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1 - 3 Stress

Fu Hagen BA Psych AGB. WiSe 23/24

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B. Sc.

Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 1

3 Stress und Stressbewältigung

Lernziele
Nach der Lektüre dieses Kapitels
 kennen Sie die zentralen Perspektiven auf Stress,
 wissen Sie, was Stressoren sind und wie sie klassifiziert werden können,
 können Sie die physiologischen Effekte von Stress erläutern,
 haben Sie Kenntnis darüber, wie Person und Umwelt im Stressprozess interagieren können,
 kennen Sie verschiedene Möglichkeiten, subjektiven Stress in Laborsituationen auszulösen,
 können Sie den Begriff Stressbewältigung definieren und verschiedene
Bewältigungsstrategien klassifizieren,
 kennen Sie die Effektivität von verschiedenen Bewältigungsstrategien.

3.1 Zentrale Perspektiven auf Stress


Der Begriff „Stress“ wurde in den 1940er Jahren von Hans Selye in den medizinischen Bereich
eingeführt und hat sich seitdem zu einem festen Untersuchungsgegenstand in der
psychologischen Forschung und auch zu einem Modewort in Medien und Alltag entwickelt. Egal
ob von Arbeits-, Beziehungs- oder Freizeitstress gesprochen wird, Stress scheint allgegenwärtig zu
sein.
Sowohl im Alltag als auch im wissenschaftlichen Bereich wird der Begriff Stress nicht
einheitlich verwendet. In der Umgangssprache wird der Begriff Stress häufig als Synonym
übermäßiger Belastungen verwendet (z. B. zu viel in zu kurzer Zeit erledigen müssen), aber auch
zur Beschreibung von darauf folgenden Reaktionen, die sowohl körperlich (z. B. Erregung) als
auch psychisch (z. B. Unkonzentriertheit, Angst) sein können. Stress ist jedoch ein weitaus
komplexeres Phänomen. Innerhalb der psychologischen Forschung werden drei zentrale
Perspektiven auf Stress voneinander unterschieden: 1. Stress als externer Reiz beziehungsweise
Anforderung, 2. Stress als Belastungsreaktion des Organismus und 3. Stress als relationales
Geschehen, das heißt als Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt (Überblick: Kaluza, 2003;
Kaluza & Vögele, 1999; Schwarzer, 2004; Segerstrom & O’Connor, 2012).

3.1.1 Situationsbezogene Stresskonzeption


In situationsbezogenen Ansätzen wird Stress als Input verstanden. Hier bezieht sich der
Stressbegriff auf externe Anforderungen oder Umweltgegebenheiten, die das psychische oder
physische Gleichgewicht stören und eine Neuanpassung an die Situation erforderlich machen. In
diesen Theorien stehen also die Stressauslöser (Stressoren) im Mittelpunkt. Typische Merkmale
dieser Stressoren sind: hohe Intensität, lange Dauer, Neuartigkeit, Unvorhersehbarkeit,
Unkontrollierbarkeit und Mehrdeutigkeit (Kaluza & Vögele, 1999).
Auf der inhaltlichen Ebene können unter anderem physikalische Stressoren (z. B. Lärm, Hitze,
Schadstoffe in der Luft), soziale Stressoren (z. B. Streit mit Kollegen, Sorge um den Ehepartner),
ökologische Stressoren (z. B. enger Wohnraum), ökonomische Stressoren (z. B. Schulden,
Arbeitslosigkeit) und leistungsbezogene Stressoren (z. B. Zeitdruck, Über- oder Unterforderung,
das Versagen in einer Prüfung) unterschieden werden (vgl. Bodenmann & Gmelch, 2009).
Zur Klassifikation von spezifischen Stressoren können drei Dimensionen herangezogen
werden (vgl. Bodenmann & Gmelch, 2009). Die erste Dimension bezieht sich auf die zeitliche
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 2

Ausdehnung und hier wird zwischen akuten Stressoren, die einen klaren Beginn und ein klares
Ende haben, und chronischen Stressoren, die lange Zeit andauern, unterschieden. Weiterhin
können in Abhängigkeit von der Intensität Mikro- vs. Makrostressoren differenziert werden. Auf
der dritten Dimension Betroffenheit erfolgt die Unterscheidung aufgrund der Tragweite von
Stressoren in individuelle und kollektive Betroffenheit (siehe Tabelle 3.1).

Tabelle 3.1
Klassifikationen von Stressoren
Mikrostress Makrostress
Persönlich Kollektiv Persönlich Kollektiv
Fluglärm bei der
Konflikt mit der:m Schwerer
Akut Landung eines Naturkatastrophe
Partner:in Verkehrsunfall
Flugzeugs
Gesteigerte Hektik Rheumatoide
Chronisch Lärmende Nachbarn Wirtschaftskrise
am Arbeitsplatz Erkrankung
Anmerkung. Nach Bodenmann und Gmelch, 2009, S. 618.

Auf einer abstrakteren Ebene werden drei Arten situativer Belastungen unterschieden (vgl.
Renneberg et al., 2009), nämlich traumatische Ereignisse, kritische Lebensereignisse und
Alltagsbelastungen.
Traumatische Ereignisse
Traumatische Ereignisse bedrohen das Leben oder die Unversehrtheit des Betroffenen und
überfordern diesen damit. Auch kann das direkte Erleben der Bedrohung des Lebens oder
Unversehrtheit anderer Personen traumatisch sein. Ereignisse werden dann als traumatisch
bezeichnet, wenn sie außerhalb der üblichen menschlichen Lebenserfahrungen liegen. Zu den
Traumata zählen beispielsweise Krieg, Terrorismus, Unfälle, Naturkatastrophen sowie
Gewalterfahrungen, wie ein Überfall oder eine Vergewaltigung. Als Folge kann eine
posttraumatische Belastungsreaktion auftreten, die sich auch als Störung manifestieren kann.
Kritische Lebensereignisse
Lange Zeit wurden vornehmlich einschneidende Lebensereignisse (engl.: critical life events) als
Stressoren untersucht. Diese sogenannten kritischen Lebensereignisse zeichnen sich dadurch aus,
dass sie zentrale Veränderungen hervorrufen und psychosoziale Anpassungs- und
Bewältigungsleistungen erforderlich machen. Kritische Lebensereignisse können sowohl positiver
(z. B. Heirat) als auch negativer (z. B. Kündigung) Natur sein und auch das Ausbleiben bestimmter
Ereignisse (z. B. ungewollte Kinderlosigkeit) umfassen.
Das Ausmaß, in dem kritische Lebensereignisse unvorhersehbar sind oder sozial geteilt
werden, kann als Unterscheidungsmerkmal verschiedener Lebensereignisse herangezogen
werden. Hultsch und Cornelius (1990) unterscheiden normative (altersbezogene), non-normative
und zeitbezogene Ereignisse voneinander. Normative beziehungsweise altersbezogene
Lebensereignisse zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Auftreten in einer bestimmten Altersgruppe
sehr wahrscheinlich ist und sie mit den kulturell definierten Entwicklungsaufgaben in Einklang
stehen. Der Eintritt ins Berufsleben oder das Bekommen von Kindern sind mögliche Beispiele.
Unter non-normative Lebensereignisse fallen solche, die eher selten auftreten, unvorhersehbar
sind und als stark belastend wahrgenommen werden. Beispiele sind eine schwere Erkrankung, ein
Wohnungseinbruch oder Arbeitslosigkeit. Traumatische Ereignisse sind immer auch non-
normative Lebensereignisse, jedoch ist nicht jedes non-normative Lebensereignis auch ein
traumatisches Ereignis
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 3

traumatisches Ereignis. Als zeitbezogene Lebensereignisse können Umweltzerstörung, militärische


Konflikte oder Migration angeführt werden. Hiermit werden also auch geschichtliche Aspekte in
ihrer Bedeutung für die Betroffenen als kritische Lebensereignisse berücksichtigt. Verschiedene
Studien konnten einen – wenn auch nur schwachen – negativen Einfluss von kritischen
Lebensereignissen auf die psychische und physische Gesundheit zeigen (z. B. Tosevski &
Milovancevic, 2006). Entscheidender als das Auftreten eines solchen Ereignisses an sich ist, wie
der Betroffene das Ereignis wahrnimmt, bewertet und verarbeitet.
Alltagsbelastungen
Insbesondere die Forschungsgruppe um Lazarus zweifelte daran, dass es ausschließlich die
größeren Lebensereignisse sind, die Stress auslösen, und lenkte den Blick auf alltägliche
Widrigkeiten (engl.: daily hassles), die Menschen belasten, zu Anspannungen führen und das
Wohlbefinden beeinträchtigen. Sie werden definiert als „irritating, frustrating, distressing
demands and troubled relationships that plague us day in and day out“ (Lazarus & DeLongis,
1983, S. 247). Typische Beispiele für Alltagsbelastungen sind ein verlegter Schlüssel, Stau,
finanzielle Schwierigkeiten, Streitigkeiten mit dem Nachbarn oder auch Gewichtsprobleme.
Alltägliche Belastungen sind in der Regel stärker mit Kriterien psychischer und physischer
Gesundheit verbunden als kritische Lebensereignisse (z. B. Lu, 1991). Allerdings konnte auch hier
gezeigt werden, dass – ebenso wie bei den kritischen Lebensereignissen – weniger die Häufigkeit
solcher Alltagsbelastungen, sondern vielmehr die Bewertung dieser Ereignisse in einem negativen
Zusammenhang mit der Gesundheit steht.
Nitsch (1981, zitiert nach Brinkmann, 2021) benennt eine Reihe von Kritikpunkten an den
reiz- und situationsorientierten Stresskonzepten. So unterscheiden sich Reize, Situationen und
Ereignisse qualitativ voneinander, so dass sie nicht auf demselben Maßstab abbildbar und damit
nicht vergleichbar sind. Auch werden unterschiedliche Reizkombinationen und Interaktionen
zwischen unterschiedlichen Reizen nicht ausreichend berücksichtigt. Ein dritter Kritikpunkt setzt
daran an, dass die subjektive Wahrnehmung und Reaktionsweisen auf Stressoren keine
Berücksichtigung finden.

3.1.2 Reaktionsbezogene Stresskonzeption


Im Reaktionsansatz wird Stress als Output verstanden, also als eine Reaktion des Organismus
auf Umweltanforderungen und externe Reize. Von Cannon (1914) stammt eine der ersten
Stressdefinitionen, die in diese Kategorie fallen. Er beschreibt Stress als die unmittelbare physische
und psychische Anpassungsreaktion von Lebewesen auf Gefahr. Diese Reaktion versetzt ein
Individuum in die Lage, einer drohenden Gefahr entweder entgegenzutreten (Kampf; engl.: fight)
oder davor zu fliehen (Flucht; engl.: flight).
Allgemeines Anpassungssyndrom
Auch Selye (1936, 1950), der als Vater der modernen Stressforschung gilt, betrachtet Stress
als Antwort des Organismus auf externe Reize. Im Rahmen von Tierversuchen beobachtete er,
dass Tiere als Reaktion auf unterschiedliche Stressoren, zum Beispiel Lärm, starke Hitze oder
unkontrollierbare Elektroschocks, immer die gleichen körperlichen Veränderungen zeigten. Er
beschreibt die physiologische Stressreaktion daher als einen universellen Abwehrmechanismus,
der auf verschiedenste unspezifische Anforderungen mit dem Ziel erfolgt, eine Anpassung an den
Stressor zu ermöglichen. Selye bezeichnet dieses Antwortmuster als allgemeines
Anpassungssyndrom (engl.: General Adaption Syndrome, GAS), welches er in drei Phasen
unterteilt (siehe auch Video 3.1): 1. Die Alarmphase, 2. Die Widerstandsphase und 3. Die
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 4

Erschöpfungsphase. Während der relativ kurzen Alarmphase werden nach einem anfänglichen
Schock Kräfte mobilisiert, um den Organismus vorzubereiten, rasch auf einen Stressor zu
reagieren. Diese mobilisierten Energien ermöglichen dem Organismus in der Widerstandsphase,
die vermehrten Belastungen zu bewältigen. Bleibt es bei einer erhöhten Stressexposition, so sind
die mobilisierten Ressourcen nach einer Zeit aufgebraucht und es kommt zur Erschöpfungsphase,
in der die Widerstandskraft sogar unter das Ausgangsniveau fällt. Dies erhöht die
Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Erkrankungen und kann zu dauerhaften Schädigungen
des Organismus führen.

Video 3.1. General Adaptation Syndrome (GAS). Verfügbar unter https://youtu.be/BGCcnhTK-m0

Physiologische Stressreaktion
Die physiologische Stressreaktion bereitet den Organismus durch metabolische und
kardiovaskuläre Veränderungen innerhalb kürzester Zeit optimal darauf vor, einem Stressor zu
begegnen (Koolhaas et al., 2011). Diejenigen Funktionen und Systeme, die für die Ausführung
der Reaktion notwendig sind, werden angeregt (Atmung, Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel,
Muskulatur), während eher regenerative und reproduktive Körperfunktionen (Verdauung,
Wachstum, Fortpflanzung) gedrosselt werden. Im Wesentlichen wird die physiologische
Stressreaktion über zwei Achsen vermittelt (siehe Video 3.2), nämlich die Sympathikus-
Nebennierenmark-Achse (engl.: Sympathetic-Adrenal-Medullary-axis, SAM-axis) und die
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (engl.: Hypothalamic-Pituitary-Adrenal-
axis, HPA-axis).

Video 3.2. Bodily response to stress. Verfügbar unter https://youtu.be/nCGcuaNjFjo

Sympathikus-Nebennierenmark-Achse. Zum einen aktiviert der Hypothalamus bei


Konfrontation mit einem Stressor den sympathischen Teil des autonomen Nervensystems,
wodurch das Nebennierenmark stimuliert und die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin
ausgeschüttet werden. Dies führt unter anderem zu einer Erhöhung des Blutdrucks, der
Herzfrequenz und der Atmung sowie einer Umwandlung von Glykogen in Glukose zur
Energiebereitstellung. Weitere körperliche Reaktionen sind die Abschwächung der
Schmerzempfindlichkeit, das Aussetzen der Verdauung und eine Abnahme der Blutungsneigung.
Diese physiologische Stressreaktion erfolgt unmittelbar, da sie über das autonome Nervensystem
vermittelt wird, und bereitet den Körper unverzüglich darauf vor, zu kämpfen oder zu flüchten
(fight-or-flight-Reaktionen).
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Zum anderen setzt der Hypothalamus
bei der Konfrontation mit einem Stressor das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) frei, welches
auf den Hypophysenvorderlappen einwirkt und die Ausschüttung des adrenocorticotropen
Hormons (ACTH) veranlasst. Dieses wiederum gelangt daraufhin über die Blutbahn zur
Nebennierenrinde und stimuliert diese, Glucocorticoide wie beispielsweise Cortisol auszuschütten.
Cortisol wirkt auf den Stoffwechsel, in dem es vorwiegend Glukose mobilisiert und diese somit
bei einem erhöhten Energiebedarf bereitgestellt werden kann. Weiterhin wirkt Cortisol hemmend
auf die Produktion von ACTH und CRH und initiiert damit eine negative Feedbackschleife zur
Beendigung der Stressreaktion. Insgesamt erfolgt diese physiologische Stressreaktion eher
langsam, da die Hormone über die Blutbahn an ihren Bestimmungsort transportiert werden. Die
Cortisolkonzentration steigt in weniger als 10 Minuten nach dem Einsetzten des Stresses
schrittweise an und erreicht ihren Höhepunkt cirka 10 bis 30 Minuten nach der Beendigung des
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 5

Stresses. Die Cortisolkonzentrationen im Blut und im Speichel sind die am häufigsten genutzten
physiologischen Maße, um Stress und Belastung anhand psychophysiologischer Methoden zu
erfassen (Foley & Kirschbaum, 2010).

3.1.3 Relationale Stresskonzeption


In der Gesundheitspsychologie dominiert spätestens seit Ende der 1970er Jahre die relationale
Sichtweise, die von einer Wechselwirkung zwischen Person und Situation bei der Stressentstehung
ausgeht.
Transaktionale Stresstheorie
Lazarus (1966; Lazarus & Folkman, 1984) postuliert in seinem transaktionalen Stressmodell,
dass Personen den Stressoren in ihrer Umwelt nicht passiv ausgesetzt sind, sondern dass komplexe
Wechselwirkungsprozesse zwischen den Anforderungen der Situation und der handelnden Person
bestehen. Er geht davon aus, dass nicht die (objektive) Beschaffenheit der Reize oder der
Situationen für die Stressreaktion von Bedeutung sind, sondern deren (subjektive) Bewertung
durch den Betroffenen. Nach Lazarus entsteht Stress, wenn eine Person ein Ungleichgewicht
zwischen den an sie gestellten Anforderungen und ihren Bewältigungsmöglichkeiten wahrnimmt.
Stress ist demnach das Ergebnis von verschiedenen subjektiven Einschätzungen und
Bewertungsprozessen (siehe Abbildung 3.1). Die subjektiven Einschätzungen und
Bewertungsprozesse können durch objektive Merkmale der Situation, aber auch durch
Personenmerkmale, wie zum Beispiel Ziele und eigene Kompetenzen, beeinflusst werden. Diese
relationale Stressauffassung impliziert, dass eine Situation nicht per se eine Belastung darstellt,
sondern nur dann, wenn vorhandene Ressourcen als nicht ausreichend eingeschätzt werden.
Bei der primären Bewertung (engl.: primary appraisal) wird ein Ereignis oder eine Situation in
Bezug auf das eigene Wohlbefinden eingeschätzt. Eine Situation kann entweder als irrelevant,
angenehm-positiv oder stressbezogen angesehen werden. Dabei wird die stressbezogene
Einschätzung unterteilt in Schaden/Verlust (engl.: harm/loss), Bedrohung (engl.: threat) und
Herausforderung (engl.: challenge). Schaden/Verlust bezieht sich auf eine bereits eingetretene
Schädigung (z. B. eine Verletzung), den Verlust einer nahestehenden Person oder eine
Störung/Erschütterung des Selbstwertgefühls beziehungsweise des Weltbildes. Demgegenüber
bezieht sich Bedrohung auf eine Schädigung, die noch nicht eingetroffen ist, sondern antizipiert
wird. Beispielsweise kann eine anstehende Operation die physische Unversehrtheit bedrohen und
eine bevorstehende Prüfung birgt die Gefahr des Nichterreichens von persönlichen Zielen und
einer Beeinträchtigung des Selbstwertes. Herausforderung hingegen betont die Möglichkeit der
erfolgreichen Bewältigung einer schwierigen Situation und damit einen Zugewinn von
Kompetenzen und Bestätigung. So beinhaltet eine anstehende Prüfung durchaus auch die Chance
auf Anerkennung und Stärkung des Selbstwertgefühls. Die Einschätzung einer Situation als
Schaden, Verlust oder Bedrohung geht meistens mit negativen emotionalen Zuständen wie Angst,
Ärger und Depression einher, während die Einschätzung einer Situation als Herausforderung auch
durch positives emotionales Befinden gekennzeichnet sein kann.
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 6

Abbildung 3.1
Transaktionales Stressmodell. Nach Vollmann und Weber, 2015, S. 404

Die sekundäre Bewertung (engl.: secondary appraisal) beinhaltet die Einschätzung der
eigenen Bewältigungskompetenzen und des Vorhandenseins nötiger Bewältigungsressourcen.
Von einer stressbezogenen Bewertung spricht man, wenn die notwendigen Kompetenzen und
Ressourcen zur Bewältigung einer Anforderung als nicht vorhanden beziehungsweise nicht
ausreichend eingeschätzt werden. Dabei geht es nicht ausschließlich um persönliche Ressourcen,
wie zum Beispiel Gesundheit und Kompetenzen, sondern auch um externe Ressourcen, wie zum
Beispiel Geld und soziale Unterstützung.
Primäre und sekundäre Bewertung laufen nicht, wie man aus der Bezeichnung schließen
könnte, nacheinander ab, sondern sind als sich gegenseitige beeinflussende Prozesse konzipiert.
Stress entsteht, wenn die primäre Bewertung der Situation stressbezogen ist und in der
sekundären Bewertung die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten als nicht vorhanden eingeschätzt
werden. Stress ist also das subjektiv wahrgenommene Ungleichgewicht zwischen internen
und/oder externen Anforderungen und den zur Verfügung stehenden Bewältigungsressourcen.
Aufgrund von neuen Informationen über die Situation oder Rückmeldungen über die Wirkung
(Erfolg bzw. Misserfolg) von Bewältigungsversuchen kann es zu Neubewertungen (engl.:
reappraisal) von Situationen und/oder Bewältigungsmöglichkeiten kommen. Diese
Neubewertungen stellen einen Rückkopplungsprozess dar, der zu einer veränderten
Stresswahrnehmung führen kann. Beispielsweise könnte die Wahrnehmung eines Erfolges bei der
Stressbewältigung zu der Einschätzung führen, dass anscheinend doch ausreichende
Kompetenzen vorhanden sind, was wiederum das Ausmaß an erlebtem Stress reduziert.
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 7

Andererseits könnte sich eine Situation, die zunächst als neutral eingeschätzt wurde, im weiteren
Verlauf als bedrohlich herausstellen, was sich negativ auf die Stresswahrnehmung auswirkt.
Modell der Ressourcenerhaltung
Eine alternative Stresskonzeption ist das Modell der Ressourcenerhaltung (model of
conservation of resources, COR), welches Ende der 1980er Jahre von Hobfoll (1988, 1989)
vorgestellt wurde. Es entstand aus seiner Kritik am transaktionalen Stressmodell, welches er als
tautologisch, zu komplex und empirisch nicht testbar bewertete. Mit dem Modell der
Ressourcenerhaltung wollte er ein Stressmodell entwickeln, das die situationsbezogene und die
kognitive Sichtweise vereint, das Phänomen Stress umfassend abbildet und das zudem sparsam
und empirisch testbar ist.
Das Modell basiert einerseits auf der Annahme, dass Menschen dem Lustprinzip folgen und
nach physischen, sozialen und psychologischen Ressourcen streben, und andererseits auf der
Annahme, dass Menschen aktiv auf sich selbst und ihre soziale Umgebung einwirken, um positive
Verstärkung zu erhalten und den Verlust von Ressourcen zu verhindern. Ausgehend hiervon ist
Stress definiert als Reaktion auf die Umwelt, in der 1. der Verlust von Ressourcen droht, 2. der
tatsächliche Verlust von Ressourcen eintritt oder 3. der adäquate Zugewinn von Ressourcen nach
einer Ressourceninvestition ausbleibt. Dabei werden sowohl der wahrgenommene als auch der
tatsächliche Verlust von Ressourcen beziehungsweise Mangel an Ressourcenzugewinn als
suffiziente Stressauslöser angesehen. rhetorisches Stilmittel, bei dem ein Begriff durch den desselben
oder einen ähnlichen Begriff wiederholt wird -> verstärkt Wirkung

Abbildung 3.2
Modell der Ressourcenerhaltung, Gewinn- und Verlustspirale. Aus Buchwald et al., 2003, S. 14

Ressourcen sind das zentrale Element dieses Modells (siehe Abbildung 3.2). Sie umfassen
Objekte, persönliche Charakteristika, Bedingungen und Energien, die vom Individuum
wertgeschätzt werden oder die zur Erreichung dieser wertgeschätzten Objekte, persönlichen
Charakteristika, Bedingungen und Energien dienen. Objektressourcen, wie Kleidung, ein Auto
oder ein Haus, sind vielfach an den sozio-ökonomischen Status gebunden. Persönliche
Charakteristika werden als Ressourcen bezeichnet, wenn sie die Stressresistenz fördern. Beispiele
hierfür sind Selbstwirksamkeit, Optimismus und soziale Fertigkeiten. Autonomie, die Beteiligung
an Entscheidungsprozessen, Familienstand und Arbeitsplatzsicherheit sind Beispiele für
Bedingungsressourcen. Typische Energieressourcen sind Wissen, Zeit und Geld. Diese Ressourcen
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 8

werden nicht so sehr um ihrer selbst wertgeschätzt, sondern vielmehr, weil sie beim Erwerb
anderer Ressourcen helfen. Hobfoll geht davon aus, dass jeder Mensch mit einem individuellen
Ressourcenpool (Art und Menge an Ressourcen) ausgestattet ist, womit sich auch eine
unterschiedliche Vulnerabilität, zum Beispiel für psychische Erkrankungen, erklären lässt.
Im Modell der Ressourcenerhaltung wird postuliert, dass Menschen, wenn sie mit Stress
konfrontiert sind, danach streben, den Verlust von Ressourcen zu minimieren, während sie, wenn
sie nicht mit Stress konfrontiert sind, danach streben, weitere Ressourcen aufzubauen, um
zukünftige Verluste auszugleichen. Die Erweiterung des Ressourcenpools erfolgt durch die
Investition bestehender Ressourcen. Es wird dadurch nicht nur zukünftigen Verlusten vorgebeugt,
sondern es werden zugleich die jeweiligen Ziele des Individuums (z. B. Status) bestärkt (siehe
Abbildung 3.2). So investiert ein Student zum Beispiel regelmäßig in sein Studium und erwartet
dadurch auf lange Sicht eine Erweiterung seines Wissens, eine Verbesserung seiner Leistung, eine
gute Prüfungsnote und schließlich einen attraktiven Job. Einfluss auf den Erwerb und Erhalt von
Ressourcen haben sowohl kritische Lebensereignisse als auch alltägliche, kleine Stressoren, die das
Individuum daran hindern, Ressourcen zu schützen oder zu kultivieren.
Das Modell der Ressourcenerhaltung betont, dass positive und negative Veränderungen der
Ressourcen verschiedene Effekte haben. Es wird postuliert, dass bei gleichem Ausmaß an
Ressourcenverlusten und -gewinnen die Verluste die stärkeren Auswirkungen haben. Damit
distanziert sich das Modell vom Prinzip der Homöostase. Personen, die über einen geringen
Ressourcenpool verfügen, benötigen längere Erholungsphasen nach einem Ressourcenverlust und
sind weniger prädestiniert, neue Ressourcen zu gewinnen. Darüber hinaus sind sie mit Schwinden
ihrer Ressourcen vulnerabler für weitere Verluste und laufen Gefahr in einer Verlustspirale zu
enden. Beispielsweise kann das Fehlen von finanziellen Mitteln zur Reparatur des Autos, den
Verlust des Jobs nach sich ziehen, wenn dieses zur Ausübung des Berufes benötigt wird. Es
entsteht so ein Zyklus, bei dem das System mit jedem Verlust verletzlicher wird und die Person im
Zuge dieser Verlustspirale daran hindert, anstehende stressreiche Probleme zu bewältigen.
Hingegen sind Personen mit vielen Ressourcen weniger verletzlich gegenüber Verlusten und
können vorhandene Ressourcen eher gewinnbringend einsetzen. Dadurch können sie leichter
Zugewinne von Ressourcen erzielen und sogar Gewinnspiralen etablieren.

3.2 Experimentelle Auslösung von Stresserleben


Will man Stresserleben und die körperlichen und psychologischen Auswirkungen von Stress
im Labor untersuchen, muss man Stress auf verlässliche Weise induzieren können. Im Folgenden
werden zwei experimentelle Verfahren vorgestellt, die bewiesenermaßen subjektives Stresserleben
auslösen (Ehlert, 2013).
Stroop-Interferenz-Test
Der Stroop-Test stammt aus den 1930er Jahren und zielt darauf ab, mentale
Verarbeitungskonflikte (Interferenzen) auszulösen. Der Test liegt mittlerweile in einer Vielzahl von
Varianten vor. In der ursprünglichen Version werden den Versuchspersonen Farbworte in
verschiedenen Farben präsentiert, wobei die Versuchspersonen die Farbe benennen müssen, in
denen die Farbwörter dargestellt sind (siehe Video 3.3). Stimmen das Farbwort und die Farbe des
Wortes nicht überein, so steigen Reaktionszeit und Fehleranzahl und es kommt zu einem Anstieg
des Stressempfindens.

Video 3.3. Stroop-Test. Verfügbar unter https://youtu.be/axp1CE4gVgk


B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 9

Trierer sozialer Stress-Test


Der Trierer sozialer Stress-Test (TSST; Kirschbaum et al., 1993) wurde 1993 entwickelt und ist
ein psychosozialer Stresstest, der international anerkannt ist. Er besteht aus drei jeweils 5-
minütigen Phasen: 1. In der Vorbereitungsphase bereitet sich die Versuchsperson auf eine 5-
minütige Präsentation analog zu einem Bewerbungsgespräch vor. Es ist dabei erlaubt, Notizen zu
machen, die jedoch ohne Ankündigung vor der Präsentation eingesammelt werden. 2. In der
ersten Testphase muss die Versuchsperson vor einem Gremium, das keine Miene verzieht, die 5-
minütige Präsentation halten. Nutzt die Probandin/der Proband die gesamte Zeit nicht aus, bittet
das Gremium die Versuchsperson fortzufahren bis die 5 Minuten erreicht sind. 3. In den
anschließenden 5 Minuten muss die Versuchsperson eine Kopfrechenaufgabe bearbeiten, nämlich
in 13er Schritten von 1022 rückwärtszählen. Nach jedem Fehler muss wieder von vorne begonnen
werden (siehe Video 3.4). Bei der Mehrheit der Versuchspersonen führt die Testsituation zu einer
erhöhten psychischen Anspannung, was sich auch in einem Anstieg verschiedener Stresshormone
wie Cortisol äußert. Vom TSST liegen mittlerweile verschiedene Versionen vor, so zum Beispiel der
TSST-G (von Dawans et al., 2011), der die psychosoziale Stressbelastung in Gruppen testet und
der TSST-C, der speziell für Kinder als Zielgruppe entwickelt wurde (Buske-Kirschbaum et al.,
1997).

Video 3.4. On social stress. Verfügbar unter https://youtu.be/aYI6lCeeT5g

3.3 Stress und Gesundheit/Krankheit


Die Betrachtung von Stress im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit ist insofern
besonders, da hier hervorzuhebende Verflechtungen vorliegen. Stress kann sich zum einen durch
eine Veränderung des Gesundheitszustandes oder eine höhere Anfälligkeit für Krankheit
ausdrücken. Zum anderen kann Krankheit, vor allem wenn es sich um chronische, fortschreitende
und/oder schwerwiegende Erkrankungen handelt, selbst die Ursache von Stress und Belastung
sein. Beim Zusammenhang von Gesundheit und Stress sind verschiedene Wirkungswege und
Einflussvariablen von Bedeutung.

3.3.1 Stress und das Immunsystem


Die Behauptung, dass Stress negative Auswirkungen auf das Immunsystem hat, ist geläufig.
Stress wird in Zusammenhang mit psychosomatischen Beschwerden, chronischen Erkrankungen
und sogar schwerwiegenden Krankheiten wie zum Beispiel Krebs gebracht. Die Sichtweise, dass
sich Stress immer direkt negativ auf das Immunsystem auswirkt und damit langfristige Schäden
hervorruft, ist jedoch insofern problematisch, als dass sie sich evolutionsbiologisch nicht als adaptiv
erweist. Würde nämlich jeder kleine Stressor eine schädliche Immunreaktion auslösen, wären wir
vermutlich bereits ausgestorben. Es scheint logischer anzunehmen, dass die Immunreaktion in
erster Instanz Teil der adaptiven physiologischen Stressreaktion ist, die den Körper darauf
vorbereitet, einem Stressor zu begegnen. Sowohl bei Flucht als auch Kampf liegt eine potenzielle
Verletzungsgefahr vor, so dass Veränderungen des Immunsystems mit dem Ziel, Wundheilung zu
beschleunigen und Infektionen vorzubeugen, durchaus als adaptiv bewertet werden können.
In einer Meta-Analyse von Segerstrom und Miller (2004) wurde der Zusammenhang zwischen
Stress und Immunreaktion erstmals statistisch im großen Rahmen überprüft. Die Autor:innen
untersuchten insgesamt 300 Studien, die eine Beziehung zwischen psychologischem Stress und
dem Immunsystem als Untersuchungsgegenstand hatten. Sie konnten feststellen, dass kurzzeitige
unter 100 Minuten andauernde Stressoren zu einer Verbesserung einiger Funktionen im
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 10

Immunsystem führen. Lang andauernde, chronische Stressoren hingegen, wie etwa die Pflege von
bedürftigen Familienmitgliedern oder Arbeitslosigkeit, wirken sich tatsächlich negativ auf die
Immunabwehr aus und können somit das Auftreten von (chronischen) Erkrankungen
begünstigen.

3.3.2 Stress und psychische sowie physische Erkrankungen


Stress zeigt sich nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern manifestiert sich in
emotionalen, behavioralen und kognitiven Reaktionen, wobei zwischen kurz-, mittel- und
langfristigen Stressfolgen unterschieden werden kann. Auf der kognitiv-emotionalen Ebene
können sich bei akutem Stress Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten und Verunsicherung
zeigen, während anhaltender Stress von Hilflosigkeit und Erschöpfung bis hin zur Entwicklung
psychischer Störungen führen kann (Bodenmann & Gmelch, 2009). Gleichzeitig führen
verschiedenste psychische Erfahrungen zu physiologischen Veränderungen. Epidemiologische
Studien konnten zum Beispiel verschiedene psychische Faktoren identifizieren, die Herz-Kreislauf-
Erkrankungen fördern. Zu den Risikofaktoren zählen das Vorliegen einer Depression, die Neigung
zu Ärger und Feindseligkeit sowie phobische und unspezifische Angstzustände. Die groß
angelegte longitudinale epidemiologische Studie mit über 1,000 Frauen von Kubzansky et al.
(2009) betrachtet das Auftreten von traumatischen Ereignissen und die Entwicklung einer
posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der zweiten
Erhebungswelle dieser Studie wurden die Frauen nach traumatischen Ereignissen im Verlauf des
vorangegangenen Jahres befragt und die Anzahl erfahrener PTBS-Symptome erfasst. Mehr als
zehn Jahre später erfolgte die Untersuchung des gesundheitlichen Zustands, speziell die Erhebung
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Auswertung der Daten ergab, dass Frauen, die nach einem
als traumatisch erlebten Ereignis eine schwere PTBS entwickelten, eine dreimal höhere
Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten als Frauen, die
entweder keine schwerwiegenden Stressoren erlebten oder bei denen in der Folge keine PTBS
auftrat.

3.3.3 Indirekte Effekte von Stress auf die Gesundheit


Auf der emotional-behavioralen Ebene kann das Erleben von Stress zu einer vermehrten
Gereiztheit und Aggressivität führen, was das Streitverhalten erhöhen und langfristig zu
vermehrten Partnerschaftskonflikten bis hin zur sozialen Isolation führen kann (Bodenmann &
Gmelch, 2009). Dies kann das psychische Wohlbefinden einschränken und gleichzeitig die
Stressbelastung weiter erhöhen, indem nun etwa neben der hohen Arbeitsbelastung im Beruf
noch Auseinandersetzungen und Streitigkeiten auf privater Ebene entstehen. Zudem hat soziale
Isolation negative Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit (siehe Kurs 1, Kapitel 4 „Soziale
Isolation und soziale Unterstützung“).
Es gibt verschiedene Verhaltensweisen, die einen Einfluss auf den Erhalt von Gesundheit
beziehungsweise die Entstehung von Krankheiten haben können (siehe Kurs 1, Kapitel 2
„Gesundheitsbezogenes Verhalten“). Verschiedene Studien zeigen, dass bei einer erhöhten
Stressbelastung die Bereitschaft für Risikoverhaltensweisen, wie Nikotin-, Drogen- oder
Tablettenkonsum, steigt (z. B. Holahan et al., 2003), was wiederum Konsequenzen in Bezug auf
die Gesundheit hat. Gleichzeitig kann Stress zu einem verminderten Gesundheitsverhalten führen,
indem zum Beispiel aufgrund von Zeitdruck oder Zeitmangel auf sportliche Aktivitäten verzichtet
wird, zunehmend Fast Food konsumiert wird, die Konsultation eines Arztes herausgezögert wird
oder die regelmäßige Einnahme von Medikamenten in Vergessenheit gerät (Carver & Vargas,
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 11

2011). In diesen Fällen hat Stress einen indirekten negativen Einfluss auf die Gesundheit, der über
das gezeigte Risiko- beziehungsweise Gesundheitsverhalten zustande kommt.

3.4 Stressbewältigung
Da Stress jedoch im Leben unvermeidbar ist, ist es von großer Bedeutung, einen guten
Umgang mit Stress zu haben, das heißt, ihn bestmöglich zu bewältigen. Diesem Aspekt im
Stressprozess hat die Forschungsgruppe um Lazarus besondere Aufmerksamkeit geschenkt und
den Begriff Coping für Stressbewältigung geprägt. Darunter verstehen die Forschenden alle
kognitiven und verhaltensbezogenen Anstrengungen, mit internen und/oder externen
Anforderungen umzugehen, die aus Sicht des Betroffenen die eigenen Ressourcen stark
beanspruchen oder sogar übersteigen (vgl. Lazarus & Folkman, 1984). Damit erweist sich
Stressbewältigung als ein absichtsvolles Handeln und ist demnach mehr als ein automatisches
Verhalten beziehungsweise eine reine Anpassungsreaktion. Bewältigung beinhaltet
verhaltensbezogene und intrapsychische Reaktionen, jedoch keine somatischen Stressreaktionen.
Ein verstärktes Schwitzen oder eine Erhöhung der Herzschlagfrequenz stellen Stressreaktionen
dar, zählen aber nicht zum bewussten Bewältigungsverhalten. Weiterhin definiert sich
Bewältigung allein über das Bemühen beziehungsweise den Versuch, mit den als stresshaft
eingeschätzten Anforderungen umzugehen. Ob diese Versuche erfolgreich sind oder nicht, ist
hierbei nicht von Bedeutung. Dies ermöglicht es, post-hoc eine Bewertung bezüglich funktionaler
und nicht-funktionaler Stressbewältigung vorzunehmen. Zudem umfasst der Bewältigungsbegriff
nicht nur Verhaltensweisen, die eine aktive Auseinandersetzung mit der Belastungssituation zum
Inhalt haben, sondern auch solche Reaktionen, die ein Aushalten, Tolerieren und auch Vermeiden
oder Verleugnen zum Ziel haben (Kaluza, 2011).

3.4.1 Klassifikation von Bewältigungsstrategien


In der Literatur haben sich verschiedene Kategorisierungen für Bewältigungsstrategien
etabliert.
Zum Ersten können Bewältigungsstrategien aufgrund ihrer Funktion in problemorientierte
und emotionsorientierte Strategien unterteilt werden. Dabei bezieht sich problemorientierte
Bewältigung (engl.: problem-focused coping) auf die direkte Veränderung der stresshaften
Konstellation, indem die Situation selbst oder aber eigene Merkmale (z. B. Einstellungen, Ziele,
Bewertungen) verändert werden. Im Gegensatz dazu umfasst emotionsorientierte Bewältigung
(engl.: emotion-focused coping) alle Versuche, die mit einer Stresssituation einhergehenden
Emotionen wie Angst, Ärger oder Schuld und die damit verbundene physiologische Erregung zu
regulieren, meist mit dem Ziel der Verringerung von Intensität und Dauer (vgl. Lazarus & Folkman,
1984). Eine eindeutige Zuordnung von Bewältigungsstrategien zu problemorientierter versus
emotionsorientierter Bewältigung ist häufig, aber nicht immer möglich, da es verschiedene
Bewältigungsreaktionen gibt, die beiden Funktionen dienen können. So kann soziale
Unterstützung sowohl zur Problemerörterung als auch zum Trost genutzt werden. Positive
Umdeutung und Akzeptanz können zu den emotionsorientierten Strategien gerechnet werden
(z. B. Solberg Nes & Segerstrom, 2006), da sie eine Regulierung der emotionalen Reaktion
bewirken, aber auch zu den problemorientierten Strategien gezählt werden (z. B. Kaluza &
Vögele, 1999), da eigene Einstellungen geändert werden und somit das Problem angegangen
wird.
Die Unterscheidung zwischen problem- und emotionsorientierter Bewältigung bezieht sich
darauf, was bewältigt wird und nicht auf die Art, wie etwas bewältigt wird. Bisweilen wird
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 12

problemorientierte mit aktionaler und emotionsorientierte mit intrapsychischer Bewältigung


gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung ist jedoch keineswegs gerechtfertigt. So sind
Genussmittelkonsum oder Entspannungsübungen aktionale Bewältigungsformen, die jedoch
nicht auf eine Veränderung der Stresssituation abzielen, sondern eher auf die Reduktion der
emotionalen Anspannung. Planung hingegen als intrapsychische Bewältigungsstrategie hat einen
Einfluss auf die Problemsituation.
Zum Zweiten können Bewältigungsstrategien hinsichtlich ihres Ausmaßes einer
Auseinandersetzung mit der stresshaften Situation in annähernde und vermeidende Strategien
unterschieden werden. Annähernde Bewältigung (engl.: approach coping) umfasst solche
Strategien, die eine Hinwendung und eine Beschäftigung mit den belastenden Problemen und
den auftretenden Emotionen beinhalten (z. B. Handlungsplanung, Emotionsausdruck). Hingegen
bezieht sich vermeidende Bewältigung (engl.: avoidance coping) auf Strategien, die auf eine
Abwendung beziehungsweise Ablenkung vom Stressgeschehen ausgerichtet sind (z. B.
Problemvermeidung, Wunschdenken; vgl. Suls & Fletcher, 1985). Beispielsweise fällt nach einem
Streit mit der besten Freundin ein Anruf, um sich zu entschuldigen und das Problem zu klären,
unter annähernde Bewältigung. Nicht ans Telefon zu gehen oder den Kontakt abzubrechen zählt
hingegen zur vermeidenden Bewältigung. Allerdings ist auch hier nicht in jedem Fall eine
eindeutige Zuordnung möglich, wie beispielsweise im Falle von Selbstbeschuldigung und
Rumination (Grübeln). Wird nach einer Trennung von dem/der Partner:in über den Sinn des Lebens
und die Ungerechtigkeit der Welt gegrübelt und damit der Gedanke an die schmerzhafte
Trennung vermieden, ist Rumination eher eine vermeidende Strategie. Richtet sich das Grübeln
jedoch auf die Trennung selbst und die Gründe, die dazu geführt haben, dann findet eine
Auseinandersetzung mit der Situation und den Gefühlen statt und ist Grübeln eher eine
annähernde Strategie.

Tabelle 3.2
Klassifikation von Bewältigungsstrategien
Funktion
Form
Problemorientiert Emotionsorientiert
Aktives Problemlösen, Informationssuche, Positive Umdeutung, Sinnfindung,
Annähernd Planen, Suche nach instrumenteller Ausdruck von Emotionen, Suche nach
Unterstützung emotionaler Unterstützung
Problemvermeidung, Flucht, Verleugnung, sozialer Rückzug,
Vermeidend
Disengagement Wunschdenken
Anmerkung. Nach Solberg Nes und Segerstrom, 2006, S. 236.

Theoretischen Annahmen zufolge sind die beiden Einteilungen „problemorientiert versus


emotionsorientiert“ und „annähernd versus vermeidend“ unabhängig voneinander und bilden
vier distinkte Kategorien (siehe Tabelle 3.2). Demnach können sowohl Probleme als auch
emotionale Zustände entweder durch annähernde oder durch vermeidende Strategien bewältigt
werden. Sich nach dem Arbeitsplatzverlust auf andere Stellen zu bewerben, ist nach dieser
Klassifikation eine problemorientierte Annäherung, während die Suche nach emotionaler
Unterstützung zur Verarbeitung des Verlustes eine emotionsorientierte Annäherung darstellt. Im
Vergleich dazu ist eine Weigerung, sich mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auseinanderzusetzen,
problemorientierte Vermeidung, wohingegen die Verleugnung, dass dieser Verlust emotional
belastend ist, eine emotionsorientierte Vermeidung darstellt.
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 13

3.4.2 Die Passungshypothese


Die Passung zwischen den situationalen Merkmalen, vor allem der Kontrollierbarkeit der
Situation, und den eingesetzten Bewältigungsstrategien spielt eine besonders wichtige Rolle bei
der Bewertung der Effektivität von Bewältigungsverhalten. Nach der sogenannten
Passungshypothese (engl.: goodness of fit hypothesis) sollten kontrollierbare Situationen aktiv
verändert und gestaltet werden, während unkontrollierbare Situationen akzeptiert und
hingenommen werden sollten (Folkman et al., 1979). Demnach müssten in Situationen, in denen
Kontrollmöglichkeiten bestehen, wie anstehende Prüfungen oder Auseinandersetzungen mit
engen Bezugspersonen, annähernde problemorientierte Strategien besonders effektiv zur
Bewältigung sein (oder zumindest als wirksam eingeschätzt werden), während in Situationen, die
keine Möglichkeit zur Veränderung bieten, wie das Nichtbestehen einer Prüfung oder der Verlust
eines nahen Angehörigen, annähernde emotionsorientierte Strategien zur effektiven Bewältigung
genutzt werden sollten. Dadurch wird deutlich, dass es nicht die eine gute
Stressbewältigungsstrategie geben kann, sondern eine effektive Stressbewältigung vor allem
durch einen flexiblen und situationsangemessenen Einsatz verschiedener Bewältigungsstrategien,
wie die Passungshypothese ihn beschreibt, gekennzeichnet ist (Folkman & Moskowitz, 2004).

3.4.3 Differentielle Effektivität verschiedener Bewältigungsstrategien


Auch wenn man keine absoluten Aussagen über die Wirksamkeit einzelner
Bewältigungsstrategien in Bezug auf alle Situationen machen kann, so ist es doch möglich, auf
einem höheren Abstraktionsniveau generelle Trends hinsichtlich der Effektivität verschiedener
Bewältigungsstrategien zu beschreiben.
In Einklang mit der Passungshypothese legen die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen
nahe, dass sich insbesondere in kontrollierbaren Alltagsbelastungen annähernde
problemorientierte Strategien als effektiv erweisen. Planvolles Problemlösen beispielsweise geht
mit einer positiveren Stimmung, weniger depressiven Symptomen sowie einem besseren
Krankheitsverhalten einher (z. B. Park et al., 2004). Außerdem fanden Conway und Terry (1992),
dass annähernder problemorientierter Bewältigung vor allem in kontrollierbaren Situationen eine
hohe Effektivität zugeschrieben wird. In eher unkontrollierbaren Situationen dagegen steht eine
aktive problemorientierte Bewältigung in keinem beziehungsweise einem leicht negativen
Zusammenhang mit verschiedenen Effektivitätskriterien (z. B. Vitaliano et al., 1990).
Weiterhin wurde gefunden, dass sich bestimmte Strategien der annähernden
emotionsorientierten Bewältigung vorrangig in unkontrollierbaren krankheitsbezogenen
Situationen als effektiv erweisen. Die Akzeptanz der Situation, positive Umbewertung und
Sinnfindung sind beispielsweise mit einer höheren Lebenszufriedenheit sowie weniger
Ängstlichkeit, Depression und somatischen Beschwerden assoziiert (z. B. Carver et al., 1993).
Hingegen erwiesen sich andere annähernde emotionsorientierte Bewältigungsstrategien in
kontrollierbaren aber auch in unkontrollierbaren Situationen als maladaptiv. Strategien wie
Selbstbeschuldigung, Rumination und Emotionsfokussierung gehen beispielsweise mit einer
schlechteren körperlichen Funktionstüchtigkeit, höherer negativer Affektivität und schlechteren
Effektivitätsbewertungen einher (z. B. Burker et al., 2005).
Ferner legen zahlreiche Studienergebnisse nahe, dass die meisten vermeidenden
Bewältigungsstrategien unabhängig von der Kontrollierbarkeit sowohl in Bezug auf die
problemorientierte als auch die emotionsorientierte Bewältigung weniger effektiv sind, obgleich
bisweilen kurzfristige positive Einflüsse auf das emotionale Wohlbefinden gefunden wurden (z. B.
Suls & Fletcher, 1985). Langfristig sind die Distanzierung und die Vermeidung von Problemen
B. Sc. Psychologie, AF G; Kurs 1, Kapitel 3 14

beispielsweise mit einem schlechteren psychischen und physischen Wohlbefinden sowie einer
höheren Unzufriedenheit mit dem Ergebnis der Bewältigung assoziiert (z. B. Folkman et al., 1986;
Smith et al., 1990). Lediglich die Aufgabe unerreichbarer Ziele in Kombination mit der
Hinwendung zu neuen Zielen ist verschiedenen Studien zufolge mit einem höheren subjektiven
Wohlbefinden sowie besseren Gesundheitsparametern assoziiert (z. B. Wrosch et al., 2007).

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