0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
27 Ansichten26 Seiten

Deutscher Bundestag: Stenographischer Bericht 49. Sitzung

Bundestag Protokoll

Hochgeladen von

Fred
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
27 Ansichten26 Seiten

Deutscher Bundestag: Stenographischer Bericht 49. Sitzung

Bundestag Protokoll

Hochgeladen von

Fred
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

Plenarprotokoll 10/49

Deutscher Bundestag
Stenographischer Bericht

49. Sitzung

Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Inhalt:

Fragestunde MdlAnfr 17, 18 20.01.84 Drs 10/908


— Drucksache 10/908 vom 20. Januar 1984 — Dr. Sperling SPD
Antw PStSekr Dr. Voss BMF . 3490 B, C, D, 3491A, B
Anwendung der 30 %-Kappungsklausel bei ZusFr Dr. Sperling SPD 3490C, D
bindungsfrei gewordenen Sozialwohnungen ZusFr Krizsan GRÜNE 3491 A
MdlAnfr 2 20.01.84 Drs 10/908 ZusFr Stahl (Kempen) SPD 3491 A
Grünbeck FDP
ZusFr Fischer (Homburg) SPD 3491 B
Antw PStSekr Erhard BMJ . . . 3487 B, D, 3488A
ZusFr Grünbeck FDP 3487 D
ZusFr Dr. de With SPD 3488 A Beförderungs-Planstellen für Bundesbe-
amte im Jahr 1984
Eindämmung des Wasserverbrauchs durch MdlAnfr 19 20.01.84 Drs 10/908
Einbau von Zwischenwassermessern Becker (Nienberge) SPD
MdlAnfr 4, 5 20.01.84 Drs 10/908 Antw PStSekr Dr. Voss BMF 3491 B, D
Dr. Soell SPD ZusFr Becker (Nienberge) SPD . . . 3491C, D
Antw PStSekr Dr. Jahn BMBau . . . 3488 B, C, D
ZusFr Dr. Soell SPD 3488 C
Kauf eines Geländes der Industrieverwal-
ZusFr Krizsan GRÜNE 3488 C tungsgesellschaft mbH in Homburg/Saar
ZusFr Dr. Sperling SPD 3488 D durch die Saarbergwerke AG zwecks Anle-
gung einer Kohlenhalde; Ablehnung des
Kaufs 1981 durch den damaligen Parla-
Serienproduktion von Fahrzeugen mit Kata-
mentarischen Staatssekretär Haehser aus
lysatoren; Verstärkung des Angebots an
umweltpolitischen Gründen
bleifreiem Benzin
MdlAnfr 21, 22 20.01.84 Drs 10/908
MdlAnfr 14, 15 20.01.84 Drs 10/908
Fischer (Homburg) SPD
Seehofer CDU/CSU
Antw PStSekr Dr. Voss BMF . 3491D, 3492 A, B, C, D,
Antw PStSekr Spranger BMI . 3489 A, B, C, D, 3490 A
3493 A, B, C, D, 3494 A, B, C
ZusFr Seehofer CDU/CSU 3489 C ZusFr Fischer (Homburg) SPD . . . 3492 A, B, D
ZusFr Stahl (Kempen) SPD . . . 3489D, 3490A ZusFr Dr. Sperling SPD 3493A, 3494 C
ZusFr Fischer (Homburg) SPD 3489 D ZusFr Lambinus SPD 3493A, 3494 C
ZusFr Stahl (Kempen) SPD .. 3493B, 3494 B
Neugestaltung der steuerlichen Behand-
lung von Wohnungseigentum, insbeson- ZusFr Gansel SPD 3493C, D
dere von Veräußerungsgewinnen ZusFr Dr. Scheer SPD 3493D, 3494A
II Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Anteil der Bundesrepublik Deutschland ZusFr Grünbeck FDP 3501A


am Europäischen Regionalfonds
ZusFr Lambinus SPD 3501 B
MdlAnfr 23 20.01.84 Drs 10/908
Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU ZusFr Dr. Sperling SPD 3501 B
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . . . 3494 D,
Existenzgründungen im Jahr 1983 im Ver-
3495 A, B, C
gleich zum Vorjahr; Zahl der Arbeitsplätze
ZusFr Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU . 3495 A,B zwei Jahre nach Gründung
ZusFr Dr. Sperling SPD 3495 B MdlAnfr 30, 31 20.01.84 Drs 10/908
Uldall CDU/CSU
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi 3501 C, D, 3502A
Eventuelle militärische Verwendung der
in Rumänien nach einer Lizenz der Fir- ZusFr Uldall CDU/CSU 3501 D
ma Motoren-Turbinen-Union hergestellten ZusFr Becker (Nienberge) SPD 3502 A
Motoren
ZusFr Bachmaier SPD 3502 A
MdlAnfr 24 20.01.84 Drs 10/908
Frau Reetz GRÜNE Zahl und Ursachen der Schließungen von
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . . 3495 C, D, Betrieben zwei Jahre nach deren Grün-
3496A, B dung
ZusFr Frau Reetz GRÜNE 3495 D MdlAnfr 33, 34 20.01.84 Drs 10/908
Jung (Lörrach) CDU/CSU
ZusFr Gansel SPD 3496 A
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . 3502 B, C, D,
ZusFr Krizsan GRÜNE 3496 A 3503 A, C, D, 3504A
ZusFr Lambinus SPD 3496 B . 3502C, 3503 B
ZusFr Jung (Lörrach) CDU/CSU
ZusFr Grünbeck FDP 3496 B . . . 3502D, 3503 D
ZusFr Dr. Schöfberger SPD
ZusFr Dr. Sperling SPD 3503 A
Lieferung von kugelsicheren Panzerwe- ZusFr Stiegler SPD 3503 C
sten an Syrien 3504 A
ZusFr Bachmaier SPD
MdlAnfr 25, 26 20.01.84 Drs 10/908
Gansel SPD Ansätze im Bundeshaushalt 1984 für Maß-
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . . 3496 C, D, nahmen der öffentlichen Hand im Sinne
3497 A, B, C, D, 3498 A, B, C, D, 3499 A, B, C, D des § 8 Absätze 1 und 2 Bundesnatur-
schutzgesetz
ZusFr Gansel SPD 3496C, D, 3497A, B
MdlAnfr 37 20.01.84 Drs 10/908
ZusFr Lambinus SPD 3497C, 3499A Dr. Schöfberger SPD
ZusFr Dr. Sperling SPD 3497 D, 3498 A Antw PStSekr Gallus BML 3504 B, C, D
ZusFr Horacek GRÜNE 3498A, B 3504 C
ZusFr Dr. Schöfberger SPD
ZusFr Peter (Kassel) SPD 3498 B,C ZusFr Stiegler SPD 3504 C
ZusFr Catenhusen SPD 3498 C
ZusFr Kirschner SPD 3498D, 3499 A Maßnahmen gegen die im Abschlußbericht
der Projektgruppe „Aktionsprogramm
ZusFr Krizsan GRÜNE 3499 A Ökologie" aufgeführten „schwerwiegenden
ZusFr Stratmann GRÜNE 3499 B ökologischen Schwachstellen" der Land-
3499 C wirtschaft
ZusFr Stahl (Kempen) SPD
3499 C MdlAnfr 38 20.01.84 Drs 10/908
ZusFr Antretter SPD
Dr. Schöfberger SPD
Antw PStSekr Gallus BML . . . 3504D, 3505 C,D
Auswirkungen der Berufsgrundbildungs- ZusFr Dr. Schöfberger SPD 3505 C
jahr-Anrechnungsverordnung auf die Aus-
ZusFr Stiegler SPD 3505 D
bildungsplatzsituation
MdlAnfr 28, 29 20.01.84 Drs 10/908 Nächste Sitzung 3505 D
Kastning SPD
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . . . 3499D,
3500 A, B, C, D, 3501 A, B, C
ZusFr Kastning SPD . . . . 3500 A,B,C, 3501C
Anlage 1
ZusFr Kuhlwein SPD 3500C, D
ZusFr Krizsan GRÜNE 3500D, 3501 A Liste der entschuldigten Abgeordneten . 3507* A
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 III

Anlage 2 MdlAnfr 20 20.01.84 Drs 10/908


Dr. Steger SPD
Mißbildungen bei Kindern infolge übermä-
ßigen Alkoholgenusses der Mütter wäh- SchrAntw PStSekr Dr. Voss BMF . . . . 3508*A
rend der Schwangerschaft
MdlAnfr 3 20.01.84 Drs 10/908
Schlottmann CDU/CSU Anlage 5
SchrAntw PStSekr Frau Karwatzki
BMJFG 3507* B Ausdehnung der im Altölgesetz für die Bin-
nenschiffahrt vorgesehenen Bezuschus-
sung auf die Entsorgung von Hochseeschif-
fen
Anlage 3
MdlAnfr 27 20.01.84 Drs 10/908
Höhe des für 1984 erwarteten Steuerauf- Austermann CDU/CSU
kommens; Zusammenhang mit der wirt- SchrAntw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . 3508* C
schaftlichen Entwicklung
MdlAnfr 16 20.01.84 Drs 10/908
Kirschner SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Voss BMF . . . . 3507* C Anlage 6
Zahl der von Frauen beantragten Existenz
-gründusalehn
Anlage 4 MdlAnfr 32 20.01.84 Drs 10/908
Förderung von Biogasanlagen nach § 82 a Frau Männle CDU/CSU
EStDV SchrAntw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . 3508* C
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3487

49. Sitzung

Bonn, den 25. Januar 1984

Beginn: 13.00 Uhr

Vizepräsident Wurbs: Die Sitzung ist eröffnet. richtshof zur Entscheidung vorzulegen. Wie mir be-
kannt ist, haben sowohl in Bayern als auch in Nie-
Ich rufe Punkt 1 der Tagesordnung auf: dersachsen wenigstens zwei Landgerichte bereits
den Erlaß eines Rechtsentscheids zu der vorliegen-
Fragestunde den Rechtsfrage beantragt.
— Drucksache 10/908 — Zum anderen besteht auch in rechtstatsächlicher
Wir kommen zunächst zum Geschäftsbereich des Hinsicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Bedarf
Bundesministers der Justiz. Zur Beantwortung der an gesetzgeberischen Maßnahmen. Untersuchun-
Fragen steht der Parlamentarische Staatssekretär gen der Bundesregierung haben nämlich ergeben,
Erhard zur Verfügung. daß ausgesprochene Problemfälle in zunehmendem
Ich rufe die Frage 1 der Frau Abgeordneten Reetz Maße erst ab 1987 auftreten können. Auch hierbei
auf. — Frau Reetz ist nicht im Raum. Die Frage wird es sich nach Schätzungen der Bundesregie-
wird nicht beantwortet. rung insgesamt auch nur um eine relativ niedrige
Zahl von Fällen handeln. Gemessen an der Gesamt-
Ich rufe die Frage 2 des Abgeordneten Grünbeck
zahl aller dann freiwerdenden Sozialwohnungen —
auf:
ab 1987 ist mit bis zu 265 000 Fällen zu rechnen —,
Sieht die Bundesregierung in Anbetracht der Rechtsstrei- sind gesetzgeberische Maßnahmen nicht erforder-
tigkeiten, der ergangenen Urteile und Berufungen nicht jetzt
einen dringenden Handlungsbedarf, um im Sinne des § 2 des
lich.
Miethöhengesetzes die 30-Prozent-Kappungsklausel auch bei Die Bundesregierung wird aber die Entwicklung
bindungsfrei gewordenen Sozial- und Staatsdienst-Wohnun- in jedem Fall aufmerksam verfolgen. Gesetzgeberi-
gen in jeder Weise unumstritten zu ermöglichen?
sche Schritte behält sie sich für die Zukunft dann
Bitte, Herr Staatssekretär. vor, wenn eine befriedigende Klärung durch die
Obergerichte nicht erfolgt sein sollte und neue
Erhard, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister rechtstatsächliche Erkenntnisse einen Handlungs-
der Justiz: Herr Kollege Grünbeck, das in der Frage bedarf nach sich ziehen.
angesprochene Problem wird von der Bundesregie-
rung gesehen und ernst genommen. Nach Abstim- Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage? — Bitte, Herr
mung zwischen dem Bundesminister der Justiz und Abgeordneter.
dem Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen
und Städtebau sieht die Bundesregierung gegen- Grünbeck (FDP): Herr Staatssekretär, sind dann
wärtig allerdings keinen gesetzgeberischen Hand- die Meldungen in einer bedeutenden Zeitung falsch,
lungsbedarf. wonach die Umwandlung von Mietwohnungen in
Zum einen ist in Kürze eine Klärung der Rechts- Eigentumswohnungen sowohl bei freifinanzierten
frage, ob die 30%ige Kappungsgrenze auch in den als auch bei Sozialmietwohnungen möglich ist?
sogenannten Übergangsfällen Anwendung findet,
durch obergerichtliche Entscheidungen zu erwar- Erhard, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, es ist
ten. Zur Vereinheitlichung der Rechtsprechung in mir nicht möglich, Zeitungsmeldungen, die ich
Mietsachen hat der Gesetzgeber, wie Sie sicher ge- selbst nicht gelesen habe, als richtig oder falsch zu
nau wissen, das Rechtsentscheidverfahren einge- beurteilen.
richtet. Hiernach können die Landgerichte bei den
zuständigen Oberlandesgerichten den Erlaß von Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage.
Rechtsentscheiden beantragen. Die im Rechtsent-
scheidverfahren von einem Oberlandesgericht ge- Grünbeck (FDP): Herr Staatssekretär, sehen Sie
troffene Entscheidung ist für die unteren Gerichte nicht dennoch eine Möglichkeit oder eine Notwen-
bindend. Will ein Oberlandesgericht von der Ent- digkeit, in Anbetracht der von Ihnen genannten
scheidung eines anderen Oberlandesgerichts ab- Zahl — Sie sprachen davon, daß in den nächsten
weichen, hat es die Rechtsfrage dem Bundesge- Jahren 265000 Sozialwohnungen in Eigentumswoh-
3488 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Grünbeck
nungen ungewandelt werden — eine klare Rechts- brauchs stünde. Das ist nach den Erkenntnissen
lage zu schaffen? der Bundesregierung nicht der Fall. Die Bundesre-
gierung hat daher nicht die Absicht, eine gesetzli-
Erhard, Pari. Staatssekretär: Bei den 265 000 Fül- che Pflicht zum Einbau von Zwischenwassermes-
len, die ab 1987 auftreten können, handelt es sich sern einzuführen.
nicht um solche, in denen eine Umwandlung erfolgt.
Vielmehr werden die Wohnungen nur von der Bin- Vizepräsident Wurbs: Zu einer Zusatzfrage Herr
dung frei. Insofern sollte man, meine ich, die ober- Abgeordneter Dr. Soell.
gerichtliche Rechtsprechung abwarten, zumal die
Obergerichte bereits angerufen sind. Dr. Soell (SPD): Auf welche Untersuchungen
stützt sich die Bundesregierung bei dieser Aussage,
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage des Ab- daß der Ertrag — insbesondere die Einsparung des
geordneten de With. Wasserverbrauchs — nicht groß genug wäre, um
eine gesetzliche Bestimmung in dieser Richtung er-
Dr. de With (SPD): Herr Staatssekretär, unter- forderlich zu machen?
stellt, die zitierte Zeitungsmeldung ist richtig: Kön-
nen Sie dazu eine Erklärung abgeben? Dr. Jahn, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, wir
haben diese Frage umfassend geprüft. Die Anfrage,
Erhard, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege de die Sie heute stellen, ist von der Bundesregierung
With, ich habe nicht die Befugnis, für die Bundesre- bereits in der Drucksache 9/2404 beantwortet wor-
gierung auf Eventualitäten hin hier verbindliche den, und zwar auf die Frage 56 des Abgeordneten
Erklärungen abzugeben. Kansy. Dort sind nähere Ausführungen gemacht.
(Dr. de With [SPD]: Aber die Frage eines Im übrigen bin ich gerne bereit, diese Frage auch
Abgeordneten zu beantworten!) noch schriftlich konkreter zu beantworten.
(Dr. Soell [SPD]: Ich bitte darum!)
Vizepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra-
gen mehr. Ich danke, Herr Staatssekretär. Vizepräsident Wurbs: Zu einer Zusatzfrage, Herr
Ich rufe nunmehr den Geschäftsbereich des Bun- Abgeordneter Krizsan.
desministers für Jugend, Familie und Gesundheit
auf. Krizsan (GRÜNE): Herr Staatssekretär können
Zu Frage 3 hat der Fragesteller, Abgeordneter Sie sagen, wie teuer solche Zwischenwassermesser
Schlottmann, um schriftliche Beantwortung gebe- sind, damit man Ihre Aussage, das sei sehr teuer,
ten. Die Antwort wird als Anlage abgedruckt. quantifizieren kann?
Ich rufe den Geschäftsbereich des Bundesmini-
Dr. Jahn, Parl. Staatssekretär: Ich müßte umfang-
sters für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
reiche Erhebungen durchführen, wie teuer die Meß-
auf. Zur Beantwortung steht der Parlamentarische
geräte im Einzelfall sind. Wichtig ist die Frage, ob
Staatssekretär Dr. Jahn zur Verfügung.
die Anschaffung solcher Meßgeräte in der richtigen
Ich rufe die Frage 4 des Abgeordneten Dr. Soell Relation zu dem damit gewünschten Erfolg steht.
auf: Die Bundesregierung vertritt die Auffassung, daß
Ist der Bundesregierung bekannt, daß durch den Einbau das, was hier als sachliches Anliegen vorgetragen
von Zwischenwassermessern auch in älteren Eigentumswoh- wird, durchaus freiwillig praktiziert werden kann.
nungen eine beträchtliche Eindämmung des Wasserver-
brauchs erreicht werden könnte?
Nur sehen wir keinen Vorteil darin, dies gesetzlich
als Zwang einzuführen.
Ich bitte sehr, Herr Staatssekretär.
(Krizsan [GRÜNE]: Können Sie nicht mal
Dr. Jahn, Parl. Staatssekretär beim Bundesmini- sagen, wie teuer das ist?)
ster für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau:
Herr Präsident, ich würde die Fragen gern im Zu- Vizepräsident Wurbs: Herr Abgeordneter Dr. Soell,
sammenhang beantworten dürfen. wollen Sie noch eine Frage stellen? — Nein.
Dann eine Zusatzfrage des Abgeordneten Dr.
Vizepräsident Wurbs: Herr Abgeordneter Dr. Soell, Sperling.
darf ich fragen, ob die beiden Fragen im Zusam-
menhang beantwortet werden können. Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, geht es
(Dr. Soell [SPD]: Ja!) Ihnen so wie Ihrem Amtsvorgänger und Ihren an-
deren Kollegen auf der Regierungsbank, daß Sie
— Dann rufe ich auch die Frage 5 des Abgeordne-
auf solche Detailfragen zu Ihrem Bedauern keine
ten Dr. Soell auf: Antwort wissen?
Beabsichtigt die Bundesregierung, dieses sinnvolle Vorha-
ben durch eine entsprechende Gesetzesinitiative in die Tat
umzusetzen?
Dr. Jahn, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, wenn
ich danach gefragt werde, was ein bestimmter Was-
Dr. Jahn, Parl. Staatssekretär: Der Einbau von sermesser tatsächlich kostet, dann bin ich in die-
Zwischenwassermessern wäre nur sinnvoll, wenn sem Moment ebenso überfragt, wie das der frühere
der damit verbundene — sehr hohe — kostenmä- Parlamentarische Staatssekretär Sperling wäre,
ßige Aufwand in einem vertretbaren Verhältnis zu wenn er jetzt hier stünde.
der zu erwartenden Einsparung des Wasserver- (Heiterkeit)
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3489

Vizepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra- 1986 entsprechend dem sich dann entwickelnden
gen. Bedarf angeboten werden.
Ich danke Ihnen, Herr Staatssekretär. Beide Verbände haben zugesagt, sich in Kürze
Ich rufe den Geschäftsbereich des Bundesmini- auf der Grundlage der bereits in Erprobung befind-
sters des Innern auf. Zur Beantwortung steht der lichen Testkraftstoffe über die Qualitätsdaten des
Parlamentarische Staatssekretär Spranger zur Ver- bleifreien Benzins zu verständigen. Die Arbeiten an
fügung. der Kraftstoffnormung der DIN 51600 sind bereits
eingeleitet worden. Ich gehe davon aus, daß diese
Ich rufe die Frage 11 des Abgeordneten Lennartz
Arbeiten zügig vorangetrieben und in Kürze abge-
auf. — Der Abgeordnete Lennartz ist nicht im Saal.
schlossen werden. Hierbei darf es keinerlei Verzö-
Es wird verfahren, wie für diesen Fall vorgesehen.
gerung mehr geben. Dann steht der sofortigen
Das gleiche gilt für die Frage 12 des Abgeordne- Markteinführung von bleifreiem Normalbenzin und
ten Lennartz. einer Versorgung der für bleifreies Normalbenzin
Ich rufe nunmehr die Frage 13 des Abgeordneten ausgelegten US-Modelle nichts mehr im Wege.
Hirsch auf. Er ist auch nicht im Saal. Es wird
ebenso verfahren. Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte sehr.
Ich rufe die Frage 14 des Abgeordneten Seehofer Seehofer (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, kön-
auf: nen Sie sagen, warum man hier beim zeitlichen
Trifft es zu, daß bundesdeutsche Automobilhersteller be- Vollzug zwischen Normalbenzin und Superbenzin
reits jetzt Personenkraftwagen in Serie mit Katalysatoren
anbieten?
unterscheidet, warum das eine sofort und das an-
dere erst ab 1986 verfügbar ist?
Bitte sehr, Herr Staatssekretär.
Spranger, Parl. Staatssekretär: Nach Angaben der
Spranger, Parl. Staatssekretär beim Bundesmini- beiden Verbände gibt es beim Superbenzin, sowohl
ster des Innern: Herr Kollege Seehofer, wegen des was die Festlegung der Normen als auch was die
sachlichen Zusammenhangs möchte ich beide technischen Probleme anbelangt, mehr Schwierig-
Frage zusammenfassend beantworten. keiten als beim Normalbenzin.

Vizepräsident Wurbs: Sind Sie damit einverstan- Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge-
den, Herr Abgeordneter? — Gut. Dann rufe ich auch ordneten Stahl.
die Frage 15 auf:
Stahl Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, wenn
(
Aus welchen Gründen ist es heute noch so schwierig, un-
verbleites Benzin auf dem freien Markt zu erhalten, und wie ich Sie richtig verstanden habe, haben Sie auf die
könnte hier Abhilfe geschaffen werden? Frage des Herrn Kollegen Seehofer bezüglich des
Einbaus von Katalysatoren geantwortet, daß ein
Spranger, Parl. Staatssekretär: Die in Ihren Fra- Unternehmen in der Bundesrepublik bereits derar-
gen angesprochenen Themenbereiche wurden vom tige Wagen hier im Markt ausliefert und verkauft.
Bundesinnenminister Dr. Zimmermann am 10. Ja- Darf ich Sie fragen, ob dies eine Serienfertigung all-
nuar 1984 in einem ausführlichen Gespräch mit den gemeiner Art ist, die im Markt ist, und, falls nicht,
Spitzenvertretern des Mineralölwirtschaftsverban- wieviel Mehrkosten dadurch verursacht werden
des und des Verbandes der Automobilindustrie er- und ob sie zusätzlich im Preis ausgewiesen werden
örtert. Dabei hat der Verband der Automobilindu- oder im Festpreis des Fahrzeugs enthalten sind.
strie die Bereitschaft der deutschen Automobilfir-
men unterstrichen, bereits vor dem von der Bundes- Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
regierung vorgesehenen Termin, 1. Januar 1986, mit Stahl, Ihre Frage enthält eine derartige Spezialisie-
Katalysatoren ausgestattete Pkw in der Bundesre- rung, daß ich, um Ihnen keine falschen Zahlen zu
publik Deutschland anzubieten. Soweit mir be- übermitteln, gern bereit bin, sie Ihnen schriftlich zu
kannt ist, werden bereits von einem Hersteller drei beantworten.
mit Katalysatoren ausgerüstete Fahrzeugtypen se-
rienmäßig angeboten. Weitere Hersteller prüfen zur Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage
Zeit ebenfalls die Möglichkeit, für ihre für den Ex- des Abgeordneten Fischer.
port in die USA produzierten mit Katalysatoren
Fischer (Homburg) (SPD): Herr Staatssekretär,
ausgerüsteten Fahrzeugtypen die Erteilung einer
gibt es Alternativen zu den Katalysatoren, oder ist
Allgemeinen Betriebserlaubnis zu beantragen und
vorgesehen, die Katalysatoren ab 1986 zwingend
diese hier anzubieten.
vorzuschreiben?
Die Mineralölwirtschaft hat gegenüber Bundesin-
nenminister Dr. Zimmermann erklärt, daß die Lie- Spranger, Parl. Staatssekretär: Es ist bekannt, daß
ferung von bleifreiem Normalbenzin zum 1. Januar sich die Bundesregierung im Hinblick auf die Kata-
1986 keine Probleme bereite. Die Mineralölindu- lysatorentechnik nicht festgelegt hat, weil die Auto-
strie ist grundsätzlich in der Lage, nach Festlegung mobilindustrie, und zwar weltweit, an Alternativen
der Kraftstoffspezifikation in der DIN 51600 blei- arbeitet, die technisch zu den gleichen Abgasgrenz-
freies Normalbenzin schon vor dem 1. Januar 1986 werten führen wie die Katalysatorentechnik. Es
entsprechend dem Bedarf anzubieten. Bleifreies wird eine Frage der technischen Entwicklung sein,
Superbenzin mit einer Qualität von 86 MOZ kann ob Alternativtechniken rechtzeitig zur Verfügung
nach Aussage der Mineralölwirtschaft ab 1. Januar stehen.
3490 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage tung der steuerlichen Behandlung von Wohneigen
des Abgeordneten Stahl. tum darauf hinweisen, daß der Sachverständigenrat
aus Gründen des Vertrauensschutzes für Bauher-
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, kön- ren, die in der Vergangenheit auf den Schuldzinsen-
nen Sie einmal der Frage nachgehen, ob in der Bun- abzug verzichten mußten, vorschlägt, bei der Ein-
desrepublik nicht schon mehrere Wagentypen, die führung der sogenannten Investitionsgutlösung für
mit Katalysatoren ausgerüstet sind, verkauft wer- die jetzigen Wohneigentümer eine Übergangsrege-
den? Denn es gab eine Zeitschrift, die behauptete, lung vorzusehen.
daß es eine ganze Menge, etwa 20, Typen von Fahr-
zeugen gebe, die die Grenzwerte, wie sie von Ihnen Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte sehr.
künftig festgelegt werden, erfüllen?
Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, prüft die
Spranger, Pari. Staatssekretär: Es ist bekannt, daß Bundesregierung dies auch in Zusammenarbeit mit
eine Reihe von Firmen — auch in der Größenord- den Finanzverwaltungen der Länder, um sicher zu
nung, wie Sie sie nennen — mehrere Fahrzeugty- sein, daß sie, welche Regelung auch immer sie fin-
pen in anderen Staaten, beispielsweise in den USA det, eine möglichst wenig bürokratische Regelung
anbieten, so daß die Information zutrifft, daß die sowohl für frühere Bauherren wie auch für die Bau-
Produktion von Fahrzeugtypen mit Katalysatoren herren der Zukunft findet?
größer ist, als sie speziel hier in der Bundesrepublik
Deutschland angeboten werden. Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Sper-
ling, Sie können davon ausgehen, daß eine umfas-
Vizepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra- sende Prüfung erfolgen wird, die natürlich im er-
gen mehr. Ich danke Ihnen, Herr Staatssekretär. sten Schritt unter den zuständigen Ressorts und
Ich rufe den Geschäftsbereich des Bundesmini- den beteiligten Referaten vor sich geht. Aber ich
sters der Finanzen auf. Zur Beantwortung steht der gehe davon aus, daß auch der Bereich, den Sie eben
Herr Parlamentarische Staatssekretär Dr. Voss zur angesprochen haben, in die Prüfung einbezogen
Verfügung. wird.
Der Fragesteller der Frage 16, der Abgeordnete
Kirschner, hat um schriftliche Beantwortung gebe- Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage, bitte.
ten. Die Antwort wird als Anlage abgedruckt.
Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, ist die
Ich rufe die Frage 17 des Abgeordneten Dr. Sper- Bundesregierung, um den Prüfungsaufwand büro-
ling auf: kratischer Art zwischen den Ressorts der Bundes-
Teilt die Bundesregierung die im letzten Jahresgutachten regierung nicht allzu hoch zu treiben, bereit, recht-
des Sachverständigenrates vertretene Auffassung, daß bei
der Neugestaltung der steuerlichen Behandlung von Wohn-
zeitig zur Kenntnis zu nehmen, was der eine der
eigentum eine höhere Besteuerung der jetzigen Wohneigen- Koalitionspartner zu diesem Thema deutlich und
tümer angebracht ist? öffentlich gesagt hat?
Bitte, Herr Staatssekretär.
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Sie können auch
Dr. Voss, Parlamentarischer Staatssekretär beim hier davon ausgehen, Herr Kollege, daß die Bundes-
Bundesminister der Finanzen: Herr Kollege Sper- regierung alles das zur Kenntnis nimmt, was von
ling, sind Sie einverstanden, daß ich wegen des den entsprechenden politischen Seiten geäußert
Sachzusammenhangs Ihre Fragen 17 und 18 zusam- wird, und daß sie das auch entsprechend in ihre
men beantworte? Überlegungen einbeziehen wird.
(Dr. Sperling [SPD]: Ja!)
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage, bitte
— Danke schön. sehr.
Vizepräsident Wurbs: Ich rufe zugleich die Fra- Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, da Sie
ge 18 des Abgeordneten Sperling auf: gesagt haben, die Bundesregierung werde die Prü-
Teilt die Bundesregierung die Auffassung aus dem letzten fungsergebnisse zu gegebener Zeit mitteilen, frage
Gutachten des Sachverständigenrates, daß es bei der Neuge-
ich: Wann könnte denn die Zeit etwa gegeben
staltung der steuerlichen Behandlung von Wohneigentum er-
forderlich ist, Veräußerungsgewinne, die beim Verkauf von sein?
Wohneigentum erzielt werden, steuerlich wirksamer zu er-
fassen? Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Sofort dann, Herr
Kollege, wenn die Prüfungen, die jetzt angelaufen
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Die Bundesregie- sind und die jetzt durchgeführt werden, beendet
rung prüft zur Zeit, Herr Kollege Sperling, die mög- sein werden.
lichen Formen der künftigen Besteuerung des -
selbstgenutzten Wohnraums. Zu einzelnen mate- Vizepräsident Wurbs: Sie haben noch eine Zusatz-
riell-rechtlichen Fragen kann daher zur Zeit keine frage, bitte.
Stellung genommen werden. Zu gegebener Zeit
wird die Bundesregierung das Ergebnis ihrer Prü- Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, würden
fung mitteilen. Sie als Sprecher der Bundesregierung Ihre soeben
Im übrigen darf ich bei der von Ihnen zitierten gegebene Antwort als sehr erleuchtend qualifizie-
Äußerung des Sachverständigenrats zur Neugestal- ren?
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3491

Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Diese Qualifika- des Jahres noch nicht bekannt ist, wie viele Beamte
tion, Herr Kollege, möchte ich Ihnen selbst überlas- von der Möglichkeit einer vorzeitigen Versetzung in
sen. den Ruhestand Gebrauch machen und wie viele Be-
(Sehr gut! bei der CDU/CSU) amte durch Tod, Entlassung oder Versetzung zu ei-
nem anderen Dienstherrn ausscheiden werden.
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage des Ab- Fest steht zur Zeit lediglich die Zahl der Beamten,
geordneten Krizsan. die im Jahre 1984 das 65. Lebensjahr erreichen und
in den Ruhestand treten. Die genaue Zahl müßte
Krizsan (GRÜNE): Herr Staatssekretär, ein belieb- durch Umfragen bei den einzelnen Ressorts ermit-
tes Wort in den Antworten der Bundesregierung telt werden. Bei einer groben Schätzung, bei der
scheint „prüfen" zu sein. Können Sie mir sagen: eine Ausscheidensquote von 2,5 bis 3 % der Beam-
Was tut denn die Bundesregierung noch, außer zu ten zugrunde gelegt wird, ergeben sich bei einem
prüfen? Planstellenbestand von 112 909 etwa 3 000 Ausschei-
densfälle. Diese 3 000 Ausscheidensfälle führen
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, die
dann zu Beförderungsmöglichkeiten für 9 000 Be-
sich anbietenden Möglichkeiten gegeneinander ab-
amte. Wegen der in das Haushaltsgesetz aufgenom-
zuwägen — das ist j a letztlich das, was man mit
menen Besetzungssperre wird im Jahre 1984 etwa
„Prüfen" bezeichnet — ist ein sehr wichtiger Weg
die Hälfte aller frei werdenden Stellen nicht im
und eine sehr wichtige Sache, um nicht zu falschen
gleichen Jahr in Anspruch genommen werden kön-
Lösungen zu gelangen. Daher legt die Bundesregie-
nen, so daß sich bei dieser Schätzung etwa 4 500
rung auf diesen Vorgang entscheidenden Wert.
Beförderungsmöglichkeiten im Jahre 1984 ergeben
(Zuruf des Abg. Lambinus [SPD]) werden.
Vizepräsident Wurbs: Herr Kollege Stahl. (Lambinus [SPD]: Und der Überhang vom
vorigen Jahr?)
Stahl Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, Sie
(

antworteten eben dem Kollegen Sperling, daß die Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, Herr Abgeord-
Bundesregierung prüft. Darf ich Sie fragen, wann neter, bitte.
die Prüfung zu Ende ist, bezogen auf einen festzule-
genden Termin? Becker (Nienberge) (SPD): Herr Staatssekretär,
ist es Ihnen auch möglich, die Beförderungsplan-
(Lambinus [SPD]: Auch das muß doch erst
stellen bei Bahn und Post zu nennen?
geprüft werden!)
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Es ist schwierig, Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, dazu
Herr Kollege, jetzt einen fixen Termin zu sagen, da wären spezielle Umfragen bei Bahn und Post erfor-
man ja bei Prüfungen und Verhandlungen, die man derlich, da hier die Verhältnisse anders sind als
mit einer Reihe von Partnern zu führen hat, nie beim Bund. Diese Umfragen sind bisher nicht er-
ganz genau sagen kann, wann man hier zeitlich folgt, so daß ich Ihnen im Moment keine präzise
abkommt. Aber Sie können auch hier sicher sein, Antwort zu geben vermag.
daß wir bestrebt sind, einen möglichst baldigen
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage.
Zeitpunkt für den Abschluß der Prüfung anzuge-
hen. Ich gehe davon aus, daß das im Laufe des Jah- Becker (Nienberge) (SPD): Herr Staatssekretär,
res absolut sein wird.
wären Sie bereit, mir diese Angaben noch zukom-
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage. Herr men zu lassen, und hätten Sie auch die Freundlich-
Abgeordneter Fischer. keit, das nach Laufbahnen für die beiden Bereiche
Bahn und Post zu unterteilen?
Fischer (Homburg) (SPD): Herr Staatssekretär,
können Sie bestätigen, daß das Ergebnis der Prü- Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Ich will versuchen,
fung als Steuerrecht zum 1. Januar 1985 in Kraft ob das möglich ist, und werde Ihnen dann die Ant-
treten kann? wort zukommen lassen.

Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Nein, das kann ich Vizepräsident Wurbs: Keine weitere Zusatzfrage.
nicht bestätigen. Der Fragesteller der Frage 20, Herr Abgeordneter
Dr. Steger, hat um schriftliche Antwort gebeten. Die
Vizepräsident Wurbs: Keine weitere Zusatzfrage. Antwort wird als Anlage abgedruckt.
Ich rufe die Frage 19 des Abgeordneten Becker Ich rufe die Frage 21 des Herrn Abgeordneten
(Nienberge) auf: Fischer (Homburg) auf:
Wie viele Beförderungs-Planstellen stehen im Jahr 1984
Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, daß die
für die Beamten des Bundes zur Verfügung?
Industrieverwaltungsgesellschaft mbH Gelände am ehemali-
Bitte, Herr Staatssekretär. gen Zollbahnhof in Homburg/Saar an die Saarbergwerke AG
verkauft hat zwecks Anlegung einer Kohlehalde?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Wie viele Beförde- Bitte, Herr Staatssekretär.
rungsplanstellen für Beamte, d. h. Stellen oberhalb
des Eingangsamtes, im Jahr 1984 frei werden, Herr Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Die Geschäftslei-
Kollege, und für Beförderungen genutzt werden tungen der Bundesunternehmen führen ihre Gesell-
können, läßt sich nicht genau sagen, weil zu Beginn schaften unter Kontrolle des Aufsichtsrats in eige-
3492 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Parl. Staatssekretär Dr. Voss


ner Verantwortung. Soweit die Entscheidungen Aber die zweite Frage, Herr Präsident, ist noch
keine Nachteile für die Gesellschaft oder für den nicht aufgerufen.
Eigentümer Bund zur Folge haben und nicht gegen
geltendes Gesetz verstoßen, sieht die Bundesregie- Vizepräsident Wurbs: Das ist richtig. Aber der Ab-
rung keinen Anlaß, bei den Geschäftsleitungen ein- geordnete Fischer hatte im Zusammenhang mit
zugreifen. Die Veräußerung des Geländes der Indu- Herrn Haehser zur zweiten von ihm eingebrachten
strieverwaltungsgesellschaft am ehemaligen Zoll- Frage eine Zusatzfrage gestellt, so daß ich zugrunde
bahnhof in Homburg/Saar an die Saarbergwerke gelegt habe, daß er insgesamt vier Zusatzfragen
AG entspricht den genannten Gesichtspunkten. stellen kann.
Aber, bitte, Herr Parlamentarischer Staatssekre-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte sehr. tär, beantworten Sie nun die Frage 22 des Abgeord-
neten Fischer (Homburg):
Fischer (Homburg) (SPD): Herr Staatssekretär, ist Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, daß der
Ihnen bekannt, daß das angekaufte Gelände, auf damalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium,
dem von der Saarbergwerke AG die geplante Koh- Haehser, am 5. März 1981 bestätigt hat, daß die Saarberg-
lenhalde angelegt werden soll, im Westen der Stadt werke als Käufer obigen Geländes aus umweltpolitischen
Erwägungen nicht in Frage kommen?
Homburg liegt und daß die Stadt Homburg die Me-
dizinische Fakultät der Universität des Saarlandes Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Im Zeitpunkt der
und die Landeskrankenanstalten beheimatet? Zusage des ehemaligen Parlamentarischen Staats-
sekretärs Haehser, daß die Saarbergwerke AG aus
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Das ist mir be- Umweltschutzgründen als Erwerber des Grund-
kannt, Herr Kollege. stückes ausscheide, befanden sich sowohl die Stadt
Homburg als auch die Saarbergwerke AG in aus-
Fischer (Homburg) (SPD): Ist Ihnen auch be- sichtsreichen Kaufverhandlungen mit der Indu-
kannt, daß der damalige Staatssekretär Herr Haeh- strieverwaltungsgesellschaft. Bei dieser Sachlage
ser, nachdem er das Gelände besichtigt hatte, mit ist es verständlich, daß der damalige Parlamentari-
Schreiben vom März 1981 erklärt hat, daß die Saar- sche Staatssekretär Haehser aus übergeordneten
bergwerke als Käufer dieses Geländes der IVG aus- Gesichtspunkten die Stadt als Erwerber bevor-
scheiden? zugte.
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, auch In den späteren Verhandlungen konnte jedoch
das ist mir bekannt. Damals waren Verhandlungen kein Einvernehmen über die Zahlungsbedingungen
zwischen der Stadt Homburg und den Saarbergwer- mit der Stadt erreicht werden. Auf ein Angebot der
ken im Gange. Es sah damals so aus, als ob man zu Industrieverwaltungsgeseilschaft vom 11. Mai 1982
einem befriedigenden Abschluß mit der Stadt kom- ist die Stadt Homburg nicht mehr eingegangen. Da
men würde. Ich gehe davon aus, daß aus diesem die Saarbergwerke AG bereit war, den von der In-
Grunde Herr Kollege Haehser damals die Meinung dustrieverwaltungsgesellschaft geforderten Kauf-
vertreten hat, daß die Saarbergwerke als Käufer preis zu zahlen und die Zahlungsbedingungen zu
ausscheiden würden. Das hat sich aber später als akzeptieren, stimmte der Aufsichtsrat der Indu-
nicht realistisch erwiesen, weil halt die Preisvor- strieverwaltungsgesellschaft am 8. Juni 1983 dem
stellungen bei der Stadt nur in einem Umfange vor- Verkauf zu.
handen waren, der mit den Vorstellungen des Ver- Im übrigen, Herr Kollege, bedarf die Errichtung
äußerers nicht übereinstimmte. einer Kohlenhalde auf diesem Grundstück der Ge-
nehmigung der Stadt.
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage? —
Bitte. Vizepräsident Wurbs: Eine letzte Zusatzfrage,
bitte.
Fischer (Homburg) (SPD): Sind jetzt meine beiden
Fragen beantwortet? Fischer (Homburg) (SPD): Herr Staatssekretär,
können Sie bestätigen, daß der damalige Staatsse-
Vizepräsident Wurbs: Herr Abgeordneter, ent- kretär Karl Haehser als Begründung unter Punkt 1
schuldigen Sie, Sie haben eben gerade schon eine angeführt hat, daß die Saarbergwerke AG aus um-
Frage zu Ihrer zweiten Frage gestellt, so daß ich weltpolitischen Gesichtspunkten ausscheide?
davon ausgehe, daß Sie insgesamt vier Fragen zur
Verfügung haben. Sie haben jetzt noch zwei Fra- Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Damals ist die
gen. Rede davon gewesen, daß die Saarbergwerke AG
ausscheide, weil wohl die berechtigte Aussicht be-
Fischer (Homburg) (SPD): Welche Verhandlungen stand, daß die Stadt Homburg das Grundstück zu
sind von seiten der IVG mit der Stadt Homburg den Konditionen erwerben würde, die gestellt wor-
geführt worden und mit welchem Ergebnis? den sind.
(Fischer [Homburg] [SPD]: Meine Frage ist
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Die Verhandlungen damit nicht beantwortet, Herr Präsident!
mit der Stadt Homburg sind so verlaufen, daß man Ich habe gefragt — —)
sich hinsichtlich des Preises nicht zu einigen ver-
mochte. Daher ist es nicht zu einem Abschluß ge- Vizepräsident Wurbs: Einen Augenblick, Herr Ab-
kommen. geordneter. Das ist eine Wertung. Sie haben vier
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3493

Vizepräsident Wurbs
Fragen gestellt. Ihnen stehen nur vier Zusatzfragen Homburg von der SPD bestimmt, so daß es mir ver-
zu. hältnismäßig schwer sein dürfte, mich in die Inten-
(Fischer [Homburg] [SPD]: Zwischen Um tionen und die Motivationen dieses Gremiums hin-
weltpolitik und Finanzpolitik besteht ein einzugeben.
Unterschied! Meine Frage ist nicht beant (Sehr gut! bei der CDU/CSU — Stahl [Kem
wortet!) pen] [SPD]: Auch dies ist falsch!)
Das Wort zu einer Zusatzfrage hat der Herr Abge-
ordnete Dr. Sperling. Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage des Ab-
geordneten Gansel.
Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, muß ich
aus dem Zusammenhang Ihrer Antworten entneh- Gansel (SPD): Herr Staatssekretär, sind Sie be-
men, daß diese Bundesregierung als Eigentümerin reit, nach der Lektüre des Protokolls der Frage-
der entsprechenden Firma die Vernachlässigung stunde den Eindruck zu korrigieren, daß umweltpo-
des Umweltschutzes nicht als Nachteil erkennen litische Erwägungen zurückgestellt worden sind,
kann und darum dem Aufsichtsrat nicht die Wei- nachdem bei der Saarbergwerke AG ein höherer
sung gegeben hat, den entsprechenden Ankauf zu Verkaufspreis als bei der Stadt Homburg zu erzie-
verhindern? len war?

Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, das Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Gan-
müssen Sie nicht annehmen, und nach meiner Vor- sel, im Moment sehe ich keine Veranlassung, nach
stellung dürfen Sie das auch nicht annehmen; denn Lektüre des Protokolls meine Meinung zu ändern;
ich habe eben die Kriterien genannt, unter denen denn ich glaube, noch präsent zu haben, was ich
die Bundesregierung eine Anweisung an die Gesell- geantwortet habe.
schaft vornehmen würde. Diese Gründe sind hier Ich habe hier lediglich noch hinzuzufügen, daß
nicht gegeben, und ergo bestand auf seiten der Bun- für den Verkauf des Grundstücks im Vergleich zwi-
desregierung keine Veranlassung, auf die Gesell- schen Stadt und Saarbergwerke AG der Preis na-
schaft einzuwirken. türlich eine Rolle spielte; denn das Grundstück war
zu einem Preis erworben worden, der nach ökono-
Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage mischen Gesichtspunkten wieder erzielt werden
des Abgeordneten Lambinus. sollte.
Lambinus (SPD): Herr Staatssekretär, können Sie (Lambinus [SPD]: Profit vor Umwelt
mir bitte erklären, wieso — wie Sie selbst vorlasen schutz!)
— umweltpolitische Gründe, die gegen einen Ver- Die Frage des Umweltschutzes spielt hier inso-
kauf dieser Fläche sprachen, plötzlich nicht mehr fern eine untergeordnete Rolle, als die entspre-
gelten sollen, weil nunmehr andere Gründe diese chende Genehmigung j a erst von der Stadt Hom-
Fläche für die Saarbergwerke AG erforderlich ma- burg und hier vom SPD-regierten Stadtrat erteilt
chen? werden muß. Herr Kollege, solange diese Genehmi-
gung nicht erteilt wird, kann die Saarbergwerke AG
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, Sie das Grundstück nicht so nutzen, wie sie es vielleicht
müssen meine Antwort falsch verstanden haben. möchte. Ergo liegt keinerlei Verletzung irgendeines
(Lambinus [SPD]: Nein!) Umweltgesichtspunkts vor.
Ich habe das nicht in dieser Form geäußert. Ich
habe lediglich gesagt, daß zum damaligen Zeitpunkt Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage, bitte.
die Stadt Homburg als Interessent stärker im Vor-
dergrund stand und daß man aus diesem Grunde Gansel (SPD): Herr Staatssekretär, kann ich Ihre
einen Erwerb durch die Saarbergwerke AG aus- Antwort so verstehen, daß Sie die Gremien der
schließen konnte. Ich habe weiterhin gesagt, daß Stadt Homburg ermuntern wollen, scharfe Umwelt-
die Zweckbestimmung, der die Saarbergwerke AG auflagen für dieses Grundstück zu machen, damit
das Grundstück eventuell zuführen will, ja noch von die Bundesregierung auf der einen Seite den höhe-
der Genehmigung abhängt, die die Stadt zu geben ren Verkaufspreis erzielen kann und auf der ande-
hat. ren Seite die Ziele ihrer Umweltpolitik erfüllen
kann?
Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage
des Abgeordneten Stahl. Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
habe nicht die Aufgabe, die Stadt Homburg und
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, darf ihre Gremien zu ermuntern. Ich kann es ihr nur
ich Sie auf Grund der Darstellung, die Sie gegeben - unbenommen sein lassen, das zu tun, was sie in die-
haben, fragen, ob Sie schon jetzt dazu etwas sagen ser Region für den Umweltschutz für notwendig
können, ob die Stadt Homburg unter den gegebe- hält.
nen Gesichtspunkten, wie ja dargestellt wird, die
Genehmigung für das Aufhalden auf diesem Grund- Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage des Ab-
stück erteilen wird. geordneten Dr. Scheer.

Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, wenn Dr. Scheer (SPD): Herr Staatssekretär, da entge-
ich richtig informiert bin, ist der Rat der Stadt gen Ihrer Aussage der Oberbürgermeister der hier
3494 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Dr. Scheer
angesprochenen Stadt der CDU angehört und auch Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, könnten
die Mehrheit des Stadtrats der CDU angehört: Sie mir das Vergnügen machen, sich mit mir ge-
(Hört! Hört! bei der SPD) meinsamen daran zu erinnern, daß Sie gesagt ha-
ben, Ihnen fehle die Phantasie, sich in eine SPD-
können Sie vor diesem Hintergrund Ihre Aussage,
Mehrheit in der Stadt Homburg hineinzuversetzen,
die Sie zuvor getroffen haben, zurücknehmen und
und darf man daraus schließen, daß Sie die Phanta-
sich dann besser in die Entscheidungssituation der sie haben — wahrscheinlich brauchen Sie dafür we-
Verantwortlichen dieser Stadt hineinversetzen, als
niger —, sich in eine CDU-Mehrheit in dieser Stadt
Sie es eben getan haben?
hineinversetzen zu können?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Ich habe eben ge- Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, das
sagt, Herr Kollege, daß nach meiner Kenntnis die fällt mir zugegebenermaßen etwas leichter; den-
Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat so sind, wie ich noch bleibt eine Restschwierigkeit, weil es immer
sie eben qualifiziert habe. schwierig ist, sich in Intentionen, in Vorstellungen,
(Lambinus [SPD]: Was hat das mit der in Bedürfnisse, die von einem Entscheidungsgre-
Sache zu tun?) mium ausgehen, hineinzuversetzen.
Aber ich gehe davon aus, daß die Maximen für eine (Dr. Sperling [SPD]: Jetzt haben Sie sich
Entscheidung, was die Umweltbedürfnisse angeht, bereits zum zweitenmal widersprochen!)
sowohl bei dieser als auch bei jener Mehrheit gleich
Vizepräsident Wurbs: Meine Damen und Herren,
sein dürften.
ich bitte doch, bei künftigen Fragen Wertungen zu
unterlassen. — Letzte Frage, bitte, Herr Abgeordne-
Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage ter Lambinus.
des Abgeordneten Dr. Scheer.
Lambinus (SPD): Herr Staatssekretär, es hat wohl
Dr. Scheer (SPD): Wie ist das mit Ihrer Vorrede wenig mit meinem intellektuellen Vermögen zu tun,
vereinbar? Sie haben eben genau das Gegenteil von wenn ich Sie um die Beantwortung der Frage bitte,
dem gesagt, was vorher von Ihnen zum Ausdruck was Sie unter einem „SPD-regierten Stadtrat" — so
gebracht wurde. haben Sie wörtlich ausgeführt — verstehen?
(Zuruf von der CDU/CSU: Stimmt doch gar Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, das
nicht!) ergab sich aus den Unterlagen, die ich dazu habe.
Wenn darin ein Irrtum enthalten sein sollte, muß
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, das dieser Irrtum korrigiert werden. Vielleicht hat sich
sind wieder Qualifizierungen, die Sie vornehmen das geändert. Ich weiß im Moment aber nicht ge-
und die ich Ihrem intellektuellen Vermögen über- nau, ob das an der betreffenden Stelle, die die Vor-
lassen möchte. bereitung vorgenommen hat, angekommen ist. Ich
(Zustimmung bei der CDU/CSU) bin davon ausgegangen, daß hier eine Mehrheit in
diesem Sinne bestanden hat.
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage des Ab- (Lambinus [SPD]: Seit wann werden Stadt
geordneten Stahl. räte von irgend jemandem regiert?)

Vizepräsident Wurbs: Es sollen keine weiteren Zu-


Stahl Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, nach-
(
satzfragen mehr gestellt werden. — Ich danke Ih-
dem Sie meine Frage bezüglich der Mehrheit be-
nen, Herr Staatssekretär.
wußt falsch beantwortet haben, frage ich Sie, ob Sie
die Bitte nicht zurücknehmen und sich korrigieren Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundes-
wollen. ministers für Wirtschaft. Zur Beantwortung der
Fragen steht der Herr Parlamentarische Staatsse-
kretär Dr. Sprung zur Verfügung.
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
habe bewußt nichts falsch beantwortet. Ich habe Ich rufe die Frage 23 des Abgeordneten Dr. Kunz
lediglich auf Grund meiner Information geantwor- (Weiden) auf:
tet. Wenn diese Information in diesem Fall nicht Kann die Bundesregierung bestätigen, daß die Bundesre-
zutreffend war, was ich nachprüfen werde, dann publik Deutschland bei der Verteilung der Mittel des Euro-
päischen Regionalfonds insofern schlecht weggekommen ist,
werde ich das entsprechend korrigieren. als der der Bundesrepublik Deutschland zustehende Anteil
Aber Sie werden mir zugeben müssen, Herr Kol- von 4,65 v. H. der Gesamtmittel des Fonds ca. 350 Millionen
lege, daß bei Informationen dieser Art durchaus DM ausmacht, sie tatsächlich aber nur 98,8 Millionen DM für
Regionalprojekte erhalten hat?
schon einmal ein Irrtum vorkommen kann, ohne
daß ich Ihnen hier etwas vortragen wollte oder -in Bitte, Herr Staatssekretär.
meine Antwort etwas hineinbringen wollte, was den
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär beim Bundesmi-
Umständen bewußt nicht entspricht.
nister für Wirtschaft: Herr Kollege Kunz, die Kom-
(Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU]: Nur Ideo- mission der Europäischen Gemeinschaft hat vor
logen sind unfehlbar!) kurzem Angaben über die Verteilung der Mittel des
Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Abgeordne- Jahre 1983 veröffentlicht. Diese Angaben werfen
ten Dr. Sperling. eine Reihe von Fragen auf, um deren Klärung mit
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3495
Parl. Staatssekretär Dr. Sprung
der EG-Kommission sich die Bundesregierung zur men müssen, daß so manches, was an Geldflüssen
Zeit bemüht. Der Bundesregierung stehen gegen- aus Europa stattfinden müßte, für Ihr Ressort zwei-
wärtig folgende Informationen zur Verfügung: Der felhaft und rätselhaft ist, diese Aufgabe dem Raum-
Anteil der Bundesrepublik beläuft sich für das Jahr ordnungsministerium zu überlassen?
1983 auf rund 204 Millionen DM, sofern die recht-
lich nur bis 1981 geltende Quotenaufteilung zu- Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Sperling, es
grunde gelegt wird. Im vergangenen Jahr sind ist nicht zweifelhaft, in welchem Umfang und für
Rückerstattungen aus dem Fonds in Höhe von rund welche Zwecke Mittel aus dem europäischen Regio-
154 Millionen DM an die Bundesrepublik erfolgt. nalfonds in die Bundesrepublik gehen können. Des-
Zur Zeit liegen der Kommission noch deutsche An- halb besteht auch keine Notwendigkeit, eine andere
träge mit einem Volumen in Höhe von 90 Millionen Zuständigkeit zu vereinbaren oder vorzusehen.
DM vor, über die die Kommission noch nicht ent-
schieden hat. Über das Gesamtergebnis für die Vizepräsident Wurbs: Keine weitere Zusatzfrage.
Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 1983 las-
Ich rufe die Frage 24 der Frau Abgeordneten
sen sich daher noch keine abschließenden Aussa-
gen treffen. Reetz auf:
Kann die Bundesregierung mit Sicherheit ausschließen,
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte sehr. daß die nach einer Linzenz der Firma Motoren-Turbinen-
Union (MTU), Friedrichshafen, in Rumänien hergestellten
Motoren im Leistungsbereich 470 PS bis 1360 PS einer mili-
Dr. Kunz (Weiden) (CDU/CSU): Herr Staatssekre- tärischen Verwendung zugeführt werden?
tär, was sind die Gründe für die offensichtliche Tat-
Bitte.
sache, daß nicht ausreichend viele Regionalprojekte
beim europäischen Regionalfonds vorgelegt wur-
den, um das deutsche Kontingent auszuschöpfen? Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin,
die Firma Motoren-Turbinen-Union (MTU), Fried-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kunz, wie richshafen, hat 1977 im Anschluß an eine ausgelau-
ich bereits gesagt habe, liegen noch Anträge mit fene Lizenz zur Fertigung von Maybach-Dieselmo-
einem Volumen von über 90 Millionen DM vor, über toren aus dem Jahre 1963 eine Lizenz über die Die-
die die Kommission noch zu entscheiden hat. selmotoren- Baureihen 331/396 nach Rumänien
vergeben. Es handelt sich dabei um weitverbreitete
Ihre Frage, welches die Gründe dafür seien, daß
zivile Motoren im Leistungsbereich von 470 bis
nicht genügend Anträge gestellt worden seien, be-
zieht sich offenbar auf Presseberichte über eine 1360 PS für Generator-Anlagen, Lokomotiven, Mul-
denkipper, Feuerlöschfahrzeuge, Schneeräumge-
Veröffentlichung der EG-Kommission, in der dieser
Vorwurf erhoben wird. Die Aussagen der EG-Kom- räte und dergleichen. Beide Baureihen sind zivile
Motoren, die für den Antrieb von Panzern und an-
mission und die von ihr veröffentlichten Zahlenan-
deren militärischen Fahrzeugen nicht besonders
gaben sind für uns zur Zeit zu einem großen Teil
nicht nachvollziehbar. Wir wissen nicht, wie die konstruiert oder in wesentlichen Merkmalen für
militärische Anwendung abgeändert sind. Sie wer-
Kommission zu diesen Zahlen, zu diesen Aussagen
gekommen ist. Wir haben deshalb der Kommission den deshalb nicht von der Position 0006 (1) der Aus-
fuhrliste erfaßt. Die Lizenzvergabe und der Export
geschrieben — ich erwähnte es schon —; wir stehen
unterliegen daher keinerlei Beschränkungen.
deshalb inzwischen mit der Kommission in Kon-
takt. Und wir haben sie um nähere Aufklärung ins-
besondere über ihr Vorgehen bei der Verteilung der Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte sehr.
Fondsmittel für das letzte Jahr gebeten.
Frau Reetz (GRÜNE): Welche Kontrolle hat die
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage. Bundesregierung oder die Firma MTU über den
Einbau der in Lizenz hergestellten Motoren? In wel-
Dr. Kunz (Weiden) (CDU/CSU): Herr Staatssekre- che Maschinen und, detailliert, in welchem PS-Be-
tär, welche Wirtschaftsbereiche im Zonenrandge- reich?
biet könnten aus diesem Regionalfonds gefördert
werden? Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Da, wie ich schon
sagte, die Lizenzvergabe und der Export keinerlei
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Für die Inan- Beschränkungen unterliegen, gibt es auch keine
spruchnahme der Mittel gelten die Voraussetzun- Möglichkeit zu prüfen, wofür diese Motoren dann
gen, die auf europäischer Ebene für den Einsatz des letztendlich verwandt werden.
Regionalfonds beschlossen und festgelegt worden
sind. Hier ist der Zonenrand nicht ausgeschlossen.
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage, bitte.
Ich kann Ihnen jetzt die Voraussetzungen nicht im
Detail nennen, aber es ist grundsätzlich möglich,
Vorhaben, die im Zonenrandgebiet durchgeführt Frau Reetz (GRÜNE): Dann ist die Bundesregie-
werden, für eine Erstattung anzumelden. rung auch nicht darüber unterrichtet, in welche
Länder und in welcher Anzahl diese Motoren von
Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge- Rumänien exportiert werden?
ordneten Dr. Sperling.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Wir wissen nicht,
Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, wäre es ob solche Motoren exportiert werden. Wir wissen
nicht sinnvoll, nachdem wir Ihrer Antwort entneh- daher auch nicht, wohin sie gehen.
3496 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage, Herr Ab- Ich rufe Frage 25 des Abgeordneten Gansel auf:
geordneter Gansel. Ist es zutreffend, daß die Bundesregierung im vergange-
nen Jahr eine Genehmigung für die Lieferung von 40 000
Gansel (SPD): Können Sie bestätigen, daß der kugelsicheren Panzerwesten an die syrische Regierung er-
Bundesregierung seit langem bekannt ist, daß MTU teilt hat?
Motoren exportiert bzw. die Lizenzen für den Bau Bitte.
von Motoren für Panzer im südamerikanischen und
asiatischen Raum zur Verfügung gestellt hat? Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Gansel, das für Genehmigungen nach dem Außen-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich kann dies wirtschaftsgesetz zuständige Bundesamt für Ge-
nicht bestätigen, weil ich darüber keinerlei Infor- werbliche Wirtschaft hat im Frühjahr 1983 die Aus-
mationen habe und die Frage auch nicht gestellt fuhr von 33 000 Körperschutzwesten nach Syrien
worden ist. Ich glaube aber, wir können davon aus- genehmigt. Die deutsche Herstellerfirma hatte für
gehen, daß Exporte für diese Zwecke nicht stattfin- das aus den USA bezogene Vormaterial eine Reex-
den. portlizenz der amerikanischen Behörden.
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage des Ab-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte.
geordneten Krizsan.

Krizsan (GRÜNE): Herr Staatssekretär, Sie haben Gansel (SPD): Darf ich nachfragen, ob das die
vorhin erklärt, daß diese Motoren ausschließlich zi- Antwort für meine beiden Fragen war?
viler Nutzung dienten. Wie können Sie denn fest-
stellen, daß solche Motoren nicht auch militäri- Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Das war die Ant-
schen Nutzungen dienen? wort auf die erste Frage.

Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich habe Ihrer Gansel (SPD): Meine erste Zusatzfrage: Herr
Kollegin schon geantwortet, daß wir dies deshalb Staatssekretär, ist Ihnen bekannt, daß die Bundes-
annehmen können, weil die Motoren so konstruiert regierung in einer schriftlichen Antwort auf eine
sind, daß sie zivilen und nur zivilen Zwecken die- Anfrage hier im Bundestag erklärt hat, daß nach
nen. Sie sind, wie ich gesagt habe, nicht besonders Syrien keine Rüstungsgüter geliefert werden sollen,
für den Antrieb von Panzern und anderen militä- und kann ich dem entnehmen, daß Sie die Liefe-
rischen Fahrzeugen konstruiert oder in wesentli- rung von 33 000 Panzerwesten an die syrische Ar-
chen Merkmalen für militärische Anwendungen ab- mee möglicherweise nicht als Lieferung von Rü-
geändert. stungsgütern betrachten wollen?
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Abgeordne- Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Gansel, viel-
ten Lambinus. leicht ist es das beste, wenn ich jetzt zunächst doch
ihre zweite Frage beantworte und dann auf die jetzt
Lambinus (SPD): Herr Staatssekretär, anschlie-
gestellte Frage zurückkomme.
ßend an die Frage des Kollegen Gansel: Sind Sie
bereit, nachzuprüfen, ob derartige Exporte wie die
Gansel (SPD): Dann ziehe ich diese Frage zu-
vom Kollegen Gansel angesprochenen stattgefun-
den haben, und uns darüber zu informieren? nächst zurück.

Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich werde diesem Vizepräsident Wurbs: Sie sind also damit einver-
Wunsch entsprechend das zuständige Ministerium standen, daß die zweite Frage mit beantwortet
bitten, solche Informationen einzuholen. Wir wer- wird.
den Ihnen solche Informationen, wenn sie zur Ver- Ich rufe Frage 26 des Abgeordneten Gansel auf:
fügung stehen, übergeben. Ist es zutreffend, daß die Regierung der USA die Bundesre-
gierung ersucht hat, die Genehmigung rückgängig zu ma-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Abgeordne- chen, um die Lage im Nahen Osten nicht weiter zu verschär-
ten Grünbeck. fen?
Bitte.
Grünbeck (FDP): Herr Staatssekretär, kann man
davon ausgehen, daß der Bundesregierung bekannt Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Das für Geneh-
ist, daß im Motorenbau der Wettbewerb weltweit migungen nach dem Außenwirtschaftsgesetz zu-
ungeheuer scharf ist und daß wir den Export von ständige Bundesamt für Gewerbliche Wirtschaft
Motoren, der ohnedies im Augenblick begrenzt ist, hat im Frühjahr 1983 die Ausfuhr von 33 000 Kör-
weiter drosseln würden, wenn wir den Abnehmern perschutzwesten nach Syrien genehmigt. Die deut-
von Motoren — insbesondere in dieser PS-Stärke —
- sche Herstellerfirma hatte für das aus den USA
Auflagen über die weitere Anwendung der Motoren bezogene Vormaterial eine Reexportlizenz der ame-
oder in der Exportlizenz machten? rikanischen Behörden.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich kann Ihnen (Gansel [SPD]: Das haben wir schon ge
das, was Sie eben gesagt haben, bestätigen. hört!)

Viezepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra- Vizepräsident Wurbs: Bitte sehr, Herr Abgeordne-
gen. ter.
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3497

Gansel (SPD): Jetzt bin ich etwas verwirrt, Herr Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Dies ist richtig,
Präsident. Das haben wir schon gehört. — Sind nun Herr Gansel, aber sie können z. B. von Polizeistreit-
beide Fragen beantwortet, Herr Staatssekretär? kräften verwendet werden,
(Lambinus [SPD]: Aber nicht 33 000!)
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich bitte um Ent-
und dann haben sie sicherlich einen anderen Cha-
schuldigung, ich hatte den falschen Zettel.
rakter.
(Heiterkeit)
(Zuruf von der CDU/CSU: Auch von Zivili
sten!)
Gansel (SPD): Vielleicht hatte ich die Fragen auch
verkehrt herum gestellt, Herr Staatssekretär! Daß diese Verwendung denkbar ist, ist ganz gewiß
auch einer der Gründe dafür gewesen, daß zunächst
(Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU]: Das ist
einmal eine Genehmigung erteilt worden ist.
durchaus denkbar, Herr Kollege!)

Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Auf Grund der Vizepräsident Wurbs: Damit kommen wir —
sich verschärfenden Kritik in der amerikanischen —(Gansel[SPD]:Habeichn tnochein
Öffentlichkeit im Hinblick auf die aktuelle Lage im Zusatzfrage?)
Libanon haben die amerikanischen Behörden die — Nein.
Reexportlizenz suspendiert und die Bundesregie-
(Gansel [SPD]: Aber ich hatte doch nur
rung gebeten, die Frage der Ausfuhr der Körper-
drei!)
schutzwesten zu überprüfen.
Eine Zusatzfrage des Abgeordneten Lambinus.
Jetzt zu Ihrer Zusatzfrage, die Sie gestellt haben:
Die Bundesregierung überprüft diese Angelegen-
Lambinus (SPD): Herr Staatssekretär, können Sie
heit. Die Überprüfung ist noch nicht abgeschlos-
sen. mir die Frage beantworten, ob kugelsichere Panzer-
westen in einer Stückzahl von 33 000 — und hier
Vizepräsident Wurbs: Bitte sehr, Herr Abgeordne- kommt es auch auf die Quantität an — nicht doch
ter. Jetzt können Sie Ihre drei Zusatzfragen stel- unter das Kriegswaffenexportgesetz fallen?
len.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Lambinus,
Gansel (SPD): Bedeutet das, daß sich die Bundes- die Genehmigung ist erteilt worden. Aus dieser Ent-
regierung noch in der Überprüfung befindet, ob sie scheidung kann entnommen werden, daß dieser Ex-
ihre Zusage an den Bundestag einhalten will, keine port bisher anders gesehen wurde, daß diese We-
Rüstungsgüter nach Syrien zu liefern? sten nicht als Kriegsmaterial betrachtet wurden.
(Lambinus [SPD]: 33 000?)
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Gansel, Wir haben jetzt eine neue Situation.
diese Zusage ist gegeben worden, und diese Zusage
wird eingehalten. (Zuruf von der CDU/CSU: Z. B. auch für die
Polizei! — Lambinus [SPD]: 33 000 für die
Gansel (SPD): Da es sich bei Panzerwesten zwei- Polizei? Daß ich nicht lache!)
felsohne um Rüstungsgüter handelt, sehe ich gar
keinen Ermessensspielraum für eine Prüfung Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge-
durch die Bundesregierung, wenn die von Ihnen ge- ordneten Dr. Sperling.
gebenen Antworten richtig sind. Oder sehen Sie,
Herr Staatssekretär, einen solchen Spielraum? Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, finden
Sie nicht auch, daß eine Weste, an der unange-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Gansel, nehme Fragen abprallen würden, bei Ihnen ganz
wenn bisher eine Genehmigung erteilt worden ist, kleidsam wäre?
so deshalb, weil diese Westen nicht als Rüstungsgü- (Heiterkeit und Beifall bei der SPD und bei
ter qualifiziert worden sind. den GRÜNEN — Zuruf bei der CDU/CSU:
(Frau Hürland [CDU/CSU]: Gegen Sand- Nicht zulassen!)
sturm!)
Vizepräsident Wurbs: Herr Staatssekretär, Sie
Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage? — brauchen diese Frage nicht zu beantworten.
Bitte.
Dr. Sperling (SPD): Nein, Sie brauchen nicht zu
Gansel (SPD): Der Zwischenruf der Kollegin von antworten!
der Union, die Westen seien gegen Sandsturm, ver--
anlaßt mich, Herr Präsident, zu der Frage, nach Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Sperling,
welchen Kriterien denn Rüstungsgüter in Zukunft die Weste würde ja andere Körperteile schützen als
festgelegt werden sollen, wenn zwar etwa Uniform- jenen Körperteil, auf den Sie jetzt abzielen.
teile oder Motorenteile durchaus darunter fallen
können, aber Panzerwesten — die doch in der Regel Dr. Sperling (SPD): Aha! Sind Sie mit mir der Auf-
nicht von Schützenvereinen erstanden werden — fassung — —

nicht.
(Lambinus [SPD]: Sehr gut!) Vizepräsident Wurbs: Halt, einen Augenblick!
3498 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Dr. Sperling (SPD): Herr Präsident, es waren zwei Vizepräsident Wurbs: Zu einer Zusatzfrage Herr
Fragen. Also habe ich zwei Zusatzfragen; sonst muß Abgeordneter Catenhusen.
ich für Mierscheid Fragen stellen.
Herr Staatssekretär, haben Sie auch den Ein- Catenhusen (SPD): Herr Staatssekretär, wer hat
druck, daß Ihr Ministerium mit anderen Dingen so denn den Export dieser kugelsicheren Westen bean-
sehr überbeschäftigt ist, daß Sie für eine wirkliche tragt? Die syrische Regierung, die syrische Armee
Kontrolle der für uns doch eigentlich wichtigen oder die syrische Polizei? Derartiges muß auf dem
Kriegswaffenexporte nicht mehr genügend Zeit ha- Antrag doch vermerkt worden sein.
ben?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich darf noch ein-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Sperling,
mal darauf hinweisen, daß bis jetzt ein Export die-
das ist nicht zutreffend. Diese Kontrolle findet statt.
ser Westen nicht stattgefunden hat.
Sie findet auf der Basis der dafür geltenden gesetz-
lichen Vorschriften statt. (Lambinus [SPD]: Das ist doch nicht die
Frage gewesen! — Catenhusen [SPD]: Aber
Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge- ein Antrag liegt doch vor!)
ordneten Horacek. — Ein Antrag liegt vor.
(Lambinus [SPD]: Von wem?)
Horacek (GRÜNE): Wenn ich es richtig verstan-
den habe, geht es um kugelsichere Panzerwesten. Diesem Antrag ist entsprochen worden. Aber bis
Solche Westen werden nicht in Panzern, sondern jetzt haben keine Exporte stattgefunden.
für den Nahkampf gebraucht. Ist das so?
Vizepräsident Wurbs: Meine Damen und Herren,
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Es handelt sich ich bitte, die Zwischenrufe doch zu unterlassen. Wir
um kugelsichere Westen. Das ist richtig. sollten die Fragestunde in aller Ruhe abwickeln.
(Horacek [GRÜNE]: Also für den Nah- Zu einer Zusatzfrage Herr Abgeordneter Peter.
kampf!)
— Ich kann Ihnen nicht sagen, wofür diese Westen Peter (Kassel) (SPD): Herr Staatssekretär, ich
verwendet werden. komme auf die Frage zurück, die ich vorhin schon
(Lachen bei Abgeordneten der SPD) einmal gestellt habe. Wenn ein Antrag gestellt wor-
den ist, ist der Antragsteller dann die syrische Re-
Ich sagte Ihnen bereits, daß die Möglichkeit be-
gierung, die syrische Polizei, die syrische Armee
steht, diese Westen etwa für Polizeieinsätze zu ver-
oder der liebe Gott?
wenden.
(Lambinus [SPD]: 33 000! Sie machen sich
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Es dürfte sicher
doch lächerlich!)
sein, daß der Antragsteller auf keinen Fall ein Pri-
Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge-
vatmann ist und sein kann.
ordneten Peter (Kassel). (Lachen bei der SPD und den GRÜNEN)
Es bleibt also nur eine amtliche Stelle übrig.
Peter (Kassel) (SPD): Herr Staatssekretär, könn-
(Zuruf von den GRÜNEN: Polizei oder Ar-
ten Sie mir sagen bzw. sich kundig machen, wer der
mee?)
Empfänger dieser Westen ist, die syrische Regie-
rung, die syrische Armee oder die syrische Polizei?
Vizepräsident Wurbs: Zu einer Zusatzfrage Herr
Dr. Sprung, Pari. Staatssekretär: Die Westen sind Abgeordneter Kirschner.
bisher nicht geliefert worden.
Kirschner (SPD): Herr Staatssekretär, der Bun-
Vizepräsident Wurbs:Eine weitere Zusatzfrage desregierung müßte, wenn sie eine solche Genehmi-
des Abgeordneten Horacek. gung erteilt, doch wohl bekannt sein, wer der An-
tragsteller ist: Armee, Polizei oder Regierung?
Horacek (GRÜNE): Warum hat dann, wenn das
auch für die Polizei ist, die Regierung der USA Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich weise noch
unsere Bundesregierung ersucht, dies zurückzuzie- einmal darauf hin, daß Antragsteller eine öffentli-
hen, um die Lage im Nahen Osten zu entschärfen? che Stelle ist.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich habe bereits
in meiner Antwort auf die zweite Frage von Herrn Vizepräsident Wurbs: Meine Damen und Herren,
Gansel zum Ausdruck gebracht, daß auf Grund der ich glaube, dieser Fragenkomplex ist nach einigen
verschärften Kritik in der amerikanischen Öffent- Wiederholungen wohl abgehandelt.
lichkeit im Hinblick auf die aktuelle Lage im Liba- (Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU]: So ist es!
non die amerikanischen Behörden die Reexportli- — Weitere Zurufe)
zenz suspendiert haben. — Augenblick! Das müssen Sie mir überlassen. —
(Lambinus [SPD]: Also doch Kriegswaffen- Ich bitte, jetzt Wiederholungsfragen zu vermeiden.
export!) Das Wort hat Herr Abgeordneter Lambinus.
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3499

Lambinus (SPD): Herr Staatssekretär, ich frage Aber auch die Regierung hat das Recht, Fragen
Sie jetzt ganz konkret: Wer hat den Antrag ge- nicht zu beantworten; dies liegt im Ermessen desje-
stellt? nigen, der eine Frage beantworten soll. So ist — ich
(Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU]: Eine öf- will nur darauf hinweisen — die Sachlage.
fentliche Stelle!) Eine Zusatzfrage des Abgeordneten Stahl (Kem-
pen).
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich wiederhole:
Es ist eine öffentliche syrische Stelle gewesen. Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, habe
(Lambinus [SPD]: Das ist doch lächerlich!) ich Sie vorhin richtig verstanden, daß Sie ausführ-
ten, die USA hätten diese Westen als Rüstungsgüter
Vizepräsident Wurbs: Zu einer Zusatzfrage Herr eingestuft und deshalb Einspruch erhoben, und
Abgeordneter Krizsan. wird die Prüfung der Bundesregierung Ihrer Mei-
nung nach zu dem gleichen Ergebnis kommen, oder
Krizsan (GRÜNE): Herr Staatssekretär, könnte es kann man davon ausgehen, daß die Bundesregie-
sein, daß Sie den betreffenden Antrag gar nicht sel- rung den Rüstungsexport, bezogen auf Materialien,
ber gesehen haben? Güter, wesentlich großzügiger handhabt als selbst
die amerikanische Regierung?
Dr. Sprung, Pari. Staatssekretär: Dies ist richtig.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Stahl, ich
Vizepräsident Wurbs: Zu einer Zusatzfrage Herr
wiederhole das, was ich schon gesagt habe: Auf
Abgeordneter Kirschner.
Grund der sich verschärfenden Kritik in der ameri-
Kirschner (SPD): Herr Staatssekretär, ich möchte kanischen Öffentlichkeit im Hinblick auf die aktu-
noch einmal nachfragen, wer diese öffentliche elle Lage im Libanon haben die amerikanischen
Stelle ist, die den Antrag gestellt hat. Wenn Sie zur Behörden die Reexportlizenz suspendiert. Wovon
Beantwortung dieser Frage im Moment nicht in der immer sich die Amerikaner haben leiten lassen, es
Lage sein sollten, wären Sie dann bereit, sie gegen- ist ihre Entscheidung gewesen.
über dem Fragesteller noch heute schriftlich zu be-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Abgeordne-
antworten?
ten Antretter. — Ich glaube, meine Damen und Her-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich ren, damit können wir dann diesen Fragenkomplex
wiederhole, was ich vorhin mehrfach gesagt habe: abschließen.
Es ist eine öffentliche Stelle gewesen. Mehr möchte
Antretter (SPD): Herr Sprung, haben Sie eine Vor-
ich dazu nicht sagen.
stellung davon, welche Auswirkungen die Informa-
(Lambinus [SPD]: Untersteht das der Ge- tionspolitik mit Vokabeln wie „könnte" und „dürfte"
heimhaltung?) hinsichtlich dieses brisanten Punktes vor dem Hin-
tergrund des derzeitigen Besuchs des Herrn Bun-
Vizepräsident Wurbs: Das Wort hat Herr Abgeord-
deskanzlers in Israel hat?
neter Stratmann.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN —
Stratmann (GRÜNE): Herr Staatssekretär, ich Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU]: Da besteht
komme doch noch einmal zu dieser Auskunft. Kön- doch überhaupt kein Zusammenhang!)
nen Sie ausschließen, daß die beantragende öffentli-
che Stelle eine militärische Stelle ist? Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Es gibt auf diese
Frage, meine ich, keine Antwort, die etwas mit dem
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Stratmann, Thema zu tun hat.
ich habe diese Frage beantwortet. Dabei sollte es (Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU]: So ist es
bleiben. Ich kann dem, was ich gesagt habe, nichts richtig!)
hinzufügen.
Vizepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage. gen.
Stratmann (GRÜNE): Sie können es also nicht Die Frage 27 des Abgeordneten Austermann wird
ausschließen. Können Sie mir Auskunft darüber ge- auf Wunsch des Fragestellers schriftlich beantwor-
ben — wenn nicht jetzt, dann im nachhinein schrift- tet. Die Antwort wird als Anlage abgedruckt.
lich —, wie stark die Polizeikräfte von Syrien sind? Ich rufe die Frage 28 des Abgeordneten Kastning
Denn ich möchte das in Verbindung mit dem An- auf:
trag auf 33 000 Westen bringen. Mit welchen Ergebnissen hat die Bundesregierung die vom
Parlamentarischen Staatssekretär Pfeifer in der Frage-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: So weit reichen stunde des Deutschen Bundestages vom 9. November 1983
meine Informationen heute leider nicht, um sagen (Plenarprotokoll 10/32) auf eine Frage des Abgeordneten
Kuhlwein (SPD) angekündigte Bestandsaufnahme über die
zu können, wie stark die Polizeikräfte in Syrien Auswirkungen der Berufsgrundbildungsjahr-Anrechnungs-
sind. verordnung auf die Ausbildungsplatzsituation im Bereich der
(Stratmann [GRÜNE]: Sind Sie bereit, das gewerblichen Wirtschaft durchgeführt?
schriftlich zu beantworten?) Bitte sehr, Herr Staatssekretär.

Vizepräsident Wurbs: Meine Damen und Herren, Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
die Fragesteller haben das Recht, Fragen zu stellen. bitte, die beiden Fragen, da sie im Zusammenhang
3500 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Parl. Staatssekretär Dr. Sprung


miteinander stehen, gemeinsam beantworten zu nungsverordnung im Hinblick auf kürzere Anrech-
dürfen. nungszeiten zu überprüfen?
Vizepräsident Wurbs: Herr Abgeordneter, sind Sie Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Der Initiator ist
damit einverstanden? die Wirtschaft. Die Wünsche danach sind aus der
Wirtschaft und sind aus dem Handwerk gekommen,
Kastning (SPD): Ja. weil auf diesem Wege — dies ist die Vorstellung,
dies ist die Meinung — zusätzliche Ausbildungs-
Vizepräsident Wurbs: Ich rufe dann auch die Frage
plätze zur Verfügung gestellt werden können.
29 des Abgeordneten Kastning auf:
Ist die Bundesregierung bereit, an der Berufsgrundbil- Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage,
dungsjahr-Anrechnungsverordnung in der bisherigen Fas- bitte sehr.
sung festzuhalten?
Kastning (SPD): Meine erste Zusatzfrage war viel-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Die Bundesregie-
leicht zu wertend, Herr Präsident; das will ich zuge-
rung ist auf Grund der Bestandsaufnahme zur An-
ben. Deswegen frage ich noch einmal nach, welche
rechnung schulischer Vorbildung auf die Berufs-
Gründe gibt es denn, daß man hier nicht darüber
ausbildung vom 25. Oktober 1983 zu dem Ergebnis
sprechen kann, welche Länder für oder gegen eine
gekommen, die Anrechnungsverordnungen für den
Besuch des schulischen Berufsgrundbildungsjahres Sache sind?
und der Berufsfachschulen im Bereich der gewerb- Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich kann Ihnen
lichen Wirtschaft flexibler zu gestalten, um so die im Augenblick nicht sagen, welche Länder dafür
Ausbildungschancen der Jugendlichen zu verbes- und dagegen sind. Ich habe darüber keine Informa-
sern und den Sorgen und Schwierigkeiten der El- tionen.
tern sowie der ausbildenden Betriebe Rechnung zu
tragen. Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge-
Die Ministerien für Wirtschaft und für Bildung ordneten Kuhlwein.
und Wissenschaft treten dabei für eine Reduzie-
rung der Anrechnungszeit auf eineinhalb Jahre ein. Kuhlwein (SPD): Herr Staatssekretär, da die Bun-
Dadurch würde sowohl der Forderung nach Verlän- desregierung Überlegungen angestellt hat, zu mehr
gerung der betrieblichen Ausbildungszeit entspro- Ausbildungsplätzen durch die Änderung der An-
chen als auch an dem Grundsatz der Anrechnung rechnungsverordnung zu kommen, wie viele Ausbil-
schulischer Vorbildung festgehalten. dungsplätze würden denn zusätzlich mobilisiert,
Jede Neuregelung erfordert eine enge Zusam- wenn die Anrechnungsverordnung in dem von
menarbeit von Bund und Ländern. Deshalb sind mit der Bundesregierung überlegten Sinne geändert
den Vertretern der Länder Änderungsmöglichkei- würde?
ten erörtert worden. Dabei hat sich ergeben, daß Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kuhlwein,
diese Bemühungen derzeit im Bundesrat auf Be- so berechenbar sind wirtschaftliche Entwicklungen
denken stoßen. Die Bundesregierung sieht deshalb nicht. Die Tendenz ist klar erkennbar: Es würden
kurzfristig keine Möglichkeit, die Anrechnungsver- mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt
ordnungen zu ändern. Sie wird jedoch die Ände- werden, wenn die Anrechnung der Ausbildungszeit
rungsdiskussionen mit den Ländern fortsetzen. verkürzt würde. Es geht nicht um einen vollständi-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage? — Bitte sehr.
gen Ausfall, es geht nicht um eine Streichung, son-
dern es geht um eine Verkürzung der Anrechnung.
Kastning (SPD): Herr Staatssekretär, bei welchen
Bundesländern ist das Vorhaben der flexibleren Ge- Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage,
staltung der Anrechnungsverordnungen auf Beden- bitte sehr.
ken oder Widerspruch gestoßen? Kuhlwein (SPD): Hat die Bundesregierung in ih-
(Dr. Meyer zu Bentrup [CDU/CSU]: In ren Berechnungen auch darüber nachgedacht, daß
Nordrhein-Westfalen!) j a die Zeit im schulischen Berufsgrundbildungsjahr
gleichzeitig nicht im Betrieb verbracht wird und
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Es sind von ver-
daß eine Änderung der Anrechnungsverordnung
schiedenen Ländern Bedenken geäußert worden. mehr betriebliche Ausbildungskapazität für die Ju-
Es gibt unterschiedliche Positionen, auch verschie- gendlichen, die jetzt in der Zeit in der Schule sind,
dene Möglichkeiten. Ich kann Ihnen aber hinsicht- erfordern würde als bisher?
lich einer bestimmten Position jetzt nicht die Na-
men der Länder nennen, um die es dabei geht. Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Natürlich ist dar-
über nachgedacht worden. Nur werden die Konse-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte.
quenzen nicht so gesehen, wie Sie sie eben gezogen
Kastning (SPD): Erstens. Darf ich daraus schlie-
haben.
ßen, daß inzwischen auch die Bildungspolitik, die Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage
Berufsbildungspolitik zur Geheimdiplomatie gewor- des Abgeordneten Krizsan.
den ist?
Zweitens. Wer ist derjenige, der die Bundesregie- Krizsan (GRÜNE): Herr Staatssekretär, sind Sie
rung zu der Überlegung gebracht hat, die Anrech- mit mir einer Meinung, daß die Ausbildung im Be-
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3501
Krizsan
rufsgrundbildungsjahr im Gegensatz zu der Ausbil- Kastning (SPD): Herr Staatssekretär, ist der Bun-
dung in kleineren Betrieben oft effektiver und er- desregierung bekannt, daß es bei schulischen Be-
giebiger ist? rufsgrundbildungsjahren mindestens im Land Nie-
dersachsen begleitende Ausschüsse gibt, in denen
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Wir haben das Gelegenheit besteht, das Praxisbedürfnis der Aus-
duale System, das sich bewährt hat, schulische Aus- bildung, das von der Wirtschaft immer so unterstri-
bildung und betriebliche Ausbildung. So sollte es chen wird, mit den Trägern, dem Personal zu be-
bleiben. sprechen, um so BGJ schulische und betriebliche
Ausbildung besser aufeinander abzustimmen?
Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage,
bitte sehr. Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Dies ist bekannt,
aber gerade aus dem Land Niedersachsen kommen
Krizsan (GRÜNE): Herr Staatssekretär, ist Ihnen die Wünsche nach einer Verkürzung der Anrech-
dann bekannt, daß auch im Berufsgrundbildungs- nung.
jahr Ausbildung in Werkstätten stattfindet?
Vizepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Dies ist mir be- gen mehr.
kannt.
Ich rufe Frage 30 des Abgeordneten Uldall auf.
Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage Wie viele Existenzneugründungen wurden im Jahr 1983 —
aufgeschlüsselt nach Branchen — vorgenommen, und wie
des Abgeordneten Grünbeck. hoch ist die Veränderung gegenüber dem Vorjahr?

Grünbeck (FDP): Herr Staatssekretär, würden Sie Bitte sehr, Herr Staatssekretär:
meine Meinung teilen, daß der Wunsch der Wirt-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Ul-
schaft nach Verkürzung der Anrechnung dadurch
dall, in der Bundesrepublik besteht keine Existenz-
berechtigt ist, daß sie mehr praktische Ausbildung
gründungsstatistik auf Bundesebene, da nur ein
anbieten und damit die Ausbildung qualifizieren
kleiner Teil der Bundesländer die dafür geeigneten
will und daß man nicht ständig die Wirtschaft nur
Gewerbean- und abmeldungen statistisch auswer-
um mehr Ausbildungsplätze bitten kann, sondern
tet. Es gibt lediglich Daten über die vom Bund ge-
daß man auch den Bitten der Wirtschaft nach der
-förderten Existenzgründungen. Nach dem ERP
qualifizierten Struktur der Ausbildung nachkom-
Existenzgründungsprogramm wurden 1983 rund
men sollte?
16 000 — 1982 waren es 12 000 — Gründungen geför-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Dies ist bekannt. dert. Nach dem Eigenkapitalhilfeprogramm wurden
Und weil dies so ist, schlägt die Bundesregierung knapp 8 000 — 1982 waren es 3 000 — Existenzgrün-
diesen Weg vor, bemüht sie sich, auf diesem mittle- dungen gefördert. Hierfür liegt auch eine branchen-
ren Weg zu einem Ergebnis zu kommen. weise Aufgliederung vor, die ich Ihnen gerne zur
Verfügung stelle, wenn Sie es wünschen.
Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte sehr.
ordneten Lambinus.
Uldall (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, geht die
Lambinus (SPD): Herr Staatssekretär, sind Sie be-
Bundesregierung davon aus, daß diese erfreuliche
reit, uns schriftlich mitzuteilen, welche Bundeslän-
Entwicklung auch im Jahre 1984 weiter anhalten
der sich wie in dieser Frage verhalten haben?
wird?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Dies will ich gern Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Wir gehen davon
tun. aus, daß diese Entwicklung anhalten wird. Wir wer-
den alles tun, damit diese Entwicklung unterstützt
Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage
wird.
des Abgeordneten Dr. Sperling.
Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage.
Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, ist Ihnen
klar, daß die Wirtschaft zu dieser Frage keine ein- Uldall (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, gibt es
heitliche Auffassung haben kann, weil sich zumin- eine Übersicht — auch wenn Sie, wie Sie sagten,
dest Teile der Wirtschaft mit ihrem betrieblichen keine vollständigen Statistiken darüber haben —,
Ausbildungsverhalten voll auf das Berufsgrundbil- ob es auch bei der Frage der Existenzneugründun-
dungsjahr eingestellt haben? gen so etwas wie eine Süd-Nord-Gefälle gibt, d. h.
ob es im Süden relativ mehr Neugründungen gibt
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Es ist richtig, daß als im Norden?
das Berufsgrundbildungsjahr praktiziert wird und
Betriebe sich insoweit darauf eingestellt haben. Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Aus der Statistik,
Aber auch diese Betriebe haben zu einem großen die ich Ihnen angeboten habe und die ich Ihnen
Teil vorgebracht, daß weitere Ausbildungsmöglich- überreichen werde, könne Sie die regionale Auftei-
keiten durch sie geschaffen werden könnten, wenn lung der Entwicklung des Eigenkapitalhilfepro-
eine Verkürzug der Anrechnungszeit erfolgt. gramms für 1983 entnehmen.
Vizepräsident Wurbs: Eine letzte Zusatzfrage des Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Abgeordne-
Abgeordneten Kastning. ten Becker.
3502 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Becker (Nienberge) (SPD): Herr Staatssekretär, deren lassen sich aus den nach Altersgruppen ge-
wären Sie so freundlich, diese Statistik allen Mit- staffelten Insolvenzen keine Rückschlüsse darauf
gliedern des Hauses zur Verfügung zu stellen? ziehen, welcher Anteil eines bestimmten Grün-
dungsjahrgangs nach zwei Jahren wieder ausge-
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Aber selbstver- schieden ist.
ständlich, Herr Becker. Eine Antwort auf die von Ihnen gestellte Frage
ist daher auch auf der Basis von Untersuchungen
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Abgeordne-
über die Altersstruktur insolventer Unternehmen
ten Bachmaier.
nicht möglich.
Bachmaier (SPD): Herr Staatssekretär, können
Sie Auskunft darüber geben, wie sich die Rechtsfor- Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte.
men der von Ihnen in Bezug genommenen Exi-
stenzneugründungen aufgliedern? Jung (Lörrach) (CDU/CSU): Herr Staatssekretär,
ist Ihnen bekannt, daß Wirtschaftsverbände — ich
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Ich würde dies meine hier vornehmlich Handwerkskammern und
gerne tun, kann dies aber leider nicht. Wenn dies Industrie- und Handelskammern — gerne bereit
möglich ist, tun wir dies, aber aus der mir vorliegen- sind, Ihnen eine solche Statistik — regional — zu
den Statistik ergibt sich keine Antwort auf diese erstellen und gegebenenfalls auch über Erfahrun-
Frage. gen zu berichten, die solche Jungunternehmer in
den ersten Jahren ihrer Betriebsgründung gehabt
Vizepräsident Wurbs: Keine weitere Zusatzfrage. haben?
Ich rufe Frage 31 des Abgeordneten Uldall auf:
Verfügt die Bundesregierung über Informationen, wie viele Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Dies ist, glaube
Arbeitsplätze in den neu gegründeten Unternehmen zwei ich, ein sehr nützlicher und wertvoller Hinweis, daß
Jahre nach Gründung angeboten wurden (z. B. Anzahl der die Möglichkeit besteht, dort Informationen zu be-
Arbeitsplätze 1983 in den Unternehmen, die 1981 geschaffen kommen. Ich darf darauf hinweisen, daß die Bun-
wurden)?
desregierung das Fehlen einer Statistik bedauert.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Uldall, die Sie ist dabei, prüfen zu lassen, in welcher Form
Bundesregierung verfügt mangels amtlicher Stati- solch eine Statistik für die Zukunft erstellt werden
stik über keine zuverlässige Information über die kann.
Zahl der Arbeitsplätze zwei Jahre nach der Grün-
dung. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen Vizepräsident Wurbs: Weitere Zusatzfrage, Herr
schaffen von der öffentlichen Hand geförderte Exi- Abgeordneter Dr. Schöfberger.
stenzgründungen im Verlauf von zwei bis drei Jah-
ren nach der Gründung durchschnittlich ungefähr Dr. Schöfberger (SPD): Herr Staatssekretär, wie
zwei zusätzliche Arbeitsplätze. Diese Arbeitsplätze kann man eigentlich planen, fördern und damit re-
kommen zu den fünf Arbeitsplätzen, die mit öffent- gieren, wenn es an jeglichem empirischem Material
lich geförderten Existenzgründungen durchschnitt- über die Auswirkungen möglicher Förderungen
lich geschaffen werden, hinzu. fehlt? Und ist die Bundesregierung demzufolge be-
reit, ganz konkret einmal das Statistische Bundes-
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, bitte? — Keine. amt, das im übrigen auch Obstbäume und Ziegen
Danke sehr. bis zur Vervollkommnung zählen kann, zu beauftra-
Die Fragestellerin der Frage 32, Frau Abgeord- gen, derartige statistische Grundlagen zu liefern?
nete Männle, hat um schriftliche Beantwortung ih- (Uldall [CDU/CSU]: Das wurde doch schon
rer Frage gebeten. Die Antwort wird als Anlage gesagt!)
abgedruckt.
Ich rufe Frage 33 des Abgeordneten Jung auf: Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Schöfber-
Besitzt die Bundesregierung Informationen über die Zahl
ger, Sie übertreiben in diesem Fall maßlos. Denn
der Unternehmen, die zwei Jahre nach Gründung ihren Be- ich habe vorhin von einer Statistik gesprochen, die
trieb einstellen mußten? wir haben und die Sie alle zur Verfügung gestellt
Bitte, Herr Staatssekretär. bekommen. Da werden einige Antworten auf ge-
stellte Fragen gegeben. Aber hier geht es ja doch
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege um ein sehr, sehr spezielles Problem. Es geht näm-
Jung, die Bundesregierung besitzt mangels entspre- lich darum, ob die Zahl der zwei Jahre nach ihrer
chender Statistiken keine amtlichen Informationen Gründung den Betrieb einstellenden Unternehmen
über die Zahl der Unternehmen, die zwei Jahre ermittelt werden kann. Dies ist ein sehr spezieller
nach Gründung aufgeben. Es bestehen zwar Unter- Aspekt. Die Statistik, die wir für die Zukunft gern
suchungen von verschiedenen Institutionen, so z. B. zur Verfügung hätten, wird möglicherweise auch
von Creditreform, über den Anteil der nach Alters- dazu Aussagen machen. Aber im Augenblick haben
gruppen gestaffelten Existenzgründungen an Insol- wir, glaube ich, doch auch schon Material zur Verfü-
venzen, doch machen zum einen insolvent gewor- gung, mit dem eine ganze Menge angefangen wer-
dene Unternehmen nur einen kleinen Bruchteil der den kann; die Ergebnisse zeigen es.
insgesamt jährlich ausscheidenden Unternehmen
aus, so daß sich daraus keine Aufschlüsse über die Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Abgeordne-
Liquidationen insgesamt gewinnen lassen. Zum an- ten Dr. Sperling.
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3503

Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, da Sie die stalliert sind, sicher in der Lage und bereit sind, sol-
Hinweise auf die Industrie- und Handelskammern, che meines Erachtens wichtigen Gründe bei Jung-
die Handwerkskammern und die Wirtschaftsver- unternehmern zu ermitteln, die bereits nach zwei
bände vorhin als „nützlich und hilfreich" bezeichnet Jahren gezwungen sind, ihren Betrieb zu schlie-
haben, frage ich: Geben Sie zu, daß die Fragestunde ßen?
eigentlich nicht dazu da sein sollte, um die normale
Arbeit Ihres Ministeriums mit nützlichen und hilf- Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Jung, es ist
reichen Hinweisen zu versehen? sicher nützlich, zu wissen, warum Betriebe aufgege-
ben werden. Aber es ist sehr schwierig, dies zu
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Sperling, es ermitteln. Da kann man nicht nur objektive Fakten
geschieht in dieser Fragestunde mehr, als solche in die Überlegungen einbeziehen, sondern man muß
Bemerkungen hier abzugeben. Ich habe darauf hin- auch Motivforschung treiben. Es sind ja oft sehr
gewiesen, daß die Bundesregierung dabei ist, das subjektive Gründe, die zu einer Wiedereinstellung
Thema Statistik für diesen Bereich zu lösen. der selbständigen Tätigkeit führen. Eine solche Un-
(Dr. Sperling [SPD]: Zu bürokratisieren!) tersuchung wäre nützlich. Die Frage stellt sich, in
Dafür ist ein Forschungsauftrag erteilt worden. Wir welcher Form es am besten geschehen kann. Es
werden die Ergebnisse entsprechend verwerten gibt j a Untersuchungen darüber, welche Gründe da-
und verwenden. für sprechen, aber eine Quantifizierung dieser
Gründe ist bisher nicht möglich gewesen.
(Uldall [CDU/CSU]: Sehr gut!)
Zum zweiten. Sie haben darauf hingewiesen, daß
Vizepräsident Wurbs: Keine weitere Zusatzfrage. eine Bereitschaft bei den entsprechenden Ämtern
bestünde, hier Hilfestellung zu geben. Wenn Unter-
Ich rufe die Frage 34 des Abgeordneten Jung suchungen darüber angestellt würden, aus welchen
(Lörrach) auf: Gründen die Unternehmen wieder aufgeben, wür-
Ist der Bundesregierung bekannt, welches die wesentli- den diese Ämter sicherlich angesprochen werden.
chen Ursachen waren, die die Unternehmen zur Einstellung
ihres Betriebs zwangen?
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, Herr Abgeord-
Bitte, Herr Staatssekretär. neter Stiegler.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Stiegler (SPD): Herr Staatssekretär, sind Sie denn
Jung, ich nehme an, Ihre Frage bezieht sich auf die bereit, eine wissenschaftliche Begleitforschung zur
Unternehmen, die nach zwei Jahren aufgeben müs- Effizienz der Existenzgründungsprogramme anzu-
sen. Der Bundesregierung ist nicht bekannt, aus regen und einen Ansatz dafür im nächsten Haus-
welchen Gründen diese Unternehmen aufgeben halt unterzubringen?
müssen. Es ist jedoch anzunehmen, daß es sich
grundsätzlich um das gleiche Ursachenbündel wie Dr. Sprung, Pari. Staatssekretär: Über die Effi-
bei Unternehmensinsolvenzen allgemein handelt. zienz der Existenzgründungsprogramme spricht zu-
(Zuruf des Abg. Lambinus [SPD]) nächst einmal ganz sicher die Zahl der Gründungen
Dazu hat die Bundesregierung 1983 mehrmals Stel- selbst eine beredte Sprache. Natürlich wird aber in
lung genommen. Ich verweise auf die schriftliche den zuständigen Bundesministerien auch unter-
Antwort von Staatssekretär Schlecht an Frau Mar- sucht, welche weiteren Wirkungen das hat. Ich habe
tiny vom 7. Juli 1983. einige genannt. Ich habe darauf hingewiesen, daß
mit jeder Gründung fünf neue Arbeitsplätze ge-
Die Lastenausgleichsbank ermittelt für die mit schaffen werden und daß im Laufe der Zeit — das
Eigenkapitalhilfe geförderten Existenzgründungen, habe ich eben mitgeteilt — zwei weitere Arbeits-
die von den Hausbanken als gefährdet eingestuft plätze hinzukommen. Es gibt eine Reihe von Insti-
werden bzw. die notleidend wurden, jährlich einmal tuten, die wir haben — Mittelstandsforschungsinsti-
die wichtigsten Ursachen dafür. Danach werden als tute —, die sich schon jetzt intensiv mit diesem
Hauptgründe Absatzschwierigkeiten und man- Thema befassen. Ich glaube, mehr ist dafür im Au-
gelnde kaufmännisch-unternehmerische Fähigkeit genblick ganz gewiß nicht nötig.
genannt. Finanzierungsschwierigkeiten spielen
demgegenüber eine deutlich geringere Rolle. Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Herrn Abge-
ordneten Dr. Schöfberger.
Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage. Bitte sehr.
Dr. Schöfberger (SPD): Kommt es denn vor, Herr
Jung (Lörrach) (CDU/CSU): Herr Staatssekretär,
Staatssekretär, daß Unternehmen Förderungsmit-
sind Sie mit mir der Auffassung, daß eine einiger- tel auf dem Gebiet der Arbeitsförderung oder der
maßen genaue Kenntnis der Gründe, die in den Existenzgründung in Bereicherungsabsicht entge-
ersten zwei Jahren zur Betriebsschließung führen, gennehmen und daß die Unternehmen alsbald wie-
die Effektivität der Betriebsgründungsprogramme der aufgeben, wenn sichergestellt ist, daß sie das
sicher erheblich steigern würde? Geld nicht mehr zurückzahlen müssen?
Und meine Zusatzfrage Nr. 2 — Herr Präsident,
wenn es gestattet ist, will ich jetzt die zweite Zu- Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Schöfber-
satzfrage gleich stellen —: Herr Staatssekretär, ger, die Bedingungen des Programms sehen so aus,
sind Sie mit mir der Auffassung, daß die Landesge- daß niemand auf solch eine Idee kommen würde,
werbeämter, die ja von allen Landesregierungen in- wie Sie sie eben vorgetragen haben.
3504 Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage des Herrn Abge- menplan die Belange von Naturschutz und Land-
ordneten Bachmaier. schaftspflege zu berücksichtigen sind. Aus den oben
dargelegten Gründen ist mir jedoch eine einigerma-
Bachmaier (SPD): Herr Staatssekretär, ist Ihnen ßen verläßliche Schätzung nicht möglich.
bekannt, daß im Rahmen der Arbeiten der beim
Justizminister eingerichteten Insolvenzrechtskom- Vizepräsident Wurbs: Zusatzfrage, Herr Abgeord-
mission Fakten gesammelt worden sind, die recht neter, bitte sehr.
umfangreiche Aussagen über Insolvenzursachen
liefern? Dr. Schöfberger (SPD): Könnte denn Ihr Ministe-
rium, wenn wir davon ausgehen, daß die Ermittlung
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Das ist mir be- solcher Zahlen in der Tat sehr schwierig ist, nicht
kannt; aber ich habe ja auch einige Gründe ge- an Hand von einzelnen Fallbeispielen — etwa auf
nannt. dem Gebiet des Straßenbaus oder des Kanalbaus
oder anderer Eingriffe in Natur und Landschaft —
Bachmaier (SPD): Weitere Zusatzfrage: Beziehen feststellen, in welcher Proportion die eigentlichen
sich diese Daten — — Bauausgaben zu den Wiederherstellungsausgaben
stehen? Es wäre sehr aufschlußreich, wenn man da
Vizepräsident Wurbs: Zu der Frage 34 haben Sie drei oder vier Beispiele hören könnte.
nur eine Zusatzfrage. Die Frage 33 ist abgeschlos-
sen. Gallus, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
Keine weiteren Zusatzfragen mehr. kann Ihnen dazu jetzt keine spezielle Antwort ge-
ben. Aber wenn Sie zu einem bestimmten Projekt
Der Fragesteller der Fragen 35 und 36, Herr Ab- eine Frage stellen, z. B. zur Voreindeichung an der
geordneter Wolfram (Recklinghausen), hat seine Nordsee, zum Kanalbau oder ähnliches, dann wer-
Fragen zurückgezogen. den wir das jeweilige Bundesland darum bitten, uns
Damit sind die Fragen aus dem Geschäftsbereich über diese spezielle Frage Aufschluß zu geben.
des Bundesministers für Wirtschaft abgeschlossen.
Ich danke, Herr Staatssekretär. Vizepräsident Wurbs: Eine weitere Zusatzfrage
Ich rufe den Geschäftsbereich des Bundesmini- des Abgeordneten Stiegler.
sters für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Stiegler (SPD): Herr Staatssekretär, werden Sie
auf. Zur Beantwortung steht der Parlamentarische
denn in Zukunft dafür eintreten, daß die Bewilli-
Staatssekretär Gallus zur Verfügung.
gung von Bundesmitteln für Flurbereinigungsmaß-
Ich rufe die Frage 37 des Herrn Abgeordneten Dr. nahmen an die Voraussetzung einer umfassenden
Schöfberger auf: Umweltverträglichkeitsprüfung geknüpft wird?
Wie hoch schätzt die Bundesregierung die im Bundeshaus-
halt 1984 vorgesehenen Gesamtausgaben für Maßnahmen Gallus, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, es ist
der öffentlichen Hand, die üblicherweise zu Eingriffen in heute schon so, daß im Rahmenplan der Gemein-
Natur und Landschaft im Sinne des § 8 Abs. 1 BNatSchG füh-
ren, und jene Gesamtausgaben, die nötig sind, um unver- schaftsaufgabe genau festgelegt ist, unter welchen
meidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft ge- Bedingungen Mittel der Gemeinschaftsaufgabe zur
mäß § 8 Abs. 2 BNatSchG auszugleichen? Durchführung der Flurbereinigung verwendet wer-
Bitte, Herr Staatssekretär. den dürfen und wann nicht.
(Stiegler [SPD]: Das ist keine Antwort!)
Gallus, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister
für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Herr Vizepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra-
Kollege Schöfberger, nach der Eingriffsregelung gen. — Ich rufe die Frage 38 des Abgeordneten
des Bundesnaturschutzgesetzes — § 8 — sind ver- Dr. Schöfberger auf:
meidbare Beeinträchtigungen von Natur und Land- Welche Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung kurz-,
schaft zu unterlassen sowie unvermeidbare Beein- mittel- oder langfristig zu ergreifen oder gegenüber Ländern
trächtigungen durch Maßnahmen des Naturschut- und Gemeinden anzuregen, um den im Abschlußbericht der
Projektgruppe „Aktionsprogramm Ökologie" (Umweltbrief
zes und der Landschaftspflege auszugleichen. Dies Nr. 29 des Bundesministeriums des Innern) unter Nr. 179 auf-
gilt auch für Maßnahmen der öffentlichen Hand. geführten „schwerwiegenden ökologischen Schwachstellen"
Die hierdurch entstehenden, teilweise erheblichen der Landwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland wirk-
Mehrkosten sind im Bundeshaushalt nicht beson- sam zu begegnen?
ders ausgewiesen. Sie wären nur nachträglich und
mit erheblichem Verwaltungsaufwand zu ermitteln. Gallus, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Schöf-
Abgesehen davon gibt es keine verläßlichen Krite- berger, in der genannten Textziffer 179 des Ab-
rien, nach denen der mit der Frage angestrebte schlußberichtes der Projektgruppe „Aktionspro-
Zahlenvergleich in schlüssiger Form geführt wer- - gramm Ökologie" sind wesentliche ökologische Pro-
den könnte. Als Beispiel darf ich aus dem Einzel- bleme der modernen Landwirtschaft angesprochen
plan 10 auf die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesse- und bewertet worden. Wenn ich auch die Bewer-
rung der Agrarstruktur" verweisen. Hier werden tung nicht voll teile, halte ich doch weitere Maßnah-
Maßnahmen der Flurbereinigung und der Wasser- men für erforderlich, um ökologische Belastungen
wirtschaft gefördert, die nicht in ihrer Gesamtheit, soweit wie möglich abzubauen.
aber in Einzelfällen zu Eingriffen im Sinne des § 8 Die bereits eingeleiteten und in Vorbereitung be-
Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes führen kön- findlichen Maßnahmen sind vielfältiger Art. Sie rei-
nen, wobei gemäß Ziffer 6 der Einleitung zum Rah chen von der Verbesserung der wissenschaftlichen
Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3505

Parl. Staatssekretär Gallus


Grundlagen über die Intensivierung der Beratung schau- und Lebensmittelrechts wird gewährleistet,
sowie die Verbesserung des Vollzuges bestehender daß die von Nutztieren gewonnenen Erzeugnisse an
Rechtsvorschriften bis hin zur Schaffung neuer sie gestellten qualitativen, insbesondere den lebens-
Rechtsvorschriften. Da die Zuständigkeit der Län- mittelrechtlich vorgegebenen Anforderungen ent-
der sehr stark betroffen ist, findet ein intensiver sprechen.
Meinungsaustausch zwischen Bund und Ländern Für alle angesprochenen Bereiche hat auch das
statt. Ich möchte daher darauf verzichten, von die- Bodenschutzkonzept, das zur Zeit von der Bundes-
ser Stelle aus spezielle Anregungen an die Länder regierung vorbereitet wird, eine große Bedeutung,
und Gemeinden zu geben, und bitte dafür um Ihr weil alle den Boden betreffenden Aspekte darin be-
Verständnis. handelt werden.
Bei den Maßnahmen des Bundes und solchen, an
denen der Bund mitwirkt, kann ich hier nicht die Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage, Herr Ab-
ganze Palette von Einzelmaßnahmen aufzählen. Ich geordneter, bitte.
will mich auf besonders wichtige Maßnahmen aus
Dr. Schöfberger (SPD): Herr Staatssekretär, arbei-
den in der genannten Textziffer des Berichts ange-
sprochenen Bereichen Artenschutz, Düngung, ten Sie eng und ohne Probleme mit dem Innenmini-
Pflanzenbehandlungsmittel und intensive Tierhal- sterium zusammen, auf daß vermieden wird, daß
tung beschränken. die einen in Broschüren massive Kritik an Zustän-
den in der Landwirtschaft üben und die anderen
Erstens. Der Schutz wildlebender Pflanzen- und nicht wissen, was dagegen zu tun ist?
Tierarten muß weiter verbessert werden. Dazu wird
zur Zeit eine Novellierung des Bundesnaturschutz- Gallus, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, die Zu-
gesetzes vorbereitet. Vor allem muß dem Vollzug sammenarbeit zwischen beiden Ministerien ist gut.
des Bundesnaturschutzgesetzes und der Länderna- Das, was Sie als Konsequenz dessen in Ihrer Frage
turschutzgesetze in allen Bereichen besonderer in den Raum stellen, stimmt so nicht.
Nachdruck verliehen werden. Zur Verbesserung des
Schutzes der Lebensstätten wildlebender Pflanzen- Vizepräsident Wurbs: Eine Zusatzfrage des Abge-
und Tierarten wird zur Zeit ein Biotopschutzpro- ordneten Stiegler.
gramm aus Bundessicht erarbeitet.
Stiegler (SPD): Herr Staatssekretär, ich frage in
Zweitens. Überdüngungen und dadurch an be- diesem Zusammenhang noch einmal nach: Ist die
stimmten Standorten bewirkten Auswaschungen Umweltverträglichkeitsprüfung Gegenstand der
von Nitrat in das Grundwasser wird verstärkt ent- Förderkriterien nach dem Regionalprogramm
gegengewirkt. Zu den Maßnahmen gehören die „Agrarstruktur und Küstenschutz" oder nicht, und
Weiterentwicklung von Methoden zur Feststellung wird die Bundesregierung gegebenenfalls darauf
des tatsächlichen Düngungsbedarfs, intensive Bera- drängen, daß die Förderkriterien geändert werden?
tung sowie die konsequente Anwendung der Instru-
mente des Wasserhaushaltsgesetzes, insbesondere Gallus, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, damit
in bezug auf die Festsetzung von Wasserschutzge- das ganz klar ist: Die Durchführung nach dem Ge-
bieten und von § 15 des Abfallbeseitigungsgesetzes meinschaftsaufgabengesetz liegt allein in den Hän-
in bezug auf organische Dungstoffe. den der Länder. Die Länder haben nach ihren Ge-
Drittens. Bei Pflanzenbehandlungsmitteln sollen setzen die entsprechenden Maßnahmen zu vollzie-
durch den von der Bundesregierung beschlossenen hen.
Entwurf eines neuen Pflanzenschutzgesetzes die
Vizepräsident Wurbs: Keine weiteren Zusatzfra-
Verkehrs- und Anwendungsvorschriften für Pflan-
zenbehandlungsmittel mit dem Ziele der Verminde- gen.
rung der ökologischen Risiken des Pflanzenschut- Meine Damen und Herren, wir sind damit am
zes erweitert und verschärft werden. Ende der Fragestunde angelangt.
Ich berufe die nächste Sitzung des Deutschen
Viertens. Der intensiven Tierhaltung soll durch
Bundestages für morgen, den 26. Januar 1984, 9 Uhr
Hemmung weiterer Konzentrationsentwicklungen
ein.
vor allem mit Hilfe des Steuerrechts entgegenge-
wirkt werden. Durch Maßnahmen der Tierzüchtung Die Sitzung ist geschlossen.
sowie des Futtermittel-, Arzneimittel-, Fleischbe- (Schluß der Sitzung: 14.30 Uhr)
Deutscher Bundestag - 10. Wahlperiode - 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984 3507*

Anlagen zum Stenographischen Bericht


Anlage 1 chende Häufigkeitsstudie. Ausländische Arbeiten
Liste der entschuldigten Abgeordneten - es liegen u. a. neuere französische Untersuchun-
gen vor - lassen sich nicht ohne weiteres auf die
Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bundesrepublik übertragen. Eine deutsche Veröf-
fentlichung von Seidenberg und Majewski (in
Dr. Ahrens * 27. 1. „Suchtgefahren" 1978/2, S. 63ff., S. 66) spricht von
Brosi 27. 1. etwa 1 800 Fällen im Jahr.
.Brück 27. 1.
Dr. Dollinger 27. 1. Die gesundheitliche Aufklärung über Gefahren
Dr. Ehmke (Ettlingen) 27. 1. von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
Eimer (Fürth) 25. 1. findet seit Jahren statt. So weist die von der Bun-
Gerstl (Passau) * 27. 1. deszentrale für gesundheitliche Aufklärung in ho-
Hartmann 27. 1. her Auflage herausgegebene Broschüre „Das Baby.
Dr. Hauchler 27. 1. Ein Leitfaden für junge Eltern" im einzelnen auf
Freiherr Heereman von Zuydtwyck 27. 1. die Gefährdung durch die Einnahme von Medika-
Heimann 27. 1. menten sowie den starken Konsum von Tabak und
Herkenrath 27. 1. Alkohol während der Schwangerschaft hin. Im übri-
Jansen 27. 1. gen wird die Aufklärung über die Gefahren des
Kolbow ** 27. 1. Alkoholkonsums während der Schwangerschaft
Kretkowski 27. 1. über die wissenschaftlichen Fachgesellschaften von
Dr. h. c. Lorenz 27. 1. den niedergelassenen Ärzten durchgeführt, teil-
Dr. Mertes (Gerolstein) 27. 1. weise mit Unterstützung der Deutschen Hauptstelle
Dr. Müller * 27. 1. gegen die Suchtgefahren. Diese Aufklärung muß
Petersen ** 27. 1. fortgesetzt und auf Grund neuer Erkenntnisse prä-
Schlatter 26. 1. zisiert werden.
Schmidt (Hamburg) 27. 1.
Frau Schoppe 27. 1.
Schröder (Lüneburg) 27. 1.
Dr. Freiherr Spies von Büllesheim * 27. 1. Anlage 3
Spilker 27. 1. Antwort
Dr. Stark (Nürtingen) 27. 1.
Stücklen 27. 1. des Parl. Staatssekretärs Dr. Voss auf die Frage des
Vahlberg 27. 1. Abgeordneten Kirschner (SPD) (Drucksache 10/908
Verheugen 27. 1. Frage 16):
Kann die Bundesregierung die Auffassung von Bundesfi-
nanzminister Dr. Stoltenberg bekräftigen, wonach in diesem
Jahr mit den höchsten Steuereinnahmen in der Geschichte
* für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Ver-
der Bundesrepublik Deutschland gerechnet werden kann,
sammlung des Europarates
und sieht sie darin einen ursächlichen Zusammenhang mit
** für die Teilnahme an Sitzungen der Nordatlantischen Ver-
der wirtschaftlichen Entwicklung?
sammlung

Die Höhe der Steuereinnahmen hängt weitge-


Anlage 2 hend von der Entwicklung des Bruttosozialprodukts
Antwort in jeweiligen Preisen ab. Immer wenn das Bruttoso-
zialprodukt auch nur nominal wächst, wachsen
des Parl. Staatssekretärs Frau Karwatzki auf die auch die Steuereinnahmen. Deshalb haben wir
Frage des Abgeordneten Schlottmann (CDU/CSU) auch in wirtschaftlich schwachen Jahren stets ein
(Drucksache 10/908 Frage 3): Ansteigen der Steuereinnahmen gehabt.
Wie beurteilt die Bundesregierung Meldungen, wonach in
der Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr zwischen 3 000
Die Bundesregierung erwartet für das laufende
und 5 000 Kinder mit Mißbildungen geboren werden, die auf Jahr ein steigendes Wachstum unserer Volkswirt-
übermäßigen Alkoholgenuß der werdenden Mutter zurückzu- schaft. Sie wird in dieser Beurteilung von der Fach-
führen sind, und hält die Bundesregierung über bisherige welt unterstützt.
Informationen hinaus weitere Maßnahmen z. B. über die
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für notwen- Im November vergangenen Jahres schätzte der
dig? Arbeitskreis „Steuerschätzungen" die Steuerein-
nahmen für 1984 auf der Grundlage eines Wachs-
Die Bundesregierung hat bereits in ihrer Antwort tums des nominalen Bruttosozialprodukts von
auf eine ähnliche Frage des Abgeordneten Dr. Geß- + 5,3 Prozent. Nach Abzug der finanziellen Auswir-
ner am 6. Dezember 1982 (BT-Drucksache 9/2295), kungen des Steuerentlastungsgesetzes 1984 werden
in der von 5 000 durch Alkoholismus der Mutter danach die gesamten Steuereinnahmen im laufen-
geschädigten Kindern im Jahr die Rede war, geant- den Jahr um + 5,5 Prozent über dem - noch ge-
wortet, daß ihr zwar das Phänomen der sogenann- schätzten - Ergebnis des Jahres 1983 liegen. Wir
ten Embryopathie bekannt sei, jedoch keine stati- werden damit in der Tat die höchsten Steuerein-
stisch verwertbaren Angaben hierüber vorlägen; bis nahmen seit Bestehen der Bundesrepublik
heute gibt es für die Bundesrepublik keine entspre- Deutschland haben.
3508* Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 25. Januar 1984

In diesem Zusammenhang ist aber darauf hinzu- Anlage 5


weisen, daß trotz wirtschaftlicher Erholung und Antwort
steigender Steuereinnahmen oberstes Ziel der Fi-
nanz- und Steuerpolitik der Bundesregierung die des Parl. Staatssekretärs Dr. Sprung auf die Frage
Senkung der immer noch viel zu hohen Neuver- des Abgeordneten Austermann (CDU/CSU) (Druck-
schuldung des Staates bleiben muß. sache 10/908 Frage 27):
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß zu einer
Verbesserung des Entsorgungsangebotes und der Überwa-
chung der Reinhaltung der Meere nach dem MARPOL-Ab-
Anlage 4 kommen die Bezuschussung der ungedeckten Kosten der
Entsorgung der Binnenschiffahrt nach dem Altölgesetz vor-
Antwort übergehend auf die Hochseeschiffahrt ausgedehnt werden
sollte?
des Parl. Staatssekretärs Dr. Voss auf die Frage des
Abgeordneten Dr. Steger (SPD) (Drucksache 10/908
Die aus dem Altölfonds gewährten Zuschüsse zu
Frage 20):
den ungedeckten Kosten der Bilgenentölung bei
Wie hat die Bundesregierung die Förderung nach § 82 a
Binnenschiffen werden mit Wirkung vom 1. Januar
Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) für
Biogasanlagen technisch und ökonomisch so spezifiziert, daß 1985 auf die Hälfte reduziert und zum 31. Dezember
die einheitliche Handhabung der Vorschrift erreicht wird? 1985 ganz eingestellt. Die Bundesregierung ist der
Auffassung, daß die Finanzierung der Bilgenent-
Die Ermächtigungsgrundlage für die Zulassung ölung auf das Verursacherprinzip umgestellt wer-
der erhöhten Absetzungen nach § 82 a EStDV ist im den muß. Es ist politisch und rechtlich nicht vertret-
Laufe des Gesetzgebungsverfahrens zum Steuer- bar, daß die Mittel für die Bilgenentölung vom
entlastungsgesetz 1984 vom Deutschen Bundestag Autofahrer aufgebracht werden, während die Schiff-
um Herstellungskosten für die Errichtung von An- fahrt von der Altölausgleichsabgabe freigestellt ist.
lagen zur Gewinnung von Biogas erweitert worden. Aus diesem Grunde kommt auch eine Ausweitung
Die Bundesregierung hat vor kurzem eine entspre- der Zuschüsse auf die Bilgenentölung bei Seeschif-
chende Änderung der Einkommensteuer-Durchfüh- fen nicht in Betracht.
rungsverordnung im Rahmen der Ermächtigungs-
grundlage beschlossen. Die Änderungsverordnung
liegt dem Bundesrat zur Zustimmung vor. Anlage 6
Sollten sich bei der Anwendung der Vorschrift Antwort
Zweifelsfragen ergeben, werden diese wie in ande-
des Parl. Staatssekretärs Dr. Sprung auf die Frage
ren Fällen einvernehmlich mit den obersten Fi-
der Abgeordneten Frau Männle (CDU/CSU)
nanzbehörden der Länder geklärt.
(Drucksache 10/908 Frage 32):
Die Beschränkung der Steuervergünstigung auf Ist von einem unterdurchschnittlichen Anteil der Anträge
Anlagen, die die Gewinnung von Gas aus tierischen von Frauen im Hinblick auf Existenzgründungsdarlehen aus-
oder pflanzlichen Abfallstoffen unter Sauerstoffab- zugehen, wenn ja, worin liegen nach Auffassung der Bundes-
schluß ermöglichen, dient der technischen Abgren- regierung die Gründe dafür?
zung. Ich gehe davon aus, daß Sie unter ökonomi-
scher Abgrenzung die Bestimmung des begünstig- Nach einer Untersuchung des Ifo-Instituts aus
ten Personenkreises verstehen. Die so verstandene dem Jahre 1980 sind 22 % der Existenzgründer
Abgrenzung wird dadurch erreicht, daß nur der Frauen. Der Anteil der vom Bund im Rahmen sei-
Steuerpflichtige die erhöhten Absetzungen in An- ner Existenzgründungsprogramme geförderten
spruch nehmen kann, der das in der Biogasanlage weiblichen Gründer liegt nach Aussagen der La-
erzeugte Gas zur Beheizung und Warmwasserver- stenausgleichsbank bei 23 %. Eine „unterdurch-
sorgung eines ihm gehörenden Gebäudes verwen- schnittliche" Beteiligung der Frauen an Existenz-
det. gründungsdarlehen liegt demnach nicht vor.

Das könnte Ihnen auch gefallen