Okkulte Strömungen heute
Channeling
Umfrage zum Glauben an gute
und schlechte Omen
Das »Engelwerk« im Spiegel
neuer Literatur
Materialdienst der EZW
£3 /J Evangelische Zentralstelle
T^T für Weltanschauungsfragen
Informationen
ABERGLAUBE
Gute und schlechte Omen haben
an Bedeutung gewonnen 361
Buchbesprechungen
Heiner Boberski
»Das Engelwerk. Ein Geheimbund
in der katholischen Kirche?« 362
I m Blickpunkt
Heinz Gstrein
HANS-JÜRGEN RUPPERT »,Engelwerk' oder Teufelsmacht.
Hintergründe über eine Grauzone
Okkulte Strömungen heute 337 kirchlicher Aktivitäten:
Haben wir die Aufklärung verschlafen? Neues Heil oder innerkirchliche
Okkultismus-ein moderner Begriff Sekte« 366
für umstrittene Phänomene
Heutige Erscheinungsformen
Weltanschauliche Grundlagen
Okkultismus und neue Religiosität
Impressum
Neuere kritische Literatur
Herausgegeben von der Evangelischen Zentralstelle für
Weltanschauungsfragen (EZW) im Quell Verlag Stutt-
gart. Die EZW ist eine Einrichtung der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD). - Redaktion: Pfarrer Dr.
Dokumentation Hans-Jürgen Ruppert (verantwortlich), Dr. Hansjörg
Hemminger, Pfarrer Dr. Reinhart Hummel, Pfarrer Dr.
Auf der Suche nach Gottfried Küenzlen, Pfarrer Dr. Hans-Diether Reimer,
dem Zweitgeist 354 Ingrid Reimer. Anschrift: Hölderlinplatz 2A, 7000
Stuttgart 1, Telefon 071112 26 22 81 / 8 2 . - Verlag: Quell
Verlag und Buchhandlung der Evang. Gesellschaft in
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HANS-JÜRGEN RUPPERT Erscheint monatlich. Einzelnummer D M 4,10 zuzügl.
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Vier Kategorien Evangelischen Publizistik. - Druck: Maisch & Queck,
Gedingen/Stuttgart.
Geisterbotschaften per Kreditkarte Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt ein Prospekt aus
Beurteilung dem Quell Verlag Stuttgart bei.
im Blickpunkt
Hans-Jürgen Ruppert
Okkulte Strömungen heute
Eine führende Tageszeitung meinte der „Entmodernisierung". Dennoch ist die
in einer Betrachtung zum Pfingstfest Stellung des Okkultismus in der moder-
vorletzten Jahres: „Es gibt Anzei- nen Welt durchaus ambivalent, weshalb
chen dafür, daß die Bereitschaft zu- er nicht nur als Gegenströmung, sondern
nimmt, an einen die Welt durch- zugleich auch als Ausdruck des moder-
waltenden Geist zu glauben." Sie nen Zeitgeistes anzusehen ist, der sich
nannte als Beispiele dieser neuen seiner eigenen Grundlagen nicht mehr si-
geistigen Aufgeschlossenheit: die cher ist. Oft sind es dieselben Personen
Bewegung der Postmoderne, die auf dem Weg „vom marxistischen zum
charismatische Bewegung neben mystischen Utopismus", vor allem ge-
und in den Kirchen, die New Age-Be- alterte „68er" (R. Hofmann 1990).
wegung und die Hinneigung zum Ok-
kultismus (»FAZ« 21. 5.1988, S. 14). Haben wir die Aufklärung
verschlafen?
In dieser etwas willkürlichen Zusammen-
stellung sind einige der wichtigsten Strö- So fragte Professor Gerhard Vollmer,
mungen genannt, die am Ende des »Zentrum für Philosophie und Grundla-
2. Jahrtausends nach Christus die religiös- gen der Wissenschaft« in Gießen, in einer
weltanschauliche Lage kennzeichnen. 1989 erschienenen Ausgabe der Zeit-
Die säkularen Heilshoffnungen sind in schrift »Universitas« mit Beiträgen zu sog.
den letzten Jahren für viele immer brüchi- Grenz- und PseudoWissenschaften, Ok-
ger geworden. Der Marxismus erfährt zur kultismus und Astrologie. Diese Frage
Zeit einen geradezu dramatischen Presti- stellt sich angesichts der heutigen Aus-
geverlust. Auf die Götterdämmerung zur breitung okkulter Strömungen immer
Zeit der Französischen Revolution ist in- mehr Menschen. Sie zielt auch darauf, in-
zwischen aber nicht nur eine Dämme- wiefern es sich beim Okkultismus weni-
rung mancher säkularer Ideologie, son- ger um ein altes, als vielmehr um ein für
dern bei vielen auch eine Dämmerung die Moderne typisches Phänomen han-
der Vernunft selbst gefolgt. Der modernen delt. Neben der Verpflichtung des Wis-
Fortschritts- und Technikgläubigkeit tre- senschaftlers auf das Selbstdenken seit
ten zunehmend Lebenseinstellungen und der Aufklärung und auf den hypotheti-
-Orientierungen zur Seite, die von einem schen Charakter wissenschaftlicher Aus-
noch zurückhaltenden „Unbehagen an sagen, gibt es bis heute Strömungen, die
der Moderne" bis hin zur entschiedenen von der Wissenschaft Sicherheit, letztgül-
Propagierung eines „posf-modernen", die tiges, sicheres Wissen erwarten und Wis-
Moderne ablösenden neuen Zeitalters rei- senschaft damit zum Religionsersatz ma-
chen. chen.
Auch die Ausbreitung okkulter Strömun- Es ist vielleicht das wichtigste Merkmal
gen gehört mitten hinein in diesen Prozeß des Okkultismus, daß er als „Geheim-
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 337
Wissenschaft" ausdrücklich diesen An- Motive machen möchten. Bei aller grund-
spruch auf „sicheres Wissen" erhebt. Da- sätzlichen Berechtigung dieser Kritik darf
bei kann die Frage, ob dem modernen, jedoch nicht übersehen werden, daß sei-
säkularen Menschen, wenn er sich vom ne Vertreter gerade durch die Beschäfti-
christlichen Glauben distanziert hat, gung mit der Magie oder mit den Naturre-
überhaupt etwas anderes übrig bleibt als ligionen den, wenn auch unzulänglichen
diese „ersatzreligiöse" Wahl, hier außer Versuch einer Überwindung des herr-
acht bleiben. schenden mechanistischen und materiali-
Da jedoch der Okkultismus auf „alte stischen Weltbilds der Moderne unter-
Weisheiten", magische und mantische nahmen und deshalb heute oft als Vorläu-
Praktiken, die Weltanschauung von Na- fer der aufkommenden Suche nach einem
turvölkern oder auch nichtchristlicher Re- „ganzheitlichen Weltbild" angesehen
ligionen zurückgreift, haben sich unwei- werden.
gerlich zwei fast unausrottbare Mißver- Der Theologe Karl Heim (1874-1958)
ständnisse des modernen Okkultismus hatte schon früh ein Gespür für diesen
eingestellt: Sachverhalt, indem er einmal feststellte:
- Seitens der modernen Gesellschaft: „Soweit ich sehen kann, wird der Mate-
daß es sich beim Okkultismus um einen rialismus nicht durch die Quantenphysik
Rückfall in „mittelalterlichen Aberglau- des heutigen Atomzeitalters den Todes-
ben" und unaufgeklärten Irrationalismus stoß erhalten... Ich glaube, dieser Todes-
handele; stoß wird von einer ganz anderen Seite
- seitens des Christentums: daß er wegen kommen, ... nämlich vom Okkultismus."
solcher Praktiken einzig und allein als dä- (»Ich gedenke der vorigen Zeiten«, Ham-
monische Gefahr anzusehen sei. burg 1960, S. 225 f) Zwar kann der Ok-
Der Okkultismus ist aber, worauf Kurt kultismus eine gefährliche Faszination
Hütten immer wieder hingewiesen hat, ausüben; seine pauschale Dämonisierung
im Unterschied zu Magie und Astrologie, kann jedoch diesen wichtigen weltan-
die in früheste Menschheitskulturen zu- schaulichen Sachverhalt völlig verdek-
rückreichen, erst eine moderne Erschei- ken. Im folgenden geht es jedoch nicht
nung. Keine der okkulten Weltanschau- um die Prüfung solcher weiterführenden
ungsbewegungen ist älter als 150 Jahre. Ansätze. Die aktuellen Erscheinungsfor-
Es handelt sich um Botschaften, die nach men okkulter Strömungen geben viel-
Hütten beanspruchen, „der dritte Weg mehr Anlaß zu der Frage, ob sie nicht
über Christentum und mechanistisch- eher Ausdruck des sich seiner selbst nicht
atheistische Weltanschauung hinaus" zu mehr sicheren modernen Zeitgeistes sind,
sein. als in die Zukunft weisende Beiträge zu
Da er sich jedoch vielfach alter, in der einer das materialistische und mechani-
Bibel kritisch beurteilter magischer und stische Denken überwindenden neuen
mantischer Praktiken bedient, hat er von Ganzheitlichkeit.
vornherein die Kritik der christlichen Kir-
chen gefunden. Hinzu kommt, daß der
Okkultismus - ein moderner Begriff
Okkultismus durch fragwürdige Perso-
für umstrittene Phänomene
nen, Scharlatane oder Satanisten in den
Augen vieler Christen so gründlich des- Mit dem Begriff Okkultismus (von lat.
avouiert ist, daß sie sich gar nicht mehr „occultum" = „das Geheimnisvolle",
die Mühe eines Verstehens seiner tieferen „Verborgene") faßt man solche weltan-
338 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
schaulichen Richtungen und Praktiken stimmten Teil einer Philosophie (Aristote-
zusammen, die beanspruchen, das Wis- les; Cicero). Begrifflich ist das Wortpaar
sen und den Umgang mit den unsichtba- „esoterisch"/„exoterisch" aber erst in ei-
ren, geheimnisvollen und von der Natur- ner Satire bei Lukian im 3.Jh. n.Chr.
wissenschaft noch unerforschten Seiten nachweisbar (Cancik 1990).
der Natur und des menschlichen Geistes Heute deckt sich der Begriff vor allem in-
besonders zu pflegen. soweit mit „Okkultismus", als letzterer ei-
Er bezieht sich einerseits auf bestimmte nen im Blick auf moderne Wissenschaft
okkulte Praktiken (Pendeln; Wahrsagen; und Lebenspraxis „esoterischen" Charak-
Magie; spiritistische Praktiken der Gei- ter trägt. Weil das Noch-nicht-Erforschte
ster- und Totenbefragung). Andererseits aber nicht einfach mit dem prinzipiell
ist aber auch das Geheimwissen gemeint, Unerforschbaren gleichzusetzen ist, kann
wie es vor allem von okkulten Weltan- das „Okkulte" von gestern und heute
schauungsgemeinschaften (z. B. Theoso- morgen schon das „Bekannte" sein
phie; Anthroposophie; moderne Rosen- (E. Bauer 1990).
kreuzer und Templer) in sog. „Geheim- Die Bezeichnung „esoterischer Okkultis-
wissenschaften" systematisiert wird, die mus" deutet vor allem auf die Geheimhal-
den Horizont der herkömmlichen Natur- tung des okkulten Wissens und auf dem-
und Menschenerkenntnis in okkulte Be- entsprechende Praktiken und Rituale hin,
reiche hinein erweitern und damit gleich- da die übrigen Menschen entweder als
zeitig Letzterklärungen für ungelöste prinzipiell unempfänglich für dieses Wis-
Menschheitsfragen geben wollen. sen oder erst aufgrund einer okkulten
Schulung als reif für die Initiation angese-
hen werden. Seine Vertreter mögen sich
Esoterischer Okkultismus
freilich noch so alte Ordensnamen und
Schon von der Wortbedeutung her ist okkulte Pseudonyme zulegen; sie mögen
„Okkultismus" eng mit dem Begriff Esote- für ihre Gruppen noch so alte Bezeich-
rik verwandt. Das griechische „esoteros" nungen von Strömungen verwenden, die
(= „innerlich", „verborgen") entspricht keine historische Kontinuität mehr in die
dem lateinischen „occultus". Versuche, Moderne aufweisen, wie „Templer",
Esoterik als „religiös-philosophische „Theosophen", „Rosenkreuzer" oder
Theorie" und Okkultismus als „magisch- „Hermetiker"' Die unter diesen Namen
technische Praxis" im Blick auf heutige im 19. und frühen 20. Jahrhundert gebil-
Strömungen prinzipiell voneinander ab- deten und zum Teil bis heute bestehen-
zugrenzen (Schumacher 1989), überzeu- den Okkultorden und Weltanschauungs-
gen nicht, obwohl beide Begriffe in ihrer gemeinschaften, wie die 1875 aus einem
Geschichte nicht einfach deckungsgleich spiritistischen Zirkel gebildete »Theoso-
waren. Der Begriff Esoterik im Sinne des phische Gesellschaft«, aus der sich 1912/
Okkultismus konnte aber überhaupt erst 13 die »Anthroposophische Gesellschaft«
seitdem 19. Jahrhundert auftauchen, weil Rudolf Steiners abspaltete, der 1888 ge-
es eine sich so bezeichnende weltan- gründete »Hermetic Order of the Golden
schauliche Bewegung erst seitdem gibt! Dawn« (Mitglieder u.a.: W B. Yeats,
Zuvor verstand man unter Esoterik in ei- A. Crowley), der »Ordo Templi Orientis«
nem vom Okkulten ganz unabhängigen (O.T.O.) aus dem Jahr 1900, die »Rosen-
Sprachgebrauch z. B. den „esoterischen", kreuzer-Gemeinschaft« Max Heindels
nur für Anhänger der eigenen Schule be- von 1909 oder der »Alte Mystische Orden
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 339
vom Rosenkreuz« von 1916 u.v.a.m. kön- im modernen Verständnis als „Geheim-
nen trotz ihrer „alten" Namen nicht ver- wissenschaft" wahrscheinlich erstmals in
bergen, daß es sich dabei um ein moder- der Mitte des letzten Jahrhunderts von Al-
nes Phänomen handelt. phonse Louis Constant (1810-1875), der
Zum „esoterischen Okkultismus" gehören sich das kabbalistische Pseudonym
vor allem solche vom okkulten Weltbild „Eliphas Levi" zulegte, verwendet. Man
(s.u. S. 345 ff) geprägte weltanschauli- entdeckte das ganzheitliche, sympatheti-
che Systeme, die ihren Anhängern um- sche Weltbild der Magie und ließ sich da-
fassende weltanschauliche und ethische von auch zu magischen Experimenten an-
Orientierung geben. Meist legen sie ihre regen (E. Levi, »Dogme et rituel de la
Mitglieder auf die Lehre einer geistigen haute magie«, Paris 1854/56). Oder man
Führergestalt fest. Man hat die moderne gab sich den Buchstaben- und Zahlenspe-
Esoterik auch als „privilegierte Informa- kulationen der Kabbala oder der Wahr-
tion" (A. Bharati, bei A. Holl 1987) be- sagekunst des Tarot hin. Eine seiner frühe-
zeichnet. Sie ist besonders geeignet, ein sten Ausprägungen fand der „empirische
hierarchisch elitäres Bewußtsein hervor- Okkultismus" vor allem im Spiritismus,
zubringen bzw. von sich elitär verstehen- der die „Survival-Hypothese" der
den Gegen- und Subkulturen benutzt zu menschlichen Psyche ganz auf dem säku-
werden. Bei dem Versuch, solche nicht laren Boden der Wissenschaft und unab-
jedermann zugängliche Information zu hängig von kirchlich-religiösen Vorgaben
erhalten, spielen okkulte Praktiken, „Be- durch „experimentelle", „empirische"
wußtseinstechniken", Meditation usw. Untersuchung von Medien und ihren Lei-
eine große Rolle. stungen zu beweisen versuchte (Allan
Kardec = druidisches Pseudonym für Hip-
polyte Leon Denizard Rivail, »Le livre des
Empirischer Okkultismus
esprites«, Paris 1857). Mit der Gründung
Vor allem im Anschluß an den „animalen der »Society für Psychical Research«
Magnetismus" Franz Anton Mesmers (SPR) 1882 in London begann die eigent-
(1734-1815) entstand - neben dem liche wissenschaftliche Erforschung die-
„Neuro-Hypnotismus" als Vorläufer der ses Bereichs.
späteren wissenschaftlichen Psychologie Die verschiedenen Formen des Okkultis-
- ein „empirischer Okkultismus", der sich mus sind also einerseits vom Aberglauben
seit 1848 im epidemierartigen Auftreten zu unterscheiden, dessen Kriterien immer
spiritistischer Praktiken, später auch an- fehlende ethische Orientierung und theo-
derer „unerklärlicher Phänomene" logisch die Mißachtung des Ersten Gebots
(UFOs; Geller-Effekt u.v.a.m.) äußert. Die sind - andererseits von der Parapsycholo-
Beschäftigung mit magischen, magisch- gie, die den Bereich des Okkultismus mit
therapeutischen oder okkulten Techniken anerkannten wissenschaftlichen Metho-
und Effekten spielt hier eine größere Rolle den (Experiment; statistische Methoden)
als das Interesse an einem geschlossenen auf das Vorkommen „paranormaler Er-
weltanschaulichen System oder der Ver- scheinungen" hin erforscht. Die Parapsy-
pflichtung darauf. Man hat in diesem Sin- chologie ist nicht einfach eine „Wissen-
ne auch eine „Gebrauchs-" und „Aus- schaft vom Okkulten", worunter alles
wahl I-Esoterik" von einer „System-Esote- Mögliche an „Unerklärlichem", „Ge-
rik" unterscheiden (B. Grom 1986). heimnisvollem" oder „Übersinnlichem"
So wurde auch der Begriff „occultisme" verstanden werden kann, sondern ge-
340 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
nauer die „Wissenschaft von den para- schen Kategorien berühren sich mi den
normalen Phänomenen" (A. Resch 1986). drei Kategorien heutiger Esoterik von
Denn man muß konsequent „das Okkul- B. Grom (s. o.): Die „System-Esoterik" hat
te" vom „Paranormalen" (sowie theolo- eine Affinität zum „cult movement", die
gisch vom „Charismatischen") unter- „/\i/swa/?/-Esoterik" zum „dient cult", mit
scheiden, womit „Erfahrungen und Beob- lockerem Bezug zumindest zu einer infor-
achtungen bezeichnet werden sollen, die mellen Gruppe oder einem „Netzwerk"
im derzeitigen naturwissenschaftlichen (Beispiel: New Age-Bewegung), und die
und medizinischen Erklärungsrahmen „Gebrauchs- Esoterik" zum „audience-
nicht mehr unterzubringen sind" cult" ohne einen gesellschaftlichen An-
(W.Thiede 1988). Die biblisch bezeugten spruch oder eine Gruppen-Bindung, nur
Wunder und paranormalen Phänomene auf ihre Anwendbarkeit für den einzelnen
bieten jedenfalls Anlaß, daran festzuhal- und seine „spirituellen Bedürfnisse" zuge-
ten, „daß Gott auch auf außersinnliche schnitten.
Weise die Geschichte seines Bundes mit
den Menschen voranbringt". (E. Warmers
Der Okkult-Konsument
1987)
Die umfassendste Ausdrucksform der ge-
genwärtigen okkulten Welle ist eine riesi-
ge „Lesergemeinde" von Esoterik- und
Heutige Erscheinungsformen
Okkultliteratur, ein „Publikum", das die
Während der Okkultismus in Europa lan- gleichen Bücher liest, die gleichen Kas-
ge Zeit nur durch verhältnismäßig kleine setten abhört und die gleichen Videos
Gruppen und Einzelpersonen wirksam und Fernsehsendungen betrachtet. Der
war, hat sich die Lage seit den 60er Jahren einzelne ist allein mit seinen Büchern,
des 20. Jahrhunderts gewandelt. Von Kassetten und Zeitschriften mit okkulten
Amerika herkommend, hat sich im Rah- Inhalten und läßt sich unterhalten. Der
men der Welle der „Entmodernisierung" große Konsum- und Unterhaltungswert
im Zeichen der New Age-Bewegung auch des Okkultismus zeigt sich vor allem dar-
eine Renaissance des Okkultismus voll- an, daß sich Film und Fernsehen bis in die
zogen. Wie nach einem Dammbruch er- Kinder- und Jugendprogramme hinein der
gießt sich seitdem eine Flut von okkulten Thematik angenommen haben.
und esoterischen Angeboten in die Öf- Aber auch zahlreiche Darsteller schwim-
fentlichkeit. men offenbar selbst voll in der Esoterik-
Ihre noch ständig im Fluß befindlichen Er- Welle mit oder werden dem Publikum
scheinungsformen lassen sich nur schwer zumindest so präsentiert. In mehreren
unterscheiden und beschreiben. Nach Schlagzeilen meldete die Münchner
den amerikanischen Soziologen Stark »Abendzeitung« z. B. im Februar 1990
und Bainbridge (1985) kann man gegen- unter der Überschrift »Die Gurus von
wärtig drei Organisationsformen (bzw. München. Esoterik - der neue Weg zum
das Fehlen solcher) bei Vertretern des Ok- Glück«: „Prominente üben geheimnisvol-
kultismus unterscheiden: als „audience le Kulte aus - jeder dritte ist anfällig. Han-
cult", als „dient cult" und als „cult move- na Schygulla hält viel von islamischen
ment'. Diese etwa mit „Publikum", Derwischen und Sufi-Orden. Ruth-Maria
„Kundschaft" und „(neuer) religiöser Be- Kubitschek reinigt ihre Chakras durch
wegung" wiederzugebenden soziologi- Lichtmeditation. Fritz Wepper hält durch
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 341
Zen eisern die Assistenten-Stellung bei werden die »Unglaublichen Geschich-
Derrick. Harry Valerien hat Seminare bei ten« fortgesetzt durch gleichnamige Ta-
dem Münchner Guru Dethlefsen besucht. schenbücher des »Knaur Verlags« mit „Er-
Ingrid Steeger befragt Wahrsager und die lebnisberichten namhafter Autoren und
Karten nach der Zukunft. Cleo Kretsch- Künstler", wie Frank Elstner, Erich von
mer will in Berlin eine Landebahn für En- Däniken, Peter Hofmann, Johanna von
gel bauen." Koczian, Jürgen Markus, Johannes Mario
Einer der erfolgreichsten Romanautoren Simmel u.v.a., die von „übersinnlichen
nach 1945, Michael Ende, trat in einem Erlebnissen" dieser Personen handeln.
Beitrag des Bayerischen Rundfunks auf, in Dazu gehören insbesondere: Kontaktauf-
dem zu sehen war, wie er in seinem Gar- nahme mit Verstorbenen mit Hilfe wan-
ten in der Nähe Roms Geistern kleine Ge- dernder Gläschen, die Rückversetzung in
schenke in die Oliven-Bäume legte. In ei- frühere Existenzen mit Hilfe der sog.
nem Interview erklärte er dazu: „Die Welt Reinkarnationstherapie, rätselhafte Spuk-
und das Weltall sind von Intelligenzen fälle, aber auch Theorien über die Entste-
und Bewußtsein erfüllt, die größtenteils hung des Lebens und des Kosmos.
über dem Menschen stehen..., teils aber Die größte esoterische „Lesergemeinde"
auch ... unter ihm stehen..., die man frü- im deutschsprachigen Raum dürften die
her Gnome, Nixen oder Undinen, Elfen Leser der jetzt auch an Zeitungskiosken
und Salamander nannte... Alle Völker, und in Supermärkten vorrätigen »Esotera.
die der Natur noch nicht so entfremdet Neues Denken und Handeln« sein. Die
sind wie wir, wußten und wissen, daß es verkaufte Auflage von 60000 (»Esoterik
mit den Bäumen eine ganz besondere Be- Almanach 86/87«, S. 399) wurde laut
wandtnis hat... Der OUven-Dryas, der »Börsenblatt« zwischen 1986 und 1990
mir bei der Arbeit an der >Unendlichen mehr als verdoppelt! Während einige der
Ceschichte< und auch an >Momo< beige- interessanteren Esoterik- und New Age-
standen hat, war nicht nur mir hilfreich." Magazine wie z. B. »Hologramm« inzwi-
(»idea-spektrum«, 15.10. 1986) Und er schen nicht mehr erscheinen, ist es er-
erzählte dann die Geschichte von einer staunlich, daß ein inhaltlich eher dürfti-
krebskranken Frau, die angeblich von ges Produkt wie das als „Magazin für
dem Geist im Oliven-Baum geheilt neues Denken und ganzheitliches Leben"
wurde. geplante »Atlantis/Lichtnetz« mit einer
In einer vielgesehenen Sendung von RTL, Auflage von 30000 Exemplaren gestartet
»Unglaubliche Geschichten«, ließ der ist, die innerhalb eines Monats auf 50000
Moderator Rainer Holbe einen Aachener Exemplare erhöht wurde. Für Dezember
Rentner auftreten, der verstorbene Schau- 1990 wird sogar eine Gesamtauflage von
spieler, wie Wolfgang Kieling oder Romy 100000 angestrebt!
Schneider, auf einem nichtbespielten Vi- Offenbar zeigen sich auch schon Auswir-
deoband zum Erscheinen brachte. Zwar kungen der von den Medien fleißig geför-
ist der Schwindel inzwischen entlarvt und derten okkulten Welle auf die Bevölke-
Holbe mußte seinen Hut nehmen, nach- rung: Trotz der materialistischen Grund-
dem in einem seiner Bücher von Geistwe- strömung in der Gesellschaft ist die Be-
sen behauptet worden war, der verstorbe- reitschaft der Menschen, Behauptungen
ne Quizmaster Hans Rosenthal sei in ei- über okkulte und magische Fähigkeiten
nem früheren Leben ein Dieb gewesen ernst zu nehmen oder selbst daran zu
(»BILD«, 24. 3. 1990). Nach wie vor aber glauben, in den letzten 30 Jahren ständig
342 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
gestiegen! So meinten 45% der Deut- chender Literatur und Musik kann leicht
schen nach einer Umfrage von 1986, of- einer werden, der es in einer schwierigen
fen zugeben zu können, selbst schon ein- Lebenslage selbst einmal mit den gezeig-
mal etwas erlebt zu haben, was sich „mit ten Praktiken probiert oder sogar in ein
dem Verstand nicht erklären läßt". Ein er- „cult movement" gerät.
staunliches Ergebnis brachte auch eine
Allensbach-Umfrage über die Einstellung
Der Markt des Übersinnlichen
der Deutschen zur Frage der Reinkarna-
tion zutage, die im Frühjahr 1989 veröf- Wer von den zahlreichen „Schnupperan-
fentlicht wurde: So lehnen nur noch 74% geboten" in Zeitschriften, Film oder Fern-
die Lehre von der Wiederverkörperung sehen angelockt seine vier Wände ver-
der Seele ab! 12%, also 6 Millionen Deut- läßt, der findet heute in der Öffentlichkeit
sche, glauben inzwischen, früher schon einen riesigen „Psycho-" und „Esoterik-
einmal gelebt zu haben (vgl. »FAZ« 1. 3. Markt" vor. Eine neue Dimension tut sich
1989, S. 9). Und die letzte Allensbach- für den einzelnen nämlich auf, wenn er
Umfrage zum Hexenglauben vom August z. B. den von einer amerikanischen Psy-
1989 belegt, daß 1989 doppelt soviele chologin „gechannelten" »Kurs in Wun-
Menschen bei uns glauben, „daß viel- dern« oder die »Seth-Materialien« von
leicht doch etwas dran ist, daß es viel- Jane Roberts (s. u. S. 358) nicht mehr für
leicht Hexen gibt", als 1956 (nämlich sich alleine zu Hause durcharbeitet, son-
16% statt 8%), während im gleichen Zeit- dern unter Anleitung, zusammen mit
raum der Anteil derjenigen, die dies ein- Gleichgesinnten in einem „Workshop"
deutig ablehnten, von 92% auf 84% sank. eines „New Age-Centers". Da letzteres
(Zu der im Januar 1990 durchgeführten gutes Geld kostet, kommt ein Kund-
Umfrage über den Glauben an gute und schaftsverhältnis zu dem Veranstalter zu-
schlechte Omen vgl. die nachfolgende stande. Der Kundschaft aber entspricht
»Information« S. 361 f.) immer ein Markt, und so kann man sich
Bei den Auswirkungen des von der Welt auch den Bereich neuer esoterischer An-
der elektronischen Medien geförderten gebote als einen riesigen „Markt des
Okkultismus ist auch der sog. „Jugendok- Übersinnlichen" vorstellen, wobei der
kultismus" zu berücksichtigen, vor allem Übergang zwischen „alternativem Psy-
das epidemieartige „Gläschen-" und „Ti- chomarkt" mit seinen fachlich nicht aner-
scherücken" oder Pendeln bei Schülern kannten Therapieformen und „Esoterik-
sowie ihr Interesse an okkulten Ritualen Markt" ziemlich fließend geworden ist
bis hin zum Satanismus, der vor allem (vgl. dazu den EZW-lmpuls Nr. 31 von H.
auch durch die Hardrock-Szene gefördert Hemminger; einen Eindruck von diesem
wird (nur 0,45% beträgt allerdings nach Markt vermittelt auch das »Börsenblatt für
R. Tischers EZW-Information Nr. 109, den Deutschen Buchhandel« vom 6 . 2 .
S. 8, der Anteil des Bereichs „occult me- 1990 mit dem Themenschwerpunkt „Eso-
tal" an der gesamten Rock- und Pop-Pro- terik/Lebenshilfe").
duktion und 10% am „heavy metal"!). Unter „alternativem Psychomarkt" ver-
Zwar tritt auch der Jugendokkultismus steht man therapeutische Angebote, die
überwiegend als „audience cult" in Er- nicht auf dem durch Vernunft und Erfah-
scheinung. Doch zeigt sich immer wie- rung nachprüfbaren, gesicherten Wissen
der: Aus dem Konsumenten von Okkult- der wissenschaftlichen Psychotherapie
Beiträgen im Fernsehen oder entspre- beruht, und dessen Heilungsangebote
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 343
von exotischen Weltanschauungen und oder kleinere Veranstaltungen, wie sie
nichtchristlichen Menschenbildern ge- unter der Bezeichnung „Esoterik-Tage" in
prägt werden, z. B. von Buddhismus und verschiedenen Städten (Stuttgart, Frank-
Hinduismus. Auf diesem „Markt" ist in furt, Baden-Baden, Wien) durchgeführt
den letzten Jahren eine zunehmende Hin- wurden, zuletzt unter dem Titel »Lebens-
wendung von exotischen östlichen Welt- freude 90. Messe + Kongreß für Esoterik,
und Menschenbildern zu nicht weniger Natur, Gesundheit, Umwelt« vom 2 . - 4 .
auffälligen okkulten und magischen Welt- November 1990 im Curio-Haus in Ham-
bildern bis hin zu Praktiken von Naturvöl- burg (mit Erich von Däniken, Tom Johan-
kern, Schamanen, Indianern oder Kelten son, Michael Vetter u. a.). Am Wochen-
zu beobachten. ende nach der deutschen Wiedervereini-
Dabei kristallisieren sich - der Fast-food- gung fand in Magdeburg auch die erste
Mentalität des heutigen Konsumenten Ost-Esoterikmesse statt - trotz nur gerin-
„spiritueller Erfahrungen" gemäß - typi- gen Publikumsinteresses von 45 Personen
sche „Vertriebsformen" heraus - z. B. von »Atlantis/Lichtnetz« (3/1990) als „er-
„Workshop" und „Seminar" oder „Mes- ste New-Age-Begegnung zwischen Ost
se", zum Teil an exotischen Plätzen, wie und West" gefeiert!
Mexiko, Peru, Hawaii oder Lanzarote. - Aussteller bieten auf solchen „Märk-
Was wird bei solchen Veranstaltungen ten" z. B. Pendel, Amulette, Kristalle oder
geboten? Die Moden und Trends wech- andere Gegenstände zu magischen und
seln hier geradezu mit atemberaubender mantischen Zwecken an; es gibt Massa-
Geschwindigkeit: Waren gestern noch gedarbietungen, und Naturkost wird ver-
„schamanistische Trancereisen" ein Ren- abreicht.
ner in „spirituellen Zentren" oder „initiati- - Geistheiler legen in Nebenräumen die
sche Reisen" zu den alten Inka-Kraftplät- Hände auf, wobei sie als „Kanal" für die
zen im Amazonas-Urwald Perus (Kosten- geistigen Energien und „Heilströme" die-
punkt: 6 0 0 0 - DM), so ist es heute nen, die „Geistführer" aus dem Jenseits
„Channeling", d. h. „Kanal sein" für hö- auf den Heilungsuchenden leiten.
here Wesenheiten und Geister, das in den - Daneben deuten Astrologen die Zu-
USA schon vor längerer Zeit zu einer Art kunft, Rebirther lassen einem die eigene
„Volkssport" (so »Esotera« 5/1987) ge- Geburt noch einmal auf „sanfte Weise"
worden war (näheres im folgenden »Be- erleben, damit die Kontaktaufnahme mit
richt« S. 357ff). der „Lebenskraft" besser klappt, als beim
Neben Workshop oder therapeutischer erstenmal im Mutterschoß, und Reinkar-
Sitzung gehören in jüngster Zeit vor allem nationstherapeuten versetzen ihre Klien-
sog. „Esoterik-Messen" zum Erschei- ten nicht nur in den Zustand bei der Ge-
nungsbild okkulter Strömungen. Diese burt, die sog. „perinatalen Erlebnisse",
sind nichts anderes als Märkte oder Mes- wie der berühmte Stan Grof sagt, sondern
sen des Übersinnlichen, bei denen das noch weiter zurück in frühere Erden-
Kommerzielle im Vordergrund steht. Zu leben.
dieser Kategorie gehören Ereignisse, wie Beobachter rechnen zu dem Kunden-
das alljährlich auf dem Londoner Messe- stamm derartiger esoterischer Angebote
gelände stattfindende »Festival for Mind, vor allem die sog. „Singles" sowie die
Body, Spirit«, der 1988 vom damaligen neue Klasse der „dinks" - „double inco-
Berliner Senat geförderte Kongreß »Be- me, no kids". Solche Veranstaltungen
wußtsein 88« (vgl. M D 1988, S. 181 f) sind heute eines der markantesten Bei-
344 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
spiele für die Kommerzialisierung der - spiritistische und „spiritualistische"
New Age-Szene zu einem wahren „Markt Gemeinschaften (Geistige Loge Zürich;
des Übersinnlichen". Auf diese Weise Heimholungswerk Jesu Christi / Univer-
werden heute Millionen aufgeschlossen selles Leben; Orden „Fiat Lux"; umbandi-
für okkulte Welt- und Menschenbilder. stischer und kardecistischer Spiritismus);
Daß sich selbst Kirchengemeinden die- - UFO-Bewegung;
sem Trend nicht ganz entziehen können, - sonstige okkulte Orden und Logen
zeigt eine Veranstaltung mit Elisabeth (Ordo Tempii Orientis; neugermanische
Kubier-Ross am Erntedankfest 1990 in der Orden).
Berliner Marienkirche, bei der der Veran-
stalter - eine »Arbeitsgemeinschaft für
Sterbebegleitung und Lebensbeistand« -
Weltanschauliche Grundlagen
durch Erhebung eines Eintrittsgelds von
2 0 - DM geschätzte Einnahmen in Höhe Im Hintergrund okkulter Deutungssyste-
von 3 0 0 0 0 - D M erzielte (»epd«, 4. 10. me kann man vor allem drei weltan-
1990, S. 11). schauliche Prinzipien erkennen:
- ein weltanschaulicher Monismus;
- ein pädagogischer Evolutionismus,
Okkulte Weltanschauungsbewegungen
- eine gnostische Erkenntnis- und Erlö-
Während bei den beiden bisher genann- sungslehre.
ten Erscheinungsformen weder eine feste Es handelt sich bei diesen Ausdrucksfor-
Mitgliedschaft noch die dauerhafte Festle- men „neuer Religiosität" um einen jen-
gung auf ein klares Glaubenssystem oder seits von echten wissenschaftlichen Hy-
die Bindung an eine Führergestalt vorhan- pothesen (s. o. G. Vollmer) und klassi-
den ist, ist dies bei den okkulten und eso- schen Religionen angesiedelten pseudo-
terischen Weltanschauungsgemeinschaf- wissenschaftlichen Ersatzglauben, wes-
ten der Fall. Der Okkultismus manifestiert halb hier fundamentale Unterscheidun-
sich auf dieser dritten Ebene in Form zahl- gen notwendig sind (s. u. S. 350ff).
reicher neuer religiöser Bewegungen und
Sondergemeinschaften, die durchweg ei-
nen stark synkretistischen Charakter ha-
Alles ist eins
ben. Als Versuch der Überbietung des
Christentums durch eine okkulte Weltan- Der Monismus nimmt oft eine ausgespro-
schauung sind sie weithin eine nach- chen neuplatonische und östliche Fär-
christliche Erscheinung. Zu den wichtig- bung an. Die Grundannahme, daß letzt-
sten gehören: lich alle(s) eins sind/ist, wird dahingehend
- der theosophische Synkretismus (die variiert, daß letztlich nur der höchsten
anglo-indischen Theosophischen Gesell- Ebene Realität zukommt, während alle
schaften; Anthroposophie; Alice-Bailey- anderen Schein sind (F. Capra, »Wende-
Gruppen; I-AM-Movement; Welt-Spirale zeit«, S. 417). Wenn die Welt eine Einheit
und kleinere „Aufgestiegene-Meister- bildet, die Unterschiede zwischen Geist
Gruppen"); und Materie, Himmel und Erde, Diesseits
- der rosenkreuzerische Synkretismus und Jenseits, Mensch und Engel nur gra-
(AMORC; Internationale Schule des Ro- duell sind, so gibt es zwischen allem Stu-
senkreuzes / Lectorium Rosicrucianum; fen eines Verwandlungsprozesses. Daß
Rosenkreuzer-Gemeinschaft); wir die „Geister" nicht mit unserem phy-
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 345
sischen Auge sehen können, liegt danach freier die Lebensenergie im Menschen
einfach daran, daß sie sich auf einer hö- fließt,... desto umfassender... wird diese
heren „Schwingungsebene" der einen Verbindung zu allem Leben ringsum."
Wirklichkeit befinden, für die wir die (»Esotera« 10/1988, S. 22)
„feinstofflichen Organe" erst entwickeln Der „Sündenfall" der Menschheit ist ge-
müssen, was eben Gegenstand der okkul- wissermaßen die Trennung des Ichs vom
ten Schulung in diesen Bewegungen ist. Körper und seine einseitige Identifizie-
Der ganze Kosmos ist durchströmt von ei- rung mit dem Denken. Durch bioenerge-
ner alles durchdringenden „Lebensener- tische Übungen soll die Erfahrung des
gie" Diese Vorstellung vom Fließen un- Einsseins mit dem Ganzen wieder er-
sichtbarer Kräfte, die sich der Mensch zu reichbar sein. Entsprechend empfiehlt sie,
seiner Entwicklung zunutze machen Arbeitsbesprechungen, politische Ver-
kann, ist überhaupt die Grundlage okkul- sammlungen oder Kongresse mit bioener-
ter Praktik, aber auch des Yoga sowie getischen Körperübungen zu beginnen,
zahlreicher moderner Therapien. Sie eig- damit die Menschen, bevor sie zu denken
net sich damit zugleich zur Vereinheitli- beginnen, zunächst einmal mit ihrem
chung ganz unterschiedlicher religiöser Körper und damit mit der „Lebensener-
und weltanschaulicher Traditionen. gie", die alles durchfließt, d. h. mit dem
Denn diese monistische Vorstellung von kosmischen Ganzen in Berührung kom-
einer alles durchdringenden kosmischen men. Die grüne Arbeitsgemeinschaft
„Energie" oder „Lebenskraft" ist sowohl »Spirituelle Wege in Wissenschaft und
östlichen Weltanschauungen und dem Politik« habe bereits entsprechende „Re-
Weltbild von Naturvölkern als auch west- geln" ausgearbeitet.
lichem Okkultismus sowie der modernen Diese Vorstellung einer universalen Le-
Psychologie bekannt: Im Osten spricht benskraft liegt auch dem Yoga zugrunde:
man von Prana, Chi oder Mana, im Ok- Durch unsichtbare „Energie-Zentren"
kultismus von OcZ-(Kraft), Heilkraft, Le- (Chakren) kann der Mensch die Lebens-
bensenergie und in der modernen Psy- kraft aus dem Kosmos aufnehmen und
chologie, bei Reich oder Löwen, von Or- steuern. „In dieser Form wurde der Yoga"
gon- und von Bioenergie, die durch die nach Johannes Aagaard „zur Grundlage
zur Zeit auf dem Psycho- und Esoterik- von nahezu allen New Age-Gruppen und
Markt stark verbreiteten Körpertherapien daher auch von fast allen heutigen neuen
(vgl. M D 1989, S. 257ff) wieder „zum • ligiösen Bewegungen." (1987, S.46)
Fließen gebracht" werden soll (J.G. Mel- L I M ' da diese Kraft siebenfältig sei, wie
ton 1986). das jH'ktrum des Regenbogens, wurde
Die in einem „Wassermannzentrum" im der Regenbogen zu einem der Symbole
Schwäbischen Wald lebende und in der New Age-Bewegung (S. 42). In der
„Bioenergetik" ausgebildete frühere Bun- okkulten Weltanschauung der anglo-indi-
destagsabgeordnete der »Grünen«, Karin schen Theosophie findet sich diese Vor-
Zeitler, erläuterte die praktische Bedeu- stellung schon im 19. Jahrhundert. Dort
tung dieser „kosmischen Energie" einmal sind die kosmischen Energieströme des
so: „Für mich ist ein Mensch mit spirituel- Yoga als „sieben Strahlen" jeweils einem
ler Lebenseinstellung ... verwurzelt in der sog. „aufgestiegenen Meister" zuge-
seinem Körper... Diese Selbstwahrneh- ordnet, d. h. einem bereits vollendeten
mung und Selbstliebe ... ist es ja, was uns früheren Menschen, der über einen sol-
die Lebenskraft spüren läßt... Und je chen Energiestrahl herrscht. Die meditati-
346 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
ven Praktiken theosophischer Gruppen geht in seiner Urform zurück auf Helena
richten sich daher darauf aus, der jetzigen Blavatsky, die es mit Hilfe der Idee der
Menschheit durch das Einströmenlassen Bodhisattvas aus dem Mahayana-Bud-
der kosmischen Lebenskräfte über die dhismus entwickelte.
sog. „Regenbogenbrücke" (antahkarana) In der Anthroposophie erhält dieser Evo-
bei ihrer Evolution zu göttlichen Wesen lutionismus seine vielleicht umfassendste
zu helfen. Ausprägung. So wie Steiner in alles und
jedes den Gedanken einer „Entwicklung"
hineinliest und Darwin „zu Ende denken"
will, so begegnet hier auch die Vorstel-
lung, daß die jetzige Menschheit dabei
Das Leben ist eine Schule
ist, sich zur 10. Engelhierarchie zu ent-
Damit kommt die zweite wichtige Grund- wickeln: So wie die Menschheit jetzt von
lage okkulter Weltdeutungssysteme in den 9 Engelhierachien vor ihr geschult
den Blick, die insbesondere ihre Prakti- und entwickelt wird, so wird sie dereinst
ken bestimmt. In deren Zentrum stehen als „10. Hierarchie" beim „Weltenfort-
Formen der Meditation zur Aufnahme gang" weiterwirken (vgl. dazu: Hans-
solcher kosmischer Energien und der gei- Werner Schroeder, »Mensch und Engel«,
stigen Schulung zur „Erweiterung des Be- Frankfurt/M. 1985, S. 147ff).
wußtseins". Man kann diese Grundlage In der New Age-Bewegung trifft man auf
als einen alles umfassenden „pädagogi- dieses Konzept bei dem theosophisch be-
schen Evolutionismus" bezeichnen einflußten David Spangler Nach seinem
(K. Hütten, M D 1968, S. 3), wonach das Fischer-Taschenbuch »New Age« ist das
Leben eine „Schule" ist, in die die Men- ganze Sonnensystem eine gigantische
schen immer wieder zurückkehren müs- „Schule", in der die weniger entwickelten
sen, bis sie ihr „Pensum an Liebe" gelernt Geister, z. B. die Menschen, in einem
haben, wie es die Thanatologin E. Kübler- kosmischen Prozeß von den Fortgeschrit-
Ross formuliert. Voraussetzung ist die An- tenen zu göttlichen Wesen erzogen wer-
nahme der von fast allen heutigen esoteri- den, die dann „Ausbilder" für die nach
schen Weltanschauungsbewegungen ge- ihnen kommenden werden (S.102f).
teilten Reinkarnationsidee. Denn im all- Ein Beispiel für diesen pädagogischen
gemeinen gehen sie davon aus, daß der Evolutionismus ist auch der »Katechismus
Mensch viele Erdenleben oder Lernschrit- der Uraniden« von Hermann Oberth
te in der „geistigen Welt" benötigt, bis er (1894-1989). Darin legt der „Vater der
das Ziel seiner Göttlichkeit und Vollkom- Weltraumfahrt" ein „Bekenntnis zu den
menheit erreicht. spiritualistischen Auffassungen von Seele,
Es herrscht die Vorstellung, daß er dabei Jenseits und Reinkarnation" ab: Die Erde
von bereits höher entwickelten geistigen ist ein „Besserungs- und Schulungspla-
Wesen unterstützt oder „geschult" wird, net", auf dem die Seelen sich „aneinander
die ihm die notwendigen geistigen Ener- abschleifen und darin üben sollen, das
gieströme übermitteln. An der Spitze die- Gute zu lieben und das Böse zu hassen".
ser geistigen Hierarchie steht für die Heute ist die „Sterbeforscherin" Elisabeth
Theosophie z. B. die „Große Weiße Bru- Kubier-Ross eine der bekanntesten Ver-
derschaft der aufgestiegenen Meister", die treterinnen dieser Esoterik. Ähnlich wie
alles in unserem Sonnensystem regiert. nach dem gnostischen »Philippus-Evan-
Das Konzept der „Meister der Weisheit" gelium« die nicht vollkommenen, perfek-
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 347
ten Menschen wieder auf diese Erde zu- Weisheit für Götter-
rück müssen (vgl. S. Heine, »Frauen der Der göttliche Funke im Menschen
frühen Christenheit«, 1987 2 , S. 136), ist
auch sie überzeugt von der Reinkarnation Charakteristisch für heutige okkulte Strö-
als Weg der Selbstvervollkommnung. Vor mungen ist schließlich eine gnostisehe Er-
einem Millionenpublikum berichtete sie kenntnis- und Erlösungslehre. Durch ok-
im Fernsehen von ihren Erlebnissen bei kulte Schulung soll der Adept dazu ange-
einem Indianerstamm, wonach sie glaubt, leitet werden, den „unsterblichen göttli-
in einem früheren Leben selbst Indianerin chen Funken" in sich selbst zu entdecken
gewesen zu sein. Nun findet sie auch eine und sich als Teil des göttlichen Ganzen
Erklärung dafür, warum sie als Kind in ih- zu erkennen - in modernem Psycho-Jar-
rem elterlichen Garten in Meilen am Zü- gon: sein „wahres, höheres Selbst" fin-
rich-See so gerne auf Bäume geklettert den. Es gibt vor allem zwei Wege, auf
und Tänze zu Ehren der Sonne aufgeführt denen dies dem heutigen Menschen
hat. Mitten im Krankenhausbetrieb er- nahegebracht wird:
schien ihr der Geist einer verstorbenen Der erste, mehr theoretische ist eigentlich
Patientin und gab ihr den Auftrag, der nur in grundsätzlichen Reflexionen von
Menschheit die Botschaft mitzuteilen, Vertretern der System-Esoterik zu finden.
daß es den Tod in Wirklichkeit nicht gibt, Man versucht darzulegen, daß mit dem
sondern daß alles nur „Übergang" auf ei- eigenen okkulten Angebot das „verborge-
ne unsichtbare Ebene sei. Seitdem be- ne, geheime Wissen", das „Urwissen" der
hauptet sie: „Ich glaube nicht an ein Le- Menschheit, die „Gnosis" oder „Ur-Gno-
ben nach dem Tod, ich weiß es. So wie sis" (J. van Rijckenborgh) oder die „uralte
ein Hund eine Hundepfeife hört und Sie Weisheit" (A. Besant) überliefert werde.
nicht, so ist das ein Leben auf einer ande- Mit verschiedenen Begriffen wird hier im-
ren Wellenlänge." mer wieder der gleiche Grundgedanke
Beim pädagogischen Evolutionismus zum Ausdruck gebracht: daß hinter aller
zeigt sich in besonderer Weise, daß der konkreter, geschichtlicher Religion eine
Okkultismus weithin ein ins „Übersinnli- gemeinsame mystische Urwurzel liege
che", „Geistige" ausgeweiteter Rationalis- und daß es die Menschheit nicht nur zur
mus und eigenartiger Naturalismus (N. Einheit und „Verbrüderung", sondern
Berdjaev) ist. Auch die Geister selbst ge- auch zur Erlösung führe, wenn sie dieses
hören offenbar der „Konfession der Ver- „Wissen" wieder annehme.
nunftgläubigen" an, wie Kurt Hütten es Das Selbstverständnis des Gnostikers
formulierte, denn sie polemisieren, wie kann man auf die Formel bringen: „Erin-
die irdischen Aufklärer, gegen alles, was nere dich, daß du ein Gott bist." (S. Hei-
nicht mit der Vernunft in Einklang zu ne, a.a.O., S. 120) Darin stimmen die
bringen sei - gegen die Lehre vom rich- Lehren der alten und der modernen Gno-
tenden und strafenden Gott, gegen die stiker erstaunlich überein. Denn genau
Gottessohnschaft Jesu Christi, gegen die dies ist nämlich die Bedeutung von
Botschaft von Kreuz und Gnade, gegen „Theosophie" im Sinne jener von Helena
die Trinitätslehre und gegen die Rechtfer- Blavatsky begründeten okkulten Weltan-
tigungslehre des Apostels Paulus. Demge- schauung: „Theosophie" meine, so defi-
genüber lehren sie selbst nur „Vernünfti- niert sie in ihrem »Schlüssel zur Theoso-
ges", dem modernen Menschen ohnehin phie« von 1889, eine Weisheit oder Er-
Einsichtiges (MD 1968, S. 37). kenntnis, wie sie Götter besitzen, wobei
348 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
die „Götter" eben die Menschen seien, schenleben« der früheren Filmschauspie-
wenn sie sich dereinst mit Hilfe dieser lerin Shirley MacLaine hingewiesen, in
Lehre zu göttlichen Wesen entwickelt dem sie es geschickt versteht, die Esoterik
hätten: „Von unserem Standpunkt aus ist als ein solches Lösungsmittel auf dem
der innere Mensch der einzige Gott, von Weg individueller religiöser Sinnsuche
dem wir irgendeine Kenntnis erlangen ins Spiel zu bringen: Auf die 50 zugehend
können." (Graz 1969, S. 58) Der persönli- und auf der Suche nach einer neuen Iden-
che Gott des Christentums wird von ihr tität beginnt sie diesen Weg „mit Yoga-
ausdrücklich abgelehnt (S. 54). Ähnlich Übungen und esoterischer Lektüre..., ge-
der deutsche Theosoph Hermann Ru- rät in Schweden in einen spiritistischen
dolph, „Ein Theosoph ist derjenige, der Zirkel und nach ihrer Rückkehr in die
sich selbst ... als das ewige unvergängli- USA in Kontakt mit einem Trance-Me-
che Selbst (Theos) erkennt." d i u m . . . Sie schlingt eine Unmenge von
Im Vordergrund steht heute aber der Eso- Literatur über Reinkarnation, Außerirdi-
terik-Markt und damit der zweite, mehr sche und UFOs, außerkörperliche Erfah-
lebenspraktisch orientierte Weg. Dem rungen und Seelenreisen, Evolution und
Menschen zu helfen, „wiederum aufzu- New Age in sich hinein." (Hummel 1988)
steigen in die geistige Welt", wie es Ru- Als erstes Ergebnis all dieser Bemühungen
dolf Steiner als Ziel seiner Anthroposo- hat sie das Gefühl, ihr „altes Selbst" end-
phie angab, wird auf diesem Markt auch gültig abgelegt zu haben.
in einer ganz anderen, von der Tiefenpsy- Eine neue Identität baut sie auf, als es ihr
chologie beeinflußten Sprache formuliert. gelingt, sich mit Hilfe der Reinkarnations-
Statt Verwirklichung der eigenen Gött- lehre aus der Beziehung zu einem verhei-
lichkeit heißt es z. B.: Finden des „höhe- rateten englischen Politiker zu lösen: Sie
ren Selbst". Die weltanschaulichen Hin- „erfährt", daß sie in einem früheren Leben
tergründe sind den meisten Menschen mit ihm verheiratet war. So hat sie
verborgen, die sich heute einmal auf dem schließlich sich „selbst gefunden" mit der
„Markt des Übersinnlichen" auf die Prak- umstürzenden Erkenntnis: „Die Botschaft
tiken einer okkulten Strömung einlassen, Christi sei gewesen: Jeder Mensch kann
einmal einen Workshop, ein Seminar erreichen, was Er erreichte - der Mensch
oder eine Veranstaltung einer Okkult- muß nur sein Potential erkennen."
gruppe besuchen. Die meisten wissen Was von ihr als ein individueller religiö-
nicht einmal, daß es sich um Okkultismus ser Entwurf geschildert wird, ist in Wirk-
handelt, und sie werden oft auch in dieser lichkeit Reproduktion des längst vorhan-
Unkenntnis belassen. Denn die Praktiken denen Weltbilds des Okkultismus, das ihr
und Anschauungen werden ihnen vor al- durch Lektüre oder Bekannte vermittelt
lem als nützlich für die Lösung ihrer per- wurde. In dieses zeichnet sie ihre Existenz
sönlichen Probleme dargestellt, z. B. zur ein, und dabei treten bei ihr dann auch
Hilfe in Krankheitsfällen, zur Erreichung die Grundzüge des Okkultismus als einer
von mehr Glück, Wohlstand, Zufrieden- gnostischen Erlösungslehre hervor. In ei-
heit oder als „Weg individueller Sinn- nem Interview der Zeitschrift »Vogue« ( 1 /
suche" - letzteres vor allem im Blick auf 1988) sagte sie einmal: „Gott ist in jedem
diejenigen, die ihre finanziellen Proble- einzelnen von uns. Gott trägt man in
me gelöst haben. sich... Jeder ist sein eigener G u r u . . . Die
R. Hummel hat als Beispiel auf den inzwi- bessere Vorstellung, die die eigene Seele
schen auch verfilmten Bestseller »Zwi- von sich hat, ins jeweilige Leben hinein-
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 349
zuheben, das ist für mich New Age - das 1. Werden sich okkulte Ersatzreligionen
ist wirklich nicht neu." Und sie fügte dem in der Gesellschaft vielleicht noch weiter
hinzu: „Die Kirchen sagen den Leuten: ausbreiten - gleichsam als Vorhut einer
Dein materieller Erfolg zählt nichts... künftigen „postmodernen" Gesellschaft,
Aber erfolgreiche Leute wollen ihre Kraft eines „neuen Zeitalters"?
nicht beschneiden lassen, sie wollen er- 2. Sollen die Kirchen, damit sich die Got-
folgreich sein und bleiben." teshäuser wieder füllen und sich weniger
So ähnlich brachte auch der Betreiber ei- Menschen neuen religiösen Bewegungen
nes New Age-Zentrums diese neue „Gno- zuwenden, sich vielleicht stärker öffnen
sis der Yuppies" zum Ausdruck, indem er für die „spirituellen Erfahrungen" der mo-
als den „Sinn der Esoterik" angab: „Der dernen Esoteriker, Gnostiker und Okkulti-
Sinn ist, mich selbst zu finden und die sten?
Göttlichkeit in mir zu erkennen und diese
Göttlichkeit zu leben. Sich selbst als Teil
Spiritueller Materialismus und
Gottes zu erfahren - das ist für mich der
Eklektizismus
Sinn." (»Kontraste« 2/1988)
Solche Tendenzen finden ihre aktuelle Zunächst hat die vorliegende Übersicht
Ausprägung heute ebenfalls in der Chan- gezeigt: Die heutigen okkulten Strömun-
neling-Welle (s.u. S. 357ff). Als „Ram- gen haben in Wirklichkeit viel stärker Teil
tha", eine der gechannelten Wesenhei- an den geistigen Orientierungen und Pro-
ten, in der »Merv Griff in Show« gefragt blemen der modernen Welt, als sie selbst
wurde: „Welche wichtige Botschaft zugeben:
möchtest du jedem Menschen auf diesem - Daß der Mensch sich selbst das höch-
Planeten mitteilen?" antwortete er durch ste Wesen ist, diese zentrale Überzeu-
sein Medium vor einem Millionenpubli- gung der säkularen Welt seit der Französi-
kum: „Das, was Gott genannt wird, befin- schen Revolution wird doch z. B. von der
det sich im Innern eures Wesens... Und Gründerin der »Theosophischen Gesell-
wenn ihr wißt, daß ihr Gott seid, werdet schaft« oder von den zitierten New Age-
ihr Freude finden." Das ist in der Tat, wie Vertretern nur mit neuen okkulten Vor-
Brooks Alexander feststellt, „das uralte, stellungen und Argumenten gestützt.
dreifache Glaubensbekenntnis des Irr- - Oder: Mit ihrer Fortschritts- und Wis-
tums: Es gibt keinen Tod; der Mensch ist senschaftsgläubigkeit scheinen viele Ver-
Gott; Selbsterkenntnis ist Erlösung... treter okkulter Strömungen auch die Irrtü-
Heute wird mit dieser Botschaft ein Ge- mer der Moderne und deren Machbar-
schäft gemacht." (»Spirit Channeling«, keitswahn in ein „neues Zeitalter" weiter-
Marburg 1989, S. 20) zutragen.
- Oder: Schon das äußere Erscheinungs-
bild vieler dieser Strömungen, das eher
einem Warenhaus und einem Markt
gleicht, läßt nichts Gutes erwarten: Ein
Okkultismus und neue Religiosität
„spiritueller Materialismus" und Konsu-
Die heutige Ausbreitung okkulter Strö- mismus läßt weit- und existenzerschüt-
mungen wirft eine Fülle von Fragen auf, ternde Fragen, wie die nach einer persön-
von denen hier nur eine vor allem die lichen Überlebensperspektive über den
Gesellschaft und eine die Kirchen betref- Tod hinaus, zu einem Artikel der Unter-
fende herausgegriffen werden können: haltungsindustrie verkommen.
350 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
All dies gehört zur fortschreitenden Ame- nur allzu plausibel, daß angeblich alle
rikanisierung des religiösen Lebens auch Religionen dasselbe wollen.
bei uns und zeigt: Der Okkultismus Man ist sich heute weitgehend darin ei-
nimmt heute immer mehr die Bedeutung nig, daß die „neue Religiosität" im Zei-
einer interreligiösen Bewegung an und chen oder zumindest in der „Kontinuität"
fördert, vor allem in seiner Gestalt als (R. Hummel) des Okkultismus steht. Man
„audience cult" und „dient cult", die bezeichnet diese Religiosität auch als
Tendenz zu einem jenseits der Religionen „freischwebend" oder „vagabundierend"
angesiedelten religiösen Individualismus und sollte deshalb auch deutlich zwi-
und Eklektizismus mit synkretistischen schen „Religion" und „Religiosität", „Re-
Zügen. Aber auch die als „parareligiöse ligionen" und „religiösen Bewegungen"
Bewegungen" (M. Eliade) hervortreten- unterscheiden: Nach Carl Heinz Rat-
den, d. h. sich in die Vorstellungswelt der schow ist der Gott der Religionen der
sie beherbergenden Religionen meist un- „ferne Gott", der darum eines Offenba-
gebeten einnistenden okkulten Weltan- rungsträgers bedarf (»Magie und Reli-
schauungsgemeinschaften („cult move- gion«, 1947). Religion sieht den Men-
ments"), tragen dazu bei, daß sich diese schen demgemäß als bedürftiges, schei-
Tendenzen verstärken. Man hat die Theo- terndes Wesen, das der Gnade bedarf.
sophie geradezu als Musterbeispiel und Ganz anders „Magie": Sie findet das Gött-
Vorbild des „internationalen Synkretis- liche überall, und es bedarf keiner Offen-
mus" (J. Aagaard) bezeichnet, bei dem of- barung oder Gnade, sondern nur der rich-
fenbar viele New Age-Vertreter in die tigen „Techniken" (Rituale; Bewußt-
Schule gingen. seinstechniken; Gedankenkonzentration
Wahrscheinlich aber reicht der diesbe- usw.), um es sich verfügbar zu machen.
zügliche Einfluß des Okkultismus sogar Es kann also durchaus sein, daß sich ok-
noch über die drei hier dargestellten Er- kulte und magische Strömungen in der
scheinungsformen hinaus und bestimmt Gesellschaft weiter ausbreiten, die man
mit diesen synkretistischen Tendenzen lediglich als Ausdruck einer profanen
das Spektrum der neuen religiösen Bewe- „(neuen) Religiosität" ansehen kann, da
gungen schlechthin: „Es läßt sich gut be- bei ihnen von „Religion" im obigen Sinn
gründen, daß dem gesamten Bereich der nicht mehr die Rede sein kann (vgl. auch
heutigen neuen religiösen Bewegungen S. 361 zum „Channeling"). Deshalb muß
eine okkulte Religion (religio occulta) zu- man stärker unterscheiden zwischen „Re-
grundeliegt/' Diese These hat der Mis- ligionen" (z. B. Islam) und (profanen) „re-
sionswissenschaftler Johannes Aagaard ligiösen Bewegungen" (z. B. New Age),
auf der Amsterdamer Konsultation über die nur das Humanum - wenn überhaupt
die neuen religiösen Bewegungen im Jahr - zur Geltung bringen und in denen ohne
1986 vertreten und dabei vor allem auf anthropologischen Bruch („Sünde") der
die fest umrissenen kosmologischen Vor- Mensch sich selbst das höchste Wesen ist.
aussetzungen dieser Bewegungen hinge-
wiesen, die nach seiner Ansicht, abgese-
Wiedergewinnung des Zentrums
hen von den direkt aus dem Christentum
hervorgegangenen Sekten, alle in der ok- Von da ausgehend läßt sich auch die an-
kulten Tradition wurzeln. Vor diesem ge- dere oben gestellte Frage nach dem Ver-
meinsamen Hintergrund erscheine es den hältnis der Kirchen zu heutigen okkulten
Vertretern dieser neuen Religiosität dann Strömungen beantworten, denn auch Kir-
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 351
chen können unter den Einfluß „religiöser diskursiven Vernunft gegenüber allzu ag-
Bewegungen" geraten. „Obwohl auch da gressiv-irrationaler „Heimholung" oder
ein Stück Wahrheit drinsteckt", daß man Integration fremder Religiosität in das
in den Kirchen das „Geheimnisvolle", das Christentum allein nicht. Reinhart Hum-
„Mysterium" an den Rand gedrängt habe, mel hat darauf hingewiesen, daß das ei-
bezeichnete es der jetzige Guardini-Lehr- gentliche Problem nicht die Frage der In-
stuhl-Inhaber Hans Maier als Irrtum, „um- tegrierbarkeit einzelner (religiöser oder
gekehrt zu meinen, im Aufblühen des esoterischer) Elemente, sondern der Ver-
Magischen und Okkulten entzünde sich lust des Zentrums durch eine „Achsenver-
die Flamme des Glaubens von neuem, lagerung" ist (vgl. M D 1986, S. 259). Der
wachse den Kirchen eine neue Zukunft." in seinem Glauben nicht mehr wirklich
(»Herder Korrespondenz« 9/1986) Und verwurzelte Zeitgenosse begreift nicht
auch der Lutheraner Johannes Aagaard mehr, daß es nicht gleichgültig ist, ob in
warnte im Blick auf „die Weltanschauung Jesus Christus „die Zeit erfüllt" ist (Gal.
der neuen religiösen Bewegungen und ih- 4,4), oder ob Christus der „Avatar" des
re Wurzeln in der okkulten Tradition" da- Wassermannzeitalters ist, d. h. eine von
vor, „solche okkulten Traditionen zu chri- vielen Erscheinungen des Göttlichen. Die
stianisieren und eine Art ,Heimholung' Wiedergewinnung des Zentrums stellte
anzustreben nach dem Motto, ,so ein auch der württembergische Landesbi-
Ding müssen wir auch haben'." (S. 55) schof Theo Sorg in den Mittelpunkt seines
Schaut man sich die Produkte mancher Berichts »Kirche in der Wendezeit« vor
Verlage an, so ist diese „Heimholung" der Herbstsynode 1988: In der ver-
von Esoterik und Okkultismus allerdings schwommenen weltanschaulichen Situa-
schon in vollem Gang. Auch die Kirchen tion, die fast synkretistisch zu nennen sei,
sind nicht vor der Gefahr sicher, zu einem „erscheint es unumgänglich, das spezi-
religiösen Supermarkt mit eklektischen fisch Christliche, sowohl des Glaubens
und synkretistischen Zügen zu werden. wie der Kirche, neu zu entdecken."
Immer häufiger kann man auf „para-" Worin das „unterscheidend Christliche"
oder „interreligiöse Existenzen" treffen, speziell im Blick auf die okkulten Strö-
denen die „Unterscheidung" des Christli- mungen und ihre Hoffnung besteht, läßt
chen von anderen religiösen Traditionen sich hier nur andeuten: Als besonders
oder von der Esoterik entweder gleichgül- gravierend muß die „Achsenverlagerung"
tig oder aber ein Ärgernis ist. Man immu- durch den „pädagogischen Evolutionis-
nisiert sich gegen jeden rationalen Dis- mus" (s. o. S. 347) bezeichnet werden,
kurs, indem man jedem, der die eigene der faktisch im Okkultismus die biblische
„Erfahrung" nicht hat, das Recht zur Kritik Heilsgeschichte suspendiert und ersetzt.
abspricht. Denn als Christen beziehen wir Trost und
Demgegenüber ist die Ansicht von Hans Hoffnung gewiß nicht aus irgendwelchen
Maier beherzigenswert, die Kirche dürfe Vorstellungen über ein schieres Weiterle-
sich nicht als Gegenpart zur modernen ben in einer geistigen Welt und auch
Vernunft verstehen und könne als deren nicht daraus, daß wir die Fähigkeit der
kritischer Begleiter auch auf einen viel äl- Unsterblichkeit in uns haben, so daß es
teren Vernunftbegriff zurückgreifen: „Fi- nur noch um eine größere Entfaltung und
des quaerens intellectum" - der Glaube, Weiterentwicklung der eigenen Göttlich-
der die Erkenntnis sucht. keit geht, und schon gar nicht daraus, daß
Allerdings genügt die Anmahnung der ein Weiterleben in dieser geistigen Welt
352 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
jetzt sogar schon durch die Wissenschaft im Vergleich zu dem Zentrum des christ-
„bewiesen" sein soll. Unsere Hoffnung lichen Glaubens - der Menschwerdung
über die Verlorenheit im Tode hinaus des Gottessohnes Jesus Christus - spielen.
gründet vielmehr einzig und allein auf der Und das Bekenntnis zu Jesus Christus ist
Auferstehung Jesu Christi, auf der Liebe schließlich auch der entscheidende Maß-
Gottes, die im Leben, Sterben und Aufer- stab zur „Prüfung der Geister", wie ihn
stehen Jesu Christi erschienen ist und uns schon der 1. Johannesbrief den gnostisch-
zu einer Hoffnung befähigt, die auch über esoterischen Bewegungen seiner Zeit, die
das persönliche Scheitern, zuletzt im Tod, bis in die Gemeinden vorgedrungen wa-
hinausreicht und die Kommunikation mit ren, entgegenhielt: „Ihr Lieben, glaubt
Gott nicht abreißen läßt. Von diesem nicht einem jeden Geist, sondern prüft
Fundament aus kann man relativ gelassen die Geister, ob sie von Gott sind... Daran
den Erwartungen der Esoteriker gegen- sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein
übertreten: Ob nun die „Halbzeit der jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Chri-
Evolution" (Wilber) oder das Zeitalter der stus in das Fleisch gekommen ist, der ist
„Bewußtseinsseele" (Steiner) oder das von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus
„Wassermannzeitalter" angebrochen sei, nicht bekennt, der ist nicht von Gott."
kann niemals eine heilsbedeutende Rolle O.Joh. 4,1-3)
Neuere kritische Literatur (in Auswahl). Reinhart Hummel, »Kult statt Kirche. Wurzeln und
Erscheinungsformen neuer Religiosität außerhalb
Johannes Aagaard, »The World-view / Cosmology of und am Rande der Kirchen«, in: G. Baadte / A.
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MATERIALDIENST DER EZW 12/90 353
Dokumentation
Auf der Suche nach dem Zweitgeist
Unter dieser Überschrift veröffent- haben, sind meist Wesen, die schon ein-
lichte das Stadtmagazin »LIVE Es- mal mit uns gelebt haben, in früheren Le-
sen« ein Interview über die Grundla- ben, zu denen wir einen guten Kontakt
gen des „Channeling" (vgl. den »Be- hatten, die jetzt spirituell weiter sind als
richt« S. 357ff), das wir leicht ge- wir und uns leiten und führen. Es wäre
kürzt dokumentieren. Die interviewte natürlich sehr schön, wenn man sich die-
Künstlerin, die nach Berichten der ses Geistführers bewußt wäre, die freuen
»WAZ« in Essen bereits mit mehre- sich auch sehr darüber, weil sie uns sehr
ren Ausstellungen ihrer „medialen lieben. Wenn wir mit ihnen in Kontakt
Bilder" - „gechannelten" Pastellen, treten, können sie uns leichter helfen, trö-
Aquarellen und Seidenmalereien - sten und uns den Weg weisen.
hervorgetreten ist, arbeitet zugleich LIVE: Wichtig ist sicherlich noch zu sa-
als Teilzeit-Lehrerin an einer Ge- gen, daß das „Channeling" nichts mit den
samtschule. heutzutage auch sehr populären „spiriti-
stischen Sitzungen" zu tun hat. Gibt es
denn sonst Wege, mit den Geistführern
Alle sind eins
zu kommunizieren?
LIVE: Was hat es mit dem Begriff „Chan- G.W. Es gibt schon Möglichkeiten, mit
neling" auf sich? dem Geistführer in Kontakt zu treten und
G.W. Grundlegend dafür ist der Glaube, seine Sprache verstehen zu lernen. So ei-
daß jeder Mensch einen jenseitigen Füh- nen Vorgang nennen wir „Channeling".
rer besitzt, der fähig ist, ihm Hilfe und In Seminaren, die ein Wochenende dau-
Stütze zu sein. Aufgabe dieser „Geistfüh- ern, lernen die Teilnehmer ihren Geist-
rer" ist es, das Bewußtsein der Menschen führer überhaupt einmal kennen. Ich
zu erweitern. „Channel", das heißt in diesem Fall, ich
LIVE; Braucht der Mensch in unserer mo- übersetze, was der Geistführer den ein-
dernen Welt denn einen solchen Führer? zelnen zu sagen hat. Etwas später führe
G.W., Wir sollen alle erkennen, daß wir ich die Teilnehmer dann selbst durch
eins sind. Egal ob Stein, Tier oder Sensibilisierungsübungen an ihre Geist-
Mensch, alles ist von Leben beseelt, da- führer heran, daß sie sie einmal spüren,
her ist es falsch, für sich als Mensch und vielleicht auch wahrnehmen und hören
Ego zu kämpfen. Dazu sollte natürlich können. Die meisten können sie dann
auch das Bemühen gehören, bewußt zu auch sehen, wir beschäftigen uns ja prak-
leben, also niemanden zu verletzen und tisch 10 Stunden mit diesem Thema, und
kein Tier zu töten, sich vegetarisch zu er- wenn man so gestärkt daran sitzt, ist
nähren und so fort. Wir sind eine Sub- nachher auch das Bewußtsein entspre-
stanz, eine Einheit, es wird immer wieder chend geöffnet. Dann kann man schon
betont, wenn ich jemanden verletze, ver- wahrnehmen, was der andere für einen
letze ich mich selbst. Geistführer hat. Wenn ich gesagt habe,
LIVE • Und wer sind diese Geistführer? der sieht so und so aus, dann haben die
G.W.- Die Geistführer, die wir um uns das dann auch bestätigt und gesagt, ja,
354 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
und jetzt macht er das und das. Die ha- dies aus tiefstem Innersten heraus, dann
ben den also auch gesehen. dürfte es ganz einfach sein...
LIVE. Ist das dann schon eine Form von
Hellsichtigkeit?
Seit Jahrhunderten channeln die
G.W. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß
Leute
in jedem Menschen hellseherische Fähig-
LIVE Jeder Mensch, sogar jedes Tier, be- keiten wohnen und daß jeder Mensch,
sitzt also einen Geistführer, dessen er sich wenn er das in sich selbst akzeptiert, auch
aber in den seltensten Fällen bewußt ist. channeln kann. Das ist ja auch nichts
Kann trotzdem jeder mit ihm Kontakt auf- Neues, das hat Moses getan, das hat Mo-
nehmen? hammed getan, das hat Maria getan. Jesus
G.W.. Die Fähigkeit dazu hat tatsächlich sowieso und unzählige andere Medien,
ebenfalls jeder, allerdings kommt es auf die nicht so berühmt sind. Seit Jahrmillio-
die Lebens- und Denkweise an, ob man nen ist es bekannt, channeln die Leute,
den Kontakt auch behält. Lebt man sehr und wahrscheinlich früher mehr als heu-
irdisch, hat negative Gedanken, ist nei- te, weil man in der technisierten Welt im-
disch oder mißgünstig, dann kommt der mer seinen Verstand einsetzen muß, be-
Geistführer nicht so gut durch. Vielleicht vor man einmal seine Intuition zu Wort
ergibt sich zwischendurch einmal ein kommen läßt. Unterdrückt ein Mensch
Kontakt, der wird dann aber schnell wie- aber den Verstand ein bißchen und hört
der unterbrochen. dagegen mehr auf seine innere Stimme,
Dagegen dürfte jemand, der sich um eine ist er eigentlich sehr leicht zu all diesen
reinere Lebensweise bemüht - wir sind ja Dingen fähig.
alle keine Heiligen - den Kontakt eigent- Es ist doch bekannt, daß wir oft Zukunfts-
lich halten. Allerdings kann dabei auch träume haben oder zukünftige Ereignisse
die Wunschenergie, vielleicht wenn man vorausahnen, die dann auch wirklich ein-
es sich zu sehr wünscht, so stark sein, daß treffen... Das machen auch ganz mate-
der Geistführer nicht durchkommen rielle Leute, harte Geschäftsleute, die sich
kann. Ein anderer Grund für einen Mißer- nie mit spiritistischen Dingen beschäftigt
folg: Wenn der Wunsch, Kontakt aufzu- haben und plötzlich genau vorausahnen,
nehmen, verkrampft und aus ehrgeizigen was dann und dann passieren wird und
Motiven heraus geäußert wird, weil Eso- wie der und der reagieren wird, ohne es
terik so ein Trend ist - da machen wir eigentlich wissen zu können. Es steckt al-
jetzt mit, alle machen Esoterik, machen so in uns drin, und wenn wir diese innere
wir ein Seminar und einen Vortrag, ist ja Stimme zu Wort kommen lassen, können
so nett, neue Leute lernt man da kennen wir diese Fähigkeit und diese Begabung
und immer schön im Modetrend blei- vervollkommnen.
ben... In diesem Fall erfüllt sich der LIVE; Gibt es auch andere Möglichkeiten,
Wunsch nicht, weil dahinter natürlich mit den Geistführern in Verbindung zu
nicht der wahre Beweggrund, spirituell treten oder ihren Rat zu bekommen?
weiter zu kommen, steckt. G.W Ich male auch Bilder, das heißt ein
LIVE, Und bei einem echten, ehrlichen Wesen malt durch mich, das noch nie in-
Wunsch? karniert war und wohl auch nie inkarniert
G.W. Möchte ein Mensch seinen Geist- werden wird, sich aber einsetzt für den
führer wirklich kennenlernen, weiterkom- Schutz dieses Planeten...
men auf diesem Weg, wünschte er sich LIVE; Wie sieht denn ein Geistführer aus?
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 355
G.W., Nicht wie wir, er besitzt keine aufgabe ja gar nicht, die leben in den Tag
Form, sondern ist geballte Lichtenergie. hinein, ohne darüber nachzudenken.
Die Geistführer nehmen die Formen an, LIVE Ist denn unser ganzes Leben Vorbe-
die für die entsprechenden Personen ak- stimmung?
zeptabel sind. Es gibt Leute, wenn ich de- G.W. Zufälle gibt es nicht. Die wichtig-
nen sage, ich sehe dort einen geballten sten Stationen in unserem Leben sind vor-
Lichtknubbel, dann würden die lachen bestimmt, aber wir können zwischen-
und ihren Geistführer nicht mehr ernst durch immer noch überlegen, sollen wir
nehmen. Deshalb zeigt sich zuweilen ein diese Reise antreten oder nicht? Es ist ja
Geistführer in sehr menschlicher Form, nicht alles vorbestimmt, sehr wichtige
beispielsweise mit bestimmter Kleidung, Personen schon, aber es gibt z. B. Situa-
andere dagegen nur als Farben und For- tionen, da kann man sich entscheiden...
men. Leider reifen die meisten Menschen nur
durch Leid...
Unser Leben ist wie eine
Schulklasse Erlösung im Sinne der esoterischen
LIVE, Sie sprechen vom spirituellen Fort- Lehre
schritt, von einem Weg, den jeder be- LIVE Haben wir denn auch Einfluß auf
schreiten muß... unser kommendes Leben?
G.W. Es gibt keinen Raum und keine G.W. Es gibt eine Urkraft, eine schöpferi-
Zeit, wenn ich Channel, rutsche ich oft sche Kraft. Bevor man zur Materie wird,
von der Gegenwart in die Zukunft und in den Mutterleib eingeht, sieht man das
dann wieder in ein früheres Leben. Das zukünftige Leben in sich ablaufen, sieht
kann man nicht voneinander trennen, un- man seine Zukunft.
sere Gegenwart ist ja noch immer mit Obwohl das sehr variieren kann (denn
Bändern des früheren Lebens verbunden. wir haben den freien Willen, dürfen ja
Wir treffen Menschen wieder, die wir in und nein sagen), können wir nicht sagen,
früheren Leben gekannt haben, mit denen etwas ist uns in die Wiege gelegt worden
wir vielleicht nicht besonders gut ausge- und so werden wir auch sterben. Denn
kommen sind und haben jetzt die Aufga- wir können uns immer noch entwickeln,
be, das zu bereinigen. Und bis wir es und davon hängt natürlich auch das
schaffen, werden wir immer wieder mit nächste Leben ab, welche Aufgaben wir
diesen Menschen geboren, mal als Mann, noch aufzunehmen haben und welche
mal als Frau, mal ist der Mensch unser nicht.
Chef, mal ist es unsere Mutter, unser Va- Ein anderer wichtiger Schritt in Richtung
ter... der Erlösung im Sinne der esoterischen
Unser Leben ist wie eine Schulklasse, hat Lehre ist die Zwillingsseele. Das heißt,
Thorwald Dethlefsen gesagt: Wenn ein wir sind immer die Hälfte einer anderen
Kind nicht den Lehrplan erfüllt, muß es Seele, und erst wenn wir die andere Seele
die Klasse so oft wiederholen, bis es den gefunden haben und uns mit ihr vereini-
Stoff verstanden hat und weiter kann. gen können, können wir in Gott einge-
Und so ist das auch in unserem Leben, hen. Wir können also erst unser Leben
wenn wir hier nicht verstehen, was unse- beenden, sagt die esoterische Lehre,
re Aufgabe ist, dann kommen wir immer wenn wir unsere Dualseele gefunden ha-
wieder vor die gleichen Probleme. ben, uns gut mit ihr verstehen, in Einklang
Die meisten Leute kennen ihre Lebens- sind mit ihr, hier unsere Schuld, unser
356 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
Karma, abgearbeitet haben und wir nicht LIVE. Und wie weit sind unsere Geistfüh-
mehr wiedergeboren werden müssen. rer schon auf ihrem spirituellen Weg?
Dann gehen wir mit unserer Dualseele in G.W. Die Geistführer können in den un-
das höchste Licht ein und verschmelzen terschiedlichsten höheren Sphären sein,
mit Gott, Licht oder der Schöpferkraft, je nachdem wie weit unser Bewußtsein
wie man das nennen will. Es ist oft so, daß ist. Jemand, der sich um spirituelle Dinge
die Dualseele auch der Geistführer ist, noch nie bemüht hat, hat einen Geistfüh-
daß man sich also schon in einem frühe- rer, der lieb und nett ist, der ihn führt, der
ren Leben getroffen hat und jetzt von der auch spirituell ein bißchen weiter ist als
anderen Hälfte geleitet und geführt wird. er; aber sein Geistführer ist noch lange
Die Dualseele kann aber durchaus auch nicht so weit wie der Geistführer eines
ein anderer Mensch sein, den Sie hier auf Yogi, der sein ganzes Leben nur in Medi-
Erden treffen und lieben, man spürt das tation verbringt und natürlich auch seinen
dann aber auch meistens, weil man, Geistführer und spirituellen Lehrer hat...
wenn man sie hier auf Erden trifft, schon Die Geistführer können auch wechseln:
viele Inkarnationen mit ihr verbracht hat. Wenn Sie jetzt einen enormen spirituel-
Die Dualseele begleitet einen eigentlich, len Fortschritt machen, wird Ihr Geistfüh-
entweder im geistigen Sinne als Geistfüh- rer abgelöst werden durch einen höheren,
rer oder auf Erden. der Sie besser leiten kann...
Berichte
Hans-Jürgen Ruppert
Channeling
Die Moden und Trends auf dem Eso- 1988 in Murnau/Obb. auf so großes Inter-
terik-Markt wechseln in geradezu esse, daß sie im Dezember 1988 in Gar-
atemberaubender Weise. Ganz vor- misch-Partenkirchen wiederholt wurde
ne liegt seit einiger Zeit „Channe- (»Magazin 2000« Nr. 80/1989, S. 12ff).
ling", d. h. „Kanal sein" für höhere
Wesenheiten und Geister. „Channel-
Medien" oder einfach „Channels"
schießen in den USA wie Pilze aus Vier Kategorien
dem Boden und geben dieser aktua- Man kann in der heutigen „Channels-Sze-
lisierten Form des „Offenbarungs- ne vier Kategorien unterscheiden:
spiritismus" ungeheuren Auftrieb. 1. Einzelpersonen, wie die amerikani-
sche Hausfrau /. Z. Knight, die mit ihrem
40köpfigen Stab als das ökonomisch er-
Bei uns stieß die „Erste internationale folgreichste Medium aller Zeiten gilt und
Channeling-Konferenz" unter dem Titel „Ramtha" channelt - eine Wesenheit, die
»Kanal zum Kosmos« vom 16.-19. Juni vor 35000 Jahren in Lemuria gelebt ha-
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 357
ben soll und „als erfolgreicher Berater der 2. der Findhorn-Kreis: Dorothy Maclean,
Schauspieler Richard Chamberlain, Joan Eileen Caddy, David Spangler sowie
Hackett und Shirley McLaine" (»Das Anne Edwards, die sich zwar von der
Neue Zeitalter« 21. 10. 1987) zu „Welt- späteren „2. Channeling-Welle" distan-
ruhm" gelangte (dtsch. Übersetzungen er- zieren (vgl. »Wege...« 3/1986, S. 7f), zu-
scheinen im »In der Tat Verlag«, D-8927 gleich aber zeigen, daß das „Channeling"
Burggen); ferner: lach Pursei („Lazaris"; keineswegs erst am Ende der New Age-
näheres s. u.), Kevin Ryerson („John", an- Bewegung, sozusagen als deren Nieder-
geblich ein früherer Essener) oder die erst gang, steht. Vielmehr beruht schon
nach ihrem Tod bekannt gewordenen Spanglers »New Age« (Frankfurt 1978;
lane Roberts (1929-1984) mit ihren engl.: »Revelation - The Birth of a New
»Seth-Materialien« und Helen Cohn Age«!), eines der ersten Bücher, die die-
Schucman (gest. 1981) mit »A Course in sen Begriff bei uns popularisiert haben,
Miracles« (erschienen 1975). Nach zum Teil auf „Offenbarungen" von zwei
Brooks Alexander (»Spirit Channeling«, Wesenheiten („John" bzw. eines „Gren-
Marburg 1989) soll es allein im Gebiet zenlose Liebe und Wahrheit" genannten
von Los Angeles über 1000 praktizieren- „Energieprozesses"), die Spangler mit der
de „Channels" geben. In Deutschland Methode des „tunin' in" gechannelt hat.
wurde am bekanntesten das Buch »Die 3. die „Brüder aus dem All" - UFO-Be-
Möwe Jonathan« (Originaltitel: »Jonathan satzungen, die von „Channels" kontaktiert
Livingston Seagull«), das seinem Autor Ri- werden.
chard Bach von einer Wesenheit „dik- 4. „Aufgestiegene-Meister-Gruppen" aus
tiert" wurde, die ihm in Gestalt eines Vo- der theosophischen Tradition, z. B. die
gels erschien. Hier hat sich auch der Pop- Gruppe um Elizabeth Cläre Prophet, die
Star Nina Hagen nach ihrer Ausbildung im Frühjahr 1990 durch die Errichtung
bei der Rebirtherin Rhea Powers (Schlier- von atombombensicheren Bunkern im
see/Obb.) zu einer Sprecherin der neuen US-Staat Montana das Aufsehen der inter-
Welle gemacht (vgl. »Ich bin ein Berli- nationalen Presse erregte. E. Prophet (vgl.
ner«, S. 220). Ansonsten sind hier haupt- M D 1985, S. 178ff) behauptet, ihren
sächlich Vertreter des UFO-Spiritismus 1973 verstorbenen Mann Mark Prophet
(s.u. 3. Kategorie) und sog. „Lichtarbei- und andere „aufgestiegene Meister", jene
ter"-Kreise (Eva Groenke; Michael Hese- aus der anglo-indischen Theosophie be-
mann; vgl. M D 1989, S. 217) auch Pro- kannten, spirituell bereits vollendeten
pagandisten des Channeling. In diesem Wesen aus der Hierarchie der „Großen
Kontext ist auch der »Christa Falk-Verlag« Weißen Bruderschaft", zu channeln, dar-
in Planegg zu nennen. Christa Falk unter „Saint Germain", „Kuthumi" und
betreute zunächst als Lektorin beim S. „Djwhal Khul", den „Meister" („der Tibe-
Fischer-Verlag die Bücher von Carlos ter"), von dem schon Alice Bailey ihre
Castaneda und gründete nach der Einstel- Werke empfangen haben will, aber auch
lung dieser Reihe ihre eigenen Verlag. „Jesus Christus" und „Maria" (Jon Klimo,
Nachdem sie Rückführungsseminare bei »Channeling«, Freiburg 1989, S. 73).
Rhea Powers belegt hatte, gab sie deren Diese vier Kategorien deuten zum Teil
erstes gechanneltes Buch - »Aufruf an die bereits an, daß „Channeling" eine Er-
Lichtarbeiter« - mit Durchgaben von scheinung ist, die typisch für die gegen-
„Sanat Kumara", dem „spirituellen Leiter wärtige Vermarktung des Okkulten ist. Im
unseres Planeten", heraus. Vordergrund steht eine zwar bemerkens-
358 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
wert große, aber nicht sehr fest organi- sprechen. Denn alles ist nur ein einziges
sierte „Anhängerschaft". Millionen ken- Selbstgespräch der Medien mit ihrem ei-
nen die Fernsehshows, Workshops und genen „höheren Bewußtsein": „In dem
Materialien der Channel-Medien und Maße, wie das Höhere Selbst sich mit der
sind mit den Botschaften ihrer Wesenhei- Alltagspersönlichkeit verbindet, erscheint
ten in Berührung gekommen, aber es gibt es nicht mehr wie außerhalb, sondern
nur wenige stabilere Gruppen, wie in der wird zu einem integralen Bestandteil des
4. Kategorie. Ganzen Menschen. Es ist nicht mehr eine
Den auf die praktischen Bedürfnisse un- fremde Quelle, die ,durch' uns spricht
mittelbarer „Lebenshilfe" abgestimmten und man ist selbst verantwortlich für die
Organisations- bzw. Vermarktungsstruk- Inhalte, die man weitergibt." (Dorothy
turen entsprechen auch die Inhalte der Maclean, Autorin von »Du kannst mit
gechannelten Botschaften: Engeln sprechen«, zu B. u. W Dahlberg
Klimo zählt folgende Wesenheiten auf, in: »Wege...« a.a.O.)
die gechannelt werden: „das höhere Charakteristisch für die gechannelten Bot-
Selbst des Mediums", „Götter und Gott", schaften ist inhaltlich etwa die Lehre von
„der universale Geist und das kollektive „Lazaris": „Das Universum, sagt ,Lazaris',
Unbewußte", „Gruppenwesen", „Jesus ist seinem Wesen nach geistig und ein-
Christus und andere (!) aufgestiegene heitlich; wir sind in ihm und eins mit ihm
Meister", „nichtmenschliche Wesenhei- - in ständiger Entfaltung begriffene, geisti-
ten" wie Engel, Devas, Elementargeister, ge, unsterbliche Wesen. Die Stärkung des
Pflanzen und Tiere, „Außerirdische" und Ichs bedeutet die kausale, schöpferische,
„entkörperte menschliche Geistwesen" intuitive Fähigkeit, alles von uns Benötig-
(S. 179ff). Die Botschaften dieser ver- te von unserem höheren Selbst und dem
schiedenen Wesenheiten ähneln sich in- Universum als ,Gott/Göttin/Alles Seiende'
haltlich aber im großen und ganzen sehr. zu schöpfen. Um die zwei ersteren Wahr-
Der wesentliche Unterschied zum her- heiten zu realisieren, müssen wir danach
kömmlichen Spiritismus ist: Im „Channe- streben, unsere negativen Programmie-
ling" „sind die geistigen Wesenheiten rungen zu überwinden - unser schwä-
nicht Verstorbene", sondern „häufig Per- chendes Selbstverständnis und unser be-
sonifikationen umfassender Bewußthei- schränktes Weltbild." (Klimo, S. 64) Gott
ten, an denen die Medien (und grundsätz- und Welt werden also hier nicht mehr un-
lich alle Menschen) partizipieren" (E. terschieden: „Wir leben in einem unge-
Bauer 1990). Man spricht deshalb auch heuren universalen geistigen Raum, den
von „Do-it-yourself-Mediumismus" (F.- manche Gott nennen... Den Rest des
W. Haack), weil dieser Weg grundsätz- Universums könnte man mit dem kollek-
lich jedem offensteht. Der Unterschied tiven Unbewußten vergleichen - vor-
zum Spiritismus resultiert also aus dem übergehend unzugänglich, aber im Prin-
typischen New Age-Monismus, in dem zip verfügbar: als Teil eines geistigen
die Grenzen zwischen Individuum und Raumes, an dem wir alle teilhaben."
göttlichem All-Bewußtsein fließend sind. (Ebd., S. 309)
Wenn „wir im New Age erkennen, daß Dies ist der typische, zu einer Selbsterlö-
wir gar nicht sterben" (Shirley MacLaine), sungs- und Unsterblichkeitslehre aufbe-
dann gibt es auch keine „Verstorbenen" reitete monistische Pantheismus und päd-
mehr, und es wäre in der Tat inkonse- agogische Evolutionismus der okkulten
quent, vom „channeln" Verstorbener zu Weltanschauung, vermischt mit „positi-
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 359
vem Denken" und banalisierter Tiefen- mit auch, wie sie ihren „Channels" zu Po-
psychologie, wie man es neuerdings ähn- pularität und Reichtum verhelfen können.
lich bei Kübler-Ross oder bei einem x- Vermarktet wird das „Lazaris"-Programm
beliebigen esoterischen „Lebensberater" „von einer äußerst erfolgreichen und ein-
finden kann (vgl. die obige »Dokumenta- träglichen GmbH >Concept: Synergy< ...
tion«). Das Unternehmen wird von Pursei selbst,
seiner Ex-Frau Penny und ihrem neuen
Mann Michael von einem Anwesen in
Geisterbotschaften per Kreditkarte
Fairfax (Kalifornien) aus geleitet. Die Ga-
Doch das entscheidende für die Medien rage ist zu einem Post- und Fernmelde-
und ihre Kunden ist gar nicht eine be- raum umfunktioniert worden, mit einer
stimmte „Lehre" oder bestimmte Vorstel- langen Reihe von Computer-Terminals
lungen von den gechannelten Wesenhei- und Telefonen mit einem festen Stab von
ten. Wie Brooks Alexander in der Bro- Mitarbeitern. Das ,Lazaris'-Material soll
schüre »Spirit Channeling« zu Recht fest- bald in Buchform erscheinen. Bislang war
stellt, kommt es darauf gar nicht an, ja es eine Begegnung mit ,Lazaris' ausschließ-
wird von den „Channels" selbst oft be- lich durch persönliche oder telefonische
wußt im Dunkeln gelassen, wie sie sich Verabredung oder Teilnahme an einer öf-
die Wesen vorstellen. Entscheidend sei, fentlichen Veranstaltung möglich, oder
wie Ram Dass feststellt, ob es „hilft", und eben in Form von unzähligen Ton- und
zwar persönlich hilft bei der eigenen Le- Videokassetten, die durch ein hervorra-
bensbewältigung. D. h. es kommt eigent- gend organisiertes Vertriebssystem mit
lich gar nicht auf den Inhalt der Botschaft über fünfhundert esoterischen Buchläden
an, sondern einzig und allein, ob sie ei- in aller Welt verkauft werden." (Klimo,
nen bestimmten Zweck erfüllt: daß sie S. 65) Telefonisch kann man sich unter
dem einzelnen persönlich hilft, ein besse- Angabe seiner Kreditkartennummer zum
res „Bewußtsein" von sich selbst zu erhal- Preis von 53 Dollar für 30 Minuten auch
ten! persönlich mit „Lazaris" in Verbindung
So geht das von „Lazaris" geleitete Video- setzen. Für längere Kontakte muß man
programm schließlich auch vom Vortrag sich jedoch auf eine Warteliste setzen las-
zu praktischen Übungen über: Entspan- sen, denn „Lazaris" ist bereits auf 2 Jahre
nungstraining, Meditation, Visualisierun- hinaus ausgebucht!
gen („Erfahrungsreisen"). Die Themen Seit Bhagwans Tod spielt der Spiritismus
dieser Programme könnten genausogut auch im Umkreis seiner Anhänger eine
dem „positiven Denken" des Joseph Mur- gewisse Rolle (vgl. M D 1990, S. 108f).
phy entnommen sein: »Verzeihen Sie Nach einer Meldung von »Psychologie
sich selbst«, »Die Geheimnisse der Mani- heute« (Nr. 11/1990) bietet Frank Natale
festation Ihrer Wünsche«, »Persönliche im Rahmen seiner sog. »TNI« (= »The-
Kraft und was darüber hinausgeht«, »Be- Natale-Institute«)-Therapie auch „live ge-
freien Sie sich von der negativen Ich- channelte Visualisierungen" des verstor-
sucht«, »Der Schlüssel zur Macht, Ihr Le- benen Meisters sowie Kontaktaufnahme
ben zu verändern«, »Geistige Meister- mit anderen „erleuchteten Geistwesen"
schaft« usw. (Klimo, S. 65) Die „Wesen- an. Als „Bio-Resonator" sei es jedem
heiten" scheinen auf jeden Fall genau zu Menschen möglich, sich von diesen „hö-
wissen, welches die „Bedürfnisse" der heren Wesen" führen zu lassen.
Käufer solcher Programme sind und da- Es ist erstaunlich, daß auch die Anhänger
360 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
Swedenborgs offenbar ohne weiteres be- gen haben fleißig den Boden hierfür be-
reit sind, dessen Umgang mit der Geister- reitet: Für einen eingefleischten Tiefen-
welt mit dem „Channeling" zu verglei- psychologen wie Willy Obrist (»Neues
chen (vgl. z. B. F. Horns Besprechung des Bewußtsein und Religiosität«, Olten/Frei-
Buches von Klimo in »Offene Tore« 2/ burg 1988) z. B. ist das „konkretistische
1990: „...meist lassen sich seine Gedan- Verständnis" von Gott, Christus, Hl.
ken mit denen Swedenborgs gut verein- Geist, Engeln als „konkrete, wirkungs-
baren"). Die Flachheit der gechannelten mächtige personale Wesen" durch die
Texte aus Amerika läßt jedoch darauf heutige „Mutation des Bewußtseins"
schließen, daß den modernen „Channels" überwunden (S. 179).
Swedenborgs Warnung kaum bekannt H. Hemminger schlägt vor, im Blick auf
sein dürfte, daß die „Geister" auch lügen, solche Erscheinungen „neuer Religiosität"
„Wenn Geister anfangen mit einem Men- wie das „Channeling" und andere Prakti-
schen zu sprechen, muß er sich hüten, ken auf dem heutigen Esoterik-Markt von
irgendetwas zu glauben, denn sie sagen „profaner Magie" zu sprechen, denn „so-
so gut wie alles..." wohl die übermittelten Botschaften als
auch die Fragen der ,Klienten' bleiben
Beurteilung völlig im Rahmen der Profanität". Da der
technische Wissenschaftsglaube selbst
Wichtig für die Beurteilung ist neben dem magische Züge trägt, ist dies für den mo-
abstoßenden Geschäftsrummel um das dernen Menschen auch plausibel (nähe-
Channeling vor allem der psychohygieni- res dazu: EZW-lmpuls Nr. 31: »Der Markt
sche und der religiös-weltanschauliche des Übersinnlichen« S. 11 f).
Aspekt:
Wie bei anderen spiritistisch-mediumisti-
schen Praktiken ist auch beim Channeling Informationen
die Gefahr „mediumistischer Psychosen"
gegeben. Infolge besonders starker und
anhaltender Auslieferung des „Kanals" an
unkontrollierte Kräfte des eigenen Unter-
bewußtseins ist die Gefahr einer Erkran-
kung sogar besonders groß. Aber auch
das Publikum verliert durch das Ver- ABERGLAUBE
trauen in die „Unfehlbarkeit" der „Chan-
nels" in persönlichen Konfliktsituationen Gute und schlechte Omen haben an
die Fähigkeit zum rationalen Abwägen Bedeutung gewonnen. (Letzter Be-
(Prof. H. Bender, Interview in: »Esotera« richt: 1987, S. 181 f; vgl. 1990, S. 145ff)
5/1987, S.40f). Um 10% hat der Glaube an das vierblätt-
In religiös-weltanschaulicher Hinsicht ist rige Kleeblatt als Glücksbringer seit 1976
zu betonen: Mit „Religion" hat diese in der Bevölkerung zugenommen. Das ist
Erscheinungsform „neuer Religiosität" eines der Ergebnisse einer im Januar d.J.
schlechthin nichts mehr zu tun. Wer so durchgeführten Umfrage des »Instituts für
denkt, rechnet nicht mehr ernsthaft damit, Demoskopie« in Allensbach (veröffent-
daß ihm auch eine ganz andere Realität licht in: »allensbacher berichte« Nr. 11/
begegnen könnte, als die seines eigenen 1990). Gaben 1976 28% der Bundesdeut-
Seelenlebens. Jungsche Tiefenpsycholo- schen dem vierblättrigen Kleeblatt eine
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 361
persönliche Bedeutung für ihr Leben, so Glaubens an gute oder schlechte Vorzei-
sind es 1990 schon 38%. chen bei der jüngeren Bevölkerung über-
Auch bei anderen Omen sind „Zuwachs- durchschnittlich gewachsen ist: Schon
raten" zu verzeichnen. Zusammen mit 43% der jünger als Dreißigjährigen achten
der Frage: „Auch wenn Sie selbst nicht z. B. auf das Kleeblatt, gegenüber erst 25%
abergläubisch sind - wenn Sie sich diese dieser Altersgruppe im Jahr 1976!
Liste einmal durchlesen: bei was davon Was die Aufteilung nach der politischen
glauben Sie, daß es vielleicht eine Bedeu- Ausrichtung betrifft, so findet sich eine
tung haben könnte, worauf geben Sie abergläubische Einstellung im Bezug auf
selbst auch immer acht?" legte das Institut vierblättrige Kleeblätter ziemlich konstant
1976 und 1990 jeweils eine 20 Punkte bei Anhängern aller Parteien: „Bei den
umfassende Liste aus dem Repertoire des Wählern der CDU/CSU", so Allensbach,
volkstümlichen Aberglaubens vor - vom „ist die Aufmerksamkeit von 27 Prozent
Kleeblatt über den Schornsteinfeger, die auf 40 Prozent, bei den Wählern der SPD
magische Zahl 13 und das Hufeisen bis von 27 Prozent auf 36 Prozent gewach-
zu den „Schäfchen zur Linken" und dem sen. Von den Wählern der GRÜNEN, die
Berühren eines Buckligen. Waren es es 1976 als Partei noch nicht gab, sind
1976 noch 4 von 10 Befragten (41%), die heute 41 Prozent von der magischen Kraft
solchen Glücksbringern oder schlechten eines vierblättrigen Kleeblattes über-
Vorzeichen keine Bedeutung zubilligten, zeugt." Lediglich bei Wählern der FDP
so sind es 1990 nur noch 3 von 10 verzeichnet Allensbach einen diesbezüg-
(34%). lichen Rückgang von 36% auf 31 %. ru
Unter anderem stieg der Glaube an den
Schornsteinfeger - nach dem Kleeblatt
am häufigsten als bedeutungsvolles Vor-
zeichen genannt - zwischen 1976 und
Buchbesprechungen
1990 von 23% auf 26%, und auch die im
Bekanntheitsgrad unmittelbar danach fol-
genden Omen verzeichnen ähnliche Zu-
wachsraten: Sternschnuppen von 2 1 %
auf 25%, die Zahl 13 von 22% auf 24%
und von links kommende schwarze Kat-
zen von 20% auf 22%.
Nur bei wenigen Punkten der Liste ist ein Heiner Boberski, »Das Engelwerk.
Bedeutungsrückgang zu verzeichnen. Ein Geheimbund in der katholischen
Dies hängt offenbar damit zusammen, daß Kirche?« Otto Müller Verlag, Salzburg
es \n der technisierten Umwelt kaum noch 1990, 288 Seiten, 34,80 DM.
„Schwalbennester am Haus" gibt, der Ruf Das Buch des österreichischen Journali-
des Kuckucks oder des Käuzchens nur sten (»Die Furche«) Heiner Boberski mit
noch selten zu vernehmen ist und elektro- seiner sorgfältigen Auflistung der Daten
nische Uhren kaum noch stehenbleiben, bietet einen roten Faden durch Geschich-
so daß - wie die Aufgliederung nach Al- te und Spiritualität dieser ins Gerede ge-
tersgruppen zeigt - sich auch nur noch kommenen Bewegung.
überwiegend ältere Menschen an diese Der 11. 1. 1896 (Wien) ist das Geburtsda-
Vorzeichen erinnern. Andererseits fällt tum Gabriele Bitterlichs, geborene Göh-
auf, daß insgesamt die Zuwachsrate des lert, im Engelwerk „Mutter" genannt. Auf
362 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
ihrem Grabkreuz (t 4. 4. 1978) steht genüber dem Engelwerk usw. Auch in
schlichthin: „Gott ist gut - Mutter." Ihr den Männerorden gibt es Schwierigkei-
Werk entfaltete sich in Innsbruck. Ab ten; 1976 treten Novizen der Comboni-
1947/48 beginnt sie, im Auftrag ihres Missionare ins Engelwerk ein. Ein ehema-
Beichtvaters, ihre „göttlichen" Botschaf- liger Jesuit wird Generalprokurator des
ten niederzuschreiben. Ihre Engelfröm- »Kreuzordens« in Rom. 1977 nämlich
migkeit findet viel Anklang bei den kirch- wurde die Ordensregel dieser alten Grün-
lichen Oberen. Eine Art Bewegung - mit dung neu belebt und mit Klerikern des
Exerzitien, „Weihen" usw. - entsteht. Engelwerks besetzt (am 14. 8. 1977 wird
Innerhalb dieser „Bewegung" kommt es in Braga/Portugal das Noviziat des »Or-
ab 1949/50 zu Gründungen von (Prie- dens der Regularkanoniker vom heiligen
ster-) Bruderschaften. Die dreifache Weihe Kreuz« errichtet). Ein Vorfall im »Colle-
(Schutzengel-, Engel-, Sühne-) wird 1951 gium Rudolphinum« (angeschlossen an
approbiert (in Innsbruck und dann auch die bewußt konservative Hochschule der
sonstwo; wie es um die römischen Ver- Zisterzienser in Heiligenkreuz bei Wien)
lautbarungen steht, darüber wird disku- wirbelte 1986 viel Staub auf: Hinter dem
tiert). 1961 wird die Schutzengelbruder- Rücken der Leitung wurden Priesterstu-
schaft offiziell in Innsbruck als „pia unio" denten abgeworben. Ein „Erholungsauf-
(fromme Vereinigung) anerkannt. Das enthalt" auf der Insel Madeira bewerkstel-
Münchener Ordinariat aber lehnt die ligte dies. Die Gegner des Engelwerks
kirchliche Anerkennung 1965 ab. Burg sprechen von „Indoktrination" und „Ma-
Petersberg bei Silz (Nordtirol) wird im nipulationswochen".
gleichen Jahr vom Engelwerk übernom- In der Auseinandersetzung um das Engel-
men. Auch die Schwestergemeinschaft werk wurde das vernichtende Urteil
des Engelwerks, »Vom Heiligen Kreuz«, wichtig, das der Regensburger Dogmatik-
wird schon 1967 in verschiedenen Diö- Professor Johannes Auer (wiederum ein
zesen anerkannt; die Priestergemein- ausgesprochener Konservativer) über die
schaft 1969 in der Diözese Augsburg, „Theologie des Engelwerkes" abgab
1970 in Freiburg, in Rom, in Innsbruck (6.11. 77). Einiges aus seinem ersten Gut-
usw., und faßt dann in Südamerika und achten (sein zweites verfertigte er 1987)
auf den Philippinen Fuß. sei (verkürzt) zitiert: „Voraussetzung, daß
Doch schon 1972 bricht Bischof Graber wir wirklich die apokalyptische Endzeit
von Regensburg, der gewiß nicht als pro- erreicht haben." Ihretwillen habe „Gott
gressiv einzuschätzen ist, jeden Kontakt eine neue Offenbarung über die Engel ge-
mit dem Engelwerk ab. Wegen der Span- geben." Diese ist „in vielfacher Hinsicht
nungen, die in Frauenorden aufgrund ge- (ein) Derivat aus kabbalistischem Den-
heimer und offener Mitgliedschaft im En- ken" (z. B. über 300 Engelnamen). Im
gelwerk entstanden, richtete P. Silberer SJ „dynamischen Weltbild zwischen Strö-
als geistlicher Beirat der Vereinigung der mungen und Strahlungen und Kraftfel-
Ordensoberinnen Deutschlands 1974 ei- dern" kommt es zur „wesenhafte(n) Annä-
ne Anfrage an die römische Behörde mit herung oder Gleichsetzung zwischen
den Vorwürfen: Einwirkung des Engel- Engeln und Menschen."
werks aufgrund „individueller Sühnever- Dazu in notwendiger Verkürzung, aber
pflichtungen" ins religiöse Leben der wörtlich aus dem »Handbuch des Engel-
Schwestern; Zwiespalt zwischen dem Or- werkes« (Innsbruck 1961), das Prof. Auer
densgehorsam und dem Gehorsam ge- vorlag und zu den „Offenbarungen"
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 363
zählt, die Frau Bitterlich aufgezeichnet das Engelhandbuch allein vier Teufel
hat: „Engel strahlen nur gut; Dämonen aus... Und dann ist da noch Ahasver, ,der
strahlen nur schlecht. Menschen können Dämon Israel' ... Seine spezielle Klientel
gut, aber auch schlecht strahlen. Alle an- treibt er zum ,Übervorteilen', ,rastlosen
deren Wesen strahlen neutral, aber durch Geldverdienen' und ,skrupelloser Poli-
die Bestrahlung von höheren Wesen kann tik'."
die Eigenstrahlung niederer Wesen ge- Dem stehen die Engel gegenüber (nach
schwächt, abgeändert oder vernichtet Gstrein): Arim, III. Chor der Throne. Er
werden. Empfänglich für dämonische sieht aus wie eine schimmernde, sonnen-
Strahlungen sind (aus den Tieren): am überflutete Burg, eingehüllt in den Schlei-
meisten die grauen, gefleckten und er Mariens. Er trägt den Willen Gottes zur
schwarzen Katzen, die gefleckten und Schönheit der Werke Gottes, vor allem
schwarzen Hennen, die Schweine und zur Schönheit Mariens.
die glatthaarigen Hunde, die Schmeißflie- Diese Schönheit suchen die Dämonen Is-
gen, Ratten und Schlangen. Nicht emp- mael, der Täuscher und Manenhasser,
fänglich für dämonische Strahlungen Ahasver, der Dämon der skrupellosen Be-
sind: von den Haustieren, das Schaf ... rechnung, Phagiel, „das satanische Flui-
von den Waldtieren, Hirsch ... von den dum", die Pest, zu vernichten.
Vögeln: Sperling ... alle Singvögel; alle Der Fürbittetag St. Arims ist am ^ . S e p -
Fische und Waale außer den Raubfischen tember.
und dem Aal, Biene und Marienkäfer. Doch weiter im Text von Prof. Auer: „Die
Stark und schädlich strahlend wirken falsche Theologie der Engel entstellt auch
durch die Schwarze Magie: Frisch geris- gut gemeinte Züge der Spiritualität." „Der
sene Federn von lebenden schwarzen Blick auf den Kampf zwischen Gut und
Hennen... Den satanshörigen Menschen Böse in dieser Welt läßt das Gottesbild
ist außerdem die Zeit besonders starker allzusehr in seiner Unbegreiflichkeit und
dämonischer Einstrahlungen (z. B. Neu- Unnahbarkeit versinken." „Auch Christus
mond, Vollmond...) über die dämoni- wird durch Maria, die in Gestalt der kab-
sche Belehrung gut bekannt und wird zu balistischen Schechinah erscheint, prak-
Schadenszwecken ausgenützt." tisch verdrängt." „Die Engel erscheinen
Die »Süddeutsche Zeitung« (12./13. 4. trotz der Grundlegung in der Hierarchie
1990, S. 3) berichtet zitierend aus dem des Pseudodionysius primär in ihrem Ver-
»Handbuch« des Engelwerks: hältnis zu uns, nicht so sehr als Diener
„Neben Lilith, der ersten Geliebten des Gottes." „Der Sinn der Schutzengel- und
Oberteufels Luzifers, der einzigen weibli- Engelweihe (besonders die Schutzengel-
chen Gestalt in dem ganzen maskulinen weihe in Gestalt der ,heil igen Hochzeit'
Getümmel, ... sollten wir einen besonde- im Sinne der Kabbala; Einfügung von
ren Unhold nicht vergessen: Dragon, aus Sudbrack) wird darum allzusehr in einer
der Rangstufe der gestürzten Throne. Er Machtzunahme gesehen."
wird ,Vater der Furien' genannt. Von ihm In diesen Bereich des Kraftzuwachses ge-
ist die Frau als ,Teufelin' auf die Welt los- hört auch die Praxis der „Sühnekommu-
gelassen worden. So einfach kann ein nion". Weihbischof von Soden-Fraunho-
Weltbild sein. fen schreibt unter Zitierung von Engel-
Als Mittler des Schadenszaubers werden schriften dazu: „Der Mensch steht ^ w i -
auch Zigeuner wörtlich erwähnt. Für de- schen den Engeln so fest eingeknotet, wie
ren Hauptlaster, den Wandertrieb, weist Kette und Perlen eines Rosenkranzes mit-
364 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
einander verknüpft sind'. Je ein Mensch tion durch ein Schreiben von Kardinal
und Engel werden e i n s t - v e r g e i s t i g t - d i e Ratzinger die Rechtgläubigkeit und ge-
wahre geschöpfliche Widerspiegelung sunde Spiritualität und die Treue gegen-
des dreieinigen Gottes sein." Und dies - über den Weisungen des kirchlichen
so heißt es in einem Lehrbrief des Werkes Lehramtes gelobt.
- realisiert sich in der heiligen Kommu- Im Text, der in den »Acta Apostolicae Se-
nion, bei welcher Gelegenheit „der Herr dis« (76, 1984, 175f) veröffentlicht wur-
... zu uns den Engel in sich und zu uns de, steht darüber kein Sterbenswörtchen.
hinein-"nimmt. Deshalb ist die Kommu- Dabei ist mit dem Hinweis auf das
nion „als Sühne für die Sünden der Prie- „Schweigeversprechen", das sich mit der
ster besonders angebracht", wie DDr. dreifachen Weihe verbindet und auf-
Georg Blaskö schreibt. grund dessen das »Handbuch des Engel-
Boberski schildert ausführlich die Kontro- werks« der kirchlichen Öffentlichkeit lan-
verse zwischen den zum Teil gemäßigte- ge Zeit unbekannt blieb, einer der immer
ren Vertretern des Engelwerks und Prof. noch lastenden Verdachtsmomente (gibt
Auer. Es kommt zu Anfragen an Rom. Die es noch weitere unbekannte Schriften im
Glaubenskongregation (Kardinal J. Rat- Untergrund?) herausgestellt worden.
zinger, Erzbischof J. Hamer, 29. 9. 1983) Solche und andere Vorfälle machen ver-
antwortet mit drei Mahnungen (wiederum ständlich, warum immer mehr auch und
auf das Wesentliche verkürzt, sonst aber gerade konservative Kirchenmänner sich
wörtlich): vom Engelwerk scharf distanzierten. Der
„1. In der Förderung der Andacht zu den entsprechende Aufsatz von Johannes
heiligen Engeln muß das Opus Angelo- P.M. van der Ploeg OP in der »Una-Vo-
rum sich der Lehre der Kirche wie der ce-Korrespondenz« (Mai/Juni 1988, 164),
Heiligen Väter und Kirchenlehrer unter- einem Blatt, dem noch selbst Hans Urs
werfen. Es soll im besonderen unter sei- von Balthasar zu liberal dachte, trägt den
nen Mitgliedern und unter den Gläubigen bezeichnenden Titel: »Eine jüdische Sek-
keinen solchen Kult der Engel verbreiten, te und ihr christliches Echo.« Der Neu-
der ,Namen' benützt, die aus einer ver- testamentler Franz Mussner äußerte sich
mutlichen Privatoffenbarung ... bekannt ebenso negativ zum Engelwerk wie der
geworden sind... Moraltheologe Bernhard Häring. Beson-
2. Das Opus Angelorum wird in Zukunft ders der Münchener Weihbischof Hein-
das sogenannte ,Schweigeversprechen' rich von Soden-Fraunhofen bemühte sich
von seinen Mitgliedern nicht wün- um Aufdeckung und Bekanntmachung
schen... der Schriften des Engelwerks (er ver-
3. Das Opus Angelorum und seine Mit- schickte viele Abzüge des geheimgehalte-
glieder werden alle liturgischen Normen nen, oben zitierten Handbuchs) und wur-
streng beobachten... Dies gilt besonders de hart angegriffen. So schrieb der schon
für die sogenannte ,Sühnekommunion'." genannte „leitende Priester" des Engel-
Typisch für die leidige Geschichte ist die werks, DDr. Georg Blaskö an Kardinal
Art, wie diese deutliche Mahnung von Wetter (24. 5. 1988): „Gegen seine Exzel-
Rom in dem Informationstext »Sancta lenz den Hochwürdigsten Herrn Regio-
Crux« (der Priestergemeinschaft vom Hei- nalbischof Graf von Soden-Fraunhofen
ligen Kreuz in der Erzdiözese Wien) um- soll Anzeige wegen Rekurs gegen eine
gedeutet wird: Am 29. September 1983 Maßnahme an das Bischofskollegium ge-
habe die Römische Glaubenskongrega- mäß can. 1372 wegen Verleumdung und
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 365
Verletzungen der Autorenrechte erstattet für „eine gesunde, christliche Kabbalah,
werden." worunter wir vor allem Gottesthron- und
Am 25. 2. 1988 empfahl nämlich die Engels-Mystik verstehen", einsetze. Doch
Vollversammlung der Deutschen Bi- er vergißt, dessen Mahnungen mit anzu-
schofskonferenz Maßnahmen gegen das führen: „Bei der Heiligen Schrift weiß
Engelwerk, die von den einzelnen Ortsbi- man, daß Gott der Sprecher ist; bei Privat-
schöfen auf verschiedene Weise in die offenbarungen muß man als Advocatus
Tat umgesetzt wurde. Auch die öster- diaboli zuerst wohl alle menschlichen
reichischen Bischöfe bestehen auf der Voraussetzungen klar herausstellen, um
Durchführung der Mahnungen der Glau- nicht etwas als göttliche Offenbarung an-
benskongregation. Eine erneute Bitte der zusprechen, was aus den Tiefen der
Deutschen Bischofskonferenz an die menschlichen Psyche erklärt werden
Glaubenskongregation um Prüfung des kann... Ob nicht literarische Beeinflus-
Engelwerks (Nachricht vom 27. 5. 1988) sung (oder malerische Begabung, para-
ist bisher noch nicht beantwortet. psychische Veranlagung) vorliegt? ... Ob
Josef Sudbrack SJ, München für die Engelverehrung nicht die Heilige
Schrift genügt?" Mit der Behauptung, daß
Heinz Gstrein, »,Engelwerk' oder Schedls Autorität genüge, „um die Kabba-
Teufelsmacht. Hintergründe über lismusdiskussion um das Engelwerk ein
eine Grauzone kirchlicher Aktivitä- für allemal abzuschließen", scheint
ten: Neues Heil oder innerkirchliche Gstrein zu zeigen, daß er dessen Gutach-
Sekte«, Edition Tau, Mattersburg-Kat- ten nicht zur Gänze gelesen hat.
zelsdorf 1990, 264 Seiten, 42- DM. Das ist überhaupt der Mangel dieser Ar-
Die vorliegenden Daten, die zum größten beit: Sie belegt nicht mit genauen Fundor-
Teil aus dem oben erwähnten Buch von ten usw., sondern erzählt frisch drauflos.
Boberski stammen, werden vielfältig von So macht Gstrein aus seinem Besuch auf
dem ganz anders ausgerichteten Buch der Burg Petersberg einen regelrechten
von Heinz Gstrein („Fachjournalist für Abenteuerbericht: Geheimnisvolles, Fin-
Kirchenfragen") », Engel werk' oder Teu- steres habe er befürchtet - doch alles ent-
felsmacht« bestätigt. Gstrein möchte al- puppt sich als Irrtum und Täuschung. In
lerdings eine kritische Sympathie für die ähnlicher Weise erzählt er auch von sei-
Spiritualität der Engel und damit, wie er nen Besuchen in Rom und dann in Brasi-
meint, für die eigentlichen Anliegen des lien. Dies mit dem Titel „Hinter dem Sta-
Engelwerks wecken. Dazu schlägt er die cheldraht von Anäpolis": „Junge Men-
Seiten der traditionellen Engel-Theologie schen sollen dort schon verschwunden
auf - von den Urreligionen bis zum sein oder werden gegen ihren Willen fest-
christlichen Volksglauben - und kritisiert gehalten. So ein Christian Paul Gras aus
die moderne Theologie - besonders Ru- Nordbayern, heißt es bis zuletzt im Mün-
dolf Bultmann, aber z. B. auch den Dog- chener Umfeld von Weihbischof Soden.
mati kprofessor Gottfried B a c h l - , die sei- Ein Pater Johannes mit Hundert-Mark-
ner Meinung nach die Engel abschaffen scheinen in der Kutte habe ihn e n t f ü h r t -
wollen, und lobt die Engellehre als Ver- seitdem fehle seiner Mutter jede Spur, die
bindung über das Christentum hinaus zu über Anäpolis hinausführt..." Zu solchen
anderen Religionen. Positiv zitiert Gstrein Erzählungen kann Gstrein leicht zeigen,
das wohlwollende Gutachten des Altte- daß sie falsch sind. - Aber der Leser hätte
stamentlers Prof. Claus Schedl, der sich gerne für ihre mysteriösen Andeutungen
366 MATERIALDIENST DER EZW 12/90
wie „aus dem Umfeld von Weihbischof Mir scheint, es wäre talsch, diese einfach
Soden" einen, wenn auch dürftigen Beleg als nebensächliche Auswüchse abzutun;
zur Hand. Ein solcher fehlt ebenso wie in sicher wäre es auch falsch, die zahlrei-
ähnlichen Passagen. Und so steigt der chen Mitglieder als Sektierer zu klassifi-
Verdacht auf: Ob nicht vielleicht die jour- zieren; man spricht von etwa einer Mil-
nalistische Sorgfalt der dramatischen Ge- lion - mit prominenten Vertretern (Profes-
staltung geopfert worden ist, auf derem soren, Bischöfe, Kardinäle). Vielleicht
negativen Hintergrund das Engel werk ge- darf man im Zusammenhang mit dem En-
rechtfertigt und der Wahrheitsgehalt der gelwerk positiv auf das Schönstattwerk P.
Vorwürfe verharmlost werden kann. Ge- Kentenichs hinweisen: Auch es stand we-
rade im Blick auf die brasilianische „Anä- gen einiger seltsamen theologischen Äu-
polis" scheint mir auch die Frage wichtig: ßerungen unter harter kirchenamtlicher
Ob der Erfolg der dortigen Gründung Kritik (päpstliche Visitation nach dem
nicht mit der seltsamen, an Magie, Voo- Zweiten Weltkrieg). Doch statt unter de-
doo, Macumba erinnernden Theologie voten Floskeln die Vorwürfe abzuleug-
von Strahlungen und Mächten zusam- nen, gelang es den Schönstatt-Werken,
menhängt- doch darüber fand ich nichts. den eigentlichen Grundimpuls P. Kente-
Im Gegensatz zu Gstrein ist die Arbeit nichs theologisch qualifiziert herauszuar-
von Heiner Boberski sorgfältig dokumen- beiten und zur Grundlage einer wichtigen
tiert; so sorgfältig, daß der Leser gelegent- innerkirchlichen Bewegung zu machen.
lich den roten Faden durch die zehn Ka- Ob man dem Engelwerk nicht sagen muß,
pitel verlieren kann. Doch Personen- und was auch vielen außerkirchlichen religiö-
Orts-Reg ister, nebst einer genauen Zeitta- sen Bewegungen gilt: Wer sich der ratio-
fel und ausführlichem Literatur- und Quel- nalen, hier theologischen Überprüfung
lenverzeichnis helfen zur Orientierung. entzieht, rutscht schnell ab in solche „ab-
Das Urteil, das der Passauer Bischof strusen Auswüchse"? Die Geschichte des
Franz Xaver Eder fällte, als er am 20. 5. Engelwerks kann ein Lehrstück dafür sein,
1988 fragte, ob man nicht energischer ge- daß auch Frömmigkeit und konservative
gen das Engelwerk vorgehen müsse, um Beharrung gefährlich werden, abgleiten
„die Verehrung der heiligen Engel von ab- können in die „Grauzone" magischen
strusen Auswüchsen" zu schützen, legt und ähnlichen Verhaltens. Ohne nüchter-
sich gerade nach dem Buch von Gstrein ne, realitätsbezogene Theologie kann
nahe. Obgleich er die Bewegung schüt- auch eine tiefe Frömmigkeit falsch und
zen will, kann er nicht umhin, viele Män- das heißt: unfromm werden. Die Bot-
gel aufzuzeigen: die seltsamen Gehor- schaft von der neuen Freiheit in Christus
sams- und Schweige-Praktiken; die wird verraten, da diese Wahrheit der
„kirchlich wie weltanschaulich erzkon- Heilsangst geopfert wird.
servative(n) Realität im heutigen Werk der Nachzutragen bleibt, daß in den beiden
Engel"; der „fragwürdige(r) Hintergrund Büchern nicht zu anderen „Engelwerken"
einer umstrittenen Privatoffenbarung". (z. B. in Verbindung mit Heede, Nord-
deutschland) und nicht unähnlichen
Der Leser dieser Schriften und Zeugnisse evangelischen Bewegungen (vgl. die apo-
steht etwas hilflos vor der Frage: Wieso kalyptischen Prophezeiungen von M. Ba-
kann eine doch in breiter Weise urkatho- sileia Schlink der Darmstädter Marien-
lisch und fromm sein wollende Bewe- schwestern) gesagt wird.
gung diese seltsamen Früchte bringen? Josef Sudbrack SJ, München
MATERIALDIENST DER EZW 12/90 367
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behandeln die zentralen Themen des
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Menschen, Tod und Auferstehung,
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Verhältnis von Judentum und
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Römerbrief Briefes bildet. Das Gemeinsame
zwischen jüdischer und christlicher
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