Anfechtung
Anfechtung
Anfechtung
1
Zur Erinnerung
Handlungswille Erklärungsbewusstsein
, , Geschäftswille
2
Bestandteile einer WE
Erklärungs-
Handlungswille Geschäftswille
bewusstsein
3
Der Wille kann ausdrücklich (mündlich, schriftlich) erklärt
werden.
4
Handlungswille Handlungswille ist der Wille, überhaupt eine
willensgesteuerte Handlung vorzunehmen (fehlt
konkreter
5
Konsequenz beim Fehlen eines subjektiven WE-Elements
7
Anfechtung – erhoffte Rechtsfolge
Rückwirkende Nichtigkeit – „von Anfang an“ (ex tunc Wirkung)
Alles muss rückabgewickelt werden, als ob der Vertrag nie existiert
hätte, § 142 Abs.1 BGB?
8
Welche Anfechtungsgründe finden sich im BGB
(AT) – und in welchen Paragraphen?
↳5 119 Irrtum :
-
Inhaltsirrtum
nicht,
weiß,
sagt
Der Erklärende aber was
:
was er er
meint
Bedeutung Erklärung)
(Irrtum über
.
der , .
↳
will
Erklärungsirrtum · Der Erklärende
sagt nicht, was er
sagen
(Störung Ablauf
Erklärungshandlung)
im in der .
3
Eigenschaftsirrtum Irrtum über
Eigenschaft einer Person oder
:
Sache .
9
alle Anfechtungsgründe des BGB-AT
§120 BGB – Falsche Übermittlung
fehlgehen eines verwendeten Übermittlungsgeräts oder eines Boten
§123 Abs.1 Alt.1 BGB – Arglistige Täuschung (inkl. Abs.2)
§123 Abs.1 Alt.2 BGB – widerrechtliche Drohung
~ wenn
Jemand anderen vorsätzlich
~
Abgabe einer WE zu
Veranlassen .
10
Welche drei, zur Anfechtung berechtigenden
Irrtümer enthält § 119 BGB?
Wodurch unterscheiden sich diese? (Definition)
11
Der Erklärende weiß, was er sagt, Fehler tritt auf
weiß aber nicht, was er damit sagt im Zeitpunkt der
(Irrtum über Bedeutung der Erklärung). Willensäußerung
Inhaltsirrtum
§ 119 Abs. 1, 1. Fall BGB
(TB)
(1) Wer (II.) bei der Abgabe einer Willenserklärung (I.)über deren Inhalt
im Irrtum war […], (RF) kann die Erklärung anfechten, (III.) wenn
anzunehmen ist, dass er sie bei Kenntnis der Sachlage und bei
verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben haben würde.
…
A. Tatbestandsvoraussetzungen (TB)
I. Irrtum über den Inhalt der WE Irrtum = unbewusstes Auseinanderfallen
von Wille und Erklärung
II. bei der Abgabe der WE
III. keine Abgabe bei Kenntnis der Sachlage und verständiger
Würdigung des Falles
B. Rechtsfolge (RF)
Anfechtungsgrund liegt vor („kann anfechten“)
12
Der Erklärende sagt nicht, Fehler tritt auf
was er sagen will (Störung im im Zeitpunkt der
Ablauf der Erklärungshandlung). Willensäußerung
Erklärungsirrtum
§ 119 Abs. 1, 2. Fall BGB
(TB)
(1) Wer (II.) bei der Abgabe einer Willenserklärung […] (I.) eine Erklärung
dieses Inhalts nicht abgeben wollte, (RF) kann die Erklärung anfechten,
(III.) wenn anzunehmen ist, dass er sie bei Kenntnis der Sachlage und
bei verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben haben würde.
…
A. Tatbestandsvoraussetzungen (TB)
I. Irrtum in der Erklärungshandlung z.B. versprechen, verschreiben,
vergreifen
II. bei der Abgabe der WE
III. keine Abgabe bei Kenntnis der Sachlage und verständiger
Würdigung des Falles
B. Rechtsfolge (RF)
Anfechtungsgrund liegt vor („kann anfechten“)
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Fehler tritt auf
im Zeitpunkt der
Willenbildung
Eigenschaftsirrtum
§ 119 Abs. 2 BGB
… (TB)
(2) (III.) Als Irrtum über den Inhalt der Erklärung gilt auch (I.) der Irrtum
über solche Eigenschaften der Person / der Sache, (II.) die im
Verkehr als wesentlich angesehen werden.
A. Anwendbarkeit Anwendbarkeit (-) bei
Sachmangel nach
B. Tatbestandsvoraussetzungen (TB)
Gefahrübergang
I. Irrtum über Eigenschaft einer Person / Sache
II. Verkehrswesentlichkeit der Eigenschaft Eigenschaft = anhaftende
Charakteristika wie Alter,
III. keine Abgabe bei Kenntnis der Sachlage
Zustand, Herkunft
und verständiger Würdigung des Falles Vertrauenswürdigkeit,
C. Rechtsfolge (RF) Wertbildende Faktoren
(nicht Wert als solcher)
Anfechtungsgrund liegt vor („kann anfechten“)
14
alle Anfechtungsgründe des BGB-AT
§120 BGB – Falsche Übermittlung
fehlgehen eines verwendeten Übermittlungsgeräts oder eines Boten
§123 Abs.1 Alt.1 BGB – Arglistige Täuschung (inkl. Abs.2)
§123 Abs.1 Alt.2 BGB – widerrechtliche Drohung
Irrtum, §119 BGB
§119 Abs.1 Alt.1 BGB – Inhaltsirrtum
Erklären was man erklären wollte – aber andere Bedeutung beigemessen
§119 Abs.1 Alt.2 BGB – Erklärungsirrtum
Fehler in Erklärungshandlung (z.B. versprechen, verschreiben…)
§119 Abs.2 BGB – Eigenschaftsirrtum
Fehlvorstellung über einen wertausmachenden Umstand (z.B. Material,
Qualität, Hersteller, Alter, Qualifikation einer Person…)
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Wie lange hat man Zeit anzufechten –in welchen
Paragraphen wird dies geregelt?
Die
Anfechtungsfrist
ist vom Grund
abhängig
In 9121 gilt, Vorwurf liegt (Irrtum)
den
wenn der beim
Anfechtenden .
->
unverzügl .
(ab Kenntnis) i .
.
d
R
.
2 Wochen
5124
liegt (Täuschung)
gilt, Vorwurf
Vertragspartner
wenn der beim .
In allen Fällen
10 Jahre 5124
5121 Abs. 2 .
u Abs 3 .
BGB
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Anfechtungsfrist
Die Anfechtungsfrist ist abhängig vom Grund
§121 gilt, wenn der Vorwurf beim Anfechtenden liegt (v.a. Irrtum)
§124 gilt, wenn der Vorwurf beim Vertragspartner liegt (v.a. Täuschung)
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Welche nicht gewünschte Rechtsfolge kann sich
für den Anfechtenden ergeben?
Irrtum)
nicht bei
Täuschung oder
Drohung
.
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Nicht gewünschte weitere Rechtsfolge
§122 BGB – Vertrauensschadensersatz
nur wenn der Vorwurf beim Anfechtenden liegt (v.a. Irrtum)
nicht bei Täuschung oder Drohung
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Anfechtung – Prüfungspunkte (Schema)
Ausgangspunkt: § 142 I BGB (erwünschte Rechtsfolge)
„von Anfang an“ unwirksam (ex tunc Wirkung)
1. Erklärung, §143 I BGB (Anfechtung muss überhaupt erklärt
werden – ansonsten bleibt ein fehlerhaftes Rechtsgeschäft
wirksam)
2. Grund, §§119 ff. BGB (Es muss ein Grund vorliegen, den das
Gesetz akzeptiert – also ein in §§119 ff. aufgezählter)
3. Frist, §121, §124 (orientiert am jeweiligen Grund muss entweder
„unverzüglich“ oder binnen eines Jahres ab Kenntnis(!)
angefochten werden (max. 10 Jahre)
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Prüfungsschema zur Anfechtung – Ausgangspunkt §142
1. Anfechtungserklärung / Anfechtungsgegner, §143
Feststellung, ob die Anfechtung erklärt wurde bzw. dass sie ggf. noch erklärt werden müsste
2. Anfechtungsgrund
Prüfung der in Frage kommenden Anfechtungsgründe:
•Inhaltsirrtum §119 I Alt. 1 (Fehler im Moment der Willensäußerung)
(sagen was man eigentlich sagen will, aber dem Erklärten einen anderen Sinn beimessen)
•Erklärungsirrtum §119 I Alt. 2 (Fehler im Moment der Willensäußerung)
(Fehler in der Erklärungshandlung: versprechen, verschreiben, vergreifen)
•Eigenschaftsirrtum §119 II
(Irrtum über verkehrswesentliche Eigenschaft einer Person oder Sache – nicht über den Wert)
•Übermittlg.fehler §120
•Arglistige Täuschung §123 (§123 II Täuschg. durch Dritte) / (widerrechtl. Drohung)
a) Täuschung oder Irrtumsaufrechterhaltung
b) Arglist: davon ausgehend, dass WE sonst nicht erfolgt wäre
c) Kausalität hinsichtlich der Abgabe der Willenserklärung
Rechtsfolge
- §142 rückwirkende Nichtigkeit der Willenserklärung
- §122 Schadensersatz (sogen. Vertrauensschaden) bei Irrtumsanfechtung
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Übung - Kurzfälle
22
Kurzfall 1:
24
Kurzfall 2:
25
Lösung: Eigenschaftsirrtum
(wertbildender Faktor (für Max) ist das Genre der Zeitschrift)
Abgrenzung zum Inhaltirrtum:
Entscheidender Fehler passiert im Zeitpunkt der Willensbildung,
als das Cover gesehen wird, und mit Abenteuerheft verwechselt
wird.
26
Kurzfall 3:
27
Lösung: Motivirrtum (also keine Anfechtung möglich)
Fehler im Zeitpunkt der Willensbildung, aber kein
Eigenschaftsirrtum (Ring und Verkäufer sind nicht zu
beanstanden)
28
Kurzfall 4:
29
Lösung: arglistige Täuschung
Als Händler muss das „Versichern“ v.a. bei offensichtlichem
Stempel als Vorsatz zu sehen sein i.S.v. böswilliger Arglist.
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Übungsfall
K möchte V‘s Fahrrad kaufen. Beim Verfassen seines schriftlichen
Angebots unterläuft ihm jedoch ein Zahlendreher. Statt 120€ notiert er
210€. V nimmt dieses Angebot umgehend an. K erklärt sein Versehen
und möchte sich vom Vertrag lösen.
[ Freiwillige Übung für zuhause: Formulieren Sie ein Gutachten alleine zur
Wirksamkeit der Einigung (Aufwand ca. 30 Minuten) ]
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Aufbau
Obersatz: V könnte gegen K einen Zahlungsanspruch i.H.v.
210.-€ haben nach §433 II BGB
(Dazu müsste zwischen ihnen ein wirksamer Kaufvertrag abgeschlossen worden sein)
Grds. sollte gerade in Anfechtungsfällen auf die einzelnen Elemente der Willenserklärung
eingegangen werden (unter den Punkten Angebot/Annahme), da es gerade bei diesen darum
geht, dass einzelne subjektive Elemente fehlen (meist der konkrete Geschäftswillen)
Die Willenserklärung des K könnte jedoch wegen Anfechtung von Anfang an nichtig
sein, §142 I.
Dazu müsste überhaupt ein Anfechtungsgrund vorliegen und K die Anfechtung
rechtzeitig erklärt haben.
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Vorschlag gutachterliche Subsumtion Anfechtung
I) K müsste die Anfechtung gegenüber V erklärt haben, §143 I.
Er drückte aus, sich vom Vertrag lösen zu wollen. Orientiert an §133 kann dies als
Anfechtungserklärung ausgelegt werden.
II) Fraglich ist, ob ein Anfechtungsgrund vorliegt. In Betracht kommt hier ein
Erklärungsirrtum gemäß §119 Abs.1 Alt.2.
Ein solcher liegt vor beim Fehlgehen der Erklärungshandlung. Typische Fälle hierfür sind
sich versprechen, verschreiben oder vergreifen.
K unterläuft versehentlich ein Zahlendreher – er verschreibt sich. Der Fehler tritt auf in der
Erklärungshandlung. Demzufolge handelt es sich um einen Erklärungsirrtum. Ein
Anfechtungsgrund liegt folglich vor.
III) Weiter müsste die Anfechtung fristgemäß erfolgt sein. Die maßgebliche Frist für die
Irrtumsanfechtung resultiert aus §121. Die Anfechtung müsste unverzüglich (ohne
schuldhaftes Zögern) nach Entdeckung des Irrtums erklärt worden sein. Der Sachverhalt
ist hierzu nicht eindeutig. Unterstellt die Frist sei eingehalten worden, wäre die
Anfechtung erfolgreich. 34
Vorschlag Fazit Gutachten
Aufgrund der erfolgreichen Anfechtung ist der Vertrag gemäß §142 von
Anfang an nichtig.
Demzufolge hat V keinen Anspruch auf Kaufpreiszahlung gegen K.