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Profinet Step7 v17 Function Manual De-De

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PROFINET mit STEP 7

Vorwort

Wegweiser Dokumentation
Funktionshandbücher 1

2
SIMATIC Beschreibung

Parametrieren/Adressieren 3
PROFINET
PROFINET mit STEP 7 Diagnose und
4
Instandhaltung

Funktionen 5
Funktionshandbuch
PROFINET mit dem
redundanten System 6
S7-1500R/H

05/2021
A5E03444485-AL
Rechtliche Hinweise
Warnhinweiskonzept
Dieses Handbuch enthält Hinweise, die Sie zu Ihrer persönlichen Sicherheit sowie zur Vermeidung von
Sachschäden beachten müssen. Die Hinweise zu Ihrer persönlichen Sicherheit sind durch ein Warndreieck
hervorgehoben, Hinweise zu alleinigen Sachschäden stehen ohne Warndreieck. Je nach Gefährdungsstufe werden
die Warnhinweise in abnehmender Reihenfolge wie folgt dargestellt.

GEFAHR
bedeutet, dass Tod oder schwere Körperverletzung eintreten wird, wenn die entsprechenden
Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen werden.

WARNUNG
bedeutet, dass Tod oder schwere Körperverletzung eintreten kann, wenn die entsprechenden
Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen werden.

VORSICHT
bedeutet, dass eine leichte Körperverletzung eintreten kann, wenn die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen
nicht getroffen werden.

ACHTUNG
bedeutet, dass Sachschaden eintreten kann, wenn die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen
werden.
Beim Auftreten mehrerer Gefährdungsstufen wird immer der Warnhinweis zur jeweils höchsten Stufe verwendet.
Wenn in einem Warnhinweis mit dem Warndreieck vor Personenschäden gewarnt wird, dann kann im selben
Warnhinweis zusätzlich eine Warnung vor Sachschäden angefügt sein.
Qualifiziertes Personal
Das zu dieser Dokumentation zugehörige Produkt/System darf nur von für die jeweilige Aufgabenstellung
qualifiziertem Personal gehandhabt werden unter Beachtung der für die jeweilige Aufgabenstellung zugehörigen
Dokumentation, insbesondere der darin enthaltenen Sicherheits- und Warnhinweise. Qualifiziertes Personal ist auf
Grund seiner Ausbildung und Erfahrung befähigt, im Umgang mit diesen Produkten/Systemen Risiken zu erkennen
und mögliche Gefährdungen zu vermeiden.
Bestimmungsgemäßer Gebrauch von Siemens-Produkten
Beachten Sie Folgendes:

WARNUNG
Siemens-Produkte dürfen nur für die im Katalog und in der zugehörigen technischen Dokumentation
vorgesehenen Einsatzfälle verwendet werden. Falls Fremdprodukte und -komponenten zum Einsatz kommen,
müssen diese von Siemens empfohlen bzw. zugelassen sein. Der einwandfreie und sichere Betrieb der Produkte
setzt sachgemäßen Transport, sachgemäße Lagerung, Aufstellung, Montage, Installation, Inbetriebnahme,
Bedienung und Instandhaltung voraus. Die zulässigen Umgebungsbedingungen müssen eingehalten werden.
Hinweise in den zugehörigen Dokumentationen müssen beachtet werden.

Marken
Alle mit dem Schutzrechtsvermerk ® gekennzeichneten Bezeichnungen sind eingetragene Marken der
Siemens AG. Die übrigen Bezeichnungen in dieser Schrift können Marken sein, deren Benutzung durch Dritte für
deren Zwecke die Rechte der Inhaber verletzen kann.
Haftungsausschluss
Wir haben den Inhalt der Druckschrift auf Übereinstimmung mit der beschriebenen Hard- und Software geprüft.
Dennoch können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden, so dass wir für die vollständige Übereinstimmung
keine Gewähr übernehmen. Die Angaben in dieser Druckschrift werden regelmäßig überprüft, notwendige
Korrekturen sind in den nachfolgenden Auflagen enthalten.

Siemens AG A5E03444485-AL Copyright © Siemens AG 2013 - 2021.


Digital Industries Ⓟ 04/2021 Änderungen vorbehalten Alle Rechte vorbehalten
Postfach 48 48
90026 NÜRNBERG
DEUTSCHLAND
Vorwort

Zweck der Dokumentation


Das vorliegende Funktionshandbuch vermittelt einen Überblick über das
Kommunikationssystem PROFINET zusammen mit SIMATIC STEP 7 V17.
STEP 7 V17 ist integriert in das leistungsstarke grafische Totally Integrated Automation Portal
(TIA Portal), die Integrations-Plattform für alle Automation-Software-Tools.
Dieses Funktionshandbuch unterstützt Sie bei der Planung eines PROFINET-Systems. Das
vorliegende Handbuch ist nach folgenden Themenbereichen gegliedert:
• PROFINET-Grundlagen
• PROFINET-Diagnose
• PROFINET-Funktionen

Erforderliche Grundkenntnisse
Zum Verständnis des Handbuchs sind folgende Kenntnisse erforderlich:
• Allgemeine Kenntnisse auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik
• Kenntnisse des Industrieautomatisierungssystems SIMATIC
• Kenntnisse über die Verwendung von Windows-Computern
• Kenntnisse im Umgang mit STEP 7 (TIA Portal)

Gültigkeitsbereich
Die vorliegende Dokumentation gilt als Grundlagendokumentation für alle SIMATIC-Produkte
aus dem PROFINET-Umfeld. Die Produkt-Dokumentationen bauen auf dieser Dokumentation
auf.
Die Beispiele stützen sich auf die Funktionalität des Automatisierungssystems S7-1500.

PROFINET mit STEP 7


3 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Vorwort

Was ist neu im Funktionshandbuch PROFINET, Ausgabe 05/2021 gegenüber Ausgabe 11/2018

Funktion Was ist der Kundennutzen? Wo finden Sie die Information?


MRP-Interconnection Das Verfahren MRP-Interconnection ist eine Kap. MRP-Interconnection (Seite 191)
Erweiterung von MRP. MRP-Interconnection Kap. MRP-Interconnection mit dem redundanten
ermöglicht die redundante Kopplung von 2 System S7-1500R/H (Seite 320)
oder mehr Ringen mit MRP in PROFINET-
[Link]-Interconnection bietet Ihnen
folgende Vorteile:Beim Aufbau von redundan-
ten Netzwerktopologien keine Beschränkung
auf die max. Geräteanzahl von 50 Geräten in
einem Ring.Überwachung von größeren Topo-
logien mit Ringredundanz.
I-Device aktivie- Mit der Anweisung "D_ACT_DP" können Sie die Kap. I-Device im Anwenderprogramm der I-
ren/deaktivieren I-Device-Funktion im Anwenderprogramm der Device-CPU aktivieren/deaktivieren (Seite 148)
I-Device-CPU lokal deaktivieren bzw. aktivieren.

Was ist neu im Funktionshandbuch PROFINET, Ausgabe 11/2019 gegenüber Ausgabe 10/2018

Funktion Was ist der Kundennutzen? Wo finden Sie die Information?


Direkter Datenaus- Beim direkten Datenaustausch stellt eine Kap. Direkter Datenaustausch (Seite 234)
tausch S7-1500 CPU einem oder mehreren Partnern
zyklisch Nutzdaten aus dem Peripheriebereich
(E/A) zur Verfügung.
Die Funktion "Direkter Datenaustausch" ermög-
licht eine deterministische, taktsynchrone
IO-Kommunikation zwischen mehreren
S7-1500 CPUs.
Geschaltetes Die Funktion "Geschaltetes S1-Device" der CPU Kap. Geschaltetes S1-Device (Seite 304)
S1-Device ermöglicht den Betrieb von Standard-IO-
Devices im redundanten System S7-1500R/H.

Was ist neu im Funktionshandbuch PROFINET, Ausgabe 10/2018 gegenüber Ausgabe 12/2017
Gegenüber der Vorgängerversion (Ausgabestand 12/2017) enthält das vorliegende Handbuch
(Ausgabestand 10/2018) folgende neue Funktionen:

Funktion Anwendungen Ihr Nutzen


PROFINET IO mit dem In einem PROFINET IO-System mit dem redun- Das redundante System S7-1500R/H bietet ein
redundanten System danten System S7-1500R/H wird die hohes Maß an Zuverlässigkeit und Anlagenver-
S7-1500R/H IO-Kommunikation auch bei Ausfall einer CPU fügbarkeit. Ein redundanter Aufbau der wichtigs-
fortgesetzt. ten Automatisierungskomponenten reduziert die
Wahrscheinlichkeit von Produktionsausfällen und
die Folgen von Komponentenfehlern.

PROFINET mit STEP 7


4 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Vorwort

Was ist neu im Funktionshandbuch PROFINET, Ausgabe 12/2017 gegenüber Ausgabe 09/2016
Gegenüber der Vorgängerversion (Ausgabestand 09/2016) enthält das vorliegende Handbuch
(Ausgabestand 12/2017) folgende neue Funktionen:

Funktion Anwendungen Ihr Nutzen


Router für ein Sie können für jedes IO-Device die IP-Adresse Bisher war es nur möglich, für eine
PROFINET IO-Device eines Routers festlegen. Über den Router errei- PROFINET IO-Schnittstelle am IO-Controller einen
festlegen chen Sie das IO-Device von außerhalb des Router festzulegen. Die IO-Devices erbten die
IP-Subnetzes. Einstellung von der Schnittstelle des
IO-Controllers.
Nun können Sie die Router-Adresse unabhängig
vom IO-Controller einstellen. Dies erlaubt z. B.
eine Router-Adresse am IO-Device obwohl Sie
keine oder eine andere Router-Adresse am
IO-Controller eingestellt haben.
IO-Device konfigurie- Sie können ein bestehendes IO-Device erken- STEP 7 fügt das IO-Device mit allen Modulen und
ren über die Hard- nen und in Ihr Projekt übernehmen. Submodulen in das Projekt ein. Artikelnummern
ware-Erkennung und Firmware-Versionen zwischen realen und
projektierten IO-Devices stimmen überein.
Sie sparen Projektierungsaufwand.
Asset Management Sie können Nicht-PROFINET-Komponenten Der neue genormte PROFINET-Service ermöglicht
(Assets) eines PROFINET-Geräts zentral verwal- es Ihnen, alle Hardware- und Firmware-
ten. Das PROFINET-Gerät stellt die Identifikati- Komponenten von PROFINET-Geräten zentral zu
onsdaten der Assets über einen genormten verwalten. Es obliegt dem Leistungsumfang der
Datensatz zur Auswertung zur Verfügung. auswertenden Anwendung, welche Möglichkei-
ten z. B. der Filterung von Gerätedaten zur Verfü-
gung stehen.
Asset Manage- Spezielle Anwendung von Asset Management: Siehe Asset Management.
ment Datensatz für Die im I-Device gesteckten Module bilden aus
I-Devices Sicht eines übergeordneten IO-Controllers
Assets; das Anwenderprogramm im I-Device
stellt den Asset-Management-Datensatz zu-
sammen. Der IO-Controller kann Identifikati-
onsdaten der I-Device-Module über diesen
Datensatz lesen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 5
Vorwort

Was ist neu im Funktionshandbuch PROFINET, Ausgabe 09/2016 gegenüber Ausgabe 12/2014
Gegenüber der Vorgängerversion (Ausgabestand 12/2014) enthält das vorliegende Handbuch
(Ausgabestand 09/2016) folgende neue Funktionen:

Funktion Anwendungen Ihr Nutzen


PROFINET IO an der 2. Sie können an der CPU ein weiteres Sie nutzen einen Feldbustyp in der Anlage.
PROFINET- PROFINET IO-System betreiben oder zusätzliche Über den zweiten Strang kann die CPU als I-
Schnittstelle IO-Devices anschließen. Device schnell und deterministisch Daten mit
einem übergeordneten Controller austauschen
(PROFINET/Ethernet).
IRT mit sehr kurzen Sie realisieren High End Anwendungen mit IO- Sie ermöglichen auch bei Sendetakten von 125 µs
Datenzyklus-Zeiten bis Kommunikation, die höchste Performance- eine PROFINET IO-Kommunikation und Standard-
zu 125 µs Ansprüche an die IO-Verarbeitung haben. kommunikation über eine Leitung.
MRPD: Media Redun- Sie realisieren Applikationen mit PROFINET IO Durch das Versenden der zyklischen IO-Daten in
dancy with Planned IRT, die besonders hohe Anforderungen an die beide Richtungen im Ring bleibt die Kommunika-
Duplication of frames Ausfallsicherheit und Genauigkeit (Taktsyn- tion zu den IO-Devices auch bei einer Unterbre-
chronität) stellen. chung im Ring erhalten und führt auch bei
kleinen Aktualisierungszeiten nicht zu einem
Deviceausfall. Sie erreichen eine höhere Ausfallsi-
cherheit als mit MRP.
PROFINET Perfor- Sie realisieren Anwendungen mit hohen An- Eine bessere Ausnutzung der Bandbreite führt zu
manceupgrade forderungen an die Geschwindigkeit und Takte. kurzen Reaktionszeiten.
Das ist für Anwendungen mit hohen Anforde-
rungen an die Performance interessant.
Begrenzung der Da- Sie begrenzen die Netzlast von Standard- Sie glätten Spitzen in der Dateneinspeisung.
teneinspeisung ins Ethernet-Kommunikation auf einen maximalen Sie teilen verbleibende Bandbreite bedarfsgerecht
Netz Wert. auf.

Konventionen
STEP 7: Zur Bezeichnung der Projektier- und Programmiersoftware wird in der vorliegenden
Dokumentation "STEP 7" synonym für "STEP 7 ab V12 (TIA Portal)" und Folgeversionen
verwendet.
Die vorliegende Dokumentation enthält Abbildungen zu den beschriebenen Geräten. Die
Abbildungen können vom gelieferten Gerät in Einzelheiten abweichen.
Beachten Sie auch die folgendermaßen gekennzeichneten Hinweise:

Hinweis
Ein Hinweis enthält wichtige Informationen zum Produkt, zur Handhabung des Produkts oder
zu dem Teil der Dokumentation, auf den besonders aufmerksam gemacht werden soll.

PROFINET mit STEP 7


6 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Vorwort

Security-Hinweise
Siemens bietet Produkte und Lösungen mit Industrial Security-Funktionen an, die den
sicheren Betrieb von Anlagen, Systemen, Maschinen und Netzwerken unterstützen.
Um Anlagen, Systeme, Maschinen und Netzwerke gegen Cyber-Bedrohungen zu sichern, ist
es erforderlich, ein ganzheitliches Industrial Security-Konzept zu implementieren (und
kontinuierlich aufrechtzuerhalten), das dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Die
Produkte und Lösungen von Siemens formen einen Bestandteil eines solchen Konzepts.
Die Kunden sind dafür verantwortlich, unbefugten Zugriff auf ihre Anlagen, Systeme,
Maschinen und Netzwerke zu verhindern. Diese Systeme, Maschinen und Komponenten
sollten nur mit dem Unternehmensnetzwerk oder dem Internet verbunden werden, wenn
und soweit dies notwendig ist und nur wenn entsprechende Schutzmaßnahmen
(z. B. Firewalls und/oder Netzwerksegmentierung) ergriffen wurden.
Weiterführende Informationen zu möglichen Schutzmaßnahmen im Bereich Industrial
Security finden Sie unter ([Link]
Die Produkte und Lösungen von Siemens werden ständig weiterentwickelt, um sie noch
sicherer zu machen. Siemens empfiehlt ausdrücklich, Produkt-Updates anzuwenden, sobald
sie zur Verfügung stehen und immer nur die aktuellen Produktversionen zu verwenden. Die
Verwendung veralteter oder nicht mehr unterstützter Versionen kann das Risiko von
Cyber-Bedrohungen erhöhen.
Um stets über Produkt-Updates informiert zu sein, abonnieren Sie den Siemens Industrial
Security RSS Feed unter ([Link]

Siemens Industry Online Support


Aktuelle Informationen erhalten Sie schnell und einfach zu folgenden Themen:
• Produkt-Support
Alle Informationen und umfangreiches Know-how rund um Ihr Produkt, Technische
Daten, FAQs, Zertifikate, Downloads und Handbücher.
• Anwendungsbeispiele
Tools und Beispiele zur Lösung Ihrer Automatisierungsaufgabe – außerdem
Funktionsbausteine, Performance-Aussagen und Videos.
• Services
Informationen zu Industry Services, Field Services, Technical Support, Ersatzteilen und
Trainingsangeboten.
• Foren
Für Antworten und Lösungen rund um die Automatisierungstechnik.
• mySupport
Ihr persönlicher Arbeitsbereich im Siemens Industry Online Support für
Benachrichtigungen, Support-Anfragen und konfigurierbare Dokumente.
Diese Informationen bietet Ihnen der Siemens Industry Online Support im Internet
([Link]

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 7
Vorwort

Industry Mall
Die Industry Mall ist das Katalog- und Bestellsystem der Siemens AG für Automatisierungs-
und Antriebslösungen auf Basis von Totally Integrated Automation (TIA) und Totally
Integrated Power (TIP).
Kataloge zu allen Produkten der Automatisierungs- und Antriebstechnik finden Sie im
Internet ([Link] sowie im Information and Download Center.

PROFINET mit STEP 7


8 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Inhaltsverzeichnis

Vorwort .................................................................................................................................................. 3
1 Wegweiser Dokumentation Funktionshandbücher ............................................................................ 13
2 Beschreibung ....................................................................................................................................... 18
2.1 Einführung in PROFINET ..................................................................................................... 18
2.1.1 Begriffe bei PROFINET ........................................................................................................ 20
2.1.2 Grundbegriffe der Kommunikation ..................................................................................... 23
2.1.3 PROFINET-Schnittstelle ....................................................................................................... 26
2.1.4 Umsetzung des PROFINET-Gerätemodells in SIMATIC .......................................................... 30
2.2 Aufbauen von PROFINET .................................................................................................... 31
2.2.1 Aktive Netzkomponenten................................................................................................... 32
2.2.2 Verkabelungstechnik ......................................................................................................... 34
2.2.3 Drahtloser Aufbau.............................................................................................................. 37
[Link] Grundlagen ....................................................................................................................... 37
[Link] Tipps zum Aufbau .............................................................................................................. 39
2.2.4 Netzsicherheit ................................................................................................................... 40
[Link] Grundlagen ....................................................................................................................... 40
[Link] Netzkomponenten und Software ....................................................................................... 42
[Link] Anwendungsbeispiel.......................................................................................................... 43
3 Parametrieren/Adressieren .................................................................................................................. 45
3.1 IO-Device einem IO-Controller zuordnen ............................................................................ 46
3.2 Gerätename und IP-Adresse ............................................................................................... 48
3.2.1 Gerätename ...................................................................................................................... 49
3.2.2 IP-Adresse .......................................................................................................................... 50
3.2.3 Gerätename und IP-Adresse vergeben ................................................................................ 53
3.2.4 Gerätenamen zuweisen über Kommunikationstabelle ........................................................ 58
3.2.5 Anpassen des Gerätenamens und der IP-Adresse direkt am Gerät erlauben ......................... 61
3.3 IO-Device konfigurieren über die Hardware-Erkennung ...................................................... 63
3.4 Router für ein PROFINET IO-Device festlegen ...................................................................... 64
3.5 Topologie projektieren ....................................................................................................... 68
3.5.1 Topologiesicht in STEP 7 .................................................................................................... 71
3.5.2 Ports verschalten in der Topologiesicht............................................................................... 74
3.5.3 Ports verschalten - Inspektorfenster.................................................................................... 75
3.5.4 Automatische Zuordnung von Geräten durch den Offline-/Online-Vergleich ........................ 76
3.5.5 Online ermittelte Portverschaltungen manuell in das Projekt übernehmen .......................... 77
3.5.6 Online ermittelte Geräte manuell in das Projekt übernehmen ............................................. 78
3.5.7 Automatische Zuordnung von Geräten durch den Erweiterten Offline /Online-Vergleich ..... 79
4 Diagnose und Instandhaltung ............................................................................................................. 80
4.1 Diagnosemechanismen von PROFINET IO ........................................................................... 80
4.1.1 Diagnoseebenen bei PROFINET IO ...................................................................................... 82
4.2 Diagnose über LEDs ........................................................................................................... 84

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 9
Inhaltsverzeichnis

4.3 Diagnose über das Display der S7-1500 CPUs ..................................................................... 85


4.4 Diagnose über den Webserver ............................................................................................ 89
4.5 Online-Diagnose mit STEP 7 ............................................................................................... 93
4.6 Erweitertes Maintenance-Konzept ...................................................................................... 96
4.7 Diagnose der Netzwerktopologie ....................................................................................... 98
4.8 Diagnose im Anwenderprogramm...................................................................................... 99
4.8.1 Diagnose- und Konfigurationsdatensätze ........................................................................... 99
4.8.2 Diagnose im Anwenderprogramm auswerten ................................................................... 101
4.9 Instandhaltung ................................................................................................................ 104
4.9.1 I&M-Daten (Identification and Maintenance) .................................................................... 104
4.9.2 I&M-Daten in PROFINET-IO-Geräte und ihre Module laden ................................................ 104
4.9.3 Asset Management .......................................................................................................... 106
[Link] Wissenswertes zum Asset Management bei PROFINET ...................................................... 106
[Link] Inhalt und Struktur eines Asset-Management-Datensatzes ................................................ 108
[Link] Asset-Management-Datensatz für I-Devices ...................................................................... 115
5 Funktionen ........................................................................................................................................ 120
5.1 Andere Bussysteme anbinden .......................................................................................... 120
5.1.1 Kopplung von PROFINET und PROFIBUS ............................................................................ 122
5.1.2 DP-Slave über IE/PB-Link an ein PROFINET IO-System anbinden ......................................... 123
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices) .................................................................................... 126
5.2.1 Funktionalität I-Device ..................................................................................................... 126
5.2.2 Eigenschaften und Vorteile des I-Devices.......................................................................... 127
5.2.3 Ausprägungen eines I-Devices.......................................................................................... 128
5.2.4 Datenaustausch zwischen über- und untergeordnetem IO-System .................................... 132
5.2.5 I-Device projektieren ........................................................................................................ 134
5.2.6 Programmbeispiel ............................................................................................................ 137
5.2.7 Diagnose und Alarmverhalten .......................................................................................... 140
5.2.8 Regeln zur Topologie eines PROFINET IO-Systems mit I-Device .......................................... 142
5.2.9 Randbedingungen beim Einsatz von I-Devices .................................................................. 145
5.2.10 PROFIenergy bei I-Devices projektieren............................................................................. 146
5.2.11 I-Device im Anwenderprogramm der I-Device-CPU aktivieren/deaktivieren ........................ 148
5.3 Shared Device .................................................................................................................. 153
5.3.1 Wissenswertes zu Shared Devices..................................................................................... 153
5.3.2 Shared Device konfigurieren ............................................................................................ 157
5.3.3 I-Device als Shared Device konfigurieren .......................................................................... 161
5.3.4 Modulinternes Shared Input/Shared Output (MSI/MSO) .................................................... 170
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien) ................................................................................. 177
5.4.1 Media Redundancy Protocol (MRP) ................................................................................... 178
5.4.2 Medienredundanz projektieren ........................................................................................ 181
5.4.3 Media Redundancy with Planned Duplication of frames (MRPD; nicht für S7-1500R/H) ...... 184
5.4.4 Mehrfachringe ................................................................................................................. 186
5.4.5 MRP-Interconnection ....................................................................................................... 191

PROFINET mit STEP 7


10 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Inhaltsverzeichnis

5.5 Echtzeitkommunikation ................................................................................................... 195


5.5.1 Einführung ...................................................................................................................... 195
5.5.2 RT .................................................................................................................................... 196
5.5.3 IRT ................................................................................................................................... 197
5.5.4 RT und IRT im Vergleich.................................................................................................... 200
5.5.5 PROFINET IO mit IRT projektieren ..................................................................................... 200
5.5.6 Bandbreitennutzung für den Sendetakt einstellen ............................................................ 204
5.5.7 Aufbauempfehlungen zum Optimieren von PROFINET ...................................................... 205
5.5.8 Begrenzung der Dateneinspeisung ins Netz ...................................................................... 209
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade ................................................................................ 210
5.6.1 Dynamic Frame Packing ................................................................................................... 211
5.6.2 Fragmentierung............................................................................................................... 213
5.6.3 Fast Forwarding ............................................................................................................... 214
5.6.4 IRT mit höchster Performance projektieren ....................................................................... 215
5.6.5 Beispielkonfiguration für IRT mit höchster Performance .................................................... 219
5.7 Taktsynchronität .............................................................................................................. 220
5.7.1 Was ist Taktsynchronität? ................................................................................................. 220
5.7.2 Einsatz der Taktsynchronität ............................................................................................ 221
5.7.3 Zeitlicher Ablauf der Synchronisation am PROFINET IO ..................................................... 223
5.7.4 Taktsynchronität projektieren .......................................................................................... 224
[Link] Einleitung ........................................................................................................................ 224
[Link] Taktsynchronität am PROFINET IO projektieren ................................................................. 226
[Link] Applikationszyklus und Verzögerungszeit einstellen ......................................................... 228
5.7.5 Taktsynchronität programmieren ..................................................................................... 230
[Link] Grundlagen der Programmierung ..................................................................................... 230
[Link] Programmbearbeitung nach dem EVA-Modell .................................................................. 231
[Link] Programmbearbeitung nach dem AEV-Modell .................................................................. 232
5.8 Direkter Datenaustausch .................................................................................................. 234
5.8.1 Einleitung ........................................................................................................................ 234
5.8.2 Direkten Datenaustausch zwischen 2 S7-1500 CPUs projektieren ...................................... 237
5.8.3 Direkten Datenaustausch zwischen mehreren IO-Controllern projektieren ........................ 240
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium ................................................................................ 245
5.9.1 Funktion Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG ............................................................. 246
5.9.2 Austausch eines IO-Devices ohne Wechselmedium ........................................................... 248
5.9.3 Überschreiben des PROFINET-Gerätenamens erlauben ...................................................... 250
5.10 Serienmaschinen-Projekte ................................................................................................ 253
5.10.1 Mehrfach einsetzbare IO-Systeme .................................................................................... 254
[Link] Wissenswertes zu mehrfach einsetzbaren IO-Systemen .................................................... 254
[Link] Mehrfach einsetzbare IO-Systeme konfigurieren ............................................................... 259
[Link] Mehrfach einsetzbare IO-Systeme vor Ort anpassen ......................................................... 262
5.10.2 Konfigurationssteuerung für IO-Systeme .......................................................................... 264
[Link] Wissenswertes zur Konfigurationssteuerung von IO-Systemen .......................................... 264
[Link] Optionale IO-Devices parametrieren ................................................................................. 267
[Link] Optionale IO-Devices im Programm aktivieren .................................................................. 269
[Link] Flexible Anordnung von IO-Devices parametrieren ........................................................... 276
[Link] Anordnung von IO-Devices im Programm anpassen .......................................................... 279
[Link] Systemverhalten und Regeln ............................................................................................ 282

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 11
Inhaltsverzeichnis

5.11 Energie sparen mit PROFIenergy ...................................................................................... 284


5.12 Docking Systeme ............................................................................................................. 286
5.12.1 Docking Systeme projektieren .......................................................................................... 288
5.13 Hochlauf beschleunigen .................................................................................................. 291
5.13.1 Möglichkeiten zum Beschleunigen des Hochlaufs von IO-Devices ..................................... 291
5.13.2 Priorisierter Hochlauf ....................................................................................................... 293
5.13.3 Priorisierten Hochlauf projektieren ................................................................................... 295
5.13.4 Porteinstellungen optimieren ........................................................................................... 296
5.13.5 Verkabelung der Ports optimieren .................................................................................... 297
5.13.6 Maßnahmen im Anwenderprogramm .............................................................................. 298
6 PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H ....................................................................... 299
6.1 Medienredundanz am redundanten System S7-1500R/H .................................................. 300
6.2 H-Sync-Forwarding .......................................................................................................... 300
6.3 Systemredundanz S2 ....................................................................................................... 302
6.4 Geschaltetes S1-Device .................................................................................................... 304
6.5 Wesentliche Unterschiede zwischen IO-Device mit Systemredundanz S2 und Standard-
IO-Device ......................................................................................................................... 307
6.6 Aufbauvorschriften .......................................................................................................... 308
6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H konfigurieren ............................ 309
6.8 IO-Device dem redundanten System S7-1500R/H zuordnen .............................................. 315
6.9 Medienredundanz (MRP) für eine Konfiguration mit dem redundanten System S7-
1500R/H projektieren ....................................................................................................... 318
6.10 MRP-Interconnection mit dem redundanten System S7-1500R/H ...................................... 320
Glossar ............................................................................................................................................... 323
Index .................................................................................................................................................. 339

PROFINET mit STEP 7


12 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Wegweiser Dokumentation Funktionshandbücher 1
Die Dokumentation für das Automatisierungssystem SIMATIC S7-1500, für die auf SIMATIC
S7-1500 basierenden CPUs 1513/1516pro-2 PN und die Dezentralen Peripheriesysteme
SIMATIC ET 200MP, ET 200SP und ET 200AL gliedert sich in drei Bereiche.
Die Aufteilung bietet Ihnen die Möglichkeit, gezielt auf die gewünschten Inhalte zuzugreifen.

Basisinformationen
Systemhandbücher und Getting Started beschreiben ausführlich die Projektierung, Montage,
Verdrahtung und Inbetriebnahme der Systeme SIMATIC S7-1500, ET 200MP, ET 200SP und
ET 200AL, für die CPUs 1513/1516pro-2 PN nutzen Sie die entsprechenden
Betriebsanleitungen. Die Online-Hilfe von STEP 7 unterstützt Sie bei der Projektierung und
Programmierung.

Geräteinformationen
Gerätehandbücher enthalten eine kompakte Beschreibung der modulspezifischen
Informationen wie Eigenschaften, Anschlussbilder, Kennlinien, Technische Daten.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 13
Wegweiser Dokumentation Funktionshandbücher

Übergreifende Informationen
In den Funktionshandbüchern finden Sie ausführliche Beschreibungen zu übergreifenden
Themen, z. B. Diagnose, Kommunikation, Motion Control, Webserver, OPC UA.
Die Dokumentation finden Sie zum kostenlosen Download im Internet
([Link]
Änderungen und Ergänzungen zu den Handbüchern werden in Produktinformationen
dokumentiert.
Sie finden die Produktinformationen im Internet:
• S7-1500/ET 200MP ([Link]
• ET 200SP ([Link]

Manual Collections
Die Manual Collections beinhalten die vollständige Dokumentation zu den Systemen
zusammengefasst in einer Datei.
Sie finden die Manual Collections im Internet:
• S7-1500/ET 200MP ([Link]
• ET 200SP ([Link]
• ET 200AL ([Link]

"mySupport"
Mit "mySupport", Ihrem persönlichen Arbeitsbereich, machen Sie das Beste aus Ihrem
Industry Online Support.
In "mySupport" können Sie Filter, Favoriten und Tags ablegen, CAx-Daten anfordern und sich
im Bereich Dokumentation Ihre persönliche Bibliothek zusammenstellen. Des Weiteren sind in
Support-Anfragen Ihre Daten bereits vorausgefüllt und Sie können sich jederzeit einen
Überblick über Ihre laufenden Anfragen verschaffen.
Um die volle Funktionalität von "mySupport" zu nutzen, müssen Sie sich einmalig registrieren.
Sie finden "mySupport" im Internet ([Link]

"mySupport" - Dokumentation
Mit "mySupport", Ihrem persönlichen Arbeitsbereich, machen Sie das Beste aus Ihrem
Industry Online Support.
In "mySupport" können Sie Filter, Favoriten und Tags ablegen, CAx-Daten anfordern und sich
im Bereich Dokumentation Ihre persönliche Bibliothek zusammenstellen. Des Weiteren sind in
Support-Anfragen Ihre Daten bereits vorausgefüllt und Sie können sich jederzeit einen
Überblick über Ihre laufenden Anfragen verschaffen.
Um die volle Funktionalität von "mySupport" zu nutzen, müssen Sie sich einmalig registrieren.
Sie finden "mySupport" im Internet
([Link]

PROFINET mit STEP 7


14 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Wegweiser Dokumentation Funktionshandbücher

"mySupport" - CAx-Daten
In "mySupport" haben Sie im Bereich CAx-Daten die Möglichkeit auf aktuelle Produktdaten für
Ihr CAx- oder CAe-System zuzugreifen.
Mit wenigen Klicks konfigurieren Sie Ihr eigenes Download-Paket.
Sie können dabei wählen:
• Produktbilder, 2D-Maßbilder, 3D-Modelle, Geräteschaltpläne, EPLAN-Makrodateien
• Handbücher, Kennlinien, Bedienungsanleitungen, Zertifikate
• Produktstammdaten
Sie finden "mySupport" - CAx-Daten im Internet
([Link]

Anwendungsbeispiele
Die Anwendungsbeispiele unterstützen Sie mit verschiedenen Tools und Beispielen bei der
Lösung Ihrer Automatisierungsaufgaben. Dabei werden Lösungen im Zusammenspiel
mehrerer Komponenten im System dargestellt - losgelöst von der Fokussierung auf einzelne
Produkte.
Sie finden die Anwendungsbeispiele im Internet
([Link]

TIA Selection Tool


Mit dem TIA Selection Tool können Sie Geräte für Totally Integrated Automation (TIA)
auswählen, konfigurieren und bestellen.
Es ist der Nachfolger des SIMATIC Selection Tools und fasst die bereits bekannten
Konfiguratoren für die Automatisierungstechnik in einem Werkzeug zusammen.
Mit dem TIA Selection Tool erzeugen Sie aus Ihrer Produktauswahl oder Produktkonfiguration
eine vollständige Bestellliste.
Sie finden das TIA Selection Tool im Internet
([Link]

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 15
Wegweiser Dokumentation Funktionshandbücher

SIMATIC Automation Tool


Mit dem SIMATIC Automation Tool können Sie unabhängig vom TIA Portal gleichzeitig an
verschiedenen SIMATIC S7-Stationen Inbetriebsetzungs- und Servicetätigkeiten als
Massenoperation ausführen.
Das SIMATIC Automation Tool bietet eine Vielzahl von Funktionen:
• Scannen eines PROFINET/Ethernet Anlagennetzes und Identifikation aller verbundenen
CPUs
• Adresszuweisung (IP, Subnetz, Gateway) und Stationsname (PROFINET Device) zu einer
CPU
• Übertragung des Datums und der auf UTC-Zeit umgerechneten PG/PC-Zeit auf die
Baugruppe
• Programm-Download auf CPU
• Betriebsartenumstellung RUN/STOP
• CPU-Lokalisierung mittels LED-Blinken
• Auslesen von CPU-Fehlerinformation
• Lesen des CPU Diagnosepuffers
• Rücksetzen auf Werkseinstellungen
• Firmwareaktualisierung der CPU und angeschlossener Module
Sie finden das SIMATIC Automation Tool im Internet
([Link]

PRONETA
Mit SIEMENS PRONETA (PROFINET Netzwerk-Analyse) analysieren Sie im Rahmen der
Inbetriebnahme das Anlagennetz. PRONETA verfügt über zwei Kernfunktionen:
• Die Topologie-Übersicht scannt selbsttätig das PROFINET und alle angeschlossenen
Komponenten.
• Der IO-Check ist ein schneller Test der Verdrahtung und des Modulausbaus einer Anlage.
Sie finden SIEMENS PRONETA im Internet
([Link]

PROFINET mit STEP 7


16 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Wegweiser Dokumentation Funktionshandbücher

SINETPLAN
SINETPLAN, der Siemens Network Planner, unterstützt Sie als Planer von
Automatisierungsanlagen und -netzwerken auf Basis von PROFINET. Das Tool erleichtert
Ihnen bereits in der Planungsphase die professionelle und vorausschauende Dimensionierung
Ihrer PROFINET-Installation. Weiterhin unterstützt Sie SINETPLAN bei der
Netzwerkoptimierung und hilft Ihnen, Netzwerkressourcen bestmöglich auszuschöpfen und
Reserven einzuplanen. So vermeiden Sie Probleme bei der Inbetriebnahme oder Ausfälle im
Produktivbetrieb schon im Vorfeld eines geplanten Einsatzes. Dies erhöht die Verfügbarkeit
der Produktion und trägt zur Verbesserung der Betriebssicherheit bei.
Die Vorteile auf einen Blick
• Netzwerkoptimierung durch portgranulare Berechnung der Netzwerklast
• höhere Produktionsverfügbarkeit durch Onlinescan und Verifizierung bestehender
Anlagen
• Transparenz vor Inbetriebnahme durch Import und Simulierung vorhandener STEP7
Projekte
• Effizienz durch langfristige Sicherung vorhandener Investitionen und optimale
Ausschöpfung der Ressourcen
Sie finden SINETPLAN im Internet ([Link]

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 17
Beschreibung 2
2.1 Einführung in PROFINET

Was ist PROFINET IO?


Im Rahmen von Totally Integrated Automation (TIA) ist PROFINET IO die konsequente
Zusammenführung von:
• PROFIBUS DP, dem etablierten Feldbus, und
• Industrial Ethernet
PROFINET IO setzt auf über 20 Jahre Erfahrung mit PROFIBUS DP auf und verbindet
gewohntes Anwenderhandling mit der gleichzeitigen Nutzung von innovativen Konzepten
der Ethernet-Technologie. Die Integration von PROFIBUS DP in die PROFINET-Welt ist dabei
sichergestellt.
PROFINET IO als Ethernet-basierter Automatisierungsstandard von PROFIBUS/PROFINET
International definiert damit ein herstellerübergreifendes Kommunikations-,
Automatisierungs- und Engineering-Modell.

Ziele von PROFINET


Die Zielsetzung von PROFINET:
• Industrielle Vernetzung, basierend auf Industrial Ethernet (offener Ethernet-Standard)
• Kompatibilität von Industrial Ethernet und Standard Ethernet-Komponenten
• Hohe Robustheit durch Industrial Ethernet-Geräte. Industrial Ethernet-Geräte sind für die
industrielle Umgebung (Temperatur, Störsicherheit, usw.) geeignet.
• Nutzung von IT-Standards wie TCP/IP, http
• Echtzeitfähigkeit
• Nahtlose Integration anderer Feldbus-Systeme

PROFINET mit STEP 7


18 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Umsetzung von PROFINET in der SIMATIC


PROFINET wird in der SIMATIC wie folgt umgesetzt:
• Kommunikation zwischen Feldgeräten ist in der SIMATIC mit PROFINET IO umgesetzt.
• Installationstechnik und Netzkomponenten sind als SIMATIC NET-Produkte verfügbar.
• Für Fernwartung und Netzwerkdiagnose werden Protokolle und Verfahren des Ethernet-
Standards verwendet (z. B. SNMP = Simple Network Management Protocol für
Netzwerkparametrierung und -diagnose).

Bild 2-1 PROFINET Übersichtskonfiguration

STEP 7
Das Engineering-Tool STEP 7 unterstützt Sie bei dem Aufbau und der Projektierung einer
Automatisierungslösung. STEP 7 bietet eine einheitliche Applikationssicht über alle
Bussysteme hinweg.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 19
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Dokumentationen von PROFIBUS & PROFINET International im Internet


Unter der Internetadresse ([Link] der auch für PROFINET zuständigen
PROFIBUS-Nutzerorganisation "PROFIBUS & PROFINET International" finden Sie zahlreiche
Schriften zum Thema PROFINET.
Weitere Informationen finden Sie im Internet ([Link]

Überblick der wichtigsten Dokumente und Links


Eine Zusammenstellung der wichtigsten PROFINET-Anwendungsbeispiele, FAQs und
sonstiger Beiträge im Industry Online Support finden Sie in diesem FAQ
([Link]

2.1.1 Begriffe bei PROFINET

Definition: Geräte im PROFINET-Umfeld


Im Umfeld von PROFINET ist "Gerät" der Oberbegriff für:
• Automatisierungssysteme (z. B. SPS, PC)
• Dezentrale Peripheriesysteme
• Feldgeräte (z. B. Hydraulikgeräte, Pneumatikgeräte)
• Aktive Netzkomponenten (z. B. Switches, Router)
• Netzübergänge zu PROFIBUS, AS-Interface oder anderen Feldbussystemen

PROFINET mit STEP 7


20 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Geräte bei PROFINET IO


In der folgenden Grafik sehen Sie die allgemeinen Bezeichnungen der wichtigsten Geräte bei
PROFINET. In der danach folgenden Tabelle finden Sie die Bezeichnungen der einzelnen
Komponenten im Kontext PROFINET IO.

Ziffer PROFINET Erläuterung


① PROFINET IO-System
② IO-Controller Gerät, über das die angeschlossenen IO-Devices angesprochen
werden.
Das bedeutet: Der IO-Controller tauscht Ein- und Ausgangssig-
nale mit Feldgeräten aus.
③ PG/PC (PROFINET IO- PG/PC/HMI-Gerät zum Inbetriebnehmen und zur Diagnose
Supervisor)
④ PROFINET/Industrial Ether- Netzwerkinfrastruktur
net
⑤ HMI (Human Machine In- Gerät zum Bedienen und Beobachten
terface)
⑥ IO-Device Dezentral angeordnetes Feldgerät, das einem IO-Controller
zugeordnet ist, z. B. Distributed IO, Ventilinseln, Frequenzum-
richter, Switches mit integrierter PROFINET IO-Funktionalität
⑦ I-Device Intelligentes IO-Device

Bild 2-2 Geräte bei PROFINET

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 21
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

E/A-Kommunikation über PROFINET IO


Das Lesen bzw. Schreiben von Ein-/Ausgängen von dezentraler Peripherie über PROFINET IO
erfolgt über so genannte E/A-Kommunikation. Im folgenden Bild finden Sie einen Überblick
zur E/A-Kommunikation über PROFINET IO.

A IO-Controller - IO-Controller-Kommunikation über PN/PN-Koppler


B IO-Controller - I-Device-Kommunikation
C IO-Controller - IO-Device-Kommunikation
D Direkter Datenaustausch zwischen S7-1500-CPUs
Bild 2-3 E/A-Kommunikation über PROFINET IO

PROFINET mit STEP 7


22 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

E/A-Kommunikation über PROFINET IO

Tabelle 2- 1 E/A-Kommunikation über PROFINET IO

Kommunikation zwischen … Erläuterung


IO-Controller und IO-Device Der IO-Controller sendet zyklisch Daten an die IO-Devices seines PROFINET IO-Systems
und empfängt Daten von diesen.
IO-Controller und I-Device Zwischen den Anwenderprogrammen in CPUs von IO-Controllern und I-Devices wird eine
feste Anzahl von Daten zyklisch übertragen.
Der IO-Controller greift nicht auf E/A-Module des I-Device zu, sondern auf projektierte
Adressbereiche, so genannte Transferbereiche, die innerhalb oder außerhalb des Prozess-
abbildes der CPU des I-Device liegen können. Falls Teile des Prozessabbildes als Transfer-
bereiche verwendet werden, dürfen diese nicht für reale E/A-Module genutzt werden.
Die Datenübertragung erfolgt mit Lade- und Transferoperationen über das Prozessabbild
oder per Direktzugriff.
IO-Controller und IO-Controller Zwischen den Anwenderprogrammen in CPUs von IO-Controllern wird eine feste Anzahl
(PN/PN-Koppler) von Daten zyklisch übertragen. Als zusätzliche Hardware ist ein PN/PN Koppler notwen-
dig.
Die IO-Controller greifen gegenseitig auf projektierte Adressbereiche, so genannte Trans-
ferbereiche zu, die innerhalb oder außerhalb des Prozessabbildes der CPUs liegen können.
Falls Teile des Prozessabbildes als Transferbereiche verwendet werden, dürfen diese nicht
für reale E/A-Module genutzt werden.
Die Datenübertragung erfolgt mit Lade- und Transferoperationen über das Prozessabbild
oder per Direktzugriff.
Die E/A-Kommunikation mit PN/PN-Koppler ist zwischen 2 PROFINET IO-Systemen mög-
lich.
S7-1500-CPU und S7-1500-CPU Beim direkten Datenaustausch stellt eine S7-1500 CPU einem oder mehreren Partnern
(Direkter Datenaustausch) zyklisch Nutzdaten aus dem Peripheriebereich (E/A) zur Verfügung.
Der direkte Datenaustausch basiert auf PROFINET mit IRT und Taktsynchronität.
Die Übertragung erfolgt über Transferbereiche.

Siehe auch
Kommunikation ([Link]
Netzsicherheit (Seite 40)
Funktionen (Seite 120)

2.1.2 Grundbegriffe der Kommunikation

PROFINET-Kommunikation
Die PROFINET-Kommunikation findet über Industrial Ethernet statt. Dabei werden folgende
Übertragungsarten unterstützt:
• Azyklische Übertragung von Engineering- und Diagnosedaten und Alarmen
• Zyklische Übertragung von Nutzdaten
Die PROFINET-IO Kommunikation erfolgt in Echtzeit.
Weitere Informationen zur Echtzeitkommunikation finden Sie im Kapitel
Echtzeitkommunikation (Seite 195).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 23
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Transparenter Datenzugriff
Der Zugriff auf Prozessdaten aus unterschiedlichen Ebenen der Anlage wird durch die
PROFINET-Kommunikation unterstützt. Durch den Einsatz von Industrial Ethernet können
Standard-Mechanismen der Kommunikations- und Informationstechnik wie OPC/XML
zusammen mit Standardprotokollen wie UDP/TCP/IP und HTTP in der Automatisierungstechnik
eingesetzt werden. Dadurch ist ein transparenter Zugriff aus der Leitebene des
Unternehmens heraus direkt auf die Daten der Automatisierungssysteme in der
Steuerungsebene und Produktionsebene möglich.

① Leitebene
② Steuerungsebene
③ Produktionsebene

Bild 2-4 Zugriff auf Prozessdaten

PROFINET mit STEP 7


24 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Aktualisierungszeit
Die Aktualisierungszeit ist ein Zeitintervall. Innerhalb dieses Zeitintervalls tauschen
IO-Controller und IO-Device/I-Device im IO-System zyklisch IO-Daten aus. Die
Aktualisierungszeit kann für jedes IO-Device separat projektiert werden und bestimmt den
Zeitabstand, in dem Ausgangsdaten vom IO-Controller zum IO-Device (Ausgangsmodul/-
submodul) sowie Eingangsdaten vom IO-Device zum IO-Controller (Eingangsmodul/-
submodul) gesendet werden.
In der Voreinstellung berechnet STEP 7 die Aktualisierungszeit automatisch für jedes
IO-Device des PROFINET IO-Systems unter Berücksichtigung des auszutauschenden
Datenvolumens und des eingestellten Sendetakts.
Weitere Informationen zur Aktualisierungszeit finden Sie im Kapitel Echtzeitkommunikation
(Seite 195).

Ansprechüberwachungszeit
Die Ansprechüberwachungszeit ist das Zeitintervall, das ein IO-Controller bzw. IO-Device
akzeptiert, ohne IO-Daten zu empfangen. Wenn das IO-Device nicht innerhalb der
Ansprechüberwachungszeit vom IO-Controller mit Daten versorgt wird, reagiert das IO-Device
auf das Ausbleiben der Telegramme und gibt Ersatzwerte aus. Im IO-Controller wird dies als
Stationsausfall gemeldet.
Die Ansprechüberwachungszeit wird aus einem ganzzahligen Vielfachen der
Aktualisierungszeit gebildet und kann vom Anwender in STEP 7 eingestellt werden.

Sendetakt
Zeitraum zwischen zwei aufeinander folgenden Kommunikations-Intervallen. Der Sendetakt
ist das kleinstmögliche Intervall für den Datenaustausch, und somit auch der kleinstmöglich
einstellbare Wert für die Aktualisierungszeit.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 25
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Zusammenhang zwischen Aktualisierungszeit und Sendetakt


Die berechneten Aktualisierungszeiten sind Untersetzungen (1, 2, 4, 8, ..., 512) des
Sendetakts. Die minimal erreichbare Aktualisierungszeit ist damit abhängig vom minimal
einstellbaren Sendetakt des IO-Controllers und der Leistungsfähigkeit von IO-Controller und
IO-Device. Je nach verwendetem Sendetakt kann auch nur ein Teil der Untersetzungen zur
Verfügung stehen (STEP 7 stellt dies über eine Vorauswahl sicher).
Die folgende Tabelle verdeutlicht die Abhängigkeit der einstellbaren Aktualisierungszeit vom
Sendetakt am Beispiel einer CPU 1516-3 PN/DP. Die Aktualisierungszeiten entsprechen den
Vorgaben der PROFINET-Norm IEC 61158.

Tabelle 2- 2 Bei Real-Time-Kommunikation gilt:

Sendetakt Aktualisierungszeit Untersetzungen


250 μs 250 μs bis 128 ms 1,2, ..., 512
500 μs 500 μs bis 256 ms 1,2, ..., 512
1 ms 1 ms bis 512 ms 1,2, ..., 512
2 ms 2 ms bis 512 ms 1,2, ..., 256
4 ms 4 ms bis 512 ms 1,2, ..., 128

Weitere Informationen
Informationen zu Real-Time-Kommunikation finden Sie im Kapitel Real-Time-Kommunikation
(RT) (Seite 196).

2.1.3 PROFINET-Schnittstelle

Übersicht
PROFINET-Geräte der SIMATIC-Produktfamilie verfügen über eine oder mehrere PROFINET-
Schnittstellen (Ethernet-Controller/Interface). Die PROFINET-Schnittstellen verfügen über
einen oder mehrere Ports (physikalische Anschlussmöglichkeiten).
Bei PROFINET-Schnittstellen mit mehreren Ports haben die Geräte einen integrierten Switch.
PROFINET-Geräte mit zwei Ports an einer Schnittstelle ermöglichen Ihnen einen
Systemaufbau in Linien- oder Ringtopologie. PROFINET-Geräte mit drei und mehr Ports an
einer Schnittstelle eignen sich darüber hinaus auch zum Aufbau von Baumtopologien.
Eigenschaften und Regeln für die Benennung der PROFINET-Schnittstelle und deren
Darstellung in STEP 7 werden nachfolgend erläutert.

PROFINET mit STEP 7


26 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Eigenschaften
Jedes PROFINET-Gerät ist im Netz über seine PROFINET-Schnittstelle eindeutig identifizierbar.
Dazu hat jede PROFINET-Schnittstelle:
• Eine MAC-Adresse (Werkseinstellung)
• Eine IP-Adresse
• Einen PROFINET-Gerätenamen

Kennzeichnung und Nummerierung der Schnittstellen und Ports


Schnittstellen und Ports werden für alle Module und Geräte im PROFINET-System mit den
folgenden Buchstaben gekennzeichnet:

Tabelle 2- 3 Kennzeichnung für Schnittstelle und Port bei PROFINET-Geräten

Element Symbol Nummer der Schnittstelle


Schnittstelle X Ab Nummer 1 aufsteigend
Port P Ab Nummer 1 aufsteigend
(je Schnittstelle)
Ringport R

Beispiele zur Kennzeichnung


Drei Beispiele verdeutlichen die Regel zur Kennzeichnung von PROFINET-Schnittstellen:

Tabelle 2- 4 Beispiele zur Kennzeichnung von PROFINET-Schnittstellen

Beispielbeschriftung Nummer der Schnittstelle Portnummer


X2 P1 2 1
X1 P2 1 2
X1 P1 R 1 1 (Ringport)

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 27
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Darstellung der PROFINET-Schnittstellen in der Topologieübersicht in STEP 7


Die PROFINET-Schnittstelle finden Sie in STEP 7 in der Topologieübersicht. Die
PROFINET-Schnittstelle für einen IO-Controller und ein IO-Device wird in STEP 7 wie folgt
dargestellt:

Ziffer Beschreibung
① PROFINET-Schnittstelle eines IO-Controllers in STEP 7
② PROFINET-Schnittstelle eines IO-Devices in STEP 7
③ Diese Zeilen repräsentieren die PROFINET-Schnittstelle (Interface).
④ Diese Zeilen repräsentieren die "Ports" einer PROFINET-Schnittstelle.
Bild 2-5 Darstellung der PROFINET-Schnittstellen in STEP 7

Schematische Darstellung einer PROFINET-Schnittstelle mit integriertem Switch


Die PROFINET-Schnittstelle mit integriertem Switch und deren Ports wird für alle
PROFINET-Geräte in der folgenden Grafik schematisch dargestellt.

Bild 2-6 PROFINET-Schnittstelle mit integriertem Switch

PROFINET mit STEP 7


28 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

Funktionale Unterschiede der PROFINET-Schnittstellen


PROFINET-Schnittstellen können unterschiedliche Funktionen zur Verfügung stellen. Es gibt
PROFINET-Schnittstellen, die Funktionen für Identifikation, Konfiguration, Diagnose und
Kommunikationsdienste (z. B. für offene Kommunikation) zur Verfügung stellen. Darüber
hinaus gibt es PROFINET-Schnittstellen, die PROFINET IO-Funktionen bieten oder Funktionen
zur Netzsicherheit.
In der folgenden Tabelle werden die Unterschiede am Beispiel der CPU 1516-3 PN/DP (ab
Firmwarestand V2.0) dargestellt, die über zwei PROFINET-Schnittstellen mit unterschiedlicher
Funktionalität verfügt.

Tabelle 2- 5 Unterschiede der PROFINET-Schnittstellen der CPU 1516-3 PN/DP (ab Firmwarestand
V2.0)

PROFINET-Schnittstelle (X1) PROFINET-Schnittstelle (X2)


2 Ports mit PROFINET IO-Funktionalität: 1 Port mit PROFINET IO-Funktionalität:
Identifikation, Konfiguration und Diagnose
PG-Kommunikation
HMI-Kommunikation
S7-Kommunikation
Uhrzeitsynchronisation
Webserver
Offene Kommunikation
OPC UA-Server
IO-Controller
I-Device
RT
IRT -
Taktsynchronität -
Medienredundanz -
Priorisierter Hochlauf -

Weitere Informationen zur Funktionalität von PROFINET-Schnittstellen


Informationen zur Anzahl und Funktionalität der Schnittstellen eines PROFINET-Gerätes
finden Sie in der Dokumentation zum jeweiligen PROFINET-Gerät.
Die Kommunikationsdienste über PROFINET finden Sie im Funktionshandbuch
Kommunikation ([Link]
beschrieben.
Im Kapitel Netzsicherheit (Seite 40) finden Sie Komponenten, um Netze vor Gefahren zu
schützen.
Im Kapitel Funktionen (Seite 120) finden Sie die PROFINET IO-Funktionen beschrieben.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 29
Beschreibung
2.1 Einführung in PROFINET

2.1.4 Umsetzung des PROFINET-Gerätemodells in SIMATIC

Steckplätze und Module


Ein PROFINET-Gerät kann modular oder kompakt aufgebaut sein. Ein modulares
PROFINET-Gerät besteht aus Steckplätzen (Slots), in die Module gesteckt werden. Auf den
Modulen befinden sich Kanäle, über die Prozess-Signale eingelesen bzw. ausgegeben
werden. Ein kompaktes Gerät hat denselben Aufbau, es kann Module enthalten, ist jedoch
physikalisch nicht erweiterbar, d. h., es können keine Module gesteckt werden.
Die folgende Grafik veranschaulicht den Sachverhalt.

Bild 2-7 Aufbau eines PROFINET-Geräts

Ziffer Beschreibung
① Steckplatz mit Busanschaltung
② Steckplatz mit Modul
③ Substeckplatz mit Submodul
④ Kanal
Ein Modul kann aus mehreren Submodulen bestehen.

PROFINET mit STEP 7


30 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Darstellung des PROFINET-Gerätemodells in der Gerätesicht von STEP 7


Das folgende Bild zeigt die Darstellung des PROFINET-Gerätemodells in der Gerätesicht von
STEP 7 am Beispiel eines Dezentralen Peripheriesystems ET 200MP:

Bild 2-8 PROFINET-Gerätemodell in der Gerätesicht von STEP 7

2.2 Aufbauen von PROFINET

Inhalt des Kapitels


Im folgenden Kapitel finden Sie Hintergrundinformationen zum Aufbau Ihres
Kommunikationsnetzes:
• Überblick über die wichtigsten passiven Netzkomponenten: Das sind Netzkomponenten,
die ein Signal weiterleiten ohne die Möglichkeit, dieses aktiv zu beeinflussen, z. B. Kabel,
Stecker, usw.
• Überblick über die wichtigsten aktiven Netzkomponenten: Das sind Netzkomponenten,
die ein Signal aktiv beeinflussen, z. B. Switches, Router, usw.
• Überblick über die gebräuchlichsten Netzwerkstrukturen (Topologien).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 31
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Physikalische Verbindungen industrieller Netze


Die Vernetzung von PROFINET-Geräten in Industrieanlagen ist grundsätzlich auf zwei
verschiedenen physikalischen Wegen möglich:
• Leitungsgebunden
– Durch elektrische Signale über Kupferleiter
– Durch optische Signale über Lichtwellenleiter
• Drahtlos über Funknetz durch elektromagnetische Wellen
PROFINET-Geräte und Verkabelungstechnik in SIMATIC sind für den industriellen Einsatz
geeignet, denn sie setzen auf Fast Ethernet und Industrial Ethernet auf.
• Fast Ethernet
Mit Fast Ethernet übertragen Sie Daten mit einer Geschwindigkeit von 100 Mbit/s. Diese
Übertragungstechnologie verwendet dazu den Standard 100 Base-T.
• Industrial Ethernet
Aufbau von Ethernet in industrieller Umgebung.
Der größte Unterschied zum Standard-Ethernet liegt in der mechanischen Belastbarkeit
und Störunempfindlichkeit der einzelnen Komponenten.

2.2.1 Aktive Netzkomponenten

Einleitung
Die folgenden aktiven Netzkomponenten stehen Ihnen bei PROFINET zur Verfügung:
• Switch
• Router

Switched Ethernet
PROFINET IO basiert auf Switched Ethernet mit Vollduplex-Betrieb und einer
Übertragungsbandbreite von 100 Mbit/s. Damit wird das Netz durch gleichzeitige
Datenübertragung mehrerer Teilnehmer sehr effektiv genutzt. Die PROFINET IO-Telegramme
werden hoch prior bearbeitet.

PROFINET mit STEP 7


32 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Switches
Switches sind Netzwerkkomponenten zur Verbindung mehrerer Endgeräte bzw. Netz-
Segmente in einem lokalen Netz (LAN).
Zur Kommunikation eines Teilnehmers mit mehreren anderen Teilnehmern am PROFINET
wird der Teilnehmer an den Port eines Switches angeschlossen. An die anderen Ports des
Switches werden die weiteren Kommunikationsteilnehmer (unter anderem auch Switches)
angeschlossen. Die Verbindung zwischen einem Kommunikationsteilnehmer und dem Switch
ist eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung.
Ein Switch hat die Aufgabe, Telegramme zu empfangen und zu verteilen. Der Switch "lernt"
die Ethernet-Adresse(n) eines angeschlossenen PROFINET-Geräts bzw. weiterer Switches und
leitet nur die Telegramme weiter, die für das angeschlossene PROFINET-Gerät bzw. den
angeschlossenen Switch bestimmt sind.

Bauformen von Switches


Switches stehen in zwei Bauformen zur Verfügung:
• In ein PROFINET-Gerät integriert
Bei PROFINET-Geräten mit mehreren Ports (zwei oder mehr) handelt es sich um Geräte mit
integriertem Switch (z. B. CPU 1516-3 PN/DP)
• Als eigenständiges Gerät (z. B. Switches der SCALANCE-Produktfamilie)

Auswahlhilfe Switches
Zur Verwendung von PROFINET mit der RT-Klasse "RT" können Sie einen beliebigen Switch der
"PROFINET Conformance Class A" oder höher verwenden. Alle Switches der SCALANCE-
Produktfamilie erfüllen diese Anforderungen.
Wenn Sie PROFINET-Funktionen nutzen wollen, die Ihnen einen Mehrwert bieten, wie z. B.
Topologie-Erkennung, Diagnose, Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG, dann müssen Sie
einen Switch der "PROFINET Conformance Class B" oder höher verwenden.
Zur Verwendung von PROFINET mit der RT-Klasse "IRT" müssen Sie einen Switch der
"PROFINET Conformance Class C" verwenden. Achten Sie bei Switches der SCALANCE-
Produktfamilie auf das Katalogmerkmal "IRT PROFINET IO-Switch".
Zur Auswahl geeigneter Switches empfehlen wir Ihnen das SIMATIC NET Selection Tool im
Internet ([Link]

Switches der SCALANCE-Produktfamilie


Nutzen Sie Switches der SCALANCE-Produktfamilie, wenn Sie den vollen Leistungsumfang
von PROFINET nutzen wollen. Sie sind optimiert für den Einsatz in PROFINET IO.
In der Gerätefamilie SCALANCE X finden Sie Switches mit elektrischen oder optischen Ports
und Kombinationen aus beiden Varianten. Der SCALANCE X202-2IRT verfügt z. B. über
2 elektrische Ports und 2 optische Ports und unterstützt IRT-Kommunikation.
Switches der Gerätefamilie SCALANCE X ab SCALANCE X200 können Sie mit STEP 7 als
PROFINET IO-Device projektieren, diagnostizieren und ansprechen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 33
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Router
Ein Router verbindet getrennte Netzwerksegmente miteinander (z. B. Leitebene und
Steuerungsebene). Das Datenaufkommen muss auf die Dienste des jeweiligen Netzsegments
abgestimmt sein. Ein Router trennt auch zwei Netze und vermittelt gezielt zwischen beiden
Netzen. Er verringert somit die Netzlast. Routing-Funktionalität wird in der Gerätefamilie
SCALANCE X ab SCALANCE X300 angeboten.
Die Kommunikationsteilnehmer auf verschiedenen Seiten eines Routers können nur
miteinander kommunizieren, wenn Sie die Kommunikation zwischen ihnen explizit über den
Router frei gegeben haben.
Wenn Sie z. B. aus SAP direkt auf die Fabrikationsdaten zugreifen wollen, verbinden Sie Ihr
Industrial Ethernet in der Fabrikationsanlage mit dem Ethernet in Ihrem Bürobereich über
einen Router.

Hinweis
Wenn Geräte über Netzgrenzen hinweg miteinander kommunizieren sollen, dann müssen Sie
den Router so konfigurieren, dass er die Kommunikation zulässt.

Information zum Routing mit STEP 7 finden Sie im Funktionshandbuch Kommunikation


([Link]

2.2.2 Verkabelungstechnik

Leitungen für PROFINET


Für PROFINET stehen elektrische und optische Leitungen zur Verfügung. Der Leitungstyp
richtet sich nach den Anforderungen an die Datenübertragung und nach den
Umgebungsbedingungen.

Einfaches Konfektionieren der Twisted Pair-Leitungen


Wenn Sie Ihre PROFINET-Anlage aufbauen, können Sie die Twisted Pair-Leitung vor Ort auf
die passende Länge schneiden, mit dem Stripping Tool (Abisolierwerkzeug für Industrial
Ethernet) abisolieren und die Industrial Ethernet Fast Connect RJ45-Plugs in Schneid-Klemm-
Technik aufsetzen. Nähere Informationen zur Montage erhalten Sie in der Montageanleitung
im "SIMATIC NET Industrial Ethernet Netzhandbuch"
([Link]

Hinweis
Pro Ethernet-Strecke zwischen zwei Switchen sind maximal 4 Steckerpaare erlaubt.

PROFINET mit STEP 7


34 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Einfaches Konfektionieren von Glas-Lichtwellenleitern


Für das einfache, schnelle und fehlerfreie Konfektionieren von Glas-Lichtwellenleitern steht
das Verkabelungssystem FastConnect FO zur Verfügung. Der Glas-Lichtwellenleiter besteht
aus:
• FC FO Termination Kit für SC- und BFOC-Plug (Cleave-Tool, Kevlarschere, Bufferzange,
Mikroskop, Faserrestebehälter)
• FC BFOC Plug
• FC SC Duplex Plug
• FO FC Standard Cable
• FO FC Trailing Cable

Einfaches Konfektionieren der POF-Kabel und PCF-Kabel


Für eine einfache und sichere Konfektionierung von POF-Kabeln/PCF-Kabeln und Montage der
SC RJ POF-Stecker nutzen Sie das folgende Spezialwerkzeug:
• POF-Kabel
Konfektionierkoffer IE Termination Kit SC RJ POF Plug
• PCF-Kabel
Konfektionierkoffer IE Termination Kit SC RJ PCF Plug

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 35
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Überblick zu Übertragungsmedien bei PROFINET


Die technischen Spezifikationen einer PROFINET-Schnittstelle mit integriertem Switch bzw.
mit einem externen Switch und mögliche Übertragungsmedien sind in der folgenden Tabelle
zusammengefasst.

Tabelle 2- 6 Übertragungsmedien bei PROFINET

Eigenschaft Anschluss- Leitungstyp/Übertra- Übertragungsra- Max. Segment- Vorteile


Physik technik gungsmedium te/ Länge (zwi-
Betrieb schen
2 Teilnehmern)
Standard
Elektrisch RJ 45-Steck- 100Base-TX 100 Mbit/s, Voll- 100 m Einfache und günstige
verbinder ISO 2x2-verdrilltes, symmetri- duplex Leitungsverbindung
60603-7 sches und geschirmtes
Kupferkabel Übertra-
gungsanforderung nach
CAT 5
IEEE 802.3
Optisch SCRJ 45 100Base-FX 100 Mbit/s, Voll- 50 m Einsatz bei großen Po-
ISO/IEC POF-LWL (Polymer Optical duplex tenzialunterschieden
61754-24 Fiber, POF) Unempfindlich gegen
980/1000 µm (Kerndurch- elektromagnetische
messer/Außendurch- Strahlung
messer) Geringe Leitungs-
ISO/IEC 60793-2 dämpfung
Plastikumhüllte Glasfaser 100 Mbit/s, Voll- 100 m Deutlich längere Seg-
(Polymer Cladded Fiber, duplex mente möglich1
PCF)
200/230 µm (Kerndurch-
messer/Außendurch-
messer)
ISO/IEC 60793-2
BFOC (Bayo- Glasfaser-LWL - Monomo- 100 Mbit/s, Voll- 26 km
net Fiber de-Faser duplex
Optic Con- 10/125 µm (Kerndurch-
nector) und messer/Außendurch-
SC (Subscrib- messer)
er Connector)
ISO/IEC 60793-2
ISO/IEC
60874 Glasfaser-LWL - Multimo- 100 Mbit/s, Voll- 3000 m
de-Faser duplex
50/125 µm und
62,5/125 µm (Kerndurch-
messer/Außendurch-
messer)
ISO/IEC 9314-4
Elektro- - IEEE 802.11 x Je nach verwende- 100 m Größere Mobilität
magnetische ter Erweiterung (a, Kostengünstige Ver-
Wellen g, h, usw.) netzung zu abge-
legenen, schwer
zugänglichen Teilneh-
mern
1 gilt nur für Glasfaser-Lichtwellenleiter

PROFINET mit STEP 7


36 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Siehe auch
PROFINET-Schnittstelle (Seite 26)
Montageanleitung für SIMATIC NET Industrial Ethernet
([Link]
Installationsrichtlinie PROFINET ([Link]
guide/downloads/profinet-installation-guide/display/)

2.2.3 Drahtloser Aufbau

[Link] Grundlagen

Was ist Industrial Wireless LAN?


Industrial Wireless LAN von SIMATIC NET bietet neben der Datenkommunikation nach dem
Standard IEEE 802.11 eine Vielzahl von Erweiterungen, die für den industriellen Kunden von
großem Nutzen sind. IWLAN ist besonders für anspruchsvolle Industrieanwendungen mit
Bedarf an zuverlässiger Funkkommunikation geeignet. Dafür sprechen folgende
Eigenschaften:
• Automatisches Roaming bei Unterbrechung der Verbindung zum Industrial Ethernet
(Forced Roaming)
• Kostenersparnis durch Einsatz eines einzigen Funknetzes zum zuverlässigen Betrieb eines
Prozesses sowohl bei prozesskritischen Daten (z. B. Alarmmeldung) als auch bei
unkritischer Kommunikation (z. B. Service und Diagnose)
• Kostengünstige Verbindung zu Geräten in abgelegenen, schwer zugänglichen
Umgebungen
• Vorhersagbarer Datenverkehr (Deterministik) und definierte Antwortzeiten
• Zyklische Überwachung der Funkstrecke (Link Check)

Ziele und Vorteile von Industrial Wireless LAN


Mit der drahtlosen Datenübertragung werden folgende Ziele erreicht:
• Nahtlose Integration der PROFINET-Geräte in das bestehende Bussystem über die
Funkschnittstelle
• Mobiler Einsatz von PROFINET-Geräten für unterschiedliche produktionsnahe Aufgaben
• Flexible Konfiguration der Anlagenteile für einen schnellen Aufbau nach
Kundenerfordernissen
• Wartungskosten werden minimiert durch die Einsparung von Kabeln

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 37
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Anwendungsbeispiele
• Kommunikation mit bewegten Teilnehmern (z. B. mobile Steuerungen und Geräte),
Fördertrassen, Fertigungsbänder, Verschiebetische, rotierende Maschinen
• Drahtlose Kopplung von Kommunikations-Segmenten zur schnellen Inbetriebnahme oder
zur kostengünstigen Vernetzung, wo Leitungsverlegung erhebliche Kosten verursacht
(z. B. öffentliche Straßen, Bahnlinien)
• Regalfördergeräte, fahrerlose Transportsysteme und Einschienen-Hängebahnen
In der folgenden Grafik ist die Vielfalt der möglichen Anwendungen und Konfigurationen von
Funk-Netzwerken der SIMATIC-Gerätefamilie dargestellt.

Bild 2-9 Anwendungsbeispiel für den Einsatz von Industrial Wireless LAN

Datenübertragungsrate
Bei Industrial Wireless LAN sind Brutto-Datenübertragungsraten von 11 Mbit/s oder 54 Mbit/s
ohne Vollduplexbetrieb möglich.

PROFINET mit STEP 7


38 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Reichweite
Mit SCALANCE W (Access Points) können Funknetze im Innenbereich und Außenbereich
aufgebaut werden. Durch geeignete Installation von mehreren Access Points können große
Funknetze realisiert werden, in denen mobile Teilnehmer lückenlos von einem Access Point
zum nächsten übergeben werden (Roaming).
Alternativ zum Betrieb eines Funknetzes können Sie auch Punkt-zu-Punkt-Verbindungen von
Industrial Ethernet-Segmenten über große Entfernungen (mehrere 100 m) aufbauen. Hier
entscheiden die eingesetzten Antennen über die Reichweite und Charakteristik des
Funkfeldes.

Hinweis
Reichweite
Die Reichweite kann deutlich geringer ausfallen und ist abhängig von den räumlichen
Gegebenheiten, dem eingesetzten Funkstandard, der Datenrate und der eingesetzten
Antennen auf der Sende- und Empfängerseite.

[Link] Tipps zum Aufbau

Funknetzwerke, SCALANCE-Gerätefamilie
Mit PROFINET haben Sie auch die Möglichkeit, Funknetzwerke in der Industrial Wireless Local
Area Network-Technologie (IWLAN) aufzubauen. Wir empfehlen Ihnen, hierfür die Gerätelinie
SCALANCE W einzusetzen.

Aktualisierungszeit in STEP 7
Wenn Sie PROFINET mit Industrial Wireless LAN aufbauen, dann müssen Sie u. U. die
Aktualisierungszeit für die drahtlosen Geräte anpassen. Die IWLAN-Schnittstelle hat eine
geringere Performance als das leitungsgebundene Datennetz: Mehrere
Kommunikationsteilnehmer müssen sich die begrenzte Übertragungsbandbreite teilen. Für
kabelgebundene Lösungen stehen jedem Kommunikationsteilnehmer 100 Mbit/s zur
Verfügung.
Den Parameter Aktualisierungszeit finden Sie in STEP 7 im Inspektorfenster von IO-Devices im
Abschnitt "Echtzeit-Einstellungen".

Bild 2-10 Aktualisierungszeit in STEP 7

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 39
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Weiterführende Informationen
Weiterführende Informationen zu Industrial Wireless-LAN-Komponenten SCALANCE W finden
Sie im Handbuch SIMATIC NET SCALANCE W-700
([Link]
Weiterführende Informationen zur leitungsgebundenen Datenübertragung finden Sie im
Handbuch SIMATIC NET Twisted Pair- und Fiber Optic-Netze
([Link]
Weiterführende Informationen zur drahtlosen Datenübertragung finden Sie im Handbuch
Grundlagen zum Aufbau eines Industrial Wireless LAN
([Link]
Beachten Sie auch die Installationsrichtlinie PROFINET der PROFIBUS-Nutzerorganisation im
Internet ([Link]
installation-guide/display/). Dort finden Sie verschiedene Dokumente, die Ihnen beim Aufbau
Ihrer PROFINET-Automatisierungslösung helfen:
• PROFINET-Planungsrichtlinie
• PROFINET-Montagerichtlinie
• PROFINET-Inbetriebnahmerichtlinie
• Weitere Dokumente zum Aufbau von PROFINET

2.2.4 Netzsicherheit

[Link] Grundlagen

Einleitung
Das Thema Datensicherheit und Zugriffsschutz (Security) wird auch im industriellen Umfeld
in zunehmendem Maße wichtiger. Die fortschreitende Vernetzung ganzer Industrieanlagen,
die vertikale Integration und Vernetzung der Unternehmensebenen und neue Techniken wie
Fernwartung führen zu höheren Anforderungen zum Schutz der Industrieanlage.
Zum Schutz vor Manipulationen in sensiblen Anlagen- und Produktionsnetzen reicht es nicht
aus, Datensicherheits-Lösungen für Büro-Umgebung eins zu eins in industrielle
Anwendungen zu übernehmen.

PROFINET mit STEP 7


40 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Anforderungen
Aus den besonderen Anforderungen an die Kommunikation im industriellen Umfeld
(z. B. Kommunikation in Echtzeit) erwachsen zusätzliche Anforderungen an die Security für
den industriellen Einsatz:
• Rückwirkungsschutz der automatisierten Zellen
• Schutz von Netzsegmenten
• Schutz vor fehlerhaftem und unberechtigtem Zugriff
• Skalierbarkeit der Netzsicherheit
• Kein Einfluss auf die Netzwerkstruktur

Definition von Security


Oberbegriff für alle Maßnahmen zum Schutz vor:
• Verlust der Vertraulichkeit durch unberechtigten Zugriff auf Daten
• Verlust der Integrität durch Manipulation von Daten
• Verlust der Verfügbarkeit durch Zerstörung von Daten, z. B. durch Fehlkonfigurationen
und Denial of Service-Angriffe

Gefährdungen
Gefährdungen können entstehen durch äußere und innere Manipulationen. Nicht immer wird
der Verlust der Datensicherheit durch beabsichtigtes Handeln hervorgerufen.
Innere Gefahren entstehen durch:
• Technische Fehler
• Bedienfehler
• Fehlerhafte Programme
Zu diesen inneren Gefahren kommen äußere hinzu. Die äußeren Gefahren unterscheiden sich
nicht von den bekannten Bedrohungen in der Büroumgebung:
• Softwareviren und Softwarewürmer
• Trojaner
• Man in the Middle-Angriffe
• Passwort-Phishing
• Denial of Service

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 41
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Schutzmaßnahmen
Die wichtigsten Schutzmaßnahmen vor Manipulation und Verlust der Datensicherheit im
industriellen Umfeld sind:
• Physischer Zugangsschutz zu den Geräten
• Filterung und Kontrolle des Datenverkehrs durch Firewall
• Virtual Private Network (VPN) zum Austausch privater Daten in einem öffentlichen Netz
(z. B. Internet)
Die gebräuchlichste VPN-Technologie ist IPsec. IPsec (Internet Protocol Security) ist eine
Sammlung von Sicherheitsprotokollen, die als Basis das IP-Protokoll auf der
Vermittlungsschicht verwendet und eine gesicherte Kommunikation über potenziell
unsichere IP-Netze ermöglicht.
• Segmentierung in geschützten Automatisierungszellen
Dieses Konzept verfolgt das Ziel, durch Security-Module deren darunterliegende
Netzteilnehmer zu schützen. Eine Gruppe von geschützten Geräten bildet eine geschützte
Automatisierungszelle.
• Authentifizierung (Identifizierung) der Teilnehmer
Durch Authentifizierungs-Verfahren identifizieren sich die Security-Module einander über
einen sicheren (verschlüsselten) Kanal. Zugriffe auf ein geschütztes Segment von außen
durch Unberechtigte sind somit nicht möglich.
• Verschlüsselung des Datenverkehrs
Die Vertraulichkeit der Daten wird durch Verschlüsselung des Datenverkehrs sichergestellt.
Dazu erhält jedes Security-Modul ein VPN-Zertifikat, in dem u. a. die Schlüssel enthalten
sind.

[Link] Netzkomponenten und Software

Schutz gegen unberechtigte Zugriffe


Mit folgenden Lösungen können Sie Industrie-Netze an das Intra- und Internet anbinden zum
Schutz vor inneren und äußeren Gefahren:
• Kommunikationsprozessoren, wie den SIMATIC CP 1543-1
• SCALANCE X-300 und SCALANCE S - die Datensicherheits-Komponenten der
SIMATIC NET-Produktfamilie
• SOFTNET Security Client für den Einsatz auf PCs

Features
Die genannten Produkte besitzen vielfältige Features wie z. B.:
• Einfache Integration bestehender Netze ohne Projektieraufwand und eine integrierte
Firewall
• Segmentierung in geschützten Automatisierungszellen
• Authentifizierung (Identifizierung) der Teilnehmer
• Verschlüsselung des Datenverkehrs

PROFINET mit STEP 7


42 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

[Link] Anwendungsbeispiel

Datensicherheit auf Office- und Produktionsebene


Eine Beispielapplikation mit geschützten Bereichen auf verschiedenen Unternehmensebenen
durch SCALANCE S und den Security Client sehen Sie in der folgenden Grafik. Darin sind die
geschützten Bereiche in hellgrauer Farbe hervorgehoben.

Bild 2-11 Netzaufbau mit dem Security-Modul SCALANCE S und dem SOFTNET Security Client

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 43
Beschreibung
2.2 Aufbauen von PROFINET

Weiterführende Informationen
Weiterführende Informationen zum Aufbau eines Security-Standards in PROFINET finden Sie:
• In der PROFINET-Security Guideline. Diese Richtlinien finden Sie auf der Homepage der
PROFIBUS-Nutzerorganisation im Internet ([Link]
• Im Handbuch Industrial Ethernet Security
([Link]
• Im Handbuch SCALANCE S und SOFTNET Security Client
([Link]
Allgemeine Informationen zu Industrial Security Konzepten, Funktionen und News finden Sie
auf der Industrial Security Webseite ([Link]

PROFINET mit STEP 7


44 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren 3
Um ein Automatisierungssystem aufzubauen, müssen Sie die einzelnen Komponenten der
Hardware konfigurieren, parametrieren und miteinander verbinden. Die dafür notwendigen
Arbeiten verrichten Sie in STEP 7 in der Geräte-, Topologie- und Netzsicht.

Konfigurieren
Unter "Konfigurieren" versteht man das Anordnen, Einstellen und Vernetzen von Geräten und
Modulen innerhalb der Geräte-, Topologie-, oder Netzsicht.
Jedem Modul wird automatisch eine E/A-Adresse zugewiesen. Die E/A-Adressen können
nachträglich geändert werden.
Die CPU vergleicht die in STEP 7 erstellte Sollkonfiguration mit der tatsächlichen
Istkonfiguration der Anlage. Eventuelle Fehler werden somit sofort erkannt und gemeldet.
Das genaue Vorgehen zum Konfigurieren der Geräte ist in der Online-Hilfe zu STEP 7
ausführlich beschrieben.

Parametrieren
Unter "Parametrieren" versteht man das Einstellen der Eigenschaften der verwendeten
Komponenten. Dabei werden die Einstellungen für die Hardware-Komponenten und für den
Datenaustausch parametriert.
In STEP 7 können Sie folgende Einstellungen für PROFINET "parametrieren":
• Gerätenamen und IP-Adressparameter
• Portverschaltung und Topologie
• Moduleigenschaften/-Parameter
Die Parameter werden in die CPU geladen und im Anlauf von der CPU an die entsprechenden
Module übertragen. Module lassen sich im Ersatzteilfall sehr einfach ersetzen, da bei
SIMATIC-CPUs die erstellten Parameter bei jedem Anlauf automatisch in das neue Modul
geladen werden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 45
Parametrieren/Adressieren
3.1 IO-Device einem IO-Controller zuordnen

Anpassen der Hardware an Projekterfordernisse


Sie müssen Hardware konfigurieren, wenn Sie ein Automatisierungsprojekt aufbauen,
erweitern oder verändern möchten. Dazu fügen Sie Ihrem Aufbau Hardware-Komponenten
hinzu, verbinden diese mit bestehenden Komponenten und passen die Eigenschaften der
Hardware den Aufgaben an.
Die Eigenschaften der Automatisierungssysteme und der Module sind so voreingestellt, dass
Sie in vielen Fällen nichts mehr parametrieren müssen.
In den folgenden Fällen ist das Parametrieren dennoch erforderlich:
• Sie möchten voreingestellte Parameter eines Moduls verändern.
• Sie möchten spezielle Funktionen verwenden.
• Sie möchten Kommunikationsverbindungen projektieren.

3.1 IO-Device einem IO-Controller zuordnen

PROFINET IO-System
Ein PROFINET IO-System besteht aus einem PROFINET IO-Controller und seinen zugeordneten
PROFINET IO-Devices. Nach dem Platzieren dieser Geräte in die Netz- oder Topologiesicht
parametriert STEP 7 diese Geräte mit Standardwerten. Sie müssen sich zunächst nur um die
Zuordnung der IO-Devices zu einem IO-Controller kümmern.

Voraussetzung
• Sie befinden sich in der Netzsicht von STEP 7.
• Eine CPU ist platziert (z. B. CPU 1516-3 PN/DP).
• Ein IO-Device ist platziert (z. B. IM 155-6 PN ST).

PROFINET mit STEP 7


46 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.1 IO-Device einem IO-Controller zuordnen

Vorgehen
Um IO-Devices einem IO-Controller zuzuordnen, gehen Sie wie folgt vor:
1. Platzieren Sie den Mauscursor auf der Schnittstelle des IO-Device.
2. Klicken Sie mit der linken Maustaste und halten Sie die Maustaste gedrückt.
3. Verschieben Sie den Mauscursor.
Der Mauscursor zeigt jetzt mit dem Vernetzungssymbol den Arbeitsmodus "Vernetzen" an.
Gleichzeitig sehen Sie im Mauscursor das Sperrsymbol, das erst über einer gültigen
Zielposition verschwindet.
4. Ziehen Sie nun den Mauscursor auf die Schnittstelle des IO-Controllers. Sie können hierbei
die linke Maustaste gedrückt halten oder loslassen.
5. Lassen Sie nun die linke Maustaste los oder klicken Sie erneut mit der linken Maustaste.

Bild 3-1 IO-Device einem IO-Controller zuordnen in der Netzsicht von STEP 7

Ergebnis
Sie haben ein IO-Device einem IO-Controller zugeordnet.

Kontrollieren der Zuordnung


Im Register "E/A-Kommunikation" im tabellarischen Bereich der Netzsicht finden Sie eine
Übersicht zu den Kommunikationsbeziehungen. Diese Tabelle ist kontext-sensitiv zur
Auswahl im grafischen Bereich:
• Auswahl der Schnittstelle zeigt die E/A-Kommunikation der jeweiligen Schnittstelle an.
• Auswahl der CPU zeigt alle E/A-Kommunikation der CPU (auch PROFIBUS) an.
• Auswahl der Station (wie im Bild oben) zeigt die E/A-Kommunikation der kompletten
Station an.

Informationen zu S7-1500R/H
Wie Sie dem redundanten System S7-1500R/H ein IO-Device mit Systemredundanz S2
zuordnen, finden Sie im Kapitel IO-Device dem redundanten System S7-1500R/H zuordnen
(Seite 315).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 47
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

3.2 Gerätename und IP-Adresse

Einleitung
Damit das PROFINET-Gerät als Teilnehmer am PROFINET angesprochen werden kann,
benötigt dieses Gerät:
• einen eindeutigen PROFINET-Gerätenamen
• eine im jeweiligen IP-Subnetz eindeutige IP-Adresse
STEP 7 vergibt beim Anordnen eines PROFINET-Gerätes im Hardware- und Netzwerkeditor
einen Gerätenamen. Die IP-Adressen werden in der Regel ebenfalls von STEP 7 automatisch
vergeben und anhand des Gerätenamens den Geräten zugewiesen.
Sie haben die Möglichkeit, Name und IP-Adresse nachträglich manuell zu ändern.

In STEP 7
Den Gerätenamen und die IP-Adresse finden Sie im Inspektorfenster in den Eigenschaften der
PROFINET-Schnittstelle unter "Ethernet-Adressen".

Bild 3-2 Gerätename und IP-Adresse in STEP 7

In den folgenden Kapiteln werden Ihnen die Funktion, die Vergabe und das Ändern des
Gerätenamens und der IP-Adresse erläutert.

PROFINET mit STEP 7


48 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

3.2.1 Gerätename

Gerätenamen
Bevor ein IO-Device von einem IO-Controller angesprochen werden kann, muss es einen
Gerätenamen haben. Bei PROFINET ist diese Vorgehensweise gewählt worden, weil Namen
einfacher zu handhaben sind als IP-Adressen.
Das Zuweisen eines Gerätenamens für ein konkretes IO-Device ist zu vergleichen mit dem
Einstellen der PROFIBUS-Adresse bei einem DP-Slave.
Im Auslieferungszustand hat ein IO-Device keinen Gerätenamen. Erst nach der Zuweisung
eines Gerätenamens ist ein IO-Device für einen IO-Controller adressierbar, z. B. für die
Übertragung der Projektierungsdaten im Anlauf oder für den Nutzdatenaustausch im
zyklischen Betrieb. Den Gerätenamen weisen Sie dem IO-Device z. B. mit dem PG/PC zu.
IO-Devices, die über einen Schacht für Wechselmedien verfügen, bieten die Möglichkeit, den
Gerätenamen im PG direkt auf das Wechselmedium zu schreiben.
Bei einem Gerätetausch ohne Wechselmedium wird der Gerätename vom IO-Controller auf
Basis der topologischen Projektierung vergeben (siehe Kapitel Topologie projektieren
(Seite 68)).

Strukturierte Gerätenamen
Der Gerätename wird für PROFINET-Geräte S7-1200, S7-1500, ET 200MP, ET 200SP und
ET 200AL bei ihrer Projektierung in STEP 7 per Voreinstellung automatisch vergeben. Der
Gerätename wird aus dem Namen der CPU bzw. dem Namen des Interfacemoduls gebildet.
Bei Geräten mit mehreren PROFINET-Schnittstellen wird der Name der Schnittstelle ergänzt,
z. B. "plc_1.profinet-schnittstelle_2" oder "io-device_1".
Sie haben die Möglichkeit, den Gerätenamen nach DNS-Konventionen zu strukturieren.
Diese Konventionen werden von der "Internationalizing Domain Names in Applications"
(IDNA) festgelegt. Danach gilt die Kleinschreibung der Gerätenamen.
Das "Domain Name System" (DNS) ist eine verteilte Datenbank ([Link] die den
Namensraum im Internet verwaltet. Als Hilfsmittel zur Strukturierung verwenden Sie den
Punkt ("."). Die Hierarchie ist dabei von links nach rechts aufsteigend.
...<Subdomain-Name>.<Domain-Name>.<Top-Level-Domain-Name>
Ist der Name nicht DNS-konform, so wird der Name von STEP 7 konvertiert, im Beispiel
"[Link]-schnittstellexb2022c" oder "io-devicexb15b32".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 49
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Gerätenummer
Neben dem Gerätenamen vergibt STEP 7 beim Zuordnen eines IO-Devices zusätzlich eine
Gerätenummer, beginnend bei "1".
Die Gerätenummer finden Sie im Inspektorfenster in den Eigenschaften der
PROFINET-Schnittstelle, unter "Ethernet-Adressen" im Bereich PROFINET.

Bild 3-3 Gerätenummer

Über diese Gerätenummer können Sie im Anwenderprogramm ein IO-Device identifizieren


(z. B. mit der Anweisung "LOG2GEO").

3.2.2 IP-Adresse

IP-Adresse
Damit ein PROFINET-Gerät als Teilnehmer am Industrial Ethernet angesprochen werden kann,
benötigt dieses Gerät zusätzlich eine im Netz eindeutige IP-Adresse. Die IP-Adressen werden
in der Regel von STEP 7 automatisch vergeben und anhand des Gerätenamens den Geräten
zugewiesen. Wenn es sich um ein eigenständiges Netz handelt, können Sie die von STEP 7
vorgegebene IP-Adresse und Subnetzmaske übernehmen. Wenn das Netz Teil eines
bestehenden Ethernet-Firmennetzes ist, dann erfragen Sie diese Daten bei Ihrem
Netzwerkadministrator.

Aufbau der IP-Adresse


Die IP-Adresse nach Internet Protocol Version 4 (IPv4) besteht aus 4 Dezimalzahlen mit
jeweils einem Wertebereich 0 bis 255. Die Dezimalzahlen sind durch einen Punkt
voneinander getrennt (z. B. [Link]).
Die IP-Adresse setzt sich folgendermaßen zusammen:
• Adresse des Netzes
• Adresse des Teilnehmers (PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers/IO-Devices)

PROFINET mit STEP 7


50 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Vergabe der IP-Adresse


Die IP-Adressen der IO-Devices vergeben Sie in STEP 7. Die IO-Devices erhalten ihre
IP-Adressen bei der Parametrierung durch den IO-Controller.
Zusätzlich besteht bei einigen IO-Devices (z. B. SCALANCE X, S7-300 CPs) die Möglichkeit, die
IP-Adresse nicht im Anlauf vom IO-Controller zu beziehen, sondern bereits vorher am Gerät
einzustellen (siehe Anpassen des Gerätenamens und der IP-Adresse direkt am Gerät erlauben
(Seite 61)).
Die IP-Adressen der IO-Devices haben immer dieselbe Subnetzmaske wie der IO-Controller
und werden ab der IP-Adresse des IO-Controllers in aufsteigender Reihenfolge vergeben.
Diese IP-Adresse kann bei Bedarf manuell geändert werden.
Bei Geräten mit mehreren PROFINET-Schnittstellen (z. B. CPU 1516-3 PN/DP) müssen die
IP-Adressen in unterschiedlichen Subnetzen liegen.

Hinweis
Vergabe der IP-Adresse durch einen DHCP-Server
Ab STEP 7 V17 können Sie für eine die PROFINET-Schnittstelle die Option "IP-Adresse von
DHCP-Server" auswählen. Bei dieser Option bekommt die PROFINET-Schnittstelle eine
IP-Adresse von einem DHCP-Server zugewiesen.
Wenn Sie die Option "IP-Adresse von DHCP-Server" für eine PROFINET-Schnittstelle
konfigurieren, dann unterstützt diese Schnittstelle keine PROFINET IO-Funktionalität mehr.
Weitere Informationen zur Adressvergabe durch einen DHCP-Server finden Sie im
Funktionshandbuch Kommunikation
([Link]

Default-Router
Müssen Daten mittels TCP/IP oder UDP an einen Partner weitergeleitet werden, der sich
außerhalb des eigenen Netzes befindet, geschieht dies über den Default-Router.
In STEP 7 wird der Default-Router als Router bezeichnet. Sie aktivieren die Verwendung eines
Routers im Inspektorfenster einer CPU im Abschnitt "IP-Protokoll" mit dem Optionskästchen
"Router verwenden". An den Default-Router vergibt STEP 7 standardmäßig die eigene
IP-Adresse.
Die an der PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers eingestellte Router-Adresse wird für
dessen projektierte IO-Devices automatisch übernommen.

Subnetzmaske
Die gesetzten Bits der Subnetzmaske bestimmen den Teil der IP-Adresse, der die Adresse des
Netzes enthält.
Allgemein gilt Folgendes:
• Die Netzadresse ergibt sich aus der UND-Verknüpfung von IP-Adresse und Subnetzmaske.
• Die Teilnehmeradresse ergibt sich aus der UND-NICHT-Verknüpfung von IP-Adresse und
Subnetzmaske.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 51
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Beispiel zur Subnetzmaske


Subnetzmaske: [Link] (dezimal) = 11111111.11111111.00000000.00000000 (binär)
IP-Adresse: [Link] (dezimal) = 11000000.10101000.00000000.00000010 (binär)
Bedeutung: Die ersten 2 Bytes der IP-Adresse bestimmen das Netz - also 192.168. Die letzten
beiden Bytes adressieren den Teilnehmer - also 0.2.

Zusammenhang IP-Adresse und Default-Subnetzmaske


Es gibt eine Vereinbarung hinsichtlich der Zuordnung von IP-Adressbereichen und so
genannten "Default-Subnetzmasken". Die erste Dezimalzahl der IP-Adresse (von links)
bestimmt den Aufbau der Default-Subnetzmaske hinsichtlich der Anzahl der Werte "1" (binär)
wie folgt:

IP-Adresse (dez.) IP-Adresse (bin.) Adressklasse Default-Subnetzmaske


0 bis 126 [Link].... A [Link]
128 bis 191 [Link]... B [Link]
192 bis 223 [Link]... C [Link]

Hinweis
Wertebereich für erste Dezimalstelle
Für die erste Dezimalzahl der IP-Adresse ist auch ein Wert zwischen 224 und 255 möglich
(Adressklasse D usw.). Dies ist jedoch nicht empfehlenswert, da für diese Werte keine
Adressprüfung erfolgt.

Weitere Subnetze maskieren


Über die Subnetzmaske können Sie ein Subnetz, das einer der Adressklassen A, B oder C
zugeordnet ist, weiter strukturieren und "private" Subnetze bilden, indem Sie weitere
niederwertige Stellen der Subnetzmaske auf "1" setzen. Pro jedem auf "1" gesetzten Bit
verdoppelt sich die Anzahl der "privaten" Netze und halbiert sich die Anzahl der darin
enthaltenen Teilnehmer. Nach außen wirkt das Netzwerk nach wie vor wie ein einzelnes
Netzwerk.
Beispiel:
Sie ändern bei einem Subnetz der Adressklasse B (z. B. IP-Adresse [Link]) die
Default-Subnetzmaske wie folgt:

Masken Dezimal Binär


Default-Subnetzmaske [Link] 11111111.11111111.00000000.00000000
Subnetzmaske [Link] 11111111.11111111.10000000.00000000

Ergebnis:
Alle Teilnehmer mit Adressen von [Link] bis [Link] befinden sich in
einem Subnetz, alle Teilnehmer mit Adressen von [Link] bis [Link] in
einem anderen Subnetz.

PROFINET mit STEP 7


52 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

IP-Adresse im Anwenderprogramm auslesen


Sie können die IP-Adresse eines PROFINET-Gerätes im Anwenderprogramm einer
S7-1500 CPU auslesen. Information dazu finden Sie in diesem FAQ
([Link]

3.2.3 Gerätename und IP-Adresse vergeben

Erstmaliges Zuweisen von IP-Adresse und Subnetzmaske bei einem IO-Controller


Sie haben folgende Möglichkeiten:
• Über PG/PC:
Schließen Sie Ihr PG/PC am gleichen Netz an, an dem das betreffende PROFINET-Gerät
angeschlossen ist. Die Schnittstelle des PGs/PCs muss auf TCP/IP eingestellt sein. Lassen Sie
sich während des Downloads zunächst mit dem Download-Dialog "Erreichbare
Teilnehmer" alle erreichbaren Teilnehmer anzeigen. Wählen Sie das Zielgerät über seine
MAC-Adresse aus und weisen Sie dessen IP-Adresse zu, bevor Sie die
Hardwarekonfiguration inklusive der projektierten IP-Adresse laden (IP-Adresse ist dann
remanent hinterlegt).
• Über Display einer S7-1500 CPU:
Die CPUs S7-1500 verfügen über eine Frontklappe mit einem Display und Bedientasten.
Über das Display haben Sie u. a. die Möglichkeit, die IP-Adresse zu vergeben bzw. zu
ändern. Zur Einstellung der IP-Adresse navigieren Sie am Display über die Menüpunkte
"Einstellungen" > "Adressen" > "X1 (IE/PN)" > "Parameter".
• Über Speicherkarte:
Wenn Ihr PROFINET-Gerät eine Speicherkarte (Micro Memory Card/SIMATIC Memory Card)
aufnehmen kann, dann stecken Sie diese in Ihren PG/PC und legen die Hardware-
Konfiguration inklusive der projektierten IP-Adresse auf der Speicherkarte ab. Stecken Sie
dann die Speicherkarte in das PROFINET-Gerät. Beim Stecken übernimmt das PROFINET-
Gerät automatisch die IP-Adresse.
Wenn Sie eine Projektierung mit der Option "Anpassen der IP-Adresse direkt am Gerät
erlauben" auf die Speicherkarte abgelegt haben, dann müssen Sie nach dem Stecken der
Speicherkarte die IP-Adresse über einen alternativen Weg vergeben. (siehe Kapitel
Anpassen des Gerätenamens und der IP-Adresse direkt am Gerät erlauben (Seite 61))

Vergabe des Gerätenamens und der IP-Adresse bei "Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG"
Für Geräte ohne Wechselmedium (z. B. ET 200MP, ET 200SP) und Geräte, die "Gerätetausch
ohne Wechselmedium/PG" unterstützen (z. B. ET 200S) kann der IO-Controller aus den durch
die Solltopologie vorgegebenen Nachbarschaftsbeziehungen und den durch die realen
PROFINET-Geräte ermittelten tatsächlichen Nachbarschaftsbeziehungen das Gerät ohne
Namen identifizieren. Der IO-Controller weist dem PROFINET-Gerät den projektierten Namen
zu und nimmt das PROFINET-Gerät in den Nutzdatenverkehr auf. (Siehe auch Gerätetausch
ohne Wechselmedium (Seite 245)).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 53
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

IP-Adressvergabe beim Austausch von IO-Devices mit Wechselmedium/PG


Auf der Speicherkarte von speicherprogrammierbaren Steuerungen ist Folgendes enthalten:
• Beim IO-Controller: Gerätename und IP-Adresse
• Beim IO-Device: Gerätename
Wenn Sie die Speicherkarte aus einem PROFINET-Gerät entnehmen und in ein anderes
PROFINET-Gerät mit Wechselmedium (z. B. ET 200S) stecken, werden dadurch die
gerätespezifischen Informationen und der Gerätename in das Gerät geladen.
Wenn im Falle eines Geräte- oder Moduldefektes ein IO-Device komplett getauscht werden
muss, führt der IO-Controller automatisch eine Parametrierung und Konfigurierung des
eingewechselten Gerätes bzw. Moduls durch. Anschließend wird der zyklische
Nutzdatenaustausch wieder hergestellt. Dazu muss vor dem Netz-Ein am IO-Device die
Speicherkarte mit dem gültigen Namen aus dem defekten IO-Device entnommen und in das
ausgetauschte IO-Device gesteckt werden.
Die Speicherkarte erlaubt bei einem Fehler im PROFINET-Gerät einen Modultausch ohne
PG/PC. Die Gerätedaten können Sie auch direkt vom PG/PC auf die Speicherkarte übertragen.

Vorgehen: Gerätename ändern über Eigenschaften der PROFINET-Schnittstelle


Sie können den PROFINET-Namen über die Eigenschaften der PROFINET-Schnittstelle ändern.
Das ist dann sinnvoll, wenn das PROFINET-Gerät den bisherigen Namen nicht aus der
automatischen Generierung erhalten hat, z. B. im Fall einer Migration.
1. Selektieren Sie in der Netz- oder Gerätesicht des Hardware- und Netzwerkeditors von
STEP 7die PROFINET-Schnittstelle eines PROFINET-Gerätes.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Ethernet-Adressen", in den Bereich "PROFINET".
3. Deaktivieren Sie das Optionskästchen "PROFINET-Gerätenamen automatisch generieren".
4. Tragen Sie den neuen PROFINET-Gerätenamen im entsprechenden Feld ein.

Bild 3-4 Gerätenamen eines PROFINET-Gerätes in den Eigenschaften ändern

PROFINET mit STEP 7


54 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Alternatives Vorgehen: Gerätenamen eines PROFINET-Gerätes in der Netzsicht ändern


Voraussetzung: Das Optionskästchen "PROFINET-Gerätenamen automatisch generieren" ist
aktiviert.
1. Wählen Sie in STEP 7 im tabellarischen Bereich der Netzsicht das Register "Netzübersicht".
2. Überschreiben Sie in der Spalte "Gerät", in der Zeile des betreffenden PROFINET-Geräts den
Namen.
Im grafischen Bereich der Netzsicht wird der Name ebenfalls entsprechend geändert.

Bild 3-5 Gerätenamen eines PROFINET-Gerätes in STEP 7 ändern

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 55
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Vorgehen: IP-Adresse ändern


Um die IP-Adresse zu ändern, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie in der Netz- oder Gerätesicht des Hardware- und Netzwerkeditors von STEP 7
die PROFINET-Schnittstelle eines PROFINET-Gerätes.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Ethernet-Adressen", in den Bereich "IP-Protokoll".
3. Überprüfen Sie, ob die Option "IP-Adresse im Projekt einstellen" aktiviert ist.
4. Tragen Sie die neue IP-Adresse im entsprechenden Feld ein.

Bild 3-6 IP-Adresse eines PROFINET-Gerätes in STEP 7 ändern

Projektierten Gerätenamen in IO-Device laden


Um den projektieren Gerätenamen in das IO-Device zu laden, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Schließen Sie Ihr PG/PC am gleichen Netz an, an dem das betreffende IO-Device
angeschlossen ist. Die Schnittstelle des PGs/PCs muss auf TCP/IP eingestellt sein.
2. Wählen Sie in STEP 7, im Dialog "Erreichbare Teilnehmer" anhand der MAC-Adresse das
betreffende IO-Device aus.
3. Klicken Sie auf "Name zuweisen", um den projektierten Gerätenamen in das IO-Device zu
laden.
Der IO-Controller erkennt das IO-Device über dessen Gerätenamen und vergibt an das
IO-Device automatisch die projektierte IP-Adresse.

PROFINET mit STEP 7


56 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Identifikation des PROFINET-Geräts


Um ein Gerät z. B. in einem Schaltschrank unter mehreren gleichen Geräten eindeutig zu
identifizieren, können Sie die Link-LED des PROFINET-Geräts blinken lassen.
Wählen Sie dazu in STEP 7 den Menübefehl Online > Erreichbare Teilnehmer.... Stellen Sie
im Dialog "Erreichbare Teilnehmer" die "PG/PC-Schnittstelle" ein, über die Sie mit den Geräten
verbunden sind. STEP 7 sucht nun automatisch nach den erreichbaren Teilnehmern und zeigt
diese in der Tabelle "Erreichbare Teilnehmer im Zielsubnetz" an. Markieren Sie das
gewünschte PROFINET-Gerät und klicken Sie auf die Schalfläche "LED blinken". Das
PROFINET-Gerät wird anhand seiner MAC-Adresse identifiziert.

Bild 3-7 Dialog "Erreichbare Teilnehmer"

IP-Adressvergabe für IO-Devices auf anderem Weg


Verschiedene IO-Devices, z. B. SCALANCE X, S7-300 CPs, unterstützen die Option, die
IP-Adresse nicht vom IO-Controller im Anlauf zuweisen zu lassen. In diesem Fall ist die
IP-Adresse auf anderem Wege zu vergeben. Weitere Informationen finden Sie in der
Dokumentation des betreffenden PROFINET-Gerätes der SIMATIC-Gerätefamilie.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 57
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Weitere Informationen
Die ausführliche Beschreibung der Bedienung und Funktionen des Displays der S7-1500 CPUs
finden Sie im Systemhandbuch S7-1500, ET 200MP
([Link]

3.2.4 Gerätenamen zuweisen über Kommunikationstabelle

Einführung
Sie können die offline projektierten Gerätenamen von PROFINET IO-Devices den Geräten
online zuweisen. Dies können Sie im tabellarischen Bereich der Netzsicht in der Tabelle "E/A-
Kommunikation" erledigen. Sie können dabei auch mehreren Geräten gleichzeitig die
Gerätenamen zuweisen.

Register "Online-Zuweisung"
In der Tabelle E/A-Kommunikation finden Sie die Register "Offline-Konfiguration" und "Online-
Zuweisung". Über das Register "Online-Zuweisung" können Sie die offline vergebenen
PROFINET-Gerätenamen online den entsprechenden IO-Devices zuweisen. Verwenden Sie
dazu die Schaltflächen "Geräte prüfen" und "Jetzt zuweisen".

Bild 3-8 Gerätename zuweisen über Kommunikationstabelle

Die angezeigten Objekte in der Tabelle der Register "Online-Zuweisung" sind abhängig von
der Einstellung der Filterfunktion. Wenn nur ausgewählte Objekte angezeigt werden sollen,
werden abhängig von der Auswahl in der Netzsicht nur Objekte des entsprechenden
Kontextes angezeigt:
• PROFINET-Subnetz: Alle angeschlossenen Geräte und ihre PROFINET-Schnittstellen
• IO-System: Alle beteiligten Geräte und ihre PROFINET-Schnittstellen
• Sync-Domain: Alle beteiligten Geräte und ihre PROFINET-Schnittstellen
• Geräte: Das Gerät und die eventuell vorhandenen PROFINET-Schnittstellen
• Andere Subnetze oder Schnittstellen wie zum Beispiel MPI oder PROFIBUS werden nicht
angezeigt

PROFINET mit STEP 7


58 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Wenn über die Filterfunktion die Anzeige für alle Geräte eingestellt ist, werden alle Geräte
angezeigt, die über eine PROFINET-Schnittstelle verfügen, unabhängig davon, ob sie über ein
PROFINET-Subnetz verbunden oder Teil eines IO-Systems sind. Geräte ohne PROFINET-
Schnittstelle, zum Beispiel nur mit DP- oder MPI-Schnittstelle, werden nicht angezeigt.

Allgemeine Vorgehensweise
Für die Zuweisung von PROFINET-Gerätenamen müssen Sie zuerst die online verfügbaren IO-
Devices ermitteln. Bei der Vorgehensweise kommt es darauf an, ob die MAC-Adressen
unbekannt oder bereits bekannt sind. Allgemein ergibt sich daraus eine Vorgehensweise in
zwei Schritten:
1. Ermitteln der online verfügbaren IO-Devices
2. Offline konfigurierte PROFINET-Gerätenamen den online verfügbaren IO-Devices zuweisen

Voraussetzung
• Sie befinden sich in der Netzsicht.
• Es besteht eine Online-Verbindung zu den Geräten.

Vorgehen (Schritt 1)
Um online verfügbare IO-Devices aus der der E/A-Kommunikationstabelle zu ermitteln, gehen
Sie folgendermaßen vor:
1. Optional: Geben Sie in der Spalte "MAC-Adresse" bekannte MAC-Adressen ein. Nach jeder
gültigen Eingabe wird das Kontrollkästchen unter "Gerät zuweisen" für die entsprechende
Zeile aktiviert.

Hinweis
Sie können die MAC-Adresse in unterschiedlichen Formaten eingeben, einfügen oder
importieren. Das richtige Format wird automatisch in die Zelle eingetragen. Folgende
Eingaben werden unterstützt und anschließend in das benötigte Format konvertiert:
• "[Link]"
• "08 00 06 BA 1F 20"
• "080006BA1F20"
Die im Beispiel verwendeten Formate werden automatisch konvertiert nach "08-00-06-BA-
1F-20".

2. Klicken Sie auf die Schaltfläche "Geräte prüfen", um die Prüfung der online verfügbaren IO-
Devices zu starten.
3. Stellen Sie im Dialogfenster die PG/PC-Schnittstelle ein und klicken Sie auf "Start".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 59
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Zwischenergebnis
Nach dem Prüfvorgang wird das Ergebnis für jedes Gerät in der Tabelle angezeigt. Gefundene
Online-Daten werden automatisch in die Tabelle eingetragen und das Kontrollkästchen "Gerät
zuweisen" wird in den Zeilen auf "geprüft" gesetzt, in denen eine MAC-Adresse eingegeben
oder online gefunden wurde. In der Spalte "Status" wird das Ergebnis der Prüfung als Icon
dargestellt.

Status Bedeutung
Passendes Gerät und kompatibler Typ

Passendes Gerät und inkompatibler Typ

Unpassendes Gerät

Gerät nicht erreichbar (bei bekannter MAC-Adresse)

Bereit für Zuweisung (bei bekannter MAC-Adresse)

Hinweis
Das Icon "Bereit für Zuweisung" erscheint, wenn eine MAC-Adresse vorhanden ist und
passende Gerätedaten gefunden wurden, aber kein PROFINET-Gerätename online gefunden
wurde.

Sie können die Daten der ermittelten Geräte über deren MAC-Adresse jederzeit wieder
aktualisieren. Sie müssen dazu die MAC-Adresse angeben und dann wird der Zustand des
Gerätes sofort angezeigt, ohne erst das Gerät neu ermitteln zu müssen.

Vorgehen (Schritt 2)
In einer Massenoperation sollen alle offline konfigurierten PROFINET-Gerätenamen den
online verfügbaren Geräten zugewiesen werden.
1. Klicken Sie auf die Schaltfläche "Jetzt zuweisen".

Hinweis
Die Massenoperation kann nicht rückgängig gemacht werden. In einem Dialogfenster
erscheint ein entsprechender Sicherheitshinweis.

2. Klicken Sie im Dialogfenster auf "Start", um die Zuweisung der PROFINET-Gerätenamen zu


beginnen.

PROFINET mit STEP 7


60 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

Ergebnis
Die offline konfigurierten PROFINET-Gerätenamen werden den online verfügbaren Geräten
zugewiesen. Dies betrifft die Geräte, bei deren Zeile das Kontrollkästchen unter "Gerät
zuweisen" aktiviert ist, die eine MAC-Adresse haben und den Status "Bereit für Zuweisung"
haben.

Import und Export der Daten


Sie können über die Import- und Export-Schaltfläche die Daten der E/A-
Kommunikationstabelle für die Online-Zuweisung importieren oder exportieren:
• Bei einem Export werden die aktuell angezeigten Daten der Tabelle in eine CSV-Datei
exportiert. Über die Filterfunktion der Tabelle können Sie auswählen, welche Daten
exportiert werden sollen.
• Bei einem Import werden die Daten der CSV-Datei in die Tabelle geschrieben. Bei
Konflikten mit bereits in der Tabelle existierenden Werten können Sie entscheiden, ob die
Daten überschrieben werden soll oder der Import abgebrochen werden muss.

3.2.5 Anpassen des Gerätenamens und der IP-Adresse direkt am Gerät erlauben

Einleitung
Häufig wird eine Maschine vor Ort, ohne STEP 7, in Betrieb genommen oder in eine
bestehende Infrastruktur eingebunden. Typische Applikationen finden sich in allen Bereichen
des Serienmaschinenbaus. Dafür stehen alternative Wege zur Vergabe der IP-Adresse zur
Verfügung.

Vorgehen
1. Selektieren Sie in der Netz- oder Gerätesicht des Hardware- und Netzwerkeditors von STEP 7
die PROFINET-Schnittstelle eines IO-Controllers.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Ethernet-Adressen".
3. Wählen Sie im Bereich "IP-Protokoll" die Option "Anpassen der IP-Adresse direkt am Gerät
erlauben".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 61
Parametrieren/Adressieren
3.2 Gerätename und IP-Adresse

4. Aktivieren Sie im Bereich "PROFINET" das Optionskästchen "Anpassen des


PROFINET-Gerätenamen direkt am Gerät erlauben".

Bild 3-9 Gerätenamen und IP-Adresse am Gerät einstellen

Hinweis
Netzübergang
Wenn Sie ein PROFINET-Gerät mit der Option "Anpassen des Gerätenamens/der IP-Adresse
direkt am Gerät erlauben" betreiben, dann können Sie dieses PROFINET-Gerät nicht als
Netzübergang für S7-Routing verwenden.

Möglichkeiten zur Vergabe von IP-Adressen und Gerätenamen


Es gibt (abgesehen von der bekannten Adress- und Gerätenamensvergabe im
Inspektorfenster, Abschnitt "Ethernet Adressen") noch weitere Möglichkeiten der IP-Adress-
und Namensvergabe:
• Vergabe über das Anwenderprogramm mit der Anweisung "T_CONFIG"
• Vergabe beim Laden der Konfiguration in das Zielsystem über den Dialog "Erweitertes
Laden"
• Vergabe über das Primary Setup Tool (PST)
• Vergabe über das PRONETA („PROFINET Netzwerk-Analyse“) Inbetriebnahme- und
Diagnose-Tool
• Vergabe über das SIMATIC Automation Tool

PROFINET mit STEP 7


62 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.3 IO-Device konfigurieren über die Hardware-Erkennung

Weitere Informationen
Informationen zur Anweisung "T_CONFIG" und zum Laden ins Zielsystem finden Sie in der
Online-Hilfe STEP 7.
Im Internet wird Ihnen ein kostenloser Download
([Link] des Primary Setup Tools
(PST) zur Verfügung gestellt. Außerdem finden Sie unter dieser Internetadresse eine Liste mit
den Geräten, für die das PST freigegeben ist.

3.3 IO-Device konfigurieren über die Hardware-Erkennung

Einleitung
Ab STEP 7 V15 haben Sie die Möglichkeit, ein real vorhandenes IO-Device zu erkennen und in
Ihr Projekt zu übernehmen.
Sie erkennen das IO-Device in STEP 7 über die Funktion "Hardware-Erkennung". Ein erkanntes
Gerät können Sie in Ihr Projekt übernehmen. STEP 7 fügt das IO-Device mit allen Modulen
und Submodulen ein.

Voraussetzungen
• STEP 7 (TIA Portal) ab V15
• IO-Device muss IP-technisch erreichbar sein

Vorgehen
Um ein oder mehrere vorhandene IO-Devices in STEP 7 zu erkennen und in das Projekt zu
übernehmen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Navigieren Sie in STEP 7 zu "Online" > "Hardware-Erkennung".
2. Klicken Sie auf "PROFINET-Devices aus Netzwerk...".
STEP 7 öffnet das Fenster "Hardware-Erkennung der PROFINET-Devices".
3. Wählen Sie bei "PG/PC-Schnittstelle:" die Schnittstelle Ihres PGs aus.
4. Klicken Sie auf "Suche starten".
STEP 7 beginnt mit der Hardware-Erkennung. Wenn die Hardware-Erkennung abgeschlossen
ist, zeigt STEP 7 die erkannten IO-Devices an.
5. Wählen Sie die IO-Devices aus, die Sie in das Projekt übernehmen wollen, indem Sie auf das
entsprechende Kontrollkästchen vor dem IO-Device klicken.
6. Klicken Sie auf "Geräte hinzufügen".
Nach kurzer Zeit öffnet sich ein Fenster, das über den Erfolg bzw. Misserfolg der
Hardware-Erkennung berichtet.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 63
Parametrieren/Adressieren
3.4 Router für ein PROFINET IO-Device festlegen

Ergebnis der Hardware-Erkennung


Bei erfolgreicher Hardware-Erkennung übernimmt STEP 7 das IO-Device mit allen Modulen
und Submodulen in das Projekt.
Ein über Hardware-Erkennung konfiguriertes IO-Device verhält sich wie folgt:
• Über die "Hardware-Erkennung" konfigurierte Module sind so parametriert, als hätten Sie
diese aus dem Katalog eingefügt.
• MAC-Adresse: STEP 7 übernimmt die MAC-Adresse des erkannten IO-Devices in das
Projekt.
• IP-Einstellungen:
– Wenn das erkannte IO-Device bereits eine IP-Adresse besitzt, dann übernimmt STEP 7
die IP-Adresse in das Projekt.
– Wenn das erkannte IO-Device keine IP-Adresse besitzt, dann vergibt STEP 7
automatisch eine IP-Adresse im Projekt.
PROFINET-Gerätenamen:
– Wenn das erkannte IO-Device bereits einen PROFINET-Gerätenamen besitzt, dann
übernimmt STEP 7 den PROFINET-Gerätenamen in das Projekt.
– Wenn das erkannte IO-Device keinen PROFINET-Gerätenamen besitzt, dann vergibt
STEP 7 automatisch einen PROFINET-Gerätenamen im Projekt.
• Über "Hardware-Erkennung" konfigurierte IO-Devices sind weder einem IP-Subnetz, noch
einem IO-Controller zugeordnet.

3.4 Router für ein PROFINET IO-Device festlegen

Einleitung
Einen Router (auch "Standard-Gateway") benötigen Sie immer dann, wenn ein
PROFINET-Gerät mit Teilnehmern kommunizieren soll, deren IP-Adressen außerhalb des
eigenen IP-Subnetzes liegen. Wenn das PROFINET-Gerät ein IP-Paket an eine IP-Adresse
außerhalb des eigenen IP-Subnetzes sendet, geht das IP-Paket erst mal an den parametrierten
Router. Der Router überprüft wiederum die IP-Adresse. Liegt diese auch außerhalb von
seinem Subnetz, dann schickt der Router das IP-Paket an den nächsten Router weiter. Das
IP-Paket wird so lange weiter geroutet, bis es die Zieladresse erreicht.
S7-1500-CPUs mit mehreren PROFINET-Schnittstellen bieten wie alle S7-1500-CPUs die
Möglichkeit, die IP-Adresse eines Routers zu parametrieren. Allerdings besteht die
Einschränkung, dass Sie nur an einer PROFINET-Schnittstelle die IP-Adresse eines Routers
eingeben können.
Für die anderen PROFINET-Schnittstellen der CPU können Sie keine IP-Adresse eines Routers
parametrieren. IO-Devices, die an dieser PROFINET-Schnittstelle angeschlossen sind,
übernehmen diese Einstellung. Bis einschließlich STEP 7 V14 SP1 gibt es für diese IO-Devices
keine Möglichkeit, Geräte in einem anderen IP-Subnetz zu erreichen.

PROFINET mit STEP 7


64 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.4 Router für ein PROFINET IO-Device festlegen

Ab STEP 7 V15 haben Sie die Möglichkeit, die Adresse eines Routers für ein IO-Device
unabhängig von der Einstellung des IO-Controllers zu vergeben. Jetzt können Sie z. B. auch in
folgenden Fällen eine Routeradresse am IO-Device einstellen:
• Sie haben keine IP-Adresse eines Routers für die Schnittstelle des zugehörigen
IO-Controllers gesetzt.
• Sie haben bereits für eine andere Schnittstelle in der CPU eine Routeradresse eingestellt.

① Router R1 projektiert an PROFINET-Schnittstelle X1


② Wenn an X1 ein Router projektiert ist, dann können Sie an X2 keinen Router projektieren.
③ Weil an X1 ein Router projektiert ist, übernimmt das IO-Device die IP-Adresse des Routers R1.
Das IO-Device ist von einem anderen IP-Subnetz aus erreichbar.
④ Ab STEP 7 V15 stellen Sie die IP-Adresse des Routers R2 am IO-Device ein, unabhängig von
der Einstellung an Schnittstelle X2. Das IO-Device ist von einem anderen IP-Subnetz aus
erreichbar.
Bild 3-10 Router für ein IO-Device festlegen

Wissenswertes zur Einstellung "Router verwenden"


Im Bereich "IP-Protokoll" der Einstellungen zur PROFINET-Schnittstelle (Ethernet-Adressen)
haben Sie die Möglichkeit, die Verwendung eines Routers samt IP-Adresse des Routers zu
parametrieren.

Regeln
Beachten Sie die folgenden Regeln, wenn Sie die für eine PROFINET-Schnittstelle eines
IO-Controllers einen Router konfigurieren:
• Ein PROFINET IO-Gerät unterstützt genau einen Router, unabhängig von der Anzahl
Schnittstellen.
• Sie können für genau eine PROFINET-Schnittstelle einen Router konfigurieren. Alle
IO-Devices, die dieser PROFINET-Schnittstelle zugeordnet sind, übernehmen den
konfigurierten Router vom IO-Controller.
• Für weitere PROFINET-Schnittstellen der CPU können Sie keinen Router konfigurieren. Die
weiteren PROFINET-Schnittstellen nehmen als Router die IP-Adresse "[Link]" an und
geben diese an ihre IO-Devices weiter.
Ab STEP 7 V15 können Sie für ein IO-Device die Verwendung eines Routers konfigurieren.
Damit kann das IO-Device mit einem Teilnehmer außerhalb des eigenen IP-Subnetzes
kommunizieren, unabhängig von der Einstellung der PROFINET-Schnittstelle des
IO-Controllers.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 65
Parametrieren/Adressieren
3.4 Router für ein PROFINET IO-Device festlegen

Konfigurationsbeispiel: Router für ein IO-Device konfigurieren


Das folgende Beispiel zeigt eine Konfiguration, bei der Sie einen Router am IO-Device
konfigurieren, damit das IO-Device IP-Adressen im übergeordneten Netz erreicht.

Bild 3-11 Konfigurationsbeispiel: Router für IO-Device konfigurieren

PROFINET mit STEP 7


66 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.4 Router für ein PROFINET IO-Device festlegen

Sie haben eine CPU 1516-3PN/DP. Die beiden PROFINET-Schnittstellen X1 und X2 der CPU
arbeiten in der Betriebsart "IO-Controller". Die PROFINET-Schnittstelle X1 ist mit dem Subnetz
"Production line 1" verbunden. Die PROFINET-Schnittstelle X2 ist mit dem Subnetz "Production
line 2" verbunden. Die beiden Subnetze "Production line 1" und "Production line 2" sind
jeweils über einen Router mit dem übergeordneten Netz "Superior line" verbunden.
Für die PROFINET-Schnittstelle X1 konfigurieren Sie den Router "Router 1" mit der IP-Adresse
[Link].
Das IO-Device (ET 200SP) im Subnetz "Production line 1" übernimmt den Router vom
IO-Controller.
Die PROFINET-Schnittstelle X2 können Sie keinen Router konfigurieren, weil Sie bereits für die
PROFINET-Schnittstelle X1 der CPU einen Router konfiguriert haben.
Das IO-Device im Subnetz "Production line 2" bekommt keinen Router von der
PROFINET-Schnittstelle X2 übergeben.
Damit das IO-Device im Subnetz "Production line 2" Teilnehmer im übergeordneten
"Superior line" erreicht, konfigurieren Sie für das IO-Device den Router "Router 2" mit der
IP-Adresse [Link].

Router für den IO-Controller konfigurieren


Voraussetzung: Sie verwenden für die PROFINET-Schnittstelle die Option "IP-Adresse im
Projekt einstellen".
Um einen Router für den IO-Controller in STEP 7 zu konfigurieren, gehen Sie folgendermaßen
vor:
1. Markieren Sie in der Netzsicht von STEP 7 die PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers.
2. Navigieren Sie ins Inspektorfenster zu "Eigenschaften > Allgemein > Ethernet-Adressen".
3. Aktivieren Sie im Feld "IP-Protokoll" das Kontrollkästchen "Router verwenden".
4. Tragen Sie bei "Router-Adresse" die IP-Adresse des Routers ein.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 67
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Router für ein IO-Device konfigurieren


Voraussetzungen:
• STEP 7 ab V15
• CPU 1500 ab Firmware-Version V2.5
• IO-Device ist der PROFINET-Schnittstelle eines IO-Controllers zugeordnet. Die
PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers verwendet die Option "IP-Adresse im Projekt
einstellen".
Um einen Router für ein IO-Device in STEP 7 zu konfigurieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Markieren Sie in der Netzsicht von STEP 7 die PROFINET-Schnittstelle des IO-Devices.
2. Navigieren Sie ins Inspektorfenster zu "Eigenschaften > Allgemein > Ethernet-Adressen".
3. Deaktivieren Sie das Kontrollkästchen "Router-Einstellungen mit IO-Controller
synchronisieren".
4. Aktivieren Sie das Kontrollkästchen "Router verwenden".
5. Tragen Sie bei "Router-Adresse" die IP-Adresse des Routers ein.

3.5 Topologie projektieren

Einleitung
Wenn ein IO-Device einem IO-Controller zugewiesen ist, dann ist damit noch nicht festgelegt,
wie die Ports untereinander verschaltet sind.
Eine Portverschaltung ist bei Nutzung von RT nicht notwendig, bietet aber folgende Vorteile:
• Mit der Portverschaltung wird eine Solltopologie vorgegeben. Anhand eines
Offline/Online-Vergleichs besteht die Möglichkeit, einen Soll-Ist-Vergleich durchzuführen
bei den Geräten, die diese Funktionalität unterstützen.
• Die Funktion "Gerätetausch ohne Wechselmedium" steht zur Verfügung.
Eine Portverschaltung ist bei Nutzung von IRT zwingend notwendig.
Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten, wie Sie ein
PROFINET-Netzwerk aufbauen können.

Linie
Alle Kommunikationsteilnehmer werden in einer Linie hintereinander geschaltet.
Bei PROFINET wird die Linientopologie durch Switches realisiert, die in PROFINET-Geräten
bereits eingebaut sind. Deshalb ist die Linientopologie bei PROFINET lediglich eine
Sonderform der Baum-/Sterntopologie.
Wenn ein Koppelelement (z. B. Switch) ausfällt, dann ist eine Kommunikation über das
ausgefallene Koppelelement hinweg nicht mehr möglich. Das Netz wird dann in
2 Teilsegmente getrennt.
Der Aufwand für die Verkabelung ist bei einer Linientopologie am geringsten.

PROFINET mit STEP 7


68 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Stern
Durch den Anschluss von Kommunikationsteilnehmern an einen Switch mit mehr als zwei
PROFINET-Ports entsteht automatisch eine sternförmige Netztopologie.
Wenn ein einzelnes PROFINET-Gerät ausfällt, führt das bei dieser Struktur im Gegensatz zu
anderen Strukturen nicht zwangsläufig zum Ausfall des gesamten Netzes. Lediglich der
Ausfall eines Switches führt zum Ausfall eines Teils des Kommunikationsnetzes.

Baum
Wenn Sie mehrere sternförmige Strukturen miteinander verschalten, entsteht eine
baumförmige Netztopologie.

Ring
Um die Verfügbarkeit eines Netzes zu erhöhen, setzt man Ringstrukturen ein. Prinzipiell wird
dabei eine Linientopologie über einen so genannten Redundanzmanager zu einem Ring
zusammengeschlossen.
Die Aufgabe des Redundanzmanagers übernimmt ein externer Switch (SCALANCE X), eine
CPU, die das Medienredundanzprotokoll MRP unterstützt (z. B. CPU 1516-3 PN/DP) oder ein
CP (z. B. CP 343-1 Lean).
Der Redundanzmanager sorgt bei einer Unterbrechung des Netzes dafür, dass die Daten über
eine alternative Netzwerkverbindung im Ring umgeleitet werden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 69
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Beispiel zur Topologie


Im folgenden Beispiel sehen Sie verschiedene Topologien kombiniert.

Ziffer Bedeutung
① S7-1500 als IO-Controller
② S7-300 als IO-Controller
③ Industrial WLAN mit SCALANCE W
④ SCALANCE X 307-3 mit 7 elektrischen und 3 optischen Ports
⑤ ET 200SP mit integriertem 2-Port Switch
⑥ SCALANCE X 204 mit 4 elektrischen Ports
⑦ PROFINET/Industrial Ethernet
⑧ IE/PB-Link PN IO
⑨ PROFIBUS DP
⑩ ET 200S mit 2 optischen Ports
Sterntopologie

Linientopologie

Die Kombination von Topologieformen ergibt eine Baumtopologie.

Bild 3-12 Kombinierte Topologie

PROFINET mit STEP 7


70 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Weiterführende Informationen
Beachten Sie für die Planung Ihrer PROFINET-Topologie die Installationsrichtlinie PROFINET
([Link]
guide/display/) der PROFIBUS-Nutzerorganisation.
Weiterführende Informationen finden Sie im Handbuch SIMATIC NET Twisted Pair- und Fiber
Optic-Netze ([Link]
Grundlegende Informationen finden Sie im Handbuch Kommunikation mit SIMATIC
([Link]

3.5.1 Topologiesicht in STEP 7

Einführung
Die Topologiesicht ist einer von drei Arbeitsbereichen des Hardware- und Netzwerkeditors.
Hier führen Sie folgende Aufgaben durch:
• Ethernet-Topologie anzeigen
• Ethernet-Topologie projektieren
• Unterschiede zwischen Soll- und Ist-Topologie ermitteln und minimieren (Online)
Die Topologiesicht in STEP 7 besteht aus einem grafischen und einem tabellarischen Bereich.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 71
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Grafischer Bereich
Im grafischen Bereich der Topologiesicht werden Ihnen PROFINET-Geräte mit den
zugehörigen Ports und Portverschaltungen angezeigt. Hier können Sie weitere PROFINET-
Geräte hinzufügen.
Das folgende Bild zeigt den grafischen Bereich der Topologiesicht.

① Umschalter Gerätesicht/Netzsicht/Topologiesicht
② Funktionsleiste
③ Grafischer Bereich der Topologiesicht
④ Übersichtsnavigation
⑤ Umschalter zum tabellarischer Bereich der Topologiesicht
Bild 3-13 Grafischer Bereich der Topologiesicht

Übersichtsnavigation
Klicken Sie mit der Maus in die Übersichtsnavigation, um einen Überblick über die angelegten
Objekte im grafischen Bereich zu erhalten. Bei gedrückter Maustaste können Sie in der
Übersichtsnavigation schnell zu den gewünschten Objekten navigieren und sich diese im
grafischen Bereich anzeigen lassen.

PROFINET mit STEP 7


72 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Tabellarischer Bereich
• Topologieübersicht: Hier werden Ihnen die Ethernet- bzw. PROFINET-Geräte, deren Ports
und Portverschaltungen in tabellarischer Form angezeigt. Diese Tabelle entspricht der
Netzübersichtstabelle in der Netzsicht.
• Topologievergleich: Hier können Sie Geräte und Portverschaltungen automatisch durch
Offline/Online-Vergleich bzw. erweiterten Offline/Online-Vergleich in STEP 7 übernehmen.

① Umschalter zum grafischen Bereich der Topologiesicht


② Umschalter Gerätesicht/Netzsicht/Topologiesicht
③ Umschalter Topologieübersicht/Topologievergleich
④ Tabellarischer Bereich der Topologiesicht
Bild 3-14 Tabellarischer Bereich der Topologiesicht

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 73
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

3.5.2 Ports verschalten in der Topologiesicht

Voraussetzung
Sie befinden sich in der grafischen Ansicht der Topologiesicht.

Vorgehen
Um Ports in der Topologiesicht zu verschalten, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Platzieren Sie den Mauscursor auf dem zu verschaltenden Port.
2. Klicken Sie mit der linken Maustaste und halten Sie die Maustaste gedrückt.
3. Verschieben Sie den Mauscursor.
Der Mauscursor zeigt jetzt mit dem Vernetzungssymbol den Arbeitsmodus "Verschalten"
an. Gleichzeitig sehen Sie im Mauscursor das Sperrsymbol, das erst über einer gültigen
Zielposition verschwindet.
4. Ziehen Sie nun den Mauscursor auf den Ziel-Port. Sie können hierbei die linke Maustaste
gedrückt halten oder loslassen.
5. Lassen Sie nun die linke Maustaste los oder klicken Sie erneut mit der linken Maustaste.

Bild 3-15 Ports verschalten in der Topologiesicht

Ergebnis
Sie haben eine neue Portverschaltung angelegt.

PROFINET mit STEP 7


74 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

3.5.3 Ports verschalten - Inspektorfenster

Ports im Inspektorfenster verschalten


Um Ports miteinander zu verschalten, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie in der Geräte- oder Netzsicht das PROFINET-Gerät oder die PROFINET-
Schnittstelle.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zur Port-Eigenschaft "Portverschaltung".
Bei markierter PROFINET-Schnittstelle ist diese Einstellung wie folgt im Inspektorfenster zu
finden: "Eigenschaften > Allgemein > Erweiterte Optionen > Port [...] > Portverschaltung."
3. Im Abschnitt "lokaler Port" sind die Einstellungen am lokalen Port zu finden. Für
Lichtwellenleiter sind hier z. B. die Kabelbezeichnungen einstellbar.
Wählen Sie im Bereich "Partnerport" die Klappliste für "Partnerport", um sich die
verfügbaren Partnerports anzeigen zu lassen und auszuwählen.

Bild 3-16 Ports verschalten im Inspektorfenster in STEP 7

Wenn die PROFINET-Schnittstelle nicht vernetzt war, wird sie durch diese Aktion automatisch
vernetzt. In den Eigenschaften des Subnetzes können Sie einstellen, ob dieses Subnetz für die
Vernetzung herangezogen werden soll oder nicht.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 75
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

3.5.4 Automatische Zuordnung von Geräten durch den Offline-/Online-Vergleich

Übersicht
Beim Offline-/Online-Vergleich wird die projektierte Topologie mit der tatsächlich
vorhandenen Topologie verglichen. Dabei werden online ermittelte Geräte projektierten
Geräten automatisch zugeordnet, soweit dies möglich ist.

Start der Verfügbarkeitsermittlung


Sie starten die Verfügbarkeitsermittlung das erste Mal, indem Sie in der Funktionsleiste des
Registers "Topologievergleich" auf die Schaltfläche "Offline-/Online-Vergleich" klicken.
Sie starten die Verfügbarkeitsermittlung erneut, indem Sie auf die Schaltfläche "Aktualisieren"
klicken.

Hinweis
Die Verfügbarkeitsermittlung kann einige Sekunden dauern. In dieser Zeit sind keine
Bedieneingaben möglich.

Automatische Zuordnung eines PNIO-Geräts


Ein online ermitteltes PNIO-Gerät wird einem projektierten Gerät automatisch zugeordnet,
wenn die beiden Geräte in folgenden Eigenschaften übereinstimmen:
• Artikel-Nr.
• Typ
• PROFINET-Gerätename

PROFINET mit STEP 7


76 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Keine automatische Zuordnung


In den folgenden Fällen ist keine automatische Zuordnung möglich:
• Zu einem projektierten Gerät gibt es kein zugehöriges online ermitteltes Gerät (Dann sind
die entsprechenden Spalten im Bereich "Online-Topologie" der Topologievergleichstabelle
leer.).
In diesem Fall sollten Sie Ihre Anlage um das bereits projektierte Gerät ergänzen oder das
projektierte Gerät aus der Projektierung löschen.
• Ein online ermitteltes Gerät kann einem projektierten Gerät zugeordnet werden, jedoch
gibt es Unterschiede in den Portverschaltungen.
In diesem Fall können Sie die Online ermittelte Portverschaltungen manuell in das Projekt
übernehmen (Seite 77).
• Ein online ermitteltes Gerät kann keinem projektierten Gerät zugeordnet werden (Dann
sind die entsprechenden Spalten im Bereich "Offline-Topologie" der
Topologievergleichstabelle leer.).
In diesem Fall können Sie das Online ermittelte Geräte manuell in das Projekt übernehmen
(Seite 78).

3.5.5 Online ermittelte Portverschaltungen manuell in das Projekt übernehmen

Voraussetzung
Sie haben in der Topologiesicht einen Offline-/Online-Vergleich durchgeführt. Dieser hatte als
Ergebnis, dass mindestens ein online ermitteltes Gerät einem projektierten Gerät automatisch
zugeordnet wurde und es dabei jedoch Unterschiede bei der Verschaltung gibt.

Vorgehen
Um eine oder mehrere online ermittelte Portverschaltungen manuell in das Projekt zu
übernehmen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Markieren Sie die zur Portverschaltung gehörende Zeile.
2. Markieren Sie ggf. weitere Zeilen per Multiselektion.
3. Wählen Sie im Kontextmenü "Übernehmen" > "Ausgewählte anwenden".
Daraufhin ändert sich der Inhalt der zugehörigen Tabellenfelder in der Spalte "Handlung"
auf "Übernehmen".
4. Falls Sie fälschlicherweise zu viele Portverschaltungen für die Übernahme in das Projekt
vorbereitet haben:
Markieren Sie die Zeilen, die zu den fälschlicherweise zur Übernahme in das Projekt
vorbereiteten Portverschaltungen gehören, per Multiselektion.
Wählen Sie im Kontextmenü "Rücksetzen" > "Ausgewählte rücksetzen".
Daraufhin ändern sich die zugehörigen Tabellenfelder in der Spalte "Handlung" auf "keine
Handlung".
5. Klicken Sie auf die Schaltfläche "Synchronisieren".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 77
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

Ergebnis
Für die zugehörigen Geräte werden die online ermittelten Portverschaltungen in das Projekt
übernommen. Eine erfolgreiche Übernahme wird durch das Diagnosesymbol "identische
Topologieinformation" für jeden Port angezeigt.

Hinweis
Wenn für ein online ermitteltes Gerät andere Portverschaltungen erkannt werden als die im
Projekt vorliegenden, führt deren Übernahme in das Projekt dazu, dass die bisher im Projekt
vorhandenen Portverschaltungen durch die online erkannten ersetzt werden. Wenn nun für
ein online ermitteltes Gerät gar keine Portverschaltungen erkannt werden, führt die
Übernahme in das Projekt dazu, dass sämtliche Portverschaltungen dieses Geräts im Projekt
gelöscht werden.

3.5.6 Online ermittelte Geräte manuell in das Projekt übernehmen

Voraussetzung
Sie haben in der Topologiesicht einen Offline-/Online-Vergleich durchgeführt. Dieser hatte als
Ergebnis, dass mindestens ein online ermitteltes Gerät keinem projektierten Gerät
zugeordnet werden konnte.

Vorgehen
Um eine oder mehrere online ermittelte Geräte manuell in das Projekt zu übernehmen, gehen
Sie folgendermaßen vor:
1. Bewegen Sie bei einem projektierten Gerät ohne Online-Partner den Mauszeiger in die
Spalte "Gerät/Port" der Online-Topologie.
2. Wählen Sie in der Klappliste dieses Felds das Gerät, das Sie dem projektierten Gerät
zuordnen wollen.
3. Wiederholen Sie die bisherigen Schritte ggf. für weitere projektierte Geräte ohne Online-
Partner.

Ergebnis
Das ausgewählte online ermittelte Gerät wird vom Tabellenende nach oben verschoben.
Danach befindet es sich in der Zeile desjenigen projektierten Geräts, dem Sie es soeben
zugeordnet haben.

PROFINET mit STEP 7


78 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Parametrieren/Adressieren
3.5 Topologie projektieren

3.5.7 Automatische Zuordnung von Geräten durch den Erweiterten


Offline /Online-Vergleich

Überblick
Beim Erweiterten Offline-/Online-Vergleich wird neben DCP zusätzlich ICMP benutzt, um auch
Geräte zu erkennen, die kein DCP unterstützen.

Automatische Zuordnung von Geräten, die mittels ICMP ermittelt wurden


Bei Geräten, die mittels ICMP ermittelt wurden, ist kein Typ verfügbar.
Bei passiven Geräten ist keine Artikel-Nr. verfügbar. Daher können passive Geräte nur dann
automatisch zugeordnet werden, wenn Sie in den projektierten Daten keine Artikel-Nr.
vergeben haben und die Offline- und die Online-IP-Adresse übereinstimmen.
Bei Switches ist eine automatische Zuordnung möglich, wenn Offline- und Online-Artikel-Nr.,
-IP-Adresse und -PROFINET-Gerätename übereinstimmen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 79
Diagnose und Instandhaltung 4
4.1 Diagnosemechanismen von PROFINET IO

Durchgängiges Diagnosekonzept
Alle SIMATIC-Produkte besitzen integrierte Diagnosefunktionen, mit denen Sie Störungen
erkennen und beheben können. Die Komponenten melden automatisch eine eventuelle
Störung des Betriebs und liefern zusätzliche Detailinformationen.
Jeder einzelne oder mehrere gleichzeitig auftretende Fehler werden vom IO-Device an den
IO-Controller übertragen. Wenn Sie den gesamten Status eines IO-Devices einschließlich der
noch anstehenden Fehler benötigen, können Sie den Status auch direkt vom IO-Device lesen.
In den folgenden Kapiteln erläutern wir Ihnen die Grundzüge der Diagnose über PROFINET IO.
Eine ausführliche Beschreibung der Systemdiagnose für S7-1500, ET 200MP, ET 200SP und
ET 200AL finden Sie im Funktionshandbuch Diagnose
([Link]

PROFINET mit STEP 7


80 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.1 Diagnosemechanismen von PROFINET IO

Zugriff auf den Status eines IO-Devices mit einem PG/PC oder einem HMI-Gerät
Wenn Sie über ein PG/PC mit STEP 7 oder über ein HMI-Gerät mit dem Industrial Ethernet
verbunden sind, können Sie Diagnoseinformation online abrufen. Das veranschaulicht die
folgende Grafik.

Ziffer Beschreibung
① Das IO-Device erkennt einen Fehler und sendet Diagnosedaten an den IO-Controller.
② Der IO-Controller benachrichtigt das PG/HMI-Gerät. Die Anzeige der Systemdiagnose wird ak-
tualisiert.
③ Sie können in STEP 7 den Stationsstatus über "Erreichbare Teilnehmer" unabhängig vom
IO-Controller direkt vom IO-Device lesen. Dazu muss das PG am Industrial Ethernet angeschlos-
sen sein.
So können Sie während der Inbetriebnahmephase oder im Servicefall auch dann auf Diagno-
seinformationen zugreifen, wenn der IO-Controller nicht in Betrieb ist.
Bild 4-1 PROFINET IO-Diagnose mit PG/PC oder HMI-Gerät

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 81
Diagnose und Instandhaltung
4.1 Diagnosemechanismen von PROFINET IO

4.1.1 Diagnoseebenen bei PROFINET IO

Konzept
Jeder auftretende Fehler wird vom IO-Device an den IO-Controller übertragen. Der
Informationsumfang und die Informationstiefe einer Diagnose variieren, abhängig davon, auf
welcher Diagnoseebene Sie die Diagnosen auswerten und welche PROFINET-Geräte Sie
verwenden.

Diagnoseebenen
Sie haben die Möglichkeit Diagnoseinformationen auf verschiedenen Ebenen auszuwerten.
Anzahl und Art der Kanäle wählen Sie z. B. über die Diagnoseebene 4 aus.
Das folgende Bild zeigt die Diagnoseebenen bei PROFINET IO.

Bild 4-2 Diagnoseebenen bei PROFINET IO

PROFINET mit STEP 7


82 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.1 Diagnosemechanismen von PROFINET IO

Darstellung der Diagnoseebenen in der Gerätesicht in STEP 7


Das folgende Bild zeigt die Darstellung des PROFINET-Gerätemodells in der Gerätesicht von
STEP 7 am Beispiel eines Dezentralen Peripheriesystems ET 200MP:

Ziffer Beschreibung
① Ebene 1: Fehler im Gerät
② Ebene 2: Fehler im Modul
Bild 4-3 Diagnoseebenen in der Gerätesicht von STEP 7

Welche PROFINET-Teilnehmer unterstützen die erweiterte PROFINET-Diagnose?


Einen Überblick, welche PROFINET-Teilnehmer die erweiterte PROFINET-Diagnose
unterstützen bzw. was Sie projektieren müssen, finden Sie in diesem FAQ
([Link]

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 83
Diagnose und Instandhaltung
4.2 Diagnose über LEDs

4.2 Diagnose über LEDs

LEDs zur Diagnose am PROFINET


Jeder Port einer PROFINET-Schnittstelle eines SIMATIC-Gerätes besitzt eine LED.
Die folgende Tabelle zeigt eine Zusammenstellung der Bedeutung dieser LED in den
Systemen S7-1500, ET 200MP, ET 200SP und ET 200AL.

Tabelle 4- 1 S7-1500, ET 200MP, ET 200SP, ET 200AL: LEDs zur Diagnose am PROFINET

LED-Bild Bedeutung S7-1500 ET 200MP ET 200SP ET 200AL

LED LINK/RX/TX LED LK LED P1 Link


LED P2 Link
Eine Ethernet-Verbindung zwischen X X X X
LED aus PROFINET-Schnittstelle des PROFINET-Geräts
und dem Kommunikationspartner besteht
nicht.
Zum aktuellen Zeitpunkt werden keine Da-
ten über die PROFINET-Schnittstelle emp-
fangen/gesendet.
Eine Ethernet-Verbindung zwischen der X X X X
LED leuchtet grün PROFINET-Schnittstelle Ihres PROFINET-
Geräts und einem Kommunikationspartner
besteht.
Der "LED-Blinktest" wird durchgeführt. X X X X
LED blinkt grün
Zum aktuellen Zeitpunkt werden Daten über X X - -
LED flackert gelb die PROFINET-Schnittstelle des PROFINET-
Geräts von einem Kommunikationspartner
im Ethernet empfangen/gesendet.

Weitere Informationen
Eine ausführliche Beschreibung aller LEDs der Module mit Fehlerursachen und
Abhilfemaßnahmen finden Sie in der jeweiligen Dokumentation zum Modul.

PROFINET mit STEP 7


84 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.3 Diagnose über das Display der S7-1500 CPUs

4.3 Diagnose über das Display der S7-1500 CPUs

Display
Die S7-1500 CPU hat ein Display und Bedientasten. Das Display der CPU zeigt Ihnen in
verschiedenen Menüs Kontroll- und Statusinformationen an. Mit den Bedientasten navigieren
Sie durch die Menüs und nehmen dabei zahlreiche Einstellungen vor.

Diagnose über das Display


Folgende Anzeigen können zu Diagnosezwecken am Display ausgewertet werden:
• Fehler- und Meldetexte (Systemdiagnose, Alarmmeldungen)
• Modulstatus für zentrale und dezentrale Module
Im folgenden Beispiel für eine Displayanzeige der CPU 1516-3 PN/DP sehen Sie eine Warnung
am Diagnosesymbol und ein Ausrufezeichen am Symbol für Module.

Bild 4-4 Display Übersicht

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 85
Diagnose und Instandhaltung
4.3 Diagnose über das Display der S7-1500 CPUs

Modulstatus
Zur Anzeige des Modulstatus navigieren Sie am Display über die Menüpunkte "Module" >
"PROFINET I/O (X1)" > "Station" > "Steckplatz" > "Status" > "Modulstatus".
Der Modulstatus zeigt an, dass ein Fehler im Modul aufgetreten ist. Der "unterlagerte
Zustand" ist der Zustand der Module in der Diagnoseebene darunter. Im Beispiel ist der
Zustand "gut", d. h. der Fehler befindet sich nicht in der unterlagerten Diagnoseebene
Submodul oder Kanal, sondern im Modul selbst.

Bild 4-5 Display Modulstatus

PROFINET mit STEP 7


86 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.3 Diagnose über das Display der S7-1500 CPUs

Fehler- und Meldetexte


Sie können sich am Display Diagnosepuffereinträge und Alarmmeldungen für das betreffende
Automatisierungssystem anzeigen lassen.
Zur Anzeige der Diagnosepuffereinträge der CPU navigieren Sie am Display über die
Menüpunkte "Diagnose" > "Diagnosepuffer".

Bild 4-6 Display Diagnosepuffer

Zur Anzeige der Alarmmeldungen des Automatisierungssystems navigieren Sie am Display


über die Menüpunkte "Diagnose" > "Meldungen" > "Meldetext".

Hinweis
Aktualisierung der Meldungsanzeige
Das Display zeigt den aktuell gelesenen Zustand der CPU statisch an, die Anzeige wird nicht
automatisch aktualisiert. Eine Aktualisierung erfolgt nach dem Verlassen und erneutem
Öffnen der Meldungsanzeige.
Das automatische Aktualisieren der Diagnoseinformationen stellen Sie ein unter: "Display" >
"DiagnosticRefresh".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 87
Diagnose und Instandhaltung
4.3 Diagnose über das Display der S7-1500 CPUs

Bild 4-7 Display Meldungen

Bild 4-8 Display Alarmmeldung

Weiterführende Informationen
Die Beschreibung der Bedienung und Funktionen des Displays finden Sie im SIMATIC S7-1500
Display Simulator ([Link]
manuals/getting-started_simatic-s7-1500/disp_tool/start_de.html).

PROFINET mit STEP 7


88 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.4 Diagnose über den Webserver

4.4 Diagnose über den Webserver


Die CPUs der S7-Familie verfügen über einen integrierten Webserver mit vielfältigen
Funktionen.
Ihnen stehen z. B. folgende Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung:
• Startseite mit allgemeinen CPU-Informationen
• Informationen zur Diagnose
• Inhalt des Diagnosepuffers
• Baugruppenzustand
• Meldungen
• Informationen zur Kommunikation
• PROFINET-Topologie
• Motion Control-Diagnose
• Trace
• Inhalte des Diagnosepuffers
• Modulzustand
• Ist-Topologie des PROFINET-Systems
• Soll-Topologie des PROFINET-Systems (aus der Projektierung)

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 89
Diagnose und Instandhaltung
4.4 Diagnose über den Webserver

Soll-Topologie und Ist-Topologie - grafische Ansicht


Voraussetzungen für die Anzeige der Soll- und Ist-Topologie:
• Sie haben die PROFINET-Ports im Topologieeditor des Hardware- und Netzwerkeditors von
STEP 7 projektiert.
• Sie haben das gesamte Projekt mit STEP 7 in die CPU geladen.
Nachfolgend finden Sie ein Beispiel für die grafische Ansicht.

Bild 4-9 Topologie - grafische Ansicht über den Webserver

PROFINET mit STEP 7


90 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.4 Diagnose über den Webserver

Bedeutung der farbigen Verbindungen in der Soll-/Ist-Topologie:

Tabelle 4- 2 Bedeutung der farbigen Verbindungen in der Soll-/Ist-Topologie

Verbindung Bedeutung
Soll-Topologie Ist-Topologie
grün Die aktuelle Ist-Verbindung entspricht der projektierten erkannte Verbindungen
Soll-Verbindung.
rot Die aktuelle Ist-Verbindung entspricht nicht der projektierten -
Soll-Verbindung (z. B. Port vertauscht).
gelb Die Verbindung kann nicht diagnostiziert werden. Ursachen: -
• Die Kommunikation zu einem IO-Device ist gestört (z. B.
Kabel gezogen)
• Verbindung zu einer passiven Komponente
• Verbindung zu PROFINET-Geräten eines anderen
IO-Controllers bzw. PROFINET-Systems

① Projektierte und erreichbare PROFINET-Teilnehmer


Projektierte und erreichbare PROFINET-Teilnehmer werden dunkelgrau angezeigt.
Verbindungen zeigen, über welche Ports die PROFINET-Teilnehmer einer Station verbunden
sind.

② Projektierte, aber nicht erreichbare PROFINET-Teilnehmer


Die projektierten, aber nicht erreichbaren PROFINET-Teilnehmer werden rosa mit roter
Umrandung angezeigt (z. B. Gerät ausgefallen, Kabel gezogen).

③ Deaktivierte Teilnehmer
Alle deaktivierten, projektierten PROFINET-Teilnehmer werden hellgrau angezeigt.

④ Vertauschte Ports
Vertauschte Ports werden in der Ansicht Soll-Topologie rot markiert. In der Ist-Topologie
werden die tatsächlich verbundenen Ports angezeigt, in der Soll-Topologie die projektierte
Soll-Verbindung.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 91
Diagnose und Instandhaltung
4.4 Diagnose über den Webserver

⑤ PROFINET-Geräte eines anderen PROFINET IO-Systems


• In der Soll-Topologie:
Ein PROFINET-Gerät eines anderen PROFINET IO-Systems wird mit einer grünen
Verbindung dargestellt (bzw. roten Verbindung bei vertauschten Ports), wenn es direkt an
ein projektiertes und erreichbares PROFINET-Gerät ① grenzt und es selber auch erreichbar
ist. Wenn das PROFINET-Gerät eines anderen PROFINET IO-Systems nicht erreichbar ist,
wird eine gelbe Verbindungslinie dargestellt.
Die Verbindung zwischen zwei PROFINET-Geräten, die beide zu einem anderen
PROFINET IO-System gehören, ist nicht ermittelbar und wird immer gelb dargestellt.
• In der Ist-Topologie:
Ein PROFINET-Gerät eines anderen PROFINET IO-Systems wird nur angezeigt, wenn das
PROFINET-Gerät sich in direkter Nachbarschaft zu einem projektierten PROFINET-Gerät
befindet. Das PROFINET-Gerät wird hellgrau und mit gestrichelter Linie dargestellt.
Für PROFINET-Geräte eines anderen PROFINET IO-Systems erfolgt keine Statusanzeige im
Gerätekopf.

⑥ Darstellung fehlerhafter Nachbarschaftsbeziehungen


Die Teilnehmer, deren Nachbarschaftsbeziehungen nicht vollständig bzw. fehlerhaft
ausgelesen werden konnten, stellen sich hellgrau mit roter Umrandung dar.

Weiterführende Informationen
Weiterhin sind die tabellarische Ansicht der Ist-Topologie und eine Statusübersicht der
PROFINET-Geräte im Projekt möglich.
Diese Ansichten, weitere Topologiebeispiele und detaillierte Informationen zur Bedienung
und den Funktionen des Webservers finden Sie im Handbuch Webserver
([Link]

PROFINET mit STEP 7


92 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.5 Online-Diagnose mit STEP 7

4.5 Online-Diagnose mit STEP 7


Für PROFINET haben Sie in STEP 7 folgende Möglichkeiten zur Auswertung von Diagnose:
• Online & Diagnose - Geräte & Netze
• Online & Diagnose - Diagnose von PROFINET-Ports

Online & Diagnose Netzsicht


Im Hardware und Netzeditor (Aufruf aus der "Projektnavigation" durch Doppelklick auf
"Geräte & Netze") können Sie sich mit der Schaltfläche "Online verbinden" eine Übersicht über
den aktuellen Zustand Ihres Systems verschaffen. Dabei stehen Ihnen auch die
Projektierungsinformationen zur Verfügung (z. B. nicht projektierte Module). Diese
Möglichkeit steht Ihnen in ähnlicher Form auch in der Topologiesicht zur Verfügung.
Schematische Darstellung der Netzsicht (online):

Bild 4-10 Online & Diagnose Netzsicht

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 93
Diagnose und Instandhaltung
4.5 Online-Diagnose mit STEP 7

Online & Diagnose Gerätesicht


In STEP 7 können Sie sich eine Übersicht über die gestörten Module anzeigen lassen. Rufen
Sie dazu den Menübefehl "Online > Online & Diagnose" auf. Nachdem Sie sich verbunden
haben, sehen Sie in der Projektnavigation den Status der erreichbaren Geräte.
Um direkt zum fehlerhaften Modul zu gelangen, doppelklicken Sie auf das Gerät, das eine
Störungsmeldung anzeigt. Im Arbeitsbereich wird die Gerätesicht geöffnet. In der
Geräteansicht des Geräts, das die Störung meldet, sehen Sie direkt, in welchem Modul der
Fehler auftritt.
Um eine genauere Fehlerbeschreibung anzuzeigen, öffnen Sie im Inspektorfenster das
Register "Diagnose" und das untergeordnete Register "Geräte-Information".
Schematische Darstellung der Gerätesicht (online):

Bild 4-11 Online & Diagnose Gerätesicht

PROFINET mit STEP 7


94 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.5 Online-Diagnose mit STEP 7

Diagnose von PROFINET-Ports


Wenn Sie in der Online & Diagnose Gerätesicht eines PROFINET-Gerätes im Bereich Diagnose
"PROFINET Schnittstelle > Ports" anwählen, dann werden Ihnen in einer Tabelle die Ports der
PROFINET-Schnittstelle aufgelistet.
Die Tabelle gibt Ihnen folgende Informationen zu den Ports der PROFINET-Schnittstelle:
• Name
• Status
• Einstellungen
• Betriebsart

Bild 4-12 Diagnose von PROFINET-Ports in STEP 7

Weitere Informationen
Informationen zur Systemdiagnose für S7-1500, ET 200MP, ET 200SP und ET 200AL finden
Sie im Funktionshandbuch Diagnose
([Link] und in der Online-Hilfe
STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 95
Diagnose und Instandhaltung
4.6 Erweitertes Maintenance-Konzept

4.6 Erweitertes Maintenance-Konzept

Erweitertes Maintenance-Konzept
Die PROFINET-Schnittstellen mit integriertem Switch der SIMATIC-Geräte unterstützen das
vierstufige Diagnosekonzept nach der PROFINET-Spezifikation ab Version V2.3 mit den
folgenden Status:

Tabelle 4- 3 Klassifikation der Diagnosestatus

Diagnosestatus Symbol Schwere des Fehlers


Good Grünes Häkchen

Wartungsbedarf Grüner Schraubenschlüssel


(Maintenance Required)
Wartungsanforderung Gelber Schraubenschlüssel
(Maintenance Demanded)
Bad Roter Schraubenschlüssel

Ziel des Diagnosekonzepts ist das frühzeitige Erkennen und Beseitigen von potenziellen
Störungen - noch bevor es zum Produktionsausfall kommt.
Dazu werden, neben den Zustandsinformationen "Good" (nicht gestört) und "Bad" (gestört)
eines PROFINET-Geräts, zusätzliche Zustandsinformationen definiert.
Die Maintenance-Informationen werden mit den folgenden Systemmeldungen generiert:
• Wartungsbedarf (symbolisiert durch einen grünen Schraubenschlüssel) und
• Wartungsanforderung (symbolisiert durch einen gelben Schraubenschlüssel)
Die Zeitpunkte, an denen die beiden Systemmeldungen generiert werden, sind für die
meisten Verschleißparameter individuell einstellbar.

PROFINET mit STEP 7


96 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.6 Erweitertes Maintenance-Konzept

Beispiel: Wartungsanforderung für ein PROFINET-Kabel


Die folgende Grafik veranschaulicht Ihnen, wie Diagnoseinformationen ausgetauscht werden,
wenn die Übertragungsqualität auf der optischen Leitung, z. B. durch Alterung, abnimmt. In
diesem Beispiel wird das Szenario betrachtet, nachdem bereits Wartungsbedarf diagnostiziert
wurde.

Ziffer Beschreibung
① Die Systemreserve des Lichtwellenleiters sinkt unter 0 dB.
② Sowohl ET 200S PN FO als auch der Switch senden den Maintenance Demanded-Alarm an
den IO-Controller.
③ Der IO-Controller erkennt anhand der Alarme die Wartungsanforderung vom Switch und vom
IO-Device. Die Baugruppenzustandsdaten werden im IO-Controller aktualisiert und die ent-
sprechenden Fehler-OBs aufgerufen. Hinweis: Damit die Fehler-OBs im IO-Controller gestartet
werden können, muss in STEP 7 die Eigenschaft "Bei Kommunikationsfehlern Anwenderpro-
gramm aufrufen" des betreffenden IO-Controllers angewählt werden.
④ In STEP 7 (auf dem PG/PC) wird am IO-Device und am Switch die Wartungsanforderung durch
einen gelben Schraubenschlüssel symbolisiert.
⑤ Detailinformationen kann STEP 7 auch direkt vom Switch auslesen.

Bild 4-13 Wartungsanforderung für ein PROFINET-Kabel

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 97
Diagnose und Instandhaltung
4.7 Diagnose der Netzwerktopologie

4.7 Diagnose der Netzwerktopologie

Verfügbarkeit
Als offener Standard können Sie bei PROFINET beliebige Systeme oder Softwarelösungen zur
Diagnose auf der Basis von SNMP einsetzen.

Netzwerkdiagnose
Das Netzwerk-Management-Protokoll SNMP (Simple Network Management Protocol) nutzt
das verbindungslose Transportprotokoll UDP. Es besteht aus zwei Netz-Komponenten, ähnlich
dem Client/Server-Modell. Der SNMP-Manager überwacht die Netzwerkknoten und die SNMP-
Clients sammeln in den einzelnen Netzwerkknoten die verschiedene netzwerkspezifische
Informationen und legen sie in strukturierter Form in der MIB (Management Information
Base) ab. Mit Hilfe dieser Informationen kann ein Netzwerkmanagementsystem eine
ausführliche Netzwerkdiagnose durchführen.

MIB
Die MIB (Management Information Base) ist die Datenbasis eines Geräts. SNMP-Clients
greifen auf diese Datenbasis im Gerät zu. Die S7-Gerätefamilie unterstützt folgende
standardisierte MIBs:
• MIB II, genormt in der RFC 1213
• LLDP-MIB, genormt in der internationalen Norm IEEE 802.1AB
• LLDP-PNIO-MIB, genormt in der internationalen Norm IEC 61158-6-10
Die MIBs für ET 200-Interfacemodule und Koppler mit PROFINET-Schnittstelle finden Sie in
dieser Produktmitteilung ([Link]

Erkennung der Netzwerktopologie


LLDP (Link Layer Discovery Protocol) ist ein Protokoll, das die Erkennung des nächsten
Nachbarn ermöglicht. LLDP versetzt ein Gerät in die Lage, Informationen über sich selbst zu
versenden und von seinen Nachbargeräten Informationen zu empfangen. Diese
Informationen werden dann unter anderem in der LLDP MIB gespeichert und können über
SNMP abgefragt werden. Mit Hilfe dieser Informationen kann ein
Netzwerkmanagementsystem die Netzwerktopologie bestimmen.

PROFINET mit STEP 7


98 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.8 Diagnose im Anwenderprogramm

Nutzung von SNMP (Simple Network Management Protocol)


SNMP kann genutzt werden:
• Von Anwendern, um die Netzwerkdiagnose mittels SIMATIC NET OPC Server in einem
zentralen HMI/SCADA-System zu integrieren
• Von der IT-Administration der Betreiber von Maschinen und Anlagen, um deren Industrial
Ethernet Netzwerk mittels Standard Netzwerkmanagement Systemen zu überwachen.
• Von der IT-Administration, um neben dem Büronetzwerk auch das
Automatisierungsnetzwerk mittels Standard Netzwerkmanagement Systemen zu
überwachen.

Einsatz von SNMP im SIMATIC NET-Umfeld


SNMP-fähige Geräte der SIMATIC NET-Familie können Sie über einen herkömmlichen
Standard Internetbrowser überwachen und bedienen. Das als Web-Based-Management
bezeichnete Management-System bietet eine Vielzahl an gerätespezifischen Informationen
(z. B. Netzwerk-Statistik, Status der redundanten Versorgung).

4.8 Diagnose im Anwenderprogramm

4.8.1 Diagnose- und Konfigurationsdatensätze

Diagnosemechanismus
Beim Auftreten eines Fehlers (z. B. bei Drahtbruch an einem IO-Modul) generiert das gestörte
IO-Device einen Diagnosealarm und sendet ihn an den IO-Controller. Um auf den Fehler mit
einem definierten (programmierten) Verhalten zu reagieren, ruft dieser Alarm im
Anwenderprogramm einen entsprechenden Organisationsbaustein auf (OB 82 für den
Diagnosealarm) und übergibt einen Diagnosedatensatz.

Diagnosedatensätze (Records) bei PROFINET IO


Es gibt zwei verschiedene Arten von Diagnosedatensätzen:
1. Kanaldiagnosedatensätze
Kanaldiagnosedatensätze werden generiert, wenn ein Kanal einen Fehler aufweist
und/oder einen Alarm ausgelöst hat.
Wenn kein Fehler vorliegt, wird ein Diagnosedatensatz mit der Länge 0 geliefert.
2. Herstellerspezifische Diagnosedatensätze
Struktur und Größe der herstellerspezifischen Diagnosedatensätze sind vom jeweiligen
Hersteller abhängig.
Informationen über herstellerspezifische Diagnosedatensätze finden Sie im
Gerätehandbuch des betreffenden Geräts.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 99
Diagnose und Instandhaltung
4.8 Diagnose im Anwenderprogramm

Adressierungsebenen der Diagnosedatensätze


Diagnoseinformationen und Konfigurationsinformationen werten Sie auf den folgenden
Adressierungsebenen aus:
• Device-Ebene
• AR (Application Relation)
• API (Application Process Identifier)
• Slot (Steckplatz)
• Subslot (Substeckplatz)
Für jede Adressebene steht Ihnen eine Gruppe von Diagnosedatensätzen und
Konfigurationsdatensätzen zur Verfügung (Ausnahme: Device-Ebene immer 0xF80c). Bei
HEX-Darstellung unterscheiden sich die einzelnen Gruppen der Datensätze mit dem ersten
Buchstaben ihrer Datensatznummer.

Bild 4-14 Adressierebenen bei Diagnosedatensätzen

Grundsätzlich wird mit je einem Diagnose- bzw. Konfigurationsdatensatz die Information für
je ein IO-Device (Adressierungsebene AR), Modul (Adressierungsebene Slot) bzw. Submodul
(Adressierungsebene Subslot) übertragen. In Abhängigkeit der Adressierungsebene erhalten
Sie Diagnosedaten bzw. Konfigurationsdaten eines oder mehrerer Subslots, Slots und APIs.

Hinweis
Diagnoseinformationen werden nur für projektierte Module/Submodule/Kanäle generiert.

PROFINET mit STEP 7


100 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.8 Diagnose im Anwenderprogramm

Bibliothek für PROFINET-Datensätze


Die Bausteinbibliothek „LPNDR“ enthält verschiedene Funktionsbausteine. Mit diesen
Bausteinen können Sie aus einem PROFINET-Gerät verschiedene Geräte- und
Zustandsinformationen auslesen und Parameter beschreiben.
Mit den Bibliotheksbausteinen können Sie folgende Funktionen ausführen:
• Auslesen der Geräteinformationen:
– Informationen über das Interface, z.B. IP- und MAC-Adresse
– Informationen über die Geräte-Schnittstelle, z.B. Status, Medium, Name
– Informationen über den Link-Status der Schnittstellen, z.B. Link down, Link up
– Informationen zu der Rolle des Geräts bei MRP, z.B. Client, Manager
– Informationen zur Port-Statistik, z.B. Anzahl der empfangenen Bytes
• Auslesen des MRP-Zustands
• Modifikation der Parameter einer Analogeingabebaugruppe der ET 200SP zur Laufzeit,
z.B. zum De- und Aktivieren der Kanaldiagnose.
Die fertigen Funktionen sind frei anpassbar und können somit universell eingesetzt werden.
Die Bausteinbibliothek „LPNDR“ mit einem Beispielprojekt finden Sie im Internet
([Link]

4.8.2 Diagnose im Anwenderprogramm auswerten

Diagnose im Anwenderprogramm
Für PROFINET IO gilt eine herstellerübergreifende Struktur für Datensätze mit
Diagnoseinformationen. Diagnoseinformationen werden nur für gestörte Kanäle erstellt.
PROFINET bietet Ihnen grundsätzlich zwei verschiedene Wege, um Diagnoseinformationen zu
erhalten.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 101
Diagnose und Instandhaltung
4.8 Diagnose im Anwenderprogramm

1. Auswerten des Diagnosestatus


Lesen Sie den Diagnosezustand Ihres PROFINET IO-Systems mit den Anweisungen
"DeviceStates" und "ModuleStates" aus, um fehlerhafte Stationen/Module oder
Stationen/Module mit Wartungsanforderung bzw. Wartungsbedarf innerhalb eines
PROFINET IO-Systems zu lokalisieren.
Mit der Anweisung "RDREC" (Datensatz lesen) lesen Sie dann verschiedene
Diagnosedatensätze (Records) direkt vom betreffenden Modul aus und erhalten damit
detaillierte Fehlerinformationen.

Ziffer Beschreibung
① Alle Einzelfehler werden in einem Datensatz auf dem Interfacemodul gesammelt.
② In Ihrem Anwenderprogramm liest die Anweisung "RDREC" den gesamten Stationsstatus
asynchron direkt vom IO-Device.

Bild 4-15 Beispiel: Auswerten von Diagnosedatensätzen mit der Anweisung "RDREC"

PROFINET mit STEP 7


102 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.8 Diagnose im Anwenderprogramm

2. Auswerten von Alarmen


Wenn der Fehler-OB (OB 82) aufgerufen wird, erhalten Sie über die Startinformationen des
OB bereits Aussagen zu Fehlerursache und Fehlerort. Detaillierte Informationen zum
Fehlerereignis erhalten Sie im Fehler-OB mit der Anweisung "RALRM" (Alarmzusatzinfo lesen).

Ziffer Beschreibung
① Jeder Fehler wird als Kanaldiagnose in Form eines Alarms einzeln an den IO-Controller ver-
sendet.
② Im IO-Controller werden automatisch die Modulzustandsdaten aktualisiert und der Fehler-OB
(OB 82) gestartet.
③ In Ihrem Anwenderprogramm im Fehler-OB (OB 82) liest die Anweisung "RALRM" den Fehler
synchron vom IO-Controller, ohne das IO-Device anzusprechen.

Bild 4-16 Diagnose mit OB 82 und der Anweisung "RALRM"

Anweisungen und OBs


Informationen zu den Anweisungen und OBs finden Sie in der Online-Hilfe von STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 103
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

4.9 Instandhaltung

4.9.1 I&M-Daten (Identification and Maintenance)

Definition und Eigenschaften


Identifikations- und Maintenance-Daten (I&M) sind in einem Modul gespeicherte
Informationen, die Sie bei folgenden Aufgaben unterstützen:
• Überprüfen der Anlagenkonfiguration
• Auffinden von Hardware-Änderungen einer Anlage
Identifikationsdaten (I-Daten) sind Informationen zum Modul, wie z. B. Bestellnummer und
Seriennummer, die zum Teil auch auf dem Gehäuse des Moduls aufgedruckt sind. I-Daten
sind Herstellerinformationen zum Modul und können nur gelesen werden.
Maintenance-Daten (M-Daten) sind anlagenabhängige Informationen, wie z. B.
Ortskennzeichen und Einbaudatum. M-Daten werden während der Projektierung erstellt.
Mit den I&M-Daten können Module online eindeutig identifiziert werden.

Weitere Informationen
Ob und in welchem Umfang ein PROFINET-Gerät I&M-Daten unterstützt, entnehmen Sie der
Dokumentation zum jeweiligen Gerät.

4.9.2 I&M-Daten in PROFINET-IO-Geräte und ihre Module laden

Welche I&M-Daten können Sie in PROFINET-IO-Geräte und ihre Module laden?


Sie können die I&M 1-Daten (Anlagenkennzeichen und Ortskennzeichen) und / oder die I&M
2-Daten (Einbaudatum) und / oder die I&M 3-Daten (Zusatzinformation) in die reale Hardware
laden.

Voraussetzung
• In den Projekteinstellungen (Extras > Einstellungen, Hardware-Konfiguration > Übersetzen
und herunterladen) ist die Option "I&M-Daten herunterladen" aktiviert.
• Es besteht eine Online-Verbindung zu den PROFINET-IO-Geräten und ihren Modulen, in die
Sie I&M-Daten laden wollen.
• Sie haben in den Eigenschaften der betroffenen PROFINET-IO-Geräte und ihren Modulen
(Inspektorfenster: Register „Eigenschaften“ > Register „Allgemein“, Einstellungen >
Identification & Maintenance) die zu ladenden I&M-Daten eingetragen.

PROFINET mit STEP 7


104 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Wo legen Sie fest, welche I&M-Daten in welche PROFINET-IO-Geräte geladen werden?


Welche I&M-Daten Sie in welche PROFINET-IO-Geräte laden wollen, legen Sie im Dialog
"Vorschau laden" fest. Dabei haben Sie in der Klappliste der Zeile „Identifikations- und
Maintenance-Daten (I&M)“ die folgenden Alternativen:
• Nichts laden
Die Optionskästchen zu allen PROFINET-IO-Geräten sind deaktiviert, ebenso die
Optionskästchen zu den ladbaren I&M-Daten.
Diese Einstellung bewirkt, dass beim Laden keine I&M-Daten auf die reale Hardware
übertragen werden.
• Daten laden
Die Optionskästchen zu allen PROFINET-IO-Geräten sind aktiviert, ebenso die
Optionskästchen zu den ladbaren I&M-Daten.
Diese Einstellung bewirkt, dass beim Laden die jeweiligen I&M 1-, I&M 2- und I&M 3-Daten
auf sämtliche PROFINET-IO-Geräte übertragen werden.
• Ausgewählte laden
Sie aktivieren die Optionskästchen derjenigen PROFINET-IO-Geräte, in die Sie I&M-Daten
laden wollen. Sie aktivieren außerdem die Optionskästchen derjenigen
Identifikationsdaten, die Sie laden wollen.
Diese Einstellung bewirkt, dass beim Laden die ausgewählten I&M-Daten auf die
ausgewählten PROFINET-IO-Geräte übertragen werden.

Hinweis
Sprachabhängigkeit der zu ladenden I&M-Daten
Die I&M-Daten werden in der Form, in der Sie sie in den Eigenschaften der betroffenen
PROFINET-IO-Geräte und ihren Modulen vorgegeben haben, in die reale Hardware geladen.
Es besteht keine Sprachabhängigkeit.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 105
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

4.9.3 Asset Management

[Link] Wissenswertes zum Asset Management bei PROFINET


Der Betrieb von Maschinen und Anlagen ohne detaillierte Kenntnis über Geräte und Assets ist
kaum vorstellbar.
Die Instandhaltung braucht dazu Daten – möglichst umfassende und aktuelle Daten.
Dem Wunsch zu größerer Transparenz hinsichtlich der von Anlagenkomponenten zur
Verfügung gestellten Daten ist PROFIBUS & PROFINET International (PI) nachgekommen: Die
seit PROFIBUS-Zeiten bewährten Identifikations- und Maintenancedaten wurden nochmals
erweitert.
Die aktuelle PROFINET-Spezifikation erfüllt diesen Wunsch durch die Definition eines
speziellen Datensatzes: des Asset-Management-Records (AMR).
Ziel dieser Definition ist, dass Sie möglichst alle zu wartenden Komponenten einer Anlage
online erfassen können - nicht nur die Komponenten, die über das PROFINET-Gerätemodell
adressierbar und erreichbar sind (Device/Modul/Submodul). PROFINET erreicht nun auch
Nicht-PROFINET-Komponenten!

Assets allgemein und Asset Management Datensätze


Assets sind Komponenten (Hardware und Software/Firmware) einer Maschine, z. B. eine
Laserschweißmaschine, oder Anlage.
Ein großer Teil dieser Gerätekomponenten ist bereits über bewährte I&M-Funktionen bzw.
entsprechende Datensätze (I&M0 bis I&M5) im PROFINET-Kontext identifizierbar: das Gerät
selbst sowie seine Module und Submodule. Also alle Komponenten, die über das
PROFINET-Gerätemodell adressierbar sind.
Komponenten, die nicht über das PROFINET-Gerätemodell adressierbar sind, deren Daten
aber für Betrieb und Instandhaltung online erfassbar sein sollen, sind über Asset
Management-Funktionen identifizierbar. Diese Asset-Management-Daten (kurz: AM-Daten)
sind hinterlegt in einer definierten Struktur in einem speziellen Datensatz, dem oben
erwähnten Asset Management Record (AMR).
Die PROFINET-Guideline "Identification & Maintenance Functions" unterscheidet hier
zwischen I&M-Funktionen (I&M-Daten) und Asset Management Funktionen (AM-Daten): In
den folgenden Abschnitten geht es ausschließlich um die AM-Daten.
Zu den Komponenten, die Sie durch Asset-Management-Datensätze zusätzlich online
auslesen können, gehören sowohl Hardware-Komponenten wie z. B. Rückwandbusmodule
eines Geräts als auch Firmware-Komponenten wie z. B. eine Antriebsregelung mit eigener
Versionierung.

PROFINET mit STEP 7


106 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Anwendungsbeispiele
Sie haben durch Auslesen von Asset-Management-Records die Möglichkeit, während der
Installation oder während des Betriebs z. B. folgende Informationen auszulesen:
• Sind nur frei gegebene Betriebsmittel im Einsatz (Whitelist-Check)?
• Ein Firmware-Update steht an. Verschaffen Sie sich einen schneller Überblick: Welche
Geräte bzw. Komponenten sind betroffen und müssen hochgerüstet werden?

Asset Management Daten bereitstellen


Das Konzept für Asset Management von PROFINET-Geräten sieht vor, dass die Hersteller von
PROFINET-Geräten dafür sorgen, dass Nicht-PROFINET-Automatisierungskomponenten über
einen Asset Management Record bereitgestellt werden. Dieser Datensatz (Record) ist dem
PROFINET-Gerät zugeordnet.
Im Gegensatz zu einem "Standard" IO-Device obliegt es bei I-Devices dem Projekteur des
I-Device, den Asset-Management-Datensatz bereitzustellen. Assets sind in diesem Fall die
zentralen Module des I-Device. Diese zentralen Module sind aus Sicht des übergeordneten
IO-Controllers aus PROFINET-Sicht nicht sichtbar; der übergeordnete IO-Controller "sieht" nur
die Transferbereiche, über die er IO-Daten mit dem I-Device austauscht.
Das Prinzip dieser Bereitstellung ist im nächsten Kapitel erläutert.

Asset Management Daten lesen


Der Asset-Management-Datensatz hat den Index 0xF880 und wird vom Nutzer des
Datensatzes, z. B. ein Tool oder Programm zum Auswerten dieser Daten, mit Standard-
PROFINET-Mechanismen ausgelesen.
Ein Anwenderprogramm im S7-1500 IO-Controller kann z. B. den AMR von einem IO-Device
mit der Anweisung RDREC (Index 0xF880) auslesen.
Schreiben auf diesen Datensatz ist nicht möglich.

Weitere Informationen
Ob und in welchem Umfang ein PROFINET-Gerät Asset Management-Daten unterstützt, d. h.,
ob es einen AMR zur Verfügung stellt, entnehmen Sie der Dokumentation zum jeweiligen
Gerät.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 107
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

[Link] Inhalt und Struktur eines Asset-Management-Datensatzes

Grundstruktur des Asset-Management-Datensatzes


Zunächst erhalten Sie einen Überblick, wie der Datensatz generell aufgebaut ist. Die folgende
Tabelle beschreibt den Rahmen, innerhalb dessen die Asset-Management-Datenblöcke
eingebettet sind. Jeder Datenblock repräsentiert ein Asset, z. B. ein Terminal-Block.

Element der Datenstruktur Bezeichnung nach IEC 61158-6-10 Kodierung Datentyp/Länge in


Bytes
Header AssetManagement- BlockType 0x0035 UINT / 2
Data BlockLength Anzahl Bytes ohne Zählung UINT / 2
der Bytes für BlockType und
BlockLength
BlockVersion 0x0100 UINT / 2
AssetManagementInfo NumbersOfEntries Anzahl AssetManagement- UINT / 2
AssetManagementBlocks (n) Blocks
AssetManagementBlock 1 siehe nachfolgende Tabelle
AssetManagementBlock 2
...
AssetManagementBlock n

Struktur von Asset-Management-Blöcken


Jeder AssetManagementBlock enthält Identifikationsdaten und Lokalisierungsinformation für
ein Asset. Ein AssetManagementBlock hat eine Substruktur, die im Folgenden in Grundzügen
erläutert ist.
Im Header eines AssetManagementBlocks ist kodiert, welche von den drei möglichen
AM-Daten-Zusammenstellungen der Datensatz enthält. Entsprechend den unterschiedlichen
Gerätetypen stellen Geräte einen passenden BlockType zur Verfügung:
• Komplexe Geräte mit Informationen zur Hardware und Firmware (BlockType
"AM_FullInformation")
• Geräte mit Informationen zur Hardware (BlockType "AM_HardwareOnlyInformation")
• Geräte mit Informationen zur Firmware (BlockType "AM_FirmwareOnlyInformation")

PROFINET mit STEP 7


108 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Die Unterscheidung erlaubt eine effiziente Datenstruktur unterhalb des Headers; trotzdem
kann der Datensatz eine erhebliche Größe annehmen (max. 64 kbyte, abhängig von der
Anzahl Assets, den das IO-Device liefert).

Tabelle 4- 4 Struktur AssetManagenentBlock

Element der Daten- Bezeichnung nach IEC 61158-6-10 Kodierung Datentyp/Länge


struktur in Bytes
Header AssetManage- BlockType 0x0036 (AM_FullInformation) UINT / 2
mentBlock 0x0037
(AM_HardwareOnlyInformation)
0x0038
(AM_FirmwareOnlyInformation)
BlockLength Anzahl Bytes ohne Zählung der Bytes UINT / 2
für BlockType und BlockLength
BlockVersion 0x0100 UINT / 2
Padding 0x0000 (Füllbyte) USINT / 1
Padding 0x0000 (Füllbyte) USINT / 1
AssetManagementBlock IM_UniqueIdentifier Hersteller-erzeugter Unique Identifier Array of Byte / 16
(Aufbau abhängig vom (UUID) entsprechend ISO/IEC 9834-8.
BlockType, hier beispiel- Wird genutzt als Referenzschlüssel,
haft für um dieses Asset eindeutig zu identifi-
AM_FullInformation) zieren.
Beispiel: 550c5300-d34a-22b4-11d3-
5533991111b3
AM_Location Beschreibung der Lage des Assets: Array of Byte / 16
Entweder steckplatzorientiert ("Slot-
and SubslotNumber format") oder
hierarchisch ("Twelve level tree for-
mat").
siehe nachfolgende Beschreibung
IM_Annotation Herstellerspezifische Notation Array of Char / 64
Beispiel: "Terminal block, Type xyz123
".
Es werden immer 64 byte verwendet,
bei kürzeren Zeichenfolgen wird mit
Leerzeichen aufgefüllt.
IM_OrderID Herstellerspezifische Artikelnummer Array of Char / 64
Beispiel: "6ES7 131-6BF00-0BA0 ".
Es werden immer 64 byte verwendet,
bei kürzeren Zeichenfolgen wird mit
Leerzeichen aufgefüllt.
AM_SoftwareRevision Herstellerspezifische SW-Version Array of Char / 64
(nicht bei Beispiel: "V6.3.8 ".
AM_HardwareOnlyInformation) Es werden immer 64 byte verwendet,
bei kürzeren Zeichenfolgen wird mit
Leerzeichen aufgefüllt.
Wenn das Asset IM_Software_Revision
unterstützt, dann ist
AM_SoftwareRevision mit Leerzeichen
gefüllt.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 109
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Element der Daten- Bezeichnung nach IEC 61158-6-10 Kodierung Datentyp/Länge


struktur in Bytes
AM_HardwareRevision Herstellerspezifische HW-Version Array of Char / 64
(nicht bei Beispiel: "A4 ".
AM_FirmwareOnlyInformation) Es werden immer 64 byte verwendet,
bei kürzeren Zeichenfolgen wird mit
Leerzeichen aufgefüllt.
Wenn das Asset
IM_Hardware_Revision unterstützt,
dann ist AM_HardwareRevision mit
Leerzeichen gefüllt.
IM_Serial_Number Herstellerspezifische eindeutige pro- Array of Char / 16
duktionsbezogene Nummer.
Die Zeichen kommen aus dem sicht-
baren Bereich (0x20 ... 0x7E), keine
Steuerzeichen.
Beispiel: "A78C-1C82 ".
Es werden immer 16 byte verwendet,
bei kürzeren Zeichenfolgen wird mit
Leerzeichen aufgefüllt.
IM_Software_Revision Software Version, folgt einem stren- Array of Byte / 4
(nicht bei gen Aufbau (SW-Version-Präfix, z. B. Präfix (Zeichen
AM_HardwareOnlyInformation) "V", Ziffern für Funktionale Erweite- "V", "R", "P", "U",
rung, Ziffern für BugFix, Ziffern für oder "T"), dann 3
Internal Change). Zeichen "0" bis
Beispiel: 'V' 0x01 0x2 0x3 "9"
Wenn AM_SoftwareRevision mit Leer-
zeichen gefüllt ist, sollten Sie
IM_Software_Revision auswerten.
Wenn das Asset keine SW unterstützt,
ist die Kodierung 'V' 0x00 0x00 0x00.
AM_DeviceIdentification Identifikation des Devices; die Struktur Array of Byte / 8
hat folgenden Aufbau:
AM_DeviceIdentification.DeviceSubID
(bei Siemens z. B. 0x0000)
AM_DeviceIdentification.DeviceID
(DeviceID vom Hersteller, 0x0000 bis
0xFFFF)
AM_DeviceIdentification.VendorID
(Beispiel für Siemens-Assets: 0x002A)
AM_DeviceIdentification.Organization:
Beispiel für Siemens Assets: 0x0000
(PROFINET)

PROFINET mit STEP 7


110 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Element der Daten- Bezeichnung nach IEC 61158-6-10 Kodierung Datentyp/Länge


struktur in Bytes
AM_TypeIdentification Hersteller-zugeordnete Typ- UINT / 2
Identifikation:
0x0000: Nicht spezifiziert
0x0001: Controller (PLC)
0x0002: PC based
0x0003: IO-Modul, IO-Submodul
0x0004: Kommunikationsmodul / -
Submodul
0x0005: Interfacemodul/ -Submodul
0x0006: Aktive Netzkomponente
0c0007: Media attached Unit
(Busadapter)
0x0100 bis 0x7FF: Herstellerspezifisch
IM_Hardware_Revision Version der Hardware (0x0000 bis UINT / 2
(nicht bei 0xFFFF)
AM_FirmwareOnlyInformation) Beispiel: 0x0003
Wenn AM_HardwareRevision mit Leer-
zeichen gefüllt. ist, sollten Sie
IM_Hardware_Revision auswerten.

AM_Location
Asset Management bei PROFINET unterstützt zwei Formate zur Kodierung der Lage eines
Assets:
• Steckplatzorientiertes Format ("Slot- and SubslotNumber format")
• Hierarchisches, d. h. ebenenorientiertes Format ("Twelve Level Tree format" oder kurz
LT-Format)
Assets, die Teil des PROFINET-Geräts sind, verwenden das steckplatzorientierte Format. Diese
Assets sind an die PROFINET Module und Submodule gebunden.
Assets, die sich außerhalb des PROFINET-Geräts befinden, nutzen das hierarchische Format
(LT-Format) für die Kodierung der Lage eines Assets.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 111
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Diese Assets sind durch ihre Baumebene (Level Tree) lokalisiert. Die Baumebene beginnt mit
Level 0. Der Wert von Level 0 gibt Auskunft über die Nähe zum PROFINET-Gerät:
• Wenn das Asset an ein Modul angeschlossen ist, das über das PROFINET-Gerätemodell
adressiert werden kann, dann hat Level 0 den Wert 0. Die folgenden Levels (Level 1 bis
Level 3) haben dann die Bedeutung von Steckplatznummer, Substeckplatznummer und
Kanalnummer. Wenn an dieses Asset weitere Assets angebunden sind, wird der nächste
Level 4 genutzt. Die Grenze ist bei Level 11 erreicht.
• Wenn das Asset zum PROFINET-Gerät gehört, aber nicht an ein Modul angeschlossen ist,
das über das PROFINET-Gerätemodell adressiert werden kann, dann hat Level 0 einen Wert
zwischen 1 und 0x1FF. Beispiel für so ein Asset ist eine Stromversorgung im PROFINET-
Gerät. Wenn an diese Stromversorgung ein weiteres Asset angeschlossen ist, z. B. ein
Sensor, dann wird die nächste Baumebene zur Lokalisierung dieses Sensors genutzt (Level
1).
• Wenn das Asset sich außerhalb des PROFINET-Gerätes befindet, aber z. B. zur Maschine
gehört, in die das PROFINET-Gerät verbaut ist, dann hat Level 0 einen Wert zwischen
0x200 und 0x3FE.
Der Wert 0x3FF für eine Baumebene zeigt an, dass diese Baumebene nicht genutzt wird. D. h.
es ist kein weiteres Asset mehr angeschlossen. In diesem Fall müssen alle tieferen
Baumebenen bis Level 11 ebenfalls diesen Wert haben.

PROFINET mit STEP 7


112 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Beispiel AM_Location steckplatzorientiert


Ein Modulträger und die darauf befindlichen Terminal-Blöcke liefern jeweils AM-Daten. Aus
dem Bild sind die Steckplatzzuordnungen ersichtlich.

Bild 4-17 Beispiel für Assets mit steckplatzorientierter AM_Location-Kodierung

Für den Modulträger als Asset kodieren Sie AM_Location folgendermaßen:


Bit 0 – 7: AM_Location.Structure = 0x02 (Kodierung "Slot- and SubslotNumber format")
Bit 8 – 15: AM_Location.Reserved1 = 0x00 (Füllbyte)
Bit 16 – 31: AM_Location.BeginSlotNumber = 2 (Das Asset "Modulträger" beginnt ab
Steckplatz 2)
Bit 32 – 47: AM_Location.BeginSubslotNumber = 0xFFFF (Das Asset umfasst alle
Substeckplätze von Steckplatz 2, ansonsten geben Sie die Nr. des Substeckplatzes an, bei
dem das Asset beginnt)
Bit 48 – 63: AM_Location.EndSlotNumber = 4 (Das Asset endet bei Steckplatz 4)
Bit 64 – 79: AM_Location.EndSubslotNumber = 0xFFFF (Das Asset umfasst alle Substeckplätze
von Steckplatz 4, ansonsten geben Sie die Nr. des Substeckplatzes an, bei dem das Asset
endet)
Bit 80 – 95: AM_Location.Reserved2 = 0x0000 (Füllbyte)
Bit 96 – 111: AM_Location.Reserved3 = 0x0000
Bit 112 – 127: AM_Location.Reserved4 = 0x0000

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 113
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Beispiel AM_Location ebenenorientiert


An ein IO-Modul (Steckplatz 5, Substeckplatz 1, Kanal 1) ist ein komplexer Sensor
angeschlossen. Am komplexen Sensor sind wiederum zwei einfache Sensoren angeschlossen.
Das Modul ist innerhalb des PROFINET-Gerätemodells adressierbar, daher hat Level 0 den
Wert 0x0000. Die nächste Ebene (Level 1) ist durch den zugeordneten Steckplatz festgelegt,
dann folgen die weiteren Ebenen für Substeckplatz und Kanal und ggf. weitere unterlagerte
Ebenen.

Bild 4-18 Beispiel für Assets mit hierarchischer AM_Location-Kodierung

Detaillierte Kodierung für das Beispiel:


Bit 0 – 7: AM_Location.Structure = 0x01 (LT-Format)
Bit 8 – 17: AM_Location.Level0 = 0x000 (Assets, die Modulen zugeordnet sind, haben immer
den Level0-Wert 0x000)
Bit 18 – 27: AM_Location.Level1 = 0x005 (Steckplatz 5)
Bit 28 – 37: AM_Location.Level2 = 0x001 (Substeckplatz 1)
Bit 38 – 47: AM_Location.Level3 = 0x001 (Kanal 1)
Bit 48 – 57: AM_Location.Level4 = 0x3FF (Kodierung für "Level nicht verwendet")
Bit 58 – 67: AM_Location.Level5 = 0x3FF (Kodierung für "Level nicht verwendet")
...
Bit 118 – 127: AM_Location.Level11 = 0x3FF (Kodierung für "Level nicht verwendet")
Im Bild verwendete Notation für die LT-Kodierung Komplexer Sensor: [Link]
Entsprechend gilt für die übrigen Sensoren:
LT-Kodierung für einfachen Sensor 1 am komplexen Sensor: [Link].1
LT-Kodierung für zweiten einfachen Sensor 2 am komplexen Sensor: [Link].2

PROFINET mit STEP 7


114 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

[Link] Asset-Management-Datensatz für I-Devices


Mit STEP 7 (TIA Portal) ab V15 und mit S7-1500 CPUs ab Firmware V2.5.2 haben Sie die
Möglichkeit, per Anwenderprogramm einen Asset-Management-Datensatz
zusammenzustellen. Als I-Device projektiert, liefern diese CPUs dann einem anfordernden
IO-Controller die Daten von zentral gesteckten Modulen als Assets.
Mit "S7-1500 CPUs" sind auch die CPU-Varianten S7-1500F, S7-1500T, S7-1500C, S7-1500 SW
Controller, S7-1500pro CPUs und ET 200SP CPUs gemeint.

Asset-Management-Datensätze für I-Devices


I-Devices repräsentieren häufig Maschinen. Der PROFINET IO-Controller, dem das I-Device
zugeordnet ist, sieht nur die PROFINET-Schnittstelle (als IO-Device projektiert) und die vom
Maschinenhersteller projektierten Transferbereiche des I-Device. Die lokalen Module des I-
Device sind vom IO-Controller nicht sichtbar bzw. nicht erreichbar.
Mithilfe eines Asset-Management-Datensatzes, den das Anwenderprogramm des I-Device
zusammenstellt, kann der zugewiesene IO-Controller die zentralen Module als Assets des
I-Device auslesen.

Bild 4-19 Assets eines I-Device

Voraussetzung
• S7-1500-CPU ab Firmware V2.5.2, als I-Device projektiert
• STEP 7 (TIA Portal) ab V15
• Falls ein IO-Controller den Asset-Management-Datensatz lesen soll:
Der IO-Controller ist entsprechend programmiert, um einen Asset-Management-Datensatz
zu lesen.
Für einen SIMATIC IO-Controller rufen Sie z. B. eine Lese-Anweisung (RDREC) mit
Datensatz-Index 0xF880 auf; die Anweisung adressiert ein beliebiges Submodul des
I-Device, z. B. das erste projektierte Transferbereich-Submodul.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 115
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Grundsätzliche Vorgehensweise
Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ein I-Device seine lokalen Module als Asset-
Management-Datensatz einem anfordernden IO-Controller zur Verfügung stellt, sind
grundsätzlich folgende Schritte erforderlich:
1. Einstellungen in den Eigenschaften der PROFINET-Schnittstelle der CPU vornehmen:
– Betriebsart "IO-Device" aktivieren
– Option "Asset Management über Anwenderprogramm aktivieren" aktivieren
Nur wenn die Option aktiviert ist, leitet die PROFINET-Schnittstelle eine Anforderung
eines IO-Controllers zum Asset-Management-Datensatz-Lesen weiter an das
Anwenderprogramm des I-Device.

Bild 4-20 Asset Management über Datensatz aktivieren

2. Entwerfen Sie den Programmteil zur Zusammenstellung des Asset-Management-


Datensatzes. Der Programmteil sammelt die erforderlichen I&M0-Daten der gesteckten
zentralen Module und hinterlegt sie in den dafür vorgesehenen Feldern der
Datensatzstruktur des Asset-Management-Datensatzes.

PROFINET mit STEP 7


116 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

3. Entwerfen Sie den Programmteil zur Koordination der Datensatz-Bereitstellung:


Rufen Sie dazu die Anweisung PRVREC (Provide Record) nach folgendem Muster in den
entsprechenden Modi auf:
– Zyklischer Aufruf (z. B. im Zyklus-OB) der Anweisung PRVREC mit Mode 0, um die
AM-Datensatz-Anforderung zu erkennen.
– Wenn die AM-Datensatz-Anforderung erkannt ist, muss das Programm PRVREC
innerhalb von einer Sekunde quittieren, dass die Anforderung erkannt wurde. D. h.,
PRVREC muss mit dem Mode 2 aufgerufen werden, und zwar mit dem angeforderten
AM-Datensatz. Wenn das I-Device den Zeitrahmen nicht einhält, dann quittiert das I-
Device die Datensatz-Anforderung des IO-Controllers negativ!
Besonderheit für die Parametrierung des PRVREC-Aufrufs: PRVREC müssen Sie mit
F_ID = 0 aufrufen; damit ist kodiert, dass es sich um einen IO-Device-spezifischen
Datensatz handelt. Die Output-Parameter SLOT und SUBSLOT liefern daher auch den
Wert 0 zurück.
– Innerhalb von 10 Sekunden muss nun der AM-Datensatz fertig gestellt sein und
PRVREC mit Mode 3 aufgerufen werden (positive Antwort an den IO-Controller mit
Bereitstellung des AM-Datensatzes). Wenn das I-Device den Zeitrahmen nicht einhält,
dann quittiert das I-Device die Datensatz-Anforderung des IO-Controllers negativ!
Eine detaillierte Beschreibung der Anweisung PRVREC und mögliche Fehlercodes zur
Auswertung der Funktion finden Sie in der Online-Hilfe von STEP 7 (TIA Portal).

Zusammenstellung des Asset-Management-Datensatzes


Sie haben verschiedene Möglichkeiten, den Asset-Management-Datensatz für ein I-Device
zusammenzustellen:
• Empfehlung: Der Siemens Industry Online Support stellt Ihnen eine Applikation bereit, die
Ihnen beim Zusammenstellen des Asset-Management-Datensatzes hilft.
Der Datenbereich des Asset-Management-Datensatzes ist zweigeteilt. Der erste Teil
besteht aus einem automatisch ermittelten Bereich, welcher die IM0-Daten der
Steckplätze des I-Device in einen Asset-Management-Block verpackt. Der zweite Teil
besteht aus den anwenderspezifischen Asset-Management-Blöcken. Die
anwenderspezifischen Asset-Management-Blöcke konfigurieren Sie auf Basis
vorgefertigter Asset-Management-Datensatzstrukturen, befüllen Sie mit Informationen
und stellen sie der Applikation zur Verfügung.
Die Applikation leistet folgendes:
– Die Applikation ermittelt die nötige Größe aller Asset-Management-Blöcke.
– Die Applikation befüllt einen Datenbaustein nach den Vorgaben eines
Asset-Management-Datensatzes mit den automatisch ermittelten und Ihren
anwenderspezifischen Asset-Management-Blöcken.
– Die Applikation stellt dem übergeordneten IO-Controller diesen
Asset-Management-Datensatz zur Verfügung.
Sie finden die Applikation in diesem Anwendungsbeispiel
([Link] beschrieben
• Sie erstellen den Asset-Management-Datensatz selbst.
Im Folgenden ist beschrieben, wie Sie einen Asset-Management-Datensatz für ein I-Device
selbst zusammenstellen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 117
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Das Konzept sieht vor, dass Sie für jedes zentral gesteckte Modul die I&M-Daten ermitteln
und mit diesen Informationen den Asset-Management-Datensatz füllen. Die I&M0-Daten
eines Moduls enthalten Basisinformationen zum Modul wie Herstellerkennung,
Artikelnummer, Seriennummer, Hardware- und Firmware-Version. Das sind die Daten, die
auch im AM-Datensatz für ein Asset benötigt werden.

I&M-Daten von zentral gesteckten Modulen ermitteln


Der zentrale Aufbau besteht aus einer optional gesteckten Stromversorgung (Steckplatz 0),
gefolgt von der I-Device CPU (Steckplatz 1) und dann folgen lückenlos die weiteren Module
wie z. B. Digitalmodule, Analogmodule etc. (ab Steckplatz 2).
Die I&M-Daten ermitteln Sie mit der Anweisung "Get_IM_Data" für die gesteckten Module mit
Ausnahme der CPU:
Voraussetzung für die Parametrierung der Anweisung "Get_IM_Data" ist die Kenntnis der
Hardware-Kennung (Input-Parameter LADDR). Die Hardware-Kennung ermitteln Sie für jeden
belegten Steckplatz mit der Anweisung "GEO2LOG" (Aus dem Steckplatz die Hardware-
Kennung ermitteln).
Zusammenfassung der prinzipiellen Schritte:
1. Ermitteln Sie in einer Schleife die Hardware-Kennungen der gesteckten Module mit der
Anweisung "GEO2LOG".
2. Ermitteln Sie für jede ermittelte Hardware-Kennung die I&M-Daten mit der Anweisung
"Get_IM_Data" und speichern Sie diese Daten in einem Datenbaustein, den Sie mit dem
Eingangsparameter DATA adressieren. Verwenden Sie für die Datenablage ARRAY of BYTE;
das entspricht der Beschreibung der AM-Datensatz-Inhalte im vorausgehenden Kapitel.

Mit ermittelten I&M-Daten AM-Datensatz formen


Die folgenden Ausführungen basieren auf der Beschreibung zum grundsätzlichen Aufbau des
AM-Datensatzes, siehe vorangehendes Kapitel.
Weil jedes Modul einer S7-1500 Hardware- und Firmware-Informationen enthält, wählen Sie
für den zugeordneten BlockType die Kodierung für "AM_FullInformation".
Zu den verwendeten Datentypen:
• IM_Annotation, IM_OrderID, AM_SoftwareRevision und AM_HardwareRevision: Characters
(UTF-8)
• IM_Serial_Number: Characters ("ASCII-Zeichen") mit Ausnahme der Zeichen für DEL (0x7F)
• Keine String-Datentypen verwenden; sie erfordern zusätzliche Bytes und entsprechen
daher nicht den Konventionen der PROFINET-Norm 61158-6-10 Application layer protocol
specification

PROFINET mit STEP 7


118 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Diagnose und Instandhaltung
4.9 Instandhaltung

Für jedes Modul bilden Sie den AM_FullInformationBlock auf folgende Weise:

Tabelle 4- 5 AM_FullInformationBlock für Module

Datensatz-Element Beschreibung
IM_UniqueIdentifier Erzeugen Sie eine (Pseudo-) Zufalls-UUID (Hashwert) entsprechend ISO 9834-8 auf folgende Wei-
se:
• Erzeugen Sie einen 8-Byte-Hashwert über die I&M0 Daten des Moduls (ab Steckplatz 2)
Verwenden Sie den Algorithmus Fowler-Noll-Vo (kurz: FNV); ein Algorithmus zur Generierung
von Streuwerten (Hashwerten) über Datenfelder, siehe entsprechenden Beispielcode im Inter-
net bzw. Online-Support.
• Erzeugen Sie einen 8-Byte-Hashwert über die I&M0 Daten der CPU
(verwenden Sie den Algorithmus Fowler-Noll-Vo (kurz: FNV) wie oben beschrieben)
• IM_UniqueIdentifier:
Byte 0 bis 7: Hashwert von Modul-I&M0-Daten
Byte 8 bis 15: Hashwert für CPU-I&M0-Daten
Erforderliche Anpassungen an ISO 9834-8:
Byte 8, Bit 7 muss auf 1 gesetzt werden und Byte 8, Bit 6 auf 0 (Ergebnis der UND-Verknüpfung
mit 0011 1111, anschließend ODER-Verknüpfung mit 1000 0000)
Byte 6, Bit 4 bis 7 müssen auf 0100 gesetzt werden (Ergebnis der UND-Verknüpfung mit 0000
1111, dann ODER-Verknüpfung mit 0001 0000)
Dieser Algorithmus erzeugt, da er auf den I&M0-Daten der CPU als auch der Module basiert, einen
konstante IM_UniqueIdentifier für ein einzelnes Modul. Wenn sich die Konfiguration ändert, än-
dert sich auch IM_UniqueIdentifier.
AM_Location Byte 0 = 0x02 (steckplatzorientierte Kodierung), siehe Beschreibung im vorhergehenden Kapitel.
IM_Annotation Beispiel: "S7-1500 module" und füllen die restlichen Bytes von IM_Annotation mit Leerzeichen
(0x20).
IM_OrderID Kopieren Sie 20 Bytes der I&M0-Daten des Moduls (Beginnend mit Offset 2 der I&M0-Daten), fül-
len Sie die restlichen 44 Bytes mit Leerzeichen (0x20)
AM_SoftwareRevision Füllen Sie das Feld mit 64 Leerzeichen (0x20)
AM_HardwareRevision Füllen Sie das Feld mit 64 Leerzeichen (0x20)
IM_Serial_Number Kopieren Sie die 16 Bytes der I&M0-Daten des Moduls (Beginnend mit Offset 22 der I&M0-Daten)
IM_Software_Revision Kopieren Sie 4 Bytes der I&M0-Daten des Moduls (Beginnend mit Offset 40 der I&M0-Daten)
AM_DeviceIdentificatio Byte 0, 1, 2, 6, 7 = 0x00
n Byte 3 = 0x2A (Vendor = Siemens)
Byte 4 = 01, Byte 5 = DeviceID (z. B. CPU 15xx = 0x0E)
AM_TypeIdentification Kopieren Sie 2 Bytes der I&M0-Daten des Moduls (Beginnend mit Offset 48 der I&M0-Daten)
IM_Hardware_Revision Kopieren Sie 2 Bytes der I&M0-Daten des Moduls (Beginnend mit Offset 38 der I&M0-Daten)

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 119
Funktionen 5
Einleitung
Die folgenden Kapitel beschreiben die PROFINET IO-Funktionen hinsichtlich Einsatzbereich,
Eigenschaften und Projektierung in STEP 7.
In welchem Umfang die PROFINET-Geräte die beschriebenen Funktionen unterstützen,
entnehmen Sie der Dokumentation zum jeweiligen Gerät.
Eine tabellarische Übersicht von PROFINET-Geräten und den von ihnen unterstützten
Funktionen finden Sie im Internet
([Link]

5.1 Andere Bussysteme anbinden

Feldbusintegration
PROFINET bietet Ihnen die Möglichkeit, existierende Feldbussysteme (z. B. PROFIBUS,
AS-Interface) über ein proxyfähiges PROFINET-Gerät zu integrieren. Dabei werden die Geräte
dieser Feldbussysteme auf stellvertretende PROFINET-Geräte (Proxy) abgebildet. Damit
können Sie beliebige Mischsysteme aus Feldbus und Ethernet-basierten Teilsystemen
aufbauen. Somit wird ein durchgängiger Datenaustausch ermöglicht.

Bild 5-1 Netzübergänge an PROFINET IO

PROFINET mit STEP 7


120 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.1 Andere Bussysteme anbinden

Netzübergänge einer S7-1500 CPU


Einen Überblick über die Netzübergänge an einer S7-1500 CPU finden Sie in diesem FAQ
([Link]

Anbindung an Gebäudebusse
• BACnet: Wie Sie eine Kommunikation zwischen einer SIMATIC SPS und einem BACnet
Netzwerk mit einem Gateway projektieren, finden Sie in diesem Anwendungsbeispiel
([Link]
• M-Bus: Wie Sie eine Kommunikation zwischen einer SIMATIC SPS und einem M-Bus
Netzwerk mit einem Gateway projektieren, finden Sie in diesem Anwendungsbeispiel
([Link]
• DALI: Wie Sie eine Kommunikation zwischen einer SIMATIC SPS und einem DALI Netzwerk
mit einem Gateway projektieren, finden Sie in diesem Anwendungsbeispiel
([Link]
• KNX: Wie Sie eine Kommunikation zwischen einer SIMATIC SPS und einem KNX Netzwerk
mit einem Gateway projektieren, finden Sie in diesem Anwendungsbeispiel
([Link]

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 121
Funktionen
5.1 Andere Bussysteme anbinden

5.1.1 Kopplung von PROFINET und PROFIBUS

Kopplung von PROFINET und PROFIBUS


Mit einem proxyfähigen PROFINET-Gerät, das neben der PROFINET-Schnittstelle auch über
eine PROFIBUS-Schnittstelle verfügt (z. B. IE/PB Link PN IO), können Sie bereits bestehende
PROFIBUS-Konfigurationen in die PROFINET-Konfiguration integrieren.
Das folgende Bild zeigt, wie ein PROFIBUS-System über IE/PB-Link an eine CPU S7-1500 (ab
Firmware-Stand 1.7) angebunden ist.

Bild 5-2 Netzübergang von PROFINET und PROFIBUS über IE/PB-Link

PROFINET mit STEP 7


122 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.1 Andere Bussysteme anbinden

PROFINET-Gerät mit Proxy-Funktionalität


Das PROFINET-Gerät mit Proxy-Funktionalität ist der Stellvertreter eines PROFIBUS-Geräts am
Ethernet. Die Proxy-Funktionalität ermöglicht es, dass ein PROFIBUS-Gerät nicht nur mit
seinem Master, sondern mit allen Teilnehmern am PROFINET kommunizieren kann.
Bei PROFINET können sie ein bestehendes PROFIBUS-System beispielsweise mit Hilfe eines
IE/PB Link PN IO an einen IO-Controller anbinden.
Aus Sicht des IO-Controllers hängen die PROFIBUS DP-Slaves am gleichen Netz wie das IE/PB-
Link PN IO. Diese Slaves haben denselben Gerätenamen und IP-Adresse wie das IE/PB-Link PN
IO, aber unterschiedliche Gerätenummern. Außerdem weisen sie noch eine spezifische
PROFIBUS-Adresse auf.
Sie können auf diesem Weg sowohl DPV0 als auch DPV1-Slaves an PROFINET anbinden.
Wie Sie ein DP-Slave an ein PROFINET IO-System anbinden, finden Sie im Kapitel DP-Slave
über IE/PB-Link an ein PROFINET IO-System anbinden (Seite 123).

Diagnosemöglichkeiten mit einer CPU S7-1500 als IO-Controller


Die CPU S7-1500 (ab Firmware-Stand 1.7) als IO-Controller erkennt gestörte DP-Slaves hinter
dem IE/PB-Link.

5.1.2 DP-Slave über IE/PB-Link an ein PROFINET IO-System anbinden

Voraussetzungen
• STEP 7 ab V13 SP1
• CPU unterstützt IE/PB-Link, z.B:
– S7-1500 CPU ab Firmware-Stand V1.7
– S7-1500 Software Controller ab Firmware-Stand V1.7
– S7-300/400 CPU

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 123
Funktionen
5.1 Andere Bussysteme anbinden

Vorgehen zum Anbinden eines DP-Slaves über IE/PB-Link


Um in STEP 7 ein DP-Slave über IE/PB Link an ein PROFINET IO-System anzubinden, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Ziehen Sie aus dem Hardwarekatalog eine PROFINET-CPU, z. B. CPU 1513-1 PN, per
Drag & Drop in die Netzsicht von STEP 7.
2. Ziehen Sie aus dem Hardwarekatalog ein IE/PB Link PN IO per Drag & Drop in die Netzsicht
von STEP 7. Das IE/PB Link PN IO finden Sie unter Netzkomponenten > Netzübergänge >
IE/PB Link PN IO.
3. Ordnen Sie das IE/PB Link PN IO der CPU zu.
4. Ziehen Sie aus dem Hardwarekatalog ein PROFIBUS-Interfacemodul, z. B. IM155-6 DP HF,
per Drag & Drop in die Netzsicht.
5. Orden Sie das Interfacemodul dem IE/PB-Link zu.

Bild 5-3 IE/PB-Link konfigurieren

6. Selektieren Sie das IE/PB Link PN IO in der Netzsicht von STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


124 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.1 Andere Bussysteme anbinden

7. Wählen Sie im Inspektorfenster im Bereich "Netzübergang" die Option "Netzübergang als


PROFINET IO-Proxy" aus.

Bild 5-4 Netzübergang einstellen

8. Im Bereich PROFINET-Gerätenummer können Sie für den DP-Slave eine PROFINET-


Gerätenummer vergeben.
Wenn Sie das Optionskästchen "Gerätenummer = PB-Adresse" aktiviert haben
(Voreinstellung), dann vergibt STEP 7 automatisch die Gerätenummer entsprechend der
PROFIBUS-Adresse des Slaves. Außerdem entfällt für Sie das Nachführen der Gerätenummer,
wenn sich die PROFIBUS-Adresse ändert.

Bild 5-5 PN Gerätenummern für IE/PB-Link vergeben

Ergebnis
Sie haben das DP-Slave an das PROFINET IO-System angebunden.

Verweis
Weitere Informationen zum IE/PB-Link finden Sie im Handbuch Netzübergang IE/PB Link PN IO
([Link]

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 125
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

5.2.1 Funktionalität I-Device

Funktionalität I-Device
Die Funktionalität "I-Device" (Intelligentes IO-Device) einer CPU erlaubt es, Daten mit einem
IO-Controller auszutauschen und somit die CPU z. B. als intelligente Vorverarbeitungseinheit
von Teilprozessen einzusetzen. Das I-Device ist hierbei als IO-Device an einen
"übergeordneten" IO-Controller angebunden.
Die Vorverarbeitung wird durch das Anwenderprogramm im I-Device sichergestellt. Die in
zentraler oder dezentraler (PROFINET IO oder PROFIBUS DP) Peripherie erfassten Prozesswerte
werden durch das Anwenderprogramm vorverarbeitet und dem IO-Controller zur Verfügung
gestellt.

Bild 5-6 I-Device

Namenskonvention "I-Device"
In der weiteren Beschreibung wird eine CPU bzw. ein CP mit der Funktionalität I-Device
vereinfacht als "I-Device" bezeichnet.

Anwendungsbeispiel: Projektierung und Anwendung der PROFINET I-Device Funktion


Ein ausführliches Anwendungsbeispiel finden Sie hier
([Link]

PROFINET mit STEP 7


126 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

5.2.2 Eigenschaften und Vorteile des I-Devices

Einsatzbereiche
Einsatzbereiche des I-Devices:
• Verteilte Verarbeitung
Eine komplexe Automatisierungsaufgabe lässt sich in kleinere Einheiten/Teilprozesse
aufteilen. Dadurch ergeben sich überschaubare Prozesse, die zu vereinfachten
Teilaufgaben führen.
• Entkopplung von Teilprozessen
Komplizierte, weit verteilte und umfangreiche Prozesse können durch die Verwendung
von I-Devices in mehrere Teilprozesse mit überschaubaren Schnittstellen gegliedert
werden. Diese Teilprozesse können ggf. jeweils in einzelnen STEP 7-Projekten hinterlegt
werden, die später zu einem Gesamtprojekt zusammengestellt werden.
• Know-how-Schutz
Anlagenteile können statt mit einem STEP 7-Projekt nur noch mit einer GSD-Datei zur
Schnittstellenbeschreibung des I-Devices ausgeliefert werden. Das Know-how des
Anwenderprogramms muss damit nicht mehr offen gelegt werden.

Eigenschaften
Eigenschaften des I-Devices:
• Entkopplung von STEP 7-Projekten
Ersteller und Nutzer eines I-Devices können komplett getrennte STEP 7-Projekte haben.
Die Schnittstelle zwischen den STEP 7-Projekten bildet die GSD-Datei. Damit ist die
Kopplung über eine standardisierte Schnittstelle zu Standard-IO-Controllern möglich.
• Echtzeitkommunikation
Das I-Device wird einem deterministischen PROFINET IO-System über eine
PROFINET IO-Schnittstelle zur Verfügung gestellt und unterstützt somit die
Echtzeitkommunikation Real-Time und Isochronous Real-Time.

Vorteile
Das I-Device bietet folgende Vorteile:
• Einfache Kopplung von IO-Controllern
• Echtzeitkommunikation zwischen IO-Controllern
• Entlastung des IO-Controllers durch die Verteilung der Rechenleistung auf I-Devices
• Geringere Kommunikationslast durch Verarbeitung der Prozessdaten vor Ort
• Übersichtlichkeit durch Bearbeitung der Teilaufgaben in getrennten STEP 7-Projekten

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 127
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

5.2.3 Ausprägungen eines I-Devices

Grundsatz
Ein I-Device ist wie ein Standard-IO-Device in ein IO-System eingebunden.

I-Device ohne untergeordnetes PROFINET IO-System


Das I-Device verfügt nicht über eigene dezentrale Peripherie. Die Projektierung und
Parametrierung des I-Devices in der Rolle eines IO-Devices erfolgt in gleicher Weise wie bei
einem Dezentralen Peripheriesystem (z. B. ET 200).

Bild 5-7 I-Device ohne untergeordnetem PROFINET IO-System

PROFINET mit STEP 7


128 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

I-Device mit untergeordnetem PROFINET IO-System


Ein I-Device kann an einer PROFINET-Schnittstelle - in Abhängigkeit von der
Projektierung - zusätzlich zur Rolle als IO-Device auch IO-Controller sein.
Damit kann das I-Device über seine PROFINET-Schnittstelle Teil eines übergeordneten
IO-Systems sein und als IO-Controller ein ihm untergeordnetes IO-System aufspannen.
Das untergeordnete IO-System kann wiederum I-Devices enthalten (siehe nachfolgendes
Bild). Dadurch sind hierarchisch strukturierte IO-Systeme möglich.
Ein I-Device kann auch zusätzlich zu seiner Rolle als IO-Controller über eine
PROFIBUS-Schnittstelle DP-Master für ein untergeordnetes PROFIBUS-System sein.

Bild 5-8 I-Device mit untergeordnetem IO-System

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 129
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Beispiel - das I-Device als IO-Device und IO-Controller


Das I-Device als IO-Device und IO-Controller wird am Beispiel eines Druckprozesses erklärt.
Das I-Device steuert eine Einheit (einen Teilprozess). Eine Einheit dient hierbei z. B. zum
Einlegen von zusätzlichen Blättern wie Flyern oder Prospekten in ein beliebiges
Druckerzeugnis.

Bild 5-9 Beispiel - das I-Device als IO-Device und IO-Controller

Einheit 1 und Einheit 2 bestehen jeweils aus einem I-Device mit zentraler Peripherie. Das
I-Device zusammen mit dem Dezentralen Peripheriesystem (z. B. ET 200) bildet die Einheit 3.
Das Anwenderprogramm im I-Device sorgt für die Vorverarbeitung der Prozessdaten. Für
diese Aufgabe benötigt das Anwenderprogramm des I-Devices Vorgaben (z. B.
Führungsdaten) vom übergeordneten IO-Controller. Das I-Device stellt dem übergeordneten
IO-Controller Ergebnisse (z. B. Zustand seiner Teilaufgabe) zur Verfügung.

PROFINET mit STEP 7


130 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

I-Device als Shared Device


Ein I-Device kann auch von mehreren IO-Controllern gleichzeitig als Shared-Device genutzt
werden.

Bild 5-10 I-Device als Shared Device

Wie Sie ein I-Device als Shared Device konfigurieren, finden Sie im Kapitel I-Device als Shared
Device konfigurieren (Seite 161).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 131
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

5.2.4 Datenaustausch zwischen über- und untergeordnetem IO-System

Einleitung
Im folgenden Kapitel wird der Datenaustausch zwischen über- und untergeordnetem
IO-System dargestellt.

Transferbereiche
Transferbereiche sind eine Schnittstelle zum Anwenderprogramm der I-Device-CPU. Eingänge
werden im Anwenderprogramm verarbeitet und Ausgänge sind das Ergebnis einer
Verarbeitung im Anwenderprogramm.
In den Transferbereichen werden die Daten für die Kommunikation zwischen IO-Controller
und I-Device bereitgestellt. Ein Transferbereich enthält dabei eine Informationseinheit, die
konsistent zwischen IO-Controller und I-Device ausgetauscht wird. Mehr über die
Projektierung und Verwendung von Transferbereichen erfahren Sie im Kapitel I-Device
projektieren (Seite 134).

PROFINET mit STEP 7


132 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Im folgenden Bild ist der Datenaustausch zwischen über- und untergeordnetem IO-System
dargestellt. Die einzelnen Kommunikationsbeziehungen werden anhand der Ziffern
nachfolgend erklärt.

Bild 5-11 Datenaustausch zwischen über- und untergeordnetem IO-System

① Datenaustausch zwischen übergeordnetem IO-Controller und normalem IO-Device


Über diesen Weg tauschen IO-Controller und IO-Devices Daten über PROFINET aus.

② Datenaustausch zwischen übergeordnetem IO-Controller und I-Device


Über diesen Weg tauschen der IO-Controller und das I-Device Daten über PROFINET aus.
Der Datenaustausch zwischen einem übergeordneten IO-Controller und einem I-Device
basiert auf der herkömmlichen IO-Controller/IO-Device-Beziehung.
Für den übergeordneten IO-Controller stellen die Transferbereiche des I-Devices Submodule
einer vorkonfigurierten Station dar.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 133
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Die Ausgangsdaten des IO-Controllers sind die Eingangsdaten des I-Devices. Analog dazu sind
die Eingangsdaten des IO-Controllers die Ausgangsdaten des I-Devices.

③ Transferbeziehung zwischen dem Anwenderprogramm und dem Transferbereich


Über diesen Weg tauschen Anwenderprogramm und Transferbereich Ein- und Ausgangsdaten
aus.

④ Datenaustausch zwischen dem Anwenderprogramm und der Peripherie des I-Devices


Über diesen Weg tauschen Anwenderprogramm und zentrale/dezentrale Peripherie Ein- und
Ausgangsdaten aus.

⑤ Datenaustausch zwischen dem I-Device und einem untergeordneten IO-Device


Über diesen Weg tauschen das I-Device und seine IO-Devices Daten aus. Die
Datenübertragung erfolgt per PROFINET.

5.2.5 I-Device projektieren

Einleitung
Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten der Projektierung:
• Konfigurieren eines I-Devices innerhalb eines Projekts
• Konfigurieren eines I-Devices, das in einem anderen Projekt verwendet wird oder das in
einem anderen Engineering-System verwendet wird.
Wenn Sie ein I-Device für ein anderes Projekt bzw. für ein anderes Engineering System
konfigurieren, dann ermöglicht Ihnen STEP 7 dies über den Export eines konfigurierten
I-Devices in eine GSD-Datei. Die GSD-Datei importieren Sie im anderen Projekt bzw. im
anderen Engineering System wie andere GSD-Dateien. In dieser GSD-Datei sind u. a. die
Transferbereiche für den Datenaustausch hinterlegt.

PROFINET mit STEP 7


134 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Konfigurieren eines I-Devices innerhalb eines Projekts


1. Ziehen Sie aus dem Hardwarekatalog eine PROFINET-CPU per Drag & Drop in die Netzsicht.
2. Ziehen Sie aus dem Hardwarekatalog eine PROFINET-CPU, die auch als IO-Device
parametriert werden kann, per Drag & Drop in die Netzsicht. Dieses Gerät wird als I-Device
parametriert (z. B. CPU 1516-3 PN/DP).
3. Selektieren Sie die PROFINET-Schnittstelle des I-Devices.
4. Wählen Sie im Inspektorfenster in der Bereichsnavigation den Eintrag "Betriebsart" und
aktivieren Sie das Optionskästchen "IO-Device".
5. In der Klappliste "Zugewiesener IO-Controller" haben Sie jetzt die Möglichkeit, den
IO-Controller auszuwählen.
Wenn Sie den IO-Controller ausgewählt haben, werden anschließend die Vernetzung und
das IO-System zwischen beiden Geräten in der Netzsicht angezeigt.

Bild 5-12 I-Device projektieren

6. Mit dem Optionskästchen "Parametrierung der PN-Schnittstelle durch übergeordneten


IO-Controller" bestimmen Sie, ob das Interface vom I-Device selbst parametriert wird oder
vom übergeordneten IO-Controller.
Wenn Sie das I-Device mit einem untergeordneten IO-System betreiben, dann kann die
PROFINET-Schnittstelle (z. B. Portparameter) des I-Devices nicht durch den
übergeordneten IO-Controller parametriert werden.

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5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

7. Projektieren Sie die Transferbereiche. Die Transferbereiche finden Sie in der


Bereichsnavigation im Abschnitt "I-Device-Kommunikation".
– Klicken Sie in das erste Feld der Spalte "Transferbereich". STEP 7 vergibt einen
voreingestellten Namen, den Sie ändern können.
– Wählen Sie den Typ der Kommunikationsbeziehung: Aktuell ist nur CD bzw. F-CD für
"Controller-Device-Kommunikationsbeziehung" wählbar.
– Adressen werden automatisch vorbelegt; korrigieren Sie die Adressen, wenn
erforderlich und legen Sie die Länge des Transferbereichs fest, der konsistent
übertragen werden soll.

Bild 5-13 Projektieren der Transferbereiche

8. Für jeden Transferbereich wird in der Bereichsnavigation ein einzelner Eintrag erzeugt.
Wenn Sie einen dieser Einträge auswählen, können Sie die Details des Transferbereichs
anpassen bzw. korrigieren und kommentieren.

Konfigurieren eines I-Devices mit Hilfe einer GSD-Datei


Wenn Sie das I-Device in einem anderen Projekt verwenden oder wenn das I-Device in einem
anderen Engineering System verwendet wird, dann projektieren Sie den übergeordneten
IO-Controller und das I-Device grundsätzlich wie oben beschrieben.
Allerdings klicken Sie nach Projektierung der Transferbereiche auf die Schaltfläche "Export",
um aus dem I-Device eine GSD-Datei zu erzeugen. Diese GSD-Datei ist der Stellvertreter für
das projektierte I-Device im anderen Projekt.
Die Schaltfläche "Export" finden Sie im Abschnitt "I-Device-Kommunikation" im
Inspektorfenster.
Die Hardware-Konfiguration wird übersetzt und der Export-Dialog geöffnet.
Vergeben Sie einen Namen für den I-Device-Stellvertreter sowie eine Beschreibung in den
dafür vorgesehenen Feldern. Klicken Sie auf die Schaltfläche "Export", um den Vorgang
abzuschließen.
Die GSD-Datei importieren Sie anschließend z. B. im anderen Projekt.

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136 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

5.2.6 Programmbeispiel

Einleitung
Dieses einfache Programmbeispiel zeigt, wie Sie die Transferbereiche eines I-Devices
verwenden.

Voraussetzung
Sie haben ein I-Device konfiguriert.

Aufgabenstellung
Das Ergebnis einer "UND-Verknüpfung" zweier Eingänge (Vorverarbeitung) im I-Device soll
dem übergeordneten IO-Controller zur Verfügung gestellt werden. Im IO-Master soll dieses
Ergebnis auf einen lokalen Ausgang gelegt werden (Weiterverarbeitung).
Nutzen Sie dafür einen Transferbereich mit den folgenden Adressen:
• Adresse im I-Device: Q568
• Adresse im IO-Controller: I68

Erforderliche Schritte
Um die Aufgabe zu lösen, sind folgende Schritte erforderlich:
1. Transferbereich projektieren
2. I-Device programmieren
3. IO-Controller programmieren

PROFINET mit STEP 7


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5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Transferbereich projektieren
Projektieren Sie im I-Device einen Transferbereich mit folgenden Eigenschaften:

Bild 5-14 Transferbereich Programmbeispiel I-Device

I-Device programmieren
Um das Beispielprogramm für das I-Device zu programmieren, gehen Sie folgendermaßen
vor:
1. Legen Sie in der Projektnavigation unter "Programmbausteine" > "Neuen Baustein
hinzufügen" eine neue Funktion mit dem Namen "preprocessing" in der
Programmiersprache SCL an. Öffnen Sie die Funktion.
2. Legen Sie in der Schnittstelle der Funktion "preprocessing" die folgenden Variablen an:

Name Datentyp Ein-/Ausgangstyp


input 1 bool Input
input 2 bool Input
result bool Output

3. Schreiben Sie im Anweisungsfenster der Funktion "preprocessing" folgenden


Programmcode:
#result:=#input 1&#input 2;

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4. Rufen Sie die Funktion "preprocessing" in einem Zyklus-OB auf, z. B. im OB1.


5. Verdrahten Sie die Funktion "preprocessing" im Zyklus-OB wie folgt:

Bild 5-15 Beispielprogramm I-Device

IO-Controller programmieren
Um das Beispielprogramm für den IO-Controller zu programmieren, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Legen Sie in der Projektnavigation unter "Programmbausteine" > "Neuen Baustein
hinzufügen" eine neue Funktion mit dem Namen "further processing" in der
Programmiersprache SCL an. Öffnen Sie die Funktion.
2. Legen Sie in der Schnittstelle der Funktion "further processing" die folgenden Variablen an:

Name Datentyp Ein-/Ausgangstyp


result bool Input
output bool Output

3. Schreiben Sie im Anweisungsfenster der Funktion "further processing" folgenden


Programmcode:
#output:=#result;
4. Rufen Sie die Funktion "further processing" in einem Zyklus-OB auf, z. B. im OB1.
5. Verdrahten Sie die Funktion "further processing" im Zyklus-OB wie folgt:

Bild 5-16 Beispielprogramm IO-Controller

Ergebnis
Der IO-Controller und das I-Device können Daten über die Ein-/Ausgangstransferbereiche
miteinander austauschen.

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5.2.7 Diagnose und Alarmverhalten

Diagnose und Alarmverhalten


S7-CPUs verfügen über vielfältige Diagnose- und Alarmfunktionen, die beispielsweise Fehler
oder Ausfälle von untergeordneten IO-Systemen melden können. Diese Diagnosemeldungen
verringern Ausfallzeiten und erleichtern die Lokalisierung und Behebung von Fehlern.

Diagnosemöglichkeiten im übergeordneten IO-Controller und im I-Device


Dem übergeordneten IO-Controller und der I-Device CPU stehen folgende
Diagnosemechanismen zur Verfügung:
• OB 83 (Ziehen/Stecken)
• OB 86 (Baugruppenträgerausfall)
• OB 122 (Peripheriezugriffsfehler)

Hinweis
Die Diagnosemeldungen der Peripherie können im Anwenderprogramm der I-Device CPU
verarbeitet werden und von dort über Transferbereiche an den übergeordneten
IO-Controller weitergegeben werden.

Betriebszustandswechsel und Stationsausfall/Stationswiederkehr


In der folgenden Tabelle sehen Sie, welche Folgen ein Betriebszustandswechsel oder der
Ausfall eines IO-Controllers/I-Device der SIMATIC-Familie auf den/die jeweils andere(n) hat:

Tabelle 5- 1 Betriebszustandswechsel und Stationsausfall/Stationswiederkehr

Initialzustand Ereignis Verhalten I-Device Verhalten übergeordneter IO-Controller


I-Device CPU ist Die I-Device CPU - Bei Aktualisierung des Prozessabbildes mit
in RUN, überge- geht in STOP den Anweisungen "UPDAT_PI" und
ordneter "UPDAT_PO" wird im Parameter RET_VAL
IO-Controller ist eine Fehlerrückmeldung ausgegeben.
in RUN Bei direktem Peripheriezugriff auf alle
Transferbereiche zum I-Device: abhängig
von der Art der Fehlerbehandlung, z. B.
Aufruf von OB 122 (Peripheriezugriffs-
fehler).
I-Device CPU ist Die I-Device CPU Aufruf von OB 100 (Anlauf) Aufruf von OB 83 (Ziehen/Stecken) für alle
in STOP, überge- läuft an Aufruf von OB 83 (Ziehen/Stecken) Transferbereiche zum I-Device.
ordneter für Eingangstransferbereiche zum Bis zum Aufruf von OB 83 bei direktem
IO-Controller ist übergeordneten IO-Controller. Zugriff auf alle Transferbereiche zum
in RUN I-Device: abhängig von der Art der Fehler-
Bis zum Aufruf von OB 83 bei direk-
tem Zugriff auf die Eingangs- behandlung, z. B. Aufruf von OB 122 (Peri-
transferbereiche zum übergeord- pheriezugriffsfehler).
neten IO-Controller: abhängig von der
Art der Fehlerbehandlung, z. B. Aufruf
von OB 122 (Peripheriezugriffsfehler).

PROFINET mit STEP 7


140 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Initialzustand Ereignis Verhalten I-Device Verhalten übergeordneter IO-Controller


I-Device CPU ist Der übergeordnete Bei Aktualisierung des Prozess- -
in RUN, überge- IO-Controller geht abbildes mit den Anweisungen
ordneter in STOP "UPDAT_PI" und "UPDAT_PO" wird im
IO-Controller ist Parameter RET_VAL eine Fehlerrück-
in RUN meldung ausgegeben.
Bei direktem Peripheriezugriff auf die
Eingangstransferbereiche zum über-
geordneten IO-Controller: abhängig
von der Art der Fehlerbehandlung,
z. B. Aufruf von OB 122 (Peripherie-
zugriffsfehler).
Hinweis: Auf Ausgangstransferbe-
reiche kann weiterhin zugegriffen
werden.
Übergeordneter Der übergeordnete Aufruf von OB 83 (Ziehen/Stecken) Aufruf von OB 100 (Anlauf).
IO-Controller ist IO-Controller läuft für Eingangstransferbereiche zum
in STOP, I-Device an übergeordneten IO-Controller.
CPU in RUN Bis zum Aufruf von OB 83 bei direk-
tem Zugriff auf die Eingangs-
transferbereiche zum übergeord-
neten IO-Controller: abhängig von der
Art der Fehlerbehandlung, z. B. Aufruf
von OB 122 (Peripheriezugriffsfehler).
I-Device CPU ist Stationsausfall Falls das I-Device ohne Busanbindung Aufruf von OB 86 (Baugruppenträger-
in RUN, überge- I-Device, z. B. weiterläuft: ausfall).
ordneter durch Busunter- Aufruf von OB 86 (Baugruppenträ- Bei Aktualisierung des Prozessabbildes mit
IO-Controller ist brechung gerausfall). den Anweisungen "UPDAT_PI" und
in RUN "UPDAT_PO" wird im Parameter RET_VAL
Bei Aktualisierung des Prozess-
abbildes mit den Anweisungen eine Fehlerrückmeldung ausgegeben.
"UPDAT_PI" und "UPDAT_PO" wird im Bei direktem Peripheriezugriff auf alle
Parameter RET_VAL eine Fehlerrück- Transferbereiche zum I-Device: abhängig
meldung ausgegeben. von der Art der Fehlerbehandlung, z. B.
Bei direktem Peripheriezugriff auf alle Aufruf von OB 122 (Peripheriezugriffs-
Transferbereiche zum übergeord- fehler).
neten IO-Controller: abhängig von der
Art der Fehlerbehandlung, z. B. Aufruf
von OB 122 (Peripheriezugriffsfehler).
I-Device CPU ist Die Busverbindung Aufruf von OB 86 (Baugruppenträ- Aufruf des OB 86 (Baugruppenträger-
in RUN, überge- zwischen gerausfall). ausfall).
ordneter IO-Controller und Aufruf von OB 83 (Ziehen/Stecken) Bis zur Meldung der Stationswiederkehr
IO-Controller ist I-Device ist wieder für Eingangstransferbereiche zum durch OB 86 bei direktem Peripheriezugriff
in RUN, die hergestellt und das übergeordneten IO-Controller. auf alle Transferbereiche zum I-Device:
Kommunika- I-Device wird vom abhängig von der Art der Fehlerbehand-
tionsverbindung IO-Controller wie- Bis zum Aufruf von OB 83 bei direk- lung, z. B. Aufruf von OB 122 (Peripherie-
zwischen der in den Nutzda- tem Zugriff auf die Eingangs- zugriffsfehler).
IO-Controller und tenverkehr transferbereiche zum übergeord-
I-Device ist un- aufgenommen. neten IO-Controller: abhängig von der
terbrochen (Bus- Art der Fehlerbehandlung z. B. Aufruf
unterbrechung). von OB 122 (Peripheriezugriffsfehler).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 141
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Hinweis
Besonderheit beim Hochlauf des übergeordneten IO-Controllers
Im Gegensatz zur Stationswiederkehrmeldung von IO-Devices im IO-Controller, die durch
einen Aufruf des OB 86 komplett abgedeckt wird, ist die Stationswiederkehrmeldung eines
übergeordneten IO-Controllers im I-Device in 2 Teile geteilt:
1. Aufruf des OB 86: Die Initialwerte für die Ausgänge des I-Devices werden gesetzt. Die
Eingangswerte sind allerdings noch nicht gültig; sie werden erst mit dem Aufruf des OB 86
im übergeordneten IO-Controller gültig.
2. Aufruf des OB 83 für jeden Eingangstransferbereich; mit diesem Aufruf wird die Gültigkeit
eines Eingangstransferbereiches angezeigt. Der Hochlauf des I-Devices ist erst
abgeschlossen, wenn für die Eingangstransferbereiche der OB 83 aufgerufen wurde. Dieser
Schritt kann in folgender Situation deutlich verzögert oder gar nicht stattfinden:
– Übergeordneter IO-Controller ist in STOP: OB 83 wird erst bei STOP-RUN-Übergang des
übergeordneten IO-Controllers aufgerufen.
– Die IRT-Kommunikation ist gestört (Sync-Master-Ausfall, Topologiefehler, ...). Der
Aufruf des OB 83 erfolgt erst, wenn die IRT-Kommunikation zustande gekommen ist.

Verweis
Weitere Informationen zur Fehlerbehandlung bei direktem Peripheriezugriff finden Sie in der
Online-Hilfe zu STEP 7, unter "Fehlerbehandlung".

5.2.8 Regeln zur Topologie eines PROFINET IO-Systems mit I-Device

Einleitung
Die folgenden Empfehlungen für den Aufbau und die Projektierung eines IO-Systems unter
Verwendung von I-Devices helfen Ihnen, die zur Kommunikation benötigten Bandbreiten
klein zu halten.
Folgende Kommunikationswege sollten sich nicht überschneiden:
• Kommunikationswege zwischen IO-Controller und den IO-Devices seines IO-Systems.
• Kommunikationswege der I-Device CPU und den IO-Devices Ihres IO-Systems.

PROFINET mit STEP 7


142 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

I-Device mit einem Port


Ein I-Device mit nur einem Port schließen Sie an einen PROFINET-Switch an, der vom
übergeordneten IO-System abgehängt ist. Das untergeordnete IO-System schließen Sie an
einen anderen Port des Switches an, so wie es im folgenden Bild dargestellt ist.

Bild 5-17 I-Device mit einem Port

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 143
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

I-Device mit zwei Ports


Bei einem I-Device mit zwei Ports schließen Sie einen Port, abgehängt vom übergeordneten
IO-System, am Port des PROFINET-Switches an. Den zweiten Port nutzen Sie für das
untergeordnete IO-System, so wie es im folgenden Bild dargestellt ist.

Bild 5-18 I-Device mit zwei Ports

PROFINET mit STEP 7


144 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

I-Device mit drei und mehr Ports


Bei einem I-Device mit drei oder mehr Ports verbinden Sie das I-Device mit einem bzw. beiden
Ports in Linientopologie mit dem übergeordneten IO-System. Den dritten Port verbinden Sie
mit dem von der Linientopologie abgehängten untergeordneten IO-System, so wie es im
folgenden Bild dargestellt ist.

Bild 5-19 I-Device mit drei und mehr Ports

5.2.9 Randbedingungen beim Einsatz von I-Devices


Beachten Sie beim Einsatz von I-Devices folgende Randbedingungen:

Bandbreite
Der Adressumfang der projektierten Transferbereiche wirkt sich auf die nutzbare Bandbreite
des I-Devices aus:
• Bandbreite der Transferbereiche + Bandbreite des untergeordneten IO-Systems = gesamte
am I-Device genutzte Bandbreite
Wenn der Adressraum der Transferbereiche zu groß ist, bedeutet das einen größeren
Bandbreitenbedarf und kann damit zu größeren Aktualisierungszeiten führen.
Tipp: Halten Sie den Adressraum der Transferbereiche so klein wie möglich.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 145
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Regeln für RT- und IRT-Kommunikation


IO-Systeme mit I-Devices eignen sich auch für den Aufbau von Echtzeitanwendungen mit
RT- und IRT-Kommunikation. Dazu müssen Sie folgende Regeln beachten:
• Sowohl das übergeordnete als auch das untergeordnete IO-System unterstützt
RT-Kommunikation. Sie können zur gleichen Zeit für beide IO-Systeme RT-Kommunikation
nutzen.
• IRT-Kommunikation können Sie mit RT-Kommunikation kombinieren. Sie können
IRT-Kommunikation in einem der beiden IO-Systeme verwenden. Entweder verwenden Sie
IRT im übergeordneten oder im untergeordneten IO-System.

5.2.10 PROFIenergy bei I-Devices projektieren


Voraussetzung für programmgesteuerte Pausen zur Energieeinsparung bei PROFINET-Geräten
ist, dass die PROFINET-Geräte das PROFIenergy-Protokoll unterstützen.
Nur wenn ein PROFINET-Gerät (IO-Device) das PROFIenergy-Protokoll unterstützt, setzt ein
IO-Controller auch PE-Kommandos an dieses IO-Device ab, um z. B. Pausen zu starten oder zu
beenden.
Wenn ein IO-Device das PROFIenergy-Protokoll unterstützt, dann ist diese Eigenschaft in
seiner PROFINET GSD-Datei hinterlegt und steht damit einem Engineering-System für die
Projektierung zur Verfügung.
Ab STEP 7 V13 Servicepack 1 haben Sie für S7-1500-CPUs als Intelligente IO-Devices
(I-Devices) die Möglichkeit, für jeden Transferbereich die PROFIenergy-Unterstützung
einzustellen.
Wenn Sie für einen Transferbereich die Option "PROFIenergy-Kommunikation aktivieren"
aktiviert haben und die damit generierte PROFINET GSD-Datei in einem anderen Projekt
importieren, können Sie dort ein I-Device als PE-Entity handhaben.

Voraussetzung
• STEP 7 ab V13 Servicepack 1
• CPU unterstützt PROFIenergy bei I-Devices, z. B. CPU 1215C DC/DC/DC ab Firmware-
Version V4.2
• Sie nutzen die PROFINET IO-Schnittstelle als I-Device und haben Transferbereiche
angelegt.
• Das Anwenderprogramm im I-Device hantiert PROFIenergy-Kommandos
Hintergrund: PROFIenergy-Funktionen müssen Sie bei I-Devices im Anwenderprogramm
mit Hilfe der Anweisung "PE_I_DEV" und zugehöriger Hilfsbausteine ausprogrammieren;
das ist anders als bei IO-Devices, bei denen diese Funktionalität über die Firmware
bereitgestellt wird. Sie dürfen also nur dann für Transferbereiche die PROFIenergy-
Unterstützung aktivieren, wenn auch das Anwenderprogramm im I-Device entsprechend
gestaltet ist.

PROFINET mit STEP 7


146 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

PROFIenergy für Transferbereiche von I-Devices aktivieren


Um die Unterstützung für PROFIenergy zu parametrieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Markieren Sie die PROFINET-Schnittstelle (X1) der CPU.
2. Wählen Sie in der Bereichsnavigation den gewünschten Transferbereich, z. B.
Betriebsart > I-Device-Kommunikation > Transferbereich_1.
3. Aktivieren Sie das Optionskästchen "PROFIenergy-Kommunikation aktivieren".

Bild 5-20 PROFIenergy bei I-Devices projektieren

Nach vollständiger Projektierung des I-Devices generieren Sie die GSD-Datei für das I-Device
und importieren diese Datei im Projekt für den IO-Controller. Die generierte GSD-Datei enthält
einen Eintrag, der spezifiziert, dass das I-Device das PROFIenergy Profil unterstützt.
Zum Adressieren des I-Devices z. B. für das PE-Kommando "PE_START_END" verwenden Sie
die HW-Kennung des "PROFIenergy-unterstützenden" Transferbereichs im I-Device.
Zum Adressieren des IO-Controllers für das PE-Kommando "PE_I_DEV" verwenden Sie die
HW-Kennung des Transferbereichs, welcher im IO-Controller mit den Daten für PROFIenergy
versorgt wird.
Weitere Informationen zu PROFIenergy finden Sie im Kapitel Energie sparen mit PROFIenergy
(Seite 284).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 147
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5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

5.2.11 I-Device im Anwenderprogramm der I-Device-CPU aktivieren/deaktivieren


Wenn eine PROFINET-Schnittstelle einer CPU in STEP 7 als I-Device projektiert wurde, dann ist
nach einem Betriebszustandsübergang STOP > RUN der CPU die I-Device-Funktion aktiv.
Wenn in diesem Fall kein übergeordneter IO-Controller erreichbar ist, dann meldet die
I-Device-CPU über ihre ERROR-LED einen Fehler.
Ab Firmware-Version 2.9 einer CPU S7-1500/ET 200SP/ET 200pro können Sie die
I-Device-Funktion im Anwenderprogramm der I-Device-CPU lokal deaktivieren bzw.
aktivieren. Sie verwenden dafür die Anweisung „D_ACT_DP“. Nach der Deaktivierung meldet
die
I-Device-CPU keinen Fehler mehr über ihre ERROR-LED.
Die Aktivierung/Deaktivierung über das Anwenderprogramm ist an den CPU-internen
PROFINET-Schnittstellen und für S7-1500 CM 1542-1 ab Firmware-Version V3.0 möglich.

Einsatzbeispiele
Im Serienmaschinenbau ist aus Sicht des Maschinenbauers eine Vielzahl von
Maschinenoptionen möglich. Jede ausgelieferte Maschine beinhaltet jedoch nur eine
individuelle Kombination ausgewählter Optionen. Sämtliche möglichen Maschinenoptionen
können vom Hersteller als I-Devices projektiert werden, um ein gemeinsames
Anwenderprogramm über alle möglichen Optionen erstellen und pflegen zu können.
Ein übergeordneter IO-Controller, z. B. zur Liniensteuerung muss nicht in jeder Maschine
notwendig und vorhanden sein. In diesem Fall kann das Anwenderprogramm in der
I-Device-CPU mit der Anweisung "D_ACT_DP" die I-Device-Funktion z. B. im Anlauf
deaktivieren.

PROFINET mit STEP 7


148 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Im folgenden Bild sind schematisch 2 Produktionslinien dargestellt. In den beiden CPUs mit
I-Device-Projektierung läuft dasselbe Anwenderprogramm ab. Das I-Device in Linie 1 wird von
einem übergeordneten IO-Controller gesteuert.

① Übergeordneter IO-Controller
② ... steuert I-Device-CPU S7-1500 in der Linie
③ I-Device-Funktion ist im Anwenderprogramm dieser CPU aktiviert
④ I-Device-Funktion ist im Anwenderprogramm dieser CPU deaktiviert
⑤ IO-Devices
Bild 5-21 I-Device-Funktion in der I-Device-CPU aktivieren/deaktivieren

Automatisierungsaufgabe Steuerung von Wagen in einem Fahrgeschäft


Bei einem Fahrgeschäft (Geisterbahn) sind die Fahrwagen als I-Devices an einem
übergeordneten IO-Controller über PROFINET angebunden.

Merkmal
Der übergeordnete IO-Controller übernimmt die gesamte Koordination und Überwachung der
Fahrwagen in der Station. Der übergeordnete IO-Controller registriert u. a. folgende
Zustände:
• wenn die Fahrwagen in der Station bereitstehen
• wenn die Fahrwagen die Station verlassen
Sobald Personen im Wagen sitzen und der Wagen geschlossen ist, gibt der übergeordnete
IO-Controller das Startsignal.
Auf der gesamten Fahrstrecke sind die Wagen selbstständig unterwegs und haben keine
Verbindung zum übergeordneten IO-Controller. Da dieser Zustand keinen Fehler darstellt,
sollen auch keine Fehler über die ERROR-LEDs der CPUs gemeldet werden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 149
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Lösung
Je nach Position eines Fahrwagens, innerhalb oder außerhalb der Station, aktiviert oder
deaktiviert das Anwenderprogramm in der I-Device-CPU des Wagens die I-Device-Funktion.
Für die Aktivierung und Deaktivierung werden keine Diagnosen über LED an der I-Device-CPU
gemeldet.

Voraussetzungen
Sie betreiben die CPU als I-Device an einem oder mehreren IO-Controllern bzw. haben die
CPU als I-Device projektiert (Optionskästchen "IO-Device" aktiviert). Im folgenden Bild ist die
rechte CPU 1518-4 PN/DP I-Device am übergeordneten IO-Controller CPU 1518-4 PN/DP
(PLC_2).

Bild 5-22 Beispiel: I-Device aktivieren

"D_ACT_DP" ist eine asynchron arbeitende Anweisung. Die Bearbeitung erstreckt sich über
mehrere Aufrufe. Sie haben den Auftrag gestartet, indem Sie "D_ACT_DP" mit REQ = 1 im
Anlauf-OB der I-Device-CPU aufgerufen haben.
Detaillierte Informationen zur Anweisung "D_ACT_DP" finden Sie in der Online-Hilfe STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


150 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Deaktivieren der I-Device-Funktion an einer PROFINET-Schnittstelle

Hinweis
Deaktivieren Sie die I-Device-Funktion nur dann in der I-Device-CPU, wenn das I-Device an
keinem übergeordneten IO-Controller betrieben wird.

Sie deaktivieren die I-Device-Funktion mit der Anweisung "D_ACT_DP":


• Über den symbolischen Namen oder über die Hardware-Kennung des I-Device der
jeweiligen PROFINET-Schnittstelle als Parameter LADDR, im Beispiel HW-Kennung 260
• Über den Parameter MODE = 2

Bild 5-23 Beispiel: I-Device Systemkonstanten

Ergebnis: Das Ziel ist erreicht, die CPU mit deaktivierter I-Device-Funktion steht für den
Datenaustausch mit einem übergeordneten IO-Controller nicht mehr zur Verfügung. Der
übergeordnete IO-Controller ist erst wieder erreichbar, wenn die I-Device-Funktion im
Anwenderprogramm der I-Device-CPU aktiviert wurde.
Wenn sich ein bisher an einem IO-Controller aktives I-Device deaktiviert, dann werden alle
eingerichteten Applikationsbeziehungen (ARs) zwischen dem I-Device und dem IO-Controller
im Netzwerk abgebrochen. Auf IO-Controller-Seite wird ein IO-Device-Ausfall gemeldet. Im
Diagnosepuffer der I-Device-CPU wird "IO-Device Anwender-Deaktivierung" angezeigt mit
Angabe der zugehörigen PROFINET-Schnittstelle bzw. mit dem Namen des IO-Controllers.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 151
Funktionen
5.2 Intelligente IO-Devices (I-Devices)

Aktivieren der I-Device-Funktion an einer PROFINET-Schnittstelle


Sie aktivieren eine nicht aktive I-Device-Funktion mit der Anweisung "D_ACT_DP":
• Über den symbolischen Namen oder über die Hardware-Kennung des I-Device der
jeweiligen PROFINET-Schnittstelle als Parameter LADDR, im Beispiel HW-Kennung 260
• Über den Parameter MODE = 1
Ergebnis: Nach der Aktivierung kann das I-Device mit einem übergeordneten IO-Controller
Daten austauschen.
Wenn mindestens ein IO-Controller fehlt oder die Verbindung nicht vorhanden ist, dann wird
im Diagnosepuffer der I-Device-CPU "Hardwarekomponente entfernt oder fehlt" eingetragen.

Hinweis
Kurzzeitige Zugriffsfehler
Bei der Aktivierung der I-Device-Funktion im Anwenderprogramm kann es zu kurzzeitigen
Zugriffsfehlern "I/O-Datenausfall in Hardware-Komponente" kommen, z. B. weil der Zugriff
auf die I/O-Daten des I-Device bereits möglich ist, obwohl diese vom IO-Controller noch nicht
als gültig deklariert worden sind.
Diese Meldungen sind kommende und gehende Fehlerereignisse und können vernachlässigt
werden.
Weiterhin gilt das Verhalten von IO-Controller und I-Device bei Stationsausfall und
Stationswiederkehr, wie im Kapitel Diagnose und Alarmverhalten (Seite 140)beschrieben.

Statusinformation eines I-Device mit Anweisung "D_ACT_DP" abrufen


Sie fordern die Statusinformation eines I-Device an:
• Über die HW-Kennung des I-Device der jeweiligen PROFINET-Schnittstelle als Parameter
LADDR, im Beispiel HW-Kennung 260
• Über den Parameter MODE = 0
Der Status wird im Parameter RET_VAL zurückgegeben:
• RET_VAL = 0x0000: "D_ACT_DP" wurde fehlerfrei beendet (Deaktivierung eines nicht
aktiven I-Device/Aktivierung eines bereits aktiven I-Device)
• RET_VAL = 0x0001: I-Device ist aktiviert
• RET_VAL = 0x0002: I-Device ist deaktiviert

PROFINET mit STEP 7


152 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

5.3 Shared Device

5.3.1 Wissenswertes zu Shared Devices

Funktionalität Shared Device


In größeren oder weit verteilten Anlagen werden häufig zahlreiche IO-Controller eingesetzt.
Ohne die Funktion "Shared Device" ist jedes Peripheriemodul eines IO-Devices demselben
IO-Controller zugeordnet. Wenn räumlich nah beieinanderliegende Sensoren Daten an
unterschiedliche IO-Controller liefern müssen, sind daher mehrere IO-Devices erforderlich.
Die Funktion "Shared Device" ermöglicht es, die Module bzw. Submodule eines IO-Devices
zwischen verschiedenen IO-Controllern aufzuteilen. Durch diese Aufteilung sind flexible
Automatisierungskonzepte möglich. Sie haben z. B. die Möglichkeit, räumlich naheliegende
Peripheriemodule in einem IO-Device zusammenzufassen.

① PROFINET
② Logische Zuordnung

Bild 5-24 Beispiel: Shared Device mit 2 IO-Controller

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 153
Funktionen
5.3 Shared Device

Prinzip
Der Zugriff auf die Submodule des Shared Devices wird zwischen den einzelnen
IO-Controllern aufgeteilt. Jedes Submodul des Shared Devices ist exklusiv einem IO-Controller
zugeordnet.

Voraussetzung
• STEP 7 ab V12 Servicepack 1
• IO-Device unterstützt die Funktion Shared Device, z. B. Interfacemodul IM 155-5 PN ST
• IO-Controller unterstützt die Funktion Shared Device, z. B. CPU 1516-3 PN/DP ab
Firmwarestand V1.1 oder CPU 1215 DC/DC/DC ab Firmwarestand V4.1
Anmerkungen:
• Eine CPU als I-Device konfiguriert können Sie als Shared Device verwenden. Dazu erstellen
Sie in STEP 7 über "GSD-Export" eine GSD-Datei für das I-Device. Die GSD-Datei importieren
Sie dann im anderen Projekt und ordnen das I-Device dem dortigen IO-Controller zu. Die
CPU muss den GSD-Export unterstützen, z. B. CPU 1215C DC/DC/DC ab Firmwarestand
V4.1.
Die maximale Anzahl an IO-Controllern, die Sie einer als Shared-I-Device konfigurierten
CPU zuordnen können, finden Sie in den Gerätehandbüchern der CPU in den Technischen
Daten.

Projektierung des Zugriffs


Um zu erreichen, dass die Module bzw. Submodule eines IO-Devices unterschiedlichen
IO-Controllern zugeordnet werden können, muss das IO-Device in mehreren Projekten
vorhanden sein. Für jeden IO-Controller wird ein eigenes Projekt benötigt.
Auf welche Module bzw. Submodule der IO-Controller Zugriff hat, bestimmen Sie über den
Parameter "Shared Device" des Interfacemoduls:
• Wenn der lokale IO-Controller Zugriff auf das konfigurierte Modul hat, wählen Sie aus der
Liste den Namen des IO-Controllers aus.
• Wenn nicht der lokale IO-Controller, sondern der IO-Controller aus einem anderen Projekt
Zugriff auf das konfigurierte Modul haben soll, wählen Sie den Eintrag "---".
Wenn jedes Modul bzw. Submodul in genau einem Projekt einem IO-Controller zugewiesen
ist, dann ist die Konfiguration konsistent hinsichtlich des Zugriffs.

PROFINET mit STEP 7


154 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

Modul bzw. Submodul ist anderem IO-Controller zugeordnet


Im Folgenden geht es um die Konsequenzen der Einstellung "---" des Parameters "Shared
Device" aus Sicht des lokalen IO-Controllers.
Der lokale IO-Controller hat in diesem Fall keinen Zugriff auf das so konfigurierte Modul. Das
bedeutet im Einzelnen:
• Kein Datenaustausch mit dem Modul bzw. Submodul
• Kein Empfang von Alarmen und Diagnosen, d. h. keine Anzeige des Diagnosezustands in
der Online-Sicht
• Keine Parametrierung des Moduls bzw. Submoduls

Einstellen der Echtzeiteigenschaften


STEP 7 berechnet die Kommunikationslast und damit die resultierenden
Aktualisierungszeiten. Damit eine Berechnung bei Shared-Device-Konfigurationen möglich
ist, müssen Sie in dem Projekt, bei dem die PROFINET-Schnittstelle des Shared Devices dem
IO-Controller zugewiesen ist, die Anzahl der projektexternen IO-Controller eingeben.
Die maximal mögliche Anzahl von IO-Controllern für das Shared Device ist geräteabhängig.
Diese Anzahl ist in der GSD-Datei des Shared Device hinterlegt.
Bei einer CPU als IO-Controller können Sie einen sehr kurzen Sendetakt einstellen. Der
Sendetakt darf kürzer sein als der kürzeste Sendetakt, den das Shared Device unterstützt. Das
Shared Device wird in diesem Fall vom IO-Controller mit einem Sendetakt betrieben, den es
unterstützt (Sendetakt-Adaption).
Beispiel:
Eine CPU unterstützt Sendetakte ab 0,25 ms. Ein konfiguriertes IO-Device unterstützt
ebenfalls Sendetakte ab 0,25 ms, ein anderes unterstützt Sendetakte ab 1 ms. In diesem Fall
haben Sie die Möglichkeit, für die CPU den kurzen Sendetakt von 0,25 ms einzustellen. Die
CPU betreibt das "langsame" IO-Device mit dem Sendetakt von z. B. 1 ms.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 155
Funktionen
5.3 Shared Device

Regeln für die Konfiguration


• IO-Controller, die das Shared Device nutzen, werden in verschiedenen Projekten angelegt.
In jedem Projekt müssen Sie sicherstellen, dass das Shared Device in jeder Station genau
gleich konfiguriert ist. Es darf immer nur ein IO-Controller vollen Zugriff auf ein Submodul
haben. Inkonsistenzen in der Konfiguration führen zum Ausfall des Shared Device.
• Wenn Sie für die beteiligten IO-Controller die Option "Router verwenden" aktiviert haben,
dann müssen Sie in allen beteiligten IO-Controllern dieselbe Routeradresse eingestellt
haben.
• E/A-Adressen eines Moduls bzw. Submoduls sind nur dann editierbar, wenn ein Modul
bzw. Submodul dem IO-Controller im selben Projekt zugewiesen ist.
• Das Shared Device muss in jedem Projekt dieselben IP-Parameter und denselben
Gerätenamen haben.
• Der Sendetakt muss gleich sein bei allen IO-Controllern, die Zugriff auf das Shared Device
haben.
• Die S7-Subnetz-ID des Subnetzes, an dem das Shared Device angeschlossen ist, muss in
allen Projekten gleich sein.
• Nur wenn die PROFINET-Schnittstelle des Shared Device dem lokalen IO-Controller
zugeordnet ist, sind folgende Funktionen möglich:
– IRT-Betrieb
– Priorisierter Hochlauf
– Parametrierung der Port-Eigenschaften

Randbedingungen
Weil sich eine Shared-Device-Konfiguration auf mehrere Projekte verteilt, ergeben sich
folgende Randbedingungen:
• In der Adressübersicht jedes IO-Controllers, der Zugriff auf ein Shared Device hat, fehlen
die Adressen von Modulen bzw. Submodulen, die nicht diesem IO-Controller zugeordnet
sind.
• Die nicht zugeordneten Module bzw. Submodule gehen bei der Konsistenzprüfung nicht
in die Mengengerüst-Berechnung für das Shared Device ein. Sie müssen daher selbst
überprüfen, dass die maximale Anzahl von Submodulen oder die maximale Anzahl von
zyklischen IO-Daten für das Shared Device nicht überschritten wird.
Angaben zu den maximalen Mengengerüsten finden Sie in der Dokumentation der
verwendeten Geräte.
• Projektierungsfehler wie die Zuweisung eines Moduls bzw. Submoduls zu mehreren
IO-Controllern werden nicht von STEP 7 erkannt.
• CPUs, die mit einer Shared-Device-Konfiguration geladen werden, haben keine
Information darüber, dass es sich beim IO-Device um ein Shared Device handelt. Module
bzw. Submodule, die anderen IO-Controllern und damit anderen CPUs zugeordnet sind,
fehlen in der geladenen Konfiguration. Diese Module bzw. Submodule werden daher
weder im CPU-Webserver noch im CPU-Display angezeigt.
Verhalten im Fehlerfall
Wie sich PROFINET IO-Controller im Fehlerfall beim Zugriff auf die Daten eines Shared-Devices
verhalten, finden Sie in diesem FAQ
([Link] beschrieben.

PROFINET mit STEP 7


156 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

5.3.2 Shared Device konfigurieren


Im Folgenden ist beschrieben, wie Sie ein Dezentrales Peripheriesystem als Shared Device mit
STEP 7 ab Version V12, Servicepack 1 konfigurieren.
Grundsätzlich ist eine "verteilte" Konfiguration mit verschiedenen Engineering-Tools für
verschiedene IO-Controller-Familien möglich. Die Beschreibung der Vorgehensweise
orientiert sich aber ausschließlich an STEP 7 ab V12, Servicepack 1. Die Beschreibung
beschränkt sich auf zwei IO-Controller der Familie S7-1500, die sich ein Shared Device teilen.
Zwei Projekte werden angelegt (Shared-Device-1 und Shared-Device-2) mit jeweils einem
IO-Controller (PLC1 und PLC2). Das Shared Device müssen Sie in beiden Projekten anlegen,
obwohl es sich physikalisch um ein und dasselbe IO-Device handelt.

Voraussetzung
• STEP 7 ab V12 Servicepack 1
• IO-Controller unterstützt die Funktion Shared Device, z. B. CPU 1513-1 PN ab
Firmwarestand V1.1.
• IO-Device unterstützt Funktion Shared Device, z. B. Interfacemodul IM 155-5 PN ST ab
Firmwarestand V2.0.

Vorgehen - Projekt 1 anlegen


Um das erste Projekt mit einem Shared Device anzulegen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Starten Sie STEP 7.
2. Legen Sie ein neues Projekt an mit dem Namen "Shared-Device-1".
3. Fügen Sie in die Netzsicht z. B. eine CPU 1513-1 PN aus dem Hardware-Katalog ein.
Vergeben Sie den Namen "PLC1".
4. Fügen Sie ein IO-Device mit der Funktion "Shared Device" aus dem Hardware-Katalog ein.
5. Ordnen Sie dem IO-Device den IO-Controller "PLC1" zu.
6. Doppelklicken Sie auf das IO-Device und fügen Sie alle benötigten Module und Submodule
aus dem Hardware-Katalog in die Geräteübersichtstabelle ein.
7. Parametrieren Sie die Module.
8. Speichern Sie das Projekt.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 157
Funktionen
5.3 Shared Device

Vorgehen - Projekt 2 anlegen


Um das zweite Projekt mit einem Shared Device anzulegen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Starten Sie STEP 7 ein weiteres Mal.
Eine neue Instanz von STEP 7 wird geöffnet.
2. Legen Sie in der neuen Instanz ein neues Projekt an mit dem Namen "Shared-Device-2".
3. Fügen Sie in die Netzsicht z. B. eine CPU 1513-1 PN ein. Vergeben Sie den Namen "PLC2".
4. Kopieren Sie das IO-Device aus dem Projekt "Shared-Device-1" und fügen es in die Netzsicht
von Projekt "Shared-Device-2" ein.
5. Ordnen Sie dem IO-Device den IO-Controller "PLC2" zu.
6. Speichern Sie das Projekt.
Beide Projekte haben jetzt ein identisch aufgebautes IO-Device, das im nächsten Schritt für
die verschiedenen IO-Controller-Zugriffe parametriert werden muss.

Vorgehen - Zugriffe auf das Shared Device parametrieren


Die Module und Submodule, die Sie in das Shared Device stecken, sind automatisch der
lokalen CPU zugeordnet. Um die Zuordnung zu ändern, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Markieren Sie in der Netzsicht oder in der Gerätesicht von Projekt "Shared-Device-1" das
Interfacemodul.
2. Wählen Sie den Bereich "Shared Device" im Inspektorfenster.
Eine Tabelle zeigt für alle projektierten Module, welche CPU Zugriff auf das jeweilige
Modul bzw. Submodul hat. Voreingestellt ist für alle Module und Submodule, dass die
lokale CPU Zugriff hat.
3. Für alle Module bzw. Submodule, die im Adressbereich der lokalen CPU bleiben sollen,
belassen Sie die Einstellung "PLC1".
Für alle Module bzw. Submodule, die im Adressbereich der CPU aus dem Projekt "Shared-
Device-2" liegen sollen ("PLC2"), wählen Sie die Einstellung "---". Das bedeutet, dass ein IO-
Controller außerhalb des Projekts Zugriff auf das Modul bzw. Submodul haben soll.

Bild 5-25 Shared Device konfigurieren

4. Markieren Sie in der Netzsicht oder Gerätesicht von Projekt "Shared-Device-2" das
Interfacemodul.

PROFINET mit STEP 7


158 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

5. Wählen Sie den Bereich "Shared Device" im Inspektorfenster.


Eine Tabelle zeigt für alle projektierten Module, welche CPU Zugriff auf das jeweilige
Modul bzw. Submodul hat.
6. Für alle Module bzw. Submodule, die im Adressbereich der CPU aus dem Projekt "Shared-
Device-1" liegen sollen ("PLC1"), wählen Sie die Einstellung "---".
7. Prüfen Sie abschließend, ob für jedes Modul bzw. Submodul in beiden Projekten die
Einstellungen für den Zugriff "komplementär" sind. Das bedeutet, wenn in einem Projekt die
lokale CPU Zugriff hat, muss im anderen Projekt die Option "---" eingestellt sein und
umgekehrt.
Besonderheit: Die Option "---" für die PROFINET-Schnittstelle und damit auch der Ports
bewirkt, dass die zugehörigen Parameter nur lesbar und nicht änderbar sind. Parameter
der PROFINET-Schnittstelle und Port-Parameter sind nur in dem Projekt editierbar, in dem
die PROFINET-Schnittstelle der lokalen CPU zugeordnet ist. Unabhängig davon lassen sich
die Ports in beiden Projekten verschalten.
8. Prüfen Sie, ob in allen Projekten für das Shared Device dieselben IP-Adressparameter und
Gerätenamen eingestellt sind.
Prüfen Sie, ob in allen Projekten dieselbe S7-Subnetz-ID eingestellt ist für das Subnetz, an
dem das Shared Device angeschlossen ist (Eigenschaften Subnetz, Bereich "Allgemein" im
Inspektorfenster).

Hinweis
Falls Sie Änderungen am Shared Device vornehmen: Führen Sie die Änderungen in jedem
Projekt am Shared Device nach! Achten Sie darauf, dass immer nur ein IO-Controller
Zugriff auf ein Modul bzw. Submodul hat!

Vorgehen - Echtzeit-Einstellungen anpassen


Damit sichergestellt ist, dass alle IO-Controller und Shared Devices mit dem passenden
Sendetakt betrieben werden und die Aktualisierungszeiten aufgrund der Kommunikationslast
richtig berechnet werden, müssen Sie folgende Einstellungen anpassen und überprüfen:
1. Wählen Sie das Projekt, dessen IO-Controller Zugriff auf die PROFINET-Schnittstelle und die
Ports des Shared Devices haben.
2. Markieren Sie das Interfacemodul des Shared Devices in der Netzansicht.
3. Navigieren Sie im Inspektorfenster zum Bereich "PROFINET-Schnittstelle > Erweiterte
Optionen > Echtzeit-Einstellungen > IO-Zyklus".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 159
Funktionen
5.3 Shared Device

4. Stellen Sie im Bereich "Shared Device" die Anzahl der projekt-externen IO-Controller ein. Die
maximale Anzahl ist abhängig vom IO-Device (Vorgabe in GSD-Datei).
5. Für jeden IO-Controller, der Zugriff auf Module bzw. Submodule des Shared Device hat,
müssen Sie denselben Sendetakt einstellen:
– Wenn Sie den IO-Controller mit STEP 7 (TIA Portal) projektieren:
Öffnen Sie das entsprechende Projekt.
Markieren Sie die PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers.
Wählen Sie im Inspektorfenster den Bereich "Erweiterte Optionen > Echtzeit-
Einstellungen > IO-Kommunikation" und stellen den gemeinsamen Sendetakt ein.
– Wenn Sie den IO-Controller mit einem anderen Engineering-Tool projektieren:
Markieren Sie die PROFINET-Schnittstelle des Shared Device in STEP 7 (TIA Portal) und
lesen den Sendetakt am Shared Device ab (Bereich "Erweiterte Optionen > Echtzeit-
Einstellungen")
Geben Sie im Engineering-Tool den abgelesenen Sendetakt ein.
– Besonderheit: Wenn Sie alle IO-Controller, die Zugriff auf das Shared Device haben, in
STEP 7 (TIA Portal oder V5.5) projektieren, dann lassen sich auch kürzere Sendetakte
am IO-Controller einstellen, als das Shared Device unterstützt (Sendetakt-Adaption).

Übersetzen und Laden


Die Konfigurationen für die verschiedenen IO-Controller müssen Sie übersetzen und
nacheinander in die CPUs laden.
Aufgrund der verteilten Konfiguration mit separaten Projekten gibt STEP 7 keine
Konsistenzfehler aus bei fehlerhafter Zugriffs-Parametrierung. Beispiele für fehlerhafte
Zugriffs-Parametrierung:
• Mehrere IO-Controller haben Zugriff auf dasselbe Modul
• IP-Adressparameter oder Sendetakte sind nicht identisch
Diese Fehler wirken sich erst im Betrieb aus und werden z. B. als Konfigurationsfehler
gemeldet.

Hinweis
Nach dem Laden einer Projektierung in den IO-Controller behalten nicht zugeordnete Module
bzw. Submodule im IO-Device ihren aktuellen Parametrierzustand, um die Unabhängigkeit zu
Projektierungen anderer IO-Controller zu gewährleisten.

PROFINET mit STEP 7


160 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

5.3.3 I-Device als Shared Device konfigurieren


Im Folgenden ist beschrieben, wie Sie eine S7-1500 als I-Device mit STEP 7 ab Version V13
konfigurieren und anschließend in zwei Projekten als Shared Device verwenden.
Grundsätzlich ist auch hier eine "verteilte" Konfiguration mit verschiedenen Engineering-Tools
für verschiedene IO-Controller-Familien möglich. Die im Folgenden beschriebene
Vorgehensweise orientiert sich an STEP 7 V13 und beschränkt sich auf eine Konfiguration mit
zwei IO-Controllern der Familie S7-1500, die sich die Transferbereiche eines I-Device als
Shared Device teilen. Das I-Device selbst ist ebenfalls eine S7-1500-CPU.
Drei Projekte werden angelegt mit jeweils einem IO-Controller (PLC-I-Device, PLC_1 und
PLC_2).
PLC-I-Device wird verwendet, um das I-Device zu konfigurieren. Die PROFINET-GSD-Variante
von PLC-I-Device wird in den Projekten PLC_1 und PLC_2 verwendet, um die Transferbereiche
im jeweils übergeordneten IO-Controller zuordnen zu können.

Shared-I-Device-Konzept
Zur Einführung des Shared-I-Device-Konzepts werden hier mit zwei Rollen eingeführt:
• Die Rolle eines Herstellers (z. B. Maschinenhersteller): Er konfiguriert und programmiert
ein I-Device, das eine bestimmte Automatisierungsaufgabe übernimmt. Als
Peripherieschnittstelle zum Betreiber der Maschine werden Transferbereiche definiert, die
unterschiedlichen IO-Controllern zugeordnet werden können. Für die Anbindung an
übergeordnete IO-Controller stellt der Hersteller eine PROFINET-GSD-Datei zur Verfügung
und legt die Transferbereiche offen, über die auf das I-Device zugegriffen werden kann.
• Die Rolle des Betreibers: Er verwendet das I-Device als PROFINET-GSD-Variante in der
Projektierung seines PROFINET IO-Systems und legt dabei die E/A-Adressen fest, unter
denen die IO-Controller auf die Transferbereiche zugreifen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 161
Funktionen
5.3 Shared Device

Herstellersicht
Eine S7-1500-CPU parametrieren Sie als I-Device mit zentraler und dezentraler Peripherie, mit
den gewünschten Transferbereichen und mit der Anzahl IO-Controller mit Zugriff auf dieses
I-Device (bei Shared Device immer größer als 1!).
Besonderheit: Das I-Device wird ohne übergeordneten IO-Controller konfiguriert. Damit
stehen nur die lokalen E/A-Adressen des Transferbereichs zur Verfügung (= "Adresse im I-
Device"), um das Anwenderprogramm zur Bearbeitung der Adressen aus dem Transferbereich
zur erstellen. Das bis auf die Anbindung zum übergeordneten IO-Controller vollständig
projektierte I-Device wird in die S7-1500-CPU geladen.
Aus der I-Device-Konfiguration exportieren Sie eine PROFINET-GSD-Datei.

Bild 5-26 I-Device als GSD-Datei exportieren

PROFINET mit STEP 7


162 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

Betreibersicht
Die aus der I-Device-Konfiguration erzeugte PROFINET-GSD-Datei müssen Sie in allen
Engineering-Systemen installieren, die an der Projektierung eines PROFINET IO-Systems mit
diesem Shared-I-Device beteiligt sind. Wenn alle Verwendungen dieses I-Devices mit STEP 7
V13 projektiert werden, genügt die Installation der GSD-Datei in STEP 7.
Das I-Device konfigurieren Sie als GSD-Variante am PROFINET IO-System in den beteiligten
Projekten. In STEP 7 V13 ist dieses I-Device nach der Installation unter "Weitere Feldgeräte >
PROFINET IO > PLCs & CPs" zu finden.

Bild 5-27 I-Device als GSD-Datei konfigurieren

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 163
Funktionen
5.3 Shared Device

In jedem der beteiligten Projekte bestimmen Sie, welche Transferbereiche exklusiv dem
übergeordneten IO-Controller zugwiesen sind (voreingestellt: alle). Die übrigen
Transferbereiche stellen Sie auf "---" (nicht zugewiesen). Diese Einstellung bewirkt, dass der
lokale IO-Controller keinen Zugriff auf diesen Transferbereich hat und daher in einem
anderen Projekt einem anderen IO-Controller zugeordnet werden kann.

Bild 5-28 Zugriff auf das Shared-iDevice einstellen

Die Adressen aus Sicht des IO-Controllers passen Sie in der Geräteübersicht an. Die
Geräteübersicht öffnen Sie, indem Sie auf das I-Device doppelklicken.

Bild 5-29 E/A-Adressen der Transferbereiche in der Geräteübersicht

PROFINET mit STEP 7


164 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

Voraussetzung
• STEP 7 ab V13

Vorgehen - Projekt PLC-I-Device anlegen


Um das Projekt mit einem Shared-I-Device anzulegen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Starten Sie STEP 7.
2. Legen Sie ein neues Projekt an mit dem Namen "PLC-I-Device".
3. Fügen Sie in die Netzsicht z. B. eine CPU 1518-4 PN/DP aus dem Hardware-Katalog ein.
Vergeben Sie den Namen "PLC-I-Device".
4. Doppelklicken Sie auf das IO-Device und konfigurieren Sie alle benötigten Module und
Submodule.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 165
Funktionen
5.3 Shared Device

5. Parametrieren Sie die Module.


Speziell für die CPU sind folgende Einstellungen im Bereich der PROFINET-Schnittstelle
[X1] notwendig:
– Aktivieren Sie die Option "IO-Device" im Bereich "Betriebsart".
– Konfigurieren Sie die Transferbereiche im Bereich "Betriebsart" > "I-Device-
Konfiguration". Die Spalte "Adresse im IO-Controller" bleibt dabei leer, da kein
IO-Controller zugewiesen ist.
Hinweis: Um einen Eingangsbereich in einen Ausgangsbereich zu ändern und
umgekehrt, müssen Sie in den Bereich des entsprechenden Transferbereichs
navigieren.

Bild 5-30 Adresstyp für Transferbereich ändern

– Wählen Sie die Anzahl der IO-Controller, mindestens zwei, die im Betrieb auf das
Shared-I-Device zugreifen werden (Bereich "Betriebsart" > "Echtzeit-Einstellungen",
Abschnitt "Shared Device").

PROFINET mit STEP 7


166 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

6. Speichern Sie das Projekt.


7. Klicken Sie auf die Schaltfläche "Export" (Bereich "Betriebsart" > "I-Device-Konfiguration",
Abschnitt "Gerätebeschreibungsdatei (GSD) exportieren").
Falls Sie den Namen im Export-Dialog nicht ändern, hat die GSD-Datei z. B. einen Namen
der Form "GSDML-V2.31-#Siemens-PreConf_PLC-I-Device-20130925-123456".

Vorgehen - Projekt PLC_1 anlegen


Um das erste Projekt mit einem Shared-I-Device anzulegen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Starten Sie STEP 7.
2. Installieren Sie die PROFINET-GSD-Datei aus dem Export der I-Device-CPU (PLC-I-Device).
3. Legen Sie ein neues Projekt an mit dem Namen "PLC_1".
4. Fügen Sie in die Netzsicht z. B. eine CPU 1516-3 PN/DP ein. Der Name der CPU sollte "PLC_1"
sein.
5. Fügen Sie das I-Device aus dem Hardware-Katalog ein (Hardware-Katalog: Weitere
Feldgeräte > PROFINET IO > PLCs & CPs).
6. Ordnen Sie dem I-Device den IO-Controller "PLC_1" zu.
7. Wählen Sie in den Eigenschaften des I-Devices den Bereich "Shared Device".
In der Tabelle sind alle Transferbereiche und die PROFINET-Schnittstelle dem lokalen
IO-Controller zugeordnet (PLC_1).
8. Bestimmen Sie, auf welche Transferbereiche die CPU PLC_1 keinen Zugriff haben soll. Für
diese Bereiche wählen Sie den Eintrag "---". Diese Transferbereiche sind für PLC_2
vorgesehen.
9. Speichern Sie das Projekt.

Vorgehen - Projekt PLC_2 anlegen


Um das zweite Projekt mit einem Shared-I-Device anzulegen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Starten Sie STEP 7 ein weiteres Mal.
Eine neue Instanz von STEP 7 wird geöffnet.
2. Legen Sie in der neuen Instanz ein neues Projekt an mit dem Namen "PLC_2".
3. Fügen Sie in die Netzsicht z. B. eine CPU 1516-3 PN/DP ein. Vergeben Sie den Namen
"PLC_2".
4. Fügen Sie das I-Device aus dem Hardware-Katalog ein (Hardware-Katalog: Weitere
Feldgeräte > PROFINET IO > PLCs & CPs).
5. Ordnen Sie dem I-Device den IO-Controller "PLC_2" zu.
6. Passen Sie wie im Projekt PLC_1 die Zugriffe auf die Transferbereiche an. Beachten Sie, dass
keine doppelten Zuordnungen entstehen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 167
Funktionen
5.3 Shared Device

7. Passen Sie die Parameter von Subnetz und PROFINET-Schnittstelle an. Da es sich beim
Shared-I-Device um dasselbe Gerät in verschiedenen Projekten handelt, müssen diese Daten
übereinstimmen.
8. Speichern Sie das Projekt.
Beide Projekte haben jetzt ein identisch aufgebautes Shared-I-Device. Die IO-Controller-
Zugriffe und die Parameter der PROFINET-Schnittstelle sollten im nächsten Schritt in den
verschiedenen Projekten noch kontrolliert werden.

Zusammenfassung - Zugriffe auf das Shared Device parametrieren


Die Transferbereiche sind automatisch dem lokalen IO-Controller zugeordnet. Um die
Zuordnung zu ändern, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Klicken Sie in der Netzsicht von Projekt "PLC_1" das Gerät "PLC_I-Device" und wählen Sie den
Bereich "Shared Device".
2. Eine Tabelle zeigt für alle projektierten Transferbereiche, welche CPU Zugriff auf den
jeweiligen Transferbereich hat. Voreingestellt ist für alle Module und Submodule, dass die
lokale CPU Zugriff hat.
3. Für alle Transferbereiche, die im Adressbereich der lokalen CPU bleiben sollen, belassen Sie
die Einstellung "PLC_1"
Für alle Transferbereiche, die im Adressbereich der CPU "PLC_2" aus dem Projekt "PLC_2"
liegen sollen, wählen Sie die Einstellung "---". Das bedeutet, dass ein IO-Controller
außerhalb des Projekts Zugriff auf den Transferbereich haben soll.
4. Verfahren Sie mit den übrigen Projekten entsprechend.
5. Prüfen Sie abschließend, ob für jedes Modul bzw. Submodul in beiden Projekten die
Einstellungen für den Zugriff "komplementär" sind. Das bedeutet, wenn in einem Projekt die
lokale CPU Zugriff hat, muss im anderen Projekt die Option "---" eingestellt sein und
umgekehrt.
Besonderheit: Die Option "---" für die PROFINET-Schnittstelle und damit auch der Ports
bewirkt, dass die zugehörigen Parameter nur lesbar und nicht änderbar sind. Parameter
der PROFINET-Schnittstelle und Port-Parameter sind nur in dem Projekt editierbar, in dem
die PROFINET-Schnittstelle der lokalen CPU zugeordnet ist. Unabhängig davon lassen sich
die Ports in beiden Projekten verschalten.
6. Prüfen Sie, ob in allen Projekten für das Shared Device dieselben IP-Adressparameter und
Gerätenamen eingestellt sind.
Prüfen Sie, ob in allen Projekten dieselbe S7-Subnetz-ID eingestellt ist für das Subnetz, an
dem das Shared Device angeschlossen ist (Eigenschaften Subnetz, Bereich "Allgemein" im
Inspektorfenster).

Hinweis
Falls Sie Änderungen am I-Device vornehmen (z. B. Anzahl oder Länge der
Transferbereiche ändern):
Exportieren Sie das I-Device erneut als GSD-Datei. Installieren Sie die GSD-Datei erneut in
jedem Projekt, die das I-Device als Shared Device nutzen! Achten Sie darauf, dass immer
nur ein IO-Controller Zugriff auf einen Transferbereich hat!

PROFINET mit STEP 7


168 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

Vorgehen - Echtzeit-Einstellungen anpassen


Damit sichergestellt ist, dass alle IO-Controller und Shared Devices mit dem passenden
Sendetakt betrieben werden und die Aktualisierungszeiten aufgrund der Kommunikationslast
richtig berechnet werden, müssen Sie folgende Einstellungen anpassen und überprüfen:
1. Für jeden IO-Controller, der Zugriff auf Module bzw. Submodule des Shared Device hat,
müssen Sie denselben Sendetakt einstellen:
– Wenn Sie den IO-Controller mit STEP 7 (TIA Portal) projektieren:
Öffnen Sie das entsprechende Projekt.
Markieren Sie die PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers.
Wählen Sie im Inspektorfenster den Bereich "Erweiterte Optionen > Echtzeit-
Einstellungen > IO-Kommunikation" und stellen den gemeinsamen Sendetakt ein.
– Wenn Sie den IO-Controller mit einem anderen Engineering-Tool projektieren:
Markieren Sie die PROFINET-Schnittstelle des Shared Device in STEP 7 (TIA Portal) und
lesen den Sendetakt am Shared Device ab (Bereich "Erweiterte Optionen > Echtzeit-
Einstellungen")
Geben Sie im Engineering-Tool den abgelesenen Sendetakt ein.
– Besonderheit: Wenn Sie alle IO-Controller, die Zugriff auf das Shared-I-Device haben, in
STEP 7 (TIA Portal oder V5.5) projektieren, dann lassen sich auch kürzere Sendetakte
am IO-Controller einstellen, als das Shared Device unterstützt (Sendetakt-Adaption).

Übersetzen und Laden


Die Konfigurationen für die verschiedenen IO-Controller müssen Sie übersetzen und
nacheinander in die CPUs laden.
Aufgrund der verteilten Konfiguration mit separaten Projekten gibt STEP 7 keine
Konsistenzfehler aus bei fehlerhafter Zugriffs-Parametrierung. Beispiele für fehlerhafte
Zugriffs-Parametrierung:
• Mehrere IO-Controller haben Zugriff auf dasselbe Modul
• IP-Adressparameter oder Sendetakte sind nicht identisch
Diese Fehler wirken sich erst im Betrieb aus und werden z. B. als Konfigurationsfehler
gemeldet.

Hinweis
Nach dem Laden einer Projektierung in den IO-Controller behalten nicht zugeordnete Module
bzw. Submodule im IO-Device ihren aktuellen Parametrierzustand, um die Unabhängigkeit zu
Projektierungen anderer IO-Controller zu gewährleisten.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 169
Funktionen
5.3 Shared Device

5.3.4 Modulinternes Shared Input/Shared Output (MSI/MSO)

Einleitung
Dieses Kapitel beschreibt die Funktionalität Modulinternes Shared Input/Shared Output
(MSI/MSO) für Peripheriemodule, die an PROFINET betrieben werden.

Funktionalität Modulinternes Shared Input/Shared Output


Die Funktion Modulinternes Shared Input (MSI) erlaubt, dass ein Eingabemodul seine
Eingangsdaten bis zu vier IO-Controllern zur Verfügung stellt. Jeder Controller kann auf
dieselben Kanäle lesend zugreifen.
Das folgende Bild zeigt die Funktionalität MSI.

① CPU 1516-3 PN/DP als IO-Controller


② CPU 1511-1 PN als IO-Controller
③ Eingabemodul mit MSI
④ Lesezugriff auf die Eingangskanäle des Eingabemoduls
⑤ Schreibzugriff auf die Kanäle des I/O-Moduls (nur bei MSO)

Bild 5-31 Beispielkonfiguration mit MSI

Die Funktion Modulinternes Shared Output (MSO) erlaubt, dass ein Ausgabemodul seine
Ausgangsdaten bis zu vier IO-Controllern zur Verfügung stellt. Ein IO-Controller besitzt
Schreibzugriff auf die Kanäle des Ausgabemoduls. Zusätzlich können bis zu drei IO-Controller
lesend auf die Kanäle zugreifen.

PROFINET mit STEP 7


170 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

Das folgende Bild zeigt die Funktionalität MSO.

① CPU 1516-3 PN/DP als IO-Controller


② CPU 1511-1 PN als IO-Controller
③ Ausgabemodul mit MSO
④ Schreibzugriff auf die Ausgangskanäle des Ausgabemoduls
⑤ Lesezugriff auf die Ausgangskanäle des Ausgabemoduls

Bild 5-32 Beispielkonfiguration mit MSO

Vorteile von MSI/MSO


Modulinternes Shared Input/Modulinternes Shared Output bietet folgende Vorteile:
• Echtzeiterfassung in mehreren CPUs
• Geringere Kosten durch Einsparung an zusätzlichen IO-Devices und Modulen
• Geringerer Platzbedarf durch Einsparung an zusätzlichen IO-Devices und Modulen
• Geringere Kommunikationslast durch wegfallende CPU-CPU-Kommunikation
• Kein zusätzlicher Programmieraufwand für CPU-CPU-Kommunikation notwendig

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 171
Funktionen
5.3 Shared Device

Voraussetzungen für den Einsatz von MSI/MSO


Beachten Sie folgende Voraussetzungen:
• Der Einsatz von MSI/MSO ist nur bei PROFINET IO möglich
• Projektiersoftware: STEP 7 (TIA Portal) ab V12 SP1 mit GSD-Datei, ab V13 sind die Module
im Hardware-Katalog integriert.
• Das Interfacemodul IM 155-5 PN ST und die Module unterstützen MSI/MSO ab Firmware-
Version V2.0.0.

Randbedingungen beim Einsatz von MSI/MSO


Beachten Sie folgende Randbedingungen:
• Bei Modulaufteilung ist der Einsatz von MSI/MSO nicht möglich.
• Module mit MSI/MSO sind nicht im taktsynchronen Betrieb einsetzbar.
• Die maximale Anzahl an IO-Controllern ist abhängig vom Interfacemodul. Wieviel
IO-Controller vom Interfacemodul unterstützt werden, finden Sie im Gerätehandbuch des
Interfacemoduls.

MSI-Submodule
Bei der MSI-Konfiguration eines Eingangsmoduls werden die Eingangswerte aller Kanäle in
ein Basis-Submodul und bis zu drei weitere MSI-Submodule kopiert. Die Kanäle des Moduls
sind dann mit identischen Eingangswerten im Basis-Submodul und den MSI-Submodulen
vorhanden. Die MSI-Submodule können beim Einsatz des Moduls in einem Shared Device bis
zu drei IO-Controllern zugewiesen werden. Jeder IO-Controller kann auf dieselben Kanäle
lesend zugreifen.

PROFINET mit STEP 7


172 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

Das folgende Bild zeigt ein digitales Eingabemodul mit dem Basis-Submodul und drei MSI-
Submodulen. Jedes Submodul ist einem IO-Controller zugeordnet. Die Diagnose und
Parametrierung des digitalen Eingabemoduls ist über das Basis-Submodul vom IO-Controller 1
aus möglich.

① Lesezugriff
② Parametrierung und Systemdiagnose

Bild 5-33 DI-Modul mit MSI-Submodulen

Wertstatus (Quality Information, QI)


Die Bedeutung des Wertstatus hängt davon ab, um welches Submodul es sich handelt.
Beim Basis-Submodul (= 1. Submodul) zeigt der Wertstatus "0" an, dass der Wert fehlerhaft
ist.
Bei einem MSI-Submodul (2. bis 4. Submodul) zeigt der Wertstatus "0" an, dass der Wert
fehlerhaft ist oder dass das Basis-Submodul noch nicht parametriert ist (nicht betriebsbereit).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 173
Funktionen
5.3 Shared Device

MSO-Submodule
Bei der MSO-Konfiguration eines Ausgabemoduls werden die Ausgangswerte aller Kanäle des
Moduls von einem Basis-Submodul in bis zu drei weitere MSO-Submodule kopiert. Die Kanäle
des Moduls sind dann mit identischen Werten im Basis-Submodul und den MSO-Submodulen
vorhanden. Die MSO-Submodule können beim Einsatz des Moduls in einem Shared Device bis
zu drei IO-Controllern zugewiesen werden:
• Der IO-Controller, dem das Basis-Submodul zugewiesen ist, hat schreibenden Zugriff auf
die Ausgänge des Moduls. Das Basis-Submodul belegt daher Ausgangsadressen im
Prozessabbild des IO-Controllers.
• Die IO-Controller, denen die MSO-Submodule zugewiesen sind, haben lesenden Zugriff
auf die Ausgänge des Moduls. MSO-Submodule belegen daher Eingangsadressen im
Prozessabbild der IO-Controller.
Das folgende Bild zeigt ein digitales Ausgabemodul mit dem Basis-Submodul und drei
MSO-Submodulen. Jedes Submodul ist einem IO-Controller zugeordnet. Die Diagnose und
Parametrierung des digitalen Ausgabemoduls ist über das Basis-Submodul vom IO-
Controller 1 aus möglich.

① Schreibzugriff
② Lesezugriff
③ Parametrierung und Systemdiagnose

Bild 5-34 DO-Modul mit MSO-Submodul

PROFINET mit STEP 7


174 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.3 Shared Device

Wertstatus (Quality Information, QI)


Die Bedeutung des Wertstatus hängt davon ab, um welches Submodul es sich handelt.
Beim Basis-Submodul (= 1. Submodul) zeigt der Wertstatus "0" an, dass der Wert fehlerhaft
ist.
Bei einem MSO-Submodul (= 2. bis 4. Submodul) zeigt der Wertstatus "0" an, dass der Wert
fehlerhaft ist oder dass einer der folgenden Fehler aufgetreten ist:
• Das Basis-Submodul ist noch nicht parametriert (nicht betriebsbereit).
• Die Verbindung zwischen IO-Controller und Basis-Submodul ist unterbrochen.
• Der IO-Controller vom Basis-Submodul ist im STOP-Zustand oder NETZ-AUS.

Peripheriemodule mit MSI/MSO-Submodulen konfigurieren

Voraussetzung
• Projektiersoftware STEP 7 ab V13
• IO-Device unterstützt MSI/MSO (z. B. IM 155-5 PN ST ab Firmware-Version V2.0.0)

Vorgehen
1. Fügen Sie in der Netzsicht von STEP 7 ein Interfacemodul IM 155-5 PN ST ab V2.0 ein.
2. Doppelklicken Sie auf das IO-Device.
Sie befinden sich jetzt in der Gerätesicht.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 175
Funktionen
5.3 Shared Device

3. Platzieren Sie Peripheriemodule aus dem Hardware-Katalog in einem passenden Steckplatz.


4. Fügen Sie den Peripheriemodulen MSI/MSO-Submodule hinzu:
– Eingangsmodule: Wählen Sie unter "Baugruppenparameter" > "DI-Konfiguration" bzw.
"AI-Konfiguration " im Bereich "Kopie des Moduls für Shared Device (MSI)" die Anzahl
der MSI-Submodule aus.
– Ausgangsmodule: Wählen Sie unter "Baugruppenparameter" > "DO-Konfiguration" bzw.
"AO-Konfiguration " im Bereich "Kopie des Moduls für Shared Device (MSO)" die Anzahl
der MSO-Submodule aus.

Bild 5-35 Peripheriemodule mit MSI/MSO konfigurieren

MSI/MSO-Submodule einem IO-Controller zuordnen


Sie können die Submodule in einem Shared Device einem IO-Controller zuweisen.
Weitere Informationen finden Sie in unter Shared Device konfigurieren (Seite 157).

Zugriff auf ein Shared Device und die Funktion Modulinternes Shared Input / Shared Output
(MSI /MSO) projektieren
Wie Sie in STEP 7 den Zugriff auf ein Shared Device und die Funktion MSI / MSO projektieren,
finden Sie im diesem FAQ ([Link]

PROFINET mit STEP 7


176 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)


Zur Erhöhung der Netzverfügbarkeit eines Industrial Ethernet-Netzwerks mit optischen oder
elektrischen Linientopologien können Sie eine Linientopologie zu einer Ringtopologie
zusammenschließen.

Medienredundanz in Ringtopologien
Teilnehmer von Ringtopologien können IO-Devices, IO-Controller, externe Switches und/oder
die integrierten Switches von Kommunikationsmodulen sein.
Zum Aufbau einer Ringtopologie mit Medienredundanz müssen Sie die beiden freien Enden
einer linienförmigen Netztopologie in einem Gerät zusammenführen. Der Zusammenschluss
der Linientopologie zu einem Ring erfolgt über zwei Ports (Ringports) eines Geräts im Ring.
Ein Gerät des so entstandenen Rings übernimmt dann die Rolle des Redundanzmanagers. Alle
anderen Geräte im Ring sind Redundanz-Clients.

① Redundanzmanager
② Test-Telegramme
③ Redundanz-Clients

Bild 5-36 Medienredundanz in Ringtopologie

Die Ringports eines Geräts sind die Ports, die in einer Ringtopologie die Verbindung zu den
beiden Nachbargeräten herstellen. Die Auswahl und Festlegung der Ringports erfolgt in der
Projektierung des jeweiligen Geräts (ist ggf. auch voreingestellt).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 177
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Funktion der Medienredundanz in einer Ringtopologie


Wenn der Ring an einer Stelle unterbrochen wird, dann werden die Datenwege zwischen den
einzelnen Geräten automatisch rekonfiguriert. Nach der Rekonfiguration sind die Geräte
wieder erreichbar.
Im Redundanzmanager wird einer der beiden Ringports bei unterbrechungsfreiem
Netzwerkbetrieb für normale Kommunikation blockiert, damit keine Datentelegramme
kreisen. Die Ringtopologie wird somit aus Sicht der Datenübertragung zu einer Linie. Der
Redundanzmanager überwacht den Ring auf Unterbrechungen. Hierzu schickt er Test-
Telegramme sowohl von Ringport 1 als auch von Ringport 2. Die Test-Telegramme
durchlaufen den Ring in beiden Richtungen, bis sie am jeweils anderen Ringport des
Redundanzmanagers ankommen.
Eine Unterbrechung des Rings kann durch Ausfall der Verbindung zwischen zwei Geräten
oder durch Ausfall eines Geräts im Ring erfolgen.
Wenn die Test-Telegramme des Redundanzmanagers bei einer Unterbrechung des Rings nicht
mehr zum anderen Ringport durchgeleitet werden, schaltet der Redundanzmanager seine
beiden Ringports durch. Über diesen Ersatzweg wird wieder eine funktionierende Verbindung
zwischen allen verbleibenden Geräten in Form einer linienförmigen Netztopologie
hergestellt.
Die Zeit zwischen Ringunterbrechung und Wiederherstellung einer funktionsfähigen
Linientopologie wird Rekonfigurationszeit genannt.
Sobald die Unterbrechung beseitigt ist, wird wieder einer der beiden Ringports im
Redundanzmanager geblockt. Die Redundanz-Clients werden über den Wechsel informiert
und benutzen wieder die ursprünglichen Wege zu den anderen Geräten.

Medienredundanzverfahren
Das Standardmedienredundanzverfahren in der SIMATIC ist MRP (Media Redundancy
Protocol) mit einer Rekonfigurationszeit von typischerweise 200 ms. Es können bis zu
50 Geräte pro Ring teilnehmen.
Darüber hinaus gibt es auch das echtzeitfähige Medienredundanzverfahren MRPD (Media
Redundancy with Planned Duplication of frames).

5.4.1 Media Redundancy Protocol (MRP)

Media Redundancy Protocol (MRP)


Das Verfahren "MRP" arbeitet konform zum Media Redundancy Protocol (MRP), das in der
Norm IEC 62439-2 spezifiziert ist.

Voraussetzungen
• Alle Geräte im Ring unterstützen das Verfahren MRP.
• Sie haben die unten beschriebenen Regeln für die Topologie eingehalten. STEP 7
überwacht die Regeln beim Übersetzen und gibt entsprechende Meldungen aus.

PROFINET mit STEP 7


178 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Topologie
Die folgende Abbildung zeigt eine mögliche Topologie für Geräte in einem Ring mit MRP. Die
Geräte innerhalb des schattierten Ovals befinden sich in der Redundanzdomäne.
Beispiel einer Ringtopologie mit dem Medienredundanzverfahren MRP:

Bild 5-37 Beispiel einer Ringtopologie mit dem Medienredundanzverfahren MRP

Für die Ringtopologie mit Medienredundanz nach dem Verfahren MRP gelten folgende
Regeln:
• Alle Geräte müssen über ihre Ringports miteinander verbunden sein.
• Alle Geräte im Ring gehören zur selben Redundanz-Domäne.
• Ein Gerät im Ring übernimmt die Aufgabe eines Redundanzmanagers.
– Genau ein Gerät besitzt die Rolle "Manager". Kein weiteres Gerät darf die Rolle
"Manager" besitzen. Oder
– Ein Gerät oder mehrere Geräte im Ring besitzen die Rolle "Manager (Auto)". Die Geräte
mit der Rolle "Manager (Auto)" handeln dann unter sich aus, wer die Aufgabe des
Redundanzmanagers übernimmt. In diesem Fall darf kein Gerät die Rolle "Manager"
besitzen.
• Alle anderen Geräte im Ring sind Redundanz-Clients.
• Sie können bis zu 50 Geräte zu einem Ring zusammenschließen.
Nicht MRP-fähige Geräte können beispielsweise über einen Switch SCALANCE X oder einen PC
mit CP 1616 an den Ring angebunden werden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 179
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Regel zum Laden der Geräte einer MRP-Domain


Beim Laden von Geräten einer MRP-Domain kann es zu kreisenden Frames und damit zum
Ausfall des Netzwerks kommen, wenn eine ungültige MRP-Projektierung vorliegt.
Beispiel: Sie ändern die MRP-Rollen von mehreren Geräten und laden nacheinander die
Konfiguration in die beteiligten Geräte. Es können Konfigurationen entstehen, die den oben
genannten Regeln widersprechen, z. B. könnten Geräte mit der Rolle "Manager" und
"Manager (auto)" zu einem Zeitpunkt gleichzeitig im Ring existieren.
Damit eine ungültige MRP-Konfiguration nicht zu einem Ausfall des Netzwerks führt, öffnen
Sie vor dem Laden den Ring.
Gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Öffnen Sie den Ring.
2. Laden Sie die fehlerfreie und konsistente MRP-Projektierung aus Ihrem Projekt in alle
beteiligten Geräte und stellen Sie sicher, dass sich die Geräte im Datenaustausch befinden
(d. h. die Applikationsbeziehungen (ARs) sind eingerichtet).
3. Schließen Sie den Ring.

Randbedingungen

MRP und RT
RT-Betrieb ist bei der Verwendung von MRP möglich.

Hinweis
Die RT-Kommunikation wird unterbrochen (Stationsausfall), wenn die Rekonfigurationszeit
des Rings größer als die gewählte Ansprechüberwachungszeit der IO-Devices ist. Wählen Sie
deshalb die Ansprechüberwachungszeit der IO-Devices ausreichend groß.

MRP und IRT


Der IRT-Betrieb ist zusammen mit MRP nicht möglich.
Wenn Sie in einem Ring Medienredundanz zusammen mit IRT nutzen wollen, dann
verwenden Sie ausschließlich Geräte, die das Verfahren MRPD unterstützen.

MRP und TCP/IP (TSEND, HTTP, ...)


Die TCP/IP-Kommunikation ist zusammen mit MRP möglich, da verlorene Datenpakete ggf.
wiederholt versendet werden.

MRP und Priorisierter Hochlauf


Wenn Sie MRP in einem Ring projektieren, dann können Sie in den beteiligten Geräten in
PROFINET-Applikationen die Funktion "Priorisierter Hochlauf" nicht nutzen.
Wenn Sie die Funktion "Priorisierter Hochlauf" nutzen wollen, dann müssen Sie MRP in der
Projektierung deaktivieren (das Gerät darf damit auch nicht Teil des Rings sein).

PROFINET mit STEP 7


180 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Informationen zu S7-1500R/H
Informationen zum Medienredundanzverfahren MRP beim Einsatz des redundanten System
S7-1500R/H finden Sie im Kapitel PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H
konfigurieren (Seite 309).

Anwendungsbeispiel: Auslesen des MRP-Zustands im Anwenderprogramm


Der Funktionsbaustein "LPNDR_ReadMRPState" aus der Bausteinbibliothek "LPNDR" hilft Ihnen,
den Zustand des MRP-Ringes programmtechnisch zu ermitteln. Der Baustein liest dafür aus
dem PROFINET-Gerät (MRP-Manager) die MRP-Informationen und gibt den Zustand aus.
Die Bausteinbibliothek "LPNDR" und die dazugehörige Dokumentation finden Sie in diesem
Anwendungsbeispiel ([Link]

5.4.2 Medienredundanz projektieren

MRP projektieren
Um in STEP 7 eine PROFINET IO-Konfiguration mit MRP zu erstellen, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Erzeugen Sie in der Topologiesicht über die Portverschaltungen einen Ring. Verschalten Sie
die Geräte zuerst zu einer Linientopologie. Verbinden Sie den unbelegten Port des letzten
Gerätes in der Linie mit dem unbelegten Port des ersten Gerätes.
Das folgende Beispiel zeigt eine CPU 1516-3 PN/DP und zwei Interfacemodule IM
155-6 PN HF, die in der Topologiesicht von STEP 7 zu einem Ring verschaltet sind.

Bild 5-38 Medienredundanz projektieren

2. Selektieren Sie in der Netzsicht das PROFINET IO-System.


3. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "PROFINET" >
"MRP-Domains" in das Feld "Ring interconnections".
Dieses Feld zeigt Ihnen alle topologischen Ringe im IO-System mit den dazugehörigen
MRP-Domains.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 181
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

4. Wählen Sie im Feld "Ring interconnections" oben erzeugten Ring aus.


Die darunter befindliche Tabelle zeigt alle PROFINET-Geräte im Ring an.
5. Stellen Sie für die PROFINET-Geräte in der Spalte MRP-Rolle die Medienredundanzrolle ein.

Bild 5-39 MRP-Domain

Automatische MRP-Konfiguration
Sie können für Ihre PROFINET-Geräte im Ring die Medienredundanzrollen auch automatisch
zuweisen lassen.
Um die Medienredundanzrollen automatisch zuweisen zu lassen, klicken Sie auf die
Schaltfläche "MRP automatisch konfigurieren". STEP 7 vergibt automatisch für jedes Gerät im
Ring die Medienredundanzrolle. Nach der automatischen MRP-Konfiguration können Sie wie
gewohnt in der Spalte "MRP-Rolle" Änderungen der Medienredundanzrollen vornehmen.

PROFINET mit STEP 7


182 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Einstellmöglichkeiten "Medienredundanz"

Medienredundanzrolle
Es sind je nach verwendetem Gerät die Rollen "Manager", "Manager (Auto)", "Client" und
"Nicht Teilnehmer des Rings" verfügbar.
Regeln:
• Ein Ring darf genau ein Gerät mit der Rolle "Manager" haben. Es sind keine weiteren
Geräte mit der Rolle "Manager" oder "Manager (Auto)" zulässig. Alle anderen Geräte
dürfen nur noch die Rolle "Client" haben.
• Wenn ein Ring kein Gerät mit der Rolle "Manager" hat, dann muss der Ring mindestens
über ein Gerät mit der Rolle "Manager (Auto)" verfügen. Geräte mit den Rollen "Client"
dürfen beliebig vorhanden sein.
• Manager und Clients einer MRP Domain können Sie in unterschiedlichen Projekten
konfigurieren. Im Projekt ohne Manager müssen Sie die Option "Redundanzmanager
außerhalb des Projekts" aktivieren, damit die Konfiguration übersetzt werden kann. Bei
Mehrfachring-Konfigurationen müssen Sie für jede MRP-Domain die Option identisch
einstellen.

Ringport 1/Ringport 2
Wählen Sie hier jeweils den Port aus, den Sie als Ringport 1 bzw. als Ringport 2 projektieren
möchten. Die Klappliste zeigt für jeden Gerätetyp die Auswahl der möglichen Ports an. Wenn
die Ports werkseitig festgelegt sind, dann sind die Felder gegraut.
Wenn Sie die einstufige Inbetriebnahme nutzen, dann verwenden Sie die in STEP 7
voreingestellten Ringports.

Diagnosealarme
Wenn Diagnosealarme zum MRP-Zustand in der lokalen CPU ausgegeben werden sollen,
aktivieren Sie das Optionskästchen "Diagnosealarme". Folgende Diagnosealarme können
gebildet werden:
• Verdrahtungs- bzw. Portfehler
Bei folgenden Fehlern an den Ringports werden Diagnosealarme generiert:
– Ein Nachbar des Ringports unterstützt MRP nicht.
– Ein Ringport ist mit einem Nicht-Ringport verbunden.
– Ein Ringport ist mit dem Ringport einer anderen MRP-Domäne verbunden.
• Unterbrechung/Wiederkehr (nur Redundanzmanager)
– Bei Unterbrechung des Ringes wird ein Diagnosealarm "Ring open (kommend)"
generiert.
– Beim Schließen des Ringes wird die Diagnose "Ring open (gehend)" generiert.
Sie können im Anwenderprogramm auf diese Ereignisse reagieren, indem Sie eine
entsprechende Reaktion im Diagnosealarm-OB (OB 82) programmieren.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 183
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Verweis
Wie Sie mit zwei Projekten einen gemeinsamen MRP-Ring und die Topologie projektieren,
finden Sie Sie in diesem FAQ
([Link]

5.4.3 Media Redundancy with Planned Duplication of frames (MRPD; nicht für
S7-1500R/H)

MRP-Erweiterung "Media Redundancy with Planned Duplication of frames" (MRPD)


Die MRP-Erweiterung "Media Redundancy with Planned Duplication of frames" (MRPD) bringt
den Vorteil, dass beim Ausfall eines Geräts oder einer Leitung im Ring alle anderen Geräte
ohne Unterbrechung und mit kurzen Aktualisierungszeiten weiter mit IO-Daten versorgt
werden.
MRPD basiert auf IRT und MRP. Um Medienredundanz mit kurzen Aktualisierungszeiten zu
erreichen, senden die am Ring beteiligten PROFINET-Geräte ihre Daten in beide Richtungen.
Die Geräte empfangen diese Daten an beiden Ringports, dadurch entfällt die
Rekonfigurationszeit des Rings.

Voraussetzungen für Medienredundanz mit MRPD


• Alle Teilnehmer des Rings müssen MRPD unterstützen, z. B. Interfacemodul IM
155-6 PN HS ab Firmwarestand V4.0.
• Sie haben für alle Teilnehmer des Rings MRP projektiert. Geräten, die sich nicht im Ring
befinden, haben Sie die MRP-Rolle "Nicht Teilnehmer des Rings" zugewiesen.
• Sie haben für alle beteiligten Komponenten IRT projektiert.

MRPD projektieren
Sie brauchen in STEP 7 MRPD nicht explizit aktivieren. Sobald alle Voraussetzungen für MRPD
erfüllt sind, ist die Funktion automatisch verfügbar.

PROFINET mit STEP 7


184 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Redundanzstufen von IO-Devices mit MRPD


Die Redundanzstufe eines IO-Devices gibt an, wie stark die Echtzeit-Kommunikation im Falle
einer Netzunterbrechung zwischen einem IO-Device und dessen IO-Controller beeinflusst
wird.
• Volle Redundanz: Keine Beeinflussung, da sich IO-Controller und IO-Device im selben Ring
befinden.
• Partielle Redundanz:
– Wenn die Unterbrechung auf einem nicht redundanten Teil (Linie) zwischen IO-Device
und IO-Controller stattfindet, dann wird die Echtzeit-Kommunikation beeinflusst.
– Wenn die Unterbrechung auf dem redundanten Teil (Ring) stattfindet, dann wird die
Echtzeit-Kommunikation nicht beeinflusst.
• Keine Redundanz: Keine redundanten Pfade zwischen IO-Device und dessen IO-Controller,
Kommunikation wird immer beeinflusst.
Das folgende Bild zeigt für eine Beispielkonfiguration mit MRPD die Redundanzstufen der
IO-Devices. Die drei Devices im Ring und der Switch haben die Redundanzstufe "Volle
Redundanz". Das Device 4 hat die Redundanzstufe "Partielle Redundanz", weil die Verbindung
zwischen dem Switch und dem Device nicht redundant ist.

① IO-Controller im Ring
② IO-Device im Ring mit Redundanzstufe "Volle Redundanz"
③ Switch im Ring mit Redundanzstufe "Volle Redundanz"
④ IO-Device im Stich mit der Redundanzstufe "Partielle Redundanz"

Bild 5-40 Beispielkonfiguration mit MRPD

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 185
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Das folgende Bild zeigt für die Beispielkonfiguration die Anzeige der Redundanzstufen in
STEP 7.

Bild 5-41 Anzeige der Redundanzstufen in STEP 7

5.4.4 Mehrfachringe

Mehrfachringe
Um eine höhere Verfügbarkeit für PROFINET IO-Netze mit Sterntopologie zu erreichen,
verwenden Sie Mehrfachringe.
Bei einer Mehrfachring-Konfiguration gehen mehrere PROFINET-Stränge von einem Switch
aus (Sterntopologie). Die einzelnen PROFINET-Stränge führen von IO-Device zu IO-Device.
Vom jeweils letzten IO-Device an den einzelnen Strängen führen redundante PROFINET-
Leitungen zurück zum Switch.
Der Switch arbeitet als Manager. Der Manager muss für jeden Ring zwei Ringports besitzen.
Mehrere Ringe sind möglich. Das SCALANCE X414 ab Firmwarestand V3.10 unterstützt
z. B. bis zu 4 Ringe.

PROFINET mit STEP 7


186 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Der Manager überwacht alle Ringe einzeln: Er überprüft jeweils für einen bestimmten Ring
(eine MRP-Domain), ob der Übertragungspfad intakt ist. Dazu verwendet er jeweils eine MRP-
Instanz. Für jeden angeschlossenen Ring ist eine MRP-Instanz erforderlich (richtet STEP 7
automatisch ein).

Bild 5-42 Konfiguration mit mehreren Ringen

Voraussetzungen
• SCALANCE X414 ab Version V3.10
• SCALANCE X300 ab Version V4.0 (über GSD-Datei projektiert)

Regeln für die Konfiguration von Mehrfachringen


• MRP-Rolle bei Mehrfachringen:
– Das Gerät, das allen Ringen angehört, muss in jeder Instanz die MRP-Rolle besitzen, die
in der GSD-Datei im Attribut "SupportedMultipleRole" eingetragen ist.
– Die Switche aus der Reihe SCALANCE X300 ab V4.0 und das Switch X414 ab Version
4.10 unterstützen für Mehrfachringe die MRP-Rolle "Manager".
• Wenn das Gerät, das allen Ringen angehört, in einem Ring die Rolle "Manager" besitzt,
dann dürfen in diesem Ring keine Geräte mit der Rolle "Manager (Auto)" vorhanden sein.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 187
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Mehrfachringe projektieren
Um eine MRP-Konfiguration mit Mehrfachringen zu projektieren, gehen Sie folgendermaßen
vor:
1. Verschalten Sie in der Topologiesicht die Ringports der Geräte, die einer MRP-Domain
angehören sollen, jeweils zu einem Ring.
2. Selektieren Sie in der Netzsicht das PROFINET IO-System.
3. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "PROFINET" >
"MRP-Domains" in das Feld "Ring interconnections".
Dieses Feld zeigt Ihnen alle topologischen Ringe im IO-System mit den dazugehörigen
MRP-Domains.
4. Wählen Sie im Feld "Ring interconnections" einen der oben erzeugten Ringe aus.
Die darunter befindliche Tabelle zeigt alle PROFINET-Geräte im Ring an.
5. Stellen Sie für die PROFINET-Geräte in der Spalte MRP-Rolle die Medienredundanzrolle ein.

Beispiel für Mehrfachringe


Das folgende Bild zeigt eine Beispielkonfiguration für Mehrfachringe.

Bild 5-43 Beispielkonfiguration mit zwei Ringen ① und ②

Im Beispiel gehört Switch 1 zu zwei MRP-Ringen. Ring 1 wird gebildet von Switch 1 und PLC 1,
Ring 2 von Switch 1 und IO-Device 1.
STEP 7 weist automatisch dem Switch die Rolle "Manager" zu. Die anderen Geräte erhalten
die Rolle "Client".
Der Manager liegt im Schnittpunkt der beiden Ringe 1 und 2. Der Manager überwacht beide
Ringe jeweils für sich. Dafür nutzt er zwei MRP-Instanzen.
Eine MRP-Instanz kontrolliert, ob alle Geräte im Ring 1 erreichbar sind, eine andere Instanz
überwacht, ob alle Geräte im Ring 2 erreichbar sind (im Beispiel jeweils nur ein Gerät).
Sie können jede MRP-Instanz getrennt konfigurieren.

PROFINET mit STEP 7


188 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Das folgende Bild zeigt die beiden MRP-Instanzen im Manager (PROFINET Schnittstelle des
Switches). Hier im Beispiel kontrolliert die MRP-Instanz 1, ob die Geräte der MRP-Domain
"mrpdomain-1" erreichbar sind. Die MRP-Instanz 2 ist für die Überwachung der Geräte der
MRP-Domain "mrpdomain-2" zuständig.

Bild 5-44 Einstellung der Medienredundanz für Mehrfachringe

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 189
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Das folgende Bild zeigt den Ring 1 (mrpdomain-1). Die Teilnehmer der mrpdomain-1 sind die
PROFINET-Schnittstelle der CPU als "Client" und die MRP-Instanz 1 der PROFINET-Schnittstelle
des Switches als "Manager".

Bild 5-45 Ring 1

Das folgende Bild zeigt den Ring 2 (mrpdomain-2). Die Teilnehmer der mrpdomain-2 sind die
PROFINET-Schnittstelle des IO-Devices als "Client" und die MRP-Instanz 2 der
PROFINET-Schnittstelle des Switches als "Manager".

Bild 5-46 Ring 2

PROFINET mit STEP 7


190 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

5.4.5 MRP-Interconnection

Defintion
Das Verfahren MRP-Interconnection ist eine Erweiterung von MRP und ermöglicht die
redundante Kopplung von 2 oder mehr Ringen mit MRP in PROFINET-Netzwerken. MRP-
Interconnection ist - wie MRP - in der Norm IEC 62439-2 (Edition 3) spezifiziert.

Vorteile
MRP-Interconnection ermöglicht die Überwachung von größeren Topologien mit
Ringredundanz. Durch MRP-Interconnection sind Sie beim Aufbau von redundanten
Netzwerktopologien nicht auf einen Ring mit maximal 50 Geräten beschränkt. Informationen
zum Mengengerüst von MRP-Interconnection finden Sie im Projektierungshandbuch
SCALANCE XM-400/XR-500 Web Based Management (WBM)
([Link]

Voraussetzungen
• Das Medienredundanzverfahren MRP wird in den beteiligten Ringen verwendet.
• Jeder Ring besitzt eine eigene MRP-Domäne mit einem MRP-Manager und MRP-Clients.
• Die PROFINET-Geräte als MRP-Manager in den Ringen unterstützen MRP-Interconnection
(siehe Technische Daten der Geräte).
S7-1500 CPUs ab Firmware-Version V2.9 unterstützen MRP-Interconnection.
• Wenn Sie PROFINET-Geräte mit mehr als 2 Ports als MRP-Clients im Ring einsetzen, dann
ist MRP-Interconnection für diese Geräte verbindlich. Bei einem Gerät ohne MRP-
Interconnection verlassen Telegramme den Ring. Das führt zu einer zusätzlichen
Belastung des Netzwerks.
• Wenn Sie PROFINET-Geräte mit nur 2 Ports im Ring als MRP-Clients einsetzen, dann wird
MRP-Interconnection für alle Geräte im Ring empfohlen.

4 Geräte für MRP-Interconnection-Verbindungen


2 MRP-Interconnection-Verbindungen stellen die redundante Kopplung zwischen
2 MRP-Ringen her. Für die 2 Verbindungen sind vier Geräte erforderlich:
• Ein Medienredundanz Interconnection Manager (MIM)
• 3 Medienredundanz Interconnection Clients (MIC):
– Primary MIC
– Primary Coupled MIC
– Secondary Coupled MIC
Da jedes der 4 Geräte Teil eines MRP-Rings ist, übernimmt jedes Gerät zusätzlich eine
Medienredundanzrolle.
Jedes der 4 Geräte kann die Rolle MRP-Manager oder MRP-Client übernehmen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 191
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Topologie
Das folgende Bild zeigt die redundante Kopplung von 2 MRP-Ringen.
Redundanz: Wenn die primäre Verbindung (Primary Link) zwischen den beiden Ringen
unterbrochen ist, dann übernimmt die sekundäre Verbindung (Secondary Link) nach einer
kurzen Rekonfigurationszeit den Datenaustausch zwischen den Ringen.

① Primary MIC
② Medienredundanz Interconnection Manager (MIM)
③ Secondary Link
④ Secondary Coupled MIC
⑤ Primary Coupled MIC
⑥ Primary Link

Bild 5-47 Beispiel: Redundante Verbindung von 2 Ringen mit MRP-Interconnection

PROFINET mit STEP 7


192 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

Funktion der Interconnection-Ports


Interconnection-Ports sind entsprechend projektierte PROFINET-Ports der 4 Geräte für MRP-
Interconnection. Zwischen den Interconnection-Ports besteht die primäre oder die sekundäre
Verbindung der Ringe.
Über die Interconnection-Ports ist der MIM immer über den Verbindungsstatus zwischen dem
Primary MIC und dem Primary Coupled MIC ("Primäre Verbindung") sowie seiner eigenen
Verbindung zum Secondary Coupled MIC ("Sekundäre Verbindung") informiert.
Abhängig vom Verbindungsstatus der Interconnection-Ports sendet jeder MIC bei einer
Änderung seines Status (Link-Up oder Link-Down) eine Meldung an den MIM.
Im regulären Betrieb erfolgt der Datenaustausch zwischen den beiden Ringen über die
primäre Verbindung (Primary Link) und der MIM blockiert seinen Interconnection-Port.

Link-Down der primären Verbindung


Im folgenden Bild wurde die primäre Verbindung unterbrochen (Link-Down).

① Link-Down
② Statusmeldung: Link-Down primäre Verbindung
③ Blockierung des Interconnection-Ports wird aufgehoben
④ Datenaustausch über sekundäre Verbindung

Bild 5-48 Link-Down der primären Verbindung

Bei einem Link-Down der primären Verbindung ① schicken Primary MIC und Primary Coupled
MIC die Statusmeldung "Link-Down" über alle Leitungen ②.
Der MIM hebt daraufhin die Blockierung seines Interconnection-Ports auf ③ und informiert
die MRP-Manager in beiden Ringen, damit diese die Rekonfiguration der Ringe anstoßen.
Nach der Rekonfiguration erfolgt der Datenaustausch zwischen den beiden Ringen über die
sekundäre Verbindung ④.
Sobald Primary MIC und Primary Coupled MIC "Link-Up" für die primäre Verbindung melden,
blockiert der MIM seinen Interconnection-Port und informiert die MRP-Manager in beiden
Ringen, damit diese die Rekonfiguration der Ringe anstoßen.
Nach der Rekonfiguration erfolgt der Datenaustausch wieder über die primäre Verbindung.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 193
Funktionen
5.4 Medienredundanz (Ringtopologien)

MRP-Interconnection konfigurieren und parametrieren

Hinweis
MRP-Interconnection ist nicht in das TIA Portal integriert. Das heißt, Sie können MRP-
Interconnection nicht in STEP 7 konfigurieren, parametrieren und diagnostizieren.

Sie konfigurieren und parametrieren MRP-Interconnection über die integrierten Webseiten


(Web Based Management) der als MIM und MIC eingesetzten SCALANCE-Switches
(z. B. SCALANCE XC200, XM-400, XR-500).
Gehen Sie zur Konfigurierung nach der Schritt-für-Schritt-Anweisung im
Projektierungshandbuch SCALANCE XM-400/XR-500 Web Based Management (WBM)
([Link] vor.

Rekonfigurations- und Ansprechüberwachungszeit


Die Rekonfigurationszeit der Ringe beträgt typischerweise weniger als 200 Millisekunden.
Damit der Datenaustausch nach einer Rekonfiguration funktioniert, müssen Sie die
Ansprechüberwachungszeit der IO-Devices ausreichend groß einstellen. Stellen Sie deshalb
bei Nutzung von MRP-Interconnection die Ansprechüberwachungszeit der IO-Devices auf
größer gleich 256 Millisekunden ein.

PROFINET mit STEP 7


194 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

5.5 Echtzeitkommunikation

5.5.1 Einführung

Eigenschaften
PROFINET IO ist ein skalierbares Echtzeit-Kommunikationssystem auf Basis des
Layer 2- Protokolls für Fast Ethernet. Dafür stehen Ihnen mit dem Übertragungsverfahren RT
für zeitkritische Prozessdaten und IRT für hochgenaue sowie auch taktsynchrone Prozesse
zwei Leistungsstufen der Echtzeitunterstützung zur Verfügung.

Bild 5-49 Performance der Echtzeit-Kommunikation

Echtzeitkommunikation und IT-Kommunikation


Industrielle Kommunikation, insbesondere in der Fertigungsautomatisierung und Prozess-
automatisierung, erfordert eine zeitgenaue und deterministische Datenübertragung.
PROFINET IO nutzt zum zyklischen Austausch von zeitkritischen IO-Nutzdaten deshalb nicht
TCP/IP, sondern Real-Time-Kommunikation (RT) bzw. Isochronous Real-Time-Kommunikation
(IRT) zum synchronisierten Datenaustausch in reservierten Zeitintervallen.

Einsatzgebiet von PROFINET mit RT


PROFINET mit RT eignet sich für:
• zeitkritische Anwendungen in der Fertigungsautomatisierung
• die Realisierung großer Mengengerüste in verfahrenstechnischen Anlagen

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 195
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Einsatzgebiet von PROFINET mit IRT


PROFINET mit IRT eignet sich im Besonderen für:
• Hohe Deterministik bei großen Mengengerüsten bezüglich der I/O-
Nutzdatenkommunikation (Produktivdaten)
• Hohe Performance auch bei vielen Teilnehmern bezüglich der I/O-
Nutzdatenkommunikation (Produktivdaten)
• Parallele Übermittlung von Produktiv- und TCP/IP-Daten über eine Leitung, auch bei
hohem Datenaufkommen mit Sicherstellung der Weiterleitung der Produktivdaten durch
Reservierung der Übertragungsbandbreite.

Internationale Norm IEC 61158


Die Kommunikationsverfahren RT und IRT sind genormt in der internationalen Norm
IEC 61158.

5.5.2 RT
PROFINET IO mit Real-Time-Kommunikation (RT) ist die optimale Lösung für die Einbindung
von Peripheriesystemen. Es handelt sich hierbei um eine Lösung, die auch auf Standard-
Ethernet in den Geräten und handelsüblichen Industrial Switches als Infrastruktur-
Komponenten aufsetzt. Eine spezielle Hardware-Unterstützung ist nicht erforderlich.
Wenn Sie PROFINET-Funktionen nutzen wollen, die Ihnen einen Mehrwert bieten, wie
z. B. Topologie-Erkennung, Diagnose, Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG, dann müssen
Sie Switches einsetzen, die den PROFINET-Standard nach der Norm IEC 61158 unterstützen.
In den integrierten Switches der PROFINET-Geräte und PROFINET-Switches (z. B. der
Produktfamilie SCALANCE) sind PROFINET-Funktionen gemäß PROFINET-Standard
implementiert und für die Integration in das PROFINET IO-System uneingeschränkt einsetzbar
(siehe auch Kapitel Aktive Netzkomponenten (Seite 32)).

Real-Time-Kommunikation (RT)
PROFINET IO-Telegramme werden gemäß IEEE802.1Q gegenüber Standard-Telegrammen
priorisiert. Damit ist der in der Automatisierungstechnik erforderliche Determinismus
sichergestellt. Bei diesem Verfahren werden die Daten über priorisierte Ethernet-Telegramme
übertragen. Mit RT lassen sich Aktualisierungszeiten ≥ 250 μs realisieren.

Switching-Mechanismen
Switches in der SIMATIC erfüllen bei PROFINET die Echtzeiteigenschaften mittels zweier
Mechanismen: "Store and Forward" und "Cut Through".

PROFINET mit STEP 7


196 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Store and Forward


Bei diesem Verfahren empfängt der Switch die Telegramme vollständig und ordnet sie
anschließend in eine Warteschlange ein. Unterstützt der Switch den internationalen Standard
IEEE 802.1Q, dann werden die Daten nach ihrer Priorität in die Warteschlange einsortiert. Die
Telegramme werden nun selektiv an denjenigen Port weitergeleitet, über den der adressierte
Knoten erreicht wird (Store and Foreward).

Cut Through
Bei dem Verfahren Cut Through wird nicht das gesamte Datenpaket in einem Puffer
zwischengespeichert, sondern direkt an den Zielport weitergeleitet, sobald die Zieladresse
gelesen und der Zielport bestimmt wurde.
Somit sind die Zeiten, die das Datenpaket benötigt, um den Switch zu passieren minimal und
unabhängig von der Telegrammlänge. Nur wenn das Zielsegment - also die Strecke zwischen
Zielport und dem Port des nächsten Switches - belegt ist, werden die Daten nach dem
Verfahren Store and Forward entsprechend ihrer Priorität zwischengespeichert.

5.5.3 IRT

Isochronous Real-Time-Kommunikation (IRT)


IRT ist ein synchronisiertes Übertragungsverfahren für den zyklischen Austausch von
IRT-Daten zwischen PROFINET-Geräten. Für die IRT-Daten steht eine reservierte Bandbreite
innerhalb des Sendetakts zur Verfügung. Die reservierte Bandbreite garantiert, dass die
IRT-Daten auch von hoher anderer Netzlast (z. B. TCP/IP-Kommunikation oder zusätzlicher
Realtime-Kommunikation) unbeeinflusst in reservierten, zeitlich synchronisierten Abständen
übertragen werden können.

Vorteile
PROFINET mit IRT ist synchronisierte Kommunikation in reservierten Zeitintervallen. Mit IRT
haben Sie die Möglichkeit, zeitkritische Anwendungen wie z. B. Motion Control über
PROFINET steuern zu können. Mit IRT nutzen Sie weitere Vorteile:
• Hochpräzise Deterministik, erlaubt höchste Regelgüte und damit z. B. exaktes
Positionieren von Achsen
• Einfache und flexible Einbindung von PROFINET-Geräten für Echtzeitanwendungen an
bestehende Firmennetze
• Kürzeste Reaktionszeiten und höchste Deterministik durch Bandbreitenreservierung und
damit auch für Applikationen mit höchsten Performanceanforderungen geeignet (z. B.
Druck-/Lageregelung bei Pressen; Druckmarkenerkennung bei Verpackungsmaschinen)
• Gesicherte Standardkommunikation parallel zur Echtzeit-Kommunikation über das gleiche
Übertragungsmedium
• Sie können weiterhin Standardkomponenten für Ihr PROFINET IO-System außerhalb der
Sync-Domain verwenden

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 197
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Eigenschaften von Isochronous Real-Time


Für IRT ist Topologie-Projektierung Voraussetzung.
Zusätzlich zur reservierten Bandbreite werden zur weiteren Optimierung des Datenverkehrs
die Telegramme auf definierten Übertragungswegen ausgetauscht. Dazu werden die topolo-
gischen Informationen der Projektierung für die Planung der Kommunikation herangezogen.
Somit sind Sende- und Empfangszeitpunkte jedes einzelnen Datentelegramms an jedem
Kommunikations-Knoten garantiert. Dadurch erreichen Sie eine optimale Ausnutzung der
Bandbreite und erzielen eine bestmögliche Performance im PROFINET IO-System.
Durch IRT lassen sich Aktualisierungszeiten mit höchster Deterministik ≥ 125 µs* und eine
Jittergenauigkeit des Sendetakts < 1 µs realisieren. Mit IRT sind taktsynchrone Applikationen
möglich (siehe Kapitel Taktsynchronität (Seite 220)).
* Die minimale Aktualisierungszeit ist von der eingesetzten CPU abhängig. Welche
Aktualisierungszeiten eine CPU unterstützt, finden Sie im Gerätehandbuch der CPU in den
Technischen Daten.

Hinweis
IWLAN und IRT
PROFINET-Geräte, die über Access Points an PROFINET IO angeschlossen sind, unterstützen
kein IRT.

Synchronisation
Voraussetzung für die IRT-Kommunikation ist ein Synchronisations-Takt für alle PROFINET-
Geräte in einer Sync-Domain zur Verteilung einer gemeinsamen Zeitbasis. Mit dieser Basissyn-
chronisation wird ein Gleichlauf des Übertragungs-Zyklus der PROFINET-Geräte innerhalb
einer Sync-Domain erzielt.
Ein Sync-Master gibt den Takt vor, Sync-Slaves synchronisieren sich auf diesen Takt. Sowohl
ein IO-Controller, als auch ein IO-Device kann die Rolle des Sync-Masters innehaben. Wenn
der Sync-Master ausfällt, dann fallen alle IO-Devices mit IRT aus.
Sync-Master und Sync-Slaves sind immer Teilnehmer einer Sync-Domain. Innerhalb der Sync-
Domain wird für die IRT-Kommunikation Bandbreite reserviert. Real-Time- und Non-Real-
Time-Kommunikation (TCP/IP-Kommunikation) ist außerhalb der reservierten Bandbreite
möglich.

Default Sync-Domain
Wenn Sie ein PROFINET-Subnetz angelegt haben, ist automatisch eine spezielle Sync-Domain
angelegt, die Default-Sync-Domain. Alle PROFINET-Geräte, die Sie für das PROFINET-Subnetz
projektieren, gehören dieser Sync-Domain an.
Weitere Informationen zum Anlegen von Sync-Domains finden Sie in der Online-Hilfe zu
STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


198 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Zeitbereiche des Kommunikationszyklus


Der Kommunikationszyklus gliedert sich in drei Zeitbereiche auf, die in der folgenden Grafik
dargestellt werden:

Bild 5-50 Bandbreitenreservierung

• IRT-Daten (synchronisierte Kommunikation)


Diesen Zeitbereich können Sie abhängig vom Sendetakt in bestimmten Schritten
reservieren. Innerhalb dieses Zeitbereichs werden ausschließlich IRT-Daten übertragen.
• RT-Daten (Real-Time Kommunikation)
In diesem Zeitbereich werden die zyklischen RT-Daten übertragen. RT-Daten werden
gegenüber "normalen" TCP/IP-Daten priorisiert. TCP/IP-Daten bzw. Ethernet-Telegramme
können eine Priorität zwischen 1 und 7 haben. RT-Daten haben die Priorität 6.
• TCP/IP-Daten (Standard Kommunikation)
Die Standard-Kommunikation (z. B. TCP/IP) wird schließlich in dem verbleibenden Intervall
des Kommunikationszyklus übertragen.
Sie können in STEP 7 das Verhältnis der Bandbreitennutzung von zyklischen IO-Daten zu
Standard-Kommunikation einstellen. Wie Sie die Bandbreitennutzung einstellen, finden Sie
im Kapitel Bandbreitennutzung für den Sendetakt einstellen (Seite 204)

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 199
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

5.5.4 RT und IRT im Vergleich

Die wichtigsten Unterschiede zwischen RT und IRT

Tabelle 5- 2 Vergleich zwischen RT und IRT

Eigenschaft RT IRT
Übertragungsart Priorisierung der RT-Telegramme durch Pfadbasiertes Switching auf Basis einer Pla-
Ethernet-Prio (VLAN-Tag) nung des Kommunikationspfades; Keine Über-
tragung von TCP/IP-Frames im Zeitbereich mit
IRT-Kommunikation.
Determinismus Varianz der Übertragungsdauer durch Exakte, geplante Übertragung, Sende- und
gemeinsame Nutzung der Übertra- Empfangszeitpunkte sind garantiert für belie-
gungsbandbreite mit anderen Proto- bige Topologien.
kollen (z. B. TCP/IP)
Hardwareunterstützung durch Nicht gefordert Notwendig
spezielle Ethernet-Controller er-
forderlich
Taktsynchrone Applikation - Ja
Startzeitpunkt der taktsynchronen - Zeitpunkte für den Empfang der Daten exakt
Applikation geplant. Applikation kann synchronisiert zum
Zyklus gestartet werden.

5.5.5 PROFINET IO mit IRT projektieren

Einleitung
Wenn Sie ein PROFINET IO-System mit IRT projektieren wollen, müssen Sie die
PROFINET IO-Geräte konfigurieren. Diese PROFINET-Geräte müssen IRT unterstützen. Legen
Sie fest, welches Gerät als Sync-Master die anderen Geräte synchronisiert. Dazu müssen Sie
eine Sync-Domain mit einem Sync-Master und mindestens einem Sync-Slave konfigurieren.

Voraussetzungen
• Ein IO-System mit einem IO-Controller und mindestens einem IO-Device ist vorhanden.
• Sie haben die Topologie für das IO-System projektiert.
• Die Geräte unterstützen IRT.

PROFINET mit STEP 7


200 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Vorgehen
Um ein bestehendes IO-System für die Verwendung von IRT zu befähigen, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie die PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Erweiterte Optionen> Echtzeit-Einstellungen >
Synchronisation".

Bild 5-51 IRT projektieren Sync-Master

3. Weisen Sie dem IO-Controller unter "Synchronisationsrolle" die Rolle des Sync-Masters zu.
4. Selektieren Sie die PROFINET-Schnittstellen eines dazugehörigen IO-Devices.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 201
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

5. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Erweiterte Optionen > Echtzeit-Einstellungen >


Synchronisation".

Bild 5-52 IRT projektieren Sync-Slave

6. Aktivieren Sie dort die RT-Klasse "IRT". Dem IO-Device wird daraufhin automatisch die
Synchronisationsrolle "Sync-Slave" zugewiesen.
7. Über die Schaltfläche "Domain-Einstellungen" können Sie ihre Einstellungen jederzeit prüfen
und korrigieren.
Oder
1. Heben Sie in der Netzsicht das PROFINET IO-System hervor.
2. Klicken Sie auf das PROFINET IO-System.

PROFINET mit STEP 7


202 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

3. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu dem Teilnehmer der gewünschten Sync-Domain.

Bild 5-53 IRT projektieren Sync-Domain

4. Führen Sie alle benötigten Einstellungen direkt in den Tabellen durch:


– Wählen Sie ein IO-System aus.
– Stellen Sie bei dem IO-Controller die Synchronisationsrolle "Sync-Master" ein.
– Stellen Sie bei den IO-Devices die RT-Klasse auf "IRT" um. Dadurch wird den IO-Devices
automatisch die Synchronisationsrolle "Sync-Slave" zugewiesen.
Sie können jetzt die Konfiguration mit PROFINET IRT in die beteiligten Geräte laden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 203
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

5.5.6 Bandbreitennutzung für den Sendetakt einstellen

Level der Bandbreitenlevel


Sie können für PROFINET IO mit IRT festlegen, welchen Teil des Sendetakts Sie maximal für
zyklische IO-Kommunikation nutzen wollen.
Sie haben in STEP 7 folgende Einstellmöglichkeiten für die Bandbreitennutzung:
• Maximal 25% zyklische IO-Daten. Schwerpunkt auf nichtzyklischen Daten.
• Maximal 37,5% zyklische IO-Daten. Schwerpunkt auf nichtzyklischen Daten.
• Maximal 50% zyklische IO-Daten. Ausgewogenes Verhältnis.
• Maximal 90% zyklische IO-Daten. Schwerpunkt auf zyklischen IO-Daten. (Voraussetzung:
Option "High Performance" ermöglichen ist aktiviert)

Bandbreitennutzung einstellen
Um in die Bandbreitennutzung für ein PROFINET IO-System in STEP 7 einzustellen, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie ihr IO-System in der Netzsicht von STEP 7.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "PROFINET" >
"Domain-Management" >"Sync-Domains" > "Name der Sync-Domain" > "Details".
3. Wählen Sie in der Klappliste "Bandbreitennutzung" das gewünschte Level der
Bandbreitennutzung aus.

Bild 5-54 Bandbreitenutzung einstellen

Wie Sie die Bandbreitennutzung für IRT mit höchster Performance einstellen, finden Sie im
Kapitel IRT mit höchster Performance projektieren (Seite 215).

PROFINET mit STEP 7


204 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

5.5.7 Aufbauempfehlungen zum Optimieren von PROFINET

PROFINET mit RT optimieren


PROFINET ermöglicht Ihnen Kommunikation mit hoher Performance über alle Ebenen.
Im folgenden Bild sehen Sie ein Beispiel für eine optimierte PROFINET-Topologie.

Bild 5-55 Optimierte PROFINET-Topologie

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 205
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Beachten Sie beim Aufbau Ihrer PN-Netzwerktopologie, dass die verschiedenen


Automatisierungsanwendungen in eigene Netzwerkzweige verteilt werden, damit auch für
zukünftige Erweiterungen eine ausreichende Bandbreitenreserve zur Verfügung steht.
• Wenn Sie Standard-Ethernet-Geräte in die Netztopologie einbinden bzw. Standard-
Ethernet-Kommunikation benutzen, berücksichtigen Sie die durch Standard-Ethernet
bedingte Netzlast und passen Sie die Netztopologie gegebenenfalls an (max. Bandbreite
100 MBit/s).
• Nutzen Sie für die Kommunikation zu überlagerten Netzwerken mit einem hohen
Datenaufkommen möglichst direkte Wege zur überlagerten Netzwerkinfrastruktur.
Beachten Sie dazu auch die Installationsrichtlinie
([Link]
guide/display/) der PROFIBUS-Nutzerorganisation.

PROFINET mit IRT aufbauen


Beachten Sie beim Aufbau und Betrieb eines PROFINET IO-Systems im IRT-Betrieb die
folgenden Regeln. Sie dienen dazu, einen optimalen Betrieb Ihres PROFINET IO-Systems
sicherzustellen.
• Bei der Verwendung von IRT müssen Sie die Topologie konfigurieren. Aktualisierungszeit,
Bandbreite und weitere Parameter werden dadurch exakt berechnet.
• Möchten Sie mehrere Sync-Domains nutzen, projektieren Sie eine Sync-Boundary für den
Port, der mit einem PROFINET-Gerät der jeweils anderen Sync-Domain verbunden ist.
• In einer Sync-Domain können Sie nur jeweils einen Sync-Master projektieren.
• Ein PROFINET IO-System darf nur einer einzigen Sync-Domain angehören.
• Wenn Sie PROFINET-Geräte in einer Sync-Domain projektieren und mit IRT synchronisieren
wollen, müssen die betreffenden PROFINET-Geräte die IRT-Kommunikation unterstützen.
• Verwenden Sie nach Möglichkeit dasselbe PROFINET-Gerät als PROFINET IO-Controller und
Sync-Master.
• Wird nur ein Teil der PROFINET-Geräte eines PROFINET IO-Systems synchronisiert, so
beachten Sie Folgendes: Weisen Sie PROFINET-Geräten, die nicht an der
IRT-Kommunikation teilnehmen, in der Sync-Domain die RT-Klasse "RT" und die
Synchronisationsrolle "unsynchronisiert" zu.

PROFINET mit STEP 7


206 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Anwendungen für CPU mit mehreren PROFINET IO-Schnittstellen


• Kopplung von Maschinen: Sie haben in Ihrer Konfiguration Maschinen, die sich auf
getrennten IO-Strängen befinden. Über die PROFINET IO-Schnittstelle X2 können Sie eine
Echtzeitkommunikation zwischen mehreren CPUs betreiben. Nutzen Sie dazu die
Funktionalitäten I-Device oder Shared-I-Device.
Das folgende Bild zeigt eine Beispielkonfiguration, bei der zwei Maschinen über die
Schnittstelle X2 mit einer I-Device-Beziehung gekoppelt sind.

Bild 5-56 I-Device-Kopplung über [Link]-Schnittstelle

• Aufteilung nach Automatisierungsaufgaben:


– Für Automatisierungsaufgaben mit hohen Anforderungen an Performance und
Deterministik nutzen Sie PROFINET mit IRT über die Schnittstelle X1.
– Für weitere Aufgaben, die Sie mit RT realisieren können, nutzen Sie die Schnittstelle
X2.
Wenn Sie die Schnittstelle X2 bei einer der folgenden CPUs als PROFINET IO-Schnittstelle
verwenden, dann kann das Einfluss auf die Performance haben:
• CPU 1515(F)-2 PN
• CPU 1515T(F)-2 PN
• CPU 1516(F)-3 PN/DP
• CPU 1516T(F)-3 PN/DP
• CPU 1516(F)pro-2 PN
Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel PROFINET-Schnittstelle (Seite 26) und im
Funktionshandbuch Zyklus- und Reaktionszeiten
([Link]

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 207
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

Topologische Überlagerung von IO-Systemen bei Multi-Controller-Anwendungen


Bei einer Konfiguration mit mehreren IO-Controllern addieren sich auf gemeinsam genutzten
Pfaden die Netzlasten aller beteiligten PROFINET IO-Systeme auf.
Um hohe Kommunikationslasten bei Multi-Controller-Anwendungen zu vermeiden, halten Sie
sich an folgende Empfehlungen:
• Vermeiden Sie Pfade, die gemeinsam von mehreren IO-Systemen genutzt werden.
Das folgende Bild zeigt eine Konfiguration mit zwei PROFINET IO-Systemen, die
gemeinsame Pfade nutzen.

① Gemeinsam genutzter Pfad


Bild 5-57 Multi-Controller-Anwendung mit gemeinsam genutztem Pfad

Im folgenden Bild nutzen die beiden PROFINET IO-Systeme keine gemeinsamen Pfade.

Bild 5-58 Multi-Controller-Anwendung mit getrennten Pfaden

• Wenn keine Trennung möglich ist: Erhöhen Sie die Aktualisierungszeit bei den betroffenen
IO-Devices.

Aufbaurichtlinien der PROFIBUS-Nutzerorganisation


Die Installationsrichtlinie finden Sie im Internet
([Link]
guide/display/).

PROFINET mit STEP 7


208 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.5 Echtzeitkommunikation

5.5.8 Begrenzung der Dateneinspeisung ins Netz

Dateneinspeisung ins Netz an PROFINET-Schnittstellen begrenzen


Die Funktion "Dateneinspeisung ins Netz begrenzen" begrenzt die Netzlast von Standard-
Ethernet-Kommunikation, welche von der Schnittstelle in das Netzwerk eingespeist wird, auf
einen maximalen Wert. Zyklische Echtzeitkommunikation (RT/IRT) ist davon nicht betroffen.
In einem PROFINET IO-System können kritische Netzlasten durch Standard-
Ethernet-Kommunikation entstehen, besonders in Linientopologien. Geräte, die viel
Standard-Ethernet-Kommunikation in das PROFINET IO-System einspeisen, sollten die
Funktion "Dateneinspeisung ins Netz begrenzen" unterstützen. Gegebenenfalls sollten Sie
Ihre Topologie optimieren, vermeiden Sie z. B. Standard-Ethernet-Geräte in einer
Linientopologie. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel Aufbauempfehlungen zum
Optimieren von PROFINET (Seite 205).
Abhängig von der Schnittstelle können Sie die Funktion "Dateneinspeisung ins Netz
begrenzen" aktivieren bzw. deaktivieren. Wenn Sie die Schnittstelle X1 einer S7-1500 CPU als
IO-Controller oder I-Device verwenden, dann ist die Funktion "Dateneinspeisung ins Netz
begrenzen" immer aktiv. Beispiel: Wenn Sie die Schnittstelle X1 einer S7-1500 CPU nicht als
IO-Controller oder I-Device nutzen, dann können Sie die Funktion aktivieren bzw.
deaktivieren.

Nutzen von der Begrenzung der Dateneinspeisung


• Aufteilen der Bandbreite für Standard-Ethernet-Kommunikation zwischen den Geräten:
In PROFINET-Netzen teilen sich zyklische Echtzeitkommunikation und Standard-
Ethernet-Kommunikation dasselbe Netz. Das führt dazu, dass für Standard-Ethernet-
Kommunikation nur eine begrenzte Bandbreite übrig bleibt. Die Begrenzung der
Dateneinspeisung stellt sicher, dass die verbleibende Bandbreite für Standard-
Ethernet-Kommunikation nicht von einem einzelnen Gerät besetzt wird, sondern
zwischen mehreren Geräten aufgeteilt werden kann.
• Spitzen in der Dateneinspeisung glätten:
Die Begrenzung der Dateneinspeisung glättet Spitzenlasten von
Standard-Ethernet-Kommunikation (z. B. von Open User Communication, Zugriffe vom
Webserver).
• Probleme in der Dateneinspeisung eingrenzen:
Wenn Anwendungen in einem Gerät zu viele Daten erzeugen, dann werden diese Daten
nicht ins PROFINET-Netz weitergeleitet. Negative Auswirkungen (z. B. Datenverlust,
Kommunikationsabbruch) bleiben auf das Gerät und dessen Kommunikationspartner
beschränkt. Weitere Teilnehmer werden nicht gestört.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 209
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

Begrenzung der Dateneinspeisung ins Netz für eine CPU einstellen


Um die Begrenzung der Dateneinspeisung ins Netz einzustellen, gehen Sie folgendermaßen
vor:
1. Selektieren Sie in der Netzsicht von STEP 7 die Schnittstelle der CPU.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu
"Eigenschaften" > "Allgemein" > "Erweiterte Optionen" > "Schnittstellen-Optionen".
3. Aktivieren bzw. Deaktivieren Sie das Optionskästchen "Dateneinspeisung ins Netz
begrenzen".

Bild 5-59 Dateneinspeisung ins Netz begrenzen

5.6 PROFINET mit Performance Upgrade


Performance Upgrade
Das Performance Upgrade setzt die Application Class "High Performance" der
PROFINET Spezifikation V2.3 um.
Das Performance Upgrade bringt eine Reihe von Maßnahmen mit, die für PROFINET mit IRT zu
den folgenden Verbesserungen führen:
• Reduzierung der Laufzeitverzögerungen in den IO-Devices
• Bandbreitenerhöhung für zyklische IO-Daten
• Verringerung des Bandbreitenverbrauchs der PROFINET-Telegramme
• Verkleinerung der Sendetakte
Die Verbesserungen durch das Performanceupgrade führen dazu, dass Sie Ihr
PROFINET IO-System mit mehr Teilnehmern bei gleichem Sendetakt oder mit einem
geringeren Sendetakt bei gleicher Anzahl Teilnehmern betreiben können.
Mit PROFINET war es bisher möglich, Sendetakte von 250 µs zu erreichen.
Mit dem Performance Upgrade ist es nun möglich, mit den Verfahren Fast Forwarding,
Dynamic Frame Packing und Fragmentation taktsynchrone Sendetakte von bis zu 125 µs zu
erreichen, abhängig von der Leistungsfähigkeit der CPU (siehe Technische Daten in den
Gerätehandbüchern). Bei kurzen Sendetakten ist weiterhin eine Standard-Kommunikation
möglich.
Das Performance Upgrade hilft Ihnen, Anwendungen mit hohen Anforderungen an die
Geschwindigkeit und Sendetakte zu realisieren.

PROFINET mit STEP 7


210 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

5.6.1 Dynamic Frame Packing

Dynamic Frame Packing


Bisher werden für jedes PROFINET IO-Device einzelne PROFINET IO-Frames gesendet.
Das Performance Upgrade nutzt für Linientopologien das Verfahren Dynamic Frame Packing,
das auf dem Summenrahmenverfahren aufsetzt. Beim Summenrahmenverfahren enthält ein
Frame die Nutzdaten für benachbarte Teilnehmer in einer Linie. Beim Dynamic Frame Packing
kommt hinzu, dass jedes IO-Device seine Nutzdaten aus dem Frame entnimmt und den Rest
weiterleitet. Der Frame verkürzt sich von IO-Device zu IO-Device. Dynamic Frame Packing
verbessert die Ausnutzung der Bandbreite in einer Linientopologie.
Das folgende Bild zeigt die Funktionsweise des Verfahrens Dynamic Frame Packing am
Beispiel eines Frames, der die Nutzdaten für 3 IO-Devices enthält.

① Der PROFINET IO-Frame enthält die Nutzdaten für alle 3 IO-Devices (grün, blau, orange).
② Der PROFINET IO-Frame erreicht das erste IO-Device. Das IO-Device entnimmt seine Nutzdaten
(grün) aus dem Frame und leitet den restlichen Frame weiter.
③ Der PROFINET IO-Frame enthält die Nutzdaten für zwei IO-Devices (blau, orange).
④ Der PROFINET IO-Frame erreicht das zweite IO-Device. Das IO-Device entnimmt seine Nutzdaten
(blau) aus dem Frame und leitet den restlichen Frame weiter.
⑤ Der PROFINET IO-Frame enthält die Nutzdaten für ein IO-Device (orange).
⑥ Der PROFINET IO-Frame erreicht das letzte IO-Device. Das IO-Device nimmt den gesamten Fra-
me inklusive der Nutzdaten (orange) auf.

Bild 5-60 Dynamic Frame Packing (DFP)

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 211
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

DFP-Gruppen
Dynamic Frame Packing fasst IO-Devices, die das Performance Upgrade unterstützen,
automatisch zu DFP-Gruppen zusammen. Um in einer DFP-Gruppe zusammengefasst zu
werden, müssen die IO-Devices hintereinander in einer Linie liegen und dieselbe
Aktualisierungszeit und Ansprechüberwachungszeit haben. Sobald eine maximale
Frame-Größe für die DFP-Gruppe überschritten ist, bzw. eine maximale Anzahl von
Mitgliedern für eine DFP-Gruppe erreicht ist, öffnet das Dynamic Frame Packing automatisch
eine neue DFP-Gruppe.
STEP 7 zeigt die DFP-Gruppen an unter "Domain-Management" > "Sync-Domains" > "Name der
Sync-Domain" > "Teilnehmer" im Feld "IO-Devices" an.

Bild 5-61 Anzeige der DFP-Gruppen in STEP 7

Hinweis
Dynamic Frame Packing bei großen Ansprechüberwachungszeiten
Wenn Sie für ein IO-Device den Parameter "Akzeptierte Aktualisierungszyklen ohne IO-Daten"
auf größer 31 einstellen, dann steckt das Dynamic Frame Packing dieses IO-Device nicht in
eine DFP-Gruppe.

PROFINET mit STEP 7


212 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

5.6.2 Fragmentierung
Die Übertragung eines kompletten Standard-Ethernet-Frames mit TCP/IP-Daten dauert bis zu
125 µs. Dadurch lässt sich die Zykluszeit für PROFINET-IO Daten nicht beliebig reduzieren.
Das Performanceupgrade nutzt das Verfahren Fragmentierung, das die TCP/IP-Telegramme in
Teiltelegramme zerlegt. Diese Teiltelegramme werden über mehrere Sendetakte hinweg zum
Ziel-Device übertragen und dort wieder zum original TCP/IP-Telegramm zusammengesetzt.
Fragmentierung ist Voraussetzung für Zykluszeiten kleiner 250 µs. In diesen kurzen
Sendetakten können Sie mehr Bandbreite für zyklische IO-Daten nutzen, da die Fragmente
der Standard-Ethernet-Frames deutlich weniger Bandbreite belegen als ein vollständiges
Standard-Ethernet-Frame.
Das folgende Bild zeigt die Funktionsweise des Verfahrens Fragmentierung.

① Ein Standard-Ethernet-Frame mit TCP/IP-Daten ist bis zu 125 µs groß.


② Bei Fragmentierung wird der Standard-Ethernet-Frame in Teiltelegramme zerlegt.
③ Die Teiltelegrame werden auf mehrere kurze Sendetakte aufgeteilt.

Bild 5-62 Fragmentierung

Hinweis
Die PROFINET IO-Schnittstelle des IO-Controllers unterstützt Fragmentierung, wenn alle Ports
bis auf einen deaktiviert sind.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 213
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

5.6.3 Fast Forwarding


Um zu entscheiden, ob ein Telegramm weitergeleitet oder selbst verwendet wird, benötigt
ein PROFINET IO-Gerät die Frame-ID. Bis die Frame-ID im IO-Device vorliegt, dauerte es bisher
1440 ns.
Das Performanceupgrade nutzt das Verfahren Fast Forwarding, dabei ist die Frame-ID weiter
vorn im Telegramm angeordnet. Die Durchlaufzeit im Device reduziert sich auf 320 ns.
Mit Fast Forwarding verringert sich die Durchlaufzeit der Frames in Ihrem PROFINET
IO-System. Insbesondere in Linien-, Ring-, und Baumtopologien ergeben sich so
entscheidende Performancevorteile.
Das folgende Bild vergleicht den Durchlauf eines PROFINET IO-Frames durch ein IO-Device mit
Fast Forwarding und ohne Fast Forwarding.

① Start:
• Beide PROFINET-Frames erreichen das IO-Device.
Die IO-Devices beginnen, die Frames auf die Frame-ID zu überprüfen
② Nach 320 ns:
• Ohne Fast Forwarding: Das IO-Device ist noch dabei, den PROFINET-Frame auf die Frame-ID
zu überprüfen.
• Mit Fast Forwarding: Das IO-Device erhält vom PROFINET-Frame die Frame-ID und leitet den
Frame weiter.
③ Nach 1440 ns:
• Ohne Fast Forwarding: Das IO-Device erhält vom PROFINET-Frame die Frame-ID und leitet
den Frame weiter.
• Der PROFINET-Frame mit Fast Forwarding hat gegenüber dem PROFINET-Frame ohne Fast
Forwarding "Vorsprung".

Bild 5-63 Fast Forwarding

PROFINET mit STEP 7


214 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

5.6.4 IRT mit höchster Performance projektieren


High End Anwendungen mit IO-Kommunikation erfordern höchste Performance-Ansprüche
an die IO-Verarbeitung, z.B. die Steuerung von Windrädern (Converter Control).
Um in Ihrem PROFINET IO-System IRT-Kommunikation mit höchster Performance zu nutzen,
aktivieren Sie die Option "High Performance ermöglichen".
Wenn Sie die Option "High Performance ermöglichen" aktivieren, dann hat das folgende
Auswirkungen:
• Sie können die Sendetakte 187,5 µs und 125 µs einstellen (z.B. CPU 1518-4 PN/DP) bzw.
187,5 µs (z. B. CPU 1517-3 PN/DP), siehe Technische Daten in den CPU-
Gerätehandbüchern.
• Sie können mehr Bandbreitennutzung für zyklische IO-Daten einstellen.
• Sie können die Option "Erlaubt Verwendung von Fast Forwarding" nutzen.

Voraussetzungen
• S7-1500 CPU ab Firmwarestand V2.0

"High Performance ermöglichen" aktivieren


Um "High Performance ermöglichen" zu aktivieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie das PROFINET IO-System in der Netzsicht von STEP 7.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "PROFINET" >
"Domain-Management" >"Sync-Domains" > "Name der Sync-Domain".
3. Aktivieren Sie die Option "High Performance ermöglichen".

Bild 5-64 High Performance aktivieren

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 215
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

Mehr Bandbreite für zyklische IO-Daten nutzen


Voraussetzung: Sie haben "High Performance ermöglichen" aktiviert.
Um mehr Bandbreite für zyklische IO-Daten für ihr PROFINET IO-System einzustellen, gehen
Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie ihr IO-System in der Netzsicht von STEP 7.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "PROFINET" >
"Domain-Management" >"Sync-Domains" > "Name der Sync-Domain" > "Details".
3. Wählen Sie in der Klappliste "Maximal 90% zyklische IO-Daten. Schwerpunkt auf zyklischen
IO-Daten." aus.

Bild 5-65 Mehr Bandbreite für zyklische IO-Daten nutzen

Hinweis
Bandbreitennutzung bei Taktsynchronem Betrieb
Wenn Sie Ihr PROFINET IO-System mit Taktsynchronität betreiben, dann vermeiden Sie die
Einstellung für die Bandbreitennutzung "Maximal 90 % zyklische IO-Daten. Schwerpunkt auf
zyklische IO-Daten.".

Kleine Sendetakte einstellen (Beispiel CPU 1518-4 PN/DP)


Voraussetzung: Sie haben "High Performance ermöglichen" aktiviert.
1. Selektieren Sie das PROFINET IO-System in der Netzsicht von STEP 7.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "PROFINET" >
"Domain-Management" >"Sync-Domains" > "Name der Sync-Domain".
3. Wählen Sie bei "Sendetakt" in der Klappliste den Sendetakt aus.

Bild 5-66 Kleine Sendetakte einstellen

PROFINET mit STEP 7


216 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

Vorrausetzungen für das Verfahren Fragmentierung (Beispiel CPU 1518-4 PN/DP)


Wenn Sie die folgenden Kombinationen für Sendetakt und Bandbreiteneinstellungen
verwenden, dann nutzen die Geräte im IO-System das Verfahren Fragmentierung:
• Sendetakt 125 µs: immer Fragmentierung unabhängig von der Bandbreiteneinstellung.
• Sendetakt 187,5 µs: Fragmentierung bei den Bandbreiteneinstellungen "Maximal 50%
zyklische IO-Daten. Ausgewogenes Verhältnis." und "Maximal 90 % zyklische IO-Daten.
Schwerpunkt auf zyklische IO-Daten."
Die PROFINET IO-Schnittstelle des Controllers unterstützt Fragmentierung, wenn alle Ports bis
auf einen deaktiviert sind.

Porteinstellungen für kleine Sendetakte optimieren


Sie können die Bandbreitennutzung in Ihrem PROFINET IO-System weiter optimieren, indem
Sie zwischen den Geräten Leitungen mit einer kurzen Leitungslänge (< 20 m) bzw. einer
kleinen Signallaufzeit (max. 0.12 µs) verwenden.
Um in STEP 7 Leitungen mit einer kurzen Leitungslänge bzw. kleinen Signallaufzeit zu
projektieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie den Port in der Topologiesicht von STEP 7.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Portverschaltung" in das Feld "Partnerport".
3. Wählen Sie die Option "Leitungslänge:" bzw. "Signallaufzeit:" aus.
4. Wählen Sie die Leitungslänge aus bzw. tragen Sie die Signallaufzeit ein.

Bild 5-67 Porteinstellungen für kleine Sendetakte optimieren

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 217
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

Fast Forwarding erlauben


Voraussetzungen:
• Damit das Verfahren Fast Forwarding für ein PROFINET IO-Device genutzt werden kann,
muss das Device das Verfahren unterstützen.
• Sie haben "High Performance ermöglichen" aktiviert.
• Die PROFINET IO-Schnittstelle unterstützt Fast Forwarding, wenn alle Ports bis auf einen
deaktiviert sind.
Um Fast Forwarding zu erlauben, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie das PROFINET IO-System in der Netzsicht von STEP 7.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "PROFINET" >
"Domain-Management" >"Sync-Domains" > "Name der Sync-Domain".
3. Aktivieren Sie die Option "Erlaubt Verwendung von 'Fast Forwarding'".

Bild 5-68 Fast Forwarding erlauben

Hinweis
Fast Forwarding und IPv6
Der Betrieb von Fast Forwarding zusammen mit IPv6 wird nicht unterstützt.
Sobald ein IO-Device im Subnetz eine IPv6-Adresse nutzt, dürfen Sie kein "Fast Forwarding"
aktivieren.

PROFINET mit STEP 7


218 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.6 PROFINET mit Performance Upgrade

5.6.5 Beispielkonfiguration für IRT mit höchster Performance


Das folgende Bild zeigt eine Beispielkonfiguration, mit der Sie die höchste Performance
erreichen können.

Der Port 1 der Schnittstelle X1 der CPU ist deaktiviert.

Der Port 2 der Schnittstelle X1 und die Ports der Interfacemodule in der Linie verwenden die
folgende Einstellung: Medium Kupfer, Leitungslänge < 20 m bzw. Signallaufzeit max. 0,12 µs
Über die Schnittstellen X2 und X3 der CPU oder über den freien Port am Ende der Linie kann
eine PG-Verbindung zur CPU hergestellt werden.

Bild 5-69 Beispielkonfiguration für IRT mit höchster Performance

Verwenden Sie für die Sync-Domain die folgenden Einstellungen:


• Aktivieren Sie die Option "High Performance ermöglichen".
• Stellen Sie den Sendetakt auf 125 µs ein.
• Aktivieren Sie die Option "Erlaubt Verwendung von Fast Forwarding".

Standard-Ethernet-Kommunikation bei IRT mit höchster Performance


Auch in einem PROFINET IO System mit höchster Performance ist immer noch Standard-
Ethernet-Kommunikation möglich. Beachten Sie, dass Sie, vom IO-Controller aus gesehen,
zuerst die IRT-Teilnehmer anordnen und die Standard-Ethernet-Teilnehmer an das Ende der
Linie anordnen.
Bei großem Datenaufkommen durch Standard-Ethernet-Kommunikation ist es sinnvoll, Ihr
Netz durch Trennung von Standard-Ethernet-Kommunikation und zyklischer
Echtzeitkommunikation zu entlasten. Beispiel: Verwenden Sie für die
PROFINET IO-Kommunikation die Schnittstelle X1 und für die
Standard-Ethernet-Kommunikation eine andere Schnittstelle.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 219
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

5.7 Taktsynchronität

5.7.1 Was ist Taktsynchronität?

Wozu Taktsynchronität?
Die Vorteile der Funktion Taktsynchronität in der Automatisierungstechnik lassen sich an
einem Beispiel aus dem Alltag zeigen.
Die Übertragung von Daten entspricht dem Transport von Personen im öffentlichen
Nahverkehr. Wenn der öffentliche Nahverkehr so schnell führe, wie er nur könnte und seine
Haltezeiten auf das absolute Minimum reduzierte, sähe der Fahrgast sehr oft nur noch die
roten Schlusslichter. Die Gesamtfahrzeit wird aber von den jeweiligen Bahn-, Bus- oder
U-Bahntakten bestimmt, denn mit einer fein abgestimmten Taktung geht es besser. Dies gilt
auch in der Automatisierungstechnik. Nicht nur schnelle Zyklen zählen, sondern erst die
Abstimmung und Synchronisation der einzelnen Zyklen bringen den optimalen Durchsatz.

Just-In-Time

Bild 5-70 Systemtakt

Die schnelle und zuverlässige Reaktionszeit einer Taktsynchronisation begründet sich darin,
dass alle Daten Just-In-Time zur Verfügung gestellt werden. Grundlage hierfür ist ein
äquidistanter Takt.

PROFINET mit STEP 7


220 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Die Funktion Taktsynchronität gewährleistet die Synchronisation in konstanten zeitlichen


Abständen:
• der Signalerfassung und -ausgabe durch die dezentrale Peripherie
• der Signalübertragung über PROFINET IO
• der Programmbearbeitung in der CPU zum Takt des äquidistanten PROFINET IO
Somit entsteht ein System, das in konstanten Zeitabständen seine Eingangssignale erfasst,
bearbeitet und die Ausgangssignale ausgibt. Taktsynchronität gewährleistet genau
reproduzierbare und definierte Prozessreaktionszeiten sowie äquidistante und synchrone
Signalverarbeitung bei dezentraler Peripherie.

Vorteile der Taktsynchronität


Der Einsatz von Taktsynchronität ermöglicht hochgenaue Regelungen.
• Optimierte Regelungen, durch konstante, kalkulierbare Totzeiten
• Determinismus, zuverlässige Reproduzierbarkeit von Reaktionszeiten
• Konsistentes (gleichzeitiges) Einlesen der Eingangsdaten
• Konsistentes (gleichzeitiges) Ausgeben der Ausgangsdaten

5.7.2 Einsatz der Taktsynchronität


Ein taktsynchrones System erfasst in einem festen Systemtakt Messwerte und Prozessdaten,
verarbeitet die Signale und gibt sie synchron an den Prozess aus. Die Taktsynchronität trägt
somit zu einer hohen Güte der Regelung und zu einer größeren Fertigungsgenauigkeit bei.
Mit der Taktsynchronität werden die möglichen Schwankungen der Prozessreaktionszeiten
drastisch reduziert. Die zeitlich gesicherte Bearbeitung nutzen Sie für einen höheren
Maschinentakt. Durch die genaue zeitliche Reproduzierbarkeit aller Abläufe lassen sich auch
schnelle Vorgänge sicher beherrschen. Kürzere Taktzeiten erhöhen die
Verarbeitungsgeschwindigkeit und tragen zu einer Reduzierung der Produktkosten bei.
Grundsätzlich bietet sich die Taktsynchronität überall dort an, wo Messwerte synchron erfasst
werden müssen, Bewegungen koordiniert und Prozessreaktionen definiert und gleichzeitig
erfolgen müssen. Die Einsatzgebiete der Taktsynchronität sind deshalb sehr vielfältig.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 221
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Beispiel: Messen an mehreren Messstellen mit Taktsynchronität

Automatisierungsaufgabe
Innerhalb des Produktionsprozesses von Nockenwellen müssen diese zur Qualitätssicherung
präzise vermessen werden.

Merkmal
Dazu wird eine Komponente benötigt, die während einer Drehung der Nockenwelle synchron
jeweils Position und Auslenkungen der Nocken messen kann.

Lösung

Bild 5-71 Vermessen von Nockenwellen

Mit dem Einsatz der Taktsynchronität werden die Messwerte getaktet und gleichzeitig an den
verschiedenen Messpunkten erfasst. Dies führt zu folgendem Arbeitsablauf:
• Nockenwelle kontinuierlich drehen
• während der kontinuierlichen Drehung synchron Positionen und Nockenauslenkung
messen
• nächste Nockenwelle bearbeiten
Bei einer einzigen Drehung der Nockenwelle werden somit synchron alle Positionen der
Nockenwelle und die zugehörigen Messwerte (rot) gemessen. Der Maschinentakt erhöht sich
bei gleicher oder besserer Messgenauigkeit.

Vorteil & Nutzen


Der Zeitaufwand für den Messvorgang wird verkürzt.

PROFINET mit STEP 7


222 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

5.7.3 Zeitlicher Ablauf der Synchronisation am PROFINET IO

Einleitung
Am PROFINET IO können Sie Peripheriemodule in Dezentralen Peripheriesystemen
taktsynchron an einer CPU betreiben, z. B. in Dezentralen Peripheriesystemen ET 200SP oder
ET 200MP.
Die Interfacemodule der Peripheriesysteme müssen, wie die Peripheriemodule
Taktsynchronität unterstützen.

Vom Einlesen der Eingangsdaten bis zum Ausgeben der Ausgangsdaten


Im Folgenden ist der prinzipielle zeitliche Ablauf aller an der Synchronisation beteiligten
Komponenten erläutert:
① Messwert-Erfassung im Prozess
② Taktsynchrones Einlesen der Eingangsdaten
③ Transport der Eingangsdaten über das Subnetz zum IO-Controller (CPU)
④ Weiterverarbeitung in der taktsynchronen Applikation der CPU
⑤ Transport der Ausgangsdaten über das Subnetz zum ausgebenden IO-Device
⑥ Taktsynchrones Ausgeben der Ausgangsdaten

T_DC Datenzyklus (Time_DataCycle)


TI Zeit zum Einlesen der Eingangsdaten
TO Zeit zur Ausgabe der Ausgangsdaten
TV parametrierte Verzögerungszeit
Bild 5-72 Zeitlicher Ablauf der Synchronisation am PROFINET IO

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 223
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Damit zum jeweils nächsten Beginn des PROFINET IO-Zyklus alle Eingangsdaten zum
Transport über das Subnetz bereitstehen, wird der Peripherie-Einlesezyklus um eine
Vorlaufzeit TI früher gestartet. Das TI ist das "Blitzlicht" für die Eingänge; zu diesem Zeitpunkt
werden alle synchronisierten Eingänge eingelesen. TI ist notwendig, um Analog-Digital-
Umwandlung, Rückwandbuszeiten und Ähnliches zu kompensieren. Die Vorlaufzeit TI kann
von STEP 7 oder von Ihnen projektiert werden. Lassen Sie die Vorlaufzeit TI von STEP 7
automatisch vergeben. STEP 7 stellt mit der Standardeinstellung sicher, dass eine
gemeinsame kleinstmögliche TI eingestellt wird.
Das Subnetz transportiert die Eingangsdaten zum IO-Controller/DP-Master. Die Applikation
wird synchronisiert zum Zyklus gestartet. D. h., der Taktsynchronalarm-OB wird nach einer
parametrierbaren Verzögerungszeit TV aufgerufen. Das Anwenderprogramm im
Taktsynchronalarm-OB bestimmt die Prozessreaktion und stellt die Ausgangsdaten rechtzeitig
bis zum Beginn des nächsten Datenzyklus bereit. Die Länge des Datenzyklus (Sendetakt/DP-
Zykluszeit) wird immer von Ihnen projektiert.
TO ist die Zeit für die Kompensation aus dem Rückwandbus und der Digital-Analog-
Umwandlung innerhalb des IO-Devices/DP-Slaves. Das TO ist das "Blitzlicht" für die Ausgänge.
Zu diesem Zeitpunkt werden die synchronisierten Ausgänge ausgegeben. Die Zeit TO kann
von STEP 7 oder von Ihnen projektiert werden. Lassen Sie die Vorlaufzeit TO von STEP 7
automatisch vergeben. STEP 7 berechnet automatisch eine gemeinsame, kleinstmögliche TO.

5.7.4 Taktsynchronität projektieren

[Link] Einleitung

Projektierung im Überblick

Parameter für den taktsynchronen Betrieb des Peripheriemoduls einstellen


Über die Eigenschaften der E/A-Adressen des entsprechenden Peripheriemoduls:
• Stellen Sie den taktsynchronen Betrieb des Moduls ein.
• Weisen Sie die Ein- und Ausgänge des Moduls einem Teilprozessabbild und einem
Taktsynchronalarm-OB zu.
Die Daten des Teilprozessabbilds werden synchron zu dem zugeordneten OB aktualisiert.
Taktsynchronalarme bieten die Möglichkeit, Programme taktsynchron zum PROFINET-
Sendetakt zu starten. Taktsynchronalarme werden mit hoher Priorität bearbeitet.

Sendetakt einstellen
Der Sendetakt ist das kleinstmögliche Sende-Intervall für den Datenaustausch. Bei
taktsynchronem Betrieb entspricht der Sendetakt dem Datenzyklus T_DC.
Sie stellen den Sendetakt in den Eigenschaften der PROFINET-Schnittstelle der CPU oder in
der Sync-Domain ein.

PROFINET mit STEP 7


224 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Applikationszyklus einstellen
Der Applikationszyklus ist ein Vielfaches des Datenzyklus T_DC. Wenn die Laufzeit des
Taktsynchronalarm-OBs kurz ist, kann der Applikationszyklus identisch mit dem Datenzyklus
(=Sendetakt) sein.
Den Applikationszyklus eines Taktsynchronalarm-OB können Sie zum Sendetakt eines
taktsynchronen PROFINET IO-Systems untersetzen. Als Faktor stellen Sie ein ganzzahliges
Vielfaches des Sendetakts ein.
Über den Faktor reduzieren Sie die Belastung der CPU durch die weniger häufige Ausführung
des Taktsynchronalarm-OB. Sie stellen den Applikationszyklus in den Eigenschaften des
Taktsynchronalarm-OB ein.

Verzögerungszeit einstellen
Die Verzögerungszeit ist die Zeitspanne zwischen dem Beginn des Sendetakts und dem Start
des Taktsynchronalarm-OB. In dieser Zeit wickelt der IO-Controller den zyklischen
Datenaustausch mit den IO-Devices ab.
STEP 7 stellt die Verzögerungszeit per Voreinstellung so ein, dass die taktsynchrone
Aktualisierung des Teilprozessabbilds automatisch in das Ausführungsfenster des
Applikationszyklus fällt.
Sie stellen die Verzögerungszeit in den Eigenschaften des Taktsynchronalarm-OB ein. Eine
kürzere Verzögerungszeit ermöglicht Ihnen eine längere Bearbeitungszeit für Ihr
Anwenderprogramm im Taktsynchronalarm-OB.

Zusätzliche Projektierungen für Taktsynchronität am PROFINET IO:


• als RT-Klasse für die verschalteten PROFINET-Schnittstellen IRT einstellen
Voraussetzung für den taktsynchronen Betrieb am PROFINET IO ist IRT-Kommunikation
(Isochronous Real-Time-Kommunikation). IRT bedeutet synchronisierter Datenaustausch in
reservierten Zeitintervallen.
• Topologie-Projektierung der Konfiguration durchführen
Voraussetzung für IRT-Kommunikation ist Topologie-Projektierung. Zusätzlich zur
reservierten Bandbreite werden zur weiteren Optimierung des Datenverkehrs die
Telegramme auf definierten Übertragungswegen ausgetauscht. Dazu werden die
topologischen Informationen der Projektierung für die Planung der Kommunikation
herangezogen.
• Über eine Sync-Domain ordnen Sie für den taktsynchronen Datenaustausch die IO-
Devices (Sync-Slaves) einem IO-Controller (Sync-Master) zu.
Voraussetzung für IRT-Kommunikation ist ein Synchronisations-Takt für alle PROFINET-
Geräte in einer Sync-Domain, zur Verteilung einer gemeinsamen Zeitbasis. Mit dieser
Basissynchronisation wird ein Gleichlauf des Übertragungs-Zyklus der PROFINET-Geräte
innerhalb einer Sync-Domain erzielt.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 225
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

[Link] Taktsynchronität am PROFINET IO projektieren

Einleitung
Im Folgenden wird die Projektierung der Taktsynchronität eines Moduls anhand des
Dezentralen Peripheriesystems ET 200MP als IO-Device beschrieben. Die Vorgehensweise ist
aber auch für andere Dezentrale Peripheriesysteme gültig (z. B. ET 200S oder ET 200SP).
Der IO-Controller ist eine S7-1500 CPU.

Voraussetzungen
• Die Netzsicht in STEP 7 ist geöffnet.
• Eine S7-1500 CPU ist platziert (z. B. CPU 1516-3 PN/DP).
• Ein Interfacemodul IM 155-5 PN HF (ET 200MP) ist platziert und mit der CPU über
PROFINET IO vernetzt.
• Alle Voraussetzungen für eine IRT-Konfiguration sind erfüllt:
– Die Ports der vernetzten PROFINET-Schnittstellen der CPU und des Interfacemoduls sind
miteinander verschaltet (Topologieprojektierung).
– Die RT-Klasse der PROFINET-Schnittstelle des Interfacemoduls ist auf "IRT" eingestellt
(Bereich "Erweiterte Optionen > Echtzeit-Einstellungen > Synchronisation").
– Die Rollen "Sync-Master" und "Sync-Slave" sind für die PROFINET-Schnittstellen der CPU
und des Interfacemoduls vergeben (in den Eigenschaften einer PROFINET-Schnittstelle:
Bereich "Erweiterte Optionen" > "Medienredundanz" > "Domain-Einstellungen").

Vorgehen
Um eine taktsynchrone Anbindung von Peripherie und Anwenderprogramm zu erstellen,
gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Markieren Sie das IM 155-5 PN HF in der Netzsicht von STEP 7. Wechseln Sie in die
Gerätesicht.
2. Stecken Sie ein Peripheriemodul, das taktsynchron betrieben werden kann
(z. B. DI 16 x 24VDC HF).

PROFINET mit STEP 7


226 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

3. Navigieren Sie im Inspektorfenster des markierten Peripheriemoduls zum Bereich


"E/A-Adressen".

Bild 5-73 Taktsynchronisation am PROFINET IO projektieren

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 227
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

4. Nehmen Sie im Bereich E/A-Adressen folgende Einstellungen vor:


– Aktivieren Sie die Option "Taktsynchroner Betrieb".
– Wählen Sie ein Teilprozessabbild aus, z. B. Teilprozessabbild 1.
– Klicken Sie auf die Klappliste "Organisationsbaustein". Klicken Sie auf die Schaltfläche
"Hinzufügen" oder wählen Sie einen bereits vorhandenen OB aus. Ein Dialog zur
Auswahl von Organisationsbausteinen wird geöffnet.
– Wählen Sie den OB "Synchronous Cycle". Bestätigen Sie die Auswahl mit "OK".
Bei automatischer Nummernvergabe wird der OB 61 erzeugt und geöffnet.
Im Inspektorfenster können Sie im Bereich "Taktsynchronität" unmittelbar mit der
Einstellung von Applikationszyklus und Verzögerungszeit (Seite 228) fortfahren sowie
im Anweisungsteil mit der Programmierung des OB beginnen.
5. Fügen Sie weitere IO-Devices nach Bedarf in die Netzsicht ein. Passen Sie die Konfiguration
und die Einstellungen für die Taktsynchronität an.
6. Sie wollen Informationen über berechnete Bandbreiten oder zum Anpassen des Sendetakts
abrufen. Markieren Sie in der Netzsicht die Sync-Domain und navigieren Sie in den
entsprechenden Bereich des Domain-Managements im Inspektorfenster.

Verweis
Beispiele für die Parametrierung und Einstellmöglichkeiten der Taktsynchronität für
dezentrale Peripherie und Antriebe in STEP 7 finden Sie in diesem FAQ im Internet
([Link]

[Link] Applikationszyklus und Verzögerungszeit einstellen

Voraussetzungen
• Sie haben in STEP 7 eine taktsynchrone Konfiguration erstellt.
• Sie haben einen Taktsynchronalarm-OB Synchronous Cycle (OB 6x) angelegt.
• Der Taktsynchronalarm-OB ist geöffnet.

PROFINET mit STEP 7


228 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Applikationszyklus einstellen
Der Applikationszyklus ist ein Vielfaches des Datenzyklus T_DC (Sendetakt). Über die
Einstellung des Applikationszyklus reduzieren Sie die Belastung der CPU durch die Ausführung
des Taktsynchronalarm-OB. Der OB wird im folgenden Beispiel nur nach jedem 2. Datenzyklus
T_DC in der CPU aufgerufen.
Um den Applikationszyklus für Ihre taktsynchrone Anwendung einzustellen, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Öffnen Sie den Dialog "Eigenschaften" des zu betrachtenden Taktsynchronalarm-OB.
2. Klicken Sie in der Bereichsnavigation auf die Gruppe "Taktsynchronität".
3. Stellen Sie bei "Applikationszyklus (ms)" den Applikationszyklus ein. Öffnen Sie dazu die
Klappliste und wählen Sie den Applikationszyklus aus. Die Klappliste bietet Ihnen als
mögliche Werte für den Applikationszyklus Vielfache des Datenzykluses T_DC an. Im
folgenden Bild ist der Datenzyklus T_DC auf 2 ms eingestellt.

Bild 5-74 Applikationszyklus einstellen

Verzögerungszeit einstellen
Die Verzögerungszeit ist die Zeitspanne zwischen dem Beginn des Sendetakts und dem Start
des Taktsynchronalarm-OB. STEP 7 stellt die Verzögerungszeit per Voreinstellung automatisch
auf den Beginn des Ausführungsfensters ein. Damit fällt die taktsynchrone Aktualisierung des
Teilprozessabbildes automatisch in das Ausführungsfenster des Applikationszyklus.
Sie können die Verzögerungszeit auch manuell einstellen. Eine kürzere Verzögerungszeit
ermöglicht Ihnen eine höhere Bearbeitungszeit für Ihr Anwenderprogramm im
Taktsynchronalarm-OB. Beachten Sie bei der manuellen Einstellung, dass Sie die
Anweisungen "SYNC_PI" und "SYNC_PO" im Ausführungsfenster des Applikationszyklus
aufrufen müssen.
Um die Verzögerungszeit für Ihre taktsynchrone Anwendung einzustellen, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Öffnen Sie den Dialog "Eigenschaften" des zu betrachtenden Taktsynchronalarm-OB.
2. Klicken Sie in der Bereichsnavigation auf die Gruppe "Taktsynchronität".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 229
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

3. Deaktivieren Sie das Kontrollkästchen "Automatische Einstellung".


4. Geben Sie bei "Verzögerungszeit (ms)" Ihre gewünschte Verzögerungszeit ein.

Bild 5-75 Verzögerungszeit einstellen

5.7.5 Taktsynchronität programmieren

[Link] Grundlagen der Programmierung

Programmierung im Taktsynchronalarm-OBs
Sie programmieren den taktsynchronen Programmteil ausschließlich im Taktsynchronalarm-
OB Synchronous Cycle (OB 6x).
Da die Taktsynchronalarme mit hoher Priorität bearbeitet werden, sollten nur die
zeitkritischen Programmteile im Taktsynchronalarm-OB bearbeitet werden. Der
Taktsynchronalarm-OB wird mit der projektierten Verzögerungszeit aufgerufen.

Zugriff auf taktsynchrone Peripherie durch Aufruf von Anweisungen


Auf die taktsynchrone Peripherie greifen Sie über ein Teilprozessabbild zu. D. h., die Adressen
der taktsynchronen Module müssen in einem Teilprozessabbild liegen.
Zugriffe auf die taktsynchrone Peripherie programmieren Sie im Taktsynchronalarm-OB
Synchronous Cycle (OB 6x) mit den Anweisungen SYNC_PI und SYNC_PO.
Die taktsynchrone Peripherie wird durch den Aufruf der Anweisungen "SYNC_PI" und
"SYNC_PO" aktualisiert und damit im entsprechenden Teilprozessabbild.

Hinweis
Empfehlung: Um zu vermeiden, dass zum OB 6x inkonsistente Daten zurückgeliefert werden,
verzichten Sie im Taktsynchronalarm-OB auf die Verwendung der Anweisungen "DPRD_DAT"
und "DPWR_DAT" (direkter Datenzugriff).

Die Anweisungen "SYNC_PI" und "SYNC_PO" aktualisieren das Teilprozessabbild nur im


zulässigen Ausführungsfenster. Das Ausführungsfenster erstreckt sich vom Ende des
zyklischen Datenaustauschs bis zum Zeitpunkt vor Ende von T_DC, zu dem die Ausgänge
noch rechtzeitig kopiert werden können. In diesem Zeitfenster muss der Datenaustausch
begonnen werden. Wenn das Ausführungsfenster durch die Abarbeitung der Anweisungen
"SYNC_PI" und SYNC_PO" verletzt wird, zeigen die Anweisungen eine entsprechende
Fehlermeldung an.

PROFINET mit STEP 7


230 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Modelle der Programmbearbeitung


Je nach Aufrufreihenfolge der Anweisungen "SYNC_PI" und "SYNC_PO" im OB 6x gibt es zwei
grundsätzliche Modelle für die Programmbearbeitung:
• EVA-Modell (Eingänge lesen - Verarbeitung - Ausgänge schreiben)
• AEV-Modell (Ausgänge schreiben - Eingänge lesen - Verarbeitung)

[Link] Programmbearbeitung nach dem EVA-Modell


Wenn die Ausführungszeit des Taktsynchronalarm-OB deutlich kürzer ist als ein Datenzyklus
T_DC, wenden Sie das EVA-Modell an. Beim EVA-Modell untersetzen Sie den Datenzyklus
nicht. D. h., der Applikationszkylus des Taktsynchronalarm-OB ist gleich dem Datenzyklus
T_DC.
Das EVA-Modell ermöglicht kürzeste Reaktionszeiten.

Programmierung nach EVA-Modell im Taktsynchronalarm-OB


Bei Programmierung nach dem EVA-Modell:
1. Rufen Sie die Anweisung SYNC_PI zu Beginn des Taktsynchronalarm-OB auf.
2. Anschließend rufen Sie das eigentliche Anwenderprogramm auf.
3. Rufen Sie die Anweisung SYNC_PO am Ende des Taktsynchronalarm-OB auf.

Tabelle 5- 3 Programmierung nach EVA-Modell

Schritt Aktion Erläuterung


1 Einlesen (E) Die Anweisung SYNC_PI liest die Eingänge des Teilprozessabbilds ein
und stellt sie dem Taktsynchronalarm-OB zur Verfügung.
2 Verarbeiten (V) Sie programmieren das eigentliche Anwenderprogramm des Taktsyn-
chronalarm-OB.
3 Ausgeben (A) Die Anweisung SYNC_PO gibt die über das Anwenderprogramm ver-
änderten Daten über das Teilprozessabbild aus.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 231
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Signalverlauf beim EVA-Modell


Das folgende Bild zeigt den Signalverlauf beim EVA-Modell, von der Erfassung über die
Verarbeitung in der CPU bis zur Ausgabe der Prozesswerte:

① Bearbeitung Taktsynchronalarm-OB
② Anweisung "SYNC_PI"
③ Anweisung "SYNC_PO"
④ taktsynchrones Einlesen der Prozesswerte am Peripheriemodul zum Zeitpunkt TI
⑤ taktsynchrones Ausgeben der Prozesswerte am Peripheriemodul zum Zeitpunkt TO

Bild 5-76 Signalverlauf beim EVA-Modell

Zum Zeitpunkt TI werden die Prozesswerte taktsynchron an der Peripherie eingelesen. Die
Verarbeitung der Daten beim EVA-Modell ist innerhalb eines Datenzyklus T_DC
abgeschlossen. Die Ausgangsdaten stehen immer im nächsten Datenzyklus T_DC zum
Zeitpunkt TO an der Peripherie zur Verfügung.
Mit dem EVA-Modell ergibt sich eine konstante Bearbeitungszeit von der "Eingangsklemme"
zur "Ausgangsklemme" von TI + T_DC + TO.
Als Prozessreaktionszeit kann TI + 2×T_DC + TO sichergestellt werden.

[Link] Programmbearbeitung nach dem AEV-Modell


Das AEV-Modell wenden Sie bei unterschiedlich langen Bearbeitungszeiten des
Taksynchronalarm-OB an, wenn der Applikationszyklus größer als der Datenzyklus T_DC ist.
Der Datenaustausch mit dem Prozess findet beim AEV-Modell immer deterministisch statt,
d.h. zu einem genau festgelegten Zeitpunkt.

PROFINET mit STEP 7


232 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.7 Taktsynchronität

Programmierung nach AEV-Modell im Taktsynchronalarm-OB


Bei Programmierung nach dem AEV-Modell:
1. Rufen Sie die Anweisung SYNC_PO zu Beginn des Taktsynchronalarm-OB auf.
2. Direkt danach rufen Sie die Anweisung SYNC_PI auf.
3. Anschließend rufen Sie das eigentliche Anwenderprogramm auf.
Tabelle 5- 4 Programmierung nach AEV-Modell

Schritt Aktion Erläuterung


1 Ausgeben (A) Die Anweisung SYNC_PO gibt die Daten über die Ausgänge des Teilpro-
zessabbilds aus, die im vorherigen Zyklus über das Anwenderprogramm
verändert wurden.
2 Einlesen (E) Die Anweisung SYNC_PI liest die Eingänge des Teilprozessabbilds des aktu-
ellen Zyklus ein und stellt die Eingänge dem Taktsynchronalarm-OB zur
Verfügung.
3 Verarbeiten (V) Sie programmieren das eigentliche Anwenderprogramm des Taktsyn-
chronalarm-OB.

Signalverlauf beim AEV-Modell


Das folgende Bild zeigt den Signalverlauf beim AEV-Modell von der Erfassung der
Prozesswerte über die Verarbeitung in der CPU bis zur Ausgabe der Prozesswerte. Der
Applikationszyklus ist in diesem Beispiel doppelt so groß wie der Datenzyklus T_DC.

① Bearbeitung Taktsynchronalarm-OB
② Anweisung "SYNC_PI"
③ Anweisung "SYNC_PO"
④ taktsynchrones Einlesen der Prozesswerte am Peripheriemodul zum Zeitpunkt TI
⑤ taktsynchrones Ausgeben der Prozesswerte am Peripheriemodul zum Zeitpunkt TO
Bild 5-77 Signalverlauf beim AEV-Modell

Zum Zeitpunkt TI werden die Prozesswerte taktsynchron an der Peripherie eingelesen. Die
Daten werden beim AEV-Modell über 2 Applikationszyklen verarbeitet. Die Ausgangsdaten
stehen immer zum Zeitpunkt T_DC + TO im folgenden Applikationszyklus an der Peripherie zur
Verfügung.
Mit dem AEV-Modell ergibt sich eine konstante Bearbeitungszeit von der "Eingangsklemme"
zur "Ausgangsklemme" von TI + Applikationszyklus + T_DC + TO.
Als Prozessreaktionszeit kann TI + 2 x Applikationszyklus + T_DC + TO sichergestellt werden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 233
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

5.8 Direkter Datenaustausch

5.8.1 Einleitung
Dieses Kapitel beschreibt die Funktion Direkter Datenaustausch.

Funktionsweise
Ab Firmware-Version V2.8 unterstützt die S7-1500 CPU den direkten Datenaustausch
(Querverkehr) mit anderen S7-1500 CPUs.
Beim direkten Datenaustausch stellt eine S7-1500 CPU einem oder mehreren Partnern
zyklisch Nutzdaten aus dem Perpheriebereich (E/A) zur Verfügung. Der direkte
Datenaustausch basiert auf PROFINET mit IRT und Taktsynchronität.
Die Übertragung erfolgt über Transferbereiche.

Direkter Datenaustausch zwischen 2 S7-1500-CPUs (1:1)


Das folgende Bild zeigt den direkten Datenaustausch zwischen 2 S7-1500 CPUs. Die
Ausgangstransferbereiche der sendenden S7-1500CPU entsprechen den
Eingangstransferbereichen der empfangenden S7-1500-CPU.

① Transferbeziehung zwischen dem Anwenderprogramm und dem Transferbereich. Über diesen Weg tauschen An-
wenderprogramm und Transferbereiche Ein- und Ausgangsdaten aus.
② Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch. Die Kommunikationsbeziehungen projektieren Sie in
STEP 7. In den Eigenschaften der Kommunikationsbeziehungen legen Sie Transferbereiche für den direkten Daten-
austausch an.
Bild 5-78 Direkter Datenaustausch zwischen 2 S7-1500-CPUs (1:1)

PROFINET mit STEP 7


234 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Direkter Datenaustausch mit mehreren Empfängern (1:n)


Das folgende Bild zeigt den direkten Datenaustausch mit mehreren S7-1500-CPUs. Dabei
stellt die sendende S7-1500-CPU die Daten ihrer Ausgangstransferbereiche mehreren
S7-1500-CPUs zur Verfügung. Jede empfangende S7-1500-CPU besitzt eigene
Eingangstransferbereiche.

① Transferbeziehung zwischen dem Anwenderprogramm und dem Transferbereich. Über diesen Weg tauschen An-
wenderprogramm und Transferbereiche Ein- und Ausgangsdaten aus.
② Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch. Die Kommunikationsbeziehungen projektieren Sie in
STEP 7. In den Eigenschaften der Kommunikationsbeziehungen legen Sie Transferbereiche für den direkten Daten-
austausch an.
Bild 5-79 Direkter Datenaustausch mit mehreren Empfängern (1:n)

Anwendungen
• Deterministische, taktsynchrone IO-Kommunikation zwischen mehreren S7-1500 CPUs

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 235
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Eigenschaften des direkten Datenaustauschs


• Immer taktsynchron
• Unterstützung von MRPD bei MRP-Projektierung
• Kein azyklischer Datenaustausch über PROFINET-Datensatz-Mechanismen
• Keine PROFINET-Alarme
• Mengengerüste:
– Maximale Datenlänge für direkten Datenaustausch: 3075 byte inklusive
Nutzdatenbegleiter
– Maximale Datenlänge für einen Transferbereich: 1024 byte ohne Nutzdatenbegleiter
– Maximale Anzahl Transferbereiche Sender: 128
– Maximale Anzahl Transferbereiche Empfänger: 512, verteilt auf maximal 64
empfangbare PROFINET-Frames und damit bis zu 64 Sender-CPUs

Diagnosemöglichkeiten des Empfängers


Betriebszustandswechsel des Senders:
• Wenn der Sender von RUN in STOP geht, verhält sich der Empfänger wie folgt:
– Die Anweisungen "SYNC_PI" und "SYNC_PO" geben bei Synchronisierung des
Prozessabbilds im Parameter RET_VAL eine Fehlermeldung zurück.
– Bei direktem Peripheriezugriff auf die Eingangstransferbereiche des direkten
Datenaustauschs wird der OB 122 "Peripheriezugriffsfehler" aufgerufen, falls
vorhanden.
– Kommende Diagnosemeldung "I/O-Datenausfall in Hardware-Komponente"
• Wenn der Sender von STOP in RUN geht, verhält sich der Empfänger wie folgt:
– Aufruf von OB 83 "Ziehen/Stecken" für Eingangstransferbereiche des direkten
Datenaustauschs
– Bis zum Aufruf des OB 83 wird der OB 122 aufgerufen, falls vorhanden.
– Gehende Diagnosemeldung "I/O-Datenausfall in Hardware-Komponente"
Stationsausfall/Stationswiederkehr des Senders:
• Wenn der Sender ausfällt, z. B. durch Busunterbrechung, verhält sich der Empfänger wie
folgt:
– Aufruf von OB 86 "Baugruppenträgerausfall"
– Die Anweisungen "SYNC_PI" und "SYNC_PO" geben bei Synchronisierung des
Prozessabbilds im Parameter RET_VAL eine Fehlermeldung zurück.
– Bei direktem Peripheriezugriff auf die Eingangstransferbereiche des direkten
Datenaustauschs wird der OB 122 "Peripheriezugriffsfehler" aufgerufen, falls
vorhanden.
• Wenn der Sender nach Stationsausfall wiederkehrt, z. B. weil die Busverbindung
wiederhergestellt ist, verhält sich der Empfänger wie folgt:
– Aufruf von OB 86 "Baugruppenträgerausfall"

PROFINET mit STEP 7


236 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

5.8.2 Direkten Datenaustausch zwischen 2 S7-1500 CPUs projektieren


Im Folgenden ist beschrieben, wie Sie den direkten Datenaustausch zwischen 2
IO-Controllern projektieren.
Zuerst legen Sie die Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch an. Danach
projektieren Sie Transferbereiche für die Verbindung.

Voraussetzungen
• STEP 7 ab V16
• 2 S7-1500-CPUs ab Firmware-Version V2.8
• IRT ist projektiert:
– Beide CPUs befinden sich in einer Sync-Domain.
– Eine CPU ist Sync-Master, die andere CPU ist Sync-Slave.
– Ports sind verschaltet.

Kommunikationsbeziehung für direkten Datenaustausch einrichten


Um die Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch zwischen 2
S7-1500 CPUs einzurichten, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie die PROFINET-Schnittstelle X1 der sendenden S7-1500 CPU.
2. Wechseln Sie in die tabellarische Ansicht der Netzsicht, Register "E/A-Kommunikation".
In der Spalte "Partner 1" wird die PROFINET-Schnittestelle X1 der CPU angezeigt.
3. Wählen Sie in der Spalte "Partner 2" bei "<Gerät hier loslassen oder auswählen>" in der
Klappliste als Verbindungspartner die PROFINET-Schnittstelle des Kommunikationspartners
aus.
Beachten Sie die Kommunikationssrichtung:
– ←: Kommunikationspartner ist Sender
– →: Kommunikationspartner ist Empfänger
Die Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch zwischen den beiden
S7-1500 CPUs ist eingerichtet.

Bild 5-80 Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 237
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Transferbereiche für direkten Datenaustausch projektieren


Um einen Transferbereich für den direkten Datenaustausch zu projektieren, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie die Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch.

Bild 5-81 Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch

2. Navigieren Sie in die Eigenschaften der Kommunikationsbeziehung zu "Allgemein" >


"Direkter Datenaustausch" > "Transferbereiche".
3. Legen Sie einen neuen Transferbereich an, indem Sie auf "<Neu hinzufügen>"
doppelklicken. Vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen für den Transferbereich.
Ein Transferbereich für den direkten Datenaustausch ist angelegt.

Bild 5-82 Transferbereich für den direkten Datenaustausch

Die Kommunikationsrichtung des Transferbereichs ist festgelegt durch die


Kommunikationsbeziehung. Die Kommunikationsrichtung des Transferbereichs können Sie
nicht ändern.

PROFINET mit STEP 7


238 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Transferbereich bearbeiten
Stellen Sie die Eigenschaften des Transferbereichs unter "Allgemein" > "Direkter
Datenaustausch" > "Name des Transferbereichs" > "Detail des Transferbereichs" ein.

Bild 5-83 Eigenschaften des Transferbereichs

Tabelle 5- 5 Überblick über die Einstellungen der Transferbereiche

Parameter Lokal Partner


Anfangsadresse Stellen Sie die Anfangsadresse der Eingangs- Stellen Sie die Anfangsadresse der Eingangs- bzw.
bzw. Ausgangstransferbereiche in der loka- Ausgangstransferbereiche in der Partner-CPU ein.
len CPU ein.
Organisationsbaustein Ordnen Sie den Transferbereich einen Takt- Ordnen Sie den Transferbereich einen Taktsyn-
synchronalarm-OB oder dem OB "MC Servo" chronalarm-OB oder dem OB "MC Servo" zu.
zu.
Prozessabbild Wählen Sie ein Teilprozessabbild aus, z. B. Wählen Sie ein Teilprozessabbild aus, z. B. TPA 1.
TPA 1. Wenn Sie als Organisationsbaustein den
Wenn Sie als Organisationsbaustein den "MC-Servo" zugewiesen haben, dann stellt STEP 7
"MC-Servo" zugewiesen haben, dann stellt automatisch "TPA OB Servo" als Prozessabbild ein.
STEP 7 automatisch "TPA OB Servo" als Pro-
zessabbild ein.
Datenlänge [Byte] Stellen Sie die Größe des Transferbereichs -
ein.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 239
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Projektierung in Geräte laden


Regeln:
• Laden Sie die Projektierung in alle beteiligten CPUs.
• Wenn Sie Änderungen an der Projektierung des direkten Datenaustauschs vornehmen,
laden Sie die diese Änderungen in alle beteiligten CPUs.

5.8.3 Direkten Datenaustausch zwischen mehreren IO-Controllern projektieren


Im Folgenden ist beschrieben, wie Sie den direkten Datenaustausch zwischen zwischen
mehreren S7-1500 CPUs projektieren.
Zuerst richten Sie die Kommunikationsbeziehungen für den direkten Datenaustausch ein.
Danach projektieren Sie Transferbereiche für die Kommunikationsbeziehungen.

Voraussetzungen
• STEP 7 ab V16
• S7-1500-CPUs ab Firmware-Version V2.8
• IRT ist projektiert:
– Alle CPUs befinden sich in einer Sync-Domain.
– Eine CPU ist Sync-Master, die anderen CPUs sind Sync-Slave.
– Ports sind verschaltet.

Kommunikationsbeziehungen für direkten Datenaustausch einrichten


Um die Verbindung für den direkten Datenaustausch zwischen mehreren S7-1500 CPUs
einzurichten, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie die PROFINET-Schnittstelle X1 der sendenden CPU.
2. Wechseln Sie in die tabellarische Ansicht der Netzsicht, Register "E/A-Kommunikation".
In der Spalte "Partner 1" wird die PROFINET-Schnittstelle X1 der CPU angezeigt.
3. Wählen Sie in der Spalte "Partner 2" bei "<Gerät hier loslassen oder auswählen>" in der
Klappliste als die PROFINET-Schnittstelle des Kommunikationspartners aus.
Beachten Sie die Übertragungsrichtung:
– ←: Verbindungspartner ist Sender
– →: Verbindungspartner ist Empfänger
Die Verbindung für den direkten Datenaustausch zwischen den beiden S7-1500 CPUs ist
eingerichtet.
4. Wiederholen Sie Schritt 3 für jeden weiteren empfangenden IO-Controller.

PROFINET mit STEP 7


240 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Die Verbindungen für den direkten Datenaustausch zwischen der sendenden CPU und den
empfangenden CPUs sind eingerichtet

Bild 5-84 Verbindung für direkter Datenaustausch mit mehreren S7-1500 CPUs

Transferbereiche für direkten Datenaustausch projektieren


Die folgende Grafik zeigt die Reihenfolge bei einer Projektierung der Transferbereiche.

① Zuerst projektieren Sie den Transferbereich zwischen dem Sender und einem Empfänger. Diesen Transferbereich
projektieren Sie an der PROFINET-Schnittstelle des Senders.
② Danach projektieren Sie die Transferbereiche zwischen dem Sender und den weiteren Empfängern. Diese Transfer-
bereiche projektieren Sie an den PROFINET-Schnittstellen der Empfänger.
Bild 5-85 Reihenfolge Projektierung Transferbereiche bei mehreren Empfängern

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 241
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Um einen Transferbereich für den direkten Datenaustausch zu projektieren, gehen Sie


folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie die PROFINET-Schnittstelle X1 der sendenden CPU und wechseln Sie in die
tabellarische Ansicht, Register "E/A-Kommunikation".
2. Selektieren in der tabellarischen Ansicht der Netzsicht eine Kommunikationsbeziehung für
den direkten Datenaustausch zwischen Sender und Empfänger 1.
3. Navigieren Sie in die Eigenschaften der E/A-Verbindung zu "Allgemein" > "Direkter
Datenaustausch" > "Transferbereiche".
4. Legen Sie einen neuen Transferbereich an, indem Sie auf "<Neu hinzufügen>"
doppelklicken. Vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen für den Transferbereich.
Ein Transferbereich für den direkten Datenaustausch zwischen Sender und Empfänger 1
ist projektiert.

Bild 5-86 Transferbereich für den direkten Datenaustausch

5. Selektieren Sie jetzt die PROFINET-Schnittstelle eines Empfängers, zu dem noch kein
Transferbereich eingerichtet ist, z. B. Empfänger 2.
6. Wechseln Sie in die tabellarische Ansicht der Netzsicht zu "E/A-Kommunikation"
Die Kommunikationsbeziehung für den direkten Datenaustausch mit dem Sender wird
angezeigt.

Bild 5-87 Vebindung für direkten Datenaustausch im Empfänger 2

PROFINET mit STEP 7


242 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

7. Selektieren Sie die Kommunikationsbeziehung.


8. Navigieren Sie in die Eigenschaften zu "Allgemein" > "Direkter Datenaustausch" >
"Transferbereiche".
9. Legen Sie einen neuen Transferbereich an, indem Sie auf "<Neu hinzufügen>"
doppelklicken. Vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen für den Transferbereich.
Ein Transferbereich für den direkten Datenaustausch ist projektiert.
[Link] Sie den Transferbereich.
11.Wählen Sie bei "Adresse des Partners" als Ausgangstransferbereich den bestehenden
Adressbereich im Sender aus.

Bild 5-88 Transferbereich für den direkten Datenaustausch mehrere IO-Controller

Ein Transferbereich für den direkten Datenaustausch zwischen Empfänger 2 und Sender
ist projektiert.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 243
Funktionen
5.8 Direkter Datenaustausch

Transferbereich bearbeiten
Stellen Sie die Eigenschaften des Transferbereichs unter "Allgemein" > "Direkter
Datenaustausch" > "Name des Transferbereichs" > "Detail des Transferbereichs" ein.

Bild 5-89 Eigenschaften des Transferbereichs

Tabelle 5- 6 Überblick über die Einstellungen der Transferbereiche

Parameter Lokal Partner


Anfangsadresse Stellen Sie die Anfangsadresse der Eingangs- Stellen Sie die Anfangsadresse der Eingangs- bzw.
bzw. Ausgangstransferbereiche in der lokalen Ausgangstransferbereiche in der Partner-CPU ein.
CPU ein.
Organisationsbau- Ordnen Sie den Transferbereich einen Taktsyn- Ordnen Sie den Transferbereich einen Taktsyn-
stein chronalarm-OB oder dem OB "MC Servo" zu. chronalarm-OB oder dem OB "MC Servo" zu.
Prozessabbild Wählen Sie ein Teilprozessabbild aus, z. B. TPA Wählen Sie ein Teilprozessabbild aus, z. B. TPA 1.
1. Wenn Sie als Organisationsbaustein den
Wenn Sie als Organisationsbaustein den "MC-Servo" zugewiesen haben, dann stellt STEP 7
"MC-Servo" zugewiesen haben, dann stellt automatisch "TPA OB Servo" als Prozessabbild ein.
STEP 7 automatisch "TPA OB Servo" als Prozess-
abbild ein.
Datenlänge [Byte] Stellen Sie die Größe des Transferbereichs ein. -

PROFINET mit STEP 7


244 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Projektierung in Gerät laden


Regeln:
• Laden Sie die Projektierung in alle beteiligten CPUs.
• Wenn Sie Änderungen an der Projektierung des direkten Datenaustauschs vornehmen,
laden Sie die diese Änderungen in alle beteiligten CPUs.

5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Definition
IO-Devices, die keinen Schacht für ein Wechselmedium besitzen (z. B. ET 200SP, ET 200MP)
bzw. die die PROFINET-Funktionalität Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG unterstützen,
können getauscht werden, ohne dass ein Wechselmedium mit gespeichertem Gerätenamen
gesteckt sein muss bzw. ohne dass der Gerätename mit dem PG zugewiesen werden muss.
Das eingewechselte IO-Device erhält den Gerätenamen nicht mehr vom Wechselmedium
oder vom PG, sondern vom IO-Controller.
Der IO-Controller verwendet zur Vergabe des Gerätenamens die projektierte Topologie und
die von den IO-Devices ermittelten Nachbarschaftsbeziehungen.

Bild 5-90 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Hinweis
Beachten Sie beim Austausch eines Geräts, dass Sie die PROFINET-Kabel wieder in die
richtigen Ports stecken, so wie es in STEP 7 projektiert ist.
Andernfalls können die Gerätenamen falsch zugewiesen werden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 245
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Vorteile
Mit der PROFINET-Funktionalität Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG profitieren Sie von
folgenden Vorteilen:
• Nach dem Tausch des IO-Devices bezieht es dessen Gerätenamen automatisch vom
IO-Controller. Sie müssen keinen Gerätenamen mehr mit dem PG oder einem
Wechselmedium vergeben.
• Sie sparen sich das Speichermedium für das eingewechselte IO-Device.
• Einfache Gerätenamensvergabe bei Serienmaschinen mit gleicher Konfiguration und
Solltopologie. Die händische Zuweisung der Gerätenamen über ein Wechselmedium/PG
entfällt.

Welche Geräte unterstützen Gerätetausch ohne Wechselmedium?


Eine Übersicht, welche Geräte die Funktion "Gerätetausch ohne Wechselmedium
unterstützen, finden Sie in diesem FAQ
([Link]

5.9.1 Funktion Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG

Nachbarschaft
Nachbarschaft bezeichnet die physikalische Beziehung zwischen zwei Ports benachbarter
PROFINET-Geräte. Ein PROFINET-Gerät ist dabei über einen seiner Ports über eine
physikalische Ethernetstrecke mit einem bestimmten Port des zweiten PROFINET-Geräts in
direkter Nachbarschaft (Nachbar) verbunden.
Als PROFINET-Gerät werden sowohl Endgeräte wie z. B. IO-Controller und IO-Devices mit
einem Port bezeichnet als auch Netzwerkkomponenten wie z. B. Switches, IO-Controller und
IO-Devices mit mehreren Ports.

PROFINET mit STEP 7


246 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Ausfall und Tausch eines IO-Devices


Im folgenden Beispiel wird der Gerätetausch ohne Wechselmedium bei einem Ausfall eines
IO-Devices erläutert.

Bild 5-91 Beispielkonfiguration Gerätetausch ohne Wechselmedium

Dem IO-Controller liegen für den Gerätetausch folgende Informationen vor:

PROFINET-Gerät Geräte-Aliasname
Steuerung "[Link]"
Switch "[Link]", "[Link]", "[Link]"
Presse "[Link]", "port-001.Mühle"
Mühle "[Link]"
Pumpe "[Link]"

In diesem Beispiel fällt das IO-Device mit dem Gerätenamen "Mühle" aus:

Voraussetzung
Das eingewechselte PROFINET-Gerät hat keinen Gerätenamen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 247
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Prinzip der Namensvergabe


Betrachtet wird der Ausfall des IO-Devices "Mühle".
1. Der IO-Controller fragt den Gerätenamen des getauschten IO-Devices ab.
2. Der IO-Controller erkennt, dass das IO-Device mit dem Geräte-Aliasnamen "[Link]"
keinen Gerätenamen besitzt.
3. Der IO-Controller vergibt über den Geräte-Aliasnamen "[Link]" des ausgefallenen
IO-Devices dem eingetauschten IO-Device den Gerätenamen "Mühle".

Hinweis
Wenn Sie ein Gerät mit der PROFINET-Funktionalität Gerätetausch ohne
Wechselmedium/PG an eine andere Stelle stecken als der Projektierung, dann wird dem
Gerät ein anderer Gerätenamen zugewiesen.
Versetzen Sie ein falsch gestecktes Gerät in den Auslieferungszustand, bevor Sie es
wiederverwenden.

5.9.2 Austausch eines IO-Devices ohne Wechselmedium

Einleitung
Der Austausch von IO-Devices kann in Automatisierungssystemen unter Umständen nötig
sein. Üblicherweise wird den IO-Devices entweder über das Stecken eines Wechselmediums
oder über das PG ein Gerätename zugewiesen. Die CPU identifiziert das IO-Device über diesen
Gerätenamen.
Der Austausch eines IO-Devices kann unter bestimmten Voraussetzungen ohne das Stecken
eines Wechselmediums oder ohne PG durchgeführt werden.

PROFINET mit STEP 7


248 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Voraussetzungen
• Die Topologie des PROFINET IO-Systems mit den betreffenden IO-Devices muss projektiert
sein.
Durch die Projektierung der Topologie werden dem PROFINET IO-System bzw. dem
IO-Controller die Nachbarschaftsbeziehungen aller im PROFINET IO-System befindlichen
PROFINET-Geräte bekannt gegeben. Aus den durch die Solltopologie vorgegebenen
Nachbarschaftsbeziehungen und den durch die realen PROFINET-Geräte ermittelten
tatsächlichen Nachbarschaftsbeziehungen kann der IO-Controller das eingetauschte
IO-Device ohne Namen identifizieren und ihm den projektierten Namen und die IP-Adresse
zuweisen und es anschließend wieder in den Nutzdatenverkehr aufnehmen.
• Die beteiligten IO-Devices des Automatisierungssystems müssen den Gerätetausch ohne
Wechselmedium unterstützen.
Wenn einzelne IO-Devices des Automatisierungssystems den Gerätetausch ohne
Wechselmedium nicht unterstützen, wird für das IO-Device eine entsprechende Meldung
ausgegeben.

Hinweis
Verwenden Sie als Austauschgeräte nur neue IO-Devices oder versetzen Sie bereits
parametrierte IO-Devices zuvor in den Auslieferungszustand.

Gerätetausch ohne Wechselmedium aktivieren/deaktivieren


Die Funktion Gerätetausch ohne Wechselmedium ist per Voreinstellung im IO-Controller
aktiviert.
Um den Gerätetausch ohne Wechselmedium zu deaktivieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie in der Geräte- oder Netzsicht von STEP 7 die PROFINET-Schnittstelle des
entsprechenden IO-Controllers.
2. Deaktivieren Sie in den Eigenschaften der Schnittstelle unter "Erweiterte Optionen >
Schnittstellen-Optionen" das Optionskästchen "Gerätetausch ohne Wechselmedium
ermöglichen".
Um den Gerätetausch ohne Wechselmedium wieder zu aktivieren, müssen Sie das
Optionskästchen "Gerätetausch ohne Wechselmedium ermöglichen" aktivieren.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 249
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

5.9.3 Überschreiben des PROFINET-Gerätenamens erlauben


Mit der Option "Überschreiben der PROFINET-Gerätenamen aller zugeordneten IO-Devices
erlauben" haben Sie die Möglichkeit, PROFINET-Gerätenamen von IO-Devices zu
überschreiben. Diese Option reduziert z. B. bei der automatischen Inbetriebnahme Ihren
Aufwand bei Austausch eines Geräts.

Voraussetzung
• IO-Controller unterstützt die Option "Überschreiben der Gerätenamen aller zugeordneten
IO-Devices erlauben", z. B. CPU 1215C DC/DC/DC ab Firmwarestand V4.0

Wirkungsweise der Option "Überschreiben der PROFINET-Gerätenamen aller zugeordneten


IO-Devices erlauben"
Bei aktivierter Option "Überschreiben der PROFINET-Gerätenamen aller zugeordneten
IO-Devices erlauben" kann der IO-Controller (CPU) die PROFINET-Gerätenamen der IO-Devices
im IO-System überschreiben.
Mehrfach einsetzbare IO-Systeme können nur mit aktivierter Option betrieben werden. Der
IO-Controller prüft vor dem Überschreiben, ob der Typ des IO-Devices mit dem projektierten
Typ übereinstimmt.
Wenn die Option nicht aktiviert ist, dann kann der IO-Controller die Gerätenamen der
IO-Devices nicht überschreiben. In diesem Fall müssen Sie z. B. nach einer Änderung eines
PROFINET-Gerätenamens in der Projektierung oder im Fall eines Gerätetausches den
PROFINET-Gerätenamen am IO-Device manuell zuweisen oder vor einer automatischen
Inbetriebnahme den Gerätenamen der IO-Devices löschen.

Verhalten bei Inbetriebnahme


Aktivieren Sie die Option "Überschreiben der PROFINET-Gerätenamen aller zugeordneten
IO-Devices erlauben" nur dann, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
• Alle projektierten IO-Devices sind vorhanden.
• Alle IO-Devices sind gemäß der Topologieprojektierung richtig verdrahtet.
• Kein IO-Device ist überbrückt.
Wenn projektierte IO-Devices fehlen bzw. überbrück sind (Teilinbetriebnahme), verwenden
Sie die Option nicht.

PROFINET mit STEP 7


250 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Sie können die Option auch für Serienmaschinenprojekte verwenden, bei denen Sie die
Konfiguration über ReconfigIOSystem nachträglich anpassen. Beachten Sie, daß dabei immer
diejenige Konfiguration gültig ist, die im Steuerdatensatz über die Anweisung
ReconfigIOSystem Mode:=2 in den IO-Controller übertragen wurde. Sobald Sie Sie
Umkonfiguration mit ReconfigIOSystem Mode:=3 aktivieren, werden die
PROFINET-Gerätenamen überschrieben wie im Datensatz festgelegt.

VORSICHT
Fehler bei Teilinbetriebnahme
Werden bei einer Teilinbetriebnahme oder Falschverdrahtung Gerätenamen falsch
zugewiesen, so müssen sie diese nach einer Korrektur der Verdrahtung von Hand löschen,
um eine korrekte Vergabe zu erreichen.

Verhalten im Betrieb
Sobald Sie ein Gerät austauschen, wird das neue Gerät mit dem projektierten
PROFINET-Gerätenamen überschrieben.
Der PROFINET-Gerätename wird nicht überschrieben, wenn die MAC-Adresse des IO-Devices
bereits aktiv im Projekt verwendet wird.

WARNUNG
Falscher PROFINET-Gerätename
Wenn die Option "Überschreiben der PROFINET-Gerätenamen aller zugeordneten IO-Devices
erlauben" aktiviert ist, können falsch angeschlossene Geräte einen falschen PROFINET-
Gerätenamen aus der Projektierung erhalten.
Je nach angeschlossener Peripherie droht Lebensgefahr, schwere Verletzungsgefahr oder
Sachschaden durch Fehlfunktionen.
Um eine Gefährdung auszuschließen, prüfen Sie in jedem Fall bei einem Gerätetausch, ob
das passende Ersatzgerät angeschlossen und die Portverschaltung der projektierten Soll-
Topologie entspricht!

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 251
Funktionen
5.9 Gerätetausch ohne Wechselmedium

Typische Gefahrenquelle
Beim Austausch eines IO-Devices ("Normalfall") ist weitgehend sichergestellt, dass das
ausgetauschte Gerät entsprechend der projektierten Portverschaltung angeschlossen wird.
Im folgenden Bild ist der Fall dargestellt, wie die Anschlüsse zweier identisch aufgebauter
PROFINET-Stränge an zwei Switchports vertauscht werden. Da der IO-Controller die
Gerätenamen entsprechend der Soll-Topologie zuweist, hat der falsche Anschluss der Geräte
gravierende Auswirkungen auf die Namensvergabe!
Durch die Ansteuerung unterschiedlicher Aktoren können in diesem Fall Gefahren von Anlage
ausgehen.

① Switch mit angeschlossenen PROFINET-Strängen


② Gerät A, Gerätename “IOD-1”: steuert Motor 1
③ Gerät B, Gerätename “IOD-10”: steuert Motor 10
④ Gerät A steuert Motor 10!
⑤ Gerät B steuert Motor 1!

PROFINET mit STEP 7


252 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Vorgehen
Um die Option "Überschreiben der PROFINET-Gerätenamen aller zugeordneten IO-Devices
erlauben" zu ändern, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Markieren Sie in der Netzsicht oder in der Gerätesicht die PROFINET-Schnittstelle der CPU, für
die Sie die Option ändern wollen.
2. Wählen Sie den Bereich "Erweiterte Optionen", Abschnitt "Schnittstellen-Optionen".
3. Ändern Sie die Option.

5.10 Serienmaschinen-Projekte

Einleitung
Serienmaschinen-Projekte sind STEP 7-Projekte, die ein Set von innovativen Funktionen
nutzen, um flexible Automatisierungslösungen für Serienmaschinen bzw. für modular
aufgebaute Maschinen einfach projektieren und in Betrieb nehmen zu können.
Eine Hardware-Konfiguration, bestehend aus einem IO-Controller und aus beliebigen
angeschlossenen IO-Devices, repräsentiert dabei einen „PROFINET IO-System-Master“. Dieser
Master ist mit einer Maximalkonfiguration projektiert im Sinne einer Vorlage, aus der sich
unterschiedliche Optionen ableiten lassen für unterschiedliche Serienmaschinen mit z. B.
verschiedenen Aufbauvarianten des IO-Systems.

Flexibilisierung auf allen Ebenen


Serienmaschinen-Projekte besitzen folgende zentrale Merkmale:
• Aus genau einem Projekt mit projektierter Maximalkonfiguration lassen sich verschiedene
Varianten einer Serienmaschine (IO-System-Optionen) laden. Das Serienmaschinen-
Projekt deckt alle Varianten (Optionen) des IO-Systems ab.
• Eine IO-System-Option lässt sich vor Ort mit einfachen Mitteln in ein bestehendes
Netzwerk einbinden.
Flexibilität ist in mehrfacher Hinsicht gegeben:
• Durch entsprechende Projektierung ist eine Anpassung der IP-Adressparameter des
IO-Controllers vor Ort mit einfachen Tools möglich. Auf diese Weise lässt sich eine
Serienmaschine aufwandsarm in unterschiedliche Anlagen integrieren oder mehrfach in
einem Netzwerk einbinden.
IO-Systeme mit dieser Eigenschaft bezeichnen wir als mehrfach einsetzbare IO-Systeme.
• Durch entsprechende Projektierung und Programmierung lassen sich vor Ort
unterschiedlich aufgebaute IO-System-Optionen betreiben, die sich hinsichtlich der
Auswahl eingesetzter IO-Devices oder hinsichtlich der Anordnung der IO-Devices
unterscheiden.
Da die konkrete Konfiguration des IO-Systems über das Anwenderprogramm gesteuert
wird, bezeichnen wir dies als Konfigurationssteuerung für IO-Systeme.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 253
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

• Unabhängig von den oben beschriebenen Funktionen können Sie durch entsprechende
Projektierung und Programmierung in einem einzigen Projekt unterschiedliche
Stationsoptionen von Zentralgeräten bzw. von dezentralen Peripheriegeräten betreiben.
Die Geräte dürfen sich hinsichtlich der Auswahl und Anordnung der Module
unterscheiden.
Da die konkrete Konfiguration der Station über das Anwenderprogramm gesteuert wird,
bezeichnen wir dies auch als Konfigurationssteuerung auf Device-Ebene.

Anwendungsbeispiele
Anwendungsbeispiele zu Konfigurationssteuerung auf Device-Ebene,
Konfigurationssteuerung für IO-Systeme und mehrfach einsetzbare IO-Systeme finden Sie im
Internet ([Link]

Weitere Informationen
Weitere Informationen zu mehrfach einsetzbaren IO-Systemen finden Sie im Kapitel
Mehrfach einsetzbare IO-Systeme (Seite 254).
Weitere Informationen zur Konfigurationssteuerung für IO-Systeme finden Sie im Kapitel
Konfigurationssteuerung für IO-Systeme (Seite 264).
Weitere Informationen zur Konfigurationssteuerung finden Sie im Systemhandbuch S7-1500,
ET 200MP ([Link]

5.10.1 Mehrfach einsetzbare IO-Systeme

[Link] Wissenswertes zu mehrfach einsetzbaren IO-Systemen

Mehrfach einsetzbare Automatisierungslösungen


Für eine flexibel nutzbare Automatisierungslösung, wie das bei Serienmaschinen der Fall ist,
gibt es folgende typische Anwendungsfälle:
• Die Maschine (und damit das PROFINET IO-System) wird bei Kunden mehrfach eingesetzt.
• Die Maschine wird in verschiedenen Anlagen bei verschiedenen Kunden eingesetzt.
Dazu muss die Automatisierungslösung folgenden Anforderungen genügen:
• Ein Projekt (Konfiguration und Programm) lässt sich ohne Änderungen auf verschiedene
Maschinen gleichen Typs laden.
• Um die Maschine in eine bestehende Netzwerk-Infrastruktur einzubinden, sind vor Ort nur
wenige aufwandsarme Anpassungen notwendig.

PROFINET mit STEP 7


254 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Das folgende Bild zeigt, wie eine Automatisierungslösung mit mehrfach einsetzbarem
IO-System in verschiedene Automatisierungssysteme geladen wird und anschließend ein
Automatisierungssystem vor Ort an die bestehende Netzinfrastruktur angepasst wird.

① Konfiguration mit mehrfach einsetzbarem IO-System laden


② IP-Adresse und Gerätename vor Ort am IO-Controller einstellen
Bild 5-92 Prinzip "Mehrfach einsetzbares IO-System"

Prinzip
Die Automatisierungskomponenten für eine Maschine umfassen ein PROFINET IO-System,
bestehend aus einem IO-Controller (PROFINET-Schnittstelle einer CPU) und den ihm
zugeordneten IO-Devices.
Mit der Einstellung "Mehrfach einsetzbares IO-System" am IO-System machen Sie ein
STEP 7-Projekt zu einem "Serienmaschinen-Projekt".
Die Einstellung "Mehrfach einsetzbares IO-System" bewirkt, dass STEP 7 verschiedene
Einstellungen und Prüfungen der Konfiguration vornimmt. Diese Einstellungen sorgen dafür,
dass das IO-System in sich geschlossen ist und keine Abhängigkeiten zu Komponenten
außerhalb des IO-Systems vorhanden sind.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 255
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Voraussetzung
• STEP 7 ab V13
• IO-Controller unterstützt die Funktion "Mehrfach einsetzbares IO-System", z. B. eine CPU
1512SP-1 PN ab Firmwarestand V1.6

Regeln
Folgende Regeln gelten für ein mehrfach einsetzbares IO-System:
• Kein IO-Device darf als Shared Device konfiguriert sein.
• Die Ports der Geräte müssen verschaltet sein.
Geräte, für die keine Portverschaltung projektiert ist, z. B. das Interfacemodul
IM 154-6 IWLAN (ET 200pro PN), sind mit STEP 7 V13 nicht als IO-Device am mehrfach
einsetzbaren IO-System betreibbar.
• Wenn ein IO-Device am mehrfach einsetzbaren IO-System ein I-Device ist (CPU als
"intelligentes" IO-Device):
– Wenn das I-Device ein untergeordnetes IO-System hat, dann darf dieses I-Device nicht
an derselben PROFINET-Schnittstelle angeschlossen sein wie der übergeordnete
IO-Controller.
Hinweis: Wenn das I-Device über eine PROFINET-GSD projektiert ist, kann STEP 7 nicht
die Einhaltung dieser Regel prüfen! In diesem Fall müssen Sie selber auf die Einhaltung
dieser Regel achten.

① I-Device am mehrfach einsetzbaren IO-System. Die PROFINET-Schnittstelle wird als IO-Device betrieben. Hier ist kein
weiteres IO-System angeschlossen.
② Ein untergeordnetes IO-System am I-Device ist an einer weiteren PROFINET-Schnittstelle angeschlossen.
Bild 5-93 Beispielkonfiguration für "Mehrfach einsetzbares IO-System" mit I-Device

PROFINET mit STEP 7


256 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

– Die PROFINET-Schnittstelle des I-Devices muss eingestellt sein auf "Parametrierung der
PN-Schnittstelle durch übergeordneten Controller".
• Wenn MRP (Media Redundancy Protocol) konfiguriert ist:
– Alle IO-Devices am mehrfach einsetzbaren IO-System müssen derselben MRP-Domain
angehören.
• Wenn IRT (Isochronous Real Time) konfiguriert ist:
– Alle IO-Devices am mehrfach einsetzbaren IO-System müssen derselben Sync-Domain
angehören.
– Die Sync-Domain darf keine weiteren IO-Devices enthalten.
• IE/PB Links sind mit STEP 7 V13 nicht als IO-Device am mehrfach einsetzbaren IO-System
betreibbar.

Projektierung
Ob eine Konfiguration mehrfach einsetzbar ist, legen Sie in den Eigenschaften des IO-Systems
fest.
Alle weiteren Parametereinstellungen an den projektierten Geräten werden daraufhin von
STEP 7 automatisch gesetzt und beim Übersetzen geprüft.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 257
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Randbedingungen
Um zu verhindern, dass ein Serienmaschinen-Projekt Abhängigkeiten zu anderen Geräten
außerhalb der Maschine hat, beachten Sie Folgendes:
• Ein Serienmaschinen-Projekt besteht aus einem IO-Controller und den zugehörigen
IO-Devices. Konfigurieren Sie daher im Serienmaschinen-Projekt nur eine CPU als
IO-Controller und die zugehörigen IO-Devices.
• Nutzen Sie für die Kommunikation keine zweiseitigen Verbindungen, sondern nur
einseitige Verbindungen bzw. unspezifizierte Verbindungen, wenn erforderlich.
Hintergrund: Für die Projektierung der Kommunikation in einem STEP 7-Projekt bietet es
sich grundsätzlich an, die IP-Adressparameter im Projekt einzustellen. Diese
Vorgehensweise ist aber für mehrfach einsetzbare IO-Systeme nicht möglich, da die
IP-Adressparameter vom IO-Controller und von den zugeordneten IO-Devices erst vor Ort
zugewiesen werden. Zum Zeitpunkt der Projektierung sind die IP-Adressparameter also
unbekannt.
Wenn Sie trotzdem Kommunikation zu Geräten am PROFINET projektieren wollen, z. B. zu
einem zentralen Koordinator, dann können Sie nur solche Kommunikationsmechanismen
verwenden, die eine dynamische Vergabe der IP-Adressparameter im Anwenderprogramm
zulassen.
Beispiel: Open User Communication
Wenn das Gerät z. B. als aktiver Endpunkt (Initiator der Verbindung) projektiert ist, lassen
sich die IP-Adressparameter z. B. in einem Datenbaustein halten. Erst zum Zeitpunkt der
Inbetriebnahme versorgen Sie den Datenbaustein mit den aktuell gültigen IP-
Adressparametern. Für diese dynamische Art der IP-Adressparametrierung gibt es keine
Systemunterstützung, d. h. wenn Sie die Konfiguration des Systems ändern, werden die
IP-Adressparameter nicht automatisch angepasst.
Die Beschreibung zur Handhabung von Anweisungen zur Open User Communication
finden Sie unter diesem Stichwort in der Online-Hilfe von STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


258 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

[Link] Mehrfach einsetzbare IO-Systeme konfigurieren

Voraussetzung
• STEP 7 ab V13
• IO-Controller unterstützt die Funktion "Mehrfach einsetzbares IO-System", z. B. eine
CPU 1512SP-1 PN ab Firmwarestand V1.6

Vorgehen
Im Folgenden wird die Konfiguration einer Serienmaschine am Beispiel einer S7-1500-CPU
beschrieben.
Um ein Serienmaschinen-Projekt zu erstellen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Legen Sie ein Projekt an.
2. Konfigurieren Sie eine CPU als IO-Controller, z. B. eine CPU 1518-4 PN/DP ab Firmware-
Version V1.5.
3. Konfigurieren Sie die erforderlichen IO-Devices und weisen Sie die IO-Devices dem
IO-Controller zu.
4. Projektieren Sie die Portverschaltung zwischen den Geräten.
5. Markieren Sie das IO-System, so dass Sie die Eigenschaften im Inspektorfenster bearbeiten
können.
6. Aktivieren Sie das Optionskästchen "Mehrfach einsetzbares IO-System" im Bereich
"Allgemein" des Inspektorfensters.

Bild 5-94 "Mehrfach einsetzbares IO-System" aktivieren

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 259
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Ergebnis: Folgende Einstellungen werden von STEP 7 gesetzt:


• Der Gerätename des IO-Controllers (CPU) im Serienmaschinenprojekt ist eingestellt auf
"Anpassen des PROFINET-Gerätenamens direkt am Gerät erlauben". Der IO-Controller
(CPU) hat zunächst keinen PROFINET-Gerätenamen.
• Das IP-Protokoll des IO-Controllers (CPU) ist eingestellt auf "Anpassen der IP-Adresse direkt
am Gerät erlauben". Die CPU hat zunächst keine IP-Adresse.
• Die Option "Gerätetausch ohne Wechselmedium ermöglichen" ist automatisch aktiviert.
Diese Option bewirkt, dass eine automatische Inbetriebnahme möglich ist. Vor Ort entfällt
dann die Zuweisung von Gerätenamen an den IO-Devices durch einen Inbetriebnehmer.
Der IO-Controller weist den IO-Devices aufgrund der Solltopologie und anderer
Einstellungen Gerätename und IP-Adresse im Anlauf zu.
• Der Gerätename der IO-Devices ist eingestellt auf "PROFINET-Gerätename automatisch
generieren" (aus dem projektierten Namen des IO-Devices).
• Das IP-Protokoll bei den IO-Devices ist eingestellt auf "Anpassen der IP-Adresse durch den
IO-Controller erlauben". Die IO-Devices haben zunächst keine IP-Adresse. Falls es sich bei
einem IO-Device nicht um ein typisches dezentrales Peripheriesystem handelt (z. B.
ET 200-System), sondern um ein anderes Gerät wie z. B. ein HMI-Gerät, dann ändern Sie
die Option auf "Anpassen der IP-Adresse direkt am Gerät erlauben", siehe unten.
• Die Gerätenummer für die IO-Devices wird automatisch zugewiesen und wird vor Ort dazu
verwendet, um die IP-Adresse eindeutig zu machen.
Damit der IO-Controller später beim Betreiber den Gerätenamen anpassen kann, muss die
Option "Überschreiben des PROFINET-Gerätenamens erlauben" aktiviert werden
(CPU-Parameter, Eigenschaft der PROFINET-Schnittstelle, Bereich Ethernet-Adressen).
In der Voreinstellung ist diese Option deaktiviert.

PROFINET mit STEP 7


260 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Das folgende Bild zeigt die oben beschriebenen Einstellungen zur IP-Adresse und zum
PROFINET-Gerätenamen.

① Nach dem Laden der Konfiguration aus dem Serienmaschinen-Projekt hat der IO-Controller
keinen Gerätenamen und keine IP-Adresse.
② Nach dem Laden haben die IO-Devices einen Gerätenamen und eine Gerätenummer, aber keine
IP-Adresse.

Bild 5-95 Einstellungen zur IP-Adresse und zum PROFINET-Gerätenamen

Wie ein IO-Device vor Ort an eine IP-Adresse kommt


Im Folgenden sind die beiden Optionen "Anpassen der IP-Adresse durch den IO-Controller
erlauben" und "Anpassen der IP-Adresse direkt am Gerät erlauben" erläutert, die grundsätzlich
bei einem mehrfach einsetzbaren IO-System projektierbar sind.
Wenn Sie am IO-System die Option "Mehrfach einsetzbares IO-System" eingestellt haben,
setzt STEP 7 automatisch bei den IO-Devices die Option "Anpassen der IP-Adresse durch den
IO-Controller erlauben".
In diesem Fall bekommt das IO-Device eine IP-Adresse vom IO-Controller zugewiesen, die sich
aus der vor Ort eingestellten IP-Adresse des IO-Controllers ergibt (siehe nächstes Kapitel).
Diese Option ist sinnvoll, falls es sich bei dem IO-Device um ein Feldgerät handelt, z. B.
ET 200MP, ET 200SP, ET 200AL oder ein anderes dezentrales Peripheriesystem.
Wenn das IO-Device kein "normales" Feldgerät ist, sondern z. B. ein HMI-Gerät einem
Windows-Betriebssystem, funktioniert die oben beschriebene Option "Anpassen der IP-
Adresse durch den IO-Controller erlauben" nicht. In diesem Fall wählen Sie die Option
"Anpassen der IP-Adresse direkt am Gerät erlauben". Die IP-Adresse müssen Sie dann vor Ort
am Gerät zuweisen und selbst dafür sorgen, dass diese Adresse zu den IP-Adressen der
übrigen IO-Devices und zur IP-Adresse des IO-Controller passt.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 261
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

[Link] Mehrfach einsetzbare IO-Systeme vor Ort anpassen


Für die Anpassung der Maschine, die mit dem Serienmaschinen-Projekt geladen wurde, sind
wenige Schritte zur Anpassung notwendig.
Vor Ort müssen nur Gerätename und IP-Adresse des IO-Controllers angepasst werden. Die
Gerätenamen und IP-Adressen der IO-Devices ergeben sich aus diesen Anpassungen. In
diesem Beispiel sind die Auswirkungen der Vor-Ort-Einstellungen für zwei konkrete
Maschinenmodule beschrieben.
Die Vor-Ort-Einstellungen sind z. B. mit dem CPU-Display, Inbetriebnahme-Tools wie Primary
Setup Tool (PST) oder PRONETA möglich. Sie benötigen für diese Einstellungen kein
Programmiergerät mit STEP 7, obwohl es damit auch möglich ist.

Voraussetzung
• Die Maschine wurde mit einem Serienmaschinen-Projekt geladen (siehe Mehrfach
einsetzbare IO-Systeme konfigurieren (Seite 259)).
• Das Display ist betriebsbereit bzw. das gewünschte Tool zur Zuweisung von IP-Adresse
und Gerätename ist vorhanden (z. B. PST Tool, STEP 7).
• Die Ports von IO-Controller und IO-Devices sind entsprechend der Projektierung
verschaltet.

Vorgehen
Berücksichtigen Sie die Randbedingungen und Anweisungen zur Inbetriebnahme einer
S7-1500! Weitere Informationen zur Inbetriebnahme einer S7-1500 CPU finden Sie im
Systemhandbuch S7-1500, ET 200MP
([Link]
Um eine Serienmaschine vor Ort anzupassen, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Binden Sie die Maschine in das Netzwerk ein.
2. Schließen Sie das Gerät für die Zuweisung der IP-Adresse und Gerätenamen an die CPU an,
z. B. ein PG/PC mit der entsprechenden Software.
3. Weisen Sie dem IO-Controller den gewünschten Gerätenamen und die gewünschte
IP-Adresse zu.
4. Lassen Sie die CPU anlaufen.
Der IO-Controller weist darauf hin den IO-Devices den angepassten PROFINET-Gerätenamen
und eine eindeutige IP-Adresse zu.
Folgende Regeln gelten bei der Zuweisung:
• Die Gerätenamen der IO-Devices ergeben sich aus der Verkettung folgender
Namensbestandteile, getrennt durch einen Punkt:
<Projektierter Name des IO-Devices aus dem Serienmaschinen-Projekt>.<Am Gerät
eingestellter Name des zugehörigen IO-Controllers>
• Die IP-Adressen der IO-Devices ergeben sich aus der vor Ort projektierten IP-Adresse des
zugehörigen IO-Controllers und der Gerätenummer (Summe).

PROFINET mit STEP 7


262 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Hinweis
Achten Sie darauf, dass während der Zuweisung keine doppelten IP-Adressen am Subnetz
entstehen können. Der IO-Controller weist in diesem Fall keine neue IP-Adresse zu.

Im folgenden Bild ist für den IO-Controller der ersten Maschine der Gerätename "m1" und die
IP-Adresse [Link] vergeben worden.
Für die zweite Maschine ist der Gerätename "m2" und die IP-Adresse [Link] vergeben
worden.
Die sich ergebenden Gerätenamen und IP-Adressen entnehmen Sie dem Bild.

① Gerätename und der IP-Adresse am IO-Controller einstellen


② Nach dem Anlauf haben die IO-Devices einen aktualisierten Gerätenamen (<Projektierter Gerätena-
me>.<Gerätename des IO-Controllers>) und eine angepasste IP-Adresse (= <IP-Adresse des IO-Controllers> + <Gerä-
tenummer>)
Bild 5-96 Beispiel für die Vergabe von IP-Adresse und Gerätenamen bei "Mehrfach einsetzbares IO-System"

Siehe auch
Mehrfach einsetzbare IO-Systeme konfigurieren (Seite 259)

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 263
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

5.10.2 Konfigurationssteuerung für IO-Systeme

[Link] Wissenswertes zur Konfigurationssteuerung von IO-Systemen


Durch die Konfigurationssteuerung von IO-Systemen ist es möglich, aus einem
Serienmaschinen-Projekt mehrere konkrete Ausprägungen einer Serienmaschine zu
erzeugen.
Sie können flexibel die Konfiguration eines IO-Systems für eine bestimmte Anwendung
variieren, solange sich die reale Konfiguration aus der projektierten Konfiguration ableiten
lässt. Die projektierte Konfiguration stellt daher die Obermenge aller abzuleitenden realen
Konfigurationen dar.
Das folgende Bild zeigt beispielhaft, wie aus einem Serienmaschinen-Projekt zwei IO-Systeme
mit unterschiedlicher Anzahl von IO-Devices hervorgehen.

Bild 5-97 Beispiel Konfigurationssteuerung für PROFINET IO-Systeme

Die folgenden Abschnitte zeigen, wie Sie ein PROFINET IO-System projektieren und
programmieren, damit vor Ort ohne Projektierungssoftware z. B. eine Serienmaschine in
Betrieb genommen werden kann.

PROFINET mit STEP 7


264 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Konzept
Das Prinzip der Konfigurationssteuerung ist bereits auf Geräteebene für den flexiblen Einsatz
von Baugruppen/Modulen bekannt ("Optionenhandling"). Sowohl für zentrale als auch für
dezentrale Peripherie lassen sich verschiedene Konfigurationen aus einer Projektierung
ableiten.
Mit S7-1500 CPUs ab Firmware-Version V1.7 ist dieses Prinzip auch auf der Ebene von
IO-Systemen anwendbar. Sie haben die Möglichkeit, Stationen (IO-Devices) eines PROFINET
IO-Systems in einer konkreten Anlage wegzulassen, hinzuzufügen oder die Reihenfolge der
Stationen zu variieren.
Konfigurationssteuerung für Geräte und Konfigurationssteuerung für IO-Systeme lassen sich
miteinander kombinieren; die Funktionen sind voneinander unabhängig.
Aus einem konfigurierten Maximalausbau eines IO-Systems lassen sich abweichende
Varianten betreiben. Sie können in einem Serienmaschinen-Projekt einen Baukasten aus
IO-Devices vorbereiten, den Sie dann flexibel für verschiedenste Ausbaustufen über die
Konfigurationssteuerung anpassen.
Folgende Variationsmöglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung:
• Variation der Anzahl beteiligter IO-Devices
Optionale IO-Devices für die Konfigurationssteuerung nehmen Sie in die Konfiguration
auf, indem Sie einen entsprechenden Datensatz mit der gewünschten Konfiguration im
Anwenderprogramm übertragen.
• Variation der Reihenfolge beteiligter IO-Devices
Sie passen die Portverschaltung der IO-Devices an die verwendete Topologie an, indem Sie
einen entsprechenden Datensatz mit der gewünschten Topologie im Anwenderprogramm
übertragen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 265
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Das folgende Bild zeigt, wie Sie durch ein IO-Device, das Sie in der Netzsicht von STEP 7 als
optional gekennzeichnet haben, zwei verschiedene Konfigurationen bedienen:
• Konfiguration ohne das optionale IO-Device:
In diesem Fall müssen Sie mithilfe der Anweisung "ReconfigIOSystem" einen Datensatz an
die PROFINET-Schnittstelle übertragen, der die Information enthält, dass kein optionales
IO-Device in die Konfiguration aufgenommen werden soll.
• Konfiguration mit optionalem IO-Device:
In diesem Fall müssen Sie mithilfe der Anweisung "ReconfigIOSystem" einen Datensatz an
die PROFINET-Schnittstelle übertragen, der das optionale IO-Device in die Konfiguration
aufnimmt.

① Durch Parametrierung festgelegt: IO-Device_2 ist optionales IO-Device


② Konfiguration ohne das optionale IO-Device
③ Konfiguration mit optionalem IO-Device

Bild 5-98 Beispielkonfiguration mit "Optionalen IO-Device" und die dazugehörigen


Konfigurationsoptionen

PROFINET mit STEP 7


266 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Zusammenfassung: Prinzipielle Vorgehensweise


Folgende Phasen für die Umsetzung eines Serienmaschinen-Konzepts lassen sich
unterscheiden:
1. Engineering-Phase: Serienmaschinen-Projekt anlegen und in konkrete Maschine oder Anlage
laden:
– Alle jemals in einer konkreten Maschine oder Anlage benötigten IO-Devices (Optionen)
vollständig projektieren
– Diejenigen IO-Devices, die in konkreten Maschinen oder Anlagen weggelassen werden,
als optional parametrieren
– Anwenderprogramm vorbereiten (siehe Flexible Anordnung von IO-Devices
parametrieren (Seite 276)) mit der Möglichkeit, vor Ort die gewünschte Auswahl der
tatsächlich vorhandenen Konfiguration über Schalter oder HMI-Gerät treffen zu
können
2. Inbetriebnahme-Phase: Konkrete Maschine oder Anlage für den Betrieb vorbereiten:
– Maschine oder Anlage in das Netzwerk vor Ort integrieren (siehe Mehrfach einsetzbare
IO-Systeme vor Ort anpassen (Seite 262))
– Über projektierte Auswahlmöglichkeit den aktuell vorhandenen Ausbau des IO-Systems
wählen

[Link] Optionale IO-Devices parametrieren

Voraussetzung
• IO-Controller unterstützt Konfigurationssteuerung für IO-Systeme, z. B. CPU 1516-3 PN/DP
ab Firmware-Version V1.7
• STEP 7 ab V13 SP1
• Die Regeln (Seite 282) zum Aufbau und Betrieb eines Serienmaschinen-Projekts sind
berücksichtigt.

Portverschaltung
Ab STEP 7 V15.1 ist keine Portverschaltung für optionale IO-Devices erforderlich.
In folgenden Fällen ist eine Portverschaltung zwingend notwendig zwischen den Geräten des
IO-Systems, die Sie über das Anwenderprogramm anpassen wollen.
• Sie haben IRT projektiert.
• Sie haben MRP projektiert.
• Sie verwenden STEP 7 <= V15.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 267
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Vorgehen
Um ein IO-Device als optionales IO-Device zu parametrieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Legen Sie ein Projekt an.
2. Konfigurieren Sie eine S7-1500-CPU ab Firmware-Version V1.7 als IO-Controller.
3. Konfigurieren Sie die erforderlichen IO-Devices und weisen Sie die IO-Devices dem
IO-Controller zu.
4. Markieren Sie das IO-Device, das Sie als optional kennzeichnen wollen.
5. Wählen Sie den Bereich "PROFINET-Schnittstelle [X1] > Erweiterte Optionen".
6. Aktivieren Sie die Option "Optionales IO-Device".

Bild 5-99 IO-Device als optionales IO-Device parametrieren

7. Wiederholen Sie Schritte 4 bis 6 für alle IO-Devices, die Sie als optional parametrieren
wollen.
8. Laden Sie die Konfiguration in die CPU.
Ergebnis: Nach dem Laden dieser Konfiguration ist das Systemverhalten wie folgt:
• Die CPU ist für die Konfigurationssteuerung des IO-Systems vorbereitet.
• Alle IO-Devices sind deaktiviert.
• Unabhängig davon, ob Sie die Konfiguration im Anwenderprogramm anpassen (optionale
IO-Devices hinzunehmen) oder keine Änderung an der geladenen Konfiguration
vornehmen: Sie müssen Sie im Anwenderprogramm die Anweisung "ReconfigIOSystem"
aufrufen und dem System die aktuelle Konfiguration mitteilen!
Ohne Aufruf der Anweisung "ReconfigIOSystem" ist das System nicht betriebsbereit.
Weitere Informationen zur Vorgehensweise siehe Optionale IO-Devices im Programm
aktivieren (Seite 269).

Schnelle Parametrierung in Tabelle "E/A-Kommunikation"


Ob ein IO-Device optional ist oder nicht, können Sie auch im Register "E/A-Kommunikation"
einstellen.
In einer zusätzlichen Spalte "Optionale IO-Device" ist für jedes IO-Device ein bedienbares
Optionskästchen vorhanden, das anzeigt, ob ein IO-Device optional ist oder nicht. Hier
können Sie zentral die Einstellung anpassen.

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268 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

[Link] Optionale IO-Devices im Programm aktivieren

Voraussetzung
• IO-Controller unterstützt Konfigurationssteuerung für IO-Systeme, z. B. CPU 1516-3 PN/DP
ab Firmware-Version V1.7
• STEP 7 ab V13 SP1
• Mindestens ein IO-Device wurde als optionales IO-Device parametriert.
• Die Regeln (Seite 282) zum Aufbau und Betrieb eines Serienmaschinen-Projekts sind
berücksichtigt.

Vorgehen
Beachten Sie die Hinweise und Regeln zur Inbetriebnahme in der Dokumentation zur SIMATIC
S7-1500, zu den ET 200SP CPUs und zur CPU 1516pro-2 PN.
Die folgende Beschreibung des Vorgehens umfasst nur Schritte, die zum Verständnis der
programmgesteuerten Aktivierung eines optionalen IO-Devices notwendig sind.
Um optionale IO-Devices zu aktivieren oder zu deaktivieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Erzeugen Sie einen Datensatz "CTRLREC" für die Anweisung "ReconfigIOSystem".
Informationen zum Aufbau des Datensatzes finden Sie in der Online-Hilfe zu STEP 7.
2. Rufen Sie die Anweisung "ReconfigIOSystem" auf und wählen Sie den MODE 1, um alle
IO-Devices zu deaktivieren.
Wenn Sie die CPU in den Zustand STOP oder NETZ-AUS bringen, um in diesem die Anlage
umzubauen (z. B. um ein optionales IO-Device hinzuzufügen), dann ist kein explizites
Deaktivieren mit "ReconfigIOSystem" mit Modus 1 erforderlich. In diesem Fall, d. h. nach
einem STOP-RUN-Übergang und nach einem NETZ-AUS > NETZ-EIN-Übergang, sind alle
IO-Devices automatisch deaktiviert.
3. Wenn Sie die Anlage in einen sicheren Zustand gebracht haben, der einen gefahrlosen
Umbau erlaubt:
Bauen Sie die Anlage entsprechend Ihrem Anwendungsfall zusammen. Fügen Sie die
erforderliche optionale IO-Devices an den Stellen ein, die Sie in der Projektierung dafür
vorgesehen haben (Reihenfolge beachten!) bzw. entfernen Sie nicht mehr benötigte
optionale IO-Devices.
4. Vernetzen Sie die IO-Devices.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 269
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5.10 Serienmaschinen-Projekte

5. Lassen Sie das S7-1500-System anlaufen und rufen Sie erneut die Anweisung
"ReconfigIOSystem" auf. Wählen Sie den MODE 2 zum Übertragen des Datensatzes CTRLREC.
6. Nach erfolgreicher Übertragung des Datensatzes rufen Sie erneut die Anweisung
"ReconfigIOSystem" auf. Wählen Sie den MODE 3 zum Aktivieren aller IO-Devices, die zur
aktuellen Konfiguration gehören.
Ergebnis: Die CPU aktiviert folgende IO-Devices:
– Alle IO-Devices, die Sie nicht als optionale IO-Devices parametriert haben.
– Alle optionalen IO-Devices, die im Steuerdatensatz (CTRLREC) aufgeführt sind.
Folgende IO-Devices bleiben deaktiviert:
– Docking Units (im Betrieb wechselnde IO-Devices).
– Optionale IO-Devices, die im Steuerdatensatz nicht aufgeführt sind.

Hinweis
Rufen Sie die Anweisung "ReconfigIOSystem" für alle Werte des Parameters MODE mit
demselben Steuerdatensatz (CTRLREC) auf!
Wenn Sie für die Werte des Parameters MODE unterschiedliche Datensätze verwenden, führt
das zu einer nicht konsistenten Anpassung der Konfiguration und damit zu schwer
nachvollziehbaren Fehlermeldungen.

PROFINET mit STEP 7


270 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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5.10 Serienmaschinen-Projekte

Beispiel: Datensatzaufbau für die Aktivierung eines IO-Devices


Das IO-Device "IO-Device_2" soll als einziges IO-Device im Anwenderprogramm aktiviert
werden.
Dazu benötigen Sie die HW-Kennung von "IO-Device_2".
Empfehlung: Nutzen Sie die Systemkonstanten der HW-Kennungen statt der absoluten Werte
wie in diesem Beispiel gezeigt. Mit dieser Vorgehensweise bleibt der DB-Inhalt unbeeinflusst
von Änderungen der HW-Kennungen infolge einer Änderung der Projektierung.
Der Datensatz soll in einem Datenbaustein hinterlegt werden und im Anwenderprogramm
mit der Anweisung "ReconfigIOSystem" an die PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers
übertragen werden.

① IO-Device_2 ist als optionales IO-Device parametriert.


② Nach der Übertragung des Datensatzes und Aktivierung der Konfiguration mit der Anweisung
"ReconfigIOSystem" ist IO-Device_2 in die Konfiguration aufgenommen und nimmt am Daten-
austausch mit dem IO-Controller teil.

Bild 5-100 Beispiel: Optionales IO-Device aktivieren

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Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 271
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5.10 Serienmaschinen-Projekte

Datenbaustein erstellen
Der Steuerdatensatz ist in diesem Beispiel in einem Datenbaustein erstellt. Der Datenbaustein
ist wie folgt aufgebaut:
Zeile 2: Array-Definition: Array vom Typ Word mit 4 Elementen. Als Datentyp ist Array of Word
zugelassen.
Zeile 3: Version des Datensatzes (Aktuell: V1.0).
Zeile 4: Anzahl zu aktivierender optionaler IO-Devices (hier: 1).
Zeile 5: Liste der HW-Kennungen der IO-Devices, hier als Systemkonstante eingefügt.
Zeile 6: Anzahl Portverschaltungen, die im Anwenderprogramm gesetzt werden (hier: 0).
Zeile 7: Weitere Datensätze (optional)

Bild 5-101 Datenbaustein mit Steuerdatensätzen

Parameter MODE der Anweisung "ReconfigIOSystem"


Über den Parameter MODE steuern Sie, wie die Anweisung "ReconfigIOSystem" arbeitet.

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272 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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Für den Eingangsparameter MODE sind folgende Werte möglich:

MODE Beschreibung
1 Alle IO-Devices des IO-Systems werden durch Aufruf der Anweisung mit dem MODE 1
deaktiviert. Intern verwendet die Anweisung "ReconfigIOSystem" die Anweisung
"D_ACT_DP". Fehler, die durch D_ACT_DP ermittelt werden, gibt "ReconfigIOSystem" in
folgenden Ausgangsparametern wieder:
• STATUS (Fehlercode)
• ERR_INFO (HW-Kennung des fehlerverursachenden IO-Devices).
In STATUS und ERR_INFO trägt die CPU den zuletzt ermittelten Fehler / die zuletzt er-
mittelte HW-Kennung ein und überschreibt dabei einen bereits vorhandenen Fehler-
code. Daher können neben dem eingetragenen Fehler weitere Fehler vorliegen.
2 Die Anweisung überträgt den Datensatz zur Steuerung der tatsächlichen Konfiguration
des IO-Systems an die PROFINET-Schnittstelle, die durch den Bausteinparameter
LADDR (HW-Kennung der PROFINET-Schnittstelle) adressiert ist.
3 Alle nicht-optionalen IO-Devices des IO Systems und optionale IO-Devices, die im
Steuerdatensatz CTRLREC aufgelistet sind, werden aktiviert.
Die optionalen IO-Devices, die nicht im Datensatz CTRLREC aufgeführt sind, bleiben
deaktiviert.
Wenn IO-Devices, die Teil von Docking Units (im Betrieb wechselnde IO-Devices) sind,
im Steuerdatensatz CTRLREC aufgeführt sind, verhält sich das PN IO-System wie folgt:
• IO-Devices der Docking Units bleiben beim Aufruf von ReconfigIOSystem mit
MODE 3 deaktiviert.

Dieses Verhalten entspricht dem Verhalten einer Projektierung ohne konfigurati-


onsgesteuerte IO-Devices. IO-Devices von Docking Units sind in der Grundeinstel-
lung deaktiviert und müssen im Anwenderprogramm aktiviert werden.
Weitere Informationen zu Docking Units finden Sie im Kapitel Docking Systeme
(Seite 286).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 273
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5.10 Serienmaschinen-Projekte

Regeln zur Aufrufreihenfolge von "ReconfigIOSystem"


• Versorgen Sie die Anweisung "ReconfigIOSystem" immer mit demselben Steuerdatensatz
(Eingangsparameter "CTRLREC").
• Aufrufreihenfolge nach NETZ-AUS > NETZ-EIN-Übergang:
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 1 (optional).
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 2 (obligatorisch, auch ohne Umkonfiguration!).
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 3 (obligatorisch).
• Aufrufreihenfolge nach STOP > RUN-Übergang:
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 1 (optional).
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 2 (obligatorisch, wenn die Konfiguration im STOP
geändert wurde. Sonst nicht notwendig).
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 3 (obligatorisch).
• Aufrufreihenfolge bei Umkonfiguration im RUN:
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 1 (obligatorisch).
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 2 (obligatorisch).
– ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 3 (obligatorisch).

Erläuterungen und Tipps zu den Regeln


• Wenn Sie ein als optionales IO-Device parametriertes IO-Device nicht im Steuerdatensatz
bzw. Datenbaustein aufführen, dann ist dieses IO-Device nicht Teil der Konfiguration und
nimmt nicht am Datenaustausch mit der CPU teil.
• Wenn Sie gar kein optionales IO-Device aktivieren und mit der geladenen Konfiguration
ohne Umkonfiguration arbeiten, dann müssen Sie trotzdem die im Abschnitt oben
beschriebene Vorgehensweise einhalten und den Steuerdatensatz zur CPU übertragen.
Der Steuerdatensatz hat die einfache Struktur mit folgenden Variablen:
– Version (High Byte =1, Low Byte = 0)
– Anzahl zu aktivierender optionaler Devices = 0
– Anzahl Portverschaltungen, die im Anwenderprogramm gesetzt werden = 0
• Nach einem STOP > RUN-Übergang und nach einem NETZ-AUS > NETZ-EIN-Übergang sind
alle IO-Devices automatisch deaktiviert. Sie benötigen daher für die ordnungsgemäße
Funktion der Konfigurationssteuerung keinen ReconfigIOSystem-Aufruf mit MODE 1.
Wenn Sie Ihr Projekt als allgemeingültiges Muster für die Programmierung der
Konfigurationssteuerung nutzen, empfehlen wir trotzdem den ReconfigIOSystem-Aufruf
mit MODE 1 vor jeder Umkonfiguration. Sie können das Muster dann auch für
Umkonfigurationen im Betriebszustand RUN verwenden.

PROFINET mit STEP 7


274 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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5.10 Serienmaschinen-Projekte

• Inbetriebnahme von umfangreichen IO-Systemen (mehr als 8 optionale IO-Devices) bei


gleichzeitiger Nutzung von IRT:
Um die Hochlaufzeiten bei der Aktivierung der optionalen IO-Devices (ReconfigIOSystem,
Mode 3) gering zu halten, folgender Tipp: Kontrollieren Sie die Gerätenummern der
IO-Devices. Die Gerätenummern sollten vom IO-Controller aus in aufsteigender
Reihenfolge der topologischen Verschaltung folgen. Je weiter ein IO-Device topologisch
vom IO-Controller entfernt ist, d. h. je mehr IO-Devices zwischen IO-Controller und dem
betrachten IO-Device liegen, desto größer sollte die Gerätenummer sein.
Die Gerätenummern stellen Sie bei markierter PROFINET-Schnittstelle im Bereich
"Ethernet-Adressen - PROFINET" im Inspektorfenster ein.
Beispiel für die Vergabe von Gerätenummern bei einer Linientopologie:

Bild 5-102 Beispiel: Gerätenummern in einer Linientopologie

• Die CPU bearbeitet die Anweisung "ReconfigIOSystem" zur Übertragung des


Steuerdatensatzes asynchron.
Wenn Sie die Anweisung im Anlaufprogramm aufrufen, müssen Sie daher
"ReconfigIOSystem" in einer Schleife wiederholt aufrufen, bis die Ausgangsparameter
"BUSY" oder "DONE" anzeigen, dass der Datensatz übertragen ist.
Tipp: Verwenden Sie zur Programmierung der Schleife die Programmiersprache SCL mit
der Anweisung REPEAT ... UNTIL.
REPEAT
"ReconfigIOSystem"(REQ := "start_config_ctrl",
MODE := 1,
LADDR := 64,
CTRLREC := "myCTRLREC".ArrMachineConfig0,
DONE => "conf_DONE",
BUSY => "conf_BUSY",
ERROR => "conf_ERROR",
STATUS => "conf_STATUS");
UNTIL NOT "conf_BUSY"
END_REPEAT;

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 275
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Weiterführende Informationen
Informationen zum grundsätzlichen Aufbau des Datensatzes und zur Verwendung der
Anweisung "ReconfigIOSystem" finden Sie in der Online-Hilfe zu STEP 7.

Siehe auch
Optionale IO-Devices parametrieren (Seite 267)

[Link] Flexible Anordnung von IO-Devices parametrieren


Der folgende Abschnitt zeigt, wie Sie die Voraussetzungen für das Ändern der Reihenfolge
von IO-Devices in einem PROFINET IO-System schaffen.
Diese Funktion ist auch mit optionalen IO-Devices möglich. Um die Darstellung einfach zu
halten, ist im Folgenden eine Maximalkonfiguration ohne optionale IO-Devices dargestellt.

Konzept
Eine typische Anwendung für ein Serienmaschinen-Projekt besteht darin, aus einem
Baukasten unterschiedlicher Anlagenteile eine Gesamtanlage zusammenzusetzen, die sich
nur durch die unterschiedliche räumliche Anordnung der Teile voneinander unterscheiden -
z. B. bei Transportsystemen. Jeder Anlagenteil besteht aus einer funktionalen Einheit von
Mechanik (Schienen oder Förderbänder) und Elektrik (Stromversorgung, IO-Device mit
Peripheriemodulen, Sensoren, Aktoren, Motoren, PROFINET-Anschluss für Datenaustausch
mit zentraler Steuerung ...).
Das folgende Bild zeigt, wie durch den Tausch zweier Schienensegmente ein neues
Transportsystem entsteht, das mit einer vorverlegten Weiche an die örtlichen Gegebenheiten
angepasst ist.

Bild 5-103 Beispiel: Anordnung von IO-Devices verändern

Aus Sicht der Automatisierung ist zur flexiblen Anpassung der PROFINET-Konfiguration keine
Änderung im Projekt erforderlich.

PROFINET mit STEP 7


276 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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5.10 Serienmaschinen-Projekte

Die Reihenfolge der IO-Devices ist durch die Portverschaltung bestimmt. In den
Porteigenschaften der IO-Geräte projektieren Sie jeweils den Partnerport und damit das
Nachbargerät, das am jeweiligen lokalen Port angeschlossen ist. Wenn der Partnerport durch
das Anwenderprogramm bestimmt werden soll, dann müssen Sie als Partnerport die Option
"Partner durch Anwenderprogramm gesetzt" wählen.
Im folgenden Bild zeigt die Ausgangskonfiguration des oben gezeigten Transportsystems, das
eine Änderung der Reihenfolge der angeschlossenen IO-Devices über das
Anwenderprogramm zulassen soll. Im Beispiel soll die Reihenfolge von IO-Device_2 und
IO-Device_3 über das Anwenderprogramm gesteuert werden.

Bild 5-104 Beispielkonfiguration: Flexible Anordnung von IO-Devices parametrieren

Um zu bestimmen, wie die Partnerport-Einstellungen zu wählen sind, müssen Sie für jedes
Gerät und jeden Port eines Geräts notieren, welcher Partner für eine Verschaltung in Frage
kommt.
• Wenn der Partner in den verschiedenen vorgesehenen Konfigurationen immer derselbe
ist, dann wählen Sie den Partnerport für diesen Partner.
• Wenn die Partner in unterschiedlichen Konfigurationen variieren, dann wählen Sie
"Partner durch Anwenderprogramm einstellen".

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 277
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

Für das Beispiel im Bild oben ergeben sich folgende Porteinstellungen:

Gerät Lokaler Port Partnerport-Einstellung Erläuterung


PLC_1 p1 p1 (IO-Device_1) Partner von PLC_1 an Port 1 ist
IO-Device_1 (immer)
IO-Device_1 p1 p1 (PLC_1) Partner von IO-Device_1 an Port 1 ist
PLC_1 (immer)
IO-Device_1 p2 Partner durch Anwender- Partner von IO-Device_1 an Port 2 ist
programm gesetzt entweder IO-Device_2 oder IO-Device_3
=> Partner durch Anwenderprogramm
einstellen
IO-Device_2 p1 Partner durch Anwender- Partner von IO-Device_2 an Port 1 ist
programm gesetzt entweder IO-Device_1 oder IO-Device_3
=> Partner durch Anwenderprogramm
einstellen
IO-Device_2 p2 Partner durch Anwender- Partner von IO-Device_2 an Port 2 ist
programm gesetzt entweder IO-Device_3 oder IO-Device_4
=> Partner durch Anwenderprogramm
einstellen
IO-Device_3 p1 Partner durch Anwender- Partner von IO-Device_3 an Port 1 ist
programm gesetzt entweder IO-Device_2 oder IO-Device_1
=> Partner durch Anwenderprogramm
einstellen
IO-Device_3 p2 Partner durch Anwender- Partner von IO-Device_3 an Port 2 ist
programm gesetzt entweder IO-Device_4 oder IO-Device_2
=> Partner durch Anwenderprogramm
einstellen
IO-Device_4 p1 Partner durch Anwender- Partner von IO-Device_4 an Port 1 ist
programm gesetzt entweder IO-Device_3 oder IO-Device_2
=> Partner durch Anwenderprogramm
einstellen
IO-Device_4 p2 Beliebiger Partner Kein Partner an Port 2 vorgesehen

Voraussetzung
• IO-Controller unterstützt Konfigurationssteuerung für IO-Systeme, z. B. CPU 1515-2 PN ab
Firmware-Version V1.7
• STEP 7 ab V13 SP1
• Die Regeln (Seite 282) zum Aufbau und Betrieb eines Serienmaschinen-Projekts sind
berücksichtigt.

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278 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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Vorgehen
Um den Partnerport eines Ports für eine programmgesteuerte Verschaltung einzustellen,
gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Markieren Sie die PROFINET-Schnittstelle des Geräts (IO-Controller oder IO-Device), dessen
Port Sie einstellen wollen.
2. Wählen Sie in den Eigenschaften der PROFINET-Schnittstelle den Bereich "Portverschaltung"
(Erweiterte Optionen > Port [...] > Portverschaltung).
3. Wählen Sie aus der Klappliste als Partnerport "Partner durch Anwenderprogramm einstellen".
4. Wiederholen Sie die Schritte 1. bis 3 für jeden Port, der über das Anwenderprogramm
verschaltet werden soll.

Siehe auch
Anordnung von IO-Devices im Programm anpassen (Seite 279)

[Link] Anordnung von IO-Devices im Programm anpassen

Voraussetzung
• IO-Controller unterstützt Konfigurationssteuerung für IO-Systeme, z. B. CPU 1516pro-2 PN
ab Firmware-Version V1.7 als IO-Controller.
• STEP 7 V13 SP1
• Mindestens ein Partnerport wurde als "Partner durch Anwenderprogramm gesetzt"
parametriert.
• Die Regeln (Seite 282) zum Aufbau und Betrieb eines Serienmaschinen-Projekts sind
berücksichtigt.

Vorgehen
Das Vorgehen entspricht dem Vorgehen zum Aktivieren von optionalen IO-Devices.
Lediglich der Aufbau des Datensatzes muss für die programmgesteuerte Zuordnung der Ports
erweitert werden. Die Erweiterung ist in den nächsten Abschnitten beschrieben.

Beispiel: Datensatzaufbau für die Zuordnung von Partnerports


Für den Aufbau des Datensatzes benötigen Sie die HW-Kennungen der Ports.
Der Datensatz soll in einem Datenbaustein hinterlegt werden und im Anwenderprogramm
mit der Anweisung "ReconfigIOSystem" an die PROFINET-Schnittstelle des IO-Controllers
übertragen werden.
Da der Eingangsparameter RECORD der Anweisung "ReconfigIOSystem" den Datentyp
VARIANT hat, müssen Sie zunächst einen Datentyp für den Datenbaustein erstellen.
In den folgenden Abschnitten ist der Aufbau des PLC-Datentyps erläutert sowie der Aufbau
des darauf basierenden Datenbausteins.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 279
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Abgeleitete Konfiguration wählen


Für folgende gewählte Konfiguration wird im Folgenden gezeigt, wie der Datensatz
beschaffen sein muss, damit die IO-Devices in der vorgesehenen Reihenfolge durch das
Anwenderprogramm verschaltet werden.

Bild 5-105 Beispielkonfiguration: Anordnung von IO-Devices im Anwenderprogramm anpassen

Vorausgesetzt ist die flexible Konfiguration aus dem vorangegangenen Abschnitt (Seite 276)
mit den dort beschriebenen Einstellungen für die jeweiligen Partnerports.
Die Partnerports in der konkreten, abgeleiteten Konfiguration sind festgelegt, daher ist es
möglich, die HW-Kennungen der beteiligten Ports zu benennen.
Die folgende Tabelle enthält nur die Geräte, bei denen die Ports durch das
Anwenderprogramm bestimmt werden können. Nur diese Geräte sind für den Aufbau des
Datensatzes relevant!

Gerät Lokaler Port Partnerport-Einstellung Partnerport der gewählten Kon-


figuration
IO-Device_1 p2 = Port 2 Partner durch Anwender- Port 1 von IO-Device_3
HW-Kennung: programm gesetzt HW-Kennung: 261
251
IO-Device_2 p1 = Port 1 Partner durch Anwender- Port 2 von IO-Device_3
HW-Kennung: programm gesetzt HW-Kennung: 291
281
IO-Device_2 p2 = Port 2 Partner durch Anwender- Port 1 von IO-Device_4
HW-Kennung: programm gesetzt HW-Kennung: 321
311

PROFINET mit STEP 7


280 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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Datenbaustein erstellen
Für die abgeleitete Konfiguration ist hier exemplarisch der Aufbau des Datenbausteins
"DB-IO-SYSTEM-Port-Interconnections" erläutert.
Diesen Datenbaustein verwenden Sie beim Aufruf der Anweisung "ReconfigIOSystem" am
Eingangsparameter "CTRLREC".
Statt der absoluten Werte für die HW-Kennungen der Ports sind hier die Systemkonstanten
der HW-Kennungen verwendet.
Der Datenbaustein ist wie folgt aufgebaut:
Zeile 2: Vereinbarung eines Arrays of Word (nur dieser Datentyp ist möglich).
Zeile 3: Version des Steuerdatensatzes: V1.0.
Zeile 4: Anzahl optionaler IO-Devices: 0.
Zeile 5: Anzahl spezifizierter Portverschaltungen: 3.
Zeile 6: Portverschaltung 1, Lokaler Port.
Zeile 7: Portverschaltung 1, Partnerport.
Zeile 8: Portverschaltung 2, Lokaler Port.
Zeile 9: Portverschaltung 2, Partnerport
Zeile 10: Portverschaltung 3, Lokaler Port.
Zeile 11: Portverschaltung 3, Partnerport.

Bild 5-106 Datenbaustein mit Datensatz für Portverschaltungen

Verschaltung im Datenbaustein nicht aufgeführt


Wenn Sie in den Port-Eigenschaften den Partnerport als "Partner durch Anwenderprogramm
einstellen" parametriert haben und diesen Port im Datensatz bzw. Datenbaustein nicht
aufführen, dann setzt die CPU für diesen Port die Einstellung "beliebiger Partner". Wenn Sie
gar keinen Datensatz übertragen, setzt die CPU diese Einstellung "beliebiger Partner" für alle
programmgesteuerten Zuordnungen.

Weiterführende Informationen
Informationen zum grundsätzlichen Aufbau des Datensatzes und zur Verwendung der
Anweisung "ReconfigIOSystem" finden Sie in der Hilfe zu STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 281
Funktionen
5.10 Serienmaschinen-Projekte

[Link] Systemverhalten und Regeln


Im Folgenden erfahren Sie, wie sich ein IO-System, dessen Konfiguration über das
Anwenderprogramm gesteuert ist, im Betrieb verhält.
Außerdem sind hier die Regeln und Einschränkungen aufgeführt, die Sie für die Projektierung
des Maximalausbaus der Konfiguration in Ihrem Serienmaschinen-Projekt zu berücksichtigen
sind.

Systemverhalten
• Systemdiagnose:
Wenn ein optionales IO-Device deaktiviert ist, wird es aus Sicht der Systemdiagnose
(Online-Sicht oder Online & Diagnose) als "deaktiviert" angezeigt.
• Topologiesicht:
Offline-Sicht: Wie projektiert. Ports, deren Partnerport parametriert wurde als "Partner
durch Anwenderprogramm einstellen", zeigen keine Verschaltung.
Online-Sicht: Ports und Verschaltungen zu deaktivierten IO-Devices werden in einem
anderen Grünton dargestellt als fehlerfreie Ports und Verschaltungen von aktivierten
IO-Devices.
• Darstellung im Webserver:
Name von Geräten wird angezeigt wie projektiert (Eigenschaften > Allgemein >
Projektinformation).
Zugewiesener PROFINET-Gerätename wird auf der Webseite "Kommunikation", Register
"Parameter" für die CPU angezeigt.
IP-Adressparameter: Aktuell zugewiesene IP-Adressparameter werden auf der Webseite
"Baugruppenzustand" angezeigt.
Topologie: Die aktuelle Topologie wird im Webserver angezeigt, wie sie sich aufgrund der
Anpassung per Anwenderprogramm ergeben hat. IO-Devices, die als optional parametriert
wurden, zeigt der Webserver als "deaktivierte" IO-Devices an.

PROFINET mit STEP 7


282 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
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Regeln
Es gelten die Regeln für Serienmaschinen-Projekte wie hier (Seite 254) beschrieben.
Für konfigurationsgesteuerte IO-Systeme gelten die folgenden zusätzlichen Regeln:
• Wenn Sie MRP (Media Redundancy Protocol) projektieren:
Die als Ringports parametrierten Ports dürfen nicht über Anwenderprogramm verschaltet
werden.
Geräte mit Ringports (Teilnehmer einer MRP-Domain) können aber optionale IO-Devices
sein.
• Wenn Sie Dockingsysteme projektieren (= im Betrieb wechselnde IO-Devices):
Weder die Docking Station noch das erste IO-Device einer Docking Unit dürfen optionale
IO-Devices sein.
Die Ports der Docking Units dürfen nicht über Anwenderprogramm verschaltet werden.
• Wenn Sie IRT projektieren:
Die Reihenfolge von synchronisierten IO-Devices ("IRT-Geräte") muss durch die
Konfiguration festgelegt sein und darf sich in den verschiedenen Ausprägungen einer
Serienmaschine nicht ändern. Die Ports von IRT-Geräten dürfen daher nicht über
Anwenderprogramm verschaltet werden.
Sie haben aber die Möglichkeit, IRT-Geräte in einer Linie als optionale IO-Devices zu
parametrieren.
Außerdem haben Sie die Möglichkeit, RT-Geräte, die z. B. über einen Switchport von dieser
Linie "abgehängt" sind (siehe Bild), über das Anwenderprogramm zu verschalten.

Bild 5-107 Beispiel: Konfigurationssteuerung für IO-System mit abgehängten RT-Gerät

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 283
Funktionen
5.11 Energie sparen mit PROFIenergy

5.11 Energie sparen mit PROFIenergy

Energie sparen mit PROFIenergy


PROFIenergy ist eine auf PROFINET basierende Datenschnittstelle, die es erlaubt, hersteller-
und geräteunabhängig Verbraucher koordiniert und zentral gesteuert in Pausenzeiten
abzuschalten. Dadurch soll dem Prozess nur die absolut notwendige Energie zu Verfügung
gestellt werden. Der Großteil der Energie wird dabei vom Prozess gespart, das PROFINET-
Gerät selbst trägt nur mit einigen Watt zum Einsparpotenzial bei.

Bild 5-108 Energieeinsparung in Pausen mit PROFIenergy

Grundlegendes
Um die PROFIenergy Funktionalität nutzen zu können, muss im PROFINET IO-System der
bestehende IO-Controller mittels eines Funktionsbausteins zum sog. "PROFIenergy Controller"
ertüchtigt werden und mindestens ein PROFIenergy fähiges IO-Device ("PROFIenergy Device")
vorhanden sein. Die PROFIenergy-Kommandos (z.B. zum Starten bzw. Beenden einer Pause)
werden vom „PROFIenergy Controller“ an die einzelnen "PROFIenergy- Devices" gesendet.
Jedes "PROFIenergy Device" entscheidet individuell wie es auf das PROFIenergy-Kommando
reagiert (Reaktion ist geräte- und herstellerspezifisch).
Es wird keine zusätzliche Hardware benötigt, die PROFIenergy-Kommandos werden direkt
von den PROFINET-Geräten interpretiert.

Funktionsweise
Zu Beginn und am Ende von Pausen aktiviert oder deaktiviert der Anlagenführer die
Pausenfunktion der Anlage; daraufhin sendet der IO-Controller das PROFIenergy-Kommando
"Start_Pause"/"End_Pause" an die PROFINET-Geräte. Das Gerät interpretiert dann den Inhalt
des PROFIenergy-Kommandos und schaltet ab/wieder an.
Über weitere PROFIenergy-Funktionen können während der Pausen Geräteinformationen
abgerufen werden. Diese kann der Anwender nutzen, um das "Start_Pause"/"End_Pause"
Kommando rechtzeitig zu übertragen.

PROFINET mit STEP 7


284 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.11 Energie sparen mit PROFIenergy

PROFIenergy-Anweisungen für IO-Controller


Zur Steuerung und Überwachung der PROFIenergy-Funktionen sind zwei Anweisungen nötig.
Mit der Anweisung PE_START_END wird auf einfache Art und Weise der Ruhezustand der
PROFINET-Geräte aktiviert oder deaktiviert. Das geschieht über eine kommende oder gehende
Flanke. Die Anweisung PE_START_END bietet eine einfache Schnittstelle für die Realisierung
der PROFIenergy-Kommandos Start_Pause und End_Pause.
Mit der Anweisung PE_CMD lassen sich alle PROFIenergy-Kommandos einschließlich
Start_Pause und End_Pause übertragen. Mit den weiteren Kommandos kann z. B. der aktuelle
Status der PROFINET-Geräte oder das Verhalten während der Pausen abgefragt werden. Die
Anweisung PE_CMD ermöglicht das komfortable Handling aller PROFIenergy-Funktionen.

PROFIenergy-Anweisung für I-Devices


Mit der Anweisung PE_I_DEV lässt sich PROFIenergy auch auf I-Devices realisieren. Die
Anweisung empfängt PROFIenergy-Kommandos auf dem I-Device und gibt sie an das
Anwenderprogramm zur Bearbeitung weiter. Nach der Bearbeitung des Kommandos durch
das Anwenderprogramm ruft es die Anweisung PE_I_DEV erneut auf, um die Quittung an den
IO-Controller zu senden. Für diese Antworten steht Ihnen für jedes Kommando eine
Hilfsanweisung zur Verfügung, die die Anweisung mit den Antwortdaten versorgt.
Die Anweisungen finden Sie in der Task Card "Anweisungen" des Programmeditors in STEP 7.

Projektierung und Programmierung


Die Funktionen lassen sich komfortabel in bestehende Anlagen integrieren. Für die
Anwendung von PROFIenergy ist keine Projektierung notwendig. Es sind jedoch Ergänzungen
am Anwenderprogramm nötig:
• Vor dem Kommando "Start_Pause" müssen Sie dafür sorgen, dass Ihre Anlage in einen
sichereren Pause-geeigneten Zustand gebracht wird.
• Eine Zeitablaufsteuerung für den Pausenbeginn der Devices und für das rechtzeitige
Wiederzuschalten der sich in der Pause befindenden Teilnehmer muss programmiert
werden (in Abhängigkeit der erforderlichen Einschalt-Vorhalt-Zeiten, die das jeweilige
PROFINET-Gerät verlangt).
• Die Fehlermeldungen der Anweisung PE_CMD müssen ausgewertet und die entsprechend
erforderliche Reaktion programmiert werden (z. B. Abbruch oder Fortsetzung weiterer
Kommandos an untergeordnete PROFINET-Geräte).

Hinweis
Beim dezentralen Peripheriesystem ET 200S müssen Sie die Anwendung von PROFIenergy
in STEP 7 projektieren. Sie projektieren PROFIenergy, indem Sie im Power-Modul
PM-E DC24V/8A RO das Optionskästchen "Energiesparmaßnahmen für diese
Potenzialgruppe verwenden" aktivieren.
Wenn Sie PROFIenergy für ein I-Device verwenden wollen, dann müssen Sie das in STEP 7
projektieren. Wie Sie PROFIenergy für ein I-Device projektieren, finden Sie im Kapitel
PROFIenergy bei I-Devices projektieren (Seite 146).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 285
Funktionen
5.12 Docking Systeme

Anwendungsbeispiele
• SIMATIC S7 Bibliothek zur einfachen Parametrierung von PROFIenergy.
Das Anwendungsbeispiel finden Sie hier
([Link]
• Anwendungsleitfaden zur Umsetzung von Abschaltkonzepten mit PROFIenergy.
Das Anwendungsbeispiel finden Sie hier
([Link]
• Energie sparen mit SIMATIC S7 - PROFIenergy mit I-Device
Das Anwendungsbeispiel finden Sie hier
([Link]

5.12 Docking Systeme

Anwendung von im Betrieb wechselnden IO-Devices ("Alternative Partner") in einer Docking


Station
Im folgenden Bild ist eine Automatisierungszelle mit einer Docking Station und mehreren
Docking Units dargestellt.

Bild 5-109 Wechselnde IO-Devices (Partner-Ports) in einem Dockingsystem

PROFINET mit STEP 7


286 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.12 Docking Systeme

Einsatzgebiet von im Betrieb wechselnden IO-Devices


Die PROFINET-Funktionalität "Im Betrieb wechselnde IO-Devices" ("Alternative Partner")
können Sie z. B. für den Werkzeugwechsel bei Robotern nutzen. Typische Werkzeuge sind:
• Schweißzangen
• Haltewerkzeuge für Fertigungsteile

Voraussetzungen für die Verschaltung von im Betrieb wechselnden Partner-Ports


Sie können IO-Devices mit im Betrieb wechselnden Partner-Ports in folgenden Fällen
verschalten:
• Das wechselnde IO-Device (Docking Unit) hat keine IRT-Kommunikation projektiert.
• Die PROFINET-Schnittstelle ist mit dem Ethernet-Subnetz verbunden.
• Die PROFINET-Geräte unterstützen Topologie-Projektierung.
• Der IO-Controller, die wechselnden IO-Devices (Docking Unit) und der Switch (Docking
Station), an dem die wechselnden IO-Devices betrieben werden, unterstützen die
Funktion.

Hinweis
Eindeutige IP-Adresse
Jede Docking Unit eines Docking Systems muss mit einer eindeutigen IP-Adresse in einem
gemeinsamen Projekt projektiert und am selben IO-Controller wie alle anderen Docking
Units des Systems betrieben werden.

Applikative Voraussetzungen
Folgende Punkte sind bei der Realisierung eines Dockingsystems mit im Betrieb wechselnden
IO-Devices zu beachten:
• Die IO-Devices aller Docking Units sind in der Projektierung in der Voreinstellung
deaktiviert.
• Es kann zu jeder Zeit immer nur eine Docking Unit aktiv sein, d. h. nur die IO-Devices einer
Docking Unit können aktiviert sein. Alle IO-Devices anderer Docking Units müssen
deaktiviert sein oder deaktiviert werden, bevor die IO-Devices einer Docking Unit aktiviert
werden können. Sie aktivieren ein IO-Device mit der Anweisung "D_ACT_DP".
• Zur Aktivierung einer Docking Unit wird eine physikalische Verbindung zu dieser Docking
Unit und dessen IO-Devices hergestellt und danach werden die IO-Devices eingeschaltet
(Power-On). Zeitgleich müssen im Anwenderprogramm alle IO-Devices dieser Docking
Unit mit der Anweisung "D_ACT_DP" aktiviert werden.

Hinweis
Automatische Deaktivierung im Betriebszustand "Anlauf" der CPU
Wenn sich die CPU im Betriebszustand "Anlauf" befindet, dann werden im Betrieb
wechselnde IO-Devices eines Dockingsystems automatisch deaktiviert.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 287
Funktionen
5.12 Docking Systeme

• Nach der Rückmeldung "IO-Device aktiviert" greifen Sie per direkten Peripheriezugriff auf
das IO-Device zu.
• Rufen Sie die Anweisung "D_ACT_DP" zum Aktivieren und Deaktivieren des IO-Devices
möglichst am Anfang des OB 1-Zyklus auf.

Hinweis
Anzahl der im Betrieb wechselnden IO-Devices ("Wechselnder Partner-Port") - Anzahl
der Docking Units
Wenn Sie schnellstmögliche Werkzeugwechselzeiten erreichen möchten, müssen Sie
folgende Punkte, die von der eingesetzten CPU oder dem eingesetzten CP abhängig sind,
beachten:
• Nur mit der PROFINET-Funktionalität "Priorisierter Hochlauf" projektierte IO-Devices
können optimiert anlaufen. Die Anzahl der IO-Devices mit Projektierung dieser
PROFINET-Funktionalität ist beschränkt.
• Es kann nur eine bestimmte Anzahl von IO-Devices gleichzeitig aktiviert werden. Diese
ist abhängig von den verfügbaren "D_ACT_DP"-Ressourcen. Eine Docking Unit sollte
nicht mehr als die entsprechende Anzahl IO-Devices enthalten. Werden hier mehr
IO-Devices in einer Docking Unit betrieben, so müssen die IO-Devices nacheinander
aktiviert werden, was entsprechend länger dauert.
Beispiel: Eine S7-CPU 1516-3 PN/DP kann maximal 32 IO-Devices mit priorisiertem
Hochlauf bedienen und kann gleichzeitig 8 IO-Devices per "D_ACT_DP" aktivieren.
Für eine zeitlich optimale Anwendung sollte deshalb eine Docking Unit nicht mehr als
8 IO-Devices beinhalten und in allen wechselnden Docking Units sollten nicht mehr als
32 IO-Devices eingesetzt sein.

5.12.1 Docking Systeme projektieren

Projektieren von Docking Systemen


Die möglichen Verbindungen zu den einzelnen IO-Devices müssen in STEP 7 projektiert
werden.

Vorgehen in STEP 7
1. Projektieren Sie Ihre Anlage wie gewohnt, verzichten Sie dabei zunächst auf die
topologische Verschaltung der einzelnen PROFINET-Geräte.
2. Navigieren Sie in das Register "Topologiesicht".
3. Selektieren Sie den Port, den Sie mit im Betrieb wechselnden Partnern betreiben wollen.
4. Navigieren Sie in das Register "Eigenschaften" des Inspektorfensters und wählen Sie in der
Bereichsnavigation "Portverschaltung" aus.

PROFINET mit STEP 7


288 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.12 Docking Systeme

5. Aktivieren Sie unter "Partner-Port" die Option "Alternative Partner".


6. Wählen Sie die gewünschten Partner-Ports aus: Klicken Sie dazu auf "<Alternativen Partner
hinzufügen...>" und wählen Sie einen Partner-Port aus - wiederholen Sie den Vorgang, bis
alle gewünschten Partner-Ports verbunden sind.

Bild 5-110 Docking Systeme projektieren in STEP 7

Tipp: Alternative Partner-Ports können Sie auch per Drag and Drop in der Topologiesicht
verbinden, wenn sie vorher die Option "Alternative Partner" aktiviert haben.

Ergebnis
Sie haben den betreffenden Port mit einem oder mehreren wechselnden IO-Devices
verschaltet. Die Verbindungen zu den einzelnen im Betrieb wechselnden Partner-Ports
werden in der Topologiesicht mit einer grünen gestrichelten Linie dargestellt.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 289
Funktionen
5.12 Docking Systeme

Mehrere IO-Devices als Docking Unit ("Wechselnder Partner-Port")


Eine Docking Unit kann auch aus mehreren in Reihe geschalteten IO-Devices bestehen.
Stellen Sie bei der Verwendung von in Reihe geschalteten IO-Devices als Docking Unit sicher,
dass die Topologie der IO-Devices projektiert ist. Rechts unten im folgenden Bild ist eine
Docking Unit aus zwei in Reihe geschalteten IO-Devices (Tool_3_1 und Tool_3_2) dargestellt.

Bild 5-111 Docking System in der Topologiesicht von STEP 7

Einschränkung bei der Verschaltung


Die Verschaltung mit einem Partner-Port ist in folgenden Fällen nicht möglich:
• Der Partner-Port hat einen nicht passenden Leitungstyp. In diesem Fall muss ein
Medienkonverter aus dem Katalog eingefügt werden.
• Der Partner-Port ist gesperrt (deaktiviert).
• Die beiden zu verschaltenden Ports gehören zur gleichen Schnittstelle (nur die
Verschaltung der Ports von unterschiedlichen Schnittstellen in einer Station ist möglich).
• Die beiden zu verschaltenden Ports gehören zu unterschiedlichen Ethernet-Subnetzen.

Verschaltung löschen
Markieren Sie den Port des wechselnden Partners und entfernen Sie die Verschaltung mit der
"Entfernen"-Taste.

PROFINET mit STEP 7


290 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

5.13 Hochlauf beschleunigen

5.13.1 Möglichkeiten zum Beschleunigen des Hochlaufs von IO-Devices

Hochlaufzeit von IO-Devices verkürzen


Die Zeit für den Hochlauf von IO-Devices ist von verschiedenen Faktoren abhängig und kann
auf unterschiedlichen Wegen verkürzt werden.
Mit der PROFINET-Funktion "Priorisierter Hochlauf" erreichen Sie eine erste, deutliche
Verkürzung der Hochlaufzeit.
Um noch kürzere Hochlaufzeiten zu erreichen, setzen Sie zusätzlich zur Funktionalität
"Priorisierten Hochlauf" die folgenden Maßnahmen um:
• Porteinstellungen optimieren
• Verkabelung der Ports optimieren
• Maßnahmen im Anwenderprogramm (nur für Dockingsysteme)
Auch ohne "Priorisierter Hochlauf" beschleunigen diese Maßnahmen den Hochlauf der
IO-Devices. Schnellste Hochlaufzeiten von etwa 500 ms erreichen Sie jedoch nur durch die
Kombination aller Maßnahmen mit "Priorisiertem Hochlauf".

Hinweis
Anlaufzeit bis zu 8 s
Bei der folgenden Situation kann es trotz Priorisiertem Hochlauf zu einer Anlaufzeit von bis zu
8 s kommen:
An einer Andockstelle docken als ein IO-Device mit identischen Gerätenamen und identischer
IP-Konfiguration mehrere physikalische IO-Devices an (z. B. Andockstelle für fahrerloses
Transportsystem).

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 291
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

Abhängigkeiten
Die Länge der Hochlaufzeit eines IO-Devices (Dezentrale Peripherie) mit der
PROFINET-Funktionalität "Priorisierter Hochlauf" ist von folgenden Punkten abhängig:
• IO-Devices (Dezentrale Peripherie)
• Peripherieausbau des IO-Devices (Dezentrale Peripherie)
• Module des IO-Devices (Dezentrale Peripherie)
• IO-Controller
• Switch
• Porteinstellung
• Verkabelung
• Projektierte RT-Klasse des IO-Devices

Hinweis
Hochlaufzeit und RT-Klasse des IO-Devices
Ein IO-Device mit IRT-Kommunikation benötigt für den beschleunigten Anlauf länger, als
ein IO-Device mit RT-Kommunikation.
Der längere Anlauf bei IRT resultiert aus der Notwendigkeit, das IO-Device zu
synchronisieren, bevor die Kommunikation eingerichtet werden kann.

Hinweis
IWLAN und Priorisierter Hochlauf
PROFINET-Geräte, die über Access Points an PROFINET IO angeschlossen sind,
unterstützen nicht die PROFINET-Funktionalität "Priorisierter Hochlauf".

PROFINET mit STEP 7


292 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

5.13.2 Priorisierter Hochlauf

Definition
Priorisierter Hochlauf bezeichnet die PROFINET-Funktionalität zur Beschleunigung des Anlaufs
von IO-Devices in einem PROFINET IO-System mit RT-Kommunikation. Sie verkürzt die Zeit,
die die entsprechend projektierten IO-Devices benötigen, um in folgenden Fällen wieder in
den zyklischen Nutzdatenaustausch zu gelangen:
• Nach Wiederkehr der Spannungsversorgung
• Nach Stationswiederkehr
• Nach Aktivieren von IO-Devices

WARNUNG
Datenaustausch trotz mehrfach verwendeter IP-Adressen/Gerätenamen im
PROFINET IO-System
Um die schnelleren Hochlaufzeiten zu erreichen, überprüft der IO-Controller beim
priorisierten Hochlauf die Eindeutigkeit von Gerätenamen und IP-Adresse parallel mit dem
Gerätehochlauf. Bei fehlerhafter bzw. doppelter Vergabe von Gerätenamen oder IP-Adresse
ist ein kurzzeitiger Datenaustausch möglich, bis der IO-Controller auf den Fehler reagiert. In
dieser Zeit kann der IO-Controller IO-Daten mit dem falschen Gerät austauschen.
Stellen Sie bei der Inbetriebnahme sicher, dass im PROFINET IO-System keine IP-
Adressen/Gerätenamen mehrfach vergeben sind.

Vorteile
Die PROFINET-Funktionalität "Priorisierter Hochlauf" ermöglicht PROFINET IO-Anwendungen,
in denen Maschinenteile oder Werkzeuge und deren IO-Devices permanent getauscht
werden. Wartezeiten von mehreren Sekunden zwischen den zeitlichen Abläufen des
Wiederanlaufs sind durch deren Optimierung auf ein Minimum reduziert. Dadurch
beschleunigt sich der Fertigungsprozess mit wechselnden IO-Devices (PROFINET-
Funktionalität "Docking Systeme"), z. B. in Werkzeugwechsler-Anwendungen, und ermöglicht
einen größeren Durchsatz in der Produktion.
Auch in Anwendungen, bei denen es generell auf eine schnelle Hochlaufzeit der IO-Devices
nach "Power-On" bzw. nach Stationsausfall/Stationswiederkehr ankommt, oder beim
Aktivieren von IO-Devices bietet die PROFINET-Funktionalität "Priorisierter Hochlauf" einen
erheblichen Performance-Gewinn.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 293
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

Einsatzgebiet
Priorisierter Hochlauf können Sie z. B. für den Werkzeugwechsel bei Robotern in der
Automobilindustrie nutzen. Typische Werkzeuge sind z. B.:
• Schweißzangen
• Haltewerkzeuge für die Fertigung von Karosserieteilen

Bild 5-112 Beispielkonfiguration eines Werkzeugwechslers: Werkzeuge 1-3 mit "Priorisiertem Hochlauf" konfiguriert

PROFINET mit STEP 7


294 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

5.13.3 Priorisierten Hochlauf projektieren

Voraussetzung
Die PROFINET-Funktionalität "Priorisierter Hochlauf" können Sie bei den IO-Devices
(Dezentrale Peripherie) nur in folgenden Fällen aktivieren:
• Der verwendete IO-Controller kann ausgewählte IO-Devices beim Hochlauf priorisieren.
• Das verwendete IO-Device unterstützt die Priorisierung.

Vorgehen
1. Selektieren Sie in der Netz- oder Gerätesicht das IO-Device, dessen Hochlauf beschleunigt
werden soll.
2. Öffnen Sie im Inspektorfenster die Eigenschaften des IO-Devices.
3. Navigieren Sie zu "PROFINET-Schnittstelle > Erweiterte Optionen > Schnittstellen-Optionen".
4. Aktivieren Sie das Optionskästchen "Priorisierter Hochlauf".

Bild 5-113 Priorisierten Hochlauf projektieren in STEP 7

5. Laden Sie die Projektierung in den IO-Controller.

Hinweis
Priorisierter Hochlauf nach erstmaligem Hochlauf
Ein Priorisierter Hochlauf der IO-Devices steht Ihnen immer erst nach der erstmaligen
Parametrierung dieses IO-Devices im allerersten Anlauf des PROFINET IO-Systems zur
Verfügung. Auch im Ersatzteilfall bzw. nach Reset to factory Settings (Zurücksetzen auf
Werkseinstellung) erfolgt der erste Hochlauf als Standard-Hochlauf bei den entsprechend
projektierten IO-Devices.

Hinweis
Anzahl von IO-Devices (Dezentrale Peripherie) mit priorisiertem Hochlauf
Innerhalb eines PROFINET IO-Systems können Sie nur eine, vom verwendeten
IO-Controller abhängige, maximale Anzahl von IO-Devices mit der PROFINET-
Funktionalität "Priorisierter Hochlauf" anlaufen lassen.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 295
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

5.13.4 Porteinstellungen optimieren

Porteinstellungen am IO-Device und IO-Controller optimieren


Während des Hochlaufs des IO-Devices findet im Fall einer Cu-Verkabelung eine Prüfung des
Übertragungsmediums und der Duplexoption statt.
Diese Prüfungen nehmen Zeit in Anspruch - durch gezielte Voreinstellung dieser Optionen
kann die Zeit für die Prüfung eingespart werden. Stellen Sie sicher, dass die vorgenommenen
Einstellungen den realen Gegebenheiten entsprechen (Verwendung der richtigen Kabel).

Porteinstellungen für beschleunigten Hochlauf optimieren


Um die Porteinstellungen für den beschleunigten Hochlauf zu optimieren, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie den Port des IO-Controllers oder den Partnerport des dazugehörigen
IO-Devices.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Portoptionen > Verbindung". Wählen Sie unter
"Übertragungsrate/Duplex" die Einstellung "TP 100 Mbit/s Vollduplex" aus.
3. Deaktivieren Sie das Optionskästchen "Autonegotiation aktivieren".

Bild 5-114 Porteinstellungen für beschleunigten Hochlauf optimieren in STEP 7

Diese Einstellungen werden bei Topologieprojektierung automatisch für den Partnerport


übernommen.

PROFINET mit STEP 7


296 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

5.13.5 Verkabelung der Ports optimieren

Voraussetzung
Sie haben zur Verkürzung der Hochlaufzeit des IO-Devices für den betreffenden Port folgende
Einstellungen vorgenommen:
• Feste Übertragungsrate
• Autonegotiation deaktiviert
Die Zeit für das Aushandeln der Übertragungsrate beim Hochlauf wird somit eingespart.
Wenn Sie Autonegotiation deaktiviert haben, müssen Sie die Verkabelungsregeln beachten.

Eigenschaften von Ports


PROFINET-Geräte besitzen zwei Arten von Ports:

Art des Ports PROFINET-Geräte


Switchport mit gekreuzter Pinbelegung Bei IO-Devices: Port 2
Bei S7-CPUs mit zwei Ports: Port 1 und Port 2
Endgeräteport mit normaler Pinbelegung Bei IO-Devices: Port 1
Bei S7-CPUs mit einem Port: Port 1

Gekreuzte Pinbelegung bedeutet, dass die Pinbelegung der Ports für Senden und Empfangen
zwischen den betreffenden PROFINET-Geräten intern vertauscht wird.

Gültigkeit der Verkabelungsregeln


Die im folgenden Absatz beschriebenen Verkabelungsregeln gelten ausschließlich für den
Fall, dass Sie eine feste Porteinstellung in STEP 7 vorgenommen haben.

Regeln für die Verkabelung


Mehrere IO-Devices können Sie mit Patchkabeln in Linie verbinden. Dazu verbinden Sie Port 2
des IO-Devices (Dezentrale Peripherie) mit dem Port 1 des nächsten IO-Devices. In der
folgenden Grafik ist ein Beispiel mit zwei IO-Devices dargestellt.

Bild 5-115 Optimierte Verkabelung für beschleunigten Hochlauf

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 297
Funktionen
5.13 Hochlauf beschleunigen

5.13.6 Maßnahmen im Anwenderprogramm

Einleitung
Sie können durch bestimmte Änderungen im Anwenderprogramm den Hochlauf für im
Betrieb wechselnde IO-Devices von Dockingsystemen beschleunigen.

Notwendige Änderungen am Anwenderprogramm vornehmen


Um den Hochlauf mit Hilfe von Änderungen am Anwenderprogramm zu beschleunigen,
gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Rufen Sie die Anweisung "D_ACT_DP" zum Aktivieren und Deaktivieren des IO-Devices am
Anfang des OB 1-Zyklus auf.
Wenn das IO-Device gewechselt wird, dann muss das nicht mehr benötigte IO-Device
deaktiviert und das neue IO-Device aktiviert werden.
2. Wenn Sie den Befehl zum Einschalten ("Power ON") der IO-Devices durch die Applikation
steuern, dann starten Sie auch möglichst zeitgleich das Aktivieren der IO-Devices durch den
entsprechenden Aufruf der Anweisung "D_ACT_DP". Das IO-Device muss dazu physikalisch
verbunden sein.
3. Nach der Rückmeldung "IO-Device aktiviert" der Anweisung "D_ACT_DP" greifen Sie über
Direktzugriffs-Befehle auf das IO-Device zu.

PROFINET mit STEP 7


298 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System
S7-1500R/H 6
Einführung
Für die PROFINET IO-Kommunikation mit dem redundanten System S7-1500R/H gelten die
gleichen Grundregeln wie beim Automatisierungssystem S7-1500. Das redundante System
S7-1500R/H tauscht zyklisch IO-Daten mit den IO-Devices aus.
Das redundante System S7-1500R/H unterstützt einen eingeschränkten Umfang an
PROFINET-Funktionen.
Das redundante System S7-1500R/H nutzt Medienredundanz (MRP) im PROFINET-Ring.
Am redundanten System S7-1500R/H können Sie folgende IO-Devices einsetzen:
• IO-Devices mit Systemredundanz S2
• Standard-IO-Devices, über die Funktion "Geschaltetes S1-Device" der CPU
Beim Aufbau von PROFINET-Konfigurationen mit dem redundanten System S7-1500R/H
müssen Sie einige Besonderheiten beachten, z. B. spezielle Aufbauvorschriften.

Einschränkungen
• Echtzeitkommunikation:
– RT mit einem festen Sendetakt von 1 ms
– Kein IRT
– Kein Redundanzverfahren MRPD
– Kein PROFINET mit Performance Upgrade
• Keine Taktsynchronität
• Kein direkter Datenaustausch
• Kein Betrieb als I-Device
• Kein Zugriff auf Shared Devices
• Keine Unterstützung von Docking-Systemen
• Keine Unterstützung von Serienmaschinen-Projekten
• Port-Optionen (nur für PROFINET-Schnittstelle X1):
– Kein Deaktivieren von Ports möglich
– Kein Projektieren von Boundaries möglich

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 299
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.1 Medienredundanz am redundanten System S7-1500R/H

• Funktionalität als IO-Controller:


– Kein priorisierter Hochlauf
– Kein aktivieren/deaktivieren von IO-Devices
– Keine Unterstützung von Serienmaschinenprojekten, z. B. mehrfach einsetzbare
IO-Systeme
• PROFINET-Schnittstelle X2 unterstützt keine IO-Funktionalität (CPU 1515R/CPU 1517H)
• Keine Diagnose über den Webserver
• Keine IP-Adressvergabe durch DHCP-Server

6.1 Medienredundanz am redundanten System S7-1500R/H


Die beiden CPUs des redundanten Systems müssen sich in einem PROFINET-Ring befinden,
der das Medienredundanzverfahren MRP verwendet. Alle PROFINET-Geräte im PROFINET-Ring
sind medienredundant an die S7-1500R/H angebunden. Wenn der PROFINET-Ring
unterbrochen wird, dann kann es zu einer Rekonfiguration kommen. Dabei sind nach einer
kurzen Rekonfigurationszeit die PROFINET-Geräte über einen alternativen Weg wieder
erreichbar.

6.2 H-Sync-Forwarding

Einleitung
H-Sync-Forwarding befähigt ein PROFINET-Gerät mit MRP die Synchronisationsdaten
(Synchronisationstelegramme) eines redundanten Systems S7-1500R nur innerhalb des
PROFINET-Rings weiterzuleiten.
Außerdem werden durch H-Sync-Forwarding die Synchronisationsdaten auch während einer
Rekonfiguration des PROFINET-Rings weitergeleitet. H-Snyc-Forwarding vermeidet eine
Zykluszeiterhöhung bei einer Unterbrechung des PROFINET-Rings.

Hinweis
Unterstützung H-Sync-Forwarding
Ob ein PROFINET-Gerät H-Sync-Forwarding unterstützt, steht typischerweiser in den
technischen Daten.
Auch anhand der GSD-Datei erkennen Sie, ob das Gerät H-Sync-Forwarding unterstützt. Das
Gerät unterstützt H-Sync-Forwarding, wenn das Attribut
"AdditionalForwardingRulesSupported" im Element „MediaRedundancy“ auf „true“ gesetzt ist.

PROFINET mit STEP 7


300 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.2 H-Sync-Forwarding

Randbedingungen
• Für redundante Systeme S7-1500H ist H-Sync-Forwarding nicht relevant. Beim
redundanten System S7-1500H werden die H-Sync-Telegramme ausschließlich über die
Lichtwellenleiter übertragen.
• Wenn Sie PROFINET-Geräte mit mehr als 2 Ports (z. B. Switch) im PROFINET-Ring eines
R-Systems einsetzen, dann müssen diese Geräte H-Sync-Forwarding unterstützen.
Bei einem Switch ohne H-Sync-Forwarding verlassen H-Sync-Telegramme den PROFINET-
Ring. Das führt zu einer zusätzlichen Belastung des Netzwerks. Als weitere gravierende
Folge kann bei anderen R-Systemen im Netzwerk die Redundanz ausfallen oder der Anlauf
verhindert werden.
• Wenn Sie PROFINET-Geräte mit nur 2 Ports im PROFINET-Ring eines R-System
einsetzen, dann wird H-Sync-Forwarding empfohlen.
Wenn Sie PROFINET-Geräte ohne H-Sync-Forwarding im PROFINET-Ring des redundanten
Systems S7-1500R/H betreiben, führt das folgende Szenario zu einer zusätzlichen
Zykluszeiterhöhung:

1. Das redundante System S7-1500R befindet sich im Systemzustand RUN-Redundant.


2. Die PROFINET-Leitung, welche die beiden CPUs direkt verbindet, fällt aus.
3. Der PROFINET-Ring ist unterbrochen.
4. Der PROFINET-Ring wird rekonfiguriert.
5. PROFINET-Geräte ohne H-Sync-Forwarding leiten während der Rekonfigurationszeit des
PROFINET-Rings keine H-Sync-Telegramme weiter.
6. Die Zykluszeit erhöht sich um die Rekonfigurationszeit des PROFINET-Rings.
Bild 6-1 Ausfall der PROFINET-Leitung zwischen den CPUs

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 301
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.3 Systemredundanz S2

Wenn das zyklische Programm die Zyklusüberwachungszeit überschreitet, wird


gegebenenfalls der Zeitfehler-OB (OB 80) gestartet. Falls der Zeitfehler-OB (OB 80) nicht
vorhanden ist oder mit dem OB 80 zweimal die Zykluszeit überschritten wurde, dann tritt
ein Redundanzverlust auf.

Hinweis
Wenn der Ausfall der PROFINET-Leitung, die beide CPUs des redundanten Systems
S7-1500R direkt verbindet, unwahrscheinlich ist, dann können Sie PROFINET-Geräte ohne
H-Sync-Forwarding im PROFINET-Ring des redundanten Systems S7-1500R einsetzen.
Beispiel: Beide CPUs des redundanten Systems S7-1500R/H befinden sich direkt
nebeneinander im Schaltschrank. In diesem Fall ist der Ausfall der PROFINET-Leitung
unwahrscheinlich.

6.3 Systemredundanz S2

Einleitung
IO-Devices mit Systemredundanz S2 ermöglichen den unterbrechungsfreien
Prozessdatenaustausch mit dem redundanten System S7-1500R/H bei Ausfall einer CPU.
Ein IO-Device mit Systemredundanz S2 unterstützt Systemredundanz-ARs. Die
Systemredundanz-ARs können doppelt (redundant) vorhanden sein. Somit unterstützt ein
IO-Device ARs von 2 IO-Controllern gleichzeitig (hinsichtlich derselben Module).
Eine Systemredundanz-AR kann entweder Primary-AR oder Backup-AR sein. Ein IO-Device
schaltet die Daten von der Primary-AR an den Ausgängen aktiv. Die Daten der Backup-AR
werden lediglich gespeichert.
In STEP 7 projektieren Sie Systemredundanz S2 für ein IO-Device, indem Sie das IO-Device
beiden CPUs des redundanten Systems S7-1500R/H zuordnen.

PROFINET mit STEP 7


302 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.3 Systemredundanz S2

Verhalten im Systemzustand RUN-Redundant


Beide CPUs sind IO-Controller. Die PROFINET-Kommunikation läuft auf beiden
Systemredundanz-ARs gleichzeitig, jeweils zwischen einer der CPUs (IO-Controller) und dem
IO-Device. Wenn nun die Primary-CPU ausfällt, dann wird die Backup-CPU zur Primary-CPU
und schaltet dabei auch die Backup-AR auf Primary-AR um. Die Daten dieser AR werden an
den Ausgängen aktiv.

Bild 6-2 Primary-Backup-AR

Verhalten im Systemzustand RUN-Solo


Nur die Primary-CPU ist IO-Controller. Die PROFINET-Kommunikation läuft auf der Primary-AR
zwischen der Primary-CPU (IO-Controller) und dem IO-Device. Zwischen der Backup-CPU und
dem IO-Device besteht keine AR.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 303
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.4 Geschaltetes S1-Device

6.4 Geschaltetes S1-Device

Einleitung
Ab FW-Stand V2.8 unterstützt das redundante System S7-1500R/H die Funktion "Geschaltetes
S1-Device".
Die Funktion "Geschaltetes S1-Device" der CPU ermöglicht den Betrieb von
Standard-IO-Devices am redundanten System S7-1500R/H.
Auch Standard-IO-Devices sind immer beiden CPUs des redundanten Systems S7-1500R/H
zugeordnet. Im Unterschied zu einem IO-Device mit Systemredundanz S2 unterstützt ein
Standard-IO-Device nur eine aktive AR. Die AR besteht immer nur zur Primary-CPU des
redundanten Systems S7-1500R/H.
In STEP 7 projektieren Sie ein über die Funktion "Geschaltetes S1-Device" angebundenes
IO-Device, indem Sie ein Standard-IO-Device beiden CPUs des redundanten Systems
S7-1500R/H zuordnen.

Hinweis
Standard-IO-Devices im redundanten System S7-1500R
Standard-IO-Devices unterstützen in der Regel kein H-Sync-Forwarding (Seite 300).
Um eine Zykluszeiterhöhung bei Unterbrechung des PROFINET-Rings zu vermeiden, binden
Sie die Standard-IO-Devices nicht im PROFINET-Ring, sondern hinter einem Switch ein.

PROFINET mit STEP 7


304 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.4 Geschaltetes S1-Device

Verhalten im Systemzustand RUN-Redundant


Die PROFINET-Kommunikation läuft auf der AR zwischen der Primary-CPU (IO-Controller) und
dem Standard-IO-Device. Zwischen der Backup-CPU und dem Standard-IO-Device besteht
keine AR.
Wenn die Primary-CPU ausfällt oder nach STOP geschaltet wird, dann verhält sich das
redundante System S7-1500R/H wie folgt:
• Die AR zwischen der Primary-CPU und dem Standard-IO-Device wird getrennt.
• Die bisherige Backup-CPU wird neue Primary-CPU.
• Das redundante System S7-1500R/H hat vorübergehend keinen Zugriff auf die Eingänge
und keine Kontrolle über die Ausgänge des Standard-IO-Devices. In dieser Zeit gilt das
parametrierte Ersatzwertverhalten für das Standard-IO-Device.
• Die neue Primary-CPU baut eine AR zum Standard-IO-Device auf.
• Sobald die neue Primary-CPU die AR eingerichtet hat, hat das redundante System
S7-1500R/H wieder Zugriff auf die Eingänge und Kontrolle über die Ausgänge des
Standard-IO-Devices.

Bild 6-3 Verhalten von Standard IO-Devices bei Ausfall der Primary-CPU

Verhalten im Systemzustand RUN-Solo


Nur die Primary-CPU ist IO-Controller. Die PROFINET-Kommunikation läuft auf der AR
zwischen der Primary-CPU und dem Standard-IO-Device. Zwischen der Backup-CPU und dem
IO-Device besteht keine AR.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 305
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.4 Geschaltetes S1-Device

OB-Verhalten für Standard-IO-Devices bei Primary-Backup-Umschaltung


Wenn die Primary-CPU ausfällt oder in STOP geht, fallen vorübergehend die
Standard-IO-Devices aus. Der OB 72 "Redundanzfehler" wird aufgerufen, zusätzliche OB 86
"Baugruppenträgerausfall" für die ausgefallenen IO-Devices werden nicht aufgerufen. Um die
ausgefallenen IO-Devices zu erkennen, rufen Sie im OB 72 die Anweisung DeviceStates auf.
Mit der Funktion "Geschaltetes S1-Device" baut die neue Primary-CPU die ARs zu den
Standard-IO-Devices wieder auf. Für jede Wiederkehr eines IO-Devices wird ein OB 86
aufgerufen.

Umschaltzeit von geschalteten S1-Devices beeinflussen


Ab FW-Stand V2.9 können Sie nach einem Ausfall/STOP der Primary-CPU die Umschaltzeit
zwischen Trennung und Wiederkehr von geschalteten S1-Devices beeinflussen.
Vorteile:
• Optimieren der Umschaltzeit zwischen Trennung und Wiederkehr von geschalteten
S1-Devices
• Priorisieren der Wiederkehr von S1-Devices im PROFINET-Ring durch Einstellen einer
geringeren Umschaltzeit bei S1-Devices mit wichtigen Prozessfunktionen.
Die Umschaltzeit ist abhängig von der Ansprechüberwachungszeit des geschalteten
S1-Devices. Die Ansprechüberwachungszeit ergibt sich aus der Aktualisierungszeit mal den
akzeptierten Aktualisierungszyklen ohne IO-Daten. Mit den Parametern beeinflussen Sie den
Zeitpunkt, ab wann die neue Primary-CPU mit der Wiederkehr des S1-Devices beginnt. Die
Wiederkehr ist auch davon abhängig, wie viel Zeit die Parametrierung des S1-Devices
erfordert.
Sie stellen die Parameter in STEP 7 in den Eigenschaften der Schnittstelle jedes S1-Devices
ein:
• Aktualisierungszeit: Erweiterte Optionen > Echtzeit-Einstellungen > IO-Zyklus >
Aktualisierungszeit
• Ansprechüberwachungszeit: Erweiterte Optionen > Echtzeit-Einstellungen > IO-Zyklus >
Ansprechüberwachungszeit > Akzeptierte Aktualisierungszyklen ohne IO-Daten
Geringere Umschaltzeit eines S1-Devices einstellen: Verringern Sie die Werte der
Parameter/eines Parameters.
Höhere Umschaltzeit eines S1-Devices einstellen: Erhöhen Sie die Werte der Parameter/eines
Parameters.

PROFINET mit STEP 7


306 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.5 Wesentliche Unterschiede zwischen IO-Device mit Systemredundanz S2 und Standard-IO-Device

6.5 Wesentliche Unterschiede zwischen IO-Device mit


Systemredundanz S2 und Standard-IO-Device

Tabelle 6- 1 Wesentliche Unterschiede IO-Device mit Systemredundanz S2 und Standard-IO-Device

Eigenschaft IO-Device mit Systemredundanz Standard-IO-Device


S2
Voraussetzung IO-Device Gerät unterstützt Systemredun- -
danz S2
Maximal gleichzeitig unterstützte ARs 2 1
hinsichtlich derselben Module
Verhalten bei Wechsel der Primary-CPU Durchgehende Verbindung mit Vorübergehende Trennung vom redundan-
redundanten System S7-1500R/H ten System S7-1500R/H.
Prozessdaten werden weiter über- Bis zur Wiederkehr des Standard-IO-Devices
tragen. werden keine Prozessdaten übertragen. Der
Status der Ausgänge hängt vom Ersatzwert-
verhalten der jeweiligen Kanäle ab.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 307
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.6 Aufbauvorschriften

6.6 Aufbauvorschriften

Aufbauvorschriften für eine Ringtopologie mit dem redundanten System S7-1500R


• Die beiden CPUs besitzen die Medienredundanzrolle "Manager (auto)".
• Alle anderen Geräte im PROFINET-Ring besitzen die Medienredundanzrolle "Client".
• Im PROFINET-Ring ist kein weiteres redundantes System S7-1500R/H vorhanden.
• Portverschaltung:
– Die beiden CPUs sind über einen der beiden Ports der PROFINET-Schnittstelle X1 direkt
miteinander verbunden. Dazwischen befindet sich kein weiterer Teilnehmer des Rings.
– Über die anderen beiden Ports können die beiden CPUs indirekt miteinander
verbunden sein, die anderen Teilnehmer des Rings befinden sich dazwischen. Siehe
Beispiele unten.
• Max. Anzahl IO-Devices: 64

Hinweis
Standard-IO-Devices im redundanten System S7-1500R
Standard-IO-Devices unterstützen in der Regel kein H-Sync-Forwarding.
Um eine Zykluszeiterhöhung bei Unterbrechung des PROFINET-Rings zu vermeiden,
binden Sie die Standard-IO-Devices nicht im PROFINET-Ring, sondern hinter einem Switch
ein.

• Anzahl an PROFINET-Geräten (IO-Devices, Switches, S7-1500R CPUs, S7-1500 CPUs (ab


V2.5) und HMI-Geräte) im PROFINET-Ring:
– Max. 50 (Empfehlung max. 16)

Hinweis
Empfehlung: Die Anzahl der Teilnehmer im PROFINET-Ring beeinflusst die Verfügbarkeit
des Systems S7-1500R. Die Anzahl der PROFINET-Geräte inklusive R-CPUs im
PROFINET-Ring sollte 16 nicht überschreiten. Wenn Sie deutlich mehr Teilnehmer im
PROFINET-Ring betreiben, dann verringert sich die Verfügbarkeit der IO-Devices und der
R-CPUs. Die Angaben zu den technischen Daten in der Dokumentation beziehen sich auf
die maximal empfohlenen 16 PROFINET-Geräte im Ring in S7-1500R.

Aufbauvorschriften für eine Ringtopologie mit dem redundanten System S7-1500H


• Die beiden CPUs besitzen die Medienredundanzrolle "Manager (auto)".
• Alle anderen Geräte im PROFINET-Ring besitzen die Medienredundanzrolle "Client".
• Im PROFINET-Ring ist kein weiteres redundantes System S7-1500R/H vorhanden.

PROFINET mit STEP 7


308 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H konfigurieren

6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H


konfigurieren

PROFINET IO-Konfigurationen mit dem redundanten System S7-1500R/H


Die folgenden Bilder zeigen Ihnen Beispiele für PROFINET IO-Konfigurationen mit dem
redundanten System S7-1500R/H.
Alle Bilder verwenden die folgenden Abkürzungen für AR:
• SR-AR: Systemredundanz-AR zwischen einem IO-Device (S2) und einer der CPUs des
redundanten Systems S7-1500R/H
• AR: "normale" AR zwischen einem Standard-IO-Device und dem dazugehörigen
IO-Controller
Alle Konfigurationen verwenden beispielhaft die CPU 1515R. Die dargestellten
PROFINET-Konfigurationen funktionieren auch mit der CPU 1513R bzw. CPU 1517H.

IO-Devices im PROFINET-Ring
Das redundante System S7-1500R besteht aus den beiden CPUs 1515R und 2 IO-Devices im
PROFINET-Ring. Die IO-Devices unterstützen Systemredundanz S2, MRP und H-Sync-
Forwarding.

Bild 6-4 Beispiel für ein redundantes System S7-1500R mit 2 IO-Devices im PROFINET-Ring

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 309
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H konfigurieren

PROFINET-Geräte hinter einem Switch


Um weitere PROFINET-Geräte an den PROFINET-Ring anzuschließen, verwenden Sie einen
Switch. Achten Sie beim redundanten System S7-1500R darauf, dass ein Switch im
PROFINET-Ring außer MRP noch H-SYNC-Forwarding unterstützt.
Folgende Geräte schließen Sie mit einem Switch an den PROFINET-Ring an.
• PROFINET-Geräte mit einem Port
• Nicht MRP-fähige PROFINET-Geräte
• PROFINET-Gerät, die kein H-Sync-Forwarding unterstützen, zum Beispiel
Standard-IO-Devices.
Das folgende Bild zeigt ein redundantes System S7-1500R mit angeschlossenen
PROFINET-Geräten hinter einem Switch.

IO-Device 1 Das IO-Device 1 befindet sich im PROFINET-Ring.


(S2) Das IO-Device 1 unterstützt Systemredundanz S2, MRP und H-Sync-Forwarding.
Switch Der Switch befindet sich im PROFINET-Ring. Der Switch unterstützt MRP und H-SYNC-
Forwarding
IO-Device 2 Das IO-Device 2 ist ein über den Switch an den PROFINET-Ring angeschlossen.
Das IO-Device 2 ist ein Standard-IO-Device, das über die Funktion "Geschaltetes
S1-Device" an das redundante System S7-1500R angebunden ist.
HMI-Gerät Das HMI-Gerät ist über den Switch an den PROFINET-Ring angeschlossen.

Bild 6-5 PROFINET-Geräte hinter einem Switch

PROFINET mit STEP 7


310 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H konfigurieren

Weiteres PROFINET IO-System in der Konfiguration


In der Konfiguration dürfen sich auch weitere IO-Controller mit eigenen IO-Devices befinden.
Damit im PROFINET-Ring genug Bandbreite für das redundante System S7-1500R/H
vorhanden ist, platzieren Sie weitere IO-Controller mit Ihrer Peripherie hinter einem Switch.
Bei der Ermittlung der maximalen Anzahl der IO-Devices innerhalb und außerhalb des
PROFINET-Rings erkennt das redundante System die S7-1500 CPUs und deren IO-Devices
nicht. Wenn Sie S7-1500 CPUs einsetzen, dann müssen Sie die maximale Anzahl selbst
überprüfen.
Das folgende Bild zeigt ein redundantes System S7-1515R. Hinter dem Switch befindet sich
ein weiteres PROFINET IO-System mit einer CPU 1516 als IO-Controller. Dem IO-Controller ist
ein eigenes Standard-IO-Device zugeordnet.

Bild 6-6 Beispiel für ein redundantes System S7-1500R mit einem weiteren PROFINET IO-System

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 311
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H konfigurieren

Weitere IO-Controller können auch als I-Device an das redundante System S7-1500R/H
angebunden sein. Ein I-Device ist wie ein Standard-IO-Device an das redundante System
S7-1500R/H angebunden.
Das redundante System S7-1500R/H unterstützt den Einsatz von I-Devices nur über GSD-Datei
und als Standard-IO-Device.

Bild 6-7 I-Device hinter einem Switch

PROFINET mit STEP 7


312 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H konfigurieren

Verbindung zu einem anderen PROFINET IO-System über den PN/PN-Coupler


Über einen PN/PN-Coupler tauscht das redundante System S7-1500R/H zyklisch IO-Daten mit
einem anderen PROFINET IO-System aus.
Im folgenden Bild verbindet der PN/PN-Coupler ein redundantes System S7-1515R mit einem
weiteren PROFINET IO-System. Die linke Seite des PN/PN-Couplers ist dem redundanten
System S7-1515R zugeordnet. Die Zuordnung ist systemredundant und medienredundant.
Die rechte Seite des PN/PN-Couplers ist der CPU 1516 (IO-Controller) zugeordnet. Das
PROFINET IO-System der CPU 1516 hat im vorliegenden Beispiel keine Redundanz.

Bild 6-8 Konfiguration mit dem PN/PN-Coupler mit einseitiger Systemredundanz (S2/S1)

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 313
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.7 PROFINET IO an einem redundanten System S7-1500R/H konfigurieren

Verbindung zu einem weiteren redundanten System S7-1500R/H über den PN/PN-Coupler


Über den PN/PN-Coupler tauschen 2 redundante Systeme S7-1500R/H zyklisch IO-Daten
miteinander aus.
Im folgenden Bild verbindet der PN/PN-Coupler 2 redundante Systeme S7-1515R miteinander.
Beide Seiten des PN/PN-Couplers sind jeweils einem redundanten System S7-1515R
zugeordnet. Beide Seiten des PN/PN-Couplers sind systemredundant und medienredundant
an das jeweilige redundante System S7-1515R angebunden.

Bild 6-9 Konfiguration mit dem PN/PN-Coupler mit zweiseitiger Systemredundanz (S2/S2)

Verweis
Weitere Informationen zum PN/PN-Coupler finden Sie im Gerätehandbuch PN/PN-Coupler
([Link]

PROFINET mit STEP 7


314 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.8 IO-Device dem redundanten System S7-1500R/H zuordnen

6.8 IO-Device dem redundanten System S7-1500R/H zuordnen

Voraussetzungen
• Redundantes System S7-1500R/H
• IO-Device:
– Das redundante System S7-1500R/H unterstützt ab Firmware-Version V2.8 IO-Devices
mit Systemredundanz S2 und Standard-IO-Devices.
– Das redundante System S7-1500R/H mit Firmware-Version kleiner V2.8 unterstützt
ausschließlich IO-Devices mit Systemredundanz S2, z. B. IM 155-6 PN HF ab
Firmwarestand V4.2.

Vorgehen
Um ein IO-Device dem redundanten System S7-1500R/H zuzuordnen, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie in der Netzsicht von STEP 7 die PROFINET-Schnittstelle des IO-Device.
2. Ziehen Sie per Drag & Drop eine Linie zwischen der PROFINET-Schnittstelle des IO-Device
und der PROFINET-Schnittstelle X1 der linken CPU.

Bild 6-10 IO-Device der linken CPU zuordnen

Das IO-Device ist der linken CPU zugeordnet.


3. Ziehen Sie per Drag & Drop eine Linie zwischen der PROFINET-Schnittstelle des IO-Device
und der PROFINET-Schnittstelle X1 der rechten CPU.

Bild 6-11 IO-Device der rechten CPU zuordnen

Ergebnis: Das IO-Device ist an das redundante System S7-1500R/H angebunden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 315
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.8 IO-Device dem redundanten System S7-1500R/H zuordnen

Bild 6-12 Zugeordnetes IO-Device

Hinweis
I-Device als Standard IO-Device
Sie können dem redundanten System S7-1500R/H kein Gerät zuordnen, das Sie in STEP 7 als
I-Device projektiert haben.
Um ein I-Device als Standard-IO-Device am redundanten System S7-1500R/H zu betreiben,
projektieren Sie das I-Device immer über GSD-Datei.
• SIMATIC CPU als I-Device
– Projektieren Sie zuerst in STEP 7 die SIMATIC CPU als I-Device mit allen
Transferbereichen.
– Exportieren Sie das I-Device als GSD-Datei. Den GSD-Export finden in den
Eigenschaften der PROFINET-Schnittstelle unter "Betriebsart" >
"I-Device-Kommunikation" > "Gerätebeschreibungsdatei (GSD) exportieren".
– Installieren Sie die GSD-Datei in STEP 7.
• HMI-Gerät als I-Device (Funktion "Direkttaste")
– Die GSD-Dateien für SIMATIC Comfort Panel und SIMATIC Mobile Panel finden in
diesem Anwendungsbeispiel
([Link]
Ordnen Sie das über GSD-Datei projektierte Gerät dem redundanten System S7-1500R/H zu.

PROFINET mit STEP 7


316 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.8 IO-Device dem redundanten System S7-1500R/H zuordnen

Anzeige der IO-Device-Zuordnungen in STEP 7


Unabhängig davon, ob ein IO-Device systemredundant oder als Standard-IO-Device an das
redundante System S7-1500R/H angebunden ist, zeigt die Netzsicht immer
"Mehrfachzuweisung" an.
Um zu erkennen, welche IO-Devices systemredundant und welche als Standard-IO-Devices
angebunden sind, gehen Sie folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie in der Netzsicht von STEP 7 das redundante System S7-1500R/H.
2. Wechseln Sie in die tabellarische Ansicht der Netzsicht zu "E/A-Kommunikation".
In der Tabelle finden Sie alle Zuweisungen von IO-Devices zu den PROFINET-Schnittstellen des
redundanten Systems S7-1500R/H.
Die Spalte "Betriebsart" zeigt an, wie das IO-Device an das redundante System S7-1500R/H
angebunden ist:
• IO-Device(S2): IO-Device ist systemredundant angebunden.
• IO-Device(S1): IO-Device ist über die Funktion "Geschaltetes S1-Device" angebunden.

Bild 6-13 Anzeige der IO-Device-Zuordnungen in STEP 7

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 317
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.9 Medienredundanz (MRP) für eine Konfiguration mit dem redundanten System S7-1500R/H projektieren

6.9 Medienredundanz (MRP) für eine Konfiguration mit dem


redundanten System S7-1500R/H projektieren

Voraussetzungen
• Redundantes System S7-1500R/H
• Alle Teilnehmer im Ring unterstützen das Medienredundanzverfahren MRP.
• IO-Devices sind dem redundanten System S7-1500R/H zugewiesen.

Bild 6-14 Beispielkonfiguration: MRP projektieren für S7-1500R/H

MRP-Rolle der CPUs des redundanten Systems S7-1500R/H


Sobald Sie in STEP 7 ein redundantes System S7-1500R/H anlegen, vergibt STEP 7
automatisch für die PROFINET-Schnittstellen X1 der beiden CPUs die MRP-Rolle "Manager
(auto)".

MRP-Rolle für weitere Teilnehmer des Rings in STEP 7 festlegen


Um die Medienredundanz für weitere Teilnehmer im Ring festzulegen, gehen Sie
folgendermaßen vor:
1. Selektieren Sie in der Netzsicht von STEP 7 die PROFINET-Schnittstelle X1 einer der beiden
CPUs des redundanten Systems S7-1500R/H.
2. Navigieren Sie im Inspektorfenster zu "Eigenschaften" > "Allgemein" > "Erweiterte Optionen"
> "Medienredundanz".

PROFINET mit STEP 7


318 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.9 Medienredundanz (MRP) für eine Konfiguration mit dem redundanten System S7-1500R/H projektieren

3. Klicken Sie auf die Schaltfläche "Domain-Einstellungen".

Bild 6-15 S7-1500R/H: MRP-Rolle "Manager (auto)"

STEP 7 zeigt im Inspektorfenster die Eigenschaften der MRP-Domain an, in der sich die
PROFINET-Schnittstelle X1 der CPU befindet.
4. Vergeben Sie in der Tabelle "Geräte" in der Spalte "MRP-Rolle" für alle weiteren Teilnehmer
des Rings die MRP-Rolle "Client".

Bild 6-16 S7-1500R/H: MRP-Rollen für Ringteilnehmer zuweisen

Parametrierung für Teilnehmer außerhalb des STEP 7-Projekts


• Stellen Sie für Teilnehmer des Rings, die sich nicht in STEP 7 befinden, die MRP-Rolle
"Client" ein.
Beispiel: Für einen Switch im PROFINET-Ring stellen Sie die MRP-Rolle "Client" über das
Webinterface des Switchs ein.
• Stellen Sie für PROFINET-Geräte außerhalb des Rings die MRP-Rolle "Nicht Teilnehmer des
Rings" ein.
Beispiel: Für einen Router außerhalb des PROFINET-Rings stellen Sie die MRP-Rolle "Nicht
Teilnehmer" des Rings über das Webinterface des Routers ein.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 319
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.10 MRP-Interconnection mit dem redundanten System S7-1500R/H

6.10 MRP-Interconnection mit dem redundanten System S7-1500R/H


Die S7-1500R/H-CPUs unterstützen ab Firmware-Version V2.9 MRP-Interconnection.
Über MRP-Interconnection ist der redundante Datenaustausch durch S7-1500R/H über 2 oder
mehr MRP-Ringe hinweg möglich.

Voraussetzungen für S7-1500R/H


Es gelten zusätzlich zu den Voraussetzungen für S7-1500 die folgenden Voraussetzungen für
S7-1500R/H:
• Die beiden CPUs des redundanten Systems S7-1500R/H befinden sich in demselben Ring.
• Im Ring mit den beiden R/H-CPUs haben Sie die Medienredundanzrolle der beiden CPUs als
"Manager(Auto)" projektiert.
In den anderen Ringen haben Sie projektiert:
– für ein oder mehrere PROFINET-Geräte die Medienredundanzrolle "Manager(Auto)"
oder
– für genau ein PROFINET-Gerät die Medienredundanzrolle "Manager"
Für die anderen Geräte in allen Ringen haben Sie die Rolle MRP-Client vergeben.

PROFINET mit STEP 7


320 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.10 MRP-Interconnection mit dem redundanten System S7-1500R/H

Topologie

Topologie mit 2 Ringen


Das folgende Bild zeigt die redundante Kopplung am Beispiel von S7-1500R in 2 Ringen.

① Primary MIC
② Medienredundanz Interconnection Manager (MIM)
③ Secondary Link
④ Secondary Coupled MIC
⑤ Primary Coupled MIC
⑥ Primary Link

Bild 6-17 Beispiel: Redundante Verbindung von S7-1500R in 2 Ringen mit MRP-Interconnection

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 321
PROFINET mit dem redundanten System S7-1500R/H
6.10 MRP-Interconnection mit dem redundanten System S7-1500R/H

Topologie mit mehreren Ringen


Das folgende Bild zeigt die redundante Kopplung am Beispiel von S7-1500H in 4 Ringen:

Weitere Informationen
Alle Informationen, die allgemein für MRP-Interconnection und damit auch für redundante
Systeme S7-1500R/H mit MRP-Interconnection gelten, finden Sie im Kapitel MRP-
Interconnection (Seite 191) beschrieben, z. B. Randbedingungen, Funktionsweise,
Konfiguration und Zeiten.

Tool für Einstellung der Ansprechüberwachungszeit


Für die korrekte Einstellung der Ansprechüberwachungszeit steht Ihnen im Internet das
"S7-1500R/H AddIn ([Link] auch
für MRP-Interconnection-Verbindungen zur Verfügung.

PROFINET mit STEP 7


322 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

Aktualisierungszeit
Innerhalb dieses Zeitintervalls wird ein IO-Device/IO-Controller im PROFINET IO-System vom
IO-Controller/IO-Device mit neuen Daten versorgt. Die Aktualisierungszeit kann für jedes
IO-Device separat projektiert werden und bestimmt den Zeitabstand, in dem Daten vom
IO-Controller zum IO-Device (Ausgänge) sowie Daten vom IO-Device zum IO-Controller
(Eingänge) gesendet werden.

Alarm
Ein Alarm ist ein Ereignis, bei dessen Auftreten das Betriebssystem einer S7-CPU automatisch
einen zugeordneten Organisationsbaustein (Alarm-OB) aufruft, in dem der Anwender die
gewünschte Reaktion auf dieses Ereignis programmieren kann.

Alarm, Diagnose
→ Diagnosealarm

Anwenderprogramm
Bei SIMATIC wird unterschieden zwischen Betriebssystem der CPU und
Anwenderprogrammen. Das Anwenderprogramm enthält alle Anweisungen, Deklarationen
und Daten, durch die eine Anlage oder ein Prozess gesteuert werden können. Das
Anwenderprogramm ist einer programmierbaren Baugruppe (z. B. CPU, FM) zugeordnet und
kann in kleinere Einheiten strukturiert werden.

API
API (Application Process Identifier) ist ein Parameter, dessen Wert den IO-Daten-
verarbeitenden Prozess (Anwendung) spezifiziert.
Die PROFINET-Norm IEC 61158 ordnet bestimmten APIs Profile (PROFIdrive, PROFIsave) zu,
die von der PROFINET Nutzerorganisation definiert sind.
Der Standard-API ist 0.

Applikation
Eine Applikation ist ein direkt auf dem Betriebssystem MS-DOS/Windows aufsetzendes
Programm. Eine Applikation auf dem PG ist z. B. STEP 7.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 323
Glossar

AR
Die AR (Application Relation) umfasst die Gesamtheit aller Kommunikationsbeziehungen
zwischen IO-Controller und IO-Device (z. B. IO-Daten, Datensätze, Alarme).
AR ist auch eine Adressierungsebene für Diagnosedatensätze.

Asset
Ein Asset ist eine Komponente einer Maschine oder Anlage. Dabei kann es sich um Hardware
oder Software/Firmware handeln.

Automatisierungssystem
Speicherprogrammierbare Steuerung für die Regelung und Steuerung von Prozessketten der
verfahrenstechnischen Industrie und der Fertigungstechnik. Je nach
Automatisierungsaufgabe setzt sich das Automatisierungssystem aus unterschiedlichen
Komponenten und integrierten Systemfunktionen zusammen.

Backup-AR
Die Backup-AR ist die Systemredundanz-AR zwischen einem IO-Device mit Systemredundanz
S2 und der Backup-CPU des redundanten Systems S7-1500R/H.

Backup-CPU
Wenn sich das R-/H-System im Systemzustand RUN-Redundant befindet, dann führt die
Primary-CPU den Prozess. Die Backup-CPU bearbeitet das Anwenderprogramm synchron und
kann bei einem Ausfall der Primary-CPU die Prozessführung übernehmen.

Betriebszustände
Betriebszustände beschreiben das Verhalten einer einzelnen CPU zu jedem beliebigen
Zeitpunkt.
Die CPUs von SIMATIC-Standardsystemen verfügen über die Betriebszustände STOP, ANLAUF
und RUN.
Die Primary-CPU des redundanten Systems S7-1500R/H verfügt über die Betriebszustände
STOP, ANLAUF, RUN, RUN-Syncup und RUN-Redundant. Die Backup-CPU verfügt über die
Betriebszustände STOP, SYNCUP und RUN-Redundant.

Bus
Ein Bus ist ein Übertragungsmedium, das mehrere Teilnehmer miteinander verbindet. Die
Datenübertragung kann elektrisch oder über Lichtwellenleiter sowohl seriell als auch parallel
erfolgen.

CP
→ Kommunikationsprozessor

PROFINET mit STEP 7


324 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

CPU
Central Processing Unit - Zentralbaugruppe des S7-Automatisierungssystems mit Steuer- und
Rechenwerk, Speicher, Betriebssystem und Schnittstelle für Programmiergerät.

DCP
DCP (Discovery and Basic Configuration Protocol). Ermöglicht die Vergabe von
Geräteparametern (z. B. IP-Adresse) mit herstellerspezifischen Projektier-/Programmiertools.

Default-Router
Müssen Daten mittels TCP/IP an einen Partner weitergeleitet werden, der sich außerhalb des
eigenen Netzes befindet, geschieht dies über den Default-Router.

Determinismus
Determinismus bedeutet, dass ein System vorhersagbar (deterministisch) reagiert.

DHCP
DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol). Protokoll, mit dem IP-Adressen (und andere im
Internet-Umfeld wichtigen Hochlaufparameter) vergeben werden können.

Diagnose
→ Systemdiagnose

Diagnosealarm
Diagnosefähige Baugruppen melden erkannte Systemfehler über Diagnosealarme an die CPU.
→ Siehe auch CPU

Diagnosepuffer
Der Diagnosepuffer ist ein gepufferter Speicherbereich in der CPU, in dem Diagnoseereignisse
in der Reihenfolge des Auftretens abgelegt sind.

Direkter Datenaustausch
Beim Direkten Datenaustausch stellt eine S7-1500 CPU einem oder mehreren Partnern
zyklisch Nutzdaten aus dem Peripheriebereich (E/A) zur Verfügung.
Die Funktion direkter Datenaustausch ermöglicht eine deterministische, taktsynchrone
IO-Kommunikation zwischen mehreren S7-1500 CPUs.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 325
Glossar

DP-Master
Ein Master, der sich nach der Norm EN 50170, Teil 3, verhält, wird als DP-Master bezeichnet.
→ Siehe auch Master

DP-Slave
Ein Slave, der am PROFIBUS mit dem Protokoll PROFIBUS DP betrieben wird und sich nach der
Norm EN 50170, Teil 3, verhält, heißt DP-Slave.
→ Siehe auch Slave

DPV1
Unter der Bezeichnung DPV1 wird die funktionale Erweiterung der azyklischen Dienste (z. B.
um neue Alarme) des DP-Protokolls verstanden. Die Funktionalität DPV1 ist in der
IEC 61158/EN 50170, Volume 2, PROFIBUS integriert.

Duplex
Halbduplex: Ein Kanal zum abwechselnden Informationsaustausch seht zur Verfügung.
Vollduplex: Zwei Kanäle zum gleichzeitigen Informationsaustausch in beide Richtungen
stehen zur Verfügung.

Echtzeit
Echtzeit bedeutet, dass ein System externe Ereignisse in definierter Zeit verarbeitet.

Echtzeitkommunikation
Sammelbegriff für RT und IRT.
PROFINET nutzt bei der Kommunikation von zeitkritischen IO-Nutzdaten nicht TCP/IP, sondern
einen eigenen Echtzeitkanal (RT).

Ethernet
Ethernet ist eine internationale Standardtechnologie für lokale Netzwerke (LAN), basierend
auf Frames. Sie definiert Kabeltypen und Signalisierung für die Bitübertragungsschicht sowie
Paketformate und Protokolle für die Medienzugriffskontrolle.

PROFINET mit STEP 7


326 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

Gerät
Im Umfeld von PROFINET ist "Gerät" der Oberbegriff für:
• Automatisierungssysteme (z. B. SPS, PC)
• Dezentrale Peripheriesysteme
• Feldgeräte (z. B. SPS, PC, Hydraulikgeräte, Pneumatikgeräte)
• Aktive Netzkomponenten (z. B. Switches, Router)
• Netzübergänge zu PROFIBUS, AS-Interface oder anderen Feldbussystemen

Gerätename (PROFINET-Gerätename)
Im Umfeld von PROFINET IO ist der Gerätename eine eindeutige Identifizierung für die
PROFINET IO Schnittstelle eines Gerätes.

Geschaltetes S1-Device
Die Funktion "Geschaltetes S1-Device" der CPU ermöglicht den Betrieb von
Standard-IO-Devices am redundanten System S7-1500R/H.
Die PROFINET-Kommunikation läuft auf einer AR zwischen der Primary-CPU und dem
Standard-IO-Device. Bei einem Wechsel der Primary-CPU wird das Standard-IO-Device
kurzzeitig vom redundanten System S7-1500R/H getrennt, bis die neue Primary-CPU eine AR
zum Standard-IO-Device aufgebaut hat.

GSD-Datei
Als Generic Station Description enthält diese Datei im XML-Format alle Eigenschaften eines
PROFINET-Geräts, die für dessen Projektierung notwendig sind.

H-Sync-Forwarding
H-Sync-Forwarding befähigt ein PROFINET-Gerät mit MRP die Synchronisationsdaten
(Synchronisationstelegramme) eines redundanten Systems S7-1500R nur innerhalb des
PROFINET-Rings weiterzuleiten.
Außerdem werden durch H-Sync-Forwarding die Synchronisationsdaten auch während einer
Rekonfiguration des PROFINET-Rings weitergeleitet. H-Snyc-Forwarding vermeidet eine
Zykluszeiterhöhung bei einer Unterbrechung des PROFINET-Rings.
S7-1500R: Für alle PROFINET-Geräte mit nur 2 Ports im PROFINET-Ring wird H-Sync-
Forwarding empfohlen. Alle PROFINET-Geräte mit mehr als 2 Ports (z. B. Switch) im
PROFINET-Ring müssen H-Sync-Forwarding unterstützen.
S7-1500H: Für redundante Systeme S7-1500H ist H-Sync-Forwarding nicht relevant.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 327
Glossar

I-Device
Die Funktionalität "I-Device" (Intelligentes IO-Device) einer CPU erlaubt es, Daten mit einem
IO-Controller auszutauschen und somit z. B. als intelligente Vorverarbeitungseinheit von
Teilprozessen einzusetzen. Das I-Device ist hierbei in der Rolle eines IO-Devices an einen
"übergeordneten" IO-Controller angebunden.

Industrial Ethernet
Industrial Ethernet ist eine Richtlinie zum Aufbau eines Ethernets in einer industriellen
Umgebung. Die größte Unterscheidung zum Standard-Ethernet liegt in der mechanischen
Belastbarkeit und Störunempfindlichkeit der einzelnen Komponenten.

IP-Adresse
Damit ein PROFINET-Gerät als Teilnehmer am Industrial Ethernet angesprochen werden kann,
benötigt dieses Gerät zusätzlich eine im Netz eindeutige IP-Adresse. Beispiel: Eine
IPv4-Adresse besteht aus 4 Dezimalzahlen mit dem Wertebereich 0 bis 255. Die
Dezimalzahlen sind durch einen Punkt voneinander getrennt.
Die IP-Adresse setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:
• Adresse des Netzes
• Adresse des Teilnehmers (im Allgemeinen auch Host oder Netzknoten genannt).

IRT
IRT ist ein synchronisiertes Übertragungsverfahren für den zyklischen Austausch von
IRT-Daten zwischen PROFINET-Geräten. Für die IRT-Daten steht eine reservierte Bandbreite
innerhalb des Sendetakts zur Verfügung. Die reservierte Bandbreite garantiert, dass die
IRT-Daten auch von hoher anderer Netzlast (z. B. TCP/IP-Kommunikation oder zusätzlicher
Realtime-Kommunikation) unbeeinflusst in reservierten, zeitlich synchronisierten Abständen
übertragen werden können.

Kommunikationsprozessor
Kommunikationsprozessoren sind Baugruppen für Punkt-zu-Punkt- und Buskopplungen.

Kommunikationszyklus und Reservierung der Übertragungsbandbreite


PROFINET IO ist ein skalierbares Echtzeit-Kommunikationssystem auf Basis des
Layer 2-Protokolls für Fast Ethernet. Dafür stehen Ihnen mit dem Übertragungsverfahren RT
für zeitkritische Prozessdaten und IRT für hochgenaue sowie auch taktsynchrone Prozesse
zwei Leistungsstufen der Echtzeitunterstützung zur Verfügung.

Konfigurieren
Auswählen und Zusammenstellen einzelner Komponenten eines Automatisierungssystems
bzw. Installieren von benötigter Software und Anpassen an den speziellen Einsatz (z. B. durch
Parametrieren der Baugruppen).

PROFINET mit STEP 7


328 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

Konsistente Daten
Daten, die inhaltlich zusammengehören und nicht getrennt werden dürfen, bezeichnet man
als konsistente Daten.
Zum Beispiel müssen die Werte von Analogbaugruppen immer als Ganzes behandelt werden,
d. h., der Wert einer Analogbaugruppe darf durch das Auslesen zu zwei verschiedenen
Zeitpunkten nicht verfälscht werden.

LAN
Local Area Network - lokales Netzwerk, an das mehrere Rechner innerhalb eines
Unternehmens angeschlossen sind. Das LAN hat also eine geringe räumliche Ausdehnung
und unterliegt der Verfügungsgewalt einer Firma oder Institution.

Linientiefe
Bezeichnet die Anzahl der in Linie verschalteten externen Switches oder integrierten
Switches.

MAC-Adresse
Weltweit eindeutige Geräte-Identifikation für alle Ethernet-Geräte. Sie wird bereits vom
Hersteller vergeben und hat 3 Byte Herstellerkennung und 3 Byte Gerätekennung als
laufende Nummer.
Jedem PROFINET-Gerät wird bereits im Werk eine weltweit eindeutige Geräte-Identifikation
zugewiesen. Diese 6 Byte-lange Geräte-Identifikation ist die MAC-Adresse.

Master
Übergeordneter, aktiver Teilnehmer an der Kommunikation/am PROFIBUS-Subnetz. Er besitzt
Buszugriffsrechte (Token), verschickt Daten und fordert sie an.

Medienredundanz
Über das sogenannte Media Redundancy Protocol (MRP) ist es möglich redundante Netze
aufzubauen. Redundante Übertragungsstrecken (Ringtopologie) sorgen dafür, dass bei
Ausfall einer Übertragungsstrecke ein alternativer Kommunikationsweg zur Verfügung
gestellt wird. Die PROFINET-Geräte, die Teil dieses redundanten Netzes sind, bilden eine MRP-
Domain.

Micro Memory Card (MMC)


Micro Memory Cards sind Speichermedien für CPUs und CPs. Im Vergleich zur
SIMATIC Memory Card unterscheidet sich eine Micro Memory Card nur durch geringere
Abmessungen. Die S7-1500- und ET 200SP-CPUs verwenden SIMATIC Memory Cards.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 329
Glossar

MPI
Die mehrpunktfähige Schnittstelle (Multi Point Interface, MPI) ist die Programmiergeräte-
Schnittstelle von SIMATIC S7. Sie ermöglicht den gleichzeitigen Betrieb von mehreren
Teilnehmern (Programmiergeräten, Text Displays, Operator Panels) an einer, oder auch
mehreren, Zentralbaugruppen. Jeder Teilnehmer wird durch eine eindeutige Adresse
(MPI-Adresse) identifiziert.

MRP
MRP (Media Redundancy Protocol) beschreibt die Ringredundanz nach IEC 61158 und
IEC 62439.

MRPD
MRPD (Media Redundancy with Planned Duplication of Frames) basiert auf IRT und MRP. Um
Medienredundanz mit kurzen Aktualisierungszeiten zu erreichen, senden die am Ring
beteiligten PROFINET-Geräte ihre Daten in beide Richtungen. Die Geräte empfangen diese
Daten an beiden Ringports, dadurch entfällt die Rekonfigurationszeit des Rings.

MRP-Interconnection
Das Verfahren MRP-Interconnection ist eine Erweiterung von MRP. MRP-Interconnection
ermöglicht die redundante Kopplung von 2 oder mehr Ringen mit MRP in PROFINET-
Netzwerken.

Netz
Ein Netz besteht aus einem oder mehreren verknüpften Subnetzen mit einer beliebigen Zahl
von Teilnehmern. Mehrere Netze können nebeneinander bestehen.

OB
→ Organisationsbaustein

OPC
OPC (OLE for Process Control) bezeichnet eine Standardschnittstelle für die Kommunikation
in der Automatisierungstechnik.

Organisationsbaustein
Organisationsbausteine (OBs) bilden die Schnittstelle zwischen dem Betriebssystem der CPU
und dem Anwenderprogramm. In den Organisationsbausteinen wird festgelegt, in welcher
Reihenfolge das Anwenderprogramm bearbeitet wird.

PROFINET mit STEP 7


330 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

Parameter
1. Variable eines STEP 7-Codebausteins
2. Variable zur Einstellung des Verhaltens einer Baugruppe (eine oder mehrere pro Baugruppe)
Jede Baugruppe besitzt im Lieferzustand eine sinnvolle Grundeinstellung, die durch
Konfigurieren in STEP 7 verändert werden kann.
Es gibt statische Parameter und dynamische Parameter

PG
→ Programmiergerät

Primary-AR
Die Primary-AR ist die Systemredundanz-AR zwischen einem IO-Device mit Systemredundanz
S2 und der Primary-CPU des redundanten Systems S7-1500R/H.

Primary-CPU
Wenn sich mindestens eine R/H-CPU im Betriebszustand RUN befindet, dann ist die Primary-
CPU die führende CPU. Die Primary-CPU kontrolliert den Prozess (Produktivdaten).
Sowohl in der Primary– als auch in der Backup–CPU wird das Anwenderprogramm identisch
abgearbeitet.

Priorisierter Hochlauf
Priorisierter Hochlauf bezeichnet die PROFINET-Funktionalität zur Beschleunigung des Anlaufs
von IO-Devices in einem PROFINET IO-System mit RT- und IRT-Kommunikation. Sie verkürzt
die Zeit, die die entsprechend projektierten IO-Devices benötigen, um in folgenden Fällen
wieder in den zyklischen Nutzdatenaustausch zu gelangen:
• nach Wiederkehr der Spannungsversorgung
• nach Stationswiederkehr
• nach Aktivieren von IO-Devices

PROFIBUS
Process Field Bus - europäische Feldbusnorm.

PROFIBUS DP
Ein PROFIBUS mit dem Protokoll DP, der sich konform zur EN 50170 verhält. DP steht für
Dezentrale Peripherie (schnell, echtzeitfähig, zyklischer Datenaustausch). Aus Sicht des
Anwenderprogramms wird die dezentrale Peripherie genauso angesprochen wie die zentrale
Peripherie.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 331
Glossar

PROFIBUS-Gerät
Ein PROFIBUS-Gerät hat mindestens eine PROFIBUS-Schnittstelle mit einer elektrischen
Schnittstelle (RS485) oder optischen Schnittstelle (Polymer Optical Fiber, POF).

PROFIBUS-Nutzerorganisation
Technisches Komitee, das den PROFIBUS- und PROFINET-Standard definiert und
weiterentwickelt. Weitere Informationen finden Sie im Internet (Seite ).

PROFIenergy
Funktion zur Energieeinsparung im Prozess, z. B. in Pausenzeiten durch kurzzeitiges
Abschalten der Gesamtanlage über standardisierte PROFIenergy-Kommandos.

PROFINET
Offenes komponentenbasiertes industrielles Kommunikationssystem auf Ethernet-Basis für
verteilte Automatisierungssysteme. Von der PROFIBUS-Nutzerorganisation geförderte
Kommunikationstechnologie.

PROFINET IO
Kommunikationskonzept für die Realisierung modularer, dezentraler Applikationen im
Rahmen von PROFINET.
PROFINET IO basiert auf Switched-Ethernet mit Vollduplex-Betrieb und einer
Übertragungsbandbreite von 100 Mbit/s.

PROFINET IO-Controller
Gerät, über das die angeschlossenen IO-Devices angesprochen werden. Das bedeutet, der
IO-Controller tauscht Ein- und Ausgangssignale mit zugeordneten Feldgeräten. Oft handelt es
sich beim IO-Controller um die Steuerung, in der das Automatisierungsprogramm abläuft.

PROFINET IO-Device
Dezentral angeordnetes Feldgerät, das einem der IO-Controller zugeordnet ist (z. B. Remote
IO, Ventilinseln, Frequenzumrichter, Switches)

PROFINET IO-System
PROFINET IO-Controller mit zugeordneten PROFINET IO-Devices.

PROFINET-Gerät
Ein PROFINET-Gerät verfügt immer über eine PROFINET-Schnittstelle (elektrisch, optisch,
drahtlos). Viele Geräte verfügen zusätzlich über eine PROFIBUS DP-Schnittstelle zur
Ankopplung von PROFIBUS-Geräten.

PROFINET mit STEP 7


332 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

PROFINET-Ring
Struktur eines Netzwerkes. Verbreitete Strukturen sind:
• Linientopologie
• Ringtopologie
• Sterntopologie
• Baumtopologie

Programmiergerät
Programmiergeräte sind im Kern Personal Computer, die industrietauglich, kompakt und
transportabel sind. Sie sind gekennzeichnet durch eine spezielle Hardware- und Software-
Ausstattung für speicherprogrammierbare Steuerungen.

Proxy
Das PROFINET-Gerät mit Proxy-Funktionalität ist der Stellvertreter eines PROFIBUS-Geräts am
Ethernet. Die Proxy-Funktionalität ermöglicht es, dass ein PROFIBUS-Gerät nicht nur mit
seinem Master, sondern mit allen Teilnehmern am PROFINET kommunizieren kann.
Bestehende PROFIBUS-Systeme können Sie bei PROFINET mit Hilfe beispielsweise eines
IE/PB-Links in die PROFINET-Kommunikation einbinden. Das IE/PB-Link PN IO nimmt dann
stellvertretend für die PROFIBUS-Komponenten die Kommunikation über PROFINET auf.
Sie können auf diesem Weg sowohl DPV0, als auch DPV1-Slaves an PROFINET anbinden.

Prozessabbild (E/A)
In diesen Speicherbereich überträgt die CPU die Werte aus den Ein- und Ausgabemodulen.
Am Anfang des zyklischen Programms überträgt die CPU das Prozessabbild der Ausgänge als
Signalzustand zu den Ausgabemodulen. Danach liest die CPU die Signalzustände der
Eingabemodule in das Prozessabbild der Eingänge ein. Anschließend bearbeitet die CPU das
Anwenderprogramm.

Redundante Systeme
Redundante Systeme sind dadurch gekennzeichnet, dass wichtige
Automatisierungskomponenten mehrfach (redundant) vorhanden sind. Bei Ausfall einer
redundanten Komponente wird die Kontrolle des Prozesses aufrechterhalten.

Router
Ein Router verbindet zwei Subnetze miteinander. Ein Router arbeitet ähnlich wie ein Switch.
Zusätzlich können Sie bei einem Router festlegen, welche Kommunikationsteilnehmer über
den Router kommunizieren dürfen und welche nicht. Kommunikationsteilnehmer auf
verschiedenen Seiten eines Routers können nur miteinander kommunizieren, wenn Sie die
Kommunikation zwischen diesen Teilnehmern explizit über den Router freigegeben haben.
Real Time-Daten können nicht über Subnetzgrenzen hinweg ausgetauscht werden.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 333
Glossar

RT
PROFINET IO mit Real-Time-Kommunikation (RT) ist das optimale Übertragungsverfahren für
zeitkritische Anwendungen in der Fertigungsautomatisierung. PROFINET IO-Telegramme
werden gemäß IEEE802.1Q gegenüber Standard-Telegrammen priorisiert. Damit ist der in der
Automatisierungstechnik erforderliche Determinismus sichergestellt.

Rückwandbus
Der Rückwandbus ist ein serieller Datenbus, über den die Baugruppen miteinander
kommunizieren und über den sie mit der nötigen Spannung versorgt werden. Die Verbindung
zwischen den Baugruppen wird durch Busverbinder hergestellt.

Security
Oberbegriff für alle Maßnahmen zum Schutz vor
• Verlust der Vertraulichkeit durch unberechtigten Zugriff auf Daten
• Verlust der Integrität durch Manipulation von Daten
• Verlust der Verfügbarkeit durch Zerstörung von Daten

Sendetakt
Zeitraum zwischen zwei aufeinander folgenden Intervallen für IRT- bzw. RT-Kommunikation.
Der Sendetakt ist das kleinstmögliche Sende-Intervall für den Datenaustausch.

SIMATIC
Begriff für Produkte und Systeme der industriellen Automatisierung der Siemens AG.

SIMATIC NET
Siemens-Geschäftszweig Industrielle Kommunikation für Netze und Netzkomponenten.

SIMATIC PC-Station
Eine PC-Station ist ein PC mit Kommunikationsbaugruppen und Softwarekomponenten
innerhalb einer Automatisierungslösung mit SIMATIC.

SIMATIC Memory Card (SMC)


→ Micro Memory Card (MMC)

Slave
Ein Slave darf nur nach Aufforderung durch einen Master Daten mit diesem austauschen.
→ Siehe auch DP-Slave

PROFINET mit STEP 7


334 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

SNMP
Das Netzwerk-Management-Protokoll SNMP (Simple Network Management Protocol) nutzt
das verbindungslose Transportprotokoll UDP. Es besteht aus zwei Netz-Komponenten, ähnlich
dem Client/Server-Modell. Der SNMP Manager überwacht die Netzwerkknoten und die SNMP
Agenten sammeln in den einzelnen Netzwerkknoten verschiedene netzwerkspezifische
Informationen und legen sie in strukturierter Form in der MIB (Management Information
Base) ab. Mit Hilfe dieser Informationen kann ein Netzwerkmanagementsystem eine
ausführliche Netzwerkdiagnose durchführen.

Speicherprogrammierbare Steuerung
Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) sind elektronische Steuerungen, deren
Funktion als Programm im Steuerungsgerät gespeichert ist. Aufbau und Verdrahtung des
Geräts hängen also nicht von der Funktion der Steuerung ab. Die speicherprogrammierbare
Steuerung hat die Struktur eines Rechners; sie besteht aus CPU (Zentralbaugruppe) mit
Speicher, Ein-/Ausgabebaugruppen und internem Bussystem. Die Peripherie und die
Programmiersprache sind auf die Belange der Steuerungstechnik ausgerichtet.

SPS
→ Speicherprogrammierbare Steuerung

STEP 7
STEP 7 ist ein Engineering-System und enthält Programmiersprachen zur Erstellung von
Anwenderprogrammen für SIMATIC S7-Steuerungen.

Subnetz
Alle über Switches verbundenen Geräte befinden sich in ein und demselben Netz - einem
Subnetz. Alle Geräte in einem Subnetz können direkt miteinander kommunizieren.
Bei allen Geräten im gleichen Subnetz ist die Subnetzmaske identisch.
Ein Subnetz wird physikalisch durch einen Router begrenzt.

Subnetzmaske
Die gesetzten Bits der Subnetzmaske bestimmen den Teil der IP-Adresse, der die Adresse des
Netzes enthält.
Allgemein gilt Folgendes:
• Die Netzadresse ergibt sich aus der UND-Verknüpfung von IP-Adresse und Subnetzmaske.
• Die Teilnehmeradresse ergibt sich aus der UND-NICHT-Verknüpfung von IP-Adresse und
Subnetzmaske.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 335
Glossar

Switch
Netzwerk-Komponente zur Verbindung mehrerer Endgeräte bzw. Netz-Segmente in einem
lokalen Netz (LAN).

Sync-Domain
Alle PROFINET-Geräte, die über PROFINET IO mit IRT synchronisiert werden sollen, müssen
einer Sync-Domain angehören.
Die Sync-Domain besteht aus genau einem Sync-Master und mindestens einem Sync-Slave.
Die Rolle des Sync-Masters übernimmt meist ein IO Controller oder Switch.
Nicht synchronisierte PROFINET-Geräte sind nicht Teil einer Sync-Domain.

Systemdiagnose
Systemdiagnose ist die Erkennung, Auswertung und Meldung von Fehlern, die innerhalb des
Automatisierungssystems auftreten, z. B. Programmfehler oder Ausfälle auf Modulen.
Systemfehler können mit LED-Anzeigen oder in STEP 7 angezeigt werden.

Systemredundanz-AR
In einem redundanten System hat ein IO-Device mit Systemredundanz S2 eine
Systemredundanz-AR zu jeder der beiden CPUs (IO-Controller).

Systemzustände
Die Systemzustände des redundanten Systems S7-1500R/H resultieren aus den
Betriebszuständen der Primary- und Backup-CPU. Der Begriff des Systemzustands wird
benutzt, um einen vereinfachten Ausdruck zu erhalten, der die zeitgleich auftretenden
Betriebszustände der beiden CPUs kennzeichnet. Beim redundanten System S7-1500R/H gibt
es die Systemzustände STOP, ANLAUF, RUN-Solo, SYNCUP und RUN-Redundant.

PROFINET mit STEP 7


336 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Glossar

TCP/IP
Das Ethernet selbst ist nur ein Transportsystem für Daten - ähnlich wie eine Autobahn ein
Transportsystem für Personen und Waren ist. Den eigentlichen Datentransport erledigen so
genannte Protokolle - ähnlich den PKWs und LKWs, die auf der Autobahn Personen und
Waren transportieren.
Die beiden grundlegenden Protokolle TCP (Transmission Control Protocol) und IP (Internet
Protocol) - kurz TCP/IP - erledigen folgende Arbeiten:
1. Beim Sender werden die Daten in Pakete zerlegt.
2. Die Pakete werden über das Ethernet zum richtigen Empfänger transportiert.
3. Die Datenpakete werden beim Empfänger wieder in der richtigen Reihenfolge
zusammengesetzt.
4. Fehlerhafte Pakete werden so oft gesendet, bis sie korrekt empfangen werden.
Die meisten höheren Protokolle nutzen TCP/IP zur Erfüllung ihrer Aufgaben. So überträgt
beispielsweise das Hyper Text Transfer Protocol (HTTP) Dokumente im World Wide Web
(WWW), die in Hyper Text Markup Language (HTML) geschrieben sind. Diese Technik
ermöglicht überhaupt erst, dass Sie in Ihrem Internet-Browser Internetseiten betrachten
können.

Topologieprojektierung
Gesamtheit verschalteter Ports der PROFINET-Geräte im STEP 7-Projekt und deren
Beziehungen untereinander.

Twisted Pair
Fast Ethernet über Twisted Pair-Leitungen basiert auf dem Standard IEEE 802.3u (100 Base-
TX). Übertragungsmedium ist eine 2x2-adrige, verdrillte und geschirmte Leitung mit einem
Wellenwiderstand von 100 Ω (AWG 22). Die Übertragungseigenschaften dieser Leitung
müssen die Anforderungen der Kategorie 5 erfüllen.
Die Maximallänge der Verbindung zwischen Endgerät und Netzkomponente darf 100 m nicht
überschreiten. Die Anschlüsse erfolgen nach 100 Base-TX-Standard mit dem
RJ45-Steckverbindungssystem.

WAN
Ein Netzwerk, das über die Ausdehnung eines lokalen Netzwerkes hinausgeht und
Netzkommunikation, z. B. über kontinentale Grenzen hinweg, ermöglicht. Die rechtliche
Kontrolle liegt nicht beim Benutzer, sondern beim Anbieter der Übertragungsnetze.

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 337
Glossar

Wartungsbedarf/Wartungsanforderung
Eine Systemmeldung Wartungsbedarf kann für verschiedene Verschleißparameter definiert
werden und z. B. bei Erreichen einer bestimmten Betriebsstundenzahl eine Überprüfung einer
Komponente empfehlen.
Die Meldung Wartungsanforderung wird gesendet, wenn innerhalb eines absehbaren
Zeitraums ein Austausch des betreffenden Bauteils ausgeführt werden muss.
(Beispiel Drucker: Die Meldung Wartungsanforderung wird dann gesendet, wenn der
Toner/die Druckerpatrone sofort ausgetauscht werden muss.)

XML
XML (Extensible Markup Language) ist eine flexible, leicht verständliche und leicht erlernbare
Datenbeschreibungssprache. Information wird mit Hilfe von lesbaren XML-Dokumenten
ausgetauscht. Diese enthalten mit Strukturierungsinformation angereicherten Fließtext.

PROFINET mit STEP 7


338 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Index
über LEDs, 84
über Webserver, 90
A von PROFINET-Ports, 95
Diagnosedatensatz, 100
AEV-Modell, 231, 233
herstellerspezifisch, 100
Aktualisierungszeit, 25, 39
kanalspezifisch, 100
Alarmauswertung, 103
Diagnoseebenen, 82
Anlauf beschleunigen, 293
Diagnosepuffer, 87
Ansprechüberwachungszeit, 25
Diagnosestatus, 102
Anweisung
Display
T_CONFIG, 62
Diagnose, 85
Applikationszyklus, 226
IP-Adresse, 53
einstellen, 229
DNS-Konventionen, 50
Assetmanagement, 106
Docking Station, 286
Ausführungsfenster, 231
Docking System projektieren, 288
Docking Unit, 286
DP-Zykluszeit, 226
B
Bandbreite, 147
E
E/A-Adressen, 226
C
E/A-Kommunikation, 47, 58
CPU-Display Echtzeitkommunikation, 195
Diagnose, 85 Endgeräteport, 297
IP-Adresse, 53 Energie sparen, 284
Cut Through, 198 Erweiterter Offline-/Online-Vergleich
automatische Gerätezuordnung, 79
EVA-Modell, 231, 231
D
D_ACT_DP, 148, 288
F
Datenaustausch zwischen IO-Systemen, 132
Datensicherheit Fast Ethernet, 33
Beispiel, 43 Feldbusintegration, 120
Grundlagen, 43 Funknetzwerke, 39
SCALANCE, 43 Funktionalität
Security, 43 I-Device, 126
Datenzugriff, 24 PROFINET IO, 29
Datenzyklus, 223
Default Router, 52
DHCP, 62 G
Diagnose, 80
Geräte & Netze, 93
Alarmauswertung, 103
Gerätename, 49, 253
Anwenderprogramm, 102
ändern, 55
Diagnosestatus, 102
Anpassen direkt am Gerät erlauben, 61
I-Device, 140
automatisch vergeben, 48
STEP 7, 93
bei Tausch ohne Wechselmedium, 53
über CPU-Display, 85
strukturiert, 49

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 339
Index

Gerätenummer, 50 zuordnen, 46
Gerätetausch IO-System, 254, 259, 262, 265, 268, 269, 279, 279
Ausfall und Tausch eines IO-Devices, 247 Datenaustausch, 132
Gerätenamen vergeben, 248 Zuordnung kontrollieren, 47
Nachbarschaftserkennung, 247 IP-Adresse, 50
ohne Wechselmedium/PG, 245 ändern, 56
projektieren, 248 Anpassen direkt am Gerät erlauben, 61
Gerätetausch ohne Wechselmedium/PG, 53, 245 auf anderem Weg vergeben, 57
GSD-Datei, 136 erstmalig zuweisen, 53
IRT, 226
Aufbauempfehlungen, 206
H Definition, 198
Eigenschaften, 198
Hardware konfigurieren und parametrieren, 46
Einsatzgebiet, 196
Hardware- und Netzwerkeditor
Kommunikation, 198
Gerätenamen vergeben, 48
Kommunikationszyklus, 199
IPAdresse vergeben, 48
projektieren, 201
Topologiesicht, 71
Regeln, 147
Hochlauf beschleunigen, 293
Synchronisation, 199
Anwenderprogramm anpassen, 298
Unterschiede zu RT, 200
Porteinstellungen optimieren, 296
Isochrounous Real-Time, (siehe IRT)
Verkabelung optimieren, 297
Hochlauf von IO-Devices, 288, 293
K
I Kanal, 30
Kommunikation, 23
I&M-Daten, 106
Konfigurationssteuerung, 253
in PROFINET-IO-Geräte laden, 106
Konfigurationssteuerung für IO-Systeme, 253
Identifikation des PROFINET-Geräts, 57
Konfigurieren, 46
Identifikations-Daten, 106
Kopplung von PROFINET und PROFIBUS, 122
I-Device, 147
projektieren mit GSD-Datei, 136
I-Device (Intelligentes IO-Device)
L
Alarmverhalten, 140
Diagnose, 140 LEDs zur Diagnose, 84
Eigenschaften, 128 Leitungen, 34
Funktionalität, 126 Leitungsbruch, 97
PN-IO-System untergeordnet, 128 Lichtwellenleiter (LWL), 36
projektieren, 134 LLDP, 98
Topologieregeln, 142
IE/PB-Link, 122
Im Betrieb wechselnde IO-Devices, 288 M
Im Betrieb wechselnde Partner-Ports, 286
Machine Tailoring, (siehe Konfigurationssteuerung für
Industrial Ethernet, 19, 33
IO-Systeme)
Industrial Wireless LAN, 38
Maintenance-Daten, 106
Anwendungsbeispiele, 38
Maintenancekonzept, 96
Reichweite, 39
Media Redundancy Protocol (MRP), 179
IO-Controller, 46
Medienredundanz
IO-Device, 226
Funktionen in Ringtopologie, 179
Aktivieren und Deaktivieren beim Wechsel, 288
projektieren, 181
Status abrufen, 81
mehrfach einsetzbare IO-Systeme, 253
wechselnde Partner projektieren, 288
Mehrfach einsetzbares IO-System, 253, 254, 259, 262

PROFINET mit STEP 7


340 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL
Index

Meldetexte, 87 PROFINET, 19
MIB, 98 Aktualisierungszeit, 25
Modul, 30 Ansprechüberwachungszeit, 25
Modulinternes Shared Input (MSI), 170 Geräte, 21
Modulinternes Shared Output (MSO), 170 Gerätebezeichnungen, 21
Modulstatus, 86 Gerätemodell, 30
MRP, 179 Gerätenamen zuweisen, 58
MRPD, 184 Kommunikation, 23
MSI/MSO, 170 optimieren mit IRT, 206
optimieren mit RT, 205
Schnittstelle, 21, 27
N Sendetakt, 25
Topologieregeln mit I-Device, 142
Nachbarschaftserkennung, 247
Übertragungsmedien, 36
Netzgrenzen, 34
Umsetzung, 19
Netzsicht
Ziele, 19
E/A-Kommunikation, 58
PROFINET IO, 19
Netzübergang, 62
Diagnoseebenen, 82
Funktionalität, 29, 120
System, 46
O
PROFINET-Gerätename, 253
OB 82, 103 PROFINET-Schnittstelle
OB MC-Servo, 231 Eigenschaften, 27
Offline-/Online-Vergleich Topologieübersicht, 28
automatische Gerätezuordnung, 76 Proxy-Funktionalität, 123
Online & Diagnose Netzsicht, 93 PST, 62
Online verbinden, 93
Online-Zuweisung (PROFINET-Gerätenamen), 58
Optionales IO-Device, 268 R
Optionenhandling im Netzwerk
Real-Time-Kommunikation, 198
siehe Konfigurationssteuerung für IO-Systeme, 265
Redundanz, 177
Redundanz-Client, 177
Redundanz-Domäne, 179
P
Redundanzmanager, 177
Parametrieren, 46 Redundanzmanager, 177
PCF-Kabel konfektionieren, 36 Ringport, 177, 183
POF-Kabel konfektionieren, 36 Ringtopologie, 177
Port Router, 34, 52, 65
Diagnose, 95 RT
Endgeräteport, 297 Definition, 198
Switchport, 297 Einsatzgebiet, 196
Wechselnder Partner, 286 Kommunikationszyklus, 199
Ports verschalten Regeln, 147
im Inspektorfenster, 75 Unterschiede zu IRT, 200
in Topologiesicht, 74 RT-Klasse, 33, 226
Primary Setup Tool (PST), 62
Priorisierter Hochlauf, 288
Definition, 293 S
projektieren, 295
SCALANCE, 34, 39, 43
PROFIBUS, 19
Security
PROFIBUS & PROFINET International, 20
Beispiel zur Datensicherheit, 43
PROFIenergy, 147, 284

PROFINET mit STEP 7


Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL 341
Index

Definition, 43 Hardware- und Netzwerkeditor, 71


Schutzmaßnahmen, 43 Online ermittelte Geräte übernehmen, 79
Sendetakt, 25, 223, 226 Online ermittelte Port-Verschaltungen
Serienmaschinen- übernehmen, 79
Projekt, 253, 253, 254, 259, 262, 268, 269, 279, 279 Ports verschalten, 74
Shared Device, 153, 170 Topologieübersicht, 28
SNMP, 100 Transferbereich, 147
MIB, 98 Twisted Pair, 34
Netzwerkdiagnose, 98
Soll-/Ist-Topologie, 90
Status vom IO-Device abrufen, 81 U
Store and Forward, 198
Überschreiben des PROFINET-Gerätenamens, 253
Submodul, 30, 170
Übertragungsbandbreite, 33
Subnetz, 47
Übertragungsmedien bei PROFINET, 36
Subnetzmaske, 52
Beispiel, 52
erstmalig zuweisen, 53
V
Switch, 33
Auswahlhilfe, 33 Verzögerungszeit, 226
integriert, 28 einstellen, 229
Switched Ethernet, 33 Vollduplex-Betrieb, 33
Switchport, 297 Vorlaufzeit, 223
SYNC_PI, 231, 231, 233
SYNC_PO, 231, 231, 233
Sync-Domain, 199, 226 W
Synchronous Cycle, 231
Wartungsanforderung, 96
Systemdiagnose, 80
Wartungsbedarf, 96
Wechselmedium, 245
Werkzeugwechsler, 286
T
Wertstatus, 170
T_CONFIG, 62
T_DC, 223, 226, 232, 233
Taktsynchronalarm-OB, 223, 226 Z
OB 6x, 231
Zuordnung IO-Device - IO-Controller, 46
Taktsynchronität
Beispiel, 222
Definition, 220
projektieren, 226
zeitliche Synchronisation, 223
TCP/IP im Kommunikationszyklus, 199
Ti, 223
To, 223
Topologie
Baum, 70
Beispiel, 70
Linie, 70
Regeln zu IO-System mit I-Device, 142
Ring, 70, 177, 179
Soll/Ist, 90
Stern, 70
Topologie-Projektierung, 226
Topologiesicht

PROFINET mit STEP 7


342 Funktionshandbuch, 05/2021, A5E03444485-AL

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