Grundlagen Marx „Das Kapital“
- Untersuchung der kapitalistischen Produktionsweise
- „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht,
erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform.
Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“ (MEW 23, S.49)
o Spezifikum kapitalistischer Gesellschaften
„Ware“ ist typische Gestalt des Reichtums
„Ware“ = Tausch bestimmter Güter
Nur in kap. Gesellschaften wird Großteil der Güter zu Ware (Ware existiert
auch in anderen nicht kapitalistischen Gesellschaften)
Vgl. Feudalismus: geringer Teil der Güter getauscht
Erst im Kapitalismus wird Tausch umfassend und auch Warenform der Güter
Reichtum als Form einer „Warensammlung“
Einzelne Ware = „Elementarform“
- Ware
o = getauscht; hat neben Gebrauchswert auch Tauschwert
Gebrauchswert = Nützlichkeit (unabhängig ob getauscht oder nicht)
Wenn getauscht, dann Tauschwert (wenn ich nicht tausche, hat er auch
keinen Tauschwert -> auch nicht Ware -> nur Gebrauchswert)
o Muss Tauschwert und Gebrauchswert haben damit „Ware“
Keine „natürliche Eigenschaft“ -> „gesellschaftliche Eigenschaft“
Nur in Gesellschaften wo Dinge getauscht -> Ware
„Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums,
welches immer seine gesellschaftliche Form sei.“ (MEW 23, S.50)
o Differenzierung
„stofflicher Inhalt“ („Naturalform“)
Stoffliche Beschaffenheit (Material)
„gesellschaftliche Form“ („ökonomische Formbestimmung“)
= „Ware“? -> welcher Tauschwert?
Dass etwas „Ware“ ist, liegt an Gesellschaft
o Tauschakte
Fast alles getauscht = Spezifikum kapitalistischer Gesellschaften
Konsequenzen für quantitative Tauschrelationen
Tauschrelationen müssen zueinander „passen“
Ständiger Gewinn machen möglich
o Nur so lange möglich, wie Tauschpartner
Bestimmte Reihenfolge an Tauschakten = stabil
o Kapitalistische Gesellschaften
Verschiedene Tauschwerte einer Ware müssen füreinander Tauschwerte
bilden
„Regelmäßigkeit“ essenziell, damit „Tausch“ funktioniert
Was macht Wert aus? -> 1. Frage
Fragen zu Texten Heinrich
1. Was ist Gebrauchswert, was ist Wert?
- siehe oben
- Zwei Antworten
a. Wert einer Sache = Nützlichkeit
o Nutzertheorie des Werts
Problem (bereits Adam Smith): nicht der Nutzen gibt den Wert an, für Smith
ist es die Menge der Arbeit, die man benötigt
b. Siehe vorherige Antwort (Smith)
- „Arbeitswerttheorie“
o Nicht-Arbeitsprodukte (unbearbeiteter Boden, …) getauscht?!
Erklärung nur für Wert von Arbeitsprodukten
Nicht-Arbeitsprodukte besitzen keinen „Wert“
Haben zwar Tauschwert, allerdings gesondert
o Arbeitsprodukte (Kunstwerke) unabhängig von Arbeitszeit?!
Zwar Arbeitsprodukt, allerdings Unikat
-> Liebhaberpreis
Keine Verbindung zu Arbeitsaufwand
- Wert der Ware = Arbeit
o „gleiche menschliche Arbeit“ = Waren = Werte
o Wert durch „das Quantum der in ihm enthaltenen ‚wertbildenden Substanz‘ der
Arbeit“ bestimmt (MEW 23, S.53)
o Wertbildend nicht keine individuelle Arbeitszeit, sondern „gesellschaftlich
notwendige Arbeitszeit“ -> Arbeitszeit, notwendig „um irgendeinen Gebrauchswert
mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem
gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit
darzustellen“ (MEW 23, S.53)
Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit nicht immer gleich
Steigt Produktivität -> Wertgröße sinkt
Sinkt Produktivität -> Wertgröße steigt
o Gibt es Tausch, dann Arbeitsteilung unterstellt
Tausche nur das, was ich nicht selbst produziere
Arbeitsteilung Voraussetzung für Tausch
Tausch nicht Voraussetzung von Arbeitsteilung
o Ware nicht immer materielle Dinge
Auch Dienstleistungen -> „Waren“
Materiell vs. immateriell = Unterschied zwischen Produktion und Konsum
(nur stofflicher Unterschied -> gesellschaftliche Form: tausche ich die Ware?)
Materiell wird zuerst produziert und dann konsumiert
Immateriell Produktionsakt und Konsumtionsakt zusammen
- Individuelles Handeln vs. Gesellschaftliche Struktur
o Unterschied zwischen marxscher und klassischer Werttheorie
o Smith: Warenwert durch Mühe der Arbeit
Rationale Überlegungen der Individuen
„Hang zum Tausch“ (Unterscheidung Mensch zu Tier)
o Neoklassik: „nutzenmaximierende Individuen“ -> Austauschverhältnisse aus deren
Nutzenschätzungen
o Klassik und Neoklassik -> Individuum und menschliche Handlungsstrategien ->
Erklärung des gesellschaftlichen Zusammenhangs
o Marx: gesellschaftliche Verhältnisse der Individuen
„Die Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe
der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehn.“
(MEW 42, S. 189)
-> bestimmte Rationalität (Individuen müssen sich daran halten) ->
Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse
„Nutzenmaximierendes Verhalten“
Eigene Ware teuer verkaufen, fremde Ware billig einkaufen
Warentausch beruhend auf gesellschaftlichen Verhältnissen
ABER: NICHT Überlegungen der Tauschenden
o Missverständnis bei Marx:
Werte der Ware durch die notwendige Arbeitszeit,
weil Tauschende das so wollen (nicht)
Menschen im Tausch wissen gerade nicht, was sie
tun (MEW 23, S. 88)
Marx Fragestellung im Gegensatz zu Klassik und Neoklassik:
Adam Smith sieht sich einzelnen Austauschakt an -> Wie bestimmt
Austauschrelationen?
Marx: Austauschverhältnis als Teil eines bestimmten
gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs
o Reproduktion der Gesellschaft ist über den Tausch bestimmt
o Was bedeutet das für die Gesamtgesellschaft an Arbeit?
o „[…] Und die Form, worin sich diese proportionelle
Verteilung der Arbeit durchsetzt in einem
Gesellschaftszustand, worin der Zusammenhang der
gesellschaftlichen Arbeit sich als Privataustausch der
individuellen Arbeitsprodukte geltend macht, ist eben der
Tauschwert dieser Produkte.“ (MEW 32, S. 552 f.)
„Wie die privat verausgabte Arbeit zum Bestandteil der
gesellschaftlichen Gesamtarbeit wird?“
o Soll bestimmten spezifischen gesellschaftlichen Charakter
aufzeigen
2. Was ist konkrete – was abstrakte Arbeit?
- Wenn Ware Doppeltes ist (Gebrauchswert & Wert) -> Waren produzierte Arbeit
Doppelcharakter
o Arbeit, die nicht nur Gebrauchswert, sondern auch Wert produziert (nicht jede Arbeit
besitzt Doppelcharakter; nur Waren produzierte Arbeit)
- Abstrakte Arbeit
o Arbeit nicht durch konkrete Arbeit Wert
Produkt werden mit anderen Produkten menschlicher Arbeit getauscht
Abstraktion von ihrer konkreten Gestalt
Wert produzierende Arbeit „abstrakte Arbeit“
Wertbildend Arbeit nur als gleiche menschliche Arbeit (Abstraktion von
ihrem konkreten Charakter)
„Werte“ sind „Kristalle“ der abstrakten Arbeit
-> „wertbildende Substanz/Wertsubstanz“
o Abstrakte Arbeit nicht sichtbar -> sichtbar immer nur bestimmte konkrete Arbeit
o „Realabstraktion“
Abstraktion wird im wirklichen Verhalten des Menschen vollzogen
- Konkrete Arbeit
o Qualitativ verschieden -> qualitativ verschiedene Gebrauchswerte
o Besonderheiten einer konkreten Tätigkeit (wenn wir ArbeiterIn sehen, sehen wir die
konkrete Arbeit)
o Wert nicht durch konkrete Arbeit gebildet (oder durch Aspekt)
„Jede Arbeit, deren Produkt (das auch eine Dienstleistung sein kann)
getauscht wird, produziert Wert. Als Werte sind die Waren qualitativ gleich,
daher müssen auch die verschiedenen Arbeiten, die Werte produzieren, als
qualitativ gleiche menschliche Arbeit gelten“
- Tausch
o Gebrauchswert der Ware wird abstrahiert
o Gleichsetzung der Ware mit „Werten“
Abstraktion von der Besonderheit der produzierenden Arbeit -> wertbildende
„abstrakte“ Arbeit
Abstraktion „real“
„Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn“
(MEW 23, S.61)
„Die Reduktion der verschiednen konkreten Privatarbeiten auf dieses
Abstraktum gleicher menschlicher Arbeit vollzieht sich nur durch den
Austausch, welcher Produkte verschiedener Arbeiten tatsächlich
einander gleichsetzt.“ (MEGA II.6, S. 41)
Tausch vollzieht Abstraktion
o „Im Tausch gilt die verausgabte konkrete Arbeit als ein
bestimmtes Quantum Wert bildender abstrakter Arbeit und
damit auch als Bestandteil der gesellschaftlichen
Gesamtarbeit. Diese Geltung der privat verausgabten
konkreten Arbeit als ein bestimmtes Quantum Wert
bildender abstrakter Arbeit schließt drei verschiedene
‚Reduktionen‘ ein“ (S. 17)
1. Individuell verausgabte Arbeitszeit -> Reduktion auf
gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit
Durchschnittliche Bedingungen zur Produktion eines
Gebrauchswertes
Gesamtheit aller Produzenten
2. Determinante Wert bildender Arbeit
Sinngemäß: Angebot/Nachfrage
Arbeitszeit, durchschnittliche Bedingungen;
Befriedigung zahlungsfähigen gesellschaftlicher
Bedarf
3. Arbeitsverausgabungen nicht nur Unterschied hinsichtlich
konkreter Charakter; sondern auch Qualifikation der
Arbeitskraft
Länderspezifische / Kulturelle Richtlinien
Komplizierte Arbeit = Arbeit höher qualifizierter
ArbeiterInnen
3. Was unterscheidet den theoretischen Ausgangspunkt von Marx gegenüber der
„bürgerlichen Ökonomie“?
- Wertgegenständlichkeit als Vergegenständlichung abstrakter Arbeit
o Wertgegenständlichkeit existiert nur im Tausch (bekommt ihren Wert)
o Keine Eigenschaft; nicht einzeln sondern gemeinsamer Wert der Waren
o „Ein Arbeitsprodukt, für sich isoliert betrachtet, ist also nicht Wert, so wenig wie es
Ware ist. Es wird Wert in seiner Einheit mit andrem Arbeitsprodukt“ (MEGA II.6, S.
31)
o „gespenstiger Charakter“
Wertsubstanz nur, wenn sie sich im Austausch aufeinander beziehen
Eigenschaft eines Produktes wird als Verhältnis zu anderen angesehen
Wir finden Eigenschaft nur im Tauschprozess, außerhalb davon nicht, daher
„gespenstisch“
- Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis und drückt sich in Wert und Wertgröße aus
o Wertgröße entsteht durch den Tausch
o Resultat der dreifachen Reduktion (siehe oben)
o Verhältnis zwischen individueller Arbeit und dem Produkt, sondern auch individueller
Arbeit und gesellschaftlicher Gesamtarbeit
Tausch produziert keinen Wert -> vermittelt Bezug zur Gesamtarbeit (kann
nur durch Tausch erfolgen)
vor Tausch nur Schätzung möglich
„Wertformanalyse“
4. Was ist Kapital? Erläutern Sie die Kette „G-W-G“
- Kapital
- G-W-G
o Warenproduzent Ware „W“ mit Gebrauchswert
Verkauft und kauft neue Ware mit neuem Gebrauchswert
Geld wird verausgabt -> Zweck des Prozesses: Konsum
Bedürfnis Befriedigung
o G–W/W–G=G–W–G
Gekauft, um zu verkaufen
Geld ist Anfangs und Endpunkt
Geldsumme nicht qualitativ sondern quantiativ unterschieden
Vorteil: Geld am Ende größer als am Anfang: G‘ (G < G‘)
o Zweck: quantitative Vermehrung der Geldsumme
o Geld wird nicht verausgabt (wie bei W – G – W), sondern
vorgeschossen (nur ausgegeben und mehr einzunehmen)
o Wertsumme die diesen Prozess vollzieht: Kapital
Verkettung von Austauschprozessen mit dem Zweck
der Wertvermehrung = Kapitalbewegung
Kapital nicht „nur“ Wert, sondern
verwertender Wert
Kapital für Marx „Mehrwert“
Vermehrung findet weder Maß, noch Ende
Kapitalbewegung ein „Selbstzweck“, maßlos, endlos
o Kapitalistische Warenproduktion
Nicht auf Bedürfnisbefriedigung
Verwertung des Werts (Bedürfnisbefriedigung nur als Nebenprodukt)
o Geld ist selbstständige, unzureichende Form von Wert
Kapital = prozessierender Wert
„sich selbst bewegende Substanz“
„okkulte Qualität“
5. Was macht den „besonderen Warencharakter“ der Arbeitskraft aus? Wie kommt
„Mehrwert“ zustande?
- Durch Verletzung der Gesetzte (Raub?)
- „Äquivalententausch“
o Ausgetauschte Waren gleiche Wertgröße
o Austausch „zu ihren Werten“
- Aber: Marx sagt Ware muss verändert werden
o Ware muss Eigenschaft haben, Quelle von Wert zu sein (Verbrauch dieser Ware ->
mehr Wert)
o = Arbeitskraft
Fähigkeit des Menschen, Arbeit zu verrichten
Arbeit zur Quelle von Geld
Zwei Bedingungen:
Menschen müssen als freie Eigentümer zu ihrer Arbeitskraft stehen
(Arbeitskraft verkaufen) -> rechtliche freie Menschen
(Voraussetzung)
Besitzen keine Produktionsmittel (frei von sachlichem Eigentum)
o Gezwungen, Arbeitskraft zu verkaufen
o „freie Arbeiter“
- Klassenverhältnis
o Klasse von Eigentümern (Geld- und Produktionsmittelbesitzer)
o Weitgehend Eigentumslosen, aber rechtlich freien ArbeiterInnen
- Arbeitskraft
o Gebrauchswert = Verausgabung der Arbeit
6. Warum ist die kapitalistische Produktionsweise zugleich technologisch „revolutionär“ und
zugleich hochproblematisch?
- „Klassenkampf“
- „Ausbeutung“
o Bekommt nur einen Teil des neu-produzierten Wertes
o „Genau den Wert der Ware erhalten“