DB 26
DB 26
III. Die Grundaussagen der Schrift und der Kirche über das
Verhältnis von Kirche und Judentum 10
1. Das Zeugnis des Neuen Testaments 10
a) Vorbemerkung 10
b) Kritische Aussagen über die Juden 10
c) Positive Aussagen über die Juden 11
2. Aussagen der katholischen Kirche 13
a) Das II. Vatikanische Konzil 13
b)Di e„ Richtli
n i
enu ndHi nwe i
se“[Link]
zembe
r197
4 15
c) Aktivitäten und Aussagen der Päpste 15
d) Weitere kirchliche Verlautbarungen 16
3. Aussagen anderer Kirchen 16
IV. Glaubensunterschiede 16
1. Das Reich Gottes im Messias Jesus 16
2. Der Glaube an Jesus Christus 17
3. Das Problem des Gesetzes 17
2
VI. Gemeinsame Aufgaben 21
1. Verwirklichung des Willens Gottes 21
2. Teilnahme am prophetischen Protest 21
3. Friedensarbeit in aller Welt 21
4. Erwa rt
un geine s„ne ue nHi mme
lsun de
ine
rne
uenEr
de“ 22
5. „Got tal
lesina llem“ 22
3
I. Jesus Christus - unser Zugang zum Judentum
Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum. Er ist nach dem Zeugnis
des Neuen Testamentsa ls„SohnDa vids“(Röm1, 3)u nd„ SohnAbr ah a
ms “( Mt
1,1;vg l.a uch He br7, 14)„ s
e inem Fleisch na ch“ a us de m Vol kI srae
l
hervor gega ngen( Röm 9, 5).„ Al
sa berdieZe iterfülltwa r,sandteGot tseinen
Soh n,g eborenvo ne ine rFr auu n dde m Ge setzu nterstel
lt“(Gal 4,4). Seiner
menschlichen Natur nach war Jesus von Nazaret ein Jude; er kam aus dem
Judentum. Er steht seiner Herkunft nach in der Geschichte des Volkes Israel
(vgl. den Stammbaum Jesu Mt 1,1-17 und Lk 3,23-38).
Heute entdecken auch jüdische Autoren da s„ Jude-Se i
n“J [Link] rt
inBu bersah
1
inJ esu ss ei
n e
n„ großenBr ude r“
;Schalom Ben-Ch orinbe kennt:„ Jesusistfür
mich der ewige Bruder, nicht nur der Menschenbruder, sondern mein jüdischer
Bruder. Ich spüre seine brüderliche Hand, die mich faßt, damit ich ihm
nachfolge... Sein Glaube, sein bedingungsloser Glaube, das schlechthinnige
Vertrauen auf Gott, den Vater, die Bereitschaft, sich ganz unter den Willen
Gottes zu demütigen, das ist die Haltung, die uns in Jesus vorgelebt wird und
2
die uns - Juden und Christen - ve
rb in
de nkann“.
[Link] se r ste
si stau fd ieHe iligeSc hr
iftI sraels,v on de n Chr i
st
e n„ Altes
Te st
a me nt “ge nannt
,hinz uwe [Link] nnd asNe ueTe st
a me ntv onde r„Sc hrif
t“
od erd en„ Schrift
en“sprichto de rBe zugni mmta ufda s,wa s„ge schrieben“s t
eht
(vgl. z. B. Mt 4,6; Mk 1,2; Lk 24,44-46; Joh 19,36f.; 1 Kor 15,3f.; 2 Kor 4,13;
Gal 3,10.13), bezieht sich das auf das Alte Testament. Das 11. Vatikanische
Konz ill ehrt
:„ Der liebende Gott, der um das Heil des ganzen
Menschengeschlechtes besorgt war, bereitete es vor, indem er sich in
einzigartiger Planung ein Volk erwählte, um ihm Verheißungen anzuvertrauen ...
Die Geschichte des Heiles liegt, von heiligen Verfassern vorausverkündet,
berichtet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten
4
Bu nde s.“ Das Alte Testament ist so für Juden und Christen gemeinsame
Gl aube nsq uelle,we nn f ürd ie Chr iste
na uch da s„ Ne ue Te s t
ame nt
“a ls
besondere Glaubensquelle dazugekommen ist. Im Alten Testament spricht der
Gott der Offenbarung, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der auch der Gott
Jesui [Link] eva ti
kani
sch en„ Ric htl
inienu ndHi nwe isefürd ieKonz il
serkl
ä r
un g
‚Nos traAe tat
e ‛Art.4“vom [Link] z embe r1 97 4b eme rkend azu :„Ma ns ol
l
bemüht sein, besser zu verstehen, was im Alten Testament von eigenem und
bleibendem Wert ist . . ., da dies durch die spätere Interpretation im Licht des
4
Neuen Testaments, die ihm seinen vollen Sinn gibt, nicht entwertet wird, so daß
5
sich vielme hreinewe c h
selsei
tigeBe le uc
h tungu ndAu sde utunge r
gib t
.“ „Ma n
darf das Alte Testament und die sich darauf gründende jüdische Tradition nicht
in einen solchen Gegensatz zum Neuen Testament stellen, daß sie nur eine
Religion der Gerechtigkeit, der Furcht und der Gesetzlichkeit zu enthalten
scheint, ohne den Anruf zur Liebe zu Gott und zum Nächsten (vgl. Dtn 6,5; Lev
6
19,18; Mt 22,34-40 ).
” Die Kirche hat mit Recht stets alle Versuche abgelehnt,
die darauf hinausgingen, das Alte Testament aus ihrem Schriftenkanon zu
entfernen und nur das Neue Testament gelten zu lassen.
[Link] eHe i
li
geSc hriftI s
r a
elsb ezeugtv ora llem de ne inenGo tt
:„Hör e,Isra el
!
Jahwe ,u ns
erGot t
,J a hwei ste inzig!“(Dt n6, 4).Di eserSa tzis tdas„ Urcredo“
der jüdischen Religion, das täglich beim Morgen- und Abendgebet in der
Familie wie im synagogalen Gottesdienst rezitiert wird. Auf die Frage des
Sc hriftge l
ehrten :„We lc
he sGe bo tistdase rs tevo na l
len?“a ntwor t
etJ e
sus:„ Da s
erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr! Darum sollst du
den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all
deine nGe danke nu n da llde ine rKr aft
“( Mk1 2,29f.).Da sKon zillehrt
:Go t
t
„ha ts ic hd em Vol k ,da sers iche r
wor be n ha tte,d urch Wor tu nd Ta ta l
s
einzigen, wahren und lebendigen Gott so geoffenbart, daß Israel Gottes Wege
mit den Menschen an sich erfuhr, daß es sie durch Gottes Wort aus der
Propheten Mund allmählich voller und klarer erkannte und sie unter den
Völkern mehr und mehr sichtbar machte (vgl. Ps 21,28f.; 95,1-3; Jes 2,14; Jer
7
3,17) “.
3. Dieser eine Gott ist auch der Schöpfer der ganzen Welt. In klassischer
Prä gnanzk ommtda sg lei
c hime r
s t
enVe rsde rBi belz um Aus d ruck:„Im
Anf angs ch ufGot tde nHi mme lun ddi eEr de“( Gen1, 1).Di esesWor thä l
t
programmatisch fest, daß Schöpfer und Geschöpf nicht identisch, austauschbar
und verwechselbar sind; es verhindert eine Vergötterung der Welt, obwohl
Israel deren faszinierende Urordnung durchaus gesehen und sie in seinen
Gebeten gepriesen hat. Dieses Wort bewahrt das Denken der Menschheit vor
der gnostisch-neuplatonischen Interpretation der Welt, nach der die Welt eine
Ema nati
on( „
Aus fl
u ß“)Got tesi s
t,u nds c hüt
ztv orjene rPhilosophi e,nachde r
die Weltges chicht
ed ieSe lbstent
faltungGot tes( de
s„ We lt
geistes“)is t
.Dur ch
Jesus und die Kirche ist die Schöpfungsbotschaft des Alten Testaments in die
Völkerwelt gekommen. Sie hilft den Menschen, das richtige Verhältnis zur Welt
zu gewinnen.
4. Von besonderer aktueller Bedeutung ist die Lehre der Schrift Israels, daß der
Me nsch„ Abbi l
d“Got t
esi st
:„ Da nns prachGo t
t:La ßtu nsMe ns
c henma che n
als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle
Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als
Abb i
ldGot tessch ufe [Link] sMa n nun dFr a uschufe rsie“( Ge n1,26f .).„Gott
5
hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines
eigen enWe sensge ma cht“(We is
h2, 23).Di eLe hre von der Ebenbildlichkeit
des Menschen mit Gott impliziert die unantastbare Würde des Menschen und
da mita uc hda s,wa sma nheute„ dieMe ns chenrech t
e “ne nn t
.Na chde rLe hre
8
des Judentums vermindert der Mörder die Gottebenbildlichkeit. Man darf den
Nächsten nicht verachten, weil er nach Gottes Bild geschaffen ist.9 „ De rHe r
r
schuf mit eigenen Händen einen Menschen und machte ihn seinem eigenen
Antlitz ähnlich ... Wer des Menschen Antlitz verachtet, verachtet das Antlitz des
Herrn!10 Ganz aus diesen Überzeugungen des Judentums heraus hat der
Jak obusbr i
eff ormul iert
:„ Mitihr(derZu n ge )preisenwi rde nHe r
rnu ndVa ter
,
und mit ihr verfluc henwi rdieMe nschen,di ealsAb bildGot t
ese r s
cha f
fens ind“
(Jak 3,9).
5. Israel weiß sich in einen Bund mit seinem Gott hineingenommen. Dieser
Bund ist Gnade und zugleich Verpflichtung. Die Bundesforderung zielt ab auf
diea ussch li
eß l
icheVe r
e hrungJ ahwe sd urchI sr
[Link] e„ Bun des
for me l
“laut et:
„Duwi rstme inVo lks ein,ichwe rdede i
nGot tsein.
“Di ePro phetenwa rneni h r
Volk vor Bundesbruch.
Die Schrift Israels erzählt auch von bereits vorausgehenden Bundesschlüssen,
so mit Abraham (vgl. Gen 15), wobei Gott dem Abraham die eidliche
Zusicherung zur Erfüllung der Landverheißung gibt; ferner mit Noach (vgl. Gen
9,9-17). Der Heilshorizont, in dem der Bundesschluß mit Noach sich bewegt, ist
eindeutig ein universal-ko smi scher ;e rbe z
iehts icha ufdieg a nz
e„ Erde“( Ge n
9,1 3),a uf„ allel eb e
nd enWe sen“( Ge n9 ,
[Link] 6),auf„ all
esFl ei
sch,da s
aufEr de ni s
t“( Ge n9 ,
16f .
)e ins
chließlich der Tierwelt (Gen 9,10). Deshalb gilt:
„De rGe s chi
c hte de rNa turu nd de rGe schichte de rMe nschhe itlie
g te in
unbedingtes Ja Gottes zu seiner Schöpfung, ein Ja Gottes zu allem Leben
zugrunde, das weder durch irgendwelche Katastrophen im Laufe der Geschichte
noch ... durch Verfehlungen, Verderbnis, Empörung der Menschheit erschüttert
11
we rdenka [Link] eZu sa
g eGot t
esbl e ibtehernf est,solanged ieEr debe steht“.
Got twi rddi eWe ltrett
e n,a uchwe n ndi eErdee rneu t„entwe i
hti stdurchi hr e
Bewohner, denn sie haben dieWeisungen übertreten, die Gesetze verletzt, den
ewi genBu ndge broc hen“( Jes2 4,5).Go tterf
ü ll
t,wa si m Noa chbu ndv er
h eißen
ist, den er mit der ganzen Erde, mit allen Menschen geschlossen hat.
Der Garant für die endgültige Erfüllung der Bundespflichten ist der
„Got teskne c
h t“,de nGot tau ser
wä hl t,inPe r
son„ derBun dfürme inVol k“und
zu gl ei
ch„ dasLi chtf ürd ieVöl ke r“z us e i
n( Jes42, 6).Na chc hrist
liche r
Glaubensüberzeugung ist er in Jesus Christus erschienen, der sein am Kreuz
vergossene sBl uta usdrücklicha ls„ Bun desblutf ürv i
ele“(s oMk1 4,24;Mt
26, 28 )b [Link] nv o nihm da rgebote ne nKe l
cha ls„ de nn euenBun di nme inem
Bl u t“(soLk22, 20 ;1Kor1 1,25)b e ze
ichnetha t.J esusbe nutztz urDe utu ng
seines Todes Begriffe der jüdischen Überlieferung. Das Heil zeigt sich als
Bund, durch den Gott in ein dauerndes Treueverhältnis zu Israel und zur ganzen
6
We lte i
nge t
ret
eni st.„ Bund“be sagt,d aßGot tsei
neSc hö pfu n
gni
chtv
erge
sse
n
wird. Der Schöpfer ist auch der Erlöser (vgl. schon Jes 54,5).
6. Was dem frommen Juden bis heute besonders am Herzen liegt, ist ein Leben
na chd er„ We isung“Got tes ,hebräis
ch„ tora“gena nn t
.Di e„ We isung“or d net
da sLe be nde sJ udenvorGot tim Al l
[Link] Zentrum de r„ We is un g“ste hende r
Dekalog, die Zehn Gebote. Auch Jesus bekannte sich eindeutig zum Dekalog
(vg l
.Mk1 0,
19Pa rr
.).Di e„ ZehnWor te“,wies i
ei m Al t
e nTe sta mentg enan nt
werden, markieren Normen für das Gewissen aller Menschen, nicht bloß der
Juden. Sie wurden zum Inbegriff des sittlichen Bewußtseins der Menschheit.
Dur chs iei s
tda s
,wa snac hde m Apos t
elPa ul
us„ vonNa tura us “„ insHe rz
(allerMe n sc
he n)ge schr
ieb enist“- „i
hrGe wiss
enl e gtZe ugn isd avona b,ihr e
Ge da nke nkl a
ge ns i
c hg e
g en s
eit
iga nu ndve rt
eidigens ich“- (Röm 2,14f.), in
festen Sätzen formuliert worden, ohne deren Beobachtung es kein wahres
Gemeinschaftsleben und auch keine wahre Beziehung zu Gott gibt. Die
Erfahrung der Geschichte lehrt, daß ohne ein am Gottesgebot normiertes
Ge wi ssen„ derMe nsch de m Me nschenz um Wol f“ wi [Link] rRa um f ür
freiheits- und personfeindliche Despotie und Diktatur wird frei. Der Dekalog
beschreibt die innere Ordnung des menschlichen Verhaltens; er ist daher für alle
Zeiten unentbehrlich.
7. Aus der jüdischen Religion stammt auch die messianische Hoffnung. Ihre
Ursprünge wurden schon früh mit der Davidsdynastie verbunden. Hinzuweisen
ist vor allem auf 2 Sam 7,12-16 :„We nnde ineTageer
fülltsin du nddudi c hz u
deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger
einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen. Er wird für meinen Namen
ein Haus bauen, und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.
Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein ... Dein Haus und
dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben; dein Thron soll
aufe wigBe standha be n.
“Di eProphetenI sra e
lsnahme
ndi eme ssi
anischeHof f
-
nung immer wieder auf und bezeugten sie in unterschiedlicher Gestalt. Wenn
wir fragen: Was brachte die messianische Botschaft an Impulsen in die
Völkerwelt?, stellen sich drei Antworten ein:
1. Die messianische Idee sprengt das zyklische Denken in der Menschheit auf;
die Geschichte der Welt bewegt sich nicht im Kreis, ist nicht die ewige
Wiederkehr des Gleichen; die messianische Verheißung läßt die Geschichte als
zielgerichtet erkennen.
2. Diese Bewegung der Geschichte auf ein gottgesetztes Ziel hin versteht sich
als eine Bewegung aus dem Unheil in das Heil.
3. Die Wende zum Heil wird durch einen endgültigen Heilbringer herbeigeführt,
de r„ Me ssias“ge nanntwi rd.
Durch Jesus von Nazaret, den die Kirche als den verheißenen Messias bekennt
und verkündet, kam die messianische Hoffnung, wenn auch in veränderter
Form, in das Denken und Hoffen der Völker. Mag zunächst auch der christliche
7
Messianismus eine starke Verinnerlichung des Gottesverhältnisses mit sich
gebracht haben, so kündigte doch Jesus selbst seine Wiederkunft am Ende der
Ze it
e na l
se inEr eign i
sa n,da sdiega nz eWe ltangehenwi rd:„ Da nnwi rdma n
den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen
seh en“( Mk1 3,
2 6).Be son der
sdi eApo ka l
y pseve r
steh tdieWi ede r
k unftde s
He rrna lse inWe lterei
gn is,beid em de r„ Ant i
chri
st
“vom wi ede rkomme nden
Messias Jesus vernichtet und ein neuer Himmel und eine neue Erde
heraufgeführt werden.
Der Messianismus ist heute in der Welt wirkmächtiger denn je, wenn auch
häufig in säkularisierter Gestalt. Die Welt will sich nicht mehr im Kreise
drehen, sie schaut in die Zukunft und auf ein Ziel. Der messianische Glaube
weist von sich aus auf Zukunft hin, da er einen kommenden Heilbringer für
Israel und die Völker verkündet. Dabei verbindet sich die messianische
Hoffnung mit der Sehnsucht nach einer gerechten Welt und nach einem
umfassenden Frieden für die ganze Menschheit, welche die Propheten Israels
für die Heilszukunft ansagen, wobei sie diese Ansage oft mit einer Kritik an den
sozialen Mißständen ihrer Zeit verbinden. Das Neue Testament verfolgt diese
Linie. Christus wird in ihm als jener verkündigt, der den Erdkreis in
Gerechtigkeit richten wird (Apg 17,31) und der dazu kam, Frieden den Fernen
und Frieden den Nahen, d. h. allen Menschen, zu verkünden (Eph 2,17). Die
Ki rchewa r t
etmi tIsraela uf„einenne ue nHi mme lunde inen eu eEr de,i nde nen
dieGe r
echt i
gk e
itwoh nt“( 2Pe t r3,13) .Je susha tfreili
cha uc hv orf alschen
Messiassen gewarnt, die mit ihren Ideologien die Völker verführen (vgl. Mk
13,22 Parr.). Der Messianismus kann pervertiert werden. Das muß die Kirche
wi ssen:„Ihra ber,seh teuc hvor!I chha bee ucha lle
sv orausge sag t
“( Mk13, 23).
8. Das fromme Judentum ist ein betendes und Gott preisendes Volk. Aus dem
großen Gebetsschatz Israels hat die Kirche vor allem die Psalmen übernommen,
die im Gottesdienst und im Stundengebet der Kirche eine große Rolle spielen.
Auc hda s„Ge betde sHe rrn“,da sVa terunser,is t
,s os ehr es den Stempel des
Ge ist
esJ esua ns i
cht rägt,be so nde r
swa sdie„ Va ter
“-Anrede betrifft, aus den
Gebetsanliegen des Judentums heraus geformt. Auch der fromme Jude ruft nach
de m Komme nde sGot tesreiche s,wün s
chtd i
eHe il
igun gde s„Na me ns“und
bemüht sich um die Erfüllung des Willens Gottes; er betet um das tägliche Brot,
die Vergebung der Sünden und die Bewahrung vor Anfechtungen. Die beiden
großen Lobpreisgebete aus der Kindheitsgeschichte Jesu, die in der Liturgie
Ve rwend ungf inden,da s„ Be nedik tus
“(Lk 1,68-7 9)undd as„ Ma gnifikat“( Lk
1,46-55), sind ganz durchsetzt mit Worten und Sätzen aus dem Alten
Testament.
8
gehören zu der geistlichen Mitgift Israels an die Kirche, die sie in ihrer Mission
wiederum in die Völkerwelt weitergibt, freilich in Christus neu und endgültig
begründet.
10. Aus dem geistlichen Erbe Israels sind noch jene Ereignisse zu nennen, in
denen das Heilshandeln Gottes am Menschen konkrete geschichtliche Tat und
so erfahrbar wird. Insbesondere sei auf folgende verwiesen, die miteinander
zusammenhängen: Exodus, Pascha (Pesach), Leiden, Gericht, Auferstehung.
Der Exodus ist für Israel die entscheidende Befreiungstat Gottes, an die es sich
nach dem Zeugnis seiner Schriften immer wieder erinnert.13 „ Exodu s“bede ute
t
dieBe freiunga usd e m„ Sklaven haus “Ägy pt en.„ Kne chtewa r
en wi rd em
Pharao in Ägypten gewesen, und herausgeführt hat uns von dort Er der ist,
unser Gott, mit starker Hand und ausgestrecktem Arm. Hätte nicht der Heilige,
gelobt sei Er, unsere Väter herausgeführt, dann wären wir und unsere Kinder
und unsere Kindesk inderde m Pha raoi nÄgy ptenve rkne chtetge blieben“:So
beginnt die Antwort der jüdischen Paschamahlgemeinschaft auf die Frage des
jün gstenTe i
lnehme rs:„Wa r
um i std ieseNa cht so ganz anders als die übrigen
14
Nä chte?” Exodus bedeutet Wanderung durch die Wüste in intensivster
Begegnung Israels mit seinem Gott und mit der Erfahrung seiner Hilfe. Exodus
ist schließlich und endlich der Zug in die Freiheit, vorabgebildet im Einzug in
das Land, das Gott Abraham und seinen Nachkommen verheißen hat. Der
Exodus brachte Israel auch die Erfahrungen der Bitternisse des Lebens, die
Erfahrung des (oft selbst verschuldeten) Leids und des Gerichts, und insofern
die Erfahrung des Leidens verbunden mit der Erfahrung der Rettung durch Gott.
Deshalb empfindet die jüdische Tradition den Exodus als Zeichen der Hoffnung
auf die endgültige Rettung durch Gott in der Auferweckung der Toten am Ende
der Tage.
In Jesu Wegzug aus seinem Heimatdorf Nazaret und aus seiner Verwandtschaft,
in seinen mit Leiden verbundenen Wanderungen durch das Land Israel, in
seinem Weg nach Golgota zum Kreuz, aber auch in seiner Auferweckung von
den Toten und in seiner Verherrlichung spiegelt sich einzigartig die
Exoduserfahrung seines Volkes.
„Im Ge ge ns a
tzz ua nderenVöl ke rne rinnertsichda sjüdischeVol kni chtandi e
goldene Zeit der Macht, pocht nicht auf eine Abstammung von Göttern, sondern
findet sich als das Sklavenvolk, das von Gott Rettung erfährt. Und es bringt die
15
verga nge neZe itind ieGe genwa rtde sDa nke su ndde rGa be.“ Die jüdische
Re ligioni s teine„ Gedä cht
n i
sreligion“;d ieBe griff
e„ gede nken“ ,„ Gedäc ht
n i
s“
spielen in der Heiligen Schrift Israels eine zentrale Rolle. Die jüdischen Feste
sind Gedächtnisfeste: Israel gedenkt bei seinen Festen der Heilstaten Gottes an
seinem Volk und vergegenwärtigt in seinen Festen diese Heilstaten für jede
Generation. In keinem Fest wird das deutlicher als am Paschafest, das die Juden
an die Nacht erinnert, in der sie befreit wurden, und das in ihnen zugleich die
Hoffnung weckt auf die Nacht, in der sie endgültig befreit werden. In den
9
jüdischen Festen herrscht so die Dreidimensionalität Heilsvergangenheit,
Heilsgegenwart und Heilszukunft.
Ohne die Beachtung dieser Zusammenhänge versteht man auch die großen
Feste des christlichen Kirchenjahres und speziell die Eucharistiefeier nicht.
Auch in ihnen gehören Heilsvergangenheit, Heilsgegenwart und Heilszukunft
wesenhaft zusammen; auch sie sind Gedächtnis seiner Wundertaten. Sie treten
dabei nicht neben die Feste Israels, sie stehen in einem beziehungsreichen
Zusammenhang mit ihnen.16
Auch wenn die Kirche überzeugt ist, daß mit der Auferweckung Jesu von den
Tot en„ derkomme ndeÄon“- ein Ausdruck des frühen Judentums - schon
mächtig in diese Zeit hereinragt, so gibt es doch eine bleibende gemeinsame
Thematik der christlichen und der jüdischen Eschatologie, etwa im Hinblick auf
diel e t
z t
enAr ti
ke ld esCr e d
o.„ Mi tde nPr ophetenun dd em Apo stelPa ulus
erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit
einerSt immede nHe rr
na nr
uf enun di hm Sc hul
tera n‚ Sc hulterdiene n‛(Ze f
17
3,9).“ „ DerTa g“Got t
ess pieltsowo hlind erHe il
igenSc hrif
tI srae
lsa lsauc h
im Ne ue nTe s
tame nte inewi c hti
geRol le
.Di eser„ Ta g“ums pa nntna chden
Propheten und nach dem Neuen Testament die ganze Welt; er richtet den Blick
aufda s„ Ende “s chle c
[Link] eser„Ta g“i s
tke i
nbe reche n barer Kalendertag;
nurGo t
tke nnti hn un df ühr tihn he [Link] eser„ Ta g“ dy namisiertd ie
Geschichte und treibt sie aufi hrEn dehi [Link] rdie ser„Ta g“i stauche i
nTa g
des Übergangs in das endgültige Heil und darum ein Tag der Hoffnung für
Israel und die Kirche.
III. Die Grundaussagen der Schrift und der Kirche über das
Verhältnis von Kirche und Judentum
1. Das Zeugnis des Neuen Testamentes
a) Das Neue Testament macht wichtige Aussagen über das jüdische Volk. Die
Urmissionare selbst stammten großenteils aus dem jüdischen Volk; Jesu Leben
un d Sterben ha ts ichi m La nd Israelv oll
z ogen
;J e
suswe ißs ich„ zu den
verlorenen Scha fend esHau s
esIsraelg esand t“(Mt15, 24).Da sEvan geliumun d
da mitda sChr istusheilwird„zuerst“de nJ ude nverkündet(v gl
.Mk7, 27;Ap g
2,39; 3,26;10,42;13,46; Röm 1,16; 2,10). Die Frage nach dem Heil der Juden
hat die Urkirche stark beschäftigt, besonders den Juden und ehemaligen
Pharisäer Paulus.
b) Es kann freilich nicht geleugnet werden, daß sich im Neuen Testament über
das Judentum z. Z. Jesu und der Urkirche auch kritische Aussagen finden. Jesus
selbstsagt:„ Je rusalem,J erusal
em,dut öt
e stdiePropheten und steinigst die
Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich
sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt
nichtge [Link] r
um wi rde uerHa us(vonGot t)ve rlas
sen“(Mt2 3,37f.).J esus
10
nenn tdi ePha ri
säe r„bl i
nd eBl i
nden f
ü hrer“(Mt1 5,14),de renSü nde„ bleibt
“
(vgl.J o h9,41).„ I
hrha btde nTe ufelzum Va t
er,u ndihrwol l
tda stun,won ach
ese ur en Va terve rl
a ngt“( J
oh 8, 44).J esusk onst
atierta lsos chul dhafte
s
Verhalten. Paulus stellt fest,da߄nich talle,dieausI sraels t
amme n“ ,wi rkli
ch
auc h„ Israel“sind( Röm 9, 6);dieJude nha benz wa r„EiferfürGot t;abe re sist
einEi fero hneEr k enntnis“( Röm 10,2) .De rApo s t
elfragtv orwur fs
v oll:„Ha t
denn Israel. . . die Botschaft nicht verstanden ?“( Röm 10, 19);e rr edetv on
eine m„ Ve rs
age n“,e iner„ Vers
tockun g“( Röm 11, 8),eine m„ Zur ückbl ei
ben“
Israels( Röm 11, 11f.
)un dv onsei
ne r„ Verwe rfung“dur chGot t(Röm 11, 15);
dieJ u dens eien„ vo m Eva ngeli
um he rg esehen...Fe inde “(Röm 11, 28).Sie
„ha ben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie
verfolgt. Sie mißfallen Gott und sind Feinde aller Menschen; sie hindern uns
daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu
bringen. Dadurch machen sie unablässi gd asMa ßi hrerSü ndenv oll“( 1Th es
s
2,15f.). Paulus kommt auch auf die Verfolgungen zu sprechen, denen er durch
jüdische Volksgenossen ausgesetzt war (vgl. 2 Kor 11,24.26). Die Apostel-
geschichte redet ebenfalls von den großen Schwierigkeiten, die Juden den
christlichen Missionaren bereitet haben (vgl. Apg 13,15; 14,5.19; 17,5-8; 18,
12; 23,12).
Das sind Fakten, die ein ungünstiges Licht auf Juden werfen können. Dabei ist
jedoch zu beachten, daß es sich um Tatbestände aus vergangenen Zeiten
handelt, die kein Pauschalurteil über das Judentum zulassen, und daß diese
negativen Aussagen über die Juden nicht isoliert betrachtet werden dürfen,
sondern im Zusammenhang mit den vielen positiven Aussagen des Neuen
Testaments gesehen werden müssen.
c) Zunächst sei h i
era nda sZe ugnisde sJo han
ne sev a
n geliumse rinnert
:„ Das
He ilk ommtvonde nJ uden“( Joh4,22).De rHe i
lbr i
ngerJ e susChr i
stusistaus
dem Judentum hervorgegangen.
Besonders im Römerbrief des Apostels Paulus finden sich wichtige positive
Aussagen über die J ud en:„Wa sistnund erVor zugde rJ uden,de rNutzende r
Beschneidung? Er ist groß in jeder Hinsicht. Vor allem: Ihnen sind die Worte
Got tesa nvertraut “( Röm 3, 1f.)
.Da mi tsin dd i
e he i
ligen Sc hrif
tenI srael
s
ge me int,diedi eChr is t
e n„Al t
esTe st
ame nt“nenn [Link] s weiterenheißtes:„Sie
sind Israeliten; damit haben sie die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die
Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die
Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der
Christ us“( Röm 9, 4f.).Ma nn en ntdiehierv om Apos t
ela uf g
ez ä
hltenVor züge
Israels auch seine Pr ivi l
egien“,dieihm Got tsel
bstge wä hrth [Link] t
tnimmts ie
de nJ ud enn ichtwe g;„ sind do chs ei
neGna den gabenu n ds ei
neBe rufung
18
unwi d errufl
ich” .
In Röm 11,1f. schre i
b tde rAp ost
el:„Ichf ragea ls
o :Ha tGot ts ei
n Vo lk
verstoßen? Keineswegs! ... Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er einst
erwä h ltha t
.“Erf üg thi nzu:„ Sinds ieetwage strauche l
t,d amits iezuFa l
l
11
komme n?Ke ine swe gs!“( Röm 11, 1 1).De rApo stels prich tv onde r„Wur ze l“
,
die die Kirche trägt (Röm 11,18). Das bezieht sich auf das ganze Volk Israel,
ni chtnura ufs e i
ne„ Vä t
er“( di ePa t
ri
a r
c hen).Esi s tj an i
chtb loßv onde r
„ Wur ze l
“a llei
n di eRe de,s on de rna uchv om „ e dlen Öl baum“und s eine n
19
„ Zwe ige n“( vgl. Röm 11,16-21). Da ßde rApo stelda be idie„ Wur zel“sos tark
heraushebt - viermal ist in Röm 11,16-18 von ihr die Rede -, hat seinen Grund
darin, daß es die Wurzel ist, aus der dem Baum die Säfte zufließen und so ihm
se i
ne„ Fe t
tigkeit“ ,d.h.s eineFr u chtbarkeit verleiht. Die (Heiden-)Kirche ist in
den edlen Ölbaum von Gott eingepfropft worden und wurde so durch die Gnade
Got tes„ Mi ttei
lha be r
ina nde rWur zel“un da nde rFe t
tigkeitd esÖl baums .
We nnd ieJ udens icha uc hgr oße n teil
sa m„ Steind esAns toßes“ ,JesusChr i
stu s,
stieße n( vgl .Röm 9, 32)u ndde m Eva nge li
um ge ge nü be r„ verst
ockt“bliebe n
(Röm 11, 7.25), so sind die Juden nach der prophetischen Ansage des Apostels
do chde swe ge nn ichtf üri mme rvom He i
la usge schlos sen:„ dennGot thatdi e
Macht, sie wieder einzupfropfen. Wenn du (der Heidenchrist) aus dem von
Natur wilden Ölbaum herausgehauen und gegen die Natur in den edlen Ölbaum
eingepfropft wurdest, dann werden erst recht sie (die Juden) als die von Natur
zugehörigen Zweige ihrem eigenen Ölbaum wieder eingepfropft werde n“( Röm
11, 23f.).I m Ans c hl
u ßda rans pr ichtPa ul
usv o ne ine m„ Ge he i
mni s“
,da ss ich
a ufd asEn dhe i
lI s ra
elsb ezie
h tu n dda sderApos telbe ka nntg i
bt:„Verstockun g
liegt auf einem Teil Israels, bis die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben;
da nnwi rdg anzI sraelg erett
e twe r
de n,wi ee si nde rSc hriftheißt:De r‚Re t
ter
wird aus Zion kommen, er wird alle Gottlosigkeit von Jakob entfernen‛ “(Röm
11,25f.).
Pa ulu ss iehtdi e„ Ve rstockun g“und„ Fein dscha f
t“I sra el
sd em Eva ngelium
gegenüber in einem einzigartigen, dialektischen Verhältnis zur Rettung der
He ide n:„ Nunf ra geic h:Si nds iee twag estrauche l
t,d ami tsiez uFa l
lkomme n?
Keineswegs! Vielmehr kam durch ihr Versagen das Heil zu den Heiden, um sie
selbst eifersüchtig zu machen. Wenn aber schon durch ihr Versagen die Welt
und durch ihr Zurückbleiben die Heiden reich werden, um wieviel mehr (wird
da sg esc hehe nd urch)i hr eVol le nd ung“( Röm 11, 11f.).De nnwe nns choni hre
Verwerfung für die Welt Versöhnung gebracht hat, dann wird ihre Annahme
ni chtsa nd eress eina lsLe bena u sde m Tod“( Röm 11, 1 5).Go t
ts t
ell
tdi eJude n
einstweilen zurück zugunsten der Heiden, bis er sich am Ende aller erbarmt
(vgl. Röm 11,32). Nur von daher ist die Aussage des Völkerapostels zu
verstehen, daß die Juden im Hinblick auf das Evangelium dessen Feinde
ge wor de ns eien„ undda sum e ur etwille
n“( Röm 11, 28),[Link] gende sHe il
s
der Heiden. Von einer Schuldaufrechnung mit Strafsanktionen ist im
Römerbrief nicht die Rede. Wir Christen müssen die prophetische Aussage des
Apostels Paulus über das Endheil der Juden ernst nehmen, wenn wir auch den
We g,a ufde m Got t„ ga nzI srae l“r ette
nwi l
l,n ichtn äh erke [Link] eJ ude n
bl ei
be nd ie„ Ge liebten“Got t
es„ umde rVä terwi llen“( Röm11, 28).
In der Apostelgeschichte findet sich die prophetische Aussage von der
e ndze i
tliche n „ Wi ede rherst
e l
lu n g“ I s
raels. So f r
a ge n di e Apo stel de n
12
Auf erstan denen:„Stellstdui ndi eserZe itdasRe ichf ürI s
raelwi e derhe r?“
Jesus weist in seiner Antwort diese Frage der Apostel nicht als eine in sich
verkehrte Frage zurück, er verweist nur darauf, daß für diese
„Wi e derhe rs
tel
lung“de sRe ichesf ürI sraelde rVa tera lle
indi eFr is
tenun d
Zeiten in seiner Macht festgesetzt hat. Die Apostel selbst dagegen sollen als die
Ze uge nJ e suda sEvan gelium „ bisa ndi eGr enz e
nd erEr de“ve rkün den( Apg
1,6-8). Eine Wiederherstellung des verheißenen Reiches, wie sie schon die
Propheten des Alten Bundes angekündigt haben, wird also kommen, auch wenn
wir deren Art und Weise nicht näher kennen. Nach Apg 3,19-21 sollen sich die
Jude nz uJ es
usbe kehr en,„ dami te ur eSün deng eti
lgtwe rdenu ndde rHe r
r
Zeiten des Aufatmens kommen läßt und Jesus sendet als den für euch
bestimmten Messias. Ihn muß freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten
der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner
heiligenPr ophetenverk ünde tha t
“ .Na chdi e
s e
m Te xtistde rwi ederk omme nde
Chr istusa uchf ürIsra el( „füre uch“= di eJ ude n)z us einem„ Auf atme n“
bestimmt. Auch die Juden werden dann zusammen mit allen Erlösten
„aufa tme n“kö nnenun dv oni hre nLe idenun dSü nde nbe fr
eitwe rde [Link] ese
positiven Aussagen des Neuen Testaments über die Juden und ihr Heil müssen
von der christlichen Verkündigung und Theologie viel stärker, als es früher
geschehen ist, bedacht werden, besonders nachdem sich das II. Vatikanische
Konzil dieser Aufgabe ausdrücklich angenommen hat.
So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die
Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen,
bei Mose und den Propheten finden. Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als
Söhne Abrahams dem Glauben nach in der Berufung dieses Patriarchen
eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem
Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist.
Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit
dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die
Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel
des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind.
Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das
Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat.
Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von
se
inenSt ammve rwandt ens agt,da
ß‚ ihnendieAn na hmea nSoh ne
sStattun dd i
e
13
Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen
gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach
stammt‛( Röm 9, 4-5), der Sohn der Jungfrau Maria. Auch hält sie sich
gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die
Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die
das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.
Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht
erkannt, und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen,
ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt.
Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch
von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine
Berufung unwiderruflich. Mit den Propheten und mit demselben Apostel
erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit
einerStimmede nHe rrnanru f
e nu ndihm‚ SchulteranSc hu l
terdienen‛(Zef 3,9).
Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die
Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem
die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen
Gespräches ist.
Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi
gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen
damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last
legen. Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden
nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der
Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand
in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der
evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.
Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die
Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus
politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums
alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die
sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet
haben.
Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um
der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher
Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe
der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe
20
Got t
esu nda lsQue l
lea ll
e rGna de nz uver
kün de n.
”
14
b)Am [Link] z e mbe r19 7 4wur dend ier ömi s
che n„Ric htli
nienu nd Hinweise für
die Konzilserklärung ,Nostra Aetate‛ ,Ar t.4“ve rabsch ie
det. Sie bezeichnen die
Konz ils erklä
r un ga ls„eine nentscheide ndenWe ndepu nk ti
nde rGe schi c hteder
21
Be zi
e hun genz wi sc henJ udenun dde nKa tholi
ken“. Eswi rdvo nd e r„ Kl uft
“
gesprochen,di ez wis
che nJ udenu nd Chr is
ten„ imme rt i
eferun d br eit
er
ge wor de n“i st ,„ bishi nz um völ ligen Ve rkennen de sa n derena ufb eiden
22
Se iten“ Eswi rd ge sagt,„ daßd i
ege istl
ichen Ba n deu nd d i
eh istor i
schen
Beziehungen, die die Kirche mit dem Judentum verknüpfen, jede Form des
Antisemitismus und der Diskriminierung als dem Geist des Christentums wider-
stre i
tendv erur t
e ilen“;f ernerwi rda ufdi e„ Verpfl
icht ungz ue inem be s
se r
en
gegenseitigen Verstehen und einer neuen gegenseitigen Hochs c hä tzung“
23
hingewiesen. Aus dem Monolog, den Juden und Christen für sich allein über
de na n de r
enf ühr te n,sol
le in„ Dialog“we rden,dervom„ Res pektge gen ü berder
24
Ei gena r td esa n de ren“ge tra
g eni stun dj e de„ Aggr essi
on“me i
de t. „ Eine
Öffnung und Weitung des Geistes, eine Haltung des Mißtrauens gegenüber den
eigenen Vorurteilen, Takt und Behutsamkeit sind dabei unentbehrlich, wenn
25
ma ns ei ne nPa r
tne rnicht,unds e
ie sa uchun gewoll
t,v e
rle
tz enwi l
l.
” Es wird
dann auf die Liturgie hingewiesen mit ihren gemeinsamen Elementen, auf den
bleibe nde nWe rtde sAl tenTe s
tame ntsu nds eine„ge rechteAus legun g“i nde r
26
christlichen Theologie. Das durch das Konzil eingeleitete Umdenken muß sich
in Lehre und Erziehung auswirken.27 Der Gott Israels und der Christen ist
„de rselb eGo tt “
.„ Di eGe schichte des Judentums geht nicht mit der Zerstörung
Jerusalems zu Ende. Und in ihrem weiteren Verlauf hat sich eine religiöse
Tradition entwickelt, deren Ausgestaltung jedenfalls reich an religiösen Werten
ist, wenn sie auch, wie wir glauben, nach Christus eine zutiefst verschiedene
28
Bedeut u ngha t.”
15
de r‚Va te runs
eresGlaube n
s‛ist(v
gl.Rö m 4, 12),wiePaul usvo nTa r
su ssi
ch
aus drückt [Link]
ded i
e sesVolk,dasvo nGot tda sGebote mpf i
ng :‚Dus ol
lst
nicht töten!‛,hatansichs el
bstinbeson der
em Aus maße r
fa hre
nmüs sen,wa s
töten bedeutet. An diesem Gedenkstein darf niemand gleichgültig vorüber-
30
ge hen.”
IV. Glaubensunterschiede
Im Dialog zwischen Juden und Christen müssen die Glaubensunterschiede, als
das Unterscheidende und gegebenenfalls Trennende, offen genannt werden; nur
dann erfolgt der Dialog in Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Folgendes ist dabei
besonders ins Auge zu fassen:
1. Zunächst sei hier die christliche Überzeugung genannt, daß mit Jesus von
Nazaret die Zeit schon erfüllt und das Reich Gottes unmittelbar nahegekommen
16
ist (vgl. Mk 1,15). Jesus ist für die Christen der verheißene Messias, mit ihm
bricht die letzte Zeit der Geschichtes c
ho na n,da sRe ichGo t
tesragtin„ die se
n
Äon“ he rein,d ie Wunde rJ esus ind„ vorau sweisende Ze ic
he n“ f ür d i
e
kommende Erfüllung, die Kräfte der Heilszukunft Gottes sind bereits wirksam,
besonders in den Sakramenten der Kirche, die Endentscheidungen fallen schon.
Christus ist unser Friede, unsere Versöhnung und unser Leben. Freilich weiß
auch der Christ, daß durch Jesus von Nazaret noch nicht alle Verheißungen der
altbundlichen Propheten erfüllt worden sind: Die umfassende Gerechtigkeit ist
in der Welt noch keineswegs hergestellt, der völkerumspannende Friede steht
noch aus, der Tod übt seine vernichtende Herrschaft noch aus. Der Christ muß
Verständnis haben, wenn Juden gerade auf diesen noch ausstehenden
„Ve rheißung süb er
sc huߓhi nwe isenu ndwe gendieses noch Ausstehenden in
Jesus von Nazaret nicht den Verheißenen zu sehen vermögen.
17
Über diese Glaubensunterschiede muß im christlich-jüdischen Gespräch offen
geredet werden.
2.Ähn l
ichesg iltfürde nof ti
nde nEva ng
elie
ne rsche inende nAus druc
k„ die
Pha risäer“.Ei ne Unt ersuc hung de rAus sagenü be rd ie Pha r
isäerind en
Evangelien und über die in ihnen verarbeiteten Traditionsschichten läßt
eindeutig erkennen, daß die Pharisäer zunehmend als die speziellen Gegner Jesu
herausgestellt wurden, und zwar im Zusammenhang des zum Teil harten und
schwierigen Ablösungsprozesses, der nach Ostern die Kirche und Israel
voneinander trennte. Die Pharisäer waren zur Zeit Jesu und auch später eine
straff organisierte und einflußreiche Gruppe im damaligen Judentum, mit der
Jesus vor allem wegen der Gesetzesauslegung in Konflikt geraten war. Sie
waren Männer, denen es mit großem Ernst um die Sache Gottes ging. Es gehört
zu den Aufgaben der heutigen Exegese, Katechese und Homiletik, über die
Pharisäer in gerechter Weise zu sprechen.
3. Der fromme Jude hat Freude an der Tora. Er feiert am Ende des
Laubhüttenfestes ein eigenes Fest„Freudean derTor a“.„ Nach deinen
Vorschrift
enz ul eben,fr
eutmi chme hralsgr
oßerBe s
itz
“( Ps11 9,
14).„Ich
habeme ineFr e udeand ei
nenGe setz
en,deinWortwil
lichnic
htve r
gessen“(Ps
119,
16).„ De ineVor sc
hrif
tenma chenmichfroh
;s i
esindme ineBe ra
ter“(Ps
119,
24).„ Wi ei stmirde i
nGe s
etzsolie
b,denganzenTags i
nnic hihm nach“
18
(Ps 119,97). Der Jude empfindet die Tora als Gnade, nicht als Last.37 Er versteht
da sLe be nna chd enWe i
su ngende rTor ani chtals„ Ve r
diens t
esa mme ln“ode r
als zum Ruhm vorGot tführ ende„ Leistung“,wi evi e leCh riste
nme i
ne [Link] s
für den Juden bis heute gültige Verständnis des Lebens nach der Tora muß von
drei Grundelementen her verstanden werden, die das jüdische Gesetzesver-
ständnis bestimmen: Vertrauen, Verwirklichung in Werken, Heiligung des
Alltags.38 Der fromme Jude kann sich den Glauben an den einen Gott nicht ohne
die gehorsame Verwirklichung der Weisungen Gottes nach der Tora vorstellen.
Das Leben gemäß der Tora heiligt den Alltag; denn dies ist der eigentliche Sinn
der Weisungen der Tora im jüdischen Verständnis: Wer sich täglich und in
allem dem Joch des Gesetzes unterwirft, entprofaniert dadurch den Alltag und
heiligt das ganze Leben in allen seinen Bezügen und Äußerungen. Der Jude
Ernst Simon hat den Sachverhalt s of or muliert
:„ Da sj üdischeGe setzf ormt
einen Lebensweg partieller Askese. Kein Gebiet des Daseins, kein Stück Welt
39
ista usgeschlos sen,ke
ine sun ums chränktf r
eigeg eben.“ Der bedeutende Lehrer
des Frühjudentums, Rabban Jochanan ben Zakkai (1. Jh. n. Chr.), hat gesagt:
„We nnd ud ieTor ainr eiche m Ma ßege haltenh as t
,s otued i
rn ichtsda rauf
40
zu gute;de nnda zubistduge schaff
e n.“ Dies muß der Christ sehen, wenn er
das Leben des frommen Juden richtig beurteilen will.
4. Die Juden dürfen nicht als das Volk de r„Gottesmörde r“be zei
chne twe rden.
Da sKo nzi
llehrt
:„ Obg leichdi ej üdi
sc henObrigkeit
enmi tihrenAn hä ngerna uf
den Tod Jesu gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines
Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den
41
heut i
g enJ udenz urLa stlegen.“
Wir sollten, statt anderen die Schuld am Kreuzestod Jesu aufzurechnen, an
unsere eigenen Sünden denken, durch die wir alle am Kreuz Jesu mitschuldig
geworden sind. Schuldig am Kreuz Jesu, so lehrt der Catechismus Romanus,
sindni chte i
nzelne ,sonderna l
leMe n schen:„DiesesVe rbre che
nmußbe iu ns
schwerer erachtet werden als bei den Juden, weil diese, wie der Apostel
(Pa ulus )bezeugt,de n‚ He r
rnde rHe rrl
ichkei
tniege kreuzig thät
ten,we nns ie
(die Weisheit Gottes) erkannt hätten‘( 1Kor2,8);wira berle gendasBe kenn t
nis
ab, daß wir ihn kennen, und indem wir ihn durch die Tat verleugnen, legen wir
42
gleich samge wa ltsamHa nda nih n.“
Gerade der gewaltsame Tod Jesu am Kreuz ist zu etwas geworden, was die
Beziehung zwischen Kirche und Judentum außerordentlich belastet hat. Diese
„La stde rGe s
ch ichte
“dur chge r echt
eRe deü berdasJ ude ntum aufzuarbeiten,
gehört zu den Aufgaben gründlicher historischer Forschung durch die
christliche Theologie und des jüdisch-christlichen Dialogs, zu dem uns die
Kirche auffordert.43
Wenn auch die Kirche sich schon im 1. Jahrhundert nach Christus von Israel
getrennt hat, so bleibt doch die Heilsbedeutung Israels und die Heilszusage
Gottes an Israel bestehen. Es ist uns verwehrt, in diesem Zusammenhang
19
zeitliche Angaben zu machen, weil das Heil Israels ebenso wie das Heil der
Vollzahl der Heiden im Geheimnis Gottes verborgen bleibt (Röm 11,25f.).
5. An die Stelle des unter Christen noch immer mehr oder weniger
we i
terlebenden„ Ant i
semitismus “ muß de rv on gegenseitiger Liebe und
Ve r
s t
ehe nge t
rageneDi alogt rete [Link]„ ge istlichenBa nd eu nddi ehi
st
ori
sch
en
Beziehungen, die die Kirche mit dem Judentum verknüpfen, verurteilen jede
Form des Antisemitismus und der Diskriminierung als dem Geist des
44
Christentums wi de rsprechend“ . Der Antisemitismus richtet sich nicht nur
gegen die Botschaft Jesu Christi, sondern letztlich gegen ihn selbst.
Auch wenn betont werden muß, daß Auschwitz ein Produkt des dezidierten
Abfalls vom jüdischen wie vom christlichen Glauben war, so müssen die
schrecklichen Ereignisse, die mit Auschwitz und den anderen
Konzentrationslagern verbunden sind, uns Christen aufschrecken und zum
Umdenken und zur Umkehr bewegen.
VI . G e me i nsa me A ufg a be n
1. Dem frommen Juden geht es um die Verwirklichung der Weisungen
Gottes, wie sie in der Tora festgelegt sind, im Alltag. Es geht ihm um das
„Tun“ .Auc hi nde rPr edigtJ esus pieltda sWor t„ tun“e inz entral
eRol le
,
wie die Evangelien zeigen. Die Weisungen der Tora und die Weisungen
Jesube t
reffende nWi ll
enGot [Link] rPs a l
mi s
tbe t
et:„ De i
ne nWi lle
nz u
tun,me i
nGot t,istmi rFr eude “(Ps40, 9);J esuslehr t
:„ Ni c
htj eder,derzu
mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer
denWi l
lenme inesVa tersim Hi mme le r
fül l
t“(Mt7, 21) .Vons ichselbs
t
bekennte r:„ Me i
neSpe isei ste s,de n Wi l
len de s
se nz ut un,de rmich
gesandt hat unds einWe rkz uEndez uf ühr en“(Joh4, 34).Ve rwirkli
chung
des Willens Gottes in der Welt sollte darum die gemeinsame Maxime von
Juden und Christen sein.
2. Was beim Studium der Propheten Israels auffällt, ist der Protest, den
diese gegen bestehendes Unrecht im wirtschaftlichen und sozialen Bereich
und gegen alle ideologische Unterdrückung erhoben haben. Solcher Protest
ist eine bleibende Aufgabe für beide, Kirche und Judentum. Es ist ein
Protest gegen die vielfältige Bedrohung der Freiheit, ein Protest zugunsten
der wahren Menschlichkeit und der Menschenrechte, der Liebe und der
Gemeinschaft; ein Protest gegen die sich immer mehr ausbreitenden Welt-
und Geschichtslügen; ein Protest gegen Faschismus, Rassismus, Kommu-
nismus und Kapitalismus. Die jüdisch-christliche Religion ist darum das
Anti-„ Opium“f ürda sVol k.
3. Christen und Juden sollen und können gemeinsam eintreten für das, was
in de rhebräische n Sprache „ sc
halom“ he iß[Link] e
si ste i
n umf as sender
Begriff, der Frieden, Freude, Freiheit, Versöhnung, Gemeinschaft,
Harmonie, Gerechtigkeit, Wahrheit, Kommunikation, Menschlichkeit
be de ut
et.„ Scha lom“ i s
t da nn i n de r We lt Wi r
klichkei
t, we nn a l
le
Beziehungen untereinander endlich in Ordnung sind, die Beziehungen
zwischen Gott und Mensch und von Mensch zu Mensch. Es darf kein
völ kischbe sc
hrä nktesFriedensidealme hrge [Link] twillkeine„e isernen
Vor hänge“!Wa si n de rHe i
ligen SchriftI srae l
si n de rLehre von de r
Gottebenbildlichkeit eines jeden Menschen angelegt ist, will durch das
Evangelium Wirklichkeit in der ganzen Welt werden: daß alle Menschen
sich als Brüder erkennen. Deshalb können sich Religionen nicht mehr mit
bestimmten politischen Systemen identifizieren. Judentum und Christentum
21
sollen gemeinsam und unentwegt am uneingeschränkten Frieden in aller
Welt intensiv mitarbeiten.
4. Der Mensch ist von sich aus nicht in der Lage, die Welt ins endgültige
Heil zu führen. Das vermag Gott allein; so ist es die Überzeugung der
gläubigen Juden und Christen. Die Erfahrung der Geschichte steht ihnen
dabei zur Seite. Die Welt kommt weder durch Evolution noch durch
Re volut
ioni nse ndgült
igeHe [Link] eEvol uti
ons c
ha fft„Natur“,a berni cht
„He il
“.NurGot tführtdi eWe l
ti nse ndgül t
igeHe [Link] chafftunds che nkt
de n„ neuen Hi mme lund di e ne ue Er de “
,a ufdi eJ uden und Christen
gemeinsam warten (Jes 65,17; 66,22; Offb 21,1).
5. Der Apostel Paulus hat das letzte Ziel aller Geschichte und Heilsgeschichte in
1Kor15, 2 8ink lassi
scherKür zea ufd ieFor me lgebracht:„Gotta ll
esi na ll
em“ .
Dieser Formel können Juden und Chr iste nz u
s t
imme n.„ Gotta llesina llem“ :
Das besagt: Am Ende kommen Gott und das Gott-Sein Gottes und die
Uni versali
tätd e sHe il
sa l
lentha lbenv ol lz urGe lt
ung.„ Derletz t
eFe i
n d,de r
entma chtetwi rd,i stde rTo d“( 1 Kor15, 26).Da ri
n wi rds ic hj enerGott
offenbaren, den Israel, Jesus und die Kirche verkünden: Er wird die Toten
erwe cken un ds os ei
neu nü be rwind l
ic heMa chtzeig en.„ Wire rwa r
tend ie
Auf er
s t
e hungde rTotenun dda sLe be nde rkomme nde nWe lt.
“Da si nde r
Öffentlichkeit aller Welt zu bezeugen, ist gemeinsame Aufgabe von Christen
und Juden.
22
Anmerkungen
1
M. Buber, Werke I, München/Heidelberg 1962, 657.
2
Sch. Ben-Chorin, Bruder Jesus, der Nazarener in jüdischer Sicht, München 1967, 12.
3
Vat. II., Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen
„ Nos traa e t
ate“( z
[Link])n.4.
4
Va [Link].,Of fenba r
ung skons ti
t uti
on„ DeiVe r
bum“( [Link])n.14.
5
Päpstliche Kommission für die religiösen Beziehungen zu dem Judentum, Richtlinien und
Hinweise fürdi eKonz ilserkl
ä rung„No st
raAe t
a t
e“,Ar t.4( zit
.Ri chtlinien),Na chkonz ili
are
Dokumentation Bd. 49, Trier 1976, 35.
6
A.a.0. 37.
7
Vat. II., DV n. 14.
8
Mekilta Bachodesch 8,72f.
9
A.a.O. 20,26.
10
Slav. Hen. 44,1.
11
C. Westermann, Genesis I, Neukirchen 1974, 633f.
12
Näheres dazu bei F. Mußner, Traktat über die Juden, München 1979,103120.
13
Vgl. dazu A. H. Friedlander, Die Exodus-Tradition. Geschichte und Heilsgeschichte aus
jüdischer Sicht, in: H. H. Henrix/M. Stöhr (Hrsg.), Exodus und Kreuz im ökumenischen
Dialog zwischen Juden und Christen, Aachen 1978, 30-44.
14
A. H. Friedlander, a.a.0. 35.
15
A.a.O. 40.
16
Der Alttestamentler N. Füglister hat dies exemplarisch am Osterfest gezeigt; vgl. sein
Buch: Die Heilsbedeutung des Pascha, München 1963.
17
Richtlinien 38 unter Bezug auf NA n. 4.
18
Vat. II., NA n. 4 unter Berufung auf Röm 11,28f.; vgl. auch die Kirchenkonstitution
Lumen gentium (zit. LG) n. 16.
19
Vgl. dazu Mußner, a.a.0. 68-70.
20
Va [Link]“NAn.4.
21
Richtlinien 32.
22
A.a.O. 32.
23
A.a.O. 33.
24
A.a.O. 33f.
25
A.a.O. 34.
26
A.a.O. 35f.
27
A.a.O. 36-38.
28
A.a.O. 38.
29
L’Os s ervatoreRoma no,Woc hena
us gabei nde utscherSc hrift
,30. 0.1979,S.4.
30
Sekretariat der DBK (Hrsg.), Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II bei
seiner Pilgerfahrt durch Polen, 2. Bis 10.6.1979, Bonn 1979, 82.
31
In deutscher Übersetzung : Freiburger Rundbrief 25 (1973) 15-18.
32
In deutscher Übersetzung in: Freiburger Rundbrief 23 (1971) 19-27.
33
Hrsg. V. R. Rendtorff, Gütersloh 1979.
34
In: Freiburger Rundbrief 29 (1977) 108-111.
35
Düsseldorf 1980.
36
Vgl. dazu Mußner, a.a.O. 281-291.
37
Vgl. H. Groß, Tora und Gnade im Alten Testament, in: Kairos, NF 14 (1972) 220-231;
R.J.Z. Werblowsky, Tora als Gnade: ebd. 15 (1973) 156-163; E.L. Ehrlich, Tora im
Judentum, in: Evang. Theol. 37 (1977) 536-549.
23
38
Vgl. dazu N. Oswald, Grundgedanken zu einer pharisäisch-rabbinischen Theologie, in:
Kairos (1963) 40-58.
39
E. Simon, Brücken, Gesammelte Aufsätze, Heidelberg 1965, 468.
40
Abot II. 8 b.
41
Vat. II, NA n. 4.
42
Catechismus Romanus ex Decreto Concilii Tridentini I, cap. V, qu. 11.
43
Vat. II, NA n. 4.
44
Richtlinien 33.
45
Hirtenwort der Deutschen Bischöfe vom 23. August 1945.
46
Aus dem Gebet für die ermordeten Juden und ihre Verfolger, das nach Weisung der
Deutschen Bischofskonferenz am 11. Juni 1961 in allen katholischen Kirchen Deutschlands
gebetet werden sollte; in: Freiburger Rundbrief 13 (1960/61) 3.
24