0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
53 Ansichten35 Seiten

Anfechtung

Hochgeladen von

khyzelyanmaria
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
53 Ansichten35 Seiten

Anfechtung

Hochgeladen von

khyzelyanmaria
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

Neues Thema:

Anfechtung

1
Zur Erinnerung

Wie ist eine Willenserklärung aufgebaut?

Handlungswille Erklärungsbewusstsein
, , Geschäftswille

2
Bestandteile einer WE

Obj. (äußerer) TB Subj. (innerer) TB


Das Erklärte Das Gewollte
(obj. Empfängerhorizont)

Erklärungs-
Handlungswille Geschäftswille
bewusstsein

3
Der Wille kann ausdrücklich (mündlich, schriftlich) erklärt
werden.

Der Wille kann aber auch durch schlüssiges Verhalten


(konkludent) erklärt werden (z.B. durch Deuten auf die
Kaufsache und Hinlegen des Kaufpreises)

Entscheidend ist, was ein vernünftig denkender objektiver


Dritter aus Sicht des Erklärungsempfängers verstanden
hätte.

4
Handlungswille  Handlungswille ist der Wille, überhaupt eine
willensgesteuerte Handlung vorzunehmen (fehlt
konkreter

z.B. bei Sprechen im Schlaf, Handeln unter


Hypnose oder bei absoluter Gewaltanwendung).

Rechtsbindungs-  Erklärungsbewusstsein (Rechtsbindungswillen) ist


willen das Bewusstsein, eine Erklärung mit rechts-
geschäftlicher Bedeutung abzugeben (fehlt z.B. bei
konkreter

untergeschobenem Vertrag in Autogrammstunde).

Geschäftswille  Geschäftswille ist der Wille, ein bestimmtes,


konkretes Rechtsgeschäft abzuschließen.

5
Konsequenz beim Fehlen eines subjektiven WE-Elements

Handlungswille  Es liegt keine WE (kein Vertrag) vor.

 strittig: eine stark verbreitete Ansicht verlangt


konkreter

zwingend das Erklärungsbewusstsein – spricht


allerdings in Fällen, in welchen nach anderer
Ansicht kein Rechtsbindungswille vorliegt (Bsp.
Winken zum Gruß auf einer Auktion), von einem
Erklärungs- „potentiellen Erklärungsbewusstsein“, wenn sich
bewusstsein ein Fahrlässigkeitsvorwurf ergibt. Die andere
Ansicht bejaht das Vorliegen einer WE grds. auch
konkreter

ohne Erklärungsbewusstsein (verweist also direkt


auf die Anfechtungsmöglichkeit), macht jedoch
Ausnahmen, wenn sich nicht einmal ein
Fahrlässigkeitsvorwurf ergibt (dann keine WE).

Geschäftswille  Es liegt eine WE vor. Das auf dieser basierende


Rechtsgeschäft ist jedoch anfechtbar.
Kernfragen zur Anfechtung
• Auf welche Rechtsfolge zielt die Anfechtung?
• Welche Anfechtungsgründe gibt es?
• Welches sind die Voraussetzungen einer erfolgreichen
Anfechtung?
• Welche Rechtsfolge kann sich für den Anfechtenden
(nachteilig) ergeben?

7
Anfechtung – erhoffte Rechtsfolge
 Rückwirkende Nichtigkeit – „von Anfang an“ (ex tunc Wirkung)
 Alles muss rückabgewickelt werden, als ob der Vertrag nie existiert
hätte, § 142 Abs.1 BGB?

 Die Wirksamkeitsprüfung beginnt immer mit §142 I BGB

 Die Anfechtung muss erklärt werden, §143 I BGB – ansonsten bleibt


ein mit einem Makel behaftetes Rechtsgeschäft (i.d.R. fehlender
Geschäftswille) wirksam.

8
Welche Anfechtungsgründe finden sich im BGB
(AT) – und in welchen Paragraphen?
↳5 119 Irrtum :

enthält 3 verschiedene Irrtümer


,
die klar voneinander
unbedingtsind
abzugrenzen .

-
Inhaltsirrtum
nicht,
weiß,
sagt
Der Erklärende aber was
:

was er er
meint
Bedeutung Erklärung)
(Irrtum über
.
der , .


will
Erklärungsirrtum · Der Erklärende
sagt nicht, was er
sagen
(Störung Ablauf
Erklärungshandlung)
im in der .

3
Eigenschaftsirrtum Irrtum über
Eigenschaft einer Person oder
:

Sache .

9
alle Anfechtungsgründe des BGB-AT
 §120 BGB – Falsche Übermittlung
 fehlgehen eines verwendeten Übermittlungsgeräts oder eines Boten
 §123 Abs.1 Alt.1 BGB – Arglistige Täuschung (inkl. Abs.2)
 §123 Abs.1 Alt.2 BGB – widerrechtliche Drohung
~ wenn
Jemand anderen vorsätzlich
~

bei einem einen Irrtum


hervorruft
,
um ihn zur

Abgabe einer WE zu
Veranlassen .

 Irrtum, §119 BGB


 §119 BGB enthält 3 verschiedene Irrtümer, die unbedingt klar
voneinander abzugrenzen sind.

10
Welche drei, zur Anfechtung berechtigenden
Irrtümer enthält § 119 BGB?
Wodurch unterscheiden sich diese? (Definition)

11
Der Erklärende weiß, was er sagt, Fehler tritt auf
weiß aber nicht, was er damit sagt im Zeitpunkt der
(Irrtum über Bedeutung der Erklärung). Willensäußerung

Inhaltsirrtum
§ 119 Abs. 1, 1. Fall BGB
(TB)
(1) Wer (II.) bei der Abgabe einer Willenserklärung (I.)über deren Inhalt
im Irrtum war […], (RF) kann die Erklärung anfechten, (III.) wenn
anzunehmen ist, dass er sie bei Kenntnis der Sachlage und bei
verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben haben würde.

A. Tatbestandsvoraussetzungen (TB)
I. Irrtum über den Inhalt der WE Irrtum = unbewusstes Auseinanderfallen
von Wille und Erklärung
II. bei der Abgabe der WE
III. keine Abgabe bei Kenntnis der Sachlage und verständiger
Würdigung des Falles
B. Rechtsfolge (RF)
Anfechtungsgrund liegt vor („kann anfechten“)
12
Der Erklärende sagt nicht, Fehler tritt auf
was er sagen will (Störung im im Zeitpunkt der
Ablauf der Erklärungshandlung). Willensäußerung

Erklärungsirrtum
§ 119 Abs. 1, 2. Fall BGB
(TB)
(1) Wer (II.) bei der Abgabe einer Willenserklärung […] (I.) eine Erklärung
dieses Inhalts nicht abgeben wollte, (RF) kann die Erklärung anfechten,
(III.) wenn anzunehmen ist, dass er sie bei Kenntnis der Sachlage und
bei verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben haben würde.

A. Tatbestandsvoraussetzungen (TB)
I. Irrtum in der Erklärungshandlung z.B. versprechen, verschreiben,
vergreifen
II. bei der Abgabe der WE
III. keine Abgabe bei Kenntnis der Sachlage und verständiger
Würdigung des Falles
B. Rechtsfolge (RF)
Anfechtungsgrund liegt vor („kann anfechten“)
13
Fehler tritt auf
im Zeitpunkt der
Willenbildung

Eigenschaftsirrtum
§ 119 Abs. 2 BGB
… (TB)
(2) (III.) Als Irrtum über den Inhalt der Erklärung gilt auch (I.) der Irrtum
über solche Eigenschaften der Person / der Sache, (II.) die im
Verkehr als wesentlich angesehen werden.
A. Anwendbarkeit Anwendbarkeit (-) bei
Sachmangel nach
B. Tatbestandsvoraussetzungen (TB)
Gefahrübergang
I. Irrtum über Eigenschaft einer Person / Sache
II. Verkehrswesentlichkeit der Eigenschaft Eigenschaft = anhaftende
Charakteristika wie Alter,
III. keine Abgabe bei Kenntnis der Sachlage
Zustand, Herkunft
und verständiger Würdigung des Falles Vertrauenswürdigkeit,
C. Rechtsfolge (RF) Wertbildende Faktoren
(nicht Wert als solcher)
Anfechtungsgrund liegt vor („kann anfechten“)
14
alle Anfechtungsgründe des BGB-AT
 §120 BGB – Falsche Übermittlung
 fehlgehen eines verwendeten Übermittlungsgeräts oder eines Boten
 §123 Abs.1 Alt.1 BGB – Arglistige Täuschung (inkl. Abs.2)
 §123 Abs.1 Alt.2 BGB – widerrechtliche Drohung
Irrtum, §119 BGB
 §119 Abs.1 Alt.1 BGB – Inhaltsirrtum
Erklären was man erklären wollte – aber andere Bedeutung beigemessen
 §119 Abs.1 Alt.2 BGB – Erklärungsirrtum
Fehler in Erklärungshandlung (z.B. versprechen, verschreiben…)
 §119 Abs.2 BGB – Eigenschaftsirrtum
Fehlvorstellung über einen wertausmachenden Umstand (z.B. Material,
Qualität, Hersteller, Alter, Qualifikation einer Person…)

15
Wie lange hat man Zeit anzufechten –in welchen
Paragraphen wird dies geregelt?
Die
Anfechtungsfrist
ist vom Grund
abhängig
In 9121 gilt, Vorwurf liegt (Irrtum)
den
wenn der beim
Anfechtenden .

->
unverzügl .
(ab Kenntnis) i .
.
d
R
.
2 Wochen

5124
liegt (Täuschung)
gilt, Vorwurf
Vertragspartner
wenn der beim .

-> 1 Jahr ab kenntnis

In allen Fällen
10 Jahre 5124
5121 Abs. 2 .
u Abs 3 .

BGB

16
Anfechtungsfrist
 Die Anfechtungsfrist ist abhängig vom Grund
 §121 gilt, wenn der Vorwurf beim Anfechtenden liegt (v.a. Irrtum)
 §124 gilt, wenn der Vorwurf beim Vertragspartner liegt (v.a. Täuschung)

Frist nach §121 BGB


 Unverzüglich (=ohne schuldhaftes Zögern) – ab Kenntnis(!)
(Einzellfallabhängig – i.d.R. aber 2 Wochen  gängige Rechtsprechung)
Frist nach §124 BGB
 1 Jahr ab Kenntnis(!) bzw. ab Ende der Bedrohungssituation

 In allen Fällen max. 10 Jahre


(siehe §121 Abs.2 sowie §124 Abs.3 BGB)

17
Welche nicht gewünschte Rechtsfolge kann sich
für den Anfechtenden ergeben?

⑤121 Schadensersatzpflicht des Anfechtenden


Anfechtenden
↳nur wenn der
Vorwurf beim
liegt
(V
.
A
.

Irrtum)
nicht bei
Täuschung oder
Drohung
.

18
Nicht gewünschte weitere Rechtsfolge
§122 BGB – Vertrauensschadensersatz
 nur wenn der Vorwurf beim Anfechtenden liegt (v.a. Irrtum)
 nicht bei Täuschung oder Drohung

Beispiel für einen nicht zur Anfechtung berechtigenden Irrtum:


Motivirrtum
Warum ein Rechtsgeschäft eingegangen wird
(z.B. weil man sich Profit daraus erhofft)
 Ausnahme/Sonderfall: Eigenschaftsirrtum

19
Anfechtung – Prüfungspunkte (Schema)
Ausgangspunkt: § 142 I BGB (erwünschte Rechtsfolge)
 „von Anfang an“ unwirksam (ex tunc Wirkung)
1. Erklärung, §143 I BGB (Anfechtung muss überhaupt erklärt
werden – ansonsten bleibt ein fehlerhaftes Rechtsgeschäft
wirksam)
2. Grund, §§119 ff. BGB (Es muss ein Grund vorliegen, den das
Gesetz akzeptiert – also ein in §§119 ff. aufgezählter)
3. Frist, §121, §124 (orientiert am jeweiligen Grund muss entweder
„unverzüglich“ oder binnen eines Jahres ab Kenntnis(!)
angefochten werden (max. 10 Jahre)
20
Prüfungsschema zur Anfechtung – Ausgangspunkt §142
1. Anfechtungserklärung / Anfechtungsgegner, §143
Feststellung, ob die Anfechtung erklärt wurde bzw. dass sie ggf. noch erklärt werden müsste

2. Anfechtungsgrund
Prüfung der in Frage kommenden Anfechtungsgründe:
•Inhaltsirrtum §119 I Alt. 1 (Fehler im Moment der Willensäußerung)
(sagen was man eigentlich sagen will, aber dem Erklärten einen anderen Sinn beimessen)
•Erklärungsirrtum §119 I Alt. 2 (Fehler im Moment der Willensäußerung)
(Fehler in der Erklärungshandlung: versprechen, verschreiben, vergreifen)
•Eigenschaftsirrtum §119 II
(Irrtum über verkehrswesentliche Eigenschaft einer Person oder Sache – nicht über den Wert)
•Übermittlg.fehler §120
•Arglistige Täuschung §123 (§123 II Täuschg. durch Dritte) / (widerrechtl. Drohung)
a) Täuschung oder Irrtumsaufrechterhaltung
b) Arglist: davon ausgehend, dass WE sonst nicht erfolgt wäre
c) Kausalität hinsichtlich der Abgabe der Willenserklärung

3. Anfechtungsfrist (max. 10 Jahre)


§121 I unverzüglich ab Kenntnis vom Anfechtungsgrund (v.a. bei Irrtum)
§124 I binnen Jahresfrist ab Kenntnis vom Anfechtungsgrund (bei arglistiger Täuschung)

Rechtsfolge
- §142 rückwirkende Nichtigkeit der Willenserklärung
- §122 Schadensersatz (sogen. Vertrauensschaden) bei Irrtumsanfechtung
21
Übung - Kurzfälle

22
Kurzfall 1:

Pferdenärrin „P“ besucht das Gestüt des Züchters „Z“.


Sie will ein auf der Koppel beobachtetes Rennpferd
erwerben, von dem sie weiß, dass es schon mehrfach
ausgezeichnet wurde. Sie meint in diesem Zusammenhang
in Presseberichten den Namen „Potzblitz“ gelesen zu
haben.
Daher erklärt sie dem Z „Potzblitz“ für 40.000€ kaufen zu
wollen.
Tatsächlich handelt es sich bei „Potzblitz“ um ein viel
versprechendes Nachwuchstier.

Erklären Sie, ob hier ein Anfechtungsgrund vorliegt


23
Lösung: Inhaltsirrtum
(Formulierung „Potzblitz „ andere Bedeutung beigemessen)
 Abgrenzung zum Eigenschaftsirrtum:
Entscheidender Fehler passiert im Zeitpunkt der
Willensäußerung, als dem richtigem Pferd der falsche Name
endgültig zugeordnet wird.

24
Kurzfall 2:

Der 7-jährige Max kauft von seinem Taschengeld am Kiosk


eine Zeitschrift mit dem Titel „Wilde Fesselspiele“. Er hält
dies für ein Abenteuerbuch und stellt alsbald ernüchtert
fest, dass er vorerst mit dem Magazin herzlich wenig
anfangen kann.

Erklären Sie, ob hier ein Anfechtungsgrund vorliegt

25
Lösung: Eigenschaftsirrtum
(wertbildender Faktor (für Max) ist das Genre der Zeitschrift)
 Abgrenzung zum Inhaltirrtum:
Entscheidender Fehler passiert im Zeitpunkt der Willensbildung,
als das Cover gesehen wird, und mit Abenteuerheft verwechselt
wird.

26
Kurzfall 3:

Romantiker „R“ kauft für seine Angebetete „A“ einen sündhaft


teuren Brilliantring. Auf die Ringschachtel lässt er vom
Juwelier „J“ „Zur Verlobung – Willst du mich heiraten“
schreiben. Am nächsten Tag verraten „R“s aufgequollenen
Augen die Erfolglosigkeit seines Unterfangens.

Erklären Sie, ob hier ein Anfechtungsgrund vorliegt

27
Lösung: Motivirrtum (also keine Anfechtung möglich)
Fehler im Zeitpunkt der Willensbildung, aber kein
Eigenschaftsirrtum (Ring und Verkäufer sind nicht zu
beanstanden)

28
Kurzfall 4:

Antiquitätenhändler „A“ bietet dem „B“ eine alte Plastik an


und versichert ihm, sie wäre vor über 300 Jahren vom
bekannten Künstler „XY“ höchstpersönlich erschaffen
worden.
Nach Kaufabschluss entdeckt „B“ die geheimnisvollen
Schriftzüge „made in Hongkong“ und ihm kommen erste
Zweifel daran, dass „XY“ jemals in Asien gewirkt hätte.

Erklären Sie, ob hier ein Anfechtungsgrund vorliegt

29
Lösung: arglistige Täuschung
Als Händler muss das „Versichern“ v.a. bei offensichtlichem
Stempel als Vorsatz zu sehen sein i.S.v. böswilliger Arglist.

 Kein Eigenschaftsirrtum, da kein vorwerfbarer Irrtum, wenn


die Gegenseite vertragsbrüchig wird (Es liegt ein die
Irrtumsanfechtung ausschließender Sachmangel vor, der zu
Gewährleistungsrechten führt.

30
Übungsfall
K möchte V‘s Fahrrad kaufen. Beim Verfassen seines schriftlichen
Angebots unterläuft ihm jedoch ein Zahlendreher. Statt 120€ notiert er
210€. V nimmt dieses Angebot umgehend an. K erklärt sein Versehen
und möchte sich vom Vertrag lösen.

Bilden Sie einen Obersatz und entwerfen Sie eine Prüfungsschema (6


Gliederungspunkte)

[ Freiwillige Übung für zuhause: Formulieren Sie ein Gutachten alleine zur
Wirksamkeit der Einigung (Aufwand ca. 30 Minuten) ]

31
Aufbau
 Obersatz: V könnte gegen K einen Zahlungsanspruch i.H.v.
210.-€ haben nach §433 II BGB

1. Angebot (Problem: Geschäftswille fehlt)


2. Annahme
3. Wirksamkeit (§142 I BGB)
a. Anfechtungserklärung (muss noch erfolgen)
b. Anfechtungsgrund (Erklärungsirrtum, §119 I Alt.2 BGB)
c. Fristwahrung (unverzüglich  Sachverhalt unklar)
32
Vorschlag Einleitung Gutachten allein zur Wirksamkeit
V könnte gegen K einen Anspruch auf Zahlung von 210.- aus §433 II haben.

(Dazu müsste zwischen ihnen ein wirksamer Kaufvertrag abgeschlossen worden sein)

Grds. sollte gerade in Anfechtungsfällen auf die einzelnen Elemente der Willenserklärung
eingegangen werden (unter den Punkten Angebot/Annahme), da es gerade bei diesen darum
geht, dass einzelne subjektive Elemente fehlen (meist der konkrete Geschäftswillen)

Die Willenserklärung des K könnte jedoch wegen Anfechtung von Anfang an nichtig
sein, §142 I.
Dazu müsste überhaupt ein Anfechtungsgrund vorliegen und K die Anfechtung
rechtzeitig erklärt haben.

33
Vorschlag gutachterliche Subsumtion Anfechtung
I) K müsste die Anfechtung gegenüber V erklärt haben, §143 I.
Er drückte aus, sich vom Vertrag lösen zu wollen. Orientiert an §133 kann dies als
Anfechtungserklärung ausgelegt werden.

II) Fraglich ist, ob ein Anfechtungsgrund vorliegt. In Betracht kommt hier ein
Erklärungsirrtum gemäß §119 Abs.1 Alt.2.
Ein solcher liegt vor beim Fehlgehen der Erklärungshandlung. Typische Fälle hierfür sind
sich versprechen, verschreiben oder vergreifen.
K unterläuft versehentlich ein Zahlendreher – er verschreibt sich. Der Fehler tritt auf in der
Erklärungshandlung. Demzufolge handelt es sich um einen Erklärungsirrtum. Ein
Anfechtungsgrund liegt folglich vor.

III) Weiter müsste die Anfechtung fristgemäß erfolgt sein. Die maßgebliche Frist für die
Irrtumsanfechtung resultiert aus §121. Die Anfechtung müsste unverzüglich (ohne
schuldhaftes Zögern) nach Entdeckung des Irrtums erklärt worden sein. Der Sachverhalt
ist hierzu nicht eindeutig. Unterstellt die Frist sei eingehalten worden, wäre die
Anfechtung erfolgreich. 34
Vorschlag Fazit Gutachten

Aufgrund der erfolgreichen Anfechtung ist der Vertrag gemäß §142 von
Anfang an nichtig.
Demzufolge hat V keinen Anspruch auf Kaufpreiszahlung gegen K.

Gemäß §122 I könnte jedoch ein, dem V etwaig entstandener


Vertrauensschaden zu ersetzen sein.
Allerdings fehlt es hier an konkreten Anhaltspunkten, einen solchen Schaden
anzunehmen.
(grds. bringt die Beachtung des §122 bei richtiger Anwendung wegen seiner Bedeutsamkeit
in Fällen der Irrtumsanfechtung regelmäßig Zusatzpunkte - auch wenn seine
Berücksichtigung genau genommen nicht mehr zur eigentlichen Fragestellung gehört)
35

Das könnte Ihnen auch gefallen