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Matriarchat

Als Matriarchat wird in matriarchatstheoretischen und weiteren


Publikationen ein Gesellschaftstyp bezeichnet, in dem alle sozialen
und rechtlichen Beziehungen über die Abstammung der mütterlichen
Linie organisiert sind, in dem die religiösen Vorstellungen auf eine
Ahnfrau oder Große Göttin zurückgeführt werden und in dem Frauen
eine zentrale Rolle in Gesellschaft und Religion einnehmen. Es wird
dabei oft nicht unterschieden, ob die zentrale Stellung den Müttern
oder den Frauen allgemein zugeschrieben wird. Auch eine
hypothetische Gesellschaftsordnung,[1] in der Frauen oder Mütter
darüber hinaus die alleinige politische Macht innehaben, wird als
Matriarchat bezeichnet.[2]

Im populären Sprachgebrauch der Gegenwart wird unter Matriarchat


eine Gesellschaftsordnung verstanden, die vorrangig von Frauen
geprägt ist. Es gibt jedoch keine wissenschaftlich allgemein
anerkannte Definition des Begriffs Matriarchat.[3]

Seit dem 19. Jahrhundert luden zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen,


kulturelle, soziale und religiöse Strömungen den Begriff – oft unter
der Bezeichnung „Mutterrecht“ – mit immer wieder anderen
Vorstellungen und Inhalten auf und verwendeten ihn in dem
jeweiligen historischen und kulturellen Zusammenhang
entsprechend ihrer Weltanschauung. Es wurde auch darüber
gestritten, ob es sich bei dem Matriarchat um Fakten oder um
Wunsch- bzw. Angstbilder handelt.[4] Es ist weitgehender
Forschungskonsens, dass „sich das Matriarchat als Mutterherrschaft
spiegelbildlich zum Patriarchat historisch nicht nachweisen lässt“.[5]

Synonyme für Matriarchat sind die heute kaum mehr verwendeten


Begriffe Mutterrecht und Gynäkokratie[6] Diese semantische
:
Gleichsetzung oder Bedeutungsinterpretation wird aber nicht von
allen Theorien zum Matriarchat angenommen, sehen sie doch im
Matriarchat keine direkte, konträre Herrschaftsform zum Patriarchat.
[7] Für matriarchal sind gebräuchlich matriarchalisch oder

matrizentrisch. In Abgrenzung dazu beschreiben die


ethnosoziologischen Begriffe matrilinear, matrilokal und uxorilokal
Abstammungs- und Wohnsitzregeln. Mit Matrifokalität wird in der
Ethnologie eine zentrale Rolle von Müttern in matrilinearen,
patrilinearen oder anderen Verwandtschaftssystemen bezeichnet.[8]

Inhaltsverzeichnis
1 Etymologie
2 Geschichte der Matriarchatstheorien
3 Vorschläge zur Bestimmung des Matriarchatsbegriffs
4 Matriarchat aus ethnologischer Sicht
5 Matrilineares Verwandtschaftssystem
5.1 Beispiel: Die Minangkabau
6 Matriarchat und Feminismus
7 Matriarchat aus archäologischer Sicht
8 Für Matriarchatstheorien angeführte Kulturen
9 Vorkommen von Gewalt im späten Neolithikum
10 Hypothesen zur Religion historischer Matriarchate
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Dokumentarfilme
14 Weblinks
15 Anmerkungen

Etymologie
Matriarchat ist ein Kunstwort, das im deutschen Sprachraum
erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auftaucht,[9] in Analogie zum
:
bereits bestehenden Begriff Patriarchat[10] und in Anlehnung an die
bis dahin gebräuchlichen Bezeichnungen Mutterrecht[11] und
Gynaikokratie. Das Wort setzt sich zusammen aus lateinisch mater
‚Mutter‘ und altgriechisch ἄρχειν árchein, deutsch ‚herrschen,
walten‘ oder ἀρχή archḗ „Anfang; Regierung“ (siehe dazu Vorsilbe
archi-, Erz-, Ober-).

Geschichte der Matriarchatstheorien


→ Hauptartikel: Geschichte der Matriarchatstheorien

Die Anfänge der Theorien zu Matriarchaten entstammen


rechtshistorischen und ethnologischen Beiträgen des 18. und des 19.
Jahrhunderts.[12] Der historische Materialismus (aber auch schon
Johann Jakob Bachofen) versteht das Matriarchat als eine
allgemeine und notwendige Stufe der Gesellschaften der Ur- und
Frühgeschichte.[2] Im 20. Jahrhundert gehörten sie zum Bestand
marxistisch orientierter Kulturwissenschaften.[13] Dabei wurden auch
schwärmerische Elemente mit historischen Tatsachen verbunden,
um einen Gegenentwurf zur patriarchalischen Struktur westlicher
Industriegesellschaften zu gewinnen. Das Patriarchat wurde
weitgehend für soziale Zustände und moralische sowie
psychologische Haltungen und Zwänge verantwortlich gemacht und
das Matriarchat dabei entweder positiv als utopischer Urzustand der
Gesellschaft oder abwertend als rückschrittliche Kulturstufe
gedeutet.[14]

Die These der Existenz einer allgemeinen vorgeschichtlichen


matriarchalen Kulturstufe oder zumindest eines Kults einer Großen
Göttin wurde vom Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts vor
allem in der englischen Urgeschichte und Archäologie relativ häufig
vertreten. Deutschsprachige Prähistoriker hatten in den 1930er
Jahren die Nähe zum Nationalsozialismus gesucht. Ein
:
herausragender Vertreter war Oswald Menghin, der mit seinem Buch
Die Weltgeschichte der Steinzeit (1931) die Meinung vertrat, dass
vor allem die neolithischen Kulturen durch ein Matriarchat geprägt
waren. Als Folge herrschte in Westdeutschland nach 1945 in der Ur-
und Frühgeschichte eine dezidierte Zurückhaltung im Bereich
Theoriebildung.[15] In der sowjetischen Archäologie machte sich eine
marxistische Deutung der Urgeschichte bemerkbar: Die in den
1920er und 30er Jahren entdeckten paläolithischen Venusfiguren
galten als Belege für ein urkommunistisches Matriarchat.[16]

Während in einschlägigen Fachwissenschaften der Rückgriff auf den


Matriarchatsbegriff als ungeeignet für die Erforschung von sozialen
Systemen und der ihnen innewohnenden Macht- und
Geschlechterverhältnisse abgelehnt wird,[17] erfolgte ab Ende der
1970er Jahre eine Aneignung durch Vertreterinnen der
essentialistischen Zweige des Second-Wave-Feminismus. Sie gehen
– wie Bachofen – davon aus, dass das Matriarchat im Besonderen
eine Zeit der Ur- und Frühgeschichte war, in der vor allem Frauen
kulturschöpferisch und -prägend waren, aber nicht geherrscht
haben. Siehe auch: Feministische Matriarchatsideen seit der zweiten
Frauenbewegung.

Vorschläge zur Bestimmung des


Matriarchatsbegriffs
In den Fachwissenschaften und auch in sonstigen Publikationen
wurden und werden unterschiedlichste Präzisierungen des Begriffs
„Matriarchat“ vorgeschlagen.

Johann Jakob Bachofen

Johann Jakob Bachofen (1861) und in dessen Rezeption u. a.


Friedrich Heiler[18] sahen als konstitutive Merkmale einerseits das
:
Bestehen mutterrechtlicher Institutionen, andererseits

eine „hervorragende Stellung der Frau in Kult u[nd] Religion


(zum Beispiel als Ahnfrau, Seherin, Priesterin)“
„die Verehrung einer weibl[ichen] Gottheit“[19]

Merkmale der bachofenschen Gynaikokratie sind:[20]

Soziale Vorrangstellung der Mutter; alleiniges Erbrecht der


Töchter; dem Mutterbruder komme eine Sonderstellung zu;
Recht der Frau sich ihren Partner selbst zu wählen.
Muttermord sei das größte Verbrechen und unsühnbar.
In der Religion nähmen Göttinnen, ausgehend von der einen
Erdgöttin, in deren Verehrung er den Ursprung jeder Religion
annahm, und deren Priesterinnen eine überragende Stellung ein.
Wirtschaftlich finde sich hoch entwickelter Ackerbau, der
gemeinschaftlich von Frauen betrieben werde. Männer würden
die Jagd betreiben und seien häufig abwesend.
Politisch gelte allgemeine Gleichheit und Freiheit; die Frau stehe
an der Spitze des Staates, wobei gewisse Aufgaben an Männer
delegiert würden.

Bachofen gebrauchte den Terminus Gynaikokratie, doch implizierte


dies bei ihm nicht Herrschaft von Frauen über Männer. Erst die
Übersteigerung der Gynaikokratie habe schließlich zum Ende des
Mutterrechts und zum Sieg des Vaterrechts geführt, dem eine Phase
des Kampfes zwischen Amazonen und patriarchalen hellenischen
und römischen Heroen vorausgegangen sei. „Die Frau überreizte ihre
Macht, und es gelang den Männern die Vorherrschaft zu erlangen.“

Birgit Heller

Birgit Heller (1997) umreißt den Matriarchatsbegriff wie folgt:


„Gemeint ist meistens eine Ges[ellschafts]-Form, die durch die
:
Dominanz der Mutter beziehungsweise Frau gekennzeichnet ist,
od[er] die Abstammungs- u[nd] Erbfolge nach der Mutter, die sich
mehr od[er] weniger günstig auf die Stellung v[on] Frauen auswirkt.
“[19]

Angela Schenkluhn

Angela Schenkluhn (2006) schlug vor, kulturwissenschaftliche


Begriffe wie Matrilinearität, Matrilokalität oder Matrifokalität, die sich
auf die Organisation von Verwandtschaftsbeziehungen beziehen,
strikt zu trennen von Matriarchatsbegriffen, die sich demgegenüber
auf einen bestimmten Gesellschaftstyp beziehen. Da für einen
solchen Gesellschaftstyp des „Matriarchats“ bisher weder
historische noch archäologische Evidenzen existierten, sollte der
Matriarchatsbegriff verstanden werden als „sozialer Mythos
innerhalb bestimmter ideologischer Systeme“.[21] Als Basiselemente
wichtiger Theorien zu Matriarchaten macht sie aus:

eine dominierende Rolle der Frau in Gesellschaft und Politik


(Matriarchat im engeren Sinne)
Bestimmung von Rechtsverhältnissen der Abstammung,
Erbschaft, Familie und Wohnung durch die Mutterlinie
(Matrilinearität, Matriarchat [im weiteren Sinne])
Verehrung weiblicher Gottheiten in Religion und Mythologie[22]

Cäcilia Rentmeister

Cäcilia Rentmeister definierte 1980 als Erste das Matriarchat


ausdrücklich nicht als spiegelbildliche Umkehrung von Patriarchat,
sondern als Mutter-Anfang oder Mutterprinzip und nimmt eine
Merkmalsdefinition vor, mit der sie hervorhebt, welche Vorteile diese
Gesellschaftsform für Frauen und Mütter sowie für die Vermeidung
von Gewalt gegen Frauen und die Bewältigung von Konflikten
zwischen den Geschlechtern in den von ihr besuchten Ethnien
:
(Minangkabau, Nayar) hätte. Sie listet deshalb eine Reihe von
idealtypischen Merkmalen auf,[23] die sowohl einzeln als auch
zusammen auftreten können bzw. konnten, darunter:

Matrilinearität: Familienname, Haus, Land und bewegliche Güter


werden in weiblicher Linie vererbt, – mit der Folge konfliktarmer
Scheidungen und Scheidungsfolgen, und dass es keine
„illegitimen“ Nachkommen gibt
Matrilokalität: Nachkommen wohnen „am Ort der Muttersippe“,
auf dem Land, in den Häusern der Muttersippe
Avunkulat: herausgehobener Status des in weiblicher Linie
verwandten Onkels/Schwester-Bruders
Frauen in wichtigen kultischen und symbolisch-religiösen
Rollen: Ahnenverehrung, Zurückführen der Gruppe, des Volkes,
der Ethnie auf eine weibliche Urahnin oder Schöpferin,
animistische Vorstellungen und Praktiken
Besuchsehe, bei der Männer und Frauen in Häusern ihrer
jeweiligen Matrilineage wohnen bleiben und sich nur „besuchen“
Männer als repräsentative „Stimme“, die
geschlechterdemokratisch gefasste Beschlüsse in der
Öffentlichkeit verkünden – eine Rolle, die zur Überschätzung
der realen Machtposition von Männern führte, wie
beispielsweise bei den oftmals matrilinearen Indianern
Nordamerikas / Native Americans
Besitz in Händen von Frauen(sippen) fördert
gesamtgesellschaftlichen Wohlstand und trägt signifikant zur
Gewaltvermeidung bei[24]
Wahrnehmung der „Reproduktiven Rechte“[25] durch Frauen,
insbesondere Geburtenkontrolle, mit der Folge geringeren
Bevölkerungswachstums als bei umgebenden patriarchalen
Ethnien

Heide Göttner-Abendroth
:
Heide Göttner-Abendroth (1980) setzt die Existenz von
Matriarchaten in Vergangenheit und Gegenwart voraus[26] als von
Frauen geschaffene und in allen Bereichen geprägte Gesellschaften
mit „komplementärer Gleichheit“, in denen die „Mutter als Prototyp“
gelte, denn vom mütterlichen Verhalten seien die tragenden Werte
der Gesellschaft abgeleitet. Diesen hypothetischen Gesellschaftstyp
definiert sie auf vier Ebenen:

Soziale Merkmale: Matrilinearität, Matrilokalität und Matri-


Uxorilokalität (Wohnort bei der Mutter). Biologische Vaterschaft
ist neben der sozialen Vaterschaft zweitrangig.
Politische Merkmale: egalitäre und herrschaftsfreie
Gesellschaften. Konsensdemokratie auf verschiedenen Ebenen
(Sippenhaus, Dorf, Region). Abweichend dazu definiert Göttner-
Abendroth historische Matriarchate auch als „[…] Herrschaft
einer Stammmutter über die Sippe (= Clan = Dorfgemeinschaft)
beziehungsweise eines Priesterinnenkollegiums über einen
theakratisch aufgefassten Stadtstaat oder einen Bund solcher
Stadtstaaten.“ [27]
Ökonomische Merkmale: meist Garten- oder Ackerbau in
Subsistenzwirtschaft. Kein Privateigentum. Die Frauen haben
die Kontrolle über die wesentlichen Lebensgüter. Das Ideal ist
Verteilung und Ausgleich und nicht Akkumulation. Dieser
Ausgleich werde durch gemeinschaftliche Feste erreicht.[28]
Weltanschauliche Merkmale: Ahnenkult. Die Natur gilt als heilig.
Die Erde als die „Große Mutter“ ist die eine Urgöttin, die andere
ist die kosmische Göttin als Schöpferin des Universums. Es
handele sich um „sakrale Gesellschaften und Göttinkulturen“.[28]

In ihrer kritischen Vorstellung Göttner-Abendroths als „Klassikerin


der Matriarchatsforschung“ merkt Stefanie Knauss an: „In der
Ethnologie, Anthropologie, Archäologie und Religionswissenschaft
steht man ihrer Theorie meist eher ablehnend gegenüber, da die
:
Existenz des von ihr beschriebenen Matriarchats mit ihrer Methode
nicht nachgewiesen werden kann […].“ [29]

Matriarchat aus ethnologischer Sicht


In Matriarchatstheorien, einigen älteren Publikationen[30] und
mitunter auch im populären Sprachgebrauch wird von Matrilinearität
oder Matrilokalität auf den Gesellschaftstyp des Matriarchats
geschlossen oder damit gleichgesetzt. Einige indigene feministische
Autorinnen wie Ifi Amadiume[31] und Martha Harroun Foster,[32] die
die Geschichte ihrer eigenen Ethnien erforschen, verwenden
ebenfalls den Begriff „Matriarchat“. Sie heben damit die
Andersartigkeit gegenüber westlichen Gesellschaftsmodellen und
eine starke Rolle der Frauen vor der Kolonisierung und Missionierung
hervor und verleihen ihren politischen Schlussfolgerungen auf diese
Weise Nachdruck. Von feministischen Ethnologinnen seit Mitte der
1970er Jahre wurde der Matriarchatsbegriff jedoch mehrheitlich
verworfen.[33] In der neueren Ethnologie und Sozialanthropologie
wird der Begriff „Matriarchat“ nicht mehr verwendet.

Matrilineares Verwandtschaftssystem
Der Begriff Matrilinearität beschreibt „die soziale Definition der
Verwandtschaft und der daraus abgeleiteten individuellen Rechte
und Pflichten, insbesondere auch der Erbansprüche, sowie der
sozialen Gruppenzugehörigkeit nach der Deszendenz aus der
mütterlichen Linie.“ [34] Entscheidend ist dabei die ausschließlich
weibliche Abstammung der Vorfahren eines Menschen
(fachsprachlich uterine Deszendenz: „Nachkommen aus der
Gebärmutter“), die Linie läuft über die Mutter, deren Mutter
(Großmutter), wiederum deren Mutter (Urgroßmutter) und so weiter
zurück bis zu einer Stammmutter. Solche einlinigen
Abstammungsregeln – nur über die mütterliche oder nur über die
:
Linie der Väter – finden sich in vielen nicht-staatenbildenden
Gesellschaften und ethnischen Gruppen, in denen es wichtige Güter
wie Land und Vieh aufzuteilen und zu vererben gilt.[35]

Eine früher behauptete Abhängigkeit von Matrilinearität und


Ackerbau treibenden Gesellschaften gibt es allerdings nicht.[36] Die
Ethnologin Gabriele Herzog-Schröder wies 2000 darauf hin, dass die
Grundidee der Deszendenz in ihren Ausformungen der Matrilinearität
und der Patrilinearität aus einer Zeit stamme, „als die Anthropologie
von Mutmaßungen über die Evolution der Beziehungen zwischen
den Geschlechtern beherrscht wurde.“ Die Sozialstruktur einer
Gesellschaft sei nicht zwingend von der Abstammungsregel
abhängig.[37] Vom Vorfinden einer matrilinearen
Verwandtschaftsorganisation lasse sich nicht darauf schließen, dass
Frauen die alleinige politische Macht innehaben, vielmehr werden in
solchen Gesellschaften politische und repräsentative Aufgaben in
der Regel innerhalb und außerhalb der Matri-Abstammungsgruppe
(Lineage) von Männern wahrgenommen.

Im Jahre 1998 verzeichnete der Ethnographic Atlas 160 rein


matrilineare indigene Völker und Ethnien, das waren rund 13 % der
weltweit erfassten 1267 Ethnien,[38] dazu weitere 101 Ethnien
(8 Prozent), bei denen die Mütterlinie im Rahmen einer bilinearen
oder parallelen Abstammungsregel ihre eigenständige Geltung hat.
[39] Ein Drittel der matrilinearen Ethnien folgt der ehelichen

Wohnsitzregel der Matri-Lokalität,[40] bei der nach der Heirat


„Töchter im Hause ihrer Mutter“ wohnen bleiben, „während die
Söhne im Hause ihrer Ehefrauen beziehungsweise deren Mutter
wohnen“,[34] also dort hinziehen (auch bezeichnet als Uxori-
Lokalität: „Wohnsitz bei der Ehefrau“).

Insgesamt hat Matrilinearität bei rund 20 % der mittlerweile


1300 erfassten Ethnien eine entscheidende Bedeutung für die
:
soziale Organisation; zu diesen Gesellschaften gehören:

die Minangkabau auf Sumatra


die Marshaller und die Palauer im Westpazifik
die Bougainvilleer und die Trobriander im Südpazifik
die Tolai in Papua-Neuguinea
die Mosuo in China
die Khasi und die Garo in Nordostindien, die Nayar und die
Lakshadweep in Südindien
die Akan in Ghana, Togo und der Elfenbeinküste
die Tuareg in Nordafrika
die Makonde in Tansania und Mosambik
die Serer im Senegal
die Chewa in Malawi
früher die Bijagos in Guinea-Bissau
früher die Akebu in Togo
die Luvale in Angola und Sambia
die Irokesen in den USA und Kanada
die Navajo, Zuñi, Acoma und Jemez in New Mexico, die Hopi in
Arizona, USA
die Wayuu (Guajiro) und die Wayapopihíwi in Kolumbien und
Venezuela
die Warao in Venezuela
die Kuna in Panama

Aufgrund von Kolonisation und Missionierung oder anderen


gesellschaftlichen Prozessen weisen diese Ethnien aber nicht mehr
alle Züge ihrer vermuteten ursprünglichen Kultur auf, wie es am
Beispiel der Minangkabau gezeigt werden kann, deren Geschichte
und gegenwärtige Situation gut belegt ist.

Beispiel: Die Minangkabau


:
In Schriften des 19. Jahrhunderts, die sich auf die Aufzeichnungen
niederländischer Kolonialbeamter stützten, sowie in feministischen
Matriarchatsthesen der Gegenwart werden die Minangkabau als
klassisches Beispiel für ein Matriarchat genannt. Diese Bezeichnung
wurde auch von einem Teil der Minangkabau übernommen, um die
mütterliche Erbfolge mit einer starken Stellung der Frauen als
wesentliches Element ihrer kulturellen Identität zu bezeichnen.

Mit insgesamt über drei Millionen Menschen sind die Minangkabau


auf Sumatra die größte bekannte matrilineare Bevölkerungsgruppe
der Welt. Das Verwandtschaftssystem wies auch bilaterale Züge auf:
Die Lineage des Vaters hieß bako und wurde von den Kindern gern
besucht. Ursprünglich praktizierten die Minangkabau matrilokale
Wohnsitzregeln, heute sind Kernfamilien eine gängige Lebensform.
Der Autorität der Frau im Haus stand die Repräsentation durch den
Mann innerhalb der Matrilineage und in der Öffentlichkeit gegenüber;
in einigen Gebieten existiert diese Doppelautorität bis heute. Die
Minangkabau sind Reisbauern, jedoch praktizierten sie schon in
vorkolonialer Zeit keine traditionelle Subsistenzwirtschaft; vielmehr
wurde auch für den regionalen wie überregionalen und bereits seit
dem 18. Jahrhundert für den Weltmarkt produziert, zum Beispiel eine
spezielle Zimtsorte, Färberfrüchte und Kaffee. Die gleichrangige[41]
Stellung von Frauen und Männern beruhte bei den Minangkabau auf
einem Zusammenspiel der weiblichen und männlichen
Anbausysteme. Nach ihrem Adat-Recht sind Land und
Produktionsmittel Gemeineigentum. Frauen und Männer erhielten
Nutzungsrechte, über die wiederum die ältesten Frauen und die
männlichen Vorstände der matrilinearen Gruppen gemeinsam
entschieden. Beide Geschlechter waren demnach gleichermaßen
ökonomisch abgesichert. Über persönliche Einkünfte konnten
Männer und Frauen als „eigenes Gut“ verfügen, bei ihrem Tod ging
es in das Gemeinschaftseigentum über. Die Minangkabau kennen
:
zwei Formen des Gemeineigentums: das der matrilinearen Gruppen
(harato pusako) und das der Dörfer (ulayat); über deren Erbregeln
gibt es seit einigen Jahren Konflikte zwischen dem Adat und dem
islamischen Recht.[42] Neben der bäuerlichen, vorstaatlichen
Gesellschaftsstruktur existierte eine Aristokratie, die zwar keine reale
politische Macht innehatte, jedoch den Goldhandel kontrollierte und
deren Könige über eine große sakrale Autorität verfügten. Ihre
Ethnische Religion war animistisch; sie kannte Schamaninnen und
Schamanen. Seit der Unabhängigkeit Indonesiens 1945 sind die
Minangkabau Moslems, was die geistig-religiöse Vorrangigkeit der
Männer zur Folge hatte. Die Minangkabau tradieren jedoch weiterhin
das Adat, ihr ungeschriebenes Gesetz, und versuchen dessen
Regeln in ihren Alltag zu integrieren (siehe dazu Kultur der
Minangkabau).[43][44]

Matriarchat und Feminismus


Die Kultur- und Sozialanthropologin Ingrid Thurner sieht die Idee
eines Matriarchats als „feministischen Traum“ und als
„emanzipatorische Illusion“, da es nie eine Machtkonstellation
gegeben habe, in der Frauen geschlechterexklusiv die politische
Macht innegehabt hätten. Sie sieht jedoch in matrilinearen
Gesellschaften Möglichkeiten weiblicher Ermächtigung.[45] Die
Ökonomin Sara Lowes analysierte im sogenannten matrilinearen
Gürtel Afrikas demografische und gesundheitsbezogene Daten aus
14 Ländern südlich der Sahara und fand heraus, dass in matrilinearen
Gesellschaften Frauen seltener häusliche Gewalt für gerechtfertigt
halten und sie weniger häusliche Gewalt erleben. Sie würden über
größere Entscheidungsfreiheit verfügen, etwa für Familienbesuche
und für die Inanspruchnahme gesundheitlicher Versorgung.
Bildungslücken zwischen männlichen und weiblichen Nachkommen
würden geschlossen und die kindliche Gesundheitssituation sei
:
besser.[46]

Matriarchat aus archäologischer Sicht


Gemäß weitestgehendem fachwissenschaftlichem Konsens gibt es
gegenwärtig zwar matrilineare und matrilokale Gesellschaftsformen,
es gibt aber keine anthropologischen oder archäologischen Belege
für die Idee einer allgemeinen „matriarchalen Phase“ menschlicher
Gesellschaften. Matrilinearität, das heißt die Abfolge der
Verwandtschaftlinie von Mutter zur Tochter, wird – beispielsweise
von Sarah Blaffer Hrdy[47] – interpretiert als ein Effekt tribaler
Hortikultur, in der Frauen das Land bebauen.[48]

Während ältere Publikationen versuchten, paläolithische Figuren,


insbesondere Venusstatuetten heranzuziehen, um die Idee einer
Existenz von Matriarchaten zu stützen, wird dieses Vorgehen seit
Mitte des 20. Jahrhunderts fachwissenschaftlich weithin als
unhaltbar zurückgewiesen.[49] Über die „Venus von Willendorf“, eine
berühmte Frauenstatuette aus dem Jungpaläolithikum, von deren
sakraler Bedeutung und Beweiskraft für eine matriarchale
Kosmologie die Anhängerinnen einer Bewegung, die Spiritualität mit
Feminismus vereint, überzeugt sind, schreibt die Ur- und
Frühgeschichtlerin und Ethnologin Bärbel Auffermann:

„[…] eines werden wir nie erklären können: Warum die Figur
angefertigt wurde. Die Antwort auf diese Frage ist seit
Jahrzehntausenden von Jahren verstummt. Jeder heutige
Versuch einer Antwort bleibt Spekulation.“ [50]

Von Fachwissenschaftlerinnen wird zudem verneint, dass mit


archäologischen Methoden weitreichende Aussagen über
Gesellschaftsstrukturen zu gewinnen sind. Das Matriarchat sei mit
archäologischen Mitteln weder zu beweisen noch zu widerlegen, was
:
auch für das Patriarchat gelte.[51]

Die neuere archäologische Elitenforschung, die sich auch mit einem


kritischen Abgleich archäologischer und anthropologischer Daten
beschäftigt und der Frage geschlechtsspezifischer Grabbeigaben
nachgeht, stellt eine herausgehobene Position von Frauen im
religiösen Bereich als Kontinuum in der gesamten Vor- und
Frühgeschichte fest. Dabei könne es auch Hinweise auf das soziale
Geschlecht geben. „Anhand von Grabausstattungen auf das
Verhältnis von Mann und Frau bzw. die gesellschaftliche Stellung der
Frau schließen zu wollen“, überfordere jedoch Quellen und Methodik
der Archäologie.[52]

Im universitären Wissenschaftsbetrieb werden zahlreiche


Hypothesen und Methoden insbesondere von Klassikern der
Matriarchatsforschung abgelehnt, wie beispielsweise eine
historische Spekulation auf der alleinigen Basis der Interpretationen
von Mythen, Legenden und Märchen.[53] Als Reaktion darauf
schlagen Autorinnen, die an der Matriarchatsidee festhalten, vor,
eine komplexere Methodologie zu befolgen. Dabei sollen
Fachdisziplinen wie Archäologie, Ethnologie, Religionswissenschaft,
Volkskunde und „Oral History“, Geschichte, Soziologie u. a.
kombiniert werden.[54] Die Notwendigkeit interdisziplinärer
Methoden für die Erforschung des Zusammenhangs von
Gesellschaftsform, Religion, Geschlecht und der Vieldimensionalität
von Geschlechterrollen in Gesellschaften betont auch die
Religionswissenschaftlerin Stefanie Knauß. Zu den Schriften
Göttner-Abendroths merkt sie jedoch kritisch an, dass diese
Matriarchatsforschung aus dem Sammeln und Zusammenfügen von
Mosaiksteinchen aus verschiedensten Quellen und Gesellschaften
bestehe, und es fraglich bleibe, ob diese Quellen vergleichbar sind:
„[…] aus einer Sammlung bunter Steine können schließlich sehr
verschiedene Bilder entstehen. Dass in diesem Fall das Bild der
:
idealen matriarchalen Gesellschaft entsteht, liegt […] an der
Vorannahme, […] dass Matriarchate existierten und 'nur noch' im
Detail beschrieben werden müssen.“ [54]

Für Matriarchatstheorien angeführte Kulturen


Neben dem Paläolithikum gilt in Matriarchatstheorien das
Neolithikum als matriarchal geprägt. Dabei wird von einer
einheitlichen matriarchalen Entwicklung Europas ausgegangen.
Insbesondere Heide Göttner-Abendroth verbreitete die Annahme
eines neolithischen Matriarchats als geschichtliche Wirklichkeit.[55]
Der matriarchale Gesellschaftstyp soll nach ihrer Auffassung in der
Jungsteinzeit (Neolithikum) global entstanden und am Ende der
Bronzezeit gewaltsam abgelöst worden sein.[56] Mit dieser
Vorannahme interpretieren Anhänger der Matriarchatsidee alle
neolithischen Fundorte als matriarchal und im Zirkelschluss als
archäologischen Beweis einer matriarchalen Vorzeit. Diese
Überzeugung speist sich nach Meret Fehlmann aus archäologischen
Werken, „die nicht mehr den neuesten wissenschaftlichen Stand
abbildeten und davon zeugten, dass eine Reihe großer Namen, vor
allem der englischsprachigen Archäologie (Jacquetta Hawkes,
James Mellaart, dem Entdecker von Çatalhöyük in den frühen 1960er
Jahren, und Marija Gimbutas) nicht nur mit streng
wissenschaftlichen Werken hervortrat, sondern auch Bücher
publizierte, die sich an ein weiteres Publikum richteten.“ Hierdurch
sei die Vorstellung der matriarchalen Vorzeit popularisiert worden,
die Resultate ihrer Arbeiten und Ausgrabungen würden vom
spirituellen Feminismus und der feministischen
Matriarchatsforschung vereinnahmt und weiter popularisiert.[57]

Unter dieser Prämisse werden folgende archäologische Kulturen in


Europa und Vorderasien als historische Matriarchate diskutiert:
:
die neolithischen Siedlungen des fruchtbaren Halbmonds wie
Çayönü, Çatalhöyük; Hacılar Höyük, Nevali Cori, Jericho;
die frühesten Siedlungen in Mesopotamien;
die Indus-Kultur
die jungsteinzeitliche Vinča-Kultur;
die Bandkeramische Kultur
die Megalithkulturen, denen z. B. das Hypogäum von Ħal-
Saflieni auf Malta zugerechnet wird;
die minoische Kultur auf Kreta.

Vorkommen von Gewalt im späten


Neolithikum
Die Vorstellung eines neolithischen Matriarchats wird unter anderem
damit zu begründen versucht, dass archäologische Befunde aus
dieser Zeit keine Anzeichen für Gewalt, Krieg und soziale
Unterschiede ergäben. Seit den 1980er Jahren sind jedoch vermehrt
archäologische Befunde entdeckt worden, wie das Massaker von
Talheim in Baden-Württemberg,[58][59] das Massaker von Schletz in
Niederösterreich, das Massaker von Kilianstädten in Hessen und
weitere, die dieses Bild gewaltfreier neolithischer Gesellschaften in
Frage stellen. „Wie in Talheim sind die Täter (in Schletz) mit
unglaublicher Brutalität vorgegangen, die auch vor Kindern aller
Altersstufen nicht halt machte. Alle Schädel tragen Anzeichen
massiver Gewalteinwirkung […] Auch in diesem Fall schlugen die
Täter weiter auf ihre Opfer – und zwar vorzugsweise auf die Köpfe –
ein, als sie bereits wehrlos am Boden lagen.“ ( Brigitte Röder)[60] Der
Tübinger Ur- und Frühgeschichtler Jörg Petrasch hat
methodenkritisch versucht, die Rate der Gewalttätigkeiten auf die
Gesamtpopulation in der Bandkeramik hochzurechnen und kommt
zu dem Schluss, dass solche Massaker keine singulären Ereignisse
gewesen sein können. Demnach müssen Gewalttätigkeiten in den
:
bandkeramischen Gesellschaften regelmäßig, wenn auch selten,
vorgekommen sein. Abgesehen von solchen tödlich endenden
Gewalttätigkeiten werden in den anthropologischen
Veröffentlichungen zu bandkeramischen Skeletten Hinweise auf
regelmäßig physische Auseinandersetzungen beschrieben, die von
den Opfern überlebt wurden.[61][62]

Die Prähistorikerin Eva-Maria Mertens zeigte anhand der


Bandkeramiker, dass diese Kultur keine friedliche im Sinne der
Matriarchatsanhänger war. In ihrer Studie kommt sie zu dem Schluss:
„Wenn die These der Matriarchatsforscherinnen stimmt, dass die
Zeit des Neolithikums von Matriarchaten bestimmt war, dann war es
trotz der Frauenherrschaft keine friedliche Zeit. Wenn aber die
Kernprämisse für den Nachweis eines Matriarchats Gewaltlosigkeit
beziehungsweise Friedlichkeit ist, dann ist am Ende der Bandkeramik
nicht von einem Matriarchat zu sprechen.“ [63]). Mertens betont, dass
solche Hinweise auf Gewalt nicht nur Kennzeichen der ersten
Ackerbauern in Mitteleuropa sind. Auch von den vorhergehenden
Jägern und Sammlern in der Mittelsteinzeit (Spätmesolithikum) gebe
es regelhaft Hinweise auf gewaltsam zu Tode gekommene
Menschen.

Mit dem Neolithikum ging als Folge der mit Ackerbau und Viehzucht
verbundenen Sesshaftigkeit ein Anwachsen der Bevölkerung einher
und die Herausbildung erster sozialer Unterschiede und Hierarchien.
Anhand der Skelettfunde lässt sich eine geschlechtsspezifische
Arbeitsteilung nachweisen, wobei hauptsächlich die weiblichen
Skelette Handarthrosen und andere Abnutzungserscheinungen
aufweisen, die auf das Mahlen des Getreides in kniender Haltung
hinweisen, außerdem „werden weibliche Skelette zusehends kleiner
und zierlicher“. Verletzungen und Krankheiten, die sich am Skelett
nachweisen lassen, nehmen drastisch zu (es gibt Hinweise auf
ernährungsbedingte Krankheiten, beispielsweise nachgewiesen bei
:
der Hälfte der Bewohner von Çatalhöyük); und nicht nur bei den
Bandkeramikern finden sich Skelette – Frauen und Männer –, die auf
einen gewaltsamen Tod schließen lassen. Ebenso ist die Vorstellung
eines friedlichen Umgangs mit der Natur wahrscheinlich falsch, „die
ersten Bauern wiesen vermutlich allen Ressourcen – Pflanzen,
Tieren, Menschen – gegenüber eine ausbeuterische Haltung auf.“ [64]

Auch weitere Annahmen, um die Idee eines neolithischen


Matriarchats zu stützen, werden fachwissenschaftlich
zurückgewiesen, sie gelten in der Archäologie als widerlegt und von
der Methodik her als unwissenschaftlich. So beispielsweise die
Behauptung von Matriarchatstheoretikern, es gäbe eine
Bedeutungskontinuität über Jahrtausende hinweg von Symbolen, die
als Sprache der Urzeit und vereinfacht als Symbole der Göttin zu
verstehen seien. Ebenfalls zurückgewiesen werden pauschale
Deutungen von weiblichen oder anthropomorphen Darstellungen als
Göttinnen und als Ausdruck einer religiösen Kontinuität vom
Paläolithikum bis zum Neolithikum (und darüber hinaus) – einem
Zeitraum, der mehr als 20.000 Jahre umspannt und mit
tiefgreifenden soziokulturellen Veränderungen verbunden war.

“The common practice of jumping from Bronze Age European


figurines to Palaeolithic Venuses and back again to neolithic
material is in itself unscientific, for the figurines must be viewed
against their economic and social backgrounds.”

„Die übliche Praxis des Springens von Bronzezeitfigurinen zu


paläolithischen Venussen und wieder zurück zu neolithischem
Material ist in sich unwissenschaftlich, weil die Figurinen in Bezug
zu ihrem ökonomischen und sozialen Hintergrund betrachtet
werden müssen.“

– Peter J. Ucko, britischer Anthropologe und Archäologe


:
1962normal[65]

Hypothesen zur Religion historischer


Matriarchate
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Hauptartikel: Hypothesen zur Religion historischer Matriarchate

Für viele Vertreter der These von der Existenz historischer


Matriarchate, aber auch utopischer Matriarchatsvorstellungen war
die Idee eines Kults der Großen Göttin zentral. Bereits Johann Jakob
Bachofen vertrat diesbezüglich spekulative Vermutungen.
Einflussreiche und bekannte Hypothesen über Religion und Kult
historischer Matriarchate haben Robert Graves und Heide Göttner-
Abendroth vorgelegt.

Siehe auch
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Religion: Venusfigurinen (Altsteinzeit bis 12.000 v. Chr.)


Mythische Stammmütter (Beispiele)
Amazonen als Stadtgründerinnen (antike Mythen)
Keltische Frauen (unsichere Quellenlage)
Clanmutter (bei nordamerikanischen Indianern)
Soziokulturelle Evolution (gesellschaftliche Entwicklung)

Literatur
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Gabriele Mirhoff: Widerstandsformen matriarchaler Völker.


Vortrag am Institut für Erziehungswissenschaften der
:
Universität Innsbruck. Hrsg. von Gabriela Schroffenegger.
Wissenschaftsladen Innsbruck, Innsbruck 1994.
Brigitte Röder, Juliane Hummel, Brigitta Kunz (Hrsg.):
Göttinnendämmerung. Das Matriarchat aus archäologischer
Sicht. Droemer Knaur, München 1996, ISBN 3-426-26887-6.
Lucy Goodison, Christine Morris (Hrsg.): Ancient Goddesses.
The Myths and the Evidence. University of Wisconsin
Press/British Museum Press, Madison 1999, ISBN 0-299-
16320-2 (Bryn Mawr Classical Review 1999).
Beate Wagner-Hasel: Matriarchat. In: Manfred Landfester
(Hrsg.): Der Neue Pauly. Band 15: Rezeptions- und
Wissenschaftsgeschichte. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2001,
Sp. 321–329.
Janet Alison Hoskins: Matriarchy. In: M. C. Horowitz (Hrsg.):
New Dictionary of the History of Ideas (DHI). Band 4, Routledge,
London/New York 2004, S. 1384–1389 (online in
science.jrank.org, blättern mit dem Next-Button).
Carol B. Duncan: Matriarchy and Patriarchy. In: William H.
McNeill u. a. (Hrsg.): Berkshire Encyclopedia Of World History.
Band 3. Berkshire, Great Barrington 2005, S. 1218–1223.

Dokumentarfilme
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Elke Werry: Mütter, Macht und Mythen – Gab es ein


vorgeschichtliches Matriarchat? Along Mekong Productions für
Süddeutschen Rundfunk SDR, Deutschland 1998 (45 Minuten).
Elke Werry: Wie Schwestern – Matrilinearität auf der
griechischen Insel Chios. ZDF, Deutschland 1985 (30 Minuten).
Uschi Madeisky, Klaus Werner: Trommeln Der Liebe –
Bräutigamraub bei den Garo in Indien. Colorama Film für NDR,
Deutschland 2001 (60 Minuten; Info).
:
Dokumentarfilme zu den Khasi in Nordostindien…
Dokumentarfilme zu den Mosuo in Südchina…
Dokumentarfilme zu den Minangkabau auf Sumatra…
Dokumentarfilme zu den Warao in Venezuela…

Weblinks
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Commons: Matriarchat (matriarchy) – Sammlung von Bildern,


Videos und Audiodateien

Wiktionary: Matriarchat – Bedeutungserklärungen,


Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Friederike Habermann: Titelthema: Queerfeminismus und


Matriarchat. In: oya-online.de. März 2021.
Podcast von Radiowissen, Sabine Straßer: Das Matriarchat –
Mythos oder Wirklichkeit? In: ARD Mediathek. 27. November
2019 (22:05 Minuten; Forschungsgeschichte, mit Meret
Fehlmann, Thomas Bargatzky, Brigitte Röder und Isabella
Andrej; Infoseite).
MOMA-Reporter: Matriachat auf Orango In: www.daserste.de.
Januar 2023.
Claudine Cohen: Die Mär vom Matriarchat in Spektrum.de vom
16. Juli 2023

Anmerkungen
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1. ↑ Editors of Encyclopædia Britannica: matriarchy (social


system). In: Encyclopædia Britannica. 2013, abgerufen am 30.
Oktober 2013 (englisch; Stand: Juli 2008, Elizabeth Prine
:
Pauls): „matriarchy, hypothetical social system in which the
mother or a female elder has absolute authority over the family
group; by extension, one or more women (as in a council) exert
a similar level of authority over the community as a whole. […]
The consensus among modern anthropologists and sociologists
is that while many cultures bestow power preferentially on one
sex or the other, matriarchal societies in this original,
evolutionary sense have never existed. However, some scholars
continue to use the terms matriarchy and patriarchy in the
general sense for descriptive, analytical, and pedagogical
purposes.“
2. ↑ Hochspringen nach: a b E. W. Müller: Mutterrecht. In: Historisches
Wörterbuch der Philosophie. and 6, 1984, S. 261.
3. ↑ Elke Hartmann: Zur Geschichte der Matriarchatsidee.
Antrittsvorlesung (= Öffentliche Vorlesungen der Humboldt-
Universität. Heft 133). Universität Berlin 2004, abgerufen am
30. Oktober 2013 (PDF; 304 kB; 37 Seiten).
4. ↑ Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. Zur
Gebrauchsgeschichte eines Arguments. Chronos, Zürich 2011,
S. 21 ff. (Dissertation Universität Zürich 2010). Vergleiche auch:
Peter Davies: Myth, Matriarchy and Modernity. de Gruyter, 2010;
Cynthia Eller: Gentlemen and Amazons. The Myth of Matriarchal
Prehistory. 1861–1900, University of California Press 2011.
5. ↑ Birgit Heller: Matriarchat. In: Lexikon für Theologie und Kirche.
Band 6, 1997, Sp. 1475. Ähnlich Gerda Lerner: The Creation of
Patriarchy. Oxford University Press, New York 1986, ISBN 0-19-
503996-3, S. 31.
6. ↑ Die Bezeichnung Gynaikokratie von altgriechisch
γυναικοκρατία gynaikokratía (Frauenherrschaft) ist seit dem
4. Jahrhundert vor Christus nachweisbar.
7. ↑ Vergleiche Uwe Wesel: Der Mythos vom Matriarchat. 1980,
S. 35.
:
8. ↑ Vergleiche z. B. Nancy Tanner: Matrifocality in Indonesia and
Africa and Among Black Americans. In: Michelle Zimbalist
Rosaldo, Louise Lamphere (Hrsg.): Women, Culture and Society.
Stanford University Press, Stanford 1974, S. 129–156, hier
S. 129: „Matrifocality is found within a variety of kinship types.
[…] Descent and matrifocality vary independently. […] This can
occur in matrilineal and patrilinear systems as well as in bilateral
system.“ Siehe auch: Gabriele Rasuly-Paleczek: Einführung in
die Formen der sozialen Organisation (Teil 4/5). (Memento vom
5. Oktober 2013 im Internet Archive) Institut für Kultur- und
Sozialanthropologie, Universität Wien, 2011, S. 152, abgerufen
am 30. Oktober 2013 (PDF; 747 kB; in archive.org). Sowie: Brian
Schwimmer: Matrifocality: An emerging empirical and
theoretical issue. In: Tutorial: Kinship and Social Organization.
Department of Anthropology, University of Manitoba, Kanada
2003, abgerufen am 30. Oktober 2013 (englisch).
9. ↑ Der niederländische Rechtsethnologe George Alexander
Wilken hat die Bezeichnung Matriarchat 1884 mit seinem Buch
Das Matriarchat (Das Mutterrecht) bei den alten Arabern.
Autorisierte Übersetzung aus dem Holländischen (Leipzig,
1884) als Erster benutzt. Vergleiche Meret Fehlmann: Die Rede
vom Matriarchat. 2011, S. 19.
10. ↑ Wortschatz-Eintrag: Matriarchat. In: Digitales Wörterbuch der
deutschen Sprache. Abgerufen am 30. Juli 2019
11. ↑ Vgl. etwa Ernst Kornemann: Mutterrecht. In: Paulys
Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft.
Supplement 6. Stuttgart 1935, Sp. 557–571.
12. ↑ Die erste Beschreibung einer mutterrechtlichen Gesellschaft
stammt von dem Irokesen-Missionar J. F. Lafitau: Moeurs des
sauvages amér. comparées aux moeurs des premiers temps 1. 2
(Paris 1724). J. J. Bachofen: Das Mutterrecht. Eine
Untersuchung der Gynaikokratie der alten Welt (1861). stellt
:
eine theoretisch-spekulative Rekonstruktion des Matriarchats in
der Frühgeschichte des nahen Ostens dar. Vergleiche E. W.
Müller: Mutterrecht. In: Historisches Wörterbuch der
Philosophie. (HWPh), Band 6, 1984, S. 261.
13. ↑ Franz Borkenau: Von der minoischen zur griechischen Kultur.
In: ders.: Ende und Anfang. Stuttgart 1984 (Ursprünglich unter
dem Titel Zwei Abhandlungen über griechische Mythologie in
der Zeitschrift Psyche. April 1953)
14. ↑ Birgit Heller: Matriarchat. In: Lexikon für Theologie und Kirche.
Band 6, 1997, Sp. 1475: „Die M[atriarchat]-Kontroverse ist bis
heute ideologisch überfrachtet u[nd] dient oft der Legitimierung
gesellschaftl[icher] Machtverhältnisse“.
15. ↑ Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. Zürich 2011, S.
142.
16. ↑ Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. 2011, S. 260 f.
17. ↑ Elke Hartmann: Zur Geschichte der Matriarchatsidee (=
Öffentliche Vorlesungen der Humboldt-Universität. Heft 133).
Berlin 2004 (Antrittsvorlesung; 2. Auflage 2006). vergleiche
auch: Ilse Lenz: Geschlechtssymmetrische Gesellschaften: Wo
weder Frauen noch Männer herrschen. In: Ruth Becker, Beate
Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und
Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie.
3. Auflage. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010,
ISBN 978-3-531-17170-8, S. 30–31 (Seitenvorschauen in der
Google-Buchsuche).
18. ↑ Friedrich Heiler: Die Frau in den Religionen der Menschheit.
(= Theologische Bibliothek Töpelmann 33). De Gruyter, Berlin
1977.
19. ↑ Hochspringen nach: a b Birgit Heller: Matriarchat. In: Lexikon für
Theologie und Kirche. Bd. 6, 1997, Sp. 1475.
20. ↑ Helga Laugsch: Der Matriarchatsdiskurs (2011), S. 92 f.
Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat, S. 67 ff.
:
21. ↑ Angela Schenkluhn: Matriarchy /Patriarchy. In: Kocku von
Stuckrad (Hrsg.): The Brill Dictionary of Religion. Brill,
Leiden/Boston 2006, S. 1177–1179, hier 1177: „Concepts of
matriarchy are radically distinguished here from notions of
cultural science like 'matrilinearity,’ 'matrilocality,’ and
‘matrifocality,’ which describe the organization of kinship in the
‘succession of the mother’. But since matriarchy […] as a
societal type is thus far sufficiently evidenced neither
historically nor archaeologically, the central consideration of the
concept of matriarchy should become that of a social myth
within certain ideological systems.“
22. ↑ Angela Schenkluhn: Matriarchy/Patriarchy. In: Kocku von
Stuckrad (Hrsg.): The Brill Dictionary of Religion. Brill,
Leiden/Boston 2006, S. 1177–1179, hier 1177: „Dominant role of
woman in society and politics (‘matriarchy’ in the strict sense)“,
„Descendancy, and inheritance, family, or domicile rights
determined through the maternal line (‘matrilinearity,’
‘matriarchy’)“, „Veneration of female divinities in religion and
mythology (‘mother deities’/goddesses)“.
23. ↑ Cäcilia Rentmeister listet ihre idealtypischen Merkmale von
Matriarchaten am ausführlichsten in Frauenwelten –
Männerwelten, 1985, S. 32–40.
24. ↑ Rentmeister in ava2.de Am Beispiel Südindien zeigt sich, wo
Frauen alleinige Eigentümerinnen von Land oder Häusern sind,
werden sie signifikant seltener Opfer häuslicher Gewalt. Vgl.
Panda, Pradeep: Marital Violence, Human Development and
Women’s Property Status in India In: World Development. 33,
Nr. 5, 2005.
25. ↑ unfpa.org
26. ↑ Heide Göttner-Abendroth: Die Göttin und ihr Heros. München
1980, S. 30.
27. ↑ Göttner-Abendroth zitiert bei Helga Laugsch: Der
:
Matriarchatsdiskurs. München 2011, S. 201.
28. ↑ Hochspringen nach: a b Siehe etwa Heide Göttner-Abendroth:
Definition der Gesellschaftsform. In: Göttner-Abendroth (Hrsg.):
Gesellschaft in Balance. Edition Hagia/Kohlhammer, 2006, S.
22–23.
29. ↑ Stefanie Knauss: Heide Göttner-Abendroth (geb. 1941). Eine
kritische Vorstellung der Klassikerin der Matriarchatsforschung.
In: Anna-Katharina Höpflinger, Ann Jeffers, Daria Pezzoli-Olgiati
(Hrsg.): Handbuch Gender und Religion, Vandenhoeck &
Ruprecht, erste Auflage 2008, ISBN 978-3-8252-3062-3, S.
99.
30. ↑ Siehe beispielsweise Omar Rolf von Ehrenfels: Motherright in
India. 1941.
31. ↑ Ifi Amadiume: Reinventing Africa: Matriarchy, Religion and
Culture. Zed Books/St. Martin’s Press, London/New Jersey 1997,
ISBN 1-85649-534-5. Dieselbe: Männliche Töchter, weibliche
Ehemänner: soziale Rollen und Geschlecht in einer
afrikanischen Gesellschaft. Rotpunktverlag, Zürich 1996, ISBN
3-85869-067-8.
32. ↑ Martha Harroun Foster: Lost Women of the Matriarchy:
Iroquois Women in the Historical Literature. UCLA American
Indian Studies Center, 1995 (englisch;
doi:10.17953/aicr.19.3.y227696897834055).
Dieselbe: We Know Who We Are: Métis Identity in a Montana
Community. März 2007 (englisch; Besprechung auf
researchgate.net).
33. ↑ Vergleiche etwa Ilse Lenz: Geschlechtssymmetrische
Gesellschaften. Neue Ansätze nach der Matriarchatsdebatte. In:
Ilse Lenz, Ute Luig (Hrsg.): Frauenmacht ohne Herrschaft.
Geschlechterverhältnisse in nicht-patriarchalen Gesellschaften.
Fischer, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12827-7, S. 26 ff.
(Erstauflage 1990).
:
34. ↑ Hochspringen nach: a b G. Wilhelm: Matrilinearität. B. Bei den
Hethitern. In: Reallexikon der Assyriologie und
Vorderasiatischen Archäologie. Band 7, Lieferung 7.–8., de
Gruyter, Berlin u. a. 1990, S. 588–590, hier S. 588.
35. ↑ Hans-Rudolf Wicker: Leitfaden für die Einführungsvorlesung
in Ethnosoziologie. (Memento vom 21. Oktober 2013 im Internet
Archive) (PDF: 532 kB, 45 Seiten) Institut für
Sozialanthropologie, Universität Bern, 2005, S. 11, abgerufen am
13. März 2020. Zitat: „In akzentuierter Form findet sich
unilineare Abstammung in vielen Gesellschaften, in denen es
wichtige Güter (Land, Vieh) aufzuteilen und zu vererben gilt.
Agrargesellschaften (z. B. China und Japan) oder
Viehzuchtgesellschaften (Zentralasien, vorderer Orient,
Ostafrika) brachten deshalb unilinear organisierte
Verwandtschaften weit häufiger hervor als Wildbeuter. Die
sesshafte Lebensweise fördert die territoriale Identifikation und
die Betonung der Gruppeneinheit und -solidarität. Patrilinear
organisiert sind zum Beispiel die Nuer im südlichen Sudan
(Evans-Pritchard 1940) und die Tallensi von Ghana (Fortes
1945). Matrilinear organisiert sind etwa die Nayar in Südindien,
Navajo, Trobriander, Irokesen, Tonga, Munduruku […].“
36. ↑ William Tulio Divale: An Explanation for Matrilocal Residence.
In: Dana Raphael (Hrsg.): Being Female. Reproduction, Power
and Change. Reihe: World Anthropology. Mouton, Den Haag
1975, ISBN 978-90-279-7599-7, S. 99–108 (Seitenvorschauen
in der Google-Buchsuche).
37. ↑ Gabriele Herzog-Schröder: Okoyoma - Die Krebsjägerinnen.
Vom Leben der Yanomamï-Frauen in Südvenezuela. Lit, Münster
u. a. 2003, ISBN 3-8258-5082-X, S. 61 (Doktorarbeit,
durchgesehene Auflage; Seitenvorschau in der Google-
Buchsuche).
38. ↑ Ende 2012 waren im Ethnographic Atlas weltweit genau
:
1300 Ethnien erfasst, von denen oft nur Stichproben
ausgewertet wurden, beispielsweise im internationalen HRAF-
Projekt.
39. ↑ J. Patrick Gray: Ethnographic Atlas Codebook. In: World
Cultures. Band 10, Nr. 1, 1998, S. 86–136, hier S. 104: Tabelle 43
Descent: Major Type (PDF: 2,4 MB, 52 Seiten ohne
Seitenzahlen; eine der wenigen Auswertungen aller damaligen
1267 Ethnien).
Zitat:
„ 17 Missing data [....... 1,3%]
584 Patrilineal [.......... 46,1%]
52 Duolateral [............ 4,1% = bilinear]
160 Matrilineal [.......... 12,6%]
11 Quasi-lineages [.... 0,9% = parallel]
49 Ambilineal [............ 3,9%]
349 Bilateral [............. 27,6% = kognatisch]
45 Mixed“ 3,6% von weltweit insg. 1267 Ethnien
(1998), mittlerweile: 1300.
40. ↑ Hans-Rudolf Wicker: Leitfaden für die Einführungsvorlesung
in Ethnosoziologie. (Memento vom 21. Oktober 2013 im Internet
Archive) (PDF: 532 kB, 45 Seiten) Universität Bern 2005, S. 13,
abgerufen am 13. März 2020. Die Zahlen auf S. 13:
164 matrilineare Ethnien – ihr ehelicher Wohnsitz nach der
Heirat (Residenzregel):
62 (37,8%) wohnen avunkulokal beim Mutterbruder des
Ehemannes oder Mutterbruder der Ehefrau
53 (32,3%) wohnen uxori-/matrilokal bei der Ehefrau oder
ihrer Mutter
30 (18,3%) wohnen viri-/patrilokal beim Ehemann oder
seinem Vater
19 (11,6%) haben andere Wohnsitzregeln: neolokal,
natolokal u. a.
:
41. ↑ Ilse Lenz: Geschlechtssymmetrische Gesellschaften: Wo
weder Frauen noch Männer herrschen. In: Ruth Becker, Beate
Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und
Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie.
3. Auflage. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010,
ISBN 978-3-531-17170-8, S. 31 (Seitenvorschau in der Google-
Buchsuche). Zitat: „Gleichheit wird als eine gleichheitliche
Verteilung von Macht und sozialen Chancen zwischen den
erwachsenen Mitgliedern einer Gesellschaft verstanden“.
42. ↑ Keebet von Benda-Beckmann, Franz von Benda-Beckmann:
Struggles over communal property rights and law in
Minangkabau, West Sumatra. Max Planck Institute for Social
Anthropology, Halle 2004.
43. ↑ Ilse Lenz: Geschlechtersymmetrie als Geflecht von Frauen
und Männermacht. Zu den Minangkabau in der vorkonialen
Epoche. In: Ilse Lenz, Ute Luig (Hrsg.): Frauenmacht ohne
Herrschaft. Geschlechterverhältnisse in nicht-patriarchalen
Gesellschaften. Fischer, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-
12827-7 (Erstauflage 1990).
44. ↑ Ute Marie Metje: Die starken Frauen. Gespräche über
Geschlechterbeziehungen bei den Minangkabau in Indonesien.
Campus, Frankfurt 1999, ISBN 3-593-35409-8; dieselbe: Bei
den Minangkabau. Über die Geschlechterbeziehungen in
Westsumatra. (Memento vom 13. Juli 2015 im Internet Archive)
In: journal-ethnologie.de. Museum der Weltkulturen, Frankfurt
2004.
45. ↑ Ingrid Thurner: Das Matriarchat hat es nie gegeben. In: Der
Standard, 13. Mai 2023, Album S. 1. f.
46. ↑ Sara Lowes: Kinship Structure and the Family: Evidence from
the Matrilineal Belt. National bureau of economic research,
Working paper 30509, Cambridge, MA 2022 (Abfrage 28. Mai
2023)
:
47. ↑ S. B. Hrdy: The Woman That Never Evolved. Harvard
University Press, Cambridge 1981.
48. ↑ Russell Dale Guthrie: The nature of Paleolithic art. University
of Chicago Press, London 2005, S. 368 (Seitenvorschau in der
Google-Buchsuche).
Vergleiche mit Bezug auf Hrdy 1981 und S. Goldberg: The
erosion of the social sciences. In: K. Washburn, J. F. Thornton
(Hrsg.): Dumbing Down. W.W. Norton, New York 1996, S. 97–
113.
49. ↑ V. G. Childe: Social organzisation. Watts, London 1951;
angeführt bei Russell Dale Guthrie: The nature of Paleolithic art.
University of Chicago Press, London 2005, S. 368 (einsehbar
bei Google Books).
50. ↑ Bärbel Auffermann In: Frauen – Zeiten – Spuren. Textbuch zur
Ausstellung im Neanderthal-Museum Mettmann. 1998, S. 193.
Auffermann ist stellvertretende Direktorin des Museums.
51. ↑ Brigitte Röder, Juliane Hummel, Brigitta Kunz:
Göttinnendämmerung. Das Matriarchat aus archäologischer
Sicht. Droemer Knaur, München 2001, ISBN 3-933939-27-5.
52. ↑ Dieter Quast (Hrsg.): Weibliche Eliten in der Frühgeschichte.
Internationale Tagung vom 13. bis zum 14. Juni 2008 im RGZM
im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Eliten“. Verlag des
Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2011
(Einleitung online auf academia.edu).
53. ↑ Margaret Ehrenberg: Women in Prehistory. London British
Museum Publications 1989, ISBN 0-7141-1388-3; Bruce
Trigger: A History of Archaeological Thoughts. 2. Auflage.
Cambridge University Press, 2006, zitiert bei: Meret Fehlmann:
Die Rede vom Matriarchat. Zürich 2011, S. 135 ff.
54. ↑ Hochspringen nach: a b Stefanie Knauß: Heide Göttner-Abendroth
(geb. 1941). Eine kritische Vorstellung der Klassikerin der
Matriarchatforschung. In: A.-K. Höpflinger, A. Jeffers, D.
:
Pezzoli-Olgiati (Hrsg.): Handbuch Gender und Religion.
UTB/Vandenhoeck & Ruprecht, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-
8252-3062-3, S. 100. (libreka.de teilweise einsehbar bei
Libreka)
55. ↑ Stefanie Knauß: Heide Göttner-Abendroth (geb. 1941). Eine
kritische Vorstellung der Klassikerin der Matriarchatforschung.
In: A.-K. Höpflinger, A. Jeffers, D. Pezzoli-Olgiati (Hrsg.):
Handbuch Gender und Religion. UTB/Vandenhoeck & Ruprecht,
Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8252-3062-3, S. 95–106, hier S.
99.
56. ↑ Heide Göttner-Abendroth: Matriarchat. Forschung und
Zukunftsvision. In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.):
Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie,
Methoden, Empirie. 3. Auflage. Verlag für Sozialwissenschaften,
Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17170-8, S. 23
(Seitenvorschau in der Google-Buchsuche).
57. ↑ Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. Zur
Gebrauchsgeschichte eines Arguments. Chronos, Zürich 2011,
S. 135 ff. und S. 162.
58. ↑ Ursula Eisenhauer: Jüngerbandkeramische Residenzregeln.
Patrilokalität in Talheim. In: Jörg Eckert, Ursula Eisenhauer,
Andreas Zimmermann (Hrsg.): Archäologische Perspektiven.
Analysen und Interpretationen im Wandel. Rahden Westf. 2003,
ISBN 3-89646-400-0, S. 562–573.
59. ↑ Joachim Wahl, Hans Günther König: Anthropologisch-
traumatische Untersuchung der menschlichen Skelettreste aus
dem bandkeramischen Massengrab bei Talheim, Kreis
Heilbronn. In: Fundberichte Baden-Württemberg. 12, 1987.
60. ↑ Brigitte Röder: Jungsteinzeit - Frauenzeit? Frauen in frühen
bäuerlichen Gesellschaften Mitteleuropas. In: Frauen – Zeiten –
Spuren. Neanderthal Museum Mettmann 1998, S. 264 ff.
61. ↑ Jörg Petrasch: Mord und Krieg in der Bandkeramik. In:
:
Archäologisches Korrespondenzblatt. Nr. 29, 1999, Verlag des
Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, S. 505–516.
62. ↑ Jörg Petrasch: Gewalttätigkeiten in der Steinzeit -
Archäologisch-kulturgeschichtliche Analysen zur Ermittlung
ihrer Häufigkeiten. In: Piek, Terberger (Hrsg.): Frühe Spuren der
Gewalt. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mecklenburgs-
Vorpommerns. Band 41, Schwerin 2006 (PDF: 1,8 MB auf uni-
tuebingen.de).
63. ↑ Eva-Maria Mertens: Der Mythos vom friedlichen Matriarchat.
In: Antje Hilbig, Claudia Kajatin, Ingrid Miethe (Hrsg.): Frauen
und Gewalt. Interdisziplinäre Untersuchungen zu
geschlechtsgebundener Gewalt in Theorie und Praxis.
Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, S. 33–46
(Seitenvorschauen in der Google-Buchsuche
64. ↑ Margaret Ehrenberg: Women in Prehistory. 1996; Röder,
Hummel, Kunz: Göttinnendämmerung. 1996; Timothy Taylor:
The Prehistory of Sex. 1998; Gilles und Brigitte Delluc: Le sexe
au temps des Cro-Magnons. 2006, zitiert bei Meret Fehlmann:
Die Rede vom Matriarchat. Zürich 2011, Kapitel Archäologie
oder die Suche nach dem Matriarchat, S. 144–159.
65. ↑ Peter J. Ucko: The Interpretation of Prehistoric
Anthropomorphic Figurines. In: The Journal of the Royal
Anthropological Institute of Great Britain and Ireland. Band 92,
Nr. 1, Januar–Juni 1962, S. 38–54, hier S. 39 (englisch; online
auf academia.edu).

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4037966-8 (lobid, OGND


, AKS

)
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