Positive Psychologie
Positive Psychologie
Zentrale Merkmale
Primäre Dialektik
Grundlagen- und Angewandte Wissenschaft
Positive Psychologie als Forschungsprogramm
o Positiv-psychologische Forschung
o Positiv-psychologische Theorien/Modelle
Positive Psychologie als Intervention -> PPI
o Gesundheitspsychologie
o Klinische Psychologie
o Beratung / Lebensberatung
o Coaching
Gegenwärtig starkes Ringen um Einheit
Versuche Spaltung (wie in KLIPS) zu verhindern (Lopez & Gallagher, 2009)
Systembereiche
Individuen/Einzelpersonen
o Gelingendes Leben von Einzelnen
Gruppen und Systeme
o Gelingendes Leben von Paaren, Familien, Gruppen, Beziehungen
Organisationen und Institutionen
o Positive Schule
o Positive Arbeit, Firmen,
o Positive Universität
Themen & Konzepte der PP
− Subjektives Wohlbefinden und Glück
− Werte, Motivation und Grundbedürfnisse − Dankbarkeit
− Positive Emotionen − Verzeihen und Vergeben
− Flourishing - Positive (psychische) Gesundheit und − Resilienz, posttraumatisches Wachstum, positive Entwicklung und
psychologisches Wohlbefinden positives Altern
− (Charakter)Stärken − Weisheit und Authentizität
− (Lebens)Ziele und positive Zukunft − Exzellenz, Ästhetik, Kreativität
− Sinn, Lebensqualität und (Lebens)zufriedenheit − Religion, Spiritualität
− Selbstwert und Selbstmitgefühl − Positive Institutionen und Einrichtungen
− Aktivität, Engagement & Flow − Positive Gemeinden und Kommunen
− Positive Gesundheit: Körper, Bewegung, Ernährung − Positive Kulturen
− Achtsamkeit − Positiv Psychologische Interventionen
− Optimismus, Hoffnung und Zuversicht − Positive Klinische Psychologie
− Positive soziale Beziehungen – Liebe, Partnerschaft − Positive Psychotherapie
und positive Familien − Positive Psychologie 2.0
− Positive (soziale) Kommunikation
− EmpathieBereiche
und Mitgefühlder Positiven Psychologie
(compassion) (Auhagen, 2012)
Positivität als wissenschaftliches Thema - Metaebene
Wohlbefinden und Lebensqualität/-zufriedenheit
Positive Emotionen / Positivität
Menschliche Stärken und Tugenden / Charakterstärken
o Tugenden
o Positive Eigenschaften zur Lebensbewältigung
o Fähigkeiten und Fertigkeiten
Ressourcen
Resilienz
Positive menschliche Einrichtungen und Organisationen
Hintergründe Herkunft
Griechische Philosophie
Sokrates/Platon
o Gutes Leben
Aristoteles
o Nikomachische Ethik
Hedonia
Eudaimonia (Charakterbildung)
Seneca
o Stoische Philosophie (Philosophie der Lebensprinzipien, gutes Leben führen)
o Mäßigung und Verzicht als Tugenden
2. Wohlbefinden & Glück (Fokussierung in erster Welle vor allem auf diese
Konstrukte)
Vielgestaltige Begrifflichkeit (oft synonyme Verwendung, allen gemeinsam: positive Emotionalität)
Wohlbefinden
Glück
Lebenszufriedenheit
Lebensqualität
Wohlbefinden
Relation der Begriffe
Glück oft synonym mit subjektivem Wohlbefinden
Lebenszufriedenheit oft synonym mit Lebensqualität
Aber auch individuelle, eigenständige Verwendung und Bedeutungen
Unterschiedliche Arten des Wohlbefindens
Wohlbefinden
Subjektives Wohlbefinden
Aktuelles Wohlbefinden
Habituelles Wohlbefinden
Psychologisches Wohlbefinden
Körperliches Wohlbefinden
Soziales Wohlbefinden
Subjektives Wohlbefinden
Affektiv Kognitiv
z.B: Freude, Liebe, Stolz, z.B: Angst, Ärger, Scham,z.B.: mit Partnerschaft,
Entspannung, gehobene Traurigkeit, Nervosität, Arbeit, Gesundheit,
Stimmung gedrückte Stimmung Vier-Faktoren-
FInanzen
Subjektives Wohlbefinden
Ansatz des subjektiven Wohlbefindens (Mayring, 1994)
Flourishing
Aufblühen als Verbindung subjektiven und psychologischen Wohlbefindens
Erfülltes Leben
Aus dem Vollen schöpfen
In der Blüte des Lebens
Konzepte:
Seligman‘s PERMA-Modell (2011/12)
o PERMA-Profiler
Diener et al. (2010) psychol. WB & Flourishing
o 10 Komponenten
u.a. positive Beziehungen, für andere wichtig sein, Respekt, Wertschätzung, Sinn im Leben …
o Flourishing-Scale
Glück
Was ist Glück?
Unterschiedliche Glücksbegriffe
Hedonistisches vs. eudaimonistisches Glück
Psychologischer Glücksbegriff
Psychologie des Glücks
Alltagsvorstellungen (Bucher, 2009)
Glück als
1. positives Ereignis / günstiges Schicksal
Erfolg, Wohlstand
„Glück gehabt“
2. positives Erlebnis / Wohlfühlen
Erleben intensiver Freude
emotionale Intensiverfahrung
3. positives Leben
Glück überwog im Leben
Wohlergehen
4. Zufriedenheit mit dem Leben
"glücklicher Mensch"
Empirische Studien zum Glück (Bühler, 1961)
Qualitative Studie in Deutschland zum Verständnis von Glück
Inhaltsanalytische Kategorienbildung
4 Dimensionen von Glück
Glück aufgrund der Befriedigung von Bedürfnissen und Wünschen
Glück aufgrund positiver sozialer Beziehungen und Integration
Glück durch persönliches Schaffen und Wirken
Glück als innere Harmonie und Ordnung
Studie von Hoffmann (1981)
12 Kategorien, wie Glück erlebt werden kann:
1. In qualitativ guten Beziehungen – „ich fühle mich anderen nahe“
2. Als schöpferische Kraft – „ich spürte einen großen Tatendrang“
3. Öffnung der Sinne – „ich hatte das Gefühl, mit der Landschaft eins zu sein“
4. In der Erotik – „Ich hatte ein Gefühl von Wärme in der Bauchgegend“
5. Als Ruhe und Entspannung – „ich atme ganz ruhig“
6. Spontaner Ausdruck überfließender Energie – „ich spürte den Drang, zu lachen, zu singen, zu tanzen“
7. Ekstase – „ich wollte zerfließen, mich auflösen“
8. In der Beziehung zu Transzendenz – „ich hatte Vertrauen zu Gott“
9. Als Trance - „ich war in einem Zustand der Selbstvergessenheit“
10. Als Enthobenheit aus der Zeit – „Mein Zeitgefühl war aufgehoben“
11. Als Bejahung von Leben – „das Leben erschien mir sinnvoll“
12. Als positiver Selbstwert – „ich war meiner selbst sehr sicher“
Es kann enorm glücklich machen, sich selbst zu verwirklichen und nach Sinn zu streben
(n. Bucher, 2009, S. 16)
Psychologischer Glücksbegriff schließt beide ein!
„Authentic happiness theory“ (Seligman, 2003)
Your
Best Life
The Engaged Life The Meaningful Life
Being in the Flow Belonging to and serving
Glücksfördernde Aktivitäten
Menschen unternehmen im Alltag viele Aktivitäten um ihr Wohlbefinden zu entwickeln und
aufrecht zu erhalten
Happiness increasing strategies (Tkach & Lyubomirsky, 2006; Garcia et al., 2013) (&Scale)
Sie investieren viel Zeit in derartige Aktivitäten und sie werden traurig, frustriert und
deprimiert, wenn sie derartige Aktivitäten nicht ausüben können
Verstärker-Verlust-Theorie der Depression
Was tun Sie, um Ihr Glück/ Wohlbefinden zu erhalten/verbessern?
Was machen Sie alles, dass es Ihnen gut geht?
Fühlen Sie ein paar Minuten in sich hinein.
Alltagsstrategien zur Hebung der Stimmung (Regan, 2004; aus Bucher, 2009, S. 173) –
Unterschied M vs. F
Strategien, um glücklicher zu werden (227 Erwachsene; Bucher, 2009, S. 174)
Was bewirkt Glück? – Die wichtigsten Effekte (Bucher, 2017, S. 187 ff.)
Glücklichere haben …
weniger Schmerzen, weniger Stress
bessere Immunabwehr
gesünderen Lebensstil
stärkere kognitive Fähigkeiten
erleichtertes des Lernens
größere Kreativität und kognitive Flexibilität
Handeln intelligenter
entscheiden rascher
handeln altruistischer – feeling good – doing good
mehr beruflichen Erfolg
denken positiver
selteneres Grübeln (ruminieren, sich Sorgen machen)
beglückendere Denk- und Verhaltensweisen
Selektive Wahrnehmung in Richtung Glück/Wohlbefinden
mehr beglückendere Interessen
stärkere selbstwertbezogene Attributionen
höheren Selbstwert
optimistischere Zukunftssicht
effektivere Bewältigungsstrategien
mehr soziale Beliebtheit und soziale Akzeptanz
mehr soziale Ressourcen und soziale Unterstützung
Neurobiologie des Glücks
Was ist „Glück“ neurobiologisch?
Es gibt kein „Glückszentrum“ (unlike negative Emotionen)
Neurobiologisch ist „Glück“ eine heterogene und vielgestaltige Angelegenheit, die über
verschiedene neurobiologische Programme vermittelt wird – nicht durch eine Struktur allein
dominiert
o Bindung und Liebe (Attachement)
o Belohnung und Verstärkung
o Vermeidung von Unglück und Stress
o Erreichung von Zielen
o Intensive Erregung
o Ernährung/Genuss
o Kognitive Erkenntnisse
o Anregende Medikamente und Drogen
Entsprechend sind mehrere neurobiologische Strukturen und Systeme am Glückserleben
beteiligt
Reifung
Es gibt nicht ein einziges System, dass für Glückserleben verantwortlich sind, sondern 3-4
unterschiedliche Systeme
3 – approach
1 – avoidance
3. Positive Emotionen (erst relativ späte Auseinandersetzung damit in diesem Kontext –
vor allem Fredrickson)
Emotion/en … (Emotionsregulation ist eine eigene Fähigkeit)
… sind ein psychophysiologisches Phänomen, das durch die bewusste oder unbewusste
Wahrnehmung eines Ereignisses oder Situationen ausgelöst wird. Die Wahrnehmung geht einher mit
physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und einer
Reihe von Verhaltenstendenzen wie Ausdrucksverhalten, reaktiven Verhaltenstendenzen und
interpersonalem Verhalten (Spitzer, 2014)
(organisiertes) Verhaltens- und Reaktionsmuster
Handlungsbereitschaften/-optionen (Bestandteil dieser)
Emotionen sind psychophysische Reaktionsmuster, die
Auf mehr oder weniger komplexe Bewertungen einer Reizsituation beruhen
Die motivationale Bedeutsamkeit von Reizen relativ zu Zielen und Bedürfnissen eines
Lebewesens signalisieren
Mit peripheren physiologischen Veränderungen sowie der Aktivierung bestimmter
zentralnervöser Systeme einhergehen
Zu bestimmten Klassen von Verhalten motivieren
Sich in spezifischer Mimik und Körperhaltung ausdrücken und
Häufiger (aber nicht notwendig) mit einer subjektiven Erlebnisqualität verbunden sind
Komponenten von Emotionen
Sensorische Komponente
o Gefühlswahrnehmung
Kognitive Komponente
o Mit Emotion assoziierte Gedanken, Ideen Vorstellungen, Bedeutungen etc.
Physiologische Komponente
o Psychophysiologische, hormonelle, neuronale Reaktion
Motivationale Komponente
o Mit dem Erleben einer Emotion assoziierte Intention/Motivation
o Abhängig vom appraisal der Situation
Expressive Komponente
o Ausdruck von Emotionen über Stimme, Gesicht, Körperhaltung etc.
Verhaltens- und Interaktionskomponenten
o Emotionen sind ansteckend – unterschiedliche Reizarten (sehen, riechen, schmecken,…)
o z.B.: Spiegelneuronen, Massenpsychologie
Einteilung von Emotionen
Basisemotionen vs. Komplexe Emotionen
Primäre vs. Sekundäre Emotionen
Positive vs. Negative Emotionen
Weitere Arten: expressive vs. diskrete, akute vs. chronisch,…
Basisemotionen
Kulturübergreifende, universelle Emotionen
Evolutionspsychologische Universalien (Ekman, Izard, Buss)
1. Freude
2. Wut
3. Ekel
4. Furcht
5. Verachtung
6. Traurigkeit
7. Überraschung
Evolutionäre Antworten auf grundlegende adaptive Anforderungen der Verhaltenssteuerung
Eng mit basalen Motivationssystemen verknüpft
5 – eher negativer Inhalt
1 – positiv
Überraschung eigene Basisemotion?
Plutchik (1980): Psychoevolutionäre Emotionstheorie
Subjektiv Verhalten Funktion
Angst, Entsetzen Rückzug, Flucht Schutz
Ärger, Wut Angriff, Beißen Zerstörung
Freude, Ekstase Paarung, Besitz ergreifen Fortpflanzung
Traurigkeit, Trauer Weinen, Bitten um Hilfe Reintegration
Akzeptanz, Anbetung, Vertrauen Paarbildung, Pflege Zusammengehörigkeit, Bindung
Ekel, Abscheu Sich übergeben Ablehnung, Zurückweisung
Erwartung, Antizipation Untersuchen Exploration, Erkundung
Überraschung Innehalten, Einfrieren Orientierung
Negative vs. Positive Emotionen (erst in 90er Jahren aufgekommen, noch nicht
durchgesetzt)
Differenzierung hinsichtlich…
Inhalt
Valenz
Funktionen
Evolutionärer Bedeutung
Broadening
Studien im Überblick
Fazit 1
Die B&B-Theorie wurde seit ihrer ersten Formulierung 1998 bisher in insgesamt 20 Studien
beforscht
Querschnittstudien überwiegen leicht,
eine Untersuchung der Gesamttheorie mittels längsschnittlichem Design steht noch aus
Nach einer Zunahme der Forschungsaktivität zwischen 2003 und 2006 nahm die Aktivität seit
2010 deutlich ab
Die Studien wurden fast ausschließlich in der AG von Fredrickson durchgeführt
Es gelang Fredrickson bis jetzt offenbar wenig bis gar nicht andere unabhängige
Forschergruppen dafür zu motivieren die Theorie mit anderen Methoden und anderen
Kontexten zu beforschen
Die Gründe dafür sind unklar
Design-Prototyp (normalerweise)
Undoing Hypothesis
UV‘s:
Induktion von positiven und negativen Emotionen durch z.B.:
o Videos
o Loving Kindness Meditation (LKM)
o Vorbereitung auf einen öffentlichen Auftritt
Erfassung positiver Emotionen
PANAS – positive and negative affectivity scale
DES – differential emotion scale
AV‘s/Manipulations-Check:
o Positive/negative Emotionen (PANAS, Differential Emotions Scale)
o Psychophysiologische Variablen (Herzrate, Hautleitfähigkeit, Blutdruck etc.)
„Broaden“:
o Coping Repertoire (Breite von Coping Reaktionen, „broad minded coping“)
o Aufzählen von Verhaltensalternativen in Situationen
o Cognitive appraisal
„Build“:
o Psychologische und soziale Ressourcen (hier vor allem Fokus auf diese)
Optimismus - State-Resilienz
Lebenszufriedenheit - Lebenssinn/Meaning of Life
Wahrgenommene soziale Unterstützung
Gesundheit (psychische, physische)
o „Positive Persönlichkeit“
Trait-Resilienz
Offenheit
Extraversion
Feedback-Loop:
o Statistische Analysen (Korrelationen, Regression, Mediation)
o Experimentelle Manipulation
o AV‘s: Emotionen (positive, negative)
Beispiel Querschnittstudie zu „Broaden“ (Fredrickson et al., 2000, I)
Testung der „undoing hypothesis“ positive emotions undo the effects of negative emotions) (N=170)
UV‘s:
o Vorbereitung auf eine Rede
o Positive/beruhigende, neutrale vs. aufwühlende Videos
AV‘s:
o Psychophysiologische Reaktionen (Herz-/Kreislauf)
o Wahrgenommene/erlebte Emotionen
Ergebnisse: Undoing-Hypothese bestätigt
o rascheste Reduktion der H-K-R bei positiven Videos
Probleme und Kritik
„Undoing“-Effekt schwer in die B&B-Theorie einordenbar
Weiterführende Studie zeigte zwar, dass negative Emotionen nicht durch positive „ersetzt“
werden, sondern durch diese „aufgelöst“ werden, dennoch bleibt unklar, wie dadurch
„Broadening“ geschehen soll
Undoing =/= broadening
Alternativerklärung Coping-Effekt positiver Emotionen ist einfacher und bedarf keiner
komplexen Integration in ein breites Konzept
Alternativen:
o Eindeutigere UV (Auslösung positiver Emotionen)
o Eindeutige AV: Broadening
Beispiel Querschnittstudie zu „Build“ (Tugade & Fredrickson, 2004, I) (N=57)
Resilient people use positive emotions to bounce back from negative emotional experiences
Hypothesen:
o High-resilient individuals report greater positive emotionality
o High-resilient individuals appraise stressful task as less threatening
o High-resilient individuals experience faster cardiovascular recovery
o Experience of positive emotions works as a mediator for cardiovascular recovery
UV‘s:
o Trait-Resilienz (14 Items)
o Negative Emotions-Induktion (öffentliche Rede halten)
AV‘s:
o Positive und negative Emotionen (PANAS)
o Emotions-Selbstbericht (Eigenkreation)
o Kardiovaskuläre Reaktionen
Mediatoren:
o Appraisal (selbst generierte Items)
Design:
Ergebnisse:
o Hypothesen 1, 3 und 4 bestätigt
o Hypothese 2 partiell bestätigt
Probleme/Kritik:
o Bezug zur B&B-Theorie? Schwer einzuordnen
o Ergebnisse durch Coping-Hypothese besser erklärbar
o Hypothese 1 bessere Erklärung für Feedback-Loop
Beispiel Längsschnittstudie zu „Broaden“ (Fredrickson & Joiner, 2002) (N=138)
Hypothese:
o Positive Emotionen erweitern den Fokus der Aufmerksamkeit und die kognitive
Aktivität und initiierten eine Aufwärtsspirale in Richtung emotionalem
Wohlbefinden.
Design:
Beispiel Längsschnittstudie zu „Building“ (Fredrickson et al., 2008) (N=139) – viel Kritik für
diese
Hypothese:
o Becoming skilled in LKM will, over time, increase people’s daily experiences of posit-
ive emotions, which, in turn, build a variety of personal resources that hold positive
consequences for the person’s mental health and overall life satisfaction
Design: (auch psychophysiologische Messungen durchgeführt)
UV:
oLoving Kindness Meditation,
o7 Wochen Gruppenmeditation und 5 Meditationen pro Woche mittels vorgegebener
Anleitung
UV‘s/AV‘s:
o Kognitive Ressourcen:
Mindfulness and Awareness
Hoffnung
Genussfähigkeit
o Psychologische Ressourcen
Optimismus
Trait-Resilienz
Psychologisches Wohlbefinden (Ryff-Skalen)
o Soziale Ressourcen
Partnerschaftliche Zufriedenheit
Soziale Unterstützung (ausgetauscht)
Positive Beziehungsskala
o Physische Ressourcen
Physische Gesundheit/Symptome
Schlafdauer und –qualität
AV‘s:
o Lebenszufriedenheit, Depressivität (ADS)
o Erlebte Emotionen, Alltagsaktivitäten (Day Reconstruction, DRM)
Ergebnisse:
o LKM-effects on positive emotions are limited, but at some point, significant over
time, single effects of distinct emotions didn’t reach significance, but positive emo-
tions as a whole did
o Invested time played an important role: Dose-response effects emerged(MA-Studie nicht)
o No effects of LKM on negative emotions
o From here, negative emotions not evaluated any further
o DRM: Mixed results, focusing on subgroup of 9 participants, practicing in the target
morning, showing added positive emotions, but main effect of total practice over
weeks on positive emotions showed greatest results
o Build Hypothesis partially supported, some resources showed significance, others not
o Changes in positive emotions only affected changes in life satisfaction via additionally
increased personal resources
o Positive emotions affect depressive symptoms via direct effects and built resources
o LKM shows helps building resources via positive emotions only for individuals, put-
ting adequate amounts of training in it
Bewertung:
o Studie gilt als die erste, die versuchte den Building-Aspekt der Theorie zu
operationalisieren und zu testen
o Ergebnisse sind gemischt, jedoch eher ermutigend
o Partielle Belege für den Build-Aspekt der Theorie
o Feedback-Loop bestätigt
Kritik:
o Theorie über Prä-Post-Design nicht adäquat testbar -> mehrere MZP nötig (länger!)
o Statistische Methodik nur partiell geeignet zur Testung der Theorie -> besser
Sequenz- oder lineare Strukturgleichungsmodelle
Beispiel Querschnittstudie zu Gesamttheorie (Roth, in prep.)
Instrumente:
o BDI: Depressivität
o BAI: Ängstlichkeit
o CIDI-SF: Klinisches Interview für Alkohol- und Drogenabhängigkeit
o Mental Health Continuum: Flourishing
o Five Facets Mindfulness Questionnaire (FFMQ)
o DRM: Day Reconstruction Method
o mDES: modified Differential Emotions Scale (positiv, negativ)
Ergebnisse:
o Hypothese 1 großteils bestätigt
o Hypothese 2 z.T. bestätigt
o Hypothese 3 z.T. bestätigt
Resümee:
o Studie bestätigt die Theorie partiell
Kritik:
o Studie ist zwar prospektiv, allerdings nur drei MZP
o Theorie müsste über längeren Zeitraum geprüft werden
o Auch hier andere statistische Auswertungsmodelle nötig
(Pfadanalysen., Strukturgleichungsmodelle o.ä.)
Fazit 2: Gesamtbewertung
B&B-Theorie zählt zu den einflussreichsten Theorien der PP
Eröffnet viele neue Perspektiven für die Pth, die KP, die GP und verschiedene andere Felder
der Psychologie
Theorie bzw. die beiden Teile davon wurden in vielen Einzelstudien geprüft
Dennoch ist festzuhalten, dass es bis jetzt noch keine belastbare Evidenz für die
Gesamttheorie gibt
Einzelaspekte, wie z.B. der Build-Teil, wurden mehrfach bestätigt, allerdings sind die Effekte
häufig klein (Problem: unklarer Broadening-Begriff & Designs & subjektive Einschätzungen)
Prospektive Studien weisen diverse methodische Probleme auf, wie z.B.
o Zu geringe Studiendauer
o Zu wenig Messzeitpunkte
o Der dynamische/Entwicklungs-Aspekt der Theorie ist zu wenig berücksichtigt
o Statistische Auswertung z.T. nicht adäquat
Weitere Forschung ist notwendig, auch außerhalb der AG von Fredrickson
Positivity Ratio – Studien und Kritik
Basisaussagen der Theorie der Positivitäts-Ratio (Fredrickson, 2009; Fredrickson &
Losada, 2005)
Im Verhältnis zwischen Positiven Emotionen und Wohlbefinden und Glück gibt es lineare
Zusammenhänge
Allerdings spielen non-lineare (kurvi-lineare) Zusammenhänge eine größere Rolle
Dabei stellt ein Grenzwert von 2.9 positiven Erfahrungen zu 1 negativen eine kritische
Schwelle dar
Zentrale Studie: Positive affect and the complex dynamic of human flourishing
(Fredrickson & Losada, 2005) (N=188)
Design:
4. Positiv-Psychologische Interventionen
Interventionen zur Förderung von Wohlbefinden, Glück und positiven
Emotionen
Konzeptueller Hintergrund
Happiness- and Wellbeing-Konzepte
Authentic Happiness Theory (Seligman)
Broaden- and Build-Theory of positive Emotions (Fredrickson, 2000)
Happiness Increasing Strategies Konzept (Tkach & Lyubomirksy, 2006)
Sustainable Change Model (Lyubomirsky et al., 2003)
Kann man Glück/Wohlbefinden entwickeln und fördern?
Sonja Lyubomirsky sagt: „Ja!, Durch
spezifische selbst bestimmte Aktivitäten und
Handlungen“
Dankbarkeitsinterventionen
Gratitude interventions
o Gratitude journal
o Gratitude letter – Briefe sind die zweitgrößte Schreibinterventionsgruppe
o Gratitude visit
Dankbarkeitsspirale
Schwarz – Standard
Weiß – Well-Being Therapie
Eigene Ansätze
Glückstagebücher
o Pilotstudie
o Kontrollierte Studie bei Studierenden
o Kontrollierte Studie bei Depressiven
Dankbarkeitstagebuch
o Pilotstudie bei Studierenden
Glücksseminare
o Pilotstudie bei Studierenden
o Kontrollierte Studie bei belasteten Erwachsenen
o Kontrollierte Studien bei älteren Menschen
Positive Psychotherapie
o Großangelegte kontrollierte Studie mit mittelgradig Depressiven
o Gruppentherapie PPT vs. KVT
o Aktueller: übertragen auf Einzeltherapie, mittelgradige Depressive (PPT vs. WLK)
Positiv-psychologisches Coaching (für leicht bis mittel belastete Menschen)
o Einzelsetting
o Gruppen-Onlinesetting
5. Flourishing
Die Mehrzahl der Themen und Anwendungen der Positiven Psychologie zielt darauf ab, Flourishing zu
erhöhen. (Seligman, 2011, 2012)
Definition
Flourishing is …
"a state where people experience positive emotions, positive psychological functioning and
positive social functioning, most of the time“
living "within an optimal range of human functioning.“ (Fredrickson & Losada, 2005, 680)
is a descriptor … of positive mental health and overall life well-being, and includes multiple
components and concepts, such as cultivating strengths, subjective well-being, "goodness,
generativity, growth, and resilience.“ (Dunn & Dogherty, 2008, 314)
is the opposite of both pathology and languishing, which are described as living a life that
feels hollow and empty (Keyes, 2002)
Languishing = dahin dümpeln, wenig
Begriff beschreibt …. glücklicher Lebensstil
Intensive Form des psychologischen Wohlbefindens
psychologisches Wachstum in breiter Form
Ist eng verwandt mit den Begriffen
„fully functioning person“ nach Rogers
„selbstaktualisierte Person“ nach Maslow
„personal growth“ von Ryff
Über mehrere zentrale Dimensionen beschrieben, insbesondere über:
o Subjektives Wohlbefinden
o Psychische Leistungsfähigkeit
o Positive soziale Integration
o Persönliches Wachstum
o Sinnhaftes Leben
Und wird über unterschiedliche psychologische Modelle konzipiert (Blickhan, 2015; Su et al., 2014)
Synonyme / assoziierte Begriffe
Optimal Life
Best Life
Optimal Mental Health
Thriving (synon.)
Konzepte/Modelle des Flourishing
Frühes Konzept:
Psychological Well-being - Ryff (1985)
Aktuelle Konzepte:
Fredrickson & Losada (2005): Flourishing as a high positivity ratio
Keyes (2002, 2005): Doppelkontinuum psychischer Gesundheit
Diener (2009): Flourishing-Modell
Seligman (2011): PERMA-Modell
Huppert & So (2013): Flourishing as mental health
Su, Tay & Diener (2014): Thriving-Konzept
Psychological Well-being (Ryff)
Environmental Mastery has a sense of Mastery and competence in has difficulty managing everyday affairs
(Selbstwirksamkeitserleben) managing the environment; controls complex to change or improve surrounding cont
array of external activities; makes effective use of of surrounding opportunities; lacks sen
surrounding opportunities; able to choose or over external world
create contact suitable to personal needs and
values
Purpose in Life has goals in life and a sense of directness; feels lacks a sense of meaning in life; has few
(Sinn im Leben) there is meaning to present and past life; holds lack sense of direction; does not see pu
believes that give life purpose; has aims and life; has no outlook or believes that give
objectives for living
Personal Growth has a feeling of continued development; sees self has a sense of personal stagnation; like
(persönlicher Wachstum) as growing and expanding; is open to new improvement or expansion over time; f
experiences; has sense of realizing his or her uninterested with life; unable to develo
potential; sees improvement in self and Attitudes or behaviour
behaviour over time; is changing in ways that
reflects more self-knowledge and effectiveness
Flourishers
Ergebnisse
Keyes (2002): Studie an 3000 Amerikanern zw. 25 und 75 Jahren:
o Flourishing: 2%
o Ausgewogen: 60% (zwischen Fl. und La.)
o Languishing: 12%
o Floundering: 14% (psychische Störung)
o Languishing 6x häufiger als flourishing
Keyes (2005): Internationale Studien: Flourishing:
o 8% süd-koreanische Erwachsene (Korea noch sehr traditionelle Struktur)
o 20% süd-afrikanische Erwachsene
o 23% ägyptische Jugendliche
o 44% chinesische Erwachsene
Studien von Margraf(?)
o Ost-Westgefälle
Deutschen und Amerikaner ähnlicher als Chinesen und Deutschen
In China höheres Mental Health & Flourishing als Russland
Flourishing in allen Fällen mit höheren Werten in psychischer Gesundheit und psychischem,
psychosozialen und sozialen Funktionieren assoziiert
Languishing: Risikofaktor für: psychische Störungen, Suizid
Diener (2009) Flourishing Modell
Sinnhaftes/sinnvolles Leben – purposeful life
Positive Soziale Beziehungen
o Liebe & Wertschätzung
o Unterstützung und Achtung
Engagiertes, aktives Leben
Zum Glück anderer beitragen
Kompetenz
Optimismus
Selbstwert und Mastery
Flourishing Skala (dt.: Esch et al., 2013)
Positive Psychotherapy Inventory (PPTI) (Khanjani et al., 2014; Rashid & Seligman, 2013)
Name verwirrend, da nicht primär therapiebezogenes Verfahren
o Instrument, das ebenfalls PERMA erfasst
o Durch Faktorenanalysen gewonnen
o 25 Items (5 Subskalen, 5 per Skala)
o Deutschsprachige Version (Furchtlehner, 2013; Wammerl et al., 2015)
Weniger breite Evaluierung als PERMA-Profiler
o Psychometrische, Skalen- und Itemanalysen
o Überprüfung der dimensionalen Struktur (EFA, KFA)
o Konvergente, divergente, Konstruktvalidität
PERMA-Profiler & Positive Psychotherapy Inventory (PPTI) (Wammerl, Jaunig,
Maierunteregger & Streit, 2015)
Erste deutschsprachige Studie und Evaluation; N=854; 83.6% Fr
PERMA-Profiler: Reliabilität/interne Konsistenz:
Belege für konvergente und Konstrukt-Validität (Butler & Kern, 2016, S. 16)
EFA: 3 Faktoren
Positive appraisal: life satisfaction and positive emotion
Positive characteristics: emotional stability, vitality, optimism, resilience, self-esteem
Positive functioning: engagement, competence, meaning, positive relationships
Definition von Flourishing
Kombination aus hedonistischem und eudämonistischem Wohlbefinden
o Faktor 1 (positive appraisal) = hedonistisches WBF
o Faktor 2 und 3 (p. characteristics, p. functioning) = eudämonistisches WBF
Operationale Definition (analog DSM/ICD): Flourishing = Über Cut-Off Wert definiert
o Hoher Wert in 1 Item von Faktor 1 (p. appraisal)
o Hohe Werte in 4 der 5 Items von Faktor 2 (p. characteristics) und
o Hohe Werte in 3 der 4 Items von Faktor 3 (p. functioning)
Flourishing is the combination of feeling good & functioning effectively (Huppert & So, 2013)
Korrelate/Effekte
Personen, die hohe Ausprägungen in diesen Bereichen haben, haben eine hohe Chance
„aufzublühen“, d.h. sie besitzen/zeigen …
hohes Ausmaß an Lebenszufriedenheit und subj. Glück, Lebensfreude etc.
hohe Werte in Maßen psychischer Gesundheit
geringe Werte in Maßen von Psychopathologie
(allgemein, z.B. SCL-90/BSI, oder spezifischen Störungen, z.B. Depression)
geringes Maß an Suizidalität und Lebensüberdruss
geringe Werte in Maßen körperlicher Beschwerden und organischen Erkrankungen
geringes Maß an Burn-out
hohe Werte in Maßen von Kohärenz und Resilienz
reduzierte somatische und psychische Morbidität und Mortalität
Hinweise auf ein längeres (alterskorrigiertes) Leben
Perspektiven
Zukünftige Forschung sollte sich bemühen das Konzept zu schärfen und seine theoretische
und empirische Bedeutung zu spezifizieren
Ansätze für eine Weiterentwicklung in die richtige Richtung könnten sein:
o Konzept des „Thriving“ von Su und Diener (2014)
o Konzepte von Keyes (2002) und Huppert & So (2013)
Es sollte vor allem herausgearbeitet werden, worin sich Flourishing von „normalem“
subjektivem Wohlbefinden unterscheidet und
was die inkrementelle Validität des Konstruktes gegenüber herkömmlichen Ansätzen ist
Erste wichtige Befunde bei Su und Diener (2014), die dies für ihren Ansatz belegen konnten.
Interventionen zur Förderung von Flourishing
Überblick
Trotz offenbarer Zentralität von „Flourishing“ für PP bislang kein spezifisches PPI-Paket, um
Flourishing zu entwickeln oder aufrecht zu erhalten.
Oft kombinierte Programme in Realität
gemeinsame Komponenten:
Stärkentraining, Förderung von Dankbarkeit & Glücksbefinden & Verzeihen & Loslassen
In der Literatur häufig genannt:
o Authentic Happiness Coaching Program (AHP)
(Seligman et al., 2005)
o Flourishing Apps
o Mindfulness based strengths practice (MBSP)
(Itzvan, Niemic & Briscoe, 2016)
o Positive Psychotherapie (PPT)
(Rashid & Seligman, 2013, 2018)
o Coachings in Positiver Psychologie (CPP)
(Biswas-Diener, 2013; Feld & Rudy, 2018; Mangelsdorff, 2020)
o Aufblühens-Coaching
(Blickhan, 2018)
Ablauf
You will use a mobile app for 2 weeks, every day for a couple of minutes
Each day, you will get a short exercise in the morning that you can complete during the day
These exercises are based on well-known, evidence-based interventions on Positive Psycho-
logy, Cognitive Behavioural Therapy, or Meaning and Purpose
The information that you provide in answering the exercises will be kept private
Your daily mood and engagement with the intervention will be measured via short question-
naires and used anonymously for research purposes
You will be invited to participate in 4 short online surveys with questions about how you are
feeling at that point in time
How will it work?
First, you fill out baseline survey with some brief information about you and about how you are feeling
After that, enroll and install the app: the instructions for this will be given as soon as you finish the
previous step
With the app installed, you can start the exercises. It will take 2 weeks to complete
We will invite you to fill out another three short surveys in 2, 4, and 8 weeks
https://www.utwente.nl/en/bms/microinterventions/
6. Persönliche Stärken
Konzepte, Modelle und Befunde
Begriffe
Persönliche Stärken
Charakterstärken
Signaturstärken
Tugenden und Stärken
Persönliche Stärken
Häufige Synonyme:
Talente, Fähigkeiten, Begabungen, Kompetenzen, Leistungen …
Ebenen:
Kognition, Emotion, mentale Fähigkeiten, Verhalten, Persönlichkeit
Primäre Foci:
Beruf/Arbeit, Familie, Beziehungen
Bedeutung/Begriff:
o Etwas Wichtiges, Wertgeschätztes (mit Wert assoziiert)
o Eigenschaft, Merkmal
o Hilft dabei Ziele zu erreichen, Leistungen zu erbringen, Aufgaben zu erfüllen, Position
auszufüllen, Status/Ansehen zu erlangen, Erfolg zu haben, etc. …
Bereiche:
Intelligenz, Kreativität, soziale Intelligenz/ Kompetenz, Empathie, berufliche Fähigkeiten,
Sorgfalt, Konzentrationsfähigkeit, etc.
Definition (wie traits, nicht states)
Persönliche Stärken sind …
o persönliche, überdauernde Muster an Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen
und deren Kombination
o die funktional einsetzbar sind (Ziel-Mittel-Relationen darstellen), um …
bestimmte Ziele zu erreichen,
bestimmte Aufgaben zu erfüllen,
bestimmte Probleme zu lösen,
bestimmte Leistungen zu erbringen, etc.
o dies mit einer/m gewissen Regelmäßigkeit und (hohen) Resultat (gut, exzellent,
ausgezeichnet …) und
o gesellschaftlich, sozial, kulturell oder persönlich erwünscht und geschätzt sind.
Stärkenmodus
Modus operandi – Ausübung einer Tätigkeit aus einer (persönlichen) Stärke heraus
Erscheinungsform/Ausdruck/Effekt (n. Biswas-Diener, 2010; Blickhan, 2015):
o Sprechen:
klarer, schneller, fließender
ggf. auch mit höherer Stimmlage
„individueller“, metaphorischer
o Ausdruck:
Deutlichere Gestik, Mimik und Prosodik
Aufrechtes Sitzen oder Stehen
o Wirkung/Wahrnehmung:
effektiver/effizienter und charismatischer
subjektiv: sich gut fühlen, Flow, zufrieden
Stärkenparadoxon
Obwohl Stärken effektiv sind und geschätzt werden, gibt es einige Paradoxien
o Wir fokussieren unsere Schwächen, um sie „auszumerzen“ oder zu verbessern, um
Stärken zu erlangen
o Stärken werden kaum gepflegt und kultiviert
o Menschen werden häufig nicht nach ihren Stärken eingesetzt bzw. können diese im
Alltag kaum leben
Gegenparadoxon der Positiven Psychologie (Biswas-Diener, 2010):
o Stärken stärken: wertschätzen, beachten, kultivieren, entwickeln, einsetzen …
o Stärken im Alltag leben, mit Stärken das Leben leben/den Alltag leben …
o Ähnlich dem lösungsorientierten Ansatz der Psychotherapie
(dem problemorientierten gegenübergestellt)
Gallup-Umfrage zum Entwicklungspotenzial (besser Stärken oder Schwächen zu wissen?)
6.1 Charakterstärken (nach pos. Emotionen & Wohlbefinden -> 3. Zentrale Konstrukt
der PP)
Entstehungshintergrund (Peterson, 2006)
Start Mitte der 1990er Jahre:
Mayerson-Foundation will Beitrag zur Verbesserung der amerikanischen Gesellschaft leisten
Jugendlichen soll nachhaltig dabei geholfen werden ihr volles Potenzial zu entfalten
umfangreiches Forschungsprojekt
Beginn: Penn-Konferenz 1999:
Vorsitz Seligman (bekannt aus APA-Presidency),
Vorstellen und Diskussion verschiedener Programme – Auswahl welches gefördert
Es wird deutlich, es fehlt an einem gemeinsamen Verständnis und einem gemeinsamen
Vokabular, was „positive“/“optimale Entwicklung“ sei und vor allem auch an entsprechenden
Messverfahren
erstes Ziel: Konzept- und Methodenentwicklung
Menschliche Exzellenz und Wohlbefinden sind genauso real wie psychisches Leiden und Störungen
Entwicklung des CS-Konzepts
Guter Charakter sollte universell und kulturübergreifend definiert und erforscht werden
Orientierung an Werteforschung -> universelle menschliche Werte
Daraus Suche nach universellen menschlichen Tugenden durch Analyse religiöser und
philosophischer Texte und ethnologische Studien
Integration dieser Tugenden in Konzepte der Psychologie und Entwicklung eines
mehrdimensionalen Modells
Vollständige empirische Fundierung des Konzepts - aktuell noch hier
Kein Anspruch auf Vollständigkeit, daher keine Taxonomie, sondern eine Klassifikation
Entwicklung eines Fragebogens (VIA-IS)
Aufbau des Charakters (Peterson & Seligman, 2004)
Hierarchische Ordnung 3er Konzepte
Tugenden
Von Moralphilosophen und religiösen Denkern geschätzte Kerneigenschaften
o 6 kehren immer wieder:
Weisheit, Mut, Humanität, Gerechtigkeit, Mäßigung, Transzendenz
Charakterstärken
Mechanismen und Prozesse die die Tugenden definieren. Wege, die Tugenden zu leben
Z.B.: Weisheit erreichen über Neugierde, Liebe zum Lernen, Urteilsvermögen, Kreativität,…
„Situative Themen“
Spezifische Gewohnheiten, die dazu führen, dass Personen in speziellen Situationen die
Stärken anwenden (variieren in Arbeit, zu Hause etc.)
11 Kriterien einer Charakterstärke (Peterson & Seligman, 2004; Blickhan, 2015, S. 160ff.)
Eine Charakterstärke (CS) …
ist universell gültig und wird kulturübergreifend als positiv und wünschenswert angesehen
ist erfüllend: sie fördert die individuelle Erfüllung und Zufriedenheit sowie im Weiteren das
persönliche Glück
setzt andere nicht herab und fördert keinen Neid. Wer andere sieht, wie sie eine CS
einsetzen, erlebt ein erhebendes Gefühl, Anerkennung oder Bewunderung
hat einen nicht glücksfördernden Gegenpart
ist eine „indvidual difference variable“: Menschen unterscheiden sich in der Ausprägung der
verschiedenen CS; nicht alle CS sind gleich ausgeprägt; manche können bei manchen fehlen,
manche sind sehr stark ausgeprägt
Trait/zeitliche Stabilität: Das individuelle Stärkenprofil ist zeitlich relativ stabil
Universelle Merkmale (Peterson & Seligman, 2004; Blickhan, 2015, S. 160ff.)
Eine Charakterstärke …
ist operationalisier- und messbar: Es gibt Verfahren zur Erfassung von Charakterstärken;
diese erfüllen empirische Gütekriterien
ist eindeutig und klar; sie überlappt sich weder konzeptuell noch empirisch mit anderen CS
ist prototypisch: sie wird von einzelnen Menschen in vorbildlicher und bemerkenswerter
Weise verkörpert
hat „Wunderkinder“: Sie zeigt sich bei manchen Kindern und Jugendlichen schon sehr früh –
Wird von Institutionen gefördert: Sie ist das Ziel von Ritualen und anderen gesellschaftlichen
Handlungen, um sie zu kultivieren und zu fördern.
Character Strengths and Virtues: A Handbook and Classification
Peterson&Seligman (2004)
„Charakterstärken“ als Anti-DSM
Zugang zum Konstrukt der CS auch durch Störungen und Krankheiten beeinflusst
Charakterstärken sind erwünschte und erstrebenswerte Eigenschaften, „zu denen alle
Menschen ‚Ja‘ sagen können“ (Blickhan, 2015, S. 161)
Beschreiben Komponenten positiver menschlicher Entwicklung und
repräsentieren so etwas wie Antagonisten zu Störungen und Krankheiten
Klassifikation der CS = „Anti-DSM“ (Seligman, 2005)
Ruch (2012)
DSM-V, ICD- 10 & dimensionale Ansätze VIA Klassifikation der Stärken&Tugenden
VIA-Charakterstärken-Modell
Tugenden vs. Stärken
Tugenden und Stärken
6 Tugenden und 24 Charakterstärken
Weisheit und Wissen
Mut
Humanität
Gerechtigkeit
Mäßigung
Transzendenz
Niemiec (2017) – A Practitioner-Friendly Expansion (besser praktische Anwendung)
Kardinaltugenden: Fürsorge/Liebe, Wissensdurst, Selbstkontrolle (McGrath, 2014)
Die 6 Tugenden
Weisheit & Wissen (Wisdom & Knowledge)
o Kognitive Stärken
o Relevant für Erwerb und Nutzen von Wissen
o Beinhalten kognitive Differenziertheit und Offenheit
Mut (Courage)
o Emotionale Stärken
o Relevant dafür mit Willenskraft Ziele zu erreichen
o Bereitschaft bei der Zielerreichung auch Hindernisse zu überwinden
o Verbindung zum Willen
Humanität (Humanity)
o Zwischenmenschliche Stärken
o Ermöglichen vertrauens- und liebevolle Interaktionen und Beziehungen
o Ähnlichkeit mit der Tugend der Gerechtigkeit
Gerechtigkeit (Justice)
o Zwischenmenschliche Stärken
o Betreffen die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und Gruppen, Systeme und
Gemeinschaft
o Innerhalb einer Gruppe von Menschen relevant
Mäßigung (Temperance)
o Selbstregulatorische Stärken
o Relevant für Beherrschung von Trieben, Motiven und Exzessen
o Antagonist zu Süchten, emotionalen Extremen, Arroganz und Hass
Transzendenz (Transcendence)
o Sinn-Stärken
o Stiften von Sinn, Bedeutung und Zielbezug
o Herstellung von Verbindung mit anderen und einem größeren Ganzen
Top 5 in dieser:
Love of Learning
Gratitude
Honesty
Leadership
Prudence
Dimensionen der Charakterstärken
f
Beispielprofil
e
Welche Charakterstärken sind bei Personen 55+, die an dieser Onlinestudie teilgenommen haben,
besonders hoch ausgeprägt? Durchschnittliche Ausprägung in den 24 untersuchten Charakterstärken
bei 4.500 Befragten im Alter 55+
Charakterstärkenausprägung
0: nicht charakteristisch für mich; … 5: sehr charakteristisch für mich (Beispiel)
Durchschnittsprofile
In Bezug zu Berufsnachbarn
Ergebnisse zu VIA (Blickhan, 2015)
Häufigste Stärken (weltweit):
Freundlichkeit, Fairness, Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Urteilsvermögen
Seltenste Stärken:
Weisheit, Mäßigung, Selbstregulation (Park & Peterson, 2008)
Geschlechtsunterschiede: sowohl Unterschiede als auch große Übereinstimmungen (-> Folie)
o Kreativität -> M höher
o Dankbarkeit -> F höher
Stärken und Lebenszufriedenheit (-> Folie)
Stärken und Flow: Korrelation zwischen CS-Ausprägung und Ausmaß Flowerleben
(Peterson et al., 2006)
Lebenslauf:
Mit fortschreitendem Alter deutlichere Ausprägung der Stärken generell, insbesondere aber
von Neugier, Fairness, Liebe zum Lernen, Vergebungsbereitschaft und Selbstregulation
Ruch 2012&2016
Höchste Korrelationen:
Hoffnung & Enthusiasmus
Geringste: Bescheidenheit
Inwieweit Arbeiter
einschätzen, dass sie ihre
Stärken im Arbeitsalltag
einsetzen können
2013)
Das Stärkengespräch
In einem Stärkengespräch spricht der Klient über seine Stärken und kann somit mit ihnen emotional
in Kontakt kommen. Fragen hierzu können sich auf die Vergangenheit, die Gegenwart oder die
Zukunft beziehen. Es müssen nicht alle Fragen gestellt werden, es ist auch möglich nur auf einen
Bereich zu fokussieren (z.B.: Vergangenheit)
Vergangenheit
o Erzählen Sie über Verhaltensweisen oder Aktivitäten aus der Vergangenheit
o Worauf sind Sie stolz?
o Was haben Sie gern und gut gemacht?
Gegenwart
o Was finden Sie derzeit spannend oder aufregend?
o Wofür setzen Sie sich ein, wo investieren Sie Zeit und Energie?
o Was gibt Ihnen Energie zurück?
Nahe Zukunft (nächste Woche/Monat)
o Worauf freuen Sie sich in der nächsten Woche/Monat)
Profilblatt der CS
Ways to integrate
Strong Mindfulness
o CS M
Mindful Strengths Use
o M CS
Ablauf
Jeweils 6 – 8 Sitzungen
Gruppenformat mit 2 Trainer*innen
Bearbeitung VIA-IS online -> Stärken- und Signaturstärken-Profil
Strukturierter Trainingsablauf
o Psychoedukation - Wissensvermittlung
o Handouts – Klient*innen-Manuale
o Übungen/Rollenspiele in der Gruppe, z.B.
Humorübungen
Neugierparcours
Austausch über Dankbarkeit im Alltag
Kreativitätsübungen
o Hausaufgaben für zu Hause – Einsatz der Stärken im Alltag z.B.
Neugiertag
Dankbarkeitsbrief/-besuch
Ergebnisse
Depressivität
Glücksempfinden
Selbstmitgefühl
7. Dankbarkeit
7.1 Theoretisches
10 Gründe wofür du dankbar sein kannst:
Du hast eine Familie und Freunde
Erinnerungen an schöne Momente
Vorfreude
Erfahrungen… du hast dich weiterentwickelt
Angelächelt werden und Umarmungen
Essen und ein Dach über dem Kopf
Gute Bücher
Dein Lieblingssong
Freudentränen
Lieben und geliebt werden
Was dankbare Menschen glauben:
Jeder neue Tag ist ein Geschenk
Jeder ist gesegnet – nur jeder anders
Jede Herausforderung ist auch eine Chance
Fehler sind Teil des Lebens
Man braucht viel weniger, um glücklich zu sein
Vielen Menschen geht es schlechter als mir
Das Leben selbst ist ein Geschenk
Dankbarkeit - Gratitude – Begriff
Begriffliche Mehrfachverortung (hinsichtlich Generalität):
o „Positives Gefühl“ (Fredrickson, 2009)
o Positive Lebenseinstellung/Haltung (Wood et al., 2007, Emmons, 2002)
o Charakterstärke (Emmons & Crumpler, 2000) -> Tugend der Transzendenz
Situationsabhängige Emotion
o persönliche Haltung/Einstellung/Stimmung („Lebenshaltung“)
o Persönlichkeitseigenschaft/Trait
Assoziiert mit Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man
erhalten hat oder erhalten wird
Emmons (2003): Dankbarkeit ist eine diskrete Emotion, assoziiert mit Staunen, Freude,
Wohlgefühl -> eher leise Erleben von positivem Gefühl
-> Well-being, im Gegensatz zu „expressiven Emotionen“, wie Freude, Wut, Angst
Häufig auch als „soziale Emotion“ bezeichnet
Wood, Joseph, & Linley (2007): Dankbarkeit ist die Mutter alle Tugenden
o Cicero: größte aller Tugenden und deren Mutter
Psychologische Konzeption
Attributionstheoretische Formulierung
o Ich – Andere Relation (Situation/ Ereignis, Beziehung) – notwendig!
o Positive Zuwendung (Gabe, Geschenk, Unterstützung, Anerkennung, Lob etc.) und
positiver Effekt (Freude, Stolz, reflexive Emotion (sich … (z.B. geliebt, geschätzt …) fühlen)
o Attribution 1: Zuwendung wird als solche wahrgenommen und akzeptiert und der
positive Effekt ist gewünscht
o Attribution 2: Andere/r wird als Verursacher der positiven Zuwendung und Effekts
angesehen/anerkannt und
o Attribution 3: es wird der Gabe/ Hilfe etc. keine Reziprozität („Schuld“, Rückgabe,
Wiedergutmachung) zugeschrieben (geschuldet)
Dankbarkeit (gratitude) (positive Emotion)
ansonsten (Reziprozität): „Dankesschuld“ (indebtedness) (negative Emotion),
Vermeidungswunsch
Begriff
Multiple Quellen von Dankbarkeit:
o Ereignis, Situation, Interaktion
o Personen, Gruppen (Familie), Organisationen
o Transzendente Personen (z.B. Gott, Heilige etc.)
-> „religiöses Gefühl“: A. Smith (1759): „ethisches Gefühl“
o Transzendenz (dankbar dem Sein gegenüber, der Existenz)
Multiple wissenschaftliche Zugänge
o Theologie (Jüdische, christliche, buddhistische, muslimische und hinduistische Traditionen)
-> Dankbarkeit gegenüber Gott
o Philosophie (Moralphilosophie, Ethik)
o Psychologie -> erst durch Positive Psychologie
o Pädagogik -> Dankbarkeit als Erziehungsziel und -Methode (eng assoziiert mit Prosozialität)
Multiple Effekte
Systematische Anwendung
Messung von Dankbarkeit
Gratitude Questionnaire (GQ6) (McCullough et al., 2002)
o 6 Items, 7-stufiges Rating:
I have so much in life to be thankful for.
If I had to list everything that I felt grateful for, it would be a very long list.
When I look at the world, I don’t see much to be grateful for. (neg.)
I am grateful to a wide variety of people.
As I get older I find myself more able to appreciate the people, events, and situations
that have been part of my life history.
Long amounts of time can go by before I feel grateful to something or someone.
(neg.)
o Gute bis sehr gute interne Konsistenz (α=.82-.95)
o Eindimensional
o Konvergente und Konstruktvalidität bestätigt
Positiver Feedback-Kreislauf
7.2 Dankbarkeitsinterventionen
Dankbarkeits-Interventionen
Die vielen positiven Effekte und Korrelate legen es nahe Dankbarkeit als psychologische
Ressource zu sehen und systematisch zu verbessern und zu entwickeln
Dankbarkeitsinterventionen
Sehr heterogene Ansätze
o Psychoedukation
o Lebensempfehlungen -> „Dankbarkeits-Tipps“
o Kognitive Interventionen
o Schreibinterventionen
o Soziale Interventionen
o Mehrdimensionale Interventionen
o Elektronische Interventionen -> Dankbarkeits-Apps
Befunde zeigen, dass Dankbarkeit entwickelt & trainiert werden kann und zu multiplen
positiven Effekten führt
Dankbarkeits-Tipps
https://www.lernen.net/artikel/dankbarkeit-6-tipps-wiedankbarkeit-deine-lebensqualitaet-
verbessert-3053/:
Mach Dankbarkeit zu deiner positiven Grundeinstellung -> Dankbarkeitshaltung
Mut zur Veränderung: Erkenne, was dich unglücklich macht und ändere es
Starte mit positiven Gedanken in den Tag und gehe mit ihnen schlafen
Dankbarkeit: Schaffe positive Erinnerungen
Schätze dein Leben: Dankbarkeit macht zufrieden und ausgeglichen
Lerne, Dankbarkeit auszudrücken
Kognitive Interventionen
Psychoedukation
o Informationen und Aufklärungen darüber, was Dankbarkeit ist und wie sie in das
soziale Leben eingebunden ist und was sie bewirkt
o Vermittlung von Skills
Watkins et al. (2003)
o An Personen denken, denen man dankbar ist
o Mit Personen, denen man dankbar ist (in der Vorstellung) imaginäre Gespräche führen
o Dankbarkeit imaginär ausdrücken
o Sich vorstellen, dass man von anderen Dankbarkeit ausgedrückt bekommt
Lyubomirsky, Tkach & Sheldon (2004)
o Einmal wöchentlich an Dinge denken, für die man dankbar ist
Schreibinterventionen /-übungen
Counting blessings
Dankbarkeitslisten (Wood, Froh & Geraghty, 2010)
o Erstellen von Listen von Personen und Anführen, wofür man wem dankbar ist
o Anführen von Dingen, wofür man dankbar ist
o Über jemanden schreiben, dem man dankbar ist
Dankbarkeitstagebücher (Emmons & McCullough, 2003; Lyubomirsky et al., 2005)
o Tägliche Aufzeichnungen von bis zu fünf Dingen, die einen dankbar gemacht haben
o Wöchentliche Aufzeichnung …
Dankbarkeitsbriefe (Seligman et al., 2005)
o Verfassen eines Briefes an eine Person, der man dankbar ist und der man noch nicht
gedankt hat. Darin Ausdrücken der Dankbarkeit und beschreiben, warum man
dankbar ist
Soziale Interventionen
Dankbarkeitsbesuche
o Aufsuchen einer Person, der man dankbar ist und (mit oder ohne Dankbarkeitsbrief)
Dankbarkeit ausdrücken
Dankbarkeitsbrief vorlesen
Über Dankbarkeit sprechen
Dankbarkeitsgespräche
o Wiederholtes Ausdrücken der Dankbarkeit
o Dankbarkeit vertiefen
Mehrdimensionale Interventionen
Dankbarkeits-Portfolios
o Kombination verschiedener Dankbarkeitsinterventionen
o Sammlung von Erinnerungen und Gegenständen, die an Dankbarkeitsepisoden,
positive Erfahrungen etc. erinnern -> Schaffung positiver Erinnerungen
Kalender: Aufzeichnen positiver Erlebnisse
Fotoalben
Sprüche
Literatur
Planen von Erfahrungen, Ereignissen, Situationen, die dankbar machen
o Wiederkehrendes Ansehen und Pflege des Portfolios
Dankbarkeits-Apps
Elektronische Apps, die es ermöglichen Dankbarkeit
zu sampeln
Dankbarkeitserlebnisse zu speichern
Dankbarkeitsinterventionen zu planen und durchzuführen (z.B. counting blessings)
Situation ist sehr unübersichtlich!
Outcomestudien
Studiensituation
Relativ breite Studienlage, aktuell ca. 25-30 Studien incl. Studien zu Effekten der
Dankbarkeits-App
Große Heterogenität
o Altersgruppen:
Kinder bis Erwachsene, meist College-Studenten
o Probleme:
„Gesunde“ vs. Auffälligkeiten/Störungen
o Störungsgruppen:
Depressive, neurologische Erkrankungen, Angststörungen, Körperunzufriedenheit,
Belastungsstörungen …
o D.-Interventionen (s.o.)
o Dauer:
Einmalig vs. wiederholt, 1 – 10 Wochen (Md=2.5 Wo)
o Design:
Ein- vs. Mehrgruppen-Designs
o Vergleichsgruppen
Warteliste/n / Keine Intervention
Alternative Aufzeichnungen: z.B. Belastungen, geplante Dinge, frühe
Erinnerungen, typischer Tag, Wohnzimmer
Alternative Interventionen: z.B. Erfassung automatischer Gedanken;
Sorgentagebücher, Problemlösen; Glückstagebücher, Stärkenübungen
o Outcomes:
Dankbarkeit, Well-being, Depressivität, LQ etc
Wirksamkeit und Effekte
Relativ einheitliche Ergebnislage:
D. vs. WL/keine Intervention: mittlere bis große ES
D. vs. alternative negative Intervention; sehr große ES
D. vs. alternative Treatments: kleine ES, jedoch nie unterlegen
D.-Intervention:
o Geringere Abbruchraten
o Höhere Durchführungsmotivation
o Häufig Anhalten nach Beendigung der Studie
o Größere Zufriedenheit mit der Intervention
Stabilität der Effekte bis zu 6 Mo nachgewiesen
Dauer der Intervention scheint nur geringen Effekt zu haben
Moderatorvariablen: Passung, Zufriedenheit, Ausgangswert, Geschlecht
Mediation von Anstieg D. auf Verbesserung SWB (Emmons & McCullough, 2003)
Mögliche Wirkfaktoren (Wood et al., 2010)
Direkte Effekthypothesen:
o D.-Erfahrungen steigern positive Emotionen (z.B. Freude, Glücksempfinden etc.) direkt
o Broaden- und Build-Effekte:
D. erweitert Handlungsrepertoire und verstärkt Ressourcen, insbesondere soziale
Mediator-Hypothesen:
o Undoing-Hypothese:
D. -> positive Affekte -> Reduktion negativer Affekte, wie Angst, Depression etc.
o Coping-Hypothese:
D.-Erleben fördert Copingfähigkeit -> bessere Bewältigung von Belastungen ->
höheres SWB
o Kognitive Schema-Hypothese:
D.-Erleben -> positive Erwartungen, Positivität -> höheres SWB
Empirische Evidenz für verschiedene Hypothesen noch relativ spärlich, aber gegeben
mehrdimensionale Wirkpfade
Vergebung
einzige Option der Bewältigung von Schädigungen und Verletzungen,
bei denen der korrektive Austausch unterblieben ist, d.h. der Täter keine korrektiven
Handlungen gesetzt hat
und sich negative Prozesse bestehend aus
o negativen Emotionen (Wut, Hass, Kränkungen),
o Verbitterung und
o Isolation, Vermeidung und Fixierung an den Täter ergeben haben
Bei starker/intensiver Ausprägung professionelle Unterstützung sinnvoll bis notwendig
Psychologie der Vergebung
Foci:
Täter, Opfer, Opfer=Täter (Selbst)
Perspektiven:
o Externe/soziale P.:
Vergebung als sozialer Akt, realer Akt; soziale Interaktion
-> Verzeihung und Versöhnung
o Interne/individuelle P.:
Vergebung als innerer, persönlicher Prozess; individuelles Geschehen
o Subjektive P.: Opfer = Täter
man verzeiht/vergibt sich selbst, was man sich angetan hat
o Seltener:
Physische P.:
Vergeben der Konsequenzen einer Naturkatastrophe
Transzendente/religiöse P.:
Vergeben und Annehmen von „Prüfungen“ Gottes
Psychologie betont stärker die individuelle und die subjektive Perspektive
o Vergebung als innerpsychischer, individueller Prozess
o Vergebung als Prozess mit und für sich selbst
Allerdings externe soziale Perspektive ebenfalls wichtig
o Reale Aussöhnung/Verzeihung zwischen Opfer und Täter
o Vergebung als interpersonaler Prozess,
z.B. in Familien, Partnerschaften, Kriminalpsychologie (Opfer-Täter-Ausgleich -> ATA)
o Vergebung in Gruppen, Organisationen und Gesellschaften
->Rituale der Entschuldigung und Versöhnung, z.B. Deutschland ->Juden
Zentrale Merkmale: Vergebung …
o bezieht sich auf einen Täter und seine Tat
o ist ein Prozess, der verschiedene Komponenten umfasst
o beinhaltet eine individuelle Entscheidung des Opfers dazu
o ist/beinhaltet Aufwand und Anstrengung (effort, Arbeit)
o kann als emotionsorientiertes Coping verstanden werden (Lazarus)
o =/= Versöhnung
Vergebung ist nicht …
Vergessen − Verletzung wird nicht mehr erinnert
Nachsicht − Verantwortlichkeit des Täters wird relativiert
Akzeptanz − Verletzung bzw. deren Folgen werden akzeptiert
Billigung − Person in Opferposition äußert Zustimmung oder Einwilligung
Begnadigung − vorgesehene/angedachte Strafe wird dem Täter erlassen
Verleugnung − Unvermögen / mangelnder Wille, eine Verletzung als solche wahrzunehmen.
Rechtfertigung − verletzende Handlung wird im Nachhinein durch Argumente gerechtfertigt
Versöhnung
Vergebung vs. Versöhnung
Versöhnung = mehr als Verzeihung
o Beide Seiten beschließen unbelastet von der Verletzung die vorbestehende
Beziehung fortsetzen zu wollen (Enright, 2006)
o Rückkehr zur „Baseline“, Wiederannäherung, Erneuerung gegenseitigen Vertrauens
o Versöhnung nur möglich, wenn Täter Reue zeigt und Wiedergutmachung leistet
o Opfer muss strukturell dazu in der Lage und bereit sein, Reue und
Wiedergutmachung anzunehmen
Nichtversöhnung = i.d.R. Beziehungsabbruch, aber kein Nachtragen
Prozessmodelle des Vergebens
Schwennen (2008):
Basis: Bereitschaft/Wunsch sich von den negativen Emotionen der Verletzung/Schädigung
trennen zu wollen
Übertragung von Empathie und Perspektivenübernahme an den Täter und seine Situation
Auseinandersetzung mit den eigenen negativen Emotionen & Konsequenzen der Kränkung
Erreichung innerer Distanz zur eigenen Betroffenheit
-> Selbstrelativierung, Selbstdistanz
Vergebung als Prozess
Enright (2006): 20 Wegweiser zur Vergebung -> 4 Gruppen
1. Die eigene Wut und Verletzung erkennen und akzeptieren
2. Sich zur Vergebung entschließen
3. Am Vergebungsprozess arbeiten
4. Erkenntnis und Befreiung aus dem Gefängnis der 4 Wände
Förderliche Bedingungen
Metaanalysen von Fehr, Gelfand & Nag (2010) & Riek und Mania (2011)
Vergebung als state und trait
(Vergebungsbereitschaft) für Täter positiv assoziiert (r ≥ .30) mit:
o Empathie für den Täter,
o geringer dem Täter zugeschriebener Absicht,
o geringer auf den Täter bezogener Wut,
o Bitte des Täters um Entschuldigung,
o geringer dem Täter zugeschriebener Verantwortung,
o sonst zufriedenstellende Beziehung zum Täter,
o geringem Ausmaß an Grübeln
o geringe Verbitterung
Vergebung und Wohlbefinden/ Gesundheit (Fehr et al., 2010)
Vergebung als State assoziiert mit …
o vermindertem negativen Affekt (z. B. Wut, Verbitterung, r = −.47)
o erhöhtem positiven Affekt (z. B. Mitgefühl, Wohlwollen, r = .32).
o reduzierter Depression, weniger Angst, weniger Stress (r ≤ .30)
o höherer Lebenszufriedenheit (r ≤ .30)
o erhöhter Bereitschaft sich mit Täter zu versöhnen und Beziehung fortzusetzen
o mehr wahrgenommener Unterstützung
Auch mit Verbesserungen im psycho-physiologischen Funktionieren assoziiert,
(Waltman et al., 2009)
8.2 Vergebungsinterventionen
Forgiveness-Interventionen
Individuelle vs. Beziehungsbezogene Interventionen
o Arbeit mit Einzelpersonen vs. Paaren und Familien
Einzel- vs. Gruppeninterventionen
Klientengruppen
o Verschiedene Formen interpersonaler Traumata
o Leichtere Verletzungen/Schädigungen
o Personen mit Verbitterungsstörungen
o Personen mit psychischen Störungen&chronifizierten negativen Bewältigungsformen
3 zentrale Modelle:
o Modell von Enright et al. (1999; 2001, 2006)
o Modell von Worthington (2001)
o Modell von Wade und Worthington (2005)
Modelle
Enright (2006):
o Entscheidung zur Vergebung
o Bearbeitung von Wut und anderen negativen Effekten der Kränkung
o Verständnis und Empathie für den Täter
o Erleben (unerwarteter) positiver Affekte
Wade & Worthington (2005)
o Bearbeitung der Verletzung und der assoziierten Emotionen
o Entwicklung von Verständnis und Empathie für den Täter
o Entwicklung von Vergebung und Unterstützung beim Vergebungsprozess
Das REACH-Ritual – Worthington (2001)
Recall:
Schmerz so sachlich wie möglich ins Gedächtnis zurückrufen
Empathie:
Versuchen Sie die Situation aus dem Blickwinkel des Täters zu verstehen; denken Sie an eine
plausible Geschichte
Altruistisches Geschenk der Vergebung:
Denken Sie an eine Situation, in der Ihnen verziehen wurde und spüren Sie der Dankbarkeit
nach, die Sie damals erlebt haben
Commit:
Legen Sie sich fest, indem Sie öffentlich vergeben; schreiben Sie ein „Zertifikat der
Vergebung“ oder einen Verzeihensbrief -> vertragsartige Verbindlichkeit
Hold in to forgiveness: (Interventionen führen einmalig nicht zum gewünschten Effekt!)
Vergebung heißt nicht Auslöschung der Erinnerung, sondern Umetikettierung
Wirksamkeit/Effekte
Wirksamkeit bis jetzt in verschiedenen Studien und Meta-Analysen untersucht, z.B.: …
Lundahl, Taylor & Stevenson (2008): 14 Studien
Teilnehmer von Vergebungsinterventionen im Vergleich zu keiner Intervention:
höheres Ausmaß an Vergebung (d=0.82)
weniger negativer Affekt
(depressive Symptome, Angst, Wut, wahrgenommener Stress, Kummer) (d=0.54)
Zunahme an positivem Affekt ‚
(Hoffnung, Optimismus, positive Emotionen) (d=0.81)
höhere Selbstwertschätzung (d=0.60)
tendenziell positive Änderung der Beziehung zum Täter (d=0.25-0.30)
Stabilität der Effekte über Follow-up-Perioden (bis 1 Jahr)
Einzelinterventionen effektiver als Gruppeninterventionen
Interventionen nach Enright effektiver als andere
Meta-Analyse Wade et al. (2014)
57 Studien
Einzel-, Gruppen- und Paar-Interventionen
Vergleichbare Effekte zu Lundahl et al. (2008)
o Vergebungsinterventionen wirksamer als keine oder alternative Interventionen
(z.B. KVT; Skillstraining)
Zunahme an Vergebung
Zunahme positiver Affekte und Wohlbefinden
Reduktion negativer Affekte und Symptome
Moderatoren (stärkere Effekte):
o Dauer der Intervention
o Schwere der Verletzung
o Einzelintervention ≥ Gruppe
8.3 Verbitterung
Verbitterung – Embitterment
menschliche (Grund-)Emotion (nach Linden)
reaktive Emotion auf Ungerechtigkeit, Kränkung, Scheitern, Herabwürdigung, Schädigung
oder Vertrauensbruch
assoziiert mit Schmerz, Frustration, Trauer, Wut
Erlebt als „nagend“ und einschneidend, verletzend
Verlauf: anhaltend bis „wellenförmig“ (Auslöser)
Dauer: Spontanremission bis Chronifizierung
Determinanten der Dauer:
o Intensität des Ereignisses
o Mehrfache Ereignisse
o Wiederholte Triggerung -> längere Dauer
o Personmerkmale (z.B. Kränkbarkeit, Narzissmus)
o Beziehungsmerkmale (zur kränkenden Person)
Konsequenzen: - Verbitterungsstörung, Racheakte, Zerstörung, Mord etc.
Berner Verbitterungs-Inventar
18 Items
4 Skalen
o Emotionale Verbitterung
o Leistungsbezogene Verbitterung
o Pessimismus/Hoffnungslosigkeit
o Menschenverachtung
Empirisch fundiert
Normiert
Interne Konsistenz: α = .65 - .89
Verbitterungsstörung (Linden, 2008) - PTED
subjektiv außergewöhnliches, schweres Ereignis einer Kränkung, Verletzung, Ungerechtigkeit,
Enttäuschung, Scheitern etc. (objektiv oft alltäglich)
Unmittelbare Reaktionen: Verbitterung, Trauer, Wut, Hilflosigkeit (i.d.R. Gefühlsmix),
Symptome:
o sich aufdrängende Erinnerungen, dysphorische Herabgestimmtheit,
Antriebsreduktion oder -blockade,
o phobische Vermeidung von ereignisbezogenen Orten und Personen,
o Rachephantasien und aggressive Gefühle gegenüber dem Aggressor,
o querulatorische Hartnäckigkeit im Kampf um Wiederherstellung von Gerechtigkeit,
o Lebensüberdruss bis hin zu Phantasien eines erweiterten Suizids
Einschränkung der Ausübung täglicher Aktivitäten und Aufgaben
Vor Ereignis keine Hinweise auf vergleichbare Probleme/Störungen
Symptomatik wird nicht besser durch andere Ereignisse oder durch organische oder
substanzbezogene Faktoren erklärt
Dauer der Symptomatik: anhaltend seit mind. 6 Monate
Verlauf: anhaltend bis anschwellend
Prävalenz (Linden et al., 2008): 2-3% Bevölkerung (höher in klinischen & forensischen Gruppen)
Ätiologie (Linden, 2007):
o Auslöser:
Zer-/Störung basaler Grundannahmen an eine „gerechte Welt“ durch Ereignis
o Erleben als Aggression
o Wirksame Verteidigung/Abwendung ist nicht möglich
o Nach innen Wendung, stabil internale globale Attribution
o Rumination, Hilflosigkeit, Resignation, Aggressivität
Psychopathologische Merkmale (Linden, 2008)
Beteiligte psychopathologische Mechanismen:
o Hass, Aggressivität, Resignation, Rachegefühle Selbstverachtung & Selbstzerstörung
o Gereiztheit, Depressivität, Flashbacks, ausgeprägte Rumination
o Massive Beeinträchtigungen im Alltagsleben und Alltagsfunktionieren
o Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten von Menschen, Orten, Situationen etc., die an
das negative Erlebnis erinnern,
Verwandtschaft/Ähnlichkeit mit PTBS, Unterschiede
o PTBS: Erleben/-leiden lebensbedrohlicher Ereignisse
-> (Todes)Angst
o PTVS: Erleben/-leiden massiv kränkender Ereignisse
-> intensive Verletzung, Kränkung, Enttäuschung
Behandlung/Therapie
Vergebungstherapie (Enright, Wade, Worthington)
Weisheitstherapie (Linden, Maercker)
Weisheit:
o Fähigkeit zur Lösung unlösbarer Probleme
o Umgang mit schwierigen und unauflösbaren Lebensfragen (Dilemmata)
o Fähigkeit zur Klärung von Problemen und Lebenssituationen, die man nicht aus der
Welt schaffen kann
o Beispiele:
Wie reagiere ich auf die Untreue meines/r Partner*in
Gehe ich arbeiten oder bleibe ich bei meinem kranken Kind?
Weisheitskompetenzen: Baumann & Linden (2008) / Baumann et al. (2009): 13
o Blick auf die Welt
1. Fakten- und Problemlösewissen
2. Kontextualismus
3. Wertrelativismus
o Blick auf andere Menschen
4. Perspektivenwechsel
5. Empathie
o Blick auf die eigene Person
6. Problem- und Anspruchsrelativierung
7. Selbstrelativierung
8. Selbstdistanz
o Blick auf das eigene Erleben
9. Emotionswahrnehmung und -akzeptanz
10. Emotionale Serenität und Humor
o Blick auf die Zeit
11. Ungewissheitstoleranz
12. Nachhaltigkeit
13. Vergebung und Vergangenheitsdistanz
Hohe Weisheit geht einher mit
Besserer Distanzierungsfähigkeit von belastenden Ereignissen
Bessere Akzeptanz, dass vor allem die eigene Reaktion das Wohlbefinden beeinflusst
Bessere Fähigkeit Lebenserfahrungen auf neue Situationen übertragen zu können
Bessere Befassung mit dem Wohlbefinden von anderen
Weniger Verharren in Erinnerung an unangenehme Ereignisse
Größerem Einfluss auf die Lebenszufriedenheit im Alter als z.B. Gesundheit,
sozioökonomischer Status, finanzielle Situation, Umwelt und soziales Engagement
Behandlung
Indikation:
o schwere Kränkungen
o Scheitern, Mobbing mit Verbitterungsverhalten
o „Kränkungsdepression“
Training von Weisheit und Weisheitskompetenzen
Kognitiver Ansatz
Modulartig aufgebaut
Partiell manualisiert
Therapierational
Es gibt keine einfache Lösung
Dinge sind nicht ungeschehen zu machen
Gute Ratschläge helfen nichts
Es geht nicht darum, doch eine „Lösung“ zu finden
Es geht darum Fähigkeiten zu vermitteln oder zu stärken, wie man mit Schicksalsschlägen so umgeht,
dass man daran wachsen kann, anstatt zu zerbrechen
Therapieschritte
Schritt 1
o Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung
o Analyse und Exploration des kritischen Lebensereignisses
o Förderung von Änderungsmotivation
Schritt 2
o „Weisheitstraining“
Schritt 3
o Abbau von Rückzugs- und Meidungsverhalten
o Exposition
o Aufbau neuer Perspektiven
„Weisheitstraining“
Kernstück der Behandlung
Training komplexer Problemlösekompetenzen
Dazu Förderung und Aktivierung „reifen“, weisen Denkens
Keine „Lebensberatung“ und „Konfliktlösung“, sondern Förderung psychologischer Kompetenzen
zum Umgang mit schwerwiegenden kritischen Lebensereignissen
„Methode der unlösbaren Probleme“
Geleitetes Reflektieren über fiktive Beispielprobleme mit „Dilemmacharakter“
Vermittlung & Training von weisheitsaktivierenden Problemlösestrategien
Einübung von Strategien vor allem zur inneren Distanzierung, zum Perspektivenwechsel, zur
Empathieentwicklung, zum Wertrelativismus und zur Flexibilität bei der Betrachtung von
komplexen Problemen
Zunächst Vorgabe von komplexen fiktiven Lebensproblemen für den Übungsprozess
Dann erst Reflexion und Transfer der Bewältigungsstrategien auf das eigene Problem
Wirksamkeit von Weisheitstherapie (noch nicht sehr umfassend erforscht)
9. Flow
Begriff
Engl.: Fließen, Rinnen Strömen
o Entrücktsein vom Tagesgeschehen
o Aufgehen in der momentanen Tätigkeit
o Zustand eines beglückenden Unendlichkeitsgefühls
o Völliges Eins-sein mit sich selbst und der Welt
Mihály Csíkszentmihályi
o beglückend erlebtes Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung
(Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie
von selbst vor sich geht
o Schaffens-, Tätigkeitsrausch oder Funktionslust
Merkmale
Positive Gestimmtheit
o Intensives, positives/beglückendes Erleben
o „Dinge“ gehen wie von selbst
o Erleben von Erfülltheit und erfüllt sein
Verlust von Raum- und Zeiterleben
Tätigkeit wird der Tätigkeit wegen ausgeführt – kein Zwang
Intra- und Interindividuelle Schwankungen
Fließender Übergang zu „Ekstase“
„Positive Sucht“ -> Hochmotivation
In allen Lebensaltern vorfindbar
Spiel des Kindes als Ausgangspunkt und Prototyp
o Im Spiel aufgehen
o Im Spiel die/das gespielte Person/Ding sein
Dem Glücklichen schlägt keine Stunde
Facetten des Flow-Erlebens (Blickhan, 2015, S. 198f.)
Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein
Fokussierung der Aufmerksamkeit
Selbstvergessenheit
Gefühl der Kontrolle
Eindeutige Handlungsanforderungen
Autotelische Erfahrung
o Selbstbestimmtheitserfahrungen
o intrinsische Motiviertheit
Verändertes Zeiterleben
Micro- vs. Deep Flow
Flow kann Persönlichkeitsmerkmal werden
Anwendungen
Arbeit und Arbeitspsychologie
Tätigkeitspsychologie
Erstellen/Entwickeln von Bedingungen für zufriedenstellende/befriedigende Aktivitäten
Selbstverwirklichung und personal Growth
Bis jetzt erst wenig in Trainings integriert
Arbeit an „Flowbedingungen“, weniger an Flow selbst
Zusammenhang mit Stärkenanwendungen
Eher mehr: Bedingungen eines glücklischen/erfolgreichen Lebens
10. Achtsamkeit
Begriff (Kabat-Zinn, 1990)
Achtsamkeit / Mindfulness is the …
moment by moment awareness,
the non-judgemental observation of the ongoing stream of internal and external stimuli as
they arise
on purpose
by not judging our experience we are more likely to see it as it is
Achtsame Haltung
Fokussierung auf das, was existiert oder im Moment geschieht
Wertfreie Wahrnehmung oder Beobachtung
Absichtsloses Gewahrsein
Akzeptierende Haltung
Entspannte Aufmerksamkeit
Komponenten einer achtsamen Lebenshaltung