WM1 Theorie
WM1 Theorie
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so dass Sie dieses auf einem SW-Printer ausdrucken können.
Vorwort
Für das Bearbeiten eines mathematischen Textes reicht es nicht aus, den Text einfach nur durchzulesen; vielmehr
ist folgendes Vorgehen zu empfehlen . . .
Benötigtes Material: Notizpapier und Schreibstift.
Proaktives Vorgehen: Ende jeden Abschnitts (Grösse selbst wählen) notieren Sie mit Worten, Formeln, Diagram-
men in Ihrem individuellen Stil, was in dem Abschnitt passiert ist. Ich werfe meine Notizen im Anschluss an die
Bearbeitung weg. Wichtige Bemerkungen und Fragen werden zuvor direkt ins Lehrmittel übernommen.
Mit ∗ bezeichnete Punkte können weggelassen werden. Interessierte Studierende dürfen diese aber sehr gerne
auch lesen :-).
Änderungsjournal
1.1 Mengen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
1.1.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.1.2 Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.1.3 Operationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1.1.6 Venndiagramme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.1.7 Zahlenmengen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.1.8 Kommentare . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
1.2.3 Anwendungsbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
1.2.5 Kommentare . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2 Funktionen 32
2.1.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
2.1.2 Definition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
2.1.4 Taschenrechner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
2.1.5 Relationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
2
2.1.8 Verkettung von Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
2.1.9 Kommentare . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
2.2.3 Potenzfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
2.2.4 Exponentialfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
2.2.5 Logarithmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
2.3.2 Break-Even-Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
2.3.3 Marktgleichgewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
2.3.7 Betriebsoptimum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
3
3 Gleichungen 108
4 Zahlenfolgen 128
5 Finanzmathematik 141
4
5.2.4 Endwert eines Zahlungsstroms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
6 Anhang 168
5
Wirtschaftsmathematik 1 1 Begriffe und Notation
Lernziele
• Sie kennen die gängigen mathematischen Symbole in der Mengenlehre. Sie kennen das Summenzeichen,
das Produktzeichen, das Fakultätzeichen. Sie wissen was indizierte Variablen sind. Sie können Terme die
diese Symbole enthalten lesen und verstehen und können sie auch selbst bewusst einsetzen.
Wofür Sie das brauchen
• Sie können damit Texte zu quantitativen Themen und durch Formeln ausgedrückte Zusammenhänge ver-
stehen, die in der gängigen Notation dargestellt sind.
Etwa finden Sie in einer Formelsammlung das Arithmetische Mittel einer Serie von Messungen
n
1
·
P
x := n
xi
i=1
’x-quer ist definiert gleich 1 durch n (= die Anzahl der Messwerte) mal der Summe der Messwerte xi ’
• Sie können unter Verwendung der gelernten Schreibweise Zusammenhänge klar und unmissverständlich
formulieren.
Frage: Wie oft schlägt eine Turmuhr im Laufe von 24 Stunden?
12 4
Antwort: 2 · k + 24 ·
P P
k
k=1 k=1
Hierbei berechnet die erste Summe die Anzahl der Schläge zu den vollen Stunden; die zweite Summe
berechnet die Anzahl der Schläge am Ende jeder Viertelstunde.
Als Resultat ergeben sich 2 · 78 + 24 · 10 = 396 Schläge.
• Die Mengenlehre liefert die formale Sprache für die Wahrscheinlichkeitstheorie und die Statistik. Die Wahr-
scheinlichkeit mit einem Würfel eine gerade Zahl zu werfen
|{2,4,6}| 3
P ({2, 4, 6}) = |{1,2,3,4,5,6}|
= 6
= 0.5 = 50%
Aufgaben aus WM1 [Link] mit zugehörigen Resultaten aus WM1 [Link].
Versuchen Sie es zunächst selbst, das heisst ohne WM1 [Link]. So haben Sie den grösseren Lerneffekt.
Mengenlehre 1 - 1 2 6 (10) 11 12 13 14
Venndiagramm 1 - 5 7 8 9 15 (16) (17) 18
Zahlenmengen 1 - 3 4 19
Summen- und Produktzeichen 1 - 20 21 22 23 29 30 (31) 32
Gewichtetes Mittel 1 - (24) 25 26 27 28
1.1 Mengen
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Was versteht man unter einer Menge? Spielt die Anordnung der Elemente in einer Menge eine Rolle? Kann eine Menge
ein Element mehrfach enthalten?
(A2) Geben Sie ein Beispiel einer Menge in aufzählender Form an. Geben Sie ein Beispiel einer Menge in Venndiagrammdarstellung
an. Geben Sie ein Beispiel einer Menge in beschreibender Form an.
(A3) Geben Sie die beiden Mengen A := {x2 − 4x + 8 | x ∈ {2, 3, 4, 5}} und B := {x ∈ Z
Z | x2 − 6x + 8 = 0} in aufzählender
Form an.
(A4) Finden Sie für die beiden Mengen A := {2, 3, 4} und B := {2, 4, 5} die Vereinigungsmenge A ∪ B, die Schnittmenge A ∩ B
und die beiden Differenzmengen A\B und B\A.
(A5) Bestimmen Sie die Mächtigkeit der Menge {2, 5} und schreiben Sie dieses Ergebnis in From einer symbolisch korrekten
Gleichung auf.
(A6) Was ist die Potenzmenge der Menge {2, 5}. Schreiben Sie diese in aufzählender Form auf.
(A7) Welche Gleichung gilt zwischen den Mächtigkeiten der Menge A und der ihrer Potenzmenge Pot(A)?
(A8) Eine intuitiv sehr einprägsame Darstellung von Schnitt-, Vereinigungs- und Differenzmengen zweier Mengen A und B
gelingt mit dem Venndiagramm. Zeigen Sie das an einer Skizze.
(A9) Wann ist eine Menge Teilmenge (⊆) einer anderen? Wann ist eine Menge Obermenge (⊇) einer anderen?
(A11) Wie erkennt man an der Dezimaldarstellung einer Zahl, ob es sich um eine rationale Zahl handelt?
(A12) Was bezeichnen die Mengen {1, 3} bzw. [1, 3] bzw. ]1, 3[?
(A14) Welche der folgenden Aussagen sind für alle Mengen A korrekt? 1 φ ⊆ A, 2 A ⊆ A, 3 φ ∈ A, 4 A ∈ A?
(A15) Vereinfachen Sie mit Hilfe eines Venndiagramms den Ausdruck A \ (A \ B).
1.1.1 Einleitung
1 In der Wahrscheinlichkeitsrechung und der Statistik analysiert man zufällige Vorgänge, sogenannte
Zufallsexperimente.
Bei einem Zufallsexperiment tritt als Resultat ein sogenanntes Elementarereignis ein.
Beim Roulettespiel ist das eine der Zahlen 0-36.
7 Schnittmenge Rouge und Pair: R ∩ P = {12, 14, 16, 18, 30, 32, 34, 36}
Frage: Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit für das Ereignis Rouge und Pair?
|R∩P | 8
Antwort: P(R ∩ P ) = |Ω|
= 37
= 21.6%
8 Bemerkung: Im Roulette sind von den 18 roten Zahlen 8 gerade und 10 ungerade! Die Verteilung der
Mächtigkeiten ist folgendermassen.
P I
R 8 10
N 10 8
1.1.2 Grundbegriffe
9 Die Mengenlehre wurde von Georg Cantor in den Jahren 1874 bis 1897 begründet.
Sie bildet das Fundament der Mathematik!
Abb. 2: Georg Cantor (∗ 3. März 1845 in Sankt Petersburg - †6. Januar 1918 in Halle an der Saale)
10 Eine Menge ist eine Zusammenfassung bestimmter, unterscheidbarer Objekte (Elemente) zu einem neuen
Ganzen.
11 Man zählt die Elemente der Menge in geschweiften Klammern auf.
14 In einer Menge kommt es nicht auf die Reihenfolge der enthaltenen Elemente an. Auch eine Mehrfachnen-
nung eines Elementes in einer Menge ist ohne Wirkung und kann deshalb unterlassen werden.
Beispiel: {3, 3, 2, 4, 1, 6} = {1, 2, 3, 4, 6}
15 Dass 3 in M liegt, gesprochen als ’3 ist Element von M ’ (Zeichen ∈), schreibt man als 3 ∈ M .
Dass 7 nicht in M liegt, gesprochen als ’7 ist nicht Element von M ’ schreibt man als 7 6∈ M .
16 Eine Menge A ist Teilmenge (= Untermenge, Zeichen ⊆) einer Menge B, wenn jedes Element von A auch
in B liegt. In Zeichen A ⊆ B. Gelesen als ’A ist Teilmenge von B’.
Auch die umgekehrte Notation ist erlaubt: B ⊇ A sprich ’B ist Obermenge (Zeichen ⊇) von A’.
Abb. 3: −3.3 ≤ −1.9 weil −3.3 weiter links auf der Zahlgerade liegt als −1.9
22 Bemerkung: Eine natürliche Zahl heisst Primzahl, wenn sie nur zwei Teiler hat: 1 und sich selbst.
1 ist keine Primzahl.
Die Menge der Primzahlen ist P := {2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19 . . .}
Bemerkung: Es gibt unendlich viele Primzahlen. Es gibt 4 Primzahlen die kleiner als 10 sind, 25 sind kleiner
als 100, 168 sind kleiner als 1000, 1229 sind kleiner als 10000.
In Zeichen ausgedrückt lautet die letzte Aussage | {x ∈ IN | x ist Primzahl und x < 10000} |= 1229
1.1.3 Operationen
23 So wie man aus zwei Zahlen durch die Operation Addition (+) als Resultat eine neue Zahl erhält (3+5=8),
so erhält man aus zwei Mengen durch Schneiden (∩) eine neue Menge.
24 Die Schnittmenge (’und’, ’geschnitten’, Zeichen ∩) zweier Mengen A und B besteht aus allen Elementen
die sowohl in A als auch in B liegen. In Zeichen: A ∩ B sprich ’A geschnitten mit B’.
25 Beispiele:
M ∩ N = {1, 2 , 3 , 4, 5 , 6} ∩ { 2 , 3 , 5 , 7} = {2, 3, 5}
N ∩ M = {2, 3, 5, 7} ∩ {1, 2, 3, 4, 5, 6} = {2, 3, 5}
M ∩ M = {1, 2, 3, 4, 5, 6} ∩ {1, 2, 3, 4, 5, 6} = {1, 2, 3, 4, 5, 6}
26 Bemerkung: Aus den Beispielen ergeben sich sofort folgende beiden Mengengesetze
A∩B =B∩A
A∩A=A
Man erhält also, analog zur Algebra der Zahlen, eine Algebra der Mengen (= Boole’sche Algebra) mit ihren
eigenen Gesetzen!
27 Die Vereinigungsmenge (’oder’, ’vereinigt’, Zeichen ∪) zweier Mengen A und B besteht aus allen Elementen
die entweder in A oder in B oder in beiden liegen. In Zeichen: A ∪ B sprich ’A vereinigt mit B’.
28 Beispiele:
M ∪ N = {1, 2, 3, 4, 5, 6} ∪ {2, 3, 5, 7} = {1, 2, 3, 4, 5, 6, 7}
N ∪ M = {2, 3, 5, 7} ∪ {1, 2, 3, 4, 5, 6} = {1, 2, 3, 4, 5, 6, 7}
M ∪ M = {1, 2, 3, 4, 5, 6} ∪ {1, 2, 3, 4, 5, 6} = {1, 2, 3, 4, 5, 6}
29 Bemerkung: Aus den Beispielen ergeben sich sofort zwei weitere Gesetze der Mengenalgebra.
A∪B =B∪A
A∪A=A
30 Die leere Menge ist die Menge, die kein Element enthält! Sie wird mit {} bezeichnet. Auch die Bezeichnung
φ für die leere Menge ist sehr üblich. Es gilt also φ = {}.
Offensichtlich ergeben sich folgende zwei weiteren Gesetze für die Mengenalgebra.
A∩φ=φ
A∪φ=A
31 Zwei Mengen heissen disjunkt (= ohne gemeinsame Elemente), falls A ∩ B = φ gilt.
Beispiel: := {2, 3, 5, 7} und {0, 10, 20} sind disjunkt.
32 Liegt eine Grundmenge Ω vor, in der sich alles abspielt, so definiert man das Komplement oder die
Komplementärmenge A der Menge A als die Menge aller Elemente von Ω, welche nicht in A liegen.
Gelesen als ’Komplement von A (bezüglich Ω)’
Das Komplement A ist also nur im Zusammenhang mit einer Grundmenge bestimmbar und fällt je nach
Grundmenge anders aus.
Das Komplement eine Menge A wird oft auch mit CA oder mit AC bezeichnet.
34 Die Differenzmenge (’ohne’, Zeichen \) zweier Mengen A und B ist die Menge aller Elemente, die in A
liegen aber nicht in B. In Zeichen: A\B sprich ’A ohne B’.
Um A\B zu bestimmen ist es eine gute Strategie, die ganze Menge A hinzuschreiben und dann die Elemente
herauszustreichen, die in B liegen. Siehe die nachfolgenden Beispiele 2) bis 4).
35 Beispiele
1) Das Komplement lässt sich als Differenzmenge schreiben: M = Ω\M
2) M \N = {1, 2, 3, 4, 5, 6} \ {2, 3, 5, 7} = {1, 2/, 3/, 4, 5/, 6} = {1, 4, 6}
3) N \M = {2, 3, 5, 7} \ {1, 2, 3, 4, 5, 6} = {2/, 3/, 5/, 7} = {7}
4) M \M = {1, 2, 3, 4, 5, 6} \ {1, 2, 3, 4, 5, 6} = {1/, 2/, 3/, 4/, 5/, 6/} = {}
36 Die Mächtigkeit einer Menge A ist die Anzahl ihrer Elemente; in Zeichen |A|; gelesen ’Mächtigkeit von A’.
Die Mächtigkeit von N = {2, 3, 5, 7} ist also vier; in Zeichen: |N | = 4 oder |{2, 3, 5, 7}| = 4
∗37∗ Die Potenzmenge einer Menge A ist die Menge aller Teilmengen von A; in Zeichen Pot(A). Gelesen als
’Potenzmenge von A’.
Formal ist also folgende beschreibende Definition korrekt: Pot(A) = {X | X ⊆ A}
Beispiel: Pot({1, 2, 3}) = {{}, {1}, {2}, {3}, {1, 2}, {1, 3}, {2, 3}, {1, 2, 3}}
41 Beispiel:
M ×N = {1, 2 , 3, 4, 5, 6}×{2, 3, 5 , 7} = {(1, 2), (1, 3), (1, 5), (1, 7), (2, 2), (2, 3), (2, 5) , (2, 7), (3, 2), (3, 3),
(3, 5), (3, 7), (4, 2), (4, 3), (4, 5), (4, 7), (5, 2), (5, 3), (5, 5), (5, 7), (6, 2), (6, 3), (6, 5), (6, 7)}
Offensichtlich gilt | M × N |=| M | · | N |= 6 · 4 = 24
Beachten Sie, dass (im Gegensatz zu den Mengen) für geordnete Paare (2, 3) 6= (3, 2) gilt.
42 Das karthesische Produkt zweier reeller Zahlengeraden IR × IR = {(x, y) | x ∈ IR und y ∈ IR} ergibt die
Menge aller Zahlenpaare (x, y). Dies sind genau die karthesischen Koordinaten aller Punkte in der Ebene.
Der Begriff karthesisches Produkt verweist auf René Descartes (1596-1650), der für die Punkte der Ebene
die Koordinatenschreibweise (x, y) bzw. (x/y) eingeführt hat.
Abb. 4: Karthesische Produkt zweier Zahlengeraden ergibt die Ebene IR × IR = {(x, y) | x ∈ IR und y ∈ IR}
43 Aufgabe: Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit mit zwei Würfeln die Augensumme 5 zu werfen?
Die Menge der möglichen Würfe ist:
Ω = {1, 2, 3, 4, 5, 6} × {1, 2, 3, 4, 5, 6} = {(1, 1), (1, 2), (1, 3), . . . (6, 4), (6, 5), (6, 6)}.
Dies sind alle möglichen Fälle. Es gibt |Ω| = 36 Stück. Hinweis: 6 · 6 = 36
Die günstigen Fälle für Augensumme 5 sind B = {(1, 4), (2, 3), (3, 2), (4, 1)}. Dies sind |B| = 4 günstige
Fälle.
Die Wahrscheinlichkeit (Probability) für das Ereignis B ist das Verhältnis der günstigen Fälle für B zu allen
|B| 4 1
möglichen Fällen: P(B) = = = = 11.1%
|Ω| 36 9
6 1
Bemerkung: Augensumme 7 hat die grösste Wahrscheinlichkeit aller Augensummen, nämlich = =
36 6
16.7%
1.1.6 Venndiagramme
44 Um die Zusammenhänge zwischen zwei oder drei Mengen übersichtlich dazustellen, ist das Venndiagramm
(John Venn, 1834-1923, englischer Logiker und Philosoph) oder Mengendiagramm ein überzeugendes In-
strument. Nachfolgend die Venndiagramme für zwei Mengen A und B bzw. drei Mengen A, B und C.
45 An unserem Beispiel mit Ω = {1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9}, M = {1, 2, 3, 4, 5, 6}, N = {2, 3, 5, 7} ergibt sich
48 Für die Operationen zwischen Zahlen gelten Rechengesetze, wie etwa das Distributivgesetz (Ausmultipli-
zieren), das Sie aus dem Schulunterricht kennen: a · (b + c) = a · b + a · c.
49 Genauso gelten auch für die Operationen zwischen Mengen Rechengesetze. Diese lassen sich elegant am
Venndiagramm beweisen.
50 Es soll etwa das Distributivgesetz A ∪ (B ∩ C) = (A ∪ B) ∩ (A ∪ C) bewiesen werden.
51 Auf beiden Seiten des Gleichheitszeichens stehen Mengen. Um zu zeigen, dass zwei Mengen gleich sind, ist
nachzuweisen, dass jedes x das in der einen Menge liegt, auch in der anderen liegt und umgekehrt.
52 Bezüglich der drei Mengen A, B, C gibt es acht mögliche Fälle für die Lage eines Elements x.
Diese Fälle lassen sich in einer Tabelle aufstellen oder - sehr schön - in einem Venndiagramm.
53 Es ist für die linke und die rechte Seite der Gleichung A∪(B ∩C) = (A∪B)∩(A∪C) separat festzustellen,
welche Fälle enthalten sind. Anschliessend wird verglichen ob beide Seiten dieselben Fälle enthalten.
Sehr elegant geht dies in grafischer Form am Venndiagramm!
54 Analog lässt sich eine Teilmengenbeziehung ⊆ nachweisen. Es ist für die linke und die rechte Seite der
Ungleichung separat festzustellen, welche Fälle enthalten sind. Anschliessend wird verglichen ob alle Fälle
der linken Seite in den Fällen der rechten Seite enthalten sind.
Sehr elegant geht auch dies in grafischer Form am Venndiagramm!
56 Lösung:
Linke Seite der Gleichung: A ∪ (B ∩ C)
58 Damit ist gezeigt, dass wenn ein Element in A ∪ (B ∩ C) liegt (dunkelgraue Fläche oben), es auch in
(A ∪ B) ∩ (A ∪ C) liegt (dunkelgraue Fläche unten) und umgekehrt. Die beiden Mengen sind deshalb
gleich.
1.1.7 Zahlenmengen
59 Aus dem Schulunterricht sind Ihnen bestimmte Zahlenmengen bekannt. Sie sollen hier wieder in Erinnerung
gerufen werden.
60 Die Zahlen des Zählens bilden die Menge der natürlichen Zahlen IN := {1, 2, 3, . . .}. Die Mächtigkeit der
Menge IN ist unendlich.
61 Zwei Zahlen aus IN können addiert oder multipliziert werden. Das Resultat ist wieder in IN.
Am Beispiel der beiden natürlichen Zahlen 13 und 17 ergibt sich
Addition: 13 + 17 = 30
Multiplikation: 13 · 17 = 221.
Bei der Subtraktion zweier natürlicher Zahlen kann es passieren, dass das Resultat nicht in IN liegt.
Am Beispiel 13 − 17 6∈ IN. Wir werden gezwungen negative ganze Zahlen und die Null einzuführen.
62 Die dahingehend erweiterte Zahlenmenge ist die Menge der ganzen Zahlen
ZZ:= {. . . , −3, −2, −1, 0, 1, 2, 3, . . .}. Offensichtlich ist IN eine Teilmengen von ZZ, also IN ⊆ ZZ.
63 Zwei ganze Zahlen können addiert, multipliziert und subtrahiert werden. Das Resultat ist wieder in Z
Z.
Am Beispiel der beiden ganzen Zahlen −2 und −4 ergibt sich
Addition: (−2) + (−4) = −2 − 4 = −6
Multiplikation: (−2) · (−4) = 8
Subtraktion: (−2) − (−4) = −2 + 4 = 2.
64 Bei der Division zweier ganzer kann es passieren, dass das Resultat nicht in ZZ liegt. Zum Beispiel gilt
14 : 8 6∈ ZZ. Wir sind gezwungen Brüche einzuführen. Dies führt auf die Menge der rationalen Zahlen
CQ:= { pq | (p ∈ Z
Z) und (q ∈ IN) und (p und q sind teilerfremd)}. Es gilt ZZ ⊆ CQ, da n = n1 .
65 Zwei rationale Zahlen können addiert, multipliziert, subtrahiert und dividiert werden.
2 3
Am Beispiel der beiden Zahlen rationalen Zahlen 3
und 5
ergibt sich
2 3 10 9 19
Addition: 3
+ 5
= 15
+ 15
= 15
.
2 3 6
Multiplikation: 3
· 5
= 15
= 25 .
2 3 10 9 1
Subtraktion: 3
− 5
= 15
− 15
= 15
.
2 3 2 5 10
Division: 3
: 5
= 3
· 3
= 9
.
Einzige Ausnahme: Eine Division durch 0 kann nicht sinnvoll definiert werden und ist nie erlaubt!
66 Es gibt ein schönes geometrisches Bild dieser Zahlenmengen: Die Zahlgerade.
Auf einer Gerade wird ein Punkt als 0 bezeichnet. Von 0 aus werden nach links in immer gleichem Abstand
die Zahlen −1, −2, −3 usw. und nach rechts die Zahlen 1, 2, 3 usw. platziert.
Gleichmässige Unterteilung der Skala führt auf die rationalen Zahlen. Zum Beispiel erhält man die Zahl
− 73 , indem man die Einheit (=Strecke von 0 bis 1) in 3 gleiche Teile teilt und 7 dieser Teile von 0 aus nach
links abträgt.
Abb. 12: Die Zahlengerade. Markiert sind die ganzen Zahlen bzw. die den ganzen Zahlen zugeordneten Stellen.
Die rationalen Zahlen (bzw. deren Stellen) erhält man durch gleichmässig Unterteilung
67 Es gibt Stellen auf der Zahlgeraden, die nicht durch ganzzahlige Teilung und Vervielfachung der Einheit 1
erhalten werden können, also nicht durch rationale Zahlen darstellbar sind! Beispiele sind die Quadratwurzeln
√ √ √ √
aus natürlichen-nicht-Quadratzahlen, also 2, 3, 5, 6 usw.
68 Alle Stellen auf der Zahlgerade lassen sich aber durch eine Kommazahlen mit Vorzeichen (+ oder −)
ausdrücken.
n
ak
, wo a0 ∈ IN0 und ak ∈
P
Eine Kommazahl ist eine wachsende Folge von Brüchen bn = a0 + 10k
k=1
{0, 1, 2, . . . 9} für k ≥ 1. Im Dezimalsystem schreibt sich diese Zahl als Kommazahl a0 .a1 a2 a3 . . .
Eine Kommazahl ist eine ’Wegbeschreibung’ zur Stelle der entsprechenden Zahl.
So ist zur Zahl π = 3.1415926535 . . . gehörige Stelle folgendermassen zu finden.
1 4 1
Starte bei 0. Gehe um 3 nach rechts, Gehe um 10
nach rechts. Gehe um 100
nach rechts. Gehe um 1000
nach rechts usw. Die Schritte werden immer kleiner und es zeigt sich, dass man sich einer eindeutigen Stelle
der Zahlgeraden immer mehr nähert. Diese Stelle bzw. Zahl heisst der Grenzwert des Prozesses.
69 Die Darstellung einer Stelle der Zahlgeraden bzw. Zahl ist eindeutig bis auf eine Ausnahme: Eine abbre-
chenden Kommazahl auch als Kommazahl mit alles Neunen am Schluss geschrieben werden. So kann zum
Beispiel die Zahl 5 auf zwei Arten geschrieben werden!
5 = 5.000 . . .
5 = 4.999 . . .
70 5 = 5.000 . . . = 5.0
0 0 0
,→ Folge bn : 5 , 5+ 10
, 5+ 10
+ 100
, . . ..
5 = 4.999 . . . = 4.9
9 9 9
,→ Folge bn : 4 , 4+ 10
, 4+ 10
+ 100
, . . ..
Bemerkung: Eine überstrichene Ziffernsequenz in einer Kommazahl, darf nur am Schluss der Zahl auftreten
und bedeutet, dass sich diese Ziffernfolge anschliessend immer wiederholt. Man nennt diese Ziffernfolge die
Periode der Kommazahl und sagt auch die Kommazahl wird periodisch.
Eine Periode, die nur aus Nullen besteht, darf weggelassen werden: 5.0 = 5
71 Versuchen Sie die Perioden immer möglichst einfach zu schreiben. Also
A Periode möglichst weit links beginnen:
5.11 = 5.1
5.0121 = 5.012
B Periode 0 weglassen:
5.10 ,→ 5.1
C Periode 9 umschreiben:
5.19 ,→ 5.2
5 − 16 = −0.16
1 1 6 1 6 6
,→ Vorzeichen − ; Folge bn : 0 , 0+ 10
, 0+ 10
+ 100
, 0+ 10
+ 100
+ 1000
, . . ..
73 Jede rationale Zahl kann durch eine Kommazahl mit Vorzeichen dargestellt werden. Es stellt sich aber
heraus, dass es viel mehr Kommazahlen mit Vorzeichen als rationale Zahlen gibt! Die rationalen Zahlen
2
entsprechen genau den abbrechenden oder periodischen Kommazahlen mit Vorzeichen. Beispiel 5
= 0.2
1
(abbrechend) bzw. 12
= 0.083 (periodisch). Alle nicht abbrechenden und nicht periodischen Kommazahlen
mit Vozeichen sind also keine rationalen Zahlen. Die Menge aller Kommazahlen mit Vorzeichen heisst
die Menge der reellen Zahlen. Sie wird mit IR bezeichnet. Es gilt CQ ⊆ IR. Zwei reelle Zahlen können
addiert, multipliziert, subtrahiert und dividiert werden. Einzige Ausnahme: Die Division durch 0 kann nicht
sinnvoll definiert werden. Die reellen Zahlen entsprechen genau den Punkten auf der Zahlgerade. Eine
fundierte algebraische Theorie der reellen Zahlen und der zugehörigen Grundoperationen ist ausserhalb
unseres Stoffes.
√ 7
Abb. 13: Die Kommadarstellung lokalisiert die reellen Zahlen auf der reellen Zahlgeraden: − 3 = −1.732 . . . bzw. 5
= 1.4
∗74∗ Es soll der Nachweis geführt werden, dass eine Division durch 0 nicht sinnvoll definiert werden kann. Die
Annahme, dass eine Division durch 0 analog einer Division durch eine Zahl 6= 0 möglich ist, wird auf einen
Widerspruch führen!
Es gilt
1 · 0 = 0 und 0 · 0 = 0
Also
1 · 0 = 0 · 0 |: 0
1 = 0 Widerspruch!
75 Zusätzlich zu den Bezeichnungen für die Grundmengen IN, ZZ, CQ, IR verwendet man auch für einige ihrer
Teilmengen spezielle Bezeichnungen:
IN0 = natürliche Zahlen einschliesslich 0.
IR+ = positive reelle Zahlen.
IR+
0 = positive reelle Zahlen einschliesslich 0.
IR− = negative reelle Zahlen.
Bemerkung: Die reellen Zahlen, welche nicht rational sind, also die Elemente von IR\CQ heissen irrationale
Zahlen.
76 Zusammenfassung (Zahlenmengen)
IN ⊆ ZZ ⊆ CQ ⊆ IR
Beachten Sie: ∗ Ausser Division durch 0 ist hier alles erlaubt! Dies sind algebraisch sehr befriedigende
Zahlbereiche, sogenannte algebraische Körper .
77 Häufig auftretende Teilmengen der reellen Zahlen sind die Intervalle.
78 Ein Intervall in IR ist eine zusammenhängende Teilmenge von IR, welche aus mehr als einem Punkt besteht.
So ist zum Beispiel die Menge {x ∈ IR | 2 ≤ x < 5} ein Interval, bestehend aus allen Zahlen zwischen 2
und 5 inklusive 2, exklusive 5.
79 Für die grafische Darstellung von Intervallen auf der reellen Zahlgerade ist es neben dem Anfärben des
Intervalls nötig zu bezeichnen, ob die beiden Endpunkte zum Intervall gehören oder nicht. Folgende
Konvention üblich.
• Ausgefüllter Kreis → Punkt ist dabei.
◦ Leerer Kreis → Punkt ist nicht dabei.
Für unser Intervall {x ∈ IR | 2 ≤ x < 5} ergibt sich so die folgende Darstellung.
Abb. 14: Graphische Darstellung des Intervalls {x ∈ IR | 2 ≤ x < 5} auf der Zahlgerade.
81 Algebraische Darstellung.
Das Intervall von 2 bis 5 inklusive 2 und 5 wird als abgeschlossenes Intervall bezeichnet, da beide Endpunkte
dabei sind. Man schreibt in Intervallschreibweise [2, 5] oder in Mengenschreibweise {x ∈ IR | 2 ≤ x ≤ 5}.
Entfernt man aus dem abgeschlossenen Intervall [2, 5] den Endpunkt 2, so erhält man das links-halboffene
Intervall ]2, 5] oder in Mengenschreibweise {x ∈ IR | 2 < x ≤ 5}
Entfernt man aus dem abgeschlossenen Intervall [2, 5] beide Endpunkte, so erhält man das offene Intervall
]2, 5[ oder in Mengenschreibweise {x ∈ IR | 2 < x < 5}
Eine offene Umgebung von x ist ein offenes Intervall welches x enthält.
Bemerkung: Formal kann man also schreiben
[2, 5] \ {2} =]2, 5] - linkshalboffen
[2, 5] \ {5} = [2, 5[ - rechtshalboffen
[2, 5] \ {2, 5} =]2, 5[ - offen
82 Eine Teilmenge A der reellen Zahlen IR heisst offen, falls es zu jedem x ∈ A eine offene Umgabung U von
x gibt, die Teilmenge von A ist, also U ⊆ A gilt.
Eine Teilmenge A der reellen Zahlen IR heisst abgeschlossen, falls jedes x ∈ IR das in jeder seiner offenen
Umgebung U Elemente von A enthält (also U ∩ A 6= φ) selbst schon zu A gehört, also x ∈ A
83 Hat ein Intervall ein ’Ende’ bei −∞ bzw. ∞ so ist das Intervall an diesem Ende sowohl offen als auch
abgeschlossen!
84 Merken Sie Sich für die Intervallschreibweise folgende Konventionen.
• Zugewandte Klammer bedeutet Endpunkt dabei.
• Abgewandte Klammer bedeutet Endpunkt nicht dabei.
• ∞ und −∞ sind keine Zahlen, deshalb ist bei diesen beiden die Klammer immer abgewandt!
• Alternativ zur abgewandten Klammer wird manchmal auch die zugewandte runde Klammer verwendet:
[2, 5) = [2, 5[ bzw. (2, 5] =]2, 5] bzw. (2, 5) =]2, 5[
1.1.8 Kommentare
88 In den Übungen wird je nach Aufgabe eine mehr oder weniger abstrahierte Version des Venndiagramms
verwendet. Hier eine Übersicht über die drei Varianten an dem Beispiel
Ω = {1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9}, A = {2, 3, 5, 7}, B = {2, 4, 6, 8}
Venndiagramm V. mit eingetr. Mächtigkeiten V. mit eingetr. Feldbezeichnungen
Abb. 17: Venndiagramme mit zunehmender Abstraktion: Orginal - mit Mächtigkeiten - mit Feldbezeichnungen
{ 1 , 2 , 3 , 4 }
1) ja , ja , ja , ja ↔ {1, 2, 3, 4}
2) ja , ja , ja , nein ↔ {1, 2, 3}
3) ja , ja , nein , ja ↔ {1, 2, 4}
4) ja , nein , ja , ja ↔ {1, 3, 4}
5) nein , ja , ja , ja ↔ {2, 3, 4}
6) ja , ja , nein , nein ↔ {1, 2}
7) ja , nein , ja , nein ↔ {1, 3}
8) ja , nein , nein , ja ↔ {1, 4}
9) nein , ja , ja , nein ↔ {2, 3}
10) nein , ja , nein , ja ↔ {2, 4}
11) nein , nein , ja , ja ↔ {3, 4}
12) ja , nein , nein , nein ↔ {1}
13) nein , ja , nein , nein ↔ {2}
14) nein , nein , ja , nein ↔ {3}
15) nein , nein , nein , ja ↔ {4}
16) nein , nein , nein , nein ↔ {}
Also: Pot({1, 2, 3, 4}) = {{}, {1}, {2}, {3}, {4}, {1, 2}, {1, 3}, {1, 4}, {2, 3}, {2, 4}, {3, 4},
{1, 2, 3}, {1, 2, 4}, {1, 3, 4}, {2, 3, 4}, {1, 2, 3, 4}}
Und: |Pot({1, 2, 3, 4})| = 16
91 Die Komplementärmenge von A wird mit A oder mit AC oder mit CA bezeichnet.
Beispiel: Ω := {1, 2, 3, 4, 5, 6}, A := {1, 3, 6} ,→ CA = {2, 4, 5}
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Sie haben 100 Werte gemessen. Diese Werte sollen 100 Variablen zugewiesen werden. Wie bezeichnen Sie die Variablen?
(A2) ’Die 100 Werte sollen addiert werden’. Finden sie einen geschlossenen (ohne . . . ) algebraischen Term für diese Anweisung.
(A3) ’Die Werte Nummer 2, 4, 6, usw. bis 100 sollen multipliziert werden’. Finden sie einen geschlossenen (ohne . . . ) algebraischen
Term für diese Anweisung.
(A4) ’Die Summe aller ganzen Zahlen von 1 bis n’ lässt sich zum einen mit dem Summensymbol schreiben. Zum andern lässt
1+n
sich die Summe elegant aus dem mittleren Wert der Summanden 2
berechnen. Stellen Sie diesen Zusammenhang in
einer Gleichung dar.
7 7
(A5) Es gelte xk = k2 − 3. Bestimmen Sie x5 . Bestimmen Sie (k2 − 3) von Hand, indem Sie die
P P
xk bzw. was dasselbe ist
k=3 k=3
Summe ausschreiben und dann addieren. Bestimmen Sie dieselbe Summe mit dem Ti-84 MATH / MATH /Summation.
20
P
(A6) Wieviele Summanden hat die Summe xk ?
k=4
(A7) Das erste Logarithmengesetz besagt logc (a · b) = logc (a) + logc (b).
n
Q
Verallgemeinern Sie diese Gesetz auf beliebige Produkte: logc ( xk ) =?
k=1
(A8) Geben Sie eine geschlossene Formel an, um das arithmetische Mittel der Werte xk für k = 1 . . . n zu berechnen.
(A9) Geben Sie eine geschlossene Formel an, um das gewichtete Mittel der Werte xk (tritt gk Mal auf) für k = 1 . . . n zu
berechnen.
(A10) Geben Sie eine geschlossene Formel an, um das geometrische Mittel der Werte xk für k = 1 . . . n zu berechnen.
(A11) Sie sollen aus einer Serie von aufeinanderfolgenden jährlichen Wachstumsfaktoren qk für (k = 1 . . . n) den mittleren
jährlichen Wachstumsfaktor berechnen. Welches Mittel verwenden Sie?
3 P
P 3
(A12) Eine Doppelsumme wird von Aussen her aufgelöst. Benutzen Sie diese Regel um (i · j − 1) zu berechnen!
j=1 i=j
(A13) Geben Sie ein Beispiel für eine leere Summe. Geben Sie ein Beispiel für ein leeres Produkt.
Welchen Wert hat die leere Summe? Welchen Wert hat das leere Produkt?
(A14) Spezielle Produkte sind die Fakultäten. Schreiben Sie n! korrekt mit dem Produktzeichen.
1 Ein Kino verkauft in der ersten Woche für einen neu angelaufenen Film folgende Platzanzahlen:
Wochentag Do Fr Sa So Mo Di Mi
Verkaufte Plätze 320 423 613 210 418 189 193
2 Wie gross ist die Gesamtzahl der verkauften Plätze in der ersten Woche?
Antwort: Sie addieren die Platzzahlen der einzelnen Tage und erhalten 320 + 423 + . . . + 193 = 2366.
3 Wenn wir dieses Vorgehen algebraisch beschreiben wollen, brauchen wir zwei grundsätzliche Konzepte:
1 Man bezeichnet die einzelnen Werte mit Variablen.
Ein erster Ansatz wäre: a = 320, b = 423, . . . , g = 193.
Viel geeigneter ist es aber indexierte Variablen zu benützen: x1 = 320, x2 = 423, . . . , x7 = 193.
2 Man führt eine Kurzschrift ein für 7
X
’Addiere alle Werte xk für k läuft von 1 bis 7 mit Schrittweite +1’ ,→ xk
4 Die erweiterte Tabelle sieht nun folgendermassen aus: k=1
8 Gelesen wird es als ’Summe von k 2 für k gleich 1 bis 5’. Dabei läuft die Laufvariable k von und mit k = 1
mit Schrittweite +1 bis und mit 5. Die sich ergebenden Terme werden addiert.
5
X
k 2 = 12 + 22 + 32 + 42 + 52 = 1 + 4 + 9 + 16 + 25 = 55.
k=1
9 Für kompliziertere Summanden (=Term auf den sich das Summensymbol Σ bezieht), kann es nötig sein
10
X
eine Klammer zu setzen. So würde man bei 2k + 3 mit einer Klammer Klarheit schaffen, wie weit nun
k=1
10
X 10
X
der Wirkungsbereich des Summensymbols geht: (2k + 3) oder (2k) + 3.
k=1 k=1
13 Übungsbeispiele:
5
X
• (k 2 − 2k)
k=3
Der Laufindex k läuft von und mit k = 3 in Schritten von +1 bis und mit k = 5. Die ausgewerteten Terme
5
X
werden addiert. (k 2 − 2k) = (32 − 2 · 3) + (42 − 2 · 4) + (52 − 2 · 5) = 3 + 8 + 15 = 26
2 k=3
X
• (2j + 1)
j=−1
Der Laufindex j läuft von und mit j = −1 in Schritten von +1 bis und mit j = 2. Die ausgewerteten
Terme werden addiert.
2
X
(2j + 1) = (2 · (−1) + 1) + (2 · 0 + 1) + (2 · 1 + 1) + (2 · 2 + 1) = −1 + 1 + 3 + 5 = 8
9
X j=−1
• (10)
j=5
Der Laufindex j läuft von und mit j = 5 in Schritten von +1 bis und mit j = 9. Der Summand ist
9
X
unabhängig von j, also konstant gleich 10. (10) = (10) + (10) + (10) + (10) + (10) = 50
j=5
3
X
• (i3 )
i=9
Der Laufindex i läuft von und mit i = 9 in Schritten von +1 bis und mit i = 3 → leere Summe!
3
X
5
X (i3 ) = 0
3
• (i ) i=9
i=5
Der Laufindex i läuft von und mit i = 5 in Schritten von +1 bis und mit i = 5 → nur ein Summand!
5
X
4
X (i3 ) = 53 = 125
• (5j) i=5
k=2
Der Laufindex k läuft von und mit k = 2 in Schritten von +1 bis und mit k = 4. Der Summand ist
4
X
unabhängig von k, also konstant gleich 5j. (5j) = 5j + 5j + 5j = 15j
k=2
• Ein gemeinsamer konstanter Faktor der Summanden kann aus der Summe ausgeklammert werden:
n
X n
X 8
X
(c · xk ) = c · (xk ) Beispiel: Linke Seite= (3 · k) = 15 + 18 + 21 + 24 = 78
k=m k=m k=5 8
X
Rechte Seite = 3 · (k) = 3 · (5 + 6 + 7 + 8) = 3 · 16 = 78
k=5
• Ist der Summand selbst eine Summe, so kann die Summe auseinandergenommen werden:
n
X n
X n
X
(xk + yk ) = (xk ) + (yk )
k=m k=m k=m
8
X
Beispiel: Linke Seite= (k + k 2 ) = 30 + 42 + 56 + 72 = 200
k=5 8 8
X X
Rechte Seite = (k) + (k 2 ) = (5 + 6 + 7 + 8) + (52 + 62 + 72 + 82 ) = 26 + 174 = 200
k=5 k=5
• Und
n
als Kombination der beiden
n
letzten Punkte:
n
X X X
(a · xk + b · yk ) = a · (xk ) + b · (yk )
k=m k=m k=m
8
X
Beispiel: Linke Seite= (2 · k 2 − k) = 45 + 66 + 91 + 120 = 322
k=5 8 8
X X
Rechte Seite = 2· (k 2 )− (k) = 2·(25+36+49+64)−(5+6+7+8) = 2·174−26 = 322
k=5 k=5
15 Jetzt lässt sich auch die bekannte Formel für die Summe der ganzen Zahlen von m = 20 bis n = 100
n
X n+m (n + m)(n − m + 1)
elegant formulieren. k= · (n − m + 1) = falls n ≥ m
k=m
2 | {z } 2
| {z } Anzahl
O
/ der Summ-
Summ- anden
anden
100
X (100 + 20) · (100 − 20 + 1) 120·81
Am Beispiel k= = 2
= 4860
k=20
2
16 Mit dem Taschenrechner Ti-84 rechnen Sie direkt nach ( MATH → MATH 0 : summation Σ):
100
X
(K) = 4860.
K=20
17 Wir haben die Verkaufszahlen der zwei anderen Kinos, die derselben Kinokette angehören, für denselben
Film und dieselbe Woche ermittelt:
Eintritte Do Fr Sa So Mo Di Mi
Kino 1 320 423 613 210 418 189 193
Kino 2 278 436 663 179 434 169 106
Kino 3 377 405 580 134 339 253 280
18 Hier wird man doppelt-indizierte Variablen verwenden. Der erste Index ist der Zeilenindex, der zweite Index
der Spaltenindex. Beispiel x2,3 = Wert 2. Zeile / 3. Spalte = 663
Die Tabelle sieht dann folgendermassen aus (man spricht statt von einer Tabelle auch von einer Matrix
hier einer 3 × 7-Matrix - Der erste Faktor gibt die Zeilenzahl (=3) der Matrix, der zweite die Spaltenzahl
(=7) der Matrix an).
xi,j j=1 j=2 j=3 j=4 j=5 j=6 j=7
i=1 320 423 613 210 418 189 193
i=2 278 436 663 179 434 169 106
i=3 377 405 580 134 339 253 280
7
X
19 Der Wochenverkauf in Kino i ergibt sich zu xi,j . Der Tagesverkauf am Tag j der Kinokette ergibt
j=1
3
X
sich zu xi,j . Der Kartenverkauf der Kette in der ersten Woche lässt sich auf grundsätzlich zwei Arten
i=1
berechnen (mit demselben Ergebnis, nämlich der Summe der 21 Zahlen):
3 X
X 7
( {z } + |2265
xi,j ) = |2366 {z } + |2368
{z } = 6999 bzw.
i=1 j=1 i=1 i=2 i=3
X7 X 3
( xi,j ) = |{z}
975 + |1264
{z } + . . . + |{z}
579 = 6999
j=1 i=1 j=1 j=2 j=7
Die Details entnimmt man der um die ’Randhäufigkeiten’ ergänzten Tabelle:
7
X
xi,j j=1 j=2 j=3 j=4 j=5 j=6 j=7 (xi,j )
j=1
i=1 320 423 613 210 418 189 193 2366
i=2 278 436 663 179 434 169 106 2265
i=3 377 405 580 134 339 253 280 2368
3
X
(xi,j ) 975 1264 1856 523 1191 611 579 6999
i=1
7 X
X 3
20 Man bezeichnet Summen wie etwa ( xi,j ) unter Punkt 19 als Doppelsummen.
j=1 i=1
Es kann vorkommen, dass die Laufvariable der äusseren Summe Einfluss auf die Summationsgrenzen
X
i
3 X
und/oder den Summanden der inneren Summe hat. Beispiel ( i + j)
i=1 j=1
21 Merkregel: Doppelsummen - oder verallgemeinert sogar alle Mehrfachsummen - werden von aussen her
aufgelöst!
3 X
X i
22 Beispiel: (i + j)
i=1 j=1
3
X i
X
Man löst zuerst die äussere Summe ( ) auf, ersetzt also im zugehörigen Summanden (i + j) das i
i=1 j=1
zuerst durch i = 1, dann durch i = 2 und dann noch durch i = 3. Anschliessend ermittelt man die Werte
der drei entstehenden Einfachsummen und addiert zum Schluss diese drei Werte.
3 X
X i 1
X 2
X 3
X
23 (i + j) = (1 + j) + (2 + j) + (3 + j) =
i=1 j=1 j=1 j=1 j=1
| {z } | {z } | {z }
i=1 i=2 i=3
= (1 + 1) + (2 + 1) + (2 + 2) + (3 + 1) + (3 + 2) + (3 + 3) = 2 + 7 + 15 = 24
| {z } | {z } | {z }
i=1 i=2 i=3
24 Eng verwandt mit dem Summenzeichen Σ ist das das Produktzeichen Π, sprich ’Pi’. Pi ist das grosse
griechische P. Π steht für das Wort Produkt.
5
Y
25 Beispiel: i2
i=1
Gelesen wird es als ’Produkt von i2 für i gleich 1 bis 5’. Dabei läuft die Laufvariable i von und mit i = 1
mit Schrittweite +1 bis und mit i = 5. Die sich ergebenden Terme werden multipliziert.
5
Y
i2 = 12 · 22 · 32 · 42 · 52 = 14400.
i=1
5
Y 5
Y
26 Bemerkung: Als Folge des Potenzgesetzes (a · b)n = an · bn ergibt sich die Gleichung: ( i)2 = i2
i=1 i=1
5
Y 5
Y
Am Beispiel also i2 = ( i)2 = (1 · 2 · 3 · 4 · 5)2 = 1202 = 14400
i=1 i=1
27 Statt der Laufvariable i kann ebensogut eine andere Variable verwendet werden.
5
Y 5
Y
k 2 bedeutet also dasselbe wie i2 .
k=1 i=1
28 i = 1 ist die untere Grenze oder Startindex des Produkts, i = 5 ist die obere Grenze oder Endindex des
Produkts.
Startindex und Endindex müssen ganze Zahlen (∈ ZZ) sein.
29 Ist der Startindex grösser als der Endindex des Produkts, so handelt es sich um ein ’leeres Produkt’, dessen
Wert per Definition Eins ist.
30 Das ist jetzt der richtige Ort um die Funktion Fakultät (Zeichen !) einzuführen.
Die Funktion Fakultät ist definiert für alle positiven ganzen Zahlen und Null (also für IN0 ).
n! = n-Fakultät = Produkt der natürlichen Zahlen von 1 bis n.
31 Beispiel: 5! = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 = 120
0
Y
33 0! ist als k ein leeres Produkt und damit per Definition gleich 1.
k=1
36 Bemerkung: Der Faktor E52 = 1052 verschiebt das Komma um 52 Stellen nach rechts!
Analog würde der Faktor E−52 = 10−52 das Komma um 52 Stellen nach links verschieben.
Der Faktor E0 = 100 = 1 verschiebt das Komma nicht.
Vorsicht: Auf dem Taschenrechner Ti-84 gibt es 3 E-Symbole, die Sie gut unterscheiden müssen:
1) Alpha E, = Speicherplatz E;
2) 2ND : = Eulersche Zahl e = 2.71828 . . .;
3) 2ND , = ’mal 10 hoch’ = Kommaverschiebung.
1.2.3 Anwendungsbeispiel
39 Bemerkung: Es ist vorteilhaft eine Serie von 7 Variablen durch indexierten Variablen x1 , x2 , x3 , . . . , x7 zu
bezeichnen, statt umständlich mit a, b, c,. . . , g.
Allgemein kann eine Serie von n Variabeln mit x1 , x2 , . . . , xn bezeichnet werden.
n 7
1
X 1X 1
40 Am Kinobeispiel ergibt sich xari = n
xk = xk = · 2366 = 338 = Durchschnittswert Anzahl
k=1
7 k=1 7
verkaufte Plätze pro Tag.
41 Die beiden folgenen Formeln sollen je mit einer Finanzanwendung verknüpft werden.
n
1X
1) Arithmetisches Mittel: xari := xk
n k=1
v
u n
n
uY
2) Geometrisches Mittel: xgeo := t xk
k=1
√
x
Hinweis: Auf dem Ti-84 finden Sie die 7-te Wurzel mit 7 MATH →MATH 5:
42 Arithmetisches Mittel: Sie haben Ihr Vermögen K in 3 gleich grosse Posten aufgeteilt, von denen die
einzelnen Posten mit 2% bzw. 3% bzw. 7% pro Jahr rentieren.
2+3+7
Die durchschnittliche Rendite r ist das arithmetische Mittel der 3 Einzelrenditen: r = % = 4%.
3
Abb. 19: Kapital 300.– für ein Jahr auf drei Finanzanlageinstrumente verteilt. Rendite in dem Jahr.
∗43∗ Formaler Nachweis: Bestimmen Sie die Rendite r aus folgender Gleichung!
!
Ertrag = K3 · 0.02 + K3 · 0.03 + K3 · 0.07 = K · r | ·3
K · 0.02 + K · 0.03 + K · 0.07 = 3 · K · r
K · (0.02 + 0.03 + 0.07) = 3 · K · r | : (3K)
0.02+0.03+0.07
3
=r
0.02+0.03+0.07 0.12
r= 3
= 3
= 0.04 qed.
44 Geometrisches Mittel: Sie haben Ihr Vermögen K in drei aufeinanderfolgenden Jahren zu 2% bzw. 3% bzw.
7% angelegt.
Die durchschnittliche Rendite (pro Jahr) ergibt sich aus dem geometrischen Mittel der 3 Aufzinsfaktoren.
√
3
1.02 · 1.03 · 1.07 = 1.0398 ⇒ 1.0398 − 1 = 3.98%.
Abb. 20: Kapital 300.– während 3 Jahren angelegt. Durchschnittsrendite pro Jahr.
∗45∗ Formaler Nachweis: Bestimmen Sie die Rendite r aus folgender Gleichung!
!
Endkapital = K · 1.02 · 1.03 · 1.07 = K · (1 + r)3 | : K
! √
1.02 · 1.03 · 1.07 = (1 + r)3 | 3
√3
1.02 · 1.03 · 1.07 = 1 + r |
√
1 + r = 3 1.02 · 1.03 · 1.07 | −1
√
r = 3 1.02 · 1.03 · 1.07 − 1 = 3.98% qed.
46 Treten einzelne Messwerte mehrfach auf, so erleichtert das gewichtete Mittel die Berechung des arithme-
tischen Mittels.
Gegeben sind die n Messwerte xi (i = 1, . . . , n) mit den zugehörigen Auftretenshäufigkeiten
(=Gewichte) gi .
X
(gi · xi )
Das gewichtete Mittel der Messwerte ist definiert als xgew := X
gi
47 Beispiel
xi 3 4 5 6
gi 2 4 7 3
X
(gi · xi ) 2·3+4·4+7·5+3·6 75
xgew = X = 2+4+7+3
= 16
= 4.6875
gi
48 Bemerkung: Sind die Grenzen für den Summationsindex klar, so werden diese manchmal weggelassen.
Explizit müsste es in den vorhergehenden beiden Punkten heissen:
n
X 4
X
(gi · xi ) (gi · xi )
i=1 i=1
xgew = n
X
bzw. xgew = 4
X
gi gi
i=1 i=1
1.2.5 Kommentare
4
X 4
X
2
i kann auch geschrieben werden als (i2 ). Das Summensymbol bezieht sich jeweils auf die dem Σ
i=2 i=2
4
X
folgende Klammer (bzw. Term falls keine Klammer vorhanden) ⇒ 22 + |{z}
(i2 ) = |{z} 32 + |{z}
42
i=2
i=2 i=3 i=4
3 X
X i 3
X i
X
ij kann auch geschrieben werden als ( (ij)). Das Summensymbol bezieht sich jeweils auf die
i=2 j=1 i=2 j=1
dem Σ folgende Klammer
3
X i
X 2
X 3
X
⇒ ( (ij)) = (2j) + 2 · 1 + |{z}
(3j) und weiter = |{z} 2 · 2 + |{z}
3 · 1 + |{z}
3 · 2 + |{z}
3 · 3 = 2+4+3+6+9 = 24
i=2 j=1 j=1 j=1 j=1 j=2 j=1 j=2 j=3
| {z } | {z }
i=2 i=3
2 Funktionen
Lernziele
• Sie können den Begriff Funktion auf Basis der Mengenlehre erklären.
• Sie verwenden intuitiv das Pfeildiagramm zur Darstellung von Funktionen.
• Sie wissen wie der zu einem Funktionsterm f (x) gehörige Graph y = f (x) erstellt wird.
• Sie können die Begriffe Stetigkeit, Steigung, Krümmung am Graphen einer Funktion erklären.
• Sie können den Begriff der Umkehrfunktion am Graphen und am Pfeildiagramm erklären.
• Sie können elementare ökonomische Funktionen aufzählen und im ökonomischen Kontext korrekt einsetzen.
• Sie können Potenzfunktionen, Exponentialfunktionen und Polynome (=ganzrationale Funktionen) verwen-
den, um elementare ökonomische Zusammenhänge zu modellieren, grafisch darzustellen und zu analysieren.
Aufgaben aus WM1 [Link] mit zugehörigen Resultaten aus WM1 [Link].
Versuchen Sie es zunächst selbst, das heisst ohne WM1 [Link]. So haben Sie den grösseren Lerneffekt.
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Die Funktion f wird definiert durch ihren Definitionsbereich ID(f ) = IR und die Funktionsvorschrift f (x) = x2 + 3.
Bestimmen Sie f (3) und die Lösungsmenge der Gleichung f (x) = 28.
(A2) Die Funktion f habe den Graphen G(f ) = {(1, 2), (2, 4), (3, 2), (4, 0)}. Ist die Umkehrung f −1 eine Funktion oder nur eine
Relation?
(A3) Es sei f (x) = 200 − 3x. Bestimmen Sie a) f (3), b) lim f (x), c) lim f (x), d) lim . Ist f (x) an der Stelle x = 3 stetig?
x↑3 x↓3 x→3
9−x2
(A4) Es sei f (x) = x−3
. Bestimmen Sie a) f (3), b) lim f (x), c) lim f (x), d) lim f (x). Ist f (x) an der Stelle x = 3 stetig?
x↑3 x↓3 x→3
2−x , falls x ≤ 1
(
(A5) Es sei f (x) = x3 , falls 1 < x < 3 .
3x2 , falls x ≥ 3
Bestimmen Sie a) f (1), b) f (2), c) f (3), d) lim f (x), e) lim f (x), f) lim f (x), g) ist f(x) stetig in x = 3?
x↑3 x↓3 x→3
(A6) Skizzieren Sie den Graphen einer streng monoton wachsenden konkaven Funktion.
Skizzieren Sie den Graphen einer streng monoton wachsenden konvexen Funktion.
Skizzieren Sie den Graphen einer streng monoton fallenden konkaven Funktion.
Skizzieren Sie den Graphen einer streng monoton fallenden konkaven Funktion.
(A7) Die beiden Funktionen f1 und f2 sind durch ihre Funktionsterme f1 (x) = x2 und f2 (x) = x + 1 gegeben.
Geben Sie jeweils den Funktionsterm folgender zusammengesetzten Funktionen an.
f1
a) Summe f1 + f2 , b) Differenz f1 − f2 , c) Produkt f1 · f2 , d) Quotient f2
, e) Zusammensetzung f1 ◦ f2 .
(A9) Lösen Sie (mit Hilfe von Umkehrfunktionen) die Gleichung e2x−3 + 8 = 10 nach x auf.
2.1.1 Einleitung
1 In Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaftswissenschaft ist es häufig der Fall, dass eine Grösse von
einer oder mehreren anderen Grössen abhängt. So gilt zum Beispiel
• Die Nachfragemenge x eines Gutes ist abhängig vom Preis p. Symbolisch ausgedrückt durch p 7→ x
• Die durchschnittlichen Produktionskosten k eines Gutes sind abhängig von der produzierten Menge x.
Symbolisch ausgedrückt durch x 7→ k
• Der Steuerbetrag S ist abhängig vom steuerbaren Einkommen Y . Symbolisch ausgedrückt durch Y 7→ S
• Der Hypothekarzins p ist abhängig von der Laufzeit n der Hypothek. Symbolisch ausgedrückt durch n 7→ p
• Der Wert W einer Parzelle ist abhängig vom Bodenpreis p (in CHF/m2 ) und der Fläche A der Parzelle.
Symbolisch ausgedrückt durch (A, p) 7→ W
• Der Preis C einer (europäischen) Calloption auf eine Aktie ist abhängig vom Preis S0 dieser Aktie, von der
Volatilität σ der Aktie, vom risikofreien Zinssatz R ,dem Strikeprize E und der Restlaufzeit T der Option.
Symbolisch ausgedrückt durch (S0 , σ, R, E, T ) 7→ C
(Black-Scholes-Formel)
• Die Anziehungskraft F zwischen zwei Massen ist abhängig von den beiden Massen m1 und m2 und deren
Abstand r. Symbolisch ausgedrückt durch (m1 , m2 , r) 7→ F
(Gravitationsgesetz von Newton)
2.1.2 Definition
2 Eine Funktion ist eine ’genau definierte’ Abbildung von einer Menge A (= Definitionsbereich ID) in eine
Menge B (= Zielbereich).
Kurz f : A → B via f (a) = genaue Vorschrift, was mit jedem a ∈ A passiert.
Gleichwertig f : A → B via a 7→ genaue Vorschrift, was mit jedem a ∈ A passiert.
Sprich: ’f von A nach B via . . . ’.
Beachten Sie die unterschiedlichen Pfeile für die Definition auf Mengenbasis (→) und die zugehörige
Abbildungsbeschreibung auf Elementebasis (7→).
3 Als Funktionsnamen treten - wie bei Variablennamen - beliebige Buchstaben auf. Um was es sich beim
entsprechenden Buchstaben handelt, sieht man an der zugehörigen Definition!
In der Definition x : IR+
0 → IR via f 7→ g sind f und g Variable und x ist eine Funktion.
4 Die Salatwaage im Personalrestaurant misst das Gewicht m in kg des Salattellers und übermittelt den Wert
an die Kasse. Die Kasse berechnet über eine Funktion - nennen wir sie S - aus m den Preis p.
In Kurzschrift schreibt man dafür S : IR+ +
0 → IR0 via m 7→ p.
Auch p = S(m) - ’p ist gleich S von m’ ist eine zulässige Darstellung.
Wie sieht nun die Funktion S aus?
Wir wiegen zuerst den leeren Teller (wichtig: Alle Teller sind gleich schwer!). Das Gewicht des leeren Tellers
ist 0.5 kg. Dann legen wir den Preis für 1 kg Salat fest: 22 CHF/kg.
Jetzt ergibt sich S(m) = (m − 0.5) · 22 CHF.
Auch S : m 7→ (m − 0.5) · 22 ist eine mögliche Darstellung.
Zusammengesetzt ergibt sich so:
p = S(m) = (m − 0.5) · 22.
Was zeigt die Kasse an bei einer Waageübermittlung von 0.8 kg?
S(0.8) = (0.8 − 0.5) · 22 = 6.60 CHF.
5 Eine Funktion muss jedem Wert des Definitionsbereiches eindeutig einen Wert des Zielbereichs zuord-
nen. (Abb. 21 drittes und viertes Bild sind deshalb keine Funktionen!) Es dürfen aber durchaus mehreren
verschiedenen Werten des Definitionsbereichs derselbe Wert des Zielbereichs zugeordnet werden. (Abb. 21
erstes Bild) Es darf auch Werte des Zielbereichs geben, die keinem Wert des Definitionsbereichs zugeordnet
sind. (Abb. 21 zweites Bild)
6 Am Pfeildiagramm kann man schön ausdrücken, was für eine Funktion erlaubt ist und was nicht:
10 Der Zielbereich hat eine untergeordnete Bedeutung. Minimalanspruch an den Zielbereich: Die Menge sollte
alle Bilder f (x) der Elemente x des Defintionsbereichs umfassen.
16 Aufgabe
Die Vorschrift b ordne jeder Person in Ihrer Klasse, den Bruder der Person zu.
1) Was ist der Definitionsbereich von b? Ist b eine Funktion?
2) Was halten Sie von folgender Verschärfung: ’...ihren ältesten Bruder zu’.
3) Und nochmals verschärft: ’... bei Nichtvorhandensein von Brüdern: sich selbst’
17 Lösung
1) ID=Personen Ihrer Klasse, i.A. keine Funktion, da es Personen ohne Bruder oder mit mehreren Brüdern
geben kann.
2) Keine Funktion: Weiterhin bleiben die Personen ohne Bruder ohne Funktionswert.
3) Jetzt ist es endlich eine Funktion!
2.1.4 Taschenrechner
18 Durch die Darstellung der Funktion als Graph, lässt sich jeder Funktion f : IR → IR ihr Schaubild (=
Graph) zuordnen. Diese Visualisierung ist zum Verständnis der Funktionen sehr hilfreich.
19 Ein graphikfähiger Taschenrechner (GTR) wie der Ti-84 leistet hier wertvolle Dienste:
Wir wollen den Graphen der Funktion f (x) = x2 · e−x zeichnen.
20 Vorgehen:
Y= →Y 1 = x2 · e−x - Hinweis: Den Exponenten erreichen sie mit ∧; den Exponenten verlassen Sie mit
Pfeiltaste rechts.
Graph:
TRACE - Hinweis: Dauert etwa 10 Sekunden. Am Symbol oben rechts im Display sehen Sie, dass der
Rechner beschäftigt ist.
Wertetabelle:
2ND TBLSET →Indpnt →Ask ENTER 2ND QUIT 2ND TABLE →Werte für X eingeben
ENTER berechnet zugehörigen Funktionswert unter Y 1.
Bemerkung: Mit WINDOW können Sie den angezeigten Bereich der xy-Ebene selbst bestimmen. TRACE .
ZOOM 6 : ZStandard setzt den Ausschnitt auf [−10, 10] × [−10, 10] zurück.
2.1.5 Relationen
21 Relationen können (im Gegensatz zu Funktion) einem Element des Definitionsbereichs auch mehrere Ele-
mente des Zielbereichs zuordnen.
22 Auch lässt man für eine Relation zu, dass einem Element des Definitionbereichs gar kein Bild zugeordnet
ist.
23 In Abb. 26 sehen Sie das Pfeildiagramm der Relation ’ist kleiner als’ zwischen den Mengen {1, 2, 3, 4} und
{1, 2, 3, 4}
25 Aufgabe: In der folgenden Grafik Abb. 27 sehen sie die Schaubilder von 4 Relationen x 7→ y. Bestimmen
Sie für jeden der vier Graphen A bis D, den Defintionsbereich und entscheiden Sie, ob es sich bei der
Zuordnung x 7→ y um eine Funktion handelt.
26 Lösung:
A) ID = [−2, 1], Funktion;
B) ID = [0, 2], Funktion;
C) ID = [−3, −1], keine Funktion, da zum Beispiel x = −2 als Bild y = 1 und y = 5 hat.
D) ID = [−2, 2], keine Funktion, da zum Beispiel x = 1 alle y mit 1 ≤ y ≤ 2.5 als Bilder hat.
27 Der Wertebereich ist die Menge aller von der Funktion angenommenen Werte, also
VW(f ) = {f (x) | x ∈ ID(f )}.
Der Wertebereich VW(f ) einer Funktion f ist im Gegensatz zum Zielbereich eindeutig bestimmt.
28 Am Schaubild einer Funktion bzw. Relation sind Definitionsbereich und Wertebereich leicht abzulesen:
Definitionsbereich=Projektion des Schaubildes auf die x-Achse.
Wertebereich=Projektion des Schaubildes auf die y-Achse.
Abb. 28: Definitions- und Wertebereich einer Funktion als Projektion des Graphen auf x- und y-Achse.
29 Der Wertebereich VW einer Funktion ist die Menge aller angenommenen Werte der Funktion f (x), wenn x
den ganzen Definitionsbereich ID durchläuft.
In Zeichen: VW(f ) := {f (x) | x ∈ ID}
30 Vertauscht man bei einer Funktion f : ID(f ) → VW(f ), y = f (x) die Rollen von x und y, so erhält man
die Umkehrrelation f −1 : VW(f ) → ID(f ) via f −1 (y) := {x ∈ ID | f (x) = y}
31 Die Umkehrrelation dreht im Pfeildiagramm einfach alle Pfeile um! Sie liefert also zu einem y-Wert des
Outputs alle möglichen x-Werte des Inputs.
32 Definition: Eine Funktion f (x) heisst injektiv, falls jedes Element des Wertebereichs als Bild von nur einem
x-Wert auftritt.
Beispiel: Die Funktion in Abb. 29 links ist nicht injektiv, weil es zwei Elemente des Definitionsbereichs gibt,
die auf dasselbe Bild abgebildet werden. Dies ist der Grund dafür, dass die Umkehrung der Funktion f
keine Funktion, sondern nur einer Relation ist (Abb. 29 rechts).
33 Die Injektivität einer Funktion besagt also folgendes: Für zwei verschiedene Stellen x1 und x2 des Defini-
tionsbereiches ist f (x1 ) 6= f (x2 ).
34 Für eine injektive Funktion ist die Umkehrrelation f −1 sogar eine Funktion, die Umkehrfunktion von f .
Die Funktion f heisst in diesem Fall umkehrbar.
35 Am Graphen ist die Existenz der Umkehrfunktion zu einer Funktion leicht zu erkennen: Für jeden Wert auf
der y-Achse darf es nur einen zugehörigen x-Wert geben.
Beispiel 2 f (x) = 2x − 3
y = 2x − 3 | +3
y + 3 = 2x |: 2
y+3
2
= x | Seitentausch
y+3
x= 2
, also eindeutig!
f (x) ist somit umkehrbar.
39 Lösung
(1) Führen Sie die Variable y ein ,→ y = 2x − 3
y+3 1 3
(2) Lösen Sie die Gleichung nach x auf ,→ x = = 2
·y+ 2
2
(3) f −1 (y) = 1
2
·y+ 3
2
(4) Es ist üblich als Platzhalter in Funktionen die Variable x zu verwenden
1
,→ f −1 (x) = · x + 32
2
1
(5) f −1 : IR → IR gegeben durch x 7→ · x + 23
2
40 Punkt (4) ’Vertauschen der Rollen von x und y’ führt dazu, dass der Graph der Umkehrfunktion das
Spiegelbild (gespiegelt an der Geraden y = x) der Ausgangsfunktion ist!
Abb. 31: y = f (x) und y = f −1 (x) sind stets Spielgelbilder bei Spiegelung an der Achse y = x.
1 Stetigkeit
41 Für Inlandbriefe der Dicke bis 2cm und Format bis B5 (25cm x 17.6cm) gilt folgender Tarif (A-Post)
Gewicht x in Gramm Preis p(x)
x ≤ 100 CHF 1.–
100 < x ≤ 250 CHF 1.30 bzw. gleichwertig p(x) =
250 < x ≤ 500 CHF 2.–
500 < x ≤ 1000 CHF 4.–
1 , für x ≤ 100
1.30 , für 100 < x ≤ 250
2 , für 250 < x ≤ 500
4 , für 500 < x ≤ 1000
42 Der Definitionsbereich der Funktion ist ID = [0, 1000], der Wertebereich VW = {1, 1.3, 2, 4}
43 Den Funktionswert an der Stelle x = 500 erhält man, indem man 500 direkt in den Funktionsterm einsetzt.
Es ergibt sich p(500) = 2.
44 Der Graph der Funktion sieht folgendermassen aus
45 Die Funktion weist Sprungstellen auf! Solche Funktionen können zu Ärger Anlass geben, kostet doch ein
Brief mit Gewicht 500.1 g doppelt so viel wie ein Brief mit Gewicht 500.0 g.
46 Um diese Sprungstellen algebraisch zu beschreiben bedarf es einer besonderen Symbolik.
Wir interessieren uns für das Verhalten der Preisfunktion p(x) nahe bei dem Gewicht x = 500 g.
47 Wir können uns auf der x-Achse dem Gewicht 500 g von zwei Seiten nähern, von links (also wertmässig
von unten ↑) her 490, 499, 499.9, 499.99 . . . (man schreibt x ↑ 500) oder von rechts (also wertmässig von
oben ↓) her 510, 501, 500.1, 500.01 . . . (man schreibt x ↓ 500).
48 Wir nähern uns von links her dem x-Wert 500 und beobachten mit dem andern Auge, was mit den
Funktionswerten passiert. Nähern sich die Funktionswerte mehr und mehr einer bestimmten Zahl oder sind
sie sogar konstant gleich einer Zahl - hier 2 - so schreibt man lim p(x) = 2 - ’Der Limes (=Grenzwert)
x↑500
von p(x) für x steigt gegen 500 ist gleich 2.’
49 Wir nähern uns von rechts her dem x-Wert 500 und beobachten mit dem andern Auge, was mit den
Funktionswerten passiert. Nähern sich die Funktionswerte mehr und mehr einer bestimmten Zahl oder sind
sie sogar konstant gleich einer Zahl - hier 4 - so schreibt man lim p(x) = 4 - ’Der Limes (=Grenzwert)
x↓500
von p(x) für x fällt gegen 500 ist gleich 4.’
50 An der Stelle x = 500 gilt lim p(x) = 2 6= lim p(x) = 4. Man sagt lim p(x) existiert nicht - ’Der
x↑500 x↓500 x→500
Limes von p(x) für x geht gegen 500 existiert nicht.’
An der Stelle x = 400 gilt lim p(x) = lim p(x) = 2. Man schreibt dafür kurz lim p(x) = 2 - ’Der
x↑400 x↓400 x→400
Limes von p(x) für x geht gegen 400 ist gleich 2.’
51 Die Funktion p(x) ist sprungfrei an einer Stelle a, falls die drei Werte lim p(x), lim p(x) und p(a) alle
x↑a x↓a
existieren und alle gleich sind.
Abb. 33: Graph der durch abschnittsweise Definition gegebenen Funktion f (x).
Beim Übergangspunkt x = 1 ist die Funktion stetig, bei x = 3 unstetig.
57 Ein Beispiel für eine unstetige Funktion aus der Praxis ist die Rabattstaffelfunktion.
Eine Ware kostet im Einzelhandel 10 Franken pro Kilogramm, bei einer Bestellung ab 10 kg wird ein Rabatt
von 15%, ab einer Bestellung von 20 kg sogar ein Rabatt von 25% gewährt.
Der Gesamtbetrag B in Abhängigkeit
von der bestellten Menge x in kg wird dargestellt durch die Funktion
10x falls 0 ≤ x < 10
B : IR+ +
0 → IR0 via B(x) = 0.85 · 10x = 8.5x falls 10 ≤ x < 20
0.75 · 10x = 7.5x
falls x ≥ 20
58 Dass alle Beispiele zu den Unstetigkeiten in Form abschnittsweise definierter Funktionen aufgetreten sind,
ist kein Zufall: Jede Funktion, die durch eine geschlossene Formel unter Verwendung der mathematischen
Grundoperationen (Plus, Minus, Mal, Geteilt durch, Hoch) gebildet wird, ist in ihrem Definitionsbereich
stetig. Man muss zur abschnittsweisen Definition übergehen, um gegebenenfalls zumindest an den Über-
gangsstellen Unstetigkeiten zu erhalten.
2 Steigung - Monotonie
59 Eine Funktion f heisst
• monoton wachsend, falls die Verbindungsstrecke zweier Punkte des Graphen der Funktion von links nach
rechts durchlaufen nie abwärts geht. Der Funktionswert eines Punktes, der weiter rechts auf dem Graphen
liegt, ist also immer grösser oder gleich gross wie alle weiter links liegenden Funktionswerte.
Die Funktion ist überall steigend oder stagnierend.
In Zeichen b > a ⇒ f (b) ≥ f (a)
Beispiele
Abb. 35: Monoton wachsende Funktionen. Funktionen 1, 3, 4, 6 sind sogar streng monoton wachsend.
61 • monoton fallend, falls die Verbindungsstrecke zweier Punkte des Graphen der Funktion von links nach
rechts durchlaufen nie aufwärts geht. Der Funktionswert eines Punktes, der weiter rechts auf dem Graphen
liegt, ist also immer kleiner gleich als alle weiter links liegenden Funktionswerte.
Die Funktion ist überall fallend oder stagnierend.
In Zeichen b > a ⇒ f (b) ≤ f (a)
Beispiele:
Abb. 36: Monoton fallende Funktionen. Funktionen 1, 3, 4, 6 sind sogar streng monoton fallend.
3 Beschränktheit
63 Eine Funktion f heisst
• nach oben beschränkt, falls es eine Zahl Z gibt, so dass für alle x aus dem Definitionsbereich gilt f (x) ≤ Z.
Z heisst dann obere Schranke der Funktion f .
• nach unten beschränkt, falls es eine Zahl z gibt, so dass für alle x aus dem Definitionsbereich gilt f (x) ≥ z.
z heisst dann eine untere Schranke der Funktion f .
64 Die oberen und unteren Schranken sind natürlich nicht eindeutig bestimmt. Ist eine Zahl obere Schranke
einer Funktion, so auch jede grössere Zahl. Analoges gilt für die unteren Schranken.
Abb. 37: Die Konsumfunktion Y 7→ C(Y ) ist nach oben und nach unten beschränkt 10 ≤ C(Y ) ≤ 100.
4 Krümmungsverhalten
66 Die Frage nach dem Krümmungsverhalten einer Kurve ist die Frage, ob die Kurve bei zunehmenden x-
Werten nach rechts oder links aus der geraden Richtung ausbricht, also die Steigung bei wachsenden x-
Werten zu- oder abnimmt.
Abb. 38: Linksgekrümmte Kurve: Die Kurve bricht bei wachsenden x-Werten nach links aus der geraden Richtung aus.
Die Steigung der Kurve nimmt bei wachsenden x-Werten zu.
71 Formal gesehen geht es um das Hintereinanderausführen zweier Funktionen - man spricht auch von
Verkettung der beiden Funktionen:
Die beiden Funktionen in unserem Beispiel sind: m(x) = 4x und a(x) = x + 10
72 Die Verkettung m(a(x)) auch geschrieben als m ◦ a(x) bedeutet, dass zuerst die Funktion a auf x wirkt
und dann die Funktion m auf das Ergebnis a(x). Die zusammengesetzte Funktion ergibt sich also zu:
m ◦ a(x) = m(a(x)) = m(x + 10) = 4 · (x + 10) = 4x + 40 enspricht also unserer Aufgabe 2
Wichtig: m ◦ a bedeutet also zuerst a, dann m.
73 Die Verkettung a(m(x)) oder auch a ◦ m(x) bedeutet, dass zuerst die Funktion m auf x wirkt und dann
die Funktion a auf das Ergebnis m(x). Die zusammengesetzte Funktion ergibt sich also zu:
a ◦ m(x) = a(m(x)) = a(4x) = 4x + 10 = 4x + 10 enspricht also unserer Aufgabe 1 .
Wichtig: a ◦ m bedeutet also zuerst m, dann a.
74 Drei Nützliche Tipps sind folgende:
1) Lösen Sie die Funktionen von innen her (d.h. von rechts her) auf.
2) a ◦ b ◦ c(x) bedeutet zuerst wirkt Funktion c, dann b und dann a. Die Reihenfolge ist von rechts nach
links!
3) Folgende ’naive’ Darstellung einer Funktion hilft auch bei komplizierten Fällen weiter!
technisch naiv
a(x) = x + 10 a( ) = + 10
m(x) = 4x m( ) = 4 ·
2
f (x) = x2 − 3x f( ) = −3·
√ q
g(x) = x+4 g( ) = +4
75 Inwiefern hilft das?
Bestimmen Sie für die im letzten Punkt angegebenen Funktionen
• den Term für die verkettete Funktion f ◦ g(x)
√ 2
g(x) = x + 4 wird in f ( ) = − 3 · eingesetzt.
√ 2 √
,→ f (g(x)) = x + 4 − 3 · x + 4
• den Term für die verkettete Funktion m ◦ f ◦ g(x)
√ 2
g(x) = x + 4 wird in f ( ) = − 3 · eingesetzt.
√ 2 √
,→ f (g(x)) = x + 4 − 3 · x + 4 und dieser Term in m( ) = 4 · .
√ 2 √
m(f (g(x))) = 4 · ( x + 4 − 3 · x + 4)
• den Term für die verkettete Funktion f ◦ f (x)
2
f (x) = x2 − 3x wird in f ( ) = −3· eingesetzt.
,→ f (f (x)) = (x2 − 3x) 2 − 3 · (x2 − 3x).
a:A→B
b:B→C
c:C→D
2.1.9 Kommentare
1
77 Die Funktion f sei gegeben durch ihren Definitionsbereich IR und den Term f (x) = x − 3.
2
1
Das x ist hierbei nur ein Platzhalter. In Gedanken sollten Sie sich das so vorstellen: f ( ) = · − 3
2
Der Graph y = f (x) ist eine steigende Gerade mit ID = IR und VW = IR (wie man am Graphen sofort sieht).
Um nun die Umkehrfunktion f −1 zu bilden, ist das Vorgehen folgendermassen.
1) Einführen von y ⇒ y = f (x)
1
2) In unserem Beispiel also y = x − 3
2
3) Umformen nach x ⇒ x = 2y + 6
4) f −1 (y) = 2y + 6
5) Also f −1 ( ) = 2 · +6
6) Mit Platzhalter x geschrieben: f −1 (x) = 2 · x + 6
Genausogut könnte man natürlich 4) stehen lassen, es ist aber üblicher x statt y als Platzhalter zu verwen-
den!
Formal ausgedrückt f −1 : IR → IR, f −1 (x) = 2x + 6
78 Als weiteres Beispiel soll die Umkehrfunktion von f (x) = 10x Definitionsbereich ID = IR, Wertebereich
VW = IR+ :=]0, ∞[ gefunden werden.
1) Einführen von y ⇒ y = f (x)
2) In unserem Beispiel also y = 10x
3) Beidseitiges Anwenden von log( ) liefert ⇒ x = log(y)
4) f −1 (y) = log(y)
5) Also f −1 ( ) = log( )
6) Mit Platzhalter x geschrieben: f −1 (x) = log(x), ID = IR+ , VW = IR
79 Um eine Gleichung y = f (x) algebraisch nach x aufzulösen, braucht man die Umkehrfunktionen (bzw.
Umkehrrelationen) der Grundfunktionen.
Hierzu die folgende Liste. Sie werden darin viel Bekanntes antreffen!
Je nach x-Wert kommt der erste, der zweite oder der dritte Term zum Zug. Welcher, der drei entscheidet
sich jeweils durch die Fallunterscheidung ganz rechts (nach falls oder für).
Beispiele:
• Für x = 2 ergibt sich (weil die dritte Bedingung 2 ≤ x ≤ 5 zutrifft) der Funktionswert g(2) = 2 + 1 = 3
• Für x = −3 ergibt sich (weil die erste Bedingung −5 ≤ x ≤ −1 zutrifft) der Funktionswert g(−3) = 1 = 1
• Für x = 0 ergibt sich (weil die zweite Bedingung −1 ≤ x ≤ 2 zutrifft) der Funktionswert g(0) = 02 = 0
• Für x = 7 ergibt sich (weil keine Bedingung für x = 7 zutrifft) der Funktionswert g(7) ist nicht definiert!
Die Fallunterscheidung teilt den ganzen Definitionsbereich in disjunkte Teilmengen auf. Als Definitionsbe-
reich der Funktion g ergibt sich ID = [−5, 5].
Der Graph der Funktion g sieht folgendermassen aus:
Abb. 40: Graph der durch variante Definition gegebenen Funktion g(x). ID = [−5, 5], V
W = [0, 6].
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Gegeben ist die Kostenfunktion K(x) = 10x+100·e−0.01x +50 und die Absatzpreisfunktion p(x) = 100−0.1x. Bestimmen
Sie a) die Fixkosten, b) die Gewinnfunktion. Interpretieren Sie am Graphen der Kostenfunktion die Stückkosten k(x) und
die Grenzkosten K 0 (x) als Steigungen.
(A3) Eine Population wächst mit einer effektiven Wachstumsrate von 5% pro Jahr. a) Wie gross ist der Wachstumsfaktor pro
Jahr? Der Bestand beträgt heute 1200 Individuen. b) Wie gross ist der Bestand in 20 Jahren? c) Wie gross war der Bestand
vor 20 Jahren? d) In wievielen Jahren wird sich der Bestand verfünffachen?
(A5) Die drei Logarithmengesetze lassen sich auf ein einziges Gesetz reduzieren:
p q
logg ( acr dbs ) = . . .
(A6) Jede komplexe Zahl entspricht genau einem Punkt in der xy-Ebene.
Wo kommen dabei die reellen Zahlen zu liegen? Wo liegt die imaginäre Einheit i? Wo liegt die komplexe Zahl 2 + 3i und
ihre konjugiert-komplexe Zahl 2 − 3i?
1 In diesem Unterkapitel sollen die wichtigsten ökonomischen Funktionen kurz dargestellt werden.
Beachten Sie, dass es üblich ist dieselben Buchstaben sowohl als Variable als auch als Funktionen zu
verwenden. Funktionen erkennen Sie dabei an der nachfolgenden Klammer. Die Klammer beinhaltet die
Argumente der Funktion. Eine Funktion ohne Argumente schreibt sich als f () oder kurz f . Da eine Funktion
ohne Argumente eine Konstante ist, verträgt sich das mit der Konvention, dass f ohne Argument eine
Variable ist.
3 1a Die Nachfragefunktion ist ein Modell für den in der Realität häufig beobachtbaren funktionalen Zu-
sammenhang zwischen dem Preis einer Ware und der nachgefragten Menge p 7→ xn (p). Der Preis kann
durch ein Unternehmen vorgegeben werden, der Absatz stellt sich über die am Markt herrschenden Ge-
setzmässigkeiten ein.
4 Die Absatzmenge x wird in Mengeneinheiten (ME), der Preis p in Geldeinheiten pro Mengeneinheit
(GE/ME) angegeben. Oft ist die Mengeneinheit nicht Stück, sondern eine beliebig teilbare Quantität wie
zum Beispiel kg.
5 Sowohl Absatzmenge als auch Preis sind immer grösser als oder gleich Null. Der Graph der Funktion xn (p)
verläuft also nur im rechten oberen Viertel des Koordinatensystems (= 1. Quadrant).
6 Da die Kosten und der Gewinn üblicherweise als Funktion der Absatzmenge x dargestellt werden, ist es
üblich via die Umkehrfunktion x 7→ pn (x) auch den Preis als Funktion der Absatzmenge darzustellen.
7 Da für steigende Preise die Mengen sinken ist die Funktion xn (p) monoton fallend (Nachfrage gegenläufig:
höhere Mengen ,→ tiefere Preise). Demzufolge ist auch die Funktion pn (x) monoton fallend (Nachfrage
gegenläufig: höhere Preise ,→ tiefere Mengen).
8 1b Die Angebotsfunktion stellt den funktionalen Zusammenhang zwischen dem Preis einer Ware und der
von den Produzenten angebotenen Menge dar p 7→ xa (p). Die Funktion gibt an, welche Menge die Anbieter
bereit sind, zu einem gegebenen Preis zu produzieren resp. anzubieten.
9 Sowohl Absatzmenge als auch Preis sind immer grösser gleich Null. Der Graph der Funktion xa (p) verläuft
also nur im rechten oberen Viertel des Koordinatensystems (= 1. Quadrant).
10 Auch für die Angebotsfunktion ist es üblich mit der Umkehrfunktion x 7→ pn (x) zu arbeiten, also x als
unabhängige Variable anzusehen.
11 Da für steigende Preise die angebotenen Mengen steigen, ist die Funktion xa (p) monoton steigend (Angebot
gleichläufig: höhere Mengen ,→ höhere Preise). Demzufolge ist auch die Funktion pa (x) monoton steigend
(Angebot gleichläufig: höhere Preise ,→ höhere Mengen).
12 2 Die Erlösfunktion (=Umsatzfunktion) gibt den Zusammenhang zwischen der verkauften Menge und
dem eingenommenen Wert in Geldeinheiten (GE).
Es gilt Erlös = Menge mal Preis
13 Die Erlösfunktion kann in Abhängigkeit vom Preis p 7→ E(p) := x(p) · p oder in Abhängigkeit von der
Menge x 7→ E(x) := x · p(x) dargestellt werden.
14 Auch die Erlösfunktionen E(x) bzw. E(p) verlaufen nur im 1. Quadranten.
E(x)
15 Durch Division der Gleichung E(x) = x · p(x) durch x erhalten wir p(x) = x
- der Preis ist also der
Durchschnittserlös.
16 3a-e Die Gesamtkostenfunktion K(x) gibt die Gesamtkosten in GE der Produktion in Abhängigkeit vom
Output x in ME an.
17 Die Gesamtkosten setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: Den von x unabhängigen Fixkosten
Kf = K(0) und den von x abhängigen variablen Kosten Kv (x) = K(x) − K(0).
Zusammengesetzt ergibt sich die Gleichung K(x) = Kf + Kv (x).
18 Die Durchschnittskosten ergeben sich als Quotient der Gesamtkosten K(x) geteilt durch den Output x.
K(x)
Sie werden mit k(x) bezeichnet und haben dieselbe Einheit wie der Preis: GE/ME. k(x) := x
.
19 Die Grenzkosten K 0 (x) geben das Verhältnis Kostenzuwachs ∆K zu Produktionserhöhung ∆x für eine
marginale Produktionsänderung ∆x von Produktion x aus an.
K(x+∆x)−K(x)
In Zeichen K 0 (x) := lim ∆x
.
∆x→0
Die Grenzkosten werden in GE/ME gemessen und sind somit mit den Durchschnittskosten vergleichbar.
20 Geometrisch bedeutet K 0 (x) die Steigung der Tangente an die Kurve y = K(x) an der Stelle x.
23 Die algebraische Ermittlung der Funktion K 0 (x) aus der Funktion K(x) nennt man Differenzieren und wird
in Wirtschaftsmathematik 2 eines der beiden zentralen Themen sein.
24 Die geometrische Ermittlung der Grenzkosten K 0 (x) erfolgt an einer Grafik.
Abb. 41: Die Grenzkosten K 0 (x) entsprechen geometrisch der Steigung der Tangente
an die Kostenfunktion K(x) an der Stelle x: K 0 (30) = dK
dx
= 60 GE/ME.
25 Analog zu den Gesamtkosten lassen sich auch die Durchschnittskosten weiter aufgliedern:
K(x) Kf +Kv (x) Kf Kv (x)
k(x) = x
= x
= x
+ x
= kf (x) + kv (x).
26 kf (x) sind die durchschnittlichen Fixkosten, welche im Gegensatz zu den Fixkosten nicht konstant, sondern
wegen des Nenners x eine monoton fallende Funktion von x sind.
kv (x) sind die durchschnittlichen variablen Kosten.
27 4a-d Da die Differenz Erlös minus Kosten der erzielte Gewinn ist, ergibt sich als Gewinnfunktion
G(x) = E(x) − K(x). Der Gewinn wird wie der Erlös und die Gesamtkosten in GE gemessen.
28 G(x)
Auch hier lässt sich der Durchschnittsgewinn als g(x) := x
definieren. Der Durchschnittsgewinn wird in
GE/ME gemessen.
29 Analog zu den Grenzkosten wird der Grenzgewinn G0 (x) definiert, als Verhältnis ∆G zu ∆x für eine
marginale Produktionsänderung ∆x ab Produktion x. Der Grenzgewinn wird in GE/ME gemessen und ist
somit mit den Durchschnittsgewinn vergleichbar.
30 Die Gewinnfunktion ist nur x ≥ 0 definiert, die Funktionswerte G(x) können aber positiv (Gewinn) oder
negativ (Verlust) sein.
31 Sieht man bei der Berechnung des Gewinns von den Fixkosten ab, so bezeichnet man die resultierende
Grösse als Deckungsbeitrag GD (x) = E(x) − Kv (x).
Es gilt GD (x) = E(x) − Kv (x) = E(x) − (K(x) − Kf ) = E(x) − K(x) + Kf = G(x) + Kf
36 6 Beim Modellieren von Haushalten und Volkswirtschaften geht man davon aus, dass der Konsum (Eng-
lisch consumption) vor allem vom Einkommen (Englisch Yield) abhängt: Y 7→ C(Y )
37 Im einfachsten Modell gilt, dass der Teil des Einkommens, der nicht konsumiert wird, gespart wird, also
die Sparfunktion S(Y ) = Y − C(Y ) ist, oder symmetrisch geschrieben C(Y ) + S(Y ) = Y
38 Y , C(Y ), S(Y ) werden in GE gemessen. C(Y ) und S(Y ) sind nur für Y ≥ 0 definiert. S(Y ) kann aber
durchaus negativ werden.
39 7a Der zu entrichtende Steuerbetrag S wird als Funktion des Einkommens Y definiert: Y 7→ S(Y ).
Bem: Die Sparfunktion und die Steuerbetragfunktion werden beide mit S bezeichnet. Es bedarf also ausser
der Variablen S noch klärender Worte.
40 S(Y )
7b Der Steuersatz ist das Verhältnis Steuerbetrag zu Einkommen s(Y ) = Y
. Umgekehrt ist der Steu-
erbetrag gleich dem Steuersatz mal Einkommen S(Y ) = s(Y ) · Y .
41 7c Die Grenzsteuersatzfunktion wird mit S 0 (Y ) bezeichnet. Der Grenzsteuersatz S 0 (Y ) gibt das Verhältnis
Steuerbetragszuwachs ∆S zu Einkommenserhöhung ∆Y für eine marginale Einkommensänderung ∆Y von
S(Y +∆Y )−S(Y )
Einkommen Y aus an. In Zeichen S 0 (Y ) := lim ∆Y
.
∆Y →0
44 In den verbleibenden Unterkapiteln dieses Kapitels wird es um elementare mathematische Funktionen ge-
hen, die in der Wirtschaftsmathematik häufig auftreten, weil sie sich gut für das Modellieren von ökonomi-
schen Fragestellungen eignen. Dies sind die Potenzfunktionen, die Exponentialfunktionen, die ganzrationalen
Funktionen (= Polynome) und die gebrochenrationalen Funktionen.
2.2.3 Potenzfunktionen
46 Eine Potenzfunktion ist eine Funktion des Typs f (x) = xn mit beliebigem festem n ∈ IR.
Beispiel: f (x) = x2.5
47 Bei einer Potenzfunktion steht die Unbestimmte x in der Basis der Potenz.
48 Bemerkung: Wir bezeichnen, in Verallgemeinerung dessen, auch Funktionen des Typs f (x) = a · xn mit
festem a ∈ IR und n ∈ IR als Potenzfunktionen. Beispiel: f (x) = 2 · x2.5
49 Je nach konkreter Wahl des Exponenten n weisen die Potenzfunktionen unterschiedliche Eigenschaften auf.
Im nachfolgenden Diagramm sind die Graphen der Potenzfunktionen f (x) = xn für 0 < x ≤ 5 für die
Exponenten n ∈ {−2, −1, −0.5, 0, 0.5, 0.75, 1, 1.5, 2, 3} eingezeichnet.
Bemerkung: Für jedes n bekommen Sie eine Kurve, bestehend aus allen Punkten (x/y) mit y = xn .
Abb. 43: Graphen der Potenzfunktionen x 7→ xn für 0 < x ≤ 5 für verschiedene Werte von n.
√
Anleitung: Fixieren Sie einen Wert für n, zum Beispiel n = 0.5. Es ergibt sich die Funktion f (x) = x0.5 = x.
Der zugehörige Graph y = x0.5 besteht aus einer ganzen Linie von Punkten ,→ die mit dem Pfeil markierte Kurve.
• Für n < 0 ergeben sich Funktionen, die für x = 0 nicht definiert sind (genauer ins Unendliche wachsen,
wenn sich x von rechts her Richtung 0 bewegt. In Zeichen: x ↓ 0) und sich für x → ∞ der x-Achse
annähern.
Am Beispiel n = −2 ergibt sich y = x−2 = 1
x2
,
mit den beschriebenen Eigenschaften lim x12 = ∞ und lim 1
= 0.
x↓0 x→∞ x2
• Für n > 0 sind die Funktionen monoton wachsend.
• Für n < 0 sind die Funktionen monoton fallend.
• Für n > 1 oder n < 0 sind die Funktionen konvex, d.h die Kurven werden nach rechts steiler wachsend
bzw. weniger steil fallend.
• Für 0 < n < 1 sind die Funktionen konkav, d.h die Kurven werden nach rechts weniger steil wachsend.
• Für n = 0 oder n = 1 sind die Kurven ungekrümmt, also Geraden.
51 Der Output Y einer Volkswirtschaft ist von mehreren Inputs abhängig. Die wichtigsten Kompontenten sind
Arbeitskräfte A und Kapital K: (A, K) 7→ Y (A, K). Die neoklassische Theorie besagt, dass der Output bei
der Zunahme einer Komponente unterproportional (unelastisch) wächst. Potenzfunktionen mit Exponenten
zwischen 0 und 1 haben diese Eigenschaft.
52 Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Cobb-Douglas-Funktion Y (A, K) = 100 · A0.75 · K 0.25
53 Bemerkung: Zur Analyse von Funktionen von mehreren Unbestimmten, betrachtet man oft die zugehörigen
partiellen Funktionen, d.h man lässt alle Variabeln bis auf eine konstant, und untersucht die entstehende
Funktion einer Variablen.
54 Hält man in der Funktion Y (A, K) = 100 · A0.75 · K 0.25 das K = 16 konstant, so wird
Y (A) = 100·Y (A, 16) = 100·A0.75 ·160.25 = 100·A0.75 ·2 = 200·A0.75 , eine uns bekannte Potenzfunktion!
Sie ist monoton wachsend und konkav und geht durch die Punkte (A = 0/Y = 0) und (A = 1/Y = 200).
Abb. 44: Partielle Cobb-Douglas-Funktion Y (A, K)|K=16 = 100 · A0.75 · K 0.25 |K=16 = 200 · A0.75 .
57 Allgemein gilt, dass Sie beim ’Auflösen einer Gleichung’ eine Potenzfunktion durch die Potenzfunktion mit
gekehrtem Exponenten (Im Beispiel Expontent 3 7→ Exponent 31 ) auflösen können.
59 Lösung:
3 · (5x)3/5 = 24 | :3
(5x)3/5 = 8 | ()5/3 - Hinweis Eingabe Ti-84 ⇒ 8 ∧ 5 / 3 >
5x = 32 | :5
x = 6.4
60 Das Auflösen ganzzahliger posiver Potenzen geschieht meist mit Wurzeln.
√
Beachten Sie: Wegen x1/3 = 3 x ist dies nichts neues, es handelt sich nur um eine andere Schreibweise als
bei der Herleitung der Umkehrfunktion unter Punkt 56.
61 Vorsicht: Bei geraden Exponenten (2, 4, 6, 8, usw.) gibt es jeweils zwei Lösungen: Plus/Minus.
√ √
62 x4 = 81 | ± 4 - Hinweis Eingabe Ti-84 ⇒ 4 MATH →MATH 5: x
√
x = ±3, Ihr TR liefert 4 81 = 3.
63 Steht auf der rechten Seite anstelle der 81 aber eine negative Zahl, so hat die Gleichung keine Lösung!
√
x4 = −81 | ± 4
√
keine Lösung für x, Ihr TR liefert 4 −81 = keine Lösung.
64 Für ungerade Potenzen (3, 5, 7, 9, usw.) gibt es jeweils nur eine Lösung!
√ √
65 x3 = 343 | 3
- Hinweis Eingabe Ti-84 ⇒ 3 MATH →MATH 5: x
√
x = 7, Ihr TR liefert 3 343 = 7.
66 Und
√
x3 = −343 | 3
√
x = −7, Ihr TR liefert 3
−343 = −7.
67 Aus den Potenzgesetzen ergeben sich folgende alternative Darstellungen für Potenzfunktionen mit gebro-
chenen, negativen oder negativgebrochenen Exponenten (Beispiele).
√
f (x) = 2x1/5 ⇔ f (x) = 2 5 x
√
f (x) = 2x3/5 ⇔ f (x) = 2 x3
5
68 Will man den Faktor 2 in die Potenz miteinbeziehen, so benötigt man eine Klammer.
√
f (x) = (2x)1/5 ⇔ f (x) = 5 2x
f (x) = (2x)3/5 ⇔ f (x) =
p
5
(2x)3
f (x) = (2x)−1 ⇔ f (x) = 1
2x
69 Üben Sie die Beispiele in den beiden vorhergehenden Punkten vorwärts (⇒) und rückwärts (⇐), bis Sie
die Umschreibungen sicher beherrschen!
70 Merkregeln:
• ’Potenzen mit negativen Exponenten stehen im Nenner des Terms’: 4x−3 = 4
.
x3
5√ 2
2
72 Sie können eine Gleichung in den Taschenrechner eingeben und den Taschenrechner via den Befehl ALPHA
SOLVE anweisen, eine Lösung für die bezeichnete Unbestimmte zu suchen.
78 Bemerkung: Die Formel s = 4.9 · t2 ist nur für kleine t korrekt, da mit grösserer Fallzeit die Fallgeschwin-
digkeit so gross wird, dass der Luftwiderstand zum mitentscheidenden Faktor wird.
2.2.4 Exponentialfunktionen
79 Eine weitere wichtige Klasse von Funktionen sind die Exponentialfunkionen f (x) = a · q x mit q > 0 und
a > 0.
80 Die Unbestimmte x steht bei den Exponentialfunktionen im Exponenten.
Beachten Sie: Bei den Potenzfuntionen steht die Unbestimmte x in der Basis: f (x) = a · xn
81 Es gibt nur zwei Ausprägungen der Exponentialfunktion:
(1) Falls q > 1 ,→ Exponentielles Wachstum (2) Falls 0 < q < 1 ,→ Exponentieller Zerfall
Beispiele: a · 1.05x , a· 2x , a· ex , a· 10x Beispiele: a · 0.99x , a · 0.95x , a · 0.5x , a · 0.1x
Graph Graph
Abb. 46: Die beiden Ausprägungen der Exponentialfunktion: Wachstum (links), Zerfall (rechts)
Beachten Sie: In beiden Fällen sind die Funktionswerte f (x) stets positiv. Also f (x) > 0 für alle x.
82 Mit der Unbestimmten im Exponenten rücken jetzt Gleichungen der Form 2x = 50 in den Fokus!
83 Zur Lösung bedarf es eines Logarithmus: x = log2 (50)=’Logarithmus zur Basis 2 von 50’.
84
log(50)
Auf dem TR rechnet man log2 (50) als oder via MATH A: LogBASE.
log(2)
Als Resultat ergibt sich x = 5.643856.
85 Hinweis: Im nachfolgenden Unterkapitel % 2.2.5 finden Sie eine kurze Repetition zu den Logarithmen.
86 Behauptung: Die Exponentialfunktion f (x) = a · q x lässt sich auch in der Form f (x) = a · ecx schreiben.
87 Beweis:
Mit Hilfe des natürlichen Logarithmus (=Logarithmus naturalis) ln lässt sich q als Potenz der Eulerschen
Zahl e = 2.71828 schreiben: q = ec mit c := ln(q)
Damit ergibt sich nach Potenzgesetzen: f (x) = a · q x = a · (ec )x = a · ecx
88 Auch in der Form f (x) = a · ecx lässt sich die Unterscheidung Wachstumsfunktion oder Zerfallsfunktion
sofort machen:
(1) Wachstumsfunktion ⇔ c > 0 Beweis: c = ln(q) > ln(1) = 0 qed.
(2) Zerfallsfunktion ⇔ c < 0 Beweis: c = ln(q) < ln(1) = 0 qed.
89 Behauptung: Die Funktion f (x) = a · q −x mit q > 1 ist eine Zerfallsfunktion.
Abb. 47: Exp. Wachstum mit Wachstumsfaktor q = 1.05 Abb. 48: Exp. Zerfall mit Wachstumsfaktor q = 0.95
94 Bemerkung: Zum Wachstumsfaktor q bzw. zur Wachstumsrate r gehört immer eine Zeiteinheit (Periode).
Der Zeitraum ist dann als Anzahl (= n) dieser Perioden anzugeben.
95 Praktische Anwendung Bevölkerungswachstum
Aufgabe: Die Bevölkerung eines Landes wächst jährlich um 3%.
Die Einwohnerzahl beträgt am 1.1.2000 1’200’000 Menschen.
Nach wievielen Jahren beträgt die Bevölkerung 3’000’000 Menschen?
96 Lösung 1 (TR)
Exponentielles Wachstum y = a · q n
Taschenrechner TI-84: MATH →MATH ALPHA B : Solver. . . E1 : Y ; E2 : A · QN ENTER
Y = 30 0000 000, A = 10 2000 000, Q = 1.03, N = ALPHA SOLVE = 30.9989
97 Lösung 2 (Hand)
Einsetzen in Gleichung und schrittweise nach n auflösen:
3000000 = 1200000 · 1.03n |: 1200000
2.5 = 1.03n | log1.03 - Bem: 1.03hoch und log1.03 sind gegenseitige Umkehrfunktionen∗
log1.03 (2.5) = n | Seiten tauschen
log(2.5)
n = log1.03 (2.5) = = 30.9989
log(1.03)
∗ Bemerkung: log ?
1.03 (2.5) (= ’Der Logarithmus von 2.5 zur Basis 1.03’) beantwortet die Frage 1.03 = 2.5.
Es gilt aloga (x) = x und umgekehrt auch loga (ax ) = x.
⇒ loga und ahoch heben sich gegenseitig auf, sind also gegenseitige Umkehrfunktionen.
98 Bemerkung: Beträgt der Wachstumsfaktor (bzw. Zerfallsfaktor) für eine Periode q, so beträgt der Wachs-
tumsfaktor (bzw. Zerfallsfaktor) für 3 Perioden q 3 , der für eine halbe Periode q 0.5 .
2.2.5 Logarithmen
100 Die Funktion log liefert den richtigen Exponenten um eine Zahl als Potenz mit Basis 10 zu schreiben.
log(1000) stellt also die Frage 10? = 1000. Als Lösung ergibt sich ? = log(1000) = 3
Genauso: 10? = 2 ⇒ ? = log(2) = 0.30103.
101 Damit ist die Gleichung 1.03x = 2.5 exakt zu lösen:
1) Es gilt nach Definition: 1.03 = 10log(1.03) = 100.012837
2) Genauso: 2.5 = 10log(2.5) = 100.39794
3) Eingesetzt in unsere Gleichung: (10log(1.03) )x = 10log(2.5)
4) Potenzgesetz ’Multiplikation der Exponenten’: 10x·log(1.03) = 10log(2.5)
5) Exponentenvergleich: x · log(1.03) = log(2.5)
log(2.5)
6) Division durch log(1.03) ⇒ x = = 30.9989
log(1.03)
log(b)
102 Genau nach diesem Schema löst man eine Gleichung ax = b via Logarithmen immer auf als x = log(a)
.
103 Auch für andere Basen als 10 lässt sich der Logarithmus definieren:
Definition: loga (b) (=’Logarithmus zur Basis a von b’) ist der Exponent ? für den gilt a? = b
104 Wenn das Argument des Logarithmus nur aus einer Zahl oder einem Monom besteht, kann die Klammer
weggelassen werden. Beispiele: log 5 = log(5), log3 x2 = log3 (x2 )
105 Die Basis 10 scheint zwar mit Blick auf unser Zahlensystem mit den Ziffern 0-9 besonders geeignet zu sein,
die Basis 2 mit den Ziffern 0-1 wäre allerdings mindestens so gut geeignet.
Als optimale Basis für Exponentialfunktionen erweist sich aber schliesslich die Eulersche Zahl e =
2.71828 . . ..!
106 Bemerkung: e ist eine reelle Zahl, aber keine rationale Zahl (d.h. die Kommadarstellung von e bricht nicht
ab und wird auch nicht periodisch). Also e ∈ IR\CQ. Man bezeichnet reelle Zahlen, die nicht rational sind
als irrationale Zahlen. IR\C
Q ist die Menge der irrationalen Zahlen.
√ √ √
Wie bereits früher erwähnt sind die Quadratwurzeln aus Nichtquadratzahlen (z.B 2, 3, 5 usw.)
irrational.
Ein weiteres berühmtes Beispiel einer irrationalen Zahl ist die Kreiszahl π = 3.14159 . . ..
107 Wie erhält man die Eulersche Zahl e?
Nehmen Sie an Sie legen 1000 Franken auf der Bank an. Der Zinssatz beträgt 3% pro Jahr. Sie werden
also nach einem Jahr 1000 · (1 + 0.03) = 1000 · 1.03 = 1030 Franken auf dem Konto haben.
108 3%
Wie sieht der Kontostand nach einem Jahr aus, wenn Sie jeweils nach einem halben Jahr pro Rata 2
=
1.5% vom aktuellen Kontostand auf das Konto gutgeschrieben bekommen?
Antwort: 1000 · (1 + 0.03
2
) · (1 + 0.03
2
) = 1000 · (1 + 0.03
2
)2 = 1030.225, die zusätzlichen 0.225 Franken sind
3%
2
Zinseszinsen auf die nach einem halben Jahr zugeschlagenen Zinsen von 15 CHF.
109 Wie sieht der Kontostand nach einem Jahr aus, wenn Sie das Jahr in m gleichlange Perioden einteilen und
3%
jeweils pro Rata m
vom aktuellen Kontostand auf das Konto gutgeschrieben bekommen?
0.03 0.03 0.03 0.03 m
Antwort: 1000 · (1 + m
) · (1 + m
) · . . . · (1 + m
) = 1000 · (1 + m
) .
Für verschiedene Werte von m ergeben sich folgende Endwerte K1 (m).
m K1 (m)
1 1030.00000
2 1030.22500
10 1030.40826
100 1030.44990
1000 1030.45407
10000 1030.45449
100000 1030.45453
110 Was passiert wenn Sie m grösser und grösser wählen. Wächst der Kontostand Ende Jahr K1 (m) immer
weiter oder gibt es einen endlichen Grenzwert?
111 Antwort: Es gibt einen endlichen Grenzwert und zwar ist dieser 1000 · e0.03 = 1030.454534.
112 Sie sehen, es handelt sich bei diesem Prozess um stetiges Wachstum: Das Kapital wächst organisch im
Zeitraum dt um 0.03 · dt mal den ständig wachsenden aktuellen Kontostand. Bis Ende Jahr ist es dann
wegen der unterjährigen Kapitalzunahme durch Zinsen um mehr als nur 0.03 · 1 mal den Kontostand zu
Beginn gewachsen - eben um (e0.03 − 1) = 0.030454534 mal den Kontostand zu Beginn.
113 Die (optimale) Basis e der Exponentialfunktionen heisst auch die natürliche Basis.
Der Logarithmus zur Basis e heisst deshalb der natürliche Logarithmus ln(x) := loge (x)
Bemerkung: ln steht für Logarithmus naturalis. Auf Ihrem Rechner ist der natürliche Logarithmus mit LN
bezeichnet.
114 Beispiel: ln(1000) = 6.9078, weil e6.9078 = 1000
115 In der Informatik hat (aufgrund des vorherrschenden binären Systems) der Logarithmus zur Basis 2 = der
2er-Logarithmus = der duale Logarithmus ld(x) := log2 (x) besondere Bedeutung.
116 Beispiel: log2 (1000) = 9.9658, weil 29.9658 = 1000
117 Im Dezimalsystem hat der Logarithmus zur Basis 10 = der 10er-Logarithmus = der dekadische Logarithmus
lg(x) := log10 (x) besondere Bedeutung.
Schreibt man log ohne Basis, so meint dies stets den 10er-Logarithmus.
Auf Ihrem Rechner ist der 10er-Logarithmus mit LOG bezeichnet.
1
118 Beispiel: lg(0.0000001) = −7, weil 10−7 = = 0.0000001
107
119 Welche Logarithmenbasis man wählt ist unwesentlich, die Resultate unterscheiden sich jeweils nur um einen
konstanten Faktor. So gilt zum Beispiel log(x) = 0.4343 · ln(x), bzw. ln(x) = 2.303 · log(x).
ln(x) ln(x)
Beweis: lg(x) = log10 (x) = ln(10)
= 2.303
= 0.4343 · ln(x).
120 Um den Logarithmus zur Basis a auf den Logarithmus zur Basis b umzurechnen, benutzt man die Formel
für den Basiswechsel:
loga (x) = log b (x)
logb (a)
.
log(x)
Speziell mit b = 10 also loga (x) = log(a)
.
ln(x)
Speziell mit b = e also loga (x) = ln(a)
121
log(100) ln(100)
Um mit dem Taschenrechner log2 (100) zu ermitteln, rechnen Sie oder und landen in
log(2) ln(2)
jedem Fall bei 6.643856.
123 Die wichtigste Klasse von Funktionen sind die ganzrationalen Funktionen oder Polynomfunktionen.
124 Zu den ganzrationalen Funktionen gehören die konstanten Funktionen f (x) = a. Mit a ∈ IR. Sie heissen
auch ganzrationale Funktionen 0. Grades.
Beispiel: f (x) = 3
125 Zu den ganzrationalen Funktionen gehören die linearen Funktionen f (x) = ax+b. Mit a, b ∈ IR. Sie heissen
auch ganzrationale Funktionen 1. Grades.
2
Beispiel: f (x) = 3
x−4
126 Da die linearen Funktionen die am häufigsten verwendeten Funktionen sind, ist es wichtig diese besonders
gut zu beherrschen. Lineare Funktionen können sehr schnell aufgestellt werden:
Es ist die lineare Nachfragefunktion aufzustellen, die bei einer Absatzmenge von 10 ME einen Preis von 20
GE ergibt und pro Erhöhung der Absatzmenge um 1 ME zu einer Reduktion des Preises um 0.2 GE führt.
Lösung: Absatzmenge x in ME. Preis p(x) in GE.
Sie setzen beim Punkt (10/20) auf und erhalten als Preis Grundpreis (20 GE) plus Steigung ( −0.2
1
) mal
Differenz x minus Grundmenge (10 ME). Als Term ausgeschrieben also p(x) = 20 − 0.2 · (x − 10)
Diese intuitive Formel heisst die Punkt-Steigungsform der Geradengleichung.
127 Zu den ganzrationalen Funktionen gehören die quadratischen Funktionen f (x) = ax 2 + bx + c. Mit
a, b, c ∈ IR. Sie heissen auch ganzrationale Funktionen 2 . Grades.
Beispiel: f (x) = −x2 + 6x − 3
2
128 In der nachfolgenden Grafik sind die Graphen der drei Funktionen y = 3, y = 3
x − 4 und y = −x2 + 6x − 3
eingetragen.
• y = 3 ist eine Gerade auf konstanter Höhe 3.
• y = 23 x − 4 ist eine Gerade, die die y-Achse
bei −4 schneidet und Steigung 32 hat d.h. auf
3 Einheiten nach rechts (→) verläuft sie um 2
Einheiten nach oben (↑).
• y = −x2 +6x−3 ist eine nach unten offene Pa-
rabel (∩, Grund: Koeffizient vor x2 ist negativ),
welche die y-Achse bei -3 schneidet.
129 Eine ganzrationale Funktion ist eine Summe von Potenzfunktionen mit ganzzahligen nichtnegativen Expo-
nenten von x. Die höchste vorkommende Potenz von x heisst der Grad der ganzrationalen Funktion.
130 Formal ist eine ganzrationale Funktion n-ten Grades also eine Funktion des Typs f (x) = an xn + . . . +
a1 x + a0 mit an 6= 0
Bem: Sie sehen hier verwendet man vorteilhaft indexierte Koeffizienten an , an−1 , . . . a0 , statt a, b, c, d, e, . . ..
135 Der Graph der linearen Funktion f (x) = ax + b ist eine Gerade mit y-Achsenabschnitt b und Steigung a.
Für a > 0 ist die Gerade steigend (%), für a < 0 ist die Gerade fallend (&).
136 Der Graph der quadratischen Funktion f (x) = ax2 + bx + c ist eine Parabel mit y-Achsenabschnitt c.
Für a > 0 ist die Parabel nach oben offen (∪), für a < 0 ist die Parabel nach unten offen (∩)
137 Die Polynome sind immer ’schön geschwungene Kurven’, ohne Ecken oder gar Sprünge!
Ein grafischer Taschenrechner ermöglicht Ihnen das zeichnen von Graphen.
TI-84: Y= Y 1 = X 3 − 5X + 2; TRACE - Hinweis: Den Exponenten verlassen Sie mit Pfeiltaste rechts.
Bem: Mit ZOOM 6:ZStandard setzen Sie den sichtbaren Ausschnitt der xy-Ebene auf [−10, 10]×[−10, 10].
138 Die Nullstellen einer Funktion sind ihre Schnittpunkte mit der x-Achse. Man erhält sie indem man
!
f (x) = 0 setzt.
Bem: Den Schnittpunkt mit der y-Achse (= y-Achsenabschnitt) erhält man einfach, indem man x = 0 in
den Funktionsterm einsetzt. Formal also: f (0) ist der y-Achsenabschnitt.
Bem: Eine Funktion kann mehrere Nullstellen haben, aber nur einen y-Achsenabschnitt.
139 Um alle Nullstellen eines Polynoms zu finden benutzen Sie auf dem TI-84 die Application Polyroot.
!
141 Lösung: Es ist die Gleichung 2x3 − 6x + 4 = 0 zu lösen.
TI-84: APPS 8 : PlySmlt2 ENTER 1 : POLYNOMIAL ROOT FINDER; ORDER 3 ENTER ; a+bi
ENTER ; F5 =NEXT ; a3=2, a2=0, a1=-6, a0=4; F5 =SOLVE
Der TR liefert drei Lösungen x1 = −2, x2 = 1, x3 = 1. Die Lösung 1 tritt doppelt auf, es gibt also nur zwei
Nullstellen: −2 und 1. Mit Hilfe der Nullstellen und ihrer Vielfachheit, lässt sich das Polynom faktorisieren:
2x3 − 6x + 4 = 2(x − 1)2 (x + 2)
Das Produkt setzt sich zusammen aus dem Leitkoeffizienten a3 des Polynoms und den Faktoren
(x − Nullstelle), hierbei führt eine mehrfache Nullstelle zu einem mehrfachen Faktor.
142 Beispiel: Finden Sie die Nullstellen von f (x) = x3 − 6x2 + 13x − 20.
!
143 Lösung: Es ist die Gleichung x3 − 6x2 + 13x − 20 = 0 zu lösen.
TI-84: APPS 8 : PlySmlt2 ENTER 1 : POLYNOMIAL ROOT FINDER; ORDER 3 ENTER ; a+bi
ENTER ; F5 =NEXT ; a3=1, a2=-6, a1=13, a0=-20; F5 =SOLVE
Der TR liefert drei Lösungen x1 = 4, x2 = 1 + 2i, x3 = 1 − 2i.
144 Die Lösungen x2 und x3 sind verallgemeinerte Zahlen, sogenannte komplexe Zahlen. Eine komplexe Zahl
besteht aus zwei reellen Komponenten, dem Realteil und dem Imaginärteil. Die Lösung x2 hat Realteil 1
und Imaginärtei 2. Die Lösung x3 hat Realteil 1 und Imaginärteil −2. Die Lösung x1 hat keinen Imaginärteil
sondern nur den Realteil 4 und ist deshalb eine reelle Zahl! 4 ist die einzige reelle Nullstelle der Funktion
f (x) = x3 − 6x2 + 13x − 20.
145 Sehen Sie zum Begriff der komplexen Zahl auch den Punkt 148 und das Kapitel 2.2.10.
146 Auch hier ergibt sich die Darstellung: x3 − 6x2 + 13x − 20 = 1 · (x − 4)(x − (1 + 2i))(x − (1 − 2i)) =
1 · (x − 4)(x − 1 − 2i)(x − 1 + 2i), was zu einer sehr befriedigenden Lösung des Faktorisierungsproblems
für Polynome führt: Jedes Polynom vom Grad n ist (über den komplexen Zahlen) als Produkt von n
Linearfaktoren (x − c) und dem Führungskoeffizienten an darstellbar. Die Darstellung ist eindeutig! (analog
der Zerlegung einer natürlichen Zahl als Produkt von Primzahlen; Beispiel 60 = 22 · 3 · 5 und nur so!)
147 Über den reellen Zahlen ist diese Produktdarstellung nicht immer möglich. Zum Beispiel ist x2 − 4x + 5
reell nicht als Produkt von Linearfaktoren schreibbar (2-Klammeransatz misslingt), komplex aber schon:
x2 − 4x + 5 = (x − (2 + i))(x − (2 − i)) = (x − 2 − i)(x − 2 + i).
149 Die Schnittpunkte zweier Funktionen y = f (x) und y = g(x) erhält man durch
!
1) Gleichsetzen ihrer Funktionsterme: f (x) = g(x).
2) Einsetzen der gefundenen x-Werte in f (x) oder gleichwertig g(x) zur Ermittlung der zugehörigen y-
Werte.
Bemerkung: Die Nullstellen der Funktion f (x) sind die Schnittpunkte der Funktion y = f (x) mit der
x-Achse, also mit der Funktion y = 0. Die Bestimmung der Nullstellen einer Funktion kann somit auch als
Sonderfall der Bestimmung der Schnittpunkte zweier Kurven angesehen werden.
151 Wie immer können Sie die Gleichung auch mit dem Solver lösen. . .
TI-84: MATH →MATH ALPHA B : Solver. . . E1 : 2X − 3.2; E2 : 0.1X 3 ; F5 = OK;
Durch Variation des Startwertes x (Eingabe als x und dann ALPHA SOLVE drücken), werden Sie mit
etwas Geduld auch alle drei Lösungen finden.
Mit dem POLYNOMIAL ROOT FINDER sparen Sie sich diese unsichere Suche. Der POLYNOMIAL ROOT
FINDER ist aber natürlich nur bei Polynomgleichungen anwendbar!
152 Namensgebung: ’Polyroot’ findet Nullstellen (engl. Roots) von Ganzrationalen Funktionen (=Polynomfunk-
tionen, kurz Poly).
Wichtig: Um Polyroot anwenden zu können, muss die Gleichung gegen 0 gestellt werden!
153 Beispiel: Lösen Sie x3 = 16x + 45 nach x auf.
x3 = 16x + 45 | −16x − 45
x3 − 16x − 45 = 0 | Polyroot : a3 = 1, a2 = 0, a1 = −16, a0 = −45
x1 = 5
x2 = −2.5 + 1.6583 i → nicht reell
x3 = −2.5 − 1.6583 i → nicht reell
∗155∗ Durch Division zweier Polynome erhalten wir eine neue Klasse von Funktionen, die gebrochenrationalen
Funktionen. Eine gebrochenrationale Funktion ist eine Funktion der Form
p(x) an xn +an−1 xn−1 +...+a1 x+a0
f (x) = q(x)
= bm xm +bm−1 xm−1 +...+b1 x+b0
.
∗156∗ Die gebrochenrationalen Funktionen umfassen die ganzrationalen Funktionen p(x). Beweis: Man setze das
p(x)
Nennerpolynom q(x) = 1, dann ist f (x) = 1
= p(x).
∗157∗ Das Aussergewöhnliche an den gebrochenrationalen Funktionen ist, dass diese an den Stellen wo das
Nennerpolynom Null wird, nicht definiert sind. Der Definitionsbereich ist also nicht ganz IR, sondern ID =
IR\{x ∈ IR | q(x) = 0} - man entnimmt also alle Stellen an denen das Nennerpolynom Null wird.
∗158∗ Es x+2
soll der Graph der gebrochenrationalen Funktion f (x) = x2 −0.9x−1.12
gezeichnet werden.
∗160∗ Wir tragen die elf Punkte in ein Koordinatensystem ein und verbinden diese.
∗162∗ Unser übliches Vorgehen funktioniert hier nicht gut, weil an den Nullstellen des Nenners Aussergewöhnliches
passiert. Die Funktion wächst nämlich bei Annäherung an die entsprechenden x-Werte (=Polstellen) ins
Unendliche.
Hier ist also ein anderer Zugang als der pragmatische über die Wertetabelle angesagt!
∗163∗ Wir bestimmen
! !
1 die Nullstellen: f (x) = 0 ⇒ Zähler = 0
!
2 die Polstellen=Definitionslücken ⇒ Nenner = 0
3 das Grenzverhalten f (x) ∼ a · xn für x → ±∞
!
∗164∗ 1 die Nullstellen Zähler = 0
!
x + 2 = 0 | −2
x = −2
Bemerkung: Die Nullstelle ist einfach (im Sinne von nicht mehrfach).
∗165∗ Wie erkennt man die Vielfachheit der Nullstellen?
Beispiel: Für die Polynomfunktion p(x) = 2 x3 − 2x2 − 16x + 24 liefert Polyroot die Nullstellen x1 = 2,
x2 = 2 und x3 = −3. 2 ist also doppelte Nullstelle und −3 einfache Nullstellen.
Äquivalent zur Angabe aller Nullstellen mit ihrer Vielfachheit ist die Faktorisierung des Polynoms in Line-
arfaktoren.
p(x) = 2 (x − 2)2 (x + 3) ⇐⇒ Führungskoeffizient 2 , Nullstellen 2 (doppelt) und −3 (einfach).
∗166∗ Detailbild einer Nullstelle (entscheidend ist die Vielfachheit!):
Bei ungerader Vielfachheit wechselt die Funktion beim Durchgang durch die Nullstelle ihr Vorzeichen.
einfache Nullstellen mehrfache Nullstellen (3,5,7,9,. . . )
Abb. 57: Nullstellen ungerader Vielfachheit: einfach - einfach - mehrfach - mehrfach. Das Vorzeichen des Funktionswerts
ändert sich beim Durchgang durch die Nullstelle ’von + über 0 zu −’ bzw. von ’− über 0 zu +’.
∗167∗ Bei gerader Vielfachheit wechselt die Funktion beim Durchgang durch die Nullstelle ihr Vorzeichen nicht.
mehrfache Nullstellen (2,4,6,8,. . . )
Abb. 58: Nullstellen gerader Vielfachheit. Das Vorzeichen des Funktionswerts ändert sich beim
Durchgangang durch die Nullstelle ’von + über 0 zu +’ bzw. ’von − über 0 zu −’ nicht.
!
∗168∗ 2 die Polstellen Nenner = 0
!
x2 − 0.9x − 1.12 = 0 | Polyroot
x1 = −0.7, x2 = 1.6.
Bemerkung: Beide Polstellen sind einfach (d.h. einfache Nullstellen des Nenners).
Abb. 59: Polstellen ungerader Vielfachheit Abb. 60: Polstellen gerader Vielfachheit
Funktionswert springt beim Überschreiten der Polstelle Funktionswert bleibt beim Überschreiten der Polstelle
’von −∞ nach +∞’ bzw. ’von +∞ nach −∞’ −∞ bzw. +∞
∗170∗ 3 Grenzverhalten: Bei Zähler- und Nennerpolynom wird nur der Summand mit der grössten Potenz (dieser
ist für x → ±∞ der dominierende Term) berücksichtigt.
f (x) = x+2
x2 −0.9x−1.12
∼ x
x2
= 1
x
= x−1
∗171∗ Um das Grenzverhalten (x → ±∞) verwenden zu können sollte man nachfolgendes ’Kabinet von Funktio-
nen’ kennen: die Potenzfunktionen mit ganzzahligen Exponenten.
∗172∗ Funktionskabinet f (x) = a · xn für n ∈ Z
Z, a > 0
x+2
Abb. 63: Die wesentlichen Informationen zur gebrochenrationalen Funktion f (x) = x2 −0.9x−1.12
sind eingetragen:
−1
Nullstelle x = 2, Polgeraden x = −0.7 und x = 1.6 und das Grenzverhalten ∼ x
∗176∗ Wir starten ganz links mit dem Grenzverhalten (1) und laufen von links nach rechts unter Berücksichtigung
der aufeinanderfolgenden Vorgaben (2) Nullstelle-einfach, (3) Polstelle-einfach, (4) Polstelle-einfach, (5)
Grenzverhalten ganz nach rechts.
Abb. 64: Skizze auf Grund von Nullstellen, Polstellen und Grenzverhalten und exakter Graph der Funktion
x+2
f (x) = x2 −0.9x−1.12
∗177∗
∗180∗ Eine komplexe Zahl ist ein formaler Ausdruck der Form a + bi, wo a und b reelle Zahlen sind. Die Rechen-
regeln sind die Ihnen gut bekannten für formale Terme mit einer Unbestimmten i.
∗181∗ Ziel der Einführung komplexer Zahlen ist es, eine Lösung für die in IR nicht lösbare Gleichung x2 = −1 zu
definieren.
Die komplexe Zahl 0 + 1i = i soll per Definition diese Gleichung erfüllen.
Es soll also gelten i2 = −1. Daraus folgt dann automatisch mit Ihren Algebrakenntnissen:
i3 = i2 · i = (−1) · i = −i
i4 = i3 · i = (−i) · i = −i2 = −(−1) = 1
i5 = i4 · i = 1 · i = i
i6 = i5 · i = i · i = −1
i7 = i6 · i = (−1) · i = −i
i8 = i7 · i = (−i) · i = −i2 = −(−1) = 1
usw.
Kurz:
i0 = i4 = i8 = i12 = i16 = . . . = 1
i1 = i5 = i9 = i13 = i17 = . . . = i
i2 = i6 = i10 = i14 = i18 = . . . = −1
i3 = i7 = i11 = i15 = i19 = . . . = −i
∗182∗ Nochmals: Eine komplexe Zahl ist eine formale Kombination a + b i, mit a, b ∈ IR. i = 0 + 1i heisst die
imaginäre Einheit; sie erfüllt die Gleichung i2 = −1.
∗183∗ Die C := {a + bi | a, b ∈ IR} umfasst die reellen Zahlen; a ist nämlich a + 0i.
Menge der komplexen Zahlen C
∗184∗ Die Menge CC der komplexen Zahlen lässt sich darstellen als die Punkte a + b i = (a, b) der xy-Ebene; sie
enthält die reellen Zahlen a = a + 0 i = (a, 0) als x-Achse.
∗185∗ Der Spiegelpunkt a − bi der komplexen Zahl a + bi an der x-Achse heisst die konjugiert komplexe Zahl zu
a + bi und wird mit a + bi bezeichnet. Also a + bi = a − bi.
Beispiele: 3 + 2i = 3 − 2i; 3 − 2i = 3 + 2i; 2 = 2; 3i = −3i
∗189∗ Diese Technik lässt sich kurz fassen: Man erweitert einen Bruch mit dem konjugiert komplexen des Nenners
und erhält so einen reellen Nenner:
2+3 i (2+3 i)·(3+i) 6+11i+3i2 3+11i
3−i
= (3−i)·(3+i)
= 9−i2
= 10
= 0.3 + 1.1i.
∗190∗ Der entscheidende Vorteil der komplexen Zahlen gegenüber (ihrer Teilmenge) den reellen Zahlen ist der,
dass jede Polynomgleichung f (x) = 0 vom Grad n in komplexen Zahlen genau n Nullstellen hat. Dieser
Satz heisst der Fundamentalsatz der Algebra. Der Name unterstreicht seine Wichtigkeit.
Wenn wir dieselbe Gleichung f (x) = 0 in reellen Zahlen zu lösen versuchen, finden wir nur die diejenigen
der komplexen Lösungen, die auf der reellen Achse liegen. Wir sind wie ein Pferd mit Scheuklappen, das
nur die Äpfel sieht, die zufällig auf seinen Weg (= x-Achse) gerollt sind, nicht aber die neben dem Weg.
∗191∗ Beim Zählen der Anzahl Nullstellen (im Fundamentalsatz) ist jede Nullstelle mit ihrer Vielfachheit einzu-
rechnen!
Bemerkung: Die Gleichung x3 − 2x2 + x = 0 hat nach dem Fundamentalsatz genau 3 Lösungen.
Lösung:
x3 − 2x2 + x = 0 | faktorisieren
x(x2 − 2x + 1) = 0 | Produkt=0 ⇒ Faktor=0
Fall 1: x1 = 0
Fall 2: x2 − 2x + 1 = 0 (abc-Formel liefert) x2,3 = 1
Die drei Nullstellen sind 0 einfach und 1 doppelt!
Dies finden Sie auch direkt mit Polyroot :-)
Die komplette Faktorisierung lautet: x3 − 2x2 + x = x · (x − 1)2
∗192∗ Lösungen der Gleichung x2 + 2x + 2 = 0
Quadratische Gleichung mit a = 1, b = 2, c = 2
√
− b ± b2 − 4ac √ √
⇒ x1,2 = = −2±2 4−8 = −2±2 −4 =
2a
bei reeller Rechnung wäre hier Endstation: Keine Lösung!
= √ √
komplexe Rechnung = −2± 4 −1 = −2±2 i = −1 ± i
2 2
Testen der Lösungen durch Einsetzen in den Term x2 + 2x + 2:
i2 −2 + 2 i + 2 = 1 − 2 i − 1 − 2 + 2 i + 2 = 0
x1 = −1 + i ⇒ (−1 + i)2 + 2(−1 + i) + 2 = 1 − 2 i + |{z}
−1
tatsächlich!
i2 −2 − 2 i + 2 = 1 + 2 i − 1 − 2 − 2 i + 2 = 0
x2 = −1 − i ⇒ (−1 − i)2 + 2(−1 − i) + 2 = 1 + 2 i + |{z}
−1
tatsächlich!
∗193∗ Die quadratische Gleichung (=Polynomgleichung 2. Ordnung) hat also - wie der Fundamentalsatz es be-
hauptet - auch in diesem Fall genau 2 Lösungen!
∗194∗ In diesem kurzen Anhang soll das Zusammenspiel von Graph einer Polynomfunktion und den (komplexen)
Nullstellen graphisch dargestellt werden.
Für die Fälle A bis C . . .
Oberes Bild: Graph y = f (x).
Unteres Bild: Nullstellen von f (x) in der komplexen Ebene CC.
,→ Nullstellen in C
C ,→ Nullstellen in CC ,→ Nullstellen in CC
Bem: drei einfache Nullstellen Bem: doppelte Nullstelle bei 2 Bem: nur eine reelle Nullstelle
Abb. 67: Zusammenhang Graph einer Polynomfunktion und ihre komplexe Nullstellen.
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A3) Die nachgefragte Menge eines Gutes bei Preis p sei xn (p) = 110−1.2p. Der Angebotspreis sei pa (x) = 15+0.02x2 . Bestim-
men Sie den Mindestpreis, den Prohibitivpreis, den Gleichgewichtspreis, die Gleichgewichtsmenge und die Sättigungsmenge.
(A4) Finden Sie das Gewinnmaximum der Gewinnfunktion G(x) = −0.1x2 + 500x − 30000
(A5) Skizzieren Sie die Gewinnfunktion G(x) = −10x3 + 50x2 + 80x − 120 und bestimmen Sie die Gewinnzone.
(A8) Der Wachtumsfaktor für einen Tag beträgt 1.05. Wie gross ist der Wachstumsfaktor für 9 Stunden?
1 Zwei Anbieter bieten dieselbe Leistung, jedoch zu unterschiedlichen Tarifen an. Aus Konsumentensicht
ergeben sich folgende beiden Kostenfunktionen:
K1 (x) = 45 + 0.35x - Fixkosten 45 GE, laufende Stückkosten 0.35 GE/ME
K2 (x) = 20 + 0.5x - Fixkosten 20 GE, laufende Stückkosten 0.5 GE/ME
Nehmen Sie an, es handle sich bei der Dienstleistung um eine Autovermietung für 24 Stunden. Die Fixkosten
sind die Tagespauschale, x bezeichnet die Anzahl gefahrener Kilometer (also ME = km).
Frage: Welcher Anbieter (1 oder 2) ist unter welchen Umständen (Anzahl gefahrene Kilometer) günstiger?
2 Algebraisch erhalten wir die Lösung durch Gleichsetzen der beiden Funktionsterme:
!
45 + 0.35x = 20 + 0.5x | −20 − 0.35x
25 = 0.15x | : 0.15
166.7 = x
x = 166.7 km
Dies ist die Fahrstrecke bei der beide Tarife gleich teuer sind. Bei kleineren Fahrstrecken x < 166.7 km ist
der Tarif mit den geringeren Fixkosten (Tarif 2) günstiger, bei grösseren Fahrstrecken x > 166.7 km der
mit der kleineren Steigung (Tarif 1) günstiger.
3 Grafisch (geometrisch) erhalten wir die Lösung indem wir die Graphen der beiden Kostenfunktionen ins
selbe Koordinatensystem eintragen und dann direkt ablesen können, dass für x < 166.7 (die Ablesung ist
so genau nicht möglich, d.h man braucht auch hier die algebraische Rechnung) Tarif 2 günstiger ist und
für x > 166.7 Tarif 1 günstiger ist.
Abb. 68: Graphen der Funktion Anzahl gefahrene Kilometer 7→ Kosten für die beiden Tarife.
2.3.2 Break-Even-Analyse
5 Lösung
Wir stellen die benötigten Funktionen auf:
Gesamtkosten K(x) = 500 + 2.5x
Erlös E(x) = 6x
Fixkosten K(0) = 500
Variable Kosten Kv (x) = K(x) − K(0) = 500 + 2.5x − 500 = 2.5x
Gewinn G(x) = E(x) − K(x) = 6x − (500 + 2.5x) = 6x − 500 − 2.5x = 3.5x − 500
Deckungsbeitrag GD (x) = E(x) − Kv (x) = 6x − 2.5x = 3.5x
! !
1 E(x) = K(x) 2 G(x) = 0
6x = 500 + 2.5x | −2.5x 3.5x − 500 = 0 | +500
3.5x = 500 | : 3.5 3.5x = 500 | : 3.5
x = 142.9 (BEP) x = 142.9 (GS)
E(142.9) = K(142.9) = 857.1 GE Probe: G(142.9) = 0 GE
! !
3 E(x) = K(0) 4 GD (x) = K(0)
6x = 500 | : 6 3.5x = 500 | : 3.5
x = 83.3 (S1 ) x = 142.9 (S2 )
Probe: E(83.3) = 500 GE Probe: GD (142.9) = 500 GE
Bemerkung: Sowohl 1 als auch 2 und 4 berechnen den Punkt ab welchem die Unternehmung in der
Gewinnzone zu liegen kommt. Sie liefern also immer dieselbe Produktion x als Lösung.
Bemerkung: Unter Punkt 4 sehen Sie schön, dass jede produzierte Mengeneinheit mit ihrem Deckungs-
beitrag von 6 − 2.5 = 3.5 GE hilft, die Fixkosten von 500 GE zu decken. Die Fixkosten sind so ab einer
500
Produktion von 3.5
= 142.9 ME vollständig gedeckt und die Unternehmung operiert in der Gewinnzone.
6 Graphische Lösung: Sie zeichnen die Graphen der Funktionen K(x), K(0), E(x), GD (x), G(x) und ermit-
teln die entsprechenden Schnittpunkte.
Abb. 69: Graphen der Funktionen E(x), K(x), G(x) und GD (x) = Deckungsbeitrag.
GS = Gewinnschwelle, BEP = Break-Even-Punkt.
2.3.3 Marktgleichgewicht
7 Die nachgefragte Menge eines Gutes bei Preis p sei xn (p) = 110 − 1.2p.
Der Angebotspreis sei pa (x) = 15 + 0.02x2 .
Wo kommt das Marktgleichgewicht (M) zu liegen?
8 Gesucht ist die Menge x und der Preis p, sodass das Gleichungssystem
(Nachfrage) x = 110 − 1.2p
(Angebot) p = 15 + 0.02x2
simultan (=gleichzeitig) gelöst wird.
9 Eine mögliche Lösungsmethode ist das Einsetzverfahren: Man setzt den Term x = 110 − 1.2p aus der
Nachfragegleichung für das x in der Angebotsgleichung ein: p = 15 + 0.02 · ( 110 − 1.2p )2 und erhält so
eine Gleichung in der einen Variablen p.
10 p = 15 + 0.02 · (110 − 1.2p)2 | Binom
p = 15 + 0.02 · (12100 − 264p + 1.44p2 ) | Ausrechnen
p = 15 + 242 − 5.28p + 0.0288p2 | Ausrechnen
p = 257 − 5.28p + 0.0288p2 | −p
0 = 0.0288p2 − 6.28p + 257 | Polyroot
p1 = 163.47 ⇒ x1 = 110 − 1.2p = −86.16 - kleiner als 0, entfällt
p2 = 54.59 GE/ME ⇒ x2 = 110 − 1.2p = 44.49 ME
11 Eine zweite Lösungsmethode erhält man, indem man die Nachfragefunktion nach dem Preis umstellt:
x = 110 − 1.2p | −110
x − 110 = −1.2p | : (−1.2)
x−110
−1.2
= p | Seitentausch
x−110 −x+110 110−x
p= −1.2
= 1.2
= 1.2
110−x
Also anders ausgedrückt pn (x) = 1.2
12 Jetzt sucht man den Schnittpunkt der beiden Preisfunktionen, was nun wieder algebraisch oder grafisch
erfolgen kann.
1 Algebraisch 2 Grafisch
!
pa (x) = pn (x)
! 110−x
15 + 0.02x2 = 1.2
| ·1.2
0.024x2 + x − 92 = 0 | Polyroot
13 Ausgehend von den beiden Preisfunktionen pa (x) und pn (x) definieren wir:
• Prohibitivpreis: y-Achsenabschnitt der Nachfragefunktion pn (x), Kunden kaufen erst unterhalb dieses Prei-
ses.
Ermittlung ,→ pn (0).
110
Am Beispiel 1.2
= 91.67 GE/ME.
• Mindestpreis: Achsenabschnitt der Angebotsfunktion pa (x), Anbieter treten erst ab diesem Preis in den
Markt ein.
Ermittlung ,→ pa (0).
Am Beispiel 15 GE/ME.
• Sättigungsmenge: Selbst bei einem Preis von 0 GE/ME gibt es keine weitere Nachfrage.
!
Gleichung ,→ pn (x) = 0.
Am Beispiel x = 110 ME.
• Gleichgewicht: Angebot und Nachfrage sind gleich.
!
Gleichung ,→ pa (x) = pn (x).
Am Beispiel x = 44.49 ME, p = 54.59 GE/ME.
• Gesamterlös: Menge mal Preis.
Grafik Abb. 71 ,→ Dunkelgraue Rechtecksfläche.
Ermittlung ,→ x · p.
Am Beispiel 44.49 · 54.59 = 2428.8 GE.
• Konsumentenrente: Von den Kunden gesparte Geldsumme, dadurch, dass der Preis nicht schrittchenweise
vom Prohibitpreis auf den Gleichgewichtspreis gesenkt wird, sondern von Anfang an auf den Gleichge-
wichtspreis festgesetzt wird.
Grafik Abb. 71 ,→ Hellgraue Fläche zwischen den Kurven y = p und y = pn (x)
Ermittlung ,→ Wirtschaftsmathematik 2 - Integralrechnung.
• Produzentenrente: Von den Produzenten mehr verdiente Geldsumme, dadurch, dass der Preis nicht schritt-
chenweise vom Mindestpreis auf den Gleichgewichtspreis erhöht wird, sondern von Anfang an auf den
Gleichgewichtspreis festgesetzt wird.
Grafik Abb. 71 ,→ Dunkelgraue Teilfläche zwischen den Kurven y = pa (x) und y = p
Ermittlung ,→ Wirtschaftsmathematik 2 - Integralrechnung.
14 Der Preis werde auf p = 40 GE/ME festgelegt, also tiefer als der Gleichgewichtspreis 54.59 GE/ME.
Die Nachfragemenge ergibt sich aus der Gleichung:
!
pn (x) = 40
110−x !
1.2
= 40 | ·1.2
110 − x = 48 | −110
−x = −62 | : (−1)
x = 62
Die Angebotsmenge ergibt sich aus der Gleichung:
!
pa (x) = 40
!
15 + 0.02x2 = 40 | −15
0.02x2 = 25 | : 0.02
√
x2 = 1250 | ±
x = ±35.36
Nur die positive Lösung x = 35.36 ME macht in unserem Kontext Sinn.
Bei diesem tiefen Preis (40 GE/ME) ist die nachgefragte Menge (62 ME) höher als die angebotene Menge
(35.36 ME). Es besteht eine Lücke (Gap) von 26.64 ME zwischen nachgefragter und angebotener Menge.
Für die Berechnung von Gesamterlös, Produzenten- und Konsumentenrente ist natürlich nur die effektiv
abgesetzte Menge min(62, 35.36) = 35.36 ME relevant.
15 Der Preis werde auf p = 70 GE/ME festgelegt, also höher als der Gleichgewichtspreis 54.59 GE/ME.
Die Nachfragemenge ergibt sich aus der Gleichung:
!
pn (x) = 40
110−x !
1.2
= 70 | ·1.2
110 − x = 84 | −110
−x = −26 | : (−1)
x = 26
Die Angebotsmenge ergibt sich aus der Gleichung:
!
pa (x) = 70
!
15 + 0.02x2 = 70 | −15
0.02x2 = 55 | : 0.02
√
x2 = 2750 | ±
x = ±52.44
Nur die positive Lösung x = 52.44 ME macht in unserem Kontext Sinn.
Bei diesem hohen Preis (70 GE/ME) ist die nachgefragte Menge (26 ME) tiefer als die angebotene Menge
(52.44 ME). Es besteht eine Lücke (Gap) von 26.44 ME zwischen angebotener und nachgefragter Menge.
Für die Berechnung von Gesamterlös, Produzenten- und Konsumentenrente ist nur die effektiv abgesetzte
Menge min(26, 52.44) = 26 ME relevant.
16 Ein Monopolist (= einziger Anbieter) eines Produktes kann den Preis seines Produktes frei wählen.
Er beobachtet folgende Zusammenhänge:
Bei einem Preis von 20 GE/ME könnte er 500 ME verkaufen.
Erhöht/reduziert er den Preis um 0.1 GE/ME, so sinkt/steigt der Absatz um 3 ME.
Wir nehmen an, dass dieser lineare Zusammenhang über den ganzen Mengen × Preis-Bereich Gültigkeit
hat.
Wie hoch sollte er den Preis ansetzen um maximalen Erlös zu erzielen?
17 Am einfachsten arbeitet man mit einer Hilfsvariable (= Parameter ) t und erstellt die Funktionen p(t), x(t)
und E(t) in Abhängigkeit von dieser Hilfsvariablen.
Interpretation t = Anzahl Preisschritte der Weite +0.1 GE/ME ab Grundpreis 20 GE/ME.
p(t) = 20 + 0.1t
x(t) = 500 − 3t
E(t) = x(t) · p(t) = (500 − 3t) · (20 + 0.1t) = 10000 + 50t − 60t − 0.3t2 = −0.3t2 − 10t + 10000.
18 Es handelt sich bei der Funktion t 7→ E(t) um einer quadratische Funktion, deren Graph eine nach unten
offene Parabel ist (Grund: a = −0.3 < 0). Gesucht ist der Punkt mit maximalem Erlös, also der höchste
Punkt der Parabel, also der Scheitel der Parabel.
19 Auffrischung Ihres Wissens zu den Parabeln:
Formelsammlung:
Quadratische Funktion y = ax2 + bx + c mit a 6= 0
• Der Graph der quadratischen Funktion ist eine Parabel.
• Für a > 0 ist die Parabel nach oben offen, also von der Form
S
, also konvex.
T
Für a < 0 ist die Parabel nach unten offen, also von der Form , also konkav.
−b b2
• Der Scheitel hat die Koordinaten xs = 2a
bzw. ys = c − 4a
.
p
−b± b2 −4ac
• Die Nullstellen liegen bei x1,2 = 2a
, falls d := b2 − 4ac ≥ 0.
20 Für die Funktion E(t) = −0.3t2 −10t+10000 ergibt sich durch Koeffizientenvergleich mit der quadratischen
Funktion y = ax2 + bx + c, dass a = −0.3, b = −10, c = 10000 ist.
−b 10 b2 100
Als Scheitel ergibt sich ts = 2a
= −0.6
= −16.6667, Es = c − 4a
= 10000 − −1.2
= 10083.3
Als Preis ergibt sich p(t) = p(−16.6667) = 20 + 0.1 · (−16.6667) = 18.3333 GE/ME
Als Absatzmenge ergibt sich x(t) = x(−16.6667) = 500 − 3 · (−16.6667) = 550 ME
Kontrollrechnung: E = x · p = 550 · 18.33 = 10083.3
21 Fazit: Für maximalen Erlös ist der Preis auf 18.3333 GE/ME festzulegen. Die verkaufte Stückmenge wird
dann 550 ME betragen, der Erlös 10083.3 GE. Dies ist der maximal erzielbare Erlös.
22 Eine Unternehmung produziere ein Gut A. Für die Produktion von x ME des Gutes sind folgende beiden
Funktionen gegeben.
1) Lineare Kostenfunktion K(x) = 250x + 1600 (in GE)
2) Lineare Nachfragefunktion p(x) = 1500 − 18x (in GE/ME).
Wo liegen Gewinnschwelle und Gewinngrenze und wo wird der Gewinn maximal?
24 Die Gewinnfunktionen können auch komplizierter sein als im vorhergehenden Teilabschnitt. Als Beispiel soll
eine Funktion 3. Grades, eine kubische Gewinnfunktion angenommen werden.
G(x) = −10x3 + 50x2 + 80x − 120.
25 Ganz analog zur quadratischen Gewinnfunktion können dieselben Fragen für eine beliebige Gewinnfunktion
beantwortet werden:
• Der (ökonomisch sinnvolle) Definitionsbereich: Gewinne können durchaus negativ sein, aber die Mengen
nicht, das heisst es muss x ≥ 0 gelten.
• Für x = 0 ergibt sich als Gewinn G(0) = −120. Da E(0) = 0 und G(0) = E(0) − K(0) gilt, ergibt sich
für die Fixkosten K(0) = −G(0) = 120 GE. Allgemein sind also die Fixkosten stets −G(0).
• Die Gewinnzone ist der Bereich, wo G(x) > 0 gilt. Um die Gewinnzones zu bestimmen ermittelt man die
!
Nullstellen von G(x) = 0 und zeichnet den Graphen y = G(x). Produktionsmengen x bei denen der Graph
oberhalb der x-Achse liegt, gehören zur Gewinnzone, Produktionsmengen x an denen der Graph unterhalb
der x-Achse liegt, gehören zur Verlustzone. Gewinn- und Verlustzone werden durch die Nullstellen getrennt.
Polyroot liefert die Nullstellen −2, 1 und 6. Am Graphen Abb. 76 erkennen wir die Gewinnzone als das
Intervall ]1, 6[, die Verlustzone als [0, 1[∪]6, ∞[
• Das Gewinnmaximum ist der Hochpunkt des Graphen y = G(x). Dieser lässt sich mit einem graphischen
Taschenrechner wie dem Ti-84 direkt an der Grafik ermitteln. Geben Sie die Funktion unter Y= als
Y 1 = −10X 3 + 50X 2 + 80X − 120 ein. Um einen geeigneten Bildausschnitt in der Grafik zu sehen,
brauchen Sie eine Wertetabelle! Einmalig: Unter 2ND TBLSET stellen sie die unabhängige Variable
auf ASK. Unter 2ND TABLE können Sie nun X Werte vorgeben, der Rechner ermittelt unter Y 1 die
Funktionswerte. Mit dieser Wertetabelle ermitteln Sie den optimalen Bereich für x und für y.
Hier scheint x = 0 bis 7 und y = −200 bis 400 ein geeigneter Bereich.
Unter WINDOW setzen Sie xmin=0, xmax=7, xscl=1 (Skaleneinheit), ymin=-200, ymax=400, xscl=100
(Skaleneinheit). TRACE . 2ND CALC Maximum auswählen. Untere Grenze → 3 eingeben, Obere
Grenze → 5 eingeben, Schätzer → 5 eingeben ENTER liefert x = 4, y = 360.
2.3.7 Betriebsoptimum
Abb. 77: Die Durchschnittskosten bilden hier eine monoton fallende Funktion.
27 Es kann aber auch anders aussehen: Die Stückkosten sinken bis zu einer Produktion x ab und steigen dann
wieder an. Dann gibt es eine Produktionsmenge mit minimalen Stückkosten. Diese Produktionsmenge
heisst das Betriebsoptimum. Die minimalen Stückkosten sind eine wichtige Information für das Prizing
eines Produktes, bilden sie doch die Preisuntergrenze, ab der erst Gewinn möglich ist.
Beispiel: K(x) = 2x + 50 + 0.1x3 = 0.1x3 + 2x + 50. Die zugehörige Stückkostenfunktion ist
K(x) 0.1x3 +2x+50
k(x) = x
= x
, eine gebrochenrationale Funktion.
Abb. 78: Die Durchschnittskosten haben bei einer Produktion von 6.2996 ME ihr Minimum.
Das Betriebsoptimum liegt bei x = 6.2996 ME.
28 Ein mit dem Betriebsoptimum verwandter Begriff ist der des Betriebsminimums.
Das Betriebsminimum ist die Produktion mit minimalen variablen Stückkosten.
Kv (x) K(x)−K(0)
kv (x) := x
= x
.
Beispiel: K(x) = 0.05x − x2
3 + 20x + 300. Als Fixkosten ergeben sich K(0) = 300, Als variable Kosten
ergeben sich Kv (x) = K(x) − K(0) = 0.05x3 − x2 + 20x. Als variable Stückkosten ergeben sich
Kv (x) 0.05x3 −x2 +20x
kv (x) = x
= x
= 0.05x2 − x + 20
Der zugehörige Graph ist eine nach oben offene Parabel (Grund: a = 0.05 > 0) mit Scheitel an der Stelle
b2
( −b
2a
/c − 4a
) 1
= ( 0.1 / 20 − 1
0.2
) = (10/15).
Das Betriebsmaximum liegt bei einer Produktion von x = 10 ME mit den minimalen variablen Stückkosten
von 15 GE/ME.
30 Als Maximum finden wir mit einem graphischen Taschenrechner: x = 9.4281, g(x) = 910.59
Der Gewinn lässt sich als Rechtecksfläche G(x) = x · g(x) an der Stückgewinnfunktion interpretieren.
Jetzt sehen Sie deutlich, dass die zum höchsten Punkt der Kurve y = g(x) gehörige Rechtecksfläche nicht
maximal ist!
31 Wächst eine Population (Anfangsstand K0 ) jährlich um denselben Betrag b, so spricht man von einem
linearen Wachstumsprozess.
Die Population nach t Jahren ergibt sich zu K(t) = K0 + b · t.
b
32 Bezeichnet man die relative Grösse K0
mit p (also b = K0 · p), so lässt sich die Formel für das lineare
Wachstum gleichwertig schreiben als K(t) = K0 + K0 · p · t = K0 · (1 + p · t).
33 p ist dabei die lineare Wachstumsrate. Sie wird häufig in Prozent angegeben.
K0 = K(0) ist das Kapital zu Beginn.
34 Bemerkung: In der Terminologie der Prozentrechnung ist der Anfangsbestand K0 der Grundwert (entspricht
100%), p ist der Prozentsatz und b ist der Prozentwert.
35 Bemerkung: Wendet man die Formel auf Kapital und Zinsen an, so ist K(t) = K0 · (1 + p · t) gleichwertig
mit der Marchzinsformel aus Ihrer Schulzeit.
K(t) = K0 + Zt , wobei
K·p[in %]·t[in Tagen]
Zt = 100·360
Abb. 80: Der Graph bei linearem Wachstum ist eine Gerade.
37 Für p < 0 ergibt sich als Graph eine fallende Gerade mit Steigung K0 · p < 0. Man spricht auch von liearer
Abnahme.
39 Wächst eine Population K0 jährlich um denselben Faktor p, so spricht man von einem exponentiellen
Wachstumsprozess.
40 Es wird sich zeigen, dass die zentrale Grösse im Zusammenhang mit dem exponentiellen Wachstum der
Wachstumsfaktor q = 1 + p ist. Er gibt an mit welchem Faktor sich der aktuelle Bestand pro Periode
vervielfacht.
41 Für p < 0 ergibt sich q < 1 ,→ die Population schrumpft. Man spricht von einem exponentiellen
Zerfallsprozess.
42 Beispiel: K0 = 1000, p = 5% pro Periode.
Um die Population nach einer Periode zu berechnen kann entweder gerechnet werden
1 5% von 1000 ist 50 und 1000+50=1050.
oder
2 Wachstumsfaktor q = 1 + p = 1 + 0.05 = 1.05 und 1000 · 1.05 = 1050
Wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht, ist der zweite Weg der viel schnellere!
44 Vergleicht man die Formeln von linearem und exponentiellem Wachstum, so sehen sich diese sehr ähnlich!
Lineares Wachstum: K(t) = K0 · (1 + p · t)
Exponentielles Wachstum: K(t) = K0 · (1 + p)t
45 Bei linearen Wachstum mit p = 5% pro Periode verdoppelt (2K0 ) sich die Anfangspopulation (K0 ) in 20
Jahren, es dauert weitere 40 Jahre bis sich die aktuelle Population erneut verdoppelt hat (4K0 ) und dann
dauert es weitere 80 Jahre, bis sich die aktuelle Population wieder verdoppelt hat (8K0 ).
Abb. 82: Graph lineares Wachstum. Die Verdoppelungszeit dauert erst 20, dann 40, dann 80 Jahre.
46 Bei exponentiellen Wachstum dauert es hingegen immer gleich lange bis sich die aktuelle Population wieder
verdoppelt.
!
2K = K · q t | : K
2 = q t | Seitentausch
q t = 2 | logq
t = logq (2)
log(2)
Für q = 1.05 ergibt sich als Verdoppelungszeit t = logq (2) = log1.05 (2) = log(1.05)
= 14.2
Abb. 83: Graph exponentielles Wachstum. Die Verdoppelungszeit beträgt jeweils 14.2 Jahre.
50 Merken Sie sich folgende Übersetzungstabelle mit dem Aufzinsfaktor q als zentraler Grösse!
51 Die verwendeten Buchstaben (hier q, p, r) sind nicht einheitlich, die Bezeichnungen (Wachstumsfaktor,
effektive Wachstumsrate, stetige Wachstumsrate) aber schon!
52 Wachstum- und Zerfallsprozesse sind leicht an den Werten von q bzw. p bzw. r zu unterscheiden.
Wachstumsprozess ⇔ q > 1 ⇔ p > 0 ⇔ r > 0
Zerfallssprozess ⇔q<1⇔p<0⇔r<0
2.3.11 Sättigungsprozesse
∗53∗ Der Temperaturverlauf (Funktion: Zeit 7→ Temperatur) einer heissen Tasse Tee ist ein alltägliches Beispiel
eines Sättigungsprozesses.
∗54∗ Je wärmer der Tee ist, desto mehr Energie in Form von Wärme gibt er pro Zeiteinheit an die Umgebung
ab. Das heisst die Temperatur des Tees sinkt schneller so lange er warm ist. Je näher die Temperatur des
Tees aber der Umgebungstemperatur kommt, desto langsamer sinkt seine Temperatur und wird schliesslich
(Zeit t → ∞) die Umgebungstemperatur annehmen.
∗55∗ Die Temperatur T (t) des Tees in Abhängigkeit von der Wartezeit t folgt der Funktion
T (t) = a + b · e−ct
∗56∗ Bemerkung: Statt e−ct könnte man auch q −t mit q = ec schreiben, also T (t) = a + b · q −t . Hier wird man
aber meistens die Darstellung mit e wählen.
∗57∗ Für t = 0 (Beginn des Prozesses) ergibt sich die Anfangstemperatur. D.h. T (0) = a + b · e−c·0 = a + b.
a + b ist also gleich der Anfangstemperatur.
∗58∗ Für t → ∞ ergibt sich die Raumtemperatur. Weil lim b · e−ct = 0 (exponentieller Zerfall!) ergibt sich
t→∞
lim (a + b · e−ct ) = a + 0 = a.
t→∞
a ist also die Raumtemperatur.
∗59∗ Gegeben ist die Anfangstemperatur des Tees 70◦ C und die Raumtemperatur 22◦ C, zudem sei die Temperatur
nach 10 Minuten T (10) = 53◦ C (dies hängt von der Tassenform, der Tassenwanddicke, dem Umrühren,
Material und Form des Löffels usw. ab).
∗60∗ Mit diesen drei Angaben lassen sich die drei Parameter in der Funktionsgleichung ermitteln, also die Funk-
tionsgleichung bestimmen!
!
1 Anfangstemperatur a + b = 70
!
2 Endtemperatur a = 22
!
3 Nach 10 Minuten a + b · e−c·10 = 53
∗61∗ Aus 1 und 2 ergibt sich leicht a = 22, b = 48.
Eingesetzt in 3
!
22 + 48 · e−10c = 53 | −22
48 · e−10c = 31 | : 48
e−10c = 0.6458 | ln
−10c = −0.4372 | : (−10)
c = 0.04372
T (t) = 22 + 48 · e−0.04372 t
Abb. 85: Teetemperaturverlauf für verschiedenen Tassen (verschiedene Werte von c).
∗63∗ Als nächstes soll eine Steuersatzfunktion konstruiert werden, die für Einkommen Y = 0 GE den Steuersatz
s(0) = 0 und für Y → ∞ den Steuersatz lim s(Y ) = 0.45 ergibt.
Y →∞
Zudem soll für Y = 100 GE ein Steuersatz von 0.2 zur Anwendung kommen.
∗64∗ Ansatz (Sättigungsprozess) s(Y ) = a + b · e−c·Y .
∗65∗ Es soll gelten
!
Endwert a = 0.45
!
Anfangswert a + b = 0 ⇒ b = −0.45
! !
s(100) = 0.2 ⇒ 0.45 − 0.45 · e−100c = 0.2 | −0.45
!
−0.45 · e−100c = − 0.25 | : (−0.45)
!
e−100c = 0.5556 | ln
!
−100c = − 0.5878 | : (−100)
!
c = 0.005878
3 Gleichungen
Lernziele
• Sie können Gleichungen aufstellen.
• Sie wissen was Ungleichungen sind und können ihre Lösungsmenge bestimmen.
• Mit dem in diesem Kapitel bereitgestellten Rüstzeug werden Sie in die Lage versetzt, solche Gleichungen
zu verstehen und zu lösen.
Aufgaben aus WM1 [Link] mit zugehörigen Resultaten aus WM1 [Link].
Versuchen Sie es zunächst selbst, das heisst ohne WM1 [Link]. So haben Sie den grösseren Lerneffekt.
Gleichungen 3 - 1 2 3 (4) 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 20 23 24 25 26
Ungleichungen 3 - 27
Lineare Gleichungssysteme 3 - 15 16 17 18 19 (21) (22) 30
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A6) Die Population einer Insel besteht aus drei Stämmen. Heute besteht Stamm 1 aus 5500 Personen, Stamm 2 aus 3000
Personen und Stamm 3 aus 4800 Personen. Stamm 1 wächst mit einer effektiven Wachstumsrate von 2%, Stamm 2 mit
einer solchen von 3% und Stamm 3 mit einer solchen von 4%. In wievielen Jahren wird die Insel mit 20000 Personen
bevölkert sein?
3.1.1 Gleichungen
2 Beispiel: Die Population einer Insel besteht aus zwei Stämmen. Zum Zeitpunkt t = 0 umfasst der erste
Stamm 5000 Individuen, der zweite Stamm dagegen nur 3800 Individuen. Der erst Stamm wächst exponen-
tiell mit jährlicher effektiver Zuwachsrate von 5%, der zweite mit einer jährlichen effektiven Zuwachsrate
von 7%. Wann hat die Insel 15000 Bewohner?
3 Lösung:
1) Aufstellen der zugehörigen Gleichung.
Bezeichne t den Zeitpunkt in Jahren, so ist die Bevölkerung zum Zeitpunkt t gegeben durch den Term
5000 · 1.05t + 3800 · 1.07t .
!
Die Bestimmungsgleichung für t lautet jetzt: 5000 · 1.05t + 3800 · 1.07t = 15000
4 2) Lösung der Gleichung.
Diese Gleichung lässt sich algebraisch nicht auflösen! Es bedarf eines numerischen Näherungsverfahrens (=
’Solver’).
Taschenrechner TI-84: MATH →MATH ALPHA B : Solver
E1 : 5000 · 1.05T + 3800 · 1.07T
E2 : 15000
OK
T = 0 (Startwert) ALPHA SOLVE liefert T = 9.2995
5 Was sind die zur Lösung einer Gleichung zur Auswahl stehenden Lösungsmethoden?
9 Lösungsmethode 3 Solver
Beispiel: ex = 3x
TI-84: MATH B: Solver
E1 : eX
E2 : 3X
OK
X = −10 (Startwert) ALPHA SOLVE X = 0.6191
Weitere Lösung:
X = 10 (Startwert) ALPHA SOLVE X = 1.5121
10 Alle numerischen Solver haben folgendes prinzipielle Problem: Um alle Lösungen einer Gleichung zu finden,
muss man durch Variation des Startwerts die ganze x-Achse nach Lösungen absuchen.
Am Beispiel:
(Startwert) 7→ Lösung
(−10) 7→ 0.6191; (1) 7→ 0.6191; (10) 7→ 1.5121; (−20) 7→ 0.6191; (20) 7→ 1.5121.
11 Der Solver verwendet das Tangentenverfahren von Newton um ausgehend vom Startwert eine Lösung der
Gleichung zu finden.
Schritt 1 Umschreibung der Gleichung in eine Nullstellengleichung.
ex = 3x | −3x
ex − 3x = 0
Schritt 2 Finden einer Nullstelle der Funktion ex − 3x ausgehend von einem Startwert x.
(1) An der Stelle x wird eine Tangente an die Kurve y = ex − 3x gezeichnet. (2) Die Tangente wird mit
der x-Achse geschnitten. (3) Dies ist der neue x-Wert! Weiter bei (1).
Nach wenigen Durchläufen (bei gutem Startwert ≈ 5 Durchläufe) hat man eine Nullstelle von ex − 3x auf
8 Stellen genau bestimmt.
Abb. 88: Solver ex − 3x = 0 - Tangentenverfahren mit Startwert x = 1 7→ 0.6191 bzw. Startwert x = 1.2 7→ 1.5121
Die beiden ersten Tangenten sind jeweils mit ∗ bezeichnet.
• Methode 3 :
+ Einfachste Methode.
− Bei mehreren Lösungen muss man durch Variation des Startwerts versuchen diese zu finden.
⇒ Ungewissheit ob man alle Lösungen gefunden hat.
• Methode 4 :
+ Intuitiv überzeugende Methode.
− Sieht man im Display den geeigneten Ausschnitt des Graphen?
14 Fazit: Weil für viele Gleichungen Lösung 1 und 2 gar nicht in Frage kommen und bei Lösung 4 das
Bestimmen des richtigen Bildausschnittes oft mühsam ist, wird man häufig bei Methode 3 (Solver) landen!
Praxistauglichkeit: Einen Solver haben sie auch im Berufsalltag zur Verfügung: Die ’Zielwertsuche’ im Excel.
15 Aufgabe: Herr Meier hat sein Kapital in zwei Finanzanlagen angelegt: Per t = 0 hat die Obligationenan-
lage einen Wert von O=120’000.–, die Aktienanlage einen solchen von A=135’000.–. Die angenommene
Jahresrendite der Obligationenanlage betrage i=2% (effektiv), die der Aktienanlage j=6% (effektiv). Diese
Renditen seien als fest vorausgesetzt; nach welcher Zeit hat die Gesamtanlage einen Wert von W=300’000.–.
16 Lösung: Gleichung im Solver eingeben als : E1 : 120000 · 1.02T + 135000 · 1.06T , E2 : 300000; t = 0
ALPHA SOLVE liefert T = 3.9739
17 Hinweis: Auch eine Gleichung mit mehreren Unbestimmten kann in den Solver eingegeben werden. Der
TR legt Eingabefelder für alle vorkommenden Unbestimmten an. Man befüllt alle Eingabefelder mit den
vorgebenen Zahlenwerten für die entsprechenden Variablen. Zum Schluss füllt man den Startwert für die
abhängige Variable (= Variable nach der gelöst werden soll) und drückt ALPHA SOLVE .
Bemerkung: Gelöst wird immer nach der Variable deren Eingabefeld vor dem SOLVE-Befehl selektiert war.
18 Aufgabe: Eine Maschine soll degressiv abgeschrieben werden. Der Einkaufswert (= Buchwert zu Beginn)
beträgt 25’000.–. Pro Jahr soll der Buchwert um 10% abgeschrieben werden. Wann beträgt der Buchwert
noch 5000.–?
19 Lösung: Exponentielles Wachstum/Zerfall: y = a · q t
Taschenrechner TI-84: MATH →MATH ALPHA B : Solver. . .
E1 : Y
E2 : A · QT
OK
Y = 5000
A = 25000
Q = 0.9
T = 5 zum Schluss der Eingabe ALPHA SOLVE ,→ T = 15.28
Nach 15.28 Jahren beträgt der Buchwert noch 5000.–.
20 Aufgabe: Eine Maschine soll degressiv abgeschrieben werden. Der Einkaufswert (= Buchwert zu Beginn)
beträgt 25’000.–. Um wie viele Prozent muss der Buchwert pro Jahr abgeschrieben werden, damit er nach
10 Jahren noch 5000.– beträgt?
21 Lösung: Exponentielles Wachstum/Zerfall: y = a · q t
Taschenrechner TI-84: MATH →MATH ALPHA B : Solver. . .
E1 : Y
E2 : A · QT
OK
Y = 5000
A = 25000
Q = 1 zum Schluss der Eingabe ALPHA SOLVE ,→ Q = 0.851
T = 10
Der Wert muss um r = q − 1 = −0.149 = −14.9% pro Jahr abgeschrieben werden.
3.1.2 Ungleichungen
22 Eine Ungleichung ist ein Ausdruck der Form eines der folgenden fünf Typen
1 Term1 < Term2
2 Term1 ≤ Term2
3 Term1 > Term2
4 Term1 ≥ Term2
5 Term1 6= Term2.
23 Durch Subtraktion von Term2 kann die Ungleichung stets in eine Ungleichung verwandelt werden, auf deren
rechter Seite 0 steht.
1 Term1 − Term2 < 0, also Term < 0
2 Term1 − Term2 ≤ 0, also Term ≤ 0
3 Term1 − Term2 > 0, also Term > 0
4 Term1 − Term2 ≥ 0, also Term ≥ 0
5 Term1 − Term2 6= 0, also Term 6= 0.
Es reicht also aus diese Ungleichungen lösen zu können!
24 Der Term wird üblicherweise von Variablen abhängen. Wir wollen uns auf den Fall beschränken, dass der
Term von einer Variablen x abhängt. Also Term = f (x).
Die Taktik um zum Beispiel die Ungleichung f (x) > 0 zu lösen, besteht dann darin, den Graphen von
y = f (x) zu skizzieren und die Stellen x am Graphen auszumachen, wo der Graph über der x-Achse liegt
(da ja f (x) > 0 gelten soll). Man erkennt dabei, dass die Nullstellen des Graphen als Endpunkte der
Lösungsintervalle auftreten.
25 Beispiel: Gegeben ist die Gewinnfunktion G(x) = −10x3 + 50x2 + 80x − 120. Gesucht ist die Gewinnzone.
Algebraisch ausgedrückt, ist die Ungleichung G(x) > 0 zu lösen.
!
26 Um die Lösungsmenge zu bestimmen, ermittelt man die Nullstellen von G(x) = 0 und zeichnet den Gra-
phen y = G(x). Für Stellen x bei denen der Graph oberhalb der x-Achse liegt, gilt G(x) > 0, für Stellen x
an denen der Graph unterhalb der x-Achse liegt gilt G(x) < 0. Die Intervalle werden durch die Nullstellen
getrennt.
27 Polyroot liefert die Nullstellen −2, 1 und 6. Am Graphen erkennen wir die Lösungsmenge als Vereinigung
von Intervallen ] − ∞, −2[ ∪ ]1, 6[.
Wenn man noch berücksichtigt, dass nur x ≥ 0 als ökonomisch sinnvoll erachtet werden sollen, wird die
Gewinnzone das Intervall ]1, 6[.
Abb. 89: Lösen einer Ungleichung. G(x) < 0, G(x) ≤ 0, G(x) > 0, G(x) ≥ 0 oder G(x) 6= 0
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Finden Sie die Lösung des folgenden linearen Gleichungssystems und geben Sie die Lösungsmenge korrekt an.
3x + 2y = 12 + 4z
y = 2x + 5 .
2z + 1 = x+y
(A3) Was bedeutet es für die Anzahl der Lösungen, wenn am Ende des Gaussverfahrens a) ein Pivot in der Resultatspalte steht?
b) kein Pivot in der Resultatspalte steht und alle Variablen Pivotvariablen sind? c) kein Pivot in der Resultatspalte steht
und es freie Variablen (= Nicht-Pivotvariablen) gibt?
3.2.1 Definition
4 In Kurzschrift:
I x1 +x2 +x3 = 4 ·1 ·4
II 2x1 +x2 −x3 = 8 ·1 Schritt 1
III x1 +3x2 +4x3 = 7 ·(−1)
0
I 3x1 +2x2 = 12 ·1
0 Schritt 2
II 3x1 +x2 = 9 ·(−2)
00
I −3x1 =−6
,→ x1 = 2
0
in I : 6 + 2x2 = 12 ,→ x2 = 3
in I: 2 + 3 + x3 = 4 ,→ x3 = −1
Lösung ist das Trippel (2/3/ − 1)
5 Der Gausssche Algorithmus zur Lösung linearer Gleichungssysteme (kurz Gaussverfahren) ist eine (für
Rechenmaschinen) optimierte Form des Additionsverfahrens zur Lösung von linearen Gleichungssystemen.
Wir wollen das lineare Gleichungssystem
I x1 +x2 +x3 =4
II 2x1 +x2 −x3 =8
III x1 +3x2 +4x3 =7
als Beispiel vor Augen halten.
6 Das Gaussverfahren verringert gegenüber dem Additionsverfahren den Schreibaufwand und gibt die
Auflösungsschritte genau vor.
9 Das Gaussverfahren verwandelt ein lineares Gleichungssystem mittels elementarer Zeilenumformungen in ein
äquivalentes (= gleichwertiges, d.h die Lösungsmenge bleibt dieselbe), aber einfacheres Gleichungssystem!
Es gibt die folgenden drei elementaren Zeilenumformungen.
∗10∗ i Die Lösungsmenge ändert sich nicht, wenn Sie eine Gleichung des Systems beidseitig mit einer Zahl 6= 0
multiplizieren, oder die Gleichung beidseitig durch eine Zahl 6= 0 dividieren.
0
Am Beispiel könnte man die Gleichung III x1 + 3x2 + 4x3 = 7 durch ihr Doppeltes III 2x1 + 6x2 + 8x3 = 14
ersetzen, ohne die Lösungsmenge des Gleichungssystems zu ändern.
In Matrizenschreibweise bedeutet das, Sie dürfen eine Zeile mit einer Zahl 6= 0 multiplizieren oder eine
Zeile durch eine Zahl 6= 0 dividieren und ändern dadurch die Lösungsmenge nicht.
∗11∗ ii Die Lösungsmenge ändert sich nicht, wenn Sie zwei Gleichungen des Systems vertauschen.
Am Beispiel könnte man man Gleichung III als zweite Zeile schreiben und Gleichung II als dritte Zeile.
Natürlich ändert dies die Lösungsmenge des Gleichungssystems nicht.
In Matrizenschreibweise bedeutet das, Sie dürfen zwei Zeilen vertauschen und ändern dadurch die Lösungs-
menge nicht.
∗12∗ iii Die Lösungsmenge ändert sich nicht, wenn Sie ein Vielfaches einer Gleichung des Systems zu einer
andern Gleichung des Systems addieren.
Am Beispiel können Sie das (−2)-fache von Gleichung I x1 + x2 + x3 = 4 zu Gleichung II 2x1 + x2 − x3 = 8
0
addieren und die entstehende Gleichung II −x2 − 3x = 0 anstelle von II verwenden. Das Gleichungssystem
0
(I, II , III) hat dieselbe Lösungsmenge wie das ursprüngliche Gleichungssystem (I, II, III).
0 0
Beweis: Sicher ist jede Lösung von I und II auch Lösung von I und II . Da umgekehrt II Summe von II
0
und dem 2-fachen (diesmal ohne Minus!) von I ist, ist jede Lösung von I und II auch Lösung von I und II.
0
Somit sind die Lösungsmengen von I und II bzw. I und II identisch. qed.
In Matrizenschreibweise bedeutet das, Sie dürfen ein Vielfaches einer Zeile zu einer andern Zeile addieren
und ändern dadurch die Lösungsmenge nicht.
∗13∗ Schritt 2 - Reduktion des Gleichungssystems mittels elementarer Zeilenoperationen.
Ausgangspunkt ist die Matrizenform des Gleichungssystems.
Am Beispiel
x1 x2 x3 Res.
I 1 1 1 4
II 2 1 −1 8
III 1 3 4 7
∗14∗ Um den Gauss-Algorithmus verständlich beschreiben zu können, möchte ich den Begriff ’Basiszelle’
einführen. Die Basiszelle bezeichnet ein Feld der Matrix, also im Beispiel eines der 3 × 4 Zahlenfelder.
Sie wird durch ihre beiden Koordinaten (Zeile, Spalte) beschrieben. Die Spaltennummer der Basiszelle be-
zeichne ich als Basisspaltennummer, die Zeilennummer der Basiszelle als Basiszeilennummer. Die Basiszeile
ist der Zeilenvektor (alle Einträge der Zeile) zu dem die Basiszelle gehört. Die Basisspalte ist der Spal-
tenvektor (alle Einträge der Spalte) zu dem die Basiszelle gehört. Die Basiszelle wird gemäss nachfolgend
definiertem Algorithmus (= Rechenanleitung) durch die Matrix wandern.
Jeder Programmpunkt ( P1 bis P8 ) enthält eine Anweisung oder eine Verzweigung und in jedem Fall
einen Sprungverweis ( ,→ ) bei welchem Programmpunkt es weitergeht.
Am besten springen Sie direkt zu Punkt 17 und sehen sich die Wirkung des Gauss-Algorithmus auf unser
Beispiel-System an. Punkt 15 und 16 beschreiben formal korrekt die Umsetzung in einem Programm.
Bemerkung: Da der Computer Englisch spricht, ist die Anleitung an einen Computer in ’Du’-Form
aufgesetzt.
∗17∗ Der Gauss-Algorithmus soll nun an unserem Beispiel explizit nachvollzogen werden. Schritt 1 (Umschreiben
in Matrizenform) ist bereits erledigt worden.
∗18∗
x1 x2 x3 Res.
I
1 1 1 4
II 2 1 −1 8
III 1 3 4 7
P1 Start-Basiszelle ist (1, 1) ,→ P2 Das Pivotelement der [Link] steht in Zeile 2 ,→ P3 ,→ P4
vertausche Zeilen 1 und 2 ,→
∗19∗
I
2 1 −1 8
II 1 1 1 4
III 1 3 4 7
0
P5 Normierung der Basiszeile: Die Basiszeile wird durch den Pivot dividiert I := I : 2 ,→
∗20∗
I
1 0.5 −0.5 4
II 1 1 1 4
III 1 3 4 7
0 0
P6 Der Pivot löscht die übrigen Einträge in Spalte 1: II := II − 1 · I, III := III − 1 · I ,→
∗21∗
I
1 0.5 −0.5 4
II 0 0.5 1.5 0
III 0 2.5 4.5 3
P7 Neue Basiszelle ist (2, 2) ,→ P8 ,→ P2 Der Pivot der [Link] steht in Zeile 3 ,→ P3 ,→ P4
vertausche Zeilen 2 und 3 ,→
∗22∗
I
1 0.5 −0.5 4
II 0 2.5 4.5 3
III 0 0.5 1.5 0
0
P5 Normierung der Basiszeile: Die Basiszeile wird durch den Pivot dividiert II := II : 2.5 ,→
∗23∗
I
1 0.5 −0.5 4
II 0 1 1.8 1.2
III 0 0.5 1.5 0
0 0
P6 Der Pivot löscht die übrigen Einträge in Spalte 2: I := I − 0.5 · II, III := III − 0.5 · II ,→
∗24∗
I
1 0 −1.4 3.4
II 0 1 1.8 1.2
III 0 0 0.6 −0.6
P7 Neue Basiszelle ist (3, 3) ,→ P8 ,→ P2 ,→ P3 ,→ P4 Keine Vertauschung nötig ,→ P5
0
Normierung der Basiszeile: Die Basiszeile wird durch den Pivot dividiert III := III : 0.6 ,→
∗25∗
I
1 0 −1.4 3.4
II 0 1 1.8 1.2
III 0 0 1 −1
0 0
P6 Der Pivot löscht die übrigen Einträge in Spalte 3: I := I + 1.4 · III, II := II − 1.8 · III ,→
∗26∗
I
1 0 0 2
II 0 1 0 3
III 0 0 1 −1
28 Der Ti-84 kann den Gaussalgorithmus (Funktion rref = ’reduced row echelon form’ = ’reduzierte Zeilen-
form’) auf eine beliebige Matrix anwenden.
2 Geben Sie die erweiterte Koeffizientenmartix [A, b] unter 2ND MATRIX →EDIT 1: A ENTER
ein. Bem: Format 3 × 4
1 1 1 4
2 1 −1 8
1 3 4 7
3
2ND MATRIX →MATH ALPHA B: rref 2ND MATRIX →NAMES 1: A ) ENTER führt
die Matrix A via elementare Zeilenoperation in die Matrix eines äquivalenten Gleichungssystems über.
1 0 0 2
0 1 0 3
0 0 1 −1
4 Wenn Sie das jetzt wieder als Gleichungssystem schreiben, so können Sie die Lösung ablesen!
x1 = 2
x2 = 3
x3 =−1
29 Zusammenfassend: Vorgehen zum Lösen eines linearen Gleichungssystems
1 Durch beidseitige Addition und Subtraktion von Termen muss die Gleichung in Matrizenform gebracht
werden: Alle Variablen links vom Gleichheitszeichen, gleiche Variable untereinander, Konstante rechts.
2 Erweiterte Koeffizientenmatrix in den Taschenrechner eingeben.
3 System via Lineare Zeilenoperationen (rref) vereinfachen.
4 Rückverwandeln in ein Gleichungssystem und Ablesen der Lösungen.
30 Auf dem Ti-84 gibt es eine App, welche die Abfolge der Befehlsaufrufe für die Eingabe der erweiterten
Koeffizientenmatrix und die Durchführung des Gaussverfahrens etwas erleichtert. Nachfolgend die nötigen
Informationen.
APPS 8: PlySmlt2 ENTER 2: Simultaneous Eqn Solver
Equations 3
Unknowns 3
Erweiterte Koeffizientenmatrix eingeben.
SOLVE
∗31∗ Das Vorgehen ist in jedem Fall wie unter Punkt 29 angegeben. Unterschiede gibt es erst beim Punkt 4
Rückverwandeln in ein Gleichungssystem und Ablesen der Lösungen.
∗32∗ Die führenden Einser jeder Zeile heissen Pivots (grau markiert). Die Variablen mit einem Pivot in ihrer Spalte
heissen Pivotvariable. Variable die keinen Pivot in ihrer Spalte haben heissen freie Variable (dunkelgrau
markiert).
∗33∗ Die im Folgenden dargestellten Fälle 1 - 3 sind jeweils die Endprodukte des Gaussverfahrens bei unter-
schiedlichen Ausgangssystemen. Sie zeigen exemplarisch alle möglichen Fälle!
∗34∗ Fall 1 Genau eine Lösung - alle Variablen sind Pivotvariable und in der Resultatspalte steht kein Pivot.
x1 x2 x3 Res.
1 0 0 2
0 1 0 3
0 0 1 −1
Die Werte der Pivotvariablen können direkt abgelesen werden. x1 = 2, x2 = 3, x3 = −1
∗35∗ Fall 2 Keine Lösung - in der Resultatspalte steht ein Pivot.
x1 x2 x3 Res.
1 0 4 0
0 1 −2 0
0 0 0 1
Die Rückübersetzung liefert (in der letzten Zeile) die unlösbare Gleichung 0 = 1. Das Gleichungssystem
hat keine Lösung.
∗36∗ Fall 3 Unendlich viele Lösungen - es gibt freie Variablen und in der Resultatspalte steht kein Pivot.
x1 x2 x3 Res.
1 0 4 2
0 1 −2 3
0 0 0 0
Die freien Variablen hier x3 können beliebig in IR gewählt werden. Man bezeichnet eine frei wählbare
Grösse als Parameter und bezeichnet diese üblicherweise mit t bzw. t1 , t2 usw. wenn es mehrere frei
wählbare Grössen gibt.
Wir setzen in unserem Beispiel also x3 = t.
Die Gleichungen mit Pivotvariablen lassen sich jetzt rückübersetzen und nach den Pivotvariablen auflösen:
Zeile 1: x1 + 4 · t = 2 ,→ x1 = 2 − 4 · t
Zeile 2: x2 − 2 · t = 3 ,→ x2 = 3 + 2 · t
Als Lösung ergibt sich so:
x1 = 2 − 4t
x2 = 3 + 2t
x3 = t
mit frei wählbarem t ∈ IR
Zum Beispiel ist also (t = 0) ⇒ (x1 = 2, x2 = 3, x3 = 0) eine Lösung, aber auch (t = −5) ⇒ (x1 =
22, x2 = −7, x3 = −5).
∗37∗ Mit der App Apps 8: PlySmlt2 Enter 2: Simultaneos Eqn Solver des Ti-84 ergeben sich in den drei
möglichen Fällen folgende Outputs.
Fall 1 genau eine Lösung.
x1 = 2
x2 = 3
x3 = −1
45 Aufgabe: Sie wollen eine Kostenfunktion für die generierten Gesamtkosten K eines Produktionsprozesses in
Abhängigkeit von der produzierten Stückmenge x erstellen. Bekannt sind die Fixkosten (Produktion x = 0
ME) von 1000 GE. Bei einer Produktion von x = 10 ME betragen die Kosten K = 1069 GE. Bei einer
Produktion von x = 50 ME betragen die Kosten K = 1225 GE. Bei einer Produktion von x = 100 ME
betragen die Kosten K = 1600 GE.
49 Einsetzen der vier Punkte führt auf 4 Gleichungen für die 4 Unbestimmten a3 bis a0
! !
50 K(0) = 1000 → 0a3 + 0a2 + 0a1 + a0 = 1000
! !
K(10) = 1069 → 1000a3 + 100a2 + 10a1 + a0 = 1069
! !
K(50) = 1225 → 125000a3 + 2500a2 + 50a1 + a0 = 1225
! !
K(100) = 1600 → 1000000a3 + 10000a2 + 100a1 + a0 = 1600
51 Koeffizientenmatrix: ([Link] a3 , [Link] a2 , [Link] a1 , [Link] a0 , [Link] Konstante)
0 0 0 1 1000
1000 100 10 1 1069
125000 2500 50 1 1225
1000000 10000 100 1 1600
52 Gaussverfahren rref bzw.
App Smlt liefert
1 0 0 1 0.001
0 1 0 0 −0.12
0 0 1 0 8
0 0 0 1 1000
,→ a3 = 0.001, a2 = −0.12, a1 = 8, a0 = 1000.
4 Zahlenfolgen
Lernziele
• Sie können erklären, was man unter einer Zahlenfolge versteht.
• Sie können erklären, was eine rekursive und eine explizite Darstellung einer Zahlenfolge ist.
• Sie können den Begriff Grenzwert einer Zahlenfolge erklären und die Limesschreibweise für Zahlenfolgen
korrekt verwenden.
• Sie erkennen arithmetische und geometrische Folgen und können für diese die rekursive und explizite
Darstellung angeben.
• Sie kennen die arithmetische und die geometrische Summenformel und können diese verwenden.
• Sie wissen wann eine unendliche geometrische Folge konvergiert und können ihre Summe berechnen.
• Eine Zeitreihe (von Daten) ist ein ökonomisches Beispiel einer Zahlenfolge.
• Arithmetische und geometrische Folgen finden Anwendung bei Zins-, Abschreibung- und Tilgungsrechnung;
also bei wichtigen Grundaufgaben der Betriebswirtschaft.
• Die Summenformel der geometrische Folge erlaubt es den Barwert einer Rentenserie (=Folge gleich hoher
Zahlungen in immer gleichem Abstand) zu berechnen.
Aufgaben aus WM1 [Link] mit zugehörigen Resultaten aus WM1 [Link].
Versuchen Sie es zunächst selbst, das heisst ohne WM1 [Link]. So haben Sie den grösseren Lerneffekt.
Folgen 5 - 1 2 3 4 9 (10)
Arithmetische Folgen 5- 6 8
Geometrische Folgen 5- 5 7
Grenzwert 5 - 11
Unendliche geometrische Reihe 5 - 12
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Geben Sie das rekursive und das explizite Bildungsgesetz der folgenden Zahlenfolgen an:
a : 3, 5, 7, 9, 11, . . .
b : 5, 10, 20, 40, 80, . . .
(A2) Bilden Sie jeweils die Summe der ersten 10 Folgenglieder der Zahlenfolgen unter (A1).
2+3n2
(A3) Bestimmen sie den Grenzwert lim n 2 −6n
n→∞
(A4) Bestimmen Sie den Wert der unendlichen geometrischen Reihe 2 + 0.5 + 0.125 + . . .
4.1 Definitionen
n 1 2 3
d(n) 2 5 8
n 1 2 3 ...
a(n) 2 5 8 . . .
8 10
Die Folge p(n) := 10 + n
ist ein Beispiel einer streng monoton fallenden Zahlenfolge mit Grenzwert 10.
Das heisst die Folgenglieder nähern sich mit gegen Unendlich gehendem n immer mehr dem Wert 10. Siehe
dazu % Kapitel 4.2.
Abb. 93: Graph der Zahlenfolge p(n). Die Folge ist streng
monoton fallend mit Grenzwert 10.
9 Eine explizite Definition einer Folge ist eine Formel, die erklärt, wie man aus der Nummer des Folgengliedes
n den Wert des Folgengliedes a(n) berechnet.
Unsere Beispiele:
a(n) = 2 + 3(n − 1)
b(n) = 3 · 2n−1
c(n) = n2
d(n) = 2 + 3(n − 1) für n ≤ 3
10 Probieren wir das gleich aus. Es soll das Folgenglied Nummero 1000 für die Folge a berechnet werden:
a(1000) = 2 + 3 · (1000 − 1) = 2 + 3 · 999 = 2999.
Bemerkung: Unsere Kenntnisse über den Umgang und die Schreibweise von Funktionen werden hier ver-
wendet.
11 Statt a(n) bzw. b(n) bzw. p(n) usw. benutzt man häufig die Indexschreibweise an bzw. bn bzw. pn usw.
16 • Die Arithmetischen Folgen: Die Folgenglieder wachsen/fallen immer additiv um den gleichen Betrag d.
Beispiel ist unsere Folge a: 2, 5, 8, 11, 14 . . .. Die Folgenglieder wachsen immer additiv um den Summanden
d = +3.
17 • Die Geometrischen Folgen: Die Folgenglieder wachsen/fallen immer multiplikativ um den gleichen Faktor
q. Beispiel ist unsere Folge b: 3, 6, 12, 24, 48 . . .. Die Folgenglieder wachsen immer multiplikativ um den
Faktor q = 2.
18 Weit über Ihre Bedeutung hinaus hat die Fibonaccifolge an Bekanntheit erlangt.
Es handelt sich um folgende vom Mathematiker Leonardo von Pisa (genannt Fibonacci, ∼1170 bis ∼1240)
aufgestellte Zahlenfolge, die immer wieder in mystischen Romanen und Filmen auftaucht:
1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34 . . .
19 Dabei ergibt sich jedes Folgenglied ab Nummero 3 als Summe der beiden vorangehenden Folgenglieder.
Die Rekursion greift also nicht nur auf den unmittelbaren Vorgänger, sondern auf die beiden Vorgänger zu.
20 Man braucht als Verankerung demzufolge auch zwei Folgenglieder: a1 = 1, a2 = 1. Die Rekursion ergibt
sich als a(n + 1) = a(n) + a(n − 1).
∗6∗ Beispiele
a(n) = n bestimmt divergent lim n = ∞
n→∞
√ √
b(n) = −2 · n bestimmt divergent lim −2 · n = −∞
n→∞
2
c(n) = n
konvergent lim 2 =0
n→∞ n
2+3n 2+3n
d(n) = n
konvergent lim n
=3
n→∞
e(n) = e 4−2n konvergent lim e4−2n = 0
n→∞
f (n) = (−1)n divergent lim (−1)n existiert nicht
n→∞
g(n) = (−n)n divergent lim (−n)n existiert nicht
n→∞
∗7∗ Aus zwei gegebenen Folgen a : 2, 5, 8, 11, . . . und b : 3, 6, 12, 24, . . . kann man (formal) neue Folgen bilden,
indem man die entsprechende Operation elementweise ausführt (Vergleiche Listenoperationen auf dem
Taschenrechner).
• Summe a + b : 5, 11, 20, 35, . . .
Hinweis: a + b : 2 + 3 = 5, 5 + 6 = 11, 8 + 12 = 20, 11 + 24 = 35, . . .
• Differenz a − b : −1, −1, −4, −13, . . .
Hinweis: a − b : 2 − 3 = −1, 5 − 6 = −1, 8 − 12 = −4, 11 − 24 = −13, . . .
• Linearkombination 2a + 3b : 13, 28, 52, 94, . . .
Hinweis: 2a + 3b : 2 · 2 + 3 · 3 = 13, 2 · 5 + 3 · 6 = 28, 2 · 8 + 3 · 12 = 52, 2 · 11 + 3 · 24 = 94, . . .
• Produkt a · b : 6, 30, 96, 264, . . .
Hinweis: a · b : 2 · 3 = 6, 5 · 6 = 30, 8 · 12 = 96, 11 · 24 = 264, . . .
• Quotient a/b : 32 , 56 , 23 , 24
11
,...
Hinweis: a/b : 2/3 = 32 , 5/6 = 56 , 8/12 = 23 , 11/24 = 11
24 , . . .
√ √ √ √ √
• Verkettung a : 2, 5, 8, 11, . . .
∗8∗ Konvergieren die beiden Folgen a(n) und b(n), so lassen sich daraus Rückschlüsse auf die Konvergenz von
aus a(n) und b(n) zusammengesetzten Folgen ziehen.
∗9∗ Die Aussagen der nachfolgenden Punkte 10 (Grenzwertsatz) und 16 (Potenzfolgen) und 18 (Exponential-
folgen) erlauben es, für viele Zahlenfolgen den Grenzwert zu bestimmen.
∗10∗ Es gilt der Grenzwertsatz
Gegeben sind die beiden konvergenten Folgen a(n) und b(n) mit Grenzwerten α und β.
Dann sind die zusammengesetzten Folgen
1a a(n) + b(n) konvergent mit Grenzwert α + β
1b a(n) − b(n) konvergent mit Grenzwert α − β
1c Sind c und d Konstanten, dann ist c · a(n) + d · b(n) konvergent mit Grenzwert c · α + d · β
2 a(n) · b(n) konvergent mit Grenzwert α · β
a(n) α
3 falls β 6= 0 dann konvergiert b(n)
mit Grenzwert β
4 Ist die Funktion f (x) stetig an der Stelle x = α, so ist die Folge f (a(n)) konvergent mit G’wert f (α).
∗11∗ Beispiele
Die Folge a(n) = 1.5−n konvergiert für n → ∞ gegen 0.
Die Folge b(n) = 3 konvergiert für n → ∞ gegen 3.
Der Grenzwertsatz besagt, die Folge
1a 3 + 1.5−n konvergiert für n → ∞ gegen 3 + 0 = 3
1b 3 − 1.5−n konvergiert für n → ∞ gegen 3 − 0 = 3
1c 3 + 4 · 1.5−n konvergiert für n → ∞ gegen 3 + 4 · 0 = 3
2 3 · 1.5−n konvergiert für n → ∞ gegen 3 · 0 = 0
1.5−n 0
3 3
konvergiert für n → ∞ gegen 3
=0
3 Für 3
1.5−n
ist der Grenzwertsatz nicht anwendbar, da lim 1.5−n = 0 ist. Es ist lim 3
=
n→∞ n→∞ 1.5−n
= lim 3 · 1.5n = ∞ also bestimmt divergent.
n→∞
4 ln(3 + 1.5−n ) konvergiert gegen ln(3 + 0) = ln(3) = 1.0986
∗12∗ Häufig vorkommende Folgen sind Potenzfolgen a(n) = c · ns . Mit konstantem c 6= 0 und s ∈ IR.
Die Ausführungen der folgenden drei Punkte sollen die Aussage in Punkt 16 plausibel machen.
∗13∗ • Für s > 0 und c > 0 wächst die Folge c · ns für n → ∞ über alle Grenzen. Es gilt also lim c · ns = +∞.
n→∞
• Für s > 0 und c < 0 wächst die Folge c · ns für n → ∞ über alle Grenzen ins Negative. Es gilt also
lim c · ns = −∞.
n→∞
• Zusammengefasst geht die Folge c · ns mit s > 0 für immer grösser werdendes n
◦ gegen Unendlich, falls c > 0
◦ gegen minus Unendlich, falls c < 0.
c
∗15∗ Für s < 0 geht Folge c · ns = n−s
(mit −s > 0), wegen des im Nenner stehenden n für n → ∞ gegen Null.
In Kurzschrift also lim c · ns = 0.
n→∞
∗16∗ Die letzten drei Punkte lassen sich in Kurzschrift so zusammenfassen:
a(n) = c · ns mit c 6= 0
Potenzfolgen:
∞ für s > 0 ∧ c > 0
−∞
für s > 0 ∧ c < 0
lim c · ns =
n→∞
c für s = 0
0
für s < 0
∗17∗ Analog zu den Potenzfolgen lassen sich Exponentialfolgen (=geometrische Folgen) definieren durch
a(n) = c · q n mit Konstanten c 6= 0.
• Für q > 1 wächst der Term q n mit wachsendem n gegen Unendlich.
• Für q = 1 ist q n = 1 für alle n und die Folge c · q n also konstant gleich c.
• Für −1 < q < 1 geht der Term q n mit wachsendem n gegen Null.
• Für q ≤ −1 liefert der Term q n abwechselnd positive und negative Werte vom Absolutbetrag grösser gleich
|c|. Die Folge kann nicht konvergieren!
Zusammengefasst ergibt sich somit
∗18∗ Exponentialfolgen: a(n) = c · q n mit c 6= 0
∞ für q > 1 ∧ c > 0
−∞ für q > 1 ∧ c < 0
lim c · qn = c für q = 1
n→∞
0 für − 1 < q < 1
existiert nicht für q ≤ −1
∗19∗ Die Eulersche Zahl e= 2.71828182845 . . . hängt eng mit der Grenzwertdefinition zusammen!
Es gilt lim (1 + nx )n = ex
n→∞
Probieren Sie das mit ihrem Rechner aus!
Beispiel x = 2
2
n (1 + n
)n
10 6.19173642
100 7.24464612
1000 7.37431239
10000 7.38757863
100000 7.38890832
e2 7.38905610
∗20∗ Man könnte versuchen den Grenzwert lim (1 + nx )n via Grenzwertsatz auf Potenz- oder Exponentialfolgen
n→∞
x
x n ln(1+ n )·n
zurückzuführen. Es gilt (1 + n
) =e
x
ln(1 + n) · n ist das Produkt der beiden Terme ln(1 + nx ) und n.
x
ln(1 + n) hat als Grenzwert ln(1 + 0) = 0, aber n ist nicht konvergent, sondern bestimmt divergent gegen
+∞. Deshalb lässt sich der Grenzwert von ln(1+ nx )·n nicht als Produkt der beiden Grenzwerte bestimmen.
Auf anderem Wege stellt sich aber heraus, dass lim ln(1 + nx ) · n = x gilt.
n→∞
x
Damit ergibt sich nach Grenzwertsatz lim (1 + nx )n = lim eln(1+ n )·n = ex .
n→∞ n→∞
∗21∗ Mit Hilfe der Grenzwerte der Potenzfolgen ns lassen sich nun die Grenzwerte von Folgen, die durch eine
gebrochenrationale Funktion gegeben sind, elegant berechnen. Nachfolgend das Vorgehen in 4 Punkten.
1 Sie klammern in Zähler und Nenner jeweils die grösste vorkommende Potenz (nGradZaehler im Zähler
bzw. nGradNenner im Nenner) aus.
n n
Am Beispiel a(n) = n+1
=
n·(1+ 1 )
n
3 Sie beachten dass in den Klammern die Terme mit n im Nenner für wachsendes n → ∞ gegen 0 gehen.
1 1
→ 1+0
=1
(1+ 1
)
n
4 bleibt beim Kürzen unter Punkt 2 ein n im Zähler stehen, so ist die Folge bestimmt divergent; bleibt
ein n im Nenner stehen, so konvergiert die Folge gegen 0 (man nennt dies auch eine Nullfolge); bleibt kein
n stehen, so ist die Folge konvergent der Grenzwert wurde schon unter Punkt 3 ermittelt. Unser Beispiel
fällt in diese letzte Kategorie und liefert folglich: lim a(n) = 1
n→∞
∗22∗ Beispiele
n2 ·( 2
− 1) n·( 2
− 1)
2 n2 n2 n·(−1)
lim 2−n = lim = lim = lim = −∞ also bestimmt divergent.
n→∞ 6n+3 n→∞ n→∞ n→∞ 6
n·(6+ 3
) (6+ 3
)
n n
n·(6+ 3 ) (6+ 3 )
6n+3 n n 6
lim = lim = lim = lim = 0 also konvergent, Nullfolge.
n→∞ 2−n2 n→∞ n→∞ n→∞ n·(−1)
n ·(
2 2
− 1) n·( 2
− 1)
n2 n2
n·( 3 + 2) (3 + 2)
lim 3+2n 2 2
n n
= lim = lim = lim = also konvergent.
n→∞ 3n+2 n→∞ n→∞ n→∞ 3 3
n·(3+ 2
) (3+ 2
)
n n
∗23∗ Nach diesen Beispielen ist es offensichtlich, dass eine gebrochenrationale Folge
• konvergiert, wenn die Grade von Zähler- und Nennerpolynom übereinstimmen.
• gegen Null konvergiert, wenn der Grad des Zählerpolynoms kleiner ist als der Grad des Nennerpolynoms.
• bestimmt divergiert, wenn der Grad des Zählerpolynoms grösser ist als der Grad des Nennerpolynoms.
4 Im Beispiel an ist d = 5 − 2 = 3.
5 Aus dem ersten Folgenglied a1 , der Differenz d und der Anzahl der Folgenglieder ergeben sich die beiden
Formeln:
1 Der explizite Term für das Folgenglied Nummero n: an = a1 + (n − 1) · d
d 2 d
2 Die Summe der ersten n Folgenglieder: sn = n + (a1 − ) · n
2 2
6 Beweis:
1 Der Wert des n-ten Folgengliedes entsteht, indem man zum ersten Folgenglied a1 , (n − 1) mal die
Sprungweite d addiert ⇒ an = a1 + (n − 1) · d qed.
2 Die Summe der ersten n Folgenglieder rechnet sich als das n-fache des ’durchschnittlichen Folgengliedes’
a1 + an a1 + an
⇒ sn = ·n
2 2
Ersetzt man in dieser Formel den Term an gemäss 1 so ergibt sich:
a1 + an a1 + a1 + (n − 1) · d 2a1 + (n − 1) · d 2a1 · n + n(n − 1) · d
sn = ·n= ·n= ·n= =
2 2 2 2
2a1 · n + n2 · d − n · d d d d d
= = a1 · n + n2 · − n · = · n2 + (a1 − ) · n qed.
2 2 2 2 2
7 Aufgabe: Herr Müller ist gestern 100 Jahre alt geworden. Seit seinem 5. Geburtstag hatte er jedes Jahr
einen Kuchen mit der korrekten Anzahl Kerzen darauf. Wieviele Kerzen waren es bisher insgesamt!?
8 Die Kerzenzahlen bilden eine Zahlenfolge a(1) = 5, a(2) = 6, . . . , a(n) = 100
Es handelt sich um eine (endliche) arithmetische Folge. Vorgehen: Wir bestimmen a(1), d und n und setzen
dann in die Summenformel ein!
a(1) = 5
d = a(2) − a(1) = 1
Um das n zu bestimmen ist die folgende Taktik zu empfehlen: Aus der Formel a(n) = a(1) + (n − 1) · d
a(n)−a(1) 100−5
ergibt sich n = d
+ 1 , hier also n = 1
+ 1 = 96
12 Die möglichen Aufgabentypen zu den arithmetischen Folgen können algebraisch klar beschrieben werden:
Von den 5 Grössen a1 , d, n, an und sn müssen 3 gegeben sein. Setzen Sie diese in die Gleichungen unter
Punkt 5 ein, so erhalten Sie ein Gleichungssystem aus 2 Gleichungen in zwei Unbestimmten!
Vergleichen Sie dazu die Faustregel in Kapitel 3.2.1 Lineare Gleichungssysteme → Auch für nichtlineare
Gleichungssysteme gilt diese Faustregel: Um n Unbestimmte zu bestimmen, sollten n Gleichungen gegeben
sein.
Beispiel:
a1 = 5
d
216.5 = · 102 + (5 − d2 ) · 10
d =? 2
216.5 = 50d + 50 − 5d
n = 10 ⇒
166.5 = 45d ,→ d = 3.7
an =?
sn = 216.5 an = 5 + (10 − 1) · d ,→ an = 38.3
3 • Für q > 1 ist die Folge bestimmt divergent gegen +∞, falls a1 > 0 bzw. gegen −∞, falls a1 < 0. Beispiel:
3, 6, 12, 24, . . .
• Für −1 < q < 1 ist die Folge eine Nullfolge (= konvergent gegen 0). Beispiel: 3, −1.5, 0.75, −0.375, . . .
• Für q < −1 ist die Folge divergent. Beispiel: 3, −6, 12, −24, . . .
4 q steht für Quotient.
a2
q lässt sich aus den ersten beiden Folgengliedern berechnen: q =
a1
v
u
ua
t n
n−m
q lässt sich aus zwei beliebigen Folgengliedern berechnen: q =
am
5 Im Beispiel an ist q = 2.
6 Aus dem ersten Folgenglied a1 , dem Quotient q und der Anzahl der Folgenglieder ergeben sich die beiden
Formeln:
1 Der explizite Term für das Folgenglied Nummer n lautet: an = a1 · q n−1
qn − 1
2 Die Summe der ersten n Folgenglieder ergibt sich zu sn = a1 ·
q−1
Bemerkung: Die Formel 2 gilt nur für q 6= 1. Im Fall q = 1 ist die Folge konstant und es gilt sn = a1 · n.
7 Beweis:
1 Der Wert des n-ten Folgengliedes entsteht, indem man auf das erste Folgenglied a1 , n − 1 mal den
Faktor q multipliziert:
an = a1 · q n−1 qed.
2 Die Summe der ersten n Folgenglieder erhält man über folgenden Trick: Multipliziert man die Summe
sn = a1 + a2 + . . . an mit q, so wird aus jedem Summanden der folgende Summand (also a1 · q = a2 ,
a2 · q = a3 usw.). Subtrahiert man anschliessend q · sn − sn , so fallen alle Terme bis auf zwei weg!
sn = a1 + a2 + a3 + . . . + an | −
q · sn = a2 + a3 + . . . + an + q · an | +
q · sn − sn = −a1 + / + / + ... + / + q · an
Somit sn · (q − 1) = q · an − a1 .
Ersetzt man an gemäss 1 , so ergibt sich:
sn · (q − 1) = q · an − a1 = q · a1 · q n−1 − a1 = a1 · q n − a1 = a1 · (q n − 1)
qn − 1
Nach Division durch (q − 1) ⇒ sn = a1 · qed.
q−1
8 Aufgabe: Bestimmen Sie für die Folge a : 5, 10, 20, 40, 80, . . .
a1 , q und für n = 20 die Werte an und sn
10 220 − 1
9 Lösung: a1 = 5, q = = 2, a20 = 5 · 220−1 = 20 6210 440, s20 = 5 · = 50 2420 875
5 2−1
10 Bemerkung: Mit Ihrem Taschenrechner können Sie s20 auch als
20
X X
(5 · 2n−1 ) berechnen! ( via MATH 0)
n=1
Hierzu brauchen Sie die explizite Form des Folgengliedes a(n) = 5 · 2n−1 .
11 Die möglichen Aufgabentypen zu den geometischen Folgen können algebraisch klar beschrieben werden:
Von den 5 Grössen a1 , q, n, an und sn müssen 3 gegeben sein. Setzen Sie diese in die Gleichungen unter
Punkt 6 ein, so erhalten Sie ein Gleichungssystem aus 2 Gleichungen in zwei Unbestimmten!
Vergleichen Sie dazu die Faustregel in Kapitel 3.2.1 Lineare Gleichungssysteme → Auch für nichtlineare
Gleichungssysteme gilt diese Faustregel: Um n Unbestimmte zu bestimmen, sollten n Gleichungen gegeben
sein.
Beispiel:
a1 = 5
q =?
q 10 −1
n = 10 ⇒ 5· q−1
= 79.687; Solve for ,→ q = 1.1000
an =? 5· q 9 = an ,→ an = 11.790
sn = 79.687
12 Eine unendliche geometrische Folge mit −1 < q < 1 (äquivalent dazu |q| < 1) ist eine Nullfolge.
qn a1 a1
Beweis: lim a1 · q n−1 = lim a1 · q
= lim · qn = · 0 = 0.
n→∞ n→∞ n→∞ q q
13 Für eine unendliche geometrische Folge mit |q| < 1 hat die Summe über alle unendlich vielen Folgenglieder
einen endlichen Wert!
Für |q| ≥ 1 werden die Folgenglieder betraglich immer ≥ |a1 |. Die Summe kann nicht konvergieren.
5 Finanzmathematik
Lernziele
• Sie kennen den Unterschied zwischen effektiven, nominellen und stetigen Zinsen und können zu diesen
jeweils den Aufzinsfaktor q berechnen.
• Sie können auf beliebige Zeitpunkte mit der exponentiellen Methode auf- und abzinsen. Sie gehen spielend
mit diesen Möglichkeiten um.
• Sie können Zeitwerte von regelmässigen Zahlungsströmen (Renten) mit der Rentenformel berechnen. Auch
bei Komplikationen wie nicht-jährliche Zahlungen oder ewiger Dauer.
• Sie können die Begriffe Barwert, Endwert, vorschüssig, nachschüssig erklären und korrekt auf der Zeitachse
umsetzen.
• Mit dem hier dargestellten Barwertkonzept (mit dem Bewertungszinssatz auf- bzw. abzinsen auf denselben
Zeitpunkt) können komplexe Finanzgeschäfte schlüssig bewertet werden.
• Die Fähigkeit beliebig komplizierte Cashflows zu bewerten, belegt im betrieblichen Alltag Ihre Kenntinis
der Materie und damit Ihre Hochschulbildung.
Aufgaben aus WM1 [Link] mit zugehörigen Resultaten aus WM1 [Link].
Versuchen Sie es zunächst selbst, das heisst ohne WM1 [Link]. So haben Sie den grösseren Lerneffekt.
Zinsen 6- 1
Exponentielle Verzinsung 6 - 2 3 4 6 7 11 12
Barwert/Endwert/Zeitwert 6 - 8 9 13 15 16 17 25 32 (33) 34 35 36 43 44 52
Äquivalenzprinzip 6 - 10 14 18 19 20 21 22 23 24 26 27 28 29 30 31
6 - 37 38 39 40 42 45 49 50 51
Exponentieller Zerfall 6 - 41
Variable Zinssätze 6 - 5 46
Ewige Rente 6 - 47 48
5.1 Zinsen
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Auf ein Kapital von 100’000 CHF erhalten sie während 3 Monaten Zinsen in der Höhe p = 1.2% p.a. Wieviel Zins erhalten
Sie für die 3 Monate?
(A2) Auf ein Kapital von 100’000 CHF erhalten sie während 20 Jahren Zinsen der Höhe p = 1.2% p.a..
Linearer Zins: Wie hoch ist das Endkapital bei linearer Rechnung (Zinsträger bleibt durch die ganze Laufzeit das Kapital
100’000).
Effektiver Zins: Wie hoch ist das Endkapital wenn die Zinses jeweils per Jahresende zum Kapital geschlagen und fürs
nächste Jahr mitverzinst werden.
Stetiger Zins: Wie hoch ist das Endkapital bei stetiger Verzinsung d.h. die Zinsen werden laufend zum Kapital geschlagen
und mitverzinst.
(A3) Wie hängt die zentrale Grösse ”Aufzinsfaktor” q zusammen mit dem effektiven Zinssatz p, dem nominellen Zinssatz pm ,
dem stetigen Zinssatz r?
(A4) Welches sind die Namen und numerischen Werte der mathematischen Konstanten e und π?
5.1.1 Einführung
2 Die Bank leiht das Geld vom Kunden aus (Konto, Kassenobligation), oder die Bank verleiht Geld an den
Kunden (Darlehen, Hypothek).
3 Die geschuldete Gebühr Z (Zinswert) hängt ab vom verliehenen Kapital K0 , vom Zinsfuss = Zinssatz i
(= Interest), z.B. i = 0.015 = 1.5% p.a. (= per annum = pro Jahr) und der Leihdauer t in Jahren.
Gemäss der Formel Z = K0 · i · t
Bemerkung: Gleichwertig ist die Formel für den Marchzins aus der Sekundarschule:
P [Prozent] T [Tage] K·P ·T
Zt = K · 100
· 360
= 36000
.
7 Hierbei erhöht sich der Zinsträger (K0 ) während der Laufzeit nicht. Das heisst in gleichen Zeiträumen t
fällt immer gleich viel Zins K0 · i · t an.
8 Man bezeichnet das Wachstum von K(t) = K0 · (1 + i · t) als lineares Wachstum. Der Graph ist eine
Gerade. Sehen Sie dazu die nachfolgende Grafik.
9 Grafik (i = 5%)
Abb. 94: Werteverlauf bei linearem Zins. Die Kurve steigt Jahr für Jahr um K0 · i an.
10 Algebraischer Nachweis dafür, dass es sich beim linearen Wachstum um eine lineare Funktion handelt:
K(t) = K0 · (1 + i · t) = K0 + K0 · i · t = K 0 + K0 · i ·t
|{z} | {z }
y-Achsenabschnitt Steigung
5.1.3 Zinseszins
11 Schlägt man jeweils per Jahresende die anfallenden Zinsen zum Kapital (= Konversion der Zinsen per
Jahresende), erhöht also den Zinsträger jährlich um die anfallenden Zinsen, so ergibt sich eine Schuld nach
t Jahren von K0 · (1 + i)t [ZZ]
12 Beweis
Die Gleichung K + i · K = K · (1 + i) erlaubt die Kapitalentwicklung auf 2 Arten darzustellen:
13 Da hierbei die Zinsen aus früheren Jahren auch Zinsen tragen, spricht man von der Formel mit Zinseszins
(ZZ).
14 Der Faktor q = 1 + i heisst (jährlicher) Aufzinsfaktor. Mit diesem schreibt sich das Kapital nach t Jahren
als Kt = K0 · q t . Es handelt sich hierbei also um exponentielles Wachstum (q = 1 + i > 1)!
Abb. 96: Werteverlauf bei linearem und exponentiellem Zins. Beide Kurven gehen durch die Punkte (0/1000) und (1/1050)
Die lineare Funktion ist ungekrümmt, die Exponentialfunktion ist linksgekrümmt (konvex).
Im Intervall 0 < t < 1 liegt die exponentiellen Kurve knapp unterhalb der linearen, ab t > 1 liegt die exponentielle Kurve mehr
und mehr über der linearen.
18 Beispiel: Nehmen Sie an, die Bank zahlt Ihnen auf Ihr Guthaben von 1000 Franken vierteljährlich
nachschüssig 3% Zins aus.
Im Jahr erhalten sie dann nominell i = 4 · 3% = 12% Zins. Das sind 120 Franken.
19 Man spricht dann von einem Zinssatz i nominell vierteljährlich (nachschüssig) von 12%.
20 Legen Sie den pro Quartal erhaltenen Zins jeweils sofort wieder direkt bei der Bank zu gleichen Konditionen
an, so ergibt sich als Wert Ihres Guthabens am Ende des Jahres
1000 · (1 + 0.12
4
)4 = 1000 · (1 + 0.03)4 = 1125.51.
Als Auszinsfaktor für ein ganzes Jahr ergibt sich somit q = (1 + 0.12
4
)4 = (1 + 0.03)4 = 1.12550881.
21 Aus einem nominellen Zins von i, m-fach-jährlich berechnet sich der jährlichen Aufzinsfaktor also zu
i m
q = (1 + m
) .
22 Bei festem i gilt: Je grösser das m gewählt wird, desto grösser wird auch der jährliche Aufzinsfaktor q.
Der jährliche Aufzinsfaktor q ist eine streng monoton wachsende Funktion von m. Was passiert für immer
i m
weiter wachsendes m? Was also ist lim (1 + m
) ?
m→∞
i m
Es ergibt sich lim (1 + m
) = ei . Mit e = 2.718281828, der Eulerschen Zahl. Die nachfolgende Tabelle
m→∞
illustriert das im Fall i = 12% = 0.12
0.12 m
m (1 + m
)
1 1.12
2 1.1236
4 1.12550881
12 1.12682503013197
100 1.12741573960922
1000 1.12748873428055
10000 1.12749603978716
100000 1.12749677040159
e0.12 = 1.12749685157938
23 Was passiert unterjährig, wenn wir wie im vorhergehenden Beispiel 12% pro Jahr als Zinsen ausbezahlen,
diese aber kontinuierlich zum Kapital geschlagen werden? Wie verläuft dann K(t)?
24 Infolge Zinseszinswirkung biegt sich die Kurve kontinuierlich von der Kurve mit linearem Zins
K(t) = K0 · (1 + 0.12 · t) weg.
25 Es ergibt sich eine Exponentialfunktion K(t) = K(0) · q t mit Wachstumsfaktor q = e0.12 = 1.127497.
26 Man spricht von einem Zinssatz i-stetig von 12% oder auch von einer Zinsintensität von 12%.
28 Sehr nützlich ist das folgende Diagramm mit q als Zentrum. Es erlaubt die verschiedenen Zinssätze in
einander umzurechnen.
Merken Sie sich: der Aufzinsfaktor q ist die entscheidende Grösse und die Formel K(t) = K(0) · q t die
universelle Formel für die Kapitalentwicklung.
Abb. 98: Hin- und Herpfeil sind jeweils Umkehrfunktionen voneinander. Die Umrechnung der verschiedenen Zinssätze
ineinander läuft jeweils über den Aufzinsfaktor q. Der Aufzinsfaktor q wird so zur zentralen Grösse!
29 Eine Zinsintensität von i = 5% bedeutet, dass das Kapital K(t) in einem kurzen Zeitraum dt um
dK = i · dt · K(t) anwächst.
Die kleinen Differenzen dt und dK bezeichnet man als Differentiale.
Die Gleichung dK = i · dt · K ist eine Differentialgleichung.
Als Lösung dieser Differentialgleichung ergibt sich mit Methoden der Infinitesimalrechnung (Wirtschafts-
mathematik 2) K(t) = K(0) · ei·t .
Dabei ist e = 2.71828 . . . die Eulersche Zahl.
30 Folgerung: Bei stetiger Verzinsung unterliegt K(t) einem exponentiellem Wachstum mit q = ei .
Beweis: K(t) = K(0) · ei·t = K(0) · (ei )t = K(0) · q t - also exponentielles Wachstum mit q = ei . qed.
31 Aufgabe
Welchen Wert hat ein Kapital von 20 0000 000.− nach 3 Jahren, welches folgender Verzinsung unterliegt
a) effektiver Zinssatz von 5% pro Jahr.
b) nomineller jährlicher Zinssatz von 5%, monatlich konvertiert.
c) stetiger Zinssatz von 5% pro Jahr.
32 Lösung
In jedem Fall wird das q gemäss Abb. 105 berechnet und dann die Formel K(t) = K(0) · q t angewendet!
a) q = 1 + i = 1 + 0.05 = 1.05; K(3) = 20 0000 000 · q 3 = 20 3150 250.−
b) q = (1 + m
) = (1 + 0.05
i m
12
)12 = 1.051161898 (STO Q); K(3) = 20 0000 000 · q 3 = 20 3220 944.46
c) q = ei = e0.05 = 1.051271096 (STO Q); K(3) = 20 0000 000 · q 3 = 20 3230 668.49
34 Nehmen wir an, wir haben am 14.2.2008 10000.– auf einem Konto angelegt, welches uns unveränderlich
2% Zinsen pro Jahr einbrachte.
Wie hoch war der Kontostand am 28.8.2016? Wieviel davon sind Zinsen?
35 Als erstes müssen wir den Zeitraum ausmessen!
Es ist üblich das Jahr zu 360 Tagen zu rechnen und jeden der 12 Monate zu 30 Tagen.
]14.02.2008,31.12.2008] ,→ (30 − 14) + 30 · (12 − 2) = 316 Tage = 316 360 Jahre
[01.01.2009,31.12.2015] ,→ (15 − 8) = 7 Jahre
238
[01.01.2016,28.08.2016] ,→ 30 · 7 + 28 = 238 Tage = 360 Jahre
P 194
]14.02.2008,28.08.2016] ,→ =8+ 360 Jahre
Der mathematisch einwandfreie Weg wäre der Weg über das exponentielle Wachstum mit q = 1.02.
316 238 316 238 194
Das ergibt 10000 · 1.02 360 · 1.027 · 1.02 360 = 10000 · 1.02 360 +7+ 360 = 10000 · 1.028+ 360 = 11842.30, davon
sind 11842.30 − 10000 = 1842.30 Zinsen.
Bemerkung: Sie sehen auf dem exponentiellen Weg brauchen Sie die Jahreswechsel nicht gesondert zu
beachten, Sie können einfach über den ganzen Zeitraum ]14.02.2008,28.08.2016] also 8 Jahre und 194
Tage in einem Wisch aufzinsen!
36 Mit unserem Konto passiert aber etwas anderes, dies bezeichnet man als gemischte Verzinsung. Der Zins
wird erst beim Jahreswechsel oder bei Auflösung des Kontos zum Kapital geschlagen, das bewirkt eine
Mischform - unterjährig lineare Rechnung, über die Jahre exponentielle Rechnung.
So ergibt sich in unserem Beispiel:
316 238
10000 · (1 + 0.02 · 360 ) · 1.027 · (1 + 0.02 · 360 ) = 11843.06 - also etwas höher als mit der rein exponen-
tiellen Rechnung. Das liegt daran, dass die beiden linearen Faktoren 1 + 0.02 · t leicht höher sind als die
entsprechenden exponentiellen Faktoren (1 + 0.02)t für t < 1.
Von den 11843.06 sind 11843.06 − 10000 = 1843.06 Zinsen.
Bemerkung: Für diese Rechnung reicht die reine Zeitdauer 8 + 194
360 nicht aus, da die Lage der Jahreswechsel
einen (unschönen) Einfluss hat.
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Bestimmen Sie den Barwert einer Zahlung von 100’000 CHF, fällig in 5 Jahren. Effektiver Zinssatz 2%.
(A2) Bestimmen Sie den Barwert einer Rentenserie von 10’000 CHF jährlich nachschüssig während 10 Jahren. Effektiver Zinssatz
2%.
(A3) Bestimmen Sie den Barwert einer Rentenserie von 10’000 CHF jährlich vorschüssig während 10 Jahren. Effektiver Zinssatz
2%.
1 5
(A4) Bestimmen Sie den Barwert einer Rentenserie von 10’000 CHF monatlich von t = 2 12 bis und mit t = 5 12 . Effektiver
Zinssatz 2%.
(A5) Bestimmen Sie den Barwert einer ewigen Rentenserie von 10’000 CHF jährlich nachschüssig. Effektiver Zinssatz 2%.
(A6) Gegeben ist der Barwert eines Cashflows 38’150.24 CHF. Bestimmen Sie den Wert des Cashflows auf Termin t = 4.25.
Effektiver Zinssatz 2%.
(A7) Bestimmen Sie den Barwert folgender Zahlungsserie 200 000 (t=0.25), 250 000 (t=1), 300 000 (t=1.5), 100 000 (t=2, 3, 4, . . . 10).
Effektiver Zinssatz 2%.
5.2.1 Einleitung
1 Um zwei Zahlungen die zu verschiedenen Zeitpunkten getätigt werden, sinnvoll vergleichen zu können, muss
man diese unter Berücksichtigung des Marktzinssatzes auf denselben Zeitpunkt hoch- oder zurückrechnen.
2 Das Hochrechnen wäre ein Vergleich der Endwerte, das Zurückrechnen ein Vergleich der Barwerte.
3 Es stellt sich heraus, dass beide Konzepte zum selben Resultat führen!
4 Beispiel: Was ist besser, jetzt 2000.− zu beziehen, oder in 5 Jahren 20 500.−?
Angenommen sie können für diese 5 Jahre eine risikofreie Anlage mit Jahresrendite 3% tätigen.
Wir vergleichen entweder die Endwerte: 20 000 · 1.035 = 2318.55 und 20 500.00
20 500
oder die Barwerte: 20 000.00 und 1.035
= 20 156.52.
Auf beide Arten erhalten wir dasselbe Fazit: Bei einer Rendite von 3% ist das zweite Angebot besser als
das erste (Endwert: 2318.55 < 2500 bzw. Barwert: 2000 < 2156.52).
5 Die Differenzen 2500 − 2318.55 = 181.45 bzw. 2156.52 − 2000 = 156.52 hängen folgendermassen zusam-
men: Zinst man die Differenz der Barwerte über 5 Jahre mit dem effektiven Zinssatz 3% auf, so erhält man
die Differenz der Endwerte: 156.52 · 1.035 = 181.45
5.2.2 Einzelzahlungen
7 Um den Endwert des Betrages K0 auf den Zeitpunkt n zu berechnen, ergibt sich nach Formel exponentielles
Wachstum: Kn = K0 · q n .
8 Anders formuliert: Um einen Betrag in der Zeit um t Jahre in die Zukunft zu verschieben, ist er mit dem
Faktor q t zu multiplizieren! Man spricht auch vom Aufzinsen um t Jahre.
9 Nochmals anders formuliert: Man sagt die Zahlung B zum Zeitpunkt 0 ist äquivalent (=gleichwertig) zum
Betrag B · q t zum Zeitpunkt t. (Unter Annahme des effektiven Marktzinssatzes r = q − 1)
10 Neben dem Buchstaben i ist auch der Buchstabe r hier üblich. r steht für Rendite = effektiver jährlicher
Marktzinssatz.
11 Um den Barwert des Betrages Kn auf den Zeitpunkt 0 zu berechnen, ergibt sich durch Auflösen der Formel
Kn
exponentielles Wachstum: K0 = bzw. K0 = Kn · q −n
qn
12 Anders formuliert: Um einen Betrag in der Zeit um t Jahre in die Vergangeheit zu verschieben ist er durch
q t zu dividieren bzw. mit q −t zu multiplizieren! Man spricht auch vom Abzinsen um t Jahre.
13 Nochmals anders formuliert: Man sagt die Zahlung B zum Zeitpunkt t ist äquivalent (=gleichwertig) zum
B
Betrag t bzw. B · q −t zum Zeitpunkt 0. (Unter Annahme des effektiven Marktzinssatzes r = q − 1)
q
14 Will man den Wert eines Zahlungsstroms (Cashflows) auf einen Termin bestimmen, so muss man alle
Einzelzahlungen auf diesen Termin auf- bzw. abzinsen und die resultierenden Beträge addieren.
15 Legt man den Bewertungstermin an den Beginn des Cashflows, so spricht man vom Barwert des Cashflows.
Bei diesem Vorgehen sind also alle Zahlungen auf den Beginn abzuzinsen.
16 Um Missverständnissen über den Beginn des Cashflows aus dem Weg zu gehen, wird man statt nur vom
Barwert vom Barwert per beispielsweise 1.12.2013 oder auch vom Wert per 1.12.2013 sprechen.
17 Legt man den Bewertungstermin an das Ende des Cashflows, so spricht man vom Endwert des Cashflows.
Bei diesem Vorgehen sind also alle Zahlungen auf das Ende aufzuzinsen.
18 Um Missverständnissen über das Ende des Cashflows aus dem Weg zu gehen, wird man statt nur vom
Endwert vom Endwert per beispielsweise 30.11.2023 oder auch vom Wert per 30.11.2023 sprechen.
19 Empfehlung: Der Übersichtlichkeit wegen empfiehlt es sich einen Cashflow auf der Zeitachse abzubilden
oder in einer chronologisch (= zeitlich) geordneten Liste darzustellen:
20 Aufgabe: Bestimmen Sie den Barwert (auf Termin heute) des folgenden Zahlungsstroms.
1000.– sofort, 2000.– in 3 Jahren und 2400.– nach weiteren zwei Jahren. Effektiver Bewertungszinssatz
2.5%
21 Lösung:
22 Gleichwertige ’Klammerdarstellung’
1000 (0), 2000 (3), 2400 (5)
Zielzeitpunkt ist 0.
23 q = 1 + r = 1.025
2000 2400
Barwert=1000 + 3 + q5
= 4978.45
q
oder
Barwert=1000 + 2000 · q −3 + 2400 · q −5 = 4978.45
24 Aufgabe: Bestimmen Sie den Endwert (auf Termin 5) des folgenden Zahlungsstroms.
1000.– sofort, 2000.– in 3 Jahren und 2400.– in weiteren zwei Jahren. Effektiver Bewertungszinssatz 2.5%
25 Lösung:
26 Gleichwertige ’Klammerdarstellung’
1000 (0), 2000 (3), 2400 (5)
Zielzeitpunkt 5.
27 q = 1 + r = 1.025
Endwert=1000 · q 5 + 2000 · q 2 + 2400 = 5632.66
28 Lösung (Variante):
Unter Benützung des Resultats der vorangehenden Aufgabe ist auch folgendes Vorgehen möglich:
Sie zinsen den Barwert der Voraufgabe um 5 Jahre (von t=0 bis t=5) auf: 4978.45 · q 5 = 5632.66
29 Aufgabe: Bestimmen Sie den Wert auf Termin 2.5 folgenden Zahlungsstroms:
1000.– sofort, 2000.– in 3 Jahren und 2400.– in weiteren zwei Jahren. Effektiver Bewertungszinssatz 2.5%
30 Lösung:
31 Gleichwertige ’Klammerdarstellung’
1000 (0), 2000 (3), 2400 (5)
Zielzeitpunkt 2.5.
32 q = 1 + r = 1.025
2000
Wert(2.5)=1000 · q 2.5 + + 2400
= 5295.46
q 0.5 q 2.5
oder
Wert(2.5)=1000 · q 2.5 + 2000 · q −0.5 + 2400 · q −2.5 = 5295.46
33 Lösung (Variante):
Unter Benützung der Resultate der vorangehenden Aufgaben sind auch folgende Vorgehensweisen möglich:
Sie zinsen den Barwert um 2.5 Jahre (von t=0 bis t=2.5) auf: 4978.45 · q 2.5 = 5295.46
5632.66
Sie zinsen den Endwert um 2.5 Jahre (von t=5 auf t=2.5) ab: = 5632.66 · q −2.5 = 5295.46
q 2.5
34 Aufgabe: Eine Makleragentur macht für den Verkauf eines Einfamilienhauses zwei Angebote:
Angebot 1 Sofort 100000.– und in fünf Jahren 700000.–
Angebot 2 Heute, in einem halben Jahr und in einem Jahr je 230000.–
a) Welches Angebot ist bei einem effektiven Bewertungszinssatz von 4% besser für die Agentur?
b) Welches Angebot ist bei einem effektiven Bewertungszinssatz von 2% besser für den Kunden?
35 Lösung:
Angebot 1: 100000 (0), 700000 (5).
Angebot 2: 230000 (0, 21 , 1).
Lösung a)
Man bestimmt für jeden der beiden Cashflows den Barwert (gleichwertig könnte man für beide den Termin
auf einen beliebigen - aber gleichen! - Termin bestimmen) für q = 1.04.
Angebot 1: 100000 + 700000 · q −5 = 675348.97
Angebot 2: 230000 + 230000 · q −0.5 + 230000 · q −1 = 676687.40
Angebot 2 ist besser für die Agentur, weil höher.
36 Lösung b)
Man bestimmt für jeden der beiden Cashflows den Barwert (gleichwertig könnte man für beide den Termin
auf einen beliebigen - aber gleichen! - Termin bestimmen) für q = 1.02.
Angebot 1: 100000 + 700000 · q −5 = 734011.57
Angebot 2: 230000 + 230000 · q −0.5 + 230000 · q −1 = 683224.13
Angebot 2 ist besser für den Käufer, weil tiefer.
5.2.7 Duration
37 Um den Einfluss einer Marktzinssatzänderung auf den Barwert eines Cashflows abschätzen zu können, ist
es wichtig den mittleren Zahlungstermin (Duration) des Cashflows zu kennen.
Die Duration ist das gewichtete Mittel der Zahlungszeitpunkte mit den jeweiligen Zahlungsbarwerten als
Gewichtungsfaktoren.
38 Gehen wir von einer Obligation mit einer Restlaufzeit von 5 Jahren, einem Nennwert von 100’000.– und
einem Coupon von 2% aus.
Der Bewertungszinssatz ist 1.2%.
a) Bestimmen Sie den Kurswert der Obligation.
b) Bestimmen Sie die Duration der Obligation.
39 Lösung: Aufgabe a)
Der Cashflow sieht folgendermassen aus: Termine t=1 bis t=4: 2% · 100000 = 2000, Termin t=5: 2000 +
100000. In Klammerschreibweise also 2000 (1-4), 102000 (5). Gleichwertig ginge auch 2000 (1-5), 100000
(5).
Der Kurswert ist der Barwert des Cashflows (q = 1.012):
Kurswert = 2000 · q −1 + 2000 · q −2 + 2000 · q −3 + 2000 · q −4 + 102000 · q −5 = 103859.94 - mehr als der
Nennwert, da der Coupon 2% über Marktzins 1.2% liegt.
40 Aufgabe b)
Die Duration ist das gewichtete Mittel der Zahlungszeitpunkte (q = 1.012):
1·2000·q −1 +2·2000·q −2 +3·2000·q −3 +4·2000·q −4 +5·102000·q −5
Duration = 2000·q −1 +2000·q −2 +2000·q −3 +2000·q −4 +102000·q −5
=
499769.80
= 103859.94
= 4.8120 - fast 5, weil der grosse Brocken auf t = 5 fällt.
41 Fazit
• Sie können einzelne Zahlungen auf einen beliebigen Termin auf- oder abzinsen. Auf: mal q t oder Ab: durch q t
bzw. mal q −t .
• Sie können ein ganzes Paket von Zahlungen, das auf denselben Zeitpunkt zusammengerechnet wurde, als
Ganzes auf andere Zeitpunkte auf- oder abzinsen.
• Nur Mut: Nutzen Sie diese Flexibilität!
5.2.8 Renten
42 Eine Serie von lauter gleich hohen Zahlungen in immer gleichem zeitlichen Abstand bezeichnet man als
Rentenserie.
43 Aufgabe: Sie zahlen während 10 Jahren immer zu Beginn des Jahres 6000 Franken ein. Wie hoch ist der
Kontostand nach Zahlung der letzen Zahlung zum Zeitpunkt 9? r = 3%
55 Erfolgen die Auszahlungen in regelmässigen Zeitabständen, aber nicht zwingendermassen jährlich, sondern
im Abstand z Jahre, so lässt sich die Formel leicht adaptieren.
Statt dem jährlichen Aufzinsfaktor q ist der Aufzinsfaktor für den Zeitraum z zu verwenden, also q z .
56 Der Wert auf den letzten Rentenzahlungszeitpunkt (=Zeitpunkt an dem die letzte Zahlung getätigt wird)
einer Rentenserie bestehend aus n Zahlungen der Höhe R mit Zahlungsintervall z:
q n·z −1
W =R· q z −1
Dabei ist:
• W = Wert auf letzten Rentenzahlungszeitpunkt
• q = jährlicher Aufzinsfaktor
• z = Zahlungsintervall
• n = Anzahl Rentenraten insgesamt
• R = Rentenhöhe, Rentenrate
57 Daraus ergeben sich die Formeln (Wert auf letzten Rentenzahlungszeitpunkt) für unterjährige Zahlungen
q n −1
Jährlich setze z = 1 ,→ W = R · q−1
- die schon bekannte Formel.
n
1 q −1
2
Halbjährlich setze z = 2 ,→ W = R · 1
q −1
2
n
1 q 4 −1
Vierteljährlich setze z = 4 ,→ W = R · 1
q 4 −1
n
1 q 12 −1
Monatlich setze z = 12 ,→ W = R · 1
q 12 −1
58 Eine vierteljährliche Rente der Höhe 6000 soll drei Jahre lang erstmalig am 1.2.2017 ausbezahlt werden. Wie
hoch ist die dazu nötige Rückstellung der Kasse am 1.1.2017? Effektiver Bewertungszinssatz ist r = 3%
59 Das wichtigste ist sich darüber klar zu werden wann die Rentenzahlungen beginnen (erster Zahlungster-
min), wann sie enden (letzter Zahlungstermin), wie lange das Zahlungsintervall ist und wieviele Zahlungen
insgesamt gemacht werden. Dann erst beginnt die Rechnung!
,→ 6000 (1.2.17, 1.5.17, . . . 1.11.19 ), total 3 · 4 = 12 Zahlungen.
q = 1.03.
60 Der Rest ist leicht:
12
q 4 −1 10
Wert auf 1.1.2017 = 6000 · 1 ·q −(2+ 12 ) = 68984.71
q −1 4
| {z }
per 1.11.2019
61 Aufgabe: Sie zahlen während 10 Jahren immer zu Beginn jeden Monats 500 Franken ein. Wie hoch ist der
Kontostand 10 Jahre nach Beginn der Zahlungsserie? r = 3%
1 2
62 Lösung: 500 (0, 12 , 12 , . . . 9 11
12 ), total 10 · 12 = 120 Zahlungen.
q = 1.03.
120
q 12 −1 1
W (10) = 500 · 1 ·q 12 = 69895.96.
q 12 −1
| {z }
11
per t= 9 12
63 Tipp: Wichtig ist es bei den Zeitpunkten und der Anzahl Rentenraten genau zu arbeiten. Machen Sie immer
deshalb zuerst eine Darstellung der Zahlungen auf der Zeitachse oder in Klammerdarstellung.
Tipp: Betrachten Sie den Exponenten im Rentenbruch und den Exponenten des Auf-Ab-Zinsfaktor als
120
1
q 12 −1 12
voneinander unabhängig! 500 · 1 ·q
q 12 −1
64 Aufgabe: Herr Tschudin zahlt vierteljährlich jeweils 2000.– auf sein Konto ein. Beginnend am 1.5.2000,
letztmalig am 1.8.2009. Bestimmen Sie den Kontostand am 31.12.2009. i = 2.5%.
65 Lösung:
2000 (1.5.2000, 1.8.2000, . . . , 1.2.2009, 1.5.2009, 1.8.2009 )
, total n = 38 Zahlungen.
| {z }
36 Zahlungen
q = 1 + i = 1.025
38
q 4 −1 5
W (1.1.2010) = 2000 · 1 ·q 12 = 86272.89.
q −14
| {z }
per 1.8.2009
66 Alternativ zur Formel auf den letzten Rentenzahlungszeitpunkt kann man auch mit der Formel auf den
ersten Rentenzahlungszeitpunkt arbeiten. Sie haben die freie Wahl!
67 Der Wert auf den ersten Rentenzahlungszeitpunkt (=Zeitpunkt an dem die erste Zahlung getätigt wird)
einer Rentenserie bestehend aus n Zahlungen der Höhe R mit Zahlungsintervall z:
q n·z −1 qz 1−q −n·z q −n·z −1
W =R· q z −1
· q n·z
bzw. W = R · 1−q −z
bzw. (durch Erweitern mit −1) W =R· q −z −1
Bemerkung: Die letzte Formel der vorhergehenden Zeile unterscheidet sich nur durch die Minuszeichen in
den Exponenten von der Formel auf den letzten Rentenzahlungstermin und ist deshalb gut zu merken.
Dabei ist:
• W = Wert auf ersten Rentenzahlungszeitpunkt
• q = jährlicher Aufzinsfaktor
• z = Zahlungsintervall
• n = Anzahl Rentenraten insgesamt
• R = Rentenhöhe, Rentenrate
68 Daraus ergeben sich die Formeln (Wert auf ersten Rentenzahlungszeitpunkt) für unterjährige Zahlungen
q −n −1
Jährlich setze z = 1 ,→ W = R · q −1 −1
n
1 q − 2 −1
Halbjährlich setze z = 2 ,→ W = R · 1
q − 2 −1
n
1 q − 4 −1
Vierteljährlich setze z = 4 ,→ W = R · 1
q − 4 −1
n
1 q − 12 −1
Monatlich setze z = 12 ,→ W = R · 1
q − 12 −1
69 Eine vierteljährliche Rente der Höhe 6000 soll drei Jahre lang erstmalig am 1.2.2017 ausbezahlt werden. Wie
hoch ist die dazu nötige Rückstellung der Kasse am 1.1.2017? Effektiver Bewertungszinssatz ist r = 3%
70 Das wichtigste ist sich darüber klar zu werden wann die Rentenzahlungen beginnen (erster Zahlungster-
min), wann sie enden (letzter Zahlungstermin), wie lange das Zahlungsintervall ist und wieviele Zahlungen
insgesamt gemacht werden. Dann erst beginnt die Rechnung!
,→ 6000 ( 1.2.17 , 1.5.17, . . . 1.11.19), total 3 · 4 = 12 Zahlungen.
q = 1.03.
12
q− 4 − 1 1
71 Wert auf 1.1.2017 = 6000 · − 41
·q − 12 = 68984.71
q −1
| {z }
per 1.2.2017
72 Wenn in der Formel ’Wert einer Rentenserie auf den ersten Rentenzahlungszeitpunkt’ die Anzahl Renten-
raten n grösser und grösser gewählt wird (n → ∞), so ergibt sich ein endlicher Grenzwert!
q −n·z −1
73 Wir betrachten also W = R · q −z −1
für n → ∞
q −n·z −1 0 −1 −1 R
lim R · q −z −1
=R· q −z −1
=R· q −z −1
= 1−q −z
,
n→∞
74 Der Wert auf den ersten Rentenzahlungszeitpunkt (=Zeitpunkt an dem die erste Zahlung getätigt wird)
einer ewigen Rentenserie bestehend aus Zahlungen der Höhe R mit Zahlungsintervall z ist
R
W = 1−q −z
Dabei ist:
• W = Wert auf ersten Rentenzahlungszeitpunkt
• q = jährlicher Aufzinsfaktor
• z = Zahlungsintervall
• R = Rentenhöhe, Rentenrate
75 Daraus ergeben sich die Formeln (Wert auf ersten Rentenzahlungszeitpunkt) für unterjährige Zahlungen
R
Jährlich setze z = 1 ,→ W = 1−q −1
1 R
Halbjährlich setze z = 2 ,→ W = 1
1−q − 2
1 R
Vierteljährlich setze z = 4 ,→ W = 1
1−q − 4
1 R
Monatlich setzez = 12 ,→ W = 1
1−q − 12
77 Aufgabe: Wie gross ist der Wert auf 1.1.2017 einer ewigen vierteljährlichen Rente der Höhe 2500 beginnend
am 1.5.2017? Effektiver Bewertungszinssatz 3%.
Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen zeigen, was Sie am Ende dieses Paragraph gelernt haben werden :-)
Lesen Sie die folgenden Aufgaben vor der Lektüre des Paragraphen durch und versuchen Sie diese zu verstehen und gegebe-
nenfalls sogar zu lösen. - Nach der Lektüre des Paragraphen werden Sie die Aufgaben verstehen und lösen können.
Die zugehörigen Antworten finden Sie im Anhang.
(A1) Eine Schuld von aktuell 10’000 CHF soll in 3 gleichen Raten zu den Terminen t=1, t=2 und t=4 zurückbezahlt werden.
Wie hoch ist die Rate bei einem effektiven Bewertungszinssatz von 2%.
(A2) Eine Sparversicherung soll in 10 Jahren einen Betrag von 100’000 CHF generieren. Wie hoch ist die monatlich vorschüssig
zu zahlenden konstante Monatseinlage. Effektiver Zinssatz 2%.
Wieviele Prozent des Endbetrags sind durch Einlagen, wieviele durch Zinsen erzielt?
(A3) Bestimmen Sie die (effektive jährliche) Rendite folgenden Geschäfts: Sie zahlen zu den Zeitpunkten t=0 bis 4 jeweils 2’000
CHF ein und erhalten per t=10 einen Betrag von 15’000 CHF zurück.
(A4) Eine jährlich-nachschüssige Zeitrente der Restdauer 10 Jahre und Höhe 10’000 soll in eine monatlich-vorschüssige umge-
wandelt werden. Wie gross wird die neue Monatsrente? Effektiver Zinssatz 2%.
(A5) Eine anfängliche Schuld von 100000.– soll mit konstanten jährlich nachschüssigen Annuitäten in einem Zeitraum von 20
Jahren getilgt werden. Wie hoch sind die zu zahlenden Annuitäten bei einem effektiven Schuldzinssatz von 2%?
(A6) Ein Schuldner hat ein Darlehen von Nennwert 100’000.– mit Laufzeit 20 Jahren und einem Zinsaufwand von 2% jährlich
nachschüssig aufgenommen und möchte dies nun systematisch abzahlen. Die Bank bietet ihm folgenden Rückzahlungplan
an: Er zahlt monatlich nachschüssig 500.–. Der effektive Zinssatz für dieses Angebot beträgt 3%. Wie gross ist die Restschuld
nach 10 Jahren? Wie gross sind die Schuldenquote und die Amortisationsquote (Rückzahlungsquote) nach 10 Jahren.
1 Zahlungen die zum gleichen Zeitpunkt erfolgen können direkt miteinander verglichen oder durch Addition
und Subtraktion miteinander verrechnet werden.
2 Um Zahlungen, welche zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgen, vergleichen oder verrechnen zu können,
müssen diese vorher auf denselben Zeitpunkt auf- bzw. abgezinst werden.
Dazu benötigt man einen zugrundeliegenden Bewertungszinssatz.
3 Zwei Zahlungsströme heissen gleichwertig (=äquivalent) - bezüglich des Bewertungszinssatzes -, wenn sie
auf denselben Termin bewertet, denselben Wert ergeben. Es zeigt sich, dass bei vorgegebenem Bewertungs-
zinssatz die Äquivalenz bzw. Nichtäquivalenz zweier Zahlungsströme unabhängig vom gewählten Termin
ist. Oft legt man deshalb einen gemeinsamen Startzeitpunkt fest und bewertet beide Zahlungsströme auf
diesen Startzeitpunkt (Vergleich der Barwerte).
4 Äquivalenz von Zahlungsströmen ist keine absolute Aussage, sondern gilt immer nur mit Angabe des
entsprechenden Bewertungszinssatzes.
5 Auf dieser Basis verlangt das Äquivalenzprinzip, dass Leistungen und Gegenleistungen gleichwertig sind.
6 Anwendungen
• Ein Bankkonto von der Eröffnung bis zur Auflösung erfüllt das Äquivalenzprinzip zwischen Ein- und Aus-
zahlungen bezüglich des Kontozinssatzes.
• Kredit- und Hypothekengeschäfte erfüllen das Äquivalenzprinzip zwischen Bezug und Rückzahlungen
bezüglich des Schuldzinses.
• Versicherungsgeschäfte erfüllen das Äquivalenzprinzip zwischen Prämienzahlungen und erwarteten Leis-
tungszahlungen bezüglich des technischen Zinses.
• Ein Sparvertrag erfüllt das Äquivalenzprinzip zwischen Prämienzahlungen und Endauszahlung bezüglich des
Vertragszinssatzes.
• Der Kurswert einer Obligation ist äquivalent zu den Coupon- und Ablaufzahlungen bezüglich des risikofreien
Zinses.
7 Zur Feststellung der Äquivalenz zweier Zahlungsströme muss der Bewertungszinssatz bekannt sein.
Umgekehrt lässt sich aber auch aus der Äquivalenz zweier Zahlungsströme der zugrundeliegende Bewer-
tungszinssatz (=Rendite) berechnen.
8 Zum Äquivalenzprinzip gibt es eine Vielzahl von Anwendungsaufgaben, die sich im Solver perfekt formu-
lieren und lösen lassen!
9 Sie haben Ihrem Nachbarn am 1.3.2009 500.– geliehen und am 1.5.2013 nochmals 500.–. Er möchte Ihnen
das Geld mit 2% Zinsen zurückzahlen. Und zwar in 3 gleich grossen Raten: am 1.1.2014, am 1.7.2014 und
am 1.1.2015. Wie gross sind die Raten?
10 Lösung
!
(Äquivalenzprinzip) Barwert Einzahlungen = Barwert Auszahlungen
Zeitachse:
Abb. 105: Zeitachse mit Auszahlungen und Einzahlungen. Gesucht Höhe der Rückzahlungsrate x.
2 50
13 Statt 500 · q −(4+ 12 ) kann man natürlich auch den Term 500 · q − 12 oder 500
2 verwenden.
q 4+ 12
5.3.3 Renditeberechnung
14 Sie haben Ihrem Nachbarn am 1.3.2009 500.– geliehen und am 1.5.2013 nochmals 500.–. Er möchte Ihnen
das Geld mit Zinsen zurückzahlen. Er zahlt Ihnen am 1.1.2014 200.–, am 1.7.2014 300.– und am 1.1.2015
550.–. Wie gross war die Rendite für Sie?
15 Lösung
2
Auszahlungen: 500 (0, 4 12 );
Einzahlungen: 200 (4 10 4 10
12 ), 300 (5 12 ), 550 (5 12 ).
Äquivalenzprinzip z.B. auf Termin 0.
2 ! 10 4 10
500 + 500 · q −(4+ 12 ) = 200 · q −(4+ 12 ) + 300 · q −(5+ 12 ) + 550 · q −(5+ 12 )
Solve for q = 1.0143 ⇒ r = q − 1 = 1.43%.
5.3.4 Rentenumwandlung
16 Eine Zeitrente die jährlich vorschüssig während 20 Jahren beginnend am 1.1.2010 50’000.– ausbezahlt wird,
soll am 1.5.2015 in eine monatlich vorschüssige Zeitrente mit selbem Ablauftermin umgewandelt werden.
Wie hoch wird die neue Monatsrente? Technischer Zinssatz 2.5%.
17 Lösung
(Äquivalenzprinzip) Die zukünftigen Leistungen bezogen auf den 1.5.15 müssen in beiden Fällen gleich sein!
q = 1.025.
Bisherige Rente: 50000 (1.1.16, 1.1.17, . . . , 1.1.29 ), total 14 Zahlungen
q 14 − 1 −(13+ 8 )
W (1.5.15) = 500 000 · ·q 12
q−1
| {z }
gerechnet auf 1.1.29
5.3.5 Leasinggeschäft
18 Bestimmen Sie die Rendite des folgenden Leasinggeschäfts für die Bank. Der Kunde bezieht einen Neuwagen
(Neuwert=35’000.–) zu Leasingraten von 400.– pro Monat nachschüssig während 4 Jahren. Nach 4 Jahren
bekommt die Bank den Wagen mit einem Wiederverkaufswert von 20’000.– zurück.
19 Lösung
Äquivalenzprinzip zwischen Einnahmen und Ausgaben.
1 2
Einnahmen: 400 ( 12 , 12 , . . . , 4), total 48 Zahlungen; 20000 (4).
Ausgaben 35000 (0).
Äquivalenzprinzip per z.B. t = 0:
48
q − 12 − 1 − 1 !
400 · − 1 ·q 12 + 200 000 · q −4 = 35000 solve for q = 1.0384 ⇒ r = q − 1 = 0.0384 = 3.84%
q 12 − 1
| {z }
1
gerechnet auf 12
5.3.6 Rentenumwandlungssatz
20 Mit Alter 65 hat Herr Müller in seiner Pensionskasse ein Vermögen von 550’000.– angespart.
Aus diesem Vermögen wird eine monatlich vorschüssige Rente bis zu seinem Tod ausbezahlt. Die mittlere
Lebenserwartung für Männer ab Alter 65 beträgt 16 Jahre. Wie hoch wird die ausbezahlte Jahresrente bei ei-
nem technischen Zins von 2%. Bestimmen Sie auch den Rentenumwandlungssatz:= Jahresrente/Vermögen.
21 Lösung
Äquivalenzprinzip zwischen Einzahlungen und Auszahlungen.
Einzahlungen 550000 (65).
1
Auszahlungen X ( 65 , 65 12 , . . . 80 11
12 ), total 16 · 12 = 192 Zahlungen.
q = 1.02.
Äquivalenzprinzip z.B. per Zeitpunkt 65:
192
! q − 12 − 1
550000 = R · − 1 | : Bruch oder Solver
q 12 − 1
| {z }
per 65
R = 3339.56
,→ Jahresrente = 12 · 3339.56 = 40074.72
40074.72
,→ Rentenumandlungssatz = 550000
= 7.3%
5.3.7 Pensionskasse
22 Ein Mitarbeiter arbeitet während 45 Jahren bei der Firma X. Er erhält monatlich nachschüssig einen
immer gleich hohen Lohn. Mit 65 geht er in Pension und bezieht fortan monatlich vorschüssig 60% seines
Aktivenlohns als Altersrente. Wie hoch ist der Beitragssatz s anzusetzen. Gehen Sie von einem technischen
Zinssatz von 3% und einer Lebenserwartung für pensionierte Männer von 81 Jahren aus.
23 Lösung
Äquivalenzprinzip zwischen Einzahlungen und Auszahlungen.
1 2
Einzahlungen s · L (20 12 , 20 12 , . . . , 65 ), total 45 · 12 = 540 Zahlungen
1
Auszahlungen X ( 65 , 65 12 , . . . 80 11
12
), total 16 · 12 = 192 Zahlungen
Äquivalenzprinzip z.B. per Zeitpunkt 65:
540 192
q 12 − 1 ! q − 12 − 1 1
24 Eine anfängliche Schuld von 100’000.– soll mit konstanten jährlich nachschüssigen Annuitäten in einem
Zeitraum von 20 Jahren getilgt werden. Wie hoch sind die zu zahlenden Annuitäten bei einem effektiven
Schuldzinssatz von 2%?
25 Lösung
Äquivalenzprinzip zwischen Einzahlungen und Auszahlungen.
Einzahlungen: A ( 1 , 2, . . . , 20),
Auszahlungen: 100000 (0)
Äquivalenzprinzip z.B. auf Zeitpunkt 0:
q −20 − 1 −1 ! −1
A · −1 ·q = 100000 | · qq−20−1
−1
· q 1 oder Solve for A.
q −1
| {z }
per t=1
q −1 −1
A = 100000 · q −20 −1
· q = 6115.67
5.3.9 Restschuld
27 Ein Schuldner hat ein Darlehen von Nennwert 100’000.– mit Laufzeit 20 Jahren und einem Zinsaufwand
von 2% jährlich nachschüssig aufgenommen und möchte dies nun systematisch abzahlen. Die Bank bietet
ihm folgenden Rückzahlungplan an: Er zahlt monatlich nachschüssig 500.–. Der effektive Zinssatz für dieses
Angebot beträgt 3%. Wie gross ist die Restschuld nach 10 Jahren? Wie gross sind die Schuldenquote und
die Amortisationsquote (=Rückzahlungsquote) nach 10 Jahren.
28 Lösung
Das Darlehen entspricht einem Schuldencashflow von jährlich nachschüssig 100000 · 2% = 2000 und nach
20 Jahren einer Schlusszahlung von 100000. ,→ Klammerdarstellung: 2000 (1, 2, . . . 20 ), 100000 (20).
29 Die Restschuld auf Zeitpunkt 10 ist die Differenz aller Schulden bewertet auf Zeitpunkt 10 abzüglich
der gemachten Rückzahlungen bis Zeitpunkt 10 bewertet auf Zeitpunkt 10.
1 2
Rückzahlungen: 500 ( 12 , 12 , . . . 10 ), total 10 · 12 = 120 Zahlungen.
120
q 20
− 1 −10 q 12 − 1
Restschuld = 2000 · ·q + 100000 · q −10 − 500 · 1 = 44673.56
q−1 q 12 − 1
| {z } | {z }
per t= 20 per t= 10
33 Ein Schuldner hat ein Darlehen von Nennwert 100’000.–, Laufzeit 20 Jahren und einem Zinsaufwand von
3% jährlich nachschüssig aufgenommen und möchte dies nun systematisch abzahlen. Die Bank bietet ihm
folgenden Rückzahlungplan an: Er zahlt konstante Annuitäten jährlich nachschüssig während der ganzen
20 Jahre. Der effektive Zinssatz für dieses Angebot beträgt 2%. Wie gross ist die zu zahlenden Annuität?
Wie gross ist die Restschuld nach 10 Jahren?
34 Lösung
Das Darlehen entspricht einem Schuldencashflow von jährlich nachschüssig 100000 · 3% = 3000 und nach
20 Jahren einer Schlusszahlung von 100000.
Schulden: 3000 (1, 2, . . . , 20 ), 100000 (20).
Rückzahlungen: A (1, 2, . . . , 20 ).
35 (Äquivalenzprinzip) per t = 20
q 20 − 1 ! q 20 − 1
3000 · +100000 = A ·
q−1 q−1
| {z } | {z }
per t= 20 per t= 20
Der Solver liefert mit q = 1.02
A = 7115.67.
36 Restschuld auf Zeitpunkt 10 ist die Differenz aller Schulden bewertet auf Zeitpunkt 10 abzüglich der
gemachten Rückzahlungen bis Zeitpunkt 10 bewertet auf Zeitpunkt 10. Man spricht bei dieser Lösung von
der rückblickenden oder retrospektiven Sicht.
Schulden: 3000 (1, 2, . . . , 20 ), 100000 (20)
Rückzahlungen: A = 7115.67 (1, 2, . . . 10 )
q 20 − 1 −10 q 10 − 1
Restschuld = 3000 · ·q + 100000 · q −10 − 7115.67 · = 63917.13.
q−1 q−1
| {z } | {z }
per t= 20 per t= 10
37 Die Restschuld kann in diesem Fall auch als der Wert auf Termin 10 aller zukünftigen Zahlungen gesehen
werden.
Rückzahlungen: A = 7115.67 ( 11 , 12, . . . 20)
q −10 − 1 −1
7115.67 · −1 ·q = 63917.13
q −1
| {z }
per t= 11
Dies ist die vorausblickende oder prospektive Sicht. Die prospektive Rechnungsweise ist möglich, da in der
Vergangenheit alles planmässig abgewickelt wurde. Bei Abweichungen vom Plan in der Vergangenheit ist
die prospektive Rechnung nicht möglich; es muss die retrospektive Rechnung gemacht werden.
38 Es soll der Barwert einer ewigen nachschüssigen jährlichen Rente mit Rentenrate 10’000.– berechnet werden.
Als Bewertungszinssatz wird für die ersten 10 Jahre 0.5% angenommen, für die folgenden 10 Jahre 1.5%
und ab t = 20 sogar 2.5%.
39 Lösung
6 Anhang
1 Das Wort Mathematik stammt aus dem Griechischen und bedeutet ’die Kunst des Lernens’:
µαθηµατ ικη τ χνη = mathematike techne
2 Die alten Griechen (Thales, Pythagoras, Euklid, Aristoteles, Archimedes, Eratosthenes, Heron, Diophant)
hatten grossen Anteil an der Entwicklung der Mathematik.
3 Euklid fasste in seinem Lehrbuch ’Elemente’ einen Grossteil der damals bekannten Mathematik (Geometrie
und Zahlentheorie) zusammen. Unter anderem wird darin bewiesen, dass es unendlich viele Primzahlen
gibt. Dieses Werk gilt als Musterbeispiel für mathematisches Beweisen: aus wenigen Vorgaben werden alle
Ergebnisse in einer Strenge hergeleitet, die es zuvor nicht gegeben hat. Euklids ’Elemente’ wird auch noch
heute nach über 2000 Jahren als Lehrbuch verwendet.
4 Traditioneller Weise werden viele Grössen in der Mathematik mit griechischen Buchstaben bezeichnet.
5 Nachfolgend eine Auflistung aller griechischer Gross- und Kleinbuchstaben in korrekter Reihenfolge (1 bis
24)
6 Wenn Sie also bei einem Buchstaben über Schreibweise oder Aussprache im Ungewissen sind, können sie
hier nachschlagen!
7
Name gross klein gesprochen Name gross klein gesprochen
1 Alpha A α a 13 Nü N ν n
2 Beta B β b 14 Xi Ξ ξ x
3 Gamma Γ γ g 15 Omikron O o o
4 Delta ∆ δ d 16 Pi Π π p
5 Epsilon E e 17 Rho P ρ r(h)
6 Zeta Z ζ z 18 Sigma Σ σ s
7 Eta H η e 19 Tau T τ t
8 Theta Θ θ th 20 Ypsilon Y u y oder u
9 Iota I ι i 21 Phi Φ φ ph
10 Kappa K κ k 22 Chi X χ ch
11 Lambda Λ λ l 23 Psi Ψ ψ ps
12 Mü M µ m 24 Omega Ω ω o
Abb. 107: Tafel der Griechischen Buchstaben
1 Der Taschenrechner ist - genau wie Excel am Arbeitsplatz - ein unersetzliches Hilfsmittel. Ein paar nützliche
Tipps optimieren seine Verwendung.
Merken Sie sich die nachfolgenden Punkte 2-13 und probieren Sie diese am Ti-84 aus.
Lösen Sie die Aufgaben 1 bis 7 in den Punkten 14-20 mit dem Ti-84. Die Lösungen finden Sie im
Anschluss (Punkte 21-27).
2 Mit 2ND QUIT geht man jeweils ein Fenster nach aussen, falls dieses nicht schon das Hauptfenster
war.
3 Navigationstasten und ENTER erlauben frühere Eingaben und Resultate in die Befehlszeile zu kopieren.
4 Das letzte Resultat ist in der Variablen 2ND ANS gespeichert.
5 Den Exponenten verlassen Sie mit Navigationstaste rechts.
6
CLEAR löscht die aktuelle Zeile. Wenn die Zeile schon leer ist, löscht CLEAR den ganzen Bildschirm.
Die History bleibt aber immer erhalten.
8 Defaultmässig ist der Rechner im Überschreibmodus (Balkencursor). Mit 2ND INS kann der Rechner
lokal in den Einsetzmodus (Strichcorsor) versetzt werden.
9 Mit 2ND Navigationstaste rechts gehen Sie ans Ende der Zeile.
10 Mit 2ND Navigationstaste links gehen Sie an den Anfang der Zeile.
11 Term STO ALPHA Q speichert das Resultat des Terms in Speicher Q.
12 Mit ALPHA Q ∧ 2 quadrieren Sie die Zahl aus Speicher Q.
13 Bei einer Fehlermeldung des Rechners, sollten Sie die Option 2: GOTO wählen. Der Rechner springt dann
an die Stelle der Eingabe, wo sich das Problem befindet.
14 Bemerkungen zum Solver des Ti-84
• Mit CLEAR können Sie das ganze E1 bzw. E2 löschen.
• Hat es in einer Gleichung mehrere Unbestimmte, so geben Sie die Terme mit Unbestimmten in die Felder E1
und E2 ein. Geben Sie in der Variablenliste für alle Variablen bis auf eine Zahlenwerte ein. Für die gesuchte
Variable geben Sie eine Zahl als Startwert = Ausgangspunkt der Lösungssuche vor und drücken ALPHA
SOLVE . Es wird immer nach derjenigen Variable aufgelöst, deren Eingabefeld vor dem Solve-Befehl aktiviert
war.
• Mit ON können Sie die Lösungssuche des Solvers abbrechen.
15 Aufgabe 1 SOLVER 1
Aufgabe: Gegeben ist die Gleichung U = c · x0.25 · y 0.75 . Gegeben sind U = 30, x = 20, c = 5. Bestimmen Sie den zugehörigen Wert
von y.
16 Aufgabe 2 SOLVER 2
Aufgabe: Es soll die kubische Gleichung x3 − 5x2 + 2x + 3 = 0 mit dem Solver gelöst werden.
Polyroot ( 5 ) wäre hierfür allerdings besser geeignet.
21 Lösung 1 SOLVER 1
Aufgabe: Gegeben ist die Gleichung U = c · x0.25 · y 0.75 . Gegeben sind U = 30, x = 20, c = 5. Bestimmen Sie den zugehörigen Wert
von y.
Lösung:
MATH B [Solver. . . ]
E1: Alpha U ENTER
E2: Alpha C × Alpha X ∧ 0.25 > × Alpha Y ∧ 0.75 > ENTER
Werte für U , X und C eingeben und jeweils mit ENTER bestätigen. Beliebigen Startwert für Y eingeben ALPHA SOLVE
,→ Y=4.01661
22 Lösung 2 SOLVER 2
Aufgabe: Es soll die kubische Gleichung x3 − 5x2 + 2x + 3 = 0 mit dem Solver gelöst werden.
Polyroot ( 5 ) wäre hierfür allerdings besser geeignet.
Lösung:
MATH B [Solver. . . ]
E1: x ∧ 3 > - 5 x ∧ 3 > +2x+3 Alpha U ENTER
E2: 0 ENTER
Eine Polynomgleichung 3. Grades kann bis zu 3 reelle Lösungen haben. Diese Vielfachheit liegt dem Solver nicht :-). Sie müssen ihm
deshalb auf die Sprünge helfen, indem Sie einen Startwert setzen. Der Solver sucht dann in der Nähe dieses Startwerts (genauer müsste
man sagen ausgehend von diesem Startwert) nach einer Lösung.
Ohne zugehörigen Graphen ist dies eine Blindflug! Mit dem zugehörigen Graphen kann man die Nullstellen näherungsweise ablesen. Die
abgelesenen Werte sind die optimalen Startwerte.
Blindflug: Beliebigen Startwert für X eingeben ALPHA SOLVE
X ,→ X’
-10 ,→ -0.575775
-5 ,→ -0.575775
0 ,→ -0.575775
1 ,→ 1.187190
2 ,→ 1.187190
5 ,→ 4.388512
10 ,→ 4.388512
Als Lösungsmenge ergibt sich IL = {−0.575775, 1.187190, 4.388512}
a0=2 ENTER
GRAPH [SOLVE]
⇒ X1=−2.4142
X2=2
X3=0.4142
a1=13 ENTER
a0= (-) 20 ENTER
GRAPH [SOLVE]
⇒ X1=4 (reell)
X2=1 + 2i (komplex)
X3=1 − 2i (komplex)
GRAPH [F↔D] wechselt von Bruchdarstellung (F) in Dezimalbruchdarstellung (D) und umgekehrt.
6.3 Antworten
(A9) A ⊆ B genau dann, wenn alle Elemente von A auch in B enthalten sind.
A ⊇ B genau dann, wenn A alle Elemente von B enthält.
(A10) IN = Menge der natürlichen Zahlen = {1, 2, 3, 4, . . .}.
ZZ = Menge der ganzen Zahlen = {. . . , −3, −2, −1, 0, 1, 2, 3, . . .}.
CQ = Menge der rationalen Zahlen = { pq | p ∈ ZZ und q ∈ IN}.
IR = Menge der reellen Zahlen = Alle Dezimalzahlen = (reelle) Zahlengerade.
(A11) Eine Dezimalzahl ist genau dann rational ( = als Bruch darstellbar), wenn Ihre Dezimaldarstellung
2345 129
abbricht (Bsp. 2.345 = 1000
) oder periodisch ist (Bsp. 2.345 = 55
).
(A12) {1, 3} = Menge bestehend aus den beiden Elementen 1 und 3.
[1, 3] = Menge bestehend aus allen reellen Zahlen zwischen (inklusive) 1 und (inklusive) 3
= {x ∈ IR | 1 ≤ x ≤ 3}.
]1, 3[ = Menge bestehend aus allen reellen Zahlen zwischen (exklusive) 1 und (exklusive) 3
= {x ∈ IR | 1 < x < 3}.
(A13) φ = Leere Menge = die (eindeutige) Menge ohne Element.
{0} = Menge mit dem einzigen Element 0.
{} = Leere Menge = die (eindeutige) Menge ohne Element.
(A14) 1 φ ⊆ A wahr
2 A⊆A wahr
3 φ∈A falsch
4 A∈A falsch
(A15) A \ (A \ B) = A ∩ B.
Qn
(A10) GM = n
xk
sk=1
n
Q
(A11) GM = n
qk
k=1
3 P
3 3 3 3
(i · j − 1) = (i · 1 − 1) + (i · 2 − 1) + (i · 3 − 1) = (0 + 1 + 2) + (3 + 5) + (8) = 19.
P P P P
(A12)
j=1 i=j i=1 i=2 i=3
2
(2k − 1) = 0
P
(A13) Leere Summe =
k=4
2
(2k − 1) = 1
Q
Leeres Produkt =
k=4
n
Q
(A14) n! = k
k=1
2 Funktionen
2.1 Grundlagen und Definitionen
(A1) f (3) = 32 + 3 = 12.
f (x) = 28
x2 + 3 = 28 | −3
√
x2 = 25 | ±
x = ±5
IL = {−5, 5}.
(A2) nur Relation, da f −1 (2) = {1, 3}.
(A3) f (3) = 200 − 3 · 3 = 191
Von links her: lim f (x) = 191
x↑3
Von rechts her: lim f (x) = 191
x↓3
Von links oder rechts her: lim f (x) = 191
x→3
f (x) ist in x = 3 stetig, weil f (3) = lim f (x) = lim f (x).
x↑3 x↓3
(A4) f (3) ist nicht definiert, wegen Division durch 0.
= ( 00 ) = lim (3−x)(3+x) = lim (−1)(3+x)
2
Von links her: lim f (x) = lim 9−x
x−3 x−3 1
= −6
x↑3 x↑3 x↑3 x↑3
c) y = ex | ln , d) y = 2x | log2
ln(y) = x | Seitenwechsel log2 (y) = x | Seitenwechsel
x = ln(y) x = log2 (y)
f −1 (y) = ln(y) f −1 (y) = log2 (y)
(A9) e2x−3 + 8 = 10 | −8
e2x−3 = 2 | ln
2x − 3 = ln(2) | +3
2x = ln(2) + 3 | :2
ln(2)+3
x= 2
! ! ! 110
Prohibitivpreis: xn = 0 ⇒ xn (p) = 0 ⇒ 110 − 1.2 · p = 0 ⇒ p = 1.2
= 91.67 GE/ME,
x = 110 − 1.2p
Gleichgewicht: Gleichungssystem .
p = 15 + 0.02x2
Einsetzverfahren: x = 110 − 1.2(15 + 0.02x2 ) ⇒ x = 110 − 18 − 0.024x2 ⇒ 0.024x2 + x − 92 = 0
⇒ x = 44.49 ME ⇒ p = 15 + 0.02 · 44.492 = 54.59 GE/ME.
!
(A4) G(x) = max ⇒ Scheitelpunkt der nach unten offenen Parabel;
−b −500
xs = 2a
= 2·(−0.1)
= 2500 ME; ys = G(2500) = 595000 GE.
!
(A5) G(x) = 0 ⇒ x ∈ {−2, 1, 6}; Gewinnzone = [1, 6] ME.
K(x) !
(A6) Betriebsoptimum: Minimale Stückkosten k(x) = x
= min
K(x)−K(0) !
Betriebsminimum: Minimale variable Stückkosten kv (x) = x
= min
(A7) p effektive Wachstumsrate p.a. ⇒ q = 1 + p Wachstumsfaktor p.a.
p stetige Wachstumsrate p.a. ⇒ q = ep Wachstumsfaktor p.a.
9
(A8) q = 1.05 24 = 1.018465
Bemerkung (WM2): Die Steigung (2x + x3 − 46)0 = 2x · ln(2) + 3x2 > 0 für alle x.
Eine streng monoton wachsende Funktion kann höchstens eine Nullstelle haben.
(A5) 3x = 2x + x2 + x3 | 2x − x2 − x3
3x − 2x − x2 − x3 = 0 | Solver
Startwert: x = 0 ⇒ x1 = 0
Startwert: x = 10 ⇒ x1 = 4.3992
Startwert: x = 2 ⇒ x1 = 0.4162
Startwert: x = −10 ⇒ x1 = −1.1312
Absicherung durch Grafik: y = 3x − 2x − x2 − x3
!
(A6) 5500 · 1.02x + 3000 · 1.03x + 4800 · 1.04x = 20000 | −20000
5500 · 1.02x + 3000 · 1.03x + 4800 · 1.04x − 20000 = 0 | Solver
Startwert: x = 0 ⇒ x = 13.82 Jahre
Bemerkung: Der Term auf der linken Seite der Gleichung ist streng monoton wachsend. Es kann
deshalb nur eine Lösung geben!
(A7) 2x > x2 | −x2
2x − x2 > 0 | Graph y = 2x − x2 , wo liegt der Graph über der x-Achse? ⇒ Gleichung 2x − x2 = 0 liefert
die Trennpunkte!
2x − x2 = 0 | Solver
Startwert: x = 0 ⇒ x1 = −0.7667
Startwert: x = 5 ⇒ x2 = 4
Startwert: x = 2 ⇒ x3 = 2
Startwert: x = 10 ⇒ x1 = −0.7667
Startwert: x = −5 ⇒ x1 = −0.7667
Grafik: y = 2x − x2
a = 0.01
Übersetzt als Gleichungssystem b = 20
c = 500
⇒ K(x) = 0.01x2 + 20x + 500.
(A3) a) Das System hat keine Lösung, b) Das System hat genau eine Lösung, c) Das System hat unendlich
viele Lösungen.
4 Zahlenfolgen
(A1) a Rekursiv: a1 = 3, an+1 = an + 2 (arithmetische Folge)
a Explizit: an = a1 + (n − 1) · d = 3 + (n − 1) · 2 = 3 + 2n − 2 = 2n + 1
b Rekursiv: b1 = 5, bn+1 = bn · 2 (geometrische Folge)
b Explizit: bn = b1 + q n−1 = 5 + 2n−1 = 5 · 2n · 2−1 = 2.5 · 2n
d
(A2) AF a1 = 3, d = 2, n = 10 ⇒ sn = 2
· n2 + (a1 − d2 ) · n = 2
2
· 102 + (3 − 22 ) · 10 = 120.
n2 ·( 2
+ 3) 2
+3
2 n2 n2
(A3) lim 2+3n = lim = lim = 0+3
= 3.
n→∞ n2 −6n n→∞ n→∞ 1−0
n2 ·(1− 6
) 1− 6
n n
0.5 a1 2
(A4) GF mit a1 = 2 und q = 2
= 0.25 ⇒ lim sn = 1−q
= 1−0.25
= 2.6
n→∞
(A5) a1 = 3, a2 = 4, a3 = 4 · 3 = 12, a4 = 12 · 4 = 48, a5 = 48 · 12 = 576.
5 Finanzmathematik
5.1 Zinsen
3
(A1) Lineare Rechnung: 100000 · 0.012 · 12
= 300 CHF
3
Exponentielle Rechnung: 100000 · 1.012 12 − 100000 = 298.66 CHF
(A2) 100000 · (1 + 0.012 · 20) = 124000 CHF (linear)
100000 · 1.01220 = 126943.44 CHF (effektiv)
100000 · e0.012·20 = 127124.92 CHF (stetig)
(A3) Zinssatz pro Jahr (= p.a.) p effektiv ⇒ Aufzinsfaktor p.a. q = 1 + p
p m
Zinssatz pro Jahr (= p.a.) p nominell m-fach ⇒ Aufzinsfaktor p.a. q = (1 + m
)
Zinssatz pro Jahr (= p.a.) p stetig ⇒ Aufzinsfaktor p.a. q = ep
(A4) Eulersche Zahl = e = 2.71828182845 . . .
Kreiszahl Pi = π = 3.1415926535 . . .
q 5 −1 !
(A3) 2000 · q−1
· q 6 = 15000 | Solve for q
q = 1.0517 ⇒ effektive Rendite p = q − 1 = 5.17% p.a.
10
−1 ! 120
q ( 12 ) −1 11
(A4) q = 1.02, Vergleich der Barwerte: 10000 · qq−1 · q −10 = x · 1 · q −(9+ 12 )
q ( 12 ) −1
q 10 −1 ! 120
q ( 12 ) −1 11 ( 1 ) 11
· q −10 = x · · q −(9+ 12 ) | · q( 120 )−1 · q (9+ 12 )
12
10000 · 1
q−1 q ( 12 ) −1 q 12 −1
1
q 10 −1 q ( 12 ) −1 11
10000 · · q −10 · 120 · q (9+ 12 ) = x
q−1 q ( 12 ) −1
1 1
q 10 −1 q ( 12 ) −1 1
q ( 12 ) −1 1
x = 10000 · · 120 · q −( 12 ) = 10000 · · q −( 12 ) = 824.43 CHF
q−1 q ( 12 ) −1 q−1
q 20 −1 !
(A5) q = 1.02, x · q−1
· q −20 = 100000
q 20 −1 !
x· q−1
· q −20 = 100000 | · qq−1
20 −1
· q 20
q−1
x = 100000 · q 20 −1
· q 20 = 6115.67 CHF
(A6) q = 1.03, Zinsaufwand = 0.02 · 100000 = 2000 jährlich nachschüssig.
q 20 −1
Gesamtschuld bewertet auf t = 10 ⇒ GS(10) = 100000 · q −10 + 2000 · q−1
· q −10 = 114397.56 CHF
120
q 12 −1
Rückzahlung bis t = 10 bewertet auf t = 10 ⇒ RZ(10) = 500 · 1 = 69724.00 CHF
q 12 −1
Restschuld nach 10 Jahren ⇒ RS(10) = GS(10) − RZ(10) = 114397.56 − 69724.00 = 44673.56 CHF
RS(10) 44673.56
Schuldenquote per t = 10 ⇒ GS(10)
= 114397.56
= 39.05%
RZ(10)
Rückzahlungsquote per t = 10 ⇒ GS(10)
= 60.95%