divergent, folgt nach dem Minorantenkriterium nα divergent.
(3) Sei α ≥ 2, α ∈ Q.
∀n ∈ N n2 ≤ nα
1 1
⇒ ∀n ∈ N ≤ 2
nα n
P 1 P 1
Da n2 konvergent, folgt nach dem Majorantenkriterium: nα ist konvergent.
P 1
(4) Ohne Beweis: Sei α > 1, α ∈ Q. Dann ist die Reihe nα konvergent.
Bemerkung: Die Einschränkung α ∈ Q wird später verschwinden, wenn wir Potenzen mit reellen Expo-
nenten eingeführt haben. (siehe 7.27)
Beweis:
p p
(1) n |an | unbeschränkt. ⇒ n |an | ≥ 1 für unendlich viele n.
⇒ |an | ≥ 1 ⇒ an 6→ 0 für n → ∞.
P
⇒ an divergent.
(2) Sei α < 1. Wähle x ∈ R, α < x < 1
p
Behauptung: n |an | < x für fast alle n ∈ N.
43
3. Reihen
p
Beweis: Annahme: n |an | ≥ x für unendlich viele n. Also existiert eine Teilfolge:
p p
nk
|ank | mit bk := nk |ank | ≥ x für alle k ∈ N
Da (bk ) beschränkt ist, hat sie nach Bolzano-Weierstraß mindestens einen Häufungswert; p nenne
diesen β. Es sei (bkj ) eine Teilfolge, die gegen β konvergiert. (bkj ) ist eine Teilfolge von n |an | .
p
⇒ β ∈ HW n |an | .
Wähle ε > 0 mit α − ε > 1. Dann gilt cn ∈ Uε (x) für unendlich viele n, da α Häufungswert ist.
⇒ cn > 1 für unendlich viele n.
⇒ |an | > 1 für unendlich viele n.
P
Wie in (1) folgt: an divergent.
p
Beachte: Ist die Folge n
|an | beschränkt und
p
α := lim sup n
|an | = 1
n→∞
P
so liefert obiges Kriterium keine Entscheidung über Konvergenz von an .
Beispiel 3.15.
1
(1) an := n.
p 1
n
|an | = √ → 1 für n → ∞
n
n
p p
⇒ lim sup n |an | = lim n |an | = 1
n→∞ n→∞
P
und an divergent (harmonische Reihe)
1
(2) an := n2 .
p 1 1
n
|an | = √
n
= √ 2 → 1 für n → ∞
n 2 ( n)
n
p p
⇒ lim sup n |an | = lim n |an | = 1
n→∞ n→∞
P
und an konvergent.
44
(3) Sei x ∈ R.
1 n
(
2 , falls n gerade
an := 2 n
n x , falls n ungerade
1
falls n gerade
2
√
2
n · |x| falls n ungerade
p
n n
⇒ |an | =
| {z }
n→∞
−−−−→|x|
p
⇒ HW n |an | = 12 , |x|
p
⇒ lim sup n |an | = max 12 , |x|
n→∞
P P
also: falls |x| < 1, ist an absolut konvergent. Falls |x| > 1, ist
an divergent.
Falls |x| = 1, so gilt |an | = n2 für alle ungeraden n. ⇒ an →
P
6 0 ⇒ an divergent.
n2
(4) an := 4n +n3 .
n2 n2 n2
n
= n n
≤ an ≤ n , n ∈ N
2·4 4 +4 4
√ 2 √ 2
( n n) p ( n n)
⇒ √ ≤ n
|an | ≤
n
2·4 4 }
| {z
| {z }
→ 14 → 14
p
n 1
⇒ |an | → <1
4
X
⇒ an konvergiert.
n3
(5) an := 1 − n12 .
n2
Hier ist n |an | = 1 − n12
p
für alle n ∈ N.
p n
D.h. n |an | ist Teilfolge von 1 − n1 .
n
Wegen 1 − n1 → 1e gilt somit n |an | → 1e < 1.
p
P
⇒ an konvergiert.
Satz 3.16 (Quotientenkriterium). Sei (an ) Folge mit an 6= 0 für fast alle n ∈ N.
(1) Ist aan+1
n
beschränkt und
an+1
lim sup <1
n→∞ an
P
so ist die Reihe an absolut konvergent.
an+1 P
(3) Ist lim inf an > 1, so ist an divergent.
n→∞
45
3. Reihen
Beweis:
an+1
(1) Sei α := lim sup an < 1.
n→∞
⇒ an 6→ 0
P
⇒ an divergent.
(3) Sei
an+1
β := lim inf >1
n→∞ an
an+1
Wähle x ∈ R, 1 < x < β. Ähnlich wie im Beweis zum Wurzelkriterium erhält man: an > x für
fast alle n.
Korollar 3.17.
p
(1) Falls α = lim n |an | existiert, so gilt
n→∞
P
an ist absolut konvergent, falls α < 1 und divergent, falls α > 1.
Korollar 3.18.
an+1
(1) Existiert β = lim an und ist β = 1, so liefert obiger Satz keine Entscheidung. (analog zum
n→∞
Wurzelkriterium)
1 an+1 n
an = ⇒ = →1
n an n+1
P
⇒ an divergent.
1 an+1 n2
an = ⇒ = →1
n2 an (n + 1)2
P
⇒ an konvergent.
46
3.1. Exponentialfunktion
3.1. Exponentialfunktion
Beispiel 3.19. Sei x ∈ R beliebig. Untersuche die Reihe
∞
X xn
n=0
n!
Klar: Für x = 0 ist die Reihe absolut konvergent mit Reihenwert 1.
xn
Sei x 6= 0. Setze an := n! . Dann
n+1
x
an+1 (n+1)! n! |x|
= xn = |x| · = → 0 für n → ∞
an n!
(n + 1)! n+1
an+1
Insbesondere ist lim an < 1. Nach dem Quotientenkriterium folgt:
n→∞
P P xn
an = n! absolut konvergent.
∞
xn
P
Also n! für jedes x ∈ R absolut konvergent.
n=0
(Exponentialfunktion).
∞
1
P
Es gilt E(0) = 1, E(1) = n! = e.
n=0
Definition 3.20. Es sei (an ) eine Folge in R und ϕ : N → N eine bijektive Abbildung. Setze
∀n ∈ N bn := aϕ(n)
Dann heißt (bn ) eine Umordnung von (an ). Selbiges gilt auch für die Reihe.
Beispiel 3.21. (a1 , a3 , a2 , a4 , a5 , a7 , a6 , a8 , . . .) ist eine Umordnung von (an ). (das ist etwas anderes als
eine Teilfolge)
P P
(2) Ist an absolut konvergent, so ist auch bn absolut konvergent, und
X X
bn = an .
47
3. Reihen
P
Bemerkung 3.23. Ist an konvergent, aber nicht absolut konvergent, so existiert zu jedem b ∈ R
eine Umordnung (bn ) von (an ) mit
X
bn = b
Definition 3.24 (Cauchy-Produkt). Gegeben seien Folgen (an ) und (bn ). Setze
n
X
∀n ∈ N cn := ak bn−k = a0 bn + a1 bn−1 + a2 bn−2 + · · ·
k=0
∞
P ∞
P ∞
P
Dann heißt cn das Cauchy-Produkt der Reihen an und bn .
n=0 n=0 n=0
∞
P ∞
P
Satz 3.25. Sind an und bn beide absolut konvergent, dann konvergiert auch ihr Cauchy–
n=0 n=0
∞
P
Produkt cn absolut, und
n=0
∞ ∞ ∞
! !
X X X
cn = an · bn
n=0 n=0 n=0
∞ ∞
1
xn absolut konvergent, und xn =
P P
Beispiel 3.26. Sei |x| < 1. Bekannt: 1−x . Dann
n=0 n=0
∞ ∞ ∞
! !
X X X
n n
x · x = cn
n=0 n=0 n=0
n
xk · xn−k = (n + 1)xn .
P
mit cn =
k=0
∞
(n + 1)xn absolut konvergent, und
P
Also ist
n=0
∞
X 1
(n + 1)xn =
n=0
(1 − x)2
Seien x, y ∈ R:
∞ ∞ ∞
! !
X xn X yn X
E(x) · E(y) = · = cn
n=0
n! n=0
n! n=0
mit
n n
X xk y n−k 1 X n! 1
∀n ∈ N0 cn = · = · xk y n−k = (x + y)n
k! (n − k)! n! k!(n − k)! n!
k=0 k=0
48
3.1. Exponentialfunktion
∞
X (x + y)n
⇒ E(x) · E(y) = = E(x + y)
n=0
n!
Ferner:
x x
x
2
E(x) = E 2 + 2 = E 2 >0
Weiter für alle n ∈ N:
E(n) = E(1 + 1 + · · · + 1) = E(1) · E(1) · · · E(1) = E(1)n = en
| {z }
n mal
Ferner:
1 1 1 n
+ · · · + n1 = E 1 1
e = E(1) = E n + n n ···E n =E n
| {z } | {z }
n mal n mal
1
1
⇒ en = E n
n
Also für alle r = m ∈ Q mit m, n ∈ N:
1 n
n 1 1 1 1 1 1 n n
E m =E m + m + ··· + m =E m ···E m =E m = em = em
| {z } | {z }
n mal n mal
E(y)
Andererseits ist E(y) · E(−x) = E(x)
49
3. Reihen
E(0) = 1, E(1) = e
∀x, y ∈ R E(x + y) = E(x) · E(y)
∀x ∈ R E(x) > 0
1
∀x ∈ R E(−x) =
E(x)
∀r ∈ Q E(r) = er
∀x, y ∈ R x < y ⇒ E(x) < E(y)
50
4. Potenzreihen
Sei (cn ) eine Folge mit cn ≥ 0 für alle n ∈ N.
Dann gilt:
lim sup cn = 0 ⇔ cn → 0
n→∞
Beweis:
⇐“ klar, da HW(cn ) = {0} (dann ist 0 auch größter Häufungswert).
”
⇒“ Sei ε > 0. Nach obigem Lemma gilt:
”
ε
0 ≤ cn ≤ für fast alle n ∈ N
2
d.h.
Ist (cn ) eine Folge mit cn ≥ 0 für alle n ∈ N, so gibt es genau eine der folgenden
Möglichkeiten:
(i) (cn ) ist unbeschränkt
(ii) (cn ) ist beschränkt und lim sup cn > 0
(iii) (cn ) ist beschränkt und lim sup cn = 0
∞
X
an (x − x0 )n = a0 + a1 (x − x0 ) + a2 (x − x0 )2 + · · ·
n=0
51
4. Potenzreihen
p
(2) Sei cn := n
|an |, n ∈ N.
Setze
0
falls (cn ) unbeschränkt
r := ∞ falls cn → 0
1
falls cn beschränkt und lim sup cn > 0
lim sup cn
d.h. solche Potenzreihen, bei denen x0 = 0. Der allgemeine Fall x0 ∈ R lässt sich durch die Transforma-
tion y = x − x0 auf diesen Spezialfall zurückführen.
∞
an xn sei eine Potenzreihe mit dem Konvergenzradius r.
P
Satz 4.3.
n=0
p
Beweis: Sei x ∈ R und cn := n |an |, bn := an xn , n ∈ N.
p 1 p
Dann gilt: n |bn | = (|an | · |xn |) n = n |an | · |x| = cn · |x| , n ∈ N.
(1) r = 0 ⇒ (cn ) ist unbeschränkt.
p
⇒ n |bn | unbeschränkt für x 6= 0.
3.14 P
⇒ bn divergiert für x 6= 0.
P
Also: bn konvergiert nur für x = 0.
p
(2) r = ∞ ⇒ cn → 0 ⇒ n |bn | → 0 für jedes x ∈ R.
3.14 P
⇒ bn konvergiert absolut für jedes x ∈ R.
(3) Sei r ∈ (0, ∞) und δ := lim sup cn , also r = 1δ .
Dann gilt:
p
n |x|
lim sup |bn | = δ · |x| = <1 ⇔ |x| < r
r
oder
p
n
lim sup |bn | > 1 ⇔ |x| > r
52
Beispiel 4.4.
∞
xn
P
(1) Bekannt: n! konvergiert absolut für jedes x ∈ R.
n=0
p 1
n
|an | = √ →1
n
n
1
⇒ lim sup √ =1
n
n
1
⇒ Konvergenzradius r = =1
1
Die Potenzreihe konvergiert also für |x| < 1 und divergiert für |x| > 1.
Für |x| = 1:
1
P
1. Fall x = 1: divergiert ⇒ die Potenzreihe divergiert.
n
P (−1)n
2. Fall x = −1: n konvergiert nach dem Leibniz-Kriterium.
⇒ die Potenzreihe konvergiert (aber nicht absolut).
∞
xn 1
P
(4) Betrachte n2 (hier: a0 = 0 , an = n2 (n > 0)).
n=1
p
n 1 √
|an | = √ 2 → 1 also lim sup n
an = 1
( n)
n
1
⇒ Konvergenzradius r = =1
1
Die Potenzreihe konvergiert also absolut für |x| < 1 und divergiert für |x| > 1.
Für |x| = 1:
1
P
1. Fall x = 1: konvergiert absolut ⇒ die Potenzreihe konvergiert absolut.
n2
P (−1)n
2. Fall x = −1: n2 konvergiert absolut ⇒ die Potenzreihe konvergiert absolut.
∞
nn xn (hier: an = nn ).
P
(5) Betrachte
n=0
p
cn := n
|an | = n ⇒ (cn ) ist unbeschränkt
⇒ Konvergenzradius r = 0
Die Potenzreihe konvergiert also nur für x = 0.
53
4. Potenzreihen
(
∞ n
n 2n , n gerade
P
(6) Betrachte an x mit an = 1
.
n=0 n3n , n ungerade
( √
n n
2 , n gerade
p
cn := n
|an | = 1
√ , n ungerade
3nn
1 1 1
⇒ HW(cn ) = , , lim sup cn =
3 2 2
⇒ Konvergenzradius r = 2
Die Potenzeihe konvergiert also absolut für |x| < 2 und divergiert für |x| > 2.
Die Beispiele (2), (3) und (4) zeigen: für |x| = 1 ist keine allgemeine Aussage
möglich.
Betrachte:
∞
X x2n
(−1)n
n=0
(2n)!
(−1)n
d.h. a2n = (2n)! , a2n+1 = 0.
p
2n 1
⇒ |a2n | = 2n
p →0
(2n)!
1
(Teilfolge von √
n
n!
.)
2n+1
p
|a2n+1 | = 0 → 0
p
Also n
|an | → 0 für n → ∞.
%=0
r=∞
⇒ die Potenzreihe konvergiert absolut für alle x ∈ R.
54
4.2. Der Sinus
Die Potenzreihe
∞
X x2n+1
(−1)n
n=0
(2n + 1)!
an
Satz 4.5. Sind fast alle an 6= 0 und existiert lim an+1 =: L, so gilt für den Konvergenzradius r der
n→∞
an (x − x0 )n :
P
Potenzreihe
r=L
bn+1 an+1
= · |x − x0 |
bn an
1. Fall: L = 0.
bn+1
⇒ bn ist unbeschränkt.
an (x − x0 )n ist divergent.
P P
⇒ bn =
⇒ r=0
2. Fall: L > 0.
bn+1 an+1 1
⇒ lim = lim · |x − x0 | = |x − x0 |
n→∞ bn n→∞ an L
1 1
an (x−x0 )n ist konvergent, falls
P P
⇒ bn = L |x−x0 | < 1, und ist divergent, falls L |x−x0 | >
1.
⇒ r=L
55
4. Potenzreihen
∞ ∞
an (x − x0 )n und bn (x − x0 )n seien zwei Potenzreihen mit Konvergenzradien r1 bzw
P P
Satz 4.6.
n=0 n=0
r2 .
Setze:
(
min{r1 , r2 } falls r1 < ∞ oder r2 < ∞
R :=
∞ falls r1 = ∞ und r2 = ∞
n
P
(mit cn := ak bn−k )
k=0
≥R
und es gilt:
∞ ∞ ∞
! !
X X X
n n n
cn (x − x0 ) = an (x − x0 ) · bn (x − x0 )
n=0 n=0 n=0
für |x − x0 | < R.
∞
X x2n+1
sin(x) = (−1)n
n=0
(2n + 1)!
∞
X x2n
cos(x) = (−1)n
n=0
(2n)!
56
4.3. Weiteres zu Sinus und Cosinus
Offenbar gilt:
sin(−x) = − sin(x)
cos(−x) = cos(x)
Ähnlich wie in der Exponentialreihe E(x + y) = E(x) · E(y) zeigt man mit obigem Satz die folgenden
Additionstheoreme:
sin(0) = 0, cos(0) = 1
Damit folgt:
1 = cos(0) = cos x + (−x) = cos(x) cos(−x) − sin(x) sin(−x) = cos2 (x) + sin2 (x)
Insbesondere gilt:
genauso
∀x ∈ R sin(x) ≤ 1
57
4. Potenzreihen
58
5. g-adische Entwicklungen
k ≤a<k+1
z1 z1 1
⇒ z0 + ≤ a < z0 + +
g g g
h i
z1 z1
Setze z2 := a − z0 − g g2 ⇒ z2 ≤ a − z0 − g g 2 < z2 + 1.
z1 z2 z1 z2 1
⇒ z0 + + 2 ≤ a < z0 + + 2+ 2
g g g g g
Es gilt z1 ≤ g − 1, z2 ≤ g − 1 . . . , denn:
z2 ≤ g − 1 analog.
∀n ∈ N zn ∈ N0 , ∀n ≥ 1 : zn ≤ g − 1
z1 z2 zn zn 1
∀n ∈ N0 z0 + + 2 + · · · + n ≤ a < z0 + · · · + n + n
g g g g g
Satz 5.1. Ist (z̃n ) eine weitere Folge mit obiger Eigenschaft, so gilt:
∀n ∈ N0 z̃n = zn
59
5. g-adische Entwicklungen
∞ ∞
zn g−1 P g−1 P 1
Es gilt ∀n ≥ 1 0 ≤ gn ≤ gn und gn = (g − 1) · gn ist konvergent (geometrische Reihe). Aus
n=0 n=0
∞
zn g1n konvergent ist.
P
dem Majorantenkriterium folgt, dass auch
n=0
1 zn
Setze ∀n sn := z0 + g + ··· + gn . Nach obiger Eigenschaft gilt:
1
∀n ∈ N sn ≤ a < sn +
gn
|{z}
→0
∞
X 1
⇒ zn =a
n=0
gn
Dafür schreiben wir:
a = z0 , z1 z2 z3 z4 . . .
(1) a = 1; z0 ≤ a < z0 + 1, z0 ∈ N0 ⇒ z0 = 1
h i
z1 2
z1 = [(a − z0 )g] = 0; z2 = (a − z0 − g )g =0 ...
⇒ 1 = 1,00000 . . .
(2) a = 31 ; z0 = [a] = 0.
z1 = 13 − 0 · 10 = 3 1 1
z2 = 3 −0−3· 10 · 100 = 3 ...
1
⇒ 3 = 0,33333 . . .
Definition 5.3. Sei b ∈ R und b < 0; setze a := −b > 0. Sei also a = z0 , z1 z2 . . . die g-adische
Darstellung von a. Dann definiere −z0 , z1 z2 . . . als die g-adische Darstellung von b.
Bemerkung 5.4. Bei Definition des Ganzteiles (z0 ∈ N0 , z0 ≤ a < z0 + 1) hätte man genauso gut
z0 ∈ Z, z0 < a ≤ z0 + 1 verlangen können. Das hätte für die o.g. Eigenschaften ergeben:
z1 zn z1 zn 1
z0 + g + ··· + gn < a ≤ z0 + g + ··· + gn + gn
1 = 0,9999 . . .
1
2 = 0,4999999 . . .
⇒ Wir bleiben beim Alten.
60
Satz 5.5. Ist a = z0 , z1 z2 . . . die g-adische Entwicklung von a gemäß der alten Ungleichung, so ist der
Fall zn = g − 1 für fast alle n nicht möglich. (vgl. 9er-Periode)
∃m ∈ N ∀n ≥ m zn = g − 1
∞ m−1 ∞ ∞
X 1 X 1 X 1 g−1 X 1 1
⇒ a= zn = zn n + (g − 1) = sm−1 + = sm−1 + m−1
n=0
gn n=0
g n=m
g n g m
n=m
g n−m g
wegen
∞ ∞
X 1 X 1 1 g
= = 1 =
n=m
g n−m gk 1 − g
g−1
k=0
1 z1 zm−1 1
sm−1 + = z0 + g + ··· + g m−1 + g m−1 >a
g m−1
[0, 1) = {a1 , a2 , a3 , . . .}
(n)
mit zi ∈ {0, 1, 2}. Definiere Folge (zk ) durch:
(
(k) (k)
1 falls zk = 0 oder zk = 2
zk := (k)
0 falls zk = 1
∞
P zn
Setze a := 3n
n=1
∞ ∞ ∞
X 1 1 X 1 1 X 1 1
⇒ a ≤ n
= · n−1
= · j
=
n=1
3 3 n=1
3 3 j=0
3 2
⇒ a ∈ [0, 1)
∃n ∈ N a = an
(n)
Ferner ist aber a = 0, z1 z2 z3 . . . Also insbesondere: zn = zn (n-te Ziffer von a und an stimmen
überein).
⇒ Widerspruch zur Definition der zk .
61
5. g-adische Entwicklungen
62
6. Grenzwerte bei Funktionen
6.1. Allgemeines
∀n ∈ N xn 6= x0 und lim xn = x0
n→∞
Beispiel 6.2.
Dann: x0 ∈ R ist Häufungspunkt von D ⇔ x0 ∈ [0, 1] Denn: jeder Punkt in dem Intervall kann
Häufungspunkt sein, aber auch 0.
(2) D = { n1 : n ∈ N}
Dann hat die Folge (an ) die Häufungswerte 1 und −1; aber D := {an |n ∈ N} = {1, −1} hat keine
Häufungspunkte.
Bezeichnung:
⇔ ∀ε > 0 Dε 6= ∅
63
6. Grenzwerte bei Funktionen
Beweis:
⇒“: Sei x0 Häufungspunkt von D, also existiert Folge (xn ) in D mit xn 6= x0 für alle n, und xn → x0 .
”
Sei ε > 0. Dann:
∀n ∈ N xn ∈ U n1 (x0 )
d.h.
1
∀n ∈ N |xn − x0 | <
n
Also xn → x0 .
⇒ x0 ist Häufungspunkt von D.
Ab jetzt sei in diesem Abschnitt stets D ⊂ R, x0 ∈ R Häufungspunkt von D.
Definition 6.4. f : D → R sei eine Funktion und a ∈ R. Wir sagen und schreiben:
lim f (x) = a :⇔ Für jede Folge (xn ) in D \ {x0 } mit xn → x0 gilt: lim f (xn ) = a.
x→x0 n→∞
Bemerkung 6.5. Falls x0 ∈ D, so ist der Funktionswert f (x0 ) in obiger Definition irrelevant. Für die
Existenz und den Wert von lim f (x) ist nur das Verhalten von f in der Nähe“ von x0 relevant.
x→x0 ”
Beispiel 6.6.
√
(1) D = [0, ∞), p ∈ N, f (x) := p
x.
√ √
Ist (xn ) Folge in D mit xn → x0 , so folgt: p xn → p x0 Das heißt:
√ √
lim p x = p x0
x→x0
(2) D = (0, 1]
64
6.1. Allgemeines
1
Denn für xn := 2 − n1 gilt xn → 1
2 und f (xn ) → 1
4 und für x̃n := 1
2 + n1 gilt: x̃n → 1
2 und f (x̃n ) → 1.
Aber: lim f (x) existiert und ist 14 . Dafür schreiben wir
x→ 12
x∈(0, 21 )
1
lim f (x) = linksseitiger Grenzwert
1
x→ 2 − 4
Analog:
∞
xn
P
(3) D = R, E(x) = n! für x ∈ R, d.h. E : R → R.
n=0
Sei nun x0 ∈ R. Dann gilt für jedes x ∈ R:
Also gilt
Ist (xn ) eine Folge mit xn → x0 , so gilt |xn − x0 | → 0, also |xn − x0 | ≤ 1 für fast alle n ∈ N.
Somit:
⇒ E(xn ) → E(x0 )
Also:
65
6. Grenzwerte bei Funktionen
∞
an xn eine Potenzreihe mit dem Konvergenzradius r > 0.
P
(4) Sei
n=0
∞
an xn
P
Sei f : (−r, r) → R, x 7→ f (x) :=
n=0
∞
X
und g : (−r, r) → R, x 7→ g(x) := (n + 1)an+1 xn .
n=0
| {z }
Konvergenzradius wieder r
∞
X n−1
X
≤ |x − x0 | · |an | |x|k · |x0 |n−k−1
n=1 k=0
∞
X n−1
≤ |x − x0 | · |an | · |x0 | + δ
n=1
∞
X n
= |x − x0 | · (n + 1) · an+1 · |x0 | + δ
n=0
= |x − x0 | · g |x0 | + δ
D.h. für x0 ∈ (−r, r), δ > 0 mit |x0 | + δ ∈ (0, 1) und |x − x0 | ≤ δ gilt:
f (x) − f (x0 ) ≤ |x − x0 | · g |x0 | + δ
Beweis:
⇒“: Sei ε > 0. Annahme: Es gibt kein δ mit der Eigenschaft (*). D.h.
”
∀δ > 0 ∃x ∈ Dδ (x0 ) |f (x) − a| ≥ ε
66
6.1. Allgemeines
Somit: f (xn ) → a.
Satz 6.8.
(1) lim f (x) existiert ⇔ für jede Folge (xn ) in D \ {x0 } mit xn → x0 konvergiert die Folge
x→x0
f (xn ) n∈N .
(in diesem Fall: f (xn ) → lim f (x) für jede dieser Folgen.)
x→x0
(ohne Beweis)
Satz 6.9. Gegeben: Funktionen f, g, h : D → R. Es mögen lim f (x) =: a , lim g(x) =: b existieren.
x→x0 x→x0
Dann gilt:
(1) Für α, β ∈ R:
lim αf (x) + βg(x) = α · a + β · b
x→x0
lim f (x) · g(x) = a · b
x→x0
so gilt a ≤ b.
(3) Falls es ein δ > 0 gibt mit
|b| f
(4) Ist b 6= 0, so existiert ein δ > 0 mit |g(x)| ≥ 2 > 0 für alle x ∈ Dδ (x0 ) und für g
: Dδ (x0 ) → R gilt:
f (x) a
lim =
x→x0 g(x) b
67
6. Grenzwerte bei Funktionen
|b|
∀x ∈ Dδ (x0 ) |g(x)| − |b| < ε =
2
|b|
⇒ ∀x ∈ Dδ (x0 ) |g(x)| − |b| > −
2
|b|
⇒ ∀x ∈ Dδ (x0 ) |g(x)| >
2
Rest mit Satz über Folgen.
Definition 6.10.
(1) Sei (xn ) eine Folge in R.
+∞ xn > c
lim xn = :⇔ ∀c ∈ R ∃n0 ∈ N ∀n ≥ n0
n→∞ −∞ xn < c
+∞ +∞
lim f (x) = :⇔ Für jede Folge (xn ) in D \ {x0 } mit xn → x0 gilt: f (xn ) →
x→x0 −∞ −∞
Beispiel 6.11.
1
(1) x → +∞ für x → 0+
1
x → −∞ für x → 0−
1
x → 0 für |x| → ∞
(2) xp → ±∞ für x → ±∞, falls p ∈ N, p ungerade
xp → +∞ für x → ±∞, falls p ∈ N, p gerade
Skizze zu Beispiel (1)
6.2. Exponentialfunktion
Sei p ∈ N0 fest. Für x > 0 gilt
x2 xp+1
E(x) = 1 + x + + ··· >
2! (p + 1)!
E(x) x
>
xp (p + 1)!
68
6.2. Exponentialfunktion
x
Wegen lim = +∞ gilt also
x→+∞ (p+1)!
E(x)
lim = +∞
x→∞ xp
also insbesondere
lim E(x) = +∞
x→∞
(⇒ Die E-Funktion wächst für x → +∞ stärker als jede Potenz von x“)
”
1
Wegen ∀x < 0 E(x) = E(−x) gilt:
1 1
lim E(x) = lim = lim =0
x→−∞ x→−∞ E(−x) x̃→+∞ E(x̃)
69
6. Grenzwerte bei Funktionen
70
7. Stetige Funktionen
Definition 7.1. Sei D ⊂ R, f : D → R heißt stetig in x0 ∈ D :⇔ Für jede Folge (xn ) in D mit
xn → x0 gilt:
f (xn ) → f (x0 )
Beispiel 7.2.
3
(1) D = [0, 1] ∪ 2 .
2
x
falls 0 ≤ x < 1
1
f (x) := falls x = 1
2
1 falls x = 23
⇒ ∃n0 ∈ N ∀n ≥ n0 xn = 32
⇒ ∀n ≥ n0 f (xn ) = f 32 = 1
⇒ f (xn ) → 1 = f 23
⇒ f stetig in 32 .
√
(2) f (x) := p x definiert auf D := [0, ∞). Schon gezeigt:
√ √
lim p x = p x0 für alle x0 ∈ [0, ∞)
x→x0
Also f ∈ C [0, ∞) =: C[0, ∞).
71
7. Stetige Funktionen
Satz 7.4.
(1) Sind f, g : D → R stetig in x0 ∈ D und sind α, β ∈ R, so sind
αf + βg, f · g, |f |
stetig in x0 .
f
Gilt ferner g(x0 ) 6= 0, so setze D̃ := {x ∈ D : g(x) 6= 0}. Dann ist g
: D̃ → R stetig in x0 ∈ D̃.
(2) C(D) ist ein R-Vektorraum.
g◦f : D →R
ist stetig in x0 .
⇒ g(yn ) → g(y0 ) .
| {z } | {z }
(g◦f )(xn ) (g◦f )(x0 )
7.1. Potenzreihen
Bemerkung 7.7.
(1) E(x), sin(x), cos(x) sind also stetig auf R.
Ist zum Beispiel f (x) := E(cos(x)), so ist f = E ◦ cos stetig auf R.
n m
p
ak xk , q(x) = ak xk Polynome, so sind p und q stetig auf R und
P P
(2) Sind p(x) = q ist stetig auf
k=0 k=0
R \ {x|q(x) = 0}.
(3) Für z0 ∈ D besagt obiger Satz insbesondere:
∞
X ∞
X ∞
X
lim an (x − x0 )n = lim f (x) = f (z0 ) = an (z0 − x0 )n = an · lim (x − x0 )n
x→z0 x→z0 x→z0
n=0 n=0 n=0
sin x
Beispiel 7.8. Behauptung: lim = 1.
x→0 x
72
7.2. Zwischenwertsatz
7.2. Zwischenwertsatz
Satz 7.11 (Zwischenwertsatz). Sei f ∈ C[a, b] und y0 zwischen f (a) und f (b), genauer:
(
[f (a), f (b)] falls f (a) < f (b)
y0 ∈
[f (b), f (a)] falls f (a) ≥ f (b)
Behauptung:
Beweis:
1. Fall: f (a) = y0 oder f (b) = y0 ⇒ fertig.
2. Fall: f (a) 6= y0 6= f (b). Dann ist f (a) 6= f (b). O.B.d.A. sei f (a) < y0 < f (b).
Setze M := {x ∈ [a, b] | f (x) ≤ y0 }
Es ist M 6= ∅ (weil z.B. a ∈ M ) und M beschränkt (da M ⊂ [a, b]). Also existiert x0 := sup M .
• Ist n ∈ N, so ist x0 − n1 keine obere Schranke von M und wir finden ein xn ∈ M mit
x0 − n1 < xn ≤ x0 . Somit gilt xn → x0 (n → ∞).
Wegen xn ∈ [a, b] für alle n ∈ N gilt auch x0 ∈ [a, b]. Da f stetig ist, folgt f (xn ) →
f (x0 ) (n → ∞).
Wegen f (xn ) ≤ y0 für alle n ∈ N ist f (x0 ) ≤ y0 .
73
7. Stetige Funktionen
Korollar 7.13 (Nullstellensatz von Bolzano). Sei f ∈ C[a, b] und f (a) · f (b) < 0
74
7.4. Kompakte Mengen
Definition 7.14.
(1) D ⊂ R heißt abgeschlossen :⇔ für jede konvergente Folge (xn ) in D gilt:
lim xn ∈ D
n→∞
Beispiel 7.15.
• Endliche Mengen sind kompakt
• D := n1 : n ∈ N ist nicht abgeschlossen, da 1
n → 0 aber 0 6∈ D.
Dagegen ist D ∪ {0} abgeschlossen (und sogar kompakt).
75
7. Stetige Funktionen
(1) D ist kompakt ⇔ jede Folge (xn ) in D enthält eine konvergente Teilfolge (xnk ) mit lim xnk ∈ D.
k→∞
Beweis:
(1)
⇒“: Sei (xn ) eine Folge in D. Da D beschränkt, ist auch (xn ) beschränkt.
”
⇒ (xn ) enthält eine konvergente Teilfolge (xnk ) (nach Bolzano-Weierstraß).
D ist abgeschlossen ⇒ lim xnk ∈ D.
k→∞
76
7.4. Kompakte Mengen
Beispiel 7.18.
(1) f (x) := x2 , D = R
f ist unbeschränkt.
(2) f (x) := x2 , D = [−1, 1]
Es gilt: |f (x)| ≤ 1 für alle x ∈ D ⇒ f ist beschränkt
................
...... ..
max f (D) = f (x2 )
...... ..
...... ..
.
.......
. ..
.
..... ...
..
...... ..
..
.... ..
..
.... ..
..
.... ...
.... ..
...
. ..
... ..
..
. ..
...
. ...
... ..
... ..
..
. ..
.... ...
... ..
... ..
.......................... ... ..
...
... ..
. ..
. ......
... ..... ...
. ...
.. ..... .
.. ..
.. .... .. ..
.... ..
.. .... .. ..
.... ..
... .... .. ...
.. ....
.... ...
. ..
.. ..... ..
.. ..
.. ..... ..
...
. ..
.. .....
...... ..
....
. ..
.
... .......
.............................................................................
.. ... min f (D) = f (x1 )
.. ... ..
.. .. ..
.. .. ..
a x1 x2 = b
Beweis:
(1) Sei (yn ) eine Folge in f (D).
Dann existiert eine Folge (xn ) in D mit yn = f (xn ) für alle n ∈ N.
Nach Satz 7.16 (D kompakt, (xn ) ⊂ D) existiert eine konvergente Teilfolge (xnk ) von (xn ) mit
x0 := lim xnk ∈ D.
k→∞
1
⇒ ∀n ∈ N ∃xn ∈ D : s − < f (xn ) ≤ s
n
⇒ (xn ) enthält konvergente Teilfolge (xnk ) mit x0 := lim xnk ∈ D.
k→∞
77
7. Stetige Funktionen
1
s− < f (xnk ) ≤ s ⇒ s = f (x0 ) ∈ f (D)
n
Analog: inf f (D) ∈ f (D).
Beweis:
(1) Seien α, β ∈ f (I), o.B.d.A. sei α ≤ β.
Nach dem Zwischenwertsatz gilt [α, β] ⊂ f (I). Nach obiger Bemerkung ist dann f (I) ein Intervall.
(2) klar: f (I) ⊂ [A, B]
Nach obiger Bemerkung ist f (I) ein Intervall und A, B ∈ f (I).
⇒ [A, B] ⊂ f (I) nach (1).
⇒ f (I) = [A, B]
78
7.5. Monotonie, Umkehrfunktionen
(1) f heißt monoton wachsend :⇔ ∀x1 , x2 ∈ D : x1 ≤ x2 ⇒ f (x1 ) ≤ f (x2 )
(2) f heißt streng monoton wachsend :⇔ ∀x1 , x2 ∈ D : x1 < x2 ⇒ f (x1 ) < f (x2 )
(3) f heißt monoton fallend :⇔ ∀x1 , x2 ∈ D : x1 ≤ x2 ⇒ f (x1 ) ≥ f (x2 )
(4) f heißt streng monoton fallend :⇔ ∀x1 , x2 ∈ D : x1 < x2 ⇒ f (x1 ) > f (x2 )
(5) f heißt [streng] monoton :⇔ f ist entweder [streng] monoton wachsend oder fallend
Nun sei I ⊂ R beliebiges Intervall und f : I → R streng monoton wachsend oder streng monoton
fallend. Dann ist f injektiv (denn für x1 , x2 ∈ I mit x1 6= x2 gilt x1 < x2 oder x2 < x1 und daher
f (x1 ) < f (x2 ) f (x2 ) < f (x1 )
oder , also in jedem Fall: f (x1 ) 6= f (x2 )).
f (x1 ) > f (x2 ) f (x2 ) > f (x1 )
⇒ Es existiert eine Umkehrfunktion f −1 : f (I) → I und f −1 ist streng monoton wachsend bzw.
fallend.
Satz 7.25. Sei f ∈ C[a, b] und streng monoton. Dann ist auch f −1 ∈ C f ([a, b]) .
Beweis: Sei etwa f streng monoton wachsend. Nach Satz 7.22 ist f ([a, b]) = [f (a), f (b)] =:
J.
Sei y0 ∈ J (zu zeigen: f −1 stetig in y0 ). Sei dazu ε > 0. Wir zeigen: Es gibt ein δ1 > 0
mit
79
7. Stetige Funktionen
Korollar 7.26. I sei beliebiges Intervall, f ∈ C(I) und streng monoton. Dann ist auch f −1 ∈ C(f (I)).
ax := E(x log a)
80
7.7. Verschärfter Stetigkeitsbegriff
Eigenschaften:
(1) x 7→ ax ist stetig auf R.
(2) ax > 0
(3) ax+y = E((x + y) · log a) = E(x log a + y log a) = E(x log a) · E(y log a) = ax · ay
(4) a−x = E(−x log a) = E(x 1log a) = a1x
y
(6) (ax ) = E (y · log(ax )) = E(xy · log a) = axy
Beispiel 7.28. D = [0, ∞), f (x) = x2 , z > 0. Sei ε > 0 und sei δ > 0 so gewählt, dass
h i
∀x ∈ D |x − z| < δ ⇒ f (x) − f (z) < ε
|x − z| · |x + z| < ε
| {z }
= δ2 (2z+ δ2 )
81
7. Stetige Funktionen
δ2
δ δ
⇒ · 2z + = δz + > δz
2 2 4
ε
⇒ δz < ε ⇒ δ <
z
⇒ δ hängt von ε und von z ab.
Abbildung 7.5.: Während ε konstant bleibt werden verschiedene Werte für x (x1 , x2 ) gewählt; deutlich
sichtbar: δ1 muss wesentlich größer gewählt werden als δ2 .
Klar: f gleichmäßig stetig auf D ⇒ f stetig auf D. Die Umkehrung ist i.a.
falsch.
Satz 7.30. Sei D kompakt und f stetig auf D. Dann ist f auch gleichmäßig stetig auf D.
Beweis: Annahme: f sei nicht gleichmäßig stetig. Dann existiert ein ε > 0 derart, dass für alle δ > 0
folgendes nicht gilt:
h i
∀z, x ∈ D |x − z| < δ ⇒ f (x) − f (z) < ε
1 1
Insbesondere für δ := n mit n ∈ N: Es gibt zn , xn ∈ D mit |xn − zn | < n, aber |f (xn ) − f (zn )| ≥
ε.
82
7.9. Lipschitz-Stetigkeit
Da D kompakt, existiert eine Teilfolge (xnk ) von (xn ) mit xnk → x0 ∈ D für k →
∞.
1
Wegen |xnk − znk | < nk → 0 für k → ∞ geht also auch znk → x0 .
Da f stetig in x0 : f (xnk ) → f (x0 ), f (znk ) → f (x0 ) für k → ∞.
⇒ |f (xnk ) − f (znk )| → 0 .
Beispiel 7.31. f = x2 , D = [0, 1].
7.9. Lipschitz–Stetigkeit
Speziell für z := 0:
√ 1 √
∀x ∈ (0, 1] : x ≤ Lx ⇔ ≤ x
L
√
da x → 0 für x → 0.
7.10. Zusammenfassung
f Lipschitz-stetig ⇒ f gleichmäßig stetig ⇒ f stetig.
Die Umkehrungen sind i.a. falsch; Ausnahme vgl. obiger Satz.
83
7. Stetige Funktionen
84
8. Funktionenfolgen und –reihen
Stets in diesem Abschnitt: D ⊂ R und (fn )n∈N eine Folge von Funktionen fn : D →
R.
P
sn := f1 + · · · + fn : D → R. (sn ) =: fn heißt Funktionenreihe.
bzw.
∞
X
∀x ∈ D s(x) := fn (x)
n=1
Beispiel 8.2.
∞
an (x − x0 )n eine Potenzreihe mit Konvergenzradius r > 0. D = (x0 − r, x0 + r).
P
(2) Sei
n=0
∞
X
fn (x) := an (x − x0 )n , s(x) := an (x − x0 )n
n=0
P
Dann konvergiert fn auf D punktweise gegen s.
85
8. Funktionenfolgen und -reihen
86
8.2. Gleichmäßige Konvergenz
Beispiel 8.4.
(1) D = [0, 1], fn (x) = xn
(
0 falls x ∈ [0, 1)
fn konvergiert punktweise gegen f (x) := .
1 falls x = 1
Aber: (fn ) konvergiert nicht gleichmäßig gegen f , denn
1 1 1
fn √ −f √ =
n
2 n
2 2
d.h. es gibt kein n0 mit
1
∀n ≥ n0 ∀x ∈ D fn (x) − f (x) < ε :=
2
Beachte: Alle fn ∈ C[0, 1], aber f 6∈ C[0, 1].
Aber:
(2) Sei α ∈ (0, 1), Dα := [0, α] und fn (x) := xn .
Klar nach (1): (fn ) konvergiert auf Dα punktweise gegen f : x 7→ 0.
Für alle n ∈ N, x ∈ Dα gilt:
Satz 8.5.
(1) Sei (fn ) Funktionenfolge auf D und f : D → R.
Es gebe eine Folge (αn )n∈N in R mit lim αn = 0 und es gebe ein m ∈ N mit:
n→∞
∀n ≥ m ∀x ∈ D : fn (x) − f (x) ≤ αn
∀n ≥ m ∀x ∈ D : fn (x) ≤ cn
∞
P ∞
P
und es sei cn konvergent. Dann konvergiert auch fn gleichmäßig auf D.
n=1 n=1
87
8. Funktionenfolgen und -reihen
Beweis:
(1) Sei ε > 0, wähle n0 ∈ N mit n0 ≥ m und ∀n ≥ n0 αn < ε.
(2) sn := f1 + · · · + fn .
∀x ∈ D ∀n ≥ m fn (x) ≤ cn
Beweis:
(1) Für x ∈ D, n ∈ N gilt:
f (x) − f (x0 ) = f (x) − fn (x) + fn (x) − fn (x0 ) + fn (x0 ) − f (x0 )
≤ f (x) − fn (x) + fn (x) − fn (x0 ) + fn (x0 ) − f (x0 )
fn ∈ C(D) für alle n ∈ N, f 6∈ C(D) ⇒ (fn ) konvergiert nicht gleichmäßig (wie gezeigt).
88
8.3. Potenzreihen
Bemerkung 8.8. Die Vorraussetzungen und Bezeichnungen seien wie in vorigem Satz. Außerdem sei
x0 Häufungspunkt von D.
Dann:
lim f (x) = f (x0 ) und lim fn (x) = fn (x0 ) für alle n ∈ N
x→x0 x→x0
Also:
lim lim fn (x) = lim f (x) = f (x0 ) = lim fn (x0 )
x→x0 n→∞ x→x0 n→∞
= lim lim fn (x)
n→∞ x→x0
Die Vertauschung von Grenzwertbildung ist i.a. nicht möglich! Denn (vergleiche Beispiel (1)):
lim lim xn = lim 0 = 0
x→1− n→∞ x→1−
lim lim xn = lim 1 = 1
n→∞ x→1− n→∞
8.3. Potenzreihen
∞
an xn
P
Sei =: f (x) eine Potenzreihe mit Konvergenzradius r > 0. D :=
n=0
(−r, r).
Dann lim f (x) = f (x0 ) für jedes x0 ∈ D (vergl. Beispiel 6.6 (4)).
x→x0
Also
n n
! !
X X
lim lim ak xk = lim ak xk0
x→x0 n→∞ n→∞
k=0 k=0
| {z } | {z }
=f (x) =f (x0 )
n
!
X
= lim lim ak xk
n→∞ x→x0
k=0
Frage: Konvergiert die Potenzreihe auf D gleichmäßig? (da sich ja die Grenzwerte vertauschen las-
sen)
Antwort: Im allgemeinen nein, denn:
∞
1−xn+1 1
xn , D = (−1, 1), sn (x) := 1 + x + · · · + xn =
P
Beispiel 8.9. 1−x → 1−x (n → ∞).
n=0
1
Sei f : D → R, x 7→ 1−x .
Aber:
89
8. Funktionenfolgen und -reihen
∞
an xn sei eine Potenzreihe mit Konvergenzradius r > 0 und D = (−r, r).
P
Satz 8.10.
n=0
Ist [a, b] ⊂ D ein kompaktes Intervall, so konvergiert die Potenzreihe auf [a, b] gleichmäßig.
Beweis: Setze % := max |a|, |b| . Dann ist [a, b] ⊂ [−%, %] ⊂ D.
Behauptung: f ∈ C(D)
Da wir x0 beliebig gewählt haben, folgt, dass f stetig auf ganz D ist.
Ist (xk )k∈N eine Nullfolge in D \ {0} und f (xk ) = g(xk ) für alle k ∈ N, so gilt: an = bn für alle n ∈ N.
90
8.3. Potenzreihen
also
∞ ∞ ∞
h(x) X X X
ϕ(x) := = cn xn−n0 = ck+n0 xk = cn+n0 xn
xn0 n=n
k=n−n0
n=0
0 k=0
ϕ ist eine Potenzreihe, die für jedes x ∈ D konvergiert ⇒ ϕ hat den Konvergenzradius rϕ ≥
r.
⇒ ϕ stetig in 0, d.h. ϕ(xk ) → ϕ(0) = cn0 = an0 − bn0 6= 0.
7.6
h(xk ) f (xk )−g(xk )
Andererseits: ϕ(xk ) = n
xk 0
= n
xk 0
=0→0
91
8. Funktionenfolgen und -reihen
92
9. Differentialrechnung
Stets in diesem Abschnit: I ⊂ R sei ein (nicht–einpunktiges) Intervall (I = R zugelassen), f : I → R
eine Funktion.
Idee: Approximiere“ f in der Nähe von“ x0 ∈ N durch eine Gerade.
” ”
f (x)−f (x0 )
Steigung der Geraden durch die Punkte x0 , f (x0 ) und x, f (x) : x−x0 .
f (x) − f (x0 )
f (x) = f (x0 ) + (x − x0 ) ∼ f (x0 ) + a(x − x0 ) x nahe x0
x − x0
93
9. Differentialrechnung
Beispiel 9.2.
(1) I sei beliebig, ∀x ∈ I f (x) := c, wobei c ∈ R fest.
Dann:
f (x) − f (x0 ) c−c
= =0
x − x0 x − x0
⇒ f differenzierbar auf I und ∀x ∈ I f 0 (x) = 0.
(2) I = R, ∀x ∈ R f (x) := |x|.
Wähle x0 = 0, dann für x 6= x0
(
f (x) − f (x0 ) |x| 1 für x > 0
= =
x − x0 x −1 für x < 0
Also
f (x) − f (x0 )
lim =1
x→0+ x − x0
f (x) − f (x0 )
lim = −1
x→0− x − x0
f (x) − f (x0 )
⇒ lim existiert nicht
x→0 x − x0
⇒ f ist in 0 nicht differenzierbar.
Beachte: f ist in 0 stetig.
(3) I = R, f (x) = xn für alle x ∈ R, n ∈ N fest.
Beweis:
f (x) − f (x0 )
f (x) − f (x0 ) = · (x − x0 ) → f 0 (x0 ) · 0 = 0
x − x0 | {z }
| {z } →0
x→x0
−−−−→f 0 (x)
0x→x
⇒ f (x) −−−−→ f (x0 )
⇒ f ist in x0 stetig.
94
9.1. Differentiationsregeln
9.1. Differentiationsregeln
(3) Ist g(x0 ) 6= 0, so existiert ein (nicht einpunktiges) Intervall J ⊂ I mit ∀x ∈ J g(x) 6= 0 und
f
:
g J → R ist differenzierbar in x0 mit
0
f f 0 (x0 )g(x0 ) − f (x0 )g 0 (x0 )
(x0 ) =
g g(x0 )2
Beweis:
(1) selbst
(2)
⇒ Behauptung.
(3) Nach 9.3 ist g stetig in x0 . Daraus folgt die ie Aussage über J.
f
− fg (x0 )
" #
g (x) 1 f (x) − f (x0 ) g(x) − g(x0 )
= g(x0 ) − f (x0 )
x − x0 g(x)g(x0 ) x − x0 x − x0
| {z } | {z }
→f 0 (x0 ) →g 0 (x0 )
⇒ Behauptung.
x f (x)
e
Beispiel 9.5. Sei I = (0, ∞), h(x) = x = g(x) mit f (x) = ex und g(x) = x.
Dann ist h differenzierbar auf I und
ex x − ex · 1 ex ex
h0 (x) = = −
x2 x x2
95
9. Differentialrechnung
Beweis:
(
f (y)−f (y0 )
für y 6= y0
f˜(y) := y−y0
f 0 (y0 ) für y = y0
f˜ stetig in y0
x→x0
⇒ f˜ g(x) −−−−→ f˜(y0 ) = f 0 (y0 )
g(x) − y0 f˜ g(x)
(f ◦ g)(x) − (f ◦ g)(x0 ) f g(x) − f g(x0 ) g(x) − g(x0 ) ˜
⇒ = = = · f (g(x))
x − x0 x − x0 x − x0 x − x0 | {z }
| {z } →f 0 (x )
0
→g 0 (x0 )
Beispiel 9.7. Sei a > 0 und h(x) := ax für alle x ∈ R, also h(x) = f (g(x)) mit
f und g sind auf R differenzierbar, f 0 (x) = ex , g 0 (x) = log a. Nach 9.6 ist h auf R differenzierbar und
9.2. Umkehrfunktion
⇒ f −1 in x0 nicht differenzierbar.
(Das liegt an f 0 (0) = 0 und natürlich f (0) = 0, f −1 (0) = 0)
96
9.2. Umkehrfunktion
Satz 9.9. Sei I ein Intervall (nicht einpunktig), f ∈ C(I) und f streng monoton. (⇒ f −1 existiert).
Ist f differenzierbar in x0 ∈ I und f 0 (x0 ) 6= 0, so ist auch f −1 : f (I) → I differenzierbar in y0 := f (x0 )
und
" #
−1 0
1 1
f (y0 ) = 0 = 0 −1
f (x0 ) f f (y0 )
(Beachte: f (I) ist Intervall, da Bilder von stetigen Funktionen Intervalle sind. Und I ist nicht einpunktig,
da f streng monoton.)
Beweis: Sei (yn ) eine Folge in f (I) mit yn → y0 und yn 6= y0 für alle n ∈ N.
Setze ∀n ∈ N xn := f −1 (yn ).
⇒ f −1 stetig (in y0 ).
n→∞
Also: xn = f −1 (yn ) −−−−→ f −1 (y0 ) = x0 .
f −1 (yn ) − f −1 (y0 ) xn − x0 1 n→∞ 1
⇒ = = −−−−→
yn − y0 f (xn ) − f (x0 ) f (xn )−f (x0 ) f 0 (x 0)
xn −x0
Beispiel 9.10.
(1) ∀x ∈ R f (x) = ex . Bekannt: f −1 = log : (0, ∞) → R, ∀x ∈ R f 0 (x) = ex .
1
Dann ∀y ∈ (0, ∞) : (f −1 )0 (y) = f 0 (x) mit y = f (x).
1
d.h. (log)0 (y) = ex mit y = ex , d.h.
1
∀y ∈ (0, ∞) (log)0 (y) =
y
z.B.
√ 1 1 1
f (x) = x ⇒ f 0 (x) = · x 2 −1 = √
2 2 x
Beispiel 9.11.
(1) f (t) := log(1 + t), t > −1
1
f ist auf (−1, ∞) differenzierbar und f 0 (t) = 1+t .
Es ist
log(1 + t) f (t) − f (0) t→0 0
= −−−→ f (0) = 1
t t−0
log(1+t)
Also: lim t = 1.
t→0
a x
= ea für jedes a ∈ R.
(2) Behauptung: lim 1 + x
x→∞
97
9. Differentialrechnung
a
x→∞
Also x · log 1 + x −−−−→ a.
a x
= ex·log(1+ x ) −−−−→ ea .
a x→∞
⇒ 1+ x
9.3. Extrempunkte
Beispiel 9.13. M = Q: M hat keine inneren Punkte, denn für jedes x0 ∈ Q und jedes δ > 0 enthält
Uδ (x0 ) irrationale Punkte, also Uδ (x0 ) 6⊂ M .
x0 ist ein relatives Extremum, wenn f in x0 ein relatives Maximum oder ein relatives Minimum hat.
98
9.4. Mittelwertsatz der Differentialrechnung
Satz 9.15. I Intervall, nicht einpunktig, f : I → R habe in x0 ∈ I ein relatives Extremum. Ferner sei
f differenzierbar in x0 , und x0 sei innerer Punkt von I. Dann gilt:
f 0 (x0 ) = 0
f (x) − f (x0 )
⇒ f 0 (x0 ) = lim =0
x→x0 x − x0
Warnungen:
(1) Die Umkehrung des Satzes ist falsch!
Beispiel 9.16. ∀x ∈ R f (x) = x3 ; f 0 (x) = 3x2 , f 0 (0) = 0, aber f hat in 0 weder relatives Maximum
noch relatives Minimum.
(2) Die Voraussetzung x0 innerer Punkt von I“ ist wesentlich.
”
Beispiel 9.17. I = [0, 1], ∀x ∈ I f (x) := x. f hat in x0 = 1 relatives Maximum, aber f 0 (1) = 1 6= 0.
Allerdings ist x0 auch kein innerer Punkt von I.
Vergleiche hierzu auch die beiden Randextrema“ in Abbildung 9.1.
”
f (b) − f (a)
f 0 (ξ) =
b−a
99
9. Differentialrechnung
Beweis:
f (b) − f (a)
∀x ∈ [a, b] : g(x) := f (x) − f (a) − · (x − a)
b−a
Dann: g stetig auf [a, b], differenzierbar auf (a, b).
Ferner ist g(a) = 0, g(b) = 0. Da stetige Funktionen auf einem kompakten Intervall immer Minimum
und Maximum annehmen, existieren s, t ∈ [a, b] mit
Falls s ∈ {a, b} und außerdem t ∈ {a, b} ist, so folgt (wegen g(a) = g(b) = 0): g(s) = g(t) = 0 und damit
g≡0
⇒ g 0 (ξ) = 0 für jedes ξ ∈ (a, b).
Falls s ∈ (a, b) oder t ∈ (a, b), so ist wenigstens einer von beiden innerer Punkt von (a, b) und daher, da
g in t ein relatives Maximum und in s ein relatives Minimum hat:
⇒ g 0 (t) = 0 oder g 0 (s) = 0.
Also in jedem Fall :
∃ξ ∈ (a, b) : g 0 (ξ) = 0
Es gilt ferner
f (b) − f (a)
g 0 (ξ) = f 0 (ξ) −
b−a
⇒ Behauptung.
Anwendung:
100
9.5. Anwendungen:
Beweis:
⇒“ ist klar.
”
⇐“ Seien a, b ∈ I und a < b. Nach dem Mittelwertsatz existiert ein ξ ∈ (a, b) mit
”
f (b) − f (a)
= f 0 (ξ) = 0
b−a
9.5. Anwendungen:
Zur Eindeutigkeit:
f (x)
∀x ∈ R Φ(x) :=
ex
Dann
=f (x)
z }| {
0 f 0 (x) ex − f (x)ex
∀x ∈ R Φ (x) = =0
(ex )2
∃c ∈ R ∀x ∈ R Φ(x) = c
f (0)
Ferner Φ(0) = e0 = f (0) = 1.
⇒ ∀x ∈ R Φ(x) = 1 ⇒ ∀x ∈ R f (x) = ex
101
9. Differentialrechnung
Korollar 9.21.
a x
∀a ∈ R lim = ea
1+
x→∞ x
n
(Erinnerung: lim 1 + n1 = e.)
n→∞
1
Beweis: Setze ∀t ∈ (−1, ∞) f (t) := log(1 + t). Dann f 0 (t) = 1+t · 1.
∀x ∈ I f (x) = g(x) + c
Beweis:
(1) Setze h := f − g, dann ist h0 = f 0 − g 0 ≡ 0 auf I
102
9.6. Die Regeln von de l’Hospital
Bemerkung 9.23. Ist f auf I differenzierbar und f monoton wachsend [fallend], so ist f 0 ≥ 0 f 0 ≤ 0
auf I.
Aber: Ist f auf I differenzierbar und f streng monoton wachsend, so folgt nicht f 0 > 0 (betrachte
f (x) = x3 ).
Beweis:
(1) Wäre g(a) = g(b), dann gilt nach dem Mittelwertsatz:
g(b) − g(a)
∃η ∈ (a, b) = g 0 (η) 6= 0
b−a
(2) Setze:
∀x ∈ [a, b] h(x) := f (b) − f (a) g(x) − g(b) − g(a) f (x)
Dann h ∈ C[a, b], h differenzierbar auf (a, b), und
h(a) = h(b) = f (b)g(a) − g(b)f (a)
Nach dem Mittelwertsatz existiert also ein ξ ∈ (a, b) mit
h(b) − h(a)
h0 (ξ) = =0
b−a
Es ist aber
0 = h0 (ξ) = f (b) − f (a) g 0 (ξ) − g(b) − g(a) f 0 (ξ)
⇒ Behauptung.
103
9. Differentialrechnung
f 0 ξ(x)
lim =L
x→a g 0 ξ(x)
da lim ξ(x) = a.
x→a
0
Bemerkung 9.27. Es kann passieren, dass auch fg0 wieder vom Typ 00 bzw. ∞ ˜ := f 0
∞ ist. Setze dann f
und g̃ := g 0 und versuche, den Satz von de l’Hospital für f˜, g̃ (statt f, g) anzuwenden.
; sukzessiv forsetzen.
Beispiel:
1 − cos x sin x cos x 1
lim = lim = lim =
x→0 x2 x→0 2x x→0 2 2
Es kann auch passieren, dass immer wieder obige Typen auftreten. Dann ist diese Regel nicht anwendbar
und der Limes muss auf andere Art bestimmt werden.
104
9.7. Cosinus und Sinus, die Zahl π
Beweis:
(1) Wende Wurzelkriterium an.
p
n
√n
p 1+ n1
(n + 1)|an+1 | = n + 1 · n+1 |an+1 |
| {z }
→1
p
n
p
n+1
p
n
⇒ lim sup (n + 1)|an+1 | = lim sup |an+1 | = lim sup |an |
n→∞ n→∞ n→∞
⇒ Derselbe Konvergenzradius.
(2) siehe Seite 145.
105
9. Differentialrechnung
Analog cos x:
Lemma 9.29.
x3
(1) sin x > x − 3! > 0 für alle x ∈ (0, 2)
5
(2) sin 1 > 6
(3) Es gibt genau ein ξ0 ∈ (0, 2) mit cos ξ0 = 0. Wir definieren π := 2ξ0 .
cos hat also in [0, π2 ] genau eine Nullstelle, nämlich π
2.
Beweis:
x3
5
x7
x
(1) sin x = x− + − +···
3! 5! 7!
| {z } | {z }
x 5
= 3! (2·3−x2 ) = x7! (6·7−x2 )>0
1 5
(2) Verwende (1): sin 1 > 1 − 3! = 6
25
cos(2) = cos(1 + 1) = cos2 (1) − sin2 (1) = 1 − sin2 (1) − sin2 (1) = 1 − 2 sin2 (1) < 1 − 2 ·
<0
36
Ferner: cos(0) = 1 > 0.
Aus 9.22 folgt: cos ist auf (0, 2) streng monoton fallend.
π
(3) Für x0 ∈ [0, π] gilt: cos x0 = 0 ⇔ x0 = 2
106
9.7. Cosinus und Sinus, die Zahl π
Beweis:
π
(1) 1 = cos2 + sin2 π
2 ⇒ | sin π2 | = 1 ⇒ sin π2 = 1
| {z 2} 9.29
=0
(3)
⇐“ klar
”
π
⇒“ Sei cos x0 = 0, x0 ≥ 0 ⇒ x0 ≥ 2
”
π
y0 := π − x0 ⇒ y0 ≤ 2 und cos y0 = cos(−x0 + π) = − cos(−x0 ) = − cos x0 = 0
(2)
π π
⇒ y0 = 2 ⇒ x0 = 2
y0 ∈[0, π
2]
sin x n π o
tan x := x ∈ R \ (2k + 1) : k ∈ Z
cos x 2
Es ist
cos2 x + sin2 x 1
(tan x)0 = 2
= = 1 + tan2 x > 0
cos x cos2 x
Also existiert f −1 : R → − π2 , π2 :
107
9. Differentialrechnung
9.8. Sonstiges
∞
an (x − x0 )n habe den Konvergenzradius
P
Satz 9.32 (Abelscher Grenzwertsatz). Die Potenzreihe
n=0
r > 0; es gelte r < ∞. Die Reihe konvergiere in x0 + r − r. bzw. x0
∞
an (x − x0 )n für x ∈ (x0 − r, x0 + r] bzw. x ∈ [x0 − r, x0 + r).
P
Es sei f (x) :=
n=0
9.8.2. Anwendungen
Behauptung:
∞
X xn
log(1 + x) = (−1)n+1 für alle x ∈ (−1, 1]
n=1
n
∞
(−1)n+1 n1 .
P
Insbesondere (für x = 1): log 2 =
n=1
∞ n
(−1)n+1 xn konvergiert genau für x ∈ (−1, 1].
P
Beweis: Die Potenzreihe
n=1
∞ n
(−1)n+1 xn und f (x) := log(1 + x), x ∈ (−1, 1].
P
Sei g(x) :=
n=1
∞
P (−1)n
Für x = 1: arctan 1 = 2n+1
n=0
π π
Wegen cos 4 = sin 4 ist tan π4 = 1, also arctan 1 = π
4
π 1 1 1 1
Somit 4 =1− 3 + 5 − 7 + 9 − ···.
108
9.9. Höhere Ableitungen
Definition 9.35.
(1) (a) I ⊂ R sei ein (nicht einpunktiges) Intervall, und f : I → R sei differenzierbar auf I.
f heißt in x0 ∈ I zweimal differenzierbar, wenn f 0 in x0 differenzierbar ist.
In diesem Fall heißt
f 00 (x0 ) := (f 0 )0 (x)
109
9. Differentialrechnung
f 00 := (f 0 )0 : I → R
bzw.
(2) Für n ∈ N heißt f auf I n-mal stetig differenzierbar, wenn f, f 0 , f 00 , . . . , f (n) auf I existieren (d.h.
wenn f auf I n-mal differenzierbar ist) und stetig sind.
Bezeichnung in diesem Fall:
f ∈ C n (I)
Weitere Bezeichnung:
Beispiel 9.36.
(1)
110
9.10. Höhere Ableitungen bei Potenzreihen
Für x = 0
f (x) − f (0)
x für x > 0 x→0
= −−−→ 0
x−0 −x für x < 0
Also ist f differenzierbar auf I = [0, ∞), aber f ist nicht stetig differenzierbar, da f 0 offenbar unstetig
im Punkt 0.
sogar: f 0 ist auf keinem Intervall [0, ε] (mit ε > 0) beschränkt.
induktiv fortsetzen:
111
9. Differentialrechnung
Insbesondere für x = x0 :
f (k) (x0 )
⇒ ∀k ∈ N : ak =
k!
Definition 9.38. Sei ε > 0 und f ∈ C ∞ Uε (x0 ) mit einem x0 ∈ R. Dann heißt die Potenzreihe
∞
X f (n) (x0 )
(x − x0 )n
n=0
n!
Beispiel 9.39.
(2)
1
(
e− x2 für x 6= 0
f (x) :=
0 für x = 0
∀n ∈ N f (n) (0) = 0
Also
∞
X f (n) (0)
(x − 0)n = 0 6= f (x) für x 6= 0
n=0
n!
112
9.11. Satz von Taylor
Satz 9.40 (Satz von Taylor). Sei I ⊂ R Intervall, n ∈ N0 , f ∈ C n (I) und f (n+1) existiere auf I.
Sind x, x0 ∈ I, so existiert ein ξ = ξ(x, x0 ) (ξ hängt von x und x0 ab) zwischen x und x0 mit ξ 6= x, ξ 6= x0 ,
und
f 0 (x0 ) f 00 (x0 ) f 000 (x0 )
f (x) = f (x0 ) + (x − x0 ) + (x − x0 )2 + (x − x0 )3 + · · · +
1! 2! 3!
f (n) (x0 ) f (n+1) (ξ)
+ (x − x0 )n + (x − x0 )n+1
n! (n + 1)!
n
X f (k) (x0 ) f (n+1) (ξ)
= (x − x0 )k + (x − x0 )n+1
k! (n + 1)!
k=0
Spezialfall n = 0:
(Mittelwertsatz (9.18))
(n+1)
f (t) (x − t)n
=− (x − t)n + %
n! n!
Ferner h(x) = 0, h(x0 ) = 0 nach Wahl von %. (s.o.)
Nach dem Mittelwertsatz existiert ein ξ ∈ (x, x0 ) mit
h(x0 ) − h(x)
h0 (ξ) = =0
x0 − x
113
9. Differentialrechnung
Satz 9.41. e 6∈ Q
m
Beweis: Annahme: e = n mit m, n ∈ N.
Setze f (x) := ex , x0 := 0, x := 1.
Multipliziere mit n!
n
X n! eξ
m(n − 1)! = +
| {z } k! n+1
k=0
|{z}
∈N
| {z }
∈N ∈(0, 3e )⊂(0,1)⇒6∈N
Eigenschaften:
(2) Ist q ein Polynom vom Grad ≤ n und gilt q (k) (x0 ) = f (k) (x0 ) (k = 0, . . . , n), so gilt q = p.
Das heißt: Das Taylor-Polynom ist das einzige Polynom vom Grad ≤ n mit obiger Approximati-
onseigenschaft.
f (n+1) (ξ)
f (x) = Tn (x; x0 ) + (x − x0 )n+1
(n + 1)!
n
f (k) (x0 ) (n+1)
(x − x0 )k + f (n+1)!(ξ)
(x − x0 )n+1 ?“ ist nach 9.40 also
P
Die oben gestellte Frage Ist f (x) = k!
” k=0
(n+1)
äquivalent zu der Frage: Gilt lim f (n+1)!
(ξ)
(x − x0 )n+1 = 0 ?“
” n→∞
114
9.12. Extrema
Satz 9.43. Sei I = (a, b) (a < b, a = −∞ und/oder b = +∞ zugelassen). Ferner sei f ∈ C ∞ (I) und
x0 ∈ I. Es existiere ein x > 0 und ein n0 ∈ N mit
∀n ≥ n0 ∀x ∈ I f (n) (x) ≤ n! · cn
1 1
Beweis: Wähle δ > 0 mit Uδ (x0 ) ⊂ I und δ ≤ c. Sei x ∈ Uδ (x0 ), also |x − x0 | < δ ≤ c,
d.h.
c|x − x0 | < 1
9.12. Extrema
Erinnerung: I ⊂ R Intervall, f : I → R sei in x0 ∈ I differenzierbar, x0 innerer Punkt von I, f habe
in x0 ein lokales Extremum. Dann ist f 0 (x0 ) = 0.
(Umkehrung ist falsch: f (x) = x3 hat in x0 = 0 kein lokales Extremum, obwohl f 0 (0) =
0).
Satz 9.44. I ⊂ R Intervall, n ∈ N, f ∈ C n (I) und x0 sei innerer Punkt von I. Es gelte
aber
f (n) (x0 ) 6= 0
Dann gilt:
(1) Ist n gerade, so hat f in x0 ein lokales Extremum, und zwar ein lokales Maximum bzw. Minimum,
falls f (n) (x0 ) < 0 bzw. f (n) (x0 ) > 0.
(2) Ist n ungerade, so hat f in x0 kein lokales Extremum.
115
9. Differentialrechnung
Beweis: Da f (n) stetig und f (n) (x0 ) 6= 0, existiert ein δ > 0 mit Uδ (x0 ) ⊂ I und f (n) (x) hat für
x ∈ Uδ (x0 ) dasselbe Vorzeichen wie f (n) (x0 ).
Sei x ∈ Uδ (x0 ). Nach 9.40 (Taylor) existiert ein ξ zwischen x und x0 mit
n−1
X f (k) (x0 ) f (n) (ξ)
f (x) = (x − x0 )k + (x − x0 )n = f (x0 ) + R(x)
k=0 | k! {z } (n)!
=0 für k≥1
Ist f (n) (x0 ) > 0 bzw. < 0, so ist auch f (n) (ξ) > 0 bzw. < 0. Ferner (x − x0 )n ≥ 0 (da n gerade).
(
≥ f (x0 ) ⇒ lokales Minimum
≥0
⇒ R(x) ⇒ f (x)
≤0 ≤ f (x0 ) ⇒ lokales Maximum
zu (2): Sei n ungerade: Wie vorher f (n) (ξ) > 0 bzw. < 0.
Jetzt aber
(
n > 0 für x > x0
(x − x0 )
< 0 für x < x0
(
>0
x > x0
<0
⇒ R(x) (
<0
x < x0
>0
(
> f (x0 )
x > x0
< f (x )
0
⇒ f (x) (
< f (x 0)
x < x0
> f (x )
0
Beispiel 9.45.
⇒ Falls n gerade, hat f in 0 ein lokales Minimum. Falls n ungerade, hat f in 0 kein lokales
Extremum.
(2) a)
( 1
e − x2 für x 6= 0
f (x) =
0 für x = 0
116
9.12. Extrema
b)
−1
e x für x > 0
2
f (x) = 0 für x = 0
− x12
−e für x < 0
117
9. Differentialrechnung
118
10. Das Riemann-Integral
Stets in diesem Abschnitt: a, b ∈ R, a < b, f : [a, b] → R beschränkt. m := inf f [a, b] , M := sup f [a, b] .
Definition 10.1. Z = {x0 , x1 , x2 , . . . , xn } heißt eine Zerlegung von [a, b], wenn
Ij := [xj−1 , xj ] (j = 1, . . . n)
n
X
Sf (Z) := Mj · |Ij | (Obersumme von f bezüglich Z)
j=1
119
10. Das Riemann-Integral
Definition 10.2. Sind Z1 , Z2 Zerlegungen von [a, b], so heißt Z2 Verfeinerung von Z1 , wenn Z2 ⊃ Z1 .
Beweis:
(1) (nur die erste Ungleichung)
Sei Z1 = {x0 , . . . , xn }. Es genügt, der Fall Z2 = Z1 ∪ {ξ}, ξ 6∈ Z1 zu betrachten; Rest folgt induktiv.
Sei etwa xj−1 < ξ < xj .
j−1
X Xn
sf (Z2 ) = mk |Ik | + inf f [xj−1 , ξ] ·(ξ − xj−1 ) + inf f [ξ, xj ] ·(xj − ξ) + mk |Ik |
k=1 k=j
| {z } | {z }
≥mj ≥mj
j−1
X n
X
≥ mk |Ik | + mj (ξ − xj−1 ) + mj (xj − ξ) + mk |Ik |
k=1
| {z } k=j+1
=mj |Ij |
= sf (Z1 )
(2) Z := Z1 ∪ Z2 ist Verfeinerung sowohl von Z1 also auch von Z2 . Nach obigem folgt:
Definition 10.4. Ist Z2 beliebige, fest gewählte Zerlegung von [a, b], so gilt nach 10.3:
⇒ Es existiert
und es gilt:
120
⇒ Es existiert
und es gilt:
sf ≤ Sf
Man nennt
Zx
sf = das untere Integral von f
−
a
Zx
−
Sf = das obere Integral von f
a
f (x) dx = f dx := Sf = sf
a a
Beispiel 10.6.
(1) Sei c ∈ R und ∀x ∈ [a, b] f (x) := c
⇒ m=c=M
⇒ m(b − a) ≤ sf (Z) ≤ Sf (Z) ≤ M (b − a) für jede Zerlegung Z.
⇒ sf = Sf = c(b − a)
Rb
⇒ f ist integrierbar über [a, b], und a
f (x) dx = c(b − a).
(2) Sei [a, b] = [0, 1] und f (x) := x.
j
Sei n ∈ N und Zn = {x0 , . . . , xn } mit xj = n für j = 0, . . . , n.
1 j−1 j
Also |Ij | = n, mj = f (xj−1 ) = n , Mj = f (xj ) = n.
n n
X j−1 1 1 X 1 n(n − 1) n−1
⇒ sf (Zn ) = · = 2 (j − 1) = 2 · =
j=1
n n n j=1 n 2 2n
121
10. Das Riemann-Integral
n n
X j 1 1 X 1 n(n + 1) n+1
⇒ Sf (Zn ) = · = 2 j= 2· =
j=1
n n n j=1 n 2 2n
Also
n−1 n+1
= sf (Zn ) ≤ sf ≤ Sf ≤ Sf (Zn ) =
2n
| {z } | 2n
{z }
n→∞ 1 n→∞
−−−−→ 2 −−−−→ 12
1 1 1
⇒ ≤ sf ≤ Sf ≤ ⇒ sf = Sf =
2 2 2
⇒ f ist über [a, b] integrierbar, und
Z1 Z1
1
f (x) dx = x dx =
2
0 0
(3) Setze
(
1 für x ∈ Q ∩ [0, 1]
f (x) :=
0 für x ∈ [0, 1] \ Q
f ist beschränkt.
Sei Z = {x1 , . . . , xn } beliebige Zerlegung von [0, 1].
⇒ ∀j ∈ {1, . . . , n} mj = inf f ([xj−1 , xj ]) = 0
⇒ ∀j ∈ {1, . . . , n} Mj = sup f ([xj−1 , xj ]) = 1
X n
⇒ sf (Z) = mj |Ij | = 0
j=1
n
X n
X
⇒ Sf (Z) = Mj |Ij | = |Ij | = 1 − 0 = 1
j=1 j=1
⇒ sf = 0, Sf = 1
⇒ f ist nicht über [0, 1] integrierbar.
Satz 10.7.
(1) Sind f, g ∈ R[a, b] und gilt ∀x ∈ [a, b] f (x) ≤ g(x), so gilt:
Zb Zb
f (x) dx ≤ g(x) dx
a a
αf + βg ∈ R[a, b]
und
Zb Zb Zb
(αf + βg)(x) dx = α f (x) dx + β g(x) dx
a a a
(d.h. R[a, b] ist ein R-Vektorraum, und das Integral ist ein R-Vektorraum-Homomorphismus von
R[a, b] nach R.)
122
Beweis:
(1) Sei Z = {x0 , . . . , xn } Zerlegung von [a, b], Ij , mj , Mj wie immer und m̄j := inf g(Ij ), M̄j := sup g(Ij ).
Wegen
(
mj ≤ m̄j
∀x ∈ [a, b] f (x) ≤ g(x) ⇒
Mj ≤ M̄j
Zb
⇒ sf (Z) ≤ sg (Z) ≤ sg = g(x) dx
a
Zb Zb
⇒ f (x) dx = sf ≤ g(x) dx
a a
Zb Zb
⇒ (−f )(x) dx = − f (x) dx
a a
Zb Zb
(αf )(x) dx = α f (x) dx
a a
Zb Zb Zb
(f + g)(x) dx = f (x) dx + g(x) dx
a a a
Andererseits sf +g (Z) ≤ sf +g
sf +g ≥ sf (Z1 ) + sg (Z2 )
⇒ sf +g ≥ sf + sg (Z2 )
Zb Zb
⇒ sf +g ≥ sf + sg = f (x) dx + g(x) dx
a a
123
10. Das Riemann-Integral
Zb Zb
Sf +g ≤ f (x) dx + g(x) dx
a a
Da sf +g ≤ Sf +g , folgt
Zb Zb
sf +g = Sf +g = f (x) dx + g(x) dx
a a
10.1. Integrabilitätskriterium
Beweis:
⇒“: Sei
”
Zb
S := f dx (= sf = Sf )
a
ε ε
Sf (Z2 ) < Sf + 2 =S+ 2
Z := Z1 ∪ Z2 , dann:
ε
sf (Z) ≥ sf (Z1 ) > S − 2
ε
Sf (Z) ≤ Sf (Z2 ) < S + 2
⇐“: Sei ε > 0. Nach Voraussetzung existiert Zerlegung Z von [a, b] mit
”
Sf (Z) − sf (Z) < ε
⇒ Sf = sf ⇒ f ∈ R[a, b]
124
10.1. Integrabilitätskriterium
eine Riemannsche-Summe.
Satz 10.10. (Zn ) sei eine Folge in Z mit |Zn | → 0 und für jedes n ∈ N sei ξ (n) ein zu Zn passender
Zwischenvektor.
Dann gilt:
(1) sf (Zn ) → sf , Sf (Zn ) → Sf für n → ∞
(2) Ist f ∈ R[a, b], so gilt
Zb
(n)
σf Z n , ξ → f dx für n → ∞
a
b−a
Beweis: Sei n ∈ N und Z = {x0 , . . . , xn } die äquidistante Zerlegung von [a, b], also xj = a + j · n
125
10. Das Riemann-Integral
Satz 10.12. Ist f ∈ C[a, b], so ist f ∈ R[a, b] (stetige Funktionen sind integrierbar).
Es gilt:
mit Punkten ξj , ηj ∈ Ij .
ε
⇒ Mj − mj = f (ηj ) − f (ξj ) = |f (ηj ) − f (ξj )| <
b−a
da ξj , ηj ∈ Ij und |Ij | < δ, also |ηj − ξj | < δ.
n n
X ε X
⇒ Sf (Z) − sf (Z) = (Mj − mj ) ·|Ij | < |Ij | = ε
j=1
| {z } b − a j=1
ε
< b−a
126
10.2. Hauptsätze der Differential- und Integralrechnung
Satz 10.14 (1. Hauptsatz der Differential– und Integralrechnung). Sei f ∈ R[a, b] und f besitze auf
[a, b] eine Stammfunktion F : [a, b] → R.
Dann gilt:
Zb
b b
f (x) dx = F (b) − F (a) =: F (x) a
=: F (x) a
a
wobei gilt
(
≥ mJ
f (ξj )
≤ Mj
Zb
⇒ F (b) − F (a) = Sf = sf = f (x) dx
a
Warnungen:
(1) Es gibt Funktionen, die Stammfunktionen besitzen, aber nicht integrierbar sind.
Beispiel 10.15.
( 3 1
x 2 sin x für x ∈ (0, 1]
F (x) =
0 für x = 0
(2) Es gibt Funktionen, die integrierbar sind, aber keine Stammfunktion besitzen.
127
10. Das Riemann-Integral
.
.... y
1
......
.
x
Beispiel 10.16.
(
0 für x ∈ [−1, 0)
f (x) :=
1 für x ∈ [0, 1]
F differenzierbar in 0
F (x) − F (0) F (x) − F (0)
⇒ lim = lim = F 0 (0) = f (0) = 1
x→0− x−0 x→0+ x−0
| {z }
=0
Beispiel 10.17.
f (x) = xα
Zb
bα+1 aα+1
⇒ xα dx = −
α+1 α+1
a
1
(2) Seien 0 < a < b, f (x) = x
Zb
1 b
⇒ dx = log b − log a = log a
x
a
128
10.2. Hauptsätze der Differential- und Integralrechnung
π
(3) a = 0, b = 2, f (x) = cos x
Zb
π
⇒ cos(x) dx = sin 2 − sin(0) = 1
a
n √
1
P
Beispiel 10.18 (Anwendung von 10.10). an := 3 · j für alle n ∈ N.
n2 j=1
Wir wollen zeigen, dass (an ) konvergiert und den Limes lim an berechnen.
n→∞
n q
j
· n1 , n ∈ N.
P
Es gilt an = n
j=1
√ j
Setze f (x) := x für alle x ∈ [0, 1] und Zn := {x0 , . . . , xn } mit xj = n für j = 0, . . . , n
q
j 1
Es ist f (xj ) = n und |Zn | = n = xj − xj−1
Also
an = Sf (Zn ) = σf Zn , ξ (n) für ξ (n) = (x1 , . . . , xn )
Z1 1
√
2 3 2
x dx = · x2 =
3 0 3
0
Also an → 23 .
In diesem Fall:
Zb Zc Zb
f dx = f dx + f dx
a a c
Beweis:
⇒“: selbst.
”
129
10. Das Riemann-Integral
⇒ S − 2ε < sf (Z) ≤ sf
Für ε → 0+ ergibt sich:
S ≤ sf
Analog: S ≥ Sf . Wegen sf ≤ Sf folgt somit:
Sf = sf = S
Beispiel 10.20. Sei (fn ) Funktionenfolge, fn : [0, 1] → R, definiert wie in Abbildung 10.4 dargestellt.
...... y
pp
n pp pp
pp p ppppp
ppp
ppp ppp
ppp p ppp
ppp
ppp p ppp
pp ppp
p pp ......
.
0 1
n
2
n
1 x
130
10.2. Hauptsätze der Differential- und Integralrechnung
aber
Z1
lim fn (x) dx = 0
n→∞
0
D.h.: Der Limes darf i.a. nicht mit dem Integral vertauscht werden!
Beachte: fn konvergiert nicht gleichmäßig gegen 0.
Satz 10.21. Sei (fn ) eine Funktionenfolge auf [a, b] mit fn ∈ R[a, b] für alle n ∈ N.
fP
n f
konvergiere auf [a, b] gleichmäßig gegen : [a, b] → R.
fn s
Dann gilt:
f
∈ R[a, b]
s
und
Rb Rb Rb
lim fn dx = a f dx = a lim fn dx
n→∞ a n→∞
∞ R ∞
P b Rb Rb P
f dx = a s dx = a
a n
fn dx
n=0 n=0
∞
an (x − x0 )n eine Potenzreihe mit
P
Beispiel 10.22 (Anwendung auf Potenzreihen). Sei f (x) =
n=0
Konvergenzradius r > 0.
Sei [a, b] ⊂ (x0 − r, x0 + r).
Nach 8.10 folgt, dass die Potenzreihe auf [a, b] gleichmäßig gegen f konvergiert.
⇒ f ∈ R[a, b] und
Zb ∞ Zb ∞ b
(x − x0 )n+1
X X
f (x) dx = an (x − x0 )n dx = an
n=0 n=0
n+1 a
a a
∞
X (b − x0 )n+1 − (a − x0 )n+1
= an (10-i)
n=0
n+1
Setze
∞
X (x − x0 )n+1
F (x) := an (10-ii)
n=0
n+1
Nach 9.28 folgt, dass die Potenzreihe in (10-ii) denselben Konvergenzradius hat wie die gliedweise diffe-
renzierte Potenzreihe
X∞
an (x − x0 )n ,
n=0
131
10. Das Riemann-Integral
∞
n · xn , x ∈ (−1, 1).
P
Beispiel 10.23. Bestimme
n=0
Setze
∞
X
f (x) := nxn
n=0
(Konvergenzradius ist 1)
Ferner:
∞
X 1
xn =
n=0
1−x
∞ ∞
!0
1 X X
⇒ f (x) + = (n + 1)xn = x n+1
1 − x n=0 | {z } n=0
=(xn+1 )0
∞
!0 0
1 − x − x · (−1)
X
n x 1
= x x = = 2
=
n=0
1−x (1 − x) (1 − x)2
1 1 x
⇒ f (x) = − =
(1 − x)2 1−x (1 − x)2
Erinnerung:
Zb Zb
f (x) dx ≤ f (x) dx (Dreiecksungleichung für Integrale)
a a
(3) f · g ∈ R[a, b]
(4) Es existiere ein δ > 0 mit ∀x ∈ [a, b] g(x) ≥ δ
f
Dann gilt g ∈ R[a, b]
Beweis:
132
10.2. Hauptsätze der Differential- und Integralrechnung
⇒ h ◦ f = |f | ∈ R[a, b]
(1)
Ferner
f ≤ |f |, −f ≤ |f |
Zb Zb
f (x) dx ≤ f (x) dx
a a
⇒
10.7
Zb Zb
(−f (x)) dx ≤ f (x) dx
a a
Zb Zb
⇒ f (x) dx ≤ f (x) dx
a a
⇒ ∃α > 0 ∀t ∈ D |t| ≤ α
Setze h(t) := t2 .
⇒ h Lipschitz-stetig.
⇒ h ◦ ψ = ψ 2 ∈ R[a, b]
(1)
f + g, f − g ∈ R[a, b]
1 1 f
h(t) = ⇒ ∈ R[a, b] ⇒ ∈ R[a, b]
t g (1) g
133
10. Das Riemann-Integral
Za Zb Zc
f (x) dx := − f (x) dx und ∀c ∈ [a, b] f (x) dx := 0
b a c
Beweis:
1. Fall: x ≤ y
Zy Zy
F (y) − F (x) = f (t) dt ≤ f (t) dt ≤ γ · (y − x) = γ · |y − x|
(1) 10.24
x x
2. Fall: x > y
134
10.2. Hauptsätze der Differential- und Integralrechnung
Es ist
xZ0 +h xZ0 +h
F (x0 + h) − F (x0 ) 1 1
= f (t) dt und f (x0 ) = f (x0 ) dt
h (1) h h
x0 x0
also:
xZ0 +h xZ0 +h
1 1
L(h) = f (t) − f (x0 ) dt = f (t) − f (x0 ) dt
h h
x0 x0
xZ0 +h
1
≤ f (t) − f (x0 ) dt
h
x0
Korollar 10.26. Sei I ⊂ R beliebiges Intervall und f ∈ C(I). Es sei x0 ∈ I fest und F : I → R definiert
durch
Zx
F (x) := f (t) dt
x0
135
10. Das Riemann-Integral
nicht als Gleichung zwischen Funktionen zu verstehen, da das unbestimmte Integral eine ganze Klasse
von Funktionen bezeichnet.
Beispiel 10.28. (c ∈ R)
Z
ex dx = ex + c
Z
sin x dx = − cos x + c
Z
cos x dx = sin x + c
xn+1
Z
xn dx = +c
n+1
Zb Zb
0
b
f g 0 dx
f g dx = f (x)g(x) a −
a a
Zb Zb Zb h ib
0 0
f g dx + f g dx = (f 0 g + f g 0 ) dx = f (x)g(x) ⇒ Behauptung
10.14 a
a a a
136
10.4. Integration durch Substitution
Beispiel 10.30. (c ∈ R)
(1)
Z Z Z
sin2 (x) dx =
sin(x) sin(x) dx = − cos(x) sin(x) − − cos(x) cos(x) dx (10-iii)
Z
= − cos(x) sin(x) + cos(x) · cos(x) dx
Z Z
= − cos(x) sin(x) + sin(x) cos(x) − sin(x) − sin(x) dx = sin2 (x) dx
1
Z
sin2 (x) dx =
⇒ x − sin(x) cos(x) + c
2
(2)
1
Z Z Z
log(x) dx = 1 · log(x) dx = x log(x) − x· dx = x log x − x + c
|{z} | {z } x
=f 0 (x) =g(x)
(3)
x2 x x2 x
Z Z
ex dx =
x |{z} e − e dx
|{z} 2 2
f 0 (x) g(x)
; wird komplizierter.
Z Z
x x
x e
|{z} |{z} dx = x · e − 1 · ex dx = x · ex − ex + c
g(x) f 0 (x)
137
10. Das Riemann-Integral
Zb Zβ
f g(t) · g 0 (t) dt
f (x) dx =
a α
(1)
Z Z
(10-iv)
h(t) dt = G(t) = F g(t) = F (x) x=g(t)
= f (x) dx x=g(t)
(2)
Z Z
= G g −1 (x) = F g(g −1 (x)) = F (x) =
h(t) t=g −1 (x)
f (x) dx
(3)
Zβ Zb
(10-iv)
h(t) dt = G(β) − G(α) = F g(β) − F g(α) = F (b) − F (a) = f (x) dx
α a
Merkregel: Sei y = y(x) eine differenzierbare Funktion von x. Dann schreibt man für y 0 auch
dy
dx .
dx
⇒ = g 0 (t)
dt
⇒“ dx = g 0 (t) dt
”
Beispiel 10.33.
(1)
Z2
e2x + 1
2x
dx
1
| e{z }
=:f (x)
138
10.4. Integration durch Substitution
2
Z2 Ze
e2x + 1 e2 log t + 1 1
⇒ dx = · dt
e2x e2 log t t
1 e
2 2
Ze Ze e2
t2 + 1
1 1 1
= dt = + 3 dt = log t − 2
t3 t t 2t e
e e
(2)
t+5 1 g 0 (t)
Z Z
dt = dt mit g(t) = t2 + 10t + 4
t2 + 10t + 4 2 g(t)
| {z }
f (g(t))g 0 (t)
(3)
x
Z
√ dx auf (0, 1)
1 − x2
| {z }
=:f (x)
dx p q
0
1 − x = 1 − sin2 (t) = cos2 (t) = cos(t)
p
⇒ = g (t) = cos t, 2
dt
x sin(t)
Z Z
⇒ √ dx = · cos(t) dt = − cos(t) t=g−1 (x) + c
1 − x2 cos(t) t=g −1 (x)
q p
= − cos arcsin(x) + c = − 1 − sin2 arcsin(x) + c = − 1 − x2 + c
(4)
Z1 p
1 − x2 dx
0
139
10. Das Riemann-Integral
.....
....
1 ..p.p...p..p..p..pp...p..p..p..p..ppp..p..p..p..pppp.p..pppppp
.... ... .... ..ppp
..... ..... ..... ..... p.p p p
..... ......... ......... ......... ......... ..p..p p p
.. ...... ...... ...... ...... ..[Link]
..... ......... ........ ......... ......... ......... ....ppp p
. ... .
..... ..... ..... ..... ..... ..... ..pp
..... ......... ......... ......... ......... ......... ......... .p.p
. . . . . .
. ..... ..... ..... ..... ..... ..... pp
..... ........ ......... ........ ........ ........ ........ ......pp
.. .
. . . . . . .
..... ..... ..... ..... ..... ..... ..... ..pp
..... ......... ......... ......... ......... ......... ......... ......... pp
. . . . . .
Satz 10.34.
(1) Sei f : [a, b] → R beschränkt, f habe höchstens endlich viele Unstetigkeitsstellen in [a, b].
Dann gilt f ∈ R[a, b].
(2) Sei f ∈ R[a, b] und g : [a, b] → R beschränkt. Es gelte f (x) 6= g(x) für höchstens endlich viele
x ∈ [a, b].
Dann gilt g ∈ R[a, b] und
Zb Zb
f (x) dx = g(x) dx
a a
(3) Ist f (x) = g(x) für alle x ∈ (a, b) und f ∈ R[a, b], so ist g ∈ R[a, b], und
Zb Zb
f (x) dx = g(x) dx
a a
Beweis:
zu (1): Es existiert γ ≥ 0 mit
∀x ∈ [a, b] f (x) ≤ γ
c d
...........
......
a ξ b
• Sei ξ ∈ (a, b), und sei ε > 0. Wähle c ∈ (a, ξ), d ∈ (ξ, b) mit 2γ(d − c) < 3ε .
f stetig auf [a, c] und auf [d, b] ⇒ f ∈ R[a, c], f ∈ R[d, b]. =⇒ Es existieren Zerlegungen
10.8
Z1 von [a, c], Z2 von [d, b] mit
ε ε
Sf (Z1 ) − sf (Z1 ) < , Sf (Z2 ) − sf (Z2 ) <
3 3
140
10.4. Integration durch Substitution
⇒ f ∈ R[a, b]
• ξ = a oder ξ = b: analog
b) f habe endlich viele Unstetigkeitspunkte ξ1 , . . . , ξp ∈ [a, b].
Wähle η1 , . . . , ηp−1 ∈ [a, b] mit
Für jedes Intervall [ηj−1 , ηj ] gilt: f hat in [ηj−1 , η] genau einen Unstetigkeitspunkt, nämlich
ξj .
=⇒ f ∈ R[a, b]
10.19
zu (2): Setze h := f − g. M sei die Menge der Punkte, in denen f 6= g gilt. (höchstens endlich viele)
⇒ h = 0 auf [a, b] \ M
⇒ h stetig auf [a, b] \ M , da M endlich.
⇒ h ∈ R[a, b]
(1)
⇒ g = f − h ∈ R[a, b]
Noch zu zeigen:
Zb Zb Zb
h(x) dx = 0 ⇒ g dx = f dx
a a a
Zb Zb
h dx ≤ |h| dx
a a
zu zeigen:
Zb
|h| dx = 0
a
Es gilt:
141
10. Das Riemann-Integral
Zb
s|h| = 0 =⇒ |h| dx = 0
|h|∈R[a,b]
a
∞
P ck
Beispiel 10.35. Die Cantor-Menge C := 3k
: ck ∈ {0, 2} für alle k
k=1
∞
P ak
Im Beweis zu Satz 5.6 haben wir gesehen, dass die Menge M := 3k
: ak ∈ {0, 1} überabzählbar
k=1
ist.
T
Dann ist C = Ik
k∈N
(
1 falls x ∈ C
Die Funktion f : [0, 1] → R, f (x) = ist beschränkt
0 falls x ∈
6 C
(
1 falls x ∈ Ik
ebenso wie fk : [0, 1] → R, fk (x) = .
0 sonst
Z1 k
1 2
Sf (Z) ≤ Sfk (Z) = fk (x) dx = k · 2k =
3 3
0
| {z }
Länge mal Anzahl
der Intervalle in Ik
⇒ Sf (Z) ≤ 0
Da f ≥ 0 folgt sf ≥ 0, also Sf = sf
R1
Damit ist f ∈ R[a, b] und 0
f (x) dx = 0
142
10.5. Mittelwertsatz der Integralrechnung
Zb Zb
f g dx = µ g dx
a a
Spezialfall: g = 1
Zb
f (x) dx = µ · (b − a)
a
Zb Zb Zb
⇒ m g dx ≤ f g dx ≤ M g dx
a a a
| {z } | {z }
=:A =:B
Also: mA ≤ B ≤ M A
1. Fall: A = 0 ; wähle µ ∈ [m, M ] beliebig
B
2. Fall: A 6= 0 da A ≥ 0 folgt A > 0, also m ≤ A ≤M
|{z}
=:µ
f ∈ C 1 [a, b] und f 0 = g
Also:
0
lim fn (x) = f 0 (x) = g(x) = lim fn0 (x)
n→∞ n→∞
143
10. Das Riemann-Integral
[ Vertauschen von Limes und Ableitung unter der Vorraussetzung gleichmäßiger Konvergenz der Ablei-
tungen ]
Rx
Beweis: Nach 8.10 ist g ∈ C[a, b] ⇒ G(x) := a
g(t) dt , x ∈ [a, b] definiert eine Stammfunktion
10.25
1
von g auf [a, b] und G ∈ C [a, b]
Für jedes x ∈ [a, b] gilt:
Zx Zx
n→∞
fn (x) − fn (a) = fn0 (t) dt −−−−→ g(t) dt = G(x)
10.14 10.21
a a
also
n→∞
fn (x) −−−−→ G(x) + lim fn (a) für jedes x ∈ [a, b]
n→∞
| {z }
=:c
also
f (x) = lim fn (x) = G(x) + c für jedes x ∈ [a, b]
n→∞
|fn0
− g| konvergiert auf [a, b) gleichmäßig gegen 0.
Zb
⇒ αn → dt = 0 für n → ∞
10.21
a
144
10.5. Mittelwertsatz der Integralrechnung
Dann
(
falls x ∈ 0, nπ
−n · sin(nx)
fn0 (x) =
0 sonst
Nachtrag:
Beweis: zu Satz 9.28 (2)
Wähle kompaktes Intervall [a, b] ⊂ I beliebig.
Setze
n
X
sn (x) := ak (x − x0 )k (für x ∈ [a, b])
k=0
Dann
n ∞
9.28
X X
∀x ∈ [a, b] ∀n ∈ N s0n (x) = kak (x − x0 )k−1 −−→ kak (x − x0 )k−1 =: g(x)
k=1 k=1
145
10. Das Riemann-Integral
146
11. Partialbruchzerlegung
Erinnerung:
z ∈ C , z = x + iy x, y ∈ R
Beachte: i2 = −1
Beispiel 11.2.
also: n = 4 , m = 3 , z1 = 0 , z2 = 1 , z3 = i , ν1 = 2 , ν2 = 1 , ν3 = 1
Satz 11.3. Sei p wie in 11.1 aber a1 , . . . , an ∈ R. Ist z0 eine Nullstelle von p mit der Vielfacheit ν, so
ist auch z0 eine Nullstelle von p mit der Vielfachheit ν.
Beweis:
0 = 0 = q(z0 ) = a0 + a1 z0 + · · · + an z0n
= a0 + a1 · z0 + · · · + an · z0 n
= a0 + a1 z0 + · · · + an zn n
= q(αj )
Sei p wie in 11.3 und z0 = x0 + iy0 , x0 , y0 ∈ R eine Nullstelle von p mit y0 6= 0 (d.h.
z0 6∈ R).
147
11. Partialbruchzerlegung
Dann gilt:
(z − z0 )(z − z0 ) = z 2 − z(z0 + z0 ) + z0 · z0
= z 2 − 2x0 z + x20 + y02
= z 2 + 2bz + c
mit b := −x0 und c := x20 + y02 wobei c − b2 = x20 + y02 − x20 = y02 > 0
Vereinbarung
Im folgenden seien alle vorkommenden Polynome (p, q, h) reelle Polynome mit reellen Koeffizienten.
Dabei sei stets:
q(x) := a0 + · · · + an xn , an 6= 0
Satz 11.4. Sei q wie oben. x1 , . . . , xM seien die verschiedenen Nullstellen von q in R (M = 0, falls q
keine reellen Nullstellen hat). Dann hat q eine Darstellung der Form
M L
Y Y µj
q(x) = an (x − xj )νj x2 + 2bj x + cj ,
j=1 j=1
Beispiel 11.6. Sei P (x) := 2x3 − x2 − 10x + 19 und q(x) := x2 + x − 6. Division mit Rest:
p(x)
z }| {
3 2
P (x) 2x − x − 10x + 19 5x + 1
= 2
= 2x − 3 + 2
q(x) x +x−6 | {z } x +x−6
h(x)
Definition 11.7.
148
11.1. Fundamentalsatz der Algebra
Satz 11.8 (Partialbruchzerlegung). Es seien p, q Polynome, Grad p < Grad q, und q habe die Darstellung
wie in 11.4. Dann:
p(x) a11 a12 a1,ν1
= + + ··· +
q(x) x − x1 (x − x1 )2 (x − x1 )ν1
a21 a2,ν2
+ + ··· +
x − x2 (x − x2 )ν2
..
.
aM 1 aM,νM
+ + ··· +
x − xM (x − xM )νM
f11 f1,µ1
+ 2
+ ··· +
x + 2b1 x + c1 (x + 2b1 x + c1 )µ1
2
..
.
fL1 fL,µL
+ + ··· +
x2 + 2bL x + cL (x2 + 2bL x + cL )µL
Beispiel 11.9.
x+2 ! a b c αx + β
= + 2+ + 2
x2 (x − 1)(x2 + 1) x x x−1 x +1
x = 0 ⇒ b = −2
3
x = 1 ⇒ 3 = 2c ⇔ c =
2
Die verbliebenen Unbekannten lassen sich durch Koeffizientenvergleich ermitteln:
3
x4 : a+α= −
2
3
x : −a + β − α = 2
3 1
⇒ a = −3 , α = , β=
7 2 2
x2 : a−β = −
2
x: −a = 3
also:
3 3 1
x+2 3 2 2 2x + 2
= − − + +
x2 (x − 1)(x2 + 1) x x2 x−1 x2 + 1
149
11. Partialbruchzerlegung
150
12. Integration rationaler Funktionen
P (x)
(P, q reelle Polynome mit reellen Koeffizienten)
q(x)
1 Ax + B
Z Z Z
xk dx , k+1
dx und dx,
(x − a) (x + 2bx + c)k+1
2
wobei
k ∈ N , a, b, c, A, B ∈ R und c − b2 > 0.
Die Integration der ersten beiden Ausdrücke lässt sich mit bekannten Mitteln
durchführen:
12.1.
xk+1
Z
xk dx =
k+1
12.2.
(
1 log |x − a| falls k = 0
Z
=
(x − a)k+1 − k1 · (x−a)
1
k falls k ≥ 1
Für den dritten Ausdruck nehmen wir zunächst einige Umformungen vor:
A
Ax + B = Ax + Ab + B − Ab = · (2x + 2b) + B − Ab
2
A 0
= · p (x) + B − Ab
2
also
Ax + B A p0 (x) 1
Z Z Z
dx = dx + (B − Ab) dx
p(x)k+1 2 p(x)k+1 p(x)k+1
12.3.
(
p0 (x) log |p(x)| falls k = 0
Z
dx =
p(x)k+1 − k1 · p(x)
1
k falls k ≥ 1
151
12. Integration rationaler Funktionen
12.4.
= (x + b)2 + γ
2 !
x+b
=γ· √ +1 und γ > 0
γ
√
1 γ 1 x+b 1
Z Z
k+1
dx = k+1 · dt t= √ , dt = √ dx
p(x) γ (t + 1)k+1
2 γ γ
Setze
1
Z
Ik+1 (t) := dt , k ∈ N0
(t2 + 1)k+1
12.5.
Sei k ≥ 1. Dann:
1 t t · 2t(−k)
Z Z
1 ·
Ik = |{z} 2 k
dt = 2 − dt
(t + 1) (t + 1)k (t2 + 1)k+1
f0 | {z }
g
Z 2
1 t +1−1
= 2 k
+ 2k dt
(t + 1) (t2 + 1)k+1
1 1 1
Z
= 2 + 2k − 2 dt
(t + 1)k (t2 + 1)k (t + 1)k+1
1
= 2 + 2k (Ik (t) + Ik+1 (t))
(t + 1)k
Also
1 t 1
Ik+1 = · 2 + 1 − Ik (t) k ≥ 1
2k (t + 1)k 2k
Substituiere t = x + 2 (γ = 1, b = 2)
1 1 t 1
Z
dx = I2 (t) = 2 + arctan t
p(x)2 2t +1 2
1 x+2
= + arctan(x + 2)
2 x2 + 4x + 5
152
Beispiel 12.7.
2 2x + 1 1
Z Z Z
⇒ R(x) dx = log |x − 1| − + 2
dx + 4 · dx
x−1 x +1 (x + 1)2
2
2x + 1 2x 1
Z Z Z
(i) dx = dx + dx = log(x2 + 1) + arctan(x) + c
x2 + 1 x2 + 1 x2 + 1
1 2x
Z
(ii) 4· dx = 2 + 2 arctan(x) + c (Vorgehen analog zu vorigem Beispiel)
(x2 + 1)2 12.5 x + 1
153
12. Integration rationaler Funktionen
154
13. Explizite Integration weiterer
Funktionenklassen
1 1
durch die Substitution t = eax (also x = a log t, also dx = at dt) zurückführen auf
1
Z
R(t) · dt ; gebrochen rationale Funktion zu integrieren
at
Beispiel 13.2.
1 1 1
Z Z
· dx = dx
2 cosh(x) ex + e−x
1 1 1
Z Z
=x · dt = dt
t=e t + 1t t t2 + 1
= arctan(ex ) + c
x2 y+2xy−y 3
13.3. Sei R(x, y) eine rationale Funktion in x und y, etwa: R(x, y) = xy−x3 y+y .
Beispiel 13.4.
√
1− x 1−y
Z
√ dx R(x, y) = , also: a = d = 1 , b = c = 0
x+ x x+y
√
Substituiere: t = x ⇒ x = t2 ⇒ dx = 2t dt
√
1− x 1−t 1−t
Z Z Z
⇒ √ dx = · 2t dt = 2 dt
x+ x t2 + t 1+t
Z
2
=2· −1 + dt = −2t + 4 log |1 + t| + c
1+t
√ √
= −2 x + 4 log 1 + x + c
155
13. Explizite Integration weiterer Funktionenklassen
2
kann durch die Substition x = 2 arctan(t) (⇒ dx = 1+t 2 dt) auf die Integration einer rationalen Funktion
2 tan x2
2t
= 2 x
=
1 + tan 2 1 + t2
1 − tan2 x2
2 x
2 x 1 − t2
cos(x) = cos 2 − sin 2 = 1 =
1 + t2
cos2 ( x
2)
1 − t2
2t 2
Z Z
⇒ R(sin x, cos x) dx = R , dt
1 + t2 1 + t2 1 + t2
Beispiel 13.6.
(1)
1 1 2
Z Z
dx = 1−t2
· dt
cos(x) 1 + t2
1+t2
Z
1 1 1
Z
=2 dt = − dt
1 − t2 t+1 t−1
x
t+1 tan 2 +1
= log |1 + t| − log |t − 1| + c = log + c = log x +c
t−1 tan 2 −1
(2)
1 1 + t2 2 x
Z Z
= · dt = log |t| = log tan
sin(x) 2t 1 + t2 2
kann durch die Substitution x = a · sinh t auf den in 13.1 behandelten Fall zurückgeführt werden.
Beispiel 13.8.
Z √ 2
x +1
dx
x
156
13.9. Das Integral
Z p
R x, x2 − a2 dx
kann durch die Substitution x = a · cosh t auf den in 13.1 behandelten Fall zurückgeführt werden.
kann durch die Substitution x = a · sint auf den in 13.5 behandelten Fall zurückgeführt werden.
13.11. Seien a, b, c ∈ R , a 6= 0 , b2 6= 4ac ⇒ ax2 + bx + c hat keine doppelte Nullstelle [ d.h. ist
nicht von der Form a(x − α)2 ].
Dann
b2 b2
2 b c
2
b c
ax + bx + c = a x + x + = a x2 + x + 2 + − 2
a a a 4a |a {z4a }
=:η6=0
" 2 #
b
=a x+ +η (quadratische Ergänzung)
2a
überführen in
(1)
Z p
R̃ t, t2 + 1 dt (falls a > 0, η > 0) ; 13.7
oder
(2)
Z p
R̃ t, t2 − 1 dt (falls a > 0, η < 0) ; 13.9
oder
(3)
Z p
R̃ t, 1 − t2 dt (falls a < 0, η < 0) ; 13.10
√
(Der Fall a < 0, η > 0 liefert ax2 + bx + c < 0 für alle x ∈ R. ⇒ ax2 + bx + c nirgends definiert.)
157
13. Explizite Integration weiterer Funktionenklassen
Beispiel 13.12.
Z p Z p
2
x + 4x + 5 dx = (x + 2)2 + 1 dx
Substitution t = x + 2
Z p Z p
⇒ 2
x + 4x + 5 dx = t2 + 1 dt
h p i
t = sinh(s) ⇒ s = arsinh(t) = log t + t2 + 1
1 p 2 1 p 1 p −2
= t + t2 + 1 + log 1 + t2 + 1 − t − t2 + 1 +c
8 2 8
1 p 2 1 p
= x + 2 + x2 + 4x + 5 + log x + 2 + x2 + 4x + 5
8 2
1 p −2
− 2
x + 2 + x + 4x + 5 +c
8
158
14. Uneigentliche Integrale
Motivation:
f integrierbar über [a, b] ⇒ f beschränkt, [a, b] kompakt
Erweiterung für
• Intervalle (a, b], [a, b), (a, b) oder auch unbeschränkt
• f unbeschränkt am Rand“
”
Bemerkung:
Ist f integrierbar über [a, b], so gilt nach Kapitel 10:
Zr Zb
lim f dx = f dx
r→b−
a a
Vereinbarung:
(1) Ist I ⊂ R ein Intervall und f : I → R eine Funktion, so sei stets f integrierbar über jedem
Teilintervall von I.
(2) Es seit stets a, b ∈ R , α ∈ R ∪ {−∞} , β ∈ R ∪ {∞} mit α < β und a < b
Definition 14.1. Sei f : [a, β) → R [f : (α, b] → R] eine Funktion. Dann definieren wir:
Rβ hR i
b
Das uneigentliche Integral a f (x) dx α f (x) dx heißt konvergent
Zr Zb
:⇔ lim f (x) dx lim f (x) dx existiert und ist aus R
r→β− r→α+
a r
Beispiel 14.2.
(1) Sei α > 0, t > 1.
Zt (
1 log t für α = 1
dx = 1 1−α
xα 1−α (t − 1) 6 1
für α =
1
159
14. Uneigentliche Integrale
Z∞
1
⇒ dx konvergiert ⇔ α > 1
xα
1
(2)
Z1
1
dx konvergiert ⇔ α < 1 (falls α > 0)
xα
0
(3)
Zt
1 t→∞ π
2
dx = arctan(t) −−−→
1+x 2
0
Z∞
1 π
⇒ dx ist konvergent und =
1 + x2 2
0
(4) Analog zu 4.
Z0
1 π
dx ist konvergent und =
1 + x2 2
−∞
Zc Zβ
:⇔ ∃c ∈ (α, β) f dx und f dx konvergent.
α c
Aber:
Zr
lim x dx = 0
r→∞
−r
160
14.1. Konvergenzkriterien
Die folgenden Sätze und Definitionen werden nur für Funktionen f : [a, β) → R formuliert. (β ist
singulärer“ Punkt.) Sie gelten sinngemäß auch für die anderen beiden Typen uneigentlicher Integrale.
”
Setze stets voraus:
∀t ∈ (a, β) f ∈ R[a, t]
14.1. Konvergenzkriterien
Zβ Zv
f (x) dx konvergent ⇔ ∀ε > 0 ∃c = c(ε) ∈ (a, β) ∀u, v ∈ (c, β) f (x) dx < ε
a u
Beispiel 14.7. Behauptung:
Z∞
sin(x)
dx ist konvergent
x
0
sin(x)
(Beachte lim x = 1; also ist nur ∞ singulär“.)
x→0 ”
Beweis: Für alle 0 < u < v gilt:
Zv Zv v Zv
sin(x) 1 1 1
dx = · sin(x) dx = − cos(x) − 2
cos x dx
x x
|{z} | {z } x u x
u u =:f 0 u
=:g
Zv
cos(v) cos(u) 1 1 1 1 1 2
≤ − + 2
cos(x) dx ≤ + + − =
v u x | {z } v u u v u
u ≤1
161
14. Uneigentliche Integrale
Sei nun ε > 0; wähle c := 2ε . Dann gilt für 0 < u < v mit u > c:
Zv
sin(x) 2 2
dx ≤ < = ε
x u c
u
Rb
Definition 14.8. a
f (x) dx heißt absolut konvergent
Zβ
:⇔ f (x) dx konvergiert.
a
R∞ sin x
R∞ | sin x|
Beispiel 14.9. 0 x dx konvergiert nicht absolut, denn 0 x dx konvergiert nicht.
Zkπ k Zjπ
| sin x| X | sin x|
dx = dx
x j=1
x
0 (j−1)π
Abschätzung mit Dreiecksfläche (vgl. 14.1): A = π2 für jedes k ∈ N (für die Funktion | sin(x)|). Wegen
Faktor x1 in der ursprünglichen Funktion Abschätzung der Dreiecksfläche nach unten mit Faktor j·π 1
,
1
dem Wert von x jeweils am rechten Rand eines Intervalls.
k Zjπ k k
X | sin x| X 1 π 1 X 1 k→∞
⇒ dx ≥ · = −−−−→ ∞
j=1
x j=1
j·π 2 2 j=1 j
(j−1)π
Rβ
Satz 14.10. Ist a
f (x) dx absolut konvergent, so ist es auch konvergent, und
Zβ Zβ
f (x) dx ≤ f (x) dx
a a
162
14.1. Konvergenzkriterien
In diesem Fall:
Zβ Zc Zβ
f (x) dx = f (x) dx + f (x) dx
a a c
(Beweis selbst)
Satz 14.11.
(1) Majorantenkriterium: Es sei g : [a, β) → R mit ∀t ∈ (a, β) g ∈ R[a, t] und es gelte
Zβ Zβ
|f (x)| dx ≤ g(x) dx
a a
Es gilt
x 1
∀x ∈ [1, ∞) f (x) ≤ √ = 3 =: g(x)
x5 x2
3
R∞
Da 2 > 1, ist 1
g(x) dx konvergent.
Z∞ Z∞ Z∞
x x 1
⇒ √ dx konvergent und √ dx ≤ 3 dx = 2
14.11 1 + x5 1 + x5 x2
1 1 1
(2)
Z∞
x
√ dx konvergent?
x2 + 7 x
1 | {z }
=:f (x)
163
14. Uneigentliche Integrale
Es gilt
x2 x→∞
x · f (x) = √ −−−−→ 1
x2 +7 x
1
⇒ ∃c ∈ (0, ∞) ∀x ≥ c : x · f (x) ≥
2
1
⇒ ∀x ≥ c : f (x) ≥ =: g(x)
2x
R∞ R∞
Da 1
g(x) dx divergent, ist nach 14.11 1
f (x) dx divergent.
Bemerkung 14.13.
Rb
(1) Sei nun b ∈ R (also nicht b = +∞) und f ∈ R[a, b], d.h. a
f (x) dx existiert im Riemannschen
Sinne (als eigentliches“ Integral)
”
Setze
Zx
F (x) := f (t) dt für x ∈ [a, b]
a
Zt Zb
t→b−
⇒ f (x) dx = F (t) −−−−→ F (b) = f (x) dx (im Riemannschen Sinne)
a a
Rb
⇒ a
f (x) dx konvergiert als uneigentliches Integral, und der Wert ist gleich dem (eigentlichen)
Riemannschen Integral.
Rβ
(2) Sei V die Menge aller f : [a, β) → R, derart dass a f (x) dx konvergiert. Dann ist V ein R-
Vektorraum, und die Abbildung
Zβ
V → R, f 7→ f (x) dx
a
ist linear.
(3) Sei V wie in (2); i.a. gilt für f, g ∈ V nicht f · g ∈ V .
Beispiel:
1
f (x) = g(x) = √ , [a, b] = [0, 1]
x
Z1
1 1
√ dx konvergent, da < 1, d.h. f = g ∈ V
x 2
0
aber:
Z1 Z1
1
(f · g)(x) dx = dx divergent
x
0 0
164
14.1. Konvergenzkriterien
Satz 14.14 (Integralkriterium). Sei f : [1, ∞) → R mit ∀x ∈ [1, ∞) f (x) > 0 und f monoton fallend.
(⇒ f ∈ R[1, t] für alle t > 1)
Dann gilt:
Z∞ ∞
X
f (x) dx konvergent ⇔ f (k) konvergent
1 k=1
Beweis:
n n+1
Z n+1
Summation
X X
=⇒ f (k) ≥ f (x) dx ≥ f (k) (14-i)
k=1 1 k=2
R∞
Ist nun 1
f (x) dx konvergent, so ist
n+1
Z
f (x) dx
1 n∈N
beschränkt.
∞
X
⇒ f (k) konvergent
k=1
∞
P
Sei umgekehrt f (k) konvergent.
k=1
n+1
Z
=⇒ f (x) dx beschränkt
(14-i)
1 n∈N
Ferner ist diese Folge monoton wachsend (da f > 0), also konvergent.
Zn
⇒ Es existiert lim f (x) dx
n→∞
1
165
14. Uneigentliche Integrale
Rt
Ferner ist 1
f (x) dx monoton wachsend als Funktion von t.
Zt
⇒ lim f (x) dx existiert
t→∞
1
Z∞
⇒ f (x) dx konvergent
1
Beispiel 14.15.
.....
....
Z∞ y
p pppp p p
sin(x)
dx =
π ppp p p p p p pppp
x 2 p pp p
pp p
0 ppp
pp p
ppp
p p pp p ppp p p p p p p pppp pppppppp ppppppppppppppp p p p ppppppppppppppp pppppppppppp pppppp p ppppppp p ppppppppppppp ppppppppppp p pp ppp p p ppp .............
(vgl. Abbildung rechts) p p p p p p p p p p p p p p p p ppp p
pp p p p x
sin(x)
Verlauf von x
166
15. Komplexe Exponential–, Sinus– und
Cosinusfunktion
ez := ex · cos(y) + i sin(y)
Bemerkung 15.2.
∞
X zk
ez = für z ∈ C
k!
k=0
∀z, w ∈ C ez+w = ez · ew
Ist z ∈ R ⊂ C, d.h. z = x + i · 0, so gilt
ez = ex · cos(0) + i · sin(0) = ex
Die komplexe e-Funktion liefert also eine Fortsetzung der reellen e-Funktion ins Komple-
xe.
Ist z rein imaginär, d.h. z = 0 + i · y mit y ∈ R, so gilt
d.h.
167
15. Komplexe Exponential–, Sinus– und Cosinusfunktion
.....
....
y . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................ z
..... .
..... .
..... .
..
.....
. .
.
..... .
..... .
..... .
..... .
..
...... .
.
.... .
..... .
..... .
..... .
..
......
. .
.
..... . ......
.... . .......
x
Speziell ϕ := π:
...
......................................................
............ .........
......... ........
........ .......
..
.......... ......
.......
. ......
.....
.
...... .....
...
.... .....
.....
. ..... ...
... ... iϕ
pe = cos ϕ + i sin ϕ
. ...
...
ppppppppp
. .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .....
...
sin ϕ p p p p p ....
..
.
pp p p p .
ppp ppppp
... . .....
ppppppppp
.
... . ....
...
p
. ...
....
p p p p p p p .
. ....
pppp
.....
ppppppppp ϕ
... ... . ...
.
. ....
ppppppp p
... ...
... ... . ...
.... .... . .. ...
. .
... ...
...
cos ϕ ....
... .
.
... ..
.
... ...
...
... ...
... ...
... ..
.
...
... ...
... ...
... ...
... .....
.... ..
..... ....
..... .....
..... ....
.....
...... ...
......
......
......
....... ......
........ .......
.......... ........
............... .........
...........................................
Korollar 15.3.
(1) eiϕ = e−iϕ für alle ϕ ∈ R
1
eiϕ + e−iϕ
(2) cos ϕ = 2 (ϕ ∈ R)
1
eiϕ − e−iϕ
(3) sin ϕ = 2i (ϕ ∈ R)
(4) ez+2πik = ez für alle k ∈ Z (d.h. die komplexe e-Funktion ist 2π-periodisch).
Beweis:
168
15.1. Polarkoordinaten
Eigenschaften:
(1) Seien z, w ∈ C:
15.1. Polarkoordinaten
Für z = x + iy ∈ C, z 6= 0:
p
|z| = x2 + y 2 =: r
Die Strecke durch 0 und z schließt mit der x-Achse einen Winkel ϕ ein (im Bogen-
maß).
Durch das Paar (r, ϕ) ist z eindeutig bestimmt. Umgekehrt ist durch z auch r = |z| eindeutig bestimmt.
Läßt man nur ϕ ∈ (−π, π) zu, so ist durch z auch ϕ eindeutig bestimmt, ϕ = arg z (Argument von
z).
Es ist cos ϕ = x
r und sin ϕ = yr , also
x = r · cos ϕ , y = r · sin ϕ
169
15. Komplexe Exponential–, Sinus– und Cosinusfunktion
D.h.
Also
n
cos ϕ + i sin ϕ = cos(nϕ) + i sin(nϕ) Formel von de Moivre
Dann gilt:
pppp
z1 · z2 p ppp pp p
....
.....
pppp p
p ppp
pp pp
pppp pp p
p ppp
pp pp
pppp pp p
p ppp
pp pp
pppp pp p
p ppp
pp pp
ppp.p...p..p...p
p ppp ................ϕ 1 + ϕ2
pp pp ppppp ppp z2
pppppp
pppp pp p
.....
.... pppppp p
.....
.....
p ppp pppppppp..p...
pp pp p pppp pppp ..........
pppp pp p p p p p p p p
pp pppppp .............. ϕ2 p..p..p..p...pppppppppppppppppp z1
.
p
.
ppppppppp
.
pp pp ppp .....
pppp pp p pppppp pppppp pp p p p p p p p p p p p p p p
pppppppppppppppp.........
...
.
pp
.
p
p p p p pppp pppp pppppppp..[Link]
...
...
Bemerkung:
170
15.3. n-te Wurzeln
Beispiel 15.5.
(1) Sei z1 = −1 und z2 = −1. Dann ist arg z1 = arg z2 = arg(−1) = π und z1 · z2 = 1.
Also:
z1 · z2 = (−i)2 = −1
arg(z1 · z2 ) = arg(−1) = π =
6 −π = arg z1 + arg z2
| {z }
Differenz: 2π
p(z) = z n − a
hat nach 11.1 genau n Nullstellen (mit Vielfachheit) in C. Jede dieser Nullstellen (d.h. jedes z ∈ C mit
z n = a) heißt n-te Wurzel aus a.
Sei r = |a|, ϕ = arg(a), also a = reiϕ . Setze
√
r · ei( ) für k = 0, 1, 2, . . . , n − 1
ϕ+2kπ
ωk := n n
Beweis:
⇐“ Sei z = ωk für ein k ∈ {0, . . . , n − 1}
”
⇒ z n = ωkn = r · ei( n )n = r · eiϕ · e|i2kπ
ϕ+2kπ
iϕ
{z } = r · e = a
=1
171
15. Komplexe Exponential–, Sinus– und Cosinusfunktion
π
Abbildung 15.4.: n-te Wurzel: Skizze für n = 2 und a = i (r = 1, ϕ = 2)
15.4. Analysis in C
:⇔ |zn − w| → 0 (n → ∞)
Schreibweise:
lim zn = w oder zn → w (n → ∞)
n→∞
(zn ) konvergiert
:⇔ ∃w ∈ C zn → w (n → ∞)
p
Bemerkung 15.9. |z| = x2 + y 2 für z = x + iy mit x, y ∈ R
Satz 15.10. Sei (zn ) eine Folge in C. zn = xn + iyn mit xn , yn ∈ R und w = u + iv.
Dann gilt:
zn → w ⇔ xn → u und yn → v (n → ∞)
⇒ Behauptung.
172
15.4. Analysis in C
Beweis:
⇒“ geht wie im Reellen (vgl. 2.38).
”
⇐“ Sei (zn ) eine Cauchy–Folge in C. Wegen obiger Bemerkung gilt:
”
max | Re zn − Re zm |, | Im zn − Im zm | ≤ |zn − zm | ≤ | Re zn − Re zm | + | Im zn − Im zm |
Definition 15.13.
∞
X
konvergiert ⇔ es existiert ein w ∈ C mit sn → w (n → ∞)
n=1
∞
X ∞
X
⇔ Re zn konvergiert und Im zn konvergiert
15.10
n=1 n=1
In diesem Fall:
∞
X ∞
X ∞
X
w= zn = Re zn + Im zn Reihenwert
n=1 n=1 n=1
173
15. Komplexe Exponential–, Sinus– und Cosinusfunktion
174
16. Fourier–Reihen
16.1. Orthogonalitätsrelationen
Orthogonalitätsrelationen 16.1.
Zπ Zπ (
0 für n 6= k
sin(nx) sin(kx) dx = cos(nx) cos(kx) dx =
π für n = k
−π −π
Zπ
sin(nx) cos(kx) dx = 0
−π
∀x ∈ R f (x + 2π) = f (x)
(siehe Abbildung 16.1). Deswegen werden wir das Intervall [−π, π] zugrundele-
gen.
175
16. Fourier-Reihen
Abbildung 16.1.: Graph einer 2π–periodischen Funktion; der Inhalt der hervorgehobenen Flächen ist
derselbe.
Feststellung: Falls eine trigonometrische Reihe konvergiert, so ist die durch sie dargestellte Funktion
2π-periodisch (elementar).
Wesentliche Frage: Wann lässt sich eine gegebene 2π-periodische Funktion f : R → R durch eine
trigonometrische Reihe darstellen? D.h. wann gibt es Folgen (an ), (bn ) mit
∞
a0 X h i
∀x ∈ R f (x) = + an cos(nx) + bn sin(nx) ? (16-i)
2 n=1
Wir nehmen zunächst an, dass (16-i) gilt. Wie sehen dann die an und bn aus? Setze dazu weiter voraus:
Die Reihe in (16-i) konvergiere gleichmäßig auf [−π, π]. Sei nun k ∈ N fest.
∞ h
a0 X i
(16-i) ⇒ f (x) sin(kx) = sin(kx) + an cos(nx) sin(kx) + bn sin(nx) sin(kx)
2 n=1
| {z }
=:cn
176
16.2. Die Fourier-Reihe
und
Zπ Zπ Zπ Zπ
∞
a0 X
f (x) sin(kx) dx = sin(kx) dx + an cos(nx) sin(kx) dx + bn sin(nx) sin(kx) dx
2 n=1
−π −π −π −π
= π · bk
16.1
Zπ
1
⇒ bk = f (x) sin(kx) dx (für k ∈ N) (16-ii)
π
−π
Multipliziert man (16-i) mit cos(kx) (für k ∈ N0 ) und integriert wieder über [−π, π], so erhält man
entsprechend:
Zπ
1
⇒ ak = f (x) cos(kx) dx (für k ∈ N0 ) (16-iii)
π
−π
Definition 16.3. Sei f ∈ R[−π, π]. Dann heißen die in (16-ii) und (16-iii) definierten Zahlen die
Fourier–Koeffizienten von f . Die entsprechende trigonometrische Reihe
∞
a0 X h i
+ an cos(nx) + bn sin(nx)
2 n=1
Definition 16.4.
• f heißt gerade :⇔ ∀x ∈ R f (x) = f (−x)
• f heißt ungerade :⇔ ∀x ∈ R f (x) = −f (−x).
Satz 16.5. Ist f ∈ R[−π, π], so gilt für die Fourier–Koeffizienten von f :
• falls f gerade:
Zπ
2
ak = f (x) cos(kx) dx für alle k ∈ N0
π
0
bk = 0 für alle k ∈ N
• falls f ungerade:
ak = 0 für alle k ∈ N0
Zπ
2
bk = f (x) sin(kx) dx für alle k ∈ N
π
0
d.h. die Fourier–Reihe einer geraden bzw. ungeraden Funktion ist eine reine Cosinus– bzw. Sinus-Reihe.
177
16. Fourier-Reihen
Zπ
2
= ϕ(x) dx ⇒ Behauptung
π
0
Analog bk = 0.
Definition 16.6. g : [−π, π] → R heißt stückweise glatt, wenn eine Zerlegung Z = {t0 , . . . , tm } von
[−π, π] existiert mit:
(1) g ist in jedem Teilintervall (tj−1 , tj ) stetig differenzierbar.
(2) Die folgenden Grenzwerte existieren:
für j = 1, . . . , m − 1.
Beachte: Ist g stückweise glatt, so wird in den Punkten tj nicht die Stetigkeit (oder gar die Differen-
zierbarkeit) gefordert.
178
16.2. Die Fourier-Reihe
Satz 16.8. Ist f stückweise glatt, so konvergiert die Fourier–Reihe von f in jedem x ∈ R (punktweise!)
gegen
1
s(x) := f (x+) + f (x−)
2
Ist f insbesondere stetig in x, so konvergiert die Fourier–Reihe von f an der Stelle x gegen f (x).
Beispiel 16.9 (Sägezahnschwingung). f : R → R sei 2π-periodisch und auf (−π, π] definiert durch
(
x für x ∈ (−π, π)
f (x) :=
0 für x = π
1
(Insbesondere s(x) = 2 f (x+) + f (x−) = f (x) für alle x ∈ R)
f ist ungerade; also nach 16.5:
∀k ∈ N0 ak = 0
Zπ
2
∀k ∈ N bk = f (x) sin(kx) dx
π |{z} | {z }
0 u v0
π Zπ
2 cos(kx) 2 cos(kx)
= −x + dx
π k 0 π k
0
2 cos(kπ) 2 sin(kx) π
= −π + 2
π k |π k{z 0
}
=0
2
= (−1)k+1
k
Da f stückweise glatt und f (x) = s(x) für alle x ∈ R, folgt nach 16.8:
∞
X 2
f (x) = (−1)k+1 sin(kx) für alle x ∈ R
k
k=1
sin x sin(2x) sin(3x)
=2 − + ∓ ···
1 2 3
sin x sin(2x) sin(3x)
⇒ ∀x ∈ (−π, π) x = 2 − + ∓ ···
1 2 3
π
Speziell für x = 2:
π 1 1 1
= 1 − + − ± ···
4 3 5 7
179
16. Fourier-Reihen
Beispiel 16.10 (Rechteckschwingung). f : R → R sei 2π-periodisch und auf (−π, π) definiert durch:
1
für 0 < x < π
f (x) := −1 für − π < x < 0
0 für x = 0, x = π
∀k ∈ N0 ak = 0
Zπ Zπ
2 2
∀k ∈ N bk = f (x) sin(kx) dx = sin(kx) dx
π π
0 0
π
2 cos(kx)
= −
π k 0
2 k
=− (−1) − 1
( kπ
0 falls k gerade
= 4
kπ falls k ungerade
∞
4 X 1
16.8 ⇒ f (x) = · sin(kx)
π k
k=1
k ungerade
4 sin(x) sin(3x) sin(5x)
= + + + ···
π 1 3 5
für alle x ∈ R.
4 sin(x) sin(3x) sin(5x)
⇒ ∀x ∈ (0, π) 1= + + + ···
π 1 3 5
π
Speziell für x = 2:
π 1 1 1
= 1 − + − ± ···
4 3 5 7
180
16.2. Die Fourier-Reihe
Zπ π Zπ !
2 2 sin(kx) sin(kx)
∀k ∈ N ak = x2 cos(kx) dx = x2 − 2x dx
π π k 0 k
0 | {z } 0
=0
Zπ
π
2 2x cos(kx) cos(kx)
= −2 dx
π k2 0 k2
0
π
4 sin(kx)
= 2 (−1)k − 2
k k3
| {z 0}
=0
4
= 2 (−1)k
k
Schließlich
Zπ
2 2π 2
a0 = x2 dx =
π k
0
∞
π2 X 4
⇒ f (x) = + (−1)k cos(kx)
16.8 3 k2
k=1
π2
cos x cos(2x) cos(3x)
= −4 − + ∓ ···
3 12 22 32
π2
2 cos x cos(2x) cos(3x)
⇒ ∀x ∈ [−π, π] x = −4 − + ∓ ···
3 12 22 32
Speziell für x = 0:
π2
1 1 1
=4 1− + − ± ···
3 4 9 16
181
b0 (t)
b
a
1
−1
f (x, y)
16. Fourier-Reihen
g(x, y)
∞
B
X (−1)ν+1 g(y) π2
⇒ =
ν=1
ν2 c 12
d
Speziell für x = π: m
M ∞
π2
X
Xy11 1 1
= − −1 − − − · · · =
6 X y24 9 n=1
n2
y1
y2
f
f (X)
X π2
Y
−2π −π π 2π 3π
f (x) := |x|
Lt. Saalübung:
π 4 cos(3x) cos(5x)
∀x ∈ R f (x) = − cos x + + + ···
2 π 32 52
Speziell für x = 0:
∞
π2 1 1 X 1
= 1 + 2 + 2 + ··· =
8 3 5 n=0
(2n + 1)2
Zπ
1
bk := g(x) sin(kx) dx (k = 1, 2, 3, . . .)
π
−π
Dann gilt:
n Zπ
a20 X 2 1
∀n ∈ N + (ak + b2k ) ≤ g(x)2 dx
2 π
k=1 −π
182
16.2. Die Fourier-Reihe
Zπ
g(x)2 − 2g(x){. . .} + {. . .}2 dx
=
−π
Zπ n
!
2 a20 X 2
ak + b2k
= g(x) dx − π +
2
−π k=1
∞ Zπ
a20 X 2 1
ak + b2k ≤ g(x)2 dx
+
2 π
k=1 −π
Beweis:
(1) folgt aus 16.13 und 3.4
(2)
∞
X
a2k ≤ a2k + b2k ⇒ a2k konvergent
Majoranten-
Kriterium k=1
k→∞ k→∞
⇒ a2k −−−−→ 0 ⇒ ak −−−−→ 0
3.4
k→∞
Analog: bk −−−−→ 0
Satz 16.15. Sei f : R → R 2π-periodisch, stetig und stückweise glatt. Dann gilt:
(1) Für jedes x ∈ R ist die Fourier–Reihe von f absolut konvergent
(2) Die Fourier–Reihe von f konvergiert auf R gleichmäßig gegen f .
(3) Sind an , n ∈ N0 und bn , n ∈ N die Fourier–Koeffizienten von f , so sind die Reihen
∞
X ∞
X
|ak | und |bk |
k=1 k=1
konvergent.
(ohne Beweis)
183
16. Fourier-Reihen
Beispiel 16.16.
Beweis:
∞ ∞
1
a2n + b2n =
P P
⇒ n konvergiert .
16.14 n=1 n=1
⇒ g 6∈ R[−π, π].
Zb
n→∞
(1) g(x) sin(nx) dx −−−−→ 0 und
a
Zb
n→∞
(2) g(x) cos(nx) dx −−−−→ 0
a
184
16.3. Komplexe Schreibweise von Fourier-Reihen
Zb Zb
g(x) sin(nx) dx = f (x) sin(nx) dx
a a
Z
= f (x) sin(nx) dx
I
Zπ
n→∞
= f (x) sin(nx) dx = πbn −−−−→ 0
−π
Zb t
l Zj
X
g(x) sin(nx) dx = g(x) sin(nx) dx
a j=1t
j−1
und Fall 1 trifft auf jedes Intervall [tj−1 , tj ] zu. Nach Fall 1 gilt dann:
Ztj
n→∞
g(x) sin(nx) dx −−−−→ 0 für j = 1, . . . , l
tj−1
Zb
n→∞
⇒ g(x) sin(nx) dx −−−−→ 0
a
Definition 16.19. Seien a, b ∈ R mit a < b. Sei g : [a, b] → C eine Funktion und u := Re g, v := Im g,
d.h. u, v : [a, b] → R und g(x) = u(x) + iv(x) für alle x ∈ [a, b].
In diesem Fall:
Zb Zb Zb
g(x) dx := u(x) dx + i v(x) dx
a a a
185
16. Fourier-Reihen
(b)
Zb Zb Zb
(αg + βh) dx = α g dx + β h dx
a a a
Zπ
1
cn (f ) := f (x) · e−inx dx n∈Z
2π
−π
∞
X
cn (f ) · einx
n=−∞
Zπ
1
f (x)e−inx dx
−inx
cn (f ) = e = cos(nx) − i sin(nx)
2π
−π
Zπ Zπ
1 1
= f (x) cos(nx) dx − i f (x) sin(nx) dx
2π 2π
−π −π
1
= an (f ) − ibn (f )
2
Zπ
1 1
c0 (f ) = f (x)ei0x dx = a0 (f )
2π 2
−π
Zπ
1 1
f (x)einx dx =
c−n (f ) = an (f ) + ibn (f )
2π 2
−π
Folglich ist
n n
X a0 (f ) X
ck (f )eikx = ck (f )eikx + c−k (f )e−ikx
+
2
k=−n k=1
und
186
16.3. Komplexe Schreibweise von Fourier-Reihen
Fazit:
Sei f : [−π, π] → R und f ∈ R[−π, π]
1. Die komplexe Fourier–Reihe von f ist gleich der reellen Fourier–Reihe von f .
2. Die komplexe Fourier–Reihe von f konvergiert in x ⇔ die reelle Fourier–Reihe konvergiert
in x (im Sinne der obigen Definition).
187
16. Fourier-Reihen
188
Teil II.
Mehrdimensionale Analysis,
Differentialgleichungen,
Transformationen
189
17. Der Raum Rn
Rn := {(x1 , . . . , xn ) : x1 , . . . , xn ∈ R} ist mit der Addition und Skalarmultiplikation ein R–
Vektorraum.
Mit e1 , . . . , en ∈ Rn bezeichnen wir die Einheitsvektoren.
Beispiel 17.2.
• kej k = 1 (j = 1, . . . , n)
√
• k(1, 2, 3)k = 14
(vgl. auch Abb. 17.1)
.....
.... p
.....
(x1 , x2 , x3 ) = x21 + x22 + x23
x ...
3 .....
.
..................
.....
......
....
... ...
..... ... .....
..... .... .....
...
..
.....
... .
p pp
... ....
.
pp . .....
.....
.....
.
...
.
......
.
ppp p p
.... ... .........
... . . ..... .
.. .....
pp
...
......
p pp
.....
..... ...
ppp p p
.
..
.... ..
..... .
.....
.....
pp
...
.....
p pp
..
..
.... ...
ppppppp
.
..
.
.....
.
.....
...
x 2 ...........
.....
.
.....
.
..
. ppppp ... .....
. ..
...... ppppp . ....
.
ppppp
.. .
.... ..
.....
.....
.....
..... ppppp .
..... ...............
.
....
.
.
......
.
..... ..
.
.. .ppppp .. .....
ppp
.
.. ..... .
..... ..... .. .....
x ..... ... ....
1................ ..... ..... ..... ..... ..... ..... ..... ..... ................
..
.. ..... ... p
.
.........
.
..... .. ..........
(x , x2 ) = 1 x21 + x22
........
191
17. Der Raum Rn
= X − 2αY + α2 Z
Y2
=X−
Z
Da Z > 0 : Y 2 ≤ XZ, also (x · y)2 ≤ kxk2 kyk2
• zu (7):
kx + yk2 = (x + y) · (x + y) = (x · x) + 2(x · y) + (y · y)
(2),(3)
• zu (8):
kxk = k(x − y) + yk ≤ kx − yk + kyk
⇒ kxk − kyk ≤ kx − yk
Rollentausch: kyk − kxk ≤ ky − xk = kx − yk
⇒ kxk − kyk ≤ kx − yk
• zu (9):
|xj |2 = x2j ≤ x21 + · · · + x2n = kxk2 ⇒ 1. Ungleichung
x = (x1 , . . . , xn ) = x1 e1 + x2 e2 + · · · + en xn
192
v
u p X
q
uX
kAk := t a2 jk Norm von A
j=1 k=1
Es gilt: Ist außerdem B eine reelle q × l–Matrix (d.h. A · B ist definiert als p × l–Matrix), so gilt:
Uδ (x0 ) := {x ∈ Rn : kx − x0 k < δ}
Uδ (x0 ) := {x ∈ Rn : kx − x0 k ≤ δ}
Beispiel 17.8.
• Rn ist offen
• ∅ ist offen
193
17. Der Raum Rn
Beispiel 17.10.
• abgeschlossene Kugeln sind abgeschlossen
• Rn ist abgeschlossen
• ∅ ist abgeschlossen
• obige Menge A (Parabel) ist abgeschlossen
• offene Kugeln sind nicht abgeschlossen
194
18. Konvergenz im Rn
1 1
Beispiel 18.2. n = 2, a(k) := ∈ R2 für alle k ∈ N.
k, 1+ k2
Dann
r
(k) 1 1 1 1 k→∞
a − (0, 1) = , = + 4 −−−−→ 0
k k2 k2 k
Also:
a(k) → (0, 1) für k → ∞
195
18. Konvergenz im Rn
(k) (k)
Satz 18.3. Sei a(k) Folge in Rn , a(k) := a1 , . . . , an
für alle k ∈ N.
(2) Satz von Bolzano–Weierstraß: Jede beschränkte Folge in Rn enthält eine konvergente Teilfol-
ge.
(3) Cauchy–Kriterium: (a(k) ) konvergent
Beweis:
(1) Nach 17.3 (9) gilt:
n
(k) (k)
X
∀j ∈ {1, . . . , n} aj − aj ≤ a(k) − a ≤ aj − aj
i=1
⇒ Behauptung
(2) Der Übersicht halber nur für n = 2, also
(k) (k)
a(k) = a1 , a2 .
Also:
(k)
∀j ∈ {1, . . . , n} (aj )k∈N Cauchy-Folge in R
(k) k→∞
⇒ ∀j ∈ {1, . . . , n} ∃aj ∈ R aj −−−−→ aj
2.38
196
Beispiel 18.5.
(1) Sei a ∈ Rn , ε > 0, A := Uε (a). Dann ist x0 ein Häufungspunkt von A ⇔ x0 ∈ Uε (a).
(2) Sei statt dessen A := Uε (a)\{a}. Dann ist x0 immer noch ein Häufungspunkt von A ⇔ x0 ∈ Uε (a).
(3) Ist A endlich, so hat A keine Häufungspunkte.
Beweis:
(1)
⇒“: Sei A abgeschlossen. Annahme: Es existiert eine konvergente Folge (a(k) ) in A mit
”
a := lim a(k) 6∈ A
k→∞
Also a ∈ Rn \ A. Da Rn \ A offen ist, existiert ein ε > 0 mit Uε (a) \ Rn \ A. Wegen (a(k) ) → a
existiert ein k0 ∈ N mit
⇐“: Gelte die rechte Seite. Annahme: A nicht abgeschlossen, d.h. Rn \A nicht offen, also: Es existiert
”
a ∈ Rn \ A mit
∀k ∈ N U k1 (a) 6⊂ Rn \ A
k→∞
Also (a(k) ) −−−−→ a.
⇒ a⊂A
(2) vgl. Saalübung
(3) wie im eindimensionalen Fall (vgl. 7.16)
197
18. Konvergenz im Rn
198
19. Grenzwerte von Funktionen, Stetigkeit
Kurz: f = (f1 , . . . , fm )
Beispiel 19.1.
(1) n = 2, D = R2 , m = 3,
Vereinbarung: Im Falle n = 2 schreiben wir für (x1 , x2 ) meist (x, y), im Falle n = 3 für (x1 , x2 , x3 )
meist (x, y, z).
....
.....
..... ....... ...
... ..... ...... .........
....... ..... ..... ..... ......... f
.... ....... ... .... ....... ... ........... .................
. . . . . .
.................. .. ......................................... ..... ...... ....
.. ..................... .. .. ... ... ..................... ...
............... .. .. ... ... .. .. .. .. ...........
....... .. .. ... .. .. ... .. .. .. .. ......
.... ..... .... .... .... .... .... .... .... .... .... ..... .......
..... .. . ... .. .. .. .. .. .. .. . ....
. ..
... .................... ... .... .... .... .... .... .... ............... ...
.
..
.
................... .. .. ....................
..................... ... ..
. ...........
x2
.....
.. ..... ...
.
..
....... .
...
. ..
.. ......... .
. .. ...
.......
. ... .. .............................................................
.
..
.... ...........
. ..
... ........ ..
..
. ..
.......
..
.... .......
.
. .
..... ......
..... .......
D ....
.
..
..... ........... .......
..... ..................................................................
x 1 ..................
.....
Abbildung 19.1.: n = 2, m = 1
199
19. Grenzwerte von Funktionen, Stetigkeit
.....
....
p p pp
ppp p ppppp pp
pp p pp ppppp pppp pp pp ppppp p
ppp pppp p p
pppp p ppp pp
pp ppp ppppp p p
ppp p
ppp p p p p p p p p p p p p p p pp p p p p p
ppp p p
pp pp
...........
pp p p
.
..... ..
p p p p p p p p p p p p p p p pp p p
.....
.... x1
.
..
.....
.
.....
....
..........
........
Definition 19.2. Sei x0 ein Häufungspunkt (HP) von D und y0 ∈ Rm . Wir sagen:
lim f (x) = y0 :⇔ Für jede Folge x(k) in D mit x(k) → x0 für k → ∞ und ∀k ∈ N x(k) 6= x0 gilt:
x→x0
f x(k) → y0
alternative Schreibweise:
f (x) → y0 für x → x0
(4) Cauchy–Kriterium:
lim f (x) existiert
x→x0
h i
⇔ ∀ε > 0 ∃δ > 0 ∀x, z ∈ D (0 < kx − x0 k und kz − x0 k < δ) ⇒ f (x) − f (z) < ε
200
Beweis: (1) bis (4) wie im eindimensionalen Fall (vgl. 6.7, 6.8, 6.9), (5) folgt aus 18.3 (1)
Beispiel 19.4. D = R2 , f (x, y) = (xy, x2 + y 2 , sin(xy))
Dann gilt:
lim f (x, y) = (1, 2, sin(1))
(x,y)→(1,1)
denn:
Sei (xn , yn ) Folge in D mit (xn , yn ) → (1, 1), denn nach 18.3 gilt: xn → 1, yn → 1
⇒ xn yn → 1, x2n + yn2 → 2, sin(xn yn ) → sin(1)
⇒ xn yn , x2n + yn2 , sin(xn yn ) → (1, 2, sin(1))
18.3 | {z }
=f (xn ,yn )
Beispiel 19.5. D = R2
(
xy
x2 +y 2 für (x, y) ∈ R2 \ {(0, 0)}
f (x, y) :=
0 für (x, y) = (0, 0)
Behauptung:
lim f (x, y) existiert nicht!
(x,y)→(0,0)
Beweis:
1
f (x, 0) = 0, f (x, x) = für alle x ∈ R \ {0}
2
d.h. ist z.B. (xn , yn ) = n1 , 0 , so gilt (xn , yn ) → (0, 0) und f (xn , yn ) = 0 → 0.
Ist aber (x̃n , ỹn ) = n1 , n1 , so gilt wieder (x̃n , ỹn ) → (0, 0), aber f (x̃n , ỹn ) = 21 → 12 .
Definition 19.6.
(1) f heißt in x0 ∈ D stetig, wenn gilt:
k→∞
Für jede Folge (x(k) ) in D mit x(k) −−−−→ x0 gilt f (x(k) ) → f (x0 ) für k → ∞.
Wie im eindimensionalen Fall (vgl. 7.3) zeigt man:
h i
f stetig in x0 ⇔ ∀ε > 0 ∃δ > 0 ∀x ∈ D kx − x0 k < δ ⇒ f (x) − f (x0 ) < ε
(2) f heißt stetig auf D, wenn f in jedem x0 ∈ D stetig ist. Wir schreiben in diesem Fall auch:
f ∈ C(D, Rm )
201
19. Grenzwerte von Funktionen, Stetigkeit
stetig in x0 stetig in x0
stetig auf D stetig auf D
f ⇔ ∀j ∈ {1, . . . , m} fj .
gleichmäßig stetig auf D gleichmäßig stetig auf D
Lipschitz–stetig auf D Lipschitz–stetig auf D
∀x ∈ D ∩ Uδ (x0 ) f (x) 6= 0
(4) Ist m = 1 und sind f, g stetig in x0 und ist g(x0 ) 6= 0, so existiert δ > 0 mit
f
: D ∩ Uδ (x0 ) → R ist stetig in x0
g
Beweis: (1) mit 18.3, Rest wie im eindimensionalen Fall (vgl. 7.3 und 7.4)
Beweis:
202
Seien x0 := f −1 (y0 ), x(k) := f −1 (y (k) ) für k ∈ N.
Annahme: x(k) 6→ x0 .
Dann existiert ε > 0 und Teilfolge (x(kj ) ) mit
x(kjν )
Da D kompakt, existiert eine konvergente Teilfolge ν∈N
mit Grenzwert x1 ∈
D.
ν→∞
Da f stetig, gilt f x(kjν ) −−−−→ f (x1 ). Andererseits f x(kjν ) = y (kjν ) → y0
⇒ f (x1 ) = y0 = f (x0 ) ⇒ x1 = x0
inj.
(kj )
Andererseits x − x0 ≥ ε
(kjν )
| {z } −x0 ≥ ε ⇒ kx1 − x0 k ≥ ε
x
→x1
Achtung: In (4) ist die Kompaktheitsvoraussetzung wesentlich!
Beispiel 19.10. D := [0, 2π), f (x) := cos(x), sin(x)
f stetig, injektiv, aber f −1 ist nicht stetig in (1, 0). (vgl. Abb. 19.3)
Abbildung 19.3.: f (x) = cos(x), sin(x) (Schraubenlinie um x–Achse)
Beispiel 19.11. D = R2
(
xy
x2 +y 2 für (x, y) ∈ R2 \ {(0, 0)}
f (x, y) :=
0 für (x, y) = (0, 0)
Da (0, 0) Häufungspunkt von R2 = D und lim(x,y)→(0,0) f (x, y) nicht existiert (Bsp. 19.5), ist f in (0, 0)
nicht stetig.
203
19. Grenzwerte von Funktionen, Stetigkeit
(Ist umgekehrt A eine m × n–Matrix und g : Rn → Rm definiert durch g(x) := Ax, so ist g line-
ar.)
Sind nun f und A wie in (19-i), so gilt:
Insbesondere:
f ∈ C(Rn , Rm )
204
20. Folgen, Reihen, Potenzreihen und
Stetigkeit in C
Wegen dieser Identifikationen gelten die in den Abschnitten 18 und 19 entwickelten Begriffe und
Sätze auch in C. (Gewisse Ausnahme: Inneres Produkt in R2 hat (bisher) kein Analogon in
C.)
|zn − z0 | → 0
Es gilt:
zn → z0 für n → ∞ ⇔ Re zn → Re z0 , Im zn → Im z0
205
20. Folgen, Reihen, Potenzreihen und Stetigkeit in C
∞
X
an heißt konvergent :⇔ (sn )n∈N ist konvergent
n=1
Reihenwert.
∞
X ∞
X
an heißt absolut konvergent :⇔ |an | konvergent.
n=1 n=1
Wörtlich wie im eindimensionalen Fall (vgl. 3.4, 3.12, 3.14, 3.16, 3.25) gelten die Aussagen
von
Satz 20.2.
(1) Cauchy–Kriterium:
∞
X m
X
an konvergent ⇔ ∀ε > 0 ∃n0 ∈ N ∀m ≥ n ≥ n0 ak < ε
n=1 k=n
(2)
∞
X ∞
X
an absolut konvergent ⇒ an konvergent
n=1 n=1
und
∞
X ∞
X
an ≤ |an |
n=1 n=1
∞
X ∞
X ∞
X
⇒ an absolut konvergent, |an | ≤ αn
n=1 n=1 n=1
206
20.3. Komplexe Funktionen
∞
P ∞
P
(5) an , bn absolut konvergent,
n=0 n=0
∀n ∈ N cn := a0 bn + a1 bn−1 + · · · + an b0
∞
X
⇒ cn absolut konvergent, und
n=0
∞ ∞ ∞
! !
X X X
cn = an · bn
n=1 n=0 n=0
(Cauchy–Produkt)
Sei D ⊂ C mit D 6= ∅ und z0 ∈ C, z0 heißt Häufungspunkt von D :⇔ Es existiert Folge (zn ) in D mit
∀n ∈ N zn 6= z0 und zn → z0 für n → ∞.
Sei f : D → C eine Funktion. Die Begriffe Grenzwert lim f (z), Stetigkeit von f in z0 , Stetigkeit
z→z0
von f auf D werden (gemäß der genannten Identifikationen) wie im Reellen (Abschnitt 19) defi-
niert.
Die dazugehörigen Sätze (19.3, 19.7, 19.8) gelten genauso auch für komplexe Funktio-
nen.
Neu:
so gilt:
∀z ∈ Uδ (z0 ) ∩ D g(z) 6= 0,
und
f z→z0 w0
(z) −−−→
g w1
207
20. Folgen, Reihen, Potenzreihen und Stetigkeit in C
20.4. Potenzreihen
Sei (an )∞
n=0 eine Folge in C; z0 ∈ C.
Dann heißt
∞
X
an (z − z0 )n
n=0
eine Potenzreihe.
Wie im eindimensionalen Fall (vgl. 4.3) zeigt man
Satz 20.4.
p
(1) Ist n |an | unbeschränkt, so konvergiert die Potenzreihe nur für z = z0 .
n∈N
p
(2) Ist n |an | beschränkt und
n∈N
p
% := lim sup n
|an |
n→∞
so gilt:
(i) Ist % = 0, so konvergiert die Potenzreihe für alle z ∈ C absolut.
(ii) Ist % > 0, so konvergiert die Potenzreihe absolut für
1
|z − z0 | <
%
Setze:
p
0
falls n |an | unbeschränkt
p
r := ∞ falls n |an | beschränkt, % = 0
1
p
% falls n |an | beschränkt, % > 0
n
(
1−ω n+1
X
i 1−ω falls ω 6= 1
sn = ω =
i=0
wie in R n+1 falls ω = 1
208
20.4. Potenzreihen
.....
....
y .. ?.................. .......
.............
........................
.......
......
....... .. .......... ..... Divergenz
................. .....
.... ...
.. ...
... ...
..
. ...
...
.... ...
...
....
z 0 ...
..
... ...
...
...
r ..
....
... ...
...
... Konvergenz
.... ...
...
..... .
......
...... ..
....... ......
.......... ......
...............................
..........
..
x
∞
X 1
|ω| < 1 ⇒ ω n ist konvergent mit Reihenwert
n=0
1−ω
∞
X
|ω| > 1 ⇒ ω n ist divergent
n=0
(2) Speziell ω = 2i :
∞ n
1 X i 1 2 4 + 2i 4 2
|ω| = < 1 ⇒ = i
= = = + i
2 n=0
2 1− 2
2−i 4+1 5 5
∞
zn
ez ; vgl. Kapitel 15) , z ∈ C:
P
(3) n! (=
n=0
∞
zn |z|n X
an := , |an | = , |an | ist konvergent mit Reihenwert e|z|
n! n! n=0
∞ ∞
X X zn
⇒ an = ist absolut konvergent ∀z ∈ C
n=0 n=0
n!
∞ ∞
n z 2n n z 2n+1
P P
(4) Genau so: (−1) · (2n)! (= cos z) und (−1) · (2n+1)! (= sin z)
n=0 n=0
∞ ∞
z
enz = (en ) mit z = x + iy ∈ C:
P P
(5)
n=0 n=0
⇒ |ez | = ex · |eiy | = ex ⇒ |ez | < 1 ⇔ ex < 1 ⇔ x < 0 ⇔ Re z < 0
∞ ∞
1
enz ist konvergent falls Re z < 0. Dann: enz =
P P
Also: 1−ez
n=0 n=0
Ist D ⊂ C und (fn ) eine Folge von Funktionen fn : D → C, so definiert man die Begriffe punktweise
Konvergenz und gleichmäßige Konvergenz wörtlich wie im eindimensionalen Fall (vgl. Abschnitte 8.1
und 8.2).
Wie im Eindimensionalen zeigt man:
209
20. Folgen, Reihen, Potenzreihen und Stetigkeit in C
Satz 20.6.
(1) D, (fn ) wie oben. Sind alle fn stetig auf D und konvergiert (fn ) gleichmäßig gegen f : D → C,
dann ist f stetig auf D.
∞
an (z − z0 )n eine Potenzreihe mit Konvergenzradius r > 0, D := {z ∈ C : |z − z0 | < r}.
P
(2) Sei
n=0
(D := C, falls r = ∞), und
∞
X
f (z) := an (z − z0 )n für z ∈ D.
n=0
Dann gilt:
(i) f ist stetig auf D.
(ii) Ist r̃ > 0 mit r̃ < r, so konvergiert die Potenzreihe auf
D̃ := z ∈ C : |z − z0 | ≤ r̃ gleichmäßig
Abbildung 20.2.: Potenzreihen konvergieren glm. auf kompakten Teilmengen des Konvergenzkreises
Zum Abschluss:
1 z
e − e−z
sinh z := z∈C
2
1 z
e + e−z
cosh z := z∈C
2
sinh z
tanh z := z ∈ C, cosh z 6= 0
cosh z
sin z
tan z := z ∈ C, cos z 6= 0
cos z
210
21. Differentialrechnung im Rn
Fasst man für den Moment y als Konstante auf, so kann man f (x, y) nach x differenzieren. Diese
Ableitung wird mit
∂f
(x, y) oder fx (x, y) oder D1 f (x, y) bezeichnet.
∂x
Also im Beispiel:
∂f
(x, y) = 4xy 3
∂x
Entsprechend kann man x als Konstante auffassen und nach y differenzieren. Bezeichnung
∂f
(x, y) oder fy (x, y) oder D2 f (x, y)
∂y
Im Beispiel:
∂f
(x, y) = 6x2 y 2
∂y
∂f
(x, y, z) = fx (x, y, z) = D1 f (x, y, z) = 2xz + 3yz
∂x
∂f
(x, y, z) = fy (x, y, z) = D2 f (x, y, z) = 3xz
∂y
∂f
(x, y, z) = fz (x, y, z) = D3 f (x, y, z) = x2 + 3xy
∂z
211
21. Differentialrechnung im Rn
Bemerkung 21.4. Im Fall n = 2 wird (wie vereinbart) häufig (x, y) statt (x1 , x2 ) geschrieben, im Fall
n = 3 häufig (x, y, z) statt (x1 , x2 , x3 ). Ensprechend werden die partiellen Ableitungen notiert:
∂f ∂f ∂f
fx , f y , f z oder , ,
∂x ∂y ∂z
Beispiel 21.5.
(1) f (x, y, z) = 2x2 + yz + exyz
fx (x, y, z) = 4x + yz · exyz
fy (x, y, z) = z + xz · exyz
fz (x, y, z) = y + xy · exyz
(2)
(
xy
x2 +y 2 (x, y) 6= (0, 0)
f (x, y) :=
0 (x, y) = (0, 0)
y(x2 + y 2 ) − 2x · xy y 3 − x2 y
fx (x, y) = =
(x2 + y 2 )2 (x2 + y 2 )2
Im Nullpunkt:
h·0
−0
f (0, 0) + he1 − f (0, 0) f (h, 0) − f (0, 0) h2 +02
= = =0 (→ 0 für h → 0)
h h h
⇒ f in (0, 0) partiell nach x differenzierbar und fx (0, 0) = 0.
Genauso: fy (0, 0) = 0.
Also: f ist überall (auf ganz R2 ) partiell differenzierbar, aber in (0, 0) nicht stetig.
p
(3) f (x, y) := x2 + y 2 = k(x, y)k.
(x, y) 6= 0:
2x x
fx (x, y) = p =p
2 x2 + y 2 x2 + y 2
y
fy (x, y) = p
x + y2
2
212
21.1. Partielle Differenzierbarkeit
Im Nullpunkt:
√ (
f (0, 0) + he1 − f (0, 0) f (h, 0) − f (0, 0) h2 + 02 − 0 |h| 1 für h > 0
= = = =
h h h h −1 für h < 0
konvergiert nicht für h → 0.
D.h. f ist in (0,0) nicht partiell differenzierbar nach x. (genauso: nach y)
Definition 21.6.
(1) f heißt in x0 partiell differenzierbar, wenn f in x0 partiell differenzierbar nach allen Variablen
x1 , . . . , xn ist.
(2) f heißt auf D partiell differenzierbar, wenn f in jedem x0 ∈ D partiell differenzierbar ist.
(3) f heißt auf D stetig partiell differenzierbar, wenn f auf D partiell differenzierbar ist und alle parti-
ellen Ableitungen fx1 , . . . , fxn : D → R auf D stetig sind.
Bezeichnungen in diesem Fall: f ∈ C 1 (D, R).
(4) Ist f in x0 ∈ D partiell differenzierbar, so heißt
fx1 (x0 ), fx2 (x0 ), . . . , fxn (x0 ) =: (grad f )(x0 )
Definition 21.8. Die partiellen Ableitungen fx1 , . . . , fxn heißen (sofern sie existieren) partielle Ablei-
tungen erster Ordnung.
Definition 21.9. Ist f auf D partiell differenzierbar nach xi und ist fxi : D → R in x0 ∈ D partiell
differenzierbar nach xj , so heißt
∂ ∂f
(x0 ) = (fxi )xj (x0 ) = Dj (Di f ) (x0 )
∂xj ∂xi
∂2f
= (x0 ) = fxi xj (x0 ) = Dj (Di f ) (x0 )
∂xj ∂xi
partielle Ableitung zweiter Ordnung (nach xi und xj ).
Im Falle i = j schreibt man auch
∂2f
(x0 ) = fxi xi (x0 ) = Di2 f (x0 )
∂x2i
Entsprechend sind partielle Ableitungen höherer Ordnung definiert. Schreibweise analog.
∂4 f
∂ ∂ ∂ ∂f
=
∂x1 (∂x3 )2 ∂x2 ∂x1 ∂x3 ∂x3 ∂x2
213
21. Differentialrechnung im Rn
n = 2:
∂3f ∂7f
= fxxy , = fyxxxxxx
∂y ∂x2 ∂x6 ∂y
Definition 21.11. Sei m ∈ N. f heißt auf D m-mal stetig partiell differenzierbar, wenn alle partiellen
Ableitungen der Ordnung ≤ m auf D existieren und auf D stetig sind.
Bezeichnung in diesem Fall: f ∈ C m (D, R).
f heißt auf D unendlich oft (beliebig oft) (stetig) partiell differenzierbar, wenn
\
f∈ C m (D, R) =: C ∞ (D, R)
m∈N
Satz 21.12 (Satz von Schwarz). Sei f ∈ C 2 (D, R) (beachte: die 2. partiellen Ableitungen sind somit
als stetig vorausgesetzt.)
Dann gilt:
Beispiel 21.14.
xy(x2 −y 2 )
(
x2 +y 2 (x, y) 6= (0, 0)
f (x, y) :=
0 (x, y) = (0, 0)
y x2 − y 2 + 2x2 y x2 + y 2 − 2x2 y x2 − y 2
fx (x, y) = 2
(x2 + y 2 )
Im Nullpunkt:
f (0, 0) + he1 − f (0, 0) f (h, 0) − f (0, 0)
= =0
h h
⇒ fx (0, 0) = 0.
214
21.2. Differenzierbarkeit und Stetigkeit
x y 2 − x2 + 2y 2 x y 2 + x2 − 2y 2 x y 2 − x2
fy (x, y) = − 2
(y 2 + x2 )
fy (0, 0) + he1 − fy (0, 0)
=1
h
⇒ fy in (0, 0) partiell nach x differenzierbar, und fyx (0, 0) = 1 6= fxy (0, 0). (Aber fxy und fyx sind
nicht stetig in (0, 0).)
ist auf ganz R2 partiell differenzierbar, aber nicht stetig in (0, 0).
Wir suchen jetzt einen Differenzierbarkeitsbegriff, der Stetigkeit (von f) impli-
ziert.
Zur Erinnerung: Sei I ⊂ R Intervall, x0 ∈ I, f : I → R
f in x0 differenzierbar
f (x0 + h) − f (x0 )
⇔ ∃a ∈ R lim =a
h→0 h
f (x0 + h) − f (x0 ) − ah
⇔ ∃a ∈ R lim =0
h→0 h
|f (x0 + h) − f (x0 ) − ah|
⇔ ∃a ∈ R lim =0
h→0 |h|
Jetzt wieder: D ⊂ Rn offen, f : D → R, x0 ∈ D.
|f (x0 + h) − f (x0 ) − a · h|
:⇔ ∃a ∈ Rn lim =0
h→0
h∈Rn
khk
!
n f (x0 + h) − f (x0 ) − a · h
⇔ ∃a ∈ R lim =0
h→0
h∈Rn
khk
215
21. Differentialrechnung im Rn
Bemerkung 21.16.
Rn → R
(1) Ist a ∈ Rn , so ist die Abbildung linear und somit stetig, insbesondere gilt: a · h → 0
h 7→ a · h
für h → 0.
(2) f differenzierbar in x0 ∈ D
a = (grad f )(x0 )
Beweis:
(1) Sei a = (a1 , . . . , an ) ein Vektor, der die in der Definition für Differenzierbarkeit (von f in x0 )
geforderten Eigenschaft hat. Das heißt: Für jede Folge k (k) k∈N in Rn mit ∀k ∈ N h(k) 6= 0 und
h(k) → 0 (für k → ∞) gilt
h(k) := αk e1 = (αk , 0, . . . , 0)
f (x0 + h) − f (x0 ) − a · h
%(h) :=
khk
216
21.2. Differenzierbarkeit und Stetigkeit
Also
h→0
f (x0 + h) = f (x0 ) + a · h + khk · %(h) −−−→ f (x0 )
|{z} | {z }
→0 h→0
−−−→0
⇒ f stetig in x0
Definition 21.18. Sei f differenzierbar in x0 und a der (eindeutige) Vektor mit der Eigenschaft in der
Definition der Differenzierbarkeit (21.15).
Dann heißt
a =: f 0 (x0 ) (∈ Rn )
Ableitung von f in x0 .
Achtung:
(
xy
x2 +y 2 (x, y) 6= (0, 0)
f (x, y) :=
0 (x, y) = (0, 0)
ist partiell differenzierbar auf ganz R2 , aber nicht stetig in (0, 0), also nach 21.17 auch nicht differen-
zierbar in (0, 0).
Beispiel 21.19. f (x, y) = x · y
Satz 21.20. f sei auf D partiell differenzierbar und die partiellen Ableitungen fx1 , . . . , fxn : D → R
seien stetig in x0 ∈ D.
Dann ist f auch in x0 differenzierbar.
(ohne Beweis)
217
21. Differentialrechnung im Rn
Definition 21.23. Sei m ∈ N. f heißt m-mal stetig differenzierbar, wenn f ∈ C m (D, R).
Definition 21.24. Sei I ⊂ R ein Intervall und g : I → Rn eine Funktion, also g(t) = g1 (t), . . . , gn (t)
in t0 ∈ I differenzierbar in t0 differenzierbar
g heißt auf I differenzierbar :⇔ ∀j ∈ {1, . . . , n} gj auf I differenzierbar
auf I stetig differenzierbar auf I stetig differenzierbar
Beispiel 21.25.
⇒ g 0 (t) = (b1 − a1 , b2 − a2 , . . .) = b − a
Xn
fxj g(t0 ) · gj0 (t0 )
=
j=1
(Beweis selbst)
Definition 21.28.
218
21.2. Differenzierbarkeit und Stetigkeit
(1) Seien a, b ∈ Rn
S[a, b] := a + t(b − a) : t ∈ [0, 1]
∀a, b ∈ M S[a, b] ⊂ M
...........................................
...........
M konvex rb
........
....
....
.....
....
...
..
... .. ... ..
................. ......................... ..
....... ...
rb
..... ..
..... .... .. .
..... ... .. ..
.
...
. ..... . ..
... ........ .. .. .
..... ........
. .
..
.
.. ..
r . ... .. .
.
... ....... .. ... .
.... ....
. ... .. ...
......
a ..
..
... ....
.......... .
.............. .........................
...
...
..... ..
.....
....
ra .
.....
.. ......
....
x1 x
p p p p pppp s
p
x4 ppppppppppppppppppp pppppppppppppppppppppppppps5
s
p p p p p p
p
pppppp p pp p
p pp
p p p p pppp p p p p p p
p
x0spp ppppppp p p p pp p
p
pp pp pp
p
sp pppppppppppppppppppppppppppppppppppppppppp ppxppps
x2 3
Beweis: Setze g(t) := a + t(b − a) für t ∈ [0, 1]. Dann g ([0, 1]) = S[a, b] ⊂ D. Setze φ(t) :=
219
21. Differentialrechnung im Rn
....... ..................
...........
.....
......
Gebiet
as
....
... .... ..................... ...............
..........
..
...
.............
.............
... s ...
...
.....
....
...
.....
....
.....
.......
....... ..
...
.
sb
.............. ........ ... .. ...
....
a s
........ .. .. ... ..
.
.... ...
. ..
..
.
..... . ........
...
.......
... .. .....
s
...
..
... ... .. .....
..... ....
.
.......
...........................
... .. ......
....... ........
.
.. ...
..
..
...
b .
.
...
.
........
kein Gebiet
... ......
............
f (g(t)).
Beweis:
⇒ f (xj ) = f (xj−1 )
⇒ f konstant
⇒“ ist trivial.
”
(2) ⇒“: h := f − g ⇒ h0 = 0 auf G
”
⇒ h konstant ⇒ Behauptung.
(1)
⇐“ ist trivial.
”
220
21.3. Die Richtungsableitung
Definition 21.31. Sei a ∈ Rn , kak = 1, und sei x0 ∈ D. Da D offen ist, existiert ein δ > 0 mit
x0 + ta ∈ D für alle t ∈ R mit |t| < δ.
Setze g(t) := f (x0 + ta) für −δ < t < δ.
f heißt in x0 in Richtung a differenzierbar, wenn der Grenzwert
221
21. Differentialrechnung im Rn
√1 (1, 1) ∂f
D.h. f ist in (0, 0) in Richtung a = 2
differenzierbar und ∂a (0, 0) = 0.
(
xy
2 2 (x, y) 6= (0, 0)
(2) f (x, y) := x +y
0 (x, y) = (0, 0)
Beispiel 21.33.
xy 2
(
x2 +y 4 (x, y) 6= (0, 0)
f (x, y) :=
0 (x, y) = (0, 0)
Behauptung:
∂f
(1) ∂a (0, 0) existiert für jede Richtung a ∈ R2 , kak = 1
(2) f ist in (0, 0) nicht stetig, also insbesondere nicht differenzierbar.
Beweis:
(1) Sei a ∈ R2 , a = (a1 , a2 ), a21 + a22 = 1.
a2
(
f (0, 0) + ta − f (0, 0) f (ta) 1 (ta1 )(ta2 )2 a1 a22 → a12 a1 6= 0
= = · =
t t t (ta1 )2 + (ta2 )4 a1 + t2 a42
2
= 0 (→ 0) a1 = 0
a2
(
∂f → a12 a1 6= 0
⇒ ∂a (0, 0) existiert und ist = .
= 0 (→ 0) a1 = 0
Bemerkung 21.34.
f x0 + t(−a) − f (x0 ) f x0 + (−t)a − f (x0 ) t→0 ∂f ∂f
=− −−−→ − (x0 ), falls (x0 ) existiert.
t −t ∂a ∂a
In diesem Fall also
∂f ∂f
(x0 ) = − (x0 )
∂(−a) ∂a
∂f
(x0 ) = (grad f )(x0 ) · a
∂a
222
21.4. Der Satz von Taylor
(grad f )(x0 )
(2) Sei (grad f )(x0 ) 6= 0 und a0 := k(grad f )(x0 )k (⇒ ka0 k = 1).
Dann gilt:
∂f ∂f ∂f
∀ a∈Rn (x0 ) < (x0 ) < (x0 )
kak=1 ∂(−a) ∂a ∂a0
a6=a0
a6=−a0
√1 (1, 1) ∂f √1
Aber für a = 2
gilt ∂a (0, 0) = 2
6= grad f (0, 0) · a
Beweis:
(1) Sei a ∈ Rn , kak = 1. Dann existiert ein δ > 0 mit x0 + ta ∈ D für |t| < δ. Setze g(t) := f (x0 + ta)
für |t| < δ.
Dann gilt nach der Kettenregel :
g differenzierbar in 0, und g 0 (0) = f 0 (x0 ) · a = grad f (x0 ) · a.
Also nach Definition der Richtungsableitung:
∂f
∂a (x0 ) existiert und = g 0 (0) = grad f (x0 ) · a.
(2) Sei a ∈ Rn , kak = 1, a 6= ±a0 . Dann
∂f
(x0 ) = grad f (x0 ) · a ≤ grad f (x0 ) · kak
∂a (1) (*) |{z}
=1
(*) Da grad f (x0 ) und a linear unabhänig sind (⇐ a 6= ±a0 ), gilt strenge Ungleichung.
∂f grad f (x0 ) ∂f
⇒ (x0 ) < grad f (x0 ) = grad f (x0 ) · = grad f (x0 ) · a0 = (x0 )
∂a k grad f (x0 )k (1) ∂a0
∂ ∂ ∂
h · ∇ := h1 + h2 + · · · + hn
∂x1 ∂x2 ∂xn
223
21. Differentialrechnung im Rn
∂f ∂f
(h · ∇) f (x0 ) := h1 (x0 ) + · · · + hn (x0 )
∂x1 ∂xn
2 ∂ ∂ ∂ ∂
(h · ∇) := h1 + · · · + hn · h1 + · · · + hn
∂x1 ∂xn ∂x1 ∂xn
n
2
X ∂2f
(h · ∇) f (x0 ) := hi hj (x0 )
i,j=1
∂xi ∂xj
3 ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂
(h · ∇) := h1 + · · · + hn · h1 + · · · + hn · h1 + · · · + hn
∂x1 ∂xn ∂x1 ∂xn ∂x1 ∂xn
n
3
X ∂3f
(h · ∇) f (x0 ) := hi hj hk (x0 )
∂xi ∂xj ∂xk
i,j,k=1
Entsprechend allgemein:
k
(h · ∇) für k ∈ {1, . . . , p + 1}
n
k
X ∂kf
(h · ∇) f (x0 ) := hi1 · hi2 · · · hik (x0 )
i1 ,...,ik =1
∂xi1 ∂xi2 · · · ∂xik
Satz 21.36 (Satz von Taylor). Sei f ∈ C p+1 (D, R), x0 ∈ D und h ∈ Rn so, dass S [x0 , x0 + h] ∈ D.
Dann existiert ein ξ ∈ S [x0 , x0 + h] mit
1 1 2
f (x0 + h) = f (x0 ) + (h · ∇) f (x0 ) + (h · ∇) f (x0 )
1! 2!
1 p 1
p+1
+ ··· + (h · ∇) f (x0 ) + (h · ∇) f (ξ)
p! (p + 1)!
| {z }
=:R(x0 ,h)
Definition 21.37.
(1) Sei
a11 ··· a1n
.. .. ..
A := . . .
an1 ··· ann
224
21.4. Der Satz von Taylor
eine relle n × n-Matrix. Die Abbildung x 7→ (Ax) · x heißt die zu A gehörende quadratische Form.
Ist x = (x1 , . . . , xn ), dann gilt für die quadratische Form von x:
n
X
x 7→ (Ax) · x = aij xi xj
i,j=1
Da nach dem Satz von Schwarz (21.12) und f ∈ C 2 (D, R) gilt fxj xk = fxk xj , ist Hf (x) eine symme-
trische n × n–Matrix.
Für h ∈ Rn und x0 ∈ D gilt also
n
2
X
(h · ∇) f (x0 ) = hi hj · fxi xj (x0 ) = ((Hf (x0 )) h) · h
i,j=1
| {z }
(Hf (x0 ))ij
Achtung: Es gibt Matrizen, die weder positiv/negativ definit noch indefinit sind, z.B. die Nullma-
trix.
Dann gilt:
h i
A positiv definit ⇔ det A > 0 und a11 > 0
h i
A negativ definit ⇔ det A > 0 und a11 < 0
225
21. Differentialrechnung im Rn
Maximum
Definition 21.40. f : D → R hat in x0 ∈ D ein lokales
Minimum
f (x) ≤ f (x0 )
:⇔ ∃δ > 0 ∀x ∈ Uδ (x0 )
f (x) ≥ f (x0 )
f hat in x0 ein lokales Extremum :⇔ f hat in x0 ein lokales Maximum oder ein lokales Minimum.
Satz 21.41. f : D → R sei in x0 ∈ D partiell differenzierbar und habe in x0 ein lokales Extremum.
Dann gilt:
grad f (x0 ) = 0
Beweis: f habe in x0 ein lokales Maximum, also existiert ein δ > 0 mit Uδ (x0 ) ⊂ D
und
∀x ∈ Uδ (x0 ) f (x) ≤ f (x0 )
Somit: x0 + te1 ∈ Uδ (x0 ) für alle t ∈ R, |t| < δ, also
∀|t| < δ f (x0 + te1 ) ≤ f (x0 )
D.h.
g : (−δ, δ) → R, t 7→ g(t) := f (x0 + te1 )
hat in t = 0 ein lokales Maximum.
f (x0 + te1 ) − f (x0 ) ∂f
⇒ 0 = g 0 (0) = lim = (x0 )
9.15 t→0 t ∂x1
∂f
Analog: ∂xj (x0 ) = 0 ∀j ∈ {2, . . . n}, analog lokales Minimum.
∂f
Bemerkung 21.42. Ist a ∈ Rn , kak = 1, und existiert ∂a (x0 ), so folgt aus den Voraussetzungen des
Satzes 21.41 auch ∂f
∂a (x0 ) = 0.
positiv definit
∃δ > 0 Uδ (x0 ) ⊂ D und ∀ξ ∈ Uδ (x0 ) Hf (ξ) ist
negativ definit
∃x, y ∈ Rn , δ > 0 ∀ξ ∈ Uδ (x0 ) ((Hf (ξ)) x) · x > 0 und ((Hf (ξ)) y) · y < 0
226
21.4. Der Satz von Taylor
Beweis:
mit
Z1
1 h
2
i
R(a, h) = (1 − s) (h · ∇) f (x0 + sh) ds > 0
2 | {z }
0 ∈Uδ (x0 )
| {z }
>0
(2) analog.
(3) hier weggelassen. (Idee: Wähle h als Eigenvektor, je einen größer und kleiner 0.)
227
21. Differentialrechnung im Rn
.......................
....... .........................................
...... ........ ...... ......
..... ...... ..... .....
.... .......
..
..
.... ...
U (x ) δ 0 ....... ............
. ..
... ...
...
..
..
.
.
.. ...
.....
...
x . ...
...
0
...
...
..
....
.
....
...
..
..
.
..
..
..
...
...
..
...
...
...
...
.....
......
........
x . ...
...
.
.
.....
.
.
..
.
.
..... ........
.............................................
..
.
......
..
........
...
..
.
..........
D ..
... ................
...........
.. ....... .
x2
⇔ y= und x = 2y 2
4
2 2
x2 x x4
⇔ y= und x = 2 =
4 4 8
| {z }
x=0 oder x=2
228
22. Differentialrechnung für vektorwertige
Funktionen
22.1. Allgemeines
Stets in diesem Abschnitt D ⊂ Rn offen, f : (f1 , . . . , fm ) : D → Rm vektorwertige Funkti-
on.
Definition 22.1.
(1) f heißt auf D p-mal stetig differenzierbar (notiert als f ∈ C p (D, Rm )), wenn
∀j ∈ {1, . . . , m} fj : D → R
Setze dann:
∂f ∂(f1 , . . . , fm )
Jf (x0 ) := (x0 ) := (x0 )
∂x ∂(x1 , . . . , xn )
(grad f1 )(x0 )
:=
..
.
(grad fm )(x0 )
∂f1 ∂f1
∂x1 (x0 ) ··· ∂xn (x0 )
=
.
. .. ..
. . .
∂fm ∂fm
∂x1 (x0 ) · · · ∂xn (x0 )
229
22. Differentialrechnung für vektorwertige Funktionen
Bemerkung 22.3.
A = Jf (x0 )
Definition 22.5. Ist f differenzierbar in x0 , so heißt die Matrix A in (22-i) (eindeutig!) die (erste)
Ableitung von f in x0 und wird mit f 0 (x0 ) bezeichnet. Es gilt dann nach dem Satz
0 ∂f
f (x0 ) = Jf (x0 ) = (x0 )
∂x
Beweis:
(2)
⇒“ Sei A eine m × n–Matrix, für die (22-i) gilt. A = (ajk ), %(h) := f (x0 + h) − f (x0 ) − Ah für
”
h ∈ Rn .
%(h) h→0
−−−→ 0
khk
230
22.1. Allgemeines
∂fj
Korollar 22.6. Existieren alle partiellen Ableitungen ∂xk auf D und sind stetig, so ist f auf D diffe-
renzierbar.
Alle partiellen Ableitungen sind stetig auf R2 ⇒ f ist differenzierbar auf R2 , und
2x 2y
∂f
f 0 (x, y) = = Jf (x, y) = ex+y ex+y
∂(x, y)
y x
231
22. Differentialrechnung für vektorwertige Funktionen
Beweis:
B := g 0 (y0 ) = g 0 f (x0 )
(p × m-Matrix)
A := f 0 (x0 ) (m × n-Matrix)
h := g ◦ f : D → Rp
kf (x)−f (x0 )k
Bleibt zu zeigen: kx−x0 k beschränkt für x in einer δ-Umgebung von x0 .
232
22.2. Implizit definierte Funktionen
∂ ∂g ∂f1 ∂g ∂f2
g ◦ f (x0 ) = f (x0 ) (x0 ) + f (x0 ) · (x0 )
∂x1 ∂y1 ∂x1 ∂y2 ∂x1
∂g ∂fm
+ ··· + f (x0 ) · (x0 )
∂ym ∂x1
..
.
∂ ∂g ∂f1 ∂g ∂f2
g ◦ f (x0 ) = f (x0 ) (x0 ) + f (x0 ) · (x0 )
∂xn ∂y1 ∂xn ∂y2 ∂xn
∂g ∂fm
+ ··· + f (x0 ) · (x0 )
∂ym ∂xn
– eindeutig auflösen
f (x, y) = 0 ⇔ y = − 23 x2
(2) f (x, y) = x2 + y 2 + 1
(3) f (x, y) = x2 − y 2 + 1
p
f (x, y) = 0 ⇔ y 2 = x2 + 1 ⇔ y = ± x2 + 1
auflösbar nach y, nicht eindeutig, wohl aber lokal“ eindeutig. (vgl. Abb. 22.2)
”
(4) f (x, y) = x2 − y 2
f (x, y) = 0 ⇔ y = ±x
233
22. Differentialrechnung für vektorwertige Funktionen
√
Abbildung 22.2.: f (x, y) = x2 − y 2 + 1, y = ± x2 + 1
234
22.2. Implizit definierte Funktionen
Frage: Kann die Gleichung f (x, y) = 0 (mit (x, y) ∈ D, wobei x ∈ Rn , y ∈ Rp ) nach y aufgelöst
werden?
Also
∂f ∂f1
∂f1 ∂f1 1
···
∂x1 ··· ∂xn ∂y1 ∂yp
∂f . .. .. ∂f . .. ..
..
:= . . , ..
:= . .
∂x ∂f ∂fp
∂y ∂f ∂fp
p
∂x1 ··· ∂xn ∂y1
p
··· ∂yp
Frage: Gibt es eine Umgebung U ⊂ Rn von x0 und eine Umgebung V ⊂ Rp von y0 und eine Funktion
g : U → V mit g(x0 ) = y0 und f (x, g(x)) = 0 für alle x ∈ U ?
(Man sagt dann: Durch die Gleichung f (x, y) = 0 ist implizit die Funktion y = g(x) defi-
niert)
Satz 22.10 (Satz über implizit definierte Funktionen). D ⊂ Rn+p offen, f : D → Rp stetig differenzier-
bar auf D. Es sei (x0 , y0 ) ∈ D mit f (x0 , y0 ) = 0. Es gelte:
∂f
(x0 , y0 ) sei invertierbar
∂y
Dann gibt es eine offene Umgebung U ⊂ Rn von x0 , eine offene Umgebung V ⊂ Rp von y0 mit U ×V ⊂ D
und genau eine Funktion g : U → V mit folgenden Eigenschaften:
(1) g(x0 ) = y0 , ∀x ∈ U f (x, g(x)) = 0
(2) ∀x∈U f (x, y) = 0 ⇒ y = g(x)
y∈V
(ohne Beweis)
Dabei (Nachtrag):
235
22. Differentialrechnung für vektorwertige Funktionen
.....
Rp ....
...........
..............
..................................................................................
...........
.........
............ ........
.......
... ............... ............................ .......
...........
... .....
.
..........
.. .... ..............
........
.......
......
......
..... D
..... ........
.....
. .. ..
.
.....
....
.
.. ...
. . ... ...
....
.
.
..
.
.
....
..
y = g(x) ............ . .
... ....
. .. ...
...
.... . ..
...
...
..
..
..
... ...
......
s
. ...
... ... .
.
..... ........ ..... ..... ..... ........ ..... ..... ..... ..... ..... ..... ..... ........... ...
V y0 ...
... .
..
.
.
...
... .... ...
..
... .
. .
... .. ..
.
. ...... .
.
...
... ..... .......... .
. ..
.
... ...
..... ...
..... .. .... .... ...
...
..... .... ... ....
..... . ... ... .....
........ ... .
........
....... ..
... ............................... ......
....... .... ......
........ .......
...................................
.... .. ........
......... ........
...........
................ .......... ............................
.
................................................................ . . ..
. .
. ......
.... ......
......
......
... {(x, y) : f (x, y) = 0}
.... ...........
..
n
x0 R
..... ....
.... ....
Definition 22.11. U ⊂ Rn heißt Umgebung von x0 ∈ Rn , wenn x0 innerer Punkt von U ist.
⇔ ∃δ > 0 Uδ (x0 ) ⊂ U
Beispiel 22.12.
(1) D = R2 = R1+1 (d.h. n = p = 1), f (x, y) := x2 − y 2 + 1
∂f ∂f
Dann: ∂x (x, y) = 2x, ∂y (x, y) = −2y. (vgl. Abb. 22.2)
∂f ∂f
(x0 , y0 ) := (0, 1); dann ∂y (x0 , y0 ) = −2 6= 0, d.h. die 1 × 1–Matrix ∂y (x0 , y0 ) ist invertierbar.
22.10 ⇒ Es existieren Umgebungen U von x0 = 0 und V von y0 = 1 und g : U → V mit
f x, g(x) = 0 für alle x ∈ U
(In diesem Beispiel sehen wir, dass etwa U := R, V := (0, ∞) gewählt werden kann; der Satz gibt
dies nicht her.)
Nach (3) gilt ferner:
−1 ∂f
0 ∂f x
g (x) = − x, g(x) · x, g(x) =
∂y ∂x
| {z } g(x)
| {z }
=−2g(x) =2x
2x x
⇒ g 0 (x) = √ = wie vom Satz behauptet
2
2 x +1 g(x)
236
22.2. Implizit definierte Funktionen
∂f ∂f
(x, y) = y 2 − yexy , (x, y) = 1 + 2xy − xexy
∂x ∂y
∂f
⇒ (x0 , y0 ) = 1 6= 0
∂y
22.10 ⇒ Es gibt Umgebungen U von x0 = 0 und V von y0 = 1 und genau ein g : U → V mit
∀x ∈ U f x, g(x) = 0 und g(0) = 1
und . . .
Also:
Ferner
−1
0 ∂f ∂f
∀x ∈ U g (x) = − x, g(x) · x, g(x)
∂y ∂x
g(x)exg(x) − g(x)2
=
1 + 2xg(x) − xexg(x)
⇒ Insbesondere g 0 (0) = 1
∂F
(x0 , y0 ) = −f 0 (x0 ) invertierbar
∂x
Nach 22.10: Es gibt Umgebungen V von y0 und U 0 von x0 und genau ein g : V → U0
mit
∀y ∈ V F y, g(y) = 0 sowie g(y0 ) = x0 und . . .
−1
⇒ ∀y ∈ V f g(y) = y ⇒ g= f U0
237
22. Differentialrechnung für vektorwertige Funktionen
:⇔ ∀x ∈ D ∃U ⊂ D Umgebung von x : f U
injektiv
Beispiel 22.15.
(1) D := R2 , f (x, y) := (x cos y, x sin y)
cos y −x sin y
⇒ f 0 (x, y) =
sin y x cos y
⇒ det f 0 (x, y) = x
Etwa für (x0 , y0 ) := 1, π2 gilt det f 0 (x0 , y0 ) = 1 6= 0 ⇒ f 0 (x0 , y0 ) invertierbar.
Insbesondere:
−1 0 h −1 i−1
f U f 1, π2 = f 0 f U
f 1, π2
| {z }
=(0,1)
−1
0 −1 0 1
= =
1 0 −1 0
238
22.3. Extremwertprobleme mit Nebenbedingungen
Beweis selbst.
Definition 22.18.
Sei D ⊂ Rn offen, p ∈ N, p < n. f ∈ C 1 (D, R), h ∈ C 1 (D, Rp ), T := {x ∈ D : h(x) = 0}
Maximum
Wir sagen, dass f in x0 ∈ D ein lokales unter der Nebenbedingung h = 0 hat, wenn x0 ∈ T
Minimum
und
f (x) ≤ f (x0 )
∃δ > 0 ∀x ∈ Uδ (x0 ) ∩ T
f (x) ≥ f (x0 )
rg h0 (x0 ) = p,
| {z }
p×n
(ohne Beweis)
In obiger Gleichung haben wir n (skalare) Gleichungen; dazu: p (skalare) Gleichun-
gen
h1 (x0 ) = h2 (x0 ) = · · · = hp (x0 ) = 0
⇒ n+p Gleichungen für n+p Unbekannte x0 = (x01 , . . . , x0n ) und λ1 , . . . , λp .
239
22. Differentialrechnung für vektorwertige Funktionen
f (x, y, z) := x + y + z
Nebenbedingung:
2
x + y2 − 2
h(x, y, z) :=
x+z−1
a Maximum
d.h.: f hat in ein (lokales) unter der Nebenbedingung h = 0.
b Minimum
2x 2y 0
h0 (x, y, z) =
1 0 1
(4) x2 + y 2 = 2
(5) x + z = 1.
(1),(3) ⇒ 2λ1 x = 0 ⇒ x = 0 ⇒ z = 1 .
√
1
⇒ y=± 2 λ1 = ± 2√ 2
240
23. Integration im Rn
....
.....
I
b2
Z := Z1 × Z2 × · · · × Zn
I1 ∪ I2 ∪ · · · ∪ Im = I
m
P
und |I| = |Ik |.
k=1
241
23. Integration im Rn
Definition 23.1. Sei I wie oben und f : I → R beschränkt. Z sei eine Zerlegung von I und I1 , . . . , Im
seien die zu Z gehörenden Teilintervalle von I.
Setze ∀k ∈ {1, . . . , m} mk := inf f (Ik ), Mk := sup f (Ik ) (existieren, da f beschränkt)
Definiere
m
X
sf (Z) := mk · |Ik | Untersumme
k=1
Xm
Sf (Z) := Mk · |Ik | Obersumme
k=1
Satz 23.2. I, f wie oben. Z und Z̃ seien Zerlegungen von I. Dann gilt
(1) Falls Z̃ Verfeinerung von Z, dann
.....
.... ... ...
.................. ....................................
.......... .............. . ..... ..... ..... ..... ..... .....................
.......
........ .............. ......... ....... .
.... ........ ......... ............. ..... .. ....................................... ........... ...
.......
. .
...............
. ... ............ .
.. . ... ... ... .
. .
.. . .
... ... ............................. .... ..
... ... ..
......
...
..
....... ... ..... ..... ..... ..... ...................... ......
..
. ......... .
..... . . ........... ..... .. ..... .... .... .... ...
...
..... ......................... ....................... .........
.
...
. .... ...... .....
. .............. ... ..
..... ........................................... .... ....... .
..... ... ... .... ..
........ ........... .. .... ..
....
...
. . .. . ..... .. .. .............
. .....
.
. . .
....... ...... ........ ..... ..... ..... .............. .
.
..... . .. ... . ....... ... .....
....... ... .. .. ... ...... .. . . ... .... .
..... . ....
. ... .. .. .. ... ... ........ ....... ... ... .
.... ... .. ... ... .... .. . . ...... .......................................... . ..
.. .. .
. .. .. .. . .
.
.. ............. ..... ..... ..... ..... ..... ..... .....
..........
.. ..... . ... .. .. ... .. ..
..... . .. . . .
..
. .
........ ... ... ... ... ... .... ..
.
... .........
.. . .... . .. . . ....
..... . . .. ... .....
..... ..... .. . .....
............ ..... .. ..... .. . ..... .....
.. . ......... . ......... . .......... ...
......
..... .... ......
.. ........ .. .
.....
..... ... ......... .. .....
..... .. . .....
..... ... ........ ...........
..
......
. ..
... .
..
....
..........
........
sf := sup {sf (Z) : Z Zerlegung von I} ≤ Sf (Z̃) für jede Zerlegung Z̃ von I
n o
⇒ sf ≤ Sf := inf Sf (Z̃) : Z̃ Zerlegung von I
sf unteres
heißt (Riemann–) Integral von f über I.
Sf oberes
−
Z Z
sf =: f (x) dx, Sf =: f (x) dx
−
I I
242
23.1. Das Riemann-Integral
−
Z Z
f (x) dx = f (x) dx
−
I I
−
Z Z
A · |I| ≤ f (x) dx ≤ f (x) dx ≤ B · |I|.
−
I I
(2) Ist Z eine Zerlegung von I und sind I1 , . . . , Im die zu Z gehörigen Teilintervalle von I, so gilt
Z m Z
X
f (x) dx = f (x) dx
− −
j=1 I
I j
m Z
− −
Z X
f (x) dx = f (x) dx
I j=1 I
j
Definition 23.5.
243
23. Integration im Rn
(3)
Z
f (x) ≤ sup{f (x) : x ∈ I} · |I|
I
(4) Ist I = I1 ∪ I2 , wobei I1 , I2 kompakte Intervalle mit |I1 ∩ I2 | = 0 (I1 ∩ I2 ist kompaktes Intervall),
so gilt f I ∈ R(I1 ), f I ∈ R(I2 ), und
1 2
Z Z Z Z Z
= f (x) dx = f I1
(x) dx + f I2
(x) dx = f (x) dx + f (x) dx
I I1 I2 I1 I2
(ohne Beweis)
Satz 23.7.
(1) C(I, R) ⊂ R(I)
(2) Sind f, g ∈ R(I), so gilt f · g ∈ R(I), |f | ∈ R(I), und
Z Z
f (x) dx ≤ |f (x)| dx
I I
f
∈ R(I)
g
(ohne Beweis)
Satz 23.8 (Satz von Fubini). Seien p, q ∈ N, p + q = n, also Rn = Rp × Rq . Sei I1 ein kompaktes
Intervall in Rp , I2 ein kompaktes Intervall in Rq , also ist I := I1 × I2 ein kompaktes Intervall im Rn .
Sei f ∈ R(I). Für Punkte in I schreiben wir (x, y) mit x ∈ I1 , y ∈ I2 .
R
y ∈ I2 f (x, y) dx =: g(y)
Für jedes existiere RI1
x ∈ I1 I2
f (x, y) dy =: h(x)
244
23.1. Das Riemann-Integral
Behauptung:
g ∈ R(I2 )
, und
h ∈ R(I1 )
R R R
Z
I2
g(y) dy =
I2 I1
f (x, y) dx dy
f (x, y) d(x, y) = R R R
I1
h(x) dx = I1 I2
f (x, y) dy dx
I
=ci
l
X l Z
X Z
=⇒ sf (Z) = ci |Ki | ≤ g(y) dy = g(y) dy
Summe
i=1 i=1 K
− 23.4 −
über I I2
i
Z Z
=⇒ f (x, y) d(x, y) ≤ g(y) dy (23-i)
f ∈R(I) −
I I2
245
23. Integration im Rn
−
Z Z
f (x, y) d(x, y) ≥ g(y) dy (23-ii)
I I2
Z Z
(23-i), (23-ii) ⇒ g ∈ R(I2 ), f (x, y) d(x, y) = g(y) dy
I I2
Zb1 Zb2
b
Z Zn
f (x1 , . . . , xn ) dx = · · · f (x1 , . . . , xn ) dxn · · · dx2 dx1
I a1 a2 an
Beispiel 23.10.
(1) I := 0, π2 × 0, π2
π
π
Z Z2 Z2
sin(x + y) d(x, y) = sin(x + y) dy dx
23.9
I 0 0
| {z }
y= π2
= − cos(x + y) y=0
π
= cos x − cos x +
2
= cos x + sin x
π
Z2
π
= (cos x + sin x) dx = sin x − cos x 02 = 1 − (−1) = 2
0
Z2
2 1
x2 z 3 x 2 3
z
Z Z Z
d(x, y, z) = dy dx dz
1 + y2 1 + y2
I 1 0 0
2
2
Z2 Z2
π
Z Z
2 3 y=1
= x z arctan y y=0 dx dz = x2 z 3 dx dz
4
1 0 1 0
Z2 x=2 Z2
π x3 3 2π 3
= · ·z dz = z dz
4 3 x=0 3
1 1
4 z=2
2π z 2π 15 5π
= · = · =
3 4 z=1 3 4 2
246
23.2. Integration über allgemeineren Mengen
(3) Seien [a, b], [c, d] ⊂ R, I := [a, b] × [b, c], f ∈ C[a, b], g ∈ C[c, d], ϕ(x, y) := f (x)g(y) ((x, y) ∈ I).
Zb Zd Zb Zd
b d
Z Z Z
ϕ(x, y) d(x, y) = f (x)g(y) dy dx = f (x) g(y) dy dx = f (x) dx g(y) dy
I a c a c a c
Lt. Saalübung: Diese Definition ist unabhängig von der Wahl von I ⊃ B.
.....
....
.............................
I
... ..... ................................
.... .... ... .
... ... ... ..
..
..
.....
...... B ..
..
... .....
...
.
B ....
..
..
.... ..
... .. ... ..
.... ..... .... ..
..
......... ......
.................
...........................................................................................................................................................................
Zur Analyse der Mengen B, für welche obige Überlegungen sinnvoll sind:
Sei B ⊂ Rn , B 6= ∅, B beschränkt.
Frage: Kann man B einen Inhalt zuordnen?
Wähle dazu ein kompaktes Intervall I ⊃ B. Z sei eine Zerlegung von I; die entsprechenden Teilintervalle
seien I1 , . . . , Im . (vgl. Abb. 23.4)
m
P
|Ik | innere“ Approximation an den Inhalt“ von B.
k=1 ” ”
Ik ⊂B
247
23. Integration im Rn
.....
....
..... ..... ..... ..... ..... ........ ..... ..... ....... ..... ..... ...... ..... ..... ....... ..... ..... ....... ..... ....... ..... ..... .....
. . . . . .
... ... ... ...
. ... ...
... ... .
.
.
... .... ...
..... ..... ..... ..... ..... ....... ..... ..... ....... ..... ..... ....... ..... ..... ....... ..... ..... ....... ..... ....... ..... ..... .....
... ... .. ... .. ...
p p pp p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p
... ... .. ... ... ...
p p pp p
. . . . . .
..... ..... ..... ..... ..... ....... .....
..
pp p
... ....
..... ...... ........................................ ................. p p p ppp ..
..... ..... .......
..
..... ....... .....
..
p p pp
..... .....
... ................ .... ..... .... .... .......... .. ...
.
... ppp ...................................... ...........
. .
........................................................................
.
ppp
.
...
.
...
.
. ppp . . . . . . . .
........ ..... ..... ...... .......... .... ......
..... ......... ................................................................... pp ..... ..... ........
.
.
.
.
..... ..... ..... ..... ..... ....... .....
pp pp ...............................
pp
..... ....... ..... ..... .....
...
. p p p pp ..
. ...... ..... .... .... ..
p
...
.
...
.
...
pp p.. .....................................
pp
... ...
ppp p pp
. .
. .... .... ..... ..... .
ppp ppp
..... ..... ..... ..... ..... ........ ..... ..... ........ ..... ..... ................................................... ..... ..... ........ ..... ........ .....
ppp
..... .....
... ...
ppp p
... ..... ..... .... ...
......................................
... ...
pp
. . .
pp p
... ... . .... ..... .... .... . ... ...
. ppp
..... ........ ..... ..... ........ .................... .......
..................................
p
. .
..... ..... ..... ..... ..... ........ .....
ppp p p ..... ..... ....... ..... ........ ..... ..... .....
ppp pp pp pppp
. . . .
... ..
. .... ..
.
...
.
...
. .
..... ..... ..... ..... ..... ...... .....
...
.
..
... pp p p p pp p
..... ...... ..... ..... ....... ..... ..... ......
..
... ...
..
..... ..... .......
..
.
..... ...... .....
...
.
..
..... .....
. .
... ... . ... ...
. . ... . ... .
... ... .. ... ... ...
. . . . . . ...........
... ... .... ... ... ... ..
. . . . .
... ... .
. ... .. ...
. . . . . .
... ... ... ... ...
... .
m
P
|Ik | äußere“ Approximation an den Inhalt“ von B.
k=1 ” ”
Ik ∩B6=∅
Die innere“ und äußere“ Approximationen lassen sich deuten als Unter– bzw. Obersumme der cha-
” ”
rakteristischen Funktion cB von B, denn:
(
0, falls Ik 6⊂ B
inf cB (Ik ) =
1, falls Ik ⊂ B
(
0, falls Ik ∩ B = ∅
sup cB (Ik ) =
1, falls Ik ∩ B 6= ∅
X X
⇒ scB (Z) = |Ik |, ScB = |Ik |
k k
Ik ⊂B Ik ∩B6=∅
Definition 23.12.
Z
ν(B) := sup {scB (Z) : Z Zerlegung von I} = cB (x) dx innerer Inhalt von B
−
I
−
Z
ν(B) := inf {ScB (Z) : Z Zerlegung von I} = cB (x) dx äußerer Inhalt von B
I
Bemerkung 23.13. Ist B = I ein kompaktes Invervall, so stimmt die neue Inhaltsdefinition mit der
alten überein.
248
23.2. Integration über allgemeineren Mengen
Definition 23.15.
Z
|∅| := 0, f (x) dx := 0 für jedes f
∅
Beispiel 23.16.
(1) Ist I ein kompaktes Intervall, dann ist I messbar und der oben definierte Inhalt stimmt mit dem
früher definierten überein.
(2) (n = 1):
B := [0, 1] ∩ Q, I = [0, 1]
(
1, falls x ∈ [0, 1] ∩ Q
cB (x) =
0, sonst
Definition 23.17. B ⊂ Rn sei beschränkt. B heißt Nullmenge, wenn B messbar ist und |B| = 0.
Beispiel 23.19.
(2) ∂Rn = ∅, ∂∅ = ∅
249
23. Integration im Rn
Anwendung:
2
Z1
Z Z Z
ex+y d(x, y) = ex dx · ey dy = ex dx = (e − 1)2
[0,1]×[0,1] [0,1] [0,1] 0
|A ∪ B| = |A| + |B| − |A ∩ B|
(iii) |f |, f · g ∈ R(B),
Z Z
f (x) dx ≤ |f (x)| dx
B B
f
(iv) Falls α > 0 existiert mit ∀x ∈ B |g(x)| ≥ α, dann ist g ∈ R(B).
(v) Ist N ⊂ B eine Nullmenge und gilt f (x) = g(x) für alle x ∈ B \ N , so gilt
Z Z
f (x) dx = g(x) dx
B B
250
23.2. Integration über allgemeineren Mengen
251
23. Integration im Rn
(ohne Beweis)
.....
pp .....
pppp.p............ p p p p p p p pp ppp p p p p p p
.... ....
p
p p pp p p p p p p Nullmengen ppppppppppp p p p pppppppppppppp p p pppppppppppppppp
p ppp p p p pppppp
...........
.. .................
pp p p p p p p p
....................................... .
p p p p p p p p ..
.
..
.
pp p p p ... ...
.... ....
... ...
. . ... ...........
..... ... . ..
..
...... . ........................................ .
..
....
. . .......
. ...... ..
.
....
. .
... ....
........... .. . .
.. ..... ...
B ..
..... ... ..
..... ...
B ...
.
.....
......
.
.....
........
..................................
.....
..
........
p p pp p p p p p p
. .
.... ....
.... .... g p
p p pp p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p pp p p p ppppp p p p p pp p p p p p p p p p p p p p pp p p p p p p p p p
f p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p pp p p p p p p p
p pp p p p p p p p p p ppp p pp p p p p p p p p p pp
p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p pp p
f
........... ...........
.. ..
B B
Abbildung 23.6.: Fläche zwischen Graphen bzw. zwischen Graph und Achse
Z Zr p Zr p
⇒ |K| = 2 2
(g − f )(x) dx = 2 r − x dx = 4 · r2 − x2 dx
23.20
B −r 0
.....
.... √
pp pppppppppppppppppppppppppppp ppp g(x) = r 2 − x2
pp p p p
......................
............ .......
.......
p pp p
ppp p p
......
..... .....
.....
.... pp p ...
...
pp....
..
. ppp ...
...
p
...
...
pp ........ ...
...
..
... ..... ..
... ...
... ..
.
... ..
.
... ..
... ... √
..... ....
..... .....
......
......... ...
.......... f (x) = − r2 − x2
........................
252
23.2. Integration über allgemeineren Mengen
Satz 23.22 (Prinzip von Cavalieri). Sei B ⊂ Rn+1 messbar. Für die Punkte in B schreiben wir (x, z)
(mit x ∈ Rn , z ∈ R). Es seien a, b ∈ R so gewählt, dass
∀(x, z) ∈ B a≤z≤b
Q(z) := {x ∈ Rn : (x, z) ∈ B}
Zb
|B| = q(z) dz
a
Zb
Z Z Z
cB (x, z) d(x, z) = cB (x, z) dx dz = q(z) dz
J×I I J a
| {z }
=|B|
Beispiel 23.23.
(1) Sei K := {(x, y, z) ∈ R3 , x2 + y 2 + z 2 ≤ r2 }, r > 0 fest. (Kugel um (0, 0, 0) mit Radius r).
√
Kreis um 0 mit Radius r2 − z 2 . (vgl. Abb. 23.8)
Zr
2 4
⇒ |K| = π(r2 − z 2 ) dz = 2πr3 − πr3 = πr3
23.22 3 3
−r
253
23. Integration im Rn
254
23.2. Integration über allgemeineren Mengen
Zb
⇒ |B| = π f (x)2 dx
a
x–Achse
Definition 23.24. B ⊂ R2 heißt Normalbereich bzgl. der , wenn stetige Funktionen
y–Achse
[a, b] → R
f, g :
[c, d] → R
mit
x ∈ [a, b] f (x) ≤ g(x)
∀ :
y ∈ [c, d] f (y) ≤ g(y)
255
23. Integration im Rn
und
B = (x, y) ∈ R2 : x ∈ [a, b], f (x) ≤ y ≤ g(x)
existieren (vgl. Abb. 23.11)
B = (x, y) ∈ R2 : y ∈ [c, d], f (y) ≤ x ≤ g(y)
Ist B ein Normalbereich (bzgl. x– oder y–Achse), so ist B kompakt und messbar (!); jetzt speziell:
Normalbereich bzgl. x–Achse.
⇒ B ⊂ I := [a, b] × [m, M ]
ZM ZM g(x)
Z
hB (x, y) dy und hB (x, y) dy = h(x, y) dy
m m f (x)
Nach Fubini:
Z Z Zb g(x)
Z
h(x, y) d(x, y) = hB (x, y) d(x, y) = h(x, y) dy dx
B I a f (x)
Z Zb g(x)
Z
⇒ h(x, y) d(x, y) = h(x, y) dy dx
B a f (x)
256
23.2. Integration über allgemeineren Mengen
√
Beispiel 23.25. B := (x, y) ∈ R2 : x ∈ [0, 1], x ≤ y ≤ 2 − x
Z1 2−x Z1 y=2−x
1 2
Z Z
(x + y) d(x, y) = (x + y) dy dx = xy + y dx
2 √
√ y= x
B 0 x 0
Z1
√
1 2 1 71
= x(2 − x) + (2 − x) − x x − x dx = · · · =
2 2 60
0
Sei A ⊂ R2 kompakt und messbar, f, g : A → R stetig und f (x, y) ≤ g(x, y) für alle (x, y) ∈
A.
Beispiel 23.26.
B = {(x, y, z) ∈ R3 : x, y, z ≥ 0, x + y + z ≤ 1}
A = {(x, y) ∈ R2 : x, y ≥ 0, x + y ≤ 1}
f ≡ 0, g(x, y) := 1 − x − y
257
23. Integration im Rn
(1)
1−x−y
Z Z Z
2xyz d(x, y, z) = 2xyz dz d(x, y)
B A 0
Z Z
z=1−x−y
xyz 2 z=0 xy(1 − x − y)2 d(x, y)
= d(x, y) =
A A
Z1
1−x
Z
= xy(1 − x − y)2 dy dx = · · ·
0 0
(2)
1−x−y
Z Z Z
(x − y + 2z) d(x, y, z) = (x − y + 2z) dz d(x, y)
B A 0
Z h iz=1−x−y
= xz + yz + z 2 d(x, y)
z=0
A
Z
x(1 − x − y) + y(1 − x − y) + (1 − x − y)2 d(x, y)
=
A
Z1
1−x
Z Z
= (1 − x − y) d(x, y) = 1 − x − y dy dx
A 0 0
Z1 h iy=1−x Z1
1 2
= y − xy − 2 y dx = 1
2 − x + 12 x2 dx
y=0
0 0
h i1
1 1 2 1 3 1 1 1 1
= 2x − 2x + 6x = 2 − 2 + 6 = 6
0
Satz 23.27 (Substitutionsregel). G ⊂ Rn sei offen, g ∈ G → Rn sei injektiv und stetig differenzierbar;
es gelte
g(B) B
(ohne Beweis)
Anderer Name für die Substitutionsregel: Transformationssatz.
258
23.3. Verallgemeinerung der Substitutionsregel
.....
....
p p p p ps
y
p p p p p p p p pppppp ppp
r ppppppp
p p p p.p..ppp
pp ppppppp
p p p p
pppppp ...
p ppppppp p ϕ .....
..
...........
..
0 x
p
r := x2 + y 2 = (x, y)
A B
Z
= f (r cos ϕ, r sin ϕ) · r d(r, ϕ)
B
(B ist Rechteck!)
Beispiel 23.28.
(1) A := (x, y) ∈ R2 : 1 ≤ x2 + y 2 ≤ 4 (Kreisring) (vgl. Abb. 23.15). Berechne
Z p
x2 + y 2 d(x, y)
A
259
23. Integration im Rn
p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p pp p
p p pp p p p p p p ppp
ppp pp pp pp p p ....
ppp p pp p .....
ppppppppppppppppppp A pppp
pp p ppp pp pp 2π .
ppp ppp
ppp
ppp pppp
p pp pp
ppp pp p p
p p p p p p p p p p p p p p p p pp p p p p p pp .............
g B
p pp pp
p p pp
ppp p p p p p pp p
p pp p p p p p p ppp
p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p pp
...........
..
1 2
Achtung: g ist nicht injektiv auf B = [1, 2] × [0, 2π]. Auf Bε := [1, 2] × [0, 2π − ε] ist g injektiv. Sei
Aε := g −1 (Bε ).
2π−ε
2
Z p Z Z Z
⇒ x2 + y 2 d(x, y) = r · r d(r, ϕ) = r2 dr dϕ
Fubini
Aε Bε 0 1
2
1 3 7
= (2π − ε) r = (2π − ε) ·
3 1 3
Für ε → 0 geht (!)
Z p Z p
x2 + y 2 d(x, y) gegen x2 + y 2 d(x, y)
Aε A
14
Z p
⇒ x2 + y 2 d(x, y) = ·π
3
A
eine große Rolle. Dieses Integral ist mit rein eindimensionalen Methoden nicht geschlossen berechen-
bar.
Für R > 0 setze
KR := (x, y) ∈ R2 : x, y ≥ 0, x2 + y 2 ≤ R2 , QR := (x, y) ∈ R2 : x, y ∈ [0, R]
π
Z2 ZR
π
Z
2 2 2 2
e−(x +y ) d(x, y) = e−r r dr dϕ = 1 − e−R
4
KR 0 0
| {z }
R
=− 12 e−r2
0
ZR ZR ZR
R
Z Z
2 2 2 2 2 2
e−(x +y )
d(x, y) = e−x e−y dy dx = e−x e−y dy dx
Fubini
QR 0 0 0 0
R 2
Z
2
= e−x dx
0
260
23.3. Verallgemeinerung der Substitutionsregel
Andererseits:
π
Z Z Z Z
−(x2 +y 2 ) 2
+y 2 ) 2
e d(x, y) = ··· + ··· ≥ e−(x d(x, y) = 1 − e−R
4
QR KR QR \KR KR
| {z }
≥0
ZR √
−x2 π p
⇒ e dx ≥ · 1 − e−R2
2
0
√
Sei % := 2 · R, dann K% ⊃ Q% . Wie oben:
π π
Z
2
+y 2 ) 2 2
e−(x d(x, y) = (1 − e−% ) = 1 − e−2R
4 4
K%
andererseits:
R 2
Z Z Z Z Z
2 2 2 2 2
e−(x +y )
d(x, y) = ··· + ··· ≥ e−(x +y )
d(x, y) = e−x dx
K% QR K% \QR QR 0
ZR √ p
−x2 π
⇒ e dx ≤ 1 − e−2R2
2
0
√ p ZR √ p
π 2 π
1−e −R 2
≤ e−x dx ≤ 1 − e−2R2
2 2
0
Z∞ √
−x2 π
⇒ e dx =
2
0
Z0 √
−x2 π
e dx =
2
−∞
Z∞
2 √
⇒ e−x dx = π
−∞
[Schnelldurchgang:
2
Z∞ Z∞ Z∞ Z∞ Z∞
2 2 2 2
+y 2 )
e−x dx = e−x dx · e−y dy = e−(x dy dx
Fubini“
”
−∞ −∞ −∞ −∞ −∞
Z2π Z∞
Z
2
+y 2 ) 2
= e−(x d(x, y) = e−r r dr dϕ = π]
R2 0 0
261
23. Integration im Rn
Z2π Z2 Z2
= (4 − r2 )r dr dϕ = 2π (4r − r3 ) dr = 8π
Polark.
0 0 0
..
.....
z .......
. ...
.. .
r
....
.....
...
..
....
...
.
...
.......... . ...........
..
. ... ..
.... .............
..
..
.....
. ϕ
.......................
. ..
. .
.... .......... .
. .
...............
y
.
...
.
..... r
....
.........
........
x
Z Z
f (x, y, z) d(x, y, z) = f (r cos ϕ, r sin ϕ, z) · r d(r, ϕ, z)
A B
⇒ q(z) = Q(z) = π
Zh
⇒ |A| = q(z) dz = π · h
0
262
23.3. Verallgemeinerung der Substitutionsregel
gehen lassen)
Z2π Zh Z1
Z Z
1
|A| = 1 d(x, y, z) = r d(r, ϕ, z) = r dr dz dϕ = 2πh · 2 =π·h
A B 0 0 0
..
......
z ....... .
p........ ....
.... ..
.....
r
.....
..
.....
... ..
r ..
.
.... ..
. ..
..
...
... ....
.....
.... .... ....
.. ...
...
.
...
......
θ ...
...
...
.
... p... .....
...........
..
.
... . .. ....
. .... ..ϕ
..
... ........... ...
................. ......
.
...
. .
......
...
.. y
.. .
p. .
....... ..... ... ....
..
. .
.
..... ..
. ...
..
.
.
. . ..
........ ..... ..... ..... ..... ..... .....
.....
.....
.........
........ x
Z Z
f (x, y, z) d(x, y, z) = f (r cos ϕ cos θ, r sin ϕ cos θ, r sin θ) · r2 cos θ d(r, ϕ, θ)
A B
z.B. suche
263
23. Integration im Rn
(1)
Z Z
(x2 + y 2 + z 2 ) d(x, y, z) = r2 r2 cos θ d(r, ϕ, θ)
A B
π
π
Z2 Z1
Z2
= r4 dr cos θ dθ dϕ
0 0 0
π
2
π 1 π
Z
= · · cos θ dθ =
2 5 10
0
(2)
Z Z
x d(x, y, z) = (r cos ϕ cos θ)(r2 cos θ) d(r, ϕ, θ)
A B
π
π 1
Z2 Z2 Z
=
r3 dr cos2 θ dθ
cos θ dθ
0 0 0
π π
2 Z2
1 π
Z
= cos ϕ dϕ · cos2 θ dθ =
4 16
0 0
264
24. Spezielle Differentialgleichungen erster
Ordnung
Es sei D ⊂ R3 , F : D → R eine gegebene Funktion. Eine Gleichung der Form
y − y0 = 0
Anfangswertproblem (AWP)
D, F wie oben und (x0 , y0 ) ∈ D gegeben. Das zur Differentialgleichung gehörige Anfangswertproblem
verlangt zusätzlich zur Differentialgleichung die Anfangsbedingung
y(x0 ) = y0
Ist y : I → R eine Lösung von (24-i) mit der Zusatzeigenschaft x0 ∈ I und y(x0 ) = y0 , so heißt y Lösung
des Anfangswertproblems.
y(x) = y0 · ex−x0
Beispiel 24.3.
y0 = 1 + y2
cos2 x+sin2 x
Eine Lösung ist y(x) = tan x y 0 (x) = cos2 x = 1 + tan2 x
Weitere Lösungen:
265
24. Spezielle Differentialgleichungen 1. Ordnung
I = x0 − arctan y0 + nπ − π2 , x0 − arctan y0 + nπ + π2
!
Wegen x0 ∈ I muss n = 0 sein.
⇒ Lösung: y(x) = tan x − x0 + arctan(y0 ) , definiert auf
I = x0 − arctan y0 − π2 , x0 − arctan y0 + π
2
R := I1 × I2
Fx = P, Fy = Q auf R
Beachte: Wenn ein solches F existiert, so ist F bis auf eine additive Konstante eindeu-
tig.
Sei I ⊂ I1 , y : I → R differenzierbar mit y(x) ∈ I2 für x ∈ I (also (x, y(x)) ∈ R für alle x ∈
I)
Weiter sei die Differentialgleichung (24-ii) exakt und F eine Stammfunktion zu
(P, Q).
Setze Φ(x) := F x, y(x) für x ∈ I.
Ist y Lösung von (24-ii), so ist Φ differenzierbar auf I, und
⇒ Φ konstant auf I
⇒ F x, y(x) = c für x ∈ I , mit c ∈ R
266
24.1. Exakte Differentialgleichungen
Satz 24.5. Ist (24-ii) exakt und F eine Stammfunktion von (P, Q) und ist I ⊂ I1 ein Intervall, y : I → R
differenzierbar mit y(x) ∈ I2 für alle x ∈ I, so gilt:
y ist Lösung von (24-ii) auf I ⇔ ∃c ∈ R ∀x ∈ I F x, y(x) = c
Beispiel 24.6.
2x sin y + x2 (cos y) y 0 = 0, R = R2
| {z } | {z }
=P (x,y) =Q(x,y)
zu lösen:
c
⇒ y(x) = arcsin auf I = · · · (selbst)
x2
Fragen:
2. Wie kann man im Fall, dass (24-ii) exakt ist, eine Stammfunktion F berechnen?
3. Wann kann man, falls (24-ii) exakt und F bekannt ist, die Gleichung F (x, y) = c nach y (geschlos-
sen, oder zumindest theoretisch) auflösen?
Satz 24.7. Es seien P, Q ∈ C 1 (R, R). Dann ist (24-ii) genau dann exakt (d.h. es existiert genau dann
eine Stammfunktion zu (P, Q)), wenn
Py = Qx auf R
Beweis:
und
267
24. Spezielle Differentialgleichungen 1. Ordnung
zu Frage 2: (24-ii) sei exakt. Ansatz für F :
Z
Fx (x, y) = P (x, y) ⇒ F (x, y) = P (x, y) dx + c(y)
y fest
Z
0
⇒ c (y) = Q(x, y) − P (x, y) dx
y
Beispiel 24.8.
6x2 y 0 = 0
(12xy + 3) + |{z} auf R2
| {z }
P (x,y) Q(x,y)
!
⇒ Fy (x, y) = 6x2 + c0 (y) = Q(x, y) = 6x2
⇒ c0 (y) = 0 ⇒ c ist konstant
⇒ F (x, y) = 6x2 y + 3x ist eine Stammfunktion
Jetzt F (x, y) = c lösen:
6x2 y + 3x = c
c − 3x
⇒ y(x) = ist Lösung der Differentialgleichung auf I = (0, ∞) oder I = (−∞, 0)
6x2
Satz 24.9. (24-ii) sei exakt, F sei eine Stammfunktion zu (P, Q) (bzw. zu (24-ii)“).
”
Ferner sei (x0 , y0 ) ∈ R und sei Q(x0 , y0 ) 6= 0.
Dann existiert in einer hinreichend kleinen Umgebung I von x0 (I Intervall) eine eindeutige Lösung
y : I → R des Anfangswertproblems
268
24.1. Exakte Differentialgleichungen
Also: 6x2 y + 3x = 9
3−x
⇒ y(x) = auf I = (0, ∞) (damit x0 = 1 ∈ I)
2x2
Falls (24-ii) nicht exakt ist, so gibt es unter Umständen eine Funktion µ(x, y), so
dass
Die Bedingung
(µ · P )y = (µ · Q)x
liefert eine sogenannte partielle Differentialgleichung für die Funktion µ, die im Allgemeinen sehr schwie-
rig zu lösen ist.
Häufig hängt µ nur von einer Variablen ab, z.B. von x. Setzt man dann den An-
satz
µ = µ(x)
Py − Qx
µ0 (x) = µ(x)
Q
269
24. Spezielle Differentialgleichungen 1. Ordnung
Beispiel 24.11.
µ0 (x) Py − Qx
; = =1 ⇔ log |µ| = x + c̃, c̃ ∈ R
µ(x) Q
⇔ µ(x) = cex , c ∈ R
Z 0
µ
Z
x
dx = 1 dx ⇔ log |µ| = x + c̃ ⇔ µ = ce
µ
Die Differentialgleichung
Es muss gelten: Fy = Q∗
!
Fy = ex cos y − ex y sin y + cos(y)(x − 1)ex + f 0 (x) = ex (x cos y − y sin y)
F (x, y) = c, c∈R
in impliziter Form.
∀y ∈ I2 g(y) 6= 0.
Die Differentialgleichung
270
24.2. Differentialgleichung mit getrennten Veränderlichen
1
Z Z
dy = f (x) dx + c
g(y)
y 0 = f (x)g(y), y(x0 ) = y0
gegeben durch
y(x) Zx
1
Z
dy = f (t) dt
g(y)
y0 x0
Schematisch (formal):
dy
y 0 = f (x)g(y) ; = f (x)g(y)
dx
1
; dy = f (x) dx
g(y)
1
Z Z
; dy = f (x) dx + c
g(y)
271
24. Spezielle Differentialgleichungen 1. Ordnung
Beispiel 24.13.
(1) y 0 = y, f (x) = 1, g(y) = y
1
Z Z
; dy = f (x) dx + c
g(y)
| {z }
= y1
| {z }
=log |y|
; y = ±e ·e c x
|{z}
=:c̃∈R
; y = tan(x + c)
y2 x2
; = − + c̃
2 2
⇒ y 2 = −x2 + c ⇒ x2 + y 2 = c
p
⇒ y(x) = ± c − x2 (falls c > 0, c ≤ 0 liefert keine Lösung)
! √
y(1) = 1 ⇒ + –Zeichen, und 1 = c − 1 ⇒ c = 2
p √ √
y(x) = 2 − x2 Lösung der Anfangswertaufgabe auf I = − 2, 2
x·e2x π
(4) y 0 = y cos y , y(0) = 4, I1 = R, I2 = (0, π2 )
Z Z
y cos y dy = xe2x dx + c
1 π 1
⇒ c= + +1 · √
4 4 2
⇒ Lösung der Anfangswertaufgabe:
y(x) sin y(x) + cos y(x) = 14 (2x − 1)e2x + c
(Auflösung nach y(x) möglich nach Satz über implizit definierte Funktionen [in einer Umgebung von
x0 = 0, y0 = π4 ], aber nicht in geschlossener Form)
272
24.3. Lineare Differentialgleichungen 1. Ordnung
Die Differentialgleichung
Also: Die Menge aller Lösungen des inhomogenen Problems ist gegeben durch
Satz 24.14. I, α wie oben. β : I → R sei eine Stammfunktion von α. Dann ist die allgemeine Lösung
der homogenen Gleichung (24-vii) (y 0 = α(x)y) gegeben durch
mit beliebigem C ∈ R.
Beachte: y 0 = α(x)y ; 1
; ;
R R
y dy = α(x) dx + c̃ log(y) = β(x) + c̃ y =
Ceβ(x)
1p = partikulär“
”
273
24. Spezielle Differentialgleichungen 1. Ordnung
⇒ ist Lösung.
Sei nun y irgendeine Lösung der homogenen Gleichung. Setze
y(x)
z(x) = eβ(x) , Φ(x) :=
z(x)
=α(x)y(x) =α(x)z(x)
z }| { z }| {
y 0 (x) z(x) − y(x) z 0 (x)
⇒ Φ0 (x) = =0 für alle x ∈ I
z(x)2
⇒ Φ(x) = C (x ∈ I) mit einem C ∈ R
⇒ y(x) = Cz(x) = Ceβ(x) für alle x ∈ I
Beispiel 24.15.
(1)
y 0 = (sin x) y, (I = R)
| {z }
=:α(x)
⇒ β(x) = − cos x
⇒ allgemeine Lösung: y(x) = Ce− cos x
(2) Anfangswertproblem: y 0 = (sin x)y, y(0) = 1
!
⇒ y(x) = Ce− cos x , C · e− cos 0 = 1 ⇒ C=e
(1)
⇒ β(x) = log x
y 0 = α(x)y, y(x0 ) = x0
274
24.3. Lineare Differentialgleichungen 1. Ordnung
Wir brauchen (wegen der linearen Struktur, s.o.) nun eine spezielle Lösung des inhomogenen Pro-
blems.
C 0 (x)eβ(x) = s(x)
Zx
⇒ yp (x) = e β(x)
e−β(t) s(t) dt spezielle Lösung der inhomogenen Gleichung
Satz 24.17. Die allgemeine Lösung der inhomogenen Gleichung (24-vii) ist gegeben durch (β Stamm-
funktion zu α)
Zx
y(x) = Ce β(x)
+e β(x)
e−β(t) s(t) dt
y(x0 ) = y0
(auf ganz I)
275
24. Spezielle Differentialgleichungen 1. Ordnung
Beispiel 24.18.
⇒ allgemeine Lösung:
Zx
− cos x − cos x
y(x) = Ce +e ecos t (sin t) dt = Ce− cos x − 1
| {z }
=(−ecos t )0
(2) y 0 = 2xy + x
⇒ allgemeine Lösung:
Zx
x2 x2 2 2
y(x) = Ce +e e|−t x
{z }t dt = Ce −
1
2
0
(− 12 e−t2 )
Hier muss ggf. das Intervall, auf dem y definiert ist, gegenüber dem, auf dem z definiert ist, weiter
1
eingeschränkt werden, damit y := z 1−% dort wohldefiniert ist.
276
24.5. Riccatische Differentialgleichung
y
Beispiel 24.19. y 0 + 1+x + (1 + x)y 4 = 0
1
z = y 1−4 =
y3
3 3 y 3
0
z = − 4 y0 = 4 + (1 + x)y 4 = z + 3(1 + x)
y y 1+x 1+x
1
Anfangsbedingung: z(0) = (−1)3 = −1
3
Eindeutige Lösung: (Stammfunktion zu α(x) = 1+x : β(x) = 3 log(1 + x) = log(1 + x)3 )
Zx
log(1+x)3 −log(1+0)3 log(1+x)3 3
z(x) = (−1) · e +e e− log(1+t) · 3(1 + t) dt
| {z }
0 3
= (1+t)2
x
3
= −(1 + x)3 + (1 + x)3 · −
1+t
| {z 0}
3
=− 1+x +3
Jetzt:
1 1
y(x) = z(x)− 3 = p
3
(1 + x)2 (2x − 1)
1
definiert auf I = −1, 2 .
Also: Falls eine Lösung y2 von (24-x) bekannt ist (in der Regel durch scharfes Hinsehen“),
”
so bestimme die allgemeine Lösung u obiger Bernoulli–Differentialgleichung; dann ist mit-
tels
y = y2 + u
277
24. Spezielle Differentialgleichungen 1. Ordnung
278
25. Systeme von Differentialgleichungen erster
Ordnung
25.1. Allgemeines
y10 = f1 (x, y1 , . . . , yn )
y20 = f2 (x, y1 , . . . , yn )
..
.
yn0 = fn (x, y1 , . . . , yn )
y 0 = f (x, y) (25-i)
Satz 25.1 (Existenzsatz von Peano). f : D → Rn sei stetig auf D, D ⊂ Rn+1 sei offen, und es sei
(x0 , y0 ) ∈ D.
Dann hat das Anfangswertproblem (25-ii) eine Lösung. (auf einem möglicherweise kleinen“ Intervall
”
I 3 x0 )
279
25. Systeme von Differentialgleichungen 1. Ordnung
Definition 25.2. Sei g = (g1 , . . . , gn ) : [a, b] → Rn eine Funktion mit gj ∈ R[a, b] (j = 1, . . . , n).
Dann setze
Zb Zb Zb
Satz 25.3 (Existenz- und Eindeutigkeitssatz von Picard–Lindelöf). Sei f : D → Rn stetig, D ⊂ Rn+1
offen, (x0 , y0 ) ∈ D.
Ferner genüge f auf D einer Lipschitz–Bedingung bzgl. y, d.h. es existiert ein L ≥ 0 mit
Dann hat das Anfangswertproblem (25-ii) genau eine Lösung (auf einem möglicherweise kleinen“ In-
”
tervall I 3 x0 ).
Setzt man bei geeignetem“ y (0) ∈ C(I, Rn ) (I hinreichend klein)
”
Zx
y (k+1) (x) := y0 + f t, y (k) (t) dt (k ∈ N),
x0
so konvergiert die Folge y (k) k∈N gleichmäßig auf I gegen die Lösung des Anfangswertproblems. (Be-
Bemerkung 25.4. Statt einer offenen Menge D ⊂ Rn+1 sind auch Mengen der Form
D = [a, b] × Rn
zulässig, sowohl für 25.1 als auch für 25.3.
Beispiel 25.5. n = 1, y 0 =
p
|y|, y(0) = 0. (Differentialgleichung mit getrennten Variablen)
Lösen ; y(x) = 14 x2 (für x ≥ 0)
p
ppp
....
.....
pppp pp
(
0 für x ≤ 0 pp
⇒ y(x) = p ppp p
1 2
4x für x > 0 pp p p p p p p p p p p p p ...........
..
280
25.1. Allgemeines
....
..... pp ....
..... pp
1
4 (x − c)2 p p p
1
4 (x − c)2 ppp
pp p pp
p p p p p pp p p p p p pp p p
p pp p p p pp p p pp p p p p
p p p p p p pp p p p p p p p p p p p pp p p p p
pp p p p p p c̃
........... ...........
.. ..
c pppp pp pp c
p
p p − 14 (x − c̃)2
pp
Dann gilt die Behauptung des Satzes von Picard–Lindelöf 25.3. Die eindeutige Lösung ist ferner auf
ganz I definiert.
⇒ Lipschitz–Bedingung.
Für den Rest des Abschnittes spezialisieren wir uns auf den Fall:
I ⊂ R Intervall, ajk : I → R gegebene stetige Funktionen (j, k = 1, . . . , n), und b1 , . . . , bn : I → R stetig;
setze
a11 (x) · · · a1n (x) b1 (x)
A(x) := ... .. .. , b(x) := ..
. . .
an1 (x) · · · ann (x) bn (x)
281
25. Systeme von Differentialgleichungen 1. Ordnung
Dann gilt:
∀x ∈ [a, b], y, ỹ ∈ Rn f (x, y) − f (x, ỹ) = A(x) · (y − ỹ) ≤ A(x) ·ky − ỹk
| {z }
≤ max kA(x)k
x∈[a,b]
=:L
⇒ Lipschitz–Bedingung
⇒ Eindeutige Lösung des Anfangswertproblems auf [a, b].
25.3
Satz 25.8.
(1) Durchläuft yh alle Lösungen des homogenen Systems
y 0 = A(x)y
y 0 = A(x)y, y(ξ) = ej
Dann ist z , . . . , z (n) eine Basis von V . Insbesondere gilt also dim V = n.
(1)
Beweis:
(1) wie im Fall n = 1.
(2) (αy1 + βy2 )0 = A(x)(αy1 + βy2 ) ∀y1 , y2 ∈ V, α, β ∈ R
(3)
• (a) ⇒ (b)“: Sei ξ ∈ I und seien c1 , . . . , ck ∈ R,
”
c1 y (1) (ξ) + · · · + ck y (k) (ξ) = 0
282
25.2. Lineare Differentialgleichungs-Systeme
⇒ dim V ≥ n
Wäre dim V > n, so existiere ein y (0) ∈ V mit
Definition 25.9. n linear unabhängige Lösungen von y 0 = A(x)y (also eine Basis von V ) nennt man
auch ein Fundamentalsystem (FS) von y 0 = A(x)y.
Die konkrete Berechnung eines Fundamentalsystems ist unter den bisher gemachten allgemeinen Bedin-
gungen i.a. nicht möglich.
y 0 = Ay + b(x). (25-iv)
y 0 = Ay (25-v)
Es sei p(λ) := det(A − λI) das charakteristische Polynom von A. Also gilt:
⇒ p(λ) = 0 =⇒ p(λ) = 0
Koeff. reell
283
25. Systeme von Differentialgleichungen 1. Ordnung
λ1 , . . . , λm ∈ R; λm+1 , . . . , λr ∈ C \ R
Also
λm+1 = µ1 , . . . , λm+s = µs
λm+s+1 = µ1 , . . . , λm+2s = µs
(Kann im Falle n ≥ 5 schiefgehen, da die Nullstellen von p(λ) dann möglicherweise nicht durch
Radikale“ (geschlossene Formeln) bestimmbar sind.)
”
(2) Für λ1 , . . . , λm+s bestimme eine Basis von
Kern (A − λj I)kj
Setze
x2 xmj −1
y(x) := e λj x
v + x(A − λj I)v + (A − λj I)2 v + · · · + (A − λj I)mj −1 v
2 (mj − 1)!
Ist λj ∈ R (also j ∈ {1, . . . , m}) ⇒ y(x) ∈ Rn und y löst y 0 = Ay ← Beitrag zum FS.
Ist λj ∈ C \ R (also j ∈ {m + 1, . . . , r})
⇒ Re y(x) , Im y(x) (komponentenweise) lösen y 0 = Ay
Führt man (3) für jedes λj (j = 1, . . . , m + s) und jeden Basisvektor v von Kern (A − λj I)kj durch, so
r
erhält man insgesamt ein Fundamentalsystem für y 0 = Ay (beachte
P
kj = n)
j=1
Spezialfall: A sei reell diagonalisierbar, also existiert eine Basis (ψ1 , . . . , ψb ) von Eigenvektoren zu
Eigenwerten λ1 , . . . , λn ∈ R
⇒ Ein Fundamentalsystem y (1) , . . . , y (n) von y 0 = Ay ist gegeben durch
y (j) (x) := eλj x ψj
Beweis:
0
y (j) = λj eλj x ψj = eλj x (λj ψj ) = A eλj x ψj = Ay (j) (x)
| {z }
=Aψj
284
25.2. Lineare Differentialgleichungs-Systeme
0 1
Also
1 0 −1
(A − I) 1 = 0, (A − I) 0 = −1
0 1 0
x
1 e
⇒ y (2) (x) = ex 1 = ex
0 0
0 0
y (3) (x) = ex 0 + x(A − I) 0
1 1
0 −1
= ex 0 + x −1
1 0
x
−xe
= −xex
ex
Allgemeine Lösung von y 0 = Ay:
y(x) = c1 y (1) (x) + c2 y (2) (x) + c3 y (3) (x)
c2 ex − c3 xex
285
25. Systeme von Differentialgleichungen 1. Ordnung
(2)
0 2 0
y0 = 0 0 2 y
−1 1 0
p(λ) = det(A − λI) = −(λ + 2) λ − (1 + i) · λ − (1 − i)
λ1 = −2:
* +
1
Kern(A + 2I) = −1
1
1
⇒ y (1) (x) = e−2x −1
1
λ2 = 1 + i:
*2 − 2i+
Kern A − (1 + i)I = 2
1+i
2 − 2i 2 − 2i
e(1+i)x 2 = ex (cos x + i sin x) 2
1+i 1+i
2 cos x − 2i cos x + 2i sin x + 2 sin x
= ex 2 cos x + 2i sin x
cos x + i cos x + i sin x − sin x
2 cos x + 2 sin x 2 sin x − 2 cos x
= ex 2 cos x +i ex 2 sin x
cos x − sin x cos x + sin x
| {z } | {z }
=:y (2) (x) =:y (3) (x)
(3)
1 −2 1
y 0 = 0 −1 −1 y
0 4 3
*1+
Kern(A − I) =0
0
*1 0 +
Kern (A − I)2 = 0 , 1
0 −2
*1 0 0+
Kern (A − I)3 = R3 = 0 , 1 , 0
0 −2 1
286
25.2. Lineare Differentialgleichungs-Systeme
1 0 0 −4 0 1
⇒ (A − I) 0 = 0 (A − I) 1 = 0 (A − I) 0 = −1
0 0 −2 0 1 2
1 0 0 0 0 −4
(A − I)2 0 = 0 (A − I)2 1 = 0 (A − I)2 0 = 0
0 0 −2 0 1 0
1
⇒ y (1) (x) = ex 0
0
0 0 0 −4
y (2) (x) = ex 1 + x(A − I) 1 = ex 1 + x 0
−2 −2 −2 0
0 0 0
x2
y (3) (x) = ex 0 + x(A − I) 0 + (A − I)2 0
2
1 1 1
0 1 −4
x2
= ex 0 + x −1 + 0
2
1 2 0
y 0 = Ay + b(x); b : I → R stetig
Wir können jetzt sogar wieder x–abhängiges A zulassen. Wir brauchen allerdings ein Fundamentalsystem
von y 0 = A(x)y.
Sei y (1) , . . . , y (n) ein Fundamentalsystem; bilde daraus die sog. Fundamentalma-
trix
Y (x) := y (1) (x) y (2) (x) ··· y (n) (x)
cn
287
25. Systeme von Differentialgleichungen 1. Ordnung
⇔ c0 (x) = Y (x)−1 b(x) (da y (1) (x), . . . , y (n) (x) linear unabhängig, also Y (x) invertierbar)
Zx
⇔ c(x) = Y (t)−1 b(t) dt (komponentenweise)
Zx
⇒ yp (x) = Y (x) Y (t)−1 b(t) dt
Zx
y(x) = Y (x)c + Y (x) Y (t)−1 b(t) dt, c ∈ Rn beliebig
Beispiel 25.12.
x
1 0 e
y0 = y + −x
0 −1 e
⇒ Fundamentalsystem
1 0
y (1) (x) := ex , y (2) (x) := e−x
0 1
ex e−x
0 −1 0
⇒ Y (x) = ⇒ Y (x) =
0 e−x 0 ex
Zx Zx −t Zx
et
−1 e 0 1 x
⇒ Y (t) b(t) dt = dt = dt =
0 et e−t 1 x
⇒ allgemeine Lösung:
x x
c1 ex + xex
e 0 c1 e 0 x
y(x) = + = ; c1 , c2 ∈ R beliebig
0 e−x c2 0 e−x x c2 e−x + xe−x
Im allgemeinen ist es nicht möglich, die Lösungen in geschlossener Form anzugeben. Ist jedoch eine
Lösung ŷ bekannt, läßt sich das System auf ein System mit n − 1 Differentialgleichungen zurückführen
mittels des Ansatzes
288
25.3. Reduktionsverfahren von d’Alembert
z 0 = Az − ϕ0 · ŷ
In Komponenten ausgeschrieben:
n
X
0= a1j zj − ϕ0 ŷ1 (25-viii)
j=2
n
X
∀k = 2, . . . , n : zk0 = akj (x)zj (x) − ϕ0 (x)ŷk (x) (25-ix)
j=2
Lösungen y (2) , . . . , y (n) von (25-vi), die zusammen mit ŷ ein Fundamentalsystem von (25-vi) bil-
den.
Beweis: der linearen Unabhängigkeit.
Sei für k = 2, . . . , n : y (k) = ϕk (x)ŷ + z (k) und sei
λ1 + λ2 ϕ2 + · · · + λn ϕn = 0
λ2 z (2) + · · · + λn z (n) = 0 ⇒ λ2 = . . . = λn = 0
⇒ λ1 = 0
289
25. Systeme von Differentialgleichungen 1. Ordnung
Beispiel 25.13.
1
−1
y 0 = 1t 2 y(t) = A(t) · y(t)
t2 t
t2
Eine Lösung ist ŷ(t) =
−t
Ansatz:
t2
0
y = ϕ(t) +
−t z(t)
−t
0 2 1
⇒ z (t) = − (−1) 2 z(t) = · z(t)
t t t
Eine Lösung ist z(t) = t.
−1
Z
⇒ ϕ(t) = · t dt = − log t
t2
290
26. Lineare Differentialgleichungen höherer
Ordnung
Wir betrachten eine lineare Differentialgleichung n-ter Ordnung
y (n) + an−1 (x)y (n−1) + · · · + a1 (x)y 0 + a0 (x)y = b(x) (26-i)
mit gegebenen a0 , . . . , an−1 : I → R, b : I → R, alle stetig. (I Intervall)
Gesucht ist also eine n-mal differenzierbare Funktion y : I → R, so dass
∀x ∈ I y (n) (x) + an−1 (x)y (n−1) (x) + · · · + a0 (x)y(x) = b(x)
Setze
y(x)
y 0 (x)
y 00 (x)
z(x) = , also z : I → R
..
.
(n−1)
y (x)
Dann ist (26-i) äquivalent zu
···
0 1 0 0 0
.. . .. .. .. ..
..
. . . . .
0 . z + .
z = . .. .. ..
. . . 0
0 ··· ··· 0 1 0
−a0 (x) · · · ··· ··· −an−1 (x) b(x)
Satz 26.1.
(1) Sei x0 ∈ I; seien y0 , y1 , y2 , . . . , yn−1 ∈ R vorgegeben.
Das Anfangswertproblem
291
26. Lineare Differentialgleichungen höherer Ordnung
Definition 26.2. Sind y1 , . . . , yn : I → R Lösungen der homogenen Gleichung und sind y1 , . . . , yn linear
unabhängig in V , so nennt man y1 , . . . , yn wieder ein Fundamentalsystem der Differentialgleichung.
Satz 26.3. Ist y1 , . . . , yn ein Fundamentalsystem der Differentialgleichung und ist yp eine spezielle
Lösung der inhomogenen Gleichung, so hat jede Lösung der inhomogenen Gleichung die Form
y = c1 y1 + · · · + cn yn + yp mit c1 , . . . , cn ∈ R
λm+1 = µ1 , . . . , λm+s = µs
λm+1+s = µ1 , . . . , λm+2s = µs (m + 2s = r)
292
Beispiel 26.4. y (5) + 4y (4) + 2y 000 − 4y 00 + 8y 0 + 16y = 0
charakteristisches Polynom:
= (−1)n (λ + 2)3 λ − (1 − i) · λ − (1 + i)
λ1 = −2, k1 = 3
λ2 = 1 − i, k2 = 1
⇒ allgemeine Lösung:
Um eine spezielle Lösung yp der inhomogenen Gleichung zu erhalten, kann man immer mit Variation
der Konstanten zum Ziel kommen:
Ist y1 , . . . , yn ein Fundamentalsystem der Gleichung n-ter Ordnung, so ist ein Fundamentalsystem des
äquivalenten Systems 1. Ordnung gegeben durch
yj
yj0
yj00
(j)
z = , j = 1, . . . , n
..
.
(n−1)
yj
y1 ··· yn
.. .. ..
Z(x) = . . . (x)
(n−1) (n−1)
y1 ··· yn
Die 1. Komponente von zp ist dann eine spezielle Lösung yp der inhomogenen skalaren Gleichung n-ter
Ordnung.
293
26. Lineare Differentialgleichungen höherer Ordnung
mit α, β ∈ R und einem Polynom q vom Grad k, kann man mit folgendem Ansatz für eine spezielle
Lösung yp einfacher zum Ziel kommen:1
(
q̂(x) cos(βx) + q̃(x) sin(βx) eαx
falls p(α + iβ) 6= 0
yp (x) =
xν q̂(x) cos(βx) + q̃(x) sin(βx) eαx
falls α + iβ eine ν-fache Nullstelle von p ist
Beispiel 26.5.
(1) y 000 − y 0 = x − 1
!
⇒ yp000 (x) − yp0 (x) = −2ax − b = x − 1
⇒ a = − 12 , b=1
1
⇒ yp (x) = x − x2
2
⇒ allgemeine Lösung von y 000 − y 0 = x − 1:
1
y(x) = c1 + c2 ex + c3 e−x + x − x2
2
(2) y 00 + 4y 0 = cos(2x)
⇒ Fundamentalsystem: 1, e−4x
1 Die folgenden Aussagen gelten analog auch für b(x) = q(x) · eαx sin(βx)
294
26.2. Eulersche Differentialgleichungen
2. inhomogene Gleichung: (q ≡ 1, α = 0, β = 2)
⇒ Ansatz:
!
⇒ yp00 (x) + 4yp0 (x) = (−4a + 8b) cos(2x) + (−4b − 8a) sin(2x) = cos(2x)
! !
⇔ −4a + 8b = 1, −4b − 8a = 0
1 1
⇔ a=− , b=
20 10
1 1
⇒ yp (x) = − · cos(2x) + · sin(2x)
20 10
⇒ allgemeine Lösung von y 00 + 4y = cos(2x):
1 1
y(x) = c1 + c2 e−4x − · cos(2x) + · sin(2x)
20 10
Die Eulersche Differentialgleichung ist eine lineare Differentialgleichung n-ter Ordnung mit
nicht-konstanten Koeffizienten, bei der man dennoch ein Fundamentalsystem geschlossen angeben
kann:
d.h. die alten“ aj (x) sind jetzt gegeben als aj · xj (mit neuen“ Konstanten a0 , . . . , an , an 6=
” ”
0).
Dann:
Dies führt auf eine lineare Differentialgleichung n-ter Ordnung mit konstanten Koeffizienten für
u.
295
26. Lineare Differentialgleichungen höherer Ordnung
u(t) = y et
= y(x)
u0 (t) = y 0 (et )et = xy 0 (x)
u00 (t) = y 00 (et )e2t + y 0 (et )et = x2 y 00 (x) + xy 0 (x)
0 = x2 y 00 − 3xy 0 + 7y
= (x2 y 00 + xy 0 ) − 4xy 0 + 7y
= u00 (t) − 4u0 (t) + 7u(t)
Charakteristisches Polynom:
p(λ) = λ2 − 4λ + 7
√
Nullstellen: 2 ± i 3
⇒ Fundamentalsystem:
√
u1 (t) = e2t cos 3·t
√
u2 (t) = e2t sin 3·t
F (y, y 0 , y 00 ) = 0
p(y) = y 0 x(y)
y 00 x(y)
0 00
0
p (y) = y x(y) · x (y) = 0 ,
y x(y)
also
p · p0 = y 00
F (y, p, pp0 ) = 0
296
26.3. Weitere Spezialfälle
für p(y).
1
Ist p(y) eine Lösung, dann erhält man x(y) als Stammfunktion von p(y) und daraus y(x) als Umkehr-
funktion (eventuell nicht explizit):
1 1
Z
p(y) = y 0 x(y) = 0
⇒ x(y) = dy
x (y) p(y)
Anfangsbedingungen transformieren sich folgendermaßen:
y(x0 ) = y0 , y 0 (x0 ) = y1 ; p(y0 ) = y 0 x(y0 ) = y1
| {z }
x(y0 )=x0
Spezialfall:
y 00 = f (y)
Es sei F eine Stammfunktion von f . Man kann diese Differentialgleichung mit der sogenannten Energie-
”
Methode“ lösen:
y 00 = f (y) 2y 0 y 00 = 2y 0 f (y)
⇒
0 d
(y 0 )2 = 2 F y(x)
⇔
dx
⇔ (y 0 )2 = 2F (y) + a
⇒ y 0 = ± 2F (x) + a,
p
wobei das Vorzeichen und der Wert von a durch Anfangsbedingungen festgelegt wer-
den.
Warum Energie-Methode“?
”
Sei F ein Kraftfeld, das einem Potential entspringt:
−∇V (x) = F (x)
Bewegungsgleichungen (Newton): mẍ(t) = F x(t) = −∇V x(t)
⇒ 2m · ẋ · ẍ = −2ẋ · ∇V (x)
d 2 d
⇔ m ẋ = −2 V x(t)
dt dt
⇔ mẋ2 = −2V x(t) + 2E
m 2
⇔ E= ẋ + V (x) = konstant
|2{z } | {z }
pot. Energie
kin. Energie
Beispiel 26.7.
(1) y 00 = y 02 · sin y, y(0) = 0, y 0 (0) = 1 ; x(0) = 0, p(0) = y 0 (0) = 1
⇒ p · p0 = p2 sin y
Zy
log p(y) − log p(0) = sin η dη
0
1
⇔ p(y) = e 1−cos y
= y 0 (x) =
x0 (y)
Zy
⇒ x(y) − x(0) = ecos η−1 dη
0
297
26. Lineare Differentialgleichungen höherer Ordnung
(2) (y 0 )2 = 2 · y · y 00 , p = y 0 , y 00 = p · p0
⇒ p2 = 2y · pp0
p0 1
⇒ 2 = ⇔ log p2 = log(y · c)
p y
√
⇒ p(y)2 = c · y ⇒ y0 = ± c · y
√
⇒ ± 2c · cy = x + b
⇒ y(x) = 4c (x + b)2 = a(x + b)2
Weitere Lösungen der Differentialgleichung: y(x) = c.
(y 0 )2 +y 0
(3) y 00 = y , y 0 = p, y 00 = p · p0
p(p + 1)
⇒ pp0 =
y
p0 1
⇒ = , (y = c 6= 0 ist eine Lösung)
p+1 y
⇔ log |p + 1| = log |c̃y| ⇒ p + 1 = cy
0 1
⇒ y = cy − 1 ⇒ c log |cy − 1| = x + b̃
⇒ cy − 1 = becx
⇒ y(x) = 1
c (1 + becx ) , c 6= 0, b ∈ R
⇒ (y 0 )2 = y 4 + 2y 2 + y 0 (0)2 = (y 2 + 1)2
⇒ y 0 = ±(y 2 + 1)
⇒ y(x) = tan(x + b)
!
y(0) = 0 ⇒ b=k·π (k ∈ Z)
⇒ Lösung y(x) = tan x.
298
27. Die Fourier–Transformation
Definition 27.1.
(1) y : [a, b] → R heißt stückweise stetig auf [a, b], wenn gilt: Es existiert eine Zerlegung {t0 , . . . , tm }
von [a, b] mit: g ist auf jedem Teilintervall (tj−1 , tj ) (j = 1, . . . , m) stetig und es existieren die
einseitigen Grenzwerte
h0 (x0 ) := 1
h0 (x0 −) + h0 (x0 +)
2 (27-i)
299
27. Die Fourier-Transformation
(ii) Ist [a, b] ⊂ R und gilt u, v ∈ R[a, b], so sagen wir, dass f (Riemann–) integrierbar über [a, b]
ist und setzen
Zb Zb Zb
f (x) dx := u(x) dx + i v(x) dx
a a a
(iii) Sind
Z∞ Z∞
u(x) dx und v(x) dx
−∞ −∞
konvergent R∞ konvergent
beide , so sagen wir, dass −∞ f (x) dx ist, und
absolut konvergent absolut konvergent
setzen
Z∞ Z∞ Z∞
f (x) dx := u(x) dx + i v(x) dx
−∞ −∞ −∞
R∞
Ist −∞
f (x) dx absolut konvergent, so heißt f absolut integrierbar (aib) über R.
Entsprechende Definition für die anderen Typen uneigentlicher Integrale.
Bemerkung 27.2.
(1) Sei f = u + iv : [a, b] → C, u, v ∈ R[a, b]. Weiter seien U, V : [a, b] Stammfunktionen zu u bzw. v auf
[a, b] und F := U + iV : [a, b] → C.
Dann gilt
F 0 = U 0 + iV 0 = u + iv = f
Nenne also F auch Stammfunktion zu f .
(2) Ferner:
Zb Zb Zb
f (t) dt = u(t) dt + i v(t) dt
a a a
= U (b) − U (a) + i V (b) − V (a)
= F (b) − F (a)
300
Lemma 27.4.
Z∞
f : R → C ist absolut integrierbar ⇔ |f (x)| dx ist konvergent
−∞
R∞
In diesem Fall ist −∞
f (x) dx konvergent, und
Z∞ Z∞
f (x) dx ≤ |f (x)| dx
−∞ −∞
Beweis: Sei u := Re f , v := Im f .
Nach 17.3:
Z∞
⇒ |u(x)| + |v(x)| dx < ∞
−∞
Z∞
⇒ |f (x)| dx < ∞
−∞
R∞
Sei −∞
|f (x)| dx konvergent. Dann folgt aus dem Majorantenkriterium und
(27-ii):
Z∞ Z∞
⇒ |u(x)| dx, |v(x)| dx < ∞
−∞ −∞
Zur Dreiecksungleichung:
R∞
Sei −∞ f (x) dx =: reiϕ mit r ∈ (0, ∞), ϕ ∈ (−π, π].
301
27. Die Fourier-Transformation
Z∞ Z∞ Z∞
∀x ∈ R |f (x)| ≤ |g(x)|,
Definition 27.6. Sei f : R → C stückweise stetig und absolut integrierbar. Sei s ∈ R und
gs (t) := f (t)e−ist
Z∞
1
fˆ(s) := f (t)e−ist dt (27-iii)
2π
−∞
(ohne Beweis)
Beispiel 27.8.
302
27.2. Cauchyscher Hauptwert
Es ist
Z0 Z0 t=0
t −ist 1 1
c→−∞ 1
ee dt = e(1−is)t dt = · e(1−is)t = 1 − e|(1−is)c −−−−→
1 − is t=c 1 − is {z } 1 − is
c c ec e−isc
Analog:
Z∞
1
e−t e−ist dt =
1 + is
0
1 1 1 1 1
⇒ fˆ(s) = + = ·
2π 1 − is 1 + is π 1 + s2
(2)
(
1 für |x| ≤ 1
f (x) =
0 für |x| > 1
s = 0:
Z∞ Z1
1 1 1
fˆ(0) = f (t)e −i·0·t
dt = 1 dt =
2π 2π π
−∞ −1
s 6= 0:
Z∞ Z1
1 1
fˆ(s) = f (t)e dt = −ist
e−ist dt
2π 2π
−∞ −1
1 1
e−is − eis
=
2π −is
1 eis − e−is
= ·
sπ | {z 2i }
=sin(s)
1 sin(s)
= ·
π s
Z0 Zc
lim f (x) dx + lim f (x) dx,
d→−∞ c→∞
d 0
303
27. Die Fourier-Transformation
Z∞
⇒ x dx nicht konvergent, aber
−∞
Zα
lim x dx = 0
α→∞
−α
| {z }
=0
R∞
Beispiel 27.11. −∞
x dx ist divergent, aber
Z∞
CH x dx = 0
−∞
Satz 27.12 (Umkehrsatz für stückweise glatte Funktionen). f : R → C sei stückweise glatt und absolut
integrierbar.
Dann gilt:
Z∞
f (x+) + f (x−)
∀x ∈ R = CH fˆ(s)eixs ds
2
−∞
304
27.3. Umkehrung stückweise glatter Funktionen
(ohne Beweis)
Das folgende Beispiel zeigt, dass im Allgemeinen der Cauchysche Hauptwert in obiger Transformation
nicht durch das uneigentliche Integral ersetzt werden kann.
Beispiel 27.13.
( ( !
1
1 für |x| ≤ 1 s=0
f (x) = ⇒ fˆ(s) = π1 sin s
0 für |x| > 1 π · s s 6= 0
(
1 (cos s + i sin s) · sins s für s 6= 0
fˆ(s)e = ·
is
π 1 für s = 0
Z∞
⇒ fˆ(s)eis dx ist nicht konvergent
−∞
Aber:
Zα Zα Zα
1 cos s · sin s 1 sin2 s
fˆ(s)eis ds = ds + i · ds
π s π s
−α −α −α
| {z }
=0
Zα
1 sin(2s)
= ds
2π s
−α
Z2α
1 sin u
= du (27-iv)
2π u
−2α
Zα
⇒ 1 = f (0) = lim fˆ(s)ei·0·s ds
27.12 α→∞
−α
Zα Zα
1 sin s
= lim fˆ(s) ds = lim ds
α→∞ π α→∞ s
−α −α
Zα
2 sin s
= lim ds
π α→∞ s
0
305
27. Die Fourier-Transformation
Z∞
sin s π
⇒ ds = (vgl. 14.15)
s 2
0
Zα Z2α Z2α
1 sin u 1 sin u α→∞ 1 π 1
⇒ fˆ(s)e ds =
is
du = ·2 du −−−−→ ·2· =
(27-iv) 2π u 2π u 2π 2 2
−α −2α 0
Zα
1
⇒ CH fˆ(s)eis ds =
2
−α
1
f (1+) + f (1−) = 12 (0 + 1) = 21 , ist dies konsistent mit Satz 27.12.
Da auch 2
Satz 27.14. f1 , f2 : R → C seien stückweise glatt und absolut integrierbar. Falls fˆ1 ≡ fˆ2 , so gilt
Satz 27.15. f1 , f2 : R (C) → C seien stückweise stetig und absolut integrierbar, ferner α, β ∈ R.
Dann gilt:
(αf\ ˆ ˆ
1 + βf2 ) = αf1 + β f2 ,
Satz 27.16. f : R → C sei stückweise stetig und absolut integrierbar. Für h ∈ R fest setze
fh (x) := f (x + h) (für x ∈ R)
Dann gilt:
Beweis:
Z∞
1
fˆh (s) = fh (t) e−ist dt
2π | {z }
−∞ =f (t+h)
Sei c > 0:
Zc
f (t + h)e−ist dt
0
306
27.4. Faltungen
Substituiere τ = t + h, dτ = dt
c+h
Z c+h
Z
−is(τ −h) ish
= f (τ )e dτ = e f (τ )eisτ dτ
h h
Sei d < 0:
Z0
f (t + h)e−ist dt
d
wie oben:
Zh
=e ish
f (τ )e−isτ dτ
d+h
Z0 Zc c+h
Z
⇒ f (t + h)e−ist dt + f (t + h)e−ist dt = eist f (τ )e−isτ dτ
d 0 d+h
| R∞
{z }
→ −∞
f (τ )e−isτ
Z0 Zc
1
⇒ fˆh (s) = lim f (t + h)e−ist dt + lim f (t + h)e−ist dt
2π d→−∞ c→∞
d 0
Z∞
1
= eish · f (τ )e−isτ dτ
2π
−∞
| {z }
=fˆ(s)
27.4. Faltungen
307
27. Die Fourier-Transformation
–1 1
(a) Funktion f1 (b) Funktion f2
–1 1
(c) Faltung f1 ∗ f2
3. Fall: t ≥ 1; dann
Zt+1
1 −y 1 −t 1
f1 ∗ f2 (t) = e dy = e e−
2π 2π e
t−1
insgesamt also
0 für t < −1
1
1 − e−(t+1)
f1 ∗ f2 (t) = für − 1 ≤ t < 1
2π
e − 1e
−t
e für t ≥ 1
Satz 27.19. f1 , f2 seien stetig und absolut integrierbar. Weiter sei f1 auf R beschränkt.
Dann:
308
27.4. Faltungen
(1)
Z∞
∀t ∈ R f1 (t − x)f2 (x) dx absolut konvergent
−∞
(2)
Z∞
1
∀t ∈ R (f1 ∗ f2 ) (t) ≤ · sup f1 (x) · f2 (x) dx
2π x∈R
−∞
f\ ˆ ˆ
∀s ∈ R 1 ∗ f2 (s) = f1 (s) · f2 (s)
(ohne Beweis)
Satz 27.20. Sei f : R → C stetig und stückweise glatt. Weiter seien f und f 0 absolut integrierbar
(beachte: f 0 ist gemäß Definition 27.1 überall definiert.)
Dann gilt:
(1)
(f
d 0 )(s) = is · fˆ(s) für alle s ∈ R
Beweis: Zeige zunächst die Hilfsaussage (2), dies aber nur für lim f (x). Es ist zu zei-
x→+∞
gen:
Annahme: dies sei falsch. Also existiert ein ε > 0 derart dass
(i)
Z∞
ε
f 0 (x) dx <
2
x0
309
27. Die Fourier-Transformation
ε ε
⇒ f (x) ≥ f (x0 ) − >
2 2
Zx Zx
ε ε x→∞
⇒ f (t) dt > dt = (x − x0 ) −−−−→ ∞
2 2
x0 x0
zu (1):
Sei c > 0. Seien x1 , . . . , xk ∈ (0, c) die Unstetigkeitsstellen von f 0 im Intervall (0, c). t := 0, tk+1 :=
c
Zc x
k Zj+1
X
0 −ist
⇒ f (t)e dt = f 0 (t)e−ist dt
0 j=0 x
j
xZj+1
k
X t=xj+1
−ist
= f (t)e + f 0 (t)(is)e−ist dt
t=xj
j=0 xj
k Z c
X
f (xj+1 −)e−isxj+1 − f (xj +)e−isxj +(is) f (t)e−ist dt
=
j=0 0
| {z }
k
=f (c)e−isc + f (xj −)−f (xj +) e−isxj −f (0)
P
j=1 | {z }
=0,f stetig
Zc
= (is) f (t)e−ist dt + f (c)e−isc − f (0)
0
Z∞
c→∞
−−−→ (is) f (t)e−ist dt − f (0), da f (c) → 0 und e−isc = 1
0
Z∞ Z∞
⇒ f 0 (t)e−ist dt = (is) f (t)e−ist dt − f (0)
0 0
Analog:
Z0 Z0
0 −ist
f (t)e dt = (is) f (t)e−ist dt + f (0)
−∞ −∞
Aus dem Beweis ist ersichtlich:
310
27.4. Faltungen
Satz 27.21. f : R → C sei stückweise glatt und f, f 0 seien absolut integrierbar. f besitze höchstens
endlich viele Unstetigkeitsstellen x1 , . . . , xn ∈ R.
Dann gilt:
n
1 X
fb0 (s) = (is)fˆ(s) + f (xj −) − f (xj +) e−isxj
2π j=1
für alle x ∈ R.
(Teil (2) von Satz 27.20 gilt genauso.)
für alle s ∈ R, k = 1, . . . , n.
311
27. Die Fourier-Transformation
312
28. Die Laplace–Transformation
Z∞
Kf := s ∈ C : e−st f (t) dt konvergent
0
(also h0 ≡ 1)
Sei c > a:
Zc Zc t=c
e−st ha (t) dt = e−st dt = − 1s e−st 1
e−sa − e−sc
= s
s6=0 t=a
0 a
Zc
c→∞ 1 −sa
⇒ e−st ha (t) dt −−−→ · e , falls Re s > 0
s
0
D.h.
e−sa 1
L[ha ] = , insbesondere L[1] =
s s
Definition 28.3.
313
28. Die Laplace-Transformation
stetig
(1) f : [0, ∞) → R (C) heißt stückweise , wenn f in jedem kompakten Teilintervall [a, b] ⊂
glatt
stetig
[0, ∞) stückweise ist.
glatt
(2) f : [0, ∞) → R (C) heißt von exponentieller Ordnung γ, falls γ ∈ R und
Beispiel 28.4.
(1) Sei n ∈ N und f (t) = tn . Wir wissen, dass für jedes γ > 0:
1
eγt = 1 + γt + 12 (γt)2 + · · · + 1
n! (γt)
n
+ ··· ≥ (γt)n für t ∈ [0, ∞)
n!
n! γt
⇒ |f (t)| = tn ≤ e für t ∈ [0, ∞)
γn
|{z}
=:M
f ist aber nicht von exponentieller Ordnung 0 (außer wenn n = 0), denn
|f (t)| ≤ M e0t
t ∈ [0, ∞)
(2) Aus (1) folgt: Jedes Polynom ist von exponentieller Ordnung γ, für jedes γ > 0.
(4) Jede beschränkte Funktion (z.B. auch die Heavyside–Funktion, die Sinus–Funktion, die Cosinus–
Funktion) ist von exponentieller Ordnung 0.
Kf ⊇ {s ∈ C : Re s > γ}
R∞
Für s ∈ C mit Re s > γ konvergiert 0
e−st f (t) dt sogar absolut.
314
Beweis:
zu (1) Sei s ∈ C, Re s ≥ Re s0
Da
Z∞
e−(Re s−γ)t dt konvergent ⇒ Re s > γ,
0
Betrachte hilfsweise f˜(t) = cos(−ωt) (= f (t)), g̃(t) = sin(−ωt) (= −g(t)), F̃ := L[f˜], G̃ := L[f˜]
⇒ F̃ = F, G̃ = −G
Nach obigem:
1
F̃ (s) + iG̃(s) = , also
s − i(−ω)
315
28. Die Laplace-Transformation
1
F (s) − iG(s) =
s + iω
1
Addiere dies zu F (s) + iG(s) = s−iω :
1 1 2s
2F (s) = + = 2
s + iω s − iω s + ω2
s
⇒ F (s) =
s2 + ω 2
Entsprechend durch Subtraktion:
1 1 2iω
2iG(s) = − = 2
s − iω s + iω s + ω2
ω
⇒ G(s) =
s2 + ω2
Also
s
L cos(ω ·) (s) = 2
s + ω2
ω
L sin(ω ·) (s) = 2
s + ω2
1
L eat =
für Re s > a
s−a
Satz 28.7 (Umkehrsatz für die Laplace–Transformation). f : [0, ∞) → R sei stückweise glatt und
∀t ≥ 0 |f (t)| ≤ M eγt
f (t+) + f (t−)
Z∞
t>0
1
2
· CH F (x + is)e(x+is)t ds =
2π f (0+)
t=0
−∞
2
Insbesondere: Ist f in t ∈ (0, ∞) stetig
Z∞
1
⇒ f (t) = · CH F (x + iy)e(x+iy)t dy
2π
−∞
316
28.1. Eigenschaften der Laplace-Transformation
R∞
⇒ (Majorantenkriterium) −∞
|g(t)| dt konvergiert.
⇒ g ist absolut integrierbar.
Nach Abschnitt 27:
Z∞ Z∞
1 −ist 1
ĝ(s) = g(t)e dt = f (t)e−(x+is)t dt = F (x + is)
2π 2π
−∞ 0
Z∞ Z∞
g(t+) + g(t−) 1 its 1
27.12 ⇒ ∀t ≥ 0 = · CH ĝ(s)e ds = CH F (x + is)eits ds
2 2π 2π
−∞ −∞
Z∞
f (t+) + f (t−) 1
⇔ = · CH F (x + is)e(x+is)t ds ∀t ≥ 0
2 2π
−∞
Korollar 28.8 (Eindeutigkeitssatz). f1 , f2 : [0, ∞) → R beide stückweise glatt und von exponentieller
Ordnung γ. F1 , F2 seien die Laplace–Transformierten von f1 , f2 .
Gilt F1 (s) = F2 (s) für Re s > γ, so gilt in jedem Stetigkeitspunkt von f1 und f2 :
f1 (t) = f2 (t)
In den folgenden Sätzen seien die vorkommenden Funktion f, f1 , f2 , . . . stets stückweise stetig auf R und
= 0 für t < 0.
Außerdem seien sie von exponentieller Ordnung.
Beweis: Nachrechnen.
317
28. Die Laplace-Transformation
1 ωt 1
L e (s) + L e−ωt (s)
⇒ für Re s > ω : L[cosh(ωt)](s) =
2 2
1 1 1 s
= + = 2
2 s−ω s+ω s − ω2
L eδt f (t) = F (s − δ)
für Re s > γ + δ, δ ∈ R
g(t) := hδ (t)f (t − δ)
(3) Sei a 6= 0, a ∈ R.
1 s
L f (at) = · F für Re s > γ · a
a a
Z∞ Z∞
−st
L[g] = e g(t) dt = e−st f (t − δ) dt
0 δ
Zη ( )
−st τ =t−δ
= lim e f (t − δ) dt =
η→∞ dτ = dt
δ
η−δ
Z Z∞
−s(τ +δ)
= lim e f (τ ) dτ = e−sτ f (τ ) dτ e−sδ
η→∞
0 0
−sδ
=e F (s)
s
Beispiel 28.12. f (t) = eδt cos(ωt), L cos ωt (s) =
s2 +ω 2
s−δ
⇒ L[f ] =
28.11 (s − δ)2 + ω 2
28.2. Faltungen
318
28.2. Faltungen
Zt
f1 ∗L f2 (t) := f1 (t − u)f2 (u) du (t ∈ R)
0
Bemerkung 28.14. Zwischen der eben definierten Faltung ∗L und der Faltung ∗F bei der Fourier–
Transformation (vgl. 27.17) besteht folgender Zusammenhang:
Z∞
1
f1 ∗F f2 (t) = f1 (t − u)f2 (u) du
2π
−∞
Z∞ Zt
1 1
= f1 (t − u)f2 (u) du = f1 (t − u)f2 (u) du
2π 2π
0 0
1
= f1 ∗L f2 (t)
2π
Satz 28.15 (Faltungssatz). f1 sei stetig, f2 sei stückweise stetig und beide seien von exponentieller
Ordnug γ (f1 = f2 = 0 auf (−∞, 0))
Dann existiert L f1 ∗ f2 (s) für alle Re s > γ und es gilt
L f1 ∗ f2 = L[f1 ] · L[f2 ]
(ohne Beweis)
1 2
Beispiel 28.16. Sei F (s) = s · s2 +4 gegeben. Gesucht: f mit L[f ] = F .
Sei
1 t≥0
g(t) = = h0 (t)
0 t<0
Zt Zt
1
⇒ f (t) = g ∗ h (t) = g(t − u)h(u) du = sin(2u) du = 1 − cos(2t)
2
0 0
319
28. Die Laplace-Transformation
Satz 28.17. f sei auf [0, ∞) stetig und stückweise glatt. f sei von exponentieller Ordnung γ.
Dann existiert die Laplace–Transformierte L[f 0 ] von f 0 für Re(s) > γ, und
Zη t=η
Zη Zη
−st 0 −st −st −sη
e f (t) dt = e · f (t) + se f (t) dt = e f (η) − f (0) + s e−st f (t) dt
t=0
0 0 0
| {z }
η→∞
−−−−→F (s)
Z∞
⇒ e−st f 0 (t) dt
0
Mit Induktion erhält man aus 28.17:
Satz 28.18. f sei auf [0, ∞) (r − 1)-mal stetig differenzierbar, und f (r−1) sei stückweise glatt.
f, . . . , f (r−1) seien von exponentieller Ordnung γ.
Dann existiert die Laplace–Transformierte L f (r) von f (r) für Re(s) > γ, und es gilt
h i h i
L f (r) (s) = sr · L f (s) − sr−1 f (0) + sr−2 f 0 (0) + · · · + sf (r−2) (0) + f (r−1) (0)
Berechne (einfacher, falls L sin(ω·) und L cos(ω·) noch nicht bekannt) L[f ] mit Hilfe von 28.18:
f 00 (t) = −ω 2 f (t)
320
28.3. Ableitungen und Stammfunktionen
2 2
⇒ 0 = (s + ω ) · L f (s) − (s sin ϕ + ω cos ϕ)
s sin ϕ + ω cos ϕ
⇒ L f (s) =
s2 + ω 2
Nach 10.25 ist g stetig und stückweise glatt (g 0 (t) = f (t) in allen Stetigkeitsstellen t von f ) Fer-
ner:
1
γt
Zt Zt γ · (e − 1) falls γ > 0
γu
∀t > 0 |g(t)| ≤ |f (u)| du ≤ M e du = t falls γ = 0
1
γt
0 0 |γ| · (1 − e ) falls γ < 0
γ
γ>0
⇒ g ist von exponentieller Ordnung δ(> 0 beliebig) γ = 0
0 γ<0
(
Re(s) > γ γ > 0
⇒ L g (s) ist definiert für
Re(s) > 0 γ ≤ 0
und nach 28.17 gilt
L f (s) = L g 0 (s) = sL[g](s) − g(0)
|{z}
=0
(
Re(s) > γ γ>0
⇒ L g (s) = 1s L f (s) für
Re(s) > 0 γ≤0
321
28. Die Laplace-Transformation
Satz 28.21. f : [0, ∞) → R sei stückweise stetig und periodisch mit Periode T > 0, d.h. es gelte
∀t ∈ [0, ∞) f (t + T ) = f (t)
ZT
1
e−st f (t) dt
L f (s) = ·
1 − e−T s
0
Beweis:
∀k ∈ N ∀t ≥ 0 f (t + kT ) = f (t)
Z∞ (k+1)T
∞
X Z
−st
e−st f (t) dt
L f (s) = e f (t) dt =
0 k=0 kT
| {z }
Subst. u=t−kT
∞ Z T
X
= e−s(u+kT ) f (u + kT ) du
| {z }
k=0 0
=f (u)
∞
X ZT
= e−skT e−su f (u) du
k=0 0
| {z }
unabh. von k
" ∞
# ZT
−sT k
X
· e−su f (u) du
= e
k=0 0
ZT
1
= · e−su f (u) du
1 − e−sT
0
da e−sT = e− Re(s)T < 1, da Re(s) > 0, T > 0. (vgl. auch Seite 208)
(
0 t≤0
Beispiel 28.22. Sei T > 0 und h := h0 :=
1 t>0
Setze
T
∀t ∈ [0, T ) f (t) := h(t) − 2h t − 2
322
28.4. Anwendungen auf lineare Differentialgleichungen
Tabellen wie A.5 (Seite 330) sind insbesondere wichtig, um die Umkehrabbildung der Laplace–
Transformation zumindest teilweise zu kennen.
L−1 [F ] berechnen ⇔ Aus Tabellen erkennen“, welches Urbild F hat.
”
323
28. Die Laplace-Transformation
s !
= L y 00 + 9y (s) = L y 00 ](s) + 9L y (s)
⇒
s2 + 4
= s2 L y (s) − y 0 (0) −s · y(0) +9L y (s)
| {z } |{z}
=c =1
= (s2 + 9)L y (s) − (s + c)
1 s s s 1
⇒ L y (s) = 2 · + s + c = 2 + +c · 2
s +9 s2 + 4 (s + 9)(s2 + 4) s2 + 9 s +9
| {z } | {z }
L[cos(3·)](s) =c̃· s23+9
s
Wir brauchen das Urbild von (s2 +9)(x2 +4) unter L:
s As + B Cs + D
= 2 + 2
(s2 + 9)(s2 + 4) s +9 s +4
! 1 1
1 = 4A + 9C = −5A ⇒ A=− ⇒ C=
5 5
!
0 = 4B + 9D = −5B ⇒ B=D=0
324
28.4. Anwendungen auf lineare Differentialgleichungen
s 1 s 1 s
⇒ =− · 2 + · 2
(s2 2
+ 9)(s + 4) 5 s +9 5 s +4
1 1
= − · L cos(3·) (s) + · L cos(2·) (s)
5 5
1 1
⇒ L y (s) = − · L cos(3·) (s) + · L cos(2·) (s) + L cos(3·) (s) + c̃ · L sin(3·) (s)
5 5
4 1
=L cos(3·) + cos(2·) + c̃ sin(3·) (s)
5 5
4 1
⇒ y(x) = · cos(3x) + · cos(2x) + c̃ · sin(3x)
28.8 5 5
Jetzt c̃ so einrichten, dass die zweite Randbedingung y π2 = −1 erfüllt ist:
! 4 3 1 3 1 4
−1 = · cos · π + · cos(π) + c̃ · sin · π = − − c̃ ⇒ c̃ =
5 2 5 2 5 5
4 1
⇒ y(x) = · cos(3x) + sin(3x) + · cos(2x)
5 5
u0 = u + v
v 0 = 4u − 2v
!
⇒ L[u0 ](s) = L[u](s) + L[v](s) = sL[u](s) − u(0) = sL[u](s)
!
L[v 0 ](s) = 4L[u](s) − 2L[v](s) = sL[v](s) − v(0) = sL[v](s) − 5
⇔ (s − 1) · L[u](s) − L[v](s) = 0
4L[u](s) − (s + 2) · L[v](s) = −5
⇒ 4 − (s + 2) · (s − 1) · L[u](s) = −5
5 5 1 1
= L e2· − L e−3· (s)
⇒ L[u](s) = = = −
s2 +s−6 (s − 2)(s + 3) s−2 s+3
⇒ u(x) = e2x − e−3x
28.8
⇒ v(x) = u(x) + v(x) − u(x) = u0 (x) − u(x) = 2e2x + 3e−3x − e2x + e−3x = e2x + 4e−3x
e − e−3x
2x
⇒ y(x) = 2x
e + 4e−3x
325
28. Die Laplace-Transformation
326
A. Tabellen
Tabelle A.1.: Verschiedene Funktionsdefinitionen
∞ xn x x2 x3
ex
P
=1+ + + + ···
n=0 n! 1! 2! 3!
∞ x2n+1 x3 x5
(−1)n ·
P
sin x =x− + − ···
n=0 (2n + 1)! 3! 5!
∞ x2n x2 x4
(−1)n ·
P
cos x =1− + − ···
n=0 (2n)! 2! 4!
sin x π
tan x , x ∈ R \ (2k + 1) · 2 |k∈Z
cos x
cos x 1
cot x = , x ∈ R \ {k · π | k ∈ Z}
sin x tan x
1
sinh x 2 · (ex − e−x )
1
cosh x 2 · (ex + e−x )
sinh x ex − e−x
tanh x =
cosh x ex + e−x
cosh x ex + e−x
coth x = x
sinh x e − e−x
√
arsinh x log x + x2 + 1
√
arcosh x log x + x2 − 1
1
1+x
artanh x 2 · log
1−x
1
x+1
arcoth x 2 · log
x−1
327
A. Tabellen
• cosh2 x − sinh2 x = 1
328
Tabelle A.4.: Trigonometrische Funktionen und ihre Ableitungen und Stammfunktionen
329
A. Tabellen
Rt 1
g(t) dt · L g (s)
0 s
Rt
f1 (u)f2 (t − u) du L f1 (s) · L f2 (s)
0
e−at g(t)
L g (s + a)
1 t
a ·g a L g (as)
330
Literaturverzeichnis
[1] R. Ansorge / H. J. Oberle, Mathematik für Ingenieure, Band 1 + 2, Akademie Verlag, 2001
[2] K. Burg / H. Haf / F. Wille, Höhere Mathematik für Ingenieure, Band 1 + 2, Teubner, 2002
[3] H. Heuser, Lehrbuch der Analysis 1 + 2, Teubner, 2003
[4] H. Heuser, Gewöhnliche Differentialgleichungen, Teubner, 1995
[5] K. Meyberg / P. Vachenauer, Höhere Mathematik 2, Springer, 2001
[6] W. Walter, Analysis 1 + 2, Springer, 2001
[7] W. Walter, Gewöhnliche Differentialgleichungen, Springer, 2000
331
Literaturverzeichnis
332
Index
A bijektiv, 4, 47
Abbildung, 3 Binomialkoeffizient, 15
bijektiv, 4 Binomischer Lehrsatz, 16
injektiv, 4 Bolzano–Weierstraß, Satz von, 33, 196
surjektiv, 4
abgeschlossen, 194, 197 C
Ableitung, 93, 217, 230, 328, 329 C, 205
höhere, 109 Cantor, 3, Menge142
partielle, 212, 213 Cauchy-Folge, 34
Regeln, 95 Cauchy-Kriterium
absolut Folgen, 34, 196
integrierbar, 300 Funktionen, 67, 200
konvergent, 206 Reihen, 39, 206
Abstand, 191 uneigentliche Integrale, 161
abzählbar, 19 Cauchy-Produkt, 48, 207
Additionstheoreme, 167, 169, 328 Cauchy-Schwarzsche Ungleichung, 192
Äquivalenz, 4 Cauchyscher Hauptwert, 304
d’Alembert, Reduktionsverfahren von, 288 Cavalieri, Prinzip von, 253
All-Quantor ∀, 4 CH, siehe Cauchyscher Hauptwert
Anfangswertproblem, 265, 279 charakteristische Funktion, 247
Anordnungsaxiome, 8 charakteristisches Polynom, 283
Arcuscosinus, 329 C n , 110, 214, 229
Arcussinus, 139, 329 Cosinus, 54, 56, 105, 110, 156, 327, 329
Arcustangens, 107, 329 Ableitung des, 105
Areacosinus hyperbolicus, 109, 210, 327, 329
hyperbolicus, 327, 329 komplexer, 167, 169, 209
Areacotangens Cotangens, 327, 329
hyperbolicus, 327, 329 hyperbolicus, 327, 329
Areasinus
hyperbolicus, 327, 329 D
Areatangens ∂, 211
hyperbolicus, 327, 329 definit
Aussagen, 4 negativ, 225
Axiome positiv, 225
Peano-, 5 DGL, siehe Differentialgleichungen
reelle Zahlen, 7 Differentialgleichungen
1. Ordnung, 265
B Bernoullische, 276
Bernoullische Differentialgleichung, 276 Eulersche, 295
Bernoullische Ungleichung, 15 exakte, 266
beschränkt, 10, 11, 76, 193, 195 homogene, 273
Besselsche Ungleichung, 182 inhomogene, 273
Betrag, 191 lineare, 273
komplexe Zahlen, 167 mit getrennten Veränderlichen, 270
reelle Zahlen, 9 partielle, 269
333
Index
334
Index
Induktionsmenge, 12 Leibnitz, 41
Infimum, 10 Majoranten, 42
Inhalt, 241, 248 Minoranten, 42
inhomogen, 273 Quotient, 45
injektiv, 4 Wurzel, 43
lokal, 238 Konvergenzradius, 51, 55, 208
Innenprodukt, 191 konvex, 218
innerer Punkt, 98 Konvolution, 319
Integrabilitätskriterium, Riemannsches, 124 Koordinaten
Integral Kugel-, 263
oberes, 121, 242 Polar-, 259
Riemann-, 121, 243, 300 Zylinder-, 262
über allg. Mengen, 247 Kreisring, 259
unbestimmtes, 136 Kriterium, Riemannsches, 243
uneigentliches, 159 Kugel, 193
unteres, 121, 242 Kugelkoordinaten, 263
Integralkriterium, 165
Integration L
partielle, 136 Länge, 191
rationale Funktionen, 151 Lagrangesche Multiplikatorenregel, 239
Substitution, 137, 155, 258 Laplace-Transformation, 313, 330
Unstetigkeitsstellen, 140 Eindeutigkeitssatz, 317
Warnungen, 127 Faltung, 319
integrierender Faktor, 269 Streckungssatz, 318
Intervall, 10, 241 Umkehrsatz, 316
Verschiebungssätze, 318
J Lehrsatz, Binomischer, 16
Jakobi-Matrix, 229 Leibnitz-Kriterium, 41
Jordan-messbar, 248 Limes, 20, 195
inferior, 33
K superior, 33
Kettenregel, 95, 218, 232 Lipschitz-Bedingung, 280
kompakt, 194, 197, 203 Lipschitz-stetig, 201
Komplementmenge, 3 Lösung, 265, 279
komplexe Zahlen Logarithmus, 80
Betrag, 167 lokal injektiv, 238
Polarkoordinaten, 169
konvergent, 21, 195 M
absolut, 206 Majorantenkriterium
punktweise, 209 Integrale, 163
Konvergenz, 20, 195 Reihen, 42, 206
absolut, 40, 162 Matrix
Folgen, 205 Hesse-, 224
Funktionenfolgen, 209 Jakobi-, 229
gleichmäßig, 86, 143 Norm, 193
punktweise, 85 Submultiplikativität, 193
Reihen, 37, 206 maximieren, 239
uneigentliche Integrale, 161 Maximum, 98, 226
Konvergenzkriterium Menge, 3
Folgen, siehe Folgen abgeschlossen, 75
Integrale, 163, 165 Cantor-, 142
Potenzreihen, 90 kompakt, 75
Reihen Komplement-, 3
Cauchy-Produkt, 48 konvex, 218
335
Index
Schnitt-, 3 Potenz, 14
total geordnet, 9 allgemein, 80
Vereinigungs-, 3 rationale Exponenten, 17
messbar, 248 Potenzmenge, 3
Minimum, 98, 226 Potenzreihe, 51, 72, 89, 208
Minorantenkriterium Höhere Ableitungen, 111
Integrale, 163 Identitätssatz, 90
Reihen, 42, 206 Konvergenzradius, siehe Konvergenzradius
Mittelwertsatz Produkt
Differentialrechnung, 99, 219 inneres, 191
Verallgemeinerung, 103 Skalar-, 191
Integralrechnung, 143, 251 Produktzeichen, 15
Monotonie, 25 punktweise konvergent, 209
bei Funktionen, 78
Kriterium, 25 Q
Multiplikatorenregel, Lagrangesche, 239 Quader, 241
quadratische Ergänzung, 157
N Quadratische Form, 224
n-te Wurzel Quantor
komplexe, 171 All-, 4
reelle, 16 Existenz-, 5
Nabla-Operator ∇, 223
natürliche Zahlen, 12, 14 R
Nebenbedingung, 239 Rn , 191
Negation, 4 R[a, b], 121, 243, 300
negativ definit, 225 Rand, 249
niedrig, 32 Randpunkt, 249
Norm Randwertproblem, 324
Matrix, 193 rationale Zahlen, 14
Submultiplikativität, 193 Raum, 191
Vektor, 191 Reduktionsverfahren von d’Alembert, 288
Normalbereich, 255 reelle Zahlen, 7
Nullmenge, 249 Reihe, 37, 206
Nullstellen, 74, 147 alternierende harmonische, 40
Nullstellensatz von Bolzano, 74 Cauchy-Produkt, 48
geometrische, 37, 208
O harmonische, 38
Obersumme, 119, 242 Konvergenz, siehe Konvergenzkriterium
offen, 193 Potenz-, siehe Potenzreihen
Ordnung, exponentielle, 314 trigonometrische, 176
Orthogonalitätsrelation, 175 Riccatische Differentialgleichung, 277
Richtung, 221
P Richtungsableitung, 221
Partialbruchzerlegung, 147, 149 Riemannsche Summe, 125
Partialsumme, 37 Riemannsches Kriterium, 243
partiell differenzierbar, 212 Rotationskörper, 255
partikulär, 273, 275 Rotationsparaboloid, 255, 262
Peano, Satz von, 279
Peano-Axiome, 5 S
π, 105 Sattelfläche, 227
Picard–Lindelöf, Satz von, 280 Satz
Polarkoordinaten, 169, 259 von Bolzano–Weierstraß, 33, 196
Polynom, charakteristisches, 283 von Fubini, 244
positiv definit, 225 von Peano, 279
336
Index
U
überabzählbar, 19
überlappend, 251
337