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Neuere deutsche Literatur III. - 11.10.

2024

Das goldene Vlies


• Klassische Einteilung der Literatur in drei Gattungen: Epik, Lyrik, Dramatik
• Ursprung dieser Einteilung im deutschsprachigen Raum durch Goethe
• Goethe sieht drei Naturformen der Poesie: erzählend (Epik), enthusiastisch (Lyrik), handelnd (Drama)
• Literatur ist kulturell bedingt und nicht streng systematisierbar wie die Naturwissenschaften
• Keine unveränderlichen Regeln in der Literatur, Versuche der Hierarchisierung scheiterten
• Gattungen heute: traditionelle Großbereiche (Lyrik, Epik, Dramatik) und spezifische Texttypen (Roman, Novelle, Komödie, etc.)
• Gattungen entstehen historisch, verändern sich und können auch aussterben (z.B. Epos)
• Gattungsbegriffe haben hohe kommunikative Funktion für Autorinnen, Leserinnen und Literaturkritik
• Literaturverständnis hängt von Kenntnis bestimmter Textgruppen ab (z.B. Komödie, Abenteuerroman)
• Roman hat sich zur zentralen Gattung des 20. Jahrhunderts entwickelt, obwohl seine Definition heutzutage oft unscharf ist
• Kanon: wichtig für die Textanalyse und das Verständnis von Intertextualität
• Kanonbildung ist kulturell geprägt, kann aber durch Gegenkanones herausgefordert werden

Systematische Beschreibung mit Fachbegriffen (Einführung in die Dramenanalyse)


Einordnung des Werks
Titel: Das goldene Vließ (1820)
Autor: Franz Grillparzer (1791-1872)
Gattung: Trilogie (Drama in drei Teilen)
Bezeichnung des Autors: „Dramatisches Gedicht in drei Abteilungen“
Dramenaufteilung:
Der Gastfreund – Trauerspiel in einem Aufzug
Die Argonauten – Trauerspiel in vier Aufzügen
Medea – Trauerspiel in fünf Aufzügen

Handlung
Teil 1: Der Gastfreund:
Protagonist: Phryxus (griechischer Flüchtling)
Handlung: Phryxus bringt das goldene Vlies nach Kolchis. König Aietes bricht das Gastrecht und tötet Phryxus. Dieser verflucht sterbend Aietes und
dessen Nachkommen.

Teil 2: Die Argonauten:


Protagonist: Jason (griechischer Held)
Handlung: Jason und die Argonauten kommen nach Kolchis, um das Vlies zurückzuholen. Medea, Aietes' Tochter, hilft Jason mithilfe ihrer
Zauberkräfte. Medea verlässt ihre Familie, um mit Jason zu fliehen. Ihr Bruder Absyrtus stirbt auf der Flucht.

Teil 3: Medea:
Protagonistin: Medea
Handlung: Medea versucht, sich in Griechenland zu integrieren. Jason wendet sich von ihr ab und verliebt sich in Kreusa, die Tochter des Königs Kreon.
Medea wird vom Hof verstoßen, tötet Kreusa und ihre eigenen Kinder. Am Ende will sie das goldene Vlies nach Delphi zurückbringen.

Analyse der Intertextualität


Literarische Vorlagen:
Medea von Euripides (431 v. Chr.)
Medea von Seneca (50 n. Chr.)
Argonautenepen von Valerius Flaccus und Apollonius Rhodius
Metamorphosen von Ovid
Quelle: Mythologisches Lexikon von Benjamin Hederich (1770)
Thema der Intertextualität: Grillparzer verwendet klassische antike Stoffe und interpretiert diese neu. Die psychologische Tiefe der Figuren,
insbesondere Medeas, wird durch die erweiterte Vorgeschichte hervorgehoben.
4. Dramenanalyse: Fachbegriffe und Systematische Beschreibung
Gattung: Tragödie

Theater: „Aufzug“ bedeutet „Akt“ – das Hochziehen des Vorhangs.


Struktur: Drei Teile als Trilogie, wobei Die Argonauten und Der Gastfreund zusammen eine Vorgeschichte bilden, um die zentrale Handlung in Medea
psychologisch und historisch zu vertiefen.

Themen:
Konflikt zwischen Gastrecht und Verrat (in Teil 1)
Liebe, Loyalität und Verrat (in Teil 2)
Integration, Fremdheit, Isolation, Verrat und Rache (in Teil 3)
Psychologische Entwicklung der Figuren:

Medea steht im Mittelpunkt: Ihr innerer Konflikt zwischen Liebe zu Jason und ihrer Herkunft, die zunehmende Isolation und die daraus resultierende
Verzweiflung führen zur finalen Katastrophe (Kindermord).
Jason erscheint zunehmend distanziert und verfällt einer anderen Frau (Kreusa), was den tragischen Bruch mit Medea verstärkt.
Tragischer Konflikt: Medeas Tat (Kindermord) entspringt nicht nur aus dem persönlichen Verrat durch Jason, sondern auch aus ihrer gesellschaftlichen
Außenseiterrolle als „barbarische Fremde“.

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Außenseiterrolle als „barbarische Fremde“.

Schlussbemerkungen zu Das goldene Vließ


Grillparzer gibt der antiken Sage eine neue, tiefere psychologische Dimension, indem er die Vorgeschichte ausbaut und Medeas innere Zerrissenheit
beleuchtet.
Das Drama verdeutlicht intertextuelle Bezüge zur antiken Tragödie und erweitert diese durch psychologische und geschichtsphilosophische Ansätze.

Wichtige Konzepte der Dramenanalyse


Tragödie: Handlung führt unweigerlich zur Katastrophe.
Aufzug (Akt): Unterteilung eines Dramas in größere Abschnitte.
Intertextualität: Bezugnahme auf ältere literarische Werke, um Bedeutungsebenen zu erweitern.
Psychologische Charakterzeichnung: Besondere Tiefe und Entwicklung der Figuren durch Einbezug von Vorgeschichte und inneren Konflikten.

Der Raum - Unterscheidung von Bericht und Darstellung in der Dichtung


Antike Ursprünge: Schon Platon und Aristoteles unterschieden zwischen Bericht und Darstellung:
Bericht: Der Dichter selbst kommt zu Wort.
Darstellung (Drama): Die Figuren sprechen unmittelbar, es gibt keine Erzählinstanz.
Fehlende Erzählfunktion im Drama: Die Handlung entsteht direkt aus der sprachlichen Interaktion der Figuren, und der Leser bzw. Zuschauer ist direkt
mit dem Geschehen konfrontiert.

Theatertext: Haupttext und Nebentext


Haupttext: Enthält alle gesprochenen Anteile der Figuren.
Nebentext: Beinhaltet Titel, Gattungsbezeichnung, Figurenliste, Szenen- und Akteinteilung, Auf- und Abtritte sowie Regieanweisungen.
Zwei Funktionen:
Anweisungen für den Bühnenraum: Zielen auf die konkrete Aufführung ab.
Fiktionsbildung: Schaffen und intensivieren die fiktive Welt des Dramas.

Analyse des Raums in Das goldene Vließ


Eingangs-Nebentext von Der Gastfreund:
Raum und Ausgangssituation werden detailliert beschrieben:
Kolchis: Wilde Gegend mit Felsen und Bäumen, das Meer im Hintergrund, Altar aus groben Steinen.
Symbolik: Der Altar und das Widderfell als zentrale Symbole des Dramas.
Medea als Jägerin: Wird direkt in einer aktiven Szene als erfolgreiche Jägerin präsentiert, was düstere Vorzeichen für die Handlung setzt.
Räumliche Abgrenzung:
Kolchis (barbarisch, archaisch) steht im Kontrast zum zivilisierten Griechenland:
Kolchis wird als „wilde“, „düstere Märchenwelt“ beschrieben, voller Naturgewalten (Wellen, Nebel, Wind).
Griechenland symbolisiert Kultur und Zivilisation.

Symbolische Dimension des Raumes


Höhlenszene in Die Argonauten (4. Akt):
Jason soll das Vlies aus einer von einer Schlange bewachten Höhle holen.
Symbolik: Die Höhle, das Tor und die Schlange symbolisieren eine bedrohliche, verbotene Welt. Jasons Eindringen wird als symbolischer
Geschlechtsakt interpretiert (Helmut Bachmaier).

Requisiten und ihre Bedeutung


Das goldene Vlies: Zentrales Requisit, das symbolische Bedeutung erhält:
Steht für das „Begehrte“, das „Mit Unrecht Erworbenene“.
Medeas Fluch: Das Vlies begleitet die Handlung als Symbol des Unglücks, ohne es direkt zu verursachen. Es steht für die unaufhaltsame Folge böser
Taten („Das ist der Fluch der bösen Tat...“).
Symbolträchtige Szene in Medea (3. Teil):
Medea vergräbt alle Utensilien ihrer magischen Macht (Schleier, Stab, Vlies), um sich in Griechenland zu integrieren.
Symbolik des Vlieses: Es wird als „verderbliches Gastgeschenk“ bezeichnet, besprengt mit Blut und als Symbol ihrer Schande.
Medea zerbricht es symbolisch und will es nach Delphi zurückbringen.
Die Leier als Kulturzeichen:
Szene mit Kreusa: Medea scheitert beim Versuch, auf der Leier zu spielen, was symbolisch für ihre Unfähigkeit steht, sich an die griechische Kultur
anzupassen.
Die Leier steht für Raffinesse und höhere Kultur, aber Medeas Hände sind „für Waffen gemacht“.

Der Raum wird im Drama sowohl realistisch (Wilde Natur Kolchis) als auch symbolisch (Höhle, Altar, Vlies) genutzt.
Die räumliche Inszenierung spielt eine zentrale Rolle in der Erschaffung von Bedeutungsebenen.
Requisiten als Symbole:
Objekte wie das goldene Vlies und die Leier haben tiefe symbolische Bedeutung und tragen zur Entfaltung der Handlung und Charakterentwicklung
bei.

Sprache
Gebundene Rede in Dramen
Tradition: Über Jahrhunderte wurde die Dramensprache in Versen verfasst.
Antike Tragödie: Verwendung des jambischen Trimeters (6 Jamben mit einer Zäsur nach der 5. oder 7. Silbe), im Deutschen jedoch selten.
Blankvers:
Ungereimt, 5-hebige Jamben.
Dominierend in der Weimarer Klassik (z. B. Goethe in Iphigenie auf Tauris).

Unterschiedliche Versformen in Das goldene Vließ

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Unterschiedliche Versformen in Das goldene Vließ
Versformen als Ausdruck von Kulturunterschieden:
Kolcher: Sprechen meist in freien Versen, was ihre Wildheit und Barbarie symbolisiert.
Griechen: Sprechen in wohlgesetzten Blankversen, was ihre Zivilisation und Überlegenheit zeigt.
Beispiel für freie Verse (Aietes und Medea):
Reduzierte Sprache, oft kurze und prägnante Sätze:
Medea: „So fürchtest du, dass jene Fremden –“
Aietes: „Weißt du also?“
Beispiel für Blankvers (Phryxus):

Elegante, wohlformulierte Rede:


„Kann ich den Augen traun? – Er ist's, er ist's!“
Sprachliche Distanz:
Griechen wirken auf die Kolcher arrogant und stolz.
Medea über Phryxus: „Er spricht und spricht; Mir widert’s!“
Gora bezeichnet Jason als „glattzüngigen Heuchler“.

Antilabe
Technik der Antilabe: Ein Vers wird auf mehrere Sprecher*innen aufgeteilt, was die emotionale Dynamik verstärkt.
Beispiel (Dialog zwischen Aietes und Medea):
Medea: „Vater!“
Aietes: „Medea!“
Medea: „Was ist? Du tötest mich!“

. Entwicklung von Medeas Sprache


Anpassung: Medea beginnt das Stück in freien Versen, doch im Laufe ihrer Anpassung an die griechische Kultur verwendet sie zunehmend Blankverse.
Ihr Schlussmonolog ist im Blankvers verfasst.
Gora, ihre Amme, bleibt jedoch bei den freien Versen, was ihre Unfähigkeit zur Anpassung unterstreicht.

Gereimte Passagen
Seltenheit von Reimen: Reime sind selten und daher besonders bedeutungsvoll.
Beispiel: Medea warnt Jason, indem sie in gereimten Versen spricht:
„Zum Tod! – Du sollst allein nicht sterben, Zum Vließ, Ein Haus, Ein Leib und ein Verderben!“

Sprachskepsis und non-verbale Ausdrucksweisen


Sprachskepsis: Grillparzer zeigt, dass nicht alles sprachlich ausgedrückt werden kann, vor allem in emotional angespannten Momenten.
Medea kann oft nur stöhnen, schreien oder seufzen.
Gestik und nonverbale Sprache: Grillparzer legt Wert auf Gesten, die oft im Nebentext beschrieben werden:
„Medea steht erstarrt“, „Medea liegt auf einem Knie am Boden, das Gesicht mit der Hand bedeckend“.

Funktion der Sprache in der Handlung


Vorhersagen und Flüche: Vorhersagen, Flüche und Ahnungen in der Sprache schaffen Kohärenz auf der Handlungsebene.
Sie tragen zur Schicksalshaftigkeit der Handlung bei.

Figuren
Medea:
Anfangscharakterisierung:
Selbstbestimmt und stolz: Medea wird zu Beginn als freie, dynamische Fürstentochter dargestellt, die das häusliche Leben und die Ehe ablehnt.
Veränderung: Später wird sie von Gora als „Sklavin“ bezeichnet, da sie Jason heiratet und Mutter zweier Kinder wird.
Magische Fähigkeiten:
Zauberin und Seherin: Wie in antiken Mythen hat Medea magische Fähigkeiten (z. B. Zaubertränke), ist jedoch auch eine Seherin, die das Verderben
voraussieht.
Liebe zu Jason: Verhängnisvolle Begegnung: Die Liebe zu Jason ist nicht romantisch, sondern geprägt von Gewalt und Überwältigung. Jason fügt ihr
eine Wunde zu, ihre erste Begegnung gleicht einem Überfall.
Medeas Entfremdung: Ihre Liebe reißt sie aus ihrer bisherigen Welt. Sie handelt gegen ihren Vater und Bruder, rettet Jason mehrfach das Leben und
verlässt mit ihm Kolchis.
Innere Zerrissenheit:
Identitätskrise: Medea wird von ihren Gefühlen für Jason und ihrer Familie hin- und hergerissen. Sie kann sich nicht in Griechenland integrieren und
bleibt trotz ihrer Bemühungen eine ausgegrenzte Fremde.
Fremdenfeindlichkeit: Medea wird als Barbarin verachtet, besonders im Kontrast zur naiven Kreusa, die Jason als zivilisierter erscheint.
Raserei und Kindermord:
Tragisches Ende: Medea wird von Jason verlassen und von ihren Kindern gemieden. In ihrer Verzweiflung ermordet sie ihre Kinder, ein schrecklicher
Abschluss ihrer Zerstörung.
.
Jason:
Erst Begegnung mit Medea:
Aggressiver Eroberer: Jason spricht Medea zuerst als „verfluchte Zauberin“ an und verspricht, sie zu vernichten. Er überwältigt sie mit Gewalt, und
ihre Liebe zu ihm entwickelt sich aus dieser initialen Konfrontation.
Sicht auf Medea:
Faszination und Entfremdung: Jason beschreibt Medea als den „Sonnenstrahl“, der ihn in ihrer finsteren Heimat Kolchis angezogen hat. Doch in
Griechenland wirkt sie auf ihn fremdartig und unheimlich, ihre Magie wird zur Bedrohung.
Schuldzuweisung:

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Schuldzuweisung:
Verdrängte Verantwortung: Jason erklärt, dass er Medea erobert habe, sie ihm „zugefallen“ sei, und er letztlich keine Wahl gehabt habe. Diese
Darstellung entkräftet jedoch nicht seine Rolle in der Tragödie.

Gora:
Amme von Medea:
Kritische Begleiterin: Gora bleibt der Kolcher Kultur treu und kritisiert die Griechen. Sie weist Medeas Kinder darauf hin, dass die Griechen
„betrügerisch und feige“ seien.
Medeas Veränderung: Gora sieht die ehemals stolze Medea als Sklavin, die sich Jason und ihrer neuen Rolle als Ehefrau und Mutter unterworfen hat.

Kreusa:
Gegenteil von Medea:
Naiv und freundlich: Kreusa, die Tochter des Kreon, stellt den Gegensatz zu Medea dar. Sie ist das Idealbild der zivilisierten, griechischen Frau, was
Medea als barbarisch und fremd erscheinen lässt.

Konflikt zwischen Barbarei und Zivilisation:


Griechen vs. Kolcher:
Vorurteile und Feindbilder: Die Griechen sehen Medea und die Kolcher als gefährlich und unzivilisiert. Kreusa bedauert Jasons Kinder, weil ihre Mutter
eine „Barbarin“ ist.

Eros und Gewalt:


Liebesbeziehung als Kampf:
Erotik und Aggression: Die Beziehung zwischen Jason und Medea ist von Leidenschaft und Gewalt geprägt. Eros wird als chaotische, überwältigende
Kraft dargestellt, die vor gesellschaftlichen Normen steht.
Psychologische Dimension:
Vorgriff auf Freud: Medeas Verhalten lässt sich als Ausdruck unbewusster Triebe deuten, die sie in eine extreme, zerstörerische Richtung treiben.

Mythos und Modernisierung:


Moderne Medea:
Grillparzer modernisiert die antike Medea. Sie ist keine bloße Hexe, sondern eine komplexe Figur, die von Liebe und Zerrissenheit geprägt ist. Ihr
Schicksal ist nicht nur durch göttliches Eingreifen bestimmt, sondern auch durch menschliche Konflikte und Emotionen.

[Link]: Histroische und literaturhistorische Verortung


Franz Grillparzer – Leben und Werk
Geburtsjahr: 15. Januar 1791 in Wien, in der Übergangszeit zwischen der Aufklärung (Tod Kaiser Josephs II.) und der Französischen Revolution.
Familienhintergrund: Aufgeklärt-bürgerliche Juristenfamilie, studierte selbst Rechtswissenschaften, arbeitete als Beamter.
Erfolgreiche Stücke:
Die Ahnfrau (1817): Sensationserfolg.
Sappho (1818): Weitere erfolgreiche Uraufführung am Wiener Hofburgtheater.

Zeitgeschichtlicher Kontext
Wiener Kongress und Restauration: Nach den Napoleonischen Kriegen herrscht in Österreich der reaktionäre Metternich’sche Polizeistaat, der strenge
Zensurvorgaben setzt.
Grillparzer und die Zensur: Kritische Werke, wie sein Gedicht „Campo Vaccino“, führten zu Konflikten mit der Obrigkeit. Eine enge Kontrolle der
veröffentlichten Texte war üblich.
Wirkung der Französischen Revolution und Napoleons:
Die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege waren prägende historische Ereignisse, die auch in Grillparzers Werken verarbeitet
wurden.
Jason in Das goldene Vlies ist eine Allegorie auf den napoleonischen Typus: rücksichtsloser Tatendrang, Egozentrismus, Machtstreben.
Entstehung des Stücks „Das goldene Vlies“
Anregung zur Medea-Tragödie: Grillparzer wurde durch Wielands und Schlegels Kritik an Euripides’ Medea inspiriert.
Zeitrahmen: Erste Ideen tauchten 1817 auf, intensive Auseinandersetzung ab 1818, Abschluss des Manuskripts im Januar 1820.
Persönlicher Kontext: Der Selbstmord von Grillparzers Mutter im Januar 1819 beeinflusste die düstere Grundstimmung des Stücks.
Literarischer Kontext
Einfluss der Weimarer Klassik: Durch die Wahl eines antiken Stoffes knüpft Grillparzer an die ästhetischen Vorbilder der Klassik an (z.B. Goethe,
Schiller).Thematik:
Konflikt zwischen Aufklärung und den restaurativen Kräften nach der Französischen Revolution.
Die Bedrohung durch neue gesellschaftliche Kräfte (Bürgertum, Nationalismus, industrielle Revolution).
Historische Bezüge
Jason und Napoleon:
Napoleon: Für Grillparzer war Napoleon eine ambivalente Figur – einerseits fasziniert, andererseits abgestoßen von dessen rücksichtslosen
Machtstreben.
Jason: Ein ähnlich skrupelloser Machtmensch, der nur sich selbst und seinen Ruhm sieht, dabei über das Schicksal anderer Menschen hinweggeht.
Medeas Beschreibung Jasons: Medea bezeichnet Jason als egozentrisch und rücksichtslos (Medea V. 630ff.).

Uraufführung und Rezeption


Premiere: Die Trilogie wurde am 26. und 27. März 1821 im Wiener Burgtheater uraufgeführt, allerdings mit verhaltenem Erfolg.
Publikum: Die ersten beiden Teile wurden nur selten gespielt, die Medea jedoch 37 Mal. Nur die Medea fand an anderen deutschen Bühnen Anklang.
Wichtige Lernpunkte:
Grillparzer verhandelt im „Goldenen Vlies“ nicht nur antike Stoffe, sondern bezieht sich auf zeitgenössische politische und gesellschaftliche Themen.
Jason als Protagonist symbolisiert den napoleonischen Eroberer-Typus, der über Menschen und Moral hinweggeht, um seine Ziele zu erreichen.

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Jason als Protagonist symbolisiert den napoleonischen Eroberer-Typus, der über Menschen und Moral hinweggeht, um seine Ziele zu erreichen.
Die Schärfe der Zensur beeinflusste Grillparzers Arbeit maßgeblich und führte zu mehreren Konflikten mit den staatlichen Autoritäte

3. Analyschritt: Vergleich
Bedeutung des Vergleichs in der Literaturwissenschaft
Der Vergleich ist eine wichtige Methode, um die Eigenheiten eines Textes im Kontext anderer Werke herauszuarbeiten.
Grillparzers „Das goldene Vlies“ kann mit seinen anderen Stücken, zeitgenössischen Theaterstücken und insbesondere mit verschiedenen
Bearbeitungen des Medea-Stoffs verglichen werden.
Seit dem 16. Jahrhundert gibt es über 40 Medea-Dramen in der europäischen Literatur.

Grillparzers „Das goldene Vlies“ im Medea-Kontext


Laut Tillmann Bub nimmt Grillparzers Trilogie eine Sonderstellung unter den Medea-Dramen ein:
Epische Breite: Grillparzer erzählt den Medea-Mythos umfassender als viele andere Dramen. Die Handlung beginnt nicht in Korinth, sondern bereits
mit der Ankunft des Phryxus in Kolchis und endet erst mit den tragischen Ereignissen in Korinth.
Diese Ausführlichkeit ermöglicht eine tiefere Charakterentwicklung von Jason und Medea sowie die Darstellung des Konflikts zwischen zwei Kulturen:
das zivilisierte Griechenland und das barbarische Kolchis.

Vergleich zu Euripides’ und Senecas Medea


Euripides und Seneca: Diese klassischen Medea-Dramen setzen in Griechenland ein und beginnen mit der Klage oder dem Fluch Medeas.
Grillparzer dagegen gibt eine detaillierte Vorgeschichte und verortet Medeas Handeln historisch, was ihre Position als Fremde, Ausgestoßene und
Verachtete betont.
Medeas schreckliche Tat wird dadurch in einen psychologisch und kulturell nachvollziehbaren Zusammenhang gestellt, ohne sie jedoch zu
rechtfertigen.

Vergleich mit Goethes „Iphigenie auf Tauris“ (1787)


Sprache und Dramaturgie: Goethes Drama ist ein klassisches Blankversdrama, das eine idealistische Utopie der Verständigung auf Wahrheit und
Ehrlichkeit zeigt.
Beispiel: Iphigenie kann selbst in Momenten großer emotionaler Anspannung ihre Gefühle in wohlgeformte Verse fassen.
Regieanweisungen: In Goethes Stück sind indirekte Regieanweisungen in den Text integriert. Die Sprachgewalt der Figuren trägt die gesamte
Handlung, Mimik und Gestik spielen eine untergeordnete Rolle.
Szenenvergleich:
Iphigenie (Goethe): Idealistischer Dialog zwischen Iphigenie und König Thoas.
Iphigenie ringt mit ihren inneren Konflikten, bleibt aber sprachlich kontrolliert: „Hat denn zur unerhörten Tat der Mann / Allein das Recht?“ (V.
1876ff.)
Medea (Grillparzer): Medea zeigt eine viel direktere, emotionale Reaktion. Ihre Gesten, Schreie und ihr Verstummen verdeutlichen die wilden,
ungezähmten Emotionen. Diese körperliche Ausdrucksweise steht im Kontrast zur idealistischen Sprachbeherrschung in Goethes Werk.

Ästhetische Unterschiede zwischen Goethe und Grillparzer


Goethe: Ausdrucksstarke Figuren, die durch ihre Sprache die Handlung vorantreiben und die Raum- und Zeitbedingungen kontrollieren.
Grillparzer: Figuren, deren Emotionen und körperliche Handlungen stärker betont werden, begleitet von symbolischen Bühnenbildern und Requisiten.
Grillparzers Werk steht noch in der klassischen Tradition, weist aber bereits auf die Moderne hin, indem es die unkontrollierten, rohen Kräfte des
menschlichen Daseins thematisiert.

Wichtige Lernpunkte:
Grillparzers „Das goldene Vlies“ hebt sich durch seine epische Breite und die komplexe Darstellung der Kulturen und Charaktere von anderen Medea-
Dramen ab.
Im Vergleich zu Goethes „Iphigenie“ zeigt Grillparzer eine andere Ästhetik: mehr physische Ausdruckskraft und eine emotionalere, wilde
Figurenzeichnung.
Beide Dramen verarbeiten antike Stoffe, doch während Goethe eine idealistische Verständigung thematisiert, rückt Grillparzer die Konflikte zwischen
Kulturen und das Scheitern an gesellschaftlichen Normen in den Vordergrund.

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