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Troja Teilgebiet

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TEILGEBIET TROJASTOFF IN DER GESCHICHTE:

I. EINFÜHRUNG:

Nach dem Untergang des römischen Imperiums versuchten europäische Dynastien sich selbst als
Nachfolger der Trojaner und somit der Römer zu etablieren. Einer von ihnen war Francio
(Ursprung das Namens des Frankenreichs), Sohn von Hektor und Begleiter von Aeneas. Er soll in
Frankreich ein neues Troja gegründet haben (Tronje (bekannt „Hagen von Tronje“), heutiges
Xanten (Xantos war ein Fluss in Troja)). Noch andere Sagen wurde im Frühmittelalter erfunden
um eine Legitimation als Nachfolger der Römer zu haben. (Bei Vergil Liber III. - Ausgewanderte
Trojaner gründen eine neue Stadt bei Epirus namens Utratum). So war Brutus der der nach
England (Briten) ging, Iusus nach Portugal (Lusitaner), und auch die Habsburger erfanden eine
Sage.

Rom wurde im Mittelalter auf zwei Arten betrachtet:

1. 4 Weltreiche die sich Abwechseln (schon bei Daniel im alten Testament – Traum einer
Statue deren Körper aus 4 Metallen besteht die stetig (von oben nach unten) wertloser
werden) Unterschiedliche Einteilungen:

▪ Daniel: Babylon – Meder – Perser – 1. Bein: Griechen/Makedonier 2. Diodochen


▪ Orsosius: Meder, Perser – Griechen – Kartharger - Rom (civitas die). (Spätantike)
▪ Eisepios: Babylon – Meder, Perser – Griechen – Rom (Spätantike)

2. Translatio Imperii: Weitergabe der Macht an die Franken (Merowinger)

Trojastoff im Mittelalter nicht sehr präsent da das Volk im Griechischen schlecht war. Vermittlung
war aus zweiter Hand und nicht direkt:

1. Wiedergabe der Dichtung von Vergil und Ovid, die Homer „korrekt“ wiedergeben.
2. Fiktion (hatte Erfolg im Mittelalter) im Zuge der Schwindelromane (Diktys, Dares) die
meinen, sie sein selbst in Troja dabei gewesen und würden nun die echte Geschichte
erzählen.

DER EPISCHER ZYKLUS:

1. Kypria (Stasinos): Hochzeit von Peleus und Thetis, Zeugung von Achilles, Streit zwischen
Hera, Athena und Aphrodite (Gott der Zwietracht „Eris“ nicht zur Hochzeit eingeladen und
beleidigt also wirft sie einen Apfel „an die Schönste) und Urteil des Paris, Raub der Helena,
Bündnis der Griechen gegen Troja und Opferung der Iphigene (die Tochter des Agamemnon
die geopfert werden musste um die Weiterfahrt nach Troja zu gewährleisten)

2. Ilias (Homer): 4 Kampftage, Streit des Achilles mit Agamemnon über Briseis, Rückzug aus
dem Kampf, Hector zündet die Flotte an, Patroklos stirbt, Achilles tötet Hector, Priamos und
Achilles weinen für seinem Zelt.

3. Aithiopis (Arktinos von Milet): Amazonen helfen den Trojanern unter Penthesilea,
Beziehung mit Achilles, Kampf und Tod der Penthesilea, Eintritt des äthiopiers Memnon auf
Seiten der Trojaner, Tod des Achilles durch Paris Pfeil, Trauerfeier und Streit des Aias und
Odysseus um Achilles Rüstung.
4. Illias Mikra: (Kleine Illias) Fortführung und Ende des Streits um Achilles Rüstung, Paris
Tod durch Philoktetes, Neoptolemus wütet unter den Trojanern und Odysseus rät zum Bau
des trojanischen Pferds

5. Iliu Persis (Arktinos von Milet): Bau des Pferds, Laokoon, Zerstörung, Brand, Eroberung
von Troja (Hierauf bezieht sich Vergil in der Aeneas) Vergewaltigung der Kassandra, Tod
von Hektors Sohn, Andromache wird Neoptolemus als Beute zugeteilt

6. Nostoi (Hagias): Streit der Brüder Agamemnon und Menelaos ob sie abreisen sollten
(Athene war wütend wegen der Vergewaltigung des kleinen Aiax von Kassandra), manche
Griechen segelten ab, oft in Stürme, Tod des Aiax, Menelaos Heimkehr, Ermordung des
Agamemnon durch seine Frau, Diomedes von Gattin vertrieben

7. Odyssee (Homer): Odysseus darf von der Insel, auf der er von Kalypso gefangen war,
gehen, wird durch Sturm nach Scheria, kommt nach Ithaka, Rückblende der Irrfahrten:
Kyklop (Schaflist), Kirke und Reise in die Unterwelt (Tote Helden der Illias darunter
Theresias), Sirenen, Seeungeheuer Skylla und Charybdis, Schiffbruch durch Helios
(geschlachtete Rinder), Treiben zu Kalypso, Odysseus auf Ithaka, Fußwaschung, Rache

8. Telegonie (Eugammon): Bestattung der getöteten Freier, Odysseus überwacht Rinderzucht


des Augias, Telegenos (Odysseus und Kirkes Sohn) war aufgebrochen um seinen Vater zu
suchen, kommt nach Ithaka und bleibt unerkannt, Telegenos wollte ein Rind schlachten und
Odysseus hinderte ihn. Telegenos tötet unwissend seinen Vater, Trauerfeier und Telegenos
heiratet Penelope

in Lyrik: Stesichorus hatte später eine Schuldzuweisung an Helena formuliert, dass sie am Krieg
schuld sei, weil sie sich dem Eros hingegeben hat. Später musste er diese dann widerrufen
(Paliondie = Widerrufung) und er erfand, dass Helena ein Schattenbild hat (Eidolon) welches
geraubt wurde, während die wahre Helena immer in Sparta blieb.

In Tragödie: Aischylos schrieb, dass das Eidolon in Sparta blieb und Helena nach Troja ging.
Georgias spricht Helena von Schuld frei, da sie Opfer der 4 Mächte: Schicksal, Entführung,
Überredungskunst und Eros war. Euripides (im Jahr 412) ließ das Schattenbild nach Troja gehen,
die echte Helena blieb in Ägypten zurück und wurde auf der Heimfahrt von Menelaos gefunden.
Zur Zeit des peloponnesischen Krieges wurde gesagt, dass dieser Krieg komplett sinnlos ausbricht,
da Helena unschuldig ist.

TROJA BEI VERGIL „AENEIS“: 2 WICHTIGE STELLEN

• Buch 1: Karthargo wird erbaut und dabei auch ein Tempel der Juno (Schutzgöttin von
Karthargo die auf Seiten der Griechen war). Auf dem Tempel sind Szenen aus dem
Trojanischen Krieg zu sehen, die nicht Troja-Freundlich waren. Dennoch kann Aeneas in
den Abbildungen ein gewissen Mitgefühl der Dido erkennen kann. Gezeigt ist auch Achill,
der für Gold den Leichnam Hektors hergibt um ihm so Goldgier zu unterstellen. Darunter
auch der Tod der Penthesilea durch Achilles (Foreshadowing: Liebe tötet! -> Aeneas- Dido)

Text 1: Laokoons Tod durch 2 Seeschlangen, Cassandras missachtete Warnung, Einzug des
Pferdes, nächtlicher Angriff, Hektor erscheint verwundet Aeneas, Auftrag die Penaten zu
schützen – Priamos Familie beim Altar, Priamos in Rüstung und Mahnung der Hekuba,
Polites Tod, Phyrrus tötet Priamos, Priamos Kopf liegt am Strand
• Buch 2: Aeneas erzählt von Troja und beginnt bei dem Pferd: Sinon (sprechender Name,
bedeutet „schädigen“) sagt, dass die Griechen fort sind und das Pferd zurückgelassen haben.
Das Pferd sei extra groß wegen eines Orakels das sagte, dass Troja nicht fallen kann wenn es
in die Stadt gezogen werden könne. - Tod des Laokoon: Trojaner glauben dass sein Tod
wegen des Speerwurfs sei (→ ziehen Pferd hinein), also rissen sie das Tor ein um es hinein
zu ziehen ( Ebenfalls Orakel: geht das Tor kaputt, wird Troja fallen). (fatalis machina- fatum
- schicksalshaft, unglückbringend). Pferd blieb 4 mal stecken und 4 mal war Waffenklirren
zu hören → schlechte Vorzeichen (Diomedes rennt dreimal gegen Apollon, bevor er ihn
zurückdrängt/ Patroklos dringt drei mal in die Troerreihen ein, beim vierten mal trifft er auf
Hektor). Cassandra, die Gott verstieß war verflucht dass niemand auf sie hören wird, warnt
vor dem Pferd. Beim Nachteinbruch: Vertitur interea caelum → wörtliches Zitat von Ennius.
Das Mondlicht ist den Griechen „amica“ = freundlich. Sinon öffnet Pferd und Stadt wird
überrannt.

Dann Geschichte aus Aeneas Sicht: Hektor erscheint verwundet (wichtig, da sich Dido
erinnert, dass auch ihr Gatte verwundet erschien und sie zur Flucht aufrief) und sagt Stadt
verloren „Ich konnte sie nicht retten, niemand kann es“. Starker Kontrast zum tapferen
Hektor, der Feuer auf die Schiffe wirft. Trotzdem kämpft Aeneas und wird bis zur Burg
getrieben. Priamus möchte kämpfen, Frau sagt er solle bleiben, die Stadt sie ohne Hektor
sowieso verloren. Dort Tod des Priamus: durch Sohn des Achilles Phyrrus (bei den
anderen Neoptolemus). Priamos sagt, dass er gnadenlos sei und daher könne er nicht Achill'
Sohn sein. (Anmerkung: Zu Beginn sieht Aeneas am Tempel, dass Achill die Leiche
verkauft habe, jetzt sagt Priamos Achilles habe den Körper zur Bestattung hergegeben →
Die Charaktere verwenden die Teile der Geschichte die ihnen selbst nützen.) Priamus
wirft Lanze daneben und wird erstochen. („Nunc morere“: sehr umgangssprachlich:
Aufnahme von V. 524 „aut moriere simul“) Leiche Priamus auf Strand, mit abgehacktem
Kopf (wie später Pompeius). Die letzten Verse: sehr biographisch: „“haec finis Priami
fatorum“ so was findet sich auch bei Livius. Tod des Priamus ist Vorwegnahme des
Untergangs Trojas, der Höhepunkt ist hier erreicht, der Rest ist nur Appendix: Aeneas flieht,
Kreusa geht verloren, stirbt und erscheint Aeneas bereits in göttlicher Gestalt und sagt, dass
er gehen soll und dass in Italien eine neue Gattin auf ihn wartet. Hier erfährt schon Dido,
dass sie nicht diese Gattin sein kann.
II. DER TROJASTOFF BEI OVID
Kam in 2 Werken vor:

1. METAMORPHOSEN ( in Buch 12,13 – siehe Kommentare von Reed und Chiavini)

Bei Ovids Metamorphosen steht das Regime Oktavians im Kontrast zum Schaffen von
Kunst. „Wie viel Freiheit haben Künstler unter Alleinherrscher?“. Möglich wäre eine
Panegyrik (Lobschrift an einen Herrscher) oder Polemik, was auch nicht wahrheitsgetreu ist.
Ovid spiel bei verschiedenen Gestalten auf die Vereinnahmung eines Künstlers durch einen
Herrscher an. Gezeigt wird das dadurch, dass in den Metamorphosen häufig die Stimme im
Zuge der Verwandlung verloren wird (Symbolik für Verlust der Redefreiheit) Allerdings
beruft sich Ovid (so auch Nestor in der Ilias – siehe Kentauromachie des Nestor: Ein
Zuhörer fragt ihn dann, warum er nichts über Herkules erwähnt hat. Nestor: Ich werde doch
nicht einen Feind preisen) darauf, dass der Dichter entscheidet wer unsterblich wird und wer
nicht. Auch Anspielungen an Dichter (Vergil) und Dichterselbstmord unter Augustus: siehe
Galius (Erfinder der Liebeselegie)

Die Metamorphosen lassen sich so einteilen:


• Erste Hälfte: Thema = Ruhm durch Heldentaten (Augustus und Aktium) Hier gibt
es 2 Göttergeschichten (Apoll und Juppiter) und 4 menschliche Helden in
absteigender Reihenfolge (Heldentaten immer weniger eigene Leistung): Kadmus
(Drache und Zähne für Theben), Perseus, dann Künstler, dann Jason und Theseus
(bei Theseus gar keine wirklichen Heldentaten mehr/ Thebanerinnen)
• Zweite Hälfte: Thema = Apothese (Unsterblichkeit). Menschen: 2 werden Götter
(Caesar und Romulus wobei deren Unsterblichkeit deutlich hinterfragt wird) sonst 4
Menschen als Helden: Meleagros, Herkules, Achilles, Aeneas.

Sonst kann man sie in 1/3 zu 2/3 einteilen, wobei die 2/3 sich mit Künstlergestalten
befassen. Besonders Dichterwettkämpfe (Buch 5,6) wie Minerva vs. Arachne, Orpheus und
die Musen.

1 Gestalt ist immer da und immer wandelbar in alles beliebige: Proteus! Normal kann
Proteus gegriffen werden (währenddessen kann er sich nicht verwandeln), das ist bei Ovid
weggelassen. Ovids Antwort, wie man also seine Freiheit bewahren kann? → von
Geschichte zu Geschichte die Intention so verdrehen, dass man die Intention des Werkes
nicht fassen und ihn somit nicht belangen kann!

Der Trojastoff ist in Buch 12 und 13 auffindbar. Proteus leitet das Geschehen ein (ungenauer
als Vergil): Achilles kämpft gegen Kyknus (bedeutet Schwan) und ist unverwundbar.
Achilles wird ungeduldig, zweifelt an sich selbst und erdrosselt ihn schließlich (nicht
heldenhaft). Dann wird der Troianische Krieg überbrückt und Nestor erzählt von der
Kentaurengeschichte. Hier wird auch Bezug darauf genommen, dass Achilles trotz seines
Ruhms nur ein kleines Grab erhalten hat. Um das Schild des Achilles wird gestritten
zwischen Odysseus und Ajax. Beide erzählen von ihren Heldentaten und übertreiben damit
(Thema: Wahrheit kann in Dichtung verfälscht werden) Odysseus macht Eigenpanegyrik,
Ajax macht Polemik → der polemisierende Ajax endet mit Selbstmord!

Das Ende von Troja und dem Tod von Priamus wird bei Ovid nur in 2 Zeilen erwähnt.
Text 2: Das Ende von Hekabe (in Buch 13): Polydorus wird angespült, Hekuba
verstummt, plant Rache an Polymester, lockt ihn mit Gold. Auskratzen der Augen, wird mit
Steinen beworfen, kläfft und wird zum Hund, Mitleid der Götter

Wird bei Vergil weggelassen, dort ist nur beschrieben wie die Griechen in Thrakien Holz
sammeln und auf blutende Sträucher treffen weil dort der jüngste Sohn des Priamus
begraben ist (Polydorus)

• Bei Ovid wird Polydorus am Strand gefunden. Hekuba glaubt, dass Achilles
tödlich für sie sei und sie nur Kinder geboren hat, damit Achilles sie tötet. Aber
sie hat noch Hoffnung, weil sie denkt ihr Jüngster lebe noch. Dann wird
Polydorus am Strand gefunden. (Erinnerung an Niobe deren Söhne sterben aber
sie denkt „sie habe ja eh noch 7 Töchter“- Beide glauben einen Triumph zu
haben)

Gegensatz zur nachfolgenden Geschichte mit Aurora (Göttin der Morgenröte): Ende
des Troja Abschnitts. Hekuba hat nur mehr Asche von ihrem Sohn Hektor. Auroras Sohn,
Memnon, hat die Ehre erhalten, dass jedes Jahr am Tag seines Begräbnisses 2 Gruppen an
Vögel kommen, die sich in Kämpfen gegenseitig töten. Vergleich mit den Leichenspielen
der Gladiatoren für Caesar. Bei diesen hat Oktavian die Apothese Caesars bekanntgegeben,
aber Ovid hinterfragt das, da er erkennt, dass alle Vögel Tod sind → nur der Tod bleibt
übrig.

▪ Reaktion auf den Leichenfund: Stumm und verliert keine Träne. Sie erstarrt
wie ein Fels (Niobe wird nach der Verlust aller Kinder zu einem Fels der weinen
kann aber Hekuba kann nicht einmal das – Orpheus erstarrt auch wie Hekuba
und singt danach neue Lieder (künstlerische Wandlung)). Dann wird sie wütend,
rachsüchtig und aggressiv. In ihrer Rache geht sie zu weit „wie eine rasende
Löwin“ und reist Polymestor, nachdem sie ihn mit Gold in eine Falle lockte, die
Augen heraus (bei Vergil: Hekuba lockt Achill in den Tempel des Apollo, wo es
Schätze geben soll. Achill geht in den Tempel und wird dort von Paris getötet.)
Als sie von Steinen beworfen wird, verwandelt sie sich in einen Hund. Jetzt am
Schluss, wo sie ihr menschliches Wesen verloren hat, haben alle Mitleid mit ihr,
sowohl Freund als auch Feind. Juno sagt, dass Hekuba das nicht verdient hätte.

Womöglich zeitgeschichtlich-politisch: Juno wird als Schwester und Gattin


Jupiters bezeichnet. Wenn Jupiter für Oktavian steht dann steht für die Schwester
und Gattin einerseits Livia (oft Züge der Juno) , anderseits Oktavia, die als Akt
des Mitleids nach einer Ermordung, Kinder nach Rom geholt hat.

2. HEROIDES: In Form von Briefen verfasst. Wichtige Briefe

• 3. Heroiden Brief: Briseis schreibt nach der Wegnahme druch Agamemnon an


Achilles.
• 5. Heroiden Brief: Oinone (geliebte des Paris, weil er als Fackel gesehen wurde,
die Troja den Untergang bringen wird, wurde er aufs Land gesteckt und lebte
dort als Hirte) Oinone ist dort seine Frau, die ihm einen Brief schreibt während er
mit Helena ist. Sie wirft ihm Treulosigkeit vor, will ihn aber zurück.
• 16. 17. Heroiden Brief(paar): (vielleicht in Verbannung von Ovid geschrieben)
Paris schreibt an Helena (umwerbender Brief). Helena sei zuerst noch brav, ist
ihm aber schon lägst verfallen. Paris lockt sie zu sich.
• Manipulierbarkeit des Mythos anhand von Paris Urteil:
▪ Oinone sagt „alle Göttinen waren nackt und Paris war in Angst“
▪ Paris an Helena sagt „Göttinen nicht nackt und er hatte keine Angst“
▪ Helena weiß, dass Göttinen nackt und zweifelt Erscheinung an. Letztlich
glaubt sie ihm und wählt Amor statt Pudor.

Hier hat Ovid die Panegyrik des Vergil hinterfragt denn es gibt viele
Parallelen zu Aeneas. Aeneas war heldenhaft, gab sich aber kurzzeitig der
Dido hin, bis er sich an seine Aufgabe erinnert, erneut heldenhaft wird und
sich dem Willen der Götter hingibt. Bei Paris steht persönliches Glück im
Vordergrund. Ovid greift einen Punkt auf, der fragwürdig war: Aeneas war
vor Vergil kein so großer Held. In der Ilias streitet er mit Priamos, von Achill
wird ihm Herrschsucht vorgeworfen, er in späteren Versionen wird er sogar
Troja an die Griechen ausliefern.Vergil scheint hier den Mythos stark
verändert zu haben! Aeneas hat zwar noch Fehler, aber er ist in Summe ein
sehr positiver Charakter! Ovids Paris ist sozusagen ein realistischer Aeneas.

Ein weiteres Beispiel für die Manipulierbarkeit im Mythos: 1 weiterer Raub


in Helenas Kindheit durch Theseus. Oinone sagt, dass Helena Theseus erlegen
ist. Paris sagt, dass Helena unberührt war und Helena selbst sagt, sie blieb treu.
III. „ACHILLEIS“ VON STATIUS
- (nur 1 Buch enthalten): Weiteres Hauptwerk „Thebeis“ -

Achilleis ist in Epos Form. Thetis sieht voraus, dass die Griechen nach Troja segeln. Sie möchte das
verhindern, weil sie weiß, dass Achilles dort sterben würde. Zunächst bittet sie um Stürme, aber
Poseiden hört nicht. Thetis gibt Achilles zu Cheiron den Zentaur, der ihm kämpfen und Musik
beibringt. (Bei Ovid wird er von der Mutter erzogen) Dann kommt er, bekleidet mit
Mädchenkleidung nach Sykros zu König Lykomedes mit dessen Tochter er ein Kind zeugt. Geburt
und Aufziehen des Kindes ist heimlich. Odysseus kommt zu ihm mit Geschenken und Waffen.
Achilles greift zu den Waffen, outet sich und zieht nach Troja.

IV. „ILLIAS LATINA“ VON BEBIUS ITALICUS


Ist eine Kurzversion, die (weil sie auf Latein war) im Mittelalter viel Einfluss hatte. Sie ist die
einzige „vollständige homerische“ Fassung. Im 19.Jh. Kam man drauf, dass das zuvor als Anonym
geglaubte Werk ein Akrostichon enthält: Die ersten Buchstaben der ersten 8 Verse ergeben
„Italicus“ und die letzten 8 Verse „scripsit“. Das Werk dürfte vor 68n.Chr. unter den Flaviern
geschrieben worden sein, da sie auch Hinweise auf Nero enthält (zB. 5 Jahrfeier +
Schildbeschreibung von Achill Schild mit einer „Stadt im Frieden“). Italicus selbst war Tribun,
Prätor in Gallien, Legat der 14. und Konsul. Die Illias Latina wurde schon im 9. Jahrhundert zitiert
und besteht aus 1070 Versen. Das Werk wurde bereits im 9Jh. zitiert und war im 10Jh. häufig
herangezogen worden, bis hin zum Humanismus.
6 Gesänge aus der Illias werden ausführlich (hauptsächlich die ersten weil dort Charakterisierung
stattfindet), 8 Gesänge weniger genau und 3 wurde weggelassen (Schlachten). Dem Autor lag sehr
an der Personenzeichung der Protagonisten, so zeichnet er eher Typen als Individuen: Paris ist
sinnlich, Agamemnon ist typischer Tyrann. Sie ist außerdem Troja freundlich, da man ja versuchte
sich über die Trojaner zu legitimieren und da die Flavier meinten, sie würden von den Trojanern
abstammen. Man sagt auch, sie „Vergilisiere“ Homer.

Folgende Mittel erlauben die Verkürzung:

• Wörtliche Wiedergabe: vgl. Proömium praktisch ident


• Möglichkeit des „Tempowechsel“ - Beschleunigung
• Lenkung des Lesers auf Urteile (wie zB. Homer über Agamemnon urteilt)
• Zusammenfassen der Elemente
• Auslassung (mit Ankündigung) – zB. Mauerschau
• Dialog statt ABAB zu AB

Gibt auch Erweiterungen bei Achilles vs. Hektor da Hektor die Vatergefühle anspricht, die
bei Homer erst bei Achill und Priamos Begegnung im Zelt erwähnt werden. (Vergleich
Turnus und Aeneas wo Turnus an den Vater erinnert. und Vatergefühle angesprochen von
Hektor zu Primus – vgl. Aeneas und Achilles)

Intertextualität (= Bezug in anderen Texten)

• Tod des Patroklos: Achill wickelt Patroklos in das Gewand, dass er von Thetis bekommen
hat. Anspielung an Aeneas der Pallas in ein Tuch hüllt, das Dido gewebt hat. Auch weiß
Achilles bei Homer, dass Patroklos seine Rüstung trägt, bei Ilias Latina wird Patroklos
„demaskiert“, Hektor gilt als getäuscht (Troja-Freundlich).
• Rüstungsszene des Hektor: „Verbesserung“ da zB. Kritik geübt wurde, dass es nicht
A capite ad calcem war und nicht beschrieben wurde wie Hektors Helm aussah. Das ist bei
Illias Latina besser und erinnert an die Rüstungsbeschreibung von Turnus.

Text 3: Vergleich zwischen Ilias Latina, Ilias und Aeneis

• Proömium:
▪ V1: praktisch von Homer übernommen nur mit Übertreibungen wie „pande“
(feierlich singen) statt „canere“ um eine Hebung zu erzeugen. Negative
Charakterisierung des Griechen Achilles („superbi“).
▪ V2: gr. → unendlicher Schmerz / lat. → bis ans Ende geführt. Tod vs. Leid.
▪ V4-5: „rostris“ von Ovid, Ibis (Fluchgedicht) übernommen bedeutet je nach Kontext
Schnabel oder Maul und sind hier personifiziert → steigert die Drastik.
▪ V6: „confieri“ kommt in der klassischer Dichtung so gut wie nicht vor, da es ein
prosaisches Verb ist. In der archaischer Dichtung schon.
▪ V7: Sollte auf „u“ oder „v“ beginnen, es steht aber „Per-Protulerant“ was
bedeutungsgleich mit „versari, ut“ wäre, was da wohl stehen sollte. Einige hatten
auch das „ex equo“ vorgezogen, wodurch ITALICE rauskäme. Die Umstellung ist
wohl eher nur der Versuch, die griechische originale Wortstellung beizubehalten =
Inversion.
▪ V9-12: Apoll verursacht den Streitim lat. steht „pestem“, was hier nicht nur
„Seuche“ sondern auch „Liebeskummer“ bedeutet (Catull 76) (Bereits
Interprätation). Denn Agamemnon möchte unbedingt das Mädchen und ist von der
„Seuche“ befallen. Homer wird hier interpretiert: Achill und Agamemnon werden
charakterlich hinterfragt: der eine Hochmut, der andere von Liebensleidenschaft
ergriffen → genau diese Eigenschaften ziehen sich durchs gesamte Epos hindurch.

• Hector vs. Achilles (im Nahkampf – protrojanisch):

▪ der Beginn des Nahkampfs: ist bei Vergil und Homer gleich der Ilias Latina.

▪ Hektors Verzweiflung: Zunächst flieht Hektor und erschreckt, als er die Waffen des
Vulkanos sieht, Achill verfolgt ihn → wie wenn einer den anderen im Schlaf
verfolgt, aber man kommt nicht vom Fleck  Alptraumsituation. Ist sprachlich mit
Vergil und Homer gleich aber mit Zusätzen. Auch findet sich eine Parallele bei
Turnus, der einen Stein nach Aeneas wirft, aber seine Kraft geht aus und er verfehlt.
Da wusste er, dass seine Zeit gekommen sei.

▪ Täuschung: Hektor wird von Athena (in Gestalt des Bruders) getäuscht und treibt
ihn so gegen den Feind. Täuschung ist Steigerung einer vorausgehenden Täuschung,
als Hektor durch Patroklos Rüstung getäuscht wurde, jetzt ist es durch eine Göttin
selbst. Vergleich zu Turnus: Seine Schwester Iuturna nimmt die Gestalt des
Wagenlenkers an um ihn fort zu locken (Hilfe nicht Tod). Später, als Hektor schon
verzweifelt ist ruft er seinen Bruder um Hilfe, der reagiert nicht und er erkennt die
Täuschung.

▪ Achill durchbohrt Hektor am Hals beim Schlüsselbein: das geschieht mit einem
Speer. Wieder ein Vergleich mit der Aeneis, der auch die Rüstung des Turnus auf
Lücken absucht wie Achilles bei Hektor.
▪ Letzte Worte des Hektor: sind in der Ilias Latina knapper, da 2 Reden jeweils
zusammengefasst wurden. Hektor bittet hier, dass sein Körper seinem Vater gegeben
werden soll und dass er gut bezahlt dafür werde. Achilles antwortet, dass er das nicht
für Gold tun würde und dass die Hunde ihn zerfleischen werden. Die Erinnerung an
das Mitgefühl an den Vater sagt eigentlich erst Priamos, das ist hier vorgegriffen.
Vergleich mit Aeneis: Aeneas zögert auch beim Mord des Turnus bis er das
gestohlene Wehrgehänge sieht. Darauf erschlägt er ihn aber übergibt den Körper
Turnus Vater (Aeneas ist humaner als Achilles). Zusammenhang mit Tempel der
Juno wo Achilles den Körper für Geld hergibt (Aeneas sieht das abschätzig an).
Achilles antwortet grausam und sagt, er würde ihn direkt zerfleischen (Identifikation
mit wilden Tieren (Vögel, Hunde)). Hektors Leiden sind hier gekürzt und in der Ilias
kündigt Hektor noch Achills baldigen Tod an.

▪ Der Tod Hektors ist aus seiner Sicht geschrieben mit seiner Antwort auch Achilles
weggelassen und Betonung auf sein Leid.

▪ Schändung der Leiche mit dem Wagen: Grausamkeit des Achilles und Hochmut
im Mittelpunkt. Die Wunden sind wichtig, da sie bei der Aeneis vorkommen als
Hektor Aeneas im Traum erscheint. In der Ilias wird Hektor von Athene getäuscht,
sodass er den Kampf eingeht. Bei der Aeneas wird Turnus von einer Göttin
getäuscht, in der Gestalt seiner Schwester Iuturna.

▪ Schluss: Freude bei den Griechen und Trauer bei den Trojanern. Bei der Ilias Klagen
Hektors Frau und Mutter.

Gegenströmung zu Homer: Die Homer korrigiert und nicht getreu bleibt. Die Tradition begann im
6.Jh.v.Chr. indem Xenophanes in philosophischen Lehrgedicht die homerische Darstellung der
Götter kritisiert. Sie sein mit zu vielen menschlichen Eigenschaften versehen, da sie lügen,
betrügen, neidisch sind und ehebrechen. Aristoteles versucht darauf die negativen Eigenschaften zu
erklären (allegorisch: Poseidon steht für das Meer, Athene für die Luft, usw. - hauptsächlich Stoa)
Herodot hinterfragt die Geschichte aus Sicht der Geschichtsschreibung (ficta vs res gestae): zB. Sei
Helena in Ägypten aber die Griechen glaubten das nicht. Als Argument sagt, er, dass die Troer doch
sonst Helena einfach hergegeben hätten. Hellenikos streitet sogar ab, dass die Götter überhaupt
gewirkt hätten (Achilles nicht von Poseidon gerettet sonder aus eigener Kraft). Skytobrochion
erfindet Quellen über den Troja-Mythos und auch Mepesionax (in der Troica, 2 Jh.v.Chr) schreibt
aus Sicht eines Soldaten der die Wahrheit kennt. Dion v. Prusa schreibt in seiner Homerkritik, dass
Troja nie erobert, Helena nie geraubt wurden. Sondern dass Helena an Paris (der um sie offiziell
warb) übergeben wurde. Agamamnon fing aus Angst an trojanischen Machtansprüchen den Krieg
an. Hektor hat Achill getötet. Dann gab es Verhandlungen, und das Pferd als Friedensgeschenk.

Geneologie: Völker auf mythischen Ursprung zurückführen


V. SCHWINDELROMANE: „TRAUM ODER HAHN“ VON LUKIAN
Inhalt: Ein Schuster hat einen Hahn der sprechen kann. Der Hahn meint, er sei ein Kämpfer und
Augenzeuge in Troja gewesen während Homer ein Kamel in Baktrien war. (Anspielung auf die
Seelenwandlungslehre des Aristoteles). Aus solchen Strömungen entstanden die ersten echten
Schwindelromane.

VI. SCHWINDELROMAN „EPHEMERIS BELLI TROIANI“ VON DIKTYS


Weiterer Tatsachenbericht (Diktys) ist wie Caesars Bello Gallico → wirkt objektiv und nüchtern
geschrieben. Wahrheit in fiktivem Bericht hinterfragt. Griechen waren am Anfang zivilisiert und
demokratisch und sind am Ende so brutal und sittenlos wie die Troer von Anfang an. Durch den
Krieg verlieren sie an Sitten und Anstand (So beschreibt es auch Sallust nach dem punischen Krieg
(Karthargo)). Die Unterschiede sind bei Diktys in sich geschlossen. Die Forschung hat für lange
Zeit den lat. Text für das Original gehalten. 1966 wurde ein Papyrus mit griechischen Fragmenten
gefunden, welches zeigt, dass der Inhalt getreu ist, aber rhetorisch ausgestaltet. Genug Fragmente
für inhaltlichen Vergleich. Das griechische Original bestand aus 9 Büchern, von denen Diktys Buch
1-5 getreu wieder gab und sein Buch 6, die griechischen 6-9 zusammenfasst.

Diktys, der Hahn aus Kreta (Vorurteil, „Kreter lügen immer“- Auch Odysseus gab sich verkleidet
auf Ithaka als Kreter aus) hatte ein Tagebuch geschrieben über die Kämpfe in Troja, die in einem
Grab aufbewahrt wurden. Durch ein Erdbeben kamen sie zum Vorschein und wurden dem Kaiser
Nero gebracht, der es von Lucius Sequinius übersetzen ließ weil es in „phönizisch“ (eine seltsame
Schrift) geschrieben war. Typisch für Schwindelliteratur: Nero, Grab, Naturkatastrophe usw...

Inhalt des „Diktys“:

• Buch 1: Ursache des Krieges. Raub Helenas. Delegation der Griechen nach Troja um
Helena wiederzuholen. Antenor nimmt die Delegation in Troja auf. Beim Auftritt der
Griechen kommt es zu Tumulten, und gar zu Ausschreitungen (Beinahe Ermodrungen) als
Helena den Raum betritt (unzivilisiert). Delegation scheitert: Bei den Griechen wird
Agamemnon zum Oberbefehlshaber gewählt. Agamemnon tötet eine Hirschkuh der Diana
→ Pest. Darauf sollte Iphigenie geopfert werden aber Achilles rettet sie. Pest hört darauf auf
und die Griechen fahren los.

• Buch 2: Ankunft nahe bei Troja. Angriff auf Mysien. Telephos wird von Achill verwundet
(Wunde heilt nur durch Achilles Speerspitze). Darauf waren 2 Jahre Pause. Dann rüsten sich
beide Seiten erneut. Im 9ten Jahr wieder nach Troja. Achilles und Ajax erobern Landstriche.
Bei einer Ratssammlung sagen die Troer, dass die Griechen Helena erhalten sollen/
geschieht aber nicht. Agamemnon will Chryseis nicht hergeben → Pest → Schlacht →
Agamemon erhält Briseis und gibt Chryseis in den Vater zurück worauf sich Achilles und
Agamemnon streiten → Rückzug des Achilles aus dem Kampf. Menelaos vs. Paris dann ist
Winterpause. Hektor verbrennt Schiffe, Ajax hindert, Ajax leitet Versöhnung ein, Rückgabe
der Briseis, Agamemnon und Achilles versöhnen sich → Fest

• Buch 3: Motiv: Liebe! Achilles verliebt sich in Polyxina (Tochter des Priamos) im Winter.
Hektor entkommt Achilles. Überfall der Trojaner und Patroklos Tod (nicht durch Hektor, der
schändet die Leiche nur). Hektor bietet Polyxina an für Verrat an Griechen (Auslieferung
von Odysseus und Agamemnon gefordert). Achill leht ab. Achilles tötet Hektor von Hinten.
Sein Zorn auf Hektor ist wegen Hektors empörenden Vorschlag → Leichenschändung und
Leichenspiele. Bitte um Hektors Leiche und Polyxina bietet sich dem Achilles an. → Wirkt
als ginge es gut aus.

• Buch 4: Griechen töten neue Bundesgenossen. Tod des Achilles: im Hain des Apollo um
einen Heiratsvertrag zu machen. Achill wird überrascht und wird von Paris im Tempel
getötet. Ajax nimmt Leiche und ist der einzige der trauert, der Rest glaubte, er habe die
Griechen bei dem Treffen verraten. Letzte Kämpfe und Paris Tod. Am Tag darauf Oinones
Tod

• Buch 5: Antenor will Griechen die Stadt friedlich überlassen. Antenor ist hinterlistig und
macht eine Abmachung mit den Griechen → Pferd (ohne eingeschlossenen Griechen) als
Geschenk → Rückzug → Antenor öffnet Tor und lässt Griechen rein. Zerstörung und
Brutalität folgen. Nachspiel: Odysseus und Ajax streiten um die Standbilder der Athene.
Ermordung des Ajax. Agamemnon, Menelaos und Odysseus müssen fliehen weil sie unter
Mordverdacht stehen. Antenor will Troja neu gründen aber Aeneas hindert ihn und will die
Herrschaft. Er scheitert und flieht.

• Buch 6: Heimfahrten (abgesetzt vom Rest). Heimkehrergeschichten enden alle tragisch


und glücklos. Zuerst Schiffbruch des kleinen Ajax (Vergewaltigte Cassandra) durch die List
eines Gefährten. Diomedes und Agamemnon Frauen vertreiben ihre Männer nach der
Heimkehr. Heimkehr des Odyssus. Neoptolemos (Achilles Sohn und Mörder von Priamus)
Frau versucht Andromache zu töten. Neoptolemus wird ermordet nachdem er von Eurest
verfolgt wurde.

Die Charaktere: Nur 2 positive Griechen (Palamedes und der gr. Ajax). Agamemnon, Menelaos
und Achilles ist ambivalent: auf der einen Seite stark und tapfer aber auch bösartig, hitzköpfig und
zornig dargestellt. Achilles gilt hier als Frauenheld und kein echter Heroe (siehe Rettung der
Iphigenie). Die Ermordung Hektors durch Achilles ist motiviert durch Hektors unmoralisches
Angebot, aber Achilles Reaktion ist zu übertrieben. Aeneas und Antenor haben Verräterzüge
angenommen. Hektor ist Achills „hostis inimicissimus“.

Text 4. Tod des Hektor

VII. SCHWINDELROMAN „ÜBER DIE ZERSTÖRUNG TROJAS“ VON DARES


Ein weiterer Schwindelroman ist von Dares Phrygius, der angeblich ein Troer war und den Krieg
miterlebt hat. Er schreibt sehr nüchtern um (wie Caesar) Neutralität zu suggerieren. Dares ist ein
belegter Trojaner (Illias 5. 9-11 und Vergil 5.369 und 12. Buch – Tod durch Turnus). Dares hat ein
großes Mundwerk und ist ein Prahler (Hinweis auf Schwindelliteratur). Sein Buch ist auch
umfangreicher als Diktys. Die Datierung ist schwer da es im Buch keine Anhaltspunkte gibt aber es
wurde vor 556 geschrieben, da da bei Johannes Malalas ein Werk geschrieben hat und sich auf
Dares bezieht. Eine Idee wäre, die Ereignisse als Reflex zeitgeschichtlicher Ereignisse zu sehen:
Plünderung Roms durch Westgoten im Jahr 410. Der Stil ist knapp (brevitas wie bei Sallust). Dares
hat großen Einfluss aufs Mittelalter gehabt und war Basis für viele Werke.

2 Bilddichtungen in Afrika von Tracontius: Sammlung von Gedichten mit römischen Inhalten. Hier
„de raptu Helenae“ als Vergleich → Vorgeschichte dort und im Dares ähneln einander sehr). Es
stellt sich die Frage ob Dares eine Vorlage hatte und Epitome daraus geschrieben hat oder gar ein
eigens Werk geschrieben hat. Bei Diktys wurde ein griechisches Original gefunden, es kann also
sein dass Dares Vorlage nicht erhalten ist. Dares wirkt mehr wie eine Zusammenfassung wegen
seiner knappen Form. Die Möglichkeiten sind:

• Das griechische Werk ist schon eine Kurzfassung


• Der lateinische Übersetzer hat gekürzt
• Es gab ein lateinisches Werk als Vorlage, dass gekürzt ist.

Eine weitere Idee ist dass es eine Parodie eines Schwindelromans ist und neu geschrieben wurde. Es
gibt Hinweise auf Parodien. Vom Stil her spricht er an wichtigen Stellen in der 3P. Mittendrin 1x in
der 1P.pl. Sonst in 1P.sg. Versuch Caesars Commentarii zu kopieren im Stil → Nüchtern.

Der Inhalt: Der Raub der Helena sei eine Gegenreaktion der Troer gewesen, da zuvor Herakles
Priamos Schwester Hesione geraubt und sie mit Telamon (Ajax Vater) verheiratet hatte. Der zweite
Krieg mit Troja sei also ein Rachefeldzug. Herodot sagt: Die Griechen und Perser berauben sich
ständig: Io, Medea, Helena, Europa. Priamos will die Schwester zurück und droht mit Krieg, wenn
er sie nicht zurück bekommt. Paris möchte auch Krieg, da er über das Urteil träumt (rationale
Mythendeutung) und eine Delegation unter Paris wird nach Kytera (heilige Insel der Aphrodite)
gesandt. Fest. - bei Dracontius: kommt es auch zu einem Fest, wo Paris Helena erblickt, aber nicht
auf Kytera, sondern auf Zypern, das liegt aber weit von Sparta → wie kommt sie denn allein dort
hin? Das mag ein Hinweis sein, dass Dracontius nach Dares anzusetzen ist. - Paris ist begeistert von
Helena und entführt sie. Agamemnon wird zu Anführer (nur kurzzeitig ist er nicht an der Spitze).
Kämpfe: Hektor wird ein Freund von Ajax und tötet Patroklos nachdem Achilles schon wieder im
Kampf ist, weil Hektors Bruder Troilos unter den Griechen wütet. Achilles tötet Hektor aber
schändet die Leiche nicht. 1 Jahr später trifft er auf Polyxina. Priamos bietet ihre Hand für Frieden
an (legal, nicht wie bei Diktys, wo ihm die Hand für einen Mord geboten wird). Achilles geht nicht
darauf ein. Hekobar lockt Achilles in eine Falle (neue Verhandlung um Polyxinas Hand) und wird
im Tempel von Paris von hinten erschossen (Hekubas List erinnert an Ovid). Penthesilea kommt
nach Troja und wird von Neoptolemus getötet. Dann Verrat von Antenor und Aeneas und Sinon bei
einem Tor auf dem ein Pferd eingraviert war (Mythendeutung). Das Tor wurde geöffnet und Troja
fällt. Neoptolemos tötet Priamos. Andromache und Hekuba flehen. Am Ende ist Dares auf Antenors
Seite und beschreibt die Zerstörung nicht dramatisch.

Darstellung der Polyxina immer schlechter in der Geschichte. Zunächst war sie unschuldig und
zwart, bei Ovid gar erotisch und im Miteilalter eine Valkyre. Andromache hingegen ist liebevoll,
überlegt, aber manchmal hysterisch.

Die Intension des Werkes ist vermutlich Parodie, Übertreibung und Homerkritik. Epistel von
Nepos an Sallust: Er habe in Athen Dares (autographisch) gefunden und es ins Lateinische übersetzt
damit der Leser die Wahrheit erfährt. Histiographischer Anspruch.

Ungereimtheiten:

• Dares sagt er war vor Diktys aber er macht Anspielungen auf ihn.
• In Kap.12-13 beschreibt er alle trojanischen und griechischen Helden von Aussehen und
Charakter her, aber er kann nicht ihre Charaktere kennen (Anspielung auf Helenas
Mauersschau)
• 1330 Schiffe und 49 Heerführer. Zahlen stimmen nicht mit seinem Katalog überein.

Text 5: Hektor und Andromache + Tod: Bei Homer ist es eine rührende Szene zweier Liebender.
Hier ist mehr Streit und Diskussion. Hektor stirbt in einem Nebensatz.
VIII. „EXCIDIUM TROJAE“
Achill liebt Polyxina übertrieben. Wichtiges Werk da erste christliche Werte vorkommen. Es ist eine
moderne Edition erhalten. Die Darstellung hat 2 Hauptteile und einen Epilog.

Der Inhalt:

Teil 1 (1-23): Beginn mit Hochzeit von Thetis und Peleus. Eris Apfel und Streit der 3 Göttinnen →
Urteil des Paris und Belohnung. Hesione wieder geraubt und Troer wollen sie wieder. (wieder
Gesandschaft von Paris und Raub der Helena). Griechen rüsten zum Krieg. Kämpfe wie bei Homer
nur das Achilles Polyxina liebt, die ihm als Gattin gegeben wird für den Körper des Hektor.
Polyxina wird von Eltern angestiftet die Schwäche des Achilles herauszufinden. Sie Verrät das
Geheimnis und führt so zum Untergang des Achill. (Wie bei Samson und Delila/Skyla und die
Locke ihres Vaters (Megara fällt nach abschneiden). Achill stirbt nicht durch göttliche Hilfe. Ihr
wird ein neuer Gatte versprochen (sie wird aber letztlich von Neoptolemus zu Achilles Grab gezerrt
und dort von ihm getötet). Dann wie bei Homer: Pferd, Sinon, Nachtangriff, Zerstörung.

Teil 2 (24-71): Handelt von Aeneas. Vergil dient als Vorbild mit Zitaten. Kampf bei Nacht. Hier
dann erst Tod der Polyxina (siehe oben). Flucht des Aeneas → Turnus und Hochzeit.

Apendix (72-76): Ausblick auf die römische Geschichte : Alba longa → Romolus und Könige →
Ausblick auf Augustus (Vorbilder hier Livius, Plutarch und Dionysios).

Zum Werk: Nicht alle Abschriften sind vollständig. Die älteste ist aus dem 9.Jh mit vielen grie.
und lat. Ausdrücken die auf das 6.Jh. Hinweisen. Vermutlich spätlateinische Übersetzung aus dem
Griechischen. Es enthält einiges misogynes und christliche Inhalte also vielleicht auch 8.Jh. Es ist
eine Bemühung erkennbar den Stoff möglichst vollständig wiederzugeben (histiographisch) Der
Verfasser war vielleicht ein Lehrer: Oft Fragen die an Lehrer/Schüler Gespräche erinnern (Bsp:Z.B.
Thetis = Nereide. Wer waren die und wieso heißen sie so? Nereus-Ida  Mittelalterliche
Etymologie (wie Carolus = Cara lux). Spricht für 8.Jh. Da es an das letzte große philosophische
Werk erinnert (Boethius: Consulatio Philosophiae – Philosophie lenkt hin zum Göttlichen im
Gespräch)

Text 6. Schändigung von Hektors Leiche und aufwiegen des Körpers für Gold

Intension: Korrektur der gottlosen Version von Diktys und Dares. Götter kommen vor, wirken auf
die Geschichte aber nur am Anfang ein. Dann handeln die Menschen von alleine (keine Hilfe des
Apollon). Glaube an heidnische Götter führen zum Untergang. 2X betrügen Frauen (Polyxina und
Helena) ihre Männer. Am Ende Ringkomposition: Christus als wahrer Gott, der das Heil bringt.
Deswegen passen auch die christlichen misogynen Elemente so gut hinein (wenn christlicher Autor)
Da religiös motiviert ist sind Griechen und Troer schlecht dargestellt. → Eva ist Ursache des
Verderbens. Achill ist schlecht Charakterisiert (Pferde sind indomitos – ungezähmt) und er denkt
zuerst immer an Gold (die Waage beim Aufwiegen von Hektors Körper erinnern an Zeus und seinen
Seelenvergleich zwischen Hektor und Achill)

Misogyne Elemente im moralischen Kontext. Cupiditas führt zu Krieg (Erotik = Untergang).


Helena löst Krieg aus und Polyxina tötet indirekt Achilles. Heidnische Götter (Venus) verursacht
Erotik. Paulus: Cupiditas ist Wurzel allen Übels.

In der Blütezeit der mittellateinischen Literatur (11.Jh.) ist Ovid im Zentrum. Besonders Paris und
Frankenreich generell. Dichter schrieben ovidisch und sein Stoff teils neu gedichtet (besonders
Heroides). In der Noir Region.
IX. „DEIDAMIA ACHILLI“
Ist eine Epistel von Achilles Gattin und Mutter des Neoptolemus, Daidamia im 4ten Kriegsjahr an
Achilles: Sie ist einsam und traurig wegen Achills gebrochenem Versprechen schnell Heim zu
kommen und fürchtet um dessen Treue wegen Briseis. Der 3. Heroidenbrief Ovids ist das
Vorbild. In „anthologia latina“ (Gedichtsammlung bei der Nr. 189) überlegt Achill ob er bei
Daidamia bleiben soll. 3 Abschriften (11.,12.,14.Jh). Vermutlich geschrieben weil es um
rechtmäßige Ehe geht. Das Vokabular ist auffällig christlich.

Zu Ovids 3. Heriodenbrief: Text 7:


• 1-82 Klage der Briseis nach Raub an Achill gerichtet
• 83-154 Aufforderung den Groll aufzugeben und zu kämpfen.

Achill ist dominus und Briseis serva obwohl in erotischer Elegie die Frau die domina sein sollte.
Vermischte Dichtungsformen und lyrische Elemente. Weiteres Motiv: militia amoris → nicht in
den Krieg zieht der Liebhaber, sondern in den Krieg der Liebe zwischen ihm und der Geliebten.
Briseis pervertiert auch das: Er solle in den echten Krieg ziehen, dadurch kann sie wieder zurück zu
ihm. Der Perversion kündigt Unheil (Achilles Tod) an.

• 103-110 Briseis schwört dass sie treu war und nie mit Agamemnon schlief (wie
Agamemnons Schwur in Illias 9.) Sie schwört auf alle toten Familienmitglieder.
• 110-120 Könnte Achilles das selbe schwören? Er spielt doch Leier mit einer Frau auf dem
Schoß. (Bezug auf Ilias 9.664) Achill ist militia amoris der sich mehr am Liebesspiel erfreut
als dem echten Krieg zu dem sie ihn aufruft. Dadurch würde er die Rivalin verlassen und zu
ihr zurückkehren.
• 120-128 Hektor soll sterben und Achill kämpfen. Dann will sie als Gesandte zu ihm. (in der
Antike undenkbar)

Ovid bei Heriodes 17: Helena schreibt gleich zu beginn an Paris als „Legitimam nuptam“: DU
wagst es die gesetzmäßige Ehe herauszufordern (war schon verliebt und nur scheinbare Empörung).

Text 8: Deidamia Achilli

Manpulation des Mythos: Deidamia verändert Mythos indem sie Briseis schlechter darstellt
obwohl sie beide Opfer sind. Deidamia will Rache. Gegen Ende des Briefes immer deutlicher, was
jeder Leser damals aber wusste: Wichtige Stichwörter/Verben: luere, pecare, compatiari → alles
Termini, die im christlichen Kontext ganz wichtig sind: sündigen, büßen, Mitleid Gottes. Deidamia
verwendet christliches Vokabular, verhält sich aber nicht so denn sie wünscht der Rivalin den Tod.

„Brief der Daidamia“ im Mittelalter (von anonymen Autor) – Sie glaubt Achilles vergnügt sich
mit Briseis und möchte mit dem Brief um ihn kämpfen. Achill ist Meineidig und sagt, dass er bald
heim komme, aber er ist schon lange weg und er ist treulos weil er Briseis hat. -Schöne Frau zerstört
Stadt (Helena gemeint). Helena im Mittelalter ist sowohl als schöne Frau positiv, als auch als
Verursacherin eines Kriegs negativ bewertet.
X. „CARMINA“ VON GOTTFRIED VON REIMS
Gottfried von Reims (Gestorben 1095) War Lehrer, wurde gefördert und wurde zu einem der
Besten. Baudri war sein Schüler und schrieb ein Porträt über ihn . Er hat 4 carmina angelehnt an
Ovid und Vergil geschrieben. Ein paar Gedichte werden ihm zu unrecht zugeschrieben. In seinen
Gedichten geht es darum, dass er an den Gedichten selbst zeigt wie man dichten soll. Nur das
erste nicht Trojastoff.

1. An Ingelrannus, der sich moralisch gebessert hat. Hauptteil wieder „wie man dichtet“ an
Tochter des Willhelm des Eroberers, Adela. Zeitgedicht und Panegyrikos. Adela wird von
all den Dichtern des Loire-Kreises als Muse gepriesen.
2. Wie man noch panegyrisch dichtet zeigt er nicht zeitgeschichtlich sondern am Troiastoff im
2. Carmina: Traum des Gottfried: Odo erscheint Gottfried, der unter Apollos Führung von
Orleans herbeigeflogen kommt und ihm unter Lyraspiel sein eigenes Gedicht über
Trojanischen Krieg vorsingt (Gottfried gibt das wieder).
3. Beginnt mit einer Mahnung, dass ein Mädchen den Schmuck abnehmen soll, weil sie
natürlich schön ist. Dann Beschreibung (a capite ad calcem) mit Vergleichen aus der
Mythologie. (sie hätte auch beim Paris Urteil gewonnen) – Ekphrasis (Grie. Beschreibung).
Gottfrieds Poetik selbst darstellend - er führt dem Leser vor, wie die Ekphrasis eines
schönen Mädchens zu gestalten ist.
4. Gewidmet seinem Freund Hugo. Anrede an die Muse Kaliope, dass sie kurz herkommen
soll vom Feld. Er möchte nicht, dass sie als persona publica (Dirne) dasteht. Deswegen gibt
er ihr eine Kette und einen Mantel (clamys). Muse fragt warum er dichten kann worauf
Gottfried erzählt dass bei seiner Geburt eine Parze meinte er werde ein großer Dichter. Sie
möchte wissen wie das Gewand aussieht: Hinten ist Herkules vs. Carkas (Kommt bei
Aeneas auch vor) Name in Spätantike in Verbindung (zu unrecht) gebracht mit „kalos“
(schlecht) daher Herkules (hat Ähnlichkeiten mit Jesus: Halbgott, Aufgaben, Himmelfahrt,
Apothese) und Karkas für Teufel. Christlicher Bezug.
Dann Hauptszene vorne am Mantel: Raub des Ganymed durch Jupiter (Sohn des
Priamos) und Raub der Helena durch Paris als Händler (auf Schiff gelockt mit einer
Halskette) Hier ist sie nicht mit Menelaos sondern mit Agamemnon verheiratet. Weitere
Änderungen bei der Zerstörung der Stadt: Hektor und Achill leben beide beim Brand der
Stadt. Hektor hält eine Adhoratio an die verzweifelten Männer. Gottfried reflektiert über das
Dichten und der Adressat Hugo ist nur Zierde.

Seit Ilias: Gewebe (textum) steht für Dichtung. Tradition Catull (Carmen 64) und Ovid (Minerva
und Arachne im Wettstreit. Arachne gibt hier auch einen Katalog von Frauenvergewaltigungen
durch Götter in polemisch Art → einige bieten sich aber auch freiwillig an). Gottfried ist neuer
Homer. In Aeneis (Kämpfe für Anchises) bekommt der Sieger Kloartes einen Mantel auf dem der
Raub des Ganymed dargestellt ist → so wie hier bei Gottfired. Übergabe steht für Dichterweihe.
Früher war es eine Flöte. - Gottfried holt Muse von Land (niedrige Dichtung) auf Stadt (hohe
Dichtung) Muse soll edel sein.

Text 9: Pferd wird in die Stadt gezogen, wie bei Vergil aber Schlangen töten einen Priester wegen
Frevel am Weihegeschenk (Bei Gottfried gibt es keinen Laokoon sondern nur Sinon, dem die
Trojaner glauben). Vergil verwendet das Bild vom waffenschwangeren Pferd, bei Gottfried ist es
sogar gedoppelt: pariturus (im Begriff zu gebähren), gravidata (schwanger, trächtig) und Rippen
die den Tod bringen → vielleicht eine Anspielung auf Eva aus Adams Rippe. Parzen schneiden die
Fäden ab (Lukan, Bürgerkreig → Parzen müde vom durchtrennen). Auf Sinons aufmuntern:
Griechen ergießen sich in die Stadt wie ein Brand/Überschwemmung (Stoische Ansicht: Brand und
Flut wechseln sich ab/ ist im Mittelalter beliebt) Endet mit der Tötung der von Wein und Schlaf
erdrückten Trojaner. Vorbild: Vergils Ekphrasis des troja. Kriegs am Junotempel in Karthago!
XI. „Carmen“ von Baudri von Bourgueil
Abt in einem Benediktinerkloster. Leben eher unklar: um 1046 geboren, studierte, dann Mönch und
Dichter. 1089 Abt, dann wollte er Bischof sein (ging nicht) dann 1107 unerwartet doch Bischof aber
in Bretagne. Dort unglücklich wegen ungehobelter Menschen und wilde Gegend. Daher viel gereist,
dann in Fecamp über 1. Kreuzzug geschrieben. Gedichte eher aus Abttum. Erhalten in Kodex im
Vatikan. 2 neue Editionen. Carmen 134 hat über 1000 Verse: Riesenhafte Ekphrasis des Gemachs
von Adela von Blois (Tochter von Wilhelm den Eroberer) in deren Schloss. Das Gemach ist
allegorisch/symbolisch zu lesen: Abbild des Kosmos mit göttlicher Ordnung + Preisgedicht auf die
Schönheit der Fürstin.

3 Großabschnitte:

1. Wandteppiche: Schmalseite → Weltschöpfung bis Große Flut (Ähnlichkeit zur Bibel und
Ovid). 1. Langseite → Antike heidnische Mythen nach Ovid. 2. Langsseite → AT
Geschichten (mit Bezug auf die heidnischen Mythen) Häufiges Konzept des MA war
Parallelmythologien zu verfassen, also Gegenüberstellung der Mythen der klassischen
Antike mit denen des AT → Intention: AT seien älter und haben mehr Moral. ( hier:
heidnische enden mit Untergang, Leid, etc. AT: schon deutlich besser, aber nicht
vollkommen). Schmalseite mit Bett: um das Bett der letzte Wandteppich

Bei Parallelmythologien immer das Konzept der 3 tempora:

• ante legem (vor mosaischem Gesetz),


• sub lege (unter dem mosaischem Gesetz),
• sub gracia (unter Christlicher Gnade = NT bis Gegenwart: moralisch am besten) = Heiden,
Juden, Christen

Genau damit spielt auch Baudri aber keine NT Stellen im 4. Teppich, sondern – da Preis der Fürstin
– ein zeitgenössisches Ereignis, in dem sich auch die göttliche Ordnung manifestiert: Schlacht von
Hastings 1066: Wilhelm vs. Harald → wird zum englischen König.

Teppich hat reales Vorbild: Teppich von Bayeux in der Normandie. Wilhelms Bruder hat den in
Auftrag gegeben. Der Teppich ist Baudris Vorbild, aber viele Dinge anders.

2. Fußboden und Decke: Wieder eine Dreiteilung auf mappa mundi = Weltkarte
mit 3 Erdteilen: Asien (Ungeheuer), Nordafrika (bisschen besser), Europa (Höhepunkt: alles
lieblich, besonders an der Loire (Baudris Vorliebe für die guten Fische).
Decke: Himmelsgewölbe mit Dreiteilung → Sternbilder, die monströs sind; dann
ambivalente Planeten, als Zentrum die Sonne genau über dem Bett.
3. Großabbildungen: Statuen der Septem artes: unten das trivium, die niedrigeren Artes,
die schaden können: Grammatik „Peitsche“, Rhetorik „Skorpion“, Dialektik (Kranz). Am
Kopfende das quadrivium: genau beim Kopf ist die Philosophie, als Mutter der artes. Alles
mit panegyrischen Elementen. Einleitung und Schluss → Begegnung mit der Fürstin (sehr
charmant und witzig)
Text 10

3. Episteln: Sind genau da, wo er sie wollte. Alle 3 Auseinandersetzung mit Ovid
v.a. mit den Briefpaaren der Heroides:
▪ 1. Paar: Carmen 7 und 8: Paris an Helena und Antwortschreiben = Ovids Heroides
16 und 17 allerdings mit ganz deutlichen Unterschieden: keusche Helena, die
Menelaos liebt, aber Göttersprüche, die angeblich befehlen, dass Paris und Helena
sich verbinden müssen für ein großes, mächtiges, neues Reich. Göttersprüche
müssen richtig interpretiert werden sie verstehen es aber beide falsch → Untergang
Trojas.

▪ 2. Paar: Carmen 97 und 98. Florus, ein Freund Ovids, schreibt an den verbannten
Ovid; dann die Antwort Ovids natürlich mit Bezug auf die Verbannungsdichtung.
Wieder mit auffälligen Änderungen gegen Ovid, die zeigen, dass nicht der antike
Ovid gemeint sein kann, da dieser Ovid absolut castus = keusch, monastisch
dargestellt ist! Die Gegenden, die er beschreibt, passen nicht auf Tome, sondern auf
Dol-de-Bretagne. Rechtfertigt seine Dichtung im Stil Ovids in der Maske des antiken
Ovid: poetische Fiktion heißt ja nicht, dass man als Mensch so lebt (zB.
Liebesgeschichten, die er schreibt, haben mit ihm nichts zu tun).

▪ 3. Paar: Carmen 200 und 201. Baudri als Abt von Bourgueil schreibt an Nonne
Constantia, die Schülerin in Anjeux war. Fulgentius spielt hier stark hinein
Geschichten über Herkules, Perseus, etc. seien allegorisch zu deuten, nicht litteral.
viel Positives: über virtus, etc. Aber ja nicht wörtlich nehmen denn die Antwort
wurde sicher von ihm selbst geschrieben, obwohl die Forschung nach Constantia
suchte: Schülerin, an ihr wird vorexerziert. Im Grunde wieder der Versuch zu zeigen,
wie Interpretation von Mythos und/oder Dichtung für die Rezipienten schwierig
werden und zur falschen Deutung und zu falschen Handeln führen kann. So muss
man auch 7 und 8: Paris und Helena sehen!

Forschung: Herr. Bond spricht über konkrete historische Ereignisse: Entführung der Gattin des
Fürsten von Anjour durch franz. König; Trennte sich von Frau, da sie nur kränklichen Sohn gebar;
Frau ins Kloster; in Nacht und Nebelaktion die Gattin des Grafen entführt; Riesenskandal, beide
exkommuniziert; nicht wegen Entführung (war vielleicht sogar abgesprochen), sondern weil zu eng
verwandt (Cousins). Dagegen Tiliete und Aigner: Poetologisch zu lesen: Paris = Baudri, der seine
Muse = Helena anrufe. Einflüsse dieser Entführung sicher, aber nicht der entscheidende Punkt:
Baudri reflektiert über Mythos und dessen richtige Interpretation Paris und Helena spielen ständig
auf die christianisierende Interpretation des Parismythos durch Fulgentius an → Helena zitiert
Fulgentius, aber unvollständig, nur die 1. Hälfte, nicht die 2. Hälfte, die wichtiger wäre! → dadurch
Ehebruch und Untergang Trojas (vita contemplativa, nicht vita voluptosa!)

Baudri ist nicht gleich Paris, sondern Paris eine Kontrastgestalt zu ihm. Paris spielt auf eigene Zeit
an: Nennung zeitgenössischer Gestalten → hinter dem Mythos steht eigentlich eine aktuelle
Aussage verborgen, die der Leser entsprechend zu deuten habe. Das zeigt sich im ganzen Duktus
der Gedichte und in Anbetracht auf die Bezugstexte = inter- und intratextuelle Bezüge!
Unterschiede zwischen Ovid und Baudri:

• Bei Ovid war Paris schon am Hofe von Sparta Feuer und Flamme für Helena und jetzt
versucht er in einem Brief - Menelaos ist gerade weg – die Liebesbeziehung mit Helena
aufzubauen und in ihr Bett zu kommen.

• Bei Baudri war Paris nicht in Sparta, sondern Troja: das erotische fällt weg: nur
Göttersprüche hat er erhalten. Er nennt die Götter, die ihm sie mitgeteilt haben: Jupiter,
Apollo, phrygische Penaten und Venus, als Mutter des Aeneas (Hauptrolle in der Aeneis des
Vergil, nicht bei Ovid, dort nur Venus!). Damit erklärt sich weitere Besonderheit der
Absetzung dieser Episteln von den Ovidischen: im Hexameter, nicht in elegischen
Distichen, also im Versmaß Vergils. Mehrere Stellen aus der Aeneis: ursprünglichen sind
Stellen, die von der Zerstörung Trojas durch Griechen handeln oder Stellen, die die künftige
Größe Roms thematisieren intertextuell richtig interpretiert! Hinweise: Achtung, hier könnte
es tragisch ausgehen: Paris interpretiert falsch und glaubt, durch die Verbindung entstehe ein
Großreich, aber in Wahrheit geht Troja unter und dann erst kommt das Römische Reich.

Paris stellt sich als großer interpres deorum dar (Deuter der Göttersprücher); Seine Brüder, haben
angeblich auch alle Weissagekraft. Polemisiert gegen verwerfliche Mythen der Griechen über die
Liebesabenteuer des Jupiter, gegen die Homosexualität der Griechen, daher sei Helena quasi
moralisch verpflichtet, die Griechen zu verlassen und zu den Trojanern zu kommen.
Liebesabenteuer des Jupiter, die mit Homosexualität zusammenhängen: Ganymed kommt vor und
der ist ein Trojaner!!! Moralische Verwerflichkeit betrifft auch sein eigenes Volk → Ganymed und
Paris und Helena: bei Gottfried von Reims auch schon auf dem Gewand für die Muse: Rückseite
Ganymed, vorne Paris. Bei Klostereintritt wurde Mönchen gesagt: „Sei kein Ganymed, sei kein
Paris sondern sei in keine Richtung sexuell.“

Bezug auf eigene Zeit besonders klar im nächsten Abschnitt: Baudri durchbricht die poetische
Fiktion V. 87ff. Troja ein locus amoenus, wie auch Orleans Flüsse: Xanthus und Simuis, so schön
wie die Loire und die Cambio. (die eigene Zeit ist gemeint)

Laut Bond macht er das, weil Heinrich I. Vater des Königs die Gattin verstieß und die andere Frau
entführte → Anspielung auf den Skandal.

Paris deutet die antiken Mythen permanent falsch, anders als Baudri, der kann das und zeigt es in
seinen anderen Gedichten. Bezüge zu anderen Gedichten, wo vor homo- und heterosexueller Liebe
gewarnt wird will Paris die heterosexuelle Liebe! Deutlicher in der Erzählung vom Urteil: Paris
erzählt es, damit seine Angaben zur Gänze der Wahrheit entsprächen; genau er der Richter, da sein
Urteil absolut untrüglich sei. Das hat er selbst schon mehrfach widerlegt. Das Urteil wird aber
falsch gedeutet.Versuch des Paris, diesen Mythos in seinem Sinn zu manipulieren → ein Element,
das Baudri mit Sicherheit aus Ovid Bezogen hat aus Heroides 16 und 17, wo beide versuchen, das
Urteil in ihrem Sinn zu manipulieren, um es gegen den anderen zu richten.
XII. „CARMINA BURANA“
Sammlung von Lyrik in Latein, Deutsch und Altfranzösisch aus dem 12-13.Jh. Der Name leitet sich
von einer Abtei ab: Benediktbeuern auf lat. Benedictbura und stammt vermutlich aus der
Bayerngegend. Die Lateinische Gedichte sind in 4 Gruppen unterteilt → Trink- und
Liebeslieder, Satire und geistliche Spiele (dramatisch und szenisch in Lithurgie zb. Jedermann)
Gedichte haben berühmte Verfasser (Archipoeta, Hugo Primas, Walther Chatillio) und Anonyme.

Trojastoff bei 101 und 102

• Carmen 101 aus 12. Jh. mit insgesamt 40 Strophen. Verfasser Anonym in Distichen gereimt
(Versus Unisoni)

▪ 1-3 Strophe: Themenangabe und Anrufung an Muse. Negative Konnotation wegen


Ehebruch und Worten wie „wagen“.
▪ 14-19 Strophe: Helena ist schuldig aber bekommt keine Strafe, Hekoba ist
unschuldig aber verliert alles. Hekoba klagt gegen Juno und die Götter.
▪ 20-40 Strophe: Beschreibung des zerstörten Troja: Voll von Unkraut und Schafen.
Wie bei Lukan 9.61. Caesar kommt nach Troja und sieht Ruinen.

Rom wurde im Mittelalter oft mit Troja verglichen da beide zerstört wurden → heidnische rituelle
Stätte wurden nun mit Kirchen wieder aufgebaut. Die „memorabilia urbis Romae“ ist eine Art
Reiseführer mit allen Stätten und Kirchen Roms → Vergleich mit Euander (Wurde wegen
Vatermordes 60 Jahre vor der Zerstörung Trojas vertrieben und gründete in Latium die Stadt
Palatium. Er gab Aeneas Reiter für die Schlacht gegen Turnus.) der in der Aeneis über die
zukünftigen Stätten Roms geht.

• Carmen 102 wurde vermutlich später geschrieben als 101. Hat 29 Strophen. Darin wird
Troja zum Mythos der Zerstörung allerdings wird es durch Aeneas mit Rom erneuert.
Moralische Intention: Ehebruch Paris. Geht bis Hochzeit von Lavinia und Aeneas
(göttlich und glücklich)

Auf 101 beruht ein Gedicht von Hugo Primas (wurde Ende des 11.Jh. geboren und starb1160) Er
war Dichter in Nordfrankreich. „Primas“ ist ein Ehrentitel = Der erste. Als bedeutender Dichter ist
er auch in Carmina Burana vertreten.

• Carmen 9: Besteht aus 26 elegische Distichon (Versus unisoni) und beinhaltet die Klage
eines Griechen (ist aber christlich moralisch). Asyndotisch: Frühere Pracht und jetzt Ruine.
Katalog einstiger Pracht und jetzt heidnische Tempel vernichtet mit den Edelsteinen an
Händler verkauft (Assoziation zu Offenbarung: himmlisches Jerusalem. 12 Edelsteine
erinnern an 12 Sünden Jakobs, und die 12 Stämme Israels. So steht Smaragd (grün) für
Glaube/ der Saphhir (blau) für das Himmelreich und ein Amethyst (violett) für die
christliche Demut → das Veilchen ist auch so unscheinbar. In Troja werden die Edelsteine
verkauft → es ist ein heidnisches und falsches Gegenstück zu Jerusalem. Es muss Jerusalem
unterliegen, weil es schuldhaft ist.

2 Verse in Carmen 9:
▪ Vers 34 „Troja war jedem Verbrechen offen“: Vergleich mit Sodom und Gomorrha.
Alle drei Städte wurden als Strafe zerstört.
▪ Vers 41 „Schicksal der Menschen“: Priamus rettet sich zu Altar der Heiden (ist aber
machtlos → die heidnischen Götter helfen nicht).
Weitere Gattung: Streitgedichte die im Mittelalter sehr beliebt waren wegen ihrer kunstfertigen
und spitzfindigen Art zu argumentieren (auch zum Trojastoff). Im 12 Jh. gab es 2 wichtige
Gedichte:

• Streit zwischen Odysseus und Ajax „Causae Aiacis et Ulixis“. Das Vorbild ist Ovids
Meta. 13 und ist in der Art einer Gerichtsverhandlung geschrieben.
• Streit zwischen Helena und Ganymedes „Altercatio Helenae et Ganymedis“ → Was ist
besser? Hetero- oder Homosexualität. Beide werden gleich positiv bewertet. Helena siegt
wegen Fortpflanzung.

In der Mitte des 12 Jh. entstehen umfangreiche Dichtungen über den Trojastoff mit epischem
Charakter.

XIII. „YLIAS“ VON SIMON AUREA CAPRA


Weitere Dichtung über Troja (nach Vergil und Homer)

Simon Aurea Capra war vermutlich Abt in St. Remis in Reims. (Vermutlich taufte er den 1.
Merowingerkönig des 12. Jh.) Über sein Leben ist wenig bekannt. Der Name bedeutet goldene
Ziege, was vielleicht eine Erfindung ist oder toponymisch (Ortsangabe) zu verstehen ist. Sein
Hauptwerk „Ylias“ wurde im Auftrag von einem Graf Heinrich (vielleicht Graf Heinrich I. Aus der
Champagne) geschrieben. Es gibt tatsächlich verschieden lange Handschriften dazu. Sonst ist sein
Grabgedichte von Thomas Becket erhalten. Das „excidium troiae“ ist eine wichtige Quelle für
Simon. Auch die Ilias Latina, Vergil, Carmina Burana, Gottfried von Reims und bei 2 Ausnahmen
Dares sind enthalten. Da Homer bei Dares als Lügner gilt, passt es zu Simon Intention, die Griechen
viele Lasten: Odysseus ist Schwindler und homosexuell. Paris Ehebrecher. Aeneas aber hat im
zweiten Teil „virtus“ und ist ein „exemplum virtutis“. Paris stehen 2 Lichtgestalten entgegen: In der
ersten Hälfte Hektor und in der zweiten Aeneas. Capra macht aus Stoff Epik!

Aeneas ist gut gezeichnet und steht im Kontrast zu Achill und Paris. Achill ist erneut grausam und
von Liebesleidenschaft getrieben, zuerst zu Briseis und dann Polyxina. Die negative Liebe zu
Polyxina (wie bei Dares) macht Achill zu einem Schwächling und Weiberheld. Aeneas ist besonnen
und tötet hier Turnus zurecht. Aeneas liebt modifiziert:

1. Zu Dido: Sie ist eine perfekte Frau aber sie wird wütend und Aeneas löst sich.
2. Zu Camilla: Amazone. Aeneas verschont sie im Kampf (der bessere Achilles → siehe
Penthesilea) . Die Liebe ist höfisch dargestellt, so treffen sie aufeinander auf dem
Schlachtfeld, aber Aeneas schont sie, weil er nicht gegen eine Frau kämpfen kann.

Weitere Erweiterung gegenüber Vergil: Aeneas begegnet in Unterwelt Dido, seinem


negativen Gegenstück Paris und dem positiven Hektor.

Text 12

Später wurde Facta statt Ficta gemacht. Der Einfluss von Diktys und Dares stieg, aber sie
wurden in epischer Form aufgegriffen, was gegen ihre Intention war. Sie schrieben Prosa weil es
Historiographie vermittelt.
XIV. „HISTORIA TROIJAE PHRYGII“ VON EINEM ANONYMEN

Weitere Dichtung über Troja (Im Stil von Vergil, Ilias Latina und Homer). Anonymus hatte eher
wenig Verbreitung und stammte wohl aus der Gegend von der Seine.

Die „Historia Troijae Phrygii“ ist in5 Handschriften aus dem 13-15 Jh. überliefert und ist ungefähr
um 1150 entstanden. Capra schrieb vor Anonymus. Haupteinfluss war hier: Dares, Vergil, Illias
Latina, Diktys aber nicht Exidium Troja. Es ist eine künstlerische Ausgestaltung von Dares (der ja
knapp geschrieben hat, was sich für die Epik nicht gehört, also sind hier viele Reden mit
Gegenreden). Dares beginnt früh bei 1. Raub von Priamus Schwester Hesione. Anonymus beginnt
bei dem Raub der Helena. Der Rahmen des Werkes: Helena bildet den Beginn und Abschluss
indem sie zu Menelaos traurig zurückkehrt (iam sero = spät, aber doch). Thema: verruchte Helena
möglichst negativ darstellen. Es besteht aus 3 Teilen mit Proemium und Epilog. Dabei hat jeder
Hauptteil einen Schwerpunkt auf einen Charakter und endet mit dessen Tod.

1. 1-12 Proemium
2. 13-387 Hektor bis Tod des Hektor
3. 388-650 Troilus bis Tod des Troilus
4. 651-911 Troja und sein Untergang
5. 912-918 Epilog

1 Handschrift enthält davor noch einen Prosaprolog, mit ähnlichen Inhalten wie im Proömium
(stammt also wohl vom Autor) und gibt Anhaltspunkte für die Intention des Werkes:

• Versuch den Mythos historiographisch richtig zu stellen aber im Genus eines Epos (so
scheiden auch die Götter als Handelnde aus und stehen nur für Gefühle (Metonymien)
• Versuch möglichst das Mitgefühl der Leser zu wecken indem das Unglück, das ein Krieg
auslöst verdeutlicht wird. Der christliche Leser soll Mitleid haben und sich von den Helden
distanzieren.
• Versuch moralischen Nutzen („utilitas“) zu ziehen, da alle Todsünden dargestellt werden
(amor ist mit pudor gleichgesetzt). Er unterbricht er die Handlung um Gegenwartsbezüge
einzubauen.

Kritik an Beschäftigung mit heidnischen Texten: Dichter fürchtete sich wegen ihrer
Beschäftigung mit heidnischen Inhalten diskreditiert zu werden. Alfred wollte sich nicht damit
beschäftigen, Joseph nur möglichst wenig und Anonymus meint, er sei ja kein Dichter, da er nichts
erfinden würde und sich am Schluss immer auf Christus beruft. Sie schreiben Rechtfertigungen,
dass sie ihre Werke als Publikationen für Geistliche gedacht sind und nicht für den Hof.

Text 13: Vergleich von Anonymus und Dares. Erneut Tod Hektors und Andromache
XV. „ROMAN DE TROIE“ BENOIT DE SAINT MAURE

Benoit ist ein wichtiger Autor, der sein Werk um 1150 herum auf Altfranzösisch geschrieben hat
(wieder im Tours Gebiet). Es ist mit ungefähr 30000 Versen zu je 8 Silben verfasst und hat über 30
Handschriften und starker Nachwirkung. Benoit bringt den Trojastoff in die Nationalsprachen!
Seine Quellen sind Dares und Diktys aber nicht die Illias Latina. Das Werk beginnt dem
Argunautenfeldzug (zieht los um das goldene Fließ nach Iolkos zu bringen – Entführung der
Medea als Auslöser für viele weitere) und endet bei Odysseus Heimfahrt.

Altfranzösisch entwickelte sich aus Vulgärlatein. Mittellatein aus dem Spätlatein von Augustinus
und Hieronymus. Spanisch hat teils mehr klassisches Latein als Italienisch. Französisch ist weit
entfernt vom klassischen Latein. Romanische Sprachen differenzieren je nach Gegend → die Basis
ist gleich aber es gibt starke Unterschiede zwischen Italien, Spanien und Gallien.

Altfranzöische Dichtung (ab dem 10/11. Jh.)ist sicher auch durch mündliche Gesänge übermittelt
worden. Es gibt 2 große Themengebiete:

• Antike Themen: Troja, Aeneas, Theben


• Mittelalter Themen: Legendenhafte Lieder um Karl den Großen (er war eine
Identifikationsfigur für Kreuzzugsfahrer) in denen er gegen Muslime kämpft, wobei das nur
gegen Barcelona belegt ist. Karl ist als Archetypus eines Europäers geeignet für Chansons
(Lieder).

Liebesgeschichte zwischen Troilus (Sohn des Priamus) und Briseis: Briseis ist Tochter des
Kalchas und Geisel der Trojaner. Sie verliebt sich in Troilus wird aber im Zuge eines
Geiselaustauschs an die Griechen zurück gegeben. Sie schwört ewige Treue, verliebt sich aber im
Lager der Griechen in Diomedes, der sie tröstet. Troilus ist traurig und wird in der Schlacht von
Achilles getötet.

Die Geschichte wirkt enorm und gibt es auch bei Shakespear „Troilus and Crysida“. Chryseida =
Akkusativ auf griechisch „Cressida“ → Generalkasus. Es ist eine Verwechslung von Briseis und
Cryseis (die die Agamemnons Sklavin ist).

Der „Roman de Troie“ ist eine Vorstufe des höfischen Romans. Benoit gestaltet die
Liebesgeschichten besonders aus → Liebe hat bei ihm einen höheren Stellenwert. Höfische Poeten
zeigen Wissen und Bildung an ihren Werken. Auch versöhnen sich bei ihm die Odysseussöhne
Telemachis und Telegenos. Gewidmet ist des der Elenore von Aquitanien. Bei Benoit sind Reden
erweitert (Bsp die Rede der Andromache ist ausführlicher) um die Charaktere deutlicher zu
machen.

Text 14.

Benoit vereint Dares und Diktys und rückt die Liebe in den Vordergrund. Er nimmt Dares mit ins
Mittelalter. Die Nachwirkung zeigt sich bei Josef von Exiter (Engländer) der auch in Frankreich
tätig war. Wichtiger Epiker.
XVI. „YLIAS“ JOSEPH VON EXETER

Joseph ist Epiker im anitken Sinne und einer der wichtigsten Vertreter der hochmittalalterlichen
Epiker, der am originellsten ein übergeordnetes Thema zum Trojastoff findet. Geboren wurde er
England. Er war Neffe des Erzbischofs Balduin von Canterbury und war von 1188 bis 1190
Lehrer in „Rörs“ (ausgesprochen). Er ging im 3. Kreuzzug mit seinem Onkel mit, kehrte aber ohne
ihn aus dem heiligen Land zurück. Josephs Todeszeitpunkt ist ungewiss aber nach 1193.

Werke: Joseph schrieb Gedichte über den heiligen Martin, eine Elegie über den Preis der
Jungfräulichkeit „laudes virginitatis“, 3 Briefe (die belegen dass er 1189 Lehrer war), ein
historisches Epos über den 3. Kreuzzug namens „Antiocheis“ (Nur ein Fragment von 26 Versen
erhalten) und eine Chronik names „iterarium peregrinarium“ welches eine Wegbeschreibung ist.
Sein Hauptwerk ist die „Ylias“ ein historisch/mythologischer Mythos in 6 Büchern zu je 500
Versen nach Dares Vorbild. Aber mit den Heimkehrergeschichten nach Diktys angehängt, das am
längsten mit 979 Versen ist. Die Intention war nicht die Epik über die Wahrheit zu stellen sondern
auf einer höheren Ebene zu zeigen wie das „rota fortunae“ auf den Menschen wirkt. (in Kirchen an
der Westwand). Er erhebt keinerlei Wahrheitsanspruch.

Das „rota fortunae“: Besagt, dass die, die sich zu hoch über sich selbst erheben (superbia),
unweigerlich fallen müssen. Einer steigt auf, ein anderer fällt. Aber nicht immer ist eigene Schuld
vorhanden → Manche fallen auch nur aufgrund einer hohen Stellung (Urschuld). Das Fortuna
Konzept ist von Lukan übernommen und wird vom „unbestimmen/willkürlichen Schicksal“ zu
einem Werkzeug Gottes und bestrafenden Wesen umfunktioniert. Bei Boethius in der „Consulatio
Philosophiae“ (ist Prosimetrum = Abwechselnd Prosa und Lyrik) beklagt er sich und die
Philosophie kommt und sagt, dass Menschen Glück und Unglück haben und fortuna gerecht und
positiv richtet, wenn jemand zu viel Glück oder Pech hat! Genau diese Stelle zitiert Joseph in der
„Ylias“. Nicht nur die Trojaner sonder auch die Griechen fallen tief, deswegen sind auch die
Heimkehrergeschichten im Werk enthalten.

Wann das Werk fertig wurde ist schwer zu sagen: Im Epilog steht, dass Balduin am 3. Kreuzzug
teilnehmen werde → 1188 nahm er das Kreuz und 1190 begann der Zug. Also wurde es dazwischen
wohl fertiggestellt. Im 5. Buch bei Hektors Tod findet sich ein Gegenwartsbezug zum Tod von
Heinrich dem III → später. Wann er begann ist unklar. Vielleicht wurde es auch schon 1182 fertig
und nachträglich erweitert. Gewidmet war die „Ylias“ seinem Onkel (er kommt im Proömium und
im Epilog vor) .

Es gibt aber 2 Beispiele wo keine persönliche Schuld vorhanden ist in denen die „rota
fortunae“ richtet.

Es gab 3 wichtiger Epiker (Joseph, Walther und Alanus → Walther von Chatillon (Verfasser der
Alexandreis) kannte Joseph.) Ende des 12. Jahrhunderts

• Alanus ab Insulis: Er schrieb ein allegorisches Epos „Anticlaudianus“ (Auseinandersetzung


mit einer Szene bei Cladian, nicht gegen ihn!): Das Werk von Natura ist verkommen
weswegen sie einen homo novus erschaffen möchte, der ein neues goldenes Zeitalter bringen
soll wenn er sich gegen die Laster bewährt. Die Virtutes versammeln sich und erschaffen
einen Körper. Die Seele aber muss geholt werden mit 3 Führerinnen: Prudentia soll die
Seele von Gott holen und wird zuerst von Ratio mit einem Wagen bis zum Kosmos lenkt
(→ soweit sieht der Mensch). Fides, die Theologie bringt sie über die Himmelsphäre zu
Jesus und Maria. Dann folgt eine Ohnmacht (Heraustreten aus dem Denken) und Fides führt
sie weiter zu Gott, wo Prudentia letztlich die Seele holt. Wichtiger Einfluss auf Dantes
Komödie, wo ebenfalls 3 Führer Dante den Weg weisen.
Alanus beschreibt den Palast der Natura. Dort ist ausgestellt was sie gut gemacht hat
(Platon usw.) und ihre Fehler: Heinrich, Richard Löwenherz, Joseph von Exeter und Walther
→ Also hielt Alanus wenig von Joseph und Walther. Das Werk war vielleicht um gut 1190
fertig. Überliefert ist die Ylias in 4 Abschriften (1 mehr in Admont) und der erste Druck
(editio princeps) ist auch erhalten.

Inhalt:

• Buch 1: Proömium. Wahrheitsverkündung. Widmung an Balduin. Hier Fortuna: Warnung


vor Sturz wenn man zu hoher Ämter mit unfairen Mitteln erwirbt (aber Anmerkung, dass
das für Balduin nicht gilt). Grenzüberschreitung: Beginn mit Argonautenfeldzug. Seefahrt
bedeutet Degeneration, da der Mensch eine Grenze überschreitet indem er nicht aufs Meer
gehört. Das ist die Urschuld der Griechen. Die Argonauten landen friedlich an der
trojanischen Küste. Aber die Trojaner verweigern ihre Gastfreundschaft und haben daher
auch eine Urschuld. Der erste Sturz nach dem Argonautenfeldzug: Herakles geht nach
Troja um sie zu strafen. König Laomedon wird ermordet, die Stadt aber bleibt intakt. Hier
wird Hesione geraubt. Fortuna gewährt Priamos Macht und Reichtum. Troja wird mit Babel
verglichen. Troja versucht bis in den Himmel fortzuschreiten (Hohe Türme) →
Grenzüberschreitung und Superbia!

• Buch 2: Furie Alecto beginnt mit einem Monolog und ist empört über das Glück des
Priamos. (Szene erinnert an Aeneis wo Juno einen Seesturm und einen Kriegsgrund in
Latium mit Hilfe der Alecto verursacht.) Alecto sammelt ein Heer aus der Unterwelt wie bei
Walther im 10. Buch wo Natura zu Satan in die Unterwelt reist: Zu Satan sagt sie
„Alexander hat zu viel Macht, weil er alle Grenzen überschreitet“ und sie sammeln Teufel
um Alexander zu stoppen. Alexander wird hier auf witzige Weise mit Jesus verwechselt, der
ja die Tore der Hölle einreisen möchte. Das ist große superbia, weswegen er (Alexander)
fallen muss. - Priamus ist besonnen und will die Schwester friedlich. Also schickt er Antenor
aber der scheitert. Paris erzählt von seinem „unechten“ Traum (Szene lang: Minerva
wirft Venus polemisch vor, dass sie alles beeinflusst und macht im Himmel, der Unterwelt
und der Welt hat. Venus wird von Paris gewählt (angedeuteter Untergang).

• Buch 3: Beigeisterung für Paris pro-kriegerischen Plan. Priamos betet zu Venus und
möchte nur seine Schwester wieder (gemäßigt). Warnung vor Helena durch Seher Helenus.
Antenor sagt: Man muss Fortuna folgen. Parze Kacheis zerstört Schiff das voreilig
aufgebrochen war → Trojas Ende ist Schicksal. Paris in Sparta. Helena von schätzen
verführt (käuflich wie Venus). Raub der Helena. Cassandra warnt aber Priamos Hoffnung ist
Helena gegen Hesione zu tauschen. Griechen bereiten Flotte. Kastor und Polux (Helenas
Brüder) segeln aus Zorn und Eifer zu früh los und gehen im Seesturm unter Urschuld der
Griechen im Meer).

• Buch 4: Katalog der Hauptfiguren (wie bei Dares). In Abfolge der Wichtigkeit und zuerst
Männer dann Frauen. Priamos moralisch nicht Schuld aber Urschuld und hohe Stellung.
Ende des Katalogs mit Helena als besonders schändliche wegen ihrer libido. Achill geht
nach Delphi für ein Orakel des Apoll. Der ist käuflich und will einen Schatz. Zeitkritik:
Zahlen für ein kirchliches Amt ist üblich→ Simonie (Zauberer aus der Petruslegende, der für
Geld zaubert). Griechen landen also auf Mysien → Achilles wütet grausam und tötet
Theutras. Bei Joseph genaue Andeutung auf Intetion, bei Dares kaum. Abenteuer des Achill
ist wichtig für Gesamtaussage.
• Text 15 – Theutras Grab-Ekphrasis: Vorgeschichte → Achill ist langweilig, weswegen er
raubt und tötet. Theutras geht aus Mitleid mit seinem Volk gegen Achilles vor, verliert aber
eindeutig, wird verweundet und kann nicht von Achilles fliehen, der ihn wegen seiner
Goldrüstung gut erkennt (Vgl Aeneis 9: Nisus und Euryalos). Telephus (der Sohn des
Herakles) hindert Achill daran Theutras ein weiteres mal zu schlagen. Herakles rettete auch
Theutras vor den Pferden des Diomedes worauf Theutras auch Teleohus freundlich bei sich
aufnahm → Bringschuld. Als Theutras trotzdem seiner Wunde erliegt, nachdem er noch
Telephus zum Nachfolger ernennt, hat Achilles Mitleid und kommt zu sich. Telephus ist
traurig und es kommt zum Begräbnis.

• Buch 5: Beginn der Kriegshandlung, Adhoratio des Agamemnon an seine Männer, Ankunft
in Troja (davor nur Tenedos), Erste Kämpfe: Hektor ist erfolgreich und tötet viele Heroen,
deren audacia und superbia davor schon genannt wurden, Auch Hektor stirbt wegen furor
und superbia → er möchte Patroklos Rüstung rauben, wird aber von anderen Heroen davon
abgelenkt (Hektor tötet/verwundet sie), Warnung an Hektor mit Aeneis Zitat 10, 500: Turnus
prahlt mit seiner von Pallas erbeuteten Rüstung. Pallamedes (ein Grieche) wird neidisch auf
Agamemnon und hetzt Männer gegen ihn auf → superbia (Strafe folgt in Buch 6), Fortuna
schenkt Hektor noch einmal kurz Kriegsruhm, aber Andromache träumt von seinem
Untergang. Kurzes Gespräch, Hektor reagiert barsch, stürzt sich voll Hochmut in den
Kampf, tötet Polyboetes, will ihm Schild abnehmen, Juno und Minerva stacheln wegen
diesem Frevel Achill an, gegen ihn zu ziehen, dann Zweikampf und sein Tod. Totenklage
und Vergleich zwischen dem frühen Tod des Hektor mit Heinrich dem III.
Handelnde Götter? Bei Dares: rationale Mythendeutung! So auch bei den weiteren →
Jetzt hier auf einmal wieder Götter auch hier sind sie im Grunde nicht viel mehr als Symbole
für Gefühlsregungen der Helden, wie sie das im Grund schon bei Vergil sind. Text 15.2.1 –
Tod des Hektor

• Buch 6: Pallamedes prahlt und stirbt durch Paris Pfeil. Sarpedon vergleicht sich im Übermut
mit den Giganten. Achill in Liebe zu Polyxena, dafür will er die gemeinsamen Interessen
der Griechen opfern und zieht sich beleidigt zurück, als ihm keiner folgt. Troilus wird neuer
Hauptheld der Trojaner → aber auch der überhebt sich und will neuer Hektor sein (genauso
tapfer und wagemutig). Zunächst besiegt er niedrige Soldaten, wird übermütig und stellt sich
den Myrmidonen. Da greift Achill selbst ein und tötet ihn. Wieder Totenklage des Dichters
parallel zu der des Hektor am Ende des 5. Buches. Jetzt Superbia des Achill: er möchte die
Rüstung des Troilus rauben, Memnon will es verhindern, und wird getötet. Achill prahlt und
verglicht sich mit Giganten (altes Motiv: von superbia geprägte Gestalten, sowohl in
griech.-röm., als auch in der Bibel [Turmbau zu Babel]), auch seine Mutter Thetis ist von
superbia befallen) Achill fällt durch weibliche List: Hekuba lockt Achill durch falsche
Eheversprechungen mit Polyxena in den Apolltempel, wo Paris ihn hinterrücks erschlägt.
Dadurch wird Hekuba schuldig, Vergleich mit Niobe (auch von superbia geprägt, da sie
nach der Tötung ihrer Söhne mit den Töchtern prahlte). Paris prahlt auch, er stirbt im
Zweikampf mit Ajax, der danach getötet wird. Dichterkommentar: Paris habe gerechte
Strafe erhalten. Untergang des stolzen Trojas selbst (Troja wurde in Buch 1 mit Giganten
verglichen → Türme Trojas ragen in den Himmel = Gigantensturm und Babel). Priamos
lehnt Friedensgesuche von einigen Trojanern ab, deswegen lassen Trojaner die Griechen in
die Stadt. Priamos wird erschlagen (Wie in der Aeneis Buch 2 mit Änderungen). Text 15.2.2
– Tod des Priamus

• Epilog: Erneute Widmung an Balduin

Joseph hat eine stark moralisierende Tendenz, und nutzt heidnischen Stoff für eine christliche,
zeitgenössische Thematik. Joseph nimmt den Stoff als Exempel für ein höheres Thema = Das
Wirken der Fortuna. Epos ist höchstes Genus aber Fitkion. Deshalb auch der Götterapparat als
Metonymien für Seelenzustände. Er nutzt viele rhetorische Pointen (nicht untypisch im 12.Jh).
XVII. „TROILUS“ ALBERT VON STADE
Im 12. Jahrhundert entstand Schönheitsliteratur und um 13. Jahrhundert entstanden neue
Literaturgattungen durch die Entstehung der Universität (Kommentare).
Albert von Stade (geb. Ende 12.Jh. - gest. 1265) war Abt im Marienkloster (in Niedersachsen) ab
1232. Das war ihm zu wenig streng also ging er ab 40 in ein Franziskanerkloster. Er schrieb eine
Weltchronik (Prosa). Sein Hauptwerk ist „Troilus“ → „Troianus“ welches 1249 fertig wurde. Es
war gegliedert in 6 Bücher und geschrieben in elegische Distichen (nicht Hexameter da er meint
aufgrund des Krieges und der vielen Toten sei es einer Elegie naheliegend → Zeile aus Horaz „Ars
Poetica“ abgeändert zu „ferocia facta“. Am Ende ist auch ein Brief des Sterbens enthalten). Epik in
Distichen wiederzugeben kam bereits unter der Regentschaft von Ludwig dem Frommen bei
Ermoldus Nigellus vor. Der schrieb einen panegyrischen Epos auf Ludwig in Disitchen, da dieser
in Verbannung war. Sie meinen also, dass für einen Epos, das Versmaß nicht ausschlaggebend ist.
Das Werk folgt großteils Dares ist aber kombiniert mit der Ilias Latina (homerisch). Das ist ein
großer Widerspruch. Am Anfang jedes Buches ist eine kurze Zusammenfassung in Hexametern.

• Buch 1: Topos ist dass Homer falsch liegt und er richtig ist. Es beginnt mit der
Argonautengeschichte und endet mit dem Raub der Helena und mit dem Absegeln der
Flotte.. Traditionelle Kette des Frauenraubes.

• Buch 2: Castor und Pollux (Brüder Helenas), Griechen in Kleinasien, Achilles Abenteuer
in Mysien (Teutras), Hektor tötet Patroklos, Paris trifft auf Menealaos → flieht und Hektor
tadelt ihn.

• Buch 3: Achill tötet Hektor. Achill verliebt sich in Polyxina. Ehevertrag: Griechen gehen
fort für Frau. Pallmedes (vorübergehender Anführer der Griechen) siegt über Sapedon und
Paris erschießt ihn.

• Buch 4: Agamemnon wieder Oberbefehlshaber nach Palmedes tot. Troilus führt Troer an.
Achill tötet Troilus. Hekuba lockt Achill an und Paris erschießt ihn. Paris stirbt durch
Ajax und Penthesilea kommt (Ende mit Ekphrasis).

• Buch 5: Ekphrasis vom Palast des Priamus. Wandteppiche, (Ekphrasis wie bei Alanus ab
Insulis „Anticlaudianus“ Palast der Natura, und Johannus Itervilla „Antitrebius“
Wandteppiche der Laster) Pyrrhus tötet Penthesilea. Antenor und Aeneas wollen die Stadt
übergeben → Priamus dagegen führt zu Konflikt „Geben wir Troja auf?“.

• Buch 6: List: Lassen Griechen in die Stadt. Priamus wird von Phyrrus getötet und tötet
später auch Polyxena. Epilog: Alle Superbia wird bestraft. Alles muss fallen, auch Troja und
Griechen (vgl. Exeter) → Agamemnon stirbt und Phyrrus auch.

Albert spricht auch Aeneas dirket an und bezeichnet ihn als Verräter und verwerflicher Charakter
trotz seiner göttlichen Abstammung (ganz entgegen dem rechtschaffenen Aeneas von Vergil) T16.1
/T16.2

Intension: Albert versucht die rota fortunae unterzubringen mit rhetorischen Grundsatz.
Thematik: Falsa vs. Historia. Albert macht einen Mittelbegriff: veri simile → Er erlaubt sich Reden
einzuführen, die Dares ausgelassen hat aber für Albert „möglich“ erscheinen. Es erlaubt eine
Ethoporie = Charakterisierung und Hineinsetzen in Charakter. Mit „dicit Himerus“ nimm er sich
aus der Verantwortung. Albert und Joseph machen aus Dares ausführlichste Epik und verweben
Homer/Vergil mit Korrekturen.
XVIII. „HISTORIA DESTRUCTIONIS TROJE“ GUIDO DE COLUMNIS

Das Werk wurde so benannt weil es so einmal innerhalb des Buches genannt wird. Sämtliche
Abschriften haben keinen Titel. Guido schrieb das Werk im Auftrag von Matheo della Porta und
stellte es 1287 fertig. Es ist unterteilt in 35 Büchern + Pro- und Epilog. Seine Quellen sind die
Illias Latina, Ovid, Vergil und (da er auch korrigieren will → Viel rationale Mythendeutung) Diktys
und Dares als Hauptquellen. Am Ende stehen 2 Epigramme, 1 für Achilles (10 Zeilen) und 1 für
Hektor (11 Zeilen) in Elegischen Distichen. Insgesamt ist das Werk christlich moralisierend und
daher ist die religiöse Vorstellung der heidnischen Göttern den christlichen unterlegen. Womöglich
ironisches Ende mit „Gott sei Dank“ → deo gratias. Das Historia Destructionis Troje ist eine
Prosabearbeitung des Benoit nur dass bei Benoit höfische Liebe legitim ist, aber bei Guido durch
und durch negativ. (zB. Achill ist aufgrund seiner Lust kein echter Held). Sein Werk ermöglicht
Benoits Durchbruch in Europa.

Rezeption im 13-15 Jh. im nicht Mittelhochdeutschem Raum:


• Benoit wurde im 13/14 Jh. in Prosa bearbeitet in Französisch und Italienisch. In 15 Jh.
macht Milet ein französisches Drama nach Guidos Vorbild „L'istoire de la destruction ale
Troyale Grant“. Im Italienischen bearbeitete Manticchello den Stoff. Juan de Mena nutzte
wieder die Ilias Latina im Katalanischen. In England gibt es 3 Übersetzungen aus dem
15. Jh. (2 anonym: „Gest Hystoriale of the destruction of Troy“, „The Land Troy Book“-
und 1 bekannt: „The Troy book“ von Lydgates → moralisierend) Guido ist die Quelle,
Chaucer (Autor von den „Canterbury Tales“) Hauptwerk ist „Troilus and Gyseide“ ist
Vorbereitung zu Shakespears Werk. In 5 Büchern thematisiert er die Unzuverlässigkeit der
Fortuna.

Rezeption im 13-15 Jh. im Mittelhochdeutschem Raum:


• Herbert von Fritzlar schrieb die „Äneas“ in 18000 Reimpaar Versen als direkte
Bearbeitung von Benoit (aber um die Hälfte kürzer als Benoit) im Auftrag von Herman I.
Beginn der Ritterpoetik. Heinrich von Veldeke schrieb den „Roman d Eneas“ in 13500
Versen und war Magister in Hessen. Fortuna und Venus sind hier wichtig und ein Held hat
sich gegen diese Kräfte zu wehren. Er nennt Dares als Quelle. Außerdem nennt er Cornelius
Nepos, der der sein soll, der Dares Werk gefunden hat.

T17: Hektors Abschied von Andromache und sein Tod

• Hektor und Andromache: Hektor ist ein idealer Ritter. Priamos sieht im Traum, dass
Hektor sterben muss. Auch Andromache träumt das. Hektor sagt aber sie werde vom Teufel
geritten als er los reiten möchte. Sie klammert sich am Pferd fest (wie Knecht →
abwertend). Ein Held gehört aufs Feld aber er ist auch übermütig und setzt sich über
Vorhersagen hinweg. Andromache klagt und zerkratzt sich. Vergleich mit Benoit Verse
(Hektor nicht besänftigt auch nicht durch Kind → Pferd gebracht → Andromache klagt und
wird überall gehört → Weint → geht zu Priamus.) Bei Guido über dramatisch, zerkratzt
sich, und Hektor ist brutal abweisend.

• Achill und Polyxina: Achill ist ein großer Kämpfer und liebt sehr stark. Von Leidenschaft
und Minne getrieben verliert Achill den Seelenfrieden, da Polyxina so schön ist. Ohne
Polyxina wäre Achill tot. (Achill wünscht sich den Tod wie Narzisus) Liebesmacht bringt
Sünde. Achill hoft auf 3 Tugenden
▪ Stärke wie Samson (Hg.: Stärke Haar, geliebte Dalila schneidet → verliert Macht)
▪ Schönheit wie Absalon (Hg.: will Vaterstürzen, flieht, bleibt mit Haar hängen)
▪ Weisheit wie Salomon (Hg.: gutes Urteil aber schlief mit Jüdinnen (sündig)
→ Alle 3 Gestalten haben etwas ambivalentes an sich, was deren Untergang
prophezeit.

Achill will sie heiraten (erst hier erfährt sie von seiner Liebe) aber er muss aus dem Kampf
und Frieden schließen. Sein Versuch scheitert und er zieht sich aus dem Kampf zurück. Erst
als Griechen unter Bedrohung sind, kämpft er wieder → Er möchte imponieren und kein
Feigling sein. Er wird verwundet und Polyxina wünscht ihm gute Besserung und Gnade.
Polyxina liebt Achilles und er wird gesund, kämpft wieder und tötet Troilus. Achill wird
hinterhältig im Tempel von Paris erschossen. Polyxina (nach der Zerstörung Trojas) wird
von Neoptolemus zu Achill Grab gezehrt und dort getötet. → Heidnische Götter halten
kein Leid auf. Benoit ist höfisch / Guido macht Mythendeutung.

XIX. „TROJANER KRIEG“ KONRAD VON WÜRZBURG


Konrad von Würzburg (gest. 1287) schriebt „Trojaner Krieg“ der unvollendet im 2. Buch vor
Hektors Tod endet. Als Quellen hat er Benoit, Ovid, Statius, Excidium Trojae, Illias Latina, Vergil
und Fritzlar. Er möchte den Stoff möglichst vollständig erzählen und gestaltet ihn daher
umfangreich sodass der Hauptpunkt „Hektor vs. Achill“ an Bedeutung verliert. Der Text ergreift
keine Partei und war weit verbreitet. Durch das Verbinden aller Sagen rückt die Haupthandlung in
den Hintergrund. Die Charaktere werden in deren Lebenssituationen und Hintergründen
psychologisiert und gut durchleuchtet.

Göttweiger „Trojaner Krieg“ ist anonym überliefert aus dem 13.Jh. Es gibt 1 Handschrift (die in
Gottweig ist). Es scheint auf den ersten Blick kein Meistwerk zu sein, so gibt es die Theorie dass
Konrad ihn verbessert habe (und daher später einzuordnen sei). Hier nennt sich der Autor Wolfrahm
(Anspielung auf Wolfrahm von Eschenbach der berühmt war zur Zeit). Die Arthussage ist im
Hintergrund aber er nennt keine Quelle. Tatsächlich ist das „Excidium Trojae“ und Arthus
verwoben (womöglich als Parodie, oder durchbrechen der Erwartung des Publikums). So sind aus
dem Sagenkreis Namen vermischt. Götter arbeiten nur am beginn und außer Venus, die den Krieg
beginnt (sie steht für Liebe) ist kein eingreifen vorhanden. Inhaltlich → Sinnhaftigkeit des
Krieges und Rittertum.

Inhalt des „Trojaner Krieg“: Hekoba träumt, dass sie eine Fackel gebären wird, Hektor reitet aus
um einen Traumdeuter zu finden (Hektor ist Abenteuerer, tötet einen Bären). So wird Paris aufs
Land gegeben, wo er Hirte ist. 3 Göttinnen kommen zu Paris und klären ihn über seine Herkunft auf
→ er bricht auf zum Hof des Agamemnon (beschrieben wie bei Arthus Hof). Paris leistet hier
Minnediest an Helena (hier Tochter des Agamenmon) und geht nach Indien. Helena wird mit
Menelaos verlobt (ist aber nicht verheiratet → weniger Schuld). Paris trifft auf Hektor, sie
bezwingen Riesen und Ungeheuer und entscheiden sich dazu, Helena zu rauben (geht von Hektor
aus). Danach rüsten die Griechen zum Krieg. Auch ist die Rede von Herkules und dem 1. Troja
Krieg (verwehrtes Gastrecht). Herkules ist hier Bruder der Medea, erobert Troja und raubt
Hesione. Einbau der Minotaurengeschichte mit Theseus und Argonautenfahrt. Dann Hauptkrieg:
Achill nimmt am Kampf teil, weil Odysseus in hereinlegt (er verkleidet sich als ein Händler und
lockt ihn auf ein Schiff, dass nach Troja segelt – Vergleich mit Gottfried von Reims) Achill ist in
Troja mit Abenteuer gegen Hörner- und Schnäbelvolk. Achill tötet Hektor in der Stadt, Aeneas
verrät die Stadt. Polyxina tröstet Paris und stachelt ihn zur Rache an. Paris lauert auf Achilles auf
im Tempel der Venus, wo er betet (keine Falle wie bei Dares). Achill fällt im Duell (Paris ist
heldenhafter). Sie trennt Kopf ab und bringt ihn auf die Mauer. Polyxina entspricht hier nicht der
weiblichen Darstellung. Aeneas versteckt sie, aber Neoptolemus findet sie, schleift sie zum Tempel
der Venus (indirekt tötet die Liebe alle), und erwürgt sie dort mit ihren eigenen Haaren
(unheldenhaft). Haare sind teil ihrer Schönheit → Minne tötet alle.
Bericht des Untergangs: Sturm auf die Stadt und Tod des Priamos und Hekobar. Helena wird
Agamemnon übergeben → Werben um Helena. „Sinnlosigkeit des Krieges“ Aeneas flieht und trifft
auf 2 Strauchdiebe namens Romulus und Remus, die zu dritt Rom gründen. Darauf ein Ausblich auf
die negative Geschichte Roms (Nero) und Vorwegnahme des Verfalls des heidnischen Roms. Am
Ende eine retrospektive Zusammenfassung und eine Aufforderung zum Gebet.

Polyxina ist hier eine der spannendsten Charaktere da sie das Frauenbild verändert und aktiv gegen
die Griechen vorgeht → Anstiftung des Paris (aber ohne Falle → Achill stirbt durch Minne).
Polyxina vereint Schönheit mit Brutalität

1260: Weitere Bearbeitung im Mittelniederländischen von einem Flamen: Jakob v. Moorlant


„Historiae v. Troja“ in 400000 Versen. Es ist ein höfischer Abenteuerroman der die Ereignisse um
Troja recht getreu wiedergibt.

XXX. TROJASTOFF BIS HEUTE


Eine Wende ergab die Wiederauferstehung Homers (wieder Griechisch) zur Zeit des
Humanismus. Homer wurde wieder aus dem Original gelesen. 1488 erschien eine Neuausgabe von
Homer + ÜS in Sprachen. 1537 = 1. Odyssee auf Deutsch von Simon von Scheidenreisser. Erste
Illias ÜS wurde 1584 von Johann Baptist Pexius (?) verfasst. Die philologische Beschäftigung mit
Homer macht Diktys und Dares uninteressant. Man löste sich nicht mehr vom Stoff sondern blieb
Homer getreu. Keine originellen Bearbeitungen mehr.

1554 schrieb Hans Sachs die „Zerstörung der Stadt durch die Griechen“ und in Frankreich wurden
Parodien „Illias Marionaux“ gefertigt. 1864 schrieb Offenbach „Schöne Helena“ und hält sich an
die Vorgaben. In der Literatur des 20Jh. → Jean Girandoux (beschäftigt sich mit Sagen aus der
Antike) schrieb „La guerre de Troie n' swag pas lien“ war radikal anders: Hektor und Odysseus
versuchen den Krieg zu verhindern und scheitern (1935 vollendet → sprich nach dem 1.WW).
Nach dem 2. WW. Wurde Troja verglichen mit Stalin und Hitler. 2 Typen deren Absicht der Krieg
ist (Parallelismus). 1958 machte Hildesheimer das „Opfer Helena“ Hörspiel. Krieg ist Absicht v.
Paris und Menelaos → Erwarten Vorteile. Helena ist Opfer einer Intrige und ist wieder positiv
dargestellt.

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