Skript Loth
Skript Loth
Experimentalphysik 1
Wintersemester 20/21, Prof. Dr. Sebastian Loth
Autoren:
Henrik Lichtl, Leander Siegle, Stefanie Adams,
Sabine Ost, Christian Tannrath, Sebastian Loth
c 2020 Sebastian Loth, Universität Stuttgart
Autor: Sebastian Loth
Umschlaggestaltung, Illustration: Henrik Lichtl, Christian Tannrath
weitere Mitwirkende: Henrik Lichtl, Leander Siegle, Stefanie Adams, Sabine Ost, Christian
Tannrath
Dieses Werk ist das veranstaltungsbegleitende Skript zur Vorlesung Grundlagen der Expe-
rimentalphysik I im Wintersemester 2020/2021 an der Universität Stuttgart. Es dient als
Lernmaterial und ist nur für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Veranstaltung be-
stimmt. Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.
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Universität Stuttgart
Institut für Funktionelle Materie und Quantentechnologien
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70569 Stuttgart
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlegendes zur Physik 1
1.1 Ziel der Physik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.2 Physikalische Größen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.3 Ansätze für physikalische Theorien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
2 Kinematik 9
2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.2 Eingeschränkte Bewegungen in 1D . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.2.1 Bewegungsformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.2.2 Geschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.2.3 Beschleunigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.2.4 Experimente zur Erdbeschleunigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.3 Beliebige Bewegungen in 3D . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.3.1 Geschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.3.2 Beschleunigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
3 Newtonsche Mechanik 22
3.1 Newtonsche Axiome . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.1.1 Kräftegleichgewichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
3.2 Bezugssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.2.1 Notwendigkeit von Bezugssystemen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.2.2 Nützliche Bezugssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.2.3 Relativbewegung und Galileitransformation . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.2.4 Anwendung Galileitransformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.3 Kräfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.3.1 Gravitationskraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.3.2 Federkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.3.3 Zentripetalkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
3.4 Beschleunigte Bezugssysteme - Scheinkräfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.4.1 Beschleunigte Bezugssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.4.2 Zentrifugalkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.4.3 Corioliskraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5 Raumfahrt 94
5.1 Raketengleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
5.1.1 Antriebssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
5.2 Satellitenbahnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
5.2.1 Umlaufzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
5.2.2 Erdnahe Orbits, LEO (low earth orbit) h rE . . . . . . . . . . . . . 99
5.2.3 Geosynchroner Orbit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
5.3 Kosmische Geschwindigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
5.3.1 Definition der drei kosmischen Geschwindigkeiten . . . . . . . . . . . . 99
5.3.2 Erste kosmische Geschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
5.3.3 Zweite kosmische Geschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
5.3.4 Dritte kosmische Geschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
5.4 Sonnensystem und Himmelsmechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
5.4.1 Allgemeines Gleichungssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
5.4.2 Keplergesetze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
5.4.3 Herleitung der Keplergesetze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
9 Metrologie 236
9.1 SI-Einheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236
9.2 Messfehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236
9.3 Statistik der Fehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237
9.3.1 Beobachtbare Größen für Fehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
9.3.2 Verteilung der Fehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
9.3.3 Genauigkeit, Richtigkeit und Präzision . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240
1 Grundlegendes zur Physik
1.1 Ziel der Physik
Die Zielsetzung der Physik ist es, ein fundamentales Verständnis der Natur zu erlangen und
die Wirklichkeit präzise zu beschreiben. Hierzu ist es wichtig, Beobachtungen zu verstehen
und Vorhersagen treffen zu können.
a= 1,23 · nm . (1.2)
|{z} |{z}
Zahlenwert abgeleitete SI-Einheit
In der Experimentalphysik werden Messergebnisse mit einem Fehler angegeben. Dieser Fehler
gibt Auskunft über die Genauigkeit bzw. Unsicherheit des Ergebnisses.
Oft werden die Ergebnisse mehrerer Einzelmessungen in einem Ergebnis mithilfe von Mittel-
wert und Standardabweichung der einzelnen Messwerte, wie im folgenden Beispiel, zusam-
mengefasst.
Die SI-Einheiten sind über sog. Naturkonstanten definiert. Eine Naturkonstante ist eine
physikalische Größe, deren Wert sich nicht ändern lässt. Ihre Zahlenwerte sind ohne Fehler
definiert. Ein Beispiel ist die Lichtgeschwindigkeit c = 299 792 458 m/s.
Die Ansätze sind eng verknüpft mit der Aufteilung der Physik in die Bereiche Experimental-
physik und theoretische Physik. Für eine gültige Theorie dürfen sich die Ansätze sich jedoch
Wintersemester 20/21 1
1 Grundlegendes zur Physik
nicht widersprechen.
Länge l [m] Dauer 5 Schwingungen [s] Periode T [s] Frequenz f = 1/T [Hz]
1,0 10 2 0,5
0,25 5 1 1,0
1
→ Viertelung der Länge ergibt die doppelte Frequenz, d.h f (l) ∼ √ .
l
Es folgt somit
1
f (l,m,x) = u · √ mit Proportionalitätskonstante u. (1.4)
l
Die Proportionalitätskonstante u lässt sich aus der Messung mit l = 0,25 m bestimmen. Es
ergibt sich
2 Wintersemester 20/21
1.3 Ansätze für physikalische Theorien
1 1 √
1 Hz = u · q ⇒u= Hz · m. (1.5)
1 2
4 m
Dieses empirisch bestimmte u stimmt mit der axiomatischen Herleitung in der Newtonschen
Mechanik überein. Dort ist √
g √
u= ≈ 0,499 Hz · m, (1.6)
2π
wobei g die Erdbeschleunigung ist.
Versuch: Deckenpendel
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 3
1 Grundlegendes zur Physik
Dann wird das Pendel weniger weit ausgelenkt und die Startposition markiert.
Nach dem Loslassen der Metallkugel wird mittels einer Stoppuhr die Periodendauer
der Schwingung für eine Pendelmasse von 25 kg über z.B. drei Perioden gemessen.
Anschließend wird, bei gleichbleibender Pendellänge, die Querstange zusätzlich zur
Kugel angebracht.
Das Pendel wird dann wieder bis zu der Markierung ausgelenkt und die Pendelmasse
wird deutlich erhöht (z.B. auf insgesamt 100 kg), indem sich der Experimentator auf
die Querstange setzt und dann zu schwingen beginnt. Wieder wird die Periodendauer
der Schwingung gemessen und mit dem Wert für 25 kg verglichen.
Wirkende Einflüsse wie die Luftreibung an der Kugel und Reibungsverluste an der
Aufhängung des Seils können nur in eine Richtung wirken, indem sie die Gesamt-
energie des Systems und damit die maximal erreichbare Auslenkung reduzieren.
4 Wintersemester 20/21
1.3 Ansätze für physikalische Theorien
Die Periodendauer des Pendels ist unabhängig von der Auslenkung (sofern diese nicht
zu groß wird), es ergeben sich für alle untersuchten Auslenkungen Werte von ca. 5 s
pro Schwingungsperiode.
Mittels eines Fotoapparats, der auf eine sehr lange Belichtungszeit eingestellt ist,
kann zusammen mit den LEDs bei ausgeschaltetem Raumlicht die Bewegungsspur
der beiden Pendelstangen nachgezeichnet und festgehalten werden.
Versuchsaufbau:
Die Aufnahmen der Bewegungsspuren als Fotos haben zum Beispiel die folgende
Wintersemester 20/21 5
1 Grundlegendes zur Physik
Form.
Um das Prinzip der Aufnahmen zu erläutern kann bei der live-Betrachtung des
Pendels eine Kamera mit manuell wählbarer Belichtungszeit eingesetzt werden.
Wird diese auf eine möglichst lange Belichtungszeit gestellt, so zeigt sich eine kurze,
nachleuchtende Spur der Pendelbewegung. Diese Spuren sind allerdings nicht lang
genug, um das chaotische Verhalten wie auf den Fotos nachzuzeichnen.
Versuch: Fadenpendel
6 Wintersemester 20/21
1.3 Ansätze für physikalische Theorien
Versuchsaufbau:
Der Zusammenhang für die Periodendauer gilt nur näherungsweise für kleine
Auslenkungen, die Pendel dürfen also nicht weiter als ca. 15◦ ausgelenkt werden.
Wintersemester 20/21 7
1 Grundlegendes zur Physik
Da das Pendel mit der leichteren Polystyrolkugel weniger Energie besitzt und eine
größere Luftreibung erfährt, wird ihre Schwingung stärker gedämpft als die der Stahl-
kugel, was auch die Periodendauer verändert, sodass die beiden Pendel zunehmend
außer Phase schwingen.
8 Wintersemester 20/21
2 Kinematik
2.1 Allgemeines
Die klassische Mechanik kann in die Gebiete Kinematik und Dynamik unterteilt werden.
Die Kinematik beschreibt die Bewegungen von Korpern
örpern im Raum als Funktionen der Zeit,
¨
ohne dabei Krafte
äfte und daraus abgeleitete Impulse und Energien zu betrachten, die Dynamik
¨
hingegen bezieht letztere mit ein.
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2 Kinematik
so
x
2.2.1 Bewegungsformen
Gleichförmige Bewegung
Zur gleichförmigen Bewegung zählt einerseits der Ruhezustand, der x
durch
x(t) = const. = x0 (2.3)
beschrieben wird.
Anderseits zählt zu dieser Bewegungsform die gleichförmige, ge- t
x
radlinige Bewegung, d.h. der Körper bewegt sich ohne die Wirkung
einer äußeren Kraft mit konstanter Geschwindigkeit
1
x(t) = a · t2 + v0 · t + x0 . (2.8)
2
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2.2 Eingeschränkte Bewegungen in 1D
Ziel: Auf einer großen Luftkissenbahn von ca. 4,5 m Länge sollen verschiedene
Bewegungsformen gezeigt und erfasst werden. Der Zusammenhang zwischen Weg,
Geschwindigkeit und Beschleunigung sowie anderen Einflussgrößen wie Masse
und beschleunigende Kraft sollen gezeigt werden. Insbesondere die gleichförmige
Bewegung und das damit zusammenhängende Newtonsche Axiom können erläutert
werden.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 11
2 Kinematik
schrägen Bahn immer gleich und unabhängig von der Richtung der Geschwindigkeit
ist, wird der Wagen die Schräge hoch gestoßen und die Messung über den Umkehr-
punkt hinaus laufen gelassen.
Versuchsergebnisse und Auswertungen: Die Messkurven haben die Farben schwarz
für s(t), rot für v(t) und blau für a(t). Diagramme der gleichförmigen Bewegung:
12 Wintersemester 20/21
2.2 Eingeschränkte Bewegungen in 1D
2.2.2 Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit beschreibt die Änderung des Ortes ∆x pro Zeitintervall ∆t.
x
Die mathematische Beschreibung für die Momentangeschwindig-
keit zum Zeitpunkt t erfolgt über Differentialrechnung ∆x
x(t + ∆t) − x(t) dx(t) ∆t
v(t) = lim = = ẋ(t). (2.9)
∆t→0 ∆t dt t
t
dx m x
Die Einheit der Geschwindigkeit ist [v] = dt = s .
dx
Ableitungen nach der Zeit werden häufig mit einem Punkt über dt ∆x
der abgeleiteten Variable dargestellt. ∆t
t
d dx
Bemerkung zur Mathematik: Es kann nützlich sein, dt als Ablei-
tungsoperator zu betrachten. dt
dx d
= x(t) = v(t). (2.10)
dt dt
Aber bei der Berechnung von Positionen, ist es praktischer mit den einzelnen Differentialen
zu rechnen.
dx
= v(t) ←→ dx = v(t) · dt (2.11)
dt Z Z
x= dx = v(t)dt (2.12)
Wintersemester 20/21 13
2 Kinematik
(Es wird t0 in der Integration verwendet, um Verwechslung mit der Grenze t zu vermeiden.)
Ableitung
x(t) v(t). (2.14)
Integration
2.2.3 Beschleunigung
Die Größe der Beschleunigung beschreibt die Änderung der Geschwindigkeit ∆v pro Zeitin-
tervall ∆t.
d2
a(t) = v̇(t) = ẍ(t) = x(t). (2.16)
dt2
h i
d2 x m
Die Einheit der Beschleunigung ist [a] = dt2
= s2
.
Bei gleichförmig beschleunigter Bewegung, d.h. a(t) = const., kann die Geschwindigkeit v(t)
und die Bahnkurve x(t) durch Integration mithilfe der Differentiale
dv
= a(t) ←→ dv = a(t) · dt (2.17)
dt
ermittelt werden
Z Z Z
v(t) = dv = a dt = a dt = at + v0 (2.18)
Z Z
1 2
x(t) = v(t)dt = (a · t + v0 )dt = at + v0 t + x0 . (2.19)
2
14 Wintersemester 20/21
2.2 Eingeschränkte Bewegungen in 1D
bung auf der Bahn. Die dabei zurückgelegte Strecke kann mithilfe eines Speichenrads
gemessen werden, über das ein Faden mit einem Gewicht gelegt ist. Dieser Faden
ist mit dem Wagen verbunden und kann durch Variieren der angehängten Mas-
se gleichzeitig zur Demonstration verschiedener Beschleunigungen verwendet werden.
Versuchsaufbau:
Der Weg, die Geschwindigkeit und die Beschleunigung des Wagens werden erfasst
und als Kurven aufgezeichnet. Geschwindigkeit und Beschleunigung werden dabei
durch Ableiten der Wegkurve rechnerisch ermittelt und dargestellt.
Wintersemester 20/21 15
2 Kinematik
Die Beschleunigungswerte betragen ca. 0,3 m/s2 für 5,2 g und ca. 0,55 m/s2 für
20,2 g Beschleunigungsmasse (bei einer Gesamtmasse des Wagens von 200 g). s(t)
wird schwarz, v(t) rot und a(t) blau dargestellt.
Ist s(t) linear, so ist v(t) konstant und a(t) Null (gleichförmige Bewegung), ist s(t)
dagegen parabelförmig/quadratisch, so ist v(t) linear und a(t) konstant (gleichförmig
beschleunigte Bewegung).
Die Ursache für die Beschleunigung von Objekten zur Erde hin ist die Gravitationskraft, die
zwischen der Erde und einer Masse wirkt.
16 Wintersemester 20/21
2.2 Eingeschränkte Bewegungen in 1D
Messungen:
Beobachtungen: x
0
1) Wassertropfen fallen senkrecht. ∆t
1
2) Die Bewegung der Tropfen ist beschleu-
∆t
nigt.
4
Auswertung:
1) Die Erdbeschleunigung g wirkt senkrecht ∆t
zur Erdoberfläche.
2) Tropfen fallen mit x ∼ t2 , sind also 9
gleichförmig beschleunigt.
x t
Bestimmung von g durch Messdaten über 0 1 2 3
1 2 2x
x= gt ⇐⇒ g = 2 (2.20)
2 t
mit den Startbedingungen x(t = 0) = 0 und v(t = 0) = 0 oder über einen Fit an die
aufgezeichnete Kurve (liefert g = 10,76 sm2 ).
m
Der Literaturwert für Stuttgart beträgt g = 9,81 s2
.
Ziel: Der Zusammenhang zwischen Fallstrecke und Fallzeit beim freien Fall soll
demonstriert werden. Als Beispiel dafür dient die konstante Beschleunigung eines
fallenden Wassertropfens. Die in gleicher Zeit zurückgelegte Wegstrecke nimmt
quadratisch mit der Zeit zu, womit die Erdbeschleunigung berechnet werden kann.
Die Lampe beleuchtet dann die Skala und die fallenden Tropfen. Mit jeder Unterbre-
Wintersemester 20/21 17
2 Kinematik
chung der Lichtschranke blitzt die Stroboskoplampe 5 mal. Der fallende Tropfen wird
also durch diese kurzen Lichtblitze angeleuchtet, der zeitliche Abstand zwischen den
Blitzen ist immer gleich und durch die Frequenz am Funktionsgenerator vorgegeben.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Der Hahn an dem Gefäß wird leicht geöffnet, sodass sich
einzelne Tropfen bilden und nach unten fallen. Das sich ergebende Bild und die Po-
sitionen auf der Skala, an denen der Wassertropfen sichtbar wird, werden beobachtet.
18 Wintersemester 20/21
2.2 Eingeschränkte Bewegungen in 1D
22 Hz. Die Zeitdifferenz zwischen den Blitzen beträgt dann also 1/f = 0,045 s. Die
zurückgelegte Strecke beträgt für die 5 Lichtblitze 1, 4, 9, 16 bzw. 25 cm. Für die
Erdbeschleunigung ergibt sich somit ein Wert von
s m
g =2· = 9,88 2 .
t2 s
Wird die Frequenz der Lichtblitze verändert, so verschieben sich die Punkte, an
denen der Wassertropfen zu sehen ist, nach oben oder unten. Alternativ kann auch
bei gegebener Erdbeschleunigung die einzustellende Blitzfrequenz berechnet und im
Versuch überprüft werden.
Auswertung:
Die Erdbeschleunigung ist für alle Körper gleich.
Wichtig für die Betrachtung: Andere Einflüsse wie Reibung müssen
ausgeschaltet“ werden.
”
Versuch: Fallrohr
Ziel: Es soll demonstriert werden, dass die Fallbeschleunigung bzw. Fallzeit eines
Körpers nicht von seiner Masse, sondern lediglich von seiner Beschaffenheit bzw.
Form und dem auftretenden Luftwiderstand abhängt.
Wintersemester 20/21 19
2 Kinematik
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Zuerst wird das Glasrohr (im belüfteten Zustand bzw. mit
Normaldruck im Inneren) mehrmals ruckartig um 180◦ gedreht und die beiden
fallenden Körper dabei beobachtet. Anschließend wird das Rohr einige Sekunden
lang evakuiert, das Ventil geschlossen und der Versuch dann unverzüglich wiederholt.
Dann kann das Ventil vorsichtig geöffnet werden, um erneut das Fallverhalten von
Feder und Metallscheibe zu beobachten.
Die Feder erfährt eine deutlich höhere Luftreibung als die Metallscheibe (aufgrund
der größeren Oberfläche der Feder) und besitzt zudem eine deutlich geringere Masse.
Die größere abbremsende Gegenkraft aufgrund der Reibung sorgt also für eine
langsamere Fallbewegung als für die Metallscheibe.
Wenn der Effekt der Luftreibung durch das Evakuieren eliminiert wird, fallen beide
Körper unabhängig von ihrer Masse gleich schnell, da beide dieselbe Erdbeschleuni-
gung erfahren.
20 Wintersemester 20/21
2.3 Beliebige Bewegungen in 3D
2.3.1 Geschwindigkeit
Der Geschwindigkeitsvektor ~v ist parallel zur Änderung von ~r, d.h. ~v ||∆~r. Damit liegt ~v
immer tangential an der Bahnkurve und hat die Länge v = |~v |.
Der Vektor kann geschrieben werden als
dx
d dt
~v = ~r˙ = ~r = dy
dt
. (2.22)
dt dz
dt
2.3.2 Beschleunigung
d2 x
dt2
d2 dy 2
~a = ~v˙ = ~r¨ = 2 ~r = . (2.23)
dt dt2
d2 z
dt2
Wintersemester 20/21 21
3 Newtonsche Mechanik
3 Newtonsche Mechanik
3.1 Newtonsche Axiome
Die Newtonsche oder auch klassische Mechanik baut auf den Newtonschen Axiomen auf,
welche die Bewegung von Körpern unter Krafteinwirkung beschreiben. Axiome sind Grun-
dannahmen, die nicht bewiesen werden können bzw. müssen. Sie definieren einen klaren
Startpunkt einer Theorie.
1. Newtonsches Axiom
Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung solange keine
”
Kraft auf ihn einwirkt.“
Folgerung: Es wird eine neue Größe eingeführt, die den Bewegungszustand eines Körpers
beschreibt - der Impuls. Der Impuls ist definiert über
~ = m · ~v
p (3.1)
2. Newtonsches Axiom
Die zeitliche Änderung des Bewegungszustandes eines Körpers ist direkt proportional zur
”
auf den Körper wirkenden Kraft.“
Folgerung: Mathematisch ausgedrückt ist die zeitliche Änderung einer Größe ihre Ableitung,
d.h. die Kraft auf einen Körper kann durch
~ = d~
F
p
(3.2)
dt
~ ] = 1 kg · m/s2 = 1 N, wobei N für Newton steht.
ausgedrückt werden und hat die Einheit [F
Nach Ausführung der Ableitung erhält man
m
~ = d~
F
p d
= (m~v ) =
dm
· ~v +m ·
d~v const.
= m~v˙ = m~r¨ . (3.3)
dt dt dt
| {z } dt
wichtig z.B.
für Raketen
Dies führt zurück zu den Bewegungsgleichung im vorherigen Kapitel und bestätigt, dass
Beschleunigungen durch Kräfte hervorgerufen werden. Für eine konstante Masse m gilt
2
~ = m d ~r = m · ~a
F . (3.4)
dt2
Für Kräfte gilt das Superpositionsprinzip. Das bedeutet, dass sich alle wirkenden Kräfte
zu einer Gesamtkraft aufaddieren. Es ist dabei wichtig, die Kraft als vektorielle Größe zu
betrachten und nicht nur die Beträge aufzuaddieren.
22 Wintersemester 20/21
3.1 Newtonsche Axiome
3. Newtonsches Axiom
Wechselwirken zwei Körper nur miteinander, aber nicht mit anderen Körpern, so gilt: Die
”
Kraft, die Köper 1 auf Körper 2 ausübt, ist gleich groß, aber entgegengesetzt gerichtet der
Kraft, die Körper 2 auf Körper 1 ausübt.“
Dieses Axiom ist auch unter actio = reactio“ bekannt.
”
Folgerung: Wenn F ~12 die Kraft von Körper 1 auf Körper 2 ist gilt: F
~21 = −F
~12 .
Ziel: Das Prinzip von Actio = (-)Reactio, also von Kraft gleich (minus) Gegenkraft,
die immer paarweise auftreten, soll demonstriert werden. Außerdem kann das
Prinzip der Impulserhaltung veranschaulicht werden.
Versuchsbeschreibung: Zwei Personen stehen auf zwei Wagen, die an den beiden
Enden des Raumes aufgestellt sind, und halten jeweils das Ende eines langen Seils in
der Hand, durch das sie miteinander verbunden sind. Die Mitte zwischen den beiden
Wagen ist auf dem Boden markiert, ebenso wie die Startpositionen der Wagen. Die
beiden Wagen sind so ausgerichtet, dass sie nach einer gewissen Strecke aufeinan-
dertreffen. Die Masse auf beiden Seiten wird durch Zusatzgewichte auf einem der
Wagen angeglichen. Um das Prinzip der Impulserhaltung zu demonstrieren, kann
ein schwerer Medizinball zum Werfen verwendet werden.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 23
3 Newtonsche Mechanik
24 Wintersemester 20/21
3.1 Newtonsche Axiome
3.1.1 Kräftegleichgewichte
Ist ein Körper oder ein System aus wechselwirkenden Körpern in Ruhe (~v = const.), dann
ist die Summer aller wirkenden Kräfte null, d.h.
!
X
~ =
F ~i =
F 0 . (3.6)
i
Dies ist eine direkte Folgerung aus den Newtonschen Axiomen. Für die meisten Fragestellun-
gen in der Mechanik ist das Finden bzw. Aufstellen von Kräftegleichgewichten der wesentliche
Schritt zur Lösung.
Versuch: Ätherkanone
Ziel: Das Prinzip von Actio gleich (-)Reactio und das Konzept der Impulserhaltung
sollen veranschaulicht werden.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 25
3 Newtonsche Mechanik
Betrachtet aus der Sicht der Impulserhaltung bleibt der Gesamtimpuls bzw. der Im-
puls des Schwerpunktes des Systems immer erhalten. Die Summe der Impulse aus
wegfliegendem Stopfen und zurückgestoßener Kanone ergibt null, da der Gesamtim-
puls vor dem Schuss null war, der Schwerpunkt des Systems verbleibt zwischen den
nun getrennten Körpern. Genauso bleibt der Schwerpunkt aus Kanone und festge-
bundenem Stopfen in Ruhe, da das System verbunden bleibt und auch davor einen
Impuls von null hatte.
Insbesondere ist dann der Schwerpunkt S des Systems in Ruhe, d.h. es gilt ~v = const., wenn
~v die Geschwindigkeit des Schwerpunktes ist.
~
−F ~
F
Bei gleichem Betrag der Kraft treffen sich
die Skater im Bild rechts immer im Schwer- S
punkt des Systems.
Treffpunkt
26 Wintersemester 20/21
3.2 Bezugssysteme
~k = −F
Im Fall einer Feder gilt das Gleichgeweicht: F ~G .
~k
F
3.2 Bezugssysteme
m
3.2.1 Notwendigkeit von Bezugssystemen S
Da die Lage und die Bewegung eines Körpers abhängig vom Beob-
~G
F
achter sind, müssen diese relativ zu einem Bezugssystem angegeben x
werden. Alle physikalischen Phänomene sind jedoch unabhängig
von der Wahl des Bezugssystems.
~
x
O Bezugssystem 1 (BS1)
Wintersemester 20/21 27
3 Newtonsche Mechanik
~r0 = ~r − ~
u · t. (3.9)
Daraus können die Transformation für Geschwindigkeit und Beschleunigung abgeleitet wer-
den (hier ist ~a die Beschleunigung in BS1):
d
~v 0 = ~r˙ 0 = ~r˙ − (~ u · t) = ~v − ~
u (3.10)
dt
2
d
~a0 = ~r¨0 = ~r¨ − 2 (~ u · t) = ~a (3.11)
dt
| {z }
=0
Versuch:Buffalo-Bill Schuss
Ziel: Das Verhalten von sich bewegenden Körpern in ruhenden, gleichförmig beweg-
ten oder beschleunigten Koordinatensystemen bezogen auf das jeweilige System soll
veranschaulicht werden.
28 Wintersemester 20/21
3.2 Bezugssysteme
Versuchsaufbau:
Im beschleunigten Fall liegt kein Inertialsystem mehr vor und es treten Scheinkräfte
auf, die im System zu einer gekrümmten Bahn des Projektils führen. Es fällt also
bezogen auf das Rohr nicht mehr senkrecht nach unten und trifft den Auffangtrichter
somit nicht mehr.
Das Einzeichnen der Projektilbahn Bild für Bild ergibt zum Beispiel die folgende
Wintersemester 20/21 29
3 Newtonsche Mechanik
Die gleichförmige Bewegung in horizontaler Richtung (gilt für den Wagen und das
Projektil im Abschussrohr gleichermaßen) ist für das Projektil nach dem Abschuss
überlagert durch eine vertikale Wurfbewegung (freier Fall mit Startgeschwindigkeit).
Da diese beiden Bewegungen getrennt voneinander betrachtet werden können, befin-
det sich das Projektil zu jedem Zeitpunkt direkt über dem Auffangtrichter und fällt
wieder in diesen zurück.
x t t
30 Wintersemester 20/21
3.2 Bezugssysteme
Beobachtung im Autosystem:
x0 t t
Ziel: Es soll demonstriert werden, dass beim waagerechten Wurf die Bewegung
in y-Richtung unabhängig von der Startgeschwindigkeit und -bewegung entlang
der x-Achse ist und nur von der Fallbeschleunigung abhängt, dass alle beliebigen
Bewegungen also als eine Überlagerung verschiedener Bewegungen in die drei
Raumrichtungen betrachtet werden können (Superpositionsprinzip).
Wintersemester 20/21 31
3 Newtonsche Mechanik
losgeschossen werden, eine Kugel fällt dann senkrecht nach unten, die andere wird
waagerecht losgeschossen.
Gleichzeitig wird über eine Lichtschranke, die durch den Hammer unterbrochen
wird, die dritte Kugel durch Abschalten des Elektromagneten von ihrer Aufhängung
gelöst und fällt ebenfalls senkrecht nach unten.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Der Hammer wird ausgelenkt und losgelassen, was die drei
Kugeln auslöst, und es wird beobachtet, zu welchem Zeitpunkt sie auf dem Boden
aufschlagen.
Gegebenenfalls werden zuerst nur die beiden Kugeln in der Auslösekonstruktion
demonstriert, wobei sich das Aufschlagen auf dem Boden am besten akustisch wahr-
nehmen lässt. Dann werden alle drei Kugeln eingesetzt und vor allem die waagerecht
abgeschossene und die in einiger Entfernung senkrecht fallende beobachtet.
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Alle drei Kugeln kommen zur gleichen Zeit
auf dem Boden auf bzw. fallen gleich schnell, was bedeutet, dass die zweite Kugel die
dritte trotz der Entfernung (im Flug oder am Boden) trifft. Die Bewegung aller drei
Kugeln lässt sich also als eine Überlagerung aus einem freien Fall und gegebenenfalls
einer waagerechten Bewegung beschreiben. Die Fallbewegung ist unabhängig von den
übrigen Richtungskomponenten und kann isoliert betrachtet werden.
Aufgrund der gleichen Starthöhe aller drei Kugeln kommen diese auch gleichzeitig
auf dem Boden auf bzw. haben nach gleicher Zeit die gleiche Fallhöhe überwunden.
Dieses Verhalten lässt sich in Form von zusammengesetzten Serienbildern zeigen, bei
32 Wintersemester 20/21
3.2 Bezugssysteme
Ziel: Der schiefe Wurf soll modellhaft gezeigt werden. Die Form der Bahnkurve und
die qualitative Abhängigkeit der Wurfweite vom Abwurfwinkel sollen untersucht
werden.
Versuchsbeschreibung: Ein Wasserstrahl aus einer schräg gestellten Düse dient zur
Veranschaulichung des schiefen Wurfs. Mit Hilfe einer Tauchpumpe kann Wasser
aus der winkelverstellbaren Düse gespritzt werden.
Der Winkel der Auslassdüse bezogen auf die Horizontale kann dabei variiert
werden, die Form und Weite des Strahls können im Schattenriss verfolgt werden.
Die Bahnkurve wird dazu zum Beispiel mit Hilfe einer Bogenlampe auf der Tafel
abgebildet, sodass dort Markierungen und ein Koordinatensystem eingezeichnet
werden können.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 33
3 Newtonsche Mechanik
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Beim Variieren des Winkels ist die Weite
des Wasserstrahls auf der x-Achse für flache Winkel klein, steigt dann mit dem Win-
kel an und nimmt für steile Winkel wieder ab. Die Bahnkurven entsprechen den
Erwartungen für den theoretisch berechneten schiefen Wurf, die größte Wurfweite
ergibt sich bei einem Winkel von 45◦ . Die größte Weite im Becken ergibt sich bei ca.
22,5 ◦ , also bei einem kleineren Winkel als beim schiefen Wurf ohne Anfangshöhe.
Jeder beliebige Punkt auf der x-Achse kann immer mit zwei unterschiedlichen Win-
keleinstellungen (flach und steil) getroffen werden, passend zu den zwei Lösungen,
die sich aus der Herleitung der Bahnkurve ergeben.
Schiefer Wurf
Wichtig beim Schiefen Wurf ist die Frage, unter welchem Wurfwinkel die Flugweite maximiert
werden kann.
Die Geschwindigkeit bei t = 0 ist
v0x
~v0 = 0 . (3.12)
v0z
34 Wintersemester 20/21
3.3 Kräfte
Es wird ein Bezugssystem BS2 eingeführt, dass sich relativ zu BS1 bewegt mit
v0x
~
u = 0 . (3.13)
0
3.3 Kräfte
3.3.1 Gravitationskraft
Im Kapitel 2.2.4 zur Kinematik hat sich in den Experimenten zur Erdbeschleunigung bereits
gezeigt, dass die Gravitationskraft der Erde alle Körper gleich beschleunigt.
FG
FG = m · g ⇒ g= = const. (3.16)
m
Da die Erdbeschleunigung g konstant ist, folgt, dass die Gravitationskraft proportional zur
Masse des angezogenen Körpers ist, FG ∼ mKörper .
Aus dem 3. Newtonschen Axiom folgt damit außerdem, dass die Graviationskraft proportio-
nal zum anziehenden Körper ist, FG ∼ M . In diesem Fall handelt es sich beim anziehenden
Körper um die Erde FG ∼ mErde .
Darüber hinaus ist ein Zusammenhang der Gravitationskraft mit dem Abstand r zwischen
Körper und Erde zu vermuten (z.B. aus Planetenbewegungen ableitbar), FG ∼ 1/r2 .
Der Betrag der Gravitationskraft ergibt sich durch Zusammensetzen der einzelnen Propor-
tionalitäten zu
~G | = G · m·M
|F . (3.17)
r2
Wintersemester 20/21 35
3 Newtonsche Mechanik
Der Vorfaktor G wird als Gravitationskonstante bezeichnet und ist eine fundamentale Na-
turkonstante. Sie besitzt den Wert G = 6,6743 · 10−11 Nm2 /kg2 .
M M
m m
Testmasse
m
M M
Die Berechnung von G aus diesem Experiment kann unter folgendem Link nachgelesen wer-
den: [Link]
Ziel: Mit Hilfe einer Gravitationswaage sollen das Prinzip und die Größenordnung
der Massenanziehung zwischen zwei Körpern demonstriert und die Gravitationskon-
stante bestimmt werden.
Versuchsbeschreibung: Zum Anzeigen der Auslenkung der Waage dient der Lichtzei-
ger eines Lasers, der über den drehbar aufgehängten Spiegel im Inneren der Waage
an die gegenüberliegende Tafel geworfen wird.
36 Wintersemester 20/21
3.3 Kräfte
Die Waage selbst besteht in ihrem Inneren aus zwei hantelförmig waagerecht
aufgehängten Massekugeln. Diese Massenanordnung ist an einem senkrecht verlau-
fenden Torsionsdraht aufgehängt, an dem auch der Spiegel angebracht ist. Bereits
kleinste Verdrehungen der Massenanordnung um den Draht herum können somit
erfasst werden und zu einer Drehschwingung der Massen führen.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 37
3 Newtonsche Mechanik
Nach einiger Zeit ist erkennbar, dass der Lichtpunkt um die neue Ruhelage der
Waage herum pendelt. Diese neue Position ergibt sich aus dem Kräftegleichgewicht
aus Massenanziehung und Rückstellkraft des Torsionsfadens. Da durch das
Herumschwenken der großen Massekugeln eine nur sehr schwach gedämpfte Torsi-
onsschwingung in Gang gesetzt wurde, pendelt der Lichtpunkt um die neue Position
und erreicht sie nicht unmittelbar.
Die anziehende Gravitationskraft von den großen Kugeln auf die kleinen ist so groß,
dass der Torsionsdraht nach dem Herumschwenken der Massen eine neue Gleichge-
wichtsposition bekommt bzw. anstrebt und um diese herum zu schwingen beginnt.
Für die Bestimmung der Gravitationskonstanten wird (neben der Geometrie des Auf-
baus) vor allem die Periodendauer dieser Schwingung benötigt. Diese ist allerdings
sehr groß (mehr als 10 min).
Herleitung: Warum kann die Erde auf eine Punktmasse reduziert werden?
Wenn man mit Gravitationskräften rechnet, wird meist von Punktmassen ausgegangen. Bei
der Erdgravitation betrachten wir die Gesamtmasse der kugelförmigen Erde auf ihren Schwer-
punkt am Mittelpunkt reduziert. Hier soll gezeigt werden, wieso das mathematisch gerecht-
fertigt ist.
Nun kann man sich die Symmetrie einer Kugel zu Nutze machen und sehen, dass die Kräfte,
die durch dM1 und dM2 verursacht werden, sich aufaddieren zu
38 Wintersemester 20/21
3.3 Kräfte
R−x
dFR = dFG · cos ϕ = dFG · . (3.21)
r
dM1
r
a
y dFG
ϕ
~R
F ~R x dFR
F
R
dM2
m · dM
dFG = −G . (3.22)
r2
Damit folgt
m · dM R − x R−x
dFR = −G · = −Gm 3 dM. (3.23)
r2 r r
Geht man von einer homogenen Massenverteilung ρ im Inneren der Masse M aus, kann das
Massenelement mit dM = ρ · dV ausgedrückt werden.
Über die Symmetrie hat sich gezeigt, dass die Gesamtkraft, d.h. das Integral über das Volu-
men der Masse M , über eine Halbkugel berechnet werden kann, siehe Formel 3.20.
Daher gilt für die Gravitationskraft einer Kugel
Z Z Z
1 R−x
FG = dFG = 2 · dFR = −Gm · ρ · dV (3.24)
Kugel 2 Kugel Kugel r3
Z
x−R
= Gmρ dV. (3.25)
Kugel r3
Um dieses Integral zu lösen muss dV parametrisiert werden. Aufgrund der Vermutung, dass
sich die Kräfte auf den Mittelpunkt reduzieren, wird zunächst nur eine äußere Kugelschale
mit der Dicke da berechnet. Falls sich diese reduzieren lässt, gilt das ebenfalls für jede andere
Schale.
Ein Volumenelement dV in der Kugelschale wird beschrieben durch dV = da · ds · dl.
Um eine x-Abhängigkeit zu erhalten, betrachtet man das Dreieck, welches den Winkel θ zur
x-Achse einschließt. Somit kann ds umgeschrieben werden in ds = dx/ sin θ.
Wintersemester 20/21 39
3 Newtonsche Mechanik
dl
da ds θ
ds
a
a dx
θ
R
dx
1
Das Volumenelement wird als dV = sin θ da dx dl in das Integral eingesetzt.
Z Z Z
0 x−R 1
FG = Gmρ dx dl da (3.26)
r3 sin θ
Das Integral über dl lässt sich berechnen mit dl
Z Z 2π y
dl = y dα = 2πy (3.27)
0 α
R 2 + a2 − r 2 dx r
r2 = y 2 + (R − x)2 ↔ x = ⇒ =− . (3.29)
2R dr R
Nach der Substitution ergibt sich
R−a R−a R−a
a2 a2 − R 2
Z Z Z
1 1 1 1 2a
2
+ 2 − dr = dr − dr = − 2 .
R+a 2R 2r 2R2 r2 2R2 R+a 2R2 R+a r2 R
(3.30)
Durch Integration über die Kugelschalendicke D vom Innenradius A−D bis zum Außenradius
40 Wintersemester 20/21
3.3 Kräfte
A erhält man
Z A Z A
2a
m
0
FG = −Gmρ2π a· da = −G 4πa2 ρ da =
A−D R2 A−D R2
| {z }
Masse MS der
Kugelschale (3.31)
m · MS
4π m
3 3
= −G A − (A − D) ρ 2
= −G .
| 3 {z } R R2
Masse MS der
Kugelschale
Die Graviationskraft, die eine Kugelschale der Masse MS auf eine außerhalb liegende Masse
m ausübt, ist gleich der Gravitationskraft, die eine punktförmige Masser der Größe MS im
Mittelpunkt der Kugel ausübt. D.h. die Kugelschale kann durch eine Punktmasse ersetzt
werden, wenn diese Punktmasse am Ort des Mittelpunkts der Kugelschale positioniert wird.
Dies gilt auch für Massendichteverteilungen ρ(a), die nur vom Radius abhängen, da man
sich diese als viele dünne Kugelschalen verschiedener Dichte vorstellen kann.
3.3.2 Federkraft
~G , ergibt sich
Durch Änderung der Masse mit ∆m und somit auch der Gewichtskraft mit ∆F
eine proportionale Längenänderung ∆x. Das bedeutet
~G = −∆F
∆F ~k ⇒ ∆F
~k = −k · ∆x, (3.32)
Bemerkung: Oft sieht man F ~k = ~0 bei x = 0 ⇒ F ~k = −k~ x. Das lineare Federgesetz gilt
jedoch nur im sog. elastischen Bereich, d.h. nur für ∆x-Bereiche, in denen die Verformung
~k 6= −k∆~
der Feder reversibel ist. Im plastischen Bereich ist i.d.R. ∆F x.
Versuch: Dehnung Gummi und Feder
Versuchsbeschreibung: Eine Metallfeder und ein Gummi werden auf gleicher Höhe
aufgehängt. Die angehängte Masse beträgt zunächst null (bzw. je ein leerer Ge-
wichteteller zur Vordehnung). Mit einem Diaprojektor kann eine Skala an die Wand
projiziert werden. Die Schattenbilder der beiden Gewichteteller befinden sich ohne
Massen auf Höhe des gleichen Skalenstrichs. Unterschiedlich große Massenstücke
können angehängt werden.
Wintersemester 20/21 41
3 Newtonsche Mechanik
Versuchsaufbau:
42 Wintersemester 20/21
3.3 Kräfte
Anschließend wird das Vorgehen mit dem Gummi wiederholt, wobei Gesamtmassen
von z.B. 50 g, 100 g und 150 g verwendet werden. Zum Schluss wird solange mehr
Masse am Gummi angehängt, bis er sich immer weiter von alleine dehnt und dann
reißt.
Der Gummi verhält sich bis 100 g genauso, ab 150 g beginnt er sich allerdings plas-
tisch zu verhalten. Seine Auslenkung ist also nicht mehr proportional zur wirkenden
Kraft und geht beim Herunternehmen der Massenstücke auch nicht mehr vollständig
zurück. Ab einer Masse von 200 g bis 300 g beginnt der Fließbereich und der Gummi
dehnt sich von alleine immer weiter bis er reißt.
3.3.3 Zentripetalkraft
dr m
r = const. ⇒ =0 (3.33)
dt ~r
dθ dθ
6= 0 ⇒ = ω = const. (3.34) Θ
dt dt x
z
Für die Kreisgeschwindigkeit gilt ω = 2πf = 2π/T mit der Frequenz f und der Periode P .
∧
Die Einheit ist [ω] = 1 rad/s = 1 s−1 .
Wintersemester 20/21 43
3 Newtonsche Mechanik
Eine Masse m die sich auf einer solchen Kreisbahn bewegt kann über den Ortsvektor
r · cos θ(t) r · cos ωt
~r(t) = r · sin θ(t) = r · sin ωt mit r = |~r| (3.35)
0 0
~Z = m · ~a = −mrω 2 r̂.
F (3.39)
Ziel: Die Notwendigkeit der Zentripetalkraft, um einen Körper auf einer Kreisbahn
zu halten, soll demonstriert werden. Die weitere Bewegung eines Körpers nach dem
Wegfallen dieser Kraft soll dabei beobachtet werden.
44 Wintersemester 20/21
3.3 Kräfte
Versuchsaufbau:
Versuch: Drehscheibe - ω
Proportionalitäten von FZ prüfen
m
Versuchsbeschreibung:
Durch die Änderung einzelner Größen wer-
den die Proportionalitäten überprüft. ~Z
−F ~Z
F
~r
2π
FZ ∼ r: m = 50 g r = 0,2 m T = ω = 0,4 s FZ = 2,5 N
↓ ↓ ↓ ↓
2π
m = 50 g r = 0,1 m T = ω = 0,4 s FZ = 1,3 N
Wintersemester 20/21 45
3 Newtonsche Mechanik
2π
FZ ∼ m: m = 100 g r = 0,2 m T = ω = 0,4 s FZ = 5,0 N
↓ ↓ ↓ ↓
2π
m = 50 g r = 0,2 m T = ω = 0,4 s FZ = 2,5 N
Versuch: Fliehkraftgerät
Ziel: Mit einem Fliehkraftgerät soll die bei Kreisbewegungen auftretende Zen-
trifugalkraft in Abhängigkeit der Parameter Periodendauer T (und damit der
Winkelgeschwindigkeit ω), der Masse m und des Abstandes r vom Drehmittelpunkt
gemessen werden. Auf diese Weise soll der formelmäßige Zusammenhang FZ = mω 2 r
bestätigt werden.
Über die Spannung am Motor lässt sich die Drehgeschwindigkeit einstellen. Die
Periodendauer der Drehbewegung des Auslegers wird dabei mit Hilfe einer Licht-
schranke gemessen. Als Massen stehen Stücke mit 50 g, 75 g und 100 g zur Verfügung.
Die Abstände zum Drehmittelpunkt, in denen diese angebracht werden können,
betragen 50 mm bis 250 mm in 50 mm Schritten.
Versuchsaufbau:
46 Wintersemester 20/21
3.3 Kräfte
angebracht und die jeweils auftretende Kraft bei einer Periodendauer von 0,4 s
gemessen.
Um die Proportionalität der Zentrifugalkraft zum Abstand vom Drehpunkt zu
zeigen, wird das 100 g Stück (5,0 N gemessene Kraft bei 20 cm) im Abstand von
10 cm angebracht, wobei die Periodendauer weiterhin 0,4 s beträgt.
Um die quadratische Abhängigkeit von der Winkelgeschwindigkeit zu zeigen wird
diese aus der gemessenen Periodendauer berechnet und die zugehörige Kraft in
einem Diagramm als Funktion der Winkelgeschwindigkeit aufgetragen. Dazu werden
verschiedene Drehgeschwindigkeiten eingestellt und zusammen mit der gemessenen
Kraft jeweils als Wertepaar erfasst.
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Für 50 g ergibt sich für die auftretende Zen-
trifugalkraft ein Wert von ungefähr 2,5 N, für 100 g einer von 5,0 N. Kraft und rotie-
rende Masse sind also proportional zueinander.
Für einen Abstand von 10 cm des 100 g Stücks ergibt sich dann ein Wert von 2,5 N.
Kraft und Abstand sind also ebenfalls proportional zueinander.
Beim Variieren der Winkelgeschwindigkeit der Drehbewegung ergibt sich der folgen-
de Verlauf für die Zentrifugalkraft.
Diagramm Fz (ω):
FZ FZ
FZ ∼ ω 2 : Man lässt r = const. und m =
const. und misst FZ in Abhängigkeit von ω. FZ ∼ ω 2
Um die Proportionalität besser überprüfen einfacher
zu können, wird FZ über ω 2 aufgetragen.
Man erkennt sofort den erwarteten linearen ω ω2
Verlauf.
Wintersemester 20/21 47
3 Newtonsche Mechanik
FZ
→ Eine Waschmaschine im Schleudergang dreht sich mit 1400 RPM
r
(rounds per minute). Das entspricht f = 23 Hz beziehungsweise
ω = 146,6 rad/s.
Bei einem Trommelradius von r = 0,2 m ergibt sich
m ∧
|aZ | = rω 2 = 4,2 · 103 = 435 g. (3.40)
s2
Im ersten Fall steht der Fahrstuhl auf der Erde und wird von der
Schwerkraft auf den Boden des Fahrstuhl gedruckt. ückt.
¨ Im zweiten Fall
befinden man sich im All und der Aufzug wird gleichförmig
gleichformig
¨ gerad- B
F
linig mit dem Wert der Erdbeschleunigung nach oben beschleunigt.
Fur
ür
¨ die Person im Fahrstuhl ist es unm¨ oglich zwischen den beiden
öglich m
Fallen
ällen zu unterscheiden. Es kann also gefolgert werden, dass die
¨
in einem gleichförmig
gleichformig
¨ geradlinig beschleunigten Bezugssystem wir-
kende Tragheitskraft
ägheitskraft
¨ ununterscheidbar von einer Gravitationskraft
ist.
aB
Herleitung der auftretenden Krafte äfte
¨
Ähnlich der Galileitransformation kann auch bei der Transforma-
tion in ein beschleunigtes Bezugssystem ein Vektor u = 12 aB t2
zwischen den Ursprungen
üngen
¨ aufgestellt werden.
z
Die Transformation fuhrt
führt
¨ zu
1 z y
r = r − u = r − aB t2 (3.41)
2 y
v = r˙ = r˙ − aB t (3.42)
u(t) = 12 aB t2
x
a = r¨ = r¨ − aB . (3.43)
O
x
O
48 Wintersemester 20/21
3.4 Beschleunigte Bezugssysteme - Scheinkräfte
~ 0 = m~a0 = m~a −
F m~aB . (3.44)
|{z} | {z }
~
F Trägheitskraft
Im Spezialfall von ~aB = ~g spricht man von einem frei fallenden Bezugssystem. Dort gilt
~ = m~g
F → ~ 0 = m~g − m~g = ~0.
F (3.45)
In einem sehr großen Fahrstuhl wäre es also möglich, Gewichtskraft und Trägheitskraft zu
unterscheiden.
Versuch: Leitersprung
Versuchsbeschreibung: Eine Konstruktion, bei der eine Masse auf einer Blattfeder
gelagert ist, die sich durch die Gewichtskraft der Masse in einem gespannten bzw.
zusammengedrückten Zustand befindet, wird in die Hand genommen.
Wintersemester 20/21 49
3 Newtonsche Mechanik
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Das Bild der Funkkamera wird beobachtet. Mit der Kon-
struktion in der Hand wird ein paar Stufen auf die Leiter gestiegen und dann
abgesprungen. Die Kamera zeigt das Geschehen aus Sicht eines mitbewegten
Beobachters. Direkt betrachtet nimmt man die Position eines äußeren, ruhenden
Beobachters ein.
Beim Abspringen und bei der Landung auf dem Boden treten zusätzliche Kräfte
aufgrund der Massenträgheit auf, die in beiden Fällen die Feder stärker eindrücken,
als im ruhenden Zustand.
Innerhalb von beschleunigten Bezugssystemen wie dem des freien Falls können al-
so zusätzliche (Schein-)Kräfte auftreten, die eine andere resultierende Kraft erge-
ben können als im ruhenden System (wie z.B. eine reduzierte resultierende Schwer-
kraft/Erdbeschleunigung oder eine kurze Phase der Schwerelosigkeit).
50 Wintersemester 20/21
3.4 Beschleunigte Bezugssysteme - Scheinkräfte
3.4.2 Zentrifugalkraft
Es werden nun die Kräfte betrachtet, die auf eine Masse in einem rotierenden Bezugssystem
wirken.
Im Inertialsystem (Bezugssystem 1) rotiert
y
die Masse mit y0
x r · cos θ
~r = y = r · sin θ . (3.46) m
z 0
~r
Im Bezugssystem 2, welches mit dem Win- x0
kel θr relativ zum Bezugssystem 1 rotiert,
Θ
bewegt sich die Masse mit Θr x
O 0
O
x0
r · cos (θ − θr )
0
~r = y 0 = r · sin (θ − θr ) . (3.47)
z0 0
r
Falls θ = θr , gilt ~r0 = 0 , d.h. die Masse ruht im Bezugssystem 2.
0
In Kapitel 3.3.3 ist beschrieben, dass in einem Inertialsystem die Zentripetalkraft F ~Z auf
eine rotierende Masse wirkt und diese auf ihrer Kreisbahn hält.
Im rotierenden Bezugssystem 2 tritt die Zentripetalkraft ebenfalls auf, aber die Masse bleibt
in Ruhe. Nach dem 2. Newtonschen Axiom muss es also eine Kraft geben, die der Zentripe-
talkraft entgegenwirkt. Diese Kraft wird Zentrifugalkraft genannt.
Der Ausdruck für die Zentrifugalkraft lässt sich leicht bestimmen. Es muss gelten
~U gegeben
damit ist die Zentrifugalkraft F ω
durch
~r
~0 = F
~Z − F !
~U = 0 ~Z
F ~u
F
F 0 (3.49)
⇒F ~Z = +mrω 2 r̂.
~U = −F (3.50)
Wintersemester 20/21 51
3 Newtonsche Mechanik
Ziel: Das Auftreten von Scheinkräften bzw. die Zentrifugalkraft in einem rotierenden
Bezugssystem mit einem mitbewegten Beobachter soll gezeigt werden. Dabei soll
der Unterschied zwischen einem festen und einem mitrotierenden Bezugssystem
erläutert werden.
Versuchsbeschreibung: Auf einem Drehteller befindet sich ein Wagen. Über dem
Drehpunkt des Tellers ist ein iPod als Funkkamera montiert. Der Wagen ist über
einen Federkraftmesser mit dem Mittelpunkt des Drehtellers verbunden, die Kamera
zeigt die Anzeige des Kraftmessers und dreht sich mit dem Wagen auf dem Teller
mit. Eine zweite, feste Kamera zeigt den kompletten Drehteller von außen betrachtet.
Versuchsaufbau:
Aus Sicht des mitrotierenden Beobachters bzw. Wagens tritt auch eine Kraft auf
(am Kraftmesser zu sehen), die ihn allerdings geradlinig beschleunigt und ein Stück
geradeaus fahren lässt. Für den mitrotierenden Beobachter tritt also eine in ihrer
Ursache nicht erklärbare Kraft in gerader Linie auf. Die zugehörige Kreisbewegung
ist aus diesem Bezugssystem heraus nicht erkennbar.
52 Wintersemester 20/21
3.4 Beschleunigte Bezugssysteme - Scheinkräfte
Der Wagen bewegt sich während des Andrehens der Drehbewegung in gerader Linie
von der Kamera weg, bis die Gegenkraft des Federkraftmessers die Bewegung stoppt.
3.4.3 Corioliskraft
Versuchsbeschreibung:
Beobachtung: Beobachter
-Im Inertialsystem (Hörsaal) bewegt sich
der Ball geradlinig.
-Im rotierenden Bezugssystem, d.h der Be-
obachter dreht sich auf der Scheibe mit,
wird der Ball seitlich abgelenkt. Es wirkt
~C .
eine Scheinkraft, die Corioliskraft F
Mathematische Herleitung
Für die Corioliskraft wird erneut ein rotierendes Bezugssystem betrachtet. Während die
Zentrifugalkraft leicht aus der Zentripetalkraft bestimmt werden konnte, muss nun etwas
mehr Rechenaufwand betrieben werden um den Ausdruck für die Corioliskraft zu erhalten.
Während der Rechnung wird auch die Zentrifugalkraft noch einmal allgemein hergeleitet.
• ~a(~b × ~c) = ~b(~c × ~a) • ~a × (~b + ~c) = (~a × ~b) + (~a × ~c)
Wintersemester 20/21 53
3 Newtonsche Mechanik
d~
u
~ ×~
=ω u. (3.51) ~
u
dt
~ × ~r
~v = ω (3.52) ~r
v = |~
ω × ~r| = ωr ω , ~r) = 90◦
, da ](~ (3.53)
54 Wintersemester 20/21
3.4 Beschleunigte Bezugssysteme - Scheinkräfte
~ 0 = m~a − 2m(~
F ω × ~v 0 ) − m(~
ω × (ω × ~r0 )) (3.60)
|{z} | {z } | {z }
~
F ~C ~Z
Corioliskraft F Zentrifugalkraft F
ω × ~v 0 )
~C = 2m(~
F (3.61) ω
~
~v 0
x̂0
und der allgemeine Ausdruck für die Zentri-
~C
F
fugalkraft ist
~C | = 2mωv
|F
F ω × (ω × ~r0 )).
~U = m(~ (3.62)
Versuch: Corioliskraft
Ziel: Mithilfe eines über eine sich drehende Scheibe rollenden Balls soll der Effekt
der Corioliskraft veranschaulicht werden.
Versuchsbeschreibung: Am Rand des Drehtellers befindet sich eine auf den Mittel-
punkt ausgerichtete schiefe Rampe, von der aus ein mit Tinte getränkter Tennisball
losrollen kann. Die Bahn des Balls kann mit Hilfe der sich ergebenden Tintenspur
verfolgt und nachgezeichnet werden. Dazu kann auf den Drehteller ein großes rundes
Stück Papier gelegt werden.
Zusätzlich kann ein als Funkkamera dienender iPod über der Drehscheibe angebracht
werden, der sich mit dem System mit dreht. Im Gegensatz dazu kann der Teller
mittels Deckenkamera von oben betrachtet werden, was einem ruhenden äußeren
Beobachter entspricht.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 55
3 Newtonsche Mechanik
Versuchsdurchführung: Der Ball wird mit Tinte getränkt und zuerst über die ruhende
Scheibe rollen gelassen. Dann wird der Drehteller von Hand in gleichmäßige Drehung
versetzt und der Ball erneut von der gleichen Position gestartet. Das Ergebnis wird
auf dem Papier gezeigt, dann werden die Aufnahmen der Kamerabilder miteinander
verglichen.
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Wenn sich der Drehteller in Ruhe befindet,
zeichnet der Ball eine gerade Spur auf das Papier. Beim Rollen aus der Drehung
heraus ergibt sich dagegen eine gekrümmte Bahn aufgrund der Ablenkung durch die
Corioliskraft. Der Drehteller dreht sich unter der Bahn des Tennisballs weg.
In der Wiedergabe der Aufzeichnung ist erkennbar, dass von außen betrachtet keine
Kraft wirkt (der Ball bewegt sich weiterhin geradlinig und unbeeinflusst), sondern
dass sich der Teller unter dem Ball wegdreht. Aus der Sicht eines mitrotierenden
Beobachters wirkt dagegen sichtbar eine (Schein-)Kraft, die den Ball senkrecht zu
seiner Bahn ablenkt.
Ziel: Ein Tintentropfer an einem Pendel auf einer Drehscheibe dient als Modell für
das Foucaultsche Pendel. Die Erde bzw. die Erdrotation wird durch den Drehteller
dargestellt.
56 Wintersemester 20/21
3.4 Beschleunigte Bezugssysteme - Scheinkräfte
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 57
3 Newtonsche Mechanik
Im Kamerabild des iPod ist zu beobachten, dass das Pendel in alle möglichen
Richtungen schwingt und dabei das Sternmuster auf dem Papier aufzeichnet. Es
muss also ständig eine Kraft wirken, die die Pendelbahn kontinuierlich verändert
und den Pendelkörper ablenkt.
Dass dies allerdings nur eine Scheinkraft im System des mitrotierenden Beobachters
ist (Corioliskraft), lässt sich im Bild der festen Deckenkamera erkennen. Dort
schwingt das Pendel lediglich geradlinig hin und her, während sich der Untergrund
in Form des Drehtellers mit dem Papier darunter wegdreht. Es wirkt aus Sicht des
ruhenden Beobachters also keine Kraft auf den Pendelkörper.
58 Wintersemester 20/21
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Impuls p
~ = m~v
~2
p
Energie E = Epot + Ekin ; Ekin = 2m
~ = ~r × p
Drehimpuls L ~
Schwerpunktbetrachtung: Jeder Körper mit der Gesamtmasse M hat genau einen Schwer-
punkt. Dieser berechnet sich eindimensional als
Z
1
xs = x dm. (4.2)
M
Für zwei Massepunkte ergibt sich die Schwerpunktskoordinate in Abhängigkeit der Einzel-
massen. Für die Schwerpunktskoordinate erhält man
m1 ~x1 + m2 ~
x2
~
xs = (4.3)
M
und für die Schwerpunktsgeschwindigkeit bzw. den Schwerpunktsimpuls
x˙ + m2 ~
m ~ x˙ 2
x˙ s = 1 1
~ , (4.4)
M
p
~s = M~xs . (4.5)
In einem abgeschlossenen System wirken keine äußeren Kräfte und die Massen m1 und m2
wechselwirken nur miteinander. Daraus folgt, dass die Kraft auf den Schwerpunkt verschwin-
det, also F = 0. Daraus folgt, dass die Beschleunigung des Schwerpunktes verschwindet also
aS = 0. Der Schwerpunkt bewegt sich gleichförmig geradlinig.
Versuch: Kugelstoßpendel
Ziel: Der Impulsübertrag bei elastischen Stößen zwischen Stahlkugeln sowie die
Impulserhaltung sollen demonstriert werden.
Wintersemester 20/21 59
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Versuchsaufbau:
Dann wird die Knetkugel an ein Ende der Kugelkette gehängt. Eine einzelne Stahl-
kugel auf der gegenüberliegenden Seite wird weit ausgelenkt und dann losgelassen,
der Effekt auf der Seite mit der Knetkugel wird beobachtet.
Trifft eine Stahlkugel auf eine Knetkugel, bewegen sich beide gemeinsam mit
verminderter Geschwindigkeit weiter (inelastischer Stoß). Wird eine Stahlku-
gel auf der anderen Seite ausgelenkt, so bewegt sich die Knetkugel zusammen
mit der letzten Stahlkugel. Aufgrund der größeren gemeinsamen Masse der beiden
Kugeln zusammen deutlich weniger weit ausgelenkt, als die ursprüngliche Stahlkugel.
Durch (sichtbare) Deformation der Knetkugel (inelastischer Stoß) geht Energie ver-
loren, sodass das System schnell zur Ruhe kommt.
60 Wintersemester 20/21
4.1 Impulserhaltung (Anwendung: Stöße)
Um die Stoßgesetze herzuleiten, transferieren wir ins Schwerpunktsystem. Dabei gilt für die
Relativgeschwindigkeiten, also die Geschwindigkeit im Schwerpunktsystem, ẋ0i die Beziehung
Im Schwerpunktsystem ergeben sich mit der Gesamtmassr M = m1 +m2 und der reduzierten
m1 ·m2
Masse µ = m1 +m2
die relativen Impulse
m m2
p01 = m1 ẋ01 = m1 ẋ1 − m1 1
ẋ1 + ẋ2 = µ(ẋ1 − ẋ2 ) (4.7)
M M
p02 = µ(ẋ2 − ẋ1 ) (4.8)
p01 = −p02 ⇒ p0ges = p01 + p02 =0 (4.9)
Ziel: Die Impulserhaltung und Bewegung eines Schwerpunktsystems, bei dem keine
äußeren Kräfte wirken, soll gezeigt werden. Dazu wird eine Luftkissenbahn mit zwei
Luftkissenwagen verwendet.
Versuchsbeschreibung: Die jeweilige Position der beiden Wagen auf der Bahn kann
mithilfe einer Zeilenkamera erfasst werden. Der Weg und die Geschwindigkeit der
Wagen können somit gemessen und grafisch dargestellt werden. An der Seite der
Wagen befindet sich dafür jeweils ein Stück Reflektorfolie, um ihre Position erfassen
zu können.
Wintersemester 20/21 61
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Versuchsaufbau:
Im zweiten Fall wird das System von Hand leicht in Bewegung versetzt, bewegt
sich also gleichförmig und besitzt damit bereits einen Impuls. Wieder wird der
Gummiring (während der Bewegung) durchtrennt. Diese Versuche können mit einer
unterschiedlichen Massenverteilung wiederholt werden.
Im Versuchsteil mit dem Draht werden die beiden Wagen zusammengeschoben, das
Gebläse ist ausgeschaltet und der Draht gespannt, und dann in (Schwing-)Bewegung
versetzt, indem das Gebläse bei laufender Messung eingeschaltet wird.
Dies erfolgt einmal mit zusätzlicher Geschwindigkeit in eine Richtung (von Hand
in gleichförmige Bewegung versetzt), also mit einem Startimpuls, und einmal ohne.
Auch hier können verschiedene Massenverhältnisse verwendet werden.
62 Wintersemester 20/21
4.1 Impulserhaltung (Anwendung: Stöße)
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Die beiden Wagen bewegen sich nach dem
Durchtrennen des Gummirings aufgrund der gespannten Blattfedern ruckartig
auseinander. Aus der Masse und der gemessenen Geschwindigkeit lässt sich jeweils
der Impuls eines einzelnen Wagens berechnen.
Wenn das System vorher in Ruhe war (Impuls von null), so ergibt die Summe der
beiden entgegengesetzt gerichteten Impulse der Wagen wieder null. Die Geschwin-
digkeiten sind bei gleicher Masse also vom Betrag gleich groß. Der Schwerpunkt der
beiden Wagen bleibt an derselben Stelle wie zu Beginn, also mittig zwischen den
beiden Wagen (bei gleicher Masse), er bewegt sich also nicht.
Wenn sich das System zu Beginn schon in Bewegung befunden hat, so ergibt die
Summe der beiden Impulse wieder den des Systems vor dem Durchtrennen des
Gummis. Der Schwerpunkt der beiden Wagen bewegt sich weiterhin mit der gleichen
gleichförmigen Geschwindigkeit weiter wie davor.
Wenn die Massen der Wagen nicht gleich sind, verschieben sich die Werte für die
Geschwindigkeiten und die Position des Schwerpunktes entsprechend des Massen-
verhältnisses.
Für gleiche Masse ergeben sich beim Durchtrennen des Gummis aus der Ruhe
heraus für die beiden Wagen aus dem Diagramm v(t) z.B. Geschwindigkeiten von
0,6 m/s und −0,6 m/s. Für ein Massenverhältnis von 1 zu 2 erhält man Werte von
0,25 m/s und −0,5 m/s.
Diagramme v(t) der beiden Wagen für die Messung mit Gummiring, mit gleichen
Massen und mit einem Massenverhältnis von 1 zu 2:
Besitzt das System bereits eine Anfangsgeschwindigkeit von z.B. 0,2 m/s, so ergeben
sich aus dem Diagramm v(t) Geschwindigkeiten (bei gleicher Masse) von 0,5 m/s und
−0,1 m/s. Also um den Startwert verschobene Werte, der Gesamtimpuls berechnet
aus den beiden Geschwindigkeiten bleibt erhalten.
Wintersemester 20/21 63
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Mit einem Draht verbunden schwingen die beiden Wagen um ihren gemeinsamen
Schwerpunkt, die Schwerpunktbewegung bzw. der Schwerpunktimpuls bleibt aber
auch nach dem Auslösen erhalten. Die beiden Wagen schwingen also entweder um
die vormalige Ruhelage herum oder um den sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit
weiterbewegenden Schwerpunkt.
Diagramme s(t) und v(t) für gleiche Massen der Wagen mit Schwingung um die
Ruhelage:
Die beiden Wagen schwingen um einen ortsfesten gemeinsamen Punkt, den Schwer-
punkt. Die Geschwindigkeiten pendeln dabei um einen Wert von Null, was der
Schwerpunktgeschwindigkeit entspricht, ihre Summe und damit der Gesamtimpuls
des Systems (Schwerpunktimpuls) ergibt zu jedem Zeitpunkt Null, da auch der
Impuls des Systems zu Beginn Null war.
Diagramme s(t) und v(t) für gleiche Massen der Wagen mit einer zusätzlichen
Startgeschwindigkeit:
64 Wintersemester 20/21
4.1 Impulserhaltung (Anwendung: Stöße)
Diagramme s(t) und v(t) für ein Massenverhältnis von 2 zu 1 der beiden Wagen mit
einer zusätzlichen Startgeschwindigkeit:
Der leichtere Wagen erreicht eine größere Auslenkung und eine größere maximale Ge-
schwindigkeit innerhalb der Schwingbewegung, die Summe der beiden Impulse ergibt
allerdings wiederum zu jedem Zeitpunkt den Startwert, der sich aus der Gesamtmasse
des Systems und der Schwerpunktgeschwindigkeit von 0,075 m/s ergibt.
Elastischer Stoß
Bei einem elastischen Stoß wird keine Energie in innere Energie oder Wärme umgewandelt.
Keiner der Körper wird beim Stoß deformiert oder ähnliches. Die gesamte kinetische Energie
und der Gesamtimpuls sind vor und nach dem Stoß identisch. Beim Elastischen Stoß wird
Wintersemester 20/21 65
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Beim inelastischen Stoß wird ein Teil der Anfangsenergie in innere Energie umgewandelt. Das
geschieht oftmals durch Verformungen. Die Geschwindigkeit nach dem Stoß ist die Schwer-
punktgeschwindigkeit, da sich beide Massen verbinden“und als eine Masse betrachtet wer-
”
den können. Beide Massen ruhen im Schwerpunktsystem. Also ist ẋ01N = ẋ02N = 0. Daraus
ergibt sich für die Geschwindigkeiten im Laborsystem
Allgemeiner Stoßprozess
Vollständig elastische oder inelastiche Stöße sind nur theoretisch möglich. Im Allgemeinen
sind alle Stoße teilweise elastisch, teilweise inelastisch. Für die Impulse im Schwerpunktsys-
tem gilt
p0iN = −bp0iV (4.14)
mit dem Stoßparameter b. Für den Fall eines voll elastischen Stoß gilt b = 1. Beim voll
inelastischen Stoß ergibt sich b = 0.
Versuch: Luftkissenbahn Stöße
Ziel: Mit Hilfe einer Luftkissenbahn und zweier Luftkissenwagen sollen Stoßprozesse
gezeigt und quantitativ erfasst werden. Impuls- und Energieerhaltung und der
Unterschied zwischen elastischen und inelastischen Stößen sollen damit gezeigt
werden.
Versuchsbeschreibung: Die beiden Wagen können auf der Bahn miteinander stoßen.
Ihre jeweilige Position kann mithilfe einer Zeilenkamera erfasst werden. Der Weg
und die Geschwindigkeit bzw. deren Änderung beim Stoß der beiden Wagen können
somit gemessen und grafisch dargestellt werden. An der Seite der Wagen befindet
sich dafür jeweils ein Stück Reflektorfolie, um ihre Position erfassen zu können.
Wenn die Wagen an ihrer Vorderseite mit Blattfederaufsätzen versehen sind, können
sie elastisch miteinander stoßen. Außerdem befindet sich an dem einen Ende der
66 Wintersemester 20/21
4.1 Impulserhaltung (Anwendung: Stöße)
Bahn ein Prellbock mit einer Blattfeder, sodass die Wagen an dem Ende ebenfalls
elastisch stoßen und reflektiert werden können.
Wenn an der Vorderseite des einen Wagens ein Prellbock und an dem anderen eine
Knetkugel angebracht werden, können die beiden inelastisch stoßen.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 67
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Der inelastische Stoß zwischen den beiden Wagen erfolgt ebenso mit gleicher (200 g)
und mit doppelter Masse (400 g). Nach dem Stoß lässt sich die beim inelastischen
Stoß auftretende Verformung direkt anhand der Knetkugel zeigen.
68 Wintersemester 20/21
4.1 Impulserhaltung (Anwendung: Stöße)
Beim Stoß mit der festen Blattfeder wird der Wagen reflektiert. Sein Impuls kehrt
sich also um, der Betrag bleibt aber erhalten. Es ergibt sich eine Geschwindigkeit von
0,45 m/s zu −0,45 m/s (insgesamt wird also der doppelte Startimpuls übertragen,
um in der Summe eine Richtungsumkehr zu bewirken).
Diagramm v(t) für die Reflexion am festen Ende:
Beim inelastischen Stoß mit gleichen Massen, Masse 2 zu 1 und Masse 1 zu 2 ergeben
sich zum Beispiel die folgenden Geschwindigkeits- und damit Impulsverteilungen.
Die Werte betragen 0,4 m/s und 0,0 m/s zu 0,2 m/s (bei gleicher Masse), 0,375 m/s
und 0,0 m/s zu 0,25 m/s (Massenverhältnis 2 zu 1), 0,375 m/s und 0,0 m/s zu
0,125 m/s (Massenverhältnis 1 zu 2).
Die zuvor getrennten Wagen bewegen sich nach dem Stoß gemeinsam weiter und
können als ein System mit größerer Masse betrachtet werden, dessen Impuls dem
Startimpuls vor dem Stoß entspricht. Die neue (gemeinsame) Geschwindigkeit ergibt
eine Verringerung der kinetischen Energie verglichen mit der Energieverteilung
vor dem Stoß, der fehlende Energiebetrag hat zur Verformung der Knetkugel geführt.
Wintersemester 20/21 69
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Das jeweils beobachtete Verhalten der beiden Luftkissenwagen beim Stoß ergibt sich
aus dem Energieerhaltungssatz kombiniert mit dem Impulserhaltungssatz für elasti-
sche Stöße und aus dem Impulserhaltungssatz für inelastische Stöße. Die Energieer-
haltung gilt beim inelastischen Stoß nicht, da ein Teil der kinetischen Energie durch
Deformation in innere Energie übergeht.
70 Wintersemester 20/21
4.1 Impulserhaltung (Anwendung: Stöße)
Um den Stoß an einer Wand zu beschreiben, werden die Formeln (4.10) und (4.11) des
elastischen Stoßes von zwei Körpern verwendet. Wobei im Fall der Wand die Masse unendlich
groß ist, also m2 → ∞ und die Geschwindigkeit verschwindet, also v2V = v2N = 0. Daraus
ergibt sich für die Geschwindigkeit des Körpers nach dem Stoß
1
(m1 − m2 )ẋ1V m2 (m1 − m2 )
ẋ1N = lim = lim 1
ẋ1V
m2 →∞ m1 + m2 m2 →∞
m2 (m1 + m2 )
m1
(4.15)
m −1
= lim m21 ẋ1V = −ẋ1V
m2 →∞ m
2
+1
Die Richtung der Geschwindigkeit wird umgekehrt, der Betrag der Geschwindigkeit bleibt
jedoch erhalten.
p2i
Ei = . (4.16)
2mi
1 1
Eges = m1 v12 + m2 v22 . (4.18)
2 2
Betrachtet man die Gesamtenergie im Schwerpunktsystem ergibt sich hier
1 1
Eges = m1 (v10 + vS )2 + m2 (v20 + vS )2 ,
2 2
1 1 1
= m1 v102 + m2 v202 + (m1 + m2 )vS2 + m1 v10 vS + m2 v20 vS ,
(4.19)
| {z } | {z } |2
2 2 {z } | {z }
=0, weil p01 =−p02
E10 E20 ES
Wintersemester 20/21 71
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Versuchsbeschreibung: Als Projektil dient die Kugel aus einer Luftpistole. Mit dieser
kann in ein Knetstück geschossen werden (inelastischer Stoß, Impulserhaltung), das
sich in einer drehbar gelagerten hammerförmigen Konstruktion befindet.
Der Hammer wird durch den Schuss ausgelenkt und der Winkel der Auslenkung
kann mit Hilfe eines Schleppzeigers an einer Skala abgelesen werden (und in die am
höchsten Punkt gewonnene potentielle Energie umgerechnet werden, Energieerhal-
tung). Die Masse und Länge der Konstruktion und die Masse der Kugel sind bekannt.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Die Pistole wird geladen und der Zeiger danach auf Null
gestellt. Dann wird die Kugel in den Knet geschossen und der Ausschlag des
Schleppzeigers abgelesen.
Die Masse des Pendels beträgt z.B. m = (75,47 + 0,47) g, die Masse einer Kugel
m2 = 0,47 g, die Länge des Pendels l = 25,9 cm. Als Versuchsergebnis ergibt sich z.B.
ein Winkel α von ca. 29◦ . Die Geschwindigkeit der Kugel beträgt damit v2 = 129 m/s.
72 Wintersemester 20/21
4.1 Impulserhaltung (Anwendung: Stöße)
m1 m1
p
~1V p
~1V
m2
Für den Fall gleich großer Massen der beiden Körper (m1 = m2 ) ergibt sich mit dem Satz
des Pytagoras α = 90◦ . Die Impulsvektoren nach dem Stoß stehen senkrecht zueinander,
~1N ⊥ p
also p ~2N . Der Winkel Θ beschreibt den Winkel zwischen Geschwindigkeitsvektor und
der Normalen am Berührpunkt im Moment des Zusammentreffens.
Wintersemester 20/21 73
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Versuch: Luftkissentisch
Ziel: An einem Luftkissentisch soll mit Hilfe zweier Luftkissenpucks der Einfluss der
Stoßrichtung beim nicht zentralen Stoß auf Winkel und Richtung der Bewegung der
Körper nach dem Stoß untersucht werden.
Versuchsbeschreibung: Mittels eines Gebläses kann durch Löcher auf dem Luftkis-
sentisch ein Luftpolster erzeugt werden, auf dem sich die beiden gleich schweren
Pucks reibungsfrei bewegen und miteinander stoßen können. Der stoßende Puck
kann mittels einer Federvorrichtung abgeschossen werden, der ruhende Puck wird
dabei durch einen schwachen Magneten an seiner Position gehalten.
Indem die Startvorrichtung an zwei weiteren vorgesehenen Positionen angebracht
wird, können weitere Stoßwinkel untersucht werden.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Zuerst werden die beiden Pucks auf einer Linie platziert und
der stoßende Puck wird abgeschossen. Dann werden der stoßende Puck bzw. der
zugehörige Starter seitlich versetzt zum zweiten Puck angebracht und der erste Puck
erneut ausgelöst. Die Bewegung der beiden Pucks nach dem Stoß wird beobachtet.
Da die Stoßprozesse sehr schnell ablaufen, sind beliebige Auftreffwinkel über den
zentralen Stoß hinaus unmöglich direkt zu beobachten und müssen verlangsamt
bzw. Bild für Bild analysiert werden. Auf diese Weise kann der Winkel zwischen den
beiden Bewegungslinien nach dem Stoß bestimmt werden.
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Wenn sich beide Pucks auf einer Linie be-
74 Wintersemester 20/21
4.2 Energieerhaltung und Energie
finden, bewegt sich der zweite Puck nach dem Stoß in die gleiche Richtung weiter wie
der erste Puck vor dem Stoß (zentraler elastischer Stoß). Der stoßende Puck bleibt
(näherungsweise) an der Position des gestoßenen liegen, da beide die gleiche Masse
besitzen, der Impuls wird also komplett übertragen.
In den beiden Fällen des schiefen Stoßes wird der zweite Puck so getroffen, dass sich
die beiden Pucks nach dem Stoß in einem Winkel von 90◦ zueinander weiterbewe-
gen, der Impuls wird also aufgeteilt und in seiner Richtung geändert, die Summe der
beiden Impulse gibt in Betrag und Richtung wieder den ursprünglichen Impuls des
ersten Pucks vor dem Stoß.
Unabhängig vom Auftreffwinkel schließt die Bewegung der beiden Luftkissenpucks
nach dem Stoß immer einen Winkel von 90◦ ein, gegebenenfalls mit jeweils unter-
schiedlicher Geschwindigkeit, um insgesamt den Anfangsimpuls des Systems in Be-
trag und Richtung zu erhalten.
Die tatsächliche Auswertung ergibt allerdings Winkel im Bereich zwischen 65◦ und
80◦ , es kommt also zu deutlichen Abweichungen vom Idealfall. Im realen Fall liegen
kein vollständig elastischer Stoß (Winkel 90◦ und auch kein vollständig inelastischer
Stoß (Winkel 0◦ ) vor, sondern eine Kombination aus beidem, sodass auch der Winkel
zwischen den beiden Bewegungsrichtungen nach dem Stoß kleiner als 90◦ ist.
Wenn im Moment direkt vor dem Stoß eine Verbindungslinie zwischen den Mittel-
punkten bzw. Schwerpunkten der beiden Pucks eingezeichnet und verlängert wird,
ist sichtbar, dass sich der gestoßene Puck immer (näherungsweise) entlang dieser Li-
nie bewegt.
Beispielauswertung für einen schiefen Stoß (die voreingezeichneten roten Linien
können ignoriert werden):
Wintersemester 20/21 75
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
4.2.1 Arbeit
~ entlang einer Bahnkurve ∆~r
...wird verrichtet, wenn ein Körper in Gegenwart einer Kraft F
bewegt wird. Im einfachsten Fall gilt
~ · ∆~r, N
W =F [W ] = 1 = 1J. (4.22)
m
~ (~r),
Bewegt sich der Körper zwischen den Punkten P1 und P2 unter dem Einfluss der Kraft F
lässt sich die geleistete Arbeit durch das Linienintegral
Z P2
W = ~ (~r)d~r
F (4.23)
P1
~ = m~a = m d~v
F (4.25)
dt
gilt. Multipliziert man beide Seiten mit ~v und integriert über dt, erhält man
Z t2 Z t2
~ ~v dt = d~v
F m ~v dt. (4.26)
t1 t1 dt
1
Ekin = mv 2 . (4.28)
2
76 Wintersemester 20/21
4.2 Energieerhaltung und Energie
Die Zunahme der kinetischen Energie [(Ekin,P2 − Ekin,P1 ) > 0] ist gleich der einem Körper
zugeführten Arbeit [W > 0].
Bei der potentiellen Energie ist die zugeführte Arbeit konstant und unabhängig vom Weg.
Am Anfang und am Ende der Bewegung ist der Körper in Ruhe. Hier gilt
Z z2
W = Fz dz = −mg(z2 − z1 ). (4.30)
z1
Def. Konservative Kraft: Die Arbeit bei Bewegung eines Körpers entlang einer geschlossenen
Bahnkurve ist null, wenn nur konservative Kräfte wirken.
I Z P2 Z P1 Z P1
~ d~r = 0
F ⇒ ~ d~r +
F ~ d~r =
F ~ d~r = 0
F (4.31)
P1 P2 P1
Gravitationskraft ist eine konservative Kraft, aber Reibungskraft nicht. Die potentielle Ener-
gie ist relativ zum Punkt P definiert als
Z Pi
Epot (Pi ) = − ~ d~r.
F (4.32)
P
Wichtig: Die potentielle Energie ist nur relativ definiert, d.h. nur Energiedifferenzen sind
messbar. Bei der Gravitationskraft ist P = ∞ sinnvolle Reverenz.
Versuch: Luftkissenbahn Energieerhaltung
Ziel: Das Prinzip der Energieerhaltung und der Unterschied zwischen potentieller
und kinetischer Energie sowie deren Umwandlung ineinander sollen mithilfe einer
Luftkissenbahn gezeigt werden. Der Begriff der (Beschleunigungs-)Arbeit kann
damit erläutert werden.
Die potentielle Energie des Systems ergibt sich aus der (Start-)Höhe der Beschleuni-
gungsmasse über dem Boden. Die kinetische Energie des Wagens (bzw. des Systems
Wintersemester 20/21 77
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
aus Wagen und Beschleunigungsmasse) wird aus der durch Ableiten ermittelten
Geschwindigkeit bestimmt.
Als Messgröße dient also ausschließlich die Position des Speichenrads, woraus sich
Weg und Geschwindigkeit des Wagens sowie die Höhe der Beschleunigungsmas-
se (als Differenz zwischen Starthöhe und gemessener zurückgelegter Strecke) ergeben.
Versuchsaufbau:
Der Weg wird dabei aufgezeichnet. Anschließend können die einzelnen Messkurven
und Energieformen betrachtet werden. Beginnend mit s(t), woraus v(t) berechnet
wird, dann die kinetische und die potentielle Energie und zum Schluss beide
Energieformen zusammen mit ihrer Summe (Energiebilanz).
Zur Erläuterung des Begriffs der Arbeit kann der Wagen bei laufender Messung von
Hand vor- und zurückbewegt werden. Dabei werden die Höhe des Massestücks über
dem Boden und die aufgezeichnete potentielle Energie beobachtet.
78 Wintersemester 20/21
4.2 Energieerhaltung und Energie
Diagramm der Energiebilanz (die rote Kurve zeigt die kinetische Energie des Wagens
bzw. der Gesamtmasse, die blaue die potentielle Energie der Beschleunigungsmasse
und die grüne Kurve die Summe der beiden Energieformen):
Die potentielle Energie (und damit die Energiesumme) fällt am Ende der Bewegung
bzw. Bahn nicht auf null ab, da als Nullpunkt für die potentielle Energie bzw. für
die Höhe der Boden gewählt wurde und das Massestück nicht bis ganz auf den
Boden absinkt.
Wenn der Wagen von Hand bewegt wird, wirkt die Gewichtskraft der Beschleu-
nigungsmasse längs des Wegs des Wagens. Es wird also Arbeit verrichtet, die der
potentiellen Energie des Massestücks entzogen oder hinzugefügt wird, wie an der
Höhenänderung der Masse ersichtlich ist.
Diagramm der potentiellen Energie des Systems bei Bewegung des Wagens von Hand:
Die abnehmende potentielle Energie beim Absenken des Massestücks wird in kineti-
sche Energie des Systems umgewandelt.
Wintersemester 20/21 79
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Ziel: Die Umwandlung von kinetischer Energie in potentielle und zurück soll am
Beispiel eines großen Deckenpendels, an dem eine Person hängt und periodisch
schwingt, untersucht werden. Dabei kann analog zum Prinzip eines ballistischen
Pendels die Startenergie des Systems durch Anlaufen und Springen an das Pendel
in das System gebracht werden.
Versuchsbeschreibung: Als Pendel dient eine an einem Hebezug hängende Kugel mit
25 kg Masse (Pendellänge ca. 6 m), an der zusätzlich eine Haltestange angebracht
ist. Längs der Schwingungsebene des Pendels ist ein Ultraschall-Bewegungssensor
aufgestellt, mit dem die Position des Körpers des Experimentators erfasst und
aufgezeichnet werden kann.
Von einer ca. 5 m vom Ultraschallsensor entfernten Markierung auf dem Boden
aus kann der Experimentator auf den Sensor und das auf halber Strecke hängende
Pendel zu laufen und sich dann an dieses hängen. Die Energie der Bewegung auf das
Pendel zu versetzt dieses dann in Schwingung.
Versuchsaufbau:
80 Wintersemester 20/21
4.2 Energieerhaltung und Energie
ungefähr 2 m/s betragen. Diagramm v(t) (rot, aus s(t) errechnet) der Anlaufbewe-
gung:
Dann wird der Versuch mit Deckenpendel möglichst mit der gleichen Anlaufge-
schwindigkeit wiederholt. Wieder wird bei laufender Messung an der Markierung
begonnen, allerdings springt der Experimentator jetzt an das Pendel und schwingt
dann einige Perioden frei hängend, während seine Position erfasst und aufgezeichnet
wird. Die sich ergebenden Kurven für Weg und Geschwindigkeit werden beobachtet
und untersucht.
Die Energie im System wechselt dann periodisch zwischen reiner kinetischer Energie
(tiefster Punkt der Schwingung, größte Bahngeschwindigkeit) und reiner potentieller
Energie (Umkehrpunkte der Bewegung, größte Höhe bzw. Auslenkung) hin und her.
Wintersemester 20/21 81
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
82 Wintersemester 20/21
4.2 Energieerhaltung und Energie
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 83
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Energie, die nur von der Höhendifferenz abhängt (die die Differenz an potentieller
Energie ergibt, die umgewandelt wurde) und nicht von der Form des Weges, der
dazu genommen wurde. Aus den Zeitmessungen mit den beiden Lichtschranken
ergibt sich eine Geschwindigkeit von jeweils 2,0 m/s.
Dies ist analog zum Begriff der Arbeit in einem konservativen Kraftfeld bzw.
Potential zu betrachten. Die Bahn 2 ist eine Brachistochrone. Auf ihr wird die
Energie am schnellsten umgewandelt und die Kugel gelangt nach der kürzesten Zeit
am unteren Ende an.
Unterschiedliche Starthöhen der Kugel ergeben entsprechend unterschiedliche Zeiten
in der Messung. Je tiefer die Kugel startet, umso mehr Zeit benötigt sie für die 10 cm,
ihre kinetische Energie ist dann also niedriger, da zu Beginn weniger potentielle
Energie vorhanden war.
Die Auswertung der Aufzeichnung ergibt für alle vier Kugeln eine ungefähr gleich
lange Gerade für eine 2 Frames lange Flugzeit am Ende der Bahnen. Die Flugstre-
cken bei gleicher Zeit und damit die Geschwindigkeiten sind also gleich.
84 Wintersemester 20/21
4.2 Energieerhaltung und Energie
1 2
Ek (z) = kz (4.37)
2
Extrem Wichtig: E
Epot ∼ z 2 ⇒ z(t) ∼ cos(ωt)
Die Bewegung in einem parabolischen Po-
tential (Verlauf der potentiellen Energie) ist
immer eine harmonische Schwingung. ∼ z2
Eine genauere Untersuchung der Federbe-
wegungen und der harmonischen Schwin-
gungen findet zu einem späteren Zeitpunkt z
in Kapitel 6 statt.
Elektrische Energie
Die Bewegung einer elektrischen Ladung in einem elektrischen Feld wendet Arbeit auf.
1kWh = 103 W · 3600s = 3,6 · 106 J → 1W = 1 Js
Chemische Energie
Das Brechen und Formen von chemischen Bindungen wendet Arbeit auf. Typische Größe
2eV pro Bindung. 1eV = 1 Elektronen Volt = 1,602 · 10−19 J
Thermische Energie
Im Wesentlichen ist Eth die kinetische Energie der Atome und Moleküle. Eth = 32 kB N T
kB = 1,38 · 10−23 K
J
: Boltzmann Konstante.
Irreversible Energieumwandlung
Dies ist z.B. bei einem unelastischen Stoff der Fall. Hierbei gilt
Wintersemester 20/21 85
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Reversible Energieumwandlung
Die Energieumwandlung ist nicht von der Vorgeschichte des Systems und nicht von der
Dauer der Umwandlung abhängig. Alle potentiellen Energien sind relativ zu einer Referenz
~ → 0.
definiert. Sinnvolle Referenz ist oft |~r | → ∞ da dort F
Versuch: Deformation mit Thermokamera
Ziel: Mit Hilfe einer Thermokamera soll gezeigt werden, dass sich Körper durch
Verformung erwärmen können, dass also z.B. kinetische Energie in innere Energie
umgewandelt wird (was unter anderem bei inelastischen Stößen der Fall ist).
Versuchsbeschreibung: Eine Stahlkugel kann auf ein Stück Styrodur fallen gelassen
und der Vorgang mit einer Wärmebildkamera beobachtet werden.
Versuchsaufbau:
86 Wintersemester 20/21
4.3 Drehimpuls
auftritt, lässt sich eine Erwärmung erkennen, es wird also kinetische Energie in
innere Energie umgewandelt. Entsprechend ist der Aufschlagpunkt der Stahlkugel
auf dem Styrodur im Wärmebild sichtbar (Erwärmung um ca. 2 bis 3 ◦ C). Direkt
beobachtet hinterlässt der Aufschlag der Kugel Dellen im Styrodur, es wird also
dauerhaft (inelastisch) verformt.
4.3 Drehimpuls
4.3.1 Drehimpulserhaltung
~ ist in einem abgeschlossenen System erhalten.
Der Drehimpuls L
~ = ~r × p
L ~ (4.43)
X
~ ges =
L ~ i = const.
L (4.44)
i
Versuch: Drehschemel
Ziel: Am Beispiel einer auf einem Drehschemel sitzenden Person, der entweder zwei
schwere Hanteln oder eine rotierende Fahrradfelge in die Hand gegeben werden,
sollen das Prinzip der Drehimpulserhaltung und der Begriff des Trägheitsmoments
demonstriert und erläutert werden.
Versuchsbeschreibung: Die Person sitzt frei drehbar auf dem Schemel und kann die
Hanteln in verschiedenen Abständen zum Körper und damit zur Drehachse symme-
trisch von sich strecken bzw. die rotierende Felge in verschiedenen Ausrichtungen
halten oder kippen. Die Fahrradfelge wird mit einem Antriebsmotor in Rotation
versetzt, ein auf die Achse aufgesteckter Pfeil kann die Richtung des Drehimpulses
anzeigen.
Wintersemester 20/21 87
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Versuchsaufbau:
88 Wintersemester 20/21
4.3 Drehimpuls
p~ k
~
p
~L ~
p
p~ ⊥
~r
~r
Gilt für beliebige Bahnkurven ~r(t). Der Impuls des Teilchens lässt sich in eine parallele und
eine senkrechte Komponente aufteilen.
~ = ~r × p
L ~ = ~r × (pk + p ⊥) = ~r × pk +~r × p⊥ (4.45)
| {z }
=0
In den Drehimpuls geht nur p⊥ (Impulskomponente senkrecht zum Ortsvektor) ein. Hierbei
ist die Rotationsachse fest und läuft durch den Schwerpunkt.
d~
r
)
dt ~ × ~r
=ω
~ = m(~r × (~
L ω × ~r)) (4.46)
d~
r
dt = ~v , p
~ = m~v
~ = mωr2 ω̂
L (4.47)
Wintersemester 20/21 89
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Versuch: Schwerpunkthantel
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Zuerst wird die Hantel bei voller Raumbeleuchtung mit einer
hohen Wurfbahn quer durch den Raum geworfen, dann wird das Raumlicht komplett
aus- und die Beleuchtung der Hantel eingeschaltet und der Wurf wiederholt. Die
Bewegung der Hantel und ihr Verhalten während des Flugs wird jeweils beobachtet.
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Im Hellen ist erkennbar, dass sich die Hantel
auf ihrer Flugbahn chaotisch durch die Luft bewegt und dabei schnell um sich selbst
rotiert. In verdunkelter Umgebung wird dagegen sichtbar, dass sich lediglich die
Enden der Hantel scheinbar chaotisch auf Kreisbahnen bewegen, der Schwerpunkt
der Hantel (sichtbar gemacht durch das weiße Licht) bewegt sich auf einer einfachen
Bahnkurve, die der eines schiefen Wurfs entspricht.
Unabhängig von der restlichen Bewegung während des Wurfs kann die Hantel also
auf einen Punkt (den Schwerpunkt) reduziert werden, dessen Bewegung sich sehr
einfach beschreiben lässt.
Außerdem ist im Hellen erkennbar, dass die Rotation der Hantel in einer gleich
bleibenden Ebene stattfindet, der Drehimpuls bleibt also auch längs der gekrümmten
Bahnkurve zu jedem Zeitpunkt erhalten. Die Translationsbewegung der Konstruktion
dagegen kann auf die Bewegung des Schwerpunktes reduziert werden, um den die
Rotationsbewegung erfolgt.
90 Wintersemester 20/21
4.3 Drehimpuls
~
~ = dL = d~r × p
D ~ +~r ×
d~
p
dt dt |{z} dt
k~
v
|{z} |{z}
=~
v ~
F
| {z }
=0
~ = ~r × F
⇒ D ~ [D] = 1Nm (4.48)
Anwendung:
1) Stabilisierung von Objekten(genauer: der Orientierung des Objekts), Gyroskope, künstlicher
Horizont
2) Reaktionsrad (reaction wheel) nutzt Drehimpulserhaltung, um Drehmoment zwischen
Körpern wirken zu lassen.
Versuch: Fahrradkreisel aufgehängt
Ziel: Mithilfe eines zuerst fest und dann frei aufgehängten Fahrradkreisels sollen die
stabilisierende Wirkung eines Drehimpulses bzw. die Drehimpulserhaltung sowie das
Auftreten von Präzession bei einem nicht kräftefreien Kreisel demonstriert werden.
Versuchsbeschreibung: An einem großen Stativ ist ein Fahrradkreisel auf der einen
Seite seiner Achse mit einer Schnur fest aufgehängt. Die andere Seite kann über eine
zweite Schnur mittels einer magnetischen Klemmvorrichtung gehalten werden.
Damit hängt der Kreisel bezogen auf seine Achse waagrecht, kann durch Abschalten
des Elektromagneten aber gelöst werden, sodass er aufgrund der Schwerkraft kippt
und die Achse dann senkrecht nach unten hängt. Der Kreisel kann mithilfe eines
Antriebsmotors in Rotation versetzt werden.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 91
4 Erhaltungsgrößen (und deren Anwendung)
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Der rotierende Kreisel kippt nicht wie er-
wartet (und wie bei ruhendem Kreisel beobachtet) in die Senkrechte, sondern bleibt
trotz seiner großen Masse waagerecht hängen. Sein Drehimpuls sorgt für eine stabi-
lisierende Wirkung.
Allerdings wirkt durch die Schwerkraft permanent ein Drehmoment auf den nicht
im Schwerpunkt aufgehängten Kreisel, was zu einer Präzessionsbewegung führt und
seine Achse um die Senkrechte bzw. den Aufhängungspunkt rotieren lässt.
Ziel: Ein kardanisch aufgehängter Kreisel soll das Prinzip eines künstlichen
Horizontes und von Kreiselkompassen verdeutlichen. Außerdem kann damit die
Drehimpulserhaltung gezeigt werden.
92 Wintersemester 20/21
4.3 Drehimpuls
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 93
5 Raumfahrt
5 Raumfahrt
5.1 Raketengleichung
Für eine in der Zeit konstante Masse nimmt das zweite Newtonsche Axiom die Form
d~
p ~ = m~a
=F (5.1)
dt
an. Da sich die Masse bei Raketen in der Zeit ändert (m = m(t) 6= const.) muss diese bei
der zeitlichen Ableitung des Impulses berücksichtigt werden. Hier gilt
d~
p d dm d~v
= (m~v ) = ~v + m . (5.2)
dt dt dt dt
Die Herleitung der Raketengleichung basiert auf der Impulserhaltung. Der Gesamtimpuls,
also die Summe aus Impuls der Rakete sowie der Impuls des Gases, bleibt zu jeder Zeit
konstant: p
~R + p
~G = const. Damit veschwindet die zeitliche Ableitung des Gesamtimpulses,
d
(~
p +p
~G ) = 0. (5.3)
dt R
Da die Raketenmasse mR =: m im gleichen Maße abnimmt wie die Gasmasse zunimmt, ist
ṁG = −ṁ und ṁR = ṁ und es folgt
Hier wird vrel als die Relativgeschwindigkeit des Gases zur Rakete geschrieben, diese ent-
spricht der Ausströmgeschwindigkeit des Gases. Die Ausströmgeschwindigkeit ist für jeden
Raketentreibstoff charakteristisch.
Raketengleichung: Die Bewegungsgleichung einer Rakete lautet nach der Herleitung von
oben
m~v˙ R = ṁ~vrel . (5.6)
| {z }
Der rechte Term von (5.6) ist als die Schubkraft zu sehen, FS = ṁ~vrel . Es ist zu beachten,
dass ~vrel in der Regel in die andere Richtung als ~v˙ R zeigt und ṁ ≤ 0.
94 Wintersemester 20/21
5.1 Raketengleichung
Versuch: Raketenwagen
Ziel: Die Raketengleichung bzw. das Prinzip von Raketenantrieben soll eindrucksvoll
demonstriert werden.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 95
5 Raumfahrt
dv ṁ
= − vrel . (5.7)
dt m
Zeitliche Integration der separierten Gleichung und die Anfangsbedingung der Masse m(t =
0) = m0 ergibt
Z t Z t
dv 0 dm 1
dt = − v dt0
0 dt0 0 dt0 m rel
Z v(t) Z m(t)
1
dv = −vrel dm0
0 m0 m0
m(t)
v(t) = −vrel ln(m0 )
m0
m0
v(t) = vrel ln (5.8)
m(t)
bei endlicher Menge Treibstoff m(t → ∞) = mleer . Die Endgeschwindigkeit v(t → ∞) einer
Rakete hängt von der Relativgeschwindigkeit des ausgestoßenem Materials, vrel sowie dem
96 Wintersemester 20/21
5.1 Raketengleichung
Verhältnis der Start- und Leermasse der Rakete m0 /mleer ab. Nach (5.8) ist die Endge-
schwindigkeit durch
m0
vEnd = v(t → ∞) = vrel ln (5.9)
mleer
gegeben.
Versuch: Wasserrakete
Versuchsbeschreibung: Als Rakete dient eine leere PET-Flasche mit einem Leit-
werkaufsatz mit Anschluss für einen Druckluftschlauch. Wenn der Druck in der
Flasche groß genug ist, löst sich der Schlauch von alleine und die komprimierte
Luft kann senkrecht nach unten ausströmen. Außerdem kann die Rakete mit
unterschiedlichen Wassermengen als Treibstoff gefüllt werden.
Versuchsaufbau:
Wintersemester 20/21 97
5 Raumfahrt
Zuletzt wird ein Start mit einer sehr viel großerenößeren Menge von ungefähr
oßeren
¨ ungef¨
ungefahr
ahr 1,5 l
durchgefuhrt.
durchgeführt.
¨ Die jeweilige Steigh ohe
öhe
¨ wird beobachtet.
Bei der großen Wassermenge befindet sich neben dem großeren ößeren Startgewicht nur
¨
noch ein geringes Luftvolumen in der Flasche. Da durch den Überdruck nur dieser
Teil komprimiert werden kann, fällt
fallt
¨ der Druck beim Start rasch ab und die Aus-
stromgeschwindigkeit
ömgeschwindigkeit des Wassertreibstoffs verringert sich stark, was die maximale
¨
Steighohe
öhe reduziert.
¨
5.1.1 Antriebssysteme
5.2 Satellitenbahnen
5.2.1 Umlaufzeit
98 Wintersemester 20/21
5.3 Kosmische Geschwindigkeiten
2π/T , dem Kürzen der Satellitenmasse und etwas Umformen ergibt sich
4π 2 GM r3 GM
2
= 3 ⇐⇒ 2 = . (5.11)
T r T 4π 2
Die Satellitenbahn ist also unabhängig von der Satellitenmasse1 . Das Verhältnis r3 /T 2 ist
abhängig von der Masse des Planeten.
Der Geosynchrone Orbit hat eine Umlaufzeit T von genau einem siderischen Tag, welcher cir-
ca 24 h = 86400 s2 lang ist. Diese Orbits finden vor allem Anwendung in der Kommunikation
und bei Fernsehsatelliten. Der Umlaufradius berechnet sich mit (5.11) zu
T ≈ 24h = 86400 s
r
GM T 2
≈ 4,2 · 107 m
3
r=
4π 2
1 Beigroßen Massen des umlaufenden Körpers kann das Verhältnis r3 /T 2 mit Hilfe der Keplergesetze
bestimmt werden, siehe dafür Abschnitt 4 dieses Kapitels.
2 Genauer: 86.164,099 s. Dies ist etwa 4 min kürzer als der bürgerliche Tag mit 24 · 60 · 60 s = 86400 s.
Wintersemester 20/21 99
5 Raumfahrt
In den drei folgenden Betrachtungen wird die Bahngeschwindigkeit und Erdrotation ver-
nachlässigt. In der Realität können diese Größen helfen, die benötigte Geschwindigkeit zu
reduzieren.
Die erste kosmische Geschwindigkeit entspricht der Geschwindigkeit, die ein Körper haben
muss um in der Höhe h = 0 m eine stabile Umlaufbahn zu erreichen. Aus (5.10) und ω = v/r
folgt
v2 mM
m =G 2
r r
r (5.12)
M
⇒v= G
r
r
ME Erde
v1 = G ≈ 7944 m/s.
rE
Mm
FG (r) = −G 2
,
Z ∞r
GM m
EG (r) = − 02 dr0
r r
Mm
⇒ EG (r) = −G . (5.13)
r
Mit der verschwindenden Gesamtenergie Eges = Ekin + EG = 0 und r = rE berechnet sich
die zweite kosmische Geschwindigkeit und damit die Fluchtgeschwindigkeit der Erde zu
1 Mm
mvf2 = G
2 rE
r
2GM
⇒ v f ≡ v2 = . (5.14)
rE
Um von der Erdoberfläche bis r → ∞ zu fliegen benötigt man mindestens die Fluchtge-
√
schwindigkeit von 11,2 · 103 m/s. Hier lässt sich erkennen, dass v2 = 2 · v1 .
Sonne Erde
5.3.4 Dritte kosmische Geschwindigkeit
i, j stehen dabei für die verschiedenen Himmelskörper (also Sonne, Merkur, ...). ~rij stellt
den Verbindungsvektor zwischen den Körpern i und j dar.
Das Sonnensystem wird also durch ein gekoppeltes Differentialgleichungssystem zweiter Ord-
nung geschrieben. Die Kopplung kommt von der Abhängigkeit ~r¨ij von allen ~rj . Eine analy-
tisch geschlossene Lösung des Differentialgleichungssystems existiert ausschließlich für zwei
Körper und spiegelt sich in den Keplerschen Gesetzen wieder.
Für drei oder mehr Planeten muss die Lösung numerisch berechnet werden. Bei der nume-
rischen Lösung werden exakte Ableitungen ~r˙i,j in finite Differentiale ∆ri,j /∆t überführt.
dv v(t2 ) − v(t1 )
a= ≈ ⇒ v(t2 ) = a · (t2 − t1 ) + v(t1 ), (5.17)
dt t2 − t1
dr r(t2 ) − r(t1 )
v= ≈ ⇒ r(t2 ) = v · (t2 − t1 ) + r(t1 ). (5.18)
dt t2 − t 1
5.4.2 Keplergesetze
dA
= const. (5.19)
dt
T2
= const. (5.20)
a3
für
fur
¨ alle Planeten. Die gesamte Fl¨
ache der Ellipse berechnet sich
äche
mit A = πab.
Fur
ür
¨ zwei K¨
orper gelten die Beziehungen
örper
= ma
F (5.21)
= −F
G mM
F = G 2 r̂ (5.22)
r
Mit m M , also einer viel kleineren Planetenmasse als Sternenmasse, ist der Mittelpunkt
des Sterns ungefähr
ungefahr
¨ der Schwerpunkt des Gesamtsystems.
~
dL
=D~ = ~r × F
~G
dt
Mm (5.23a)
= −G 2 (~r × r̂) = 0
r | {z }
=0
~ = const.
⇒L (5.23b)
2. Keplersches Gesetz Für genügend kleine Zeitintervalle kann die vom Fahrstrahl über-
fahrene Strecke durch ein Dreieck angenähert werden, in diesem gilt mit dem Öffnungswinkel
α
1 1
dA = |~r × ~v | = |~r| · |~v dt| · sin (α).
2 2
Für ∆t → 0 geht die Differenz zwischen Ellipsenfläche und Dreiecksfläche gegen Null, es gilt
dA 1 d~r 1 1 1 ~
= ~r × = m |~r × ~v | = |~r × p
~| = |L| = const. (5.24)
dt 2 dt 2m 2m 2m
1 GM
Eges = Ekin + EG = const. = m~v 2 − m (5.25)
2 |~r|
< 0 Kreis oder Ellipse
Eges = = 0 Parabel (5.26)
> 0 Hyperbel
1 1 mM
Eges = mṙ2 + mr2 ϕ̇2 −G , (5.30)
2 2
| {z } r
∗
~ = ~r × p
L ~ = m(~r × ~v )
zu
1 ~ 2
|L| L2
mr2 ϕ̇2 = = (5.31)
2 2mr2 2mr2
umgeschrieben werden kann. Wir schreiben hier die Gesamtenergie als Summe aus
mM
EG = −G , (5.32)
r
L2
EU = (5.33)
2mr2
1
und Ekin = mv 2 . (5.34)
2
L2 mM
Eges = 0 + −G (5.35) Kreisbahn
2mr2 r
schreiben. Daraus folgt direkt
a3 GM
= = const. (5.36)
T2 4π 2
Das dritte Keplersche Gesetz lässt sich für Kreisbahnen auch durch das Gleichsetzen der
Gravitationskraft mit der Zentripetalkraft herleiten, siehe dafür den Abschnitt Satelliten-
bahnen.
In der Energiebetrachtung lassen sich vier Fälle unterscheiden:
1 2
1. 2 mṙ = 0 und Eges < 0 ⇒ Kreisbahn (gebundener Zustand)
2
L GM
2. 2mr − m r < Eges < 0 ⇒ Ellipse (gebundener Zustand)
3. Eges = 0 ⇒ Parabel mit Ekin (r → ∞) = 0 (gebundener Zustand)
Ziel: Das Verhalten eines Körpers in einem 1r -Potential soll veranschaulicht werden.
Das Modell dient zur Erläuterung der Kepplerschen Gesetze und der Form von
Planetenbahnen, außerdem kann das Prinzip der Drehimpulserhaltung demonstriert
werden.
Versuchsbeschreibung: Das Modell besteht aus PVC und ist in der Form einer
Mulde gearbeitet, die dem Verlauf eines 1r -Potentials bzw. dem Potential in einem
Zentralkraftfeld entspricht. Über eine Startrampe können Kugeln in den Bereich der
Mulde gebracht und beim Rollen beobachtet werden.
Versuchsaufbau:
schwindigkeit der Kugel in Abschnitten, die sich näher zum Zentrum befinden, größer
ist, als im Fall von größerer Entfernung zum Zentrum (Drehimpulserhaltung).
Auch dieses Verhalten lässt sich auf die Kepplerschen Gesetze und die Geschwindig-
keit der Planeten an verschiedenen Stellen ihrer Ellipsenbahnen übertragen.
Beim Passieren des Mittelpunktes erhält die Kugel einen merklichen Schwung und bei
entsprechender Wahl des Startpunktes kann erreicht werden, dass die Kugel zunächst
ein paar Mal um den Mittelpunkt herumläuft ohne dabei den Rand des Modells zu
berühren und dann durch den zusätzlichen Schwung gegen die Begrenzung rollt, ob-
wohl die Startgeschwindigkeit zu Beginn dafür nicht ausgereicht hat. Dies kann zur
Erläuterung von Swing-by Manövern“in der Raumfahrt verwendet werden.
”
The career of a young theoretical physicist consists of treating the harmonic oscillator in
”
ever-increasing levels of abstraction.“ - Sidney Coleman (1937-2007)
Der harmonische Oszillator ist eines der wichtigsten Modelle der Physik. Er findet Anwen-
dung in allen Teilgebieten der Physik. Komplexe Systeme lassen sich bei kleinen Auslenkun-
gen durch den harmonischen Oszillator beschreiben.
6.1.2 Federpendel
Aus Kapitel 4.2 wissen wir, dass die Energie eines abgeschlossenen Systems erhalten bleibt.
Vernachlässigt man bei einem Federpendel Reibungseffekte, so handelt es sich näherungsweise
um ein abgeschlossenes System. Die Energie ist erhalten, wobei sich die potentielle Energie
aus Federenergie und Lageenergie zusammensetzt.
zk sei die Auslenkung, in der keine Federkraft wirkt, k die Federkonstante. In der Ruhelage z0
heben sich Federkraft und Gravitationskraft gegenseitig auf. Daraus folgt für die Gesamtkraft
d
Fges = 0 = − [EK + EG ]
dz (6.3)
d
h1 i
=− k(z − zk )2 + mg(z − zk ) = k(zk − z) − mg
dz 2
mg = k(zk − z0 ) (6.4)
Aus der Energiebetrachtung ergibt sich, dass die Auslenkung symmetrisch zur Ruhelage
ist. Die kinetische Energie ist in der Ruhelage maximal, wobei sie in den Umkehrpunk-
ten verschwindet. Es findet eine periodische Energieumwandlung zwischen potentieller und
kinetischer Energie statt. Die Oszillation wird durch ein parabolisches Potential beschrieben.
Aus der Kräftebetrachtung kann die vollständige Bewegung abgeleitet werden. Die allgemeine
Bewegungsgleichung hierfür lautet
m~a = F~ges (6.5)
Im Fall des Federschwingers handelt es sich um ein eindimensionales Problem. Hierfür ergibt
sich
d2
mz̈ = m z = Gg + FK = −k(z − zk ) − mg mit z 0 = z − z0
dt2
d2 (6.6)
= m 2 z 0 = −k(z 0 + z0 − zk ) − mg = −kz 0 .
dt | {z }
=0
d2 0 k
z = − z0. (6.7)
dt2 m
Gesucht ist die Funktion z 0 (t), die diese DGL erfüllt. Wir verwenden den Ansatz
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: An die Feder wird eine Masse von 50 g und dann von
200 g angehängt und jeweils die Schwingung bei laufender Messung gestartet und
aufgezeichnet. Der Sensor wird davor jeweils in der Gleichgewichtslage der beiden
Massen auf null gesetzt.
Die Änderung der Schwingungsdauer bei den unterschiedlichen Massen ist deutlich
sichtbar. Die Periodendauer kann aus den gemessenen Kurven bestimmt werden.
Zusätzlich kann das Frequenzspektrum der beiden Schwingungen angezeigt und
daraus die jeweilige Schwingungsfrequenz abgelesen werden.
Außerdem kann die Schwingung der Feder über einen langen Zeitraum gemessen
werden, um die Dämpfung der Schwingbewegung beobachten zu können.
Entsprechend ergeben sich aus dem Frequenzspektrum Werte von 0,61 Hz für die
Masse von 200 g und 1,17 Hz für die Masse von 50 g.
Diagramm der zeitabhängigen Kraft F (t) für die beiden Massen (schwarz für 50 g
und rot für 200 g) sowie das zugehörige Frequenzspektrum:
Über einen langen Zeitraum gemessen ist die aufgrund der Dämpfung exponentielle
Abnahme der Amplitude der Schwingung erkennbar.
Z∞
1
fˆ = Ff, fˆ(ω) = √ f (t)e−iωt dt (6.12)
2π
−∞
N
1
e−iωm∆t · f (m∆t) · ∆t
X
fˆ(ω) = √ (6.13)
2π m=−N
1
fˆmax = (6.14)
2∆t
Beobachtung:
Für kleine Auslenkung nur eine Frequenzkomponente
→ harmonische Schwingung
Für große Auslenkung mehrere Frequenzkomponenten
→ anharmonische Schwingung
d dϕ
L̇ = D = (Iω) mit I = ml2 und ω = (6.15a)
dt dt
D = F · l = −FG · sin(ϕ) · l (6.15b)
2
d ϕ
L̇ = ml2 = −mg sin(ϕ) · l (6.15c)
dt2
d2 ϕ g
= − sin ϕ (6.16)
dt2 l
d2 ϕ g
=− ϕ (6.17)
dt2 l
r
g
ϕ(t) = A cos t+Φ (6.18)
l
Große Auslenkung sin ϕ 6= ϕ
Zϕ
W (ϕ) = − F (ϕ0 ) · ldϕ0 (6.19)
0
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Die Messung wird über die Auslenkung des Pendels aus-
gelöst nachdem der Sensor am Ruhepunkt auf null gestellt wurde. Das Pendel wird
unterschiedlich stark ausgelenkt und seine Bewegung jeweils aufgezeichnet. Die
gemessenen Kurven werden hinsichtlich ihrer Form miteinander verglichen. Neben
der zeitabhängigen Winkelauslenkung α(t) wird auch die Winkelgeschwindigkeit
ω(t) durch Ableiten bestimmt und dargestellt, um die Lage dieser beiden Kurven
zueinander zu zeigen. Außerdem wird für die unterschiedlichen Auslenkungen das
Frequenzspektrum der jeweiligen Schwingung gezeigt, um die Schwingungsfrequenz
direkt ablesen zu können (mittels einer Fast Fourier Transform (FFT) Software).
Bei größeren Auslenkungen flacht die Auslenkungskurve in den Bereichen der Extre-
ma sichtbar ab, ist also nicht mehr rein sinusförmig, die Geschwindigkeitskurve wird
immer mehr zu einer Dreiecksfunktion, die getätigte Näherung für kleine Auslenkun-
gen gilt dann also nicht mehr.
Das Frequenzspektrum ergibt keine eindeutige einzelne Schwingungsfrequenz mehr,
sondern enthält zunehmend Anteile höherer Frequenzen. Außerdem verschiebt sich
die Grundfrequenz des Pendels zu niedrigeren Frequenzen (0,6 Hz bei 175 ◦ ). Dia-
gramme α(t) und ω(t) für eine maximale Auslenkung von 100 ◦ und 175 ◦ (fast senk-
recht) sowie die zugehörigen Frequenzspektren:
Eine Erfassung der Schwingung über einen längeren Zeitraum verbessert das Ergeb-
nis der FFT und lässt die Peaks schmaler werden, lässt aber auch die Veränderungen
in den Kurvenformen weniger deutlich sichtbar werden, da die benötigte extrem große
Auslenkung schnell gedämpft wird.
Um insbesondere bei einer Startauslenkung von fast 180◦ die Kurvenform zu be-
obachten, genügt eine Messzeit von 5 s, um eine deutliche Veränderung gegenüber
kleineren Auslenkungen erkennen zu können. Beide Kurven weichen deutlich vom
erwarteten Sinusverlauf ab.
Beobachtung:
Abklingen der Schwingung mit der Zeit. Bei wachsender Stokes-Reibung im Fluid klingt die
Schwingung schneller ab, bis sie zum Stillstand kommt. Die Schwingungsperiode wird bei
stärkerer Dämpfung vergrößert.
Ziel: Der Einfluss von Dämpfung auf die Amplitude und Phase einer Schwingung
soll untersucht werden.
eine Fahne zur Markierung und an ihrer Unterseite einen zylinderförmigen Körper
besitzen.
Dieser Körper taucht in das Medium in dem jeweiligen Glasgefäß ein und bewegt
sich beim Schwingen des Schwingkörpers um die Aufhängungsachse in dem Medium
hin und her.
Versuchsaufbau:
Dann wird eines der Gefäße mit Wasser gefüllt und der Versuch wiederholt.
Abschließend wird der Schwingkörper aus dem Wasser in das Öl gehängt und dort
zum Schwingen gebracht.
Wenn die Dämpfung eines der Schwinger im Wasser größer ist als in Luft, laufen
die Schwinger nicht mehr synchron und ihre Phasenlage verschiebt sich mit der
Zeit immer weiter gegeneinander. Die Eigenfrequenzen der beiden Schwinger
In Öl ist dieser Effekt aufgrund der sehr starken Dämpfung noch deutlicher. Der
Schwinger bewegt sich nach dem Auslenken nur noch langsam auf seine Ruhelage zu
und schwingt nicht mehr über diese hinweg (Kriechfall).
k γ0
0 = ẍ + γ ẋ + ω02 x mit ω02 = und γ = (6.21)
m m
DGL einer allgemeinen gedämpften Schwingung: Lineare, homogene DGL 2. Ordnung
Ansatz: x(t) = A exp(α · t)
Nichttriviale Lösungen müssen ∃t : x(t) 6= 0 haben.
ẋ = αx(t) (6.22)
2
ẍ = α x(t) (6.23)
1. Schwache Dämpfung:
Die Schwingungsfrequenz ist reell,
r
γ2 γ
ω= ω02 − → α1,2 = − ± iω. (6.27)
4 2
Für α = ω0 hat man nur eine Lösung. Diese kann nicht die allgemeine Lösung sein. Eine
DGL zweiter Ordnung muss zwei linear unabhängige Lösungen haben. Zusätzliche Lösung:
Diese zusätzliche Lösung erfüllt ẍ(t) + 2ω0 ẋ + ω02 x = 0. Daraus folgt die allgemeine Lösung
3. Überkritische Dämpfung:
Allgemeine Lösung
x(t) = A1 · exp(α1 t) + A2 · exp(α2 t) (6.36)
Ziel: Mit dem Pohlschen Rad sollen erzwungene Schwingungen und das dabei auf-
tretende Verhalten bei unterschiedlichen Anregungsfrequenzen demonstriert werden.
Außerdem können das Verhalten eines schwingenden Systems bei unterschiedlichem
Dämpfungsgrad gezeigt und dabei die verschiedenen Schwingfälle untersucht werden.
Versuchsaufbau:
Beim Anregen des Rads mithilfe des Motors schwingt es zu Beginn mit sehr kleiner
Amplitude (kleiner als die Anregungsamplitude) und in Phase mit dem Motor. Wird
die Anregungsfrequenz erhöht, so vergrößert sich auch die Amplitude des Rads im-
mer weiter bis sie größer als die Anregungsamplitude wird. Motor und Rad schwingen
weiterhin in Phase (bzw. beginnen, auseinander zu laufen).
Bei einer bestimmten Anregungsfrequenz wird die Resonanz des Systems erreicht:
Die Amplitude des Rads wird sehr groß bis es fast an den Begrenzungen anschlägt.
Der anregende Motor und das Rad schwingen dann genau in der Resonanz um 90◦
phasenverschoben.
Wird die Motorgeschwindigkeit weiter erhöht, nimmt die Amplitude wieder deutlich
ab und Motor und Rad schwingen gegenphasig. Wird in der Resonanz die Dämpfung
eingeschaltet, so nimmt die Amplitude deutlich ab, da sich die Lage der Resonanz
verschiebt bzw. in zwei neue Resonanzfrequenzen aufspaltet.
Das Amplituden- und Phasenverhalten der beiden Schwingbewegungen lässt sich
auch in der laufenden Messung der beiden Schwingkurven ablesen. Die Amplitude
der Anregung bleibt gleich, lediglich die Anregungsfrequenz vergrößert sich.
In der Resonanz nimmt die getriebene Amplitude des Schwungrads deutlich zu und
danach wieder ab. Die Phasenlage der beiden Kurven zueinander beginnt gleichpha-
sig, verschiebt sich dann bis zur Resonanz hin zu 90◦ und dann weiter zu 180◦ für
eine Anregung oberhalb der Resonanzfrequenz. Aus der Kurve der Anregung kann
im Resonanzfall die zugehörige Frequenz bestimmt werden (durch Ausmessen der
Periodendauer). Diese Frequenz beträgt ca. 0,54 Hz.
Diagramme α(t) für die antreibende Motorbewegung (rot) und die resultierende
Schwingbewegung des Rads (schwarz) für eine niedrige Anregungsfrequenz, für die
Resonanzfrequenz und für eine hohe Anregungsfrequenz:
Versuch: Resonanzkatastrophe
γ → 0 bzw. γ ω0 ⇒ Amplitude wird sehr groß
und kann auch zu Materialzerstörung führen. Je-
des schwingungsfähige Gebilde mit einer freien
Schwingungsfrequenz ω0 kann durch periodische
Anregung mit einer Frequenz ω zu Schwingun-
gen auf dieser Anregungsfrequenz ”gezwungen”
werden.
Versuch: Resonanzkatastrophe Glasstab
Ziel: Am Beispiel eines schwingenden Glasstabs soll das Phänomen der Resonanz
einer erzwungenen Schwingung gezeigt werden, insbesondere der Fall der sogenann-
ten Resonanzkatastrophe.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Beginnend mit einer tiefen Frequenz von ca. 30 Hz und einer
niedrigen Amplitude am Funktionsgenerator wird die anregende Frequenz immer
weiter erhöht. Die Frequenz wird über den Punkt der Resonanz hinweg vergrößert
und dann wieder genau auf die Resonanzfrequenz gestellt.
Erst dann wird die Amplitude am Generator vergrößert. Es kann auch gezeigt
werden, dass die größere Spannung am Generator außerhalb der Resonanzfrequenz
den Stab nicht zerbricht, indem die Amplitude neben der Resonanz vergrößert und
die Frequenz erst dann angepasst wird. Der Effekt auf den Glasstab wird beobachtet.
Versuch: Phasensprung
Beobachtung:
Die Phase der Schwingung hängt von der
Frequenz der Anregung ab.
Phase: Phase zwischen Anregung und
Schwingung.
Versuch: Phasensprung
Ziel: Das Verhalten von Amplitude und Phasenlage eines in Resonanz bzw. kurz
darüber oder darunter schwingenden Systems soll untersucht werden.
Versuchsaufbau:
mit lässt sich die Phasenlage zwischen der Anregung und der Schwingung sichtbar
machen. Das System ist so eingestellt, dass sich die Phase zunächst an einem der
beiden Ränder der Amplitude befindet. Wenn die Motorgeschwindigkeit und damit
die Anregungsfrequenz vergrößert werden, wird auch die Amplitude der Blattfeder
immer größer, obwohl die Anregeamplitude immer gleich bleibt.
Kurz vor der Resonanz beginnt der helle Streifen in Richtung der Mitte der Ampli-
tude zu wandern. Genau in der Resonanz ist die Amplitude am größten und der helle
Streifen befindet sich genau in ihrer Mitte. Die Phasenlage zwischen Anregung und
schwingendem System verschiebt sich also gegeneinander bis die Phasenverschiebung
in der Resonanz genau 90◦ beträgt.
Wenn die Anregungsfrequenz weiter vergrößert wird, sinkt die Amplitude wieder und
die Phasenlage wandert weiter auf die entgegengesetzte Seite verglichen mit ihrer
Position zu Beginn. Die Phasenverschiebung beträgt dann also 180◦ . Die anregende
Bewegung läuft genau gegensätzlich zur eigentlichen Schwingung. Bei Frequenzen
unterhalb der Resonanz laufen Anregung und Schwingung dagegen in Phase.
Das zweite Bild zeigt die in Resonanz angeregte Blattfeder. Das erste und dritte eine
Anregungsfrequenz kurz unter- bzw. oberhalb der Resonanz:
Federpendel getrieben:
Bewegungsgleichung:
Wartet man ”lange genug”, so klingt der Lösungsanteil der homogenen Gleichung exponen-
tiell mit der Zeit ab (∼ exp[− γ2 t]).
Um die Lösung zu bestimmen, müssen A2 und ϕ2 bestimmt werden. Dazu werden die bis-
herigen Gleichungen als Realteil der komplexen Darstellung aufgefasst:
Die Amplitude der Schwingung ist in der Nähe von ω0 ≈ ω besonders groß. Für die Phase
ϕ = −ϕ2 zwischen Anregung und Störung gilt mit A = |A|eiϕ
Im(A) ωγ
tan ϕ = =− 2 (6.48)
Re(A) ω0 − ω 2
ϕ
|A| γ = 0.1 0 γ = 0.1
γ = 0.5 γ = 0.5
γ = 1.0 γ = 1.0
γ = 2.0 γ = 2.0
−π
ω0 ω ω0 ω
Versuch: Federpendel
Ziel: Das Amplituden- und Phasenverhalten einer erzwungenen Schwingung, die mit
unterschiedlichen Frequenzen angeregt wird, soll gezeigt werden.
Versuchsaufbau:
Bei niedrigen Frequenzen lässt sich nur eine geringe Amplitude beobachten. Die
Erregung (Handbewegung) und das Pendel (Masse) bewegen sich in Phase und die
Wenn genau die Resonanz- bzw. Eigenfrequenz des Federpendels getroffen wird,
nimmt die Amplitude stark zu. Dafür genügt bereits eine kleine Erregeramplitude.
Oberhalb der Resonanzfrequenz nimmt die Amplitude des Pendels wieder stark ab.
Erreger und Schwinger bewegen sich dann gegenphasig.
Ziel: Das Prinzip von gekoppelten Pendeln und das Phänomen der Schwebung bei
gekoppelten Systemen soll demonstriert und grafisch dargestellt werden. Außerdem
soll gezeigt werden, dass zwei gekoppelte Pendel zwei Eigenschwingungen besitzen.
Versuchsbeschreibung: Als Pendel dienen zwei Stangen, an deren Enden sich je ein
zusätzliches Gewicht befindet. An den Gewichten ist jeweils ein Stück Reflektorfolie
angebrachte, sodass die Bewegung der beiden Pendel mittels einer Zeilenkamera
erfasst und aufgezeichnet werden kann.
Gekoppelt sind die beiden Pendel mit Hilfe einer Schnur, an der ein Massestück auf-
gehängt ist. Die Gewichtskraft der Masse dient also als koppelnde Kraft. Durch An-
bringen zweier Stabmagnete an der Masse kann die Stärke der Kopplung vergrößert
und die Gesamtmasse verdoppelt werden.
Versuchsaufbau:
Wird nur eines der beiden Pendel ausgelenkt und schwingen gelassen, so beginnt
nach kurzer Zeit auch das zweite zu schwingen. Die Amplitude des ersten Pendels
nimmt immer weiter ab, die des zweiten immer weiter zu, bis das erste in Ruhe ist.
Dann kehrt sich der Prozess um. Die Energie des Systems pendelt also zwischen den
beiden Schwingern hin und her.
Die Frequenz mit der dies geschieht (ca. 0,029 Hz) stellt die Schwebungsfrequenz der
gekoppelten Schwingung dar. Im Frequenzspektrum ergeben sich zwei unterschied-
liche Frequenzanteile (bei 0,57 Hz und bei 0,60 Hz), die den Eigenfrequenzen der
beiden zuvor gemessenen Schwingungsmoden entsprechen. Die Schwebungsfrequenz
von 0,029 Hz entspricht dann der Differenz der Frequenzen der beiden Moden.
Wenn die koppelnde Masse durch die beiden Stabmagnete vergrößert und damit die
Kopplung verstärkt wird, ergeben sich zwei gegenüber der schwächeren Kopplung
leicht verschobene Frequenzen und der Grad der Frequenzaufspaltung vergrößert sich.
Die neuen Frequenzen liegen dann bei ca. 0,58 Hz und bei ca. 0,63 Hz. Die Differenz
beträgt also 0,05 Hz, entsprechend ist auch die Schwebungsfrequenz fast doppelt so
groß mit ca. 0,05 Hz. Die Energie wird durch die stärkere Kopplung also schneller
zwischen den beiden Pendeln übertragen. Es verschiebt sich dabei die Eigenfrequenz
der gegenphasigen Eigenmode der beiden Schwinger. Die gleichphasige Mode bleibt
unverändert.
Diagramm s(t) der gekoppelten Schwingung mit stärkerer Kopplung und deren
Frequenzspektrum:
k1 k2
k12
x1 x2
k k12
ẍ1 = − x1 + (x2 − x1 ), (6.51)
m m
k k12
ẍ2 = − x2 + (x1 − x2 ) (6.52)
m m
+ km − km
k 12 12
2 x1 m
ω ~
x = A~
x mit ~
x= und A = k12 k k12 . (6.55)
x2 −m m + m
det(A − ω 2 1) = 0. (6.56)
k k k
2
ωA = 2
und ωB = + 2 12 (6.59)
m m m
herauslesen. Wenn die Kopplung vergrößert wird, erhöht sich die Frequenzaufspaltung. Setzt
man die unterschiedlichen Frequenzen in die Bewegungsgleichungen ein, ergeben sich ver-
schiedene Bedingungen.
k k k
x1 = x1 − 12 (x2 − x1 ) (6.60)
m m m
Daraus folgt x1 = x2 . Woraus sich wiederum ϕ1 = ϕ2 und A1 = A2
ablesen lässt. Beide Schwinger schwingen in Phase.
Ziel: Die Kopplung mehrerer schwingungsfähiger Systeme und der Einfluss der
Kopplung auf die Phasenlage der einzelnen Schwinger zueinander soll untersucht
werden.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Die Zeiger der drei Metronome werden von Hand so ausge-
lenkt, dass alle drei mit verschobener Phasenlage zueinander zu schwingen beginnen.
Dann wird das Verhalten der Metronome über eine gewisse Zeit beobachtet.
Die Zeigerausschläge laufen dann synchron und das Klacken der drei Geräte ist eben-
falls immer zum selben Zeitpunkt zu hören. Wird ein Metronom in der Frequenz
verändert (Verschieben der Masse), so stellt sich kein Gleichtakt mit den anderen
beiden ein. Zur stabilen Kopplung müssen also alle Schwinger dieselbe Eigenfrequenz
besitzen.
Amplitude Modenfrequenz
1.0
5
0.8
4
0.6
3
0.4
2
0.2
1 Eigenmode Nr.
Position
2500 5000 7500 10000 2500 5000 7500 10000
6.6 Wellen
6.6.1 Longitudinal- und Transversalwellen
Ziel: Mithilfe der Wellenmaschine sollen Begriffe der Wellenausbreitung und von
stehenden Wellen erläutert und veranschaulicht werden. Zudem kann das Prinzip
von Transversalwellen und deren Ausbreitung gezeigt werden.
transversale Welle durch Auslenkung der Stäbe ausbreiten kann. Die Stäbe sind
untereinander durch Federn gekoppelt.
Am einen Ende der Maschine befindet sich ein Elektromotor, an dem ein Exzenter
angebracht ist, der den ersten Stab in der Kette periodisch verkippen und damit
auslenken kann. Die Frequenz dieser Anregung kann direkt am Motor eingestellt
werden. Das andere Ende der Kette aus Stäben kann entweder offen gehalten
werden, oder es kann mit einem Blech der letzte Stab fixiert werden, sodass ein
festes Ende vorliegt.
Außerdem kann die Schwingung des letzten Stabs gedämpft werden, indem eine an
ihm befestigte Platte in ein Wasserbad getaucht wird, das die Bewegung des Stabs
hemmt (Wellensumpf).
Versuchsaufbau:
Ziel: An einem Modell soll der Begriff der Longitudinalwelle im Vergleich zur
Transversalwelle erläutert werden.
Versuchsaufbau:
6.6.2 Wellengleichung
Ort und Zeit haben einen analogen Einfluss auf den Wellenfunktionswert:
dφ df df du df
= = · = ·1 (6.65)
dx dx du dx du
d2 φ d2 f
= (6.66)
dx2 du2
dφ df du df
= · = · (−v) (6.67)
dt du dt du
d2 φ d2 f
= v2 · (6.68)
dt2 du2
Daraus erhält man die Wellengleichung in 1D und 3D:
d2 φ 1 d2 φ
= · , (6.69)
dx2 v 2 dt2
2
1 d φ
∆φ = 2 · 2 . (6.70)
v dt
Die Wellenfunktionen von Transversal- und Longituginalwellen
unterscheiden sich in ihrer
φx (~r,t)
Dimension. Für die Transversalwelle gilt φ(~~ r,t) = φy (~r,t), wobei für Longituginalwellen
φz (~r,t)
φ(~r,t) ein Skalar ist. Für Transversalwellen gilt ∆φ~=ϕ ~.
Transversalwelle
∂ 2 φx ∂ 2 φx ∂ 2 φx
∂2φ
2 + ∂y 2
+ ∂z 2
x
∂∂x 1 ∂t
2
2 φ2y ∂ 2 φy ∂ 2 φy 2
= 2 ∂ φ2y (6.71)
∂x + ∂y 2
+ ∂z 2 v ∂t
2
∂ 2 φz ∂ 2 φz ∂ 2 φz ∂ φz
∂x2
+ ∂y 2
+ ∂z 2 ∂t2
Longituginalwelle
∂2φ ∂2φ ∂2φ 1 ∂2φ
2
+ 2
+ 2
= 2 · 2 (6.72)
∂x ∂y ∂z v ∂t
Versuch: Wellenmodell
oder die ganze Anordnung zeigen. Das Modell kann von Hand gedreht oder für eine
konstante Drehung mit einem Motor verbunden werden.
Versuchsaufbau:
Dieser Eindruck entsteht, da die Kugeln in der Phase verschoben an den Stangen
angebracht sind. Eine Transversalwelle besteht also aus einzelnen untereinander
gekoppelten Elementen, die während der Ausbreitung der Welle ihre horizontale
Position nicht verändern. Lediglich die vertikale Störung breitet sich in horizontaler
Richtung mit der Welle von Element zu Element aus. Die Auslenkung verhält sich
als Funktion des Raums.
Die Welle besteht also aus einzelnen gekoppelten (harmonischen) Schwingern, die
ortsfest als Funktion der Zeit schwingen. Wenn die Drehbewegung des Modells von
der Seite betrachtet wird, kann der Zusammenhang zwischen einer Kreisbewegung
und der sich aus ihrer Projektion ergebenden Sinuskurve veranschaulicht werden.
Im eindimensionalen Fall ist eine einfache Lösung die ebene harmonische Welle.
iωt −ikx
φ(x,t) = φ0 · exp(i(ωt − kx)) = φ0 · | e{z } · | e {z } (6.73)
Oszillation Oszillation
in der Zeit im Ort
Für den allgemeinen Fall c = eiϕ und |c| = 1 ergeben sich folgende Zusammenhänge.
Im(c)
Re(c) = cos ϕ (6.74) c
ϕ
Im(c) = sin ϕ (6.75)
Re(c)
c = Re(c) + iIm(c) (6.76)
c∗ = Re(c) − iIm(c) (6.77)
Bei der Verwendung der komplexwertigen Wellenfunktion ist zu beachten, dass alle zu beob-
achtbaren physikalischen Größen reellwertig sind. Das physikalische Ergebnis ist dann immer
Re(φ) = 21 (c + c∗ ).
Für die allgemeine Lösung der Wellengleichung:
2. Fouriertheorem
Jede beliebige Funktion lässt sich als Summe ebener harmonischer Wellen ausdrücken,
P
φ(x,t) = k φk exp(i(ω(k)t − kx)).
Re(φ)
Der Phasenfaktor ϕ gibt die Position der
Schwingungsknoten an. Dieser hängt von t1 > t0
den Randbedingungen ab. Die Wellenzahl
k ist mit der Wellenlänge λ duch k =
2π
λ verknüpft. Die entstandene Welle brei- x
tet sich nicht mehr aus. Der cos(ωt + ϕ)
Term moduliert die Auslenkung, führt aber t2 > t 0
nicht zu einer Propagation. Der cos(kx +
t = t0
ϕ) Term moduliert die räumliche Auslen-
kung.
x=0
Reflexion am offenen Ende:
In der Reflexion entsteht kein Phasensprung und das offene Ende
schwingt mit der Amplitude 2φ0 . Für den Phasenfaktor gilt ϕ = 0.
Reflexion am festen Ende: Schwingungsknoten
In der Reflexion entsteht ein Phasensprung von π und das Ende
schwingt nicht. Hier gilt für den Phasenfaktor ϕ = π2 .
x=0
Ziel: Das Auftreten von stehenden Transversalwellen und deren Abhängigkeit von
der Anregungsfrequenz soll gezeigt werden.
Versuchsaufbau:
kann sich wiederrum eine stehende Welle mit großer Amplitude ausbilden, allerdings
in dem Fall die zweite Schwingungsmode mit zwei Bäuchen und drei Knoten.
Für Frequenzen von ca. 60 Hz bzw. ca. 80 Hz ergeben sich weitere Schwingungsmo-
den bzw. stehende Wellen. Die fünfte Mode bei ca. 100 Hz besitzt nur noch eine sehr
geringe Amplitude und ist somit schwer zu beobachten. Die ersten vier Schwingungs-
moden ergeben die folgenden Bilder.
Wenn die schwingende Gummischnur stroboskopisch beleuchtet wird (mit einer leicht
zur jeweiligen Anregungsfrequenz versetzten Blitzfrequenz), können die Schwingun-
gen verlangsamt bzw. fast eingefroren werden.
Es ist erkennbar, dass die Schwingungsbäuche um 180◦ phasenverschoben zueinander
schwingen. Wenn beide Lampen gleichzeitig zur Beleuchtung verwendet werden, ist
zusätzlich noch schwach die eigentliche Schwingungskurve sichtbar. Die verlangsamte
Schwingung erscheint dann als hellere Linie.
Wenn die Länge der Gummischnur durch Verschieben der Aufhängung verändert
wird, während die Frequenz so eingestellt ist, dass sich eine stehende Welle ergibt,
dann verringert sich die Amplitude sofort deutlich, auch bei nur kleinen Verschiebun-
gen. Die Länge der Schnur passt dann nicht mehr zu der eingestellten Anregungs-
frequenz und es kann sich keine stehende Welle ausbilden. Eine Veränderung der
Frequenz ergibt dann einen neuen Wert, mit dem diese Schwingungsmode angeregt
werden kann, der größer oder kleiner ausfällt, je nach Richtung der Verschiebung.
Versuch: Schraubenfederwellen
Ziel: Das Auftreten von stehenden Wellen im Fall von Longitudinalwellen bzw.
Schraubenfederwellen soll demonstriert werden.
Versuchsaufbau:
Für Anregungen ober- oder unterhalb dieser beiden Frequenzen bildet sich keine ste-
hende Welle. Die Schraubenfeder schwingt kaum sichtbar in longitudinaler Richtung.
Für zum Beispiel 25 Hz und 53 Hz wird dagegen eine der Schwingungsmoden der Fe-
der getroffen und diese gerät in Resonanz bzw. es bildet sich eine stehende Welle
aufgrund der Reflexion der Longitudinalwelle am oberen festen Ende aus.
Es sind mehrere Bereiche erkennbar, an denen die Feder nicht schwingt (Schwin-
gungsknoten) und solche, an denen sie mit großer Amplitude schwingt (Schwin-
gungsbäuche). Diese Bereiche sind ortsfest. Ihre Anzahl hängt von der Anre-
gungsfrequenz bzw. den durch die Länge der Feder vorgegebenen Schwingungsmo-
den/Eigenfrequenzen ab. Für höhere Anregungsfrequenzen lassen sich entsprechend
mehr Schwingungsknoten und -bäuche beobachten.
6.6.5 Resonatoren
λ 2.
1. Harmonische Grundton 0 Knoten L= 2
L
Versuch: Chladnische Platten
Versuchsaufbau:
An den Bäuchen der stehenden Wellen wird der Sand aufgrund der großen Ampli-
tude weggetrieben. Er sammelt sich dann an den Knotenlinien an und macht so das
Muster der Schwingungsmoden sichtbar. Es ergeben sich zum Beispiel die folgenden
Bilder.
Für 192 Hz, 329 Hz, 493 Hz und 808 Hz an der quadratischen Platte:
Die Frequenzen und Formen der Eigenschwingungen hängen von der Form der
verwendeten Schwingplatte ab, aber auch von der Stelle, an der die Anregung
erfolgt. Das runde Metallblech kann auch ein Stück versetzt zum Mittelpunkt
montiert werden. Dann ergeben sich Resonanzen bei z.B. 230 Hz, 400 Hz, 641 Hz,
1008 Hz oder 1304 Hz.
1D x
~k
2D
k~
Ziel: Die Ausbreitung von Wellen, zugehörige Begriffe und der Zusammenhang
zwischen Kugelwellen, Elementarwellen und ebenen Wellen sollen erläutert und
demonstriert werden. Ebenso die Reflexion von Wellen an Hindernissen.
Bleche können als Hindernis in den Weg der Welle gebracht werden. Es stehen ein
länglicher Erreger zur Erzeugung von ebenen Wellen und ein punktförmiger Erreger
zur Erzeugung von Kreiswellen zur Verfügung.
Versuchsaufbau:
Die Reflexion einer ebenen Welle an einer schrägen Wand (Metallblech) kann
gezeigt werden. Dann wird der Erreger durch den punktförmigen ersetzt und die
Ausbreitung und Form von Kreis- bzw. Kugelwellen beobachtet. Auch hier kann die
Reflexion an einer schrägen Wand untersucht werden.
Bei der Reflexion der ebenen Wellen ist jeder Punkt der reflektierenden Wand Aus-
gangspunkt einer Elementarwelle (Kugel- bzw. Kreiswelle), die sich zusammen wieder
zu einer ebenen Wellenfront überlagern. Im Bild auf dem Schirm ist dies in Form
eines Musters erkennbar, das sich aus der Überlagerung der einlaufenden Welle und
der reflektierten Elementarwellen ergibt.
Bei isotroper Ausbreitungsgeschwindigkeit hängt die Wellenfunktion nur von der Entfernung
von der Quelle ab, d.h. r = |~r| bzw. φ(~r,t) = φ(r,t).
wobei dE
dS den Energiefluss pro Linienelement dS und ∂S den Rand S
des Kreises mit Radius r beschriebt. Wir erinnern an den harmoni-
Eout
schen Oszillator. Die Schwingungsamplitude am Ort ~r ist definiert Pout = ∆t
als |φ(r,t)| und für die Energie im Oszillator gilt dE ∼ |φ(r,t)|2 .
dE
∼ |φ(r,t)|2 = |f (r)|2 · |ei(ωt − kr)| (6.87)
dS r
| {z }
=1
I
→ Ein = |f (r)|2 dS = |f (r)|2 · 2πr (6.88)
∂S
Ein 1 1
→ |f (r)|2 ∼ ∼ ⇒ f (r) ∼ √ (6.89)
2πr r r
Ziel: Mit einer Wellenwanne soll der Einfluss von Veränderungen der Ausbreitungs-
geschwindigkeit auf die Ausbreitungsrichtung von Wellen gezeigt werden. Es soll
also die Ursache für Brechung veranschaulicht werden. Außerdem soll daran das
Prinzip von (optischen) Linsen erläutert werden.
Als Objekt zur Brechung dient eine Glasplatte auf deren Oberseite die Wassertiefe
deutlich geringer ist als im Rest der Wanne. Außerdem kann die Brechung an
linsenförmigen Körpern gezeigt werden, um die Funktionsweise von Sammel- und
Zerstreuungslinse zu veranschaulichen. Auch diese Körper sind auf ihrer Oberseite
nur von einer dünnen Wasserschicht bedeckt.
Versuchsaufbau:
Die Wellenfronten über der Glasplatte verlaufen also nicht mehr parallel zu den
Fronten des Erregers, sondern werden abgeknickt. An den Spitzen der Glasplatte
können außerdem halbkreisförmige Beugungserscheinungen beobachtet werden.
Die Wellenfronten über den linsenförmigen Körpern werden aufgrund ihrer besonde-
ren Form entweder auf einen Punkt fokussiert (Sammellinse) oder laufen auseinander
(Zerstreuungslinse). Wegen der Krümmung der Objekte wird die Wellenfront an je-
dem Punkt aufgrund des unterschiedlichen Winkels zwischen Front und Objektkante
unterschiedlich stark gebrochen, was zu den beobachteten Effekten führt.
6.6.7 Dopplereffekt
Bewegen sich die Quelle und der Empfänger von Schallwellen relativ zueinander, kommt
es zu einer Veränderung zwischen ausgesendeter und empfangener Schallwelle. Die Schwin-
gungsdauer einer ausgesendeten Welle sei T = f10 mit der Wellenlänge λ0 . Bewegt sich der
Empfänger mit der Geschwindigkeit vB auf die Quelle zu, legt er während einer Schwin-
gungsdauer T die Strecke ∆ = vB · T zurück. Es werden mehr Schwingungen detektiert. Die
Frequenzänderung berechnet sich als Anzahl der zusätzlichen Schwingungen δS pro Schwin-
gungsdauer
δS ∆ v
δf = = = B (6.92)
T λ0 T λ0
Daraus ergibt sich die veränderte Frequenz
v v
f = f0 + B = f0 1+ B . (6.93)
λ0 vPh
mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit vPh der Welle. Bewegt sich der Empfänger von der
Quelle weg, ergibt sich
v − vB
f = f0 Ph . (6.94)
vPh
Ruht der Empfänger und die Quelle bewegt sich mit der Geschwindigkeit vQ auf dem
Empfänger zu, verkürzt sich der Abstand zwischen den Phasenfronten. Der Abstand der
Phasenfronten beschreibt die Wellenlänge. Für die empfangene Wellenlänge ergibt sich
λ = λ0 − vQ · T. (6.95)
Bewegt sich die Quelle vom Empfänger weg, erhält man die Frequenz
vPh
f = f0 · . (6.97)
vPh + vQ
Bewegen sich Quelle und Empfänger voneinander weg, erhält man die Frequenz
vPh − vB
f = f0 . (6.98)
vPh + vQ
Ziel: Der Doppler-Effekt soll am Beispiel von Wasserwellen mithilfe einer Wellen-
wanne demonstriert werden.
Der Wagen kann entlang einer Plattform parallel zu der Wanne bewegt werden
und erzeugt dabei (über einen Schlauch, der mit dem Gerät zur Erzeugung der
Druckluft verbunden ist) auf der Wasseroberfläche kreisförmige Wellenzüge. Mithilfe
des Wagens kann der Ausgangspunkt der Wellen also längs der Wellenwanne bewegt
werden während gleichzeitig kontinuierlich Kreiswellen auf der Wasseroberfläche
ausgesendet werden.
Die Unterseite der Wanne besteht aus Glas. Von oben kann die Wasseroberfläche
mithilfe einer Lampe stroboskopisch beleuchtet werden. Die Wellenzüge können
somit (über die Stroboskopfrequenz) in der Abbildung verlangsamt oder zum
Stillstand gebracht werden. Abgebildet wird die (waagerechte) Wasseroberfläche
über einen Umlenkspiegel, der das Bild auf einen (senkrechten) Transparentschirm
umlenkt.
Versuchsaufbau:
Dann wird der Wagen von Hand langsam hin und her bewegt und der Einfluss der
Bewegung auf das Wellenbild beobachtet. Diese Bewegung kann unterschiedlich
schnell und unterschiedlich stark beschleunigt erfolgen. Insbesondere der Fall des
Machschen Kegels bei sehr hoher Geschwindigkeit des Erregers wird gezeigt und
untersucht.
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Wenn sich die Quelle, also der Wagen bzw.
die Erregerdüse, in Ruhe befindet, breiten sich die Kreiswellen in alle Richtungen
gleichmäßig aus. Wenn sich die Quelle dagegen bewegt, werden die Wellenfronten
vor der Spitze des Erregers zusammengestaucht. Hinter der Spitze vergrößert sich
ihr Abstand zueinander (immer bezogen auf die Bewegungsrichtung der Quelle).
Die registrierte Frequenz der Wellen ändert sich also abhängig davon, ob (und
wie schnell) sich die Quelle auf den Beobachter zu bewegt oder von ihm weg
(Doppler-Effekt).
Außerdem kann bei sehr ruckartiger Beschleunigung und schneller Bewegung des
Wagens die Bildung eines Machschen Kegels beobachtet werden. Die Bewegung der
Quelle ist dann schneller als die Ausbreitungsgeschwindigkeit der einzelnen Wellen-
fronten und die Wellenzüge werden in zwei Linien seitlich zur Bewegungsrichtung
zusammengestaucht. Bei ausreichend großer Geschwindigkeit der Quelle breiten sich
im Bereich vor ihr keine Wellen mehr aus, da die Geschwindigkeit des Erregers zu
groß ist.
Ziel: Der Doppler-Effekt soll am Beispiel von Schall hörbar gemacht werden.
Versuchsaufbau:
Ziel: Der Doppler-Effekt soll am Beispiel von Schall demonstriert und gemessen
werden.
Versuchsaufbau:
von ihm wegbewegt wird sie kleiner (Doppler-Effekt), da sich der Abstand der aus-
gesendeten Wellenfronten mit der Relativbewegung zwischen Quelle und Beobachter
ändert. Bei einer Lautsprecherfrequenz von 5000 Hz beträgt diese Verschiebung ca.
20 Hz in beide Richtungen. Das aufgezeichnete Sonagramm hat dann die folgende
Form:
Auch eine Vergrößerung des Abstands zwischen Mikrofon und Lautsprecher ändert
nichts an dem Betrag der Frequenzverschiebung. Lediglich die Lautstärke des
gemessenen Signals reduziert sich.
Wird die Rolle von Sender und Empfänger vertauscht und das Mikrofon zum Schwin-
gen gebracht, ergibt sich der gleiche Verlauf im Sonagramm. Dies gilt jedoch nur
näherungsweise für kleine Frequenzverschiebungen. Allgemein wirken sich die Bewe-
gung von Sender und Empfänger nach obigen Gleichungen unterschiedlich aus, weil
sich die Welle durch das ruhende Medium der Luft bewegt.
Im optischen Bereich kann die Dopplerverschiebung zum Beispiel zur Beobachtung
entfernter Sterne und Planeten eingesetzt werden. Da sich Licht unabhängig von
einem Medium bewegt, kommt es in diesem Fall nur auf die Relativgeschwindigkeit
zwischen Sender und Empfänger an. Dies wird durch den relativistischen Doppler-
Effekt beschrieben. Relative Bewegungen zweier Körper zueinander lassen sich
mithilfe des Doppler-Effekts genau messen.
6.7 Interferenz
φ = φ1 + φ2 (6.99)
wird. Dies tritt zum Beispiel bei Spalt- oder Gitterversuchen auf.
Um zu bestimmen, in welchen Bereichen destruktive Interferenz
auftritt, wird die Fernfeldnäherung (α = α0 ) angewandt. Hierfür
muss d R gelten. Daraus folgt R1 ≈ R2 + l.
Für den Doppelspalt ergibt sich destruktive Interferenz genau
dann, wenn l = λ2 , 3λ 5λ
2 , 2 ...
n − 12 λ
l
sin α = = n = 1,2,3,... (6.100)
d d
Konstruktive Interferenz entsteht, wenn l = 0,λ, 2λ, 3λ,...
l nλ
sin α = = n = 0,1,2,... (6.101)
d d
Dies wird angewandt um z.B. hoch präzise Messungen von kleinen Längenänderungen durch-
zuführen (siehe Michelson-Interferometer).
l
Q1
α0
d α
R1
α
Q2
R2
Bleche (in Form von Einzel- oder Mehrfachspalt) können als Hindernisse in den
Weg der Welle gebracht werden. Es stehen ein länglicher Erreger zur Erzeugung von
ebenen Wellen und zwei punktförmige Erreger zur Erzeugung von Kreiswellen zur
Verfügung.
Versuchsaufbau:
Anschließend wird ein Blech mit einer einzelnen großen Öffnung als Hindernis
aufgestellt. Mithilfe zweier kurzer Blechstücke kann die Größe dieses Einzelspalts
immer weiter verringert werden bis nur noch eine sehr schmale Öffnung verbleibt
(ca. 5 mm). Der Einfluss auf die Wellenausbreitung hinter dem Spalt wird dabei
beobachtet.
Anschließend werden zuerst ein Vierfachspalt und dann ein Mehrfachspalt als
Modell für ein Beugungsgitter in die Wellenwanne gestellt. Stattdessen können am
Vierfachspalt auch einzelne Öffnungen mittels der kleinen Blechstücke verdeckt
werden, sodass der Übergang vom Einzelspalt zum Doppelspalt und dann zum
Mehrfachspalt gezeigt werden kann. Auch hier wird der Bereich hinter dem Hindernis
betrachtet.
Abschließend wird der längliche Erreger durch die beiden punktförmigen Erreger
ersetzt, die im Abstand von ca. 4 cm zueinander die Wasseroberfläche berühren. Das
sich ergebende Bild im Bereich zwischen den beiden Erregern wird beobachtet.
Die Wellenzüge der ebenen Welle werden durch das Hindernis aufgehalten, allerdings
wird die Welle an dem Objekt gebeugt, die Kanten sind also Ausgangspunkte für
Elementarwellen, weshalb auch in dem Schattenbereich hinter dem Hindernis
Wellen beobachtet werden können, die sich kreisförmig von den Kanten ausgehend
ausbreiten.
Auch an den Kanten der einzelnen Öffnung wird die Welle in den Schattenbereich
hinein gebeugt. Der Effekt nimmt zu je schmaler die Öffnung wird. Im Fall eines
sehr schmalen einzelnen Spaltes ist dieser der Ausgangspunkt einer einzelnen Kugel-
bzw. Elementarwelle.
Die Wellenfronten der ebenen Welle ergeben sich also aus der Überlagerung vieler
einzelner Elementarwellen. Umgekehrt kann jeder Punkt einer Wellenfront als
Ausgangspunkt einer neuen Elementarwelle betrachtet werden (Huygenssches
Prinzip).
Wenn ein Vierfachspalt oder ein Mehrfachspalt/Gitter in den Weg der Welle ge-
bracht wird, lassen sich aufgrund der Beugung Interferenzerscheinungen beobachten.
Die (Elementar-)Wellen im Bereich hinter dem Hindernis interferieren, je nach
Phasenlage zueinander, konstruktiv oder destruktiv miteinander.
Es ergeben sich also Bereiche mit großer Intensität und solche mit sehr geringer.
Entsprechend lässt sich jeweils ein Interferenzmuster auf dem Schirm beobachten.
Versuch: Michelson-Interferometer
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Der Laser wird eingeschaltet und das sich ergebende In-
terferenzmuster auf einem Schirm beobachtet und die Mikrometerschraube leicht
gedreht, um das Interferenzphänomen zu zeigen.
Dann wird die Fotozelle in den Strahlengang gebracht. Um die Funktionsweise
des Zählers und Detektors zu demonstrieren kann der Laserstrahl von Hand
unterbrochen werden. Für jede Unterbrechung wird ein Impuls gezählt. Der Zähler
wird auf null gesetzt und dann die Schraube um 20 Skalenteile gedreht und die sich
ergebende Zahl am Zähler abgelesen.
Auf einem zweiten Schirm hinter dem Laser kann ein zweites (reflektiertes) Interfe-
renzmuster beobachtet werden. Dieses kann für verschiedene Längeneinstellungen
mit dem Muster auf dem ersten Schirm verglichen werden. Außerdem kann mit
einem Stück Pappe einer der beiden Interferometerarme blockiert werden. Der
Einfluss auf das Muster auf dem Schirm wird dabei beobachtet.
Für die interferometrisch bestimmte Wegdifferenz ergibt sich dann für 20 µm an der
Skala und 56 Maxima ein gemessener Wert von:
1
s= λ · n = 20 µm
2
Für die aus der Messung berechnete Laserwellenlänge (die Wegdifferenz wird dann
als exakt betrachtet) ergibt sich:
2 · 20 µm
λ= = 714 nm
56
Beim Vergleich des Interferenzmusters auf dem ersten Schirm mit dem reflektierten
Muster hinter dem Laser kann eine Phasenverschiebung der Helligkeitsverteilung be-
obachtet werden. Wenn das kreisförmige Muster ein Minimum in der Mitte aufweist,
besitzt das reflektierte Muster ein Helligkeitsmaximum in der Mitte und umgekehrt.
Bei jedem Durchgang des Lichts durch den halbdurchlässigen Spiegel tritt eine Pha-
senverschiebung von 90◦ gegenüber dem ursprünglichen Zustand auf. Für das Inter-
ferenzmuster auf dem ersten Schirm tritt dieser Effekt bei beiden Teilstrahlen einmal
auf und hebt sich damit auf, beim reflektierten Muster dagegen läuft der eine Teil-
strahl zweimal durch den Spiegel der andere gar nicht. Dementsprechend kommt es
zu einer zusätzlichen Phasenverschiebung von insgesamt 180◦ und das Interferenz-
muster ist ebenfalls entsprechend verschoben. Wird einer der beiden Teilstrahlen
im Interferometer blockiert, so kann keine Interferenz mehr auftreten und auf dem
Schirm ist lediglich ein runder Lichtfleck zu sehen.
Diese Massenanordnung ist mit einer Spiralfeder gekoppelt, kann also in Schwingung
versetzt werden. Die Periodendauer dieser Schwingung kann aus der Bewegungskur-
ve ermittelt werden, die mit einem Drehbewegungssensor aufgezeichnet werden kann.
Alternativ kann an der Spiralfeder ein Holzteller angebracht werden, auf dem zwei
Versuchsaufbau:
Anschließend werden die beiden Zylinder (gleiche Masse, aber unterschiedlich ver-
teilt) vermessen und die Periodendauer ihrer jeweiligen Drehschwingung miteinander
verglichen.
Wird die Messung zum Vergleich mit Voll- und Hohlzylinder durchgeführt, so ergibt
sich als Periodendauer für den Zylinder mit innen konzentrierter Masse ein Wert
von 2,8 s, für den mit außenliegender Masse von 4,2 s, analog zu den zuvor gezeigten
Anordnungen.
Die gemessenen Kurven s(t) haben die folgende Form (schwarz für die außenliegende
Massenverteilung, rot für die innen liegende):
Somit kann das Trägheitsmoment einer Massenanordnung oder eines Körpers durch
Messung der Schwingungsperiode eines Torsionspendels bestimmt werden.
~ ~K
Wir wissen bereits, dass ddtL = D,
~ L~ = I~ω F
dϕ
und ω = dt . Im Folgenden ergibt sich ohne ω(t)
Vektorrechnung
d2 ϕ
dL d d dϕ
= (Iω) = I = I 2 = D = −kϕ (7.6)
dt dt dt dt dt
Daraus ergibt sich die Differentialgleichung für den Winkel ϕ
d2 ϕ k
=− ϕ (7.7)
dt2 I
Diese Form der Bewegung kennen wir bereits. Die Lösung hierfür lautet
r
k
ϕ(t) = ϕ0 cos(ω0 t) mit ω0 = (7.8)
I
2π
Wir nutzen die Beziehung ω = T und erhalten daraus
r
I
T = 2π (7.9)
k
Berechnet man nach diesem Vorgehen die Schwingungsdauer verschiedener Körper, kann
daraus das Trägheitsmoment eines Körpers bestimmen. Voraussetzung hierfür ist jedoch,
dass das Trägheitsmoment des Vergleichskörper bekannt ist. Angenommen das bekann-
te Trägheitsmoment I1 von Körper 1 erzeugt die Schwingungsdauer T1 . Wir suchen das
Trägheitsmoment I2 von Körper 2, welcher mit einer Schwingungsdauer von T2 schwingt.
Ziel: Das Auftreten von Kräften auf eine Drehachse bei asymmetrischer Massenver-
teilung eines rotierenden Körpers soll demonstriert werden.
Versuchsaufbau:
Bei der asymmetrischen Anordnung gerät die Stange dagegen stark in Bewegung
und Schwingung, da sich die auftretenden Zentrifugalkräfte nicht mehr durch die
Symmetrie der Massen gegenseitig aufheben. Es wirken also resultierende Kräfte
senkrecht auf die Achse, die deswegen nicht mehr ruhig laufen kann und großen
Belastungen ausgesetzt wird (Unwucht).
Ziel: Die stabilen Achsen der Rotation eines frei drehenden Körpers sollen gezeigt
werden. Damit soll der Begriff der Hauptträgheitsachsen erläutert werden. Zur
Veranschaulichung dient eine frei hängende rotierende Kette.
Versuchsaufbau:
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Bei niedriger Drehzahl dreht sich die Kette
um sich selbst und bleibt senkrecht und geschlossen hängen. Wird die Drehgeschwin-
digkeit leicht erhöht, öffnet sie sich und rotiert weiterhin senkrecht hängend.
Wenn die Drehgeschwindigkeit noch weiter erhöht wird, dreht sich die Kette zuneh-
mend instabil und springt ab einem bestimmten Punkt ein Stück hoch, stellt sich
auf und rotiert in einer waagerechten Ebene als Kreis um eine gedachte senkrechte
Linie herum.
Die Kette rotiert also abhängig von der Drehgeschwindigkeit um eine ihrer drei
Hauptträgheitsachsen, wenn die Rotationsachse nicht von außen fest vorgegeben
wird. Die Kettenglieder werden aufgrund der wirkenden Zentrifugalkräfte möglichst
weit nach außen getrieben (bezogen auf die Drehachse). In der dritten Position be-
finden sie sich am weitesten außen bezogen auf die Motorachse.
Die mittlere Stufe der Ausrichtung der Kette besitzt ein Trägheitsmoment zwischen
dem kleinsten (erste Stufe) und dem größten (dritte Stufe). Es liegen also drei Haupt-
trägheitsmomente bzw. -achsen der Rotation vor, von denen die mittlere instabil ist
und bei kleinen Störungen in die dritte Stufe übergeht.
In einem homogenen Körper (ρ = const) hängt das Trägheitsmoment nur von der Form
des Körpers am. Das Trägheitsmoment hängt immer von der Richtung und der Lage der
Drehachse ab.
Beispiele einfacher Körper mit homogener Masseverteilung.
Ideale Hantel: ω
~
Die ideale Hantel besteht aus zwei Punkt-
massen mit Masse m/2. Daraus ergibt sich
ein Trägheitsmoment von r
m m m m
I = r2 + r2 = mr2 . (7.13) 2 2
2 2
I = mr2 . (7.14)
ω
~
Vollzylinder:
Für den Vollzylinder folgt mit dem Volu- r
menelement
H ω
~
dV = r⊥ dr dh dϕ (7.15)
dr
das Trägheitsmoment als
dh
Z
2
I=ρ r⊥ dV = dV
Z (7.16)
3 1 4
= 2πρ r⊥ dr dh = πρr⊥ H
2
1 1
I= ρV r2 = mr⊥
2
. (7.17)
2 |{z} ⊥ 2
m
Ziel: Das Auftreten von Kräften bei rotierenden Körpern, deren Drehachse nicht
durch den Schwerpunkt geht, soll demonstriert werden. Dabei soll das Auftreten
einer Unwucht veranschaulicht werden.
Versuchsaufbau:
Wenn die Scheibe um den Schwerpunkt rotiert, treten keine Kräfte auf und sie dreht
sich ruhig und gleichmäßig. Ist die Massenverteilung dagegen asymmetrisch bezogen
auf die Drehachse, wenn diese Achse also nicht durch den Schwerpunkt des Körpers
geht, treten resultierende Kräfte auf die Drehachse auf (Unwucht). Die Bohrmaschine
läuft dann sehr unrund und kann kaum ruhig mit der Hand gehalten werden.
Wir verwenden die Vektoridentität ~a × (~b × ~c ) = (~a · ~c ) · ~b − (~a · ~b ) · ~c und erhalten daraus
Z
~ =
L (~r 2 ) · ω
~ − (~r · ω
~ ) · ~r dm. (7.20)
Geht man analog für die y- und z-Komponente vor, erhält man
Z
Iyy = (r2 − ry2 ) dm, (7.22)
Z
Izz = (r2 − rz2 ) dm, (7.23)
Z
Iyz = −ry rz dm. (7.24)
Außerdem findet man, dass Ixy = Iyx , Ixz = Izx und Izy = Iyz . Der Drehimpuls eines
beliebigen Körpers lässt sich also aus der Rotationsachse ω
~ und dem Trägheitstensor Ie be-
stimmen. Hierfür gilt
Ixx Ixy Ixz ωx
~ = I~
L eω mit Ie = Iyx Iyy Iyz und ω
~ = ωy . (7.25)
Izx Izy Izz ωz
Ie ist ein symmetrischer Tensor 2. Stufe. Dies erlaubt insbesondere die Koordinatentransfor-
mation (Theo. Mechanik). Der Trägheitstensor erlaubt eine elegante Beschreibung von Rota-
tionen. Die Rotationsenergie eines beliebigen Körpers berechnet sich mit dem Trägheitstensor
als
1 te
Erot = ω
~ I~
ω. (7.26)
2
~ t = ωx ωy ωz den transponierten Vektor der Rotationsachse. Durch
Hierbei beschreibt ω
das Multiplizieren eines transponierten Vektors von links und eines gewöhnlichen Vektors
von rechts kann aus einem Tensor eine skalare Größe gewonnen werden.
ω
~ ω
~
In der Regel ist der Drehimpuls L ~ nicht
parallel zur Rotationsachse ω
~ . Für den Fall S S
~ k ω
L ~ ist die Drehachse kräftefrei. Im Fall ~ kω
L ~ ~ ∦ω
L ~
~ ∦ω
L ~ wirken Kräfte auf die Drehachse.
7.1.4 Hauptachsentransformation
~ = Ia ωâ ⇒ L
L ~ kω
~. (7.29)
~ kω
Für jeden beliebigen Körper existieren drei Achsen, die Hauptachsen, für die L ~.
Versuch: Trägheitsachsen eines Quaders
Versuchsaufbau:
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Die Rotation um die rote Achse ist insta-
bil. (Ebenso ist die Rotation um eine beliebige Achse, die nicht einer der Haupt-
trägheitsachsen entspricht, sehr instabil.) Der Klotz beginnt, in der Luft zu taumeln.
Um die beiden anderen Achsen dreht er sich dagegen stabil in der Luft. Ein frei ro-
tierender Körper rotiert stabil entweder um die Trägheitsachse mit dem größten oder
um die mit dem kleinsten Trägheitsmoment. Die rote Achse liegt also dazwischen,
was anhand der Massenverteilung nachvollzogen werden kann. Die Messung ergibt
für die grüne Achse eine Periodendauer der Schwingung von ca. 2,1 s, für die rote
Achse von ca. 2,9 s und für die blaue Achse von ca. 3,2 s. Die grüne Achse besitzt also
das kleinste Trägheitsmoment, da die Schwingungsdauer am niedrigsten ist. Analog
besitzt die blaue Achse das größte Trägheitsmoment, da die Periodendauer ihrer
Schwingung am größten ist. Das Trägheitsmoment der roten Achse liegt zwischen
dem der beiden anderen Achsen und sie rotiert folglich im freien Zustand instabil,
da bereits kleinste Störungen zu einem Übergang der Rotation auf eine der beiden
Uns interessiert, um welche Hauptachse eine stabile Rotation möglich ist. Es stellt sich her-
aus, dass nur die Rotation um die Hauptachse mit dem größten und dem kleinsten Trägheits-
moment stabil ist. Die Rotation um die Hauptachse mit dem mittleren Trägheitsmoment ist
instabil. Um zu sehen, warum das so ist, untersuchen wir Rotationen nahe den Hauptachsen.
Wir untersuchen hierfür die Erhaltungsgrößen.
1
Erot = Ia ωa2 + Ib ωb2 + Ic ωc2
2
(7.30)
L2 L2 L2
= a + b + c ⇒ Ellipsoidengleichung
2Ia 2Ib 2Ic
~ = const
2) Drehimpulserhaltung: L
~ 2 = const
L
(7.31)
~ 2 = L2a + L2b + L2c = Ia2 ωa2 + Ib2 ωb2 + Ic2 ωc2
L ⇒ Kugelgleichung
Alle real vorkommenden Rotationen müssen sowohl die Energieerhaltung wie auch Impulser-
haltung erfüllen. Die Energieerhaltung ist im Drehimpulsraum (aufgespannt durch La , Lb ,
Lc ) auf der Fläche eines Ellipsoiden erfüllt. Die Drehimpulserhaltung ist im Drehimpulsraum
auf einer Kugelfläche erfüllt. Auf der Schnittlinie von Ellipsoid und Kugel sind beide Erhal-
Nun können wir den Trägheitstensor für die Rotation am Punkt B bestimmen.
Ia 0 0 0 0 0 0 0 0
IeB = 0 Ib 0 + m 0 0 d · 0 0 −d
0 0 Ic 0 −d 0 0 d 0
|
{z
}
0 0 0
=d2 0
1 0 (7.36)
0 0 1
Ia 0 0
IeB = 0 Ib + md2 0
0 0 Ic + md2
~ S = IeS ω
Für die Rotation um den Schwerpunkt wissen wir bereits, dass L ~ = Ic ωĉ. Für den
Drehimpuls bei Rotation am Punkt B ergibt sich
Für eine einachsige Rotation (d.h. skalares Trägheitsmoment) ergibt sich die skalare
Veränderung des Trägheitsmoment
IB = IS + md2 (7.38)
7.2.1 Präzession
~ = |Ddt|
|dL| ~ ~
= |D|dt ~
= |L|dϕ (7.39)
dϕ ~
|D| D
ωP = = = (7.40)
dt ~
|L| I Fω
~
dL
mit der Rotationsgeschwindigkeit ω des Kreisels. Der Drehimpuls
und die Figurenachse rotieren solange die Kraft auf die Achse wirkt. ~
L ~0
L
Für die Präzessionsgeschwindigkeit gilt die Abhängigkeit
Nach dt
1 1 dϕ
ωP ∼ ∼ . (7.41)
IF ω
7.2.2 Nutation
Versetzt man einem rotierenden Kreisel einen Schlag auf die Rotationsachse, so beginnt die-
ser zu nutieren ( eiern“). Vor dem Schlag zeigen Figuren-, Drehimpuls- und Rotationsachse
”
in die selbe Richtung.
~0 k ω
Vor dem Schlag gilt L ~ k ĉ, woraus sich ergibt, dass ĉ
~
L
0 I⊥ 0 0 ωa
~0 = 0 = 0
L I⊥ 0 ωb (7.42) ω
~
L0 0 0 IF ωc
mit ωa = 0, ωb = 0 und ωc 6= 0.
Nach einem Schlag in â Richtung (~
p = pâ) ergibt sich der neue p
~
Drehimpuls als ~r ~
L
~ =L
L ~ 0 + ~r × p
~ = L0 ĉ + L⊥ b̂
0 I⊥ 0 0 ωa (7.43)
= L⊥ = 0 I⊥ 0 ωb ĉ
L0 0 0 IF ωc
b̂
â
L⊥ L0
mit ωa = 0, ωb = I⊥ und ωc = IF .
Die Bewegung wird im Koordinatensystem der Hauptachse des Kreisels betrachtet. Die
Hauptachsen sind an den Kreisel gebunden und damit rotieren sie relativ. Die Nutation
~ ist erhalten und
ist eine Rotation der Figurenachse auf einem Kegel. Der Drehimpuls L
somit fest im Raum aber ω~ und Figurenache nutieren.
Ziel: Mithilfe eines zuerst fest und dann frei aufgehängten Fahrradkreisels sollen die
stabilisierende Wirkung eines Drehimpulses bzw. die Drehimpulserhaltung sowie das
Auftreten von Präzession bei einem nicht kräftefreien Kreisel demonstriert werden.
Versuchsbeschreibung: An einem großen Stativ ist ein Fahrradkreisel auf der einen
Seite seiner Achse mit einer Schnur fest aufgehängt. Die andere Seite kann über eine
zweite Schnur mittels einer magnetischen Klemmvorrichtung gehalten werden.
Damit hängt der Kreisel bezogen auf seine Achse waagrecht, kann durch Abschalten
des Elektromagneten aber gelöst werden, sodass er aufgrund der Schwerkraft kippt
und die Achse dann senkrecht nach unten hängt. Der Kreisel kann mithilfe eines
Antriebsmotors in Rotation versetzt werden.
Versuchsaufbau:
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Der rotierende Kreisel kippt nicht wie er-
wartet (und wie bei ruhendem Kreisel beobachtet) in die Senkrechte, sondern bleibt
trotz seiner großen Masse waagerecht hängen. Sein Drehimpuls sorgt für eine stabi-
lisierende Wirkung.
Allerdings wirkt durch die Schwerkraft permanent ein Drehmoment auf den nicht
im Schwerpunkt aufgehängten Kreisel, was zu einer Präzessionsbewegung führt und
seine Achse um die Senkrechte bzw. den Aufhängungspunkt rotieren lässt.
Ziel: Ein kardanisch aufgehängter Kreisel soll das Prinzip eines künstlichen
Horizontes und von Kreiselkompassen verdeutlichen. Außerdem kann damit die
Drehimpulserhaltung gezeigt werden.
Versuchsaufbau:
Versuch: Luftkissenkreisel
Versuchsaufbau:
Rotation versetzt. Wenn die Ausgleichsmasse richtig angebracht ist, ist er kräftefrei
und läuft stabil in jeder Stellung und Ausrichtung.
Um den Effekt der Präzession zu zeigen, wird eine Massescheibe oben auf die Achse
aufgesteckt und dann der Kreisel angetrieben. Er ist dann nicht mehr kräftefrei. Um
den Effekt der Nutation zu zeigen, wird bei rotierendem Kreisel mit der Hand ein
kurzer Schlag auf die Achse ausgeübt.
Für die Nutation wird zusätzlich eine dreifarbige Scheibe oben an der Achse
angebracht und von oben mit einer Kamera gezeigt. Die Farben während der
Nutation werden beobachtet.
Außerdem kann dem präzedierenden Kreisel zusätzlich ein Schlag auf die Achse
versetzt werden, sodass sich Präzessions- und Nutationsbewegung überlagern.
Um zu zeigen, dass bei der Nutation die momentane Drehachse um die Figurenachse
rotiert, wird die in drei Bereiche unterteilte farbige Scheibe beobachtet. Da die
Scheibe nicht masselos ist, überlagern sich in diesem Fall Nutation und Präzession
leicht.
Im Kamerabild zeigt sich von oben ein stabiler kreisförmiger Ausschnitt auf der
Farbscheibe, in dem die Farben nicht durch die Drehung verschwimmen, sondern
deutlich erkennbar sind. Die erkennbare Farbe wechselt gleichmäßig zwischen den
drei Bereichen bzw. die Farbe Gelb (die die Hälfte der Scheibe einnimmt) ist doppelt
so lange zu sehen wie die anderen beiden.
∆l l(z) − l(0) z
= = . (7.45)
l l(0) r
+ d2
0 gelängt
l + d2 = r + d
neutrale Faser ·ϕ
− d2 2 db
gestaucht dz
l (z) = (r + z) · ϕ
ϕ l − d2 = r −
d
·ϕ
2
E 2
dDy = dF · z = · z db dz. (7.46) ~r
r ~
ẑ ŷ F
Integriert man nun diesen Ausdruck über die gesamte Balkenhöhe, x̂
ergibt sich
d b
Z Z2 Z2
E 2 1 Eb 3
Dy = dDy = · z db dz = · ·d (7.47)
r 12 r
−d b
2 −2
Die Kraft F am Ende des Balkens ist Grund für das Drehmoment. Hierfür gilt
1 Eb 3
Dy (x) = −F (L − x) = · ·d (7.48)
12 r
Daraus lässt sich die Krümmung 1/r des Balkens in Abhängigkeit von x berechnen.
1 12(L − x)F
=− (7.49)
r Ed3 b
Wir suchen jetzt eine Funktion z(x) die genau diese Krümmung 1/r hat. Wir finden die
Funktion
12F 1 2 1 3
z(x) = − 3 Lx − x (7.50)
Ed b 2 6
Für die Balkenbiegung am Ende des Balkens (x = L) erhält man
4L3 F
z(L) = − (7.51)
Ebd3
1. Für homogene Körper hängt die Steifheit nur von der Form ihrer Querschnittsfläche ab.
In Gleichung (7.47) findet sich das Flächenträgheitsmoment
Z Z
IF = z 2 db dz (7.52)
L3 F
z(L) = − (7.53)
3EIF
Ziel: Das Biegungsverhalten eines Stahlstabs bzw. -balkens bei verschieden großen
angehängten Gewichten soll untersucht und gemessen werden.
Versuchsbeschreibung: An das Ende eines Stahlstabs (die Länge vom Aufhängepunkt
bzw. Drehpunkt zum Ende beträgt ungefähr 70 cm) können unterschiedliche Ge-
wichte gehängt werden. Die Biegung des Stabs kann über einen Faden an der Spitze
des Stabs, der über einen Drehbewegungssensor läuft, gemessen werden. Außerdem
kann der Stab hochkant eingespannt werden, um den Einfluss des Querschnitts auf
das Biegungsverhalten zu untersuchen. Der Querschnitt des Balkens ist rechteckig
und beträgt 4 mm · 12 mm.
Versuchsaufbau:
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Diagramm für die Biegung s(t) des Stabs
längs der flachen Seite (schwarz) und hochkant (rot):
Eine Masse von 100 g ergibt (nach dem Beruhigen der Schwingung) eine Biegungs-
strecke von ungefähr 1 cm, 200 g von 2 cm, 300 g von 3 cm und 500 g von 5 cm. Die
Biegung ist also proportional zur wirkenden Kraft bzw. zum angehängten Gewicht.
Bei hochkant gestelltem Stab ist die Biegungsstrecke bei gleicher Masse deutlich
kleiner. Wenn zum Schluss die Masse entfernt wird, geht die Anzeige wieder auf null
zurück. Der Stab verhält sich also elastisch.
7.3.2 Dehnung
Je nach dem wie groß ∆l wird, gibt es verschiedene Arten der F =m·g
Dehnung. Bei der elastische Dehnung erhöhen sich die Abstände
zwischen den Atomen im Gitter.
Die Gitterstruktur bleibt hierbei erhalten. F
In diesem Bereich handelt es sich um ei-
ne reversible Verformung, da die Dehnun-
gen zwischen den Atomen elastisch sind. Bei ∆l
l
der plastischen Dehnung wird die Gitter-
struktur im Atomgitter verändert. Es han- elastische plastische
Dehnung Reißen
Dehnung
delt sich hierbei um eine irreversible Verfor-
mung. Im Material entsteht eine Gleitebene, an der alle Atomen rutschen“. Die Verformung
”
tritt nicht durch gleichzeitiges Rutschen aller Atome an der Gleitebene auf, sondern durch
Hindurchlaufen von Versetzungen entlang der Gleitebene. Zu jedem Zeitpunkt werden nur
eine kleine Anzahl von chemischen Bindungen gebrochen.
Dehnung Gleitebene
Versuchsaufbau:
Diagramm F (s) beim Einfüllen von Wasser bis zum Reißen des Drahts und für den
ersten Zentimeter der Dehnung:
Die Dehnung beginnt mit einem linearen Anstieg (elastischer Bereich) hin zu einem
nicht linearen und nicht reversiblen Bereich (plastischer Bereich) bis der Fließbereich
beginnt und der Draht sich von alleine ohne zusätzliche Masse immer weiter dehnt
und gegebenenfalls reißt. Sollte der Draht nicht reißen, kann gezeigt werden, dass er
nach dem Entfernen des Wasserbehälters nicht mehr zu seiner ursprünglichen Länge
zurückkehrt, also dauerhaft verformt ist. Für eine den Lehrbüchern entsprechende
Darstellung (Spannungs-Dehnungs-Diagramm), ergibt sich die Dehnung auf der x-
Achse, indem die Messwerte für die Längenänderung durch die Gesamtlänge von 4 m
des Drahts geteilt werden. Ebenso ergibt sich die Spannung, indem die gemessene
Kraft auf der y-Achse durch den Querschnitt des Drahtes von 0,03 mm2 geteilt wird.
7.3.3 Querkontraktion
Die Poissonsche Zahl bewegt sich fast immer im Bereich zwischen 0 und 1/2. Durch die
Konraktion entsteht eine Volumenänderung. Je nach Dehnung oder Stauchung ergibt sich
ein größeres oder kleineres Volumen
∆l ∆V
>0⇒ >0 Dehnung (7.56)
l V
∆l ∆V
<0⇒ <0 Stauchung (7.57)
l V
Zwei weitere Arten der Verformung sind die Torsion und die Scherung. Diese werden in dieser
Vorlesung nicht besprochen aber genaueres lässt sich beispielsweise im Buch ,,Experimental-
physik 1” von Wolfgang Demtröder in Kapitel 6.2 nachlesen.
Ziel: Das Verhalten eines Gummischlauchs bei der Dehnung in Längsrichtung soll
beobachtet werden.
Versuchsaufbau:
FH = µ H · FN , (7.58)
FG = µ G · FN . (7.59)
und
FZ mrω 2 ω2
tan (α) = = = r. (8.3)
FG mg g
dz ω2
= r
dr g
ω2
Z Z
dz
⇒ dr = r dr
dr g
ω2 2
⇒z= r + z0 . (8.4)
2g
Das Profil der Oberfläche einer rotierenden Flüssigkeit identifiziert sich demnach als ein Rota-
tionsparaboloid4 . Die Form des Rotationsparaboloiden hängt dabei nicht von der Flüssigkeit
ab!
Versuch: Rotierende Küvette
Ziel: Es soll gezeigt werden, dass sich Flüssigkeiten immer so ausrichten, dass ihre
Oberfläche senkrecht zu den auf sie wirkenden resultierenden Kräften steht.
Versuchsaufbau:
4 DerQuerschnitt des Rotationsparaboloiden durch eine Ebene senkrecht zur xy-Ebene entspricht
einer Parabel.
8.3 Oberfächenspannung
Wir betrachten Teilchen an der Oberfläche Gas
eines Fluids und deren Wechselwirkung mit-
einander. Vergrößern der Oberfläche erfor-
dert nun die Bewegung der Teilchen und
damit das Aufwenden einer Kraft. Arbeit
wird verrichtet. Die Definition der Ober-
flächenspannung lautet
dW
σ= (8.5) Fluid
dA
und beschreibt die Energie der Oberfläche pro Fläche. Die Einheit der Oberflächenspannung
lässt sich auf verschiedene Arten darstellen:
J Nm N
[σ] = = 2 = . (8.6)
m2 m m
Die Flüssigkeitslamelle hat zwei Seiten und l
daher die Flächenänderung
dA = 2l dz. (8.7)
dW = F dz. (8.8)
8.3.1 Minimalflächen
Für alle Flüssigkeiten ist die Oberflächenspannung positiv, σ > 0. Der energetisch günstigste
und damit bevorzugte Zustand ist damit der Zustand welcher die Oberfläche minimiert. Dies
Versuchsaufbau:
auf der anderen Seite der Fäden fehlt, wird der eine Faden hin zu der intakten La-
melle gezogen bzw. die beiden Fäden werden nach außen gezogen, was wie ein sich
öffnendes Auge wirkt.
Es ergeben sich die folgenden Bilder für die unterschiedlichen Körper:
F
P = (8.10)
A F
definiert. Die Oberflächenenergie der Flüssigkeitskugel ändert sich
mit dem Radius, wobei gilt
Z
dW
W =− F dr =⇒ F = . (8.11)
dr
dW
σ= =⇒ dW = σdA (8.12)
dA
dW dA
F = =σ . (8.13)
dr dr
dA
= 8πr =⇒ F = 8πσr. (8.14)
dr
Einsetzen in die Definition des Druckes liefert für das Innere der Flüssigkeitskugel
F 8πσr 2σ
P = = = . (8.15)
A 4πr2 r
Dies ist der Druck, der durch die Oberflächenspannung auf jeden Punkt der kugelförmigen
Oberfläche wirkt. Ist die Fluidkugel stabil, muss im Kugelinnern ein gleichgroßer hydrostati-
scher Durck (siehe Abschnitt 8.5.1) herrschen, sonst würde die Kugel schrumpfen. Für eine
Blase gilt wegen der zweiten Oberfläche innerhalb der Blase
2σ
P =2· . (8.16)
r
Da P ∝ 1/r, ist der Durck in kleinen Flüssigkeitskugeln beziehungsweise Blasen größer als
in großen Flüssigkeitskugeln.
Versuch: Kleine und große Seifenblasen
Versuchsaufbau:
8.4 Grenzflächenspannung
Die Grenzflächenspannung ist analog zur Oberflächenspannung, jedoch allgemein für die
Grenzfläche zwischen zwei Phasen. σik sei die Grenzflächenspannung zwischen Phase i und
Phase k, es ist
dW
σik = . (8.17)
dAik
und damit
σ13 − σ12
cos (α) = . (8.20)
σ23
einen definierten Wert. Damit entstehen für den Kontaktwinkel zwischen den Oberflächen
mehrere Möglichkeiten.
3. |σ13 − σ12 | > |σ23 |, hier ist die Bedingung (8.21) nicht erfüllt. keine 1-3
Es wäre dann Grenzfläche
1
→ cos (α) > 1 ?? 3
2
In diesem Fall entsteht keine Grenzfläche, sondern ein Flüssigkeitsfilm auf der Oberfläche 1
durch das Material 2 oder 3. Die Oberfläche ist vollständig benetzt.
8.4.2 Kapillarität
d
r β
h
α α
3
1
%
2
d
Die Kapillare sei ein enges Rohr mit dem Durchmesser d. Taucht man dieses dünne Rohr in
eine Flüssigkeit, so steigt bei benetzten Flüssigkeiten σ13 > σ12 die Flüssigkeit im Innern des
Rohres um die Höhe h gegenüber der Flüssigkeitsoberfläche außerhalb des Rohres. Dieses
Phänomen wird Kapillarität genannt.
Im Innern der Kapillare entsteht eine Oberfläche, die Teil einer Kugel des Radius r ist. Mit
dem Kontaktwinkel α ist
d
r= . (8.22)
2 cos (α)
F mg V %g Ah%g
PS = = = = = h%g (8.24)
A A A A
ausdrücken. Der statische Zustand verlangt ein Gleichgewicht zwischen Kapillardruck und
Schweredruck und daher
Bei vollständig benetzten Oberflächen ist α = 0. Die Steighöhe lässt sich dafür schreiben als
4σ23
h= . (8.27)
%gd
Versuchsaufbau:
lich zu erkennen. Die wirkenden Adhäsionskräfte sorgen für eine Krümmung der
Flüssigkeitsoberfläche an den Kontaktstellen zum Glas.
In einer inkompressiblen Flüssigkeit ohne äußere Wechelwirkung ist der Druck im gesamten
Flüssigkeitsvolumen konstant,
~ = −∇P
dF ~ dV. (8.31)
~ = 0. Daraus
Der stabile Zustand des Systems ist gegeben mit einer verschwindenden Kraft F
folgt
~ dV = 0
−∇P (8.32)
Anwendung: Hydraulik:
In zwei wie abgebildet miteinander ver-
F1 F1
bundenen Zylindern ist der Druck überall
gleich, da
Fi = P · Ai (8.33) A1 A2
F2 A
= 2. (8.34)
F1 A1
A2
F2 = F1 (8.35)
A1
Ziel: Es soll gezeigt werden, dass der hydrostatische Druck unabhängig von der
Form des Gefäßes ist und nur von der Tiefe im Medium abhängt.
Versuchsaufbau:
Ziel: Die Abhängigkeit des Schweredrucks von der Tiefe im Medium soll gezeigt und
gemessen werden. Außerdem soll demonstriert werden, dass dieser Druck nicht von
der Form des Gefäßes abhängt.
Versuchsaufbau:
Wenn der Messschlauch in horizontaler Richtung (zum Beispiel am Boden eines der
Gefäße) verschoben wird, bleibt der gemessene Druck konstant. Ebenso auch, wenn
der Schlauch schräg gehalten wird. Der Druck hängt also lediglich von der Eintauch-
tiefe ab, nicht von der Messrichtung.
8.5.2 Schweredruck
Auf den Boden eines Flüssigkeitsgefäßes wirkt auch ohne zusätzliche äußere Kraft ein Druck
auf Grund des Gewichtes der darüberstehenden Flüssigkeit mit der Flüssigkeitshöhe z = H.
Unter der Annahme, dass jedes Volumenelement dV der Flüssigkeit im Schwerefeld der Erde
selbst ein Gewichtselement von % · g · dV hat, so ist der Schweredruck am Boden auf die
RR
Fläche A wegen dV = A · dz
ZH
%·g·A
P (z = 0) = dz = % · g · H, (8.36)
A
0
wenn die Dichte % druckunabhängig ist. Für den Schweredruck in der Höhe z folgt bei einer
Flüsigkeitshöhe H
P (z) = % · g · (H − z) (8.37)
Der Schweredruck ist also der Druck in Fluiden unter dem Einfluss der Gravitationskraft.
~ dV − g% dV ẑ = 0
−∇P
∂P (8.40)
⇒ = −g%.
∂z
Integration über z liefert den Druck in der Höhe zt ,
Zzt
∂P
P (zt ) = dz + P0
∂z
z0
zt
= P0 − g%z
z0
= P0 + g%(z0 − zt ). (8.41)
%(P ) = C · P (8.42)
~ +F
~g = 0. h
definiert. Wie beim inkompressiblen Fluid gilt hier F
Daraus resultiert für die Gleichung des Drucks
P = P0
∂P
= −gCP. (8.43)
∂z
Für den Druck in der Höhe h gegenüber z = 0 folgt
Zh
P (h) = − gCP (z) dz (8.44)
∞
→ P (h) = P0 · exp (−Cgh). (8.45)
Luft: Bei einer Höhe von 0 m über dem Meeresspiegel herrscht ein Druck von
Die Dichte der Luft in dieser Höhe beträgt % = 1,23 kg/m3 . Die Kompressibilität der Luft
ist damit
%(h = 0) s2
C= ≈ 1,2 · 10−5 2 ,
P (h = 0) m
1
hl ≡ = 8395 m.
gC
Diese einfache Formel gilt nur in einem isothermen System, das heißt T (h) = const.. Im
Allgemeinen hängt die Dichte von der Temperatur T ab, % = %(P, T ).
8.5.3 Auftrieb
V
(8.48) FG
Z
Auftriebskraft: Fa = %F · g · dV,
V
(8.49)
wobei Fg und Fa als eindimensionale Vektoren entlang der nach oben zeigenden Achse be-
trachtet werden. Die Ursache ist der Druckunterschied zwischen der Ober- und der Unterseite
des Körpers.
Bemerkung: Auftrieb kann auch in der Luft nicht vernachlässigt werden.
Durch den Auftrieb verliert ein Körper scheinbar an Gewicht, denn
Z
Fg + Fa = |Fg | − |Fa | = (%F − %K ) · g · dV = (mF − mK )g (8.50)
V
Ziel: Die Tatsache, dass ein Körper in einem ihn umgebenden Medium eine Auf-
triebskraft erfährt, soll für Luft demonstriert werden.
Mit einer Vakuumpumpe kann die Glocke evakuiert werden. Mittels eines Druck-
messgeräts kann der Druck im Inneren der Vakuumglocke gemessen und abgelesen
werden.
Versuchsaufbau:
Ziel: Am Beispiel eines kartesischen Tauchers sollen Begriffe und Zusammenhänge wie
Auftrieb, Druck und Kompressibilität von Gasen und Flüssigkeiten erläutert werden.
Versuchsbeschreibung: Ein kartesischer Taucher ist ein mit Flüssigkeit und Luft
gefüllter Hohlkörper, der an seiner Unterseite eine Öffnung besitzt. Der Taucher
befindet sich in einem mit Wasser gefüllten Glasrohr, das mit einem Gummistopfen
verschlossen ist, auf den gedrückt werden kann. Dadurch wird Druck auf das Wasser
in Rohr und Taucher ausgeübt.
Versuchsaufbau:
miert, ihr Volumen nimmt also ab, und damit der auf sie entfallende Auftrieb,
während das Gewicht der eingeschlossenen Luft und das Gewicht des Tauchers gleich
bleiben (bzw. insgesamt steigt, weil Wasser zum Ausgleich einströmt).
Wenn zuvor der Betrag des Auftriebs den Betrag des Gewichts der Kombination
Figur-Luft knapp überschreitet, kehrt sich dies nun um und die Auftriebskraft wird
verglichen mit der Gewichtskraft kleiner. Daraus resultiert eine Kraft nach unten
und der Taucher samt Luftinhalt sinkt. Umgekehrt nehmen durch das Loslassen am
Verschluss der Druck ab und damit das Volumen der Luft wieder zu. Sie dehnt sich
unter Verdrängung von etwas Wasser aus, womit das Volumen und damit der Auf-
trieb wieder größer werden. Der Taucher steigt wieder.
Ziel: Mithilfe von Magdeburger Halbkugeln soll der Einfluss und die Kraftwirkung
des Luftdrucks bzw. von Druckdifferenzen demonstriert werden.
Versuchsaufbau:
Vakuumpumpe für ungefähr eine halbe Minute evakuiert. Dann wird das Ventil
geschlossen und die Pumpe abgetrennt.
Es kann demonstriert werden, dass sich die beiden Halbkugeln von Hand nicht mehr
trennen lassen. Dann wird die Kugel an dem Seil des Hebezugs eingehängt. Der
Experimentator hält sich von Hand an dem Griff an der Kugel fest und dann fährt
eine zweite Person das Seil ein Stück weit nach oben.
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Obwohl die beiden Halbkugeln nur lose zu-
sammengesetzt sind, sitzen sie im evakuierten Zustand so fest zusammen, dass eine
Person daran hängen und mit dem Hebezug ein Stück weit hochgezogen werden kann.
Nach dem Öffnen des Ventils lassen sie sich dagegen wieder leicht von Hand trennen.
Der hohe Druck der umgebenden Luft sorgt gegenüber dem sehr geringen Druck im
Inneren der Kugel für eine starke Kraftwirkung von außen auf die Halbkugeln, sodass
diese zusammenhalten. Druckdifferenzen führen also zu Kräften. Der Luftdruck ist
gegenüber einem Vakuum sehr groß.
Hier betrachten wir inkompressible Fluide ohne innere Reibung (η = 0). Damit gilt der
Energieerhaltungssatz der Mechanik, da keine Energieumwandlung in innere Freiheitsgrade
erfolgt. Der Volumenstrom Q ist überall im Rohr konstant, es gilt
dV
Q= =v·A (8.51)
dt
mit der Strömungsgeschwindigkeit des Fluids v. Damit ist dV = A · v · dt und es folgt die
Kontinuitätsgleichung
v1 A1 = v2 A2 . (8.52)
dm = % dV. (8.53)
Differentiell lässt sich die Kraft mit der Massenänderung auch als
dvx ∂P
dm = dFx = − dV (8.54)
dt ∂x
schreiben. Also bleibt
dvx ∂P
% + = 0. (8.55)
dt ∂x
In drei Dimensionen schreibt sich die Beziehung als das Pascalsche Gesetz:
d~v ~ = 0.
% + ∇P (8.56)
dt
Dies ist das Äquivalent der Bewegungsgleichung für Massenpunkte übertragen auf Fluide.
8.6.2 Bernoulli-Gleichung
Weiterhin gilt
1 1
% · v12 + P1 = % · v22 + P2 = P0 . (8.62)
2 2
Die Konstante
1 2
P0 = Pi + %v , i = 1,2 (8.63)
2 i
ist der Gesamtdruck, welcher an Stellen mit v = 0 erreicht wird. Die Größe
1
PS = % · vi2 = P0 − Pi , i = 1,2 (8.64)
2
heißt Schweredruck oder Staudruck an der Stelle i.
1 2
Pi = P0 − PS = P0 − %v , i = 1,2 (8.65)
2 i
ist der statische Druck der Flüssigkeit an der Stelle i. Die Bernoulli-Gleichung gilt für stati-
onäre Strömungen und ist damit zumindest qualitativ anwendbar auf fast alle Probleme der
Strömungsmechanik.
Versuch: Bernoulli-Rohr
Ziel: Es soll gezeigt werden, dass der statische Druck eines strömenden Mediums bei
höherer Durchflussgeschwindigkeit reduziert wird. Damit soll das Bernoulli-Prinzip
erläutert werden.
Versuchsbeschreibung: Das Bernoulli-Rohr besitzt in der Mitte eine Engstelle sowie
drei nach oben offene Röhren, die als Indikator für den statischen Druck im Rohr
dienen, von denen eine direkt über der Engstelle angebracht ist. Im Gegensatz da-
zu kann ein gerades Rohr gezeigt werden, bei dem die Verengung nicht vorhanden ist.
Die beiden Rohre sind auf der einen Seite über einen Schlauch mit einem Wasserhahn
verbunden, auf der anderen Seite kann das Wasser in einen Auffangbehälter fließen.
Durch Öffnen des Hahns kann die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers durch
jeweils eines der Rohre eingestellt werden, bei geschlossenem Hahn steht das Wasser
in dem Rohr.
Versuchsaufbau:
Wenn das Wasser zum Strömen gebracht wird, steigen die drei Wassersäulen (je
nach Strömungsgeschwindigkeit) in dem geraden Rohr näherungsweise gleich hoch.
Aufgrund von Energieverlust durch innere Reibung des Wassers sinkt die Höhe der
Säulen allerdings längs des Rohrs leicht ab.
Strömungsbild für das gerade Rohr und für das Bernoulli-Rohr (das Wasser strömt
im Bild von rechts nach links):
Die Summe aus statischem und dynamischem Druck in einem strömenden Fluid
ist konstant. Bei höherer Strömungsgeschwindigkeit nimmt der senkrecht zur
Strömungsrichtung wirkende statische Druck ab und der in Richtung der Strömung
wirkende dynamische Druck (Staudruck) zu.
Das Bernoulli-Rohr zeigt mittels der drei Röhren den statischen Druck im
strömenden Wasser an. Bei Verringerung des Querschnitts, durch den das Fluid
strömt, erhöht sich dessen Strömungsgeschwindigkeit aufgrund der Massenerhaltung
bzw. des konstanten Volumenstroms.
Als zusätzlicher Effekt tritt ein allgemeines Absinken der Höhe der Wassersäulen in
den Röhren längs des Rohrs auf. Die Steighöhe in der dritten Röhre ist also geringer
als die in der ersten. Dieser Effekt beruht auf Reibungsverlusten der strömenden
Flüssigkeit längs des Rohrs, sodass der statische Druck mit der Rohrlänge abnimmt.
8.6.3 Kavitation
Ziel: Das Phänomen der Kavitation und die Bildung von Kavitationsblasen soll
demonstriert werden.
über
uber
¨ einen Schlauch mit einem Wasseranschluss verbunden, auf der anderen Seite
lauft
äuft
¨ das Wasser in einen Ablauf. Die obere waagerechte Verbindung am Rohr dient
lediglich der Stabilitat.
ät. Das Wasser fließt nur durch den unteren Teil.
¨
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung
Versuchsdurchfuhrung
¨ und Versuchsergebnisse: Das Wasser wird am Hahn immer
starker
ärker
¨ aufgedreht und dabei der Effekt im Glasrohr an der Verengung beobachtet
und akustisch wahrgenommen.
Wenn diese Dampfblasen kollabieren, entsteht eine Druckwelle, die in Form eines
lauten Zischens deutlich horbar
örbar ist. Außerdem sind Blasen sichtbar. Das Wasser
¨
trubt
übt
¨ sich im Bereich der Engstellt ein.
8.6.4 Venturi-Düse
Beobachtung: Flussigkeit
üssigkeit
¨ wird angesaugt
und vernebelt. P1
Für v2 v1 gilt P2 P1 . Weiterhin ist
v1 P2 v2
dann auch P2 < PA obwohl P1 > PA . Es
PA h
gilt
F hAg
PA − P2 ≥ = = hg. (8.66)
A A
Versuch: Venturi-Düse
Ziel: Mithilfe eines entsprechend geformten Glasrohrs soll das Prinzip eines
Zerstäubers bzw. einer Wasserstrahlpumpe demonstriert werden.
Versuchsaufbau:
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Der Schlauch des Gebläses wird senkrecht gehalten und das
Gebläse eingeschaltet. Dann wird die Kugel vorsichtig in die Luftströmung gebracht
und gewartet, bis sich ihre Lage stabilisiert hat. Anschließend wird der Schlauch
vorsichtig zunehmend schräg gehalten und dabei die Kugel beobachtet.
P1
8.6.5 Aerodynamisches Paradoxon
Versuchsbeschreibung: Aus einem senkrecht mit der Öffnung nach unten auf-
gehängtem Rohr kann über einen Druckluftanschluss Luft durch ein kleines Loch
ausströmen. In diese nach unten gerichtete Strömung kann ein Ball gebracht werden.
Versuchsaufbau:
Versuchsergebnisse und Beobachtungen: Statt nach unten zu fallen oder nach unten
geblasen zu werden, schwebt der Ball im Luftstrom. Ein kleiner Luftspalt zwischen
Rohr und Ball ermöglicht der Luft, um den Ball herum zu strömen.
Die schnell strömende Luft führt zu einem niedrigeren statischen Druck in der
unmittelbaren Umgebung des Balls, was ihn in seiner Position fixiert und stabilisiert.
Insbesondere strömt die Luft an seiner Oberseite sehr viel schneller als an seiner
Unterseite, sodass unten ein höherer statischer Druck herrscht als oben und der Ball
daran gehindert wird, herunterzufallen.
Die Summe aus statischem und dynamischem Druck ist immer konstant, sodass
eine höhere Strömungsgeschwindigkeit um den Ball herum zu einem höheren dyna-
mischen Druck (in Strömungsrichtung) und damit zu einem niedrigeren statischen
Druck (nach außen wirkend, senkrecht zur Strömungsrichtung) führt.
Es kommt also zu einem Druckgradienten. Der Druck nimmt zum Ball hin und
zwischen Unter- und Oberseite immer mehr ab, sodass er von dem höheren Druck
außen gehalten wird, an der Oberseite des Balls entsteht ein starker Unterdruck.
Außerhalb des Bereichs der Öffnung ist die Strömungsgeschwindigkeit null und der
Gesamtdruck ist gleich dem statischen Luftdruck.
π ωR4
DS = η . (8.68)
2 d
Dabei ist DS das Drehmoment auf die Scheibe. Die Größe η nennt sich Viskosität, [η] = Pa · s.
Tabelle 1 zeigt die Viskositäten einiger Stoffe.
FR = −6πηRv. (8.69)
R ist der Radius der Kugel und v die Geschwindigkeit relativ zum ~v
Fluid. Für turbulente Strömungen schreibt sich das Stokessche Ge-
setz mit einem Korrekturterm zu
3 %Rv
−6πηRv 1 + . (8.70)
8 8η
Ziel: Die Zähigkeit von Gasen und deren Haftung an Oberflächen bzw. Grenzschich-
ten soll demonstriert werden.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Der Lichtzeiger wird auf die Skala an der Wand geworfen. Zu
Beginn steht er auf null.
Der Motor wird zuerst auf eine niedrige Drehzahl eingestellt und eingeschaltet,
dann wird die Drehzahl vergrößert. Nach jeder Änderung der Motorgeschwindigkeit
muss eine gewisse Zeit gewartet werden, bis sich der Lichtzeiger eingependelt hat.
Für die unterschiedlichen Drehzahlen wird das Verhalten des oberen Tellers und
insbesondere des Lichtzeigers auf der Skala beobachtet.
Reynoldszahl Für einen kugelförmigen Körper des Radius R ist die Reynoldszahl definiert
als
R%v
Re = . (8.71)
η
Die Form eines Körpers hat einen großen Einfluss auf den Strömungswiderstand. Darum
charakterisiert man den Strömungswiderstand eines Körpers mithilfe eines Strömungswider-
standskoeffizienten, dem cW -Wert. Achtung: Der cW -Wert ist abhängig von der Reynolds-
zahl, der über das Verhältnis von Strömungswiderstand und Staudruck definiert ist. Genau-
eres lässt sich beispielsweise im Buch ,,Experimentalphysik 1” von Wolfgang Demtröder in
Kapitel 8.8 nachlesen. Systeme mit gleicher Reynoldszahl verhalten sich ähnlich.
Laminare Strömung: Bei der laminaren Strömung dominert die Viskosität mit Reibung
den Strömungswiderstand. Die Reynoldszahl ist kleiner als 1, Re < 1, und die Rückstellkraft
proportional zur Geschwindigkeit, F ∝ v.
Turbulente Strömung: Der Strömungswiderstand bei der turbulenten Strömung wird durch
die Turbulenz des Fluids dominiert. Die Reynoldszahl ist sehr viel größer als 1, Re 1, und
die Rückstellkraft proportional zum Geschwindigkeitsquadrat, F ∝ v 2 .
Versuch: Laminare und turbulente Strömungen
Ziel: Der Übergang von laminarer zu turbulenter Strömung soll am Beispiel von
strömendem Wasser demonstriert werden. Ein einzelner Tintenfaden macht das
Verhalten der Stromlinien sichtbar.
Versuchsbeschreibung: Aus zwei erhöht platzierten Behältern mit Wasser bzw. Tinte
wird eine Strömung durch ein Glasrohr erzeugt. Die Strömungsgeschwindigkeit des
Wassers kann mittels eines Durchflussreglers eingestellt und abgelesen werden. Der
Tintenvorrat dient zur Erzeugung eines schmalen Tintenfadens, der den Verlauf der
Strömung in dem Rohr nachzeichnet.
Versuchsaufbau:
Dann wird das Ventil an dem Tintenbehälter vorsichtig und langsam geöffnet, bis
ein dünner Stromfaden zu erkennen ist. Anschließend wird die Durchflussgeschwin-
digkeit langsam erhöht. Der Verlauf des Stromfadens wird dabei beobachtet.
vF vF
8.7.3 Magnus-Effekt
Stromt
ömt
¨ ein Fluid um eine Kugel, so kann
dieser Effekt als Rotation mit v = ωr be-
F
trachtet werden. Fur
ür
¨ die Skizze gilt P1 < P2 1 2 1 2
und damit v1 < v2 . Beobachtung: Es wirkt
eine Kraft senkrecht zur Stromungsrichtung
ömungsrichtung
¨
des Fluids.
v1 = v2 v1 > v 2
Versuch: Magnus-Effekt mit Waage
Ziel: Das Prinzip und die Auswirkung des Magnus-Effekts sollen demonstriert
werden.
Versuchsbeschreibung: Auf einer auf die Mitte ihrer Anzeige austarierten Tafelwaage
ist auf einer Seite eine mittels eines Elektromotors drehbare Walze montiert.
Gegenuber
über
¨ der Walze ist ein Gebl¨ ase aufgestellt, in dessen Luftstrom die Walze
äse
rotieren kann. Mithilfe eines Schalters kann ihre Drehrichtung geandert
ändert werden.
¨
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung:
Versuchsdurchfuhrung:
¨ Ein an der Walze befestigter Pfeil zeigt ihre Drehrichtung
an. Das Geblase
äse wird eingeschaltet. Die Anzeige der Waage befindet sich bei
¨
eingeschaltetem Geblase
äse und stillstehender Walze in der Mitte auf 50 g.
¨
Dann wird die Walze mithilfe des Elektromotors in Drehung versetzt, zuerst in die
eine, dann durch Umpolen in die andere Drehrichtung. Die Anzeige der Waage wird
dabei beobachtet. Dann kann der Luftstrom bei drehender Walze ausgeschaltet oder
kurz unterbrochen werden. Wieder wird dabei die Anzeige der Waage beobachtet.
Skala aus. Die Walze wird im Luftstrom also leichter (Drehung im Uhrzeigersinn)
oder schwerer (Drehung gegen den Uhrzeigersinn), je nach Drehrichtung.
Bei Rotation im Uhrzeigersinn ist die Geschwindigkeit der Luft oberhalb größer als
unterhalb, da die Luft durch die bewegte Walze mitgerissen wird.
Da für den Gesamtdruck Pges = Pstat + 12 ov 2 gilt, der statische Druck also oben
niedriger ist als unten, bewirkt dies eine resultierende Kraft nach oben aufgrund der
Druckdifferenz zwischen oben und unten (dynamischer Auftrieb). Die Waage zeigt
ein geringeres Gewicht an. Bei umgekehrtem Drehsinn ist diese Kraft nach unten
gerichtet. Die Waage zeigt dann also ein größeres Gewicht an.
Wenn die Luftströmung zum Beispiel mithilfe eines Stücks Pappe unterbrochen wird,
geht der Ausschlag der Waage sofort auf seine Anfangsposition zurück. Außerdem
kann die Stärke des Effekts bzw. der Betrag der Kraftwirkung beeinflusst werden,
indem die Strömung mit dem Stück Pappe teilweise schräg umgeleitet wird.
dv dv
FReib (r) = −ηA = −η2πrL . (8.73)
dr dr
Die Kraft lässt sich aber auch mit der Beziehung des Drucks P = F/A schreiben. Damit gilt
dv
πr2 (P1 − P2 ) = −η2πrL . (8.75)
dr
Die Geschwindigkeit des Fluids am Rand des Rohres verschwindet, es gilt also v(R) = 0.
Umformen von (8.75) und integrieren mit der Berücksichtigung der Bedingung v(R) = 0
ergibt den Ausdruck für die Geschwindigkeit als Funktion des Radius,
dv P − P2
⇒ =− 1 r
dr 2ηL
v(R)
Z ZR
P1 − P2 0 0
⇒ dv = − r dr
2ηL
v(r) r
P1 − P2 2
⇒ v(R) − v(r) = − (R − r2 )
4ηL
P − P2 2
⇒ v(r) = 1 (R − r2 ). (8.76)
4ηL
ZR ZR
dV (R) P1 − P2 2 πR4 ∆P
Q= = 2πr vdr = π (R r − r3 )dr = . (8.77)
dt 2ηL 8ηL
r=0 r=0
9 Metrologie
Metrologie ist die Wissenschaft des Messens. Die Metrologie beschäftigt sich mit dem Be-
stimmen und Dokumentieren von Messwerten und deren Genauigkeit. In diesem Kapitel
werden die Maßeinheiten, besonders das SI-Einheitensystem behandelt.
9.1 SI-Einheiten
Das SI-Einheitensystem ist ein anerkanntes Einheitensystem für die Angabe physikalischer
Größen und besitzt sieben Basiseinheiten:
Bemerkungen:
• Alle Einheiten sind willkürlich, jedoch für die Experimentalphysik sinnvoll gewählt. In
der theoretischen Physik wird oft das cgs-Einheitensystem benutzt, auf welches hier
allerdings nicht eingegangen wird.
• Alle Größen, die in der Physik verwendet werden, können auf die sieben Grundgrößen
zurückgeführt werden.
• Seit 2019 sind alle Einheiten von Naturkonstanten abgeleitet. Zum Beispiel ist ein
Meter über die Lichtgeschwindigkeit und die Frequenz innerhalb der Hyperfeinstruktur
von 133 Cs definiert.
9.2 Messfehler
Kein Experiment misst den ,,wahren” Wert einer Größe. Zwei Fehlertypen:
,,gekippt” Normalverteilung
Statistik
Falls eine Messung ausschließlich statistischen Fehlern unterliegt, so lässt sich ihr ,,wahrer”
Wert durch unendlich viele Messungen bestimmen,
n
1X
xw = lim xi . (9.2)
n→∞ n
i=1
Man kann sich dem wahren Wert nur nähern, ihn aber nicht sicher erreichen.
Definitionen
ei = xw − xi (9.3)
Der absolute Fehler ε des arithmetischen Mittels ist also gleich dem arithmetischen
Mittels der absoluten Fehler ei der Einzelmessungen.
d i = x − xi (9.8a)
= xw − xi − (xw − x) = ei − ε (9.8b)
Einzelwert :
graphisch
:
(Einzelmessungen)
(x − xw )2
1
f (x) = √ exp − (9.11)
σ 2π 2σ 2
Bemerkungen:
• Der Anteil der Messergebnisse in einem bestimmten Wertebereich entspricht der Fläche
unter der Normalverteilung
Z∞
f (x) dx = 1. (9.12)
−∞
xZ
w +σ
Hierbei ergeben sich die Werte P (|xw − xi | ≤ σ) ≈ 68%, P (|xw − xi | ≤ 2σ) ≈ 95% und
P (|xw − xi | ≤ 3σ) ≈ 99,7 %.
Wichtig: Da im Bereich xw ±σ nur 98% der Messergebnisse liegen, werden in einem Graphen,
in dem Messwerte und eine Fitfunktion gezeigt werden, circa 32% der Ergebnisse einen
großeren
ößeren Abstand vom Fit haben als ihr Fehlerbalken.
¨
Prazision
äzision
¨
hohe Prazision
äzision
¨
(kleine Streuung),
gute Richtigkeit
klein
hohe Genauigkeit
groß
Richtigkeit
systematische statistische
Fehler Fehler
Versuch: Galtonbrett
Das Galtonbrett wird senkrecht aufgestellt, sodass die Kugeln nach dem Öffnen der
Klappe nach unten in den Auffangbereich fallen können und auf dem Weg durch die
Nägel an einer geraden Bewegung nach unten gehindert werden. An jedem dieser
Hindernisse besteht eine gleich große Chance, dass die jeweilige Kugel nach links
fällt, wie dass sie nach rechts fällt. Die Kugeln werden bei ihrer Bewegung nach
unten also statistisch beeinflusst.
Mithilfe eines Holzkeils kann das Brett leicht zu einer Seite hin gekippt aufgestellt
werden, um einen systematischen Fehler darzustellen.
Versuchsaufbau:
Versuchsdurchführung: Die Kugeln befinden sich bereits im oberen Bereich des Gal-
tonbretts. Die Klappe wird geöffnet und die Kugeln bei ihrer Bewegung nach unten
beobachtet. Dann wird die Verteilung der Kugeln auf die einzelnen Auffangbereiche
untersucht. Dazu wird der Versuch zum Beispiel dreimal wiederholt und jeweils die
Verteilung der Kugeln im Auffangbereich markiert und dann miteinander verglichen.
Ebenso wird zum Vergleich der Holzkeil untergelegt und der Versuch wiederholt.
Dies demonstriert das Prinzip eines systematischen Fehlers.
Im Gegensatz dazu verschiebt sich die Verteilung der Kugeln deutlich in eine Rich-
tung, wenn das Brett schräg gestellt wird. Es kommt also zu einer systematischen
Verfälschung des Ergebnisses, die sich durch passende Korrektur eliminieren lässt.