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Der Sandmann

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Hoffmann Der Sandmann

Reclam XL Text und Kontext


E.T. A. Hoffmann
Der Sandmann
Herausgegeben von Max Kämper

Reclam
Der Text dieser Ausgabe ist seiten- und zeilengleich mit der
Ausgabe der Universal-Bibliothek Nr. 230. Er wurde auf der
Grundlage der gültigen amtlichen Rechtschreibregeln ortho-
graphisch behutsam modernisiert.

Zu E.T. A. Hoffmann gibt es bei Reclam


– einen Lektüreschlüssel für Schülerinnen und Schüler (Nr. 15354)
– Erläuterungen und Dokumente (Nr. 8199)
– eine Interpretation in: E.T. A. Hoffmann. Romane und Erzäh-
lungen in der Reihe »Interpretationen« (Nr. 17526)

E-Book-Ausgaben finden Sie auf unserer Website


unter www.reclam.de/e-book

Reclam XL Text und Kontext Nr. 19237


2015 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG,
Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Gestaltung: Cornelia Feyll, Friedrich Forssman
Druck und Bindung: Canon Deutschland Business Services GmbH,
Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Printed in Germany 2017
reclam ist eine eingetragene Marke
der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
isbn 978-3-15-019237-5

Auch als E-Book erhältlich

www.reclam.de

Die Texte von Reclam XL sind seiten- und zeilengleich


mit den Texten der Universal-Bibliothek.
Die Reihe bietet neben dem Text Worterläuterungen
in Form von Fußnoten und Sacherläuterungen in Form
von Anmerkungen im Anhang, auf die am Rand
mit Pfeilen () verwiesen wird.
Der Sandmann 3

Nathanael an Lothar

Gewiss seid ihr alle voll Unruhe, dass ich so lange – lange
nicht geschrieben. Mutter zürnt wohl, und Clara mag
5 glauben, ich lebe hier in Saus und Braus und vergesse
mein holdes Engelsbild, so tief mir in Herz und Sinn ein-
geprägt, ganz und gar. – Dem ist aber nicht so; täglich und
stündlich gedenke ich eurer aller und in süßen Träumen
geht meines holden Clärchens freundliche Gestalt vorüber
10 und lächelt mich mit ihren hellen Augen so anmutig an, 
wie sie wohl pflegte, wenn ich zu euch hineintrat. – Ach
wie vermochte ich denn euch zu schreiben, in der zerrisse-
nen Stimmung des Geistes, die mir bisher alle Gedanken
verstörte! – Etwas Entsetzliches ist in mein Leben getre-
15 ten! – Dunkle Ahnungen eines grässlichen mir drohenden
Geschicks breiten sich wie schwarze Wolkenschatten über
mich aus, undurchdringlich jedem freundlichen Sonnen-
strahl. – Nun soll ich dir sagen, was mir widerfuhr. Ich
muss es, das sehe ich ein, aber nur es denkend, lacht es wie 
20 toll aus mir heraus. – Ach mein herzlieber Lothar! wie
fange ich es denn an, dich nur einigermaßen empfinden zu
lassen, dass das, was mir vor einigen Tagen geschah, denn
wirklich mein Leben so feindlich zerstören konnte! Wärst
du nur hier, so könntest du selbst schauen; aber jetzt hältst
25 du mich gewiss für einen aberwitzigen Geisterseher. – 
Kurz und gut, das Entsetzliche, was mir geschah, dessen
tödlichen Eindruck zu vermeiden ich mich vergebens be-
mühe, besteht in nichts anderm, als dass vor einigen
Tagen, nämlich am 30. Oktober mittags um 12 Uhr, ein 
30 Wetterglashändler in meine Stube trat und mir seine Ware
anbot. Ich kaufte nichts und drohte, ihn die Treppe herab-
zuwerfen, worauf er aber von selbst fortging. –
Du ahnest, dass nur ganz eigne, tief in mein Leben ein-
greifende Beziehungen diesem Vorfall Bedeutung geben

2 Nathanael: (hebr.) ›von Gott geschenkt‹; synonym mit (griech.)


»Theodor«, Hoffmanns zweitem Vornamen 4 Clara: (lat.) ›die Klare,
Vernünftige‹ 11 wohl pflegte: wohl zu tun pflegte 25 aberwitzigen:
unvernünftigen; vgl. »witzig«: geistreich 30 Wetterglashändler:
Wetterglas: Gerät zur Wetterprognose; Vorläufer des Barometers
4 können, ja, dass wohl die Person jenes unglückseligen
Krämers gar feindlich auf mich wirken muss. So ist es in
der Tat. Mit aller Kraft fasse ich mich zusammen, um ru-
hig und geduldig dir aus meiner frühern Jugendzeit so viel
zu erzählen, dass deinem regen Sinn alles klar und deut- 5
lich in leuchtenden Bildern aufgehen wird. Indem ich an-
fangen will, höre ich dich lachen und Clara sagen: das sind
ja rechte Kindereien! – Lacht, ich bitte euch, lacht mich
recht herzlich aus! – ich bitt euch sehr! – Aber Gott im
Himmel! die Haare sträuben sich mir und es ist, als flehe 10
ich euch an, mich auszulachen, in wahnsinniger Verzweif-
 lung, wie Franz Moor den Daniel. – Nun fort zur Sache! –
Außer dem Mittagsessen sahen wir, ich und mein Ge-
schwister, Tag über den Vater wenig. Er mochte mit sei-
nem Dienst viel beschäftigt sein. Nach dem Abendessen, 15
das alter Sitte gemäß schon um sieben Uhr aufgetragen
wurde, gingen wir alle, die Mutter mit uns, in des Vaters
Arbeitszimmer und setzten uns um einen runden Tisch.
Der Vater rauchte Tabak und trank ein großes Glas Bier
dazu. Oft erzählte er uns viele wunderbare Geschichten 20
und geriet darüber so in Eifer, dass ihm die Pfeife immer
ausging, die ich, ihm brennend Papier hinhaltend, wieder
anzünden musste, welches mir denn ein Hauptspaß war.
Oft gab er uns aber Bilderbücher in die Hände, saß
stumm und starr in seinem Lehnstuhl und blies starke 25
Dampfwolken von sich, dass wir alle wie im Nebel
schwammen. An solchen Abenden war die Mutter sehr
traurig und kaum schlug die Uhr neun, so sprach sie:
 »Nun Kinder! – zu Bette! zu Bette! der Sandmann
kommt, ich merk es schon.« Wirklich hörte ich dann je- 30
desmal Etwas schweren langsamen Tritts die Treppe her-
aufpoltern; das musste der Sandmann sein. Einmal war
mir jenes dumpfe Treten und Poltern besonders graulich;
ich frug die Mutter, indem sie uns fortführte: »Ei Mama!
wer ist denn der böse Sandmann, der uns immer von Papa 35
forttreibt? – wie sieht er denn aus?« »Es gibt keinen Sand-
mann, mein liebes Kind«, erwiderte die Mutter; »wenn ich

1 unglückseligen: Unglück bringenden 2 Krämers: Krämer: Klein-


händler (im Unterschied zum Kaufmann) 13 f. mein Geschwister:
meine Geschwister (früher gebräuchlicher kollektiver Singular)
33 graulich: greulich, erschreckend 34 frug: fragte
sage, der Sandmann kommt, so will das nur heißen, ihr 5
seid schläfrig und könnt die Augen nicht offen behalten,
als hätte man euch Sand hineingestreut.« – Der Mutter
Antwort befriedigte mich nicht, ja in meinem kindischen
5 Gemüt entfaltete sich deutlich der Gedanke, dass die Mut-
ter den Sandmann nur verleugne, damit wir uns vor ihm
nicht fürchten sollten, ich hörte ihn ja immer die Trep-
pe heraufkommen. Voll Neugierde, Näheres von diesem
Sandmann und seiner Beziehung auf uns Kinder zu erfah-
10 ren, frug ich endlich die alte Frau, die meine jüngste
Schwester wartete: was denn das für ein Mann sei, der
Sandmann? »Ei Thanelchen«, erwiderte diese, »weißt du
das noch nicht? Das ist ein böser Mann, der kommt zu
den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und
15 wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, dass sie blutig
zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack
und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kin-
derchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme
Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen
20 Menschenkindlein Augen auf.« – Grässlich malte sich nun
im Innern mir das Bild des grausamen Sandmanns aus; so
wie es abends die Treppe heraufpolterte, zitterte ich vor
Angst und Entsetzen. Nichts als den unter Tränen herge-
stotterten Ruf: der Sandmann! der Sandmann! konnte die
25 Mutter aus mir herausbringen. Ich lief darauf in das
Schlafzimmer, und wohl die ganze Nacht über quälte
mich die fürchterliche Erscheinung des Sandmanns. –
Schon alt genug war ich geworden, um einzusehen, dass
das mit dem Sandmann und seinem Kindernest im Halb-
30 monde, so wie es mir die Wartefrau erzählt hatte, wohl
nicht ganz seine Richtigkeit haben könne; indessen blieb
mir der Sandmann ein fürchterliches Gespenst, und Grau-
en – Entsetzen ergriff mich, wenn ich ihn nicht allein die
Treppe heraufkommen, sondern auch meines Vaters Stu-
35 bentür heftig aufreißen und hineintreten hörte. Manchmal
blieb er lange weg, dann kam er öfter hintereinander. Jahre
lang dauerte das, und nicht gewöhnen konnte ich mich an

11 wartete: versorgte, pflegte 17 Atzung: Fütterung junger Greif-


vögel (Jägersprache) 30 Wartefrau: Kinderfrau
6 den unheimlichen Spuk, nicht bleicher wurde in mir das
Bild des grausigen Sandmanns. Sein Umgang mit dem Va-
ter fing an meine Fantasie immer mehr und mehr zu be-
schäftigen: den Vater darum zu befragen hielt mich eine
unüberwindliche Scheu zurück, aber selbst – selbst das 5
Geheimnis zu erforschen, den fabelhaften Sandmann zu
sehen, dazu keimte mit den Jahren immer mehr die Lust
in mir empor. Der Sandmann hatte mich auf die Bahn des
Wunderbaren, Abenteuerlichen gebracht, das so schon
leicht im kindlichen Gemüt sich einnistet. Nichts war mir 10
lieber, als schauerliche Geschichten von Kobolten, Hexen,
Däumlingen usw. zu hören oder zu lesen; aber obenan
stand immer der Sandmann, den ich in den seltsamsten,
abscheulichsten Gestalten überall auf Tische, Schränke
und Wände mit Kreide, Kohle hinzeichnete. Als ich zehn 15
Jahre alt geworden, wies mich die Mutter aus der Kinder-
stube in ein Kämmerchen, das auf dem Korridor unfern
von meines Vaters Zimmer lag. Noch immer mussten wir
uns, wenn auf den Schlag neun Uhr sich jener Unbekann-
te im Hause hören ließ, schnell entfernen. In meinem 20
Kämmerchen vernahm ich, wie er bei dem Vater hineintrat
und bald darauf war es mir dann, als verbreite sich im
Hause ein feiner seltsam riechender Dampf. Immer höher
mit der Neugierde wuchs der Mut, auf irgendeine Weise
des Sandmanns Bekanntschaft zu machen. Oft schlich ich 25
schnell aus dem Kämmerchen auf den Korridor, wenn die
Mutter vorübergegangen, aber nichts konnte ich erlau-
schen, denn immer war der Sandmann schon zur Türe
hinein, wenn ich den Platz erreicht hatte, wo er mir sicht-
bar werden musste. Endlich von unwiderstehlichem 30
Drange getrieben, beschloss ich, im Zimmer des Vaters
selbst mich zu verbergen und den Sandmann zu erwarten.
An des Vaters Schweigen, an der Mutter Traurigkeit
merkte ich eines Abends, dass der Sandmann kommen
werde; ich schützte daher große Müdigkeit vor, verließ 35
schon vor neun Uhr das Zimmer und verbarg mich dicht
neben der Türe in einem Schlupfwinkel. Die Haustür

6 den fabelhaften Sandmann: den Sandmann aus der Fabel bzw.


dem Märchen 11 von Kobolten: von Kobolden: von Haus- und
Naturgeistern
knarrte, durch den Flur ging es, langsamen, schweren, 7
dröhnenden Schrittes nach der Treppe. Die Mutter eilte
mit dem Geschwister mir vorüber. Leise – leise öffnete ich
des Vaters Stubentür. Er saß, wie gewöhnlich, stumm und
5 starr den Rücken der Türe zugekehrt, er bemerkte mich
nicht, schnell war ich hinein und hinter der Gardine, die
einem gleich neben der Türe stehenden offenen Schrank,
worin meines Vaters Kleider hingen, vorgezogen war. –
Näher – immer näher dröhnten die Tritte – es hustete und
10 scharrte und brummte seltsam draußen. Das Herz bebte
mir vor Angst und Erwartung. – Dicht, dicht vor der Türe
ein scharfer Tritt – ein heftiger Schlag auf die Klinke, die
Tür springt rasselnd auf! – Mit Gewalt mich ermannend
gucke ich behutsam hervor. Der Sandmann steht mitten in
15 der Stube vor meinem Vater, der helle Schein der Lichter
brennt ihm ins Gesicht! – Der Sandmann, der fürchterli-
che Sandmann ist der alte Advokat Coppelius, der manch-
mal bei uns zu Mittage isst! –
Aber die grässlichste Gestalt hätte mir nicht tieferes
20 Entsetzen erregen können, als eben dieser Coppelius. –
Denke dir einen großen breitschultrigen Mann mit einem
unförmlich dicken Kopf, erdgelbem Gesicht, buschigten
grauen Augenbrauen, unter denen ein paar grünliche Kat-
zenaugen stechend hervorfunkeln, großer, starker über die
25 Oberlippe gezogener Nase. Das schiefe Maul verzieht sich
oft zum hämischen Lachen; dann werden auf den Backen
ein paar dunkelrote Flecke sichtbar und ein seltsam zi-
schender Ton fährt durch die zusammengekniffenen Zäh-
ne. Coppelius erschien immer in einem altmodisch zuge-
30 schnittenen aschgrauen Rocke, ebensolcher Weste und
gleichen Beinkleidern, aber dazu schwarze Strümpfe und
Schuhe mit kleinen Steinschnallen. Die kleine Perücke
reichte kaum bis über den Kopfwirbel heraus, die Kleblo-
cken standen hoch über den großen roten Ohren und ein
35 breiter verschlossener Haarbeutel starrte von dem Nacken
weg, so dass man die silberne Schnalle sah, die die gefältel-
te Halsbinde schloss. Die ganze Figur war überhaupt wid-

17 Advokat: Rechtsanwalt 17 Coppelius: lateinische Form, ähnlich


dem italienischen »Coppola«; vgl. ital. coppa ›Becher, Schale‹; auch
›Augenhöhle, Schmelztiegel‹ 26 hämischen: bösartigen 33 f. Kleb-
locken: seitlich an die Perücke geklebte Haarrollen 35 Haarbeutel:
Seidenbeutel, um die modisch langen Haare einzubinden
8 rig und abscheulich; aber vor allem waren uns Kindern
seine großen knotigten, haarigten Fäuste zuwider, sodass
wir, was er damit berührte, nicht mehr mochten. Das hatte
er bemerkt, und nun war es seine Freude, irgendein Stück-
chen Kuchen, oder eine süße Frucht, die uns die gute 5
Mutter heimlich auf den Teller gelegt, unter diesem, oder
jenem Vorwande zu berühren, dass wir, helle Tränen in
den Augen, die Näscherei, der wir uns erfreuen sollten,
nicht mehr genießen mochten vor Ekel und Abscheu.
Ebenso machte er es, wenn uns an Feiertagen der Vater ein 10
klein Gläschen süßen Weins eingeschenkt hatte. Dann
fuhr er schnell mit der Faust herüber, oder brachte wohl
gar das Glas an die blauen Lippen und lachte recht teuf-
lisch, wenn wir unsern Ärger nur leise schluchzend äu-
ßern durften. Er pflegte uns nur immer die kleinen Bestien 15
zu nennen; wir durften, war er zugegen, keinen Laut von
uns geben und verwünschten den hässlichen, feindlichen
Mann, der uns recht mit Bedacht und Absicht auch die
kleinste Freude verdarb. Die Mutter schien ebenso, wie
wir, den widerwärtigen Coppelius zu hassen; denn so wie 20
er sich zeigte, war ihr Frohsinn, ihr heiteres unbefangenes
Wesen umgewandelt in traurigen, düstern Ernst. Der Va-
ter betrug sich gegen ihn, als sei er ein höheres Wesen,
dessen Unarten man dulden und das man auf jede Weise
bei guter Laune erhalten müsse. Er durfte nur leise andeu- 25
ten und Lieblingsgerichte wurden gekocht und seltene
Weine kredenzt.
Als ich nun diesen Coppelius sah, ging es grausig und
entsetzlich in meiner Seele auf, dass ja niemand anders, als
er, der Sandmann sein könne, aber der Sandmann war mir 30
nicht mehr jener Popanz aus dem Ammenmärchen, der
dem Eulennest im Halbmonde Kinderaugen zur Atzung
holt – Nein! – ein hässlicher gespenstischer Unhold, der
überall, wo er einschreitet, Jammer – Not – zeitliches,
ewiges Verderben bringt. 35
Ich war festgezaubert. Auf die Gefahr entdeckt, und,
wie ich deutlich dachte, hart gestraft zu werden, blieb ich

2 knotigten: knotigen 8 Näscherei: Süßigkeit 27 kredenzt: ser-


viert 31 Popanz: aufgeblasene Schreckgestalt zur Einschüchterung
31 Ammenmärchen: Märchen, Phantasiegeschichte für kleine Kin-
der
stehen, den Kopf lauschend durch die Gardine hervorge- 9
streckt. Mein Vater empfing den Coppelius feierlich. »Auf!
– zum Werk«, rief dieser mit heiserer, schnarrender Stim-
me und warf den Rock ab. Der Vater zog still und finster
5 seinen Schlafrock aus und beide kleideten sich in lange
schwarze Kittel. Wo sie die hernahmen, hatte ich überse-
hen. Der Vater öffnete die Flügeltür eines Wandschranks;
aber, ich sah, dass das, was ich so lange dafür gehalten, kein
Wandschrank, sondern vielmehr eine schwarze Höhlung 
10 war, in der ein kleiner Herd stand. Coppelius trat hinzu
und eine blaue Flamme knisterte auf dem Herde empor.
Allerlei seltsames Geräte stand umher. Ach Gott! – wie
sich nun mein alter Vater zum Feuer herabbückte, da sah
er ganz anders aus. Ein grässlicher krampfhafter Schmerz
15 schien seine sanften ehrlichen Züge zum hässlichen wider-
wärtigen Teufelsbilde verzogen zu haben. Er sah dem
Coppelius ähnlich. Dieser schwang die glutrote Zange und
holte damit hell blinkende Massen aus dem dicken Qualm,
die er dann emsig hämmerte. Mir war es als würden Men-
20 schengesichter ringsumher sichtbar, aber ohne Augen –
scheußliche, tiefe schwarze Höhlen statt ihrer. »Augen her, 
Augen her!« rief Coppelius mit dumpfer dröhnender
Stimme. Ich kreischte auf von wildem Entsetzen gewaltig
erfasst und stürzte aus meinem Versteck heraus auf den
25 Boden. Da ergriff mich Coppelius, »kleine Bestie! – kleine
Bestie!« meckerte er zähnefletschend! – riss mich auf und
warf mich auf den Herd, dass die Flamme mein Haar zu
sengen begann: »Nun haben wir Augen – Augen – ein
schön Paar Kinderaugen.« So flüsterte Coppelius, und
30 griff mit den Fäusten glutrote Körner aus der Flamme, die
er mir in die Augen streuen wollte. Da hob mein Vater fle-
hend die Hände empor und rief: »Meister! Meister! lass 
meinem Nathanael die Augen – lass sie ihm!« Coppelius
lachte gellend auf und rief: »Mag denn der Junge die Au-
35 gen behalten und sein Pensum flennen in der Welt; aber
nun wollen wir doch den Mechanismus der Hände und
der Füße recht observieren.« Und damit fasste er mich ge-

35 sein Pensum: seinen Anteil 35 flennen: heulen 37 observieren:


beobachten, überwachen; hier: untersuchen
10 waltig, dass die Gelenke knackten, und schrob mir die
Hände ab und die Füße und setzte sie bald hier, bald dort
wieder ein. »’s steht doch überall nicht recht! ’s gut so wie
 es war! – Der Alte hat’s verstanden!« So zischte und lispel-
te Coppelius; aber alles um mich her wurde schwarz und 5
finster, ein jäher Krampf durchzuckte Nerv und Gebein –
ich fühlte nichts mehr. Ein sanfter warmer Hauch glitt
über mein Gesicht, ich erwachte wie aus dem Todesschlaf,
die Mutter hatte sich über mich hingebeugt. »Ist der Sand-
mann noch da?« stammelte ich. »Nein, mein liebes Kind, 10
der ist lange, lange fort, der tut dir keinen Schaden!« – So
sprach die Mutter und küsste und herzte den wiederge-
wonnenen Liebling. –
Was soll ich dich ermüden, mein herzlieber Lothar! was
soll ich so weitläuftig Einzelnes hererzählen, da noch so 15
vieles zu sagen übrig bleibt? Genug! – ich war bei der
Lauscherei entdeckt, und von Coppelius gemisshandelt
worden. Angst und Schrecken hatten mir ein hitziges Fie-
ber zugezogen, an dem ich mehrere Wochen krank lag.
»Ist der Sandmann noch da?« – Das war mein erstes ge- 20
sundes Wort und das Zeichen meiner Genesung, meiner
Rettung. – Nur noch den schrecklichsten Moment meiner
Jugendjahre darf ich dir erzählen; dann wirst du überzeugt
sein, dass es nicht meiner Augen Blödigkeit ist, wenn mir
nun alles farblos erscheint, sondern, dass ein dunkles Ver- 25
hängnis wirklich einen trüben Wolkenschleier über mein
Leben gehängt hat, den ich vielleicht nur sterbend zer-
reiße. –
 Coppelius ließ sich nicht mehr sehen, es hieß, er habe
die Stadt verlassen. 30
Ein Jahr mochte vergangen sein, als wir der alten unver-
änderten Sitte gemäß abends an dem runden Tische saßen.
Der Vater war sehr heiter und erzählte viel Ergötzliches
von den Reisen, die er in seiner Jugend gemacht. Da hör-
ten wir, als es neune schlug, plötzlich die Haustür in den 35
Angeln knarren und langsame eisenschwere Schritte
dröhnten durch den Hausflur die Treppe herauf. »Das ist

1 schrob: schraubte 14 herzlieber: meinem Herzen lieber, allerherz-


lichster 24 Blödigkeit: Schwäche
Coppelius«, sagte meine Mutter erblassend. »Ja! – es ist 11
Coppelius«, wiederholte der Vater mit matter gebrochener
Stimme. Die Tränen stürzten der Mutter aus den Augen.
»Aber Vater, Vater!« rief sie, »muss es denn so sein?«
5 »Zum letzten Male!« erwiderte dieser, »zum letzten Male
kommt er zu mir, ich verspreche es dir. Geh nur, geh mit
den Kindern! – Geht – geht zu Bette! Gute Nacht!«
Mir war es, als sei ich in schweren kalten Stein einge-
presst – mein Atem stockte! – Die Mutter ergriff mich
10 beim Arm als ich unbeweglich stehen blieb: »Komm Na-
thanael, komme nur!« – Ich ließ mich fortführen, ich trat
in meine Kammer. »Sei ruhig, sei ruhig, lege dich ins
Bette! – schlafe – schlafe«, rief mir die Mutter nach; aber
von unbeschreiblicher innerer Angst und Unruhe gequält,
15 konnte ich kein Auge zutun. Der verhasste abscheuliche
Coppelius stand vor mir mit funkelnden Augen und lach-
te mich hämisch an, vergebens trachtete ich sein Bild los
zu werden. Es mochte wohl schon Mitternacht sein, als
ein entsetzlicher Schlag geschah, wie wenn ein Geschütz
20 losgefeuert würde. Das ganze Haus erdröhnte, es rasselte
und rauschte bei meiner Türe vorbei, die Haustüre wurde
klirrend zugeworfen. »Das ist Coppelius«, rief ich entsetzt
und sprang aus dem Bette. Da kreischte es auf in schnei-
dendem trostlosen Jammer, fort stürzte ich nach des Va-
25 ters Zimmer, die Tür stand offen, erstickender Dampf
quoll mir entgegen, das Dienstmädchen schrie: »Ach, der
Herr! – der Herr!« – Vor dem dampfenden Herde auf
dem Boden lag mein Vater tot mit schwarz verbranntem
grässlich verzerrtem Gesicht, um ihn herum heulten und
30 winselten die Schwestern – die Mutter ohnmächtig dane-
ben! – »Coppelius, verruchter Satan, du hast den Vater er-
schlagen!« – So schrie ich auf; mir vergingen die Sinne. Als
man zwei Tage darauf meinen Vater in den Sarg legte, wa- 
ren seine Gesichtszüge wieder mild und sanft geworden,
35 wie sie im Leben waren. Tröstend ging es in meiner Seele
auf, dass sein Bund mit dem teuflischen Coppelius ihn
nicht ins ewige Verderben gestürzt haben könne. –

31 verruchter: schändlicher, gemeiner


12 Die Explosion hatte die Nachbarn geweckt, der Vorfall
wurde ruchbar und kam vor die Obrigkeit, welche den
Coppelius zur Verantwortung vorfordern wollte. Der war
aber spurlos vom Orte verschwunden.
Wenn ich dir nun sage, mein herzlieber Freund! dass je- 5
ner Wetterglashändler eben der verruchte Coppelius war,
so wirst du mir es nicht verargen, dass ich die feindliche
Erscheinung als schweres Unheil bringend deute. Er war
anders gekleidet, aber Coppelius’ Figur und Gesichtszüge
sind zu tief in mein Innerstes eingeprägt, als dass hier ein 10
Irrtum möglich sein sollte. Zudem hat Coppelius nicht
einmal seinen Namen geändert. Er gibt sich hier, wie ich
höre, für einen piemontesischen Mechanicus aus, und
nennt sich Giuseppe Coppola.
Ich bin entschlossen es mit ihm aufzunehmen und des 15
Vaters Tod zu rächen, mag es denn nun gehen wie es will.
Der Mutter erzähle nichts von dem Erscheinen des
grässlichen Unholds – Grüße meine liebe holde Clara, ich
schreibe ihr in ruhigerer Gemütsstimmung. Lebe wohl
etc. etc. 20

Clara an Nathanael

Wahr ist es, dass du recht lange mir nicht geschrieben hast,
aber dennoch glaube ich, dass du mich in Sinn und Ge-
danken trägst. Denn meiner gedachtest du wohl recht
lebhaft, als du deinen letzten Brief an Bruder Lothar ab- 25
senden wolltest und die Aufschrift, statt an ihn, an mich
richtetest. Freudig erbrach ich den Brief und wurde den
Irrtum erst bei den Worten inne: Ach mein herzlieber Lo-
thar! – Nun hätte ich nicht weiter lesen, sondern den Brief
dem Bruder geben sollen. Aber, hast du mir auch sonst 30
manchmal in kindischer Neckerei vorgeworfen, ich hätte
solch ruhiges, weiblich besonnenes Gemüt, dass ich wie
jene Frau, drohe das Haus den Einsturz, noch vor schnel-
ler Flucht ganz geschwinde einen falschen Kniff in der

2 ruchbar: bekannt 7 verargen: arg nehmen, nachtragen 7 feind-


liche: hier: feindselige 13 piemontesischen Mechanicus: (Fein-)
Mechaniker aus dem (norditalienischen) Piemont 27 erbrach: zer-
brach das Siegel, brach den Brief auf
Fenstergardine glattstreichen würde, so darf ich doch 13
wohl kaum versichern, dass deines Briefes Anfang mich
tief erschütterte. Ich konnte kaum atmen, es flimmerte mir
vor den Augen. – Ach, mein herzgeliebter Nathanael! was
5 konnte so Entsetzliches in dein Leben getreten sein! Tren-
nung von dir, dich niemals wiedersehen, der Gedanke
durchfuhr meine Brust wie ein glühender Dolchstich. –
Ich las und las! – Deine Schilderung des widerwärtigen
Coppelius ist grässlich. Erst jetzt vernahm ich, wie dein
10 guter alter Vater solch entsetzlichen, gewaltsamen Todes
starb. Bruder Lothar, dem ich sein Eigentum zustellte,
suchte mich zu beruhigen, aber es gelang ihm schlecht.
Der fatale Wetterglashändler Giuseppe Coppola verfolgte
mich auf Schritt und Tritt und beinahe schäme ich mich,
15 es zu gestehen, dass er selbst meinen gesunden, sonst
so ruhigen Schlaf in allerlei wunderlichen Traumgebilden
zerstören konnte. Doch bald, schon den andern Tag, hatte
sich alles anders in mir gestaltet. Sei mir nur nicht böse,
mein Inniggeliebter, wenn Lothar dir etwa sagen möchte,
20 dass ich trotz deiner seltsamen Ahnung, Coppelius werde
dir etwas Böses antun, ganz heitern unbefangenen Sinnes
bin, wie immer.
Gerade heraus will ich es dir nur gestehen, dass, wie ich
meine, alles Entsetzliche und Schreckliche, wovon du
25 sprichst, nur in deinem Innern vorging, die wahre wirkli-
che Außenwelt aber daran wohl wenig teilhatte. Wider-
wärtig genug mag der alte Coppelius gewesen sein, aber
dass er Kinder hasste, das brachte in euch Kindern wahren
Abscheu gegen ihn hervor.
30 Natürlich verknüpfte sich nun in deinem kindischen
Gemüt der schreckliche Sandmann aus dem Ammenmär-
chen mit dem alten Coppelius, der dir, glaubtest du auch
nicht an den Sandmann, ein gespenstischer, Kindern vor-
züglich gefährlicher, Unhold blieb. Das unheimliche Trei-
35 ben mit deinem Vater zur Nachtzeit war wohl nichts an-
ders, als dass beide insgeheim alchymistische Versuche
machten, womit die Mutter nicht zufrieden sein konnte, da

17 den andern Tag: den folgenden Tag 19 möchte: will 33 f. vor-


züglich: besonders 34 Unhold: böser Geist bzw. ein Ungeheuer
36 alchymistische Versuche: geheimwissenschaftliche chemische
Versuche zur Herstellung einer vollkommenen Materie (Gold) aus
unvollkommenen Stoffen; vgl. Anm. zu 9,9f.
14 gewiss viel Geld unnütz verschleudert und obendrein, wie
es immer mit solchen Laboranten der Fall sein soll, des Va-
ters Gemüt ganz von dem trügerischen Drange nach hoher
Weisheit erfüllt, der Familie abwendig gemacht wurde.
Der Vater hat wohl gewiss durch eigne Unvorsichtigkeit 5
seinen Tod herbeigeführt, und Coppelius ist nicht schuld
daran: Glaubst du, dass ich den erfahrnen Nachbar Apo-
theker gestern frug, ob wohl bei chemischen Versuchen
eine solche augenblicklich tötende Explosion möglich sei?
Der sagte: »Ei allerdings« und beschrieb mir nach seiner 10
Art gar weitläufig und umständlich, wie das zugehen kön-
ne, und nannte dabei so viel sonderbar klingende Namen,
die ich gar nicht zu behalten vermochte. – Nun wirst du
wohl unwillig werden über deine Clara, du wirst sagen: in
dies kalte Gemüt dringt kein Strahl des Geheimnisvollen, 15
das den Menschen oft mit unsichtbaren Armen umfasst;
sie erschaut nur die bunte Oberfläche der Welt und freut
sich, wie das kindische Kind über die goldgleißende
Frucht, in deren Innern tödliches Gift verborgen.
Ach mein herzgeliebter Nathanael! glaubst du denn 20
nicht, dass auch in heitern – unbefangenen – sorglosen Ge-
mütern die Ahnung wohnen könne von einer dunklen
Macht, die feindlich uns in unserm eignen Selbst zu verder-
ben strebt? – Aber verzeih es mir, wenn ich einfältig Mäd-
chen mich unterfange, auf irgendeine Weise mir anzudeu- 25
ten, was ich eigentlich von solchem Kampfe im Innern glau-
be. – Ich finde wohl gar am Ende nicht die rechten Worte
und du lachst mich aus, nicht, weil ich was Dummes meine,
sondern weil ich mich so ungeschickt anstelle, es zu sagen.
Gibt es eine dunkle Macht, die so recht feindlich und 30
verräterisch einen Faden in unser Inneres legt, woran sie
uns dann festpackt und fortzieht auf einem gefahrvollen
verderblichen Wege, den wir sonst nicht betreten haben
würden – gibt es eine solche Macht, so muss sie in uns
sich, wie wir selbst gestalten, ja unser Selbst werden; denn 35
nur so glauben wir an sie und räumen ihr den Platz ein,
dessen sie bedarf, um jenes geheime Werk zu vollbringen.

2 Laboranten: Forschern, Wissenschaftlern 4 abwendig: abspens-


tig, entfremdet 24 einfältig: einfältiges, dummes 25 unterfange:
traue 34 f. gibt es eine solche Macht, so muss sie in uns sich,
wie wir selbst gestalten: falls es eine solche Macht gibt, kann sie
nur in uns selbst, in unserer Psyche, wirksam werden
Haben wir festen, durch das heitre Leben gestärkten, Sinn 15
genug, um fremdes feindliches Einwirken als solches stets
zu erkennen und den Weg, in den uns Neigung und Beruf
geschoben, ruhigen Schrittes zu verfolgen, so geht wohl
5 jene unheimliche Macht unter in dem vergeblichen Ringen
nach der Gestaltung, die unser eignes Spiegelbild sein soll-
te. Es ist auch gewiss, fügt Lothar hinzu, dass die dunkle
psychische Macht, haben wir uns durch uns selbst ihr hin-
gegeben, oft fremde Gestalten, die die Außenwelt uns in
10 den Weg wirft, in unser Inneres hineinzieht, sodass wir
selbst nur den Geist entzünden, der, wie wir in wunderli-
cher Täuschung glauben, aus jener Gestalt spricht. Es ist
das Phantom unseres eigenen Ichs, dessen innige Ver-
wandtschaft und dessen tiefe Einwirkung auf unser Ge-
15 müt uns in die Hölle wirft, oder in den Himmel verzückt. –
Du merkst, mein herzlieber Nathanael! dass wir, ich und
Bruder Lothar uns recht über die Materie von dunklen
Mächten und Gewalten ausgesprochen haben, die mir
nun, nachdem ich nicht ohne Mühe das Hauptsächlichste
20 aufgeschrieben, ordentlich tiefsinnig vorkommt. Lothars
letzte Worte verstehe ich nicht ganz, ich ahne nur, was er
meint, und doch ist es mir, als sei alles sehr wahr. Ich bitte
dich, schlage dir den hässlichen Advokaten Coppelius und
den Wetterglasmann Giuseppe Coppola ganz aus dem
25 Sinn. Sei überzeugt, dass diese fremden Gestalten nichts
über dich vermögen; nur der Glaube an ihre feindliche
Gewalt kann sie dir in der Tat feindlich machen. Spräche
nicht aus jeder Zeile deines Briefes die tiefste Aufregung
deines Gemüts, schmerzte mich nicht dein Zustand recht
30 in innerster Seele, wahrhaftig, ich könnte über den Advo-
katen Sandmann und den Wetterglashändler Coppelius
scherzen. Sei heiter – heiter! – Ich habe mir vorgenom-
men, bei dir zu erscheinen, wie dein Schutzgeist, und den
hässlichen Coppola, sollte er es sich etwa beikommen las-
35 sen, dir im Traum beschwerlich zu fallen, mit lautem La-
chen fortzubannen. Ganz und gar nicht fürchte ich mich
vor ihm und vor seinen garstigen Fäusten, er soll mir we-

13 Phantom: Trugbild 25 f. nichts über dich vermögen: keine


Gewalt über dich haben 34 beikommen: in den Sinn kommen,
einfallen
16 der als Advokat eine Näscherei, noch als Sandmann die
Augen verderben.
Ewig, mein herzinnigstgeliebter Nathanael etc. etc. etc.

Nathanael an Lothar

Sehr unlieb ist es mir, dass Clara neulich den Brief an dich 5
aus, freilich durch meine Zerstreutheit veranlasstem, Irr-
tum erbrach und las. Sie hat mir einen sehr tiefsinnigen
philosophischen Brief geschrieben, worin sie ausführlich
beweiset, dass Coppelius und Coppola nur in meinem In-
nern existieren und Phantome meines Ichs sind, die au- 10
genblicklich zerstäuben, wenn ich sie als solche, erkenne.
In der Tat, man sollte gar nicht glauben, dass der Geist,
der aus solch hellen hold lächelnden Kindesaugen, oft wie
ein lieblicher süßer Traum, hervorleuchtet, so gar verstän-
dig, so magistermäßig distinguieren könne. Sie beruft sich 15
auf dich. Ihr habt über mich gesprochen. Du liesest ihr
wohl logische Collegia, damit sie alles fein sichten und
sondern lerne. – Lass das bleiben! – Übrigens ist es wohl
gewiss, dass der Wetterglashändler Giuseppe Coppola kei-
neswegs der alte Advokat Coppelius ist. Ich höre bei dem 20
erst neuerdings angekommenen Professor der Physik, der,
 wie jener berühmte Naturforscher, Spalanzani heißt und
italienischer Abkunft ist, Collegia. Der kennt den Coppo-
la schon seit vielen Jahren und überdem hört man es auch
seiner Aussprache an, dass er wirklich Piemonteser ist. 25
Coppelius war ein Deutscher, aber wie mich dünkt, kein
ehrlicher. Ganz beruhigt bin ich nicht. Haltet ihr, du und
Clara, mich immerhin für einen düstern Träumer, aber
nicht los kann ich den Eindruck werden, den Coppelius’
verfluchtes Gesicht auf mich macht. Ich bin froh, dass er 30
fort ist aus der Stadt, wie mir Spalanzani sagt. Dieser Pro-
fessor ist ein wunderlicher Kauz. Ein kleiner rundlicher
Mann, das Gesicht mit starken Backenknochen, feiner
Nase, aufgeworfnen Lippen, kleinen stechenden Augen.

6 Zerstreutheit: Unaufmerksamkeit 7 erbrach: öffnete 11 zerstäu-


ben: zu Staub zerfallen 15 magistermäßig: schulmeisterlich 15 di-
stinguieren: unterscheiden 17 logische Collegia: Vorlesungen über
Logik 26 wie mich dünkt: wie ich glaube 26 f. kein ehrlicher: kein
rechtmäßiger
Doch besser, als in jeder Beschreibung, siehst du ihn, 17
wenn du den Cagliostro, wie er von Chodowiecki in ir- 
gendeinem Berlinischen Taschenkalender steht, anschau-
est. – So sieht Spalanzani aus. – Neulich steige ich die
5 Treppe herauf und nehme wahr, dass die sonst einer Glas-
türe dicht vorgezogene Gardine zur Seite einen kleinen
Spalt lässt. Selbst weiß ich nicht, wie ich dazu kam, neu-
gierig durchzublicken. Ein hohes, sehr schlank im reinsten
Ebenmaß gewachsenes, herrlich gekleidetes Frauenzim-
10 mer saß im Zimmer vor einem kleinen Tisch, auf den sie
beide Ärme, die Hände zusammengefaltet, gelegt hatte.
Sie saß der Türe gegenüber, so, dass ich ihr engelschönes
Gesicht ganz erblickte. Sie schien mich nicht zu bemer-
ken, und überhaupt hatten ihre Augen etwas Starres, bei-
15 nahe möcht ich sagen, keine Sehkraft, es war mir so, als
schliefe sie mit offnen Augen. Mir wurde ganz unheimlich
und deshalb schlich ich leise fort ins Auditorium, das da-
neben gelegen. Nachher erfuhr ich, dass die Gestalt, die
ich gesehen, Spalanzanis Tochter, Olimpia war, die er son-
20 derbarer und schlechter Weise einsperrt, so, dass durchaus
kein Mensch in ihre Nähe kommen darf. – Am Ende hat
es eine Bewandtnis mit ihr, sie ist vielleicht blödsinnig
oder sonst. – Weshalb schreibe ich dir aber das alles? Bes-
ser und ausführlicher hätte ich dir das mündlich erzählen
25 können. Wisse nämlich, dass ich über vierzehn Tage bei
euch bin. Ich muss mein süßes liebes Engelsbild, meine
Clara, wiedersehen. Weggehaucht wird dann die Verstim-
mung sein, die sich (ich muss das gestehen) nach dem fata-
len verständigen Briefe meiner bemeistern wollte. Deshalb
30 schreibe ich auch heute nicht an sie.
Tausend Grüße etc. etc. etc.

———–

Seltsamer und wunderlicher kann nichts erfunden wer-


den, als dasjenige ist, was sich mit meinem armen Freun-
de, dem jungen Studenten Nathanael, zugetragen, und was

11 Ärme: Arme 17 Auditorium: Hörsaal einer Universität 19 Olim-


pia: ital. Form von Olympia: »die Himmlische« 22 blödsinnig: blöd,
dumm 28 f. fatalen: verhängnisvollen; peinlichen 29 bemeistern:
bemächtigen
18 ich dir, günstiger Leser! zu erzählen unternommen. Hast
du, Geneigtester! wohl jemals etwas erlebt, das deine
Brust, Sinn und Gedanken ganz und gar erfüllte, alles an-
dere daraus verdrängend? Es gärte und kochte in dir, zur
siedenden Glut entzündet sprang das Blut durch die 5
Adern und färbte höher deine Wangen. Dein Blick war so
seltsam als wolle er Gestalten, keinem andern Auge sicht-
bar, im leeren Raum erfassen und die Rede zerfloss in
dunkle Seufzer. Da frugen dich die Freunde: »Wie ist Ih-
nen, Verehrter? – Was haben Sie, Teurer?« Und nun woll- 10
test du das innere Gebilde mit allen glühenden Farben
und Schatten und Lichtern aussprechen und mühtest dich
ab, Worte zu finden, um nur anzufangen. Aber es war dir,
als müsstest du nun gleich im ersten Wort alles Wunderba-
re, Herrliche, Entsetzliche, Lustige, Grauenhafte, das sich 15
zugetragen, recht zusammengreifen, sodass es, wie ein
elektrischer Schlag, alle treffe. Doch jedes Wort, alles was
Rede vermag, schien dir farblos und frostig und tot. Du
suchst und suchst, und stotterst und stammelst, und die
nüchternen Fragen der Freunde schlagen, wie eisige Win- 20
deshauche, hinein in deine innere Glut, bis sie verlöschen
will. Hattest du aber, wie ein kecker Maler, erst mit eini-
gen verwegenen Strichen, den Umriss deines innern Bildes
hingeworfen, so trugst du mit leichter Mühe immer glü-
hender und glühender die Farben auf und das lebendige 25
Gewühl mannigfacher Gestalten riss die Freunde fort und
sie sahen, wie du, sich selbst mitten im Bilde, das aus dei-
nem Gemüt hervorgegangen! – Mich hat, wie ich es dir,
geneigter Leser! gestehen muss, eigentlich niemand nach
der Geschichte des jungen Nathanael gefragt; du weißt ja 30
aber wohl, dass ich zu dem wunderlichen Geschlechte der
Autoren gehöre, denen, tragen sie etwas so in sich, wie ich
es vorhin beschrieben, so zu Mute wird, als frage jeder,
der in ihre Nähe kommt und nebenher auch wohl noch
die ganze Welt: »Was ist es denn? Erzählen Sie Liebster?« 35
– So trieb es mich denn gar gewaltig, von Nathanaels ver-
hängnisvollem Leben zu dir zu sprechen. Das Wunderba-

6 höher: röter 22 kecker: furchtloser, beherzter


re, Seltsame davon erfüllte meine ganze Seele, aber eben 19
deshalb und weil ich dich, o mein Leser! gleich geneigt
machen musste, Wunderliches zu ertragen, welches nichts
Geringes ist, quälte ich mich ab, Nathanaels Geschichte,
5 bedeutend – originell, ergreifend, anzufangen: »Es war
einmal« – der schönste Anfang jeder Erzählung, zu nüch-
tern! – »In der kleinen Provinzial-Stadt S. lebte« – etwas
besser, wenigstens ausholend zum Klimax. – Oder gleich
medias in res: »›Scher Er sich zum Teufel‹, rief, Wut und
10 Entsetzen im wilden Blick, der Student Nathanael, als der
Wetterglashändler Giuseppe Coppola« – Das hatte ich in
der Tat schon aufgeschrieben, als ich in dem wilden Blick
des Studenten Nathanael etwas Possierliches zu verspüren
glaubte; die Geschichte ist aber gar nicht spaßhaft. Mir
15 kam keine Rede in den Sinn, die nur im mindesten etwas
von dem Farbenglanz des innern Bildes abzuspiegeln
schien. Ich beschloss gar nicht anzufangen. Nimm, ge-
neigter Leser! die drei Briefe, welche Freund Lothar mir
gütigst mitteilte, für den Umriss des Gebildes, in das ich
20 nun erzählend immer mehr und mehr Farbe hineinzutra-
gen mich bemühen werde. Vielleicht gelingt es mir, man-
che Gestalt, wie ein guter Portraitmaler, so aufzufassen,
dass du es ähnlich findest, ohne das Original zu kennen, ja
dass es dir ist, als hättest du die Person recht oft schon mit
25 leibhaftigen Augen gesehen. Vielleicht wirst du, o mein
Leser! dann glauben, dass nichts wunderlicher und toller
sei, als das wirkliche Leben und dass dieses der Dichter
doch nur, wie in eines matt geschliffnen Spiegels dunklem 
Widerschein, auffassen könne.
30 Damit klarer werde, was gleich anfangs zu wissen nötig,
ist jenen Briefen noch hinzuzufügen, dass bald darauf, als
Nathanaels Vater gestorben, Clara und Lothar, Kinder ei-
nes weitläuftigen Verwandten, der ebenfalls gestorben und
sie verwaist nachgelassen, von Nathanaels Mutter ins
35 Haus genommen wurden. Clara und Nathanael fassten
eine heftige Zuneigung zueinander, wogegen kein Mensch
auf Erden etwas einzuwenden hatte; sie waren daher Ver-

8 Klimax: (griech.) ›Treppe‹; rhetorische Figur: stufenweise Steige-


rung von Ausdrücken 9 medias in res: (lat.) gleich zur Sache,
mitten ins Geschehen 13 Possierliches: Drolliges, Lustiges 19 mit-
teilte: übergab 19 Gebildes: Gegenstands, Konstrukts
20 lobte, als Nathanael den Ort verließ um seine Studien in
G.– fortzusetzen. Da ist er nun in seinem letzten Briefe
und hört Collegia bei dem berühmten Professor Physices,
Spalanzani.
Nun könnte ich getrost in der Erzählung fortfahren; 5
aber in dem Augenblick steht Claras Bild so lebendig mir
vor Augen, dass ich nicht wegschauen kann, so wie es im-
mer geschah, wenn sie mich hold lächelnd anblickte. – Für
schön konnte Clara keineswegs gelten; das meinten alle,
die sich von Amts wegen auf Schönheit verstehen. Doch 10
lobten die Architekten die reinen Verhältnisse ihres
Wuchses, die Maler fanden Nacken, Schultern und Brust
beinahe zu keusch geformt, verliebten sich dagegen sämt-
 lich in das wunderbare Magdalenenhaar und faselten über-
haupt viel von Battonischem Kolorit. Einer von ihnen, ein 15
wirklicher Fantast, verglich aber höchstseltsamer Weise
 Claras Augen mit einem See von Ruisdael, in dem sich des
wolkenlosen Himmels reines Azur, Wald und Blumenflur,
der reichen Landschaft ganzes buntes, heitres Leben spie-
gelt. Dichter und Meister gingen aber weiter und spra- 20
chen: »Was See – was Spiegel! – Können wir denn das
Mädchen anschauen, ohne dass uns aus ihrem Blick wun-
derbare himmlische Gesänge und Klänge entgegenstrah-
len, die in unser Innerstes dringen, dass das alles wach und
rege wird? Singen wir selbst dann nichts wahrhaft Ge- 25
scheutes, so ist überhaupt nicht viel an uns und das lesen
wir denn auch deutlich in dem um Claras Lippen schwe-
benden feinen Lächeln, wenn wir uns unterfangen, ihr et-
was vorzuquinkelieren, das so tun will als sei es Gesang,
unerachtet nur einzelne Töne verworren durcheinander 30
springen.« Es war dem so. Clara hatte die lebenskräftige
Fantasie des heitern unbefangenen, kindischen Kindes, ein
tiefes weiblich zartes Gemüt, einen gar hellen scharf sich-
tenden Verstand. Die Nebler und Schwebler hatten bei ihr
böses Spiel; denn ohne zu viel zu reden, was überhaupt in 35
Claras schweigsamer Natur nicht lag, sagte ihnen der helle
Blick, und jenes feine ironische Lächeln: Lieben Freunde!

3 Professor Physices: Professor der Naturkunde 13 zu keusch: zu


sittsam, zu wenig sinnlich 15 Battonischem Kolorit: Farbgebung
wie bei dem italienischen Maler Battoni (1708–97) 16 Fantast: Spin-
ner 18 Azur: Hellblau 25 f. Gescheutes: Gescheites 29 vorzuquin-
kelieren: Kunstwort: vorzuträllern 34 Nebler und Schwebler:
weltfremde Phantasten
wie möget ihr mir denn zumuten, dass ich eure verfließen- 21
de Schattengebilde für wahre Gestalten ansehen soll, mit
Leben und Regung? – Clara wurde deshalb von vielen
kalt, gefühllos, prosaisch gescholten; aber andere, die das
5 Leben in klarer Tiefe aufgefasst, liebten ungemein das ge-
mütvolle, verständige, kindliche Mädchen, doch keiner so
sehr, als Nathanael, der sich in Wissenschaft und Kunst
kräftig und heiter bewegte. Clara hing an dem Geliebten
mit ganzer Seele; die ersten Wolkenschatten zogen durch
10 ihr Leben, als er sich von ihr trennte. Mit welchem Entzü-
cken flog sie in seine Arme, als er nun, wie er im letzten
Briefe an Lothar es verheißen, wirklich in seiner Vater-
stadt ins Zimmer der Mutter eintrat. Es geschah so wie
Nathanael geglaubt; denn in dem Augenblick, als er Clara
15 wiedersah, dachte er weder an den Advokaten Coppelius,
noch an Claras verständigen Brief, jede Verstimmung war
verschwunden.
Recht hatte aber Nathanael doch, als er seinem Freunde
Lothar schrieb, dass des widerwärtigen Wetterglashänd-
20 lers Coppola Gestalt recht feindlich in sein Leben getreten
sei. Alle fühlten das, da Nathanael gleich in den ersten Ta-
gen in seinem ganzen Wesen durchaus verändert sich zeig-
te. Er versank in düstre Träumereien, und trieb es bald so
seltsam, wie man es niemals von ihm gewohnt gewesen.
25 Alles, das ganze Leben war ihm Traum und Ahnung ge-
worden; immer sprach er davon, wie jeder Mensch, sich
frei wähnend, nur dunklen Mächten zum grausamen Spiel
diene, vergeblich lehne man sich dagegen auf, demütig
müsse man sich dem fügen, was das Schicksal verhängt
30 habe. Er ging so weit, zu behaupten, dass es töricht sei,
wenn man glaube, in Kunst und Wissenschaft nach selbst-
tätiger Willkür zu schaffen; denn die Begeisterung, in der
man nur zu schaffen fähig sei, komme nicht aus dem eig-
nen Innern, sondern sei das Einwirken irgendeines außer
35 uns selbst liegenden höheren Prinzips.
Der verständigen Clara war diese mystische Schwärme-
rei im höchsten Grade zuwider, doch schien es vergebens,

4 prosaisch: nüchtern, phantasielos 25 das ganze Leben war ihm


Traum: vgl. das Theaterstück La vida es sueño (Das Leben ein Traum)
von Pedro Calderón de la Barca (1600–81) über Schicksal und freien
Willen 26 f. sich frei wähnend: sich für frei haltend 32 Willkür:
Ungebundenheit 36 mystische: übersinnliche
Inhalt 103

Der Sandmann 5

Anhang
1. Zur Textgestalt 45
2. Anmerkungen 46
3. Leben und Zeit 53
3.1 E.T. A. Hoffmann – Stationen seines Lebens 53
3.2 E.T. A. Hoffmann: »Seit fünf Tagen habe ich nichts
gegessen als Brot« (1808) 57
3.3 Julius Edward Hitzig: Durchschwärmte Nächte (1823) 58
3.4 Friedrich von Schuckmann: »Er hat als einen
pflichtvergessenen, höchst unzuverlässigen und selbst
gefährlichen Staatsbeamten sich bewiesen« (1822) 59
3.5 Johann Wolfgang Goethe: »die krankhaften Werke des
leidenden Mannes« (1827) 61
3.6 Rüdiger Safranski: »Wenn es jemanden gab, der dem
romantischen Ideal des Spielers … wirklich nahe kam,
so war es Hoffmann« (2007) 62
3.7 Heinrich Heine: »Dort am Tisch … Das ist der
Kammergerichtsrath Hoffmann« (1822) 63
3.8 E.T. A. Hoffmann: »… daß ich an den notwendigsten
Bedürfnissen des Lebens Mangel leide« (1812) 64
4. »Wahnsinn« – Nachtseiten der menschlichen Psyche 65
4.1 Meyers Konversationslexikon: »Wahnsinn« (1888) 65
4.2 Fischer/Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie:
»Trauma« (2009) 65
4.3 E.T. A. Hoffmann, Die Serapions-Brüder: »… als mich
der Kaiser Decius hinrichten ließ« 67
4.4 Rudolf Drux: »Nathanaels erster Brief erhält dadurch
den Charakter einer Anamnese« (1991) 68
4.5 Wahnsinn als Gegenstand der Literatur 70
4.5.1 Heinrich von Kleist, Penthesilea (1808) 70
4.5.2 Georg Büchner, Lenz (1839) 71
4.5.3 Rainer Maria Rilke, Die Irren (1908) 73
104 5. Aspekte der bürgerlichen Gesellschaft im frühen
19. Jahrhundert 74
5.1 Thomas Nipperdey: »… der Prozeß der Feminisierung
der Frau« (1983) 74
5.2 Adolph Freiherr von Knigge: »Der Anstand und die
Gebärdensprache sollen edel sein« (1788) 75
5.3 Thomas Koebner: »Die Idylle … trügt« (1988) 77
5.4 Günter Saße: »Wahrnehmungstabus und
Kommunikationsblockaden« (2004) 78
6. Erzähltechnik und Sprache 81
6.1 E.T. A. Hoffmann: »Das serapiontische Prinzip« (1818) 81
6.2 Rudolf Drux: »Die Erzählung sperrt sich gegen die
Abstraktion eines einsinnigen Wirklichkeitsbegriffs«
(1991) 82
6.3 Hartmut Steinecke: »Durch die wechselnde Perspektive
bleiben viele Fragen offen« (1997) 85
6.4 Thomas Koebner: »… Hochmut eines Realitätsbegriffs,
für den es nichts geben soll, was nicht für normal gilt«
(1988) 85
6.5 Gerhard Neumann: »… etwas ganz und gar Neues,
bislang Unvorstellbares« ( 2001) 86
7. Der Traum vom künstlichen Menschen 88
7.1 Rudolf Drux: Frankenstein oder der Mythos vom
künstlichen Menschen und seinem Schöpfer (1999) 88
7.2 Künstliche Menschen als Gegenstand von Mythos und
Literatur 91
7.2.1 Ovid: Pygmaleon (um 1–8 n.Chr.) 91
7.2.2 Jüdische Sagen aus dem Prager Ghetto: Die
Erschaffung des Golem (um 1580) 92
7.2.3 Johann Wolfgang Goethe, Faust II:
»Laboratorium« 94
8. Der Sandmann als romantisches Nachtstück 97
8.1 Peter Bekes: »›Nachtstücke‹ als Kontrastbilder zur Welt
des Rationalen und Nützlichen« (2005) 97
8.2 Gerhard Neumann: »… verhängnisvolles Spiel …
zwischen Unbewusstem und Bewusstsein« (2001) 97
9. Literaturhinweise 102

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