Das Passiv
Genus verbi (Aktionsform des Verbs): Aktiv (Tätigkeitsform) und Passiv (Leidform)
Das Aktiv und das Passiv unterscheiden sich durch eine unterschiedliche Blickrichtung auf den vom Verb
beschriebenen Prozess und dessen Agens. Das Agens ist der oder das eigentlich „Handelnde“ in einer Tätigkeit, einer
Handlung.
Es sind zwei Arten des Passivs zu unterscheiden:
1. Vorgangspassiv
2. Zustandspassiv
Das Vorgangspassiv
es bringt ein Geschehen zum Ausdruck, wobei allerdings der Geschehensträger (das Agens) in den
Hintergrund tritt: Peter öffnet die Tür. Die Tür wird (von Peter) geöffnet.
die Nennung des Agens ist im Aktivsatz, da es dort ein Satzsubjekt ist, obligatorisch, im Passivsatz demgegenüber
grundsätzlich fakultativ; das Vorgangspassiv ist also im Gegensatz zum Aktiv eine agensabgewandte Form
Bildung
reflexive Verben, unpersönliche Verben, Modalverben, Hilfsverben sowie die meisten Verben, die ihre Perfektform
mit sein bilden, sind aus der Vorgangspassivbildung ausgeschlossen
Im übrigen gilt die Regel, dass nur solche Verben ein Vorgangspassiv bilden können, die im Aktiv eine Aktivität des
Subjekts zulassen.
die passivfähigen Verben lassen sich in drei Gruppen einordnen:
1) Verben mit Akkusativobjekt
Bei der Umformung des Aktivsatzes in einen Passivsatz wird bei diesen Verben das Akkusativobjekt des Aktivsatzes
zum Subjekt des Passivsatzes:
Der Fuchs hat die Gans gestohlen. Die Gans wurde (vom Fuchs) gestohlen.
2) Verben mit Genitiv-, Dativ-, Präpositionalobjekt
Im Unterschied zur vorigen Gruppe wird bei diesen Verben das Genitiv-, Dativ-, Präpositionalobjekt des Aktivsatzes
nicht zum Subjekt des Passivsatzes, sondern bleibt unverändert.
Alle helfen Dir. Dir wird (von allen) geholfen.
Alle gedenken der Toten. Der Toten wird (von allen) gedacht.
Der Lehrer sorgt für Ordnung. Für Ordnung wird (vom Lehrer) gesorgt.
3) Verben ohne Objekt
Alle lachten. Es wurde (von allen) gelacht.
Auch die mit diesen Verben gebildeten Passivsätze sind notwendigerweise subjektlos. Am Satzanfang muss zwar u. U.
das Pronomen es erscheinen, dieses es ist aber kein Subjekt, sondern ein Platzhalter-es, das wegfällt, wenn ein anderes
Satzglied an den Satzanfang tritt.
von oder durch
in der Passivkonstruktion wird das Agens mit Hilfe der Präposition von oder durch angeschlossen. Ein prägnanter
Bedeutungsunterschied zwischen von und durch wird nicht immer empfunden.
von weist jedoch mehr auf den Urheber (auch Naturerscheinungen werden als Urheber aufgefasst) hin
durch weist auf den Vermittler, auf das Mittel oder auf die Ursache hin
Ersatzformen
sein + Adjektiv auf –bar: diese Form beinhaltet einen Modalfaktor (können, seltener: müssen)
Sein Wunsch ist erfüllbar. Sein Wunsch kann erfüllt werden.
lassen + sich + Infinitiv: gleiche modale Bedeutung
Sein Vorschlag lässt sich verwirklichen. Sein Vorschlag kann verwirklicht werden.
sein + zu + Infinitiv: Modalfaktor (können und müssen)
Das Fenster ist nur schwer zu schließen. Das Fenster kann nur schwer geschlossen werden.
Adressatenpassiv: flektierte Formen der Verben bekommen, erhalten, kriegen + Partizip II des Vollverbs;
! in dieser Konstruktion: Dativobjekt des Verbs (der Adressat der Handlung) => Subjekt
Man hat ihr einen Schal geschenkt. Ein Schal wurde ihr geschenkt.
Sie bekam einen Schal geschenkt.