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Fünfte Scene

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Fünfte Scene

Nahgelegener Wald. Nacht. Ein altes verfallenes Schloss in der


Mitte — Die Räuberbande gelagert auf der Erde.

Die Räuber singen

Stehlen, morden, huren, balgen


Heisst bei uns nur die Zeit zerstreun.
Morgen hangen wir am Galgen,
Drum lasst uns heute lustig sein.

Ein freies Leben führen wir,


Ein Leben voller Wonne,
Der Wald ist unser Nachtquartier,
Bei Sturm und Wind hantieren wir,
Der Mond ist unsre Sonne,
Mercurius ist unser Mann,
Der's Prakticiren trefflich kann.

Heut laden wir bei Pfaffen uns ein,


Bei masten Pächtern morgen;
Was drüber ist, da lassen wir fein
Den lieben Herrgott sorgen.

Und haben wir im Traubensaft


Die Gurgel ausgebadet,
So machen wir uns Muth und Kraft
Und mit dem Schwarzen Brüderschaft,
Der in der Hölle bratet.

Das Wehgeheul geschlagner Väter,


Der bangen Mütter Klaggezeter,
Das Winseln der verlassnen Braut
Ist Schmaus für unsre Trommelhaut!

Ha! wenn sie euch unter dem Beile so zucken,


Ausbrüllen wie Kälber, umfallen wie Mucken,
Das kitzelt unsern Augenstern,
Das schmeichelt unsern Ohren gern.

Und wenn mein Stündlein kommen nun,


Der Henker soll es holen!
So haben wir halt unsern Lohn
Und schmieren unsre Sohlen,
Ein Schlückchen auf den Weg vom heissen Traubensohn,
Und hurra rax dax! geht's, als flögen wir davon.
SCHWEIZER
Es wird Nacht, und der Hauptmann noch
nicht da!

Wenn ihm Leides geschehen wäre — Kameraden! wir zünden an und morden
den Säugling.

SPIEGELBERG
[nimmt Razmann beiseite]. Auf ein Wort,
Razmann.

RAZMANN
[leise zu Spiegelberg]. Wo will das hinaus
rede deutscher!

SPIEGELBERG
Pst! Pst! Ich weiss nicht, was du
oder ich für Begriffe von Freiheit haben, dass wir an
einem Karrn ziehen, wie Stiere, und dabei wunderviel
von Independenz declamiren Es gefällt mir nicht.

RAZMANN
Razmann [leise zu Spiegelberg]. Du sprichst vom Hauptmann?

SPIEGELBERG
Pst, doch! - Er hat so seine
Ohren unter uns herumlaufen – Hauptmann, sagst du? wer hat ihn zuM
Hauptmann über uns gesetzt, oder hat er nicht diesen Titel usurpirt,
der von Rechtswegen mein ist?

Ja und Jahre schon dicht' ich darauf: es soll anders werden.

Razmann! man vermisst ihn Razmann, mich däucht, seine schwarze


Stunde schlägt.

SCHWEIZER
Schweizer [zieht wüthend sein Messer]. Ha, Bestie! — Fahr hin,
Meuchelmörder! [Er sticht ihn todt]

Räuber
[in Bewegung]. Mordjo! Mordjo! Schweizer –
Spiegelberg – Reisst sie auseinander!
SCHWEIZER
Da! und so crepir du – Ruhig, Kameraden – Lasst euch den Bettel
nicht unterbrechen
Ha! über den Racker – Von hinten her will er Männer zu Schanden
schmeissen? Männer von hinten her!

GRIMM
Aber zum Teufel – Kamerad – was hattet ihr mit einander? Der
Hauptmann wird rasend werden.

SCHWEIZER
Dafür lass mich sorgen – Und du, Heil loser [zu Razmann], du warst
sein Helfershelfer, du! — Pack dich aus meinen Augen

[Man schiesst]

SCHWARZ
[aufspringend]. Horch, ein Pistolschuss! [Man schiesst wieder.]
Noch einer! Holla! der Hauptmann!

GRIMM
Nur Geduld! Er muss zum dritten Mal
schiessen! [Man hört noch einen Schuss]

SCHWARZ
Er ist's! ist's - Salvier dich, Schweizer – Last uns ihm antworten!
[ Sie schiessen]

Moor. Kosinsky treten auf.

SCHWEIZER
Sei willkommen, mein Hauptmann
[Er führt ihn an die Leiche.] Sei du Richter zwischen mir und diesem
– von hinten hat er dich ermorden wollen.

MOOR
Moor [in den Anblick versunken, bricht heftig aus] Weihe dies Messer
der dunklen Vergelterin! das hast du nicht gethan, Schweizer.
SCHWEIZER
Es ist beim Teufel nicht das Schlechtste, was ich in meinem Leben
gethan habe. [Geht unwillig ab.]

MOOR
[nachdenkend] Ich verstehe. Schafft
mir diesen aus den Augen! [Spiegelbergs Leiche wird hinweggetragen.]

GRIMM
Gib uns Ordre, Hauptmann — was sollen wir weiter tun?

MOOR
Bald – bald ist alles erfüllet - Gebt mir meine Laute. Ich muss
mich zurücklullen in meine Kraft – verlasst mich! Legt euch schlafen
– Morgen am Tag gehen wir weiter.

Räuber
Gute Nacht, Hauptmann. [Sie lagern sich auf
der Erde und schlafen ein]

Tiefe Stille.
Moor nimmt die Laute und spielt.

Brutus. Sei willkommen, friedliches Gefilde ,


Nimm den letzten aller Römer auf!
Von Philippi , wo die Mordschlacht brüllte ,
Schleicht mein gramgebeugter Lauf.
Cassius, wo bist du ? - Rom verloren !
Hingewürgt mein brüderliches Heer,
Meine Zuflucht zu des Todes Thoren !
Keine Welt für Brutus mehr.

Cäsar. Wer, mit Schritten eines Niebesiegten ,


Wandert dort vom Felsenhang ?
Ha ! wenn meine Augen mir nicht lügten ,
Das ist eines Römers Gang.
Tibersohn von wannen deine Reise ?
Dauert noch die Siebenhügelstadt ?
Oft geweinet hab' ich um die Waise ,
Dass sie nimmer einen Cäsar hat.

Brutus. Ha ! du mit der dreiundzwanzigfachen Wunde!


Wer rief, Todter, dich ans Licht ?
Schaudre rückwärts zu des Orcus Schlunde ,
Stolzer Weiner ! Triumphire nicht !
Auf Philippis eisernem Altare Raucht der Freiheit letztes
Opferblut ;
Rom verröchelt über Brutus ' Bahre ,
Brutus geht zu Minos Kreuch in deine Fluth !

Cäsar. O ein Todesstoss von Brutus' Schwerte !


Auch du - Brutus du?
Sohn es war dein Vater Sohn die Erde
--
Wär' gefallen dir als Erbe zu !
-
Geh du bist der grösste Römer worden ,
Da in Vaters Brust dein Eisen drang .
Geh -
und heul' es bis zu jenen Pforten :
Brutus ist der grösste Römer worden,
Da in Vaters Brust sein Eisen drang ;
Geh du weisst's nun, was an Lethes Strande
Mich noch bannte -
Schwarzer Schiffer, stoss vom Lande !

Brutus. Vater, halt ! Im ganzen Sonnenreiche


Hab' ich Einen nur gekannt,
Der dem grossen Cäsar gleiche ;
Diesen Einen hast du Sohn genannt.
Nur ein Cäsar mochte Rom verderben,
Nur nicht Brutus mochte Cäsar stehn.
Brutus will Tyrannengut. nicht erben ;
Wo ein Brutus lebt , muss Cäsar sterben ;
Geh du linkwärts , lass mich rechtwärts gehn .

MOOR
[ Er legt die Laute hin, geht tiefdenkend auf und nieder.]

Wer mir Bürge wäre? es ist alles so finster – verworrene Labyrinthe


– kein Ausgang – kein leitendes Gestirn

[die Pistole vors Gesicht haltend]

Nein! nein! es ist etwas mehr, den ich bin noch nicht glücklich
gewesen.

Glaubt ihr, ich werde zittern? Geister meiner Erwürgten! ich werde
nicht zittern. [ Heftig zitternd.]

Euer banges Sterbegewinsel euer schwarzgewürgtes - Gesicht eure


fürchterlich klaffenden Wunden

Ich bin mein Himmel und meine Hölle.

Diese Freiheit kannst du mir nicht nehmen. [Er lädt die Pistole.
Plötzlich hält er inne.] Und soll ich vor Furcht eines qualvollen
Lebens sterben? Soll ich dem Elend den Sieg über mich einräumen?
- Nein, ich will's dulden. [Er wirft die Pistole weg.] Die Qual
erlahme an meinem Stolz! Ich will's vollenden.
[Es wird immer finsterer.]

Hermann, der durch den Wald kommt.

HERMANN
[Tritt an das Schloss und pocht.] Komm herauf, Jammermann,
Thurmbewohner! Deine Mahlzeit ist bereitet.

MOOR
[sachte zurücktretend]. Was soll das bedeuten?

Eine Stimme
[aus dem Schloss]. Wer pocht da? He?
Bist du's, Hermann.

HERMANN
Bin's, Hermann, Alter – dir schmeckt?

Eine Stimme
Hungerte mich sehr. Habe Dank, fürs Brot in der Wüste! Und wie
geht's meinem lieben Kind, Hermann?

HERMANN
Stille – Geräusch wie von Schnarchenden! – Hörst du nicht was?

Eine Stimme
Wie? Hörst du etwas?

MOOR
[mit Entsetzen hervortretend]. Steh!

HERMANN
[schreiend]. Oh mir! Nun ist alles verraten!

MOOR
Steh! Rede! Wer bist du? was hast du hier
zu tun? Rede!
HERMANN
Erbarmen, o Erbarmen, gestrenger
Herr! – Nur ein Wort höret an, eh ihr mich umbringt.

MOOR
[ indem er den Degen zieht]. Was werd' ich hören? Hier steckt ein
Geheimniss – Heraus! Sprich! Ich will alles wissen.

Eine Stimme
Bist du's,
Hermann, der da redet? Mit wem redst du, Hermann?

MOOR
Drunten noch jemand – Was geht hier vor? [Läuft dem Thurme zu.]
Ist's ein Gefangener, den die Menschen abschüttelten? Ich will seine
Ketten lösen. – Stimme! noch einmal! wo ist die Thüre?

HERMANN
O habt Barmherzigkeit, Herr

MOOR
Vierfach geschlossen! Weg da – Es muss heraus - Jetzt zum ersten Mal
komm mir zu Hilfe, Dieberei!

Eine Stimme
Erbarmen einem Elenden! Erbarmen!

MOOR
[Moor springt erschrocken zurück]. Das ist meines
Vaters Stimme!

D. a. MOOR
Habe Dank, o Gott! Erschienen ist die Stunde der Erlösung.

MOOR
Geist des alten Moors! was hat dich beunruhigt in deinem Grab? Rede,
rede! Ich bin der Mann der bleichen Furcht nicht.

D. a. MOOR
Ich bin kein Geist. Taste mich an, ich lebe, oh ein elendes,
erbärmliches Leben!
MOOR
Was? Du bist nicht begraben worden?

D. a. MOOR
Ich bin begraben worden das heisst: ein todter Hund liegt in meiner
Väter Gruft; und ich drei volle Monde schmacht' ich schon in diesem
finstern unterirdischen Gewölbe, von keinem Strahle beschienen, von
keinem warmen Lüftchen angeweht, von keinem Freunde besucht, wo
wilde Raben krächzen und mitternächtliche Uhus heulen.

MOOR
Himmel und Erde! Wer hat das getan?

D. a. MOOR
Das hat mein Sohn Franz getan.

MOOR
Franz? Franz? Oh ewiges Chaos!

D. a. MOOR
Ich lag eben auf dem Siechbett, hatte kaum angefangen, aus einer
schweren Krankheit etwas Kräfte zu sammeln, so führte man einen Mann
zu mir, der vorgab, mein Erstgeborner sei gestorben in der Schlacht.

ich ward ohnmächtig bei der Botschaft. Man muss mich für todt
gehalten haben, lag ich schon in der Bahre, und ins Leichentuch
gewickelt wie ein Todter. Ich kratzte an dem Deckel der Bahre. Er
ward aufgethan. Es war finstere Nacht,mein Sohn Franz stand vor mir.
“Was?” rief er mit entsetzlicher Stimme, “willst du denn ewig
leben?” und gleich flog der Sargdeckel wieder zu.

Endlich ward er geöffnet ich stand am Eingang dieses Gewölbes , mein


Sohn vor mir, und der Mann, der mir die Botschaft, dass mein Sohn in
der Schlacht gestorben wurde, gebracht hatte. zehnmal umfasst' ich
seine Knie, und bat und flehte, und umfasste sie und beschwur

“Hinab mit dem Balg!” sagte er, “er hat genug gelebt”, und hinab
ward ich gestossen ohne Erbarmen, und mein Sohn Franz schloss hinter
mir zu.

MOOR
Es ist genug. Auf! ihr Klötze, ihr Eisklumpen! ihr trägen, fühllosen
Schläfer! Auf! will keiner erwachen? [Er thut einen Pistolschuss
über die schlafenden Räuber.]
Hat euch die Geschichte nicht aus dem Schlummer gerüttelt? – Der
Sohn hat seinen Vater erschlagen!

NEIN! nicht erschlagen! das Wort ist Beschönigung! der Sohn hat den
Vater tausendmal gerädert, gespiesst, gefoltert, geschunden!

Der Sohn hat seinen eigenen Vater – oh seht her, seht! er ist in
Ohnmacht gesunken, ― in dieses Gewölbe hat der Sohn seinen Vater –
Frost, Blösse , Hunger, Durst. Es ist mein eigner Vater, ich will's
nur gestehn.

Räuber
[springen herbei und umringen den Alten]

SCHWEIZER
[tritt ehrerbietig näher, fällt vor ihm nieder]. Vater meines
Hauptmanns! Ich küsse dir die Füsse! du hast über meinen Dolch zu
befehlen.

MOOR
Rache, Rache, Rache dir! [Er zerreisst sein
Kleid von oben an bis unten.] schwöre ich , das Licht
des Tages nicht mehr zu grüssen, bis des Vatermörders
Blut, vor diesem Steine verschüttet, gegen die
Sonne dampft. [Er steht auf.]

Räuber
Es ist ein Belialsstreich! Sag' einer, wir seien Schelmen! Nein, bei
allen Drachen! So bunt haben wir's nie gemacht!

[ Sie knien .]

SCHWEIZER
Gebeut, Hauptmann! was sollen wir tun?

MOOR
jetzt will ich bezahlen. Schweizer, so ist noch kein Sterblicher
geehrt worden, wie du! Räche meinen Vater!

SCHWEIZER
[Schweizer steht auf.]
Grosser Hauptmann! heute hast du mich zum ersten Mal stolz gemacht!
Gebeut, wo, wie, wann soll ich ihn schlagen?
MOOR
Die Minuten sind geweiht, du musst eilends gehn – Lies dir die
Würdigsten aus der Bande und führe sie gerade nach des Edelmanns
Schloss!
Aber ich sage dir, ich schärf' es dir hart ein, liefer’ ihn mir
nicht todt!
Ganz muss ich ihn haben, und wenn du ihn ganz und lebendig bringst,
so sollst du eine Million zur Belohnung haben! Hast du mich
verstanden, so eile davon!

SCHWEIZER
Genug, Hauptmann – hier hast du meine Hand darauf: Entweder du
siehst zwei zurückkommen [Ab mit einem Geschwader.]

MOOR
Ihr übrigen zerstreut euch im Wald – Ich bleibe.

FÜNFTER ACT
Erste Scene

Banyak yang diskip


Langsung ke…

Ein Bedienter eilig.

BEDIENTER
Amalia ist entsprungen, der Graf ist plötzlich verschwunden.

Daniel kommt ängstlich.

DANIEL
Gnädiger Herr, jagt ein Trupp feuriger Reiter die Staig herab,
schreien Mordjo, Mordjo – das ganze Dorf in Alarm.
FRANZ
Geh, lass alle Glocken zusammenläuten, alles soll in die Kirche auf
die Knie fallen alles – beten für mich – alle Gefangne sollen los
sein und ledig, ich will den Armen alles doppelt und dreifach
wiedergeben, ich will – so geh doch – so ruf doch den Beichtvater,
dass er mir meine Sünden hinwegsegne Bist du noch nicht fort?

[Das Getümmel wird hörbarer.]

DANIEL
Gott verzeih mir meine schwere Sünde! Wie soll ich das wieder
reimen? Ihr habt ja immer das liebe Gebet über alle Häuser
hinausgeworfen, habt mir so manche Postill' und Bibelbuch an den
Kopf gejagt, wenn ihr mich ob dem Beten ertapptet

FRANZ
Nichts mehr davon Sterben! siehst du? Sterben! Es wird zu spät.

[Man hört Schweizern toben.]

Bete doch! bete!

[umarmt ihn ungestüm]. Verzeih, lieber, goldner


Perlendaniel(le), verzeih! ich will dich kleiden von Fuss auf ich
beschwöre dich – auf den Knien beschwöre ich dich! Ins Teufels
Namen, so bet’ doch!

[Tumult auf den Strassen. Geschrei - Gepolter.]

SCHWEIZER
[auf der Gasse]. Stürmt! schlagt todt!
brecht ein! Ich sehe Licht, dort muss er sein.

FRANZ
[auf den Knien]. Höre mich beten, Gott im Himmel! – Es ist das
erste Mal soll – auch gewiss nimmer geschehen – Erhöre mich, Gott im
Himmel!

DANIEL
Jesus Maria! helft! – rettet! – das ganze Schloss steht in Flammen!
FRANZ
Hier, nimm diesen Degen. Hurtig! Jag mir ihn hinterrücks in den
Bauch, dass nicht diese Buben kommen und treiben ihren Spott aus
mir.

DANIEL
Bewahre! Bewahre! Ich mag niemand zu früh in den Himmel fördern,
viel weniger zu früh [Er entrinnt.]

FRANZ
[Franz ihm grass nachstierend nach einer Pause]. In die Hölle,
wolltest du sagen - Wirklich? ich wittere so etwas - [Wahnsinnig.]
Sind das ihre hellen Triller? höre ich euch zischen, ihr Nattern des
Abgrunds? – sie dringen herauf - belagern die Thür - warum zage ich
so vor dieser bohrenden Spitze? Ha! so erbarm du dich meiner! [Er
reisst seine goldene Hutschnur ab und erdrosselt sich]

Schweizer mit seinen Leuten.

SCHWEIZER
Mordcanaille, wo bist du? - Saht ihr, wie sie flohen? - hat er so
wenig Freunde ? - Wohin hat sich die Bestie verkrochen ?

GRIMM
[stösst an die Leiche]. Halt, was liegt hier im Weg? Zündet hieher

SCHWARZ
Er hat das Prävenire gespielt . Steckt eure Schwerter ein , hier
liegt er wie eine Katze verreckt.

SCHWEIZER
Todt! was? todt? ohne mich todt? - Erlogen sag' ich - ebt Acht, wie
hurtig er auf die Beine springt! - [Rüttelt ihn] Heh du! Es gibt
einen Vater zu ermorden.

GRIMM
Gib dir keine Müh. Er ist maustodt.
SCHWEIZER
[tritt von ihm weg] Ja! Er freut sich nicht - Er ist maustodt -
Gehet zurück und saget meinem Hauptmann: Er ist maustodt - mich
sieht er nicht wieder [Schiesst sich vor die Stirn]

Zweite Scene

Der Schauplatz wie in der letzten Scene des vorigen Acts.


Der alte Moor auf einem Stein sitzend. Räuber Moor gegenüber.
Räuber hin und her im Wald.

R. MOOR
Er kommt noch nicht ? [Schlägt mit dem Dolch auf einen Stein, dass
es Funken gibt. ]

D. a. MOOR
Verzeihung sei seine Strafe - meine
Rache verdoppelte Liebe

R. MOOR
Nein, bei meiner grimmigen Seele ! das soll nicht sein. Ich will's
nicht haben. Die grosse Schandthat soll er mit sich in die Ewigkeit
hinüberschleppen! – Wofür hab' ich ihn denn umgebracht ?

D. a. MOOR
[in Thränen ausbrechend] . O mein Kind !

R. MOOR
Was? – du weinst um ihn - an diesem Thurme?

D. a. MOOR
Erbarmung ! o Erbarmung ! [Heftig die Hände ringend] Jetzt - jetzt
wird mein Kind gerichtet!

R. MOOR
[sehr gerührt] . Er war euch lieb , euer anderer Sohn?
D. a. MOOR
Du weisst es , o Himmel ! Warum liess ich mich doch durch die Ränke
eines bösen Sohnes bethören ?
Oh, ich fühl' es tief, was mir Amalia sagte , der Geist der Rache
sprach aus ihrem Munde. Vergebens ausstrecken deine sterbenden Hände
wirst du nach einem Sohn , vergebens wähnen zu umfassen die warme
Hand deines Karls, der nimmermehr an deinem Bette steht

R. MOOR
[reicht ihm die Hand mit abgewandtem Gesicht]

D. a. MOOR
Wärst du meines Karls Hand ! - Aber er liegt fern im engen Hause ,
schläft schon den eisernen Schlaf, höret nimmer die Stimme meines
Jammers - Weh mir ! Sterben in den Armen eines Fremdlings - kein
Sohn mehr, der mir die Augen zudrücken könnte

R. MOOR
Dein Sohn - ja, alter Mann - [stammelnd] dein Sohn – ist ewig
verloren

D. a. MOOR
Ewig? Ewig, sagst du ?

R. MOOR
Frage nichts weiter ! Ewig, sagt' ich .

D. a. MOOR
Auch mein Franz verloren ?

R. MOOR
[stürzt vor ihm nieder] Ich zerbrach die Riegel deines Thurms - Gib
mir deinen Segen !

D. a. MOOR
[mit Schmerz] Dass du den Sohn vertilgen musstest, Retter des
Vaters! - Siehe , die Gottheit ermüdet nicht im Erbarmen , und wir
armseligen Würmer gehen schlafen mit unserm Groll . [ Legt seine
Hand auf des Räubers Haupt. ] Sei so glücklich , als du dich
erbarmest.
R. MOOR
[weichmüthig aufstehend]. O - wo ist meine Mannheit ? Meine Sehnen
werden schlapp, der Dolch sinkt aus meinen Händen.

Schweizers Gefährten treten auf im stummen Trauerzug mit gesenkten


Häuptern und verhüllten Gesichtern.

R. MOOR
Himmel! [ Tritt schen zurück und sucht sich zu verbergen . Sie
ziehen an ihm vorüber. Er sieht weg von ihnen . Tiefe Pause. Sie
halten.]

GRIMM
[mit gesenktem Ton ] . Mein Hauptmann!

[ Räuber Moor antwortet nicht und tritt weiter zurück.]

SCHWARZ
Theurer Hauptmann !

[Räuber Moor weicht weiter zurück . ]

GRIMM
Wir sind unschuldig, mein Hauptmann !

R. MOOR
[ohne nach ihnen hinzuschauen ]. Wer seid ihr ?

GRIMM
Du blickst uns nicht an ? Deine Getreuen .

R. MOOR
Weh euch, wenn ihr mir getreu war't !
GRIMM
Das letzte Lebewohl von deinem Knecht Schweizer - er kehrt nie
wieder, dein Knecht Schweizer.

R. MOOR
[aufspringend]. So habt ihr ihn nicht gefunden?

SCHWARZ
Todt gefunden

R. MOOR
[froh emporhüpfend] . Habe Dank, Lenker der Dinge ! Umarmet mich,
meine Kinder ! Umarmet mich, meine Kinder ! Erbarmung sei von nun an
die Losung - Nun wär' auch das überstanden ― Alles überstanden.

Neue Räuber. Amalia .

Räuber
Heisa, heisa ! Ein Fang, ein superber Fang !

AMALIA
[mit fliegenden Haaren] Die Todten, schreien sie , seien erstanden
auf seine Stimme - ein Oheim lebendig - in diesem Wald - Wo ist er ?
Karl ! Oheim ! Ha! [Stürzt auf den Alten zu . ]

D. a. MOOR
Amalia ! Meine Tochter ! Amalia ! [Hält sie in seinen Armen
gepresst.]

R. MOOR
[zurückspringend] . Wer bringt dies Bild vor meine Augen ?

AMALIA
[entspringt dem Alten, springt auf den Räuber zu und umschlingt ihn
entzückt] . Ich hab ' ihn , o ihr Sterne ! Ich hab' ihn !
R. MOOR
[sich losreissend, zu den Räubern ] Brecht auf, ihr ! Der Erzfeind
hat mich verrathen !

AMALIA
Ewig sein ! Ewig, ewig , ewig mein! - Oh ihr Mächte des Himmels !
Entlastet mich dieser tödtlichen Wollust, dass ich nicht unter der
Bürde vergehe !

R. MOOR
Reisst sie von meinem Halse ! Tödtet sie Tödtet ihn ! mich ! euch !
alles ! Die ganze Welt geh zu Grunde ! [ Er will davon . ]

AMALIA
Wohin ? was ? Liebe - Ewigkeit ! Wonn' - Unendlichkeit ! und du
fliehst ? ! Haltet mich ! Um Gottes willen , haltet mich ! es wird
mir so Nacht vor den Augen - Er flieht !

R. MOOR
Zu spät ! Vergebens ! Dein Fluch, Vater ! frage mich nichts mehr ! -
ich bin, ich habe dein Fluch dein vermeinter Fluch ! Wer hat mich
hergelockt ? [ Mit gezogenem Degen auf die Räuber losgehend. ] Wer
von euch hat mich hiehergelockt, ihr Creaturen des Abgrunds ? So
vergeh' denn , Amalia ! - Stirb, Vater ! Stirb durch mich zum
dritten Mal ! - Diese deine Retter sind Räuber und Mörder ! Dein
Karl ist ihr Hauptmann .

[Der alte Moorgibt seinen Geist auf. ]

AMALIA
[steht stumm und starr wie eine Bildsäule . Die ganze Bande in
fürchterlicher Pause].
[fällt ihm in die Arme] . Mörder ! Teufel ! Ich kann dich Engel
nicht lassen .

R. MOOR
[schleudert sie von sich ] . [ Amalia fällt ihm um den Hals. ] Ha,
was ist das ? Sie speit mich nicht an , stösst mich nicht von sich -
Amalia ! hast du vergessen? Weisst du auch, wen du umarmest, Amalia?
AMALIA
Einziger, Unzertrennlicher !

R. MOOR
[aufblühend, in ekstatischer Wonne] . Sie vergibt mir , sie liebt
mich ! O Amalia ! Amalia ! Amalia ! [ Er hängt an ihrem Mund, sie
bleiben in stummer Umarmung.]

Ein Räuber
[grimmig hervortretend] . alt ein , Ver räther! - Gleich lass diesen
Arm fahren – oder ich will dir ein Wort sagen, dass dir die Ohren
gellen und deine Zähne vor Entsetzen klappern ! [ Streckt das
Schwert zwischen beide . ]

Ein alter Räuber


Treuloser, wo sind deine Schwüre ? Vergisst man Wunden so bald ?

Ein dritter Räuber


Pfui über den Meineid !

Die Räuber
[durcheinander, reissen ihre Kleider auf] Schau her , schau ! Kennst
du diese Narben ? Du bist unser ! Marsch mit uns ! Opfer um Opfer!
Amalia für die Bande!

R. MOOR
[lässt ihre Hand fahren] . Es ist aus ! – ich wollte umkehren und zu
meinem Vater gehn, aber der im Himmel sprach , es soll nicht sein .[
Kalt . ] Thor ich , warum wollt' ich es auch ? Kommt, Kameraden !

AMALIA
[reisst ihn zurück] . Halt, halt ! Einen Stoss ! einen Todesstoss !
Neu verlassen ! Zeuch dein Schwert, und erbarme dich !

R. MOOR
Willst du allein glücklich sein ? Fort , ich tödte kein Weib !
AMALIA
Kein Freund ? Auch unter diesen nicht ein Freund ? [Sie steht auf. ]
Nun denn , so lehre mich Dido sterben ! [ Sie will gehen, ein Räuber
zielt.]

R. MOOR
Halt ! Wag' es - Moors Geliebte soll nur durch Moor sterben ! [Er
ermordet sie.]

Die Räuber
Hauptmann ! Hauptmann ! Was machst du ? Bist du wahnsinnig worden ?

R. MOOR
[auf den Leichnam mit starrem Blick] . Sie ist getroffen ! Dies
Zucken noch, und dann wird's vorbei sein - Nun, seht doch ! Habt ihr
noch was zu fordern? Ihr opfertet mir ein Leben auf, ein Leben, das
schon nicht mehr euer war, ein Leben voll Abscheulichkeit und
Schande - Ich hab' euch einen Engel geschlachtet . Wie , seht doch
recht her ! Seid ihr nunmehr zufrieden ?

GRIMM
Du hast deine Schuld mit Wucher bezahlt. Du hast gethan, was kein
Mann würde für seine Ehre thun. Komm jetzt weiter !

SCHWARZ
Sei ruhig , Hauptmann ! Komm mit uns, der Anblick ist nicht für
dich. Führe uns weiter !

R. MOOR
Halt - noch ein Wort, eh wir weiter gehn - Merket auf, ihr
schadenfrohen Schergen meines barbarischen Winks - Ich höre von
diesem Nun auf, euer Hauptmann zu sein - Mit Scham und Grauen leg'
ich hier diesen blutigen Stab nieder, worunter zu freveln ihr euch
berechtigt wähntet und mit Werken der Finsterniss dies himmlische
Licht zu besudeln- Gehet hin zur Rechten und Linken - Wir wollen
ewig niemals gemeine Sache machen.
Thoren ihr ! zu ewiger Blindheit verdammt! Meinet ihr wohl gar, eine
Todsünde werde das Aequivalent gegen Todsünden sein ? Meinet ihr,
die Harmonie der Welt werde durch diesen gottlosen Misslaut
gewinnen? [ Wirft ihnen seine Waffen verächtlich
vor die Füsse . ] Er soll mich lebendig haben . Ich geh, mich selbst
in die Hände der Justiz zu überliefern .
Nicht, als ob ich zweifelte , sie werde mich zeitig genug finden ,
wenn die obern Mächte es so wollen . Aber sie möchte mich im Schlaf
überrumpeln, oder auf der Flucht ereilen , oder mit Zwang und
Schwert umarmen, und dann wäre mir auch das einzige Verdienst
entwischt , dass ich mit Willen für sie gestorben bin . Was soll
ich, gleich einem Diebe , ein Leben länger verheimlichen , das mir
schon lang im Rath der himmlischen Wächter genommen ist ?

Die Räuber
Lasst ihn hinfahren ! Es ist die Grossmannsucht Er will sein Leben an
eitle Bewunderung setzen .

R. MOOR
Man könnte mich darum bewundern . [Nach einigem Nachsinnen . ] Ich
erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu haben , als ich
herüberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige Kinder hat -
Man hat tausend Louisd'ore geboten , wer den grossen Räuber lebendig
liefert . Dem Mann kann geholfen werden.
[Er geht ab .]

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