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Technews - 2008 - 7 (Zu Spannschlössern)

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Tech-News Nr.

2008/7 Fachgebiet Stahlbau: DIN 18800-1

Dr.- Ing. Klaus Wittemann


Prüfingenieur für Baustatik VPI
Weinbrennerstr. 18
76135 Karlsruhe

Spannschlösser in Zugstangen

Zur Vorspannung von Verbänden aus Rundstahl werden im Stahlbau in der Regel
Spannschlösser eingesetzt, wenn keine Zugstangensysteme mit Gabelköpfen aus Stahlguß
(z.B. Rodan, Detan, Betschart u.ä.) aus architektonischen Gründen den Vorrang finden. Es
handelt sich hierbei um eine einfach zu realisierende und daher auch von kleineren
Betrieben wirtschaftlich einsetzbare Zugstangenlösung, zum Beispiel für Dach- und
Wandverbände mit üblichen Durchmessern von 12 bis 36 mm.

Die Spannschlösser sind in drei Ausführungsvarianten lieferbar: zum einen aus Stahlrohr
oder Rundstahl nach DIN 1478:1975-09, aus Sechskantstahl nach DIN 1479:1975-09 oder in
der offenen, geschmiedeten Form nach DIN 1480. Die Spannschlösser weisen an den
Enden jeweils ein Rechts- und ein Linksgewinde auf. Im Regelfall sind sie bereits im
Lieferzustand mit Anschweißenden versehen, die direkt mit den betreffenden Zugstangen
verschweißt werden (Vollnaht).

Bild Anschweißende nach DIN 1480; d1- Gewindeteil, d2-Glattschaft

Die Spannschlösser sind üblicherweise aus Stahl der Festigkeitsklasse S235, die
Anschweißenden hingegen aus einem Stahl der Festigkeitsklasse 3.6. Daher wird für die
Bemessung im Regelfall nicht die Zugstange oder das Spannschloß maßgebend, sondern
das Anschweißende.

In statischen Berechnungen wird üblicherweise kein gesonderter Nachweis für die


Spannschlösser geführt, es wird fast ausnahmslos nur der Zugstab nachgewiesen. Dies
kann zu einer Unterdimensionierung führen, weil die nach Norm bestellten und eingebauten
Spannschlösser wegen ihrer Anschweißenden aus Material niedrigerer Festigkeit
bemessungsrelevant sind.

Copyright Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg e.V.


Trotz sorgfältiger Zusammenstellung der Informationen und Texte kann für fehlerhafte Angaben und deren Folgen keine
Haftung von der Landesvereinigung und deren Autoren übernommen werden. Seite: 1
Für eine typische Zugstange gilt nach DIN 18800-1:1990-11

Zugstange NRd1 = Asch . f y,b,k / γM

mit f y,b,k = 240 N/mm² für S235 JR

Anschweißende,
glattschaftiger Teil NRd2 = Asch . f y,b,k /(1,1 . γM)

mit f y,b,k = 180 N/mm² für Material 3.6


Anschweißende,
Gewindeteil NRd3 = Asp . f u,b,k /(1,25 . γM)

mit f u,b,k = 300 N/mm² für Material 3.6

Durchmesser Asch Asp NRd1 NRd2 NRd3


mm mm² mm² kN kN kN
12 113 84,3 24,65 16,81 18,39
16 201 157 43,85 29,90 34,25
20 314 245 68,50 46,71 53,45
22 380 303 82,91 56,53 66,11
24 452 353 98,62 67,24 77,02
27 573 459 125,0 85,24 100,1
30 707 561 154,3 105,2 122,4
36 1018 817 222,1 151,4 178,2

Maßgebend wird somit stets NRd2 , das Verhältnis NRd2 / NRd1 beträgt 0,68. Daraus folgt, dass
nach den maßgebenden Normen ohne Zusatzforderungen bestellte Spannschlösser mit
Anschweißende nur zu 68 % ausgenutzt werden dürfen. Man könnte noch darüber
diskutieren, ob in der Bestimmungsgleichung für NRd2 auf der rechten Seite nicht die Division
durch γM genügt, da man das Anschweißende ja auch als Bauteil mit Kreisquerschnitt und
nicht als Schraubenschaft sehen kann. Dann wäre die Abminderung nur mit 75 %
vorzunehmen.

Für die Spannschloßmuttern selbst liegen keine aufgeschlüsselten Tragfähigkeitswerte vor.


Bei Spannschlössern aus Stahlrohr oder Rundstahl nach DIN 1478 liegen genügend
geometrische Angaben vor, so dass dort eine näherungsweise rechnerische Ermittlung
möglich ist. Bei Überschreitung der oben angegebenen Werte für NRd2 sollte daher auch ein
Nachweis für die Spannschloßmutter geführt werden.

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Die oben angegebenen Werkstoffvorgaben nach den Spannschloßnormen sind minimal
festgelegte Werte. Wenn durch die ausführende Firma nachgewiesen wird, dass sowohl
Spannschloß als auch Anschweißende aus einem höherwertigen Material sind, darf dies
entsprechend berücksichtigt werden. In jüngerer Zeit werden zunehmend Spannschlösser
mit einer Materialgüte 4.6 eingesetzt.

Beispiel:
Zugstange d=24 mm mit Spannschloß nach DIN 1478 (Stahlrohrquerschnitt)

- ohne Nachweis der Werkstoffgüte: NRd = NRd2 = 67,24 kN aus Tabelle

- aus Werkstoff 4.6 sowohl für Spannschloßmutter als auch für Anschweißenden

Anschweißenden: NRd1 = 98,62 kN aus Tabelle


NRd2 = 4,52 . 24,0 / (1,1 . 1,1) = 89,65 kN
NRd3 = 3,53 . 40,0 / (1,25 . 1,1) = 102,69 kN

Spannschloßmutter: aus DIN 1478 erhält man die Abmessungen


d2 = 42,4 mm Außendurchmesser Rohrhülse
c = 5,6 mm Dicke Rohrwandung
di = 31,2 mm Innendurchmesser Rohrhülse
d4 = 12 mm Durchmesser Montageloch in Rohrwand
Anetto = π/4 . (42,4² - 31,2²) / 100 – 1,2 . 0,56 . 2 = 5,13 cm²

NRd4 = 5,13 . 24 / 1,1 = 111,9 kN

Maßgebend NRd = (min NRd1......... NRd4 ) = 89,65 kN

Werden keine Anschweißenden verwendet, sondern das Gewinde direkt auf den Rundstab
aufgeschnitten, ist NRd = NRd1 = 98,62 kN maßgebend

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