DaF für Pflegekräfte in Tunesien :
Lage , Perspektiven und Grenzen
Dankesagung :
I. Einleitung
Hintergrund und Kontext der Studie
Bedeutung des DaF Unterrichts für Pflegekräfte in Tunesien
Forschungsfrage und Zielsetzung der Arbeit
Überblick über die Gliederung
II. Theoretischer Rahmen
Begriffsdefinitionen: DaF Unterricht, Pflegekräfte, Tunesien
Theoretische Grundlagen und Ansätze des Lehrens von Deutsch als fremdsprache
Relevante pädagogische Ansätze für den DaF Unterricht bei Pflegekräften
III. Lage des DaF Unterrichts in Tunesien
Bildungssystem in Tunesien: Struktur und Organisation
Stellenwert der deutschen Sprache im Bildungskontext Tunesiens
Vorhandene DaF Angebote für Erwachsene, insbesondere Pflegekräfte
Herausforderungen in der aktuellen DaF Unterrichtspraxis
IV. Perspektiven für den DaF Unterricht bei Pflegekräften in Tunesien
Bedarfsermittlung: Nachfrage nach Deutschkenntnissen in der Pflegebranche
Potenzielle Vorteile des DaF Unterrichts für Pflegekräfte
Rolle der deutschen Sprache bei der Internationalisierung des Pflegesektors
V. Grenzen des DaF Unterrichts in Tunesien
Sprachliche, kulturelle und soziale Barrieren für Pflegekräfte
Mangelnde Ressourcen und Infrastruktur für den DaF Unterricht
Anerkennung von Deutschkenntnissen im Berufsfeld Pflege
VI. Empirische Forschungsmethoden
Auswahl der Teilnehmer/innen (Pflegekräfte, DaF Lehrkräfte, etc.)
Datenerhebungsverfahren: Interviews, Umfragen, Fallstudien
Datenauswertung und Analysemethoden
VII. Ergebnisse der Studie
Darstellung und Interpretation der gesammelten Daten
Vergleich der Ergebnisse mit den theoretischen Annahmen
VIII. Diskussion
Einsatz der Ergebnisse in den Kontext bisheriger Forschung
Implikationen der Ergebnisse für die DaF Unterrichtspraxis und die Pflegebranche
Kritische Reflexion der methodischen Herangehensweise
IX. Schlussfolgerung
Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im DaF Unterricht für Pflegekräfte in
Tunesien
X. Literaturverzeichnis
XI. Anhang
Transkript der Interviews
Umfragebögen
Zusätzliche Materialien zur Veranschaulichung der Ergebnisse
● Einleitung :
Die globale Verbreitung der deutschen Sprache ist ein faszinierendes Phänomen, das in
der heutigen globalisierten Welt an Bedeutung gewinnt. Im Zentrum dieser Masterarbeit
stehen die verschiedenen Aspekte des Deutschlernens weltweit. Insbesondere richtet sich
unser Fokus auf die folgenden zentralen Fragen: Wo wird Deutsch in der Welt gelernt?
Warum entscheiden sich Menschen dafür, Deutsch zu erlernen, und welche Rolle spielen
finanzielle und berufliche Gründe in diesem Prozess? Wie wird Deutsch als
Fremdsprache (DaF) gelehrt, und welche optimierten Methoden können zur Maximierung
des Lernerfolgs eingesetzt werden?
Die weltweite Ausbreitung der deutschen Sprache zeugt von einem wachsenden Interesse
an Deutschland, seiner Kultur und seiner Wirtschaft. Deutsch ist heute eine der
meistgesprochenen Sprachen weltweit, mit einer wachsenden Anzahl von Lernenden in
vielen verschiedenen Ländern. Dieses Phänomen ist nicht nur von linguistischem
Interesse, sondern auch von großer Bedeutung für die zwischenmenschlichen und
wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ländern und Kulturen.
Die Motivation hinter dem Deutschlernen ist ebenso vielfältig wie die Lernenden selbst.
Diese Arbeit wird insbesondere die finanziellen und beruflichen Gründe, die Menschen
dazu bewegen, Deutsch zu erlernen, intensiv untersuchen. Deutschland ist nicht nur als
eine wirtschaftliche Macht bekannt, sondern bietet zudem eine Vielzahl von
hochqualifizierten Berufsmöglichkeiten in verschiedenen Sektoren. Die Kenntnis der
deutschen Sprache eröffnet vielfältige Karrierechancen und die Möglichkeit, auf einem
globalisierten Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Folglich ist es von entscheidender
Bedeutung zu verstehen, wie finanzielle und berufliche Faktoren in der Motivation der
Lernenden eine Rolle spielen.
Die Art und Weise, wie Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird, ist entscheidend für den
Lernerfolg. Daher wird in dieser Arbeit ausführlich analysiert, welche Methoden und
Lehrstrategien im Bereich DaF eingesetzt werden, und welche davon besonders effizient
sind. Ziel ist es, optimierte Lehrmethoden zu identifizieren und Empfehlungen für den
effektiven Unterricht von Deutsch als Fremdsprache abzuleiten.
Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der aktuellen Arbeitskräftesituation in
Deutschland, insbesondere im Pflege- und Gesundheitssektor. Hierbei spielen soziale und
finanzielle Gründe eine bedeutende Rolle. Die Alterung der Bevölkerung und der
steigende Bedarf an qualifizierten Pflegekräften stellen eine ernsthafte Herausforderung
dar. Deutschland sieht sich mit einem akuten Mangel an Arbeitskräften in diesem Bereich
konfrontiert. Dies führt zu der Frage, warum Deutschland verstärkt ausländische
Arbeitskräfte, insbesondere im Gesundheitswesen, anzieht. Die deutsche Außenpolitik in
Bezug auf die Anwerbung ausländischer Fachkräfte wird sorgfältig untersucht, um ein
besseres Verständnis für die Gründe und die Umsetzung dieser Politik zu erlangen.
Ein besonderes Augenmerk wird auf die Rolle von Pflegekräften aus Tunesien in
Deutschland gelegt. Die Frage, wie diese Fachkräfte gefördert werden, sowohl in Bezug
auf ihre beruflichen Qualifikationen als auch auf ihre Deutschkenntnisse, steht im
Mittelpunkt. Dies schließt eine Untersuchung der Art und Weise ein, wie Deutsch als
Fremdsprache im Allgemeinen in Tunesien gelehrt wird, und wie ein speziell auf die
Bedürfnisse von Pflegekräften zugeschnittener Deutschkurs gestaltet werden kann.
Die Analyse der bestehenden Deutschkurse in Tunesien bildet einen weiteren
Schwerpunkt dieser Arbeit. Hierbei werden die Defizite und Herausforderungen
aufgezeigt, denen diese Kurse gegenüberstehen. Ziel ist es, Wege zu identifizieren, wie
die Deutschkurse an die spezifischen Anforderungen von Pflegekräften angepasst und
optimiert werden können. Im Zentrum dieser Forschungsarbeit steht die zentrale Frage,
welche Methoden und Ansätze am besten geeignet sind, um Deutsch als Fremdsprache an
Pflegekräfte zu vermitteln, die eine berufliche Zukunft in Deutschland anstreben.
Die vorliegende Masterarbeit zielt darauf ab, umfassende Antworten auf diese zentralen
Fragen zu liefern und einen Beitrag zur Vertiefung des Verständnisses für die Bedeutung
und Optimierung des Deutschlernens im beruflichen Kontext zu leisten. Sie bietet nicht
nur eine umfassende Analyse der aktuellen Situation, sondern auch praktische
Empfehlungen für Bildungseinrichtungen, Politikgestalter und alle Interessierten, die an
der Förderung des Deutschlernens und der Anwerbung qualifizierter Arbeitskräfte in
Deutschland beteiligt sind.
1 . Pflegenotstand in Deutschland :
1. Pflegefachkraft : Definition und Tätigkeitsbild :
Pflegefachkräfte, sei es Krankenschwestern/Krankenpfleger oder Pflegefachleute, sind
qualifizierte Fachkräfte im Gesundheitswesen, die Menschen jeden Alters in
verschiedenen Pflegebereichen wie Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und
Altenpflege unterstützen und betreuen. Ihre Aufgaben umfassen eine breite Palette von
Tätigkeiten, die darauf abzielen, die physische, psychische und soziale Gesundheit ihrer
Patienten zu fördern und aufrechtzuerhalten. Zu den primären Aufgaben gehört die
Grundpflege, bei der Pflegefachkräfte hilfsbedürftige Personen beim Betten, bei der
Nahrungsaufnahme und der Körperpflege unterstützen. Sie arbeiten eng mit den
Patienten und ihren Familien zusammen, um sicherzustellen, dass die individuellen
Bedürfnisse und Wünsche respektiert und berücksichtigt werden. Darüber hinaus sind
Pflegefachkräfte in der ambulanten Pflege tätig, wo sie auch mit Angehörigen
zusammenarbeiten und diese in Pflegetechniken unterweisen. Sie führen medizinische
Maßnahmen wie Wundversorgung, Infusionen, Blutentnahmen und Punktionen durch
und assistieren bei ärztlichen Untersuchungen sowie bei der Vorbereitung von operativen
Eingriffen.1
Pflegefachkräfte spielen auch eine entscheidende Rolle in der Koordination und
Organisation der Pflege. Sie ermitteln den Pflegebedarf, planen und koordinieren
Pflegemaßnahmen und dokumentieren den Pflegeverlauf sorgfältig. Zusätzlich sind sie an
administrativen Aufgaben beteiligt, einschließlich der Patientenaufnahme,
Qualitätssicherung und Verwaltung des Arzneimittels Bestandes.
Insgesamt tragen Pflegefachkräfte maßgeblich dazu bei, die Lebensqualität ihrer
Patienten zu verbessern und sicherzustellen, dass sie die bestmögliche Pflege und
Unterstützung erhalten, um ihre Gesundheit zu fördern und ihre Selbstständigkeit zu
erhalten oder zu verbessern .
Pflegefachleute arbeiten in erster Linie in Patientenzimmern von Krankenstationen , in
Untersuchungs-, Behandlungs- und Pflegearbeitsräumen ,in Patientenwohnungen (bei
ambulanter Pflege) , in Büroräumen oder Stationszimmern und finden Beschäftigungen
in
Krankenhäusern, Facharztpraxen oder Gesundheitszentren , in Altenwohn- und
-pflegeheimen , bei ambulanten Pflegediensten , in Einrichtungen der Kurzzeitpflege , in
Hospizen oder in Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen .2
2 . Ursachen der Pflegenotstand in Deutschland :
Der Pflegenotstand in Deutschland ist eine der drängendsten Herausforderungen des
Gesundheitssystems. Aktuelle Zahlen und Prognosen verdeutlichen die zunehmende
Schwere der Situation. Im Jahr 2021 waren etwa 5 Millionen Menschen in Deutschland
1 [Link]
2 [Link]
pflegebedürftig, und diese Zahl wird bis 2055 auf etwa 6,8 Millionen ansteigen
(Statistisches Bundesamt). Diese Entwicklung führt zu einem erheblichen Bedarf an
Pflegepersonal, der bereits heute nicht gedeckt werden kann. Der Barmer-Pflegereport
prognostiziert, dass bis 2030 etwa 180.000 Pflegekräfte fehlen werden (BARMER). Laut
Statista wird die Anzahl der offenen Stellen in der Pflege bis 2030 weiter ansteigen, was
die aktuelle Versorgungslücke verstärkt (Statistisches Bundesamt)3.
Die finanziellen Anforderungen im Pflegebereich steigen ebenfalls kontinuierlich. Die
Ausgaben für Pflegeleistungen stiegen von 49 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf
prognostizierte 59 Milliarden Euro bis 2030 (BARMER). Diese Kostenexplosion
reflektiert den erhöhten Bedarf an Pflegeleistungen und den Mangel an Pflegekräften.
Prognosen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass bis 2049 zwischen 280.000 und
690.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden, um den steigenden Bedarf zu decken
(Statistisches Bundesamt). Um diesem Trend entgegenzuwirken, hebt der BARMER-
Pflegereport die Notwendigkeit hervor, die Ausbildung attraktiver zu gestalten und
familienfreundliche Arbeitszeiten zu schaffen. Solche Maßnahmen sind fundamental, um
mehr Nachwuchs für die Pflege zu gewinnen und den Pflegenotstand langfristig zu
lindern (BARMER)4.
2.1. Demographische Wandel :
Um die Frage zu beantworten, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um
den Mangel an Pflegefachkräften zu reduzieren und welche davon in Zukunft als sinnvoll
erachtet werden könnten, ist es notwendig, die zugrunde liegenden Gründe zu
untersuchen. Zunächst fällt der demografische Wandel in Deutschland ins Auge. Dieser
bezieht sich auf die wissenschaftliche Untersuchung der Bevölkerungsentwicklung. Die
Demografie analysiert den aktuellen Bevölkerungsstand und zieht daraus Schlüsse für die
Zukunft. Im Rahmen dieser Betrachtung wird auch der demografische Wandel
beleuchtet, der die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung umfasst. In
Deutschland zeichnet sich ein klarer Trend zu einer immer älter werdenden Gesellschaft
ab. Dies ist größtenteils auf den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt sowie
die sinkende Geburtenrate infolge der Einführung der Anti-Baby-Pille zurückzuführen.
Anhand der Statistiken des Statistischen Bundesamtes lässt sich diese Entwicklung gut
veranschaulichen. Ein Vergleich zwischen den Jahren 1980, 2017 und 2060 zeigt, dass
3 [Link]
4 [Link]
die Zahl der Menschen unter 20 Jahren immer weiter abnimmt, während die Zahl der
über 64-Jährigen stetig steigt. Dies bestätigt den Trend zur Überalterung der Gesellschaft.
Mit zunehmendem Alter steigt natürlich auch das Risiko von Krankheit und
Pflegebedürftigkeit, was wiederum den Bedarf an Pflegefachkräften erhöht. Auf der
anderen Seite ist zu beobachten, dass bei einer schrumpfenden Anzahl erwerbsfähiger
Menschen - laut einem Artikel der Zeit wird diese bis 2040 um ein Zehntel sinken - auch
die potenzielle Anzahl von Pflegekräften weiter abnimmt. Wenn die Ausbildung von
Pflegefachkräften auf dem aktuellen Niveau bleibt, könnte es irgendwann dazu kommen,
dass das Angebot an Pflegefachkräften nicht mehr ausreicht, um die steigende Nachfrage
zu befriedigen. Damit kann schlüssig festgestellt werden, dass der demografische Wandel
eine wesentliche Ursache für den Mangel an Pflegefachkräften darstellt.
2.2. Ansehen des Berufes innerhalb der Gesellschaft :
Abgesehen von den Auswirkungen des demografischen Wandels, die die gesamte Gesellschaft
betreffen, sind verschiedene Aspekte zu untersuchen, die im Zusammenhang mit der Gewinnung
neuer Arbeitskräfte stehen. Innerhalb dieses Kontextes sollten wir die Frage beleuchten, ob die
Berufe der Kranken- und Gesundheitspflege sowie des Altenpflegers in der Gesellschaft als
weniger angesehen werden, was dazu führen könnte, dass sich wenige junge Menschen für diese
Berufe entscheiden. Sollte dies der Fall sein, müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die
Attraktivität dieser Berufe zu steigern und so die Rekrutierung junger Arbeitskräfte zu fördern.
Eine Studie des IfD Allensbach zeigt, dass die Berufe des Krankenpflegers und des Altenpflegers
in der Gesellschaft geschätzt und respektiert werden. Dieses Ergebnis wurde durch die Forsa-
Umfrage in den Jahren 2007, 2015 und 2016 unterstützt, in der die Wertschätzung verschiedener
Berufe erfragt wurde. Innerhalb dieser Umfragen belegten Kranken- und Altenpfleger den dritten
Platz in Bezug auf das Ansehen der Berufe. Es gibt also keine eindeutigen Hinweise darauf, dass
Pflegeberufe in der Gesellschaft schlecht angesehen sind und daher Maßnahmen zur Steigerung
ihrer Attraktivität ergriffen werden müssen. Innerhalb dieser Betrachtung sollte jedoch
berücksichtigt werden, dass es wichtig ist, das bestehende Ansehen des Berufs
aufrechtzuerhalten. Daher sollten Maßnahmen ergriffen werden, um das Berufsbild an die
aktuellen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft anzupassen, beispielsweise durch
Änderungen im Ausbildungsberuf oder eine Anpassung des Berufstitels, um sicherzustellen, dass
auch zukünftig junge Menschen Pflegeberufe ergreifen.
Im Gegensatz zu der zuvor genannten Studie fühlen sich bereits ausgebildete Pflegekräfte von
der Gesellschaft im Vergleich zu ihrer täglichen Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt. Diese
empfundene Nicht Wertschätzung ihrer Leistungen könnte zu einer Verringerung der
Arbeitsqualität und -quantität sowie zu vermehrtem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Beruf und
krankheitsbedingten Ausfällen führen. Daher besteht neben den Maßnahmen zur Anpassung des
Berufs an gesellschaftliche und politische Entwicklungen auch Handlungsbedarf, um das Gefühl
der Wertschätzung der Pflegefachkräfte zu stärken. Die Bezahlung spielt hierbei eine besonders
wichtige Rolle als direkter Indikator für die Anerkennung durch die Gesellschaft. Es wird häufig
behauptet, dass Pflegefachkräfte gering bezahlt werden, was das Gefühl der Wertschätzung
mindert. Ob die Bezahlung daher als eine weitere Ursache für den Mangel an Pflegefachkräften
angesehen werden kann, soll im nächsten Abschnitt erörtert werden.
2.3. Bezahlung :
In einer Befragung im Rahmen des Projekts [Link] wurde die Bezahlung in
Pflegeberufen von den Befragten als unbefriedigend bewertet, wobei der Durchschnittswert bei
2,37 von 5 lag. Dies wirft die Frage auf, ob die Bezahlung ein möglicher Grund dafür ist, dass
nur wenige Menschen den Beruf einer Pflegefachkraft wählen. Die Zusammensetzung des
Gehalts für Pflegefachkräfte hängt von den geltenden Tarifverträgen des jeweiligen Arbeitgebers
ab, wobei zusätzliche Zulagen wie Nacht- und Feiertagszuschläge gewährt werden können.
Die Ausbildung in Pflegeberufen kann an staatlichen oder anerkannten Ausbildungsstätten
absolviert werden, und die Ausbildungsvergütung variiert je nach Ausbildungsstätte und
Tarifvertrag. In der Regel ist die Ausbildung an öffentlichen Schulen kostenfrei.
Nach der Ausbildung zeigt sich ein deutlicher Gehaltsunterschied zwischen
Altenpflegefachkräften und Krankenpflegefachkräften. Krankenpflegefachkräfte verdienen im
Durchschnitt mehr, wobei der Durchschnittsverdienst sogar über dem Durchschnitt aller
Beschäftigten liegt. In der Altenpflege hingegen verdienen Fachkräfte weniger, und der regionale
Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland ist erheblich.
Die Daten deuten darauf hin, dass Altenpflegefachkräfte weniger verdienen als Fachkräfte in
anderen Branchen, was in Anbetracht des bestehenden Fachkräftemangels in diesem Bereich
problematisch ist. Im Gegensatz dazu gibt es bei den besser bezahlten Gesundheits- und
Krankenpflegefachkräften nur in zehn Bundesländern derzeit einen Fachkräftemangel. Dies
könnte darauf hinweisen, dass die höhere Bezahlung in diesen Berufen dazu führt, dass sich
mehr Menschen für den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers entscheiden. Um mehr
Menschen für die Altenpflege zu gewinnen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken,
besteht daher dringender Handlungsbedarf zur Verbesserung der Bezahlung in der Altenpflege.
3. Maßnahmen zur Losung des Pflege Fachkräftemangels in Deutschland :
[Link] "Triple Win” :
Das "Triple Win"-Projekt ist eine Initiative, die von der Auslands- und Fachvermittlung
(ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt wird, um qualifizierte Arbeitskräfte aus dem
Ausland zu gewinnen. Im Gegensatz zur passiven Rekrutierung, wie oben beschrieben,
handelt es sich hierbei um eine aktive Anwerbung von Fachkräften. Derzeit wird das
Projekt in Zusammenarbeit mit Serbien, Bosnien-Herzegowina, den Philippinen und seit
dem letzten Jahr auch mit Tunesien umgesetzt. Der Name des Projekts "Triple Win"
verdeutlicht, dass es drei Gewinner gibt. Erstens sind es die Fachkräfte selbst, die
aufgrund begrenzter beruflicher Möglichkeiten in ihren Heimatländern nach Deutschland
kommen. Zweitens profitieren die Herkunftsländer, da die GIZ sich an den
Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation orientiert. Das bedeutet, dass keine
Fachkräfte aus Ländern angeworben werden, die bereits unter einem Mangel an
Pflegepersonal leiden oder in denen ein Abwanderungseffekt zu erwarten ist. Der dritte
Gewinner in diesem Projekt sind Deutschland und seine Arbeitgeber, da offene Stellen
besetzt werden.
Das Projekt durchläuft vier Phasen. Zunächst erfolgt die Beratung der deutschen
Arbeitgeber bezüglich der Einstellung ausländischer Fachkräfte, des
Anerkennungsverfahrens und des Ablaufs des "Triple Win"-Projekts. In der zweiten
Phase erfolgt die Rekrutierung und Auswahl von Pflegefachkräften. Die
Partnerverwaltung im Herkunftsland leitet den Bewerbungsprozess und prüft die
Bewerber anhand zuvor vereinbarter Kriterien. Anschließend führt die ZAV
Auswahlgespräche durch, um die sprachlichen, fachlichen und persönlichen
Qualifikationen der Bewerber zu überprüfen. Danach werden geeignete Kandidaten den
Arbeitgebern von der ZAV vorgeschlagen, die diese in persönlichen Interviews
auswählen können. Die dritte Phase beinhaltet die Vorbereitung vor der Einreise. Im
Herkunftsland werden Sprachkurse (bis B1), ein eintägiger Kurs über das Leben in
Deutschland und ein viertägiger Pflegefach Kurs angeboten. Parallel dazu erhalten die
Arbeitgeber Informationen zum Anerkennungsprozess. Es werden auch
Beratungsgespräche geführt, und in einem halbtägigen Workshop werden Pläne für die
Einarbeitung, interkulturelle Fragestellungen und fortlaufende Deutschkurse erstellt. Die
vierte Phase findet nach der Einreise statt. Die GIZ begleitet die eingereisten Fachkräfte
in Deutschland, hilft bei Behördengängen und bietet Freizeitaktivitäten an. Außerdem
steht die ZAV im ersten Aufenthaltsjahr in Deutschland für Fragen und Probleme über
eine Hotline zur Verfügung. Wenn die Berufsausbildung der eingereisten
Pflegefachkräfte als gleichwertig mit der deutschen Ausbildung anerkannt wird, steht
einem dauerhaften Aufenthalt in Deutschland nichts im Wege.
Es stellt sich jedoch die Frage, wie teuer diese aktive Anwerbung von Fachkräften ist und
wer die Kosten trägt. Arbeitgeber müssen 4.000 € pro Fachkraft bezahlen, um die
Dienstleistungen der ZAV abzudecken. Darüber hinaus tragen die Arbeitgeber die
Reisekosten der Fachkraft zum Arbeitsort. Daher ist festzustellen, dass die Anwerbung
ausländischer Fachkräfte im Rahmen dieses Projekts für Arbeitgeber sehr kostspielig ist.
Es bleibt fraglich, wie viele Unternehmen bisher an diesem Projekt teilgenommen haben,
um seinen Erfolg zu beurteilen. Das Projekt wurde 2013 ins Leben gerufen, und seitdem
wurden 1.693 Bewerberinnen und Bewerber (Stand Dezember 2017) in Kliniken,
Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen in Deutschland eingestellt. Allein im Jahr
2017 konnten 593 Personen erfolgreich über das Projekt vermittelt werden.
Diese Zahlen zeigen, dass trotz hoher Kosten die gezielte und organisierte Anwerbung
ausländischer Fachkräfte in Anspruch genommen wird, und diese Maßnahme eine
profitablere Möglichkeit für deutsche Arbeitgeber darstellt, qualifizierte ausländische
Arbeitskräfte zu gewinnen .
3.2. Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen (GER) :
„Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen (weiter nur GER) stellt eine gemeinsame
Basis für die Entwicklung von zielsprachlichen Lehrplänen, curricularen Richtlinien,
Lehrwerken usw. in ganz Europa. "Im GER ist ausführlich beschrieben, was die
Lernenden zu tun lernen müssen, um eine Sprache für kommunikative Zwecke zu
benutzen, und welche Kenntnisse und Fertigkeiten sie entwickeln müssen, um in der Lage
zu sein, kommunikativ erfolgreich zu handeln.“
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen will helfen, die Barrieren in der
Kommunikation zu überwinden, die auf Grund unterschiedlicher Bildungssysteme in
Europa entstehen und die die Kommunikation unter den mit modernen Sprachen sich
befassenden Experten verhindern. (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen, online: 14)
Im GER sind die international vergleichbaren Kompetenzniveaus der Sprachbeherrschung
definiert. Die sechs Referenzniveaus des Europarats gelten als wichtige Eckpfeiler für das
Lernen und Lehren aller Sprachen und haben weltweit eine breite Akzeptanz gefunden. Die
Kompetenzniveaus enthalten Kriterien für die Beschreibung von Sprachkompetenzen,
beschreiben Ziele und Inhalte der einzelnen Sprachniveaus. Die einzelnen Sprachstufen
veranschaulichen, was die Lernenden auf jeder Stufe ausdrücken und verstehen können. (vgl.
Glaboniat et al., 2005: 40)Die Kompetenzniveaus stellen eine klassische Aufteilung in Grund-,
Mittel- und Oberstufe dar, die sich noch einmal in je eine höhere und niedrigere Stufe gliedern.
A1 Kann einfache, alltägliche Wörter und Ausdrücke
Elementare verstehen und verwenden, um bestimmte Bedürfnisse
Sprachverwendung zu erfüllen. Kann sich und andere vorstellen und
Fragen stellen, z. B. wo er/sie wohnt, was für Leute
er/sie kennt und was für Dinge er/sie besitzt. Kann auch
auf solche Fragen antworten. Kann sich auf einfache
Art verständigen, wenn die andere Person langsam und
deutlich spricht und bereit ist zu helfen.
A2 Kann Sätze und oft benutzte Ausdrücke verstehen, die
wichtige Themen betreffen, wie Informationen über die
Person, die Familie, das Einkaufen, die Arbeit und die
Nachbarschaft. Kann sich in einfachen, täglichen
Situationen verständigen, in denen es um bekannte
Dinge geht. Kann mit einfachen Worten über
seinen/ihren Hintergrund, seine/ihre Ausbildung, die
Umgebung und wichtige Dinge sprechen.
Selbststandige B1 Kann die wichtigsten Informationen verstehen, wenn
Sprachverwendung klar und einfach gesprochen wird, besonders zu
bekannten Themen wie Arbeit, Schule und Freizeit.
Kann sich in den meisten Reisesituationen gut
zurechtfinden. Kann klar und einfach über vertraute
Themen und persönliche Interessen sprechen. Kann
Erlebnisse und Ereignisse beschreiben, Träume,
Hoffnungen und Ziele ausdrücken und kurz Pläne und
Meinungen erklären.
B2 Kann die wichtigsten Inhalte von komplexen Texten zu
konkreten und abstrakten Themen verstehen und auch
Fachgespräche im eigenen Spezialgebiet
nachvollziehen. Kann sich so spontan und flüssig
ausdrücken, dass normale Gespräche mit
Muttersprachlern problemlos möglich sind. Kann sich
klar und detailliert zu vielen verschiedenen Themen
äußern, eine Meinung zu aktuellen Fragen erklären und
die Vor- und Nachteile verschiedener Optionen
darstellen.
KompetenteSprachverwendun C1 Kann eine Vielzahl anspruchsvoller und längerer Texte
g verstehen und auch versteckte Bedeutungen erkennen.
Kann sich spontan und fließend ausdrücken, ohne oft
nach den richtigen Worten suchen zu müssen. Kann die
Sprache effektiv und flexibel im sozialen und
beruflichen Leben oder während Ausbildung und
Studium nutzen. Kann komplexe Themen klar,
strukturiert und ausführlich darstellen und dabei
verschiedene Mittel zur Verknüpfung von Texten
angemessen einsetzen.
C2 Kann fast alles, was er/sie liest oder hört, problemlos
verstehen. Kann Informationen aus verschiedenen
schriftlichen und mündlichen Quellen zusammenfassen
und diese in einer kohärenten Darstellung mit
Begründungen und Erklärungen wiedergeben. Kann
sich spontan, sehr flüssig und präzise ausdrücken und
auch bei komplexen Themen feinere
Bedeutungsnuancen klar vermitteln.
(Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen, online: 34-35)
4. Die Lage der Pflegekräfte in Tunesien :
Während des Arabischen Frühlings wurde im Jahr 2011 der autokratisch regierende
Präsident Ben Ali, der seit 1987 im Amt war, abgesetzt und ins Exil vertrieben. Dies
führte zu einer Überarbeitung der Verfassung, der Durchführung freier Wahlen und einer
Stärkung der Frauenrechte. Trotz dieser positiven Entwicklungen hat sich die
wirtschaftliche Lage des Landes unter der neuen Regierung kontinuierlich verschlechtert.
Dies wird teilweise durch regionale Ungleichheiten beeinflusst, da West-Tunesien im
Vergleich zu Ost-Tunesien weiterhin unterentwickelt ist, was sich auch in den
unterschiedlichen Armutsraten der Regionen widerspiegelt (Amal 2017)5.
Im Jahr 2018 betrug die Arbeitslosenquote 15,46 Prozent , wobei sie bei jungen
Erwachsenen im Alter von 15 bis 24 Jahren mit etwa 35,1 Prozent mehr als doppelt so
hoch lag 6. Diese Zahlen sind keine neue Entwicklung, sondern spiegeln vielmehr die
anhaltend hohe Arbeitslosenquote wider, die seit Jahren in diesen Bereichen verharrt,
wenn nicht sogar aufgrund der Wirtschaftskrise und politischer Instabilität noch weiter
gestiegen ist. Aus diesem Grund ist Migration für viele arbeitslose Fach- und ungelernte
Arbeiter eine attraktive Option (Kouni 2016).
Laut einer von der Europäischen Kommission zwischen 2014 und 2015 durchgeführten
Umfrage ziehen 53 Prozent der jungen Tunesier zwischen 14 und 35 Jahren eine
Auswanderung in Betracht (Araissia 2019). Tunesien ist von einem sogenannten "Brain
Drain" betroffen, bei dem hochqualifizierte Fachkräfte das Land auf der Suche nach
besseren Karrierechancen verlassen. Vor ihrer Migration waren 56,2 Prozent der
Migranten als arbeitslos registriert, 30,1 Prozent waren beschäftigt und 13,7 Prozent
waren auf dem Arbeitsmarkt nicht aktiv. Nach der Revolution stieg die Zahl der
irregulären Arbeitnehmer im Vergleich zu den regulären Arbeitnehmern deutlich an
(David und Marouani 2017). Dies weist auf die wirtschaftlichen Herausforderungen hin,
mit denen das Land nach der Revolution konfrontiert ist.
Die Auswanderung hochqualifizierter Fachkräfte hat einen erheblichen Einfluss auf die
Qualität des öffentlichen Gesundheitssystems in Tunesien gehabt (vgl. Zayat 2017). Das
staatliche Gesundheitssystem spielt eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von
Gesundheitsdienstleistungen und stellt 87 Prozent der Krankenhausbettenkapazität zur
Verfügung (vgl. Oxford Business Group 2016). Die Arbeitsbedingungen und
Vergütungen im Gesundheitssektor zeigen beträchtliche Unterschiede. Zusätzlich ist die
Verteilung des staatlichen Gesundheitssystems in den verschiedenen Regionen
ungleichmäßig, wobei der Fokus hauptsächlich auf städtischen und wohlhabenden
Gebieten des Landes liegt. Dies führt zu einem Mangel an medizinischem Personal in
sämtlichen Bereichen der Versorgung, insbesondere in ländlichen und wirtschaftlich
benachteiligten Regionen, wobei das Pflegepersonal besonders stark betroffen ist.
Seit den 1980er Jahren wurde das Gesundheitssystem in Tunesien mehr und mehr
privatisiert . In der Vergangenheit hatten 95 Prozent der tunesischen Bürgerinnen und
Bürger Zugang zu grundlegenden Gesundheitseinrichtungen und sozialem
Versicherungsschutz. Allerdings hat die finanzielle Unterstützung der
Gesundheitsversorgung seitens der Regierung deutlich abgenommen.
5 Beiträge und Analysen : Gesundheitswesen aktuell 2021,Uwe Repschläger, Claudia Schulte und Nicole
Osterkamp,s158
6 Beiträge und Analysen : Gesundheitswesen aktuell 2021,Uwe Repschläger, Claudia Schulte und Nicole
Osterkamp,s157 (Pelcher 2020)
Gegenwärtig stammen beinahe die Hälfte der Gesamtausgaben für Gesundheit von den
individuellen Haushalten (Karlin et al. 2018).(Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen,
online: 34-35)
5 . DaF Unterricht in Tunesien :
5.1 . DaF in der tunesischen Schulen :
Deutsch steht in Tunesien, einem Land mit vielen Sprachen, in großer Konkurrenz zu
verschiedenen Fremdsprachen . Bereits ab der dritten Klasse wird Französisch an
Primarschulen als Pflichtfach gelehrt und bleibt bis zum Abitur obligatorisch. Im direkten
Wettbewerb mit der französischen Sprache steht auch das Englische, das ab dem sechsten
Schuljahr als zweite Fremd- und Pflichtsprache unterrichtet wird. Diese Regelung bleibt
bis zum Abitur bestehen. Seit 1989 besteht zudem die Möglichkeit, an Gymnasien ab der
dritten Klasse eine dritte Fremdsprache als Wahlpflichtfach anzubieten.
Aus historischem Blickwinkel und bedingt durch die geographische Nähe gelten
traditionell Spanisch und Italienisch als dritte Fremdsprachen. Mittlerweile nimmt auch
die deutsche Sprache an diesem Sprachenwettbewerb teil.
Gemäß einem Artikel des DAAD in Tunis aus dem Jahr 2018 lernen von etwa zwei
Millionen Schülern in Tunesien 35,850 Schüler Deutsch an insgesamt 427 Gymnasien
(Daten & Analysen zum Hochschul- und Wissenschaftsstandort | 2021) .
Wöchentlich wird Deutsch von tunesischen Lehrkräften drei Stunden unterrichtet –
einmal eine volle Stunde (60 Min.) und einmal zwei volle Stunden – an zwei
unterschiedlichen Tagen. Zielgruppe sind Gymnasialschüler der 3. und 4. Klasse, wobei
Schüler der 4. Klasse Abiturienten sind. Als Lehrwerk steht das Buch „Ach so“ in zwei
Teilen zur Verfügung, das sich nach den Vorgaben des Ministeriums für Erziehung und
Ausbildung richtet und von tunesischen Fachleuten verfasst wurde. Nach dem Abitur
kann Deutsch als Studienfach gewählt werden, angeboten von sieben staatlichen und fünf
privaten Hochschulen.
Eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung der deutschen Sprache in Tunesien spielen das
Goethe-Institut und der DAAD. Beide betreiben seit vielen Jahren in der Stadt Tunis eine
verstärkte internationale kulturelle Zusammenarbeit und gelten somit als erste Kontakte
zu Deutschland. Das Goethe-Institut und der DAAD richten sich nicht nur an Lernende,
sondern auch an Lehrende, indem ihnen umfangreiche Fort- und
Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten werden. Im Jahr 2013 betrug die Anzahl der
Kursteilnehmer aller Niveaustufen (A1 bis C1)
[Link] in der tunesischen Universität :
Deutsch ist an tunesischen Universitäten seit Jahren sehr gefragt, vor allem in den Natur-
und Ingenieurwissenschaften sowie in der Medizin. Ein wichtiger Grund dafür ist eine
geplante Fortsetzung des Studiums oder eine zukünftige Karriere in Deutschland. 2017
besuchte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Tunis. Bei dieser Gelegenheit
wurde auch ein neues deutsch-tunesisches Beratungszentrum für Migration und
Remigration eröffnet. Mit der Einrichtung dieses Zentrums sollen Seminare, Sprachkurse,
Beratungsangebote, Veranstaltungen etc. gefördert werden.
Der Anstieg derjenigen, die Deutsch lernen, Deutsch unterrichten und im Fach Deutsch
tätig sind, ist seit den 1990er Jahren in absoluten Zahlen erheblich gestiegen. Im
Vergleich zu anderen Sprachen und insbesondere den Natur- und Technikwissenschaften
bleibt die Bedeutung jedoch begrenzt, da im schulischen und bildungsbezogenen Bereich
ein schnelles Wachstum verzeichnet wurde . Für das Fach Deutsch und die Germanistik
beginnt daher eine Phase der Erneuerung auf einem soliden Niveau. Zukünftige
Bemühungen sollten sich voraussichtlich auf die Qualitätssteigerung konzentrieren,
indem mehr Wert auf Fortbildung, die Öffnung von Schulen und Hochschulen gegenüber
der Gesellschaft, die Annahme akademischer Herausforderungen und die Neugestaltung
der Lehre gelegt wird.
“Die Germanistik hat sich seit 1977 an der Universität Tunis entwickelt. Universitäre
Neugründungen, Verlagerungen in die Vororte der Hauptstadt und eine landesweite
Dezentralisierung haben die Germanistik vor allem geographisch diversifiziert.
Inzwischen kann man an vier Hochschulen Deutsch bzw. Germanistik als Hauptfach
studieren. Als Nebenfach wird es an acht Hochschulen angeboten.
Das Goethe-Institut in Tunis ist mit Kursangebot, kulturellen Veranstaltungen und
Fortbildungen für Deutschlehrer fest im Lande verankert und bekannt. Darüber hinaus
gibt es eine Reihe privater Sprachschulen unterschiedlicher Qualität. "Eine Deutsche
Schule ist in Tunis im Aufbau begriffen.”7
6. Pflegekräfte Fachsprachenunterricht :
6.1 .Fachsprachenunterricht :
Unter Berufliche Fachsprache kann man die berufliche Kommunikation im
Zusammenhang der Pflegeberufen verstehen , die verschiedene Aspekte der alltäglichen
Arbeit von Pflegekräften umfasst .
7 Helmut Dietrich, Oran (Algerien) Deutsch als Fremd- und Zweitsprache Ein internationales Handbuch
Wenn man an die Interaktionen zwischen Pflegekräften und Patienten oder an kleine
Gespräche in den Pausen denkt, sieht man, dass es sich hierbei in erster Linie um einen
Austausch handelt, der unter die Alltagssprache fällt. Wenn man sich jedoch mit der
Kommunikation zwischen Arzt und Pfleger, der Dienstübergabe oder der Pflegeplanung
beschäftigt, wird die verwendete Sprache spezifischer und ist für Außenstehende nicht
unbedingt verständlich.
Fachsprache ist keine eigenständige Sprache, sondern eine Variante der
Allgemeinsprache, die spezifische Elemente des Fachgebiets enthält8. In der
theoretischen Diskussion wird "Fachsprachen" im Plural verwendet, da zahlreiche
Fachsprachen als Subsysteme der Allgemeinsprache gelten9 .
Einigkeit besteht darin, dass die Vermittlung von Sprach- und Fachwissen untrennbar
miteinander verbunden ist (Schmölzer-Eibinger 2013, 27). Das Ziel des
Fachsprachenunterrichts ist es, Lernende sprachlich handlungsfähig in ihrem Fach zu
machen (Buhlmann/Fearns 2000, 9). Der Fachsprachenunterricht konzentriert sich auf die
Vermittlung von Fachinhalten und sprachlichen Mitteln unter Berücksichtigung der
vorhandenen Fachkenntnisse der Lernenden. Um fach kommunikative Kompetenz zu
erreichen, ist eine Erweiterung des Fachsprachenunterrichts um interkulturelle und
soziale Inhalte notwendig (Haider 2010, 17).
Der berufsbezogene Fremdsprachenunterricht betont die Bedürfnisse der Lernenden im
Spracherwerb und kann zur Entwicklung fach kommunikativer Kompetenz beitragen
6.2. Berufsbezogener Fremdsprachenunterricht :
Es ist nicht einfach, eine klare Unterscheidung zwischen Fachsprachenunterricht und
berufsorientiertem Fremdsprachenunterricht zu treffen. Beide Unterrichtsformen haben
eine zielgerichtete Ausrichtung und beziehen sich auf bestimmte Arbeits-, Erfahrungs-
und Wissensbereiche. Es scheint daher nicht sinnvoll zu sein, den berufsbezogenen
Fremdsprachenunterricht im Vergleich zu anderen Unterrichtsformen zu definieren.
Seine Unterrichtsziele werden aus einer Vielzahl möglicher kommunikativer Handlungen
in der Arbeitswelt gezogen und sind nicht durch Abgrenzungen zum
allgemeinsprachlichen und fachsprachlichen Unterricht definierbar. Er richtet sich
vielmehr nach der Motivations-, Bedarfs- und Bedürfnislage der Lernenden.
Der berufsbezogene Fremdsprachenunterricht orientiert sich an den Bedürfnissen der
Lernenden und den Anforderungen der beruflichen Praxis und unterliegt dabei der
allgemeinen Fremdsprachendidaktik. Im Vergleich zum Fachsprachenunterricht bezieht
er sich stärker auf fachübergreifende und allgemeinsprachliche Mittel. Er versteht sich
8 (Drumm 2018, 19)
9 (Fluck 1996, 11)
weder als allgemeinsprachlicher DaF-Unterricht im Sinne schulischer Curricula, noch als
rein fachsprachlicher Kurs im Sinne eines einzelnen Faches oder Berufsfeldes.
Der berufsbezogene Fremdsprachenunterricht kann bereits in Anfängerkursen stattfinden,
da allgemeinsprachliche Inhalte nicht vernachlässigt werden – ein Vorwurf, dem sich der
Fachsprachenunterricht oft ausgesetzt sieht. Je nach Lernzielen, Inhalten und Zeitpunkt
des Unterrichts kann der berufsbezogene Fremdsprachenunterricht weiter differenziert
werden in: Berufsvorbereitender, berufsbegleitender oder berufsqualifizierender
Fremdsprachenunterricht. Im Folgenden werden die verschiedenen Formen und die
spezifische Charakteristik des berufsbezogenen Fremdsprachenunterrichts dargestellt.
6.3. Arten des berufsbezogenen Fremdsprachenunterrichts :
Der berufsbezogene Fremdsprachenunterricht basiert auf keiner konkreten
Berufserfahrung der Lernenden, sondern nur auf einer unspezifischen beruflichen
Motivation (vgl. Funk 2010, 26). Ein möglicher Anwendungsbereich ist der
berufsvorbereitende Erwachsenenunterricht sowie allgemeinsprachliche Kurse, in denen
frühzeitig Bezüge zu beruflichen Anwendungen integriert werden sollen, wie dies häufig
in Integrationskursen der Fall ist (vgl. Funk 2001, 963 ff.). Inhalte von
Fremdsprachenkursen zur Berufsvorbereitung sind z. B. das Schreiben von
Bewerbungen, das Führen von Vorstellungsgesprächen oder allgemeine Informationen
zum Berufseinstieg.
Im Gegensatz dazu baut der berufsbegleitende Fremdsprachenunterricht auf der
beruflichen Vorerfahrung der Teilnehmer sowie auf einer konkreten, aus der beruflichen
Perspektive gespeisten Motivation auf (vgl. ebd.). Berufsbegleitender
Fremdsprachenunterricht umfasst klare, situations- und branchenspezifische Lernziele,
die zur Bewältigung der sprachlichen Anforderungen am Arbeitsplatz notwendig sind 10.
Die Lehrkraft eines berufsbegleitenden Sprachkurses muss in der Lage sein, die
Bedürfnisse der Lernenden zu analysieren und entsprechend zu reagieren .
Eine weitere Art des berufsbezogenen Fremdsprachenunterrichts ist der
berufsqualifizierende Sprachunterricht, "der darauf zielt, Fremdsprachenkenntnisse zu
vermitteln, die für eine Zertifizierung als Voraussetzung für den Erwerb eines Berufs-
oder Hochschulabschlusses erforderlich sind”,
10 (vgl. Funk 2010, 26 f.)
B1 Niveau als qualifizierende Sprachniveau für Pflegekräfte :
Sprachniveaus B1und B2 gemäß dem Gemeinsamen Europäischen
Referenzrahmen für Sprachen :
In diesem Teil möchte ich die nicht nur B1 aber auch B2 Niveau Kann Beschreibungen
aus dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen anführen , die auf die relevanten
Kommunikationssituationen für Pflegekräfte anwendbar und zur Ausübung des
Krankenschwester Berufs entscheidenden sind .
Die Kann-Beschreibungen werden nach den Fertigkeiten (Hören, Lesen, Schreiben,
Sprechen) gegliedert .
Hören als rezeptive Fertigkeit :
Hörverstehen allgemein
B1 Kann grundlegende Sachinformationen zu alltäglichen
oder berufsbezogenen Themen verstehen, sofern sie klar
und mit einem vertrauten Akzent artikuliert sind. Kann
dabei sowohl Hauptaussagen als auch einzelne
Informationen erkennen.
Kann die Hauptgedanken erfassen, wenn in klarer,
standardsprachlicher Form über vertraute
Angelegenheiten gesprochen wird, die üblicherweise am
Arbeitsplatz, in der Ausbildung oder in der Freizeit
auftreten. Versteht auch kurze Erzählungen.
B2 Kann sowohl in direkten Gesprächen als auch in Medien
die Standardsprache verstehen, wenn es um vertraute
oder weniger vertraute Themen geht, wie sie im privaten,
gesellschaftlichen, beruflichen Leben oder in der
Ausbildung üblich sind. Einzig extrem laute
Hintergrundgeräusche, unangemessene Diskursstrukturen
oder starke Idiome können das Verständnis
beeinträchtigen
Kann längeren Redebeiträgen und komplexen
Argumentationen folgen, sofern das Thema zumindest
teilweise bekannt ist und der Verlauf der Rede oder des
Gesprächs durch klare Signale gekennzeichnet ist.
Lesen als rezeptive Fertigkeit
Korrespondenz lesen und verstehen
B1 Kann die Beschreibung von Ereignissen, Gefühlen und
Wünschen in privaten Briefen gut genug verstehen, um
regelmäßig mit einem Brieffreund oder einer
Brieffreundin zu korrespondieren
B2 Kann Korrespondenz aus seinem Interessengebiet lesen
und die Hauptaussage mühelos erfassen.
Schriftliche Anweisungen verstehen
B1 Kann klar formulierte und unkomplizierte Anleitungen
zur Bedienung eines Geräts verstehen.
B2 Kann lange und komplexe Anleitungen im eigenen
Fachgebiet verstehen, einschließlich detaillierter
Vorschriften oder Warnungen, wenn schwierige Passagen
mehrmals gelesen werden können.
Schreiben als produktive Fertigkeiten :
Schriftliche Produktion allgemein
B1 Kann einfache und zusammenhängende Texte zu
verschiedenen vertrauten Themen aus seinem/ ihrem
Interessengebiet schreiben, wobei die kürzeren
Abschnitte in einer linearen Reihenfolge verknüpft
werden.
B2
Kann klare und detaillierte Texte zu verschiedenen
Themen seines Interessengebiets schreiben und dabei
Informationen und Argumente aus unterschiedlichen
Quellen zusammenführen und abwägen .
Berichte und Aufsätze schreiben
B1 Kann einen kurzen, einfachen Aufsatz zu allgemein
interessierenden Themen verfassen. Kann im eigenen Fachgebiet
sicher größere Mengen von Sachinformationen über vertraute
Routine Angelegenheiten sowie weniger routinemäßige Themen
zusammenfassen, darüber berichten und Stellung dazu nehmen.
Kann sehr kurze Berichte in einem gängigen Standardformat
verfassen, um Sachinformationen zu vermitteln und Gründe für
Handlungen darzulegen.
B2
Kann komplexe Inhalte strukturiert in einem schriftlichen
Bericht oder Aufsatz präsentieren, wobei wichtige Punkte betont
und mit unterstützenden Details versehen werden. Zudem ist die
Fähigkeit , unterschiedliche Ideen oder Lösungsansätze kritisch
zu analysieren und zu vergleichen.
Kann in einem schriftlichen Aufsatz oder Bericht einen Diskurs
führen, indem Argumente für oder gegen einen spezifischen
Standpunkt dargelegt und die Vor- und Nachteile verschiedener
Alternativen aufgezeigt werden. Hat die Fähigkeit,
Informationen und Argumente aus diversen Quellen zu
integrieren.
Sprechen als produktive Fertigkeit :
Mündliche Produktion allgemein
B1 Kann relativ flüssig eine einfache, aber zusammenhängende
Beschreibung zu Themen aus ihren/seinen Interessengebieten
geben, wobei die einzelnen Punkte in einer logischen Reihenfolge
dargestellt werden.
B2 Kann Sachverhalte klar und systematisch erklären und dabei
wichtige Punkte und relevante unterstützende Details angemessen
hervorheben.
Kann zu einer Vielzahl von Themen aus seinen/ihren
Interessengebieten klare und detaillierte Beschreibungen und
Darstellungen liefern, Ideen ausführen und durch unterstützende
Punkte und relevante Beispiele untermauern.
Mündliche Interaktion allgemein
B2 Kann die Sprache flüssig, korrekt und wirkungsvoll verwendet
um über ein breites Spektrum allgemeiner, wissenschaftlicher,
beruflicher oder freizeit relevanter Themen zu sprechen und
dabei Zusammenhänge zwischen Ideen klar darzustellen. Kann
sich spontan und mit guter Beherrschung der Grammatik
verständigen, ohne den Eindruck zu erwecken, in dem, was
er/sie sagen möchte, eingeschränkt zu sein; der Grad an
Formalität ist den Umständen angemessen.
Kann sich so spontan und fließend verständigen, dass ein
normales Gespräch und anhaltende Beziehungen zu
Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten
gut möglich sind. Kann die Bedeutung von Ereignissen und
Erfahrungen für sich selbst hervorheben und Standpunkte
durch relevante Erklärungen und Argumente klar begründen
und verteidigen.
B1 Kann sich recht sicher über alltägliche Routine Angelegenheiten
und andere Themen aus dem persönlichen Interessens- oder
Berufsbereich austauschen. Ist in der Lage, Informationen zu teilen,
zu überprüfen und zu bestätigen, sowie mit weniger üblichen
Situationen umzugehen und Probleme zu erklären. Kann Gedanken
zu eher abstrakten kulturellen Themen wie Filmen, Büchern und
Musik äußern.
Kann eine Vielzahl einfacher sprachlicher Mittel verwenden, um die
meisten Situationen zu meistern, die typischerweise beim Reisen
auftreten. Kann ohne Vorbereitung an Gesprächen über vertraute
Themen teilnehmen, persönliche Meinungen äußern und
Informationen über Themen austauschen, die ihm/ihr vertraut sind,
von persönlichem Interesse oder auf das alltägliche Leben bezogen
sind (z. B. Familie, Hobbys, Arbeit, Reisen und aktuelle
Ereignisse).