Gliederung Modulinhalt
1. Einführung / Grundlagen
2. Mikroökonomik
1. Wohlfahrtsökonomik
2. Positive Theorie
1. Verhalten von privaten Haushalten
2. Verhalten von Unternehmen
3. Marktgleichgewicht im vollkommenen Wettbewerb
3. Anwendung der Wohlfahrtsökonomik auf den Markt
1. Erweiterung zur Wohlfahrtsökonomik: Das Kaldor-Hicks-
Kriterium
2. Konsumenten- und Produzentenrente
3. Nettowohlfahrtsverlust durch Staatseingriffe
Prof. Dr. Robert Arnold 267
Gliederung Modulinhalt
4. Wann könnten Staatseingriffe sinnvoll sein?
1. Marktmacht (Monopol, natürliches Monopol, Oligopol)
2. Externe Effekte
3. Allmende-, Klub-/Mautgüter, öffentliche Güter
4. Meritorische/demeritorische Güter
5. Staatsversagen
3. Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
1. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
2. Arbeitsmarkt
3. Geld und Inflation
4. Wachstum, Konjunktur, Staatseinnahmen
5. Außenwirtschaft(?)
6. Staatliche Umverteilung
Prof. Dr. Robert Arnold 268
2 Mikroökonomik
2.3 Anwendung Wohlfahrtsökonomik auf den Markt
2.3.3 Nettowohlfahrtsverlust durch
Staatseingriffe
Prof. Dr. Robert Arnold 269
2.3.3 Nettowohlfahrtsverluste durch Staatseingriffe
Übersicht
1. Wohlfahrtsverlust durch Mindestpreis
2. Wohlfahrtsverlust durch Höchstpreis
3. Dead-weight-loss durch Steuern
Prof. Dr. Robert Arnold 270
Mindestpreis
• Die staatliche Festlegung eines Mindestpreises ergibt nur Sinn, wenn er über
dem Gleichgewichtspreis liegt, weil er sonst keine Wirkung hätte.
• Man spricht dann von einem „bindenden“ Mindestpreis
• Beispiel:
• In den 1950er Jahren wurden hohe, garantierte Preise für Milch eingeführt (seit
1.4.2015 ist die Milch-Marktregulierung abgeschafft)
Prof. Dr. Robert Arnold 271
Konsumenten- und Produzentenrente ohne staatlicher
Preisfestsetzung
Prof. Dr. Robert Arnold 272
Konsumenten- und Produzentenrente ohne staatliche
Preisfestsetzung
Preis für einen Liter Milch
Angebotsfunktion
Nachfragefunktion
m³ Milch pro Tag
Prof. Dr. Robert Arnold 273
Konsumenten- und Produzentenrente mit staatlich
festgelegtem, bindenden Mindestpreis
Preis für einen Liter Milch
Angebotsüberschuss
Angebotsfunktion
Nachfragefunktion
m³ Milch pro Tag
Prof. Dr. Robert Arnold 274
Konsumenten- und Produzentenrente mit staatlich
festgelegtem, bindenden Mindestpreis
Preis für einen Liter Milch
Angebotsüberschuss
Angebotsfunktion
Nettowohlfahrtsverlust
durch einen staatlich
festgelegten, bindenden
Mindestpreis
Nachfragefunktion
m³ Milch pro Tag
Prof. Dr. Robert Arnold 275
Erklärung Produzenten- und Konsumentenrente
• Die Konsumentenrente wird bestimmt danach, um wie viel die
Grenzzahlungsbereitschaft (=Nachfragefunktion andersherum interpretiert)
den Preis für das Gut übersteigt. Diese Differenz wird aufsummiert bis zur
gekauften Menge.
• Sie ist zu bestimmen für die gesamte befriedigte Nachfrage, also als Fläche
zwischen der Nachfragefunktion und dem Preis von der Preis-Achse bis zur
verkauften Menge, also in diesem Fall bis . Von der Preis-Achse ausgehend
bis zur Menge ist die Grenzzahlungsbereitschaft größer als der Preis
(grüne Fläche). Das grün eingefärbte Dreieck, das von der Preis-Achse, der
Nachfragefunktion, dem Preis und der Menge gebildet wird,
repräsentiert die Konsumentenrente.
Prof. Dr. Robert Arnold 278
Erklärung Produzenten- und Konsumentenrente
• Die Produzentenrente wird bestimmt danach, um wie viel der Preis größer ist
als die Grenzkosten. Sie ist zu bestimmen für die gesamte verkaufte Menge,
also als Fläche zwischen der Grenzkostenfunktion und dem Preis von der
Preis-Achse bis zur verkauften Menge, also in diesem Fall bis . Da bei
Wettbewerb die Angebotsfunktion der Grenzkostenfunktion entspricht, kann
die Produzentenrente als Differenz zwischen der Angebotsfunktion und dem
Preis bestimmt werden. Von der Preis-Achse ausgehend bis zur Menge ist
der Preis größer als die Grenzkosten. Das blau eingefärbte Viereck, das von
der Preis-Achse, der Angebotsfunktion und dem Preis 𝑆 gebildet wird,
repräsentiert die Produzentenrente.
Prof. Dr. Robert Arnold 279
Vergleich Konsumenten- und Produzentenrente mit und ohne
staatlicher Preisfestsetzung über dem Gleichgewichtspreis
Prof. Dr. Robert Arnold 280
Vergleich der Produzenten- und Konsumentenrente mit und ohne staatliche
Preisfestsetzung
Preis für einen Liter
Milch
Konsumentenrente Angebotsfunktion
PS
PG
Produzentenrente
Nachfragefunktion
Liter Milch
m³ Milch am Tag
XS XG
Prof. Dr. Robert Arnold 281
Ergebnis des Vergleichs
• Konsumentenrente
• Die orange schraffierte Fläche repräsentiert die Änderung der Konsumentenrente.
Hinweis: das Rechteck ist blau und orange schraffiert.
• Die Konsumentenrente würde durch die staatliche Preisfestsetzung im Vergleich
zum Gleichgewichtspreis sinken, weil
• der Preis mit staatl. Preisfestsetzung höher (orange und blau schraffiertes
Rechteck) und
• die verkaufte Menge niedriger mit staatl. Preisfestsetzung wäre (orange
schraffiertes Dreieck)
• Produzentenrente
• Die blau schraffierte Fläche repräsentiert die Änderung der Produzentenrente
Auf die Produzenten wirken zwei gegenläufige Effekte
• Der Preis ist durch die staatl. Preisfestsetzung höher, was die Produzentenrente
erhöht (orange und blau schraffiertes Rechteck)
• Die verkaufte Menge ist durch die staatliche Preisfestsetzung kleiner als im
Gleichgewicht, was die Produzentenrente senkt (blau schraffiertes Dreieck)
Prof. Dr. Robert Arnold 282
Ergebnis des Vergleichs
• Die Festsetzung eines Preises oberhalb des Gleichgewichtspreises führt dazu, dass
• die produzierte und verkaufte Menge kleiner ist als sie im freien Markt wäre
• die Konsumentenrente kleiner ist als sie im freien Markt wäre
• je nach Verlauf der Grenzkostenfunktion die Produzentenrente größer, kleiner oder
gleich ist wie sie im freien Markt wäre
• die Summe aus Produzenten- und Konsumentenrente (um das rot markierte
Dreieck) kleiner ist als im freien Markt
Bei Aufhebung des Mindestpreises könnten die Konsumenten die Produzenten
entschädigen, so dass sie genau so gestellt wären als gäbe es einen Mindestpreis und
dennoch würde ein Vorteil für die Konsumenten verbleiben
Das Kaldor-Hicks-Kriterium ist für die Aufhebung des Mindestpreises ist erfüllt
Die Aufhebung eines Mindestpreises ist daher wohlfahrtsökonomisch zu empfehlen
Prof. Dr. Robert Arnold 283
Fazit zur staatlichen Preisfestsetzung über dem
Gleichgewichtspreis
• Die Aufhebung einer staatlichen Preisfestsetzung oberhalb des
Gleichgewichtspreises führt zu einem Wohlfahrtsgewinn, weil zu dem hohen
Preis eine geringere Menge nachgefragt wird als zu einem niedrigeren Preis,
zu dem noch kostendeckend produziert werden könnte.
• Das bedeutet, dass die Ausweitung der Produktion bis zur
Gleichgewichtsmenge ( im Diagramm) mehr zusätzlichen Nutzen stiftet als
sie zusätzliche Kosten verursachen würde.
• Eine Aufhebung des Mindestpreises würde also die Wohlfahrt erhöhen.
Prof. Dr. Robert Arnold 284
Fazit zur staatlichen Preisfestsetzung über dem
Gleichgewichtspreis
• Gleiche Erklärung etwas anders formuliert:
• Wenn der Staat einen Preises oberhalb des Gleichgewichtspreises festlegt, dann
gibt es Nachfrager, bei denen die Zahlungsbereitschaft für den Kauf einer weiteren
Einheit des Gutes größer ist als die zusätzlichen Produktionskosten für 1 weitere
Einheit des Gutes sind (Die Nachfragefunktion zeigt an, wie groß die zusätzliche
Zahlungsbereitschaft zum Kauf 1 weiteren Einheit des Gutes ist).
• Die Aufhebung einer staatlichen Preisfestsetzung oberhalb des
Gleichgewichtspreises führt daher zu einem Wohlfahrtsgewinn, weil die Wohlfahrt
solange steigt, solange die Zahlungsbereitschaft für den Kauf einer weiteren Einheit
des Gutes (abzulesen an der Nachfragefunktion) größer ist als die zusätzlichen
Produktionskosten für eine weitere Einheit des Gutes (abzulesen an der
Grenzkostenfunktion, die im Wettbewerb der Angebotsfunktion entspricht).
Prof. Dr. Robert Arnold 285
2.3.3 Nettowohlfahrtsverlust durch Staatseingriffe
Übersicht
1. Wohlfahrtsverlust durch Mindestpreis
2. Wohlfahrtsverlust durch Höchstpreis
3. Dead-weight-loss durch Steuern
Prof. Dr. Robert Arnold 286
Beispiel
• Die Festsetzung eines Höchstpreises ergibt nur Sinn, wenn der Preis unter
dem Gleichgewichtspreis festgesetzt wird, weil sie sonst wirkungslos wäre
• Beispiel/Aufgabe:
• Preis für Brot in Österreich bis in die 1970er Jahre
Prof. Dr. Robert Arnold 287
Konsumenten- und Produzentenrente ohne staatliche
Preisfestsetzung
Prof. Dr. Robert Arnold 288
Konsumenten- und Produzentenrente ohne staatliche
Preisfestsetzung
Preis profürkgeinen
Preis BrotLiter
Milch
Konsumentenrente Angebotsfunktion
PG
PS
Produzentenrente
Nachfragefunktion
Liter Milch
Tonnen Brot pro Tag in
XS XG X1 Österreich
Prof. Dr. Robert Arnold 289
Konsumenten- und Produzentenrente mit staatlicher
Preisfestsetzung unter dem Gleichgewichtspreis
Prof. Dr. Robert Arnold 290
Konsumenten- und Produzentenrente mit staatlicher
Preisfestsetzung unter dem Gleichgewichtspreis
Preis
Preis profürkgeinen
BrotLiter
Milch
Konsumentenrente Angebotsfunktion
Nettowohlfahrtsverlust durch
staatliche Festlegung eines Preises
unter dem Gleichgewichtspreis
PG
PS
NÜ
Produzentenrente
Nachfragefunktion
Liter Milch
Tonnen Brot pro Tag in
XS X1 Österreich
Prof. Dr. Robert Arnold 293
Erklärung zur staatlichen Preisfestsetzung unter dem
Gleichgewichtspreis
• Zu dem Preis 𝑆 ist die nachgefragte Menge , es wird aber nur die Menge
angeboten.
• Da nicht mehr gekauft werden kann als angeboten wird (natürlich auch nicht
mehr als nachgefragt wird) und die angebotene Menge kleiner ist als die
nachgefragte, beschränkt das Angebot die verkaufte Menge auf .
• Es entsteht ein Nachfrageüberhang im Umfang von NÜ.
• Ein Nachfrageüberhang bewirkt häufig, dass Warteschlagen oder ein
Schwarzmarkt entsteht, auf dem die Güter zu dem Preis gehandelt werden,
der die nachgefragte Menge auf die angebotene beschränkt.
Prof. Dr. Robert Arnold 294
Vergleich Konsumenten- und Produzentenrente mit und ohne
staatlicher Preisfestsetzung unter dem Gleichgewichtspreis
Prof. Dr. Robert Arnold 295
Konsumenten- und Produzentenrente mit und ohne staatliche
Preisfestsetzung im Vergleich
Preis pro kg Brot
Tonnen Brot pro Tag in
Österreich
Prof. Dr. Robert Arnold 296
Ergebnis des Vergleichs
• Konsumentenrente
• Die orange schraffierte Fläche (dazu zählt auch das orange und blau schraffierte
Rechteck) repräsentiert die Änderung der Konsumentenrente durch die Einführung
des staatlichen Maximalpreises. Sie beinhaltet
• den Preiseffekt: Er erhöht in diesem Fall die Konsumentenrente durch die
Preissenkung von 𝐺 auf 𝑆 (orange und blau schraffiertes Rechteck) und
• den Mengeneffekt: Er senkt die Konsumentenrente durch die Verkleinerung der
verkauften Menge von auf (orange schraffiertes Dreieck).
• Die Konsumentenrente würde im Vergleich zum freien Markt im gezeichneten Fall
durch die Einführung eines bindenden Höchstpreises steigen (das hängt vom
Verlauf der Angebots- und Nachfragefunktion ab).
Prof. Dr. Robert Arnold 297
Ergebnis des Vergleichs
• Produzentenrente
• Die blau schraffierte Fläche (dazu zählt auch das orange und blau schraffiertes
Rechteck) repräsentiert die Änderung der Produzentenrente
• Die Produzentenrente würde durch die Einführung des Höchstpreises sinken durch
• den Preiseffekt: Preissenkung von auf
• den Mengeneffekt: die Verringerung der produzierten Menge von auf .
Prof. Dr. Robert Arnold 298
Ergebnis des Vergleichs
• Die Festsetzung eines Preises unterhalb des Gleichgewichtspreises führt dazu, dass
• die produzierte und verkaufte Menge kleiner ist als sie im freien Markt wäre
• die Konsumentenrente je nach Verlauf der Nachfragefunktion größer, kleiner oder
gleich wie sie im freien Markt wäre
• die Produzentenrente kleiner ist als sie im freien Markt wäre
• die Summe aus Produzenten- und Konsumentenrente (um das rot markierte
Dreieck) kleiner ist als im freien Markt
Bei Aufhebung des bindenden Höchstpreises könnten die Produzenten die
Konsumenten entschädigen, so dass sie genau so gestellt wären als gäbe es einen
Höchstpreis und dennoch würde ein Vorteil für die Produzenten verbleiben
Das Kaldor-Hicks-Kriterium ist für die Aufhebung des Höchstpreises erfüllt
Wohlfahrtsökonomisch wäre die Aufhebung des Höchstpreises zu empfehlen
Prof. Dr. Robert Arnold 299
Fazit staatliche Preisfestsetzung unter dem
Gleichgewichtspreis
• Die Aufhebung einer staatlichen Preisfestsetzung unterhalb des
Gleichgewichtspreises führt zu einem Wohlfahrtsgewinn, weil zu dem
niedrigen Preis eine geringere Menge angeboten wird als zu einem höheren
Preis, den die Konsumenten noch bereit wären zu zahlen.
• Das bedeutet, dass die Ausweitung der Produktion bis zur
Gleichgewichtsmenge ( im Diagramm) mehr zusätzlichen Nutzen stiftet als
sie zusätzliche Kosten verursachen würde.
• Eine Aufhebung des Höchstpreises würde also die Wohlfahrt erhöhen.
Prof. Dr. Robert Arnold 300
Fazit staatliche Preisfestsetzung unter dem
Gleichgewichtspreis
• Gleiche Erklärung etwas anders formuliert:
• Bei der staatlichen Festlegung eines Preises unterhalb des Gleichgewichtspreises ist
die Zahlungsbereitschaft für den Kauf einer weiteren Einheit des Gutes größer als
die zusätzlichen Produktionskosten für 1 weitere Einheit des Gutes
(Nachfragefunktion zeigt die Zahlungsbereitschaft für 1 weitere Einheit des Gutes
an).
• Die Aufhebung einer staatlichen Preisfestsetzung unterhalb des
Gleichgewichtspreises führt daher zu einem Wohlfahrtsgewinn, weil die Wohlfahrt
solange steigt, solange die Zahlungsbereitschaft für den Kauf einer weiteren Einheit
des Gutes (abzulesen an der Nachfragefunktion) größer ist als die zusätzlichen
Produktionskosten für 1 weitere Einheit des Gutes (abzulesen an der
Grenzkostenfunktion, die im Wettbewerb der Angebotsfunktion entspricht).
Prof. Dr. Robert Arnold 301
Fazit staatliche Preisregulierung
• In statischer Betrachtung führt jede staatliche Preisregulierung bei normalen
Gütern zu einem Wohlfahrtsverlust
• Wie immer bei der Betrachtung mit Hilfe des Kaldor-Hicks-Kriteriums:
• Das Kaldor-Hicks-Kriterium ist nur ein Kriterium zur Beurteilung der
Allokationseffizienz
• Wenn das Kaldor-Hicks-Kriterium für eine Maßnahme erfüllt ist, erhöht die
Maßnahme die Allokationseffizienz (Wohlfahrt).
• Die Erfüllung des Kaldor-Hicks-Kriteriums sagt nichts darüber aus, ob die
Maßnahme auch gerecht ist.
• Zur Berücksichtigung von Gerechtigkeit ist ein eigenes Kriterium anzuwenden –
leider können wir das nur im Ansatz behandeln.
Prof. Dr. Robert Arnold 302
2.3.3 Nettowohlfahrtsverlust durch Staatseingriffe
Übersicht
1. Wohlfahrtsverlust durch Mindestpreis
2. Wohlfahrtsverlust durch Maximalpreis
3. Dead-weight-loss durch Steuern
Prof. Dr. Robert Arnold 303
Dead Weight Loss durch Steuern
Preis pro
Kinobesuch Steuereinnahmen Angebotsfunktion mit Steuern
Konsumentenrente Angebotsfunktion
bei Steuern ohne Steuern
Nettowohlfahrtsverlust durch Steuer
=Dead weight loss
Nachfragefunktion
Produzentenrente bei Steuern
Anzahl
Kinobesuche pro
Monat
Prof. Dr. Robert Arnold 304
Zwischenfazit Steuern
• Annahme
• Durch die vereinnahmten Steuern wird ein Nutzen geschaffen, der den Steuern
genau entspricht
• Ergebnis
• Dann führt jede Steuer (die nicht dazu dient, ein Marktversagen zu heilen) zu einem
Wohlfahrtsverlust (Dead weight loss)
Prof. Dr. Robert Arnold 306
Inhaltliche Erklärung zum
Dead-Weight-Loss
• Das Dead-Weight-Loss ist der Wohlfahrtsverlust, der dadurch entsteht, dass
die Steuererhebung zu einer Verringerung der gekauften (getauschten)
Menge führt.
• Im Beispiel mit den Schwestern:
• Annahmen wie beim Schwestern-Beispiel vorher im Abschnitt zur
Wohlfahrtsökonomik
• Zusätzlich Steuern:
Wenn die Schwestern tauschen, müssen sie für jeden getauschten Quadratmeter
ein Zehntel Quadratmeter beim Nachbarn Rasen mähen bzw. Staub putzen. Das
würde einer 10prozentigen Umsatzsteuer entsprechen (die der Nachbar erhält).
Prof. Dr. Robert Arnold 307
Inhaltliche Erklärung zum
Dead-Weight-Loss
• Fall 1: Die Schwestern tauschen trotz der Steuer
d.h. der Nutzen beider Schwestern steigt, sonst würden sie nicht
tauschen
Es gibt kein Dead-Weight-Loss: Die Steuern verringern zwar den Nutzen
der Schwestern, aber im gleichen Umfang hat der Nachbar einen
zusätzlichen Nutzen
• Fall 2: Die Schwestern tauschen wegen der Steuern nicht
Der Nutzen der Schwestern ist geringer als wenn sie tauschen würden
Dieser entgangene Nutzen heißt „Dead-Weight-Loss“
Prof. Dr. Robert Arnold 308
Steuerinzidenz: Aufteilung der Steuerlast zwischen Konsumenten
und Produzenten
Prof. Dr. Robert Arnold 309
Aufteilung der Steuerlast auf Konsumenten und
Produzenten
Prof. Dr. Robert Arnold 310
Wiederholung: Elastizität der Nachfrage
• Die Preis-Elastizität der Nachfrage
• Ist ein Maß dafür, wie stark die nachgefragte Menge auf eine Preisänderung reagiert
• gibt an, um wieviel Prozent die nachgefragte Menge steigt bzw. sinkt, wenn der
Preis um 1% steigt
• Berechnet als Quotient:
prozentuale Nachfrageänderung geteilt durch prozentuale Preisänderung
• Die Nachfrage heißt unelastisch, wenn die nachgefragte Menge prozentual
weniger sinkt als die prozentuale Preisänderung war
= Preiselastizität der Nachfrage > -1 (nah an Null)
= steile Nachfragefunktion
• Die Nachfrage heißt elastisch, wenn die nachgefragte Menge prozentual
stärker sinkt als die prozentuale Preisänderung war
= Preiselastizität der Nachfrage < -1 /weit weg von Null)
= flache Nachfragefunktion
Prof. Dr. Robert Arnold 311
Aufgaben
• Ermitteln Sie…
• die Größe des Deadweight loss (Nettowohlfahrtsverlust durch Steuern) und
• die Aufteilung der Steuerlast zwischen Konsumenten und Produzenten
(Steuerinzidenz)
für eine Steuer, die von den Anbietern abgeführt wird, auf
1. alle Lebensmittel (langfristiges Angebot)
2. nur auf Schoko-Bonbons (langfristiges Angebot)
3. Fleisch (kurzfristiges Angebot)
4. Lammfellstiefel (langfristiges Angebot)
Berücksichtigen Sie dabei die Elastizität von Angebot und Nachfrage.
• Anschließend vergleichen Sie die Steuerinzidenz und das Deadweight Loss
bei unterschiedlichen Elastizitäten.
• Bei welchen Elastizitäten ist das Deadweight Loss groß und wann klein?
• Bei welchen Elastizitäten tragen die Anbieter und wann Nachfrager den größeren
Teil der Steuerlast?
Prof. Dr. Robert Arnold 312
Fazit
• Je unelastischer
• Angebot und
• Nachfrage
sind, desto kleiner ist der Wohlfahrtsverlust (dead weight loss) durch Steuern auf
das Gut
• Je unelastischer die Nachfrage ist, desto größer ist der Anteil der Steuerlast,
die die Nachfrager tragen
• Je unelastischer das Angebot ist, desto größer ist der Anteil der der
Steuerlast, die die Anbieter tragen
Prof. Dr. Robert Arnold 313
Fragen
1. In welcher Höhe muss ein staatlicher Mindestpreis festgelegt werden,
damit er Wirkung entfaltet?
2. In welcher Höhe muss ein staatlicher Höchstpreis festgelegt werden,
damit er Wirkung entfaltet?
3. Welche Wirkung auf die Konsumentenrente hat die Festlegung eines
bindenden staatlichen Mindestpreises?
4. Welche Wirkung auf die Produzentenrente hat die staatliche Festlegung
eines bindenden Mindestpreises?
5. Welche Wirkung auf die Konsumentenrente hat die staatliche Festlegung
eines bindenden Maximalpreises?
6. Welche Wirkung auf die Produzentenrente hat die staatliche Festlegung
eines bindenden Maximalpreises?
Prof. Dr. Robert Arnold 314
Fragen
1. Nennen Sie Phänomene, an denen man erkennen kann, dass der Preis
nicht im Gleichgewicht ist
2. Erklären Sie, warum die Aufhebung eines staatlich festgelegten
Mindestpreises die Wohlfahrt erhöht
3. Erklären Sie, warum die Aufhebung eines staatlich festgelegten
Mindestpreises das Kaldor-Hicks-Kriterium erfüllt.
Prof. Dr. Robert Arnold 315
Fragen
1. Definieren Sie „Preis-Elastizität der Nachfrage“.
2. Definieren Sie „Preis-Elastizität des Angebots“.
3. Wenn die Preis-Elastizität des Angebots groß ist, wie verläuft dann die
Angebotsfunktion?
4. Wenn die Preis-Elastizität der Nachfrage groß ist, wie verläuft dann die
Nachfragefunktion?
5. Wenn die Preis-Elastizität der Nachfrage groß ist, wie verläuft dann die
Angebotsfunktion?
6. Nennen Sie ein Beispiel für ein Gut, bei dem die Preis-Elastizität des
Angebots klein ist.
7. Nennen Sie ein Beispiel für ein Gut, bei dem die Preis-Elastizität des
Angebots groß ist.
Prof. Dr. Robert Arnold 316
Fragen
1. Nennen Sie ein Beispiel für ein Gut, bei dem die Preis-Elastizität der
Nachfrage klein ist.
2. Nennen Sie ein Beispiel für ein Gut, bei dem die Preis-Elastizität der
Nachfrage groß ist.
Prof. Dr. Robert Arnold 317
Fragen
1. Definieren Sie „Dead weight loss“.
2. Erklären Sie, wie das Dead-weight-Loss zustande kommt
3. Erklären Sie, wann das Dead-weight-Loss groß ist
4. Was ist mit Steuerinzidenz gemeint?
5. Wovon hängt die Steuerinzidenz ab?
6. Geben Sie ein Beispiel für ein Gut, bei dessen Besteuerung vermutlich die
Konsumenten den größten Teil der Steuerlast tragen. Begründen Sie Ihre
Antwort.
7. Geben Sie ein Beispiel für ein Gut, bei dessen Besteuerung vermutlich die
Produzenten den größten Teil der Steuerlast tragen. Begründen Sie Ihre
Antwort.
Prof. Dr. Robert Arnold 318