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Positive Psychologie

1. Positive Psychologie - Begriff und Konzept


Ausgangssituation
Tradition der APA, dass jeder Präsident, der für 2 Jahre gewählt wird, ein Programm für die nächsten
Jahre vorgibt
Martin Seligman war 1998 – 1999 Präsident der APA gab 2 Programme vor:
 Effectiveness vs. efficacy of psychotherapy
Efficacy = performance of an intervention under ideal and controlled circumstances
Effectiveness = performance in the real world
 Trennung in experimentelle vs. Praxis orientierte Psychotherapieforschung
 Wirksamkeit von Psychotherapie in der Anwendung
− naturalistische Designs

 Positivity into Psychology (Rede vor der APA 1999)


 Positive Psychologie
Zeitgleich weitere Arbeiten, die in diese Richtung wiesen:
 Diener: Subjektives Wohlbefinden
 Csikszentmihalyi: Flow und Wellbeing
Positive Psychologie
Ende der 1990er Jahre von Martin Seligman und Mihalyi Csikszentmihalyi gegründet
Wissenschaftliches Forschungsprogramm …
 bemüht um valides Wissen
 über die Bedingungen und Prozesse des guten / glücklichen / gelingenden Lebens für
 Individuen / Gruppen / Gesellschaften
dies impliziert: die Positive Psychologie versucht eine wissenschaftlich begründete Anleitung zu
einem guten und glücklichen Leben zu liefern
 Ausrichtung auf das Positive
 Wissenschaftliche Fundierung
 Positive Wirkung auf Erleben und Verhalten im Alltag
Traditionelle Perspektive Positive Psychologie
Ziel: Leidensverminderung Wohlbefinden
Idealfall: Abwesenheit von Krankheit Selbstverwirklichung
Logik: Genesung Aufblühen
Was ist das Positive? - Positivität in der PP
Sehr unterschiedliche Sichtweisen und Ansätze
 Globale – generelle Sichtweise
 Spezifische – hierarchische Sichtweise
großteils keine klaren Aussagen
z.B. PP = Psychologie des gelingenden Lebens und Arbeitens (Blickhan, 2018)
Generelle Sicht:
1. Positiv ist alles, was nicht „negativ“ ist,
d.h., nicht mit Störungen, Krankheit, Problemen etc. assoziiert ist
 Keine sehr sinnvolle Definition, da per exclusionem und nicht klar, was Positivität im Speziellen ist.
2. Positiv ist alles, was mit Gesundheit, positivem Erleben, Kreativität, Wachstum,... assoziiert ist,
->Entwicklung von Theorien/Modellen & Aussagen zu spezifisch positiven Gegenstandsbereichen
Beispiele:
 Seligman‘s (1999) Intention
 Mission-Statements
 Auflistung von „positiven Gegenstandsbereichen“
 Theoretische Konzepte
Seligman‘s (1999) Intention
Bringing together people working in fields like
 Happiness
 Human strengths
 Mental health
 Flow and creativity
 Positive attributes in general
and form a network and an approach, later called „positive psychology movement“
 PP als wachsendes Netzwerk
 Positivität als „emerging concept“
Mission der PP
 Wohlbefinden, Glück und Lebensfreude zu vermehren anstatt „Leiden“ zu reduzieren
 Mehr daran interessiert zu sein das Beste zu entwickeln anstatt das „Schlimmste“ zu
„reparieren“ oder zu vermeiden
 Sich zumindest ebenso sehr mit den charakterlichen Stärken eines Menschen zu beschäftigen
als mit seinen Problemen und Belastungen
 Gleich aktiv daran zu arbeiten, das „normale Leben“ von Menschen erfolgreich zu entwickeln
wie psychische Störungen zu „heilen“
Resümee/Fazit
 Frage nach dem Gegenstand der PP (was ist positiv und was ist Positivität?) ist noch nicht
beantwortet
 PP als „emerging concept and environment“
 Sich entwickelnder und sich erweiternder Gegenstand
 Neue Bereiche entwickelt und integriert
 Kern:
o Positives Erleben,
o positives Leben,
o Lebensglück und
o die dies fördernde Faktoren

Zentrale Merkmale
Primäre Dialektik
Grundlagen- und Angewandte Wissenschaft
 Positive Psychologie als Forschungsprogramm
o Positiv-psychologische Forschung
o Positiv-psychologische Theorien/Modelle
 Positive Psychologie als Intervention -> PPI
o Gesundheitspsychologie
o Klinische Psychologie
o Beratung / Lebensberatung
o Coaching
Gegenwärtig starkes Ringen um Einheit
Versuche Spaltung (wie in KLIPS) zu verhindern (Lopez & Gallagher, 2009)

Altersbereiche PP (Lopez & Snyder, 2009)


Positive Psychology across Lifespan
 Kinder und Jugendliche
o Positive Kinderpsychologie
o Positive Youth Psychology
o Positive Entwicklungspsychologie
 Erwachsene
o Positive Psychologie
 Alte Menschen
o Positive Gerontopsychologie
o Positive Lebensspannen-Psychologie

Systembereiche
 Individuen/Einzelpersonen
o Gelingendes Leben von Einzelnen
 Gruppen und Systeme
o Gelingendes Leben von Paaren, Familien, Gruppen, Beziehungen
 Organisationen und Institutionen
o Positive Schule
o Positive Arbeit, Firmen,
o Positive Universität
Themen & Konzepte der PP
− Subjektives Wohlbefinden und Glück
− Werte, Motivation und Grundbedürfnisse − Dankbarkeit
− Positive Emotionen − Verzeihen und Vergeben
− Flourishing - Positive (psychische) Gesundheit und − Resilienz, posttraumatisches Wachstum, positive Entwicklung und
psychologisches Wohlbefinden positives Altern
− (Charakter)Stärken − Weisheit und Authentizität
− (Lebens)Ziele und positive Zukunft − Exzellenz, Ästhetik, Kreativität
− Sinn, Lebensqualität und (Lebens)zufriedenheit − Religion, Spiritualität
− Selbstwert und Selbstmitgefühl − Positive Institutionen und Einrichtungen
− Aktivität, Engagement & Flow − Positive Gemeinden und Kommunen
− Positive Gesundheit: Körper, Bewegung, Ernährung − Positive Kulturen
− Achtsamkeit − Positiv Psychologische Interventionen
− Optimismus, Hoffnung und Zuversicht − Positive Klinische Psychologie
− Positive soziale Beziehungen – Liebe, Partnerschaft − Positive Psychotherapie
und positive Familien − Positive Psychologie 2.0
− Positive (soziale) Kommunikation
− EmpathieBereiche
und Mitgefühlder Positiven Psychologie
(compassion) (Auhagen, 2012)
 Positivität als wissenschaftliches Thema - Metaebene
 Wohlbefinden und Lebensqualität/-zufriedenheit
 Positive Emotionen / Positivität
 Menschliche Stärken und Tugenden / Charakterstärken
o Tugenden
o Positive Eigenschaften zur Lebensbewältigung
o Fähigkeiten und Fertigkeiten
 Ressourcen
 Resilienz
 Positive menschliche Einrichtungen und Organisationen
Hintergründe Herkunft
Griechische Philosophie
 Sokrates/Platon
o Gutes Leben
 Aristoteles
o Nikomachische Ethik
 Hedonia
 Eudaimonia (Charakterbildung)
 Seneca
o Stoische Philosophie (Philosophie der Lebensprinzipien, gutes Leben führen)
o Mäßigung und Verzicht als Tugenden

Gordon W. Allport (1897-1967)


Ideen und Vorstellungen bezgl.
− Psychischer Gesundheit
− Selbst und Selbstkonzept
− Psychischer Reife und Stärken
− Charakter-Traits (lehnte Charakterbegriff ab)
− Funktionelle Autonomie
− Reife
Psychische Gesundheit:
o Emotionale Sicherheit und Selbstakzeptanz
o Offenheit und realistische Wahrnehmung
o Selbstdistanzierung
o Humor
o Positive soziale Beziehungen
o Werte und Lebenssinn
Humanistische Psychologie(&Philosophie) (offiziell 60er gegründet, in Europa weniger
durchgesetzt)
Sammelbegriff für eine Reihe heterogener psychologischer&psychotherapeutischer Ansätze, die sich
 einer Familie von Menschen- und Weltbildern und
 philosophischen Grundlagen sowie
 gemeinsamen Prinzipien und Zielen des therapeutischen Arbeitens verpflichtet fühlen
Hauptvertreter: Rogers, Perls, Moreno, Satir, Frankl, Maslow, Bühler, Cohn
Theoretische Grundlagen
 Humanismus & Humanistische Philosophie
 Existenzialismus
 Lebensphilosophie  Konzept der Charakterstärken besonders wichtig
 Phänomenologie  Viele Konzepte übernommen
 Fernöstliche Philosophien (Zen)  Trotzdem starke Abgrenzung durch unterschiedliche
 Gestaltpsychologie Forschungszugänge
 Humanistische Psychologie

− Ganzheitlichkeit des Menschen − Subjektivität der Realität und Existenz


− Personale Einzigartigkeit - Individualität − Entscheidungsfreiheit
− Interpersonalität − Wertorientiertheit
− Autonomie und Eigenverantwortung − Sinnorientiertheit im Leben und Handeln
− Selbstregulation und Selbstwirksamkeit − Positivität im Kern
− Selbstverwirklichung − Weisheit des Organismus
− Bewusstheit und Bewusstsein
  Reformpädagogik
Menschenbild der HP

Abraham Maslow (1954)


Verwendet erstmals den Begriff „Positive Psychology“, indem er schreibt, dass sich die Psychologie
mehr der negativen Seite des Menschen verschrieben hätte und sich weniger für die positive
interessiere, …
„…but little about his potentialities, his virtues, his achieveable aspirations, or his full
psychological height ...“
Forderung: Psychologie soll sich auch der positiven Seite des Menschen annehmen und zu einer
ganzheitlichen, „positiven Psychologie“ werden.
Carl R. Rogers (1963) (Personenzentrierte Psychotherapie)
Konzept der „fully functioning person“ -> Person am Weg zur Selbstverwirklichung
 Offen für (neue) Erfahrungen
 Lebt im Hier und Jetzt
 Ist aktiv und engagiert
 Hat positive Beziehungen
 Vertraut sich selbst
 „Flourishing“ nach Seligman
Viktor Frankl
Begründer der 3. Wiener Schule der Psychotherapie -> Logotherapie, Existenztherapie
 Versuchte Sinnaspekt als therapeutischen Element zu kultivieren
 Für volles, zufriedenes, glückliches Leben ist es wichtig, dass Leben nach Sinn ausgerichtet ist
o Im kleinen Sinn – weiß wofür man lebt, was man tut
o Im großen Sinn – Gefühl nicht nur Einzelindividuum, sondern Teil eines größeren und im
Rahmen dessen sein Leben führt
 Religiosität wichtiger Aspekt für viele Menschen -> wichtig anzuerkennen
PP als neohumanistischer Ansatz
 Problemgeschichtliche Verknüpfung
o HP als Vorläufer
 Große intentionale Ähnlichkeit
o Suche nach dem guten und erfüllten Leben
o Positivität als Grundkonzept und Grundgedanke
o Vergleichbares Menschenbild
 Jedoch auch Unterschiede
o PP betont explizit die Wissenschaftlichkeit (evidenzbasiert)
o HP hat sich – vor allem in der Pth – in eine antiszientistische Haltung begeben
(gegenüber Naturwissenschaften)

2. Wohlbefinden & Glück (Fokussierung in erster Welle vor allem auf diese
Konstrukte)
Vielgestaltige Begrifflichkeit (oft synonyme Verwendung, allen gemeinsam: positive Emotionalität)
 Wohlbefinden
 Glück
 Lebenszufriedenheit
 Lebensqualität

Wohlbefinden
Relation der Begriffe
 Glück oft synonym mit subjektivem Wohlbefinden
 Lebenszufriedenheit oft synonym mit Lebensqualität
 Aber auch individuelle, eigenständige Verwendung und Bedeutungen
 Unterschiedliche Arten des Wohlbefindens
Wohlbefinden
 Subjektives Wohlbefinden
 Aktuelles Wohlbefinden
 Habituelles Wohlbefinden
 Psychologisches Wohlbefinden
 Körperliches Wohlbefinden
 Soziales Wohlbefinden

Subjektives Wohlbefinden - „Subjective Well-being“ (Diener, 2000) (Erleben&Beurteilung des Lebens)


Affektive und kognitiv-evaluative Komponente
 Affektiv: Subjektives Erleben von … (Affektbalance)
o … möglichst vielen angenehmen, positiven Gefühle und Erlebnissen und
o … möglichst wenigen negativen Gefühlen und Stimmungen

 Kognitiv-evaluativ: Beurteilung des eigenen Lebens hinsichtlich …


o Generelle Zufriedenheit -> Lebenszufriedenheit
o Spezifische Zufriedenheit (z.B. Lebensbereiche)

Theorie des subjektiven Wohlbefindens (Diener, 2000)

Subjektives Wohlbefinden
Affektiv Kognitiv

Positive Emotionen Negative Emotionen Allgemeine Bereichsspezifische


und Stimmungen und Stimmungen Lebenszufriedenheit Lebenszufriedenheit

z.B: Freude, Liebe, Stolz, z.B: Angst, Ärger, Scham,z.B.: mit Partnerschaft,
Entspannung, gehobene Traurigkeit, Nervosität, Arbeit, Gesundheit,
Stimmung gedrückte Stimmung Vier-Faktoren-
FInanzen

Subjektives Wohlbefinden
Ansatz des subjektiven Wohlbefindens (Mayring, 1994)

Aktuelles Wohlbefinden Habituelles Wohlbefinden


(state) (trait,dispositionell)

Freuden Glück Belastungsfreiheit Zufriedenheit

Strukturmodell des Wohlbefindens (Becker, 1994)


Subjektives Wohlbefinden & Glück (Veenhoven, 1984)
 Subjektives Erleben von …
o … möglichst vielen positiven Gefühlen und
o … einem eher allgemeinen Zustand
 Glück (engl. Happiness)
o Umgangssprachlicher Ausdruck für Wohlbefinden (Diener & Diener, 1996)
o Oft synonym mit s. WBF (z.B. Lyubomirsky et al., 2006)
 Hedonistisches vs. Eudaimonistisches WBF/G
 Psychologisches Wohlbefinden
Psychologisches Wohlbefinden „Psychological Well-being“ (Ryff, 1989) (Eudaimonistischer Bereich von Glück)
Psychologisches WBF =
 Optimal psychological functioning
 Positive psychological functioning
 Ausschöpfen des vollen Potenzials
Mehrdimensionales Konstrukt (6 Komponenten)
Self-Acceptance The capacity to see and accept one’s strengths and weaknesses
(Selbstakzeptanz)
Purpose in Life Having goals and objectives that give life meaning and direction
(Sinn im Leben)
Personal Growth Feeling that personal talents and potential are being realized over time
(persönlicher Wachstum)
Positive Relations with Others Having close, valued connections with significant others
(positive Beziehungen)
Environmental Mastery Being able to manage the demands of everyday life
(Selbstwirksamkeitserleben)
Autonomy Having the strength to follow personal convictions, even if they go
against conventional wisdom
= positives psychologisches Funktionieren im Sinne des sich selbst verwirklichen

Flourishing
Aufblühen als Verbindung subjektiven und psychologischen Wohlbefindens
 Erfülltes Leben
 Aus dem Vollen schöpfen
 In der Blüte des Lebens
Konzepte:
 Seligman‘s PERMA-Modell (2011/12)
o PERMA-Profiler
 Diener et al. (2010) psychol. WB & Flourishing
o 10 Komponenten
u.a. positive Beziehungen, für andere wichtig sein, Respekt, Wertschätzung, Sinn im Leben …
o Flourishing-Scale

Glück
Was ist Glück?
Unterschiedliche Glücksbegriffe
 Hedonistisches vs. eudaimonistisches Glück
 Psychologischer Glücksbegriff
Psychologie des Glücks
Alltagsvorstellungen (Bucher, 2009)
Glück als
1. positives Ereignis / günstiges Schicksal
 Erfolg, Wohlstand
 „Glück gehabt“
2. positives Erlebnis / Wohlfühlen
 Erleben intensiver Freude
 emotionale Intensiverfahrung
3. positives Leben
 Glück überwog im Leben
 Wohlergehen
4. Zufriedenheit mit dem Leben
 "glücklicher Mensch"
Empirische Studien zum Glück (Bühler, 1961)
Qualitative Studie in Deutschland zum Verständnis von Glück
Inhaltsanalytische Kategorienbildung
 4 Dimensionen von Glück
 Glück aufgrund der Befriedigung von Bedürfnissen und Wünschen
 Glück aufgrund positiver sozialer Beziehungen und Integration
 Glück durch persönliches Schaffen und Wirken
 Glück als innere Harmonie und Ordnung
Studie von Hoffmann (1981)
12 Kategorien, wie Glück erlebt werden kann:
1. In qualitativ guten Beziehungen – „ich fühle mich anderen nahe“
2. Als schöpferische Kraft – „ich spürte einen großen Tatendrang“
3. Öffnung der Sinne – „ich hatte das Gefühl, mit der Landschaft eins zu sein“
4. In der Erotik – „Ich hatte ein Gefühl von Wärme in der Bauchgegend“
5. Als Ruhe und Entspannung – „ich atme ganz ruhig“
6. Spontaner Ausdruck überfließender Energie – „ich spürte den Drang, zu lachen, zu singen, zu tanzen“
7. Ekstase – „ich wollte zerfließen, mich auflösen“
8. In der Beziehung zu Transzendenz – „ich hatte Vertrauen zu Gott“
9. Als Trance - „ich war in einem Zustand der Selbstvergessenheit“
10. Als Enthobenheit aus der Zeit – „Mein Zeitgefühl war aufgehoben“
11. Als Bejahung von Leben – „das Leben erschien mir sinnvoll“
12. Als positiver Selbstwert – „ich war meiner selbst sehr sicher“

Glücksbegriff in der Psychologie (Bucher, 2009)


 Heterogenes Konzept: Vielfältige Vorstellungen, was Glück ist
 Positive Affektivität
o Assoziiert mit Freude und positiven Emotionen
 Bipolare Expression
o euphorisch vs. still
o bewegt vs. gelassen
o offen vs. diskret
 Starke subjektive Komponente
 Enge Assoziation mit spezifischen Lebensbereichen
o Gesundheit
o Positive, enge/nahstehende soziale Beziehungen (Partner, Familie, Kinder)
o Selbstverwirklichung
o Lebenssinn
o Lebenszufriedenheit
 Differenzierbar in einen eher sensorischen und einen eher kognitiven Anteil
 2 prototypische Arten: hedonistisch vs. eudaimonistisch
Zwei Arten von Glück (Aristoteles, Magen, 1998)
 Glück als sinnliches Erleben = Hedonistisches Glück
o Positive emotionale (Intensiv)Erfahrung
o Unmittelbare (kurze) Episode
o Sinnesgenuss – Lust
o Rauschgefühle – Ekstase

Austauschbare Ursachen, vergleichbares Erleben


 Zustand (state) - oberflächlich und unbeständig

 Sinn-/Werte-basiertes Glück = Eudaimonistisches Glück


o Erfüllung von Lebenssinn und Potenzialen
o „authentisches Lebensglück
 Entfaltung des „Daimon“ (wahres Selbst)
 Selbstverwirklichung und persönliches Wachstum
 Entwicklung tugendhafter Stärken
 Prozess (trait)
 Individuation (Jung)
 Selbstverwirklichung (Rogers)
 Persönliche Reifung (Allport)
Psychologischer Glücksbegriff
 Psychologische Forschung differenziert und integriert die beiden Glücksbegriffe zu einem
-> „Subjektives Wohlbefinden“ (Diener et al., 1997)
o Positiver Affekt
 Wohlbefinden, Freude, Begeisterung
 glückliche Erfahrungen/Erlebnisse (individuelle Freude)
 aktuelles Wohlbefinden (Becker, 1991)
o Globale, länger anhaltende Lebenszufriedenheit
 befriedigendes, von Sinn und Selbstwert erfülltes Leben
 habituelles Wohlbefinden (Becker, 1991)
 Operationalisierung: Skalen zum „subjektiven Wohlbefinden“, z.B.
o Oxford Glücks-Inventar, Oxford Glücksfragebogen
o Subjektives Glück (Lyubomirsky & Lepper, 1999)
Eudaimonistischer Glücksbegriff (Ryff, 1989, 1995)
Ryff (1989) entwickelte das Konzept eines eudaimonistischen psychologischen Glücksbegriffs
+ Skala „Eudaimonistisches Wohlbefinden“
 Autonomie
 Bewältigung äußerer Lebensumstände
 Persönliches Wachstum
 Positive Soziale Beziehungen
 Lebensziel und Lebenssinn
 Selbstakzeptanz und Selbstwert
Psychometrische Qualität (Reliabilität) und Validität bestätigt,
niedrige Konsistenz (wenige Items)
Kurzfassung mit 18 Items (Ryff & Keyes, 1995)
Eudaimonistisches vs. hedonistisches Glück
Hedonistisches/sinnliches und eudaimonistisches/sinnorientiertes Glück
schließen sich gegenseitig nicht aus!
Keyes et al. (2002): r=.59
Nave et al. (2007): r=.68; Selbst- und Fremdbeurteilungen
Waterman et al. (2008): r=.80

 Es kann enorm glücklich machen, sich selbst zu verwirklichen und nach Sinn zu streben
(n. Bucher, 2009, S. 16)
 Psychologischer Glücksbegriff schließt beide ein!
„Authentic happiness theory“ (Seligman, 2003)

The Pleasant Life


Positive Emotions

Your
Best Life
The Engaged Life The Meaningful Life
Being in the Flow Belonging to and serving

Glücks- und Wohlbefindensforschung


Warum suchen wir nach Wohlbefinden und Glück?
 Angeborenes, evolutionäres Bedürfnis (Buss, 2000)
 Biologisch vermitteltes Bedürfnis (Belohnungszentrum)
 Viele positive Effekte von Glück:
o Wohlbefinden/Glück lassen die Dinge einfacher von der Hand gehen
o Glückliche Menschen sind offener und beliebter
o Glückliche Menschen haben mehr positive Beziehungen und Kontakte
o Glücklich sein puffert negative Emotionen

 Glück ist eine psychologische Ressource


Wohlbefinden/ Glück als evolutionär vermittelte Ressource
David Buss (2000): Evolution des Glücks:
Glück/Wohlbefinden sind evolutionär vermittelte psychologische Zustände mit zentralen Funktionen
 Vermittlung von Energie und Gesundheit
 Motivator für engagiertes Handeln
 Lohn für evolutionär zentrale Handlungen
o Sexualität
o Reproduktion
o Altruismus
Komponenten der Glücksforschung (Bucher, 2017)
 Konzeption und Messung von Glück
 Komponenten von Glück
 Neurobiologie des Glücks
 Determinanten von Glück
 Effekte/Funktionen von Glück
 Strategien und Interventionen zur Entwicklung/Verbesserung von Glück
o Strategien im Alltag
o Strategien in der Beratung/Coaching
o Psychotherapeutische Strategien -> Glücks-/Wohlbefindens-Therapien
Wie glücklich sind Sie?
Bewerten Sie mit einer Zahl von 1 bis 10, wie glücklich Sie sich aktuell in Ihrem Leben fühlen.
 1: sehr unglücklich/überhaupt nicht glücklich
 10: sehr glücklich
 Werte dazwischen dienen der Abstufung

Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung (2008) – Durchschnitt: 7,4

Allgemeine Ergebnisse von Studien (Bucher, 2009)


 Menschen beurteilen ihr gegenwärtiges Leben i.A. als glücklich bis sehr glücklich
o 55-60% als glücklich bis sehr glücklich
o 72-77% liegen über dem theoretischen Skalenmittelwert
o Lykken & Telgen (1996): 86% im obersten Drittel (Bertelsmann: 57%)
 Erklärung:
o Soziale Erwünschtheit spielt keine Rolle
o Subjektives Glück unabhängig von objektiven Bedingungen
o Adaption und Selbstregulation -> Optimismus
o Selektive Aufmerksamkeitsfokussierung auf positive Aspekte -> Pollyanna-Effekt

Stehen mit Wohlbefindens Paradox in Verbindung


o Effekt beobachtbar über Lebensphase
 Besonders intensiv untersucht im hohen Alter
(Befindlichkeit bleibt lange konstant trotz stark zunehmenden Belastungen)
 Jugend: niedrigste Befindlichkeit
o Auch wenn es jemandem objektiv nicht gut geht, so lange über bestimmten Cut off
Wert: trotz schwieriger Lebenssituation versucht man Befindlichkeit im positiven
Bereich zu halten
Was macht Sie glücklich?
Überlegen Sie ein paar Minuten, was Sie im Moment oder in den letzten Wochen glücklich
macht/gemacht hat
 Besondere Ereignisse?
 Der/die Partner/in?
 …
Was bestimmt das Glück – die wichtigsten Determinanten (Bucher, 2017)
 Genetische Faktoren – ca. 48-50% (Zwillingsstudien)
 Persönlichkeitseigenschaften (ca. 10-15%)
o Extraversion – Selektor!
o Geringer Neurotizismus
o emotionale Stabilität
o Verträglichkeit/angenehmes Wesen
o Optimismus
o Emotionale Intelligenz
 Gesundheit – geringer, aber signifikanter Einfluss
o Selbst beurteilte Gesundheit, nicht für objektive
 Geschlecht - Interaktion mit Lebensphase
 Höheres Alter (nicht höchstes Alter) – golden age
 Nationale Angehörigkeit
 Enge soziale Beziehungen – mittelstarker Effekt (ca. 20%)
o Verliebtheit, Liebe, Partnerschaft
o Freundschaften & soziale Unterstützung
 Aktivität – mittelstarker Effekt (ca. 20%)
o Soziale und Freizeitaktivitäten
o Körperliche Bewegung und Sport
 Ehrenamtlichkeit, Hilfe & altruistisches Handeln
 Arbeit und Arbeitsklima, wenn positiv gestaltet und gestaltbar
 Spirituelle Faktoren
o Intrinsische Religiosität
o Dankbarkeit
o Vergeben und verzeihen
o Meditation
Die Regulation von Wohlbefinden und Glück
 Der Mensch besitzt ein angeborenes Bedürfnis nach Wohlbefinden und Glücklichsein
(Buss, 2002)
 Für Menschen ist die Regulation des Wohlbefindens und Glücks wenigstens genauso wichtig
wie die Stressbewältigung oder die Regulation negativer Emotionen
(Tkach & Lyubomirksy, 2006; Layous & Lyubomirsky, 2013)
 Positive Ereignisse sind zwar in der Lage positive Emotionen und Glücksgefühle zu
generieren, allerdings ist deren Persistenz gering
 Hedonistische Tretmühle - Tretmühle des Glücks (Tretmühl-Effekt)
 Das Bedürfnis nach Wohlbefinden und Glück muss also durch andere Faktoren
befriedigt werden …
Kann man Glück/Wohlbefinden entwickeln und fördern?
Sonja Lyubomirsky sagt: „Ja!, Durch
spezifische selbst bestimmte Aktivitäten
und Handlungen“

-> „To become more happy change your


actions, not your circumstances“

Sustainable Happiness Theorie


Primärer Faktor (40%)
 Selbstbestimmte Aktivitäten

Glücksfördernde Aktivitäten
 Menschen unternehmen im Alltag viele Aktivitäten um ihr Wohlbefinden zu entwickeln und
aufrecht zu erhalten
 Happiness increasing strategies (Tkach & Lyubomirsky, 2006; Garcia et al., 2013) (&Scale)
 Sie investieren viel Zeit in derartige Aktivitäten und sie werden traurig, frustriert und
deprimiert, wenn sie derartige Aktivitäten nicht ausüben können
 Verstärker-Verlust-Theorie der Depression
Was tun Sie, um Ihr Glück/ Wohlbefinden zu erhalten/verbessern?
 Was machen Sie alles, dass es Ihnen gut geht?
 Fühlen Sie ein paar Minuten in sich hinein.
Alltagsstrategien zur Hebung der Stimmung (Regan, 2004; aus Bucher, 2009, S. 173) –

Unterschied M vs. F
Strategien, um glücklicher zu werden (227 Erwachsene; Bucher, 2009, S. 174)

Happiness increasing strategies (Tkach & Lyubomirsky, 2006) – Ergebnis der


Faktorenanalysen
1. Social Affiliation, social activities, social supporting and encouraging friends (!)
2. Partying and Clubbing, celebratory behavior, socializing (2)
3. Mental Control to avoid negative thoughts and feelings and promote contemplation and
positive emotions (5)
4. Instrumental Goal Pursuit, goal setting, goal attainment (7)
5. Passive Leisure, passive activities (e.g., “Surfing the Internet”, watching movies, daydream-
ing). (3)
6. Active Leisure, such as exercising, hobbies, sports (4)
7. Religion, religious activities, spiritual involvement, philosophy. (8)
8. Direct activities to cultivate happy mood (6), e.g. by laughing, cracking jokes, humor

Happiness Increasing Strategies Scale H-ISS (Tkach & Lyobomirsky, 2006)


 Entwickelt an kalifornischen Studierenden
1. Qualitative Befragung
2. Itemgenerierung
3. Repräsentative Stichprobe (Studenten in Unis in ganz Kalefornien)
4. Exploratorische FA
5. Konfirmatorische FA
 Übersetzungen in Schwedisch, Spanisch(teils replizierbar, aber Religion nur Spanien)
 Deutsch: Struktur nicht replizierbar (nicht einmal annähernd, komplett raus: Religion)

 Starke kulturelle Einflüsse


Was bewirkt Glück? Grundlegende Effekte (Bucher, 2017, S. 153 ff.)
 Glück begünstigt beglückendes Verhalten
 Beglückendes Verhalten fördert Wohlbefinden und Glückserleben!
 Positiver Regelkreis
 Aufwärtsspirale (Upward-Spiral) (Fredrickson, 2000)
 Mehr Positivität in vielerlei Hinsicht
 Positive Outcomes
 Verhinderung negativer Entwicklungen und Emotionen
 Emotionaler Schutz- & Pufferschild
 Undoing-Effekte
 Ungeschehen machen/Reduzieren negativer Befindlichkeiten und Emotionen
(Fredrickson, 2004)
Effekte von Glück & Wohlbefinden (Bucher, 2017, S. 15)

Effekte des Glücks (Bucher, 2017)

Was bewirkt Glück? – Die wichtigsten Effekte (Bucher, 2017, S. 187 ff.)
Glücklichere haben …
 weniger Schmerzen, weniger Stress
 bessere Immunabwehr
 gesünderen Lebensstil
 stärkere kognitive Fähigkeiten
 erleichtertes des Lernens
 größere Kreativität und kognitive Flexibilität
 Handeln intelligenter
 entscheiden rascher
 handeln altruistischer – feeling good – doing good
 mehr beruflichen Erfolg
 denken positiver
 selteneres Grübeln (ruminieren, sich Sorgen machen)
 beglückendere Denk- und Verhaltensweisen
 Selektive Wahrnehmung in Richtung Glück/Wohlbefinden
 mehr beglückendere Interessen
 stärkere selbstwertbezogene Attributionen
 höheren Selbstwert
 optimistischere Zukunftssicht
 effektivere Bewältigungsstrategien
 mehr soziale Beliebtheit und soziale Akzeptanz
 mehr soziale Ressourcen und soziale Unterstützung
Neurobiologie des Glücks
Was ist „Glück“ neurobiologisch?
 Es gibt kein „Glückszentrum“ (unlike negative Emotionen)
 Neurobiologisch ist „Glück“ eine heterogene und vielgestaltige Angelegenheit, die über
verschiedene neurobiologische Programme vermittelt wird – nicht durch eine Struktur allein
dominiert
o Bindung und Liebe (Attachement)
o Belohnung und Verstärkung
o Vermeidung von Unglück und Stress
o Erreichung von Zielen
o Intensive Erregung
o Ernährung/Genuss
o Kognitive Erkenntnisse
o Anregende Medikamente und Drogen
 Entsprechend sind mehrere neurobiologische Strukturen und Systeme am Glückserleben
beteiligt

Verschiedenen Themen und


Vermittlungsmechanismen
die mit Glück assoziiert sind

 Alle sind Ausdruck der ZNS-Belohnungs- und Motivationsprozesse


 Glücksempfinden als Aktivierung dieser

3 Funktionelle Motivations- und Belohnungssysteme (Esch, 2012) – manchmal auch 4tes


unterschieden (Liebe&Mitgefühl)
 Typ A – Wanting, Pleasure
o Lust, Befriedigung, haben wollen (Vorfreude), bekommen, erreichen,…
o HIN -> Appetit (appetitiv Motivation)
o Glück: Peak Moment – „kurz und heftig“
 Typ B – threat/Avoidance (Relief = Erleichterung)
o Bedrohung, Angst, Stress(vermeidung) . >>Kampf/Flucht<<, Schmerz
o WEG -> Aversion (aversive Motivation)
o Glück: „Unglück“ (Trauma) vermeiden
 Typ C – Non-Wanting, Affiliation (Altruismus, Fürsorge) –
(Gegenteil von A&B (nicht wollen/streben/Flucht -> positive Bezugnahme)
o Verbundenheit, Kohärenz, Sicherheit, Ruhe
o SEIN -> Achtsamkeit/Moment („wherever you go, there you are”)
o Glück: Zufriedenheit, Freude – “tief und anhaltend“ (Glückseligkeit)

o Manchmal aufgeteilt auf 2 Systeme


 Soziales System (Affiliation&Bindung - Oxytocin)
 Neutrales Hier und Jetzt (ruhige, achtsame Motivation)
Neurobiologische Topographie der Motivations- und Belohnungssysteme

BIS (Behavioral Inhibition System: Gray, 1982) – Aversion, Appetenz,


Assertion
Strukturen der Motivations- und Belohnungssysteme
Neurotransmitter – bei verschiedenen Systemen verschiedene dominante/primäre
Neurotransmitter

Reifung

Motivations- und Belohnungssystem


 Motivationssystem (Typ A)
o Bei überschaubarer Herausforderung/begeisterter Erwartung
o Nucleus accumbens schüttet Dopamin aus
o Emotionale Speicherung im limbischen System
o Gedächtnis im Hippocampus wird stabilisiert
o Immunsystem wird reguliert
 Belohnungssystem, Entspannungsantwort (Typ C)
o Nach erfolgreicher Problemlösung
o Auch bei Gemeinschaftserlebnissen
o Parasympathikus wird aktiviert
o Ausschüttung von Morphium, NO und Oxytozin
o Messbar (z.B.: NO im Atem), erlernbar (z.B.: Meditation)
Stress-System – für Glückssystem wichtig (Eustress & Beenden von Distress) (Typ B)
Zunächst Sympathikus und Adrenalin
 Bei unerwartetem Reiz
 Sehr schnell (Sekunden)
 Unbewusst, unkontrollierbar
 Blutzucker ↑, Herz ↑, Muskulatur ↑

Dann noch Cortisol:


 Langsam (über Stunden, Tage)
 Leber ↑, Stoffwechsel ↓
 Immunsystem ↓, Fortpflanzung ↓
 Sorge, Panik, Angstschweiß
 Aufschaukelung durch Dauerstress
Glückshormone (System A)
 Dopamin
o Begeisterungs-Kick aus dem Gehirn
o Regelt Aufmerksamkeit, Motivation, Motorik
o Wird stimuliert durch Nikotin/Alkohol/Amphetamine/Kokain
 Morphim
o Belohnungssystem im Gehirn, tiefe Zufriedenheit
o Gebildet u.a. aus Dopamin, das dadurch abgebaut wird
o Starkes Schmerzmittel, verwandt mit Heroin
 Stickstoffmonoxid (NO)
o Entspannungsreaktion (Gegenspieler zu Adrenalin)
o Erweitert Blutgefäße, senkt Blutdruck
o Wird stimuliert durch Cannabis
Stresshormone (System B)
 Adrenalin
o Signal der Nebenniere bei akutem Schreck
o Optimiert Herz/Muskeln/Stoffwechsel bei Kampf/Flucht
o Gehemmt durch Alkohol, Opium, Barbiturate, Benzodiazepine
 Cortisol
o Hormon der Nebenniere bei chronischem Stress
o Adaptiert Stoffwechsel auf Notsituation (Hunger auf Süßes)
o Unterdrückt Entzündungen und Immunsystem
 Endorphine
o Dämpfen Schmerz und Hunger
o Mitbeteiligt an Euphorie – begleitender Schutz
o Imitiert durch Heroin, Opium
Soziale Hormone (System C)
 Serotonin (kann auch abhängig machen?)
o Beruhigend, angstlösend
o Reguliert Verdauung und Schlaf-Rhythmus
o Im Dunklen wird Bildung beeinträchtigt
o Wird erhöht durch Antidepressiva, LSD, Amphetamine
 Oxytocin (Antagonist zu Cortisol)
o „Kuschelhormon“ für Paarbindung, Geborgenheit
o Bei Geburt, Stillen, Orgasmus, Gänsehaut
o Verringert Blutdruck und Cortisol
o Wird erhöht durch Ecstasy
 Vasopressin, Prolaktin,…
Ineinandergreifen der 3 Systeme: Beispiel 1: Marathonlauf

Beispiel 2: Bewältigbarer (Eu-)Stress


Assoziation mit dem Glücks-/ Wohlbefindenskonzept von Seligman
 Hedonismus
Lust, (Selbst)Befriedigung, Wollen, angenehme Empfindungen, Vergnügen,…
 WANTING (pleasure) – Typ A
 Flow
Versenkungen, in etwas aufgehen, mit Hingabe, erfüllt/da sein, ggf.
Widerspruchsfreiheit
 NON-WANTING (self-fulfillment) / „Positiver Stress” – Typ B(/C?)
 Altruismus
Eudaimonie, Glück außerhalb der Selbstbefriedigung, ggf. Kohärenz, Spiritualität
 TRANSZENDENZ - Typ C

Es gibt nicht ein einziges System, dass für Glückserleben verantwortlich sind, sondern 3-4
unterschiedliche Systeme
 3 – approach
 1 – avoidance
3. Positive Emotionen (erst relativ späte Auseinandersetzung damit in diesem Kontext –
vor allem Fredrickson)
Emotion/en … (Emotionsregulation ist eine eigene Fähigkeit)
… sind ein psychophysiologisches Phänomen, das durch die bewusste oder unbewusste
Wahrnehmung eines Ereignisses oder Situationen ausgelöst wird. Die Wahrnehmung geht einher mit
physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und einer
Reihe von Verhaltenstendenzen wie Ausdrucksverhalten, reaktiven Verhaltenstendenzen und
interpersonalem Verhalten (Spitzer, 2014)
 (organisiertes) Verhaltens- und Reaktionsmuster
 Handlungsbereitschaften/-optionen (Bestandteil dieser)
Emotionen sind psychophysische Reaktionsmuster, die
 Auf mehr oder weniger komplexe Bewertungen einer Reizsituation beruhen
 Die motivationale Bedeutsamkeit von Reizen relativ zu Zielen und Bedürfnissen eines
Lebewesens signalisieren
 Mit peripheren physiologischen Veränderungen sowie der Aktivierung bestimmter
zentralnervöser Systeme einhergehen
 Zu bestimmten Klassen von Verhalten motivieren
 Sich in spezifischer Mimik und Körperhaltung ausdrücken und
 Häufiger (aber nicht notwendig) mit einer subjektiven Erlebnisqualität verbunden sind
Komponenten von Emotionen
 Sensorische Komponente
o Gefühlswahrnehmung
 Kognitive Komponente
o Mit Emotion assoziierte Gedanken, Ideen Vorstellungen, Bedeutungen etc.
 Physiologische Komponente
o Psychophysiologische, hormonelle, neuronale Reaktion
 Motivationale Komponente
o Mit dem Erleben einer Emotion assoziierte Intention/Motivation
o Abhängig vom appraisal der Situation
 Expressive Komponente
o Ausdruck von Emotionen über Stimme, Gesicht, Körperhaltung etc.
 Verhaltens- und Interaktionskomponenten
o Emotionen sind ansteckend – unterschiedliche Reizarten (sehen, riechen, schmecken,…)
o z.B.: Spiegelneuronen, Massenpsychologie
Einteilung von Emotionen
 Basisemotionen vs. Komplexe Emotionen
 Primäre vs. Sekundäre Emotionen
 Positive vs. Negative Emotionen
 Weitere Arten: expressive vs. diskrete, akute vs. chronisch,…
Basisemotionen
 Kulturübergreifende, universelle Emotionen
 Evolutionspsychologische Universalien (Ekman, Izard, Buss)
1. Freude
2. Wut
3. Ekel
4. Furcht
5. Verachtung
6. Traurigkeit
7. Überraschung
 Evolutionäre Antworten auf grundlegende adaptive Anforderungen der Verhaltenssteuerung
 Eng mit basalen Motivationssystemen verknüpft
5 – eher negativer Inhalt
1 – positiv
Überraschung eigene Basisemotion?
Plutchik (1980): Psychoevolutionäre Emotionstheorie
Subjektiv Verhalten Funktion
Angst, Entsetzen Rückzug, Flucht Schutz
Ärger, Wut Angriff, Beißen Zerstörung
Freude, Ekstase Paarung, Besitz ergreifen Fortpflanzung
Traurigkeit, Trauer Weinen, Bitten um Hilfe Reintegration
Akzeptanz, Anbetung, Vertrauen Paarbildung, Pflege Zusammengehörigkeit, Bindung
Ekel, Abscheu Sich übergeben Ablehnung, Zurückweisung
Erwartung, Antizipation Untersuchen Exploration, Erkundung
Überraschung Innehalten, Einfrieren Orientierung

Negative vs. Positive Emotionen (erst in 90er Jahren aufgekommen, noch nicht
durchgesetzt)
Differenzierung hinsichtlich…
 Inhalt
 Valenz
 Funktionen
 Evolutionärer Bedeutung

 Unterscheidung emotionstheoretisch umstritten


 In PP jedoch vollzogen und wichtig
Funktionale Differenzierung (Fredrickson, 2002)
Negative Emotionen …
 drücken Intentionen zum Ausschluss, Zurückweisung, Schutz etc. aus
 fördern primär das evolutionäre Überleben
 stärken die Position des Einzelnen auf Kosten anderer
 gehen mit Bereitstellung von Energie zur Verhaltensaktivierung einher
 engen das Verhaltensrepertoire auf wenige spezifische Verhaltensweisen und das Erreichen
spezifischer Ziele ein
 sind i.d.R. mit Selbst- und Umweltkontrolle assoziiert Fredrickson sagt, dass diese
Positive Emotionen … Unterscheidung wichtig ist, weil
 drücken Intentionen zum Einschluss, zur Vereinigung aus unterschiedliche Bedeutungen in
 berücksichtigen das Ganze Lebensgestaltung & Verhaltens-
regulation besitzen sollen.
 sind assoziiert mit positiveren Gefühlstönungen
 erweitern das Denk- und Verhaltensrepertoire
 ermöglichen die Berücksichtigung unterschiedlicher Gesichtspunkte
 Treten häufiger in sozialen Kontexten auf
Subjektive Differenzierung (Fredrickson, 2002) – beide: Tendenz sich zu verbreitern,
erweitern, anzustecken
Positive Emotionen fühlen sich an wie… (sozial erwünschter)
 erwünscht/geschätzt
 glücklich
 zuversichtlich/überzeugt
 dankbar
 respektiert
 (wert-)geschätzt
Negative Emotionen fühlen sich an wie… (Intention diese weniger auszudrücken)
 verärgert
 enttäuscht
 frustriert
 unerwünscht
 unzufrieden
Arten Positiver Emotionen
10 wichtigste Positive Emotionen (Fredrickson, 2009)
 Freude
 Dankbarkeit
 Gelassenheit
 Interesse
 Hoffnung
 Stolz
 Heiterkeit
 Inspiration
 Er/staunen/ Ehrfurcht?
 Liebe
Später weitere 9 ergänzt (Fredrickson, 2011)
 Zufriedenheit – wirklich Emotion?
 sexuelles Verlangen – wirklich Emotion?
 Fürsorge
 Mitgefühl
 Verbundenheit – wirklich Emotion?
 Genuss
 Wertschätzung
Funktionen Positiver Emotionen (Fredrickson & Branigan, 2002)
Positive Emotions …
 broaden attention and thinking (erweitern Aufmerksamkeit&Denken)
 help people to be more creative, learn faster and make better decisions quicker
(schneller und kreativer lernen)
 undo lingering negative emotional arousal (puffern, reduzieren)
 fuel resilient coping
 build resources and enhance health
Broaden-and-build-theory positiver Emotionen (Fredrickson, 2002)

Positive Emotionen tragen kurzfristig auf, führen zur


Erweiterung des Kognitiven, emotionalen Empfinden,…

 Broadening

Building – längerfristige darauf aufbauende Konsequenz

 Führt zu besserer Gesundheit, etc.


 In letzter Stufe dann zu flourishing/thriving

Aufwärtsspirale -> spätere Aspekte tragen zum Erleben von


positiven Emotionen bei
Broaden- and Build-Theorie – Studien und Kritik
Publikationshäufigkeit zur B&B-Theory (Web of Science, 2018)

Quantitative Ergebnisse - Anzahl Studien seit 2000: N=20 (Web of science)

Studien im Überblick
Fazit 1
 Die B&B-Theorie wurde seit ihrer ersten Formulierung 1998 bisher in insgesamt 20 Studien
beforscht
 Querschnittstudien überwiegen leicht,
eine Untersuchung der Gesamttheorie mittels längsschnittlichem Design steht noch aus
 Nach einer Zunahme der Forschungsaktivität zwischen 2003 und 2006 nahm die Aktivität seit
2010 deutlich ab
 Die Studien wurden fast ausschließlich in der AG von Fredrickson durchgeführt
 Es gelang Fredrickson bis jetzt offenbar wenig bis gar nicht andere unabhängige
Forschergruppen dafür zu motivieren die Theorie mit anderen Methoden und anderen
Kontexten zu beforschen
 Die Gründe dafür sind unklar
Design-Prototyp (normalerweise)

Durch positive Emotionen soll es auch


gleichzeitig zu einer
Pufferung/Unterdrückung negativer
Emotionen

 Undoing Hypothesis

Schwer einordbar in Broaden-Build Theory

 UV‘s:
Induktion von positiven und negativen Emotionen durch z.B.:
o Videos
o Loving Kindness Meditation (LKM)
o Vorbereitung auf einen öffentlichen Auftritt
Erfassung positiver Emotionen
PANAS – positive and negative affectivity scale
DES – differential emotion scale
 AV‘s/Manipulations-Check:
o Positive/negative Emotionen (PANAS, Differential Emotions Scale)
o Psychophysiologische Variablen (Herzrate, Hautleitfähigkeit, Blutdruck etc.)
 „Broaden“:
o Coping Repertoire (Breite von Coping Reaktionen, „broad minded coping“)
o Aufzählen von Verhaltensalternativen in Situationen
o Cognitive appraisal
 „Build“:
o Psychologische und soziale Ressourcen (hier vor allem Fokus auf diese)
 Optimismus - State-Resilienz
 Lebenszufriedenheit - Lebenssinn/Meaning of Life
 Wahrgenommene soziale Unterstützung
 Gesundheit (psychische, physische)
o „Positive Persönlichkeit“
 Trait-Resilienz
 Offenheit
 Extraversion
 Feedback-Loop:
o Statistische Analysen (Korrelationen, Regression, Mediation)
o Experimentelle Manipulation
o AV‘s: Emotionen (positive, negative)
Beispiel Querschnittstudie zu „Broaden“ (Fredrickson et al., 2000, I)
Testung der „undoing hypothesis“ positive emotions undo the effects of negative emotions) (N=170)

 UV‘s:
o Vorbereitung auf eine Rede
o Positive/beruhigende, neutrale vs. aufwühlende Videos
 AV‘s:
o Psychophysiologische Reaktionen (Herz-/Kreislauf)
o Wahrgenommene/erlebte Emotionen
 Ergebnisse: Undoing-Hypothese bestätigt
o rascheste Reduktion der H-K-R bei positiven Videos
Probleme und Kritik
 „Undoing“-Effekt schwer in die B&B-Theorie einordenbar
 Weiterführende Studie zeigte zwar, dass negative Emotionen nicht durch positive „ersetzt“
werden, sondern durch diese „aufgelöst“ werden, dennoch bleibt unklar, wie dadurch
„Broadening“ geschehen soll
 Undoing =/= broadening
 Alternativerklärung Coping-Effekt positiver Emotionen ist einfacher und bedarf keiner
komplexen Integration in ein breites Konzept
 Alternativen:
o Eindeutigere UV (Auslösung positiver Emotionen)
o Eindeutige AV: Broadening
Beispiel Querschnittstudie zu „Build“ (Tugade & Fredrickson, 2004, I) (N=57)
Resilient people use positive emotions to bounce back from negative emotional experiences
 Hypothesen:
o High-resilient individuals report greater positive emotionality
o High-resilient individuals appraise stressful task as less threatening
o High-resilient individuals experience faster cardiovascular recovery
o Experience of positive emotions works as a mediator for cardiovascular recovery
 UV‘s:
o Trait-Resilienz (14 Items)
o Negative Emotions-Induktion (öffentliche Rede halten)
 AV‘s:
o Positive und negative Emotionen (PANAS)
o Emotions-Selbstbericht (Eigenkreation)
o Kardiovaskuläre Reaktionen
 Mediatoren:
o Appraisal (selbst generierte Items)
 Design:

 Ergebnisse:
o Hypothesen 1, 3 und 4 bestätigt
o Hypothese 2 partiell bestätigt
 Probleme/Kritik:
o Bezug zur B&B-Theorie? Schwer einzuordnen
o Ergebnisse durch Coping-Hypothese besser erklärbar
o Hypothese 1 bessere Erklärung für Feedback-Loop
Beispiel Längsschnittstudie zu „Broaden“ (Fredrickson & Joiner, 2002) (N=138)
 Hypothese:
o Positive Emotionen erweitern den Fokus der Aufmerksamkeit und die kognitive
Aktivität und initiierten eine Aufwärtsspirale in Richtung emotionalem
Wohlbefinden.
 Design:

 CRI: Maß für „broad-minded coping“ (BMC) (6 Items)


 Ergebnisse:
o Positive, nicht negative Emotionen sagten BMC voraus
o BMC sagt Intensivierung positiver Emotionen voraus, aber keine Veränderungen in
negativen Emotionen
o BMC operiert als Mediator zwischen PE1 und PE2  Spiraleffekt
o PE operiert als Mediator zwischen BMC1 und BMC2

Beispiel Längsschnittstudie zu „Building“ (Fredrickson et al., 2008) (N=139) – viel Kritik für
diese
 Hypothese:
o Becoming skilled in LKM will, over time, increase people’s daily experiences of posit-
ive emotions, which, in turn, build a variety of personal resources that hold positive
consequences for the person’s mental health and overall life satisfaction
 Design: (auch psychophysiologische Messungen durchgeführt)

 UV:
oLoving Kindness Meditation,
o7 Wochen Gruppenmeditation und 5 Meditationen pro Woche mittels vorgegebener
Anleitung
 UV‘s/AV‘s:
o Kognitive Ressourcen:
 Mindfulness and Awareness
 Hoffnung
 Genussfähigkeit
o Psychologische Ressourcen
 Optimismus
 Trait-Resilienz
 Psychologisches Wohlbefinden (Ryff-Skalen)
o Soziale Ressourcen
 Partnerschaftliche Zufriedenheit
 Soziale Unterstützung (ausgetauscht)
 Positive Beziehungsskala
o Physische Ressourcen
 Physische Gesundheit/Symptome
 Schlafdauer und –qualität
 AV‘s:
o Lebenszufriedenheit, Depressivität (ADS)
o Erlebte Emotionen, Alltagsaktivitäten (Day Reconstruction, DRM)
 Ergebnisse:
o LKM-effects on positive emotions are limited, but at some point, significant over
time, single effects of distinct emotions didn’t reach significance, but positive emo-
tions as a whole did
o Invested time played an important role: Dose-response effects emerged(MA-Studie nicht)
o No effects of LKM on negative emotions
o From here, negative emotions not evaluated any further
o DRM: Mixed results, focusing on subgroup of 9 participants, practicing in the target
morning, showing added positive emotions, but main effect of total practice over
weeks on positive emotions showed greatest results
o Build Hypothesis partially supported, some resources showed significance, others not
o Changes in positive emotions only affected changes in life satisfaction via additionally
increased personal resources
o Positive emotions affect depressive symptoms via direct effects and built resources
o LKM shows helps building resources via positive emotions only for individuals, put-
ting adequate amounts of training in it
 Bewertung:
o Studie gilt als die erste, die versuchte den Building-Aspekt der Theorie zu
operationalisieren und zu testen
o Ergebnisse sind gemischt, jedoch eher ermutigend
o Partielle Belege für den Build-Aspekt der Theorie
o Feedback-Loop bestätigt
 Kritik:
o Theorie über Prä-Post-Design nicht adäquat testbar -> mehrere MZP nötig (länger!)
o Statistische Methodik nur partiell geeignet zur Testung der Theorie -> besser
Sequenz- oder lineare Strukturgleichungsmodelle
Beispiel Querschnittstudie zu Gesamttheorie (Roth, in prep.)

In seiner Studie sind Zusammenhänge vorhanden

 CRI: Coping Response Inventory: „broad-minded coping“ (BMC) (6 Items)


 TST: 20 Statements Test (Broadening cognitive activity)
 RS-13: Trait-Resilience
 LOT-R: Optimism
 SWL: Satisfaction with Life-Scale
Beispiel Längsschnittstudie zu Gesamttheorie (Catalino & Fredrickson, 2011) (N=208)
 Hypothesen
o H1: Positive emotional benefit by engaging in target activities will be stronger for
flourishers
o H2: If H1 finds support, greater positive emotional reactivity will result in greater
levels of mindfulness over time
o H3: If H2 finds support, positive changes in mindfulness will predict positive changes
in signs of flourishing
 Design:

 Instrumente:
o BDI: Depressivität
o BAI: Ängstlichkeit
o CIDI-SF: Klinisches Interview für Alkohol- und Drogenabhängigkeit
o Mental Health Continuum: Flourishing
o Five Facets Mindfulness Questionnaire (FFMQ)
o DRM: Day Reconstruction Method
o mDES: modified Differential Emotions Scale (positiv, negativ)
 Ergebnisse:
o Hypothese 1 großteils bestätigt
o Hypothese 2 z.T. bestätigt
o Hypothese 3 z.T. bestätigt
 Resümee:
o Studie bestätigt die Theorie partiell
 Kritik:
o Studie ist zwar prospektiv, allerdings nur drei MZP
o Theorie müsste über längeren Zeitraum geprüft werden
o Auch hier andere statistische Auswertungsmodelle nötig
(Pfadanalysen., Strukturgleichungsmodelle o.ä.)

Fazit 2: Gesamtbewertung
 B&B-Theorie zählt zu den einflussreichsten Theorien der PP
 Eröffnet viele neue Perspektiven für die Pth, die KP, die GP und verschiedene andere Felder
der Psychologie
 Theorie bzw. die beiden Teile davon wurden in vielen Einzelstudien geprüft
 Dennoch ist festzuhalten, dass es bis jetzt noch keine belastbare Evidenz für die
Gesamttheorie gibt
 Einzelaspekte, wie z.B. der Build-Teil, wurden mehrfach bestätigt, allerdings sind die Effekte
häufig klein (Problem: unklarer Broadening-Begriff & Designs & subjektive Einschätzungen)
 Prospektive Studien weisen diverse methodische Probleme auf, wie z.B.
o Zu geringe Studiendauer
o Zu wenig Messzeitpunkte
o Der dynamische/Entwicklungs-Aspekt der Theorie ist zu wenig berücksichtigt
o Statistische Auswertung z.T. nicht adäquat
 Weitere Forschung ist notwendig, auch außerhalb der AG von Fredrickson
Positivity Ratio – Studien und Kritik
Basisaussagen der Theorie der Positivitäts-Ratio (Fredrickson, 2009; Fredrickson &
Losada, 2005)
 Im Verhältnis zwischen Positiven Emotionen und Wohlbefinden und Glück gibt es lineare
Zusammenhänge
 Allerdings spielen non-lineare (kurvi-lineare) Zusammenhänge eine größere Rolle
 Dabei stellt ein Grenzwert von 2.9 positiven Erfahrungen zu 1 negativen eine kritische
Schwelle dar

The Positivity Ratio (P/N) 3:1


 People’s positivity ratios are subject to a tipping point. The same is true for teams. Research
indicates the tipping point is a ratio of 3:1 or better.
 Below 3:1 people can get pulled into a downward spiral fuelled by negativity
o At worst, behaviour becomes painfully predictable, even rigid. The feel burdened,
even lifeless.
 Above 3:1 people seem to take off, drawn along an upward spiral energised by positivity.
o Their behaviour becomes less predictable and more creative.
o They grow. They feel uplifted and alive.
Just as zero degrees Celsius is a special number in thermodynamics,
the 3-to-1 positivity ratio may well be a magic number in human
psychology (Fredrickson, 2009, p. 24)

Zentrale Studie: Positive affect and the complex dynamic of human flourishing
(Fredrickson & Losada, 2005) (N=188)
 Design:

 Methodik: Experience Sampling über 1 Monat


 Instrumente:
o Positive Psychological and Social Functioning Scale
o Emotion Report: 20 Emotionen (11 positiv, 9 negativ)
 Auswertung:
o non-lineare statistische Modelle (für viele schwer nachvollziehbar)
o Komplexe statistische Auswertung
 Ergebnisse:
o Positivitäts- zu Negativitätsverhältnis war bei „Flourishern“ durchgängig höher als bei
Nicht-Flourishern
 M/F=3.2 – 3.4;
 M/NF= 2.1 – 2.3
o Hohes positives psychologisches und soziales Funktionieren (=Flourishing) war
kurvilinear mit positiven vs. negativen Emotionen assoziiert
 Ratio M= 2.901 : 1
Kritik
 Brown, Sokal & Friedman (2013)
o Reanalyse der Daten von Fredrickson & Losada
o Scharfe Kritik am mathematischen Modell des Ratio
 "numerous fundamental conceptual and mathematical errors“
 Losada äußerte sich dazu nie (lieferte eigentlich nur den statistischen Teil)
 Fredrickson betonte, dass sie die mathematischen Modelle nicht verstehen würde, meinte
aber, dass die zugrundeliegende Theorie und Empirie “solide wären”
 Brown et al. (2014) widerlegten auch diese Sichtweise
Hauptkritik
 The data used by Losada in several analyses do not meet the basic criteria for the use of dif-
ferential equations (such as the use of continuous variables that
evolve smoothly and deterministically over time).
 The differential equations used by Losada to calculate the
critical positivity ratio use parameters taken directly from
Lorenz's simplified, illustrative, and most importantly, arbit-
rary models for fluid dynamics.
o Losada gives no rationale for his choice of paramet-
ers.
o Using different arbitrary parameters gives different
positivity ratios, and thus the precise values for the
ratio given by Fredrickson and Losada (2.9013 to
11.6346) are meaningless.
 The butterfly-like Figure 1 provided by Fredrickson and Losada is not a model of the data
taken from their human participants, but "the results of computer simulations of the Lorenz
equations, nothing more"
 Even if one takes the idea of the precise positivity/negativity ratio numbers seriously, there
should exist not just a single ratio band in which "flourishing" should occur, but several "win-
dows" of desirable and undesirable positivity/negativity ratios above a certain value.
 It is likely that Fredrickson and Losada did not fully grasp the implications of applying nonlin-
ear dynamics to their data.
 Nach der neuerlichen Kritik von 2014 („there is no evidence for the critical positivity ratio
whatsoever”) nahm Fredrickson von der Idee als empirisch belegtes Phänomen Abschied,
sieht den Ratio aber immer noch als heuristisch wertvolles Konzept
Fazit
 Positivity Ratio wurde bisher insgesamt fünfmal getestet
 Außer bei Fredrickson & Losada (2005) kein Beleg dafür vorhanden
 Theorie wird von APA als unbestätigt und nicht evidenzbasiert angesehen und sollte nicht
verwendet werden
 Trotz dieser Tatsache hält sie sich in populärwissenschaftlichen Medien und pp Fortbildungen
hartnäckig
 Auch Fredrickson verteidigt sie und hält sie für ein heuristisch wertvolles Konzept
 2021 – Thema neue Entwicklung genommen
o Mit anderem mathematischen Modell weiter untersuchbar
o Aber abgehen davon, dass bestimmte Relation existiere, die sogenannten Schwelleneffekt
darstellen würde
o Mehrere Arbeitsgruppen arbeiten aktuell daran
o Scheint inkrementeller Validität (zusätzlicher Mehrwert) von relationalem Verständnis und
Betrachtung positiver und negativer Emotionen zu geben

4. Positiv-Psychologische Interventionen
Interventionen zur Förderung von Wohlbefinden, Glück und positiven
Emotionen
Konzeptueller Hintergrund
 Happiness- and Wellbeing-Konzepte
 Authentic Happiness Theory (Seligman)
 Broaden- and Build-Theory of positive Emotions (Fredrickson, 2000)
 Happiness Increasing Strategies Konzept (Tkach & Lyubomirksy, 2006)
 Sustainable Change Model (Lyubomirsky et al., 2003)
Kann man Glück/Wohlbefinden entwickeln und fördern?
Sonja Lyubomirsky sagt: „Ja!, Durch
spezifische selbst bestimmte Aktivitäten und
Handlungen“

-> „To become more happy change your


actions, not your circumstances“

Sustainable Happiness Theorie


Primärer Faktor (40%)
 Selbstbestimmte Aktivitäten

3 Konstituierende Kriterien (Parks & Biswas-Diener, 2013)


1. Die Intervention fokussiert positive Aspekte des Menschen – sie hat einen „positiven Inhalt“
(Wohlbefinden, Stärken, positive Emotionen etc.).
2. Sie operiert mit positiv-psychologischen Mechanismen und Wirkfaktoren
(z. B. Stärken stärken, Dankbarkeit und Vergebung fördern, positive Emotionen steigern etc.)
3. Sie verfolgt das Ziel einen positiven Outcome zu erzielen (d. h. zu fördern, zu entwickeln, zu
stärken etc.) und nicht primär oder bloß ein Problem zu reduzieren oder zu lösen
(Depressionen, Ängste etc.). Letzteres ist ein erwünschter Nebeneffekt.
PP Einzelinterventionen
 Keine Standardinterventionen
 Keine psychotherapeutischen Methoden im engeren Sinn
 Methoden zur Verbesserung der Lebensqualität, die auch psychotherapeutisch einsetzbar
sind
o Katalysatoren der „orientations on happiness“ bzw. der verschiedenen Aspekte des
„PERMA“
o i.d.R. empirisch unterstützt in ihren Effekten
Ansätze der Positiven Psychologie – singuläre Interventionen –
Üblich: Schreib- vs Verhaltensinterventionen zur Einteilung
Aber es gibt auch imaginierende Interventionen

 Seligman‘s (2003) Counting blessings


o Three good things in your life
 Positivity portfolio (Frederickson, 2004)
o Anlage einer Sammlung von Dingen, die positive Befindlichkeiten generieren/verbunden sind (Fotos,
Blumen,… in Schachtel oder Album)
 Emmons & McCullough‘s (2003) Dankbarkeits-Tagebücher
o Was hat mich heute dankbar gemacht?
 Sich und anderen verzeihen (Harris & Thoresen, 2006)
 Gute Taten registrieren (Lyubomirsky et al., 2005)
o Was habe ich heute wem Gutes getan?
 Regelmäßige positive Aktivitäten (Blumenthal et al., 1999)
o Aufzeichnen positiver Aktivitäten -> behavioral activation
o Mini-Urlaub – vorher festlegen, geplant Alltag entfliehen, positive Dinge planen
 Glücksmeditation und positive Imaginationen (Sheldon & Lyubomirsky, 2006)
 Hoffnungsinterventionen
Tagebuchaufzeichnungen „Glückstagebuch“
es scheint keinen linearen Dosis-Wirkungs-Effekt zu geben
 Um Effekte zu erzielen, ist es wichtig, die Aufzeichnungen über einen längeren Zeitraum zu
betreiben – mind. ca. 4 Wochen (sagt auch min. 2 Wochen & maximal 4 Wochen, weil es redundant wird?)
o Glückstagebuch
o Dankbarkeitstagebuch
o TB guter Taten
o TB positiver Aktivitäten

Dankbarkeitsinterventionen
 Gratitude interventions
o Gratitude journal
o Gratitude letter – Briefe sind die zweitgrößte Schreibinterventionsgruppe
o Gratitude visit
Dankbarkeitsspirale

Genuss & Genießen – sensorische Angelegenheit - hingeben & positive Emotionen


intensivieren (meditativ)
 Formale/explizite Genuss-Interventionen
 Informelle Genussübungen (beziehen sich auf Alltag e.g. lange Duschen, guten Kaffee)
 Analog Achtsamkeitskonzept nach Kabat-Zinn
7 goldenen Genussregeln
1. Genuss braucht Zeit - Entschleunigung
2. Genuss und Genießen muss erlaubt sein
3. Genuss geht nicht nebenbei
4. Weniger ist mehr
5. Aussuchen, was einem gut tut
6. Ohne Erfahrung kein Genuss
7. Genuss ist alltäglich
Informelle Genussregeln/-übungen
 Genieße Alltagserfahrung (z.B. Duschen, Kuchen, Zwiebel schneiden)
 Genieße Familie und Freunde
 Erstelle eine Liste positive Erinnerungen und Tage
 Feiere gute Nachrichten
 Sei achtsam und offen für das Schöne und Einzigartige
 Genussalbum – Genieße mit der Kamera
 Genieße mit allen Sinnen
 Plane dir einen Tag, der dir ganz gut gefällt und führe ihn auch durch
Glücksmeditation
Beispiele
 Beschreibe, was Du Dir unter „heiterer Gelassenheit“ vorstellst und integriere sie in Dein Leben
 Achtung, Würde und Wertschätzung – wie erlebst Du das? Spüre sie!
 Ein freier Tag, den Du in Ruhe verbringen kannst -> „Kurzurlaub“
 Eine schöne, nette Begegnung
 Wer hat Dir einmal besondere Geborgenheit geschenkt?
 Welche Deiner Geschenke hat besondere Freude ausgelöst?
 Welches sind Deine drei besten Eigenschaften

Vergangenheit abschließen, Zukunft gestalten


 Negative Erfahrungen und Verzeihen/Vergeben
o R-E-A-C-H – Übung – mehr dazu bei Verzeihen
o Verstehen erlernen
o Achtsames Mitgefühl erlernen - Loving Kindness Meditation
o Vergebungsbrief
 Zukunft gestalten – Fokussierung für Jüngere besonders wichtig&positiv
o Werte und Ziele erkennen – Ziel- und Werteklärung
o Everest Ziele – dient dazu Lebensperspektive zu entwickeln (ernsthafte Ziele!)
o Hoffnung
o Best/Better possible Self – spaziert zu Aussichtspunkt in Fantasie&sieht Zukunft-Ich
 Was genau sieht man, wenn man alle Ziele erreicht hat?
 Wie ist man in allen Beriechen (Arbeit, Alltag, Familie, Freizeit, Geld, Werte,…)
 Dauer: 5 bis 20 min
 Dann darüber sprechen & verschriftlichen (wie ging es einem dabei? Und wh 1/d für 1 Woche)
o Positive Memoiren

Hoffnung & Hoffnungsinterventionen


Hoffnung = Zuversicht und Vertrauen, dass sich Dinge positiv entwickeln oder einen übergeordneten
Sinn besitzen (Renner, 2002) – mehr emotionales Begleitmomentum (im Vgl. zum Optimismus – Fokus aufs Schaffen)
 Hoffnung = wichtige Ressource bei der Bewältigung kritischer Lebensereignisse (Werner, 2006)
 In Therapie kann Hoffnung als Vertrauen und Wunsch verstanden werden, dass sie helfen
möge sich zu verändern und zu wachsen (Snyder et al., 2002)
 Hoffnung verwandt mit Optimismus (Seligman, 1991) und Selbstwirksamkeit (Bandura, 1977)
Hoffnungsinterventionen (Duggleby et al., 2007)
 Hoffnung spenden:
o Jemandem, der Hoffnung benötigt, Hoffnung geben, Hoffnung zusprechen, - direkt, über Mail,
über einen Brief etc.
 Hoffnungs-Tagebuch:
o Auflisten, was man am Tag alles erlebt hat, das einem Hoffnung gegeben hat
 Hoffnungskollektion:
o Alles sammeln/ zusammenstellen, was einem Hoffnung gibt, immer wieder betrachten
 Hoffnungsvolles Leben:
o Retrospektiv im eigenen Leben Episoden, Ereignisse und Erinnerungen identifizieren und
beschreiben, die Hoffnung gegeben haben, bzw. wo Hoffnung eine wichtige Rolle gespielt hat
 Eigene Hoffnungsgeschichte
Kombinierte Programme -> auch Flourishing-Interventionen
 Fordyce‘s 14 fundamentals of happiness
 Fava‘s (1999) Wohlbefindens-Therapie (Fava & Ruini, 2003)
 Seligman‘s (2003) Authentic happiness coaching program
o Mehrdimensional, 6 Elemente (1. – me at my best)
 Positive Psychotherapie (Seligman, Rashid & Parks, 2006)
 Humortrainings (McGhee, 1999; Ruch et al., 2004)
o Humor ist eine der 24 Charakterstärken
o Spezifische menschliche Fähigkeit (z.B.: als reappraisal von belastenden Situationen als coping)
o Schwerer durchzuführen&anzuwenden (&geringere Effekte)

Fordyce (1977) 14 fundamentals of happiness (eher eudaimonistisches Glück)


1. Sei stets aktiv und beschäftigt! 8. Lebe im Hier und Jetzt!
2. Verbringe viel Zeit in guter Gesellschaft! 9. Lerne Dich selber zu akzeptieren und zu mögen!
3. Sei produktiv in sinnvoller Arbeit! 10. Entwickle eine aufgeschlossene und soziale
4. Verbessere Dein Selbstmanagement und plane Persönlichkeit
wohl durchdacht! 11. Erkenne Dich und sei Du selbst, authentisch!
5. Hör auf zu grübeln und zu ruminieren! 12. Eliminiere negative Gefühle und Probleme.
6. Reduziere Deine Erwartungen und Ansprüche! 13. Enge Beziehungen sind das Wichtigste!
7. Entwickle ein positives, optimistisches Denken! 14. Schätze Glück und Freude!

Effekte: A Program to Increase Happiness: Further Studies (Fordyce, 1983) – nicht


steng experimentelles Design!
 7 quasi-experimentelle Studien mit Vergleichsgruppen
 Bearbeitung und Umsetzung in Seminaren (Selbsthilfe)
 Gesamt 338 Studierende
 Ergebnisse
o 81% gaben Zunahme an Zufriedenheit und Glück an
o 38% sogar sehr viel
o Zusätzlich Reduktion an Angst und Depressivität
o Vergleichsgruppen geringere bis keine Verbesserung
o Zentrale Elemente:
stop worrying, be yourself, developing positive optimistic thinking
o 18 Monate-Stabilität: 72% bezeichneten sich noch immer als glücklich, 49% führten
dies primär auf das Programm zurück
Fava‘s „Well-being Therapy“ (nicht Seligman’s Well Being!)
 Psychotherapeutische Kurzzeit-Strategie
 8-10 Sitzungen, 30-50‘, wöchentlich bis zweiwöchentlich Cognitive Behavioural Framework
 Ryff’s Well-Being
 Relapse prevention
 Therapy Outline (3 Gruppen)
1. Initial Sessions
2. Intermediate Sessions
3. Final Sessions
 „The goal of the therapist is to lead the patient from an impaired level to an optimal level in
the 6 dimensions of psychological well-being (Fava&Ruini, 2003)
Ryff’s 6 Dimensions of Well-Being
Dimension Definition
Self-Acceptance The capacity to see and accept one’s strengths and
weaknesses
Purpose in Life Having goals and objectives that give life meaning
and direction
Personal Growth Feeling that personal talents and potential are being
realized over time
Positive Relations with Others Having close, valued connections with significant
others
Environmental Mastery Being able to manage the demands of everyday life
Autonomy Having the strength to follow personal convictions,
even if they go against conventional wisdom

Struktur der WBT


 Psychoedukation, Selbstbeobachtung
 Manualisiertes Vorgehen und Training der Anwender
 Inhalte:
o Wohlbefindensepisoden identifizieren und protokollieren
o Aufbau von Selbstwert
o Kognitive Umstrukturierung
o Glücksfördernde Aktivitäten verschreiben (Hausaufgaben)
o Lebensziele entwickeln
o Selbstbeobachtung: Tägliche Ereignisse, die Wohlbefinden fördern, erfassen
o Reflektieren der Bedingungen des Wohlbefindens
o Erkennen und Nutzen eigener Stärken
Ablauf
 8 Sitzungen – 1 Sitzung pro 1-2 Wochen; á 50 Min.
 Phase 1 (initiale Sitzungen):
o Selbstbeobachtung und Identifizieren von Situationen/Ereignissen psychologischen
Wohlbefindens
 Phase 2 (mittlere Sitzungen):
o Identifikation von Gedanken, Überzeugungen und Verhaltensweisen, die zu einer
vorzeitigen Unterbrechung von Wohlbefinden führen
 Phase 3 (Final sessions):
o Kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Determinanten psychologischen
Wohlbefindens, aktive Umsetzung psychologischen Wohlbefindens
Fava‘s Wohlbefindens-Therapie (N=45, rezidiv. Depressive)

Schwarz – Standard
Weiß – Well-Being Therapie

Eigene Ansätze
 Glückstagebücher
o Pilotstudie
o Kontrollierte Studie bei Studierenden
o Kontrollierte Studie bei Depressiven
 Dankbarkeitstagebuch
o Pilotstudie bei Studierenden
 Glücksseminare
o Pilotstudie bei Studierenden
o Kontrollierte Studie bei belasteten Erwachsenen
o Kontrollierte Studien bei älteren Menschen
 Positive Psychotherapie
o Großangelegte kontrollierte Studie mit mittelgradig Depressiven
o Gruppentherapie PPT vs. KVT
o Aktueller: übertragen auf Einzeltherapie, mittelgradige Depressive (PPT vs. WLK)
 Positiv-psychologisches Coaching (für leicht bis mittel belastete Menschen)
o Einzelsetting
o Gruppen-Onlinesetting

Glücks-Seminar Schwaiger-Schrader, Siwek-Marcon & Laireiter (2008)


 Allgemeine Ziele:
o Verbesserung des aktuellen Wohlbefindens
o Verbesserung des habituellen Wohlbefindens
o Verbesserung des physischen Befindens
 Lernziele
o Erhöhung der Achtsamkeit im Alltag
o Lenkung der Aufmerksamkeit auf positive Erfahrungen und persönliche Ressourcen
o Aufbau von Selbstakzeptanz
o Entwicklung individualisierter Methoden zur Steigerung psychischen und physischen
Wohlbefindens
o Entwicklung Wohlbefinden steigernde Kognitionen
Struktur und Intervention
 1 Informations- & Vorbereitungssitzung
 6 Sitzungen à 3 AE über 8 Wochen:
1. Psychoedukation
 über Wohlbefinden und dessen Beeinflussung
 Erarbeitung eines individuellen Modells persönlichen Wohlbefindens,
Ressourcen und Ressourcenaktivierung
2. Kognitive Umstrukturierung
 dysfunktionaler automatischer Gedanken zur Erhaltung von Wohlbefinden
3. Achtsamkeitstraining
 Achtsamkeitsübungen
4. Ressourcenaktivierung
 Entwicklung eigener Ressourcen
5. Genusstraining
 Genießen und genießen lernen
6. Work-Life-Balance
 Reflexion eigener Ziele und Werte
 Wöchentliche Hausaufgaben
 Begleitende Führung eines Glückstagebuchs, auch über Training hinaus

Wirkfaktoren von PPI


 Aufmerksamkeitslenkung auf Positives
 Vermittlung von Hoffnung
 Intentionale Nutzung eigener Stärken
 Steigerung der Eigenaktivität ermöglicht Flow
 Stärkung des Erlebens von Zufriedenheit und Entwicklung
 Erleben des eigenen Handelns als kontrollierbar und sinnvoll
o Steigerung der Selbstwirksamkeit
 Stärkung von sozialen Beziehungen und Ressourcen
Positiv-psychologische Interventionen – Ergebnisse/Outcomes
Ergebnisse positiver Interventionen – mehrere Studien und Meta-Analysen
Erste:
Enhancing Well-Being and Alleviating Depressive Symptoms With Positive Psychology Inter-
ventions: A Practice-Friendly Meta-Analysis
Nancy L. Sin & Sonja Lyubomirsky University of California, Riverside (UCRS)
Sin & Lyubomirsky (2009)
 Fragestellung: Effekte positiver Interventionen auf positive Emotionen und Depressivität
(2 globale Outcomes: generell wellbeing & versch. Maße der Depressivität)
 Methode: Meta-Analyse über 51 Studien mit 4,266 Probanden
 Ergebnisse:
o Signifikante Verbesserung im Wohlbefinden (M r=.29) (mittlerer Effekt)
o Signifikante Reduktion depressiver Symptome (M r=.31) (mittlerer Effekt)
 Moderatoren:
o Höhere Intensität der Depressivität zu T1
o Selbstselektion und Motiviertheit
o Höheres Alter (ca. 40)
o Einzelbehandlung
o Längere Dauer der Behandlung
Kritik
 Sehr breite Definition von PPI
o Einbezug auch von Achtsamkeits- und Loving Kindness-Meditationen
o „Positive kognitive Therapie“ (n. Beck)
 Große Heterogenität hinsichtlich Studiendesign
o RCT, Einarm-Studien, naturalistische Designs
 Fehlende methodische Rigorosität (Coyne, 2014)
o Fehlen von klaren Ein- und Ausschlusskriterien
o Fehlende Trennung zwischen klinischen und nicht klinischen Stichproben
o Fehlende Bestimmung und Dokumentation der methodischen Qualität der inkludierten
Studien
o Fehlende Berücksichtigung des Publication bias

Bolier et al. (2013)


 Positive Psychology Interventions: A meta-analysis of randomized controlled studies.
BMC Public Health 2013, 13:119.
 Effekte positiver Interventionen auf subjective well-being, psychological wellbeing und De-
pressivität
k=39 Studie;
N=6,139 Probanden
 Ergebnisse:
o d=0.34 subjective well-being, d=0.20 psychological well-being, d=0.23 depression
o Follow-up (3-6 Monate) effect sizes are small, but still significant for subjective well-
being and psychological well-being, not for depression
 Moderatoren (stärkere Effekte):
o Längere Dauer
o Rekrutierung durch Überweisung oder Klinik
o Einzelintervention
o Vorhandene psychische Probleme
o Geringere Qualität des Studiendesigns – je rigoroser Methode desto geringer Effekt
Resümee
 Ergebnislage hinsichtlich Wirksamkeit ist nicht beeindruckend
 Offenbar große methodische Probleme vieler Studien
o z.T. sehr kleine Stichproben
o Häufig Analogstudien, meist Studierende
o Viele Online-Interventionen
o z.T. nicht exakt definierte Methodik
o Starke Fokussierung auf Depressivität und Depression
o Kaum längerfristige Follow-ups
 Positiv:
o Einbringung einer alternativen Perspektive – Positivität
o Betonung und Fokussierung von Positivität als wichtiges Therapieziel
Zukünftige Forschungsnotwendigkeit
 Einbezug auch nicht-studentischer Stichproben
 Übertragung in klinische & gesundheitspsychologische Fragestellungen (v.a. mehr als Depression)
 Erweiterung des Fokus bei klinischen Studien
o Über Depression hinausgehend
o Klar definierte Methodik
o Vergleich mit etablierten Verfahren
 Größere Stichproben
 Vermehrt auch face-to-face-Studien im dyadischen Setting
 Längere Follow-ups

5. Flourishing
Die Mehrzahl der Themen und Anwendungen der Positiven Psychologie zielt darauf ab, Flourishing zu
erhöhen. (Seligman, 2011, 2012)

Definition
Flourishing is …
 "a state where people experience positive emotions, positive psychological functioning and
positive social functioning, most of the time“
living "within an optimal range of human functioning.“ (Fredrickson & Losada, 2005, 680)
 is a descriptor … of positive mental health and overall life well-being, and includes multiple
components and concepts, such as cultivating strengths, subjective well-being, "goodness,
generativity, growth, and resilience.“ (Dunn & Dogherty, 2008, 314)
 is the opposite of both pathology and languishing, which are described as living a life that
feels hollow and empty (Keyes, 2002)
Languishing = dahin dümpeln, wenig
Begriff beschreibt …. glücklicher Lebensstil
 Intensive Form des psychologischen Wohlbefindens
 psychologisches Wachstum in breiter Form
 Ist eng verwandt mit den Begriffen
„fully functioning person“ nach Rogers
„selbstaktualisierte Person“ nach Maslow
„personal growth“ von Ryff
 Über mehrere zentrale Dimensionen beschrieben, insbesondere über:
o Subjektives Wohlbefinden
o Psychische Leistungsfähigkeit
o Positive soziale Integration
o Persönliches Wachstum
o Sinnhaftes Leben
 Und wird über unterschiedliche psychologische Modelle konzipiert (Blickhan, 2015; Su et al., 2014)
Synonyme / assoziierte Begriffe
 Optimal Life
 Best Life
 Optimal Mental Health
 Thriving (synon.)
Konzepte/Modelle des Flourishing
Frühes Konzept:
 Psychological Well-being - Ryff (1985)
Aktuelle Konzepte:
 Fredrickson & Losada (2005): Flourishing as a high positivity ratio
 Keyes (2002, 2005): Doppelkontinuum psychischer Gesundheit
 Diener (2009): Flourishing-Modell
 Seligman (2011): PERMA-Modell
 Huppert & So (2013): Flourishing as mental health
 Su, Tay & Diener (2014): Thriving-Konzept
Psychological Well-being (Ryff)

Flourishing = sehr hohe Ausprägung in psychological well-being


Operationalisierung
 Ryff-Scales of Psycholgical Well-being
(Ryff, 1989; Ryff & Keyes, 1995; Ryff & Singer, 2008)
 Verschiedene Versionen
o 120 Items Langversion (20 pro Skala)
o 84 Items-Version (14 pro Skala)
o 18 Items Kurzskala (3 Items pro Skala)
 Psychometrische Charakteristika:
o Längere Versionen α = .86 - .93
o Kurzversion: α = .37 - .60
o Struktur über mehrere EFA belegt
o Validität: mehrere Studien -> Konstrukt und konvergente vs. divergente Validität
 Deutsche Versionen (Bartkowiak, 2008; Fleck, 2007)
o Normalversion (84 Items): α = .79 - .91
o Kurzversion (18 Items): α = .41 - .70; .36 - .63;
o Test-Retest-Reliabilität (6 Wo): rtt = .81 - . 88 (ziemlich stabil)
Higher Scorer Lower Scorer
Self-Acceptance Possesses a positive attitude toward the self; feels dissatisfied with self; is disappoint
(Selbstakzeptanz) acknowledges and accepts multiple aspects of has occurred with past life; is troubled
self, including good and bad qualities; feels personal qualities; wishes to be differen
positive about past life or she is
Positive Relations with Others has warm, satisfying, trusting relationships with as few close, trusting relationships with
(positive Beziehungen) others; is concerned about the welfare of others; difficult to be warm, open, and concern
capable of strong empathy, affection, and others; is isolated and frustrated in inte
intimacy; understands give-and-take of Human relationships; not willing to make comp
Relationships sustain important ties with others
Autonomy is self-determining and independent; able to is concerned about the expectations an
resist social pressures to think and act in certain of others; relies on judgments of others
ways; regulates behavior from within; evaluate important decisions; conforms to socia
self by personal standards think and act in certain ways

Environmental Mastery has a sense of Mastery and competence in has difficulty managing everyday affairs
(Selbstwirksamkeitserleben) managing the environment; controls complex to change or improve surrounding cont
array of external activities; makes effective use of of surrounding opportunities; lacks sen
surrounding opportunities; able to choose or over external world
create contact suitable to personal needs and
values
Purpose in Life has goals in life and a sense of directness; feels lacks a sense of meaning in life; has few
(Sinn im Leben) there is meaning to present and past life; holds lack sense of direction; does not see pu
believes that give life purpose; has aims and life; has no outlook or believes that give
objectives for living
Personal Growth has a feeling of continued development; sees self has a sense of personal stagnation; like
(persönlicher Wachstum) as growing and expanding; is open to new improvement or expansion over time; f
experiences; has sense of realizing his or her uninterested with life; unable to develo
potential; sees improvement in self and Attitudes or behaviour
behaviour over time; is changing in ways that
reflects more self-knowledge and effectiveness
 Flourishers

Positivitäts-Ratio und Flourishing (Fredrickson & Losada, 2005)

Verhältnis hat laut ihm inkrementelle


Validität, aber keinen Tipping Point

Doppelkontinuum psychischer Gesundheit (Keyes, 2002)

Empirisch schlecht gestützt


Sehr ungleich verteilt
 Meisten zwischen flourishing und languishing
 Strugglers – geringste Ausprägung
Achsen sind schiefwinkelig (nicht voneinander unabhängig)
Operationalisierung
 3 Bereiche:
o Subjective Well-being (Satisfaction with Life Scale; Diener et al., 1985)
o Psychological Well-being (Ryff-Scales; Ryff & Keyes, 1995)
o Social Well-being (Keyes, 1998)
 Soziale Akzeptanz
 Soziales Wachstum
 Sozialer Beitrag
 Sozialer Zusammenhalt
 Soziale Integration
 2 Versionen:
o Langversion: 140 Items
o Kurzversion: 14 Items (Mental Health Continuum Short Form; MHC – SF; Keyes, 2005)
 sehr gute psychometrische Werte
 Validität mehrfach bestätigt
 Flourishing: hohe/sehr hohe Werte in 1 Item zu subjective well-being und in
6 der 11 Items zu psychological and social well-being;
 Languishing: gegenteilige Ausprägung

Ergebnisse
 Keyes (2002): Studie an 3000 Amerikanern zw. 25 und 75 Jahren:
o Flourishing: 2%
o Ausgewogen: 60% (zwischen Fl. und La.)
o Languishing: 12%
o Floundering: 14% (psychische Störung)
o Languishing 6x häufiger als flourishing
 Keyes (2005): Internationale Studien: Flourishing:
o 8% süd-koreanische Erwachsene (Korea noch sehr traditionelle Struktur)
o 20% süd-afrikanische Erwachsene
o 23% ägyptische Jugendliche
o 44% chinesische Erwachsene
 Studien von Margraf(?)
o Ost-Westgefälle
 Deutschen und Amerikaner ähnlicher als Chinesen und Deutschen
 In China höheres Mental Health & Flourishing als Russland

 Flourishing in allen Fällen mit höheren Werten in psychischer Gesundheit und psychischem,
psychosozialen und sozialen Funktionieren assoziiert
 Languishing: Risikofaktor für: psychische Störungen, Suizid
Diener (2009) Flourishing Modell
 Sinnhaftes/sinnvolles Leben – purposeful life
 Positive Soziale Beziehungen
o Liebe & Wertschätzung
o Unterstützung und Achtung
 Engagiertes, aktives Leben
 Zum Glück anderer beitragen
 Kompetenz
 Optimismus
 Selbstwert und Mastery
Flourishing Skala (dt.: Esch et al., 2013)

Ergebnisse (Esch et al., 2013)


 Wertebereich: 8 – 56 Pt.
o Flourishing: 44 – 56 Beide empirisch nicht bestätigt
o Languishing: 8 - 20
 Gute bis sehr gute psychometrische Qualität:
o Cronbach‘s α = .79 - .85
o Retest-Reliabilität (4 Wo.) rtt = .79
o Konvergente Validität:
 Lebenszufriedenheit: r = .71
 Sense of Coherence: r = .69
o Divergente Validität:
 psychische Gesundheit: r = .43
 Achtsamkeit: r = .51
Ist nicht gleich Wohlbefinden!
Wer alle 5 Faktoren in seinem Leben optimal erfüllt,
hat eine große Chance aufzublühen
Seligman (2011) Flourishing through PERMA

Status des Konzepts


 „Theorie“ generiert aus umfassender Literaturanalyse anlässlich des Schreibens des Buches
„Flourish“ (Seligman, 2011)
 „Theorie“ bislang noch nicht getestet (noch keine akzeptierten Instrumente zur Erfassung)
 Erste Ansätze durch Entwicklung von Verfahren und groß angelegten Studien
 Seligman mehr an Anwendungsaspekt interessiert
 „Hauptskala“: PERMA-Profiler
 Sonstige Skalen:
o FS-Skala (Diener, 2009)
o Positive Psychotherapy Inventory (PPTI) (Khanjani et al., 2014; Rashid & Seligman, 2013)
PERMA-Profiler (Butler & Kern, 2013, 2016)
 Operationalisierung der PERMA Theorie
 Generiert aus 109 Items (PERMA Item bank)
 Durch Faktorenanalysen Reduktion auf 70 und auf
o 15 Items (5 Subskalen, 3 per Skala) +
o Gesamtwert („Flourishing“)
o 1 Item general well-being
o 1 Item Einsamkeit
o 3 Items negative Emotionen
o 3 Items Gesundheit
 Gesamt 15 + 8 Items
 Deutschsprachige Version (Wammerl et al., 2015)
o 15 Items + subjektives Wohlbefinden
 Umfassende Evaluierung
o Psychometrische, Skalen- und Itemanalysen
o Konvergente, divergente, Konstruktvalidität
o Prädiktive Validität
Beispielitems

Positive Psychotherapy Inventory (PPTI) (Khanjani et al., 2014; Rashid & Seligman, 2013)
 Name verwirrend, da nicht primär therapiebezogenes Verfahren
o Instrument, das ebenfalls PERMA erfasst
o Durch Faktorenanalysen gewonnen
o 25 Items (5 Subskalen, 5 per Skala)
o Deutschsprachige Version (Furchtlehner, 2013; Wammerl et al., 2015)
 Weniger breite Evaluierung als PERMA-Profiler
o Psychometrische, Skalen- und Itemanalysen
o Überprüfung der dimensionalen Struktur (EFA, KFA)
o Konvergente, divergente, Konstruktvalidität
PERMA-Profiler & Positive Psychotherapy Inventory (PPTI) (Wammerl, Jaunig,
Maierunteregger & Streit, 2015)
Erste deutschsprachige Studie und Evaluation; N=854; 83.6% Fr
PERMA-Profiler: Reliabilität/interne Konsistenz:

Faktorielle Struktur belegt

Belege für konvergente und Konstrukt-Validität (Butler & Kern, 2016, S. 16)

Ansatz von Huppert & So (2009, 2013)


Flourishing als Top end des Mental Health Continuums
Flourishing als optimal mental health - Huppert (2005)
 Entwickelt aus der Intention einen Antagonisten zu DSM-5 und ICD-10 (Depression und GAD)
zu konzipieren
o Flourishing ist das Gegenteil von Depression und generalisierter Angststörung
(-> Languishing)
o daraus Entwicklung einer Liste von 10 positiven Merkmalen:
Kompetenz positive Emotionen
emotionale Stabilität positive Beziehungen
Lebenssinn Selbstwert
Optimismus Vitalität
Resilienz Engagement
 Überprüfung dieser Liste anhand des „European Social Survey“ (ESS; N= 43.000) über 10
Items, die den identifizierten Merkmalen am meisten entsprachen + 1 Item zum subjektiven
Wohlbefinden
o Entwicklung eines Flourishing-Maßes über Item-, Skalen- und Faktorenanalysen

EFA: 3 Faktoren
 Positive appraisal: life satisfaction and positive emotion
 Positive characteristics: emotional stability, vitality, optimism, resilience, self-esteem
 Positive functioning: engagement, competence, meaning, positive relationships
Definition von Flourishing
 Kombination aus hedonistischem und eudämonistischem Wohlbefinden
o Faktor 1 (positive appraisal) = hedonistisches WBF
o Faktor 2 und 3 (p. characteristics, p. functioning) = eudämonistisches WBF
 Operationale Definition (analog DSM/ICD): Flourishing = Über Cut-Off Wert definiert
o Hoher Wert in 1 Item von Faktor 1 (p. appraisal)
o Hohe Werte in 4 der 5 Items von Faktor 2 (p. characteristics) und
o Hohe Werte in 3 der 4 Items von Faktor 3 (p. functioning)
 Flourishing is the combination of feeling good & functioning effectively (Huppert & So, 2013)

Meist nordische Länder ganz oben

Wohlbefinden variiert in Europa von Norden


nach Süden und Westen nach Ostern
(!Einteilung welche Länder im „Osten“,“Westen“ etc. willkürlich)
 Je höher Bildungsstatus desto höher Flourishing
 Einfluss des Beziehungsstatus

Lebenszufriedenheit und Flourishing: r = .32

Su et al. (2014) Thriving


 to thrive = blühen, gedeihen
 „State of positive functioning in its fullest range – mentally, physically and socially“
(Su et al., 2014)
 Komponenten:
o Subjektives Wohlbefinden
o Beziehung (Unterstützung, Gemeinschaft, Vertrauen, Respekt, Zugehörigkeit)
o Engagement und aktives Leben
o Kompetenz und Können
o Autonomie und Selbststeuerung
o Sinn und Bedeutung
o Optimismus
Skalen/Instrumente (Su, Tay & Diener, 2014)
1. Comprehensive Inventory of Thriving (CIT) (54 Items)
2. Brief Inventory of Thriving (BIT) (10 Items)
 Dimensionen:
o CIT: 18 Dimensionen; 3 Items je Dimension
o BIT: 1 Dimension; 10 Items
 Lebenszufriedenheit, positive Emotionen, wahrgenommene Unterstützung,
Zugehörigkeit, Meaningful life, Engagement, Selbstwert, Self-efficacy, Erfolg,
Optimismus
 Studien
o Konzept und Konstruktionsstudien
o Risiko- und Prädiktorstudien bzgl. Gesundheit, psychische Störungen etc.
Befunde zur Validität (Su, Tay & Diener, 2014)
 Studie zeigt negative Bezüge der Skalen zu:
o Einsamkeit
o Mangel an Umweltkontrolle
o Mangel an Selbstwirksamkeits-Überzeugungen
o Negative Emotionen
o Depressivität und Angsterleben
o Anzahl Krankenstandstage
o Diagnosen psychischer Störungen
 Positive Bezüge zu:
o Positiven Kriterien psychischer Gesundheit
o Selbstwertgefühl
o Selbstwirksamkeit
o Positive Emotionen
o Optimismus
o Subjektiv wahrgenommenen Gesundheitsstatus
o Ausprägung/Ausmaß an Gesundheitsverhalten
Zusammenfassung
 „Flourishing“ wird nicht über ein Konzept allein vertreten
 Verschiedene Autoren haben sich damit beschäftigt und z.T. sehr unterschiedliche Konzepte
entwickelt
 Trotz der Unterschiedlichkeit können einige Gemeinsamkeiten festgestellt werden
o Es existiert ein Kern gemeinsamer psychologischer Merkmale, die als konstituierend
für das Konstrukt angesehen werden können
o Flourishing wird i.d.R. als Ausdruck optimaler, sehr guter psychischer Gesundheit
und optimalen Wohlbefindens betrachtet
o Flourishing steht in einem Gegensatz zu psychischer Eingeschränktheit, innerer
Leere und psychischen Problemen -> Languishing
 Empirische Befunde scheinen das Konstrukt zu unterstützen
 Wichtiger Beitrag zur Gesundheitspsychologie
Aus einer Metaperspektive (Su, Tay & Diener, 2014)
 Über alle Autoren hinweg betrachtet umfasst Flourishing folgende Dimensionen
o Subjektive happiness:
 Subjective Well-being, quality of life, life satisfaction, emotional well-being; positive
emotions
o Positive relationships:
 Social support, trust, social integration, belonging
o Meaning and purpose in life
o Engagement and active life
o (Environmental) mastery:
 Need for competency, accomplishment, self efficacy
o Self esteem:
 Self acceptance, self worth
o Optimism
o (Need for) autonomy and (self) control

Korrelate/Effekte
Personen, die hohe Ausprägungen in diesen Bereichen haben, haben eine hohe Chance
„aufzublühen“, d.h. sie besitzen/zeigen …
 hohes Ausmaß an Lebenszufriedenheit und subj. Glück, Lebensfreude etc.
 hohe Werte in Maßen psychischer Gesundheit
 geringe Werte in Maßen von Psychopathologie
(allgemein, z.B. SCL-90/BSI, oder spezifischen Störungen, z.B. Depression)
 geringes Maß an Suizidalität und Lebensüberdruss
 geringe Werte in Maßen körperlicher Beschwerden und organischen Erkrankungen
 geringes Maß an Burn-out
 hohe Werte in Maßen von Kohärenz und Resilienz
 reduzierte somatische und psychische Morbidität und Mortalität
 Hinweise auf ein längeres (alterskorrigiertes) Leben
Perspektiven
 Zukünftige Forschung sollte sich bemühen das Konzept zu schärfen und seine theoretische
und empirische Bedeutung zu spezifizieren
 Ansätze für eine Weiterentwicklung in die richtige Richtung könnten sein:
o Konzept des „Thriving“ von Su und Diener (2014)
o Konzepte von Keyes (2002) und Huppert & So (2013)
 Es sollte vor allem herausgearbeitet werden, worin sich Flourishing von „normalem“
subjektivem Wohlbefinden unterscheidet und
 was die inkrementelle Validität des Konstruktes gegenüber herkömmlichen Ansätzen ist
 Erste wichtige Befunde bei Su und Diener (2014), die dies für ihren Ansatz belegen konnten.
Interventionen zur Förderung von Flourishing
Überblick
 Trotz offenbarer Zentralität von „Flourishing“ für PP bislang kein spezifisches PPI-Paket, um
Flourishing zu entwickeln oder aufrecht zu erhalten.
 Oft kombinierte Programme in Realität
 gemeinsame Komponenten:
Stärkentraining, Förderung von Dankbarkeit & Glücksbefinden & Verzeihen & Loslassen
 In der Literatur häufig genannt:
o Authentic Happiness Coaching Program (AHP)
(Seligman et al., 2005)
o Flourishing Apps
o Mindfulness based strengths practice (MBSP)
(Itzvan, Niemic & Briscoe, 2016)
o Positive Psychotherapie (PPT)
(Rashid & Seligman, 2013, 2018)
o Coachings in Positiver Psychologie (CPP)
(Biswas-Diener, 2013; Feld & Rudy, 2018; Mangelsdorff, 2020)
o Aufblühens-Coaching
(Blickhan, 2018)

 Wenig spezifische Interventionen entwickelt


Seligman‘s „Authentic happiness coaching program“ (5-6 Komponenten)
 Me at my best (my best time in life and what made it so great)
 resilience-intervention
Intervention in der man sich in Situation hineinversetzen soll, in der man einmal war und der
man unter Einbringung seiner persönlichen Stärken gut erledigt hat.
Als Geschichte zusammenschreiben

-> Subjektive Selbstevaluation


 Writing a grateful letter
 Three good things in my life – happiness journal
 Identifying my signature (=top 5; 3-7) strengths (questionnaire)
 Using my signature strengths in my life in new ways
 Savouring: enjoying positive and satisfying activities
Learn to flourish with an App

Ablauf
 You will use a mobile app for 2 weeks, every day for a couple of minutes
 Each day, you will get a short exercise in the morning that you can complete during the day
 These exercises are based on well-known, evidence-based interventions on Positive Psycho-
logy, Cognitive Behavioural Therapy, or Meaning and Purpose
 The information that you provide in answering the exercises will be kept private
 Your daily mood and engagement with the intervention will be measured via short question-
naires and used anonymously for research purposes
 You will be invited to participate in 4 short online surveys with questions about how you are
feeling at that point in time
How will it work?
 First, you fill out baseline survey with some brief information about you and about how you are feeling
 After that, enroll and install the app: the instructions for this will be given as soon as you finish the
previous step
 With the app installed, you can start the exercises. It will take 2 weeks to complete
 We will invite you to fill out another three short surveys in 2, 4, and 8 weeks
 https://www.utwente.nl/en/bms/microinterventions/

Ergebnisse Pilotstudie (Schotanus-Dijkstra et al., 2017)

Mindfulness-Based Programs – Erlernen von Achtsamkeit


 MBSR – Mindfulness-based Stress Reduction
 MBCT – Mindfulness-based cognitive Therapy
 DBT – Dialectic Behaviour Therapy
 ACT – Acceptance and Commitment Therapy
 MBSP – Mindfulness-based Strengths Programm
Mindfulness-Based Strengths Practice (MBSP)
Kombiniert Achtsamkeits- mit Stärkentraining
1. Mindfulness & Autopilot
2. Signature Strengths
3. Obstacles are Opportunities
4. Mindfulness in Everyday Life
5. Valuing Your Relationships
6. The Golden Mean
7. Authenticity & Godness
8. Your Engagement with Life

Struktur der Positiven Psychotherapie


 Manualisierte Einzel- und/oder Gruppentherapie
o Übersetzung des Manuals ins Deutsche (LMF)
 9-15 Sitzungen
 Aufbau der einzelnen Sitzungen (Dreischritt):
1. Psycho-Edukation zum jeweiligen Thema
2. Übungen während der Stunde
3. Hausaufgaben (ca. 1 Stunde / Woche)
 Begleitend: Glückstagebuch
Inhalte der PPT
Sitzun
g
1 Einführung; positive Vorstellung der eigenen Person
2 Charakterstärken
3 Hauptstärken („Signatur“-)
4 Gute vs. schlechte Erinnerungen
5 Vergebung
6 Dankbarkeit
7 Prinzipien „Satisficing“ vs. „Maximizing“
8 Wachstum nach einer traumatischen Erfahrung
(posttraumatic growth)
9 Hoffnung und Optimismus
10 Positive Kommunikation
11 Hauptstärken der anderen
12 Genießen und Entschleunigen
13 Altruismus
14 Integration: das volle Leben

Coaching in Positiver Psychologie (CPP) – Entwicklung von Stärken-


&Ressourcenorientierung
 Entwickelt von Feld, Rudy & Laireiter (2018)
 Einzelsetting
 7 Einheiten á 60 – 90 Minuten (Orientierung an Inhalte der PPT)
 Dauer: 7 – 10 Wochen
 Standardisierung des Ablaufs durch Manualisierung
o Coach-Manual
o Klienten-Manual
o Durchführungsmaterialien
 Jedoch individuelle Anpassung an die Bedürfnisse des/der Klient*in in der Praxis möglich
Inhalt und Struktur
Inhalte und Ziele der Einheiten
1. Kennenlernen und Standortbestimmung
2. Charakterstärken erkennen
3. Persönliche Charakterstärken einsetzen
4. Dankbarkeit
5. Negative Erinnerungen & Vergebung als Möglichkeit loszulassen
6. Positive Emotionen erleben und vertiefen durch Genuss
7. Positive Zukunftsvorstellung: „Better“ bzw. „Best Possible Self“
Online Gruppencoaching
 Entwickelt von Nigl & Reicher (2020)
 Gruppencoaching im Online-Kontext (Corona)
 Orientiert am Konzept von Feld, Rudy & Laireiter
 4 Themen, á 3 Einheiten
o Kennenlernen, Standortbestimmung, Charakterstärken
o Charakterstärken einsetzen, Genießen/Savouring
o Dankbarkeit, Selbstmitgefühl
o Positive Beziehungen & Positive Kommunikation, Abschied
 4 Wochen Dauer
 Manualisiert
o Coachmanuale, Klientenmanuale

6. Persönliche Stärken
Konzepte, Modelle und Befunde
Begriffe
 Persönliche Stärken
 Charakterstärken
 Signaturstärken
 Tugenden und Stärken

Erster Zugang: Internet (Stärken):


ungefähr 44 900 000 Ergebnisse (0,30 sec.) Überwiegend: beruflicher Bereich

Persönliche Stärken
 Häufige Synonyme:
Talente, Fähigkeiten, Begabungen, Kompetenzen, Leistungen …
 Ebenen:
Kognition, Emotion, mentale Fähigkeiten, Verhalten, Persönlichkeit
 Primäre Foci:
Beruf/Arbeit, Familie, Beziehungen
 Bedeutung/Begriff:
o Etwas Wichtiges, Wertgeschätztes (mit Wert assoziiert)
o Eigenschaft, Merkmal
o Hilft dabei Ziele zu erreichen, Leistungen zu erbringen, Aufgaben zu erfüllen, Position
auszufüllen, Status/Ansehen zu erlangen, Erfolg zu haben, etc. …
 Bereiche:
Intelligenz, Kreativität, soziale Intelligenz/ Kompetenz, Empathie, berufliche Fähigkeiten,
Sorgfalt, Konzentrationsfähigkeit, etc.
Definition (wie traits, nicht states)
 Persönliche Stärken sind …
o persönliche, überdauernde Muster an Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen
und deren Kombination
o die funktional einsetzbar sind (Ziel-Mittel-Relationen darstellen), um …
 bestimmte Ziele zu erreichen,
 bestimmte Aufgaben zu erfüllen,
 bestimmte Probleme zu lösen,
 bestimmte Leistungen zu erbringen, etc.
o dies mit einer/m gewissen Regelmäßigkeit und (hohen) Resultat (gut, exzellent,
ausgezeichnet …) und
o gesellschaftlich, sozial, kulturell oder persönlich erwünscht und geschätzt sind.
Stärkenmodus
 Modus operandi – Ausübung einer Tätigkeit aus einer (persönlichen) Stärke heraus
 Erscheinungsform/Ausdruck/Effekt (n. Biswas-Diener, 2010; Blickhan, 2015):
o Sprechen:
 klarer, schneller, fließender
 ggf. auch mit höherer Stimmlage
 „individueller“, metaphorischer
o Ausdruck:
 Deutlichere Gestik, Mimik und Prosodik
 Aufrechtes Sitzen oder Stehen
o Wirkung/Wahrnehmung:
 effektiver/effizienter und charismatischer
 subjektiv: sich gut fühlen, Flow, zufrieden
Stärkenparadoxon
 Obwohl Stärken effektiv sind und geschätzt werden, gibt es einige Paradoxien
o Wir fokussieren unsere Schwächen, um sie „auszumerzen“ oder zu verbessern, um
Stärken zu erlangen
o Stärken werden kaum gepflegt und kultiviert
o Menschen werden häufig nicht nach ihren Stärken eingesetzt bzw. können diese im
Alltag kaum leben
 Gegenparadoxon der Positiven Psychologie (Biswas-Diener, 2010):
o Stärken stärken: wertschätzen, beachten, kultivieren, entwickeln, einsetzen …
o Stärken im Alltag leben, mit Stärken das Leben leben/den Alltag leben …
o Ähnlich dem lösungsorientierten Ansatz der Psychotherapie
(dem problemorientierten gegenübergestellt)
Gallup-Umfrage zum Entwicklungspotenzial (besser Stärken oder Schwächen zu wissen?)

Gründe für das Stärkenparadoxon (Biswas-Diener, 2010)


 Evolution und evolutionäre psychologische Mechanismen:
o Fokussieren auf Überleben und Gefahr
 Fokus auf Schwächen
 Wahrnehmungsbindung auf Probleme und deren Lösung
 Kulturelle und soziale Normen:
o Betonen von Mitmenschlichkeit und sozialer Unterstützung
o Tabuisierung von Selbstlob und Ich-Bezogenheit
o Überzeugung, dass Wachstum und Entwicklung primär erst durch Ausmerzen von
Schwächen möglich sei
 Sozialisation:
o Kindheit als „Mangel(erleben)“ („Minderwertigkeit“, Adler)
o Primäre Fokussierung auf Schwächen

6.1 Charakterstärken (nach pos. Emotionen & Wohlbefinden -> 3. Zentrale Konstrukt
der PP)
Entstehungshintergrund (Peterson, 2006)
 Start Mitte der 1990er Jahre:
Mayerson-Foundation will Beitrag zur Verbesserung der amerikanischen Gesellschaft leisten
 Jugendlichen soll nachhaltig dabei geholfen werden ihr volles Potenzial zu entfalten
 umfangreiches Forschungsprojekt
 Beginn: Penn-Konferenz 1999:
Vorsitz Seligman (bekannt aus APA-Presidency),
Vorstellen und Diskussion verschiedener Programme – Auswahl welches gefördert
 Es wird deutlich, es fehlt an einem gemeinsamen Verständnis und einem gemeinsamen
Vokabular, was „positive“/“optimale Entwicklung“ sei und vor allem auch an entsprechenden
Messverfahren
 erstes Ziel: Konzept- und Methodenentwicklung

 2000: Gründung des VIA-Instituts (Values in Action) zur


o Konzept- und Methodenentwicklung und
o Beschreibung positiver Entwicklung im Jugendalter
 Leitfragen:
o Was macht einen guten Charakter von Jugendlichen (Menschen) aus?
o Wie kann man diesen konzipieren und messen? und
o Wie kann man dessen Entwicklung fördern?
 Sehr bald wurde klar: Fragen beziehen sich nicht nur auf Jugendliche, sondern auf alle
Menschen in allen Lebensphasen

 VIA-Projekt: Untersuchung von „Stärken“, „Werten“ und „Charakter“ in den verschiedenen


Kulturen durch 50 Experten zwischen 2001 und 2004 durch Seligman und Peterson
 Entwicklung des Modells der „Charakterstärken“, der „Signaturstärken“, des „VIA-
Stärkentests“ und von Ansätzen zu Stärkenentwicklung

„Charakter“ in der psychologischen Forschung


 Konzept des Charakters bereits seit den 1920er Jahren durch Allport aus der Psychologie
ausgeschlossen
 Konzept der Philosophie!
 Persönlichkeitspsychologie beschäftigt sich nicht mit den moralisch-ethischen Fragen
menschlicher Tugenden
 Positivismus: Trennung zwischen Tatsachen und Werten
 Tatsachen - Gegenstand der Wissenschaft
 Werte - Gegenstand der Philosophie
 Primäre Themen der PersPsy:
P.-Eigenschaften, Traits, Skills/Fertigkeiten, Interaktionismus, Transaktion etc.
 PP: Begriff der CS soll diese künstliche Trennung aufheben und Fragen der Moral und der
Tugenden wieder zum Gegenstand der Psychologie machen (Peterson, 2006)
 „guter Charakter“
Gordon Allport:
“Character is an ethical concept, and thus psychology does not need it. Personality alone will do.”
Character is personality evaluated
Personality is character devalued (wertfrei)
Begriff „Charakter“
 VIA-AG fokussiert „positiven Charakter“ -> ist mehr als nur „kein schlechter Charakter“
 „Positiver Charakter“ definiert über positiv definierte Eigenschaften und Merkmale = Stärken
 Begriff „Charakterstärken“ soll Vielschichtigkeit eines guten Charakters widerspiegeln
 Charakterstärke als interindividuell variierendes Merkmal
 damit Integration der Charakterstärken in die psychologische Forschung

Menschliche Exzellenz und Wohlbefinden sind genauso real wie psychisches Leiden und Störungen
Entwicklung des CS-Konzepts
 Guter Charakter sollte universell und kulturübergreifend definiert und erforscht werden
 Orientierung an Werteforschung -> universelle menschliche Werte
 Daraus Suche nach universellen menschlichen Tugenden durch Analyse religiöser und
philosophischer Texte und ethnologische Studien
 Integration dieser Tugenden in Konzepte der Psychologie und Entwicklung eines
mehrdimensionalen Modells
 Vollständige empirische Fundierung des Konzepts - aktuell noch hier
 Kein Anspruch auf Vollständigkeit, daher keine Taxonomie, sondern eine Klassifikation
 Entwicklung eines Fragebogens (VIA-IS)
Aufbau des Charakters (Peterson & Seligman, 2004)
Hierarchische Ordnung 3er Konzepte
 Tugenden
Von Moralphilosophen und religiösen Denkern geschätzte Kerneigenschaften
o 6 kehren immer wieder:
Weisheit, Mut, Humanität, Gerechtigkeit, Mäßigung, Transzendenz
 Charakterstärken
Mechanismen und Prozesse die die Tugenden definieren. Wege, die Tugenden zu leben
Z.B.: Weisheit erreichen über Neugierde, Liebe zum Lernen, Urteilsvermögen, Kreativität,…
 „Situative Themen“
Spezifische Gewohnheiten, die dazu führen, dass Personen in speziellen Situationen die
Stärken anwenden (variieren in Arbeit, zu Hause etc.)
11 Kriterien einer Charakterstärke (Peterson & Seligman, 2004; Blickhan, 2015, S. 160ff.)
Eine Charakterstärke (CS) …
 ist universell gültig und wird kulturübergreifend als positiv und wünschenswert angesehen
 ist erfüllend: sie fördert die individuelle Erfüllung und Zufriedenheit sowie im Weiteren das
persönliche Glück
 setzt andere nicht herab und fördert keinen Neid. Wer andere sieht, wie sie eine CS
einsetzen, erlebt ein erhebendes Gefühl, Anerkennung oder Bewunderung
 hat einen nicht glücksfördernden Gegenpart
 ist eine „indvidual difference variable“: Menschen unterscheiden sich in der Ausprägung der
verschiedenen CS; nicht alle CS sind gleich ausgeprägt; manche können bei manchen fehlen,
manche sind sehr stark ausgeprägt
 Trait/zeitliche Stabilität: Das individuelle Stärkenprofil ist zeitlich relativ stabil
Universelle Merkmale (Peterson & Seligman, 2004; Blickhan, 2015, S. 160ff.)
Eine Charakterstärke …
 ist operationalisier- und messbar: Es gibt Verfahren zur Erfassung von Charakterstärken;
diese erfüllen empirische Gütekriterien
 ist eindeutig und klar; sie überlappt sich weder konzeptuell noch empirisch mit anderen CS
 ist prototypisch: sie wird von einzelnen Menschen in vorbildlicher und bemerkenswerter
Weise verkörpert
 hat „Wunderkinder“: Sie zeigt sich bei manchen Kindern und Jugendlichen schon sehr früh –
 Wird von Institutionen gefördert: Sie ist das Ziel von Ritualen und anderen gesellschaftlichen
Handlungen, um sie zu kultivieren und zu fördern.
Character Strengths and Virtues: A Handbook and Classification
Peterson&Seligman (2004)
„Charakterstärken“ als Anti-DSM
 Zugang zum Konstrukt der CS auch durch Störungen und Krankheiten beeinflusst
 Charakterstärken sind erwünschte und erstrebenswerte Eigenschaften, „zu denen alle
Menschen ‚Ja‘ sagen können“ (Blickhan, 2015, S. 161)
 Beschreiben Komponenten positiver menschlicher Entwicklung und
repräsentieren so etwas wie Antagonisten zu Störungen und Krankheiten
 Klassifikation der CS = „Anti-DSM“ (Seligman, 2005)
Ruch (2012)
DSM-V, ICD- 10 & dimensionale Ansätze VIA Klassifikation der Stärken&Tugenden

VIA-Charakterstärken-Modell
Tugenden vs. Stärken
Tugenden und Stärken
6 Tugenden und 24 Charakterstärken
 Weisheit und Wissen
 Mut
 Humanität
 Gerechtigkeit
 Mäßigung
 Transzendenz
Niemiec (2017) – A Practitioner-Friendly Expansion (besser praktische Anwendung)
Kardinaltugenden: Fürsorge/Liebe, Wissensdurst, Selbstkontrolle (McGrath, 2014)

Die 6 Tugenden
 Weisheit & Wissen (Wisdom & Knowledge)
o Kognitive Stärken
o Relevant für Erwerb und Nutzen von Wissen
o Beinhalten kognitive Differenziertheit und Offenheit
 Mut (Courage)
o Emotionale Stärken
o Relevant dafür mit Willenskraft Ziele zu erreichen
o Bereitschaft bei der Zielerreichung auch Hindernisse zu überwinden
o Verbindung zum Willen
 Humanität (Humanity)
o Zwischenmenschliche Stärken
o Ermöglichen vertrauens- und liebevolle Interaktionen und Beziehungen
o Ähnlichkeit mit der Tugend der Gerechtigkeit
 Gerechtigkeit (Justice)
o Zwischenmenschliche Stärken
o Betreffen die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und Gruppen, Systeme und
Gemeinschaft
o Innerhalb einer Gruppe von Menschen relevant
 Mäßigung (Temperance)
o Selbstregulatorische Stärken
o Relevant für Beherrschung von Trieben, Motiven und Exzessen
o Antagonist zu Süchten, emotionalen Extremen, Arroganz und Hass
 Transzendenz (Transcendence)
o Sinn-Stärken
o Stiften von Sinn, Bedeutung und Zielbezug
o Herstellung von Verbindung mit anderen und einem größeren Ganzen

VIA Character Strengths & Virtues (Peterson & Seligman, 2004)

24 Charakterstärken (KEIN empirisches Modell! sondern aus intuitive Zuordnungen)


Weisheit und Kreativität, Neugier, Liebe zum Lernen, Aufgeschlossenheit, Weisheit
Wissen
Mut Authentizität, Tapferkeit, Lebenskraft, Ausdauer
Humanität Freundlichkeit, Bindungsvermögen, soziale Intelligenz
Gerechtigkeit Fairness, Führungsvermögen, Teamfähigkeit/Loyalität
Mäßigung Vergebungsbereitschaft, Bescheidenheit, Umsicht, Selbstregulation
Transzendenz Sinn für das Schöne und Gute, Dankbarkeit, Hoffnung,
Humor/Verspieltheit, Spiritualität

Jeder Charakterstärke wurde zur


Vereinfachung Icons zugeordnet

Rangreihe der CS (US-Studien; Niemic, 2018)

Top 5 in dieser:
 Love of Learning
 Gratitude
 Honesty
 Leadership
 Prudence
Dimensionen der Charakterstärken
f

6.2 Charakterstärken – Signaturstärken – Was macht Sie einzigartig?


Signaturstärken
Peterson und Seligman (2004): Menschen besitzen zwischen 3 und 7 Signaturstärken
= individuell besonders bedeutsame/identitätsstiftend/selbstbeschreibend Stärken
Kriterien für Signaturstärken
 Ein Gefühl des Besitzes und der Authentizität gegenüber der Stärke („das bin wirklich ich“)
Kognitionen – Emotionen
 Ein Gefühl der Aufgeregtheit, während der Ausübung
Interpersonal - Intrapersonal
 Vor allem zu Beginn eine steile Lernkurve, da stärkenbezogene Themen gewählt und diese
praktiziert werden
 Kontinuierliches Lernen von neuen Wegen, die Stärken einzusetzen
 Ein Gefühl des Verlangens, in Übereinstimmung mit der Stärke zu handeln
 Ein Gefühl der Unvermeidlichkeit des Gebrauchs der Stärke, als ob man nicht gestoppt, oder
davon abgebracht werden kann, die Stärke zu zeigen
 Die Entdeckung der Stärke wie bei der Erleuchtung
 Belebung und Aktivierung statt Erschöpfung nach der Ausübung
 Das Gestalten und Verfolgen von wesentlichen Projekten, welche sich um die Stärken drehen
 Intrinsische Motivation, die Stärke zu gebrauchen

Test: Einstufung zu Aussagen, höchste Werte: Signaturwerte


Empirisch nicht belegt, ob höchsten 3-7 Stärken diese Kriterien erfüllen
Merkmale
 Signaturstärken …
o scheinen einen genetischen Faktor zu haben
o werden durch Lernerfahrungen gestärkt
o sind ein wesentlicher Bestandteil des Selbstkonzepts und des subjektiven
Selbsterlebens (Stimmigkeit, Authentizität)
o Sind in ihrer Kombination und Ausprägung so individuell wie ein Fingerabdruck
o sind die Top-fünf Charakterstärken oder die, die einen PR von 80 – 100 erreichen
(noch nicht alle diese Aussagen empirisch überprüft)
 Individuum zeigt sich hochgradig damit identifiziert
 Subjektive Wichtigkeit und Ausprägung sind nicht immer deckungsgleich
 Neuere Autoren unterscheiden zwischen subj. Repräsentation und ihrer Anwendung

Niemiec: 3 e’s als Kennzeichen von Signaturstärken:


 essentiell,
 energetisierend &
 einfach

Beispielprofil
e

VIA-Persönlichkeitsmodell unter Einbezug der Signaturstärken (Blickhan, 2015, S.


174)
Mehrdimensionales, hierarchisches, integratives Modell
 Komponenten
o Signaturstärken
o Charakterstärken
o Skills, Fertigkeiten/Talente
o Handlungen, Aktivitäten
 Ebenen
o Identität/Selbstkonzept
o Werte
o Fähigkeiten
o Verhalten
Strengths use als kritische Variable (Niemic, 2019)

Charakterstärken werden trotz eingestufter


Wichtigkeit im Alltag kaum eingesetzt

Usage von Niemic eingebracht


 Not enough use
 Too much use
 Optimal use

Die richtige Stärke in der richtigen Menge im


richtigen Moment einzusetzen

Finding the golden mean


Overuse, optimal use, Underuse (Niemic, 2019)
https://www.spen-network.com/blog/balanced-use-of-via-character-strengths
6.3 Messung von Charakterstärken – VIA-IS
Nur ein lizensiertes Verfahren: Values in action – inventory of strengths
Messung von Charakter- und Signaturstärken
VIA-IS (Values in Action – Inventory of Strengths)
 Operationalisierung der Tugenden und Stärken
über 24 Dimensionen mit je 10 Items/Dimension -> 240 It.
o Kurzformen: 5 Items/D -> 120 It. 3 Items/D -> 72 It.
o Ultrakurzform: 24 Items mit Beschreibung (SSS)
 Bearbeitbar unter: https://www.charakterstaerken.org/
 Beurteilung auf siebenstufiger Skala (zutreffend)
 Ergebnis erbringt individuelle Rangreihe mit Erklärung
(dt.: alle 24 Skalen; engl.: Signaturstärken)
 Neben Selbstbeurteilung auch Fremdbeurteilung möglich
Versionen/Revisionen
https://www.viacharacter.org/www/VIA-Assessments
 Jugendlichen-Versionen:
o Langversion: 198 Items: Stärken
o Kurzversion: 96 Items: Stärken
 Erwachsenen-Versionen:
o Langversion: 240 Items: Stärken, Signaturstärken
o Kurzversion 1: 120 Items: Stärken, Signaturstärken
o Kurzversion 2: 72 Items: Stärken, Signaturstärken
 Revisionen:
o VIA-IS-R: 192 Items:
Stärken, Signaturstärken, 9 Tugenden
o VIA-IS-M: 96 Items:
Stärken, Signaturstärken, 9 Tugenden
 Kurzskalen:
o Global Assessment of Character Strengths- 24 (GACS-24):
24 Items, positiv formuliert, 24 Stärken
o Signature Strengths Survey (SSS):
24 Items, Signaturstärken
 Erfassung der Tugenden
o VIA-IS-V6: 48 Items, 6 Tugenden
o VIA-IS-V3: 24 Items, 3 Tugenden (Fürsorge, Neugier, Selbstkontrolle)
 Alternative Verfahren
 Overuse, Underuse, & Optimal-Use (OUOU) of CS:
o 72 Items, 3 PR für jede der 24 CS für OU, UU, OpU
 Partner Strengths Questionnaire (PSQ):
27 Items, 3 Skalen:
Wahrnehmung, Würdigung und wahrgenommene “Kosten” der CS des Partners
(und anderer naher Menschen, z.B. enge Freunde, Eltern etc.)
Faktorenstruktur (Ng, Cao, Marsh, Tay & Seligman, 2017)
 Bisherige Faktorenanalysen konnten die 24 Skalen-Struktur nicht bestätigen
 Gründe:
o Eindimensionale Struktur -> globaler Positivitätsfaktor
o Überwiegend positiv formulierte Items
o Querladungen von Items (oft ähnlich)
o Itemformulierungen oft nicht ideal
 Explorative Strukturgleichungs-Modellierung (ESEM)
 N=447.573 Personen, weltweit, hauptsächlich USA
 Ergebnis: 6 Faktoren-Modell erreichte besten Fit
o Gerechtigkeit
o Mäßigung
o Mut
o Weisheit
o Transzendenz
o Humanität/Menschlichkeit
o (Dispositionale Positivität?)

Rangreihe der CS (US-Studien; Niemic, 2018) - oben schon einmal


Keine Grafiken oder Daten, die in
Grafiken umwandelbar wären, für
Jüngere im deutschsprachigen Raum

Welche Charakterstärken sind bei Personen 55+, die an dieser Onlinestudie teilgenommen haben,
besonders hoch ausgeprägt? Durchschnittliche Ausprägung in den 24 untersuchten Charakterstärken
bei 4.500 Befragten im Alter 55+

 Neugierde hier stärker ausgeprägt


 Und Spiritual/Religiösität wesentlich geringer als in USA

Charakterstärkenausprägung
0: nicht charakteristisch für mich; … 5: sehr charakteristisch für mich (Beispiel)
Durchschnittsprofile

In Bezug zu Berufsnachbarn
Ergebnisse zu VIA (Blickhan, 2015)
 Häufigste Stärken (weltweit):
Freundlichkeit, Fairness, Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Urteilsvermögen
 Seltenste Stärken:
Weisheit, Mäßigung, Selbstregulation (Park & Peterson, 2008)
 Geschlechtsunterschiede: sowohl Unterschiede als auch große Übereinstimmungen (-> Folie)
o Kreativität -> M höher
o Dankbarkeit -> F höher
 Stärken und Lebenszufriedenheit (-> Folie)
 Stärken und Flow: Korrelation zwischen CS-Ausprägung und Ausmaß Flowerleben
(Peterson et al., 2006)
 Lebenslauf:
Mit fortschreitendem Alter deutlichere Ausprägung der Stärken generell, insbesondere aber
von Neugier, Fairness, Liebe zum Lernen, Vergebungsbereitschaft und Selbstregulation

Ruch 2012&2016

Partnerschaft am wenigsten variabel


Stärken und Lebenszufriedenheit (Ruch, 2014)
N = 15.588 m&f

Höchste Korrelationen:
Hoffnung & Enthusiasmus
Geringste: Bescheidenheit

Vorhersage der Lebenszufriedenheit (Ruch, 2014)


(ZSP Teilnehmer, Selbst- & Fremd)
Wie weit CS im Alltag angewendet

 Optimaler Einsatz von CS


scheinen sehr positiv zu sein
 Müsste erst überprüft werden
Zur Bedeutung der Berücksichtigung des Use

Stärken und Arbeitszufriedenheit im vgl. zur Lebenszufriedenheit (CH)


Anwendbarkeit der Stärken und positives Erleben am Arbeitsplatz (Harzer & Ruch,

Inwieweit Arbeiter
einschätzen, dass sie ihre
Stärken im Arbeitsalltag
einsetzen können

Hohe Anwendung korrelliert


mit positivem Erleben am
Arbeitsplatz

Selbst- und Fremdeinschätzung


gehen in gleiche Richtung

2013)

Charakterstärken in der Schule (Wagner & Ruch)


 Stichprobe:
o 382 Schüler der Sekundarstufe I (2 versch. Schulniveaus)
o 48,7%, 51,3% Mädchen
o Mittleres Alter = 14,13 Jahre
 Messinstrumente:
o Charakterstärken (VIA-Youth)
o Anwendbarkeit der Charakterstärken in der Schule
Verhalten in der Schule und Erwünschtheit in der Schule, zusammen mit Vorhandensein der
Charakterstärke ergibt sich daraus Anwendbarkeit
o Schulzufriedenheit
o Positiver und negativer Affekt in der Schule
o Positive Schulerfahrungen:
Pleasure, Engagement, Meaning, positive Beziehungen mit Lehrern und Mitschülern,
Errungenschaften in der Schule
o Schulnoten (Durchschnittsnote im Halbjahreszeugnis)
Anwendung von
Charakterstärken von Schülern
und Assoziation dieser mit
positiver und negativer
Affektivität in der Schule

Je mehr eingesetzt werden


konnten, desto positiver
CS, SS und Schulerleben (Wagner & Ruch, 2016)
 Positives Schulerleben scheint mit bestimmten CS enger zu korrelieren als mit anderen,
insbesondere:
Ausdauer, Liebe zum Lernen, Selbstregulation, Vorsicht, Urteilsvermögen, Teamwork, Fairness,
Enthusiasmus, Dankbarkeit, Hoffnung
 Allerdings erbringt die Möglichkeit die eigenen Signaturstärken in der Schule einsetzen zu
können, einen zusätzlichen inkrementellen Beitrag zur Schulzufriedenheit und zum positiven
Schulerleben
 Dabei zeigt sich sowohl ein linearer Bezug mit der Anzahl der einsetzbaren SS wie auch mit
der Art: Bestimmte SS
(z.B. Selbstregulation, Ausdauer, Liebe zum Lernen) erbringen höhere Zusammenhänge als andere
(z.B. Neugier, Hoffnung)

Stärken und Gesundheit (Blickhan, 2015)


 Erkennen eigener Stärken korreliert mit SWBF, Flow, Lebensenergie und (negativ) mit
Ängsten und Depressivität
 Somatische Gesundheit: höhere Korrelationen mit Freundlichkeit und Humor
 Psychische Gesundheit: höhere Korrelationen mit Sinn für das Schöne und Liebe zum Lernen
 Pufferfunktionen gegen Stress und Trauma für: Hoffnung, Freundlichkeit, soziale Intelligenz,
Selbstregulation, Urteilsvermögen
 Mut, Freundlichkeit und Humor assoziiert mit schnellerer Erholung von Krankheit
 Psychotherapeutische Integration von Stärken
 höhere Effekte als Treatment as usual (TAU)
 Nachweisliche Bezüge zu beruflichem und schulischem Erfolg
 Pufferung gegenüber Burnout
Was bringen Stärken? (Ruch, 2016)
 Stärken wirken auf „Erfüllungen“ im Leben
o Bestimmte Stärken korrelieren mit Lebenszufriedenheit
o Andere mit Arbeits-, Partnerschafts- oder Schulzufriedenheit
 Stärken sind trainierbar / veränderbar
 Erhöhte Anwendung / Training der Stärken (besonders der Signaturstärken) führt zu Anstieg
in positivem Erleben
 Hohe „Passung“ zwischen Stärken und Umgebung führt zu mehr positiven Erlebnissen in der
Schule und Arbeit
o Problemverhalten tritt oft auf bei geringem fit bzw. geringer Balance
 Stärken fördern ethisches Verhalten
Stärken-Interventionen
Interventionen zur Förderung von Charakter- und Signaturstärken
Überblick
 Unterschiedliche Ansätze und Vorgehensweisen
 Klassisch: (3-Schritt)
1. Kennenlernen der eigenen Stärken, insbesondere der Signaturstärken -> VIA-IS
a. Selbstbeurteilung mittels VIA-IS
b. Fremdbeurteilung durch Partner*in, Freunde, Familie (optional)
2. Analyse und Reflexion ihrer Anwendung bisher und im Alltag
3. „Setzen Sie Ihre Signaturstärken in Ihrem Alltag auf neue Weise ein“ – exercising
 Andere Varianten:
o Stärken-Tagebücher/Brief – welche Stärken am Tag wie oft eingesetzt
o Stärkenbeschreibung – intensiv in Situation hineinbegeben (beschreiben was getan, gefühlt etc.)
o Stärkenbrille – Neurahmen der eigenen Person/des Tages unter Stärkenblick
o Stärkenstammbaum – in Rückschau auf Herkunft, Familie mit diesen identifizieren
(welche familiäre Stärken)
o Reflected best Self
Präsentierte Stärkentrainings
 Klassisches Stärkentraining
o Peterson & Seligman (2004), Niemic (2017); Rashid (2015)
o Dreischritt
 Mindfulness based Strengths Practice (MBSP)
o Niemic & Lissing (2016)
 Zürcher Stärken-Programm (ZSP)
o Proyer, Ruch & Buschor, 2013
 Stärkencoaching (SSC) – Salzburg
o Wimmer, Wolfsgruber & Laireiter (2018)

Klassischer Dreischritt des Charakterstärkentrainings (Peterson & Seligman, 2004;


Niemic, 2017; Rashid, 2015)
Erkennen -> Erkunden -> Anwenden

The Aware-Explore-Apply Model (A-E-A)


Beispiel 1: PPT - Therapie
(Rashid & Seligman, 2013; Furchtlehner & Laireiter, 2013)

Beispiel 2: PPC (Feld & Rudy, 2018) - Coaching

Das Stärkengespräch
In einem Stärkengespräch spricht der Klient über seine Stärken und kann somit mit ihnen emotional
in Kontakt kommen. Fragen hierzu können sich auf die Vergangenheit, die Gegenwart oder die
Zukunft beziehen. Es müssen nicht alle Fragen gestellt werden, es ist auch möglich nur auf einen
Bereich zu fokussieren (z.B.: Vergangenheit)
 Vergangenheit
o Erzählen Sie über Verhaltensweisen oder Aktivitäten aus der Vergangenheit
o Worauf sind Sie stolz?
o Was haben Sie gern und gut gemacht?
 Gegenwart
o Was finden Sie derzeit spannend oder aufregend?
o Wofür setzen Sie sich ein, wo investieren Sie Zeit und Energie?
o Was gibt Ihnen Energie zurück?
 Nahe Zukunft (nächste Woche/Monat)
o Worauf freuen Sie sich in der nächsten Woche/Monat)
Profilblatt der CS

CS aktivieren und/oder neu einsetzen


 CS einsetzen, um …
o eine konkrete Herausforderung zu bewältigen
o ein Problem/Konflikt/Belastung zu lösen/bewältigen
o eine Aufgabe zu erfüllen
o den Alltag zu gestalten
 CS auf neue Weise oder verstärkt einsetzen
o „Stärkenerweiterung und –Intensivierung“
 Noch nicht genutzte Stärken aktivieren
o „Stärkenaktivierung“
Mindfulness-Based Strengths Practice (MBSP)
Core themes of the evidence-based, 8 weeks, manualized program:
1. Mindfulness & Autopilot
2. Signature strengths
3. Obstacles are opportunities
4. Mindfulness in everyday life
5. Valuing your relationships
6. The golden mean
7. Authenticity & Goodness
8. Your engagement with life
<--- Continuum of Awareness --->
Mindfulness Autopilot / mind wandering (mindlessness)
Here, now Then, later
Skillful responding Habitual reacting
Aware, present Monkey mind, distracted
Mode of being Mode of doing
Allowing / letting be Fighting the experience
Accepting / facing reality avoiding

Ways to integrate
 Strong Mindfulness
o CS  M
 Mindful Strengths Use
o M  CS

Strong Mindfulness Practice: Obstacle Management


 Choose 1 meditation obstacle
 Explore how each of your top 5-7 strengths can help you manage the obstacle
Mindful Strengths Use
 Combats strengths blindness
 Addresses context and balance
 Builds a virtuous circle
 Manages overuse
 Manages underuse
 Assists with positive reappraisal

Exercise: Authenticity and Goodness


 Speaker
o Share a situation in which you expressed who you are – your true self
OR
o Share a situation in which you expressed goodness to someone
 Listener
o Spot and label strengths you heard
o Offer a rationale for each strength
o Express appreciation (where appropriate)
Züricher-Stärken-Programm (10 Wochen Training)
Aufbau

Ablauf
 Jeweils 6 – 8 Sitzungen
 Gruppenformat mit 2 Trainer*innen
 Bearbeitung VIA-IS online -> Stärken- und Signaturstärken-Profil
 Strukturierter Trainingsablauf
o Psychoedukation - Wissensvermittlung
o Handouts – Klient*innen-Manuale
o Übungen/Rollenspiele in der Gruppe, z.B.
 Humorübungen
 Neugierparcours
 Austausch über Dankbarkeit im Alltag
 Kreativitätsübungen
o Hausaufgaben für zu Hause – Einsatz der Stärken im Alltag z.B.
 Neugiertag
 Dankbarkeitsbrief/-besuch
Ergebnisse

Stärkencoaching (SSC) - Salzburg (Wimmer, Wolfsgruber & Laireiter, 2018)


 3 Einheiten, á 150 Min. + Pause, 1 pro Woche
 Bearbeitung der drei Themen anhand Stärkenidentifikation
1. Gewahrwerden/Kennenlernen
-> „Stärkendetektiv“, me at my best
2. Explorieren, wie anwenden
-> Stärken achtsam einsetzen, die goldene Mitte (optimal use); Planung einer
Stärken-Woche (Hauptstärke) 3
3. Anwendung im Alltag/zur Bewältigung von Stress
-> Hauptstärken im Alltag optimal einsetzen; stärkenbezogene Stressbewältigung
 Manualisierte Intervention: Trainermanual, Klientenmanual
Ergebnisse

Effekte auf Depressivität, Glücksempfinden und Selbstmitgefühl


Ausmaß Stärkennutzung mediiert Effekte auf:
 Lebensqualität
 Stress
 Positiver Affekt

Keine Effekte bzgl.


 Flourishing
 Negativer Affekt

Stärkennutzung mediiert auch Effekte auf:

 Depressivität
 Glücksempfinden
 Selbstmitgefühl

Unoding-Effekt des Glücksempfindens auf


Depressivität

Kein derartiger Effekt für Selbstmitgefühl

C/S-Stärken-Intervention – Wirksamkeit allgemein


Effekte/Wirksamkeit
 Bisher sehr viele Studien zur Wirksamkeit von CS- und SSInterventionen
 Häufig hier auch Interventionen zum „Best possible Self“ abgehandelt, obwohl eigene
Intervention
 Verschiedene Reviews und Meta-Analysen
(Ghielen, Woerkom & Meyers, 2017; Gillham et al., 2011; Quinlan, Swain & VellaBrodrick, 2012; Schutte &
Malouff, 2018)
 Studienlage sehr heterogen hinsichtlich
o Untersuchte Stichproben und Kontext
(Arbeit, Schule, Jugendliche, Erwachsene, klinische Gruppen etc.)
o Art der Intervention und Interventions-Varianten
o CS- vs. SS-Interventionen - Interventionsdauer: 1 vs. mehrere Sitzungen (M=6.5)
o Setting (Einzel- vs. Gruppensetting)
o Einzel- vs. kombinierte Interventionen
o Designaspekte: Einarm, RCT, quasi-experimentell, WLK, AT
o Outcomes: Positive vs. Negative Indikatoren
Ergebnisse
 Quinlan et al. (2012) (Systematisches Review + MA):
o 8 Studien positive Outcomes: d= 0.28
o 8 Studien negative Indikatoren: d= 0.17
 Ghielen et al. (2017) (Quantitatives Review):
o 18 Studien: positive Ergebnisse hinsichtlich Wohlbefinden, beruflicher Erfolg, Arbeits-
Engagement, Flourishing, Klassen- und AG-Kohäsion
o Mediatoren: Hoffnung, positiver Affekt, authentischer Selbstausdruck, soziales
Selbstwertgefühl
o Moderatoren: Extraversion, Selbstkontrolle, Persistenz
 Schutte & Malouff (2019) (Meta-Analyse):
o 9 Studien positive Outcomes: g/d= 0.32
o 7 Studien Lebenszufriedenheit: g/d= 0.42
o 2 Studien Verwendung von SS: g/d= 0.55
o 7 Studien negative Indikatoren: g/d= 0.21
Fazit
 C-/S-Stärken-Interventionen scheinen kleine bis mittlere Effekte sowohl auf positive wie auch
negative Outcomes der Befindlichkeit zu haben
 Ihre Wirksamkeit wurde bislang in verschiedenen Gruppen untersucht - Altersgruppen:
Jugendliche, junge Erwachsene, ältere Menschen - Subklinisch und klinisch auffällige
Personen - Unauffällig
 Mittelstarke bis starke Effekte auch in Verbesserung des Stärkengebrauchs
 Mediationseffekte des Stärkengebrauchs auf Outcomes
 Häufig inkludiert in kombinierte Programme
 Weitere, groß angelegte Studien notwendig!

7. Dankbarkeit
7.1 Theoretisches
10 Gründe wofür du dankbar sein kannst:
 Du hast eine Familie und Freunde
 Erinnerungen an schöne Momente
 Vorfreude
 Erfahrungen… du hast dich weiterentwickelt
 Angelächelt werden und Umarmungen
 Essen und ein Dach über dem Kopf
 Gute Bücher
 Dein Lieblingssong
 Freudentränen
 Lieben und geliebt werden
Was dankbare Menschen glauben:
 Jeder neue Tag ist ein Geschenk
 Jeder ist gesegnet – nur jeder anders
 Jede Herausforderung ist auch eine Chance
 Fehler sind Teil des Lebens
 Man braucht viel weniger, um glücklich zu sein
 Vielen Menschen geht es schlechter als mir
 Das Leben selbst ist ein Geschenk
Dankbarkeit - Gratitude – Begriff
 Begriffliche Mehrfachverortung (hinsichtlich Generalität):
o „Positives Gefühl“ (Fredrickson, 2009)
o Positive Lebenseinstellung/Haltung (Wood et al., 2007, Emmons, 2002)
o Charakterstärke (Emmons & Crumpler, 2000) -> Tugend der Transzendenz
 Situationsabhängige Emotion
o persönliche Haltung/Einstellung/Stimmung („Lebenshaltung“)
o Persönlichkeitseigenschaft/Trait
 Assoziiert mit Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man
erhalten hat oder erhalten wird
 Emmons (2003): Dankbarkeit ist eine diskrete Emotion, assoziiert mit Staunen, Freude,
Wohlgefühl -> eher leise Erleben von positivem Gefühl
-> Well-being, im Gegensatz zu „expressiven Emotionen“, wie Freude, Wut, Angst
 Häufig auch als „soziale Emotion“ bezeichnet
 Wood, Joseph, & Linley (2007): Dankbarkeit ist die Mutter alle Tugenden
o Cicero: größte aller Tugenden und deren Mutter
Psychologische Konzeption
 Attributionstheoretische Formulierung
o Ich – Andere Relation (Situation/ Ereignis, Beziehung) – notwendig!
o Positive Zuwendung (Gabe, Geschenk, Unterstützung, Anerkennung, Lob etc.) und
positiver Effekt (Freude, Stolz, reflexive Emotion (sich … (z.B. geliebt, geschätzt …) fühlen)
o Attribution 1: Zuwendung wird als solche wahrgenommen und akzeptiert und der
positive Effekt ist gewünscht
o Attribution 2: Andere/r wird als Verursacher der positiven Zuwendung und Effekts
angesehen/anerkannt und
o Attribution 3: es wird der Gabe/ Hilfe etc. keine Reziprozität („Schuld“, Rückgabe,
Wiedergutmachung) zugeschrieben (geschuldet)
 Dankbarkeit (gratitude) (positive Emotion)
 ansonsten (Reziprozität): „Dankesschuld“ (indebtedness) (negative Emotion),
Vermeidungswunsch
Begriff
 Multiple Quellen von Dankbarkeit:
o Ereignis, Situation, Interaktion
o Personen, Gruppen (Familie), Organisationen
o Transzendente Personen (z.B. Gott, Heilige etc.)
-> „religiöses Gefühl“: A. Smith (1759): „ethisches Gefühl“
o Transzendenz (dankbar dem Sein gegenüber, der Existenz)
 Multiple wissenschaftliche Zugänge
o Theologie (Jüdische, christliche, buddhistische, muslimische und hinduistische Traditionen)
-> Dankbarkeit gegenüber Gott
o Philosophie (Moralphilosophie, Ethik)
o Psychologie -> erst durch Positive Psychologie
o Pädagogik -> Dankbarkeit als Erziehungsziel und -Methode (eng assoziiert mit Prosozialität)
 Multiple Effekte
 Systematische Anwendung
Messung von Dankbarkeit
 Gratitude Questionnaire (GQ6) (McCullough et al., 2002)
o 6 Items, 7-stufiges Rating:
 I have so much in life to be thankful for.
 If I had to list everything that I felt grateful for, it would be a very long list.
 When I look at the world, I don’t see much to be grateful for. (neg.)
 I am grateful to a wide variety of people.
 As I get older I find myself more able to appreciate the people, events, and situations
that have been part of my life history.
 Long amounts of time can go by before I feel grateful to something or someone.
(neg.)
o Gute bis sehr gute interne Konsistenz (α=.82-.95)
o Eindimensional
o Konvergente und Konstruktvalidität bestätigt

 Gratitude Resentment and Appreciation Test (GRAT) (Watkins et al., 2003)


o Erfassung von Trait-Gratitude:
Ausmaß wahrgenommener Dankbarkeit gegenüber Menschen, der Welt, der
Existenz und Fehlen von Unzufriedenheit, über das, was man nicht hat
o Langform: 44 Items
o Kurzform 16 Items; 9-Punkt-Rating Zustimmung
 I couldn't have gotten where I am today without the help of many people.
 Life has been good to me.
 Oftentimes I have been overwhelmed at the beauty of nature.
o Gute interne Konsistenz
o Langform: 6 Faktoren; Kurzform: 3 Faktoren
(Lack of a Sense of Deprivation, Würdigung, Würdigung anderer)
o Belege für Konstruktvalidität
Empirische Befunde
Zentrale Befunde
 In einem „normalen Leben“ erhalten wir weitaus mehr an Zuwendung und Güte als wir
geben (Bonhoefer & Watkins, 2013)
 Dankbarkeit hat starke positive Effekte auf ….
o den Empfänger der Zuwendung wie auch auf
o den Wohltäter und
o die Beziehung
 Größeres Interesse der Forschung an den Effekten für den Empfänger
 Zentrale Korrelate:
Wohlbefinden, subjektives Glückserleben, Flourishing, Lebenszufriedenheit
 Prospektive Studien zeigen, dass viele Zusammenhänge als Effekte von Dankbarkeit
interpretiert werden können,
z.B. Dankbarkeit
-> erhöht Wohlbefinden, führt zu besserem Umgang mit dem eigenen Selbst, mit anderen etc.

Dankbarkeit und Positivität


Menschen mit höherer Trait-Dankbarkeit…
 sind weniger häufig und weniger depressiv und erleben weniger Stress
 haben höheres subjektives Wohlbefinden
 erleben sich glücklicher
 haben eine höhere Lebenszufriedenheit
 sind mit ihren sozialen Beziehungen zufriedener
 erleben mehr Lebenssinn
 haben ein stärkeres Selbstwertgefühl
 erleben mehr Aufblühen und persönliches Wachstum
 erleben sich stärker unterstützt
 können mit Belastungen besser umgehen; besitzen adaptivere&effektivere Coping-Strategien
 sind optimistischer und blicken positiver in die Zukunft
Dankbarkeit und psychische Gesundheit
Menschen mit höherer Trait-Dankbarkeit…
 weisen eine höhere und bessere psychische Gesundheit auf
 sind weniger häufig und weniger depressiv
 haben weniger Anpassungsprobleme und - Störungen
 schlafen besser
 haben insgesamt positivere Gedanken & weniger negative Grundüberzeugungen und beliefs
Dankbarkeit steht in positiver Beziehung zu
 Altruismus und Hilfsbereitschaft
 Empathiefähigkeit
 Großzügigkeit

 Positiver Feedback-Kreislauf
7.2 Dankbarkeitsinterventionen
Dankbarkeits-Interventionen
 Die vielen positiven Effekte und Korrelate legen es nahe Dankbarkeit als psychologische
Ressource zu sehen und systematisch zu verbessern und zu entwickeln
 Dankbarkeitsinterventionen
 Sehr heterogene Ansätze
o Psychoedukation
o Lebensempfehlungen -> „Dankbarkeits-Tipps“
o Kognitive Interventionen
o Schreibinterventionen
o Soziale Interventionen
o Mehrdimensionale Interventionen
o Elektronische Interventionen -> Dankbarkeits-Apps
 Befunde zeigen, dass Dankbarkeit entwickelt & trainiert werden kann und zu multiplen
positiven Effekten führt
Dankbarkeits-Tipps
https://www.lernen.net/artikel/dankbarkeit-6-tipps-wiedankbarkeit-deine-lebensqualitaet-
verbessert-3053/:
 Mach Dankbarkeit zu deiner positiven Grundeinstellung -> Dankbarkeitshaltung
 Mut zur Veränderung: Erkenne, was dich unglücklich macht und ändere es
 Starte mit positiven Gedanken in den Tag und gehe mit ihnen schlafen
 Dankbarkeit: Schaffe positive Erinnerungen
 Schätze dein Leben: Dankbarkeit macht zufrieden und ausgeglichen
 Lerne, Dankbarkeit auszudrücken
Kognitive Interventionen
 Psychoedukation
o Informationen und Aufklärungen darüber, was Dankbarkeit ist und wie sie in das
soziale Leben eingebunden ist und was sie bewirkt
o Vermittlung von Skills
 Watkins et al. (2003)
o An Personen denken, denen man dankbar ist
o Mit Personen, denen man dankbar ist (in der Vorstellung) imaginäre Gespräche führen
o Dankbarkeit imaginär ausdrücken
o Sich vorstellen, dass man von anderen Dankbarkeit ausgedrückt bekommt
 Lyubomirsky, Tkach & Sheldon (2004)
o Einmal wöchentlich an Dinge denken, für die man dankbar ist
Schreibinterventionen /-übungen
Counting blessings
 Dankbarkeitslisten (Wood, Froh & Geraghty, 2010)
o Erstellen von Listen von Personen und Anführen, wofür man wem dankbar ist
o Anführen von Dingen, wofür man dankbar ist
o Über jemanden schreiben, dem man dankbar ist
 Dankbarkeitstagebücher (Emmons & McCullough, 2003; Lyubomirsky et al., 2005)
o Tägliche Aufzeichnungen von bis zu fünf Dingen, die einen dankbar gemacht haben
o Wöchentliche Aufzeichnung …
 Dankbarkeitsbriefe (Seligman et al., 2005)
o Verfassen eines Briefes an eine Person, der man dankbar ist und der man noch nicht
gedankt hat. Darin Ausdrücken der Dankbarkeit und beschreiben, warum man
dankbar ist
Soziale Interventionen
 Dankbarkeitsbesuche
o Aufsuchen einer Person, der man dankbar ist und (mit oder ohne Dankbarkeitsbrief)
Dankbarkeit ausdrücken
 Dankbarkeitsbrief vorlesen
 Über Dankbarkeit sprechen
 Dankbarkeitsgespräche
o Wiederholtes Ausdrücken der Dankbarkeit
o Dankbarkeit vertiefen
Mehrdimensionale Interventionen
 Dankbarkeits-Portfolios
o Kombination verschiedener Dankbarkeitsinterventionen
o Sammlung von Erinnerungen und Gegenständen, die an Dankbarkeitsepisoden,
positive Erfahrungen etc. erinnern -> Schaffung positiver Erinnerungen
 Kalender: Aufzeichnen positiver Erlebnisse
 Fotoalben
 Sprüche
 Literatur
 Planen von Erfahrungen, Ereignissen, Situationen, die dankbar machen
o Wiederkehrendes Ansehen und Pflege des Portfolios
Dankbarkeits-Apps
Elektronische Apps, die es ermöglichen Dankbarkeit
 zu sampeln
 Dankbarkeitserlebnisse zu speichern
 Dankbarkeitsinterventionen zu planen und durchzuführen (z.B. counting blessings)
Situation ist sehr unübersichtlich!
Outcomestudien
Studiensituation
 Relativ breite Studienlage, aktuell ca. 25-30 Studien incl. Studien zu Effekten der
Dankbarkeits-App
 Große Heterogenität
o Altersgruppen:
Kinder bis Erwachsene, meist College-Studenten
o Probleme:
„Gesunde“ vs. Auffälligkeiten/Störungen
o Störungsgruppen:
Depressive, neurologische Erkrankungen, Angststörungen, Körperunzufriedenheit,
Belastungsstörungen …
o D.-Interventionen (s.o.)
o Dauer:
Einmalig vs. wiederholt, 1 – 10 Wochen (Md=2.5 Wo)
o Design:
Ein- vs. Mehrgruppen-Designs
o Vergleichsgruppen
 Warteliste/n / Keine Intervention
 Alternative Aufzeichnungen: z.B. Belastungen, geplante Dinge, frühe
Erinnerungen, typischer Tag, Wohnzimmer
 Alternative Interventionen: z.B. Erfassung automatischer Gedanken;
Sorgentagebücher, Problemlösen; Glückstagebücher, Stärkenübungen
o Outcomes:
Dankbarkeit, Well-being, Depressivität, LQ etc
Wirksamkeit und Effekte
Relativ einheitliche Ergebnislage:
 D. vs. WL/keine Intervention: mittlere bis große ES
 D. vs. alternative negative Intervention; sehr große ES
 D. vs. alternative Treatments: kleine ES, jedoch nie unterlegen
 D.-Intervention:
o Geringere Abbruchraten
o Höhere Durchführungsmotivation
o Häufig Anhalten nach Beendigung der Studie
o Größere Zufriedenheit mit der Intervention
 Stabilität der Effekte bis zu 6 Mo nachgewiesen
 Dauer der Intervention scheint nur geringen Effekt zu haben
 Moderatorvariablen: Passung, Zufriedenheit, Ausgangswert, Geschlecht
 Mediation von Anstieg D. auf Verbesserung SWB (Emmons & McCullough, 2003)
Mögliche Wirkfaktoren (Wood et al., 2010)
 Direkte Effekthypothesen:
o D.-Erfahrungen steigern positive Emotionen (z.B. Freude, Glücksempfinden etc.) direkt
o Broaden- und Build-Effekte:
D. erweitert Handlungsrepertoire und verstärkt Ressourcen, insbesondere soziale
 Mediator-Hypothesen:
o Undoing-Hypothese:
D. -> positive Affekte -> Reduktion negativer Affekte, wie Angst, Depression etc.
o Coping-Hypothese:
D.-Erleben fördert Copingfähigkeit -> bessere Bewältigung von Belastungen ->
höheres SWB
o Kognitive Schema-Hypothese:
D.-Erleben -> positive Erwartungen, Positivität -> höheres SWB
 Empirische Evidenz für verschiedene Hypothesen noch relativ spärlich, aber gegeben
 mehrdimensionale Wirkpfade

8. Vergeben und Verzeihen (engl. Forgiving, forgiveness, condonation)


8.1 Theorie
Begriff(e)
 Synonyme:
Verzeihen/Verzeihung, Begnadigung, Entschuldigung, Versöhnung, manchmal auch Nachsicht
 Generell: Annehmen von bekundeter Reue sowie das Vergeben einer fremden Schuld
 Gegenteil:
Rache, Vergeltung, Auge um Auge, Hass, Verbitterung etc.
 Begriff/Konzept der Theologie, Philosophie, Gesellschaftstheorie, Psychologie, Jurisprudenz,
Pädagogik etc.
 In der Psychologie insbesondere im Kontext der Sozialpsychologie (interpersonale
Vergebung), Positiven Psychologie, der Gesundheitspsychologie und der Klinischen
Psychologie behandelt
Vergebung in Religionen
 Christentum:
o Zentrales Element der christlichen Religion: Gott ist gerecht und vergebend
o Abgrenzung von der jüdischen Religion -> strenger Gott
 Vergebung von Sünden und der Sündenschuld des Menschen
 Generelle Vergebung durch Jesus Christus, Gottes Sohn und seinen Kreuzestod
o Spezifische Rituale der Vergebung:
Beichte, Gebet, spezifische Tätigkeiten
z.B. Wallfahrt, Versöhnungsarbeit, Reinigungsrituale wie Taufe etc.
 Naturreligionen:
o Annahme von Göttin(nen) der Vergebung
o Geistige Reinigung
o Integriert in soziale Rituale und Versöhnungszeremonien
o Gegenseitiges Versöhnen und Bereuen
Begriff – psychologisch
 „Verzeihen ist ein inter- und intrapersonaler Prozess, der sich in einer prosozialen
Veränderung von Affekt, Kognition und Verhalten gegenüber einem Schadensverursacher
äußert. Verzeihen ist intentional, bedingungslos, nicht notwendig und geschieht nur in dem
Bewusstsein, dass der Täter verantwortlich ist“ (Schwennen, 2008, S.151)
 Durch Vergebung verzichtet eine Person „… auf den Schuldvorwurf und auf ihren Anspruch
der Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts, ohne die erlittene Verletzung zu relativieren
oder zu vergessen. Vergebung ist ein vorwiegend intrapsychischer Prozess, der unabhängig
von Einsicht und Reue des Täters vollzogen werden kann“ (Enright, 2006, S. 12)
 Durch Vergebung befreit sich die verletzte Person aus der Opferrolle. Sie ist nicht mehr
nachtragend. Die Tat kann nicht ungeschehen gemacht werden; aber die verletzte Person
kann besser mit den Folgen leben. Wer vergibt, handelt ähnlich einem Gläubiger, der einem
zahlungsunfähigen Schuldner die Schuld erlässt. Vergeben wird nicht die Tat, sondern
vergeben wird dem Täter (Müller-Lissner, 2011, S. 43)
 Nach Enright (2006) verändert das Opfer seine Beziehung zum Täter in Richtung Wohlwollen
und Mitgefühl – auch in persönlichem Kontakt. „Das oberste Ziel des Vergebungsprozesses
besteht darin, dass der Vergebende für den Täter positive Gefühle und Gedanken übrig hat“
(ebda., S. 30)

Bedingungen und Komponenten


 Bestehende Beziehung (A, B)
 (Intentionales) Verhalten von Person A oder eine Unterlassung bewirkt bei Person B negative
Konsequenzen, z.B.
o Kränkung, Schädigung, Verletzung, Beleidigung, Benachteiligung, Verlust, Leiden
-> Opfer der Handlung von A
o A = Täter: trifft Schuldvorwurf:
Schuld auf sich geladen, moralischer/ethischer/ juristischer Tatbestand
o Person in Opferposition (B) besitzt das Recht, Ausgleich, Wiedergutmachung,
Entschuldigung etc. zu erhalten und dass der Täter ggf. auch bestraft wird
o Ausgleich durch vielfältige soziale Normen und Regeln geregelt
 Täter setzt Verhaltensweisen, die es Opfer ermöglichen -> „korrektive Handlungen“
(= korrektiver Austausch, Goffman)
o das Verhalten des Täters zu verstehen -> Empathie
o sich entschädigt, in seiner Betroffenheit gesehen, gesühnt etc. zu fühlen etc.
Verletzungen, Schädigungen
 Alltagssituationen
o Kritik, rüdes Verhalten,
o Vergessen einer Vereinbarung, Unaufmerksamkeit, Nichtbeachtung
o Grenzüberschreitungen, Distanzlosigkeit
o Unrecht erleben
 (Lebens-)Ereignisse
o Fremdgehen, Affäre
o Trennung, Scheidung, Beziehungsabbruch
o Diebstahl
 Traumatische Ereignisse / Traumatisierungen
o Vergewaltigung
o (körperliche) Gewaltanwendung
Fehlender „korrektiver Austausch“
 Häufigste Situation nach Kränkung/Schädigung
 Opfer ist Situation und deren Konsequenzen allein ohne „korrektive Handlungen“ des Täters
ausgeliefert
-> individuelle Versuche der Bewältigung nötig
 Häufigste unmittelbare Konsequenzen:
Wut, Angst, Ärger, Grübeln, Scham, Trauer etc.
 Bei ineffektiver Bewältigung
o Anstieg/Intensivierung der Emotionen
o Innerer / sozialer Rückzug
o Grübelprozesse
o Intrusionen und Vermeidungsverhalten
o Enright: 4 Mauern der Nichtvergebung:
Unversöhnlichkeit, Bitterkeit, Ressentiments und Wut
o Linden: Verbitterung und Verbitterungsstörung
o Chronifizierung
o „pathologische“ Fixierung an Täter
Wade, Cornish & Tucker (2013)
2 Wege des Umgangs:
 Self-protective
 Self-Deprecating

Vergebung
 einzige Option der Bewältigung von Schädigungen und Verletzungen,
 bei denen der korrektive Austausch unterblieben ist, d.h. der Täter keine korrektiven
Handlungen gesetzt hat
 und sich negative Prozesse bestehend aus
o negativen Emotionen (Wut, Hass, Kränkungen),
o Verbitterung und
o Isolation, Vermeidung und Fixierung an den Täter ergeben haben
 Bei starker/intensiver Ausprägung professionelle Unterstützung sinnvoll bis notwendig
Psychologie der Vergebung
 Foci:
Täter, Opfer, Opfer=Täter (Selbst)
 Perspektiven:
o Externe/soziale P.:
Vergebung als sozialer Akt, realer Akt; soziale Interaktion
-> Verzeihung und Versöhnung
o Interne/individuelle P.:
Vergebung als innerer, persönlicher Prozess; individuelles Geschehen
o Subjektive P.: Opfer = Täter
man verzeiht/vergibt sich selbst, was man sich angetan hat
o Seltener:
 Physische P.:
Vergeben der Konsequenzen einer Naturkatastrophe
 Transzendente/religiöse P.:
Vergeben und Annehmen von „Prüfungen“ Gottes
 Psychologie betont stärker die individuelle und die subjektive Perspektive
o Vergebung als innerpsychischer, individueller Prozess
o Vergebung als Prozess mit und für sich selbst
 Allerdings externe soziale Perspektive ebenfalls wichtig
o Reale Aussöhnung/Verzeihung zwischen Opfer und Täter
o Vergebung als interpersonaler Prozess,
z.B. in Familien, Partnerschaften, Kriminalpsychologie (Opfer-Täter-Ausgleich -> ATA)
o Vergebung in Gruppen, Organisationen und Gesellschaften
->Rituale der Entschuldigung und Versöhnung, z.B. Deutschland ->Juden
 Zentrale Merkmale: Vergebung …
o bezieht sich auf einen Täter und seine Tat
o ist ein Prozess, der verschiedene Komponenten umfasst
o beinhaltet eine individuelle Entscheidung des Opfers dazu
o ist/beinhaltet Aufwand und Anstrengung (effort, Arbeit)
o kann als emotionsorientiertes Coping verstanden werden (Lazarus)
o =/= Versöhnung
Vergebung ist nicht …
 Vergessen − Verletzung wird nicht mehr erinnert
 Nachsicht − Verantwortlichkeit des Täters wird relativiert
 Akzeptanz − Verletzung bzw. deren Folgen werden akzeptiert
 Billigung − Person in Opferposition äußert Zustimmung oder Einwilligung
 Begnadigung − vorgesehene/angedachte Strafe wird dem Täter erlassen
 Verleugnung − Unvermögen / mangelnder Wille, eine Verletzung als solche wahrzunehmen.
 Rechtfertigung − verletzende Handlung wird im Nachhinein durch Argumente gerechtfertigt
 Versöhnung
Vergebung vs. Versöhnung
 Versöhnung = mehr als Verzeihung
o Beide Seiten beschließen unbelastet von der Verletzung die vorbestehende
Beziehung fortsetzen zu wollen (Enright, 2006)
o Rückkehr zur „Baseline“, Wiederannäherung, Erneuerung gegenseitigen Vertrauens
o Versöhnung nur möglich, wenn Täter Reue zeigt und Wiedergutmachung leistet
o Opfer muss strukturell dazu in der Lage und bereit sein, Reue und
Wiedergutmachung anzunehmen
 Nichtversöhnung = i.d.R. Beziehungsabbruch, aber kein Nachtragen
Prozessmodelle des Vergebens
Schwennen (2008):
 Basis: Bereitschaft/Wunsch sich von den negativen Emotionen der Verletzung/Schädigung
trennen zu wollen
 Übertragung von Empathie und Perspektivenübernahme an den Täter und seine Situation
 Auseinandersetzung mit den eigenen negativen Emotionen & Konsequenzen der Kränkung
 Erreichung innerer Distanz zur eigenen Betroffenheit
-> Selbstrelativierung, Selbstdistanz
 Vergebung als Prozess
Enright (2006): 20 Wegweiser zur Vergebung -> 4 Gruppen
1. Die eigene Wut und Verletzung erkennen und akzeptieren
2. Sich zur Vergebung entschließen
3. Am Vergebungsprozess arbeiten
4. Erkenntnis und Befreiung aus dem Gefängnis der 4 Wände
Förderliche Bedingungen
 Metaanalysen von Fehr, Gelfand & Nag (2010) & Riek und Mania (2011)
 Vergebung als state und trait
(Vergebungsbereitschaft) für Täter positiv assoziiert (r ≥ .30) mit:
o Empathie für den Täter,
o geringer dem Täter zugeschriebener Absicht,
o geringer auf den Täter bezogener Wut,
o Bitte des Täters um Entschuldigung,
o geringer dem Täter zugeschriebener Verantwortung,
o sonst zufriedenstellende Beziehung zum Täter,
o geringem Ausmaß an Grübeln
o geringe Verbitterung
Vergebung und Wohlbefinden/ Gesundheit (Fehr et al., 2010)
 Vergebung als State assoziiert mit …
o vermindertem negativen Affekt (z. B. Wut, Verbitterung, r = −.47)
o erhöhtem positiven Affekt (z. B. Mitgefühl, Wohlwollen, r = .32).
o reduzierter Depression, weniger Angst, weniger Stress (r ≤ .30)
o höherer Lebenszufriedenheit (r ≤ .30)
o erhöhter Bereitschaft sich mit Täter zu versöhnen und Beziehung fortzusetzen
o mehr wahrgenommener Unterstützung
 Auch mit Verbesserungen im psycho-physiologischen Funktionieren assoziiert,
(Waltman et al., 2009)

8.2 Vergebungsinterventionen
Forgiveness-Interventionen
 Individuelle vs. Beziehungsbezogene Interventionen
o Arbeit mit Einzelpersonen vs. Paaren und Familien
 Einzel- vs. Gruppeninterventionen
 Klientengruppen
o Verschiedene Formen interpersonaler Traumata
o Leichtere Verletzungen/Schädigungen
o Personen mit Verbitterungsstörungen
o Personen mit psychischen Störungen&chronifizierten negativen Bewältigungsformen
 3 zentrale Modelle:
o Modell von Enright et al. (1999; 2001, 2006)
o Modell von Worthington (2001)
o Modell von Wade und Worthington (2005)
Modelle
 Enright (2006):
o Entscheidung zur Vergebung
o Bearbeitung von Wut und anderen negativen Effekten der Kränkung
o Verständnis und Empathie für den Täter
o Erleben (unerwarteter) positiver Affekte
 Wade & Worthington (2005)
o Bearbeitung der Verletzung und der assoziierten Emotionen
o Entwicklung von Verständnis und Empathie für den Täter
o Entwicklung von Vergebung und Unterstützung beim Vergebungsprozess
Das REACH-Ritual – Worthington (2001)
 Recall:
Schmerz so sachlich wie möglich ins Gedächtnis zurückrufen
 Empathie:
Versuchen Sie die Situation aus dem Blickwinkel des Täters zu verstehen; denken Sie an eine
plausible Geschichte
 Altruistisches Geschenk der Vergebung:
Denken Sie an eine Situation, in der Ihnen verziehen wurde und spüren Sie der Dankbarkeit
nach, die Sie damals erlebt haben
 Commit:
Legen Sie sich fest, indem Sie öffentlich vergeben; schreiben Sie ein „Zertifikat der
Vergebung“ oder einen Verzeihensbrief -> vertragsartige Verbindlichkeit
 Hold in to forgiveness: (Interventionen führen einmalig nicht zum gewünschten Effekt!)
Vergebung heißt nicht Auslöschung der Erinnerung, sondern Umetikettierung
Wirksamkeit/Effekte
 Wirksamkeit bis jetzt in verschiedenen Studien und Meta-Analysen untersucht, z.B.: …
Lundahl, Taylor & Stevenson (2008): 14 Studien
Teilnehmer von Vergebungsinterventionen im Vergleich zu keiner Intervention:
 höheres Ausmaß an Vergebung (d=0.82)
 weniger negativer Affekt
(depressive Symptome, Angst, Wut, wahrgenommener Stress, Kummer) (d=0.54)
 Zunahme an positivem Affekt ‚
(Hoffnung, Optimismus, positive Emotionen) (d=0.81)
 höhere Selbstwertschätzung (d=0.60)
 tendenziell positive Änderung der Beziehung zum Täter (d=0.25-0.30)
 Stabilität der Effekte über Follow-up-Perioden (bis 1 Jahr)
 Einzelinterventionen effektiver als Gruppeninterventionen
 Interventionen nach Enright effektiver als andere
Meta-Analyse Wade et al. (2014)
 57 Studien
 Einzel-, Gruppen- und Paar-Interventionen
 Vergleichbare Effekte zu Lundahl et al. (2008)
o Vergebungsinterventionen wirksamer als keine oder alternative Interventionen
(z.B. KVT; Skillstraining)
 Zunahme an Vergebung
 Zunahme positiver Affekte und Wohlbefinden
 Reduktion negativer Affekte und Symptome
 Moderatoren (stärkere Effekte):
o Dauer der Intervention
o Schwere der Verletzung
o Einzelintervention ≥ Gruppe

8.3 Verbitterung
Verbitterung – Embitterment
 menschliche (Grund-)Emotion (nach Linden)
 reaktive Emotion auf Ungerechtigkeit, Kränkung, Scheitern, Herabwürdigung, Schädigung
oder Vertrauensbruch
 assoziiert mit Schmerz, Frustration, Trauer, Wut
 Erlebt als „nagend“ und einschneidend, verletzend
 Verlauf: anhaltend bis „wellenförmig“ (Auslöser)
 Dauer: Spontanremission bis Chronifizierung
 Determinanten der Dauer:
o Intensität des Ereignisses
o Mehrfache Ereignisse
o Wiederholte Triggerung -> längere Dauer
o Personmerkmale (z.B. Kränkbarkeit, Narzissmus)
o Beziehungsmerkmale (zur kränkenden Person)
 Konsequenzen: - Verbitterungsstörung, Racheakte, Zerstörung, Mord etc.
Berner Verbitterungs-Inventar
 18 Items
 4 Skalen
o Emotionale Verbitterung
o Leistungsbezogene Verbitterung
o Pessimismus/Hoffnungslosigkeit
o Menschenverachtung
 Empirisch fundiert
 Normiert
 Interne Konsistenz: α = .65 - .89
Verbitterungsstörung (Linden, 2008) - PTED
 subjektiv außergewöhnliches, schweres Ereignis einer Kränkung, Verletzung, Ungerechtigkeit,
Enttäuschung, Scheitern etc. (objektiv oft alltäglich)
 Unmittelbare Reaktionen: Verbitterung, Trauer, Wut, Hilflosigkeit (i.d.R. Gefühlsmix),
 Symptome:
o sich aufdrängende Erinnerungen, dysphorische Herabgestimmtheit,
Antriebsreduktion oder -blockade,
o phobische Vermeidung von ereignisbezogenen Orten und Personen,
o Rachephantasien und aggressive Gefühle gegenüber dem Aggressor,
o querulatorische Hartnäckigkeit im Kampf um Wiederherstellung von Gerechtigkeit,
o Lebensüberdruss bis hin zu Phantasien eines erweiterten Suizids
 Einschränkung der Ausübung täglicher Aktivitäten und Aufgaben
 Vor Ereignis keine Hinweise auf vergleichbare Probleme/Störungen
 Symptomatik wird nicht besser durch andere Ereignisse oder durch organische oder
substanzbezogene Faktoren erklärt
 Dauer der Symptomatik: anhaltend seit mind. 6 Monate
 Verlauf: anhaltend bis anschwellend
 Prävalenz (Linden et al., 2008): 2-3% Bevölkerung (höher in klinischen & forensischen Gruppen)
 Ätiologie (Linden, 2007):
o Auslöser:
Zer-/Störung basaler Grundannahmen an eine „gerechte Welt“ durch Ereignis
o Erleben als Aggression
o Wirksame Verteidigung/Abwendung ist nicht möglich
o Nach innen Wendung, stabil internale globale Attribution
o Rumination, Hilflosigkeit, Resignation, Aggressivität
Psychopathologische Merkmale (Linden, 2008)
 Beteiligte psychopathologische Mechanismen:
o Hass, Aggressivität, Resignation, Rachegefühle Selbstverachtung & Selbstzerstörung
o Gereiztheit, Depressivität, Flashbacks, ausgeprägte Rumination
o Massive Beeinträchtigungen im Alltagsleben und Alltagsfunktionieren
o Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten von Menschen, Orten, Situationen etc., die an
das negative Erlebnis erinnern,
 Verwandtschaft/Ähnlichkeit mit PTBS, Unterschiede
o PTBS: Erleben/-leiden lebensbedrohlicher Ereignisse
-> (Todes)Angst
o PTVS: Erleben/-leiden massiv kränkender Ereignisse
-> intensive Verletzung, Kränkung, Enttäuschung

Behandlung/Therapie
 Vergebungstherapie (Enright, Wade, Worthington)
 Weisheitstherapie (Linden, Maercker)
 Weisheit:
o Fähigkeit zur Lösung unlösbarer Probleme
o Umgang mit schwierigen und unauflösbaren Lebensfragen (Dilemmata)
o Fähigkeit zur Klärung von Problemen und Lebenssituationen, die man nicht aus der
Welt schaffen kann
o Beispiele:
 Wie reagiere ich auf die Untreue meines/r Partner*in
 Gehe ich arbeiten oder bleibe ich bei meinem kranken Kind?
 Weisheitskompetenzen: Baumann & Linden (2008) / Baumann et al. (2009): 13
o Blick auf die Welt
1. Fakten- und Problemlösewissen
2. Kontextualismus
3. Wertrelativismus
o Blick auf andere Menschen
4. Perspektivenwechsel
5. Empathie
o Blick auf die eigene Person
6. Problem- und Anspruchsrelativierung
7. Selbstrelativierung
8. Selbstdistanz
o Blick auf das eigene Erleben
9. Emotionswahrnehmung und -akzeptanz
10. Emotionale Serenität und Humor
o Blick auf die Zeit
11. Ungewissheitstoleranz
12. Nachhaltigkeit
13. Vergebung und Vergangenheitsdistanz
Hohe Weisheit geht einher mit
 Besserer Distanzierungsfähigkeit von belastenden Ereignissen
 Bessere Akzeptanz, dass vor allem die eigene Reaktion das Wohlbefinden beeinflusst
 Bessere Fähigkeit Lebenserfahrungen auf neue Situationen übertragen zu können
 Bessere Befassung mit dem Wohlbefinden von anderen
 Weniger Verharren in Erinnerung an unangenehme Ereignisse
 Größerem Einfluss auf die Lebenszufriedenheit im Alter als z.B. Gesundheit,
sozioökonomischer Status, finanzielle Situation, Umwelt und soziales Engagement
Behandlung
 Indikation:
o schwere Kränkungen
o Scheitern, Mobbing mit Verbitterungsverhalten
o „Kränkungsdepression“
 Training von Weisheit und Weisheitskompetenzen
 Kognitiver Ansatz
 Modulartig aufgebaut
 Partiell manualisiert
Therapierational
 Es gibt keine einfache Lösung
 Dinge sind nicht ungeschehen zu machen
 Gute Ratschläge helfen nichts
 Es geht nicht darum, doch eine „Lösung“ zu finden
Es geht darum Fähigkeiten zu vermitteln oder zu stärken, wie man mit Schicksalsschlägen so umgeht,
dass man daran wachsen kann, anstatt zu zerbrechen
Therapieschritte
 Schritt 1
o Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung
o Analyse und Exploration des kritischen Lebensereignisses
o Förderung von Änderungsmotivation
 Schritt 2
o „Weisheitstraining“
 Schritt 3
o Abbau von Rückzugs- und Meidungsverhalten
o Exposition
o Aufbau neuer Perspektiven
„Weisheitstraining“
 Kernstück der Behandlung
 Training komplexer Problemlösekompetenzen
 Dazu Förderung und Aktivierung „reifen“, weisen Denkens
Keine „Lebensberatung“ und „Konfliktlösung“, sondern Förderung psychologischer Kompetenzen
zum Umgang mit schwerwiegenden kritischen Lebensereignissen
„Methode der unlösbaren Probleme“
 Geleitetes Reflektieren über fiktive Beispielprobleme mit „Dilemmacharakter“
 Vermittlung & Training von weisheitsaktivierenden Problemlösestrategien
 Einübung von Strategien vor allem zur inneren Distanzierung, zum Perspektivenwechsel, zur
Empathieentwicklung, zum Wertrelativismus und zur Flexibilität bei der Betrachtung von
komplexen Problemen
 Zunächst Vorgabe von komplexen fiktiven Lebensproblemen für den Übungsprozess
 Dann erst Reflexion und Transfer der Bewältigungsstrategien auf das eigene Problem
Wirksamkeit von Weisheitstherapie (noch nicht sehr umfassend erforscht)

9. Flow
Begriff
 Engl.: Fließen, Rinnen Strömen
o Entrücktsein vom Tagesgeschehen
o Aufgehen in der momentanen Tätigkeit
o Zustand eines beglückenden Unendlichkeitsgefühls
o Völliges Eins-sein mit sich selbst und der Welt

 Mihály Csíkszentmihályi
o beglückend erlebtes Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung
(Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie
von selbst vor sich geht
o Schaffens-, Tätigkeitsrausch oder Funktionslust

Merkmale
 Positive Gestimmtheit
o Intensives, positives/beglückendes Erleben
o „Dinge“ gehen wie von selbst
o Erleben von Erfülltheit und erfüllt sein
 Verlust von Raum- und Zeiterleben
 Tätigkeit wird der Tätigkeit wegen ausgeführt – kein Zwang
 Intra- und Interindividuelle Schwankungen
 Fließender Übergang zu „Ekstase“
 „Positive Sucht“ -> Hochmotivation
 In allen Lebensaltern vorfindbar
 Spiel des Kindes als Ausgangspunkt und Prototyp
o Im Spiel aufgehen
o Im Spiel die/das gespielte Person/Ding sein
 Dem Glücklichen schlägt keine Stunde
Facetten des Flow-Erlebens (Blickhan, 2015, S. 198f.)
 Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein
 Fokussierung der Aufmerksamkeit
 Selbstvergessenheit
 Gefühl der Kontrolle
 Eindeutige Handlungsanforderungen
 Autotelische Erfahrung
o Selbstbestimmtheitserfahrungen
o intrinsische Motiviertheit
 Verändertes Zeiterleben
 Micro- vs. Deep Flow
 Flow kann Persönlichkeitsmerkmal werden
Anwendungen
 Arbeit und Arbeitspsychologie
 Tätigkeitspsychologie
 Erstellen/Entwickeln von Bedingungen für zufriedenstellende/befriedigende Aktivitäten
 Selbstverwirklichung und personal Growth
 Bis jetzt erst wenig in Trainings integriert
 Arbeit an „Flowbedingungen“, weniger an Flow selbst
 Zusammenhang mit Stärkenanwendungen
 Eher mehr: Bedingungen eines glücklischen/erfolgreichen Lebens

10. Achtsamkeit
Begriff (Kabat-Zinn, 1990)
Achtsamkeit / Mindfulness is the …
 moment by moment awareness,
 the non-judgemental observation of the ongoing stream of internal and external stimuli as
they arise
 on purpose
 by not judging our experience we are more likely to see it as it is

Achtsame Haltung
 Fokussierung auf das, was existiert oder im Moment geschieht
 Wertfreie Wahrnehmung oder Beobachtung
 Absichtsloses Gewahrsein
 Akzeptierende Haltung
 Entspannte Aufmerksamkeit
Komponenten einer achtsamen Lebenshaltung

Methoden des Erwerbs


 Achtsamkeitsmeditationen
o Vipassana-Meditation
o Metta-Meditation
 Achtsamkeitspraktiken und –Trainings
o MB-Aktivitäten (MBSR, MBCT)
 Vipassana ist:
o eine Technik, die das Leiden von der Wurzel her auflöst durch Befreiung von den drei
Ursachen allen Unglücklichseins: Verlangen, Aversion und Unwissenheit
o eine Methode der geistigen Läuterung, die es einem ermöglicht, allen Spannungen
und Problemen des Lebens ruhig und ausgeglichen zu begegnen
o eine Kunst der Lebensführung, die einem hilft, konstruktive Beiträge zur Gesellschaft
zu leisten
Vipassana
 Erlernte Technik des Meditierens und kontinuierliche Praxis
 Basierend auf einigen wenigen Grundregeln und einigen wenigen praktischen Methoden
 Vermittelt in 10-Tages-Kursen
 Grundregeln: Verpflichtung während Kurs …
o kein lebendes Wesen zu töten;
o nicht zu stehlen;
o sich jeglicher sexueller Aktivitäten zu enthalten;
o nicht zu lügen;
o keine Rauschmittel irgendwelcher Art (einschließlich Tabak und Alkohol) zu sich zu
nehmen.
 Erfahrene Kursteilnehmer/innen
o keine Nahrung nach 12 Uhr mittags;
o Verzicht auf sinnliche Vergnügungen und Körperschmückungen
o nicht in übertrieben weichen oder luxuriösen Betten zu schlafen
 Inhalte der Kurse
o Sorgfältiges und ernsthaftes Arbeiten und Üben
o Beruhigung des Geistes durch Verpflichtung die Grundregeln einzuhalten
o Entwicklung von Herrschaft über den Geist durch Erlernen der Technik und Haltung
der Achtsamkeit
o Erlernen der Technik und Haltung der liebenden Güte durch Metta-Meditation
Achtsamkeitsmeditation
 Meditative Sitzhaltung
 Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Hereinströmen und Herausfließen des Atems am
Eingang der Nasenlöcher
 Bewusstwerdung der Realität des natürlichen, sich fortwährend verändernden Atemflusses
o Oft auch Heben und Senken des Bauches
 Beobachtung der Empfindungen des Körpers ohne darauf zu reagieren mit achtsamer
Rückkehr zur Aufgabe der Beobachtung des Atemstromes
Achtsamkeitstraining – MBSR

Effekte des MBSR


 Zunahme von Entspannungsfähigkeit
 Reduktion von körperlichen und psychischen Stress-Symptomen
 Zunahme effektiverer Stressbewältigung
 Zunahme an Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz Alarmreaktion
 Zunahme von Selbstwirksamkeit und Kontrolle
 Mehr Lebensfreude und Vitalität
 Verbesserter Zugang zu emotionalem Erleben
 Verbesserte Emotionsregulation
 Verbesserte Achtsamkeit und besserer Hier- und Jetzt-Bezug
 Verbesserte Abgrenzungsfähigkeit
Reviews von Baer (2003); Bishop (2002); Grossmann et al. (2004)

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