DM Rosehr
DM Rosehr
Sommersemester 2014
PD Dr. Nils Rosehr
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 5
II Kombinatorik 5
2 Binomialkoeffizienten 10
2.1 Permutationen und Fakultät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.3 Stirling-Formel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2.6 Näherung von Binomialkoeffizienten . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.8 Ungeordnete Summationen und Multimengen . . . . . . . . . 13
2.9 Wege im Gitter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.10 Vandermonde-Identität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.11 Polynommethode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2
2.13 Differenzieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.14 Binomische Reihe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.15 Multinomialkoeffizienten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
5 Erzeugende Funktionen 26
5.1 (Formale) Potenzreihen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
5.4 Anwendung farbige Kugeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
5.5 Fibonacci-Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
5.6 Lineare Rekursionsgleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
III Graphentheorie 29
6 Grundlegende Begriffe 29
6.1 Definition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
6.2 Beispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
6.3 Isomorphismen und Automorphismen . . . . . . . . . . . . . . 31
6.4 Teilgraphen und Konstruktionsmethoden . . . . . . . . . . . . 32
6.5 Nachbarschaften und Gradzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . 33
6.6 Handshake-Lemma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
6.7 Gradfolgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
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3
8 Planare Graphen 41
8.1 Die reelle Ebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
8.2 Jordanscher Kurvensatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
8.5 Flächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
8.6 Formel von Euler für planare Graphen . . . . . . . . . . . . . 42
8.8 Kantenabschätzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
8.10 Der Satz von Kuratowski . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
IV Codierungstheorie 43
9.1 Alphabete und Codes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
9.3 Hamming-Abstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
9.6 Ein Hamming-Code . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
9.7 Singleton-Schranke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
9.9 Kugelpackungs-Schranke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
9.10 Überdeckungs-Schranke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
9.11 Lineare Codes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
9.12 Generator- und Kontrollmatrix . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
9.13 Hamming-Codes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
9.14 Reed–Solomon-Codes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
9.15 Anwendungen von Reed–Solomon-Codes . . . . . . . . . . . . 50
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4
V Kryptographie 50
10.1 Kryptosysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
10.2 Das AES-Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
10.3 Das diskrete Logarithmus-Problem . . . . . . . . . . . . . . . 53
10.4 Der Diffie–Hellman-Schlüsselaustausch . . . . . . . . . . . . . 54
10.5 Das ElGamal-Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
10.6 Elliptische Kurven . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
VI Übungsaufgaben 57
Index 64
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 08.04.2014 5
I Einleitung
Die diskrete Mathematik ist keine Geheimwissenschaft, sondern vielmehr ist
diskret hier als Abgrenzung zu kontinuierlich zu verstehen. Dabei wird der
Begriff unterschiedlich allgemein gefasst. Häufig geht es um mathematische
Probleme oder Theorien die mit endlichen oder abzählbaren Strukturen zu
tun haben. Am besten wird dies vielleicht an einigen Beispielen deutlich.
Beispiel 1. Nehmen wir an, wir wollen eine Treppe mit 11 Stufen besteigen
und können mit einem Schritt entweder eine oder zwei Stufen nehmen. Für
die ersten drei Stufen haben wir drei Möglichkeiten: 3 = 1 + 1 + 1 = 1 +
2 = 2 + 1. Für die gesamte Treppe von 11 Stufen gibt es 144 Möglichkeiten.
Natürlich ist man in der diskreten Mathematik nicht an der Lösung dieses
speziellen Problems interessiert, sondern fragt sich: Gibt es eine Formel für
die Anzahl der Möglichkeiten in Abhängigkeit der Anzahl der Stufen? Kann
man auch ähnliche Probleme lösen, etwa, wenn man es schafft 3 Stufen (oder
alle) auf einmal zu nehmen? Gibt es ein allgemeines Verfahren, zu solchen
Lösungsformeln zu kommen?
Beispiel 2. Wir wollen ein Schachbrett aus 8 mal 8 Feldern mit 8 Farben
so einfärben, dass in keiner Horizontalen oder Vertikalen eine Farbe doppelt
auftritt. Dies ist auf vielerlei Weisen möglich und hängt auch gar nicht von
der Zahl 8 ab. Solche Einfärbungen werden lateinische Quadrate genannt. Nun
stellen wir die Frage, ob es zwei solche Einfärbungen gibt (sogenannte orthogo-
nale lateinische Quadrate), so dass die von entsprechenden Feldern gebildeten
Farbpaare alle 8 · 8 = 64 Farbkombinationen durchlaufen. Eine einfache (beja-
hende) Antwort lässt sich mit der algebraischen Struktur des endlichen Körpers
mit 8 Elementen geben. Schon 1780 hat Euler die Frage gestellt, ob es auch
orthogonale lateinische Quadrate der Ordnung 6 gibt. Er konnte diese Frage
nicht beantworten und vermutete, dass dies für alle Ordnungen der Form 4k+2
nicht möglich sei. Heute weiß man, dass Euler nur für k = 1 Recht hatte.
Beispiel 3. Viele kennen seit den Kindertagen das Haus vom Nikolaus. Dabei
geht es darum in einem bestimmten Graphen einen Weg zu finden, der alle
Kanten genau einmal durchläuft: oder . Solch ein Weg heißt übrigens
Euler-Tour, nach Euler, der sich mit dem ähnlichen Königsberger Brückenpro-
blem beschäftigt hat. Diese Touren haben durchaus eine praktische Relevanz,
denn z.B. für die Müllabfuhr stellt solch eine Tour einen günstigen Weg dar.
Hier ergeben sich viele Fragen: Ist eine solche Tour auch für andere Graphen
möglich? Wenn nicht, gibt es ein Kriterium? Kann man die Touren auch mit
gleichem Anfangs- und Endpunkt wählen?
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 10.04.2014 6
II Kombinatorik
1 Grundlagen der Kombinatorik
1.1 Standardbezeichnungen. Für die natürlichen Zahlen (ohne Null)
schreiben wir N = {1, 2, 3, . . . }, N0 = {0}∪N und {1, . . . , n} = {k ∈ N : k ≤ n}
für n ∈ N0 . Weiter benutzen wir Z ⊆ Q ⊆ R ⊆ C. Für die Potenzmen-
ge einer Menge X (also die Menge aller Teilmengen von X) schreiben wir
P(X) oder 2X . Wir benutzen die Gaußklammern zum Auf- und Abrunden:
bxc := max{z ∈ Z : z ≤ x} und dxe := min{z ∈ Z : z ≥ x} für x ∈ R.
1.2 Endliche Mengen. Eine Menge A ist endlich, wenn es ein n ∈ N0 und
eine Abzählung, d.h. eine Bijektion f : {1, . . . , n} → A gibt. Die Zahl n ist
eindeutig bestimmt (siehe Übungsaufgabe 1.1) und heißt die Größe, Länge
oder Mächtigkeit von A; wir schreiben |A| für die Mächtigkeit von A und
nennen A eine n-Menge. Falls A nicht endlich ist, setzen wir |A| := ∞ (siehe
Bemerkung nach Satz 1.4) und benutzen ∞ ± x = ±x + ∞ = ∞ + ∞ = ∞
sowie x < ∞ für x ∈ R.
Beweis. (a) Die „leere Abbildung“ ∅ → A ist genau dann surjektiv, wenn A
leer ist.
(∗) Seien nun zunächst A und B endlich und disjunkt. Wir zeigen |A ∪ B| =
|A| + |B| per Induktion über |A|: Den Induktionsanfang liefert (a). Für |A| > 0
können wir wieder nach (a) ein a ∈ A wählen. Es folgt |A \ {a}| = |A| − 1, denn
ist f : {1, . . . , |A|} → A ein Abzählung, so ist g : {1, . . . , |A| − 1} → A \ {a}
mit g(x) = f (x) für x 6= f −1 (a) und g(f −1 (a)) = f (|A|), falls f −1 (a) 6= |A|,
eine Abzählung [vertausche a und f (|A|)]. Es folgt |(A \ {a}) ∪ B| = |(A ∪ B) \
{a}| = |A ∪ B| − 1 ebenso, da A und B disjunkt sind, und Induktion liefert die
Behauptung.
(d) In obigem Induktionsbeweis haben wir |A\{a}| = |A|−1 gezeigt für a ∈ A;
daraus folgt die Behauptung per Induktion, wenn wir a ∈ A \ B wählen. [(∗)
lässt sich nicht anwenden, da wir (noch nicht) wissen, dass B und A\B endlich
sind.]
(b) Sind A und B endlich, so folgt aus (∗), dass A ∪ B endlich ist. Aus (d) folgt
die andere Implikation, weil A und B Teilmengen von A ∪ B sind.
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 10.04.2014 7
(c) Wegen (b) müssen wir nur noch den endlichen Fall zeigen: |A ∪ B| =
|A \ (A ∩ B)| + |B| = |A| − |A ∩ B| + |B|.
(e) Für unendliches A ist nichts zu zeigen. Wähle sonst eine Teilmenge A0 ⊆ A,
so dass für jedes b ∈ f (A) die Faser f −1 (b) genau ein Element von A0 enthält
[A0 ist also ein Repräsentantensystem für die Fasern von f .] Da f |A0 injektiv
ist, folgt |f (A)| = |f (A0 )| = |A0 | ≤ |A| nach (d). 2
1.4 Satz. Für endliche Mengen A und B gilt |A| = |B| genau dann, wenn es
eine Bijektion A → B gibt.
Gilt dies, so ist eine Abbildung h : A → B genau dann bijektiv, wenn sie
injektiv oder surjektiv ist.
Die erste Aussage des Satzes ist falsch für unendliche Mengen [die zweite so-
wieso]. Das liegt daran, dass es verschiedene unendliche Mächtigkeiten gibt,
etwa |N| = ∞ = |R|, aber es gibt keine Bijektion N → R (Cantors zweites
Diagonalargument).
Die Forderung der Existenz einer Bijektion zwischen zwei Mengen macht aber
auch für unendliche Menge Sinn und wir nennen daher zwei Mengen gleich-
mächtig, wenn es eine Bijektion zwischen ihnen gibt wie im Satz.
Die Endlichkeit von Mengen lässt sich auch noch auf andere Art definieren:
Eine Menge ist genau dann unendlich, wenn es eine Injektion von ihr in eine
echte Teilmenge gibt. Für eine weitere Möglichkeit siehe Übungsaufgabe 1.4.
1.5 Satz (Potenzmenge). Für eine endliche Menge M gilt |2M | = 2|M | .
Beweis. Wir führen Beweis per Induktion nach |M |. Für |M | = 0 haben wir
M = ∅ und daher 2M = {∅}, also |2M | = 1. Sei nun |M | > 0. Wir können also
m ∈ M wählen und setzen
A := {X ⊆ M : m 6∈ X} und
B := {X ⊆ M : m ∈ X}.
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 15.04.2014 8
1.6 Partitionen. Eine Partition einer Menge M ist eine Menge von paar-
weise disjunkten Teilmengen von M , deren Vereinigung M ist.
Für eine endliche Partition P einer Menge M gilt
X
|M | = |X|.
X∈P
Beweis. Für |P | = 0, 1 ist die Aussage trivial und für |P | = 2 ist die Aussage
ein Spezialfall von 1.3(c). Die Behauptung folgt damit per Induktion über
|P |. 2
1.7 Korollar. Für endliche Mengen A und B gilt |A × B| = |A| · |B| und
|An | = |A|n für n ∈ N0 (mit 00 = 1).
|A|
|f −1 (b)| ≥ .
|B|
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 24.04.2014 10
1.11 Beispiel. Bei einem Treffen ist die Anzahl der Personen, die einer un-
geraden Anzahl von Leuten die Hände schütteln, gerade:
Für die Menge A der Personen betrachten wir die Menge M der Paare (a, b) ∈
A2 von Personen die Hände miteinander schütteln. Wir zählen M auf zwei
Weisen. Einerseits gilt für (a, b) ∈ M auch (b, a) ∈ M und a 6= b, also ist |M | =
P wobei h die Anzahl der „Händeschüttelungen“ ist. Andererseits folgt
2h gerade,
|M | = a∈A na , wobei na := |M ∩ ({a} × A)| die Anzahl der Leute ist, die mit
a die Hände schütteln. Also muss die Anzahl der ungeraden na gerade sein.
2 Binomialkoeffizienten
2.1 Permutationen und Fakultät. Für eine Menge M bezeichnet Sym M
die Menge aller Bijektionen von M nach M , die sogenannte symmetrische
Gruppe auf M . Ihre Elemente werden Permutationen genannt. Für uns ist
die endliche symmetrische Gruppe Sn := Sym{1, . . . , n} auf n ∈ N0 Ziffern
interessant. Ihre Mächtigkeit |Sn | wird als Fakultät von n, in Zeichen n!,
bezeichnet. Man überlegt sich leicht, dass die Rekursionsgleichung n! = n ·
(n − 1)! gilt für n ∈ N und zeigt per Induktion n! = n · (n − 1) · (n − 2) · · · 2 · 1 =
Qn−1
i=0 (n − i); beachte 0! = 1. Für ein Element x eines kommutativen Rings
Qk−1 Qk−1
und k ∈ N definieren wir xk := i=0 (x − i) und xk := i=0 (x + i) sowie
x0 := x0 := 1 (steigende und fallende Faktorielle). Die Produkte xk und
xk bestehen also aus k um 1 absteigende bzw. aufsteigende Faktoren beginnend
mit x. Mit dieser Notation gilt n! = nn und nk = n!/(n − k)! .
Erstaunlicherweise lässt sich die Fakultätsfunktion auf R≥0 R ∞fortsetzen [sogar
noch weiter und holomorph] durch die Definition F (x) := 0 tx e−t dt. Es gilt
F (0) = F (1) = 1 und F (x) = xF (x − 1) (partielle Integration). Durch Γ(x) :=
F (x − 1) wird die Gammafunktion definiert.
√
Das Wachstumsverhalten von n! entspricht n( ne )n mit annähernd konstantem
relativen Fehler. Genauer hat man die folgende Abschätzung, die wir ohne
Beweis (mit Gammafunktion) angeben.
√ 1
2.2 Satz. Für n ∈ N und an := 2πn( ne )n gilt an ≤ n! ≤ an e 12n .
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 24.04.2014 11
ab. Er gibt also die Anzahl der k-Teilmengen jeder n-Menge an. Daher gilt
n n
n ∈ N0 und nk = 0 für k < 0 und k > n.
0 = 1 = n für
M
Beweis. (a) Sei M eine (n + 1)-Menge und m ∈ M . Dann ist k+1 eine
M \{m} M
disjunkte Vereinigung von A := k+1 und B := {X ∈ k+1 : m ∈ X}.
M \{m}
Weil B → k , X 7→ X \ {m} eine Bijektion ist, folgt
n+1 M n n
= = |A| + |B| = + .
k+1 k+1 k+1 k
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 24.04.2014 12
(d) folgt per Induktion aus (a) [oder direkt über die Definition von Binomial-
koeffizienten durch Ausmultiplizieren des n-fachen Produktes].
(e) Wir zählen X := {(A, B) ∈ Ml × M
k : A ⊆ B} auf zwei Weisen ge-
mäß 1.10: nl n−l n k
k−l = |X| = k l (einerseits wird zuerst A gewählt und dann
durch eine (k − l)-Teilmenge von M \ A zu B ergänzt, und andererseits wird
zuerst B gewählt und darin eine l-Teilmenge gewählt).
(f) Für l = 1 gilt nach (e) die Gleichung nk k = n n−1 n
n n−1
k−1 , also k = k k−1 für
k ∈ N; die Gleichung folgt hieraus per Induktion. 2
1
1 1
1 2 1
1 3 3 1
1 4 6 4 1
1 5 10 5 10 1
1 6 15 20 15 6 1
1 7 21 35 35 21 7 1
1 8 28 56 70 56 28 8 1
1 9 36 84 126 126 84 36 9 1
1 10 45 120 210 252 210 120 45 10 1
.. ..
. .
Lemma 2.5(b) drückt die Spiegel-Symmetrie des Dreiecks aus. Mit 2.5(f) kann
man leicht zeigen, dass die Koeffizienten bis zur Mitte ansteigen (und dann
fallen).
Die Summe der Zahlen in einer Diagonalen (siehe fett gedruckte Zahlen im
Pk Pk
Bild) ist wieder ein Binomialkoeffizient, genauer gilt l=0 n+l = l=0 n+l
n l =
n+k+1
k ; dies zeigt man leicht per Induktion.
Vermutung von Singmaster: Jede Zahl ab 2 tritt im Pascal-Dreieck höchstens
10 Mal auf.
Singmaster hat 1975 bewiesen, dass unendlich viele Zahlen mindestens 6 Mal
auftreten. Die Zahl
3003 78 15 14
3003 = = = =
1 2 5 6
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 29.04.2014 13
22m 22m
2m
√ < <√ .
2 m m 2m
1 2m
√ √
Beweis. Wir betrachten P := 22m m und müssen 1 < 2 mP < 2 zeigen.
Es gilt
(2m)! 1 · 3 · 5 · · · · · (2m − 1)
P = m 2
= ,
(2 m!) 2 · 4 · 6 · · · · · 2m
und daher
32 52 (2m − 1)2
2(2m)P 2 = · ··· >1
2·4 4·6 (2m − 2)(2m)
| {z }
(2m−1)2
= (2m−1)2 −1 >1
sowie
1·3 3·5 (2m − 1)(2m + 1)
(2m)P 2 < (2m + 1)P 2 = 2
· 2 ··· <1
2 4 (2m)2
| {z }
(2m)2 −1
= <1
(2m)2 2
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(0, 0)
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N M
Die Mengen Sl := {A ∪ B : A ∈ l , B ∈ k−l } für l = 0, . . . , k bilden eine
Pk Pk
Partition von N ∪M n+m
|Sl | = l=0 nl k−l
m
k . Also folgt k = l=0 nach 1.6
und 1.7. 2
(n − k, k)
(n + m − k, k)
(0, 0)
(n, 0)
Es gibt genau nl kürzeste Wege von (0, 0) nach (n − l, l), und von (n − l, l)
zk
z z(z − 1) · · · (z − k + 1)
:= =
k k! k!
für k ∈ N0 . Insbesondere ist xk z.B. ein Polynom in Q[x]. Für alle k ∈ N0 gilt
die Identität
z+1 z z
= +
k+1 k k+1
z.B. für alle komplexen Zahlen z, denn f := x+1
x x
k+1 − k − k+1 ist ein Polynom
vom Grad höchstens k + 1 in Q[x] mit den unendlich vielen Nullstellen n ∈ N
wegen 2.5(a); und daher folgt f = 0, weil ein solches Polynom sonst höchstens
k +1 Nullstellen hätte. Entsprechend gilt z.B. auch die Vandermonde-Identität
für komplexe Zahlen. Direkt aus der Definition folgt
−z k z+k−1
= (−1) .
k k
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also an+1 ∈ Z. 2
Beweisidee. Man differenziert die rechte Seite R(x) und stellt fest, dass sie
der Differentialgleichung rR(x) = (1 + x)R0 (x) genügt; siehe Köhler, Analysis,
Heldermann-Verlag 2006, Satz 16.3. 2
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Per Induktion zeigt man aus dem Binomischen Lehrsatz den multinomischen
Lehrsatz: In kommutativen Ringen gilt
X n
n
(x1 + x2 + · · · + xt ) = xk1 xk2 · · · xkt t .
k1 , k2 , . . . , kt 1 2
k1 ,k2 ,...,kt ∈N0
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B A = {f | f : A → B} = {(ba )a∈A : ba ∈ B}
die Menge aller Abbildungen von A nach B. Wir haben B ∅ = {∅} und B N ist
die Menge aller Folgen in B.
Daher folgt für |A| < ∞ die Behauptung per Induktion wegen
Anwendung:
3.4 Satz. Für die Anzahl π(n) aller Primzahlen in {1, . . . , n} gilt
ln n
π(n) ≥
ln 4
für alle n ∈ N, insbesondere gibt es unendlich viele Primzahlen.
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Beweis. Das zweite Gleichheitszeichen folgt aus 2.5(f), und die Behauptung
ist trivial für |B| < |A|. Andernfalls gibt es zu jeder |A|-Teilmenge X von B
eine Bijektion f0 : A → X und alle Bijektionen von A nach X erhält man
eindeutig als g ◦ f0 für g ∈ Sym X. Wegen | Sym X| = |X|! = |A|! folgt die
Behauptung. 2
3.6 Auswahlen. Auf wie viele Arten kann man k Elemente aus einer n-Men-
ge auswählen? Man muss präzisieren, ob die Reihenfolge berücksichtigt wird,
und ob wiederholte Auswahlen erlaubt sind, d.h. ob sogenanntes Ziehen mit
Zurücklegen vorliegt.
Anzahl Auswahlen k aus n
Reihenfolge wichtig Reihenfolge egal
mathematisches Objekt
n
nk k
ohne Zurücklegen
injektive Abbildungen k-Teilmengen
= −n
n+k−1
nk k k
mit Zurücklegen Abbildungen Multimengen
2-Zeichenfolgen
3.7 Beispiel. Wir zählen normierte Polynome vom Grad d = k über einem
endlichen Körper K mit q = n Elementen, die in Linearfaktoren zerfallen.
Die Linearfaktoren sind von der Form x − a für a ∈ K. Wir müssen also d
Linearfaktoren aus q möglichen mit Zurücklegen und ohne Berücksichtigung
der Reihenfolge (Kommutativität von K) auswählen. Es geht also um Multi-
mengen über einer q-Menge mit Gesamtgewicht d, also gibt es q+d−1 d solche
Polynome und daher q 2 − q+1 q
2 = 2 > 0 viele normierte irreduzible Polynome
vom Grad 2.
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für jede Folge (An ) paarweise disjunkter Teilmengen von S [beachte absolute
Konvergenz und Vertauschbarkeit]. Die Teilmengen von S heißen Ereignisse
und die Elemente von S Elementarereignisse.
Die Wahrscheinlichkeitsfunktion P istSbestimmt durch
P ihre Werte auf den Ele-
mentarereignissen, denn P (A) = P ( a∈A {a}) = a∈A P ({a}) für A ⊆ S.
Man überlegt sich leicht, dass 0 ≤ P (A) ≤ 1 und P (S \ A) = 1 − P (A) für alle
A ⊆ S gilt, und damit P (∅) = 1 − P (S) = 0.
Gilt P ({s}) = P ({t}) für alle s, t ∈ S, so heißt P PGleichverteilung oder
Laplace-Verteilung P auf S. Für s ∈ S folgt dann 1 = t∈S P ({t}) = |S|P ({s})
und somit P (A) = a∈A P ({a}) = |A|/|S|; insbesondere ist S endlich.
3.9 Beispiele. (a) Durch den Wahrscheinlichkeitsraum S = {1, . . . , 6} mit
der Gleichverteilung wird das Würfeln eines Spielwürfels modelliert. Die Er-
eignisse Z = {2, 4, 6} (eine durch zwei teilbare Zahl zu würfeln) und D = {3, 6}
(eine durch drei teilbare Zahl zu würfeln) sind unabhängig, denn P (Z ∩ D) =
P ({6}) = 16 = 12 · 13 = P (Z)P (D).
(b) Zweimaliges Würfeln modelliert man durch S = {1, . . . , 6}2 und das Er-
eignis „Augensumme ist 4“ wird durch A = {(1, 3), (2, 2), (3, 1)} beschrieben;
seine Wahrscheinlichkeit ist |A| 3 1
|S| = 36 = 12 .
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 13.05.2014 21
die Varianz (oder Streuung) von X. Die Abbildung E ist R-linear, daher gilt
(n−1)! 1
für s ∈ S und i = 1, . . . , n. Es gilt E(Xi ) = n! = n und daher
n n
X X 1
E(X) = E( Xi ) = E(Xi ) = n · = 1.
i=1 i=1
n
Weiter gilt
n
X 2 n
X n
X X
E(X 2 ) = E Xi = E(Xi Xj ) = E(Xi2 ) + 2 E(Xi Xj )
i=1 i,j=1 i=1 i<j
1
und Xi2 = Xi , also E(Xi2 ) = E(Xi ) = n. Für i 6= j ist
1 (n − 2)! 1
E(Xi Xj ) = {s ∈ S : s(i) = i und s(j) = j} = =
n! n! n(n − 1)
und zusammen für n ≥ 2
2 1 n 1
E(X ) = n · + 2 = 1 + 1 = 2,
n 2 n(n − 1)
also
V (X) = E(X 2 ) − E(X)2 = 2 − 1 = 1.
Permutationen haben also im Durchschnitt einen Fixpunkt, oder man sagt
auch 1 ± 1 viele Fixpunkte.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 13.05.2014 22
Beweis. Für n = 1 ist die Aussage klar. Wir führen Induktion über n und
nutzen die Induktionsvoraussetzung für A2 , . . . , An und A1 ∩ A2 , . . . , A1 ∩ An :
n n n
[ 1.3(c) [ [
|A1 ∪ Ai | = |A1 | + Ai − (A1 ∩ Ai )
i=2 i=2 i=2
X \ X \
= |A1 | + (−1)|I|−1 Ai − (−1)|I|−1 Ai .
∅6=I⊆{2,...,n} i∈I ∅6=I⊆{2,...,n} i∈{1}∪I
2
4.2 Bemerkung (Bonferroni-Ungleichungen). Für endliche Mengen
A1 , A2 , . . . , An , ungerades u ∈ N und gerades g ∈ N gilt
n
[ m
X X \
βg ≤ Ai ≤ β u mit βm := (−1)k−1 Ai .
i=1 k=1 I∈( {1,...,n}
) i∈I
k
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 13.05.2014 23
4.6 Einschub: Endliche Körper. Sei n eine natürliche Zahl, und für z ∈ Z
sei rn (z) ∈ {0, 1, . . . , n − 1} der eindeutig bestimmte Rest bei Division von z
durch n. Damit definieren wir eine Addition und Multiplikation auf Zn =
{0, 1, . . . , n − 1} durch a ⊕ b := rn (a + b) und a b := rn (a · b) und (Zn , ⊕, )
wird damit zu einem kommutativen Ring, dem Restklassenring modulo n. Es
ist Zn genau dann ein Körper, wenn n eine Primzahl ist; siehe Algebra WS11,
Satz 10.7.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 15.05.2014 24
Beweis. Zitate aus Algebra WS11: Satz 17.2, Satz 17.3., Satz 9.5. 2
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 20.05.2014 25
n
mit q n − 1 Elementen ist (oder mit 4.7(c)), gilt aq −1 = 1 für alle a ∈ L∗
n
und daher aq = a für alle a ∈ L. Also sind alle Elementen von L Nullstellen
n
des Polynoms g := xq − Q x, und daher zerfällt g in paarweise verschiedene
Linearfaktoren, also g = a∈L x − a.
Wir betrachten die Menge
E := {a ∈ L : L ist einziger Teilkörper X mit K ∪ {a} ⊆ X ⊆ L}.
Gewöhnlich schreibt man K(a) = {h(a) : h ∈ K[x]} für den kleinsten Teilkör-
per von L, der K ∪ {a} enthält, es gilt also a ∈ E ⇐⇒ K(a) = L. Ist f ∈ K[x]
das Minimalpolynom von a ∈ E, so folgt f | g wegen g(a) = 0. Also zerfällt mit
g auch f über L in paarweise verschiedene Linearfaktoren. Da f irreduzibel ist,
folgt, dass f das Minimalpolynom all dieser Nullstellen ist. Ferner überlegt man
sich, dass K(a) ∼ = K[x]f gilt mit Isomorphismus h ∈ K[x]f 7→ h(a) ∈ K(a)
(siehe Algebra WS11, Satz 13.6). Es folgt grad f = n wegen |L| = |K|n , also
f ∈ IK (n).
Ist umgekehrt f ∈ IK (n), so ist x ∈ L0 := K[x]f eine Nullstelle von f im
Körper L0 . Wegen |L0 | = q n erhalten wir wie oben f | g, und daher zerfällt f
auch über L in Linearfaktoren der Form x − a. Zu all diesen Nullstellen a ∈ L
ist f Minimalpolynom, und wegen K(a) ∼ = L0 folgt a ∈ E.
Wir haben gezeigt, dass E partitioniert wird in n-Mengen, die aus Nullstellen
zu Polynomen f ∈ IK (n) bestehen, also gilt n · Iq (n) = |E|. Wir bestimmen
|E|: Die Elemente von L \ E liegen in maximalen echten Teilkörpern von L.
Nach 4.7(b) sind dies genau die Teilkörper T Ai von L mit |Ai | = q n/pi = q n{i} für
nI
I ⊆ {1, . . . , r} folgt | i∈I Ai | = q wegen ggTi∈I n/pi = nI
i = 1, . . . , r. Für T
mit 4.7(b), denn i∈I Ai ist der größte gemeinsame Teilkörper der Ai für i ∈ I,
und daher X
|E| = (−1)|I| q nI .
I⊆{1,...,r} 2
denn das Produkt der normierten irreduziblen Polynome über Fq vom Grad
n
d | n ist genau g = xq − x (Algebra WS11, Übungsaufgabe 12.2). [Man kann
Sie auch rein analytisch mit erzeugenden Funktionen beweisen; siehe Cameron,
Combinatorics, Abschnitt 4.7.]
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 20.05.2014 26
5 Erzeugende Funktionen
5.1 (Formale) Potenzreihen. Wir betrachten hier Potenzreihen meist et-
was anders als in der Analysis. Soweit möglich verzichten wir auf Konver-
genzbetrachtung und rechnen lediglich formal mit ihnen wie es in der Alge-
bra präzisiert wird, siehe AlgebraP WS11, Definition 9.1. Formale Potenz-
an xn = n∈N0 an xn = n≥0 an xn und
P P
reihen sind Ausdrücke der Form
können als Verallgemeinerungen von Polynomen betrachtet werden; dabei ist
(an )n∈N0 eine Folge in einem kommutativen Ring R, etwa Z, Q, R oder C.
Wir rechnenPmit ihnen P wie aus derPAnalysis P bekannt und P durch Polynome
n n n n
motiviert: c an x = (can )x
Pn , a n x + b n x = (an + bn )xn und
n n n
P P P
( an x )( bn x ) = n∈N0 ( k=0 ak bn−k )x . Auf diese Weise erhält man
den Ring R[[x]] der formalen Potenzreihen, welcher den Polynomring R[x]
enthält.
Beispiel. Wir berechnen das Produkt ( xn )(1 − P
P n P
x − n≥1 xn =
P
x) =
n
1. Dies bedeutet, dass die geometrische Reihe P nx invertierbar
1
ist mit
Inversem 1 − x. Wir können also auch schreiben x = 1−x im Ring Z[[x]].
1
Quadrieren wir beide Seiten erhalten wir (n + 1)xn = (1−x)
P
2 , was sich auch
Idee von erzeugenden Funktionen: Eigentlich will man die Folge a besser ver-
stehen – z.B. eine einfache Formel finden. Anstatt sich mit den unendlich vielen
Folgengliedern herum zu schlagen ordnet man der Folge ein einziges Objekt
zu, die erzeugende Funktion, und untersucht dieses, z.B. mit Hilfsmitteln der
Analysis oder Algebra. Einfache Versionen dieser Methode haben wir schon
in 2.11 und 2.13 kennen gelernt.
5.3 Beispiele. (a) P Die Folge (1, 1, 1, . . . ) hat als erzeugende Funktion die geo-
metrische Reihe xn = (1 − x)−1 . Wie wir oben gesehen haben, hat also
(1, 2, 3, . . . ) die erzeugende Funktion (1 − x)−2 .
(b) Nach 2.14 (binomische Reihe) ist (1 + x)r für r ∈ R die erzeugende
Funktion von kr k∈N0 ; speziell ist (1 − x)−n die erzeugende Funktion von
n+k−1
= n−1+k
k k∈N0 n−1 k∈N0
für n ∈ N.
√
1− 1−4x
(c) Für die erzeugende Funktion der Catalan-Zahlen Cn erhält man x ,
siehe 2.14.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 20.05.2014 27
Wir suchen also alle Tupel i, j, k mit i ∈ {0, . . . , 30}, j ∈ {0, . . . , 40}, k ∈
{0, . . . , 50} und i + j + k = 70. Die Anzahl dieser Tupel entspricht genau dem
Koeffizienten von x70 in
f := (1 + x + · · · + x30 )(1 + x + · · · + x40 )(1 + x + · · · + x50 ).
Zunächst gilt
X X X 1 − xk+1
1 + x + · · · + xk = xn − xk+1 xn = (1 − xk+1 ) xn = .
1−x
und damit
Diese Folge taucht so häufig in Mathematik und Natur auf, dass ihr eine eigene
Zeitschrift, der Fibonacci Quarterly gewidmet ist. Wir wollen die erzeugende
Funktion F bestimmen und rechnen (mit Fk = 0 für k ≤ 0)
X X X
F = Fn x n = Fn−1 xn + Fn−2 xn + x = xF + x2 F + x.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 22.05.2014 28
Fn = aαn + bβ n (∗)
Dies ist eine erstaunliche Beschreibung der Fibonacci-Zahlen, denn diese na-
türlichen Zahlen werden durch Potenzen
√ von irrationalen Zahlen dargestellt.
Die Potenzen der Zahl β = 21 (1 − 5) = −0,618 . . . werden sehr schnell klein
wegen |β| < 1, so dass aαn eine sehr gute Näherung für Fn darstellt, es gilt
etwa aα12 = 144, 001 . . . . Außerdem ist das Verhältnis aufeinander folgender
Fibonacci-Zahlen ungefähr α.
√
Die Zahl α = 12 (1+ 5) = 1,618 . . . wird als Goldener Schnitt bezeichnet. Sie
ist das Seitenverhältnis eines Rechtecks, das nach Abschneiden eines Quadrates
in ein Rechteck mit gleichem Seitenverhältnis übergeht.
α
1
2
1
1 5
3
1/α 1
f (n + d) = z1 f (n + d − 1) + z2 f (n + d − 2) + · · · + zd f (n)
für alle n ∈ N0 durch erzeugende Funktionen lösen. Das Problem wird dabei
zurück geführt auf die Bestimmung von Nullstellen von Polynomen vom Grad
d. Siehe Aigner, Diskrete Mathematik, Satz 3.1.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 22.05.2014 29
können wir diese Elemente auf nk Arten wählen, und der Rest kann auf an−k
und betrachten die erzeugende Funktion  von (an /n!)n∈N0 , die sogenannte
exponentielle erzeugende Funktion von (an )n∈N0 und berechnen
n n
X 1 X n XX 1 an−k n
2Â(x) = an−k xn +1 = x +1 = ex Â(x)+1,
n
n! k n
k! (n − k)!
k=0 k=0
also
∞ ∞ ∞
1 1 X ex k X 1 X k n xn
Â(x) = = = ,
2 − ex 2 2 2k+1 n=0 n!
k=0 k=0
n
und durch Koeffizientenvergleich für x erhalten wir
∞
X kn
an = .
2k+1
k=0
III Graphentheorie
6 Grundlegende Begriffe
6.1 Definition. Ein Graph ist ein Paar G = (V, E) von Mengen mit E ⊆
V
2 . Die Menge V heißt Eckenmenge oder Vertexmenge und E heißt Kan-
tenmenge [englisch: edge set]. Für V und E schreiben wir auch V (G) bzw.
E(G) [auch wenn die Mengen V und E anders heißen]. Ferner heißt G endlich,
falls |V | < ∞.
Endliche Graphen lassen sich gut durch Bilder angeben: Für jede Ecke zeichnet
man einen Punkt und für jede Kante {v, w} eine Linie, die die Ecken v und w
verbindet. So wird der Graph
2 1
({1, 2, 3, 4, 5}, {{1, 2}, {1, 5}, {2, 3}, {2, 5}}) durch
3 5 4
dargestellt. Für eine Kante {v, w} schreiben wir auch vw. Zwei Ecken v und
w heißen Nachbarn oder benachbart oder adjazent, falls {v, w} ∈ E gilt,
verschiedene Kanten heißen adjazent, falls ihr Schnitt nicht leer ist, und eine
Ecke v und eine Kante e heißen inzident, falls v ∈ e gilt.
6.2 Beispiele. (a) Für eine Menge V heißt K(V ) := (V, V2 ) der vollstän-
dige Graph auf V . In ihm sind je zwei Ecken benachbart, und jeder solche
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 22.05.2014 30
K5
K2
K3 K4
(b) Für disjunkte Mengen V und W heißt jeder Graph der Form (V ∪W, {{v, w} :
v ∈ V, w ∈ W }) vollständig bipartit; speziell betrachtet man Kn,m für
V = {1, . . . , n} und W = {n + 1, n + 2, . . . , n + m} mit n, m ∈ N0 .
P5
(d) Für n ≥ 3 heißt Cn := ({1, . . . , n}, {{1, 2}, {2, 3}, . . . , {n − 1, n}, {n, 1}})
Kreis der Länge n; für n = 3, 4, . . . sagt man auch Dreieck, Viereck, etc.
Der Kreis Cn besteht aus n Ecken und n Kanten. Es gilt C3 = K3 .
C4 C5
C3
(e) Der Graph J(n, k, i) für n ≥ k ≥ i ≥ 0 hat als Eckenmenge die Men-
ge der k-elementigen Teilmengen von {1, . . . , n}, und zwei Ecken sind genau
dann benachbart, wenn ihr Schnitt genau i Elemente enthält. Die Graphen
K(n, k) := J(n, k, 0) heißen Kneser-Graphen, und einer der wichtigsten Gra-
phen ist der Petersen-Graph K(5, 2). Er hat 10 Ecken und 15 Kanten, und
jede Ecke hat genau drei Nachbarn.
K(5, 2)
(f) Der d-dimensionale Würfel Qd ist gegeben durch V (Qd ) = {0, 1}d , die
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 27.05.2014 31
Eckenmenge ist also die Menge der 0-1-Folgen der Länge d, und zwei Folgen
sind genau dann adjazent, wenn sie sich an genau einer Stelle unterscheiden.
Q1 Q2 Q3
(g) Ein interessanter unendlicher Graph ist der sogenannte zufällige Graph
R := N0 , {k, n2k+1 + 2k + r} | k, n, r ∈ N0 , r < 2k .
Man überlegt sich leicht, dass zwei Ecken k und l genau dann adjazent sind,
wenn an der k-ten Stelle bk in der Binärdarstellung bm bm−1 . . . b1 b0 von l eine 1
steht, oder umgekehrt an der l-ten Stelle in derjenigen von k. Dieser Graph ist
universell in dem Sinne, dass jeder endliche oder abzählbar unendliche Graph
[als induzierter Teilgraph] in ihm enthalten ist. [Erklärung des Namens zufäl-
liger Graph: Wählt man zufällig einen Graphen mit Eckenmenge N0 (dies ist
nicht ganz leicht zu präzisieren), so erhält man mit Wahrscheinlichkeit 1 einen
zu R isomorphen Graphen.]
Die Bedingung (∗) bedeutet, dass die Menge der Nachbarn von jeder Ecke v
von G durch f auf die Menge der Nachbarn der Ecke f (v) von G0 abgebildet
wird. Insbesondere sind die Grade, also die Anzahlen der Nachbarn von v
bzw. f (v) gleich; die Umkehrung gilt nicht, denn zwischen den Eckenmengen
der beiden Graphen
6∼
=
gibt es zwar eine Bijektion, die Ecken mit gleich vielen Nachbarn aufeinander
abbildet, aber sie ist kein Isomorphismus, da im linken Graphen die beiden
Ecken mit genau drei Nachbarn benachbart sind und im rechten nicht.
Alle Bijektionen von V sind Automorphismen von K(V ) und K(V ), also gilt
Aut(K(V )) = Aut(K(V )) = Sym(V ).
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 27.05.2014 32
Für n ≥ 1 gilt | Aut Pn | = 2, denn jeder Automorphismus muss die Enden des
Weges aufeinander abbilden, da die Anzahl der Nachbarn erhalten bleibt.
Es gelten die trivialen Isomorphien K1 ∼ = P0 ∼ ∼ P1 ∼
= Q0 , K2 = = Q1 , K3 = C 3 ,
∼ ∼ ∼ ∼
C4 = Q2 und K(n, 1) = Kn . Falls G = Pn oder G = Cn , etc., sagen wir auch
G ist ein Weg bzw. ein Kreis, etc. Es gibt genau 64 Graphen (V, E) mit
V 4
V = {1, 2, 3, 4}, denn die Menge V2 hat 2|( 2 )| = 2(2) = 26 = 64 Teilmengen;
Wir wollen uns überlegen, dass die Anzahl der Isomorphieklassen von Graphen
n
mit n Ecken trotzdem fast so schnell wächst wie 2( 2 ) . Auf der Eckenmenge V =
{1, 2, . . . , n} gibt es n! Bijektionen. Jeder Graph (V, E) kann also höchstens
zu n! Graphen (V, E 0 ) isomorph sein [genau n!, falls Aut(V, E) = {id}, sonst
(n2 ) n
weniger]. Also gibt es mindestens 2 n! und höchstens 2( 2 ) Isomorphieklassen.
2
Für die Anzahl A(n) der Isomorphieklassen gilt also wegen n2 = n2 (1 − n1 )
n n n
n2 1 2( 2 ) 2( 2 ) 2( 2 ) n2 1 2 log2 n
2 2 (1− n )
≥ A(n) ≥ ≥ n = n log n = 2 2 (1− n − n ) .
n! n 2 2
2 1
Für jedes ε > 0 und n hinreichend groß wächst A(n) also schneller als 2n ( 2 −ε) ,
2
also z.B. schneller als 1,4n . [All diese Graphen sind in R aus 6.2(g) enthalten.]
induzierter aufspannender
Teilgraph Teilgraph Teilgraph
Der Kantengraph L(G) von G = (V, E) ist der Graph mit Eckenmenge E,
in dem zwei Ecken (also Kanten von G) benachbart sind, wenn sie adjazent in
G sind.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 03.06.2014 33
Q3 L(Q3 )
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 03.06.2014 34
Dann ist D genau dann Gradfolge eines Graphen, wenn dies für D0 der Fall
ist.
Beweis. Eine Implikation ist einfach und motiviert die Definition von D0 : Sei
G0 = ({1, 2, . . . , n − 1}, E) ein Graph mit Gradfolge D0 und d(i) = d0i für alle i.
Dann hat der Graph G = G0 ∪(V (G0 )∪{n}, {{i, n} : i = n−1, n−2, . . . , n−dn })
die Gradfolge D.
Für die Umkehrung sei G die Menge aller Graphen G mit V (G) = {1, 2, . . . , n}
und dG (i) = di für i ∈ V (G). Für G ∈ G definieren wir
j(G) := max {0, 1, 2, . . . , n − 1} \ N (n) ≥ n − 1 − dn .
...
1 2 k i j n
Beweis. Wir führen Induktion über die Eckenzahl n = |V |. Für n = 1 ist die
Behauptung klar wegen |E| = 0. Sei nun G = (V, E) ein Graph ohne t-Cliquen
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 05.06.2014 35
6.10 Korollar (Mantel 1907). Jeder endliche Graph (V, E) mit |E| > 14 |V |2
enthält ein Dreieck, also einen Teilgraphen isomorph zu C3 ∼
= K3 .
6.11 Extremale Graphen. Nach 6.10 gilt |E| ≤ 14 |V |2 für alle Graphen
(V, E), die kein Dreieck enthalten. In der extremalen Graphentheorie fragt
man sich allgemein: Für welche Graphen, die eine Ungleichung erfüllen, gilt die
Gleichheit? Man kann zeigen, dass in 6.10 genau für die vollständig bipartiten
Graphen Kn,n Gleichheit gilt. [Für |E| ≤ b 14 |V |2 c erhält man Kn,n oder Kn,n+1
als extremale Graphen und für 6.9 entsprechend „multipartite Graphen“.]
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 05.06.2014 36
Königsberger Brückenproblem
Ein Hamilton-Kreis von G ist eine einfach geschlossene Tour der Länge |V |;
für |V | ≥ 3 bedeutet dies, dass G einen aufspannenden Kreis enthält; es werden
alle Ecken genau einmal durchlaufen. Man nennt G hamiltonsch, falls in G
ein Hamilton-Kreis existiert. Es ist keine Charakterisierung der hamiltonschen
Graphen bekannt. Das Problem der Existenz eines Hamilton-Kreises für einen
beliebigen Graphen ist NP-vollständig (Karp 1972). Dies ist sogar dann noch
richtig, wenn man die Klasse der Graphen z.B. auf planare Graphen (siehe 8.3)
mit Maximalgrad 3 einschränkt. Allerdings ist jeder 4-zusammenhängende pla-
nare Graph hamiltonsch (Tutte 1956).
6.14 Satz (Dirac 1952). Jeder endliche nichtleere Graph G mit Minimal-
grad δ(G) ≥ 21 |V (G)| ist hamiltonsch.
Beweis. Sei G = (V, E) ein Graph mit n = |V | ∈ N und δ(G) ≥ n/2. Dann
ist G zusammenhängend, denn andernfalls hätte eine Zusammenhangskompo-
nente C mit |C| ≤ n/2 Maximalgrad kleiner als n/2.
Sei nun p = (v0 , v1 , . . . , vk ) eine einfache Tour maximaler Länge. Alle min-
destens n/2 Nachbarn von v0 und von vk liegen auf dieser Tour. Also gibt es
nach dem Schubfachprinzip unter den k < n Indizes i mit 0 ≤ i < k einen mit
vi vk ∈ E und v0 vi+1 ∈ E wie im Bild.
vi+1
... ...
v0 v1 vi vk
Die Tour c := (c0 , . . . , ck+1 ) := (v0 , vi+1 , vi+2 , . . . , vk , vi , vi−1 , . . . , v0 ) ist ein-
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 12.06.2014 37
fach geschlossen. Sie ist ein Hamilton-Kreis, denn andernfalls könnte man we-
gen des Zusammenhangs von G eine Ecke ci von c mit einer Ecke v außerhalb
von c verbinden und erhält so eine einfache Tour (v, ci , . . . , ck+1 =c0 , . . . , ci−1 )
der Länge k + 1 im Widerspruch zur Wahl von p. 2
6.15 Kürzeste Wege und der Algorithmus von Dijkstra. Ein gewich-
teter Graph ist ein Paar (G, w) bestehend aus einem Graphen G = (V, E)
und einer Gewichtsfunktion w : E → R≥0 . Dieser Begriff hat viele praktische
Anwendungen, z.B. lässt sich das Straßennetz modellieren: Straßenkreuzungen
als Ecken, Straßen als Kanten und z.B. Längen der Straßen oder mittlere Fahr-
zeit zwischen zwei Kreuzungen als Gewichte der Kanten. Ist p = (v0 , v1 , . . . , vn )
eine Tour, so ist
X n
w(p) := w({vi−1 , vi })
i=1
das Gesamtgewicht von p. In obigen Beispielen liefert w(p) die Gesamtdi-
stanz von v0 nach vn bzw. die mittlere Fahrzeit entlang der Tour. In Anlehnung
an das erste Beispiel spricht man auch von der Distanz von v0 nach vn entlang
p. Wählt man für alle Kanten Gewicht 1, erhält man die Länge von p.
Sei ein endlicher gewichteter Graph (G, w) mit G = (V, E) und eine Startecke
v0 ∈ V gegeben. Der Dijkstra-Algorithmus bestimmt [für nichtnegative
Gewichte] für jede Ecke v in der Zusammenhangskomponente von v0 eine Tour
p von v0 nach v mit minimalem Gesamtgewicht, also eine Tour minimaler
Distanz [oft auch „kürzester Weg“].
Initialisierung: Wir benötigen die folgenden drei Funktionen und Mengen,
um während der Laufzeit des Algorithmus Buch zu führen:
dist : V → R≥0 ∪ {∞} (aktuelle Distanz zu v0 )
vorg : X → V mit X ⊆ V \ {v0 } (Vorgänger in aktuell kürzestem Weg)
Perm ⊆ V (Ecken, für die obige Daten endgültig)
Setze dist(v0 ) := 0, dist(v) := ∞ für alle v ∈ V \ {v0 }, Perm := ∅, und sei vorg
die leere Abbildung.
Schleife: Solange dist(V \ Perm) \ {∞} 6= ∅ führe folgende Schritte aus.
• Wähle eine Ecke cur ∈ V \ Perm mit minimalem dist(cur).
• Füge cur zu Perm hinzu.
• Für alle v ∈ N (cur) \ Perm bestimme d := dist(cur) + w({cur, v}) und,
falls d < dist(v), setze dist(v) := d und vorg(v) := cur.
Ergebnis: Die Menge Perm ist die Zusammenhangs-Komponente von G, die
v0 enthält. Ferner gibt dist(v) für alle v ∈ Perm die Minimaldistanz zu v0 be-
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 12.06.2014 38
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 17.6.2014 39
Fasst man A und B als reelle Matrizen auf, so ist BB t −A eine Diagonalmatrix
mit den Eckengraden auf der Diagonalen; auch die Potenzen Ak haben eine
graphentheoretische Bedeutung, siehe Übungsaufgabe 11.1.
Beweis. (a) ⇒ (b): Da T zusammenhängend ist, sind je zwei Ecken durch eine
Tour verbunden, und damit auch durch einen Weg (Übungsaufgabe 10.4(a)).
Dieser Weg ist eindeutig nach Übungsaufgabe 10.4(b).
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 17.6.2014 40
(b) ⇒ (c): Wäre T−e zusammenhängend, so gäbe es in T−e einen Weg zwischen
den beiden Ecken von e und in T zusätzlich noch den Weg (e, {e}), was der
Eindeutigkeit widerspricht.
(c) ⇒ (d): Enthielte T einen Kreis C, so wäre T−e für eine Kante e von C
zusammenhängend, da wir jede Tour in T , die die Kante e „enthält“ durch
eine Tour die stattdessen den Weg C−e [definiert wie T−e ] „enthält“ ersetzen
können. Enthielte T+vw keinen Kreis, so wäre T+vw ein Baum und somit nach
dem schon Gezeigten minimal-zusammenhängend, und somit T nicht zusam-
menhängend.
(d) ⇒ (a): Wir müssen zeigen, dass T zusammenhängend ist. Seien v und w
zwei Ecken von T . Sind v und w nicht benachbart, so gibt es einen Kreis C in
T+vw . Da T keine Kreise enthält, ist vw eine Kante von C und C−vw ist ein
Weg von v nach w in T . 2
Beweis. Ist (V, E) ein Baum, so zeigt man leicht per Induktion durch sukzes-
sives Entfernen von Blättern, dass |V | = |E| + 1 gilt. Für die andere Impli-
kation sei T ein aufspannender Baum von (V, E). Nach dem schon gezeigten
gilt |V (T )| = |E(T )| + 1, und wegen V (T ) = V folgt |E(T )| = |V (T )| − 1 =
|V | − 1 = |E| und somit (V, E) = T . 2
Nach 7.2 und 7.3 gilt für alle zusammenhängenden Graphen |V | ≤ |E| + 1.
Bäume sind also die extremalen zusammenhängenden Graphen.
Für einen endlichen Graphen G bezeichne T (G) die Anzahl der aufspannenden
Bäume von G.
7.4 Satz (Cayley 1889). Für jede n-Menge V 6= ∅ existieren genau nn−2
Bäume (V, E), d.h. T (Kn ) = nn−2 für n ∈ N.
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 24.06.2014 41
wählen wir das kleinste Blatt wi+1 von Gi , für vi+1 den Nachbarn und setzen
Gi+1 := Gi [V (Gi )\{wi+1 }]. So ist rekursiv der Prüfercode c = (v1 , . . . , vn−2 )
von G definiert. Es lässt sich zeigen, dass c den Baum G eindeutig bestimmt
und dass jede Folge in V der Länge n − 2 so vorkommt. Also gibt es genauso
viele solche Folgen wie Bäume auf V . Für einen Beweis mit „Wirbeltieren“
(also Bäumen mit zwei ausgezeichneten Ecken) siehe Übungsaufgabe 11.2. 2
2 3 5
8 Planare Graphen
8.1 Die reelle Ebene. Eine Kurve von f (0) nach f (1) ist das Bild
f ([0, 1]) ⊆ R2 einer stetigen injektiven Abbildung f : [0, 1] → R2 (bezüg-
lich der üblichen Metrik auf R2 ), und man nennt f ([0, 1]) eine Jordankurve
wenn f : [0, 1] → R2 stetig ist, f (0) = f (1) gilt und f |[0,1[ injektiv ist. Die
Zusammenhangskomponenten einer offenen Teilmenge U ⊆ R2 sind die
Äquivalenzklassen bezüglich Verbindbarkeit durch Kurven C ⊆ U .
Die planaren Graphen sind also die Graphen die sich in der Ebene über-
schneidungsfrei zeichnen lassen. Man kann zeigen, dass es möglich ist die
Ce als Strecken zu wählen [Satz von Fáry, Wagner 1936, Fáry 1948, sogar
V ⊆ {1, . . . , |V | − 1}2 ist möglich, Schnyder 1989].
8.4 Beispiele. (a) Jeder Teilgraph eines planaren Graphen ist planar.
(b) Q3 , K4 sind planar, K5 nicht (siehe 8.9), also auch Kn für n ≥ 5 nicht.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 24.06.2014 42
8.5 Flächen. Jeder ebene Kreis definiert eine Jordankurve und zerlegt da-
her die Ebene R2 in zwei Teile, das Innere und das Äußere des Kreises. Ist
G = (V, E) ein endlicher ebener Graph mit Kurven S Ce wie in 8.3, so nennen
wir die Zusammenhangskomponenten von R2 \ e∈E Ce die Flächen von G;
es gibt eine unbeschränkte (äußere) Fläche, die anderen (inneren) Flächen sind
beschränkt.
8.6 Satz (Formel von Euler für planare Graphen, 1752). Sei (V, E) ein
endlicher zusammenhängender ebener Graph mit f Flächen und V 6= ∅. Dann
gilt
|V | − |E| + f = 2.
Insbesondere ist f endlich und unabhängig von der Einbettung in R2 .
Beweis. Wir führen Induktion nach der Anzahl k der Kreise in G = (V, E).
Für k = 0 ist G ein Baum und daher f = 1 [Induktion über |E| durch „entlang
hangeln“ an Kante mit Blatt]; die Formel folgt mit 7.3. Sei nun k > 0 und
e ∈ E eine Kante in einem Kreis C von G. Der Teilgraph G0 = (V, E \ {e}) ist
zusammenhängend wegen e ∈ E(C), und per Induktion folgt
|V | − |E \ {e}| + f 0 = 2
für die Anzahl f 0 der Flächen von G0 . Da e nach dem Jordanschen Kurvensatz
im Rand der zwei Flächen liegt, die C begrenzen, zerlegt e genau eine Fläche
von G0 ; es folgt f = f 0 + 1. Damit folgt |V | − (|E| − 1) + f − 1 = 2. 2
8.7 Korollar. Für jeden endlichen ebenen Graphen (V, E) mit f Flächen z
Zusammenhangskomponenten gilt |V | − |E| + f = 1 + z.
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 26.06.2014 43
Beweis. Der Rand jeder Fläche enthält mindestens g Kanten, und jede Kante
liegt im Rand von höchstens zwei Flächen. Doppeltes Abzählen der Menge M
der angrenzenden Kanten-Flächen-Paare liefert f g ≤ |M | ≤ 2|E|. Mit der
Euler-Formel 8.6 folgt
2
2 = |V | − |E| + f ≤ |V | − |E| + |E|
g
und daher |E| ≤ (1 − g2 )−1 (|V | − 2) ≤ 3(|V | − 2). 2
Eine Unterteilung eines Graphen ist ein Graph, der entsteht durch wieder-
holtes Ersetzen einer Kante {v, w} durch zwei Kanten {v, x} und {x, w}, wobei
x eine neue Ecke ist.
v w −→ v x w
Eine Unterteilung eines Graphen ist genau dann planar, wenn der Ausgangs-
graph planar ist.
8.10 Satz (Kuratowski 1930). Ein endlicher Graph ist genau dann planar,
wenn er keinen Teilgraphen enthält, der zu einer Unterteilung von K5 oder K3,3
isomorph ist. Insbesondere lässt sich die Planarität rein graphentheoretisch
entscheiden.
Beweis. Die eine Richtung ist 8.9, für die andere siehe Diestel, Satz 3.4.6. 2
IV Codierungstheorie
Bei der Übertragung oder Speicherung von digitalen Daten (über Funk, auf
CD, etc.) entstehen in der Regel Fehler. Um trotzdem eine fehlerfreie Übertra-
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 26.06.2014 44
gung über einen fehlerhaften Kanal zu gewährleisten, werden die Daten durch
Codierung mit redundanter Information angereichert, so dass sich nach der
Übertragung die Fehler wieder eliminieren lassen; siehe folgendes Schema und
Beispiel:
P Paul Baul P
Sender Codierer Kanal Decodierer Empfänger
T Tom Dom T
9.2 Bemerkungen. (a) Ist |A| = 2, etwa A = {0, 1}, so nennt man C einen
binären Code, für |A| = 3 ternären Code.
(b) Ist |C| = q k für k ∈ N0 , so gibt es eine Codierung c : Ak → C ⊆ An ; statt
k-Tupel werden n-Tupel übermittelt, und es folgt rC = k/n für die Rate.
(c) Der binäre Code
n
X
C := {(a1 , . . . , an ) ∈ {0, 1}n : ai ist gerade}
i=1
C := {(a, a, . . . , a) ∈ An : a ∈ A}
der n-fache Wiederholungscode. Es gilt |C| = |A|, und die Rate ist
1/n. Der Code kann bis zu n − 1 Fehler erkennen und bis zu b n−1
2 c Fehler
korrigieren.
(e) Für einen beliebigen Code C ⊆ An ist {(c, c, . . . , c) ∈ C m : c ∈ C} der
m-fache Wiederholungscode von C.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 26.06.2014 45
{i : xi 6= zi } ⊆ {i : xi 6= yi } ∪ {i : yi 6= zi }.
(b) Wegen B0 (c) = {c} ist jeder Code 0-fehlererkennend und 0-fehlerkorrigie-
rend.
(c) Sei C ⊆ An und e ∈ N. Ist x ∈ An aus einem Codewort c ∈ C durch
höchstens e Fehler entstanden, so gilt d(c, x) ≤ e, also x ∈ Be (c).
Ist C ein e-fehlererkennender Code, so folgt Be (c) ∩ C = {c}, und daher
x 6∈ C oder x = c, also können wir feststellen, ob x Fehler hat.
Ist C ein e-fehlerkorrigierender Code, so folgt Be (c)∩Be (c0 ) = ∅ für alle an-
deren Codeworte c0 ∈ C, also x 6∈ Be (c0 ) für c0 ∈ C \ {c}. Somit ist c durch
x eindeutig bestimmt, und wir können also die Fehler in x korrigieren. [In
der Praxis gibt es allerdings nur für spezielle Codes gute Algorithmen zur
Fehlerkorrektur.]
Beweis. (a) Es ist Be (c)∩C = {c} für alle c ∈ C genau dann, wenn d(x, c) > e
für alle x, c ∈ C mit x 6= c gilt.
(b) Falls x ∈ Be (c) ∩ Be (c0 ) für c 6= c0 aus C, liefert die Dreiecksungleichung
δ ≤ d(c, c0 ) ≤ d(c, x) + d(x, c0 ) ≤ e + e = 2e. Es folgt δ ≤ 2e.
Falls δ ≤ 2e, existieren c 6= c0 in C mit d(c, c0 ) = δ ≤ 2e und weiter x ∈ An
mit d(c, x), d(c0 , x) ≤ e. Es folgt x ∈ Be (c) ∩ Be (c0 ). 2
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 01.07.2014 46
C :={c ∈ F72 : c1 + c4 + c6 + c7 = c2 + c4 + c5 + c7 = c3 + c5 + c6 + c7 = 0}
1 0 0 1 0 1 1
= c ∈ F72 : 0 1 0 1 1 0 1 c = 0
0 0 1 0 1 1 1
über dem Alphabet F2 = {0, 1} ist ein 4-dimensionaler Unterraum des 7-di-
mensionalen Vektorraums F72 , da die Matrix zum definierenden linearen Glei-
chungssystem vollen Rang hat. Daher gilt |C| = 24 = 16 und die Rate ist 4/7.
Ferner gilt d(C) = 3 (siehe 9.13), d.h. C erkennt bis zu zwei Fehler und kann
einen korrigieren. [Zum Vergleich: Der 2-fache Wiederholungscode kann einen
Fehler erkennen und keinen korrigieren, erst der 3-fache Wiederholungscode
kann zwei Fehler erkennen und einen korrigieren; seine Rate ist nur 1/3.]
d(C) ≤ n − k + 1.
Für |A| = q kann man die Singleton-Schranke auch schreiben als logq |C| +
d(C) ≤ n + 1, oder als rC + n1 d(C) ≤ 1 + n1 . Bei festem n beschränken sich
also die Rate rC und der Minimalabstand gegenseitig.
9.8 Lemma. Seien r, q, n ∈ N und A ein Alphabet mit q = |A|. Für alle
x ∈ An gilt dann für die Hamming-Kugeln [unabhängig von x]
r
X n
|Br (x)| = (q − 1)j .
j=0
j
r r
X X n
Beweis. |Br (x)| = n
|{y ∈ A : d(x, y) = j}| = (q − 1)j . 2
j=0 j=0
j
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 01.07.2014 47
Gilt in obiger Ungleichung die Gleichheit, so nennt man C perfekt oder ge-
nauer perfekt e-fehlerkorrigierend.
Beweis. Nach Definition 9.3 sind die Hamming-Kugeln Be (c) mit c ∈ C paar-
9.8 Pe
weise disjunkt und daher |An | ≥ c∈C |Be (c)| = |C| j=0 nj (q − 1)j . 2
P
9.11 Lineare Codes. Wir wählen nun als Alphabet den endlichen Körper
Fq für eine Primzahlpotenz q (siehe Satz 4.7(a)), und betrachten den Vektor-
raum Fnq über Fq für n ∈ N. Ein linearer Code C ist ein Unterraum von
Fnq .
Die Hamming-Metrik d auf Fnq ist translationsinvariant, d.h. es gilt d(x, y) =
d(x + t, y + t) für x, y, t ∈ Fnq ; daher gilt für den Minimalabstand (falls |C| > 1)
δ = d(C) = min{d(c, c0 ) : c, c0 ∈ C, c 6= c0 }
= min{d(c − c0 , 0) : c, c0 ∈ C, c 6= c0 }
= min{d(c, 0) : 0 6= c ∈ C}.
Für die Dimension k := dim C gilt 0 ≤ k ≤ n. Wir nennen C dann einen
[n, k]-Code, oder genauer einen [n, k, δ]-Code, oder noch genauer einen
[n, k, δ]q -Code (diese Notation soll immer implizieren, dass C linear ist).
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 03.07.2014 48
δ = d(C) = min{d(c, 0) : 0 6= c ∈ C}
= min{d(c, 0) : Hct = 0, c ∈ Fnq \ {0}}
= min{s ∈ N : es gibt s linear abhängige Spalten von H}
= 1 + max{t ∈ N : je t Spalten von H sind linear unabhängig}.
benutzt.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 03.07.2014 49
Man kann zeigen, dass man als Generatormatrix von RSδ (q) wieder eine Vandermonde-
Matrix wählen kann; siehe Willems 3.1.3. Dies liefert die Darstellung
RSδ (q) = {(f (u1 ), f (u2 ), . . . , f (uq−1 )) : f ∈ Fq [x], grad f < q − δ},
wobei u1 , . . . , uq−1 eine geeignete Auflistung der Elemente von F∗q ist. Die Zu-
ordnung von f auf das Codewort liefert eine Codierung. Ferner lässt sich auch
an dieser Darstellung direkt die Minimaldistanz ablesen, denn ein Polynom
vom Grad höchstens q − δ − 1 ist durch q − δ Werte eindeutig bestimmt.
Schließlich sei noch bemerkt, dass C = RSδ (q) ein sogenannter zyklischer
Code ist, d.h. (c1 , . . . , cn ) ∈ C impliziert (cn , c1 , c2 , . . . , cn−1 ) ∈ C, wie man
leicht mit (∗) nachrechnet. Diese Eigenschaft führt dazu, dass C einem Ide-
al im Hauptidealring K[x]xn −1 entspricht (siehe 4.6), und sich daher durch
ein einziges Polynom, das sogenannte Generatorpolynom beschreiben lässt.
Dies ist Grundlage für effiziente Decodieralgorithmen, etwa den Peterson–
Gorenstein–Zierler-Algorithmus; siehe Willems, Kapitel 9.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 08.07.2014 50
basieren auf diesen Codes. Der zugrunde liegende endliche Körper ist immer
F28 mit 28 = 256 Elementen [für die QR-Codes wird z.B. F2 [x]x8 +x4 +x3 +x2 +1
benutzt]. Für die QR-Codes wird ein Sammelsurium verschiedener GRS-Codes
benutzt, um unterschiedliche QR-Code-Größen und korrigierbare Fehleranzah-
len zu realisieren, z.B. [153, 123, 31]-und [26, 9, 18]-Codes mir Korrekturraten
von 7% bzw. 30% [beim Vorliegen von höchstens so vielen Fehlern können diese
korrigiert werden].
Interessanter ist die Fehlerkorrektur bei der CD. Hier geht man von RS5 (28 ),
also einem [255, 251, 5]28 -Code aus. Diese werden verkürzt durch Streichen von
Spalten der Kontrollmatrix (und entsprechender Einträge der Codeworte) zu
einem [32, 28, 5]-Code und einem [28, 24, 5]-Code. Etwas vereinfacht dargestellt
werden nun die Daten in eine 28 × 24-Matrix über F28 geschrieben, dann die
Zeilen mit dem zweiten Code codiert und ersetzt, so dass man eine 28×28-Ma-
trix erhält, und dann die Spalten dieser Matrix mit dem ersten Code codiert.
Das Ergebnis wird noch weiter codiert, um eine möglichst gleichmäßige Ver-
teilung von 0-en und 1-en zu erreichen und auf die CD geschrieben. Durch die
zeilen- und spaltenweise Codierung wird erreicht, dass die Information rela-
tiv großflächig auf der CD verteilt wird. So ist es möglich 9408 aufeinander
folgende Kanalbits (entspricht 4096 Datenbits), was einer Spurlänge auf der
CD von 9408 × 0,3µm = 2,8mm entspricht zu korrigieren. Durch weitere tech-
nische Tricks und Interpolation lassen sich sogar Auslöschungen von bis zu
7,5mm rekonstruieren. Für weitere Details und Literatur siehe Willems, Ab-
schnitt 1.2.14.
V Kryptographie
Die Kryptologie ist die Wissenschaft vom Verschlüsseln (Chiffrieren) und au-
torisiertem Entschlüsseln (Dechiffrieren) von Nachrichten mit dem Zweck der
Geheimhaltung des Inhaltes (häufig als Kryptographie bezeichnet), sowie
von der Sicherheit von Verschlüsselungsverfahren (Chiffren) und von Metho-
den verschlüsselte Nachrichten unautorisiert zu entschlüsseln (Kryptoanaly-
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 08.07.2014 51
se). Der Versuch geheime Nachrichten zu übermitteln sowie der Versuch diese
unautorisiert zu lesen ist wohl so alt wie die menschliche Zivilisation. Jedoch ist
sie erst seit Ende der 1940er Jahre durch eine grundlegende Arbeit von Claude
Shannon zu einer mathematischen Disziplin geworden. Für das Ver- und Ent-
schlüsseln werden häufig Methoden aus der Zahlentheorie und Algebra und in
jüngster Zeit auch der Geometrie verwendet. Die Kryptoanalyse bedient sich
der Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik, um statistische Schwankungen
in Nachrichten für das unautorisierte Entschlüsseln zu nutzen. Ferner ist die
Komplexitätstheorie von Bedeutung, denn häufig ist es sehr wohl möglich ein
kryptographisches Verfahren prinzipiell zu brechen, aber der Aufwand wäre so
hoch, dass er mit aktueller Technik nicht zu bewältigen ist.
10.1 Definition. Ein Kryptosystem C = (P, C, K, E, D) besteht aus Men-
gen P , C, K, den Klartexten, Geheimtexten bzw. den Schlüsseln, und
Abbildungen E : P × K → C und D : C × K → P , der Verschlüsse-
lungsabbildung bzw. der Entschlüsselungsabbildung, so dass zu jedem
Verschlüsselungsschlüssel e ∈ K ein Entschlüsselungsschlüssel d ∈ K
existiert mit
D(E(p, e), d) = p für alle p ∈ P .
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 08.07.2014 52
wobei in E
g kr die Abbildung MixColumn weggelassen ist und die internen Run-
denschlüssel k0 , . . . , kr ∈ P durch die Rundenschlüsselabbildung aus k ∈ K
generiert werden, siehe unten. Die Bijektionen
dabei besteht S : F28 → F28 im Kern aus dem multiplikativen Invertieren von
F28 : Wir benutzen wieder die Darstellung F28 = F2 [x]g , identifizieren zusätzlich
P7
die Körperelemente i=0 si xi ∈ F2 [x]g mit der Bitfolge (s7 , s6 , . . . , s0 ) ∈ F82
und definieren (setze 0−1 := 0)
1 1 1 1 1 0 0 0 0
0 1 1 1 1 1 0 0 1
0 0 1 1 1 1 1 0 1
0 0 0 1 1 1 1 1 −1 0
S : F28 → F28 , b 7→
b + 0 .
1 0 0 0 1 1 1 1
1 1 0 0 0 1 1 1 0
1 1 1 0 0 0 1 1 1
1 1 1 1 0 0 0 1 1
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 08.07.2014 53
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 54
zu lösen ist, hängt nicht so sehr von der Gruppe, also der Zahl n ab, sondern
davon, wie die Gruppe G gegeben ist. Nach 4.7(c) ist die multiplikative Grup-
pe F∗p = Z∗p für eine Primzahl p zyklisch [sie hat ϕ(p − 1) Erzeuger]; für das
diskrete Logarithmus-Problem von F∗p ist kein allgemeiner polynomialer Algo-
rithmus bekannt. Ist allerdings die „gleiche“ Gruppe als (Zp−1 , +) gegeben,
so ist das Logarithmus-Problem für die Basis g = 1 trivial, denn der diskrete
Logarithmus von a ∈ Zp−1 ist a. Ist g ein beliebiger Erzeuger von (Zp−1 , +),
so ist g teilerfremd zu p − 1, und der erweiterte euklidische Algorithmus liefert
in polynomialer Zeit x, y ∈ Z mit gx + (p − 1)y = 1. Es folgt rp−1 (gx) = 1, und
damit rp−1 (gxa) = a, so dass rp−1 (xa) der diskrete Logarithmus von a ist.
1994 hat Shor einen Algorithmus für Quantencomputer angegeben, der den
diskreten Logarithmus polynomial berechnet. [Der Algorithmus findet in O(n3 )
Rechenschritten den diskreten Logarithmus mit Wahrscheinlichkeit 3/4.]
B := g b
an A und hält b geheim. Nun können A und B beide den gemeinsamen Schlüssel
k := g ab = Ab = B a
berechnen. Ein Angreifer erfährt die Gruppe G, den Erzeuger g und die Grup-
penelemente A und B. Er muss den geheimen Schlüssel k = g ab bestimmen; das
nennt man das Diffie–Hellman-Problem. Die einzig bekannte Methode das
Diffie–Hellman-Problem zu lösen, ist die Bestimmung der diskreten Logarith-
men von A oder B, aber es ist nicht bewiesen, dass es keine andere allgemeine
Methode gibt.
Diesen gemeinsamen Schlüssel kann man für ein symmetrisches Verfahren, wie
z.B. AES benutzen.
10.5 Das ElGamal-Verfahren. Aus der Idee von Diffie und Hellman lässt
sich auch ein Kryptosystem machen. A will an B eine geheime Nachricht
verschicken. Dazu wählt B eine zyklische Gruppe G und einen Erzeuger g,
so dass das Diffie–Hellman-Problem schwer ist, und wählt zufällig eine Zahl
b ∈ {0, 1, . . . , n − 1} mit n = |G|. Dann berechnet B die Potenz B := g b
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 55
und schickt an A den öffentlichen Schlüssel (G, g, B). Nun wählt sich A eine
Zufallszahl a ∈ {0, 1, . . . , n − 1} und berechnet aus dem Klartext m ∈ G die
Gruppenelemente A := g a sowie c := B a m, d.h. A multipliziert den Diffie–
Hellman-Schlüssel k wie oben mit dem Klartext. Der Geheimtext ist (A, c).
Zur Entschlüsselung berechnet B den Klartext durch An−b c, denn es gilt
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 56
10.7 Satz. Sei eine elliptische Kurve E gegeben. Dann ist (E, +) bezüglich
oben definierter Operation + eine abelsche Gruppe mit Neutralelement o.
10.8 Satz (Der Satz von Hasse). Für eine p elliptische Kurve E über einem
endlichen Körper K gilt |E| − |K| − 1 ≤ 2 |K|.
10.9 Satz. Für jede elliptische Kurve E über einem endlichen Körper K gibt
es n1 , n2 ∈ N mit n2 | n1 und (E, +) ∼
= Zn1 × Zn2 .
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 57
VI Übungsaufgaben
1.1 Aufgabe. Beweisen Sie die folgende Aussage: Für n, m ∈ N0 existiert
genau dann eine Bijektion f : {1, . . . , n} → {1, . . . , m}, wenn n = m gilt.
1.2 Aufgabe. Die folgende Figur ist aus zwei Quadraten und vier gleichseiten
Dreiecken mit gleicher Seitenlänge zusammengesetzt. Finden Sie eine Zerle-
gung in 7 kongruente Teile (das sind bis auf Verschiebungen, Drehungen oder
Spiegelungen gleiche Teile).
1.3 Aufgabe. Zwei Spieler spielen folgendes Spiel. Als Vorbereitung werden
sechs Punkte auf ein Blatt Papier gezeichnet, so dass keine drei auf einer Gera-
den liegen. Jeder Spieler hat eine Farbe, und die Spieler zeichnen abwechselnd
eine Strecke mit ihrer Farbe zwischen zwei noch nicht verbundene Punkte. Ver-
loren hat, wer zuerst ein Dreieck komplett in seiner Farbe fertig stellen muss.
Zeigen Sie, dass ein Unentschieden nicht möglich ist.
1.4 Aufgabe. Zeigen Sie, dass eine Menge M genau dann endlich ist, wenn
es eine Abbildung f : M → M gibt, so dass für jede Teilmenge X ⊆ M die
Inklusion f (X) ⊆ X nur für die offensichtlichen Fälle X = ∅ oder X = M gilt.
2.1 Aufgabe. Zeigen Sie, dass eine endliche nichtleere Menge genauso viele
Teilmengen gerader wie ungerader Länge hat.
2.2 Aufgabe. Endlich viele Personen begrüßen sich mit einem Handschlag.
Zeigen Sie, dass es zu jedem Zeitpunkt zwei Personen gibt, die der gleichen
Anzahl von Leuten die Hände geschüttelt haben.
2.4 Aufgabe. In der Ebene sei ein regelmäßiges n-Eck gegeben, n ≥ 3. Dabei
seien R viele Ecken rot und B viele Ecken blau, so dass R + B = n gilt. Eine
Kante sei rot, wenn sie zwischen zwei roten Punkten liegt und blau, wenn
sie zwischen zwei blauen Punkten liegt. Kanten, die zwischen zwei Punkten
verschiedener Farbe liegen, seien farblos. Sei r die Anzahl der roten und b die
Anzahl der blauen Kanten. Zeigen Sie, dass R − B = r − b gilt.
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 58
3.3 Aufgabe. Zeigen Sie, dass das Produkt von n aufeinander folgenden gan-
zen Zahlen durch n! teilbar ist.
3.4 Aufgabe. Bestimmen Sie für k, n ∈ N die Anzahl alle k-Teilmengen von
{1, . . . , n}, deren verschiedene Elemente mindestens den Abstand 3 haben.
4.1 Aufgabe. Zeigen Sie, dass eine natürliche Zahl n ∈ N genau dann eine
Primzahl ist, wenn alle Binomialkoeffizienten nk mit 1 ≤ k ≤ n − 1 durch n
teilbar sind.
4.2 Aufgabe. Sei M eine endliche n-Menge. Finden Sie einen möglichst ein-
fachen Ausdruck (ohne Summenzeichen) für
(a) die Anzahl der Paare (A, B) ∈ 2M × 2M mit A ∩ B = ∅;
(b) die Anzahl der Teilmengen A von M mit |A| ≡ 0 mod 4.
Tipp: Setzen Sie in der binomischen Formel (x + 1)n = . . . für x geeignete
komplexe Zahlen ein.
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 59
4.4 Aufgabe. Sieben Geometer und fünf Algebraiker sollen auf einer Kon-
ferenz in einer Reihe mit zwölf Plätzen sitzen. Wie viele Möglichkeiten gibt
es, die Sitzplätze so zu verteilen, dass kein Algebraiker neben einem anderen
Algebraiker sitzt? Wie viele Möglichkeiten der Sitzverteilung gibt es, so dass
kein Geometer neben einem anderen Geometer sitzt?
∞
1
P
5.1 Aufgabe. Sei e = k! die eulersche Zahl und für n ∈ N sei fn die
k=0
Anzahl der Folgen der Länge 0 bis n von verschiedenen Zahlen aus {1, 2, . . . , n}.
Zeigen Sie fn = be · n!c.
5.4 Aufgabe. Angenommen Sie spielen Lotto »6 aus 49« und ein Bekannter
schlägt vor, dass er Ihnen zwei Euro gibt, falls keine der gezogenen sechs Zahlen
mit keiner der sechs getippten Zahlen übereinstimmt; andernfalls geben Sie ihm
einen Euro. Würden Sie diesen Deal eingehen?
6.1 Aufgabe. Bei einer Befragung von 100 Personen ergibt sich folgendes
Meinungsbild: Drei Politiker A, B und C werden von jeweils 65, 57 und 58 der
Befragten für wählbar gehalten. Weiter halten 28 der Befragten sowohl A als
auch B für wählbar, 30 halten A und C, und 27 halten B und C für wählbar.
Ferner sind alle drei Politiker für 12 der Befragten wählbar. Was halten Sie
von dieser Meinungsumfrage?
6.2 Aufgabe. Ein Stapel von n Spielkarten enthält drei Asse. Es wird ge-
mischt bis Gleichverteilung vorliegt. Die Karten werden nun eine nach der
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Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 60
anderen aufgedeckt bis das zweite Ass erscheint. Bestimmen Sie den Erwar-
tungswert der Anzahl der dabei aufgedecken Karten.
6.4 Aufgabe. Das Spiel »Dual« geht so: Zwei Mathematikerinnen X und Y
treten gegen einander an und müssen eine Aufgabe lösen. Es gibt drei Ausgän-
ge des Duells: X löst die Aufgabe zuerst, Y löst die Aufgabe zuerst oder beide
können die Aufgabe nicht lösen. Das Spiel Dual spielen 17 Mathematikerinnen
und jede tritt genau ein Mal gegen jede andere an. Kann es passieren (nach-
dem alle Spiele gespielt wurden), dass jede Spielerin genau so oft gewonnen
wie unentschieden gespielt hat? Ändert sich die Antwort, wenn es nur 16 Ma-
thematikerinnen sind? Tipp: Zählen Sie gewonnene und unentschiedene Spiele
aus der Sicht einer jeden Mathematikerin.
7.1 Aufgabe. Sei (V, E) ein endlicher Graph. Beweisen Sie folgende Aussa-
gen:
P
(a) Es gilt v∈V d(v) = 2|E|;
(b) Die Anzahl der Ecken mit ungeradem Grad ist gerade;
(c) Für |V | ≥ 2 kommen die Grade 0 und |V | − 1 beide nicht vor;
(d) Für |V | ≥ 2 existieren zwei Ecken mit gleichem Grad.
7.2 Aufgabe. Bestimmen Sie alle Graphen mit n ≥ 2 Ecken, deren Ecken
n − 1 verschiedene Grade haben.
7.3 Aufgabe. Finden Sie alle nicht-isomorphen Graphen mit genau 7 Ecken,
so dass jede Ecke Grad 4 hat. Tipp: Das Problem ist einfacher mit Grad 2
anstelle von 4.
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7.4 Aufgabe. Betrachten Sie den Graphen G mit Ecken V = {1, . . . , 10} und
Kanten
{i, i + 1} für 1 ≤ i ≤ 7; {i, i + 5} für 1 ≤ i ≤ 3; {1, 4}, {5, 8}, {4, 9}, {2, 10}.
(a) Bestimmen Sie |Aut(G)| und beschreiben Sie die Elemente von Aut(G).
(b) Wie ändert sich die Anzahl der Automorphismen in a), wenn Sie statt G
den Teilgraphen G0 betrachten, in dem die Ecke 10 und die Kante {2, 10}
entfernt wurden?
(c) Wie ändert sich die Antwort in b), wenn Sie im Graphen G0 zusätzlich die
Ecke 9 und die Kante {4, 9} entfernen?
∼ S5 .
8.4 Aufgabe. Zeigen Sie Aut K(5, 2) =
9.1 Aufgabe. Sei G = (V, E) ein endlicher Graph, dessen sämtliche Ecken
einen geraden Grad haben. Zeigen Sie folgende Aussagen:
(a) Zu jeder Kante {v0 , v1 } ∈ E existiert eine geschlossene Tour (v0 , v1 , . . . , vk ),
so dass die Kanten {vi−1 , vi } mit 1 ≤ i ≤ k paarweise verschieden sind.
(b) Ist G zusätzlich zusammenhängend, so ist jede Tour wie in a) der maxi-
malen Länge eine Euler-Tour von G.
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9.3 Aufgabe. (Existenz von k-regulären Graphen) Für welche Paare (k, n) ∈
N × N existiert ein k-regulärer Graph G auf n Ecken?
9.4 Aufgabe. Eine Färbung eines Graphen G = (V, E) ist eine Abbildung
f : V → F mit F eine Menge von Farben, so dass aus {u, v} ∈ E folgt f (v) 6=
f (w). Die chromatische Zahl χ(G) sei die kleinste Anzahl an Farben, die zur
Färbung von G benötigt wird, d. h. χ(G) := min{| im f | : f Färbung von G}.
Bestimmen Sie χ(Pn ), χ(Cn ), χ(Kn ) und χ(Qn ).
10.1 Aufgabe. Beweisen oder widerlegen Sie: Ein endlicher Baum, der eine
Ecke der Valenz k besitzt, hat mindestens k Blätter.
10.2 Aufgabe. Ein Graph heißt k-färbbar, wenn k Farben genügen, um diesen
Graphen zu färben im Sinne der Aufgabe 9.4. Eine projektive Ebene ist ein 2-
färbarer Graph G mit diam(G) = 3 = δ(G), der keine Kreise der Länge 4
enthält. Zeigen Sie, dass jede projektive Ebene regulär ist.
Tipp: Zeigen Sie zunächst, dass zwei Ecken im Abstand 3 gleichen Grad haben.
10.3 Aufgabe. Für einen Körper K sei der Graph G definiert, dessen Ecken
die Unterräume des Vektorraums K 3 ungleich 0 und K 3 sind und in dem zwei
Ecken genau dann benachbart sind, wenn die eine echt in der anderen enthalten
ist.
(a) Zeichnen Sie G für den Körper K = F2 = {0,1} und geben Sie einen
Hamiltonkreis an.
(b) Zeigen Sie, dass G eine projektive Ebene ist im Sinne der Aufgabe 10.2.
10.4 Aufgabe. (a) Zeigen Sie, dass es für zwei verbindbare Ecken v und w
eines Graphen einen Teilgraphen W gibt, der isomorph zu einem Weg ist
und dessen Enden v und w sind.
(b) Seien P und Q zwei verschiedene Teilgraphen eines Graphen, die isomorph
zu Wegen sind und gleiche Enden haben. Zeigen Sie, dass dann ein Kreis
in P ∪ Q existiert.
11.1 Aufgabe. Sei G = (V, E) ein endlicher Graph mit |V | = n und seien
v, w ∈ V. Sei A die Adjazenzmatrix von G. Zeigen Sie folgende Aussagen:
(a) Für k ∈ N0 ist (Ak )vw die Anzahl der Touren der Länge k von v nach w.
(b) Es gilt SpurA2 = 2|E|.
1
(c) Die Anzahl der Kreise der Länge 3 in G ist gegeben durch 6 Spur A3 .
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die Menge der »Wirbeltiere« auf V. Für (E, a, b) ∈ W definiere eine Abbildung
f : V → V wie folgt: Sei (w0 , w1 , . . . , wt ) die einfache Tour von a nach b
im Baum (V, E). Wir wählen nun eine Nummerierung der »Wirbelsäule«
W := {w0 , w1 , . . . , wt } = {v0 , v1 , . . . , vt } mit v0 < v1 < · · · < vt und definieren
f (vi ) := wi für i = 0, 1, . . . , t (d. h. f|W sortiert W ); ferner sei f (v) für v ∈
V \ W die mit v benachbarte Ecke in der eindeutigen Tour von v nach a in
(V, E).
(a) Bestimmen Sie das Wirbeltier, das als Urbild der Abbildung f : i 7→
max{b 2i c, 1} entsteht.
(b) Zeigen Sie, dass die Abbildung W → V V , (E, a, b) 7→ f bijektiv ist.
11.3 Aufgabe. Zeigen Sie, dass der Petersen-Graph nicht planar ist. Können
Sie auch zeigen, dass der Graph rechts oben auf diesem Blatt mit 30 Ecken
und 45 Kanten nicht planar ist?
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64
Index
Äußere, 41 [n, k]-Code, 47
[n, k, δ]-Code, 47
Abbildungen [n, k, δ]q -Code, 47
injektive, 19 Codewort, 44
Abstand, 35 Codierung, 44
abzählbarer Wahrscheinlichkeitsraum,
19 Diffie–Hellman-Schlüssel, 55
Abzählung, 6 Diffusion, 53
adjazent, 29 Dijkstra-Algorithmus, 37
Advanced Encryption Standard, 51 Dirichlet-Prinzip, 9
AES, 51 disjunkte Graphen, 32
Algorithmus von Dijkstra, 37 diskrete Logarithmus-Problem, 53
Alphabet, 44 diskreter Logarithmus, 53
Approximationssatz von Dirichlet, 9 Distanz, 37
asymmetrischer Graph, 61 doppelte Abzählung, 10
asymmetrisches Kryptoverfahren, 51 Dreieck, 30
aufspannender Teilgraph, 32 Durchmesser, 35
Automorphismengruppe, 31
Automorphismus, 31 eben, 41
Eckenmenge, 29
Basis, 53 einfach, 35
Baum, 39 einfach geschlossen, 35
benachbart, 29 Elementarereignisse, 20
binärer Code, 44 Enden, 30
Binomialkoeffizient, 11 endlich, 6
binomischer Lehrsatz, 11 endlicher Graph, 29
Blätter, 39 Entschlüsselungsabbildung, 51
Blockcode, 44 Entschlüsselungsschlüssel, 51
Bonferroni-Ungleichungen, 22 Ereignisse, 20
unabhängig, 20
Catalan-Zahlen, 17 Erwartungswert, 21
t-Clique, 34 erzeugende Funktion, 26
Code, 44 exponentielle, 29
binärer, 44 Euler-Tour, 36
e-fehlererkennender, 45 Exklusion, 22
e-fehlerkorrigierender, 45 Expansion, 55
linearer, 47 exponentielle erzeugende Funktion, 29
perfekter, 47 extremal, 40
perfekter e-fehlerkorrigierender, 47 extremale Graphen, 35
Reed–Solomon, 49
ternärer, 44 n-facher Wiederholungscode, 44
verallgemeinerter Reed–Solomon, Faktorielle
49 fallende, 10
zyklisch, 49 steigende, 10
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Fakultät, 10 Häufigkeit, 14
fallende Faktorielle, 10 Hamilton-Kreis, 36
Falltürfunktionen, 53 hamiltonsch, 36
e-fehlererkennender Code, 45 Hamming-Abstand, 45
e-fehlerkorrigierender Code, 45 Hamming-Code, 48
Fibonacci-Zahlen, 27 Hamming-Kugel, 45
Flächen, 42 Hamming-Metrik, 45
Formale Potenzreihen, 26 Handshake-Lemma, 33
Funktion
erzeugende, 26 induzierter Teilgraph, 32
injektive Abbildungen, 19
Gammafunktion, 10 Inklusion, 22
Geheimtext, 51 Inklusion und Exklusion, 22
Generatormatrix, 48 Innere, 41
Generatorpolynom, 49 Invariante, 33
geometrische Reihe, 16, 26 inzident, 29
geordnete Gradfolge, 33 irreduzibles Polynom, 24
Gesamtgewicht, 14, 37 isoliert, 33
geschlossen, 35 isomorph, 31
Gewicht, 14 Isomorphismus, 31
gewichteter Graph, 37
gleichmächtig, 7 Jordankurve, 41
Gleichverteilung, 20 Jordanscher Kurvensatz, 41
Goldener Schnitt, 28
Größe, 6 Kantengraph, 32
Grad, 31, 33 Kantenmenge, 29
Gradfolge, 33 Klartext, 51
geordnet, 33 Kneser-Graphen, 30
Graph, 29 Komplement, 32
k-regulär, 33 Konfusion, 53
asymmetrisch, 61 Kontrollmatrix, 48
disjunkt, 32 k-regulärer Graph, 33
endlich, 29 Kreis, 32
extremal, 40 Kreis der Länge n, 30
gewichtet, 37 Kryptoanalyse, 50
isomorph, 31 Kryptographie, 50
leer, 30 Kryptologie, 50
planar, 41 Kryptosystem, 51
regulär, 33 asymmetrisch, 51
universell, 31 private-key, 51
Unterteilung, 43 public-key, 51
vollständig, 30 symmetrisch, 51
zufälliger, 31 Kurve, 41
Graphen k-zusammenhängend, 36
extremale, 35
Länge, 6
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Laplace-Verteilung, 20 Rate, 44
leerer Graph, 30 Reed–Solomon-Code, 49
Lehrsatz regulärer Graph, 33
binomischer, 11 k-regulärer Graph, 33
multinomischer, 17 Rekursionsgleichungen, lineare, 28
lineare Rekursionsgleichungen, 28 Restklassenring, 23
linearer Code, 47 Rundenschlüssel, 52
Rundenzahl, 51
Mächtigkeit, 6, 14
maximal-azyklisch, 39 Schlüssel, 51
Maximalgrad, 33 Schnitt, 32
MDS-Code, 46 Schubfachprinzip, 8
n-Menge, 6 Sn , 10
minimal-zusammenhängend, 39 steigende Faktorielle, 10
Minimalabstand, 45 Stirling-Zahlen, 23
Minimalgrad, 33 Stirlings Formel, 11
Multimenge, 14, 19 stottert, 35
Multinomialkoeffizienten, 17 Sym M , 10
multinomischer Lehrsatz, 17 symmetrisch, 51
Symmetrische Gruppe, 10
Nachbar, 29
n-facher Wiederholungscode, 44 T (G), 40
[n, k]-Code, 47 Teilgraph, 32
[n, k, δ]-Code, 47 aufspannend, 32
[n, k, δ]q -Code, 47 induziert, 32
ternärer Code, 44
Parity-check-Code, 44 Tour, 35
Partialbruchzerlegung, 27 translationsinvariant, 47
Partition, 8
Pascal-Dreieck, 12 unabhängige Ereignisse, 20
perfekter e-fehlerkorrigierender Code, Ungleichungen von Bonferroni, 22
47 universeller Graph, 31
perfekter Code, 47 Unterteilung, 43
Permutationen, 10
Petersen-Graph, 30 Vandermonde-Identität, 15
Peterson–Gorenstein–Zierler-Algorith- Varianz, 21
mus, 49 verallgemeinerter Reed–Solomon-Code,
planarer Graph, 41 49
Polynom verbindbar, 35
irreduzibel, 24 Vereinigung, 32
Polynommethode, 15 Verschlüsselungsabbildung, 51
Potenzmenge, 6 Verschlüsselungsschlüssel, 51
Prüfercode, 41 Vertexmenge, 29
Prinzip der doppelten Abzählung, 10 Viereck, 30
private-key Kryptosystem, 51 vollständig, 30
public-key Kryptosystem, 51 vollständig bipartit, 30
14.07.2014–13:07
Vorlesung Einführung in die Diskrete Mathematik — 09.07.2014 67
vollständiger Graph, 29
Wahrscheinlichkeitsraum
abzählbarer, 19
Wahrscheinlichkeitsverteilung, 20
Wald, 39
Weg, 32
Weg der Länge n, 30
Wiederholungscode
n-facher, 44
Wirbeltieren, 41
Wort, 44
zufälliger Graph, 31
Zufallsvariable, 20
zusammenhängend, 35
k-zusammenhängend, 36
Zusammenhangs-Komponenten, 35
Zusammenhangskomponente, 41
zyklischer Code, 49
14.07.2014–13:07