11 AFeldeff
11 AFeldeff
Der MOS-Feldeffekttransistor
(MOSFET), CMOS-Technologie,
FinFET und SOI Transistor
1
2 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Abbildung 11.1: (a) Schematischer Aufbau eines n-Kanal Feldeffekttransistors. (b) Durch die Drainspan-
nung verursachte Absenkung der Elektronenenergie V(x) an der Oxyd-Halbleitertrennfläche bei y = 0.
Das Banddiagramm einer n-MOS-Struktur ohne Drainspannung (U D = 0) hat bei Einsetzen der Inversion
die in Abb. 11.2 a dargestellte Form (s. Abb. ??). In Kapitel 11.2 zeigen wir, dass das durch die Drain-
spannung verursachte Zusatzpotential dazu führt, dass die über den Isolator abfallende Spannung Ui und
somit das dortige elektrische Feld zum Drainkontkt hin kleiner wird. In der Folge wird zum Drainkontakt
hin die Inversionselektronendichte immer kleiner. Dieses steht im Gegensatz zur intuitiven Erwartung, dass
die Ladungsträgerdichte sich in der Potentialsenke sich zum Kanalende hin sammeln sollte. Es liegt jedoch
eine Erhaltung des Gesamtstroms vor, der durch das Produkt aus Ladungsträgerdichte und Trägergeschwin-
11.1. AUFBAU EINES MOSFETS, DRAINSPANNUNG 3
digkeit bestimt wird. Da die Elektronen zum Kanalende hin immer schneller werden, nimmt ihre Dichte
daher ab. Für Drainspannung oberhalb der Sättigungsspannung U sat führt dieser Effekt zum in Abb. ??
Abschneiden des Kanals (pinch off). In Kapitel 11.3 wird der Drainstrom iID zwischen Source und Drain
berechnet. Der pinch off führt zu einer Sättigung des Drainstroms, d. h. mit Erhöhung der Drainspannung
wächst der Drainstrom nicht mehr (s. Abb. 11.3).
4 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Abbildung 11.2: (a) Banddiagramm eines n-MOS-Kondensators (VD = 0) bei Einsetzen der Inversion.
Es gilt VG = Vi (x) + 2ψB . (b) Näherung für den Fall mit Drainspannung bei Inversion: Die Biegung des
Leitungs- und des Valenzbandes bleibt ψS ∼ 2ψB . Die angelegte Drainspannung führt zu einem zusätzlich
auftretenden Potenzialsprung −V(x) > 0 an der Isolatorgrenzfläche (y = 0, s. Abb. 11.1 (b)). Da VG =
Vi (x) − V(x) + 2ψB , verkleinert sich der Potenzialsprung Vi (x) > 0 über die Isolatorbarriere und damit die
Elektronendichte im Leitungskanal zum Drainkontakt hin.
die Gesamtflächenladungsdichte aller Ladungen im Bereich 0 ≤ y ≤ W. Diese besteht aus der Flächen-
ladungsdichte der als vollständig ionisiert angenommenen Akzeptoren Qd = −eNA W und der Flächenla-
dungsdichte der Inversionselektronen Qn . Wir nähern jetzt, dass ψ s ∼ 2ψB für alle Spannungen im Inversi-
onsbereich, VG > VT , sodass
Qd + Qn
VG = Vi + 2ψB = − + 2ψB . (11.5)
Ci
Die Begründung für diese Näherung besteht darin, dass nach Einsetzen der Inversion bei wachsender Gate-
spannung im Wesentlichen nur zusätzliche Inversionselktronenladung im Halbleiter aufgebaut wird. Wegen
ihrer Nähe zum Oxyd führt diese Ladung nur zu Feldern, die im Oxyd abfallen. Sodann
Qn = −Ci (VG − 2ψB ) − Qd . (11.6)
Hier definieren wir die Einsatzspannung VT für die Bildung des Inversionselektronengases durch die Be-
dingung Qn = 0 in (11.5), sodass
Qd
VT = 2ψB − (11.7)
Ci
Für hhere gatespannungen als die Thresholdspannung ändert sich die Verarmungsladung nicht mehr, sodass
Qd = −Ci VT − 2ψB . (11.8)
Einsetzen von (11.8) in (11.6) führt auf
Qn = −Ci vG mit vG = VG − VT (11.9)
In den Übungen zeigen wir
4ψB 0 NA
p
VT = 2ψB + . (11.10)
Ci
Hierbei ist D die Breite des Transistors in z-Richtung, dessen Eigenschaften in dieser Richtung als homogen
angenommen werden. Bei der unteren Grenze der y-Integration von 0 nehmen wir einen idealen Isolator
mit einer unendlichen Potenzialbarriere an, sodass die Eindringwahrscheinlichkeit der Inversionselektronen
in die Barriere verschwindet. Einsetzen von Gl. (11.18) ergibt
dV ∞
Z
Dµ dV
ID = −Dµ dyn(x, y) ≡ Qn (x), (11.20)
dx 0 e dx
11.3. DER DRAINSTROM 7
wobei Z ∞
Qn (x) = −e dyn(x, y) (11.21)
0
VD dV VD
V(x) = − x ⇒ =− (11.22)
L dx L
und können Qn (x) ∼ Qn nach Gl. (11.6) berechnen, sodass nach (11.20)
Dµ VD
ID = Ci vG = βvG VD (11.23)
e L
mit dem Übertragunswertfaktor β = Dµ/eLCi . Für kleine Drainspannungen beginnen die in Abb. 11.3
dargestellten Ausgangskennlinien also linear, wobei die Steigung proportional vG wächst.
Für größere Drainspannungen schrumpft die Elektronendichte zum Kanalende hin. Wir entnehmen Gl.
(11.24)
Qn (x) = Qn − Ci V(x) = −Ci [vG + V(x)]. (11.24)
8 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Da V(x) < 0 monoton fällt, wird Qn (x) zum Kanalende hin immer kleiner. Mit Gl. (11.24) wird Gl. (11.20)
zu
DµCi dV
ID = − [vG + V(x)] . (11.25)
e dx
Wir integrieren nun auf beiden Seiten über x0 von 0 bis x und erhalten mit konstantem ID
V(x)2
" #
DµCi
ID x = − vG V(x) + . (11.26)
e 2
Durch Einsetzen von x = L und V(L) = −VD lässt sich der Strom berechnen
VD2
ID = β vG VD − .
(11.27)
2
Dieser Ausdruck ist in Abb. 11.3 in blau eingetragen. Für allgemeine x resultiert aus (11.26)
2ID
V(x)2 + 2vG V(x) + x=0
βD
s s
VD2
2I D 2x
⇔ V(x) = −vG + vG − 2
x = −vG + vG −
2
vG VD − . (11.28)
βD
L 2
(s. Abbn. 11.1 und 11.5). Die Gleichungen (11.27) und (11.28) gelten nach Gl. (11.24) nur, Qn (x) < 0, d.
h. vG + V(x) > 0. Bei zu großen Drainspannungen wird |V(L)| = | − VD | ≥ vG , d.h. es tritt beim Punkt
x = L keine Inversion mehr statt. Bei der Sättigungsdrainspannung VD = V sat = vG verschwindet die
Inversionselektronenflächendichte Qn (x) bei x = L. Es findet der sogenannte ’pinch-off’ des Kanals statt (s.
rote Punkte in Abb. 11.3). Der Drainstrom nimmt dann seinen Maximalwert (Sättigungsstrom)
β 2
IDsat = v (11.29)
2 G
an, den er auch für VD > V sat beibehält (’Sättigungsbereich’, blaugrüne Linien in Abb. 3). Um das Verhal-
ten des Transistors im Sättigungsbereich zu verstehen, formulieren unter Vernachlässigung des Diffusionss-
troms
dV dV
J = −env ∼ −eµn ⇒v=µ , (11.30)
dx dx
d. h. die Geschwindigkeit und auch die dissipierte Leistung nehmen zum Kanalende hin stetig zu. Bei
der Sättigungsspannung VD ≥ V sat ≡ vG verschwindet die Elektronendichte am Kanalende, es findet der
’pinch-off’ des Elektronenkanals statt. Der Drainstrom nimmt dann den maximalen Wert I sat an. Dieser
Sättigungsstrom verändert sich bei weiterer Erhöhung der Drainspannung nicht mehr. Der hierzu führende
Wirkmechanismus ist in der unteren Abb. 11.5 dargestellt: Eine Erhöhung der Drainspannung führt dazu,
dass der Punkt des pinch off (’hot spot’) etwas zum Source-Kontakt hin wandert. Zwischen dem pinch-off
Punkt und dem Drain-Kontakt entsteht ein Bereich, in dem die Inversionselektronendichte verschwindet.
Dieser Bereich entspricht der hochohmigen Verarmungsschicht eines pn-Überganges in Sperrichtung. Die
über V sat hinaus angelegte Drainspannung fällt daher in diesem Bereich ab, sodass über dem Kanal immer
noch V sat abfällt und daher immer noch I sat fließt. Dieser Strom entspricht dem Minoritätsträgerstrom Jgen
über den gesperrten pn-Übergang. Er wird also verlustlos über das Verarmungspotenzial zum Drainkontakt
’gefegt’.
11.3. DER DRAINSTROM 9
Abbildung 11.5: Oben: Veränderung der wichtigen Größen entlang des Kanals: Geschwindigkeit (blau),
Potenzial (rot) und Dichte (grün). Dünn gestrichelt bei Pinch-off. Unten: a) Der Leitungskanal am ’pinch-
off’-Punkt und (b) der Leitungskanal im Sättigungsregime.
10 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Abbildung 11.6: a) Schaltplan eines Inverters in CMOS Technik. Oben der p-Kanal FET unten der n-Kanal
FET. b) Schematisch die Ausgangskennlinie des p-Transistors. c) Ausgangskennlinie des n-Transistors (s.
Abb. 11.7). Der elektrische Strom ID/p/n fließt sowohl für Elektronen als auch für Löcher vom Plus- zum
Minuspol.
• Eine niedrige Spannung von ∼ 0V am Eingang des Inverters entspricht der logischen 0. Sie sorgt
dafür, dass nur der p-Kanal-Transistor Strom leitet und somit die Versorgungsspannung U DD mit
dem Ausgang (A) verbunden ist, der damit auf der logischen 1 steht.
• Liegt am Eingang die Betriebsspannung U DD ist der n-Kanaltransistor leitend und der p-Kanaltransistor
sperrt. Wenn der n-Kanal Transistor leitet, ist die Masse mit dem Ausgang verbunden, was eine logi-
sche 0 bedeutet.
E A
1 0
0 1
11.4. LOGIK CHIPS IN CMOS-TECHNOLOGIE 11
Abbildung 11.7: a) Ausgangskennlinie des n-FETs, b) Ausgangskennlinie des p-FETs bei VDD = 5V Be-
triebsspannung, c) Konstruktion der Arbeitspunkte (rosa Kreise) des Inverters und d) Konstruktion der
Übertragungsfunktion Uin [Link] .
Zur Konstruktion der Übertragungsfunktion eines CMOS-Inverters gehen wir von den in Abb. 11.6 (b)
und (c) schematisch gezeigten Ausgangskennlinien des n-Kanal- und des p-Kanal-FETs aus. Eine positiven
Spannung VDn am n-FET bedeutet eine positive Aufladung der Drain, es fließen also negative Elektronen
von Source nach Drain, der technische Strom fließt in umgekehrter Richtung und IDn ist positiv. Positive
Drain Spannung VDp führt zur negativen Aufladung der Drain und es fließen dann Löcher von Source zur
Drain, was einem positiven IDp entspricht. Beide Transistoren sind gekoppelt durch die Bedingung
Die Abbildung 11.7 illustriert, wie aus dieser Kopplungsbedingung die Übertragungsfunktion des Inverters
resultiert:
Die Teilbilder (a) und (b) enthalten noch einmal die Kennlinien der Einzeltransistoren, der Scharparameter
ist nun Vin = VGn = VDD − VG p . Teilbild (c) vereinigt beide Kennlien in einem Diagramm, wobei auf
der x-Achse das Argument Vout = VDn = VDD − VDp auftaucht. Weiterhin wird nun IDp = IDn = ID
gesetzt. Die Schnittpunkte der Kurven der beiden Transistoren mit gleichem Vin ergeben die Arbeitspunkte.
Wie in Teilbild (d) dargestellt, folgt direkt die Übertragungsfunktion aus der die Inversionseigenschaften
hervorgehen. Es ist ersichtlich, dass nur beim Umschalten zwischen 0 und 1 ein nennenswerter Strom fließt.
12 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Abbildung 11.8: CMOS-Realisierung eines Logik-Gatters durch eine Kombination von eines pull up-
Netzwerkes aus p-Transistoren und eines pull down-Netzwerkes aus n-Transistoren.
• Realisierung der logischen 1 am Ausgang A: pull up-Netzwerk leitend, pull down-Netzwerk sperrend
• Realisieung der logischen 0 am Ausgang A: pull up-Netzwerk sperrend, pull down-Netzwerk leitend
In beiden Fällen ist eines der Netzwerke sperrend, d. h. es fließt kein Strom von der Versorgungsspannung
VDD zur Erde.
11.4. LOGIK CHIPS IN CMOS-TECHNOLOGIE 13
• Realisierung der logischen 1 am Ausgang A: Das pull up-Netzwerk leitend, wenn E1 = 0 oder E2 = 0
(Parallelschaltung der p-Transistoren)
Das pull down-Netzwerk sperrt, wenn E1 = 0 oder E2 = 0 (Hintereinanderschaltung der n-Transistoren)
• Realisierung der logischen 0 am Ausgang A: Das pull up-Netzwerk sperrt, wenn E1 = 1 und E2 = 1
(Parallelschaltung der p-Transistoren)
Das pull down-Netzwerk leitet, wenn E1 = 1 und E1 = 0 (Hintereinanderschaltung der n-Transistoren)
Logische Wertetabelle
E1 E2 A
1 1 0
1 0 1
0 1 1
0 0 1
14 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
• Realisierung der logischen 1 am Ausgang A: Das pull up-Netzwerk leitend, wenn E1 = 0 und E2 = 0
(Parallelschaltung der p-Transistoren)
Das pull down-Netzwerk sperrt, wenn E1 = 0 und E2 = 0 (Hintereinanderschaltung der n-Transistoren)
• Realisierung der logischen 0 am Ausgang A: Das pull up-Netzwerk sperrt, wenn E1 = 1 oder E2 = 1
(Parallelschaltung der p-Transistoren)
Das pull down-Netzwerk leitet, wenn E1 = 1 oder E1 = 0 (Hintereinanderschaltung der n-Transistoren)
Logische Wertetabelle
E1 E2 A
0 0 1
1 0 0
0 1 0
1 1 0
11.5. SPEICHERCHIPS 15
11.5 Speicherchips
11.5.1 Einteilung
Es gibt grundsätzlich die folgenden elektronischen Halbleiterspeicherarten
• Flüchtige Speicher: Informationen gehen verloren, wenn sie nicht aufgefrischt werden oder wenn die
Versorgungsspannung abgeschaltet wird. Beispiele: DRAM (dynamic random access memory) als
Arbeitsspeicher, SRAM (static random access memory) als Flashsspeicher
• Nichtflüchtige Speicher: Behalten Information ohne Anlegen der Versorgungsspannung für längere
Zeit (wenigstens Monate)
– Permanente Speicher: Information kann nicht verändert werden
- ROM (read only memory)
- PROM (programmable read only memory, einmalig programmierbar)
– Semi-permanente Speicher: Information kann verändert werden
-EPROM (erasable read only memory, löschbar mit UV-Licht)
-EEPROM (electrically erasable read only memory, elektrisch löschbar)
-Flash-EEPROM electrically erasable read only memory, elektrisch in Blöcken löschbar)
z. B. für USB stick
-FRAM (ferromagnetic random access memory)
-MRAM (magnetoresistive random access memory)
16 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
• SRAM benötigt im Gegensatz zum DRAM kein periodisches (dynamisches) Auffrischen zur Ver-
meidung von Datenverlust in jeder Datenzelle, sondern behlt seine Dateninformation, solange die
Betriebsspannung anliegt.
• Schneller aber teurer Speicher
• Eine Speicherzelle besteht aus zwei gegenverschalteten CMOS-Invertern, die zwei stabile Zustände
aufweisen (F1 aus Transistoren M1 und M2 und F2 aus Transistoren M3 und M4 in Abb. 11.11) Die
beiden gegenverschalteten CMOS-Invertern verstärken ihren aktuellen Zustand gegenseitig.
Funktionsweise der mit der Chipumgebung durch die word line und die bit line verbundenen Speicherzelle.
Es existieren drei Betriebszustände.
Abbildung 11.11: a) und b) Speicherzelle bestehend aus einer bistabile Kippstufe (Flipflop) aus zwei
CMOS-Invertern F1 und F2 (s. Abb. 11.6, F1 grün und F2 blau). Der Ausgang A1 von F1 ist mit dem
Eingang E2 von F2 verbunden und vice versa. as CMOS SRAM aus sechs Transistoren bestehend. c) Spei-
cherzelle verbunden mit der Außenwelt durch die word line (WL, blau), durch die ein Auslesen durch die
bit line (BL, grün) freigeschaltet wird. (d) Typische Struktur eines SRAM arrays.
18 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Abbildung 11.12: a.) Drift-Diffusiver Transport durch einen leitenden Kanal zwischen zwei metallischen
Kontakten, Source und Drain. Auf Grund der vielen Streuer (Kreise mit Kreuzen) bewegt sich der Ladungs-
träger (durchgezogene Linie mit Richtungspfeil) wie ein durch das elektrische Feld getriebener Zufallsgeher
auf seinem Weg von Source nach Drain. b.) Einteilung des Gesamtsystems in Zellen bei ~rn . In jeder Zelle ist
die Lage des Leitungsbandes LB durch das lokale Potenzial definiert, sowie einezeitabhängige lokale Ver-
teilungsfunktion ρ(~rn , ~k, t) der Ladungsträger im Impulsraum. Auf Grund der vielen Streuprozesse ist diese
lokale Verteilungsfunktion nahe an einer Fermifunktion mit einem lokalen elektrochemischen Potenzial.
J~ = eµnE~ + eD∇n
|{z} . (11.32)
|{z}
Feldstrom Diffusionsstrom
11.6. INFETS, SOIFETS UND MOLEKULARE TRANSISTOREN 19
Abbildung 11.13: Ballistischer Quantentransport: Die Ladungsträger werden durch im Kanal kohärente
Streuzustände beschrieben. Diese können sich ausbilden, weil im Gegensatz zum diffusiven Limit in Abb. 1
im ballistischen Fall keine Streuung im Kanal stattfindet. In den gestrichelte Übergangsbereiche ΩS und ΩD .
werden im Teilchenaustausch mit den Kontaktreservoirs Streuzustände gebildet (ein) oder auch reflektierte
(ref) und transmittierte (trans) Komponenten der Streuzustände (reflexionslos) absorbiert. Schematisch mit
gestrichpunkteter Linie gezeigt: Bildung eines Streuzustandes mit einer einlaufenden Transversalmode i =
0 und Absorption einer transmittierten Komponente mit einer Transversalmode i = 1 im Drainkontakt.
Durch die transmittierte Komponente des Streuzustandes entsteht der quantenmechanische Strom.
Die Beweglichkeit berechnet sich nach µ = eτ/m, wobei, wie bereits aus dem Drudemodell bekannt, τ die
mittlere Zeit zwischen zwei inelastischen Stößen des ’zufallsgehenden’ Elektrons ist.
Im Gegensatz dazu, werden bei typischen Längen von unterhalb von einigen zehn Nanometern Streupro-
zesse durch Verunreinigungen oder Gitterschwingungen immer unwichtiger und Quantentransport gewinnt
an Bedeutung [?, ?]. Im Extremfall, dem sogenannten ballistischen Limes, wird angenommen dass die La-
dungsträger ungestreut das Bauelement durchqueren. Die Beweglichkeit als eine über viele Stöße gemittelte
Größe hat dann keine physikalische Bedeutung mehr. Die Dynamik der stromtragenden Ladungsträger wird
durch Wellenfunktionen beschrieben, die im gesamten Bauelement kohärent definiert sind.
Durch das Auftreten von im Bauelement durchgängig kohärenten Wellenfunktionen werden völlig neue
Wirkungsprinzipien möglich, wie der negative differenzielle Widerstand in einer resonanten Tunneldi-
ode belegt [?] . Außerdem ist zu erwarten, dass im ballistischen Limes weit größere Ladunsgsträger-
geschwindigkeiten als die Sättigungsgeschwindigkeit im Drift-Diffusionsmodell möglich sind.
Es entstehen auch Nachteile, die eine fortschreitende Miniaturisierung der Standardarchitektur der FETs
stark erschweren. Dies sind im Wesentlichen Tunneleffekte zum Einen durch die Isolatorbarriere und zum
Anderen durch die Source-Drainbarriere. Erstere führen zu Gate − leakage Strömen, die man durch alter-
native Gateisolatoren mit einer hohen Dielektrizitätskonstant (’high-k dielectrics’) einzudämmen versucht.
Die Auswirkung von Source-Drain Tunnelströmen ist in Abb. 11.14 demonstriert: Es ergeben sich im
leitenden Zustand des Transistors gerundete I-V-Kennlinien mit einem schwachen, fast linearen Anstieg
für größere Drainspannungen (’quasi-Sättigung’). An Stelle sperrenden Zustands im Mikrotransistor ergibt
sich im Nanotransistor nur ein quasi-sperrender Zustand. Hier führen die Tunnelströme über die Source-
Drainbarriere zu signifikanten Leckströmen, die zu einer positiven Krümmung der I-V-Kennlinien führen.
Zwischen dem leitendem Regime mit negativer Kennlinienkrümmung und dem sperrendem-Regime mit
positiver Krümmung existiert eine nahezu lineare Schwellkennlinie.
20 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Abbildung 11.14: Ausgangskennlinien eines breiten Transistors von INTEL mit L = 10nm nach [?].
Abbildung 11.16: Aufbau eines SOIFETs a) (Fully Depleted Silicon on Insulator) aus einer Broschüre ’The
22FDXT M Platform’ (22nm Kanallänge) von GLOBALFOUNDRIES.
22 KAPITEL 11. DER MOS-FELDEFFEKTTRANSISTOR
Abbildung 11.17: Aufbau eines molekularen Transistors mit Graphenstreifen als Leitungskanal nach Ref.
[?].
Kapitel 23
d2 e2
ψ(y) = − NA (23.1)
dy2 0
auf mit den Randbedingungen ψ(W) = 0 und ψ(0) = −2ψB . Die Lösung ist
e2
ψ(y) = − NA (W − y)2 , (23.2)
20
wobei
4ψB 0
r
W= . (23.3)
NA e2
Es folgt dann
Qd = −eNA W = − 4ψB 0 NA
p
(23.4)
und damit aus Gl. (11.8)
4ψB 0 NA
p
VT = 2ψB + . (23.5)
Ci