Inklusion
Gottfried Biewer und Sandra Schütz
Zusammenfassung
Das Konzept „inclusion“ ersetzte die Begriffe „mainstreaming“ (1990 in den USA) und „integration“
(1995 in England). Umfasst die Aufnahme von Positionen mehrerer Diskussionszusammenhänge, die
für die uneingeschränkte Gemeinsamkeit von Schülern mit und ohne „special educational needs“
eintreten und eine Verbesserung von Schul- und Lernstrukturen wollen. Die Definition von Inklusion
und deren Zielgruppen führten zu einem breiten Spektrum von Festlegungen.
Begriffsgeschichte
Luhmanns Systemtheorie: „Inklusion“ als Gegenbegriff zur Exklusion ohne Bildungszusammenhänge
(=systemtheoretischer Inklusionsbegriff).
In Abgrenzung zum bildungsbezogenen Inklusionsbegriff: 1980-er Jahre in Nordamerika verwendet
mit dem Ziel der uneingeschränkten Gemeinsamkeit von Schülern mit und ohne „special educational
needs“ und Veränderung schulischer Strukturen.
Begriffsentstehung: Fachliche Diskussionszusammenhänge der Sonderpädagogik über Kinder mit
„special educational needs“.
Es wird von Lani Florian (2014) argumentiert, dass inklusive Schulen besonders effektiv für das
schulische Lernen aller Kinder sind, aufgrund des Accountability- Diskurses (Verantwortlichkeiten
erörtern), der zur Formulierung von Bildungsstandards führte. Heterogenität stellt angeblich eine
Ressource statt eine Schwierigkeit für schulische Entwicklung dar.
UNESCO- Konferenz von Salamanca: Der Begriff „Inklusion“ also „Einbeziehung“ fand ab etwa 2000
Eingang in die deutschsprachige Diskussion zur Bildung von Kindern mit Behinderungen und Lern-
oder Verhaltensstörungen.
Der bildungskontextbezogene Begriff Inklusion ist geprägt durch 2 Fassungen…
Engere Fassung: Inklusion ist verbunden mit der ehemaligen Sonderpädagogik (1990er in
den USA).
Fokussierung auf Kinder mit „special educational needs“ als Zielgruppe, dennoch am Rande
auch Adressaten wie Straßenkinder.
Weitere Fassung- seit 2005 durch UNESCO verbreitet: Kinder und Jugendliche mit
Behinderung sind nur EINE von verschiedenen Gruppen, die von Ausschluss oder
Abschiebung (=Marginalisierung) bedroht sind.
Weiters: ethnische, religiöse, sprachliche Minderheiten, Armutslagen, HIV- Waisen,
Flüchtlings- und Straßenkinder, sowie Kinder mit Entwicklungseinschränkungen.
Operetti, Walker, Zhang (2014): „Inclusion“ betrachtet als einen Prozess der letzten 60 bis 70 Jahre
mit 4 verschiedenen Perspektiven, die teils schrittweise (=sukzessive) und teils parallel verliefen. Die
Entwicklungen werden mit internationalen Erklärungen und Dokumenten der Vereinten Nationen
assoziiert.
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Erste Perspektive: umfasst die Bekanntmachung der Menschenrechte der VN (1948) und
Kinderrechte (1989)
Zweite Perspektive: Inklusion als Antwort auf „special needs“
Dritte Perspektive: Bezug auf marginalisierte Gruppen
Vierte Perspektive: großer Transformationsprozess des Erziehungssystems mit den UNESCO
Guidelines for inclusion
Definitionen, Abgrenzungsmerkmale und Diskussionen
Begriff „inclusion“ bezogen auf Behinderungen als soziales Modell.
Cigman (2010) sieht „inclusive education“ als Antwort auf die Medikalisierung (=menschliche
Lebensbereiche rücken in den Fokus medizinischer Erforschung) von Behinderung.
In englische Literatur werde „inclusion“ und „inclusive education“ meist synonym verwendet
- es gibt dabei keine einheitliche Definition von „inclusion“
Laut Florian ist „inclusion“ ein Bildungsprozess, der zu mehr Rechten für marginalisierte
Gruppen führt
Göransson und Nilholm (2014) mit vier unterschiedlichen Kategorien der Definition von Inklusion,
auf welche man sich beziehen könnte:
Platzierungsfragen von Schülern mit „special educational needs“ in allgemeinen
Erziehungsumgebungen
Speziell individualisierte Definitionen fokussieren sich auf Bedarfe im sozialen und im
Leistungsbereich von Kindern mit Behinderungen
Allgemein individualisierte Definitionen orientieren sich an den Bedarfen aller Schüler
Gemeinschaftsorientierte Zugänge fokussieren die Schaffung von Gruppen mit spezifischen
Merkmalen
Deutschsprachige Sonderpädagogik: Unterscheidungsmerkmale zwischen Integration und Inklusion.
(15 Abgrenzungsmerkmale)
Integration als differenziertes System je nach Schädigung mit einer Theorie von zwei Gruppen
(behinderte und nicht behinderte Kinder). Es werden Ressourcen zur Förderung behinderter Kinder
(die „etikettiert“ werden müssen) bereitgestellt.
Inklusion als umfassendes System für alle- mit einer heterogenen Gruppe, die aus vielen
Minderheiten und Mehrheiten besteht und eine Veränderung der Schule bedarf. Ohne spezielle
Klassifizierung werden Ressourcen der Schule zugewiesen.
Inklusion als vormals Begriff im Zusammenhang der Schule, übertrug sich auf andere pädagogische
Bereiche.
Die „Inklusive Pädagogik“ bezeichnet Theorien zur Bildung, Erziehung und Entwicklung, die
Etikettierungen und Klassifizierungen ablehnen, ihren Ausgang von den Rechten vulnerabler und
marginalisierter (=Verletzliche und Randgruppen) Menschen nehmen. Deren Partizipation in allen
Lebensbereichen soll sichergestellt sein, die Struktur der Institutionen sollen verändert werden, um
der Verschiedenheit aller Nutzer gerecht zu werden.
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Dilemma of Difference mit 3 Problemlagen (Norwich 2008)
Stigmatisierende Bezeichnungen vermeiden, macht es unmöglich Problemlagen zu
benennen
Gemeinsame Curricula für alle kann zur fehlenden Anschlussfähigkeit führen
Der Besuch der regulären Schule für alle liefert nicht angemessene Voraussetzungen für alle
Wocken (2011) schlägt vor den Begriff Inklusion zukünftig zu verwenden, unabhängig von den
vorhandenen Begriffsabgrenzungen zur Integration.
Perspektiven
Der Begriff Inklusion hat sich auch außerhalb des Bereichs der Erziehung und Bildung verbreitet-
„social inclusion“ für alle Lebensbereiche.
Durch die Ratifizierung (=Anerkennung) der UN-BRK (= Behindertenrechtskonvention) und des
Fakultativprotokolls (=Übereinkommen, dessen Unterzeichnung nicht verpflichtend ist) wurde
Inklusion zu einem Leitprinzip der deutschsprachigen Länder mit Konsequenzen für künftige
Bildungsreformen.
Kritik durch eine Gegenposition, die fürchtet, dass Unterstützungssysteme wegfallen werden.
Forderung nach Umsetzung von Paragraph 24 der UN-BRK seit 2009 in den deutschsprachigen
Ländern führt wieder zu engen Inklusionsbegriff mit Fokus auf Behinderung.
Es handelt sich um eine offene Entwicklung des Begriffes für die Zukunft- mit weiteren Feldern (z.B.
Kinder- und Jugendhilfe). Es werden neue Impulse aufgegriffen, die Normalitäten in Frage stellen und
weiterführende Diskussionen einleiten.
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(SC) Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde 2006 in
New York verabschiedet. Wann wurde sie in Österreich ratifiziert?
a) 2007
b) 2008
c) 2009
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POWERPOINT und Mitschrift ERGÄNZUNGEN
Sustainable Development (nachhaltige
Entwicklungsziele) Goal 4: Inklusive,
hochwertige und gleichberechtigte Bildung
leisten
17 Ziele z.B nachhaltige Entwicklung der Welt, alle Mitgliederstaaten verpflichten sich, sustainable
development auf internationaler/ nationaler/ regionaler Ebene
Ziele werden immer angepasst, Jänner 2016 hat sich Österreich dafür verpflichtet
Inklusion als Einbeziehung zielt ab auf die Aufnahme von Kindern mit speziellem Bedarf in
die Regeleinrichtungen, sollen der Verschiedenheit all ihrer Nutzer gerecht werden, es geht
auch um Partizipation und Teilhabe
Wertschätzung von Vielfalt und Berücksichtigung der Kinderrechte: Vielfalt ist Bereicherung,
Verschiedenheit als positiver Wert, Kinder haben Rechte, Schutz vor Benachteiligung
Der Begriff Inklusion zielt auf eine „inklusive Gesellschaft“ (UNESCO) und somit auf
gesellschaftliche Veränderung
Kritik an deutscher Übersetzung Integration (3. Stufe) ist ungleich Inklusion (4. Stufe)
Seit 2007 ist es möglich, die Konvention zu unterzeichnen, ratifiziert (nimmt Gesetzeskraft
an)
Disability Studies in Education: Bewegung behinderter Wissenschaftler ursprünglich,
erforschten Benachteiligungen, in Education… fokussieren auf den Bildungssektor, wie sehr
beeinträchtigen Behinderungen?
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