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Textinterpretation / Gabriele Wohmann: „Es war ein Wunder“
Anleitung zur Textinterpretation
(Anhand der Klassenarbeit zu „Es war ein Wunder“ von Gabriele Wohmann)
Aufbau:
Einleitung
Inhaltsangabe
Interpretation
Schluss
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Vorgehensweise:
Autor, Titel und Basissatz einbauen
Achtung! Diese Formulierungen vermeiden:
- In der Geschichte geht es um eine Frau…
- Die Kurzgeschichte handelt von…
- Die Geschichte erzählt von
Besser:
- Die Kurzgeschichte stellt die Thematik…in den Mittelpunkt/ins Zentrum
- Die Kurzgeschichte kreist um die Thematik…
- Die Kurzgeschichte stellt den Aspekt… ins Zentrum/on den Mittelpunkt
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Textinterpretation / Gabriele Wohmann: „Es war ein Wunder“
Beispiel einer Einleitung:
In der Kurzgeschichte „Es war ein Wunder” von Gabriele Wohmann steht eine Frau
im Zentrum, die bei einem Interview mit einer Moderatorin zuerst deren Meinung und
die ihr in den Mund gelegten Worte annimmt, später jedoch bemerkt, dass die
vorgegeben Worte nicht mit ihrem Denken übereinstimmen, nun doch ihren eigenen
Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen will und die zwei Gesichter der
Moderatorin letztendlich entdeckt. Das Interview dreht sich um den Mann der Frau,
der nun nach vielen Jahren wieder aus dem Koma erwacht ist.
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Vorgehensweise:
Möglichkeit 1:
Den zu bearbeitenden Text in Abschnitte einteilen
Ein aussagekräftiges Wort pro Abschnitt an den Rand des Textes schreiben
Anhand der Stichworte die Inhaltsangabe verfassen
Möglichkeit 2:
10 Stichpunkte im Text mit einer Farbe unterstreichen (z.B. Gelb)
Anhand der Stichpunkte die Inhaltsangabe verfassen
Möglichkeit 3:
Den Text durchlesen
Das Blatt umdrehen und auf der Rückseite Stichworte aus der Erinnerung
aufschreiben
Anhand der Stichworte die Inhaltsangabe verfassen
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Textinterpretation / Gabriele Wohmann: „Es war ein Wunder“
Es sollte auf Folgendes geachtet werden:
- Kurze, knappe Sätze (ca. 8-10) Nicht mehr!
- Meistens Präsens
- Keine Nacherzählung
- Nur das Wichtigste
- Flexible Wortwahl
- Der Inhalt muss korrekt sein
- Keine Zitate einbauen
- Niemals PRÄTERITUM!
Beispiel einer Inhaltsangabe:
Eine Frau, deren Mann nach sechs Jahren wieder aus dem Koma erwacht ist, wird in
einer Talkshow durch eine Moderatorin zu diesem Thema interviewt. Anfangs fällt es
der Frau leicht darüber zu sprechen und sie gibt Antworten, die eigentlich nicht ihrem
Gedanken entsprechen. Sie fühlt sich interessant und fremd und beschreibt, wie sie
ihrem Mann geholfen und sich um ihn gekümmert habe. Dennoch ist sie von sich und
ihren Antworten überrascht. Später gibt sie allerdings nur noch kurze Kommentare ab
und die Moderatorin stellt ihr nur noch Fragen, die sie mit dem Wort „ja” beantworten
kann. Die Frau bemerkt, dass das, was sie sagt, nicht wahr ist und beginnt zu
überlegen, ob sie der Moderatorin die Wahrheit erzählen solle. Ihre Überzeugung
verschwindet zunehmend, bis sie irgendwann keine Antworten mehr gibt, sondern
nur noch nickt. Sie hört der Moderatorin nicht mehr richtig zu und stellt sich vor, wie
stark sich ihr Leben verändern werde und was für eine Last sie tragen müsse. Diesen
Gedanken verleiht sie Ausdruck und teilt der Moderatorin ihre tatsächliche Meinung
mit, in der Hoffnung, diese würde sich dafür interessieren. Die Moderatorin ändert
ihre Stimme und Art und eröffnet der beichtenden Frau, dass sie seit über einer
Minute nicht mehr auf Sendung sei.
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Textinterpretation / Gabriele Wohmann: „Es war ein Wunder“
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Die äußere Form:
- Entweder am Anfang oder am Ende in die Interpretation einfließen lassen
- Bestandteile: Abschnitte im Text, zeitliche & örtliche Gliederung
- WICHTIG: Erzählform nicht vergessen
Beispiel:
Betrachtet man zunächst die äußere Form der Kurzgeschichte, fallen vor allem die
vielen Absätze und der fast durchgehende Dialog zwischen Ehefrau und Moderatorin
auf, die dem Text etwas Spannendes und Lebendiges verleihen. Durch den
ständigen inneren Monolog der Befragten erfährt der Leser den großen Unterschied
zwischen Gesagtem und Gedachtem, was auf eine personale Erzählhaltung
schließen lässt.
Das Zitieren:
Allgemeine Regeln:
- Die Zitate müssen so in den Text integriert sein, dass man sie nicht bemerkt
- Die Zitate müssen auch interpretiert werden
- Nur wenige Wörter (ca. 1-3) einbauen leichter zu integrieren als ganze
Sätze
- Keine ganzen Sätze einbauen
Fehlerquellen beim Zitieren:
- Die Zitate werden eingebaut, danach aber nicht interpretiert die
Interpretation wird zur Inhaltsangabe mit eingebauten Zitaten
- „In Zeile 1 steht, dass…“
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Textinterpretation / Gabriele Wohmann: „Es war ein Wunder“
Zitierregeln:
Ein Wort soll verändert werden
1.) Beispiel (vom Präteritum ins Präsens):
Text: Er spielte…
Zitat: „Er spielt[]…“(Z.10)
2.) Beispiel (vom Präsens ins Präteritum)
Text: Er spielt
Zitat: „Er spielt[e]…“ (Z.11)
Auslassen von Wörtern:
Runde Klammern verwenden (…)
MERKE:
- Bei der Interpretation keine Textzusammenfassung, sondern Interpretation
- Konnotation kann sich nur auf ein Wort beziehen, nicht auf einen Satz
Interpretationsausschnitt:
Durch die Aussage der Moderatorin, „das taten sie doch sicher” (Z.5) versucht diese,
die Antwort aus der Frau herauszubekommen, die sie auch hören will, was dieser
allerdings auch nicht ungelegen kommt, da ihre „zwar eher langweiligen Antworten
[…]sie gleichwohl stolz [machen]” (Z.5/6). Durch diesen Satz wird die Unzufriedenheit
der Hauptperson mit sich selbst zum Ausdruck gebracht. Sie empfindet sich selbst
als langweilig und nichts Besonderes, fühlt sich jedoch durch die „unwirklichen,
traumwandlerischen Sachen, die sie hier von sich [gibt]“ (Z.11), gut. Die Moderatorin
gibt der Frau mit ihr in den Mund gelegten Worten die Chance sich unberechtigter
Weise gut zu fühlen und in eine Scheinwelt einzutreten, in der sie aus ihren
Antworten ein Stückchen Wahrheit zu finden versucht. „Sie [habe] ihn täglich
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Textinterpretation / Gabriele Wohmann: „Es war ein Wunder“
besucht, sogar damals mit dem Abszess am linken Fuß” (Z.7), versucht sie sich ihre
Antworten schön zu reden und stellt es als etwas Besonderes hin, ihn damals sogar
mit dieser Verletzung besucht zu haben. Außerdem bekam sie von den Pflegern die
Bestätigung, „wie entscheidend ihr Beitrag zum Wunder” (Z.9) war. „Diese ständigen
Bejahungen waren lebensecht” (Z.10) im Gegensatz zu den Antworten, „die sie hier
von sich [gibt]” (Z.11). Sie ist so in ihrem Rausch und überzeugt, dass dieses Wunder
„nur durch sie” (Z.9) geschehen konnte, sodass „sie sich selber [überrascht]” (Z.12).
Sie fühlt sich interessant und schlüpft in die Rolle eines anderen.
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Gestaltungsmöglichkeiten:
- Aktualisierung
- Eigene Meinung
- Intention des Autors
Beispiel eines Schlusses:
Die Autorin Gabriele Wohmann will mit dieser Kurzgeschichte starke Kritik an
Talkshows üben. Talkshows sind heutzutage etwas ganz Normales und auf fast
jedem Sender zu finden. Meistens sind die Themen und Antworten jedoch genauso
unecht wie in diesem Text, denn niemand interessiert sich dafür, wie es der
befragten Person wirklich geht. Auch die Moderatoren stellen ihre Fragen bewusst
so, dass sie die Antworten bekommen, die sie selbst und somit auch das Publikum
hören wollen. Den Moderatoren und Sendern geht es einzig und allein nur um die
Einschaltquoten und nicht im Geringsten um ihre Gäste. Diese sind für sie nur wie
Puppen, die mehr oder weniger durch ihre Fragen gelenkt werden. Den Menschen in
Talkshows bleibt keine andere Wahl, als das zu antworten, was alle hören wollen. In
diesem Beispiel versucht die Moderatorin durch Schmeicheleien und Komplimente
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Textinterpretation / Gabriele Wohmann: „Es war ein Wunder“
der Frau das zu entlocken, was sie hören will. Dies gelingt ihr zunächst auch, doch,
als sie merkt, die Befragte gibt nicht mehr die richtigen Antworten, bricht sie das
Interview abrupt ab. Den Gästen in den Talkshows steht also überhaupt nicht die Tür
offen, das zu sagen, was sie wirklich denken. Die Wahrheit und der Mensch, der
dahintersteckt, interessiert in diesen Talkshows nämlich nicht. Das Einzige, was hier
im Film-Business zählt, sind Einschaltquoten und nicht die persönlichen
Empfindungen der befragten Person. Diesen Gedanken sollte man vielleicht auch
besser im Hinterkopf behalten, wenn man das nächste Mal an einer Talkshow im
Fernsehen hängen bleibt.
Folgende Formulierungen vermeiden:
Die Kurzgeschichte regt zum Nachdenken an…
Die Kurzgeschichte ist gut geschrieben…
Die Kurzgeschichte gefällt mir, da…
Sie ist auf heute übertragbar, da…