Stunde 6.
Aufgabe І. Bearbeiten Sie folgende theoretische Fragen zur Stunde.
1. Die Tempora.
Zeitformen (Singular: Tempus, Plural: Tempora)
Die grammatische Kategorie der Zeit bezeichnet das Verhältnis des Zeitpunkts
eines Vorgangs zum Zeitpunkt einer Aussage über diesen Vorgang. Man
unterscheidet drei Zeitstufen: die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft.
Zum Ausdruck dieser drei Zeitstufen dienen in der deutschen
Sprache sechs Zeitformen: das Präsens (zum Ausdruck der Gegenwart), das
Präteritum, das Perfekt, das Plusquamperfekt (zum Ausdruck der Vergangenheit),
das Futur I und II (zum Ausdruck der Zukunft).
2. Das Prasens.
Das Präsens bezeichnet in erster Linie einen Vorgang in der Gegenwart. Es kann
aber auch zur Bezeichnung der übrigen zwei Zeitstufen, der Vergangenheit und der
Zukunft gebraucht werden. Das Präsens dient:
· zur Wiedergabe eines gegenwärtigen Geschehens (die Hauptbedeutung)
· zur Wiedergabe eines allgemeingültigen Vorgangs (allgemeine Feststellungen,
Sprichwörter usw.): Moskau ist die Hauptstadt Russlands
· zur Wiedergabe eines zukünftigen Geschehens (namentlich im
umgangssprachlichen Gebrauch), meist in Verbindung mit entsprechenden
Zeitangaben.
· zur Wiedergabe eines vergangenen Geschehens bei lebhafter, anschaulicher
Schilderung, im Wechsel mit dem Präteritum (das Präsens der belebten
Erzählungen):Während ich so in Andacht versunken stehe, höre ich, dass neben
mir jemand ausruft...
Das Präsens wird von dem Infinitivstamm mittels der Personalendungen gebildet.
Alle Verben (außer sein, werden und den Verben praeteritopraesentia) weisen
dasselbe System der Personalendungen auf.
Die schwachen Verben, deren Stamm auf t, d, chn, dn, ffn, gn, tm auslautet,
bekommen die Personalendungen -est und -et: leitest, wartet, redest, zeichnet.
Auch starke Verben aufd bzw. t mit i(ie) bzw. ei im Stamm erhalten die gleichen
Personalendungen: bietet, bindest, bittet, findest, gleitet, leidest, meidet. Die
Verben mit einem Zischlaut im Auslaut (s, ss, ß, z, tz) haben in der 2. Person
Singular Doppelformen. Dazu gehören die Verben: blasen, essen, genesen,
genießen, gießen, hassen, heißen, heizen, lassen, messen, preisen, rasen, reizen,
reißen, schießen, sitzen, stoßen u.a. (du ißt - issest, du genießt - genießest). Die
kürzeste Form ist gebräuchlicher.
Die starken Verben mit a im Stamm (außer schaffen) bekommen in der 2. und 3.
Person Sg den Umlaut: bläst, trägst, fängt... Den Umlaut bekommen auch die
Verben laufen, saufen, stoßen: läuft, stößt, säuft.
Die meisten starken Verben mit dem Stammvokal e verändern in der 2. und 3.
Person Sg das e zu i bzw ie: brichst, hilfst, befiehlt. Auch die
Verben erlöschen und gebären haben in der 2. und 3. Person Sg ein i(ie): sie
erlischt, gebiert (auch: gebärt).
Starke Verben, deren Stamm auf t auslautet und deren Stammvokal a bzw. e sich in
der 2. und 3. Person Sg verändert, bekommen in der 2. Person Sg die
Personalendung -st, in der 2. Person Plural -et, in der 3. Person Sg verschmilzt die
Personalendung mit dem Stamm -t: braten, halten, raten, fechten, flechten, gelten,
schelten, treten (hältst, hält, flichst, flicht).
Merke: Die Verben nehmen und treten verändern das lange e zu einem
kurzen i:nimmst, trittst.
Manche starken Verben verändern in der 2. und 3. Person Sg ihr Stamm -
e nicht: bewegen, heben, genesen, weben u.a. Dies gilt auch von den
unregelmäßigen Verben gehen undstehen. Das Verb laden hat in der 2. und 3.
Person Sg Doppelformen: du ladest - lädst; er ladet – lädt
Das Präsens der Verben praeteritopraesentia (dürfen, könne, mögen, müssen,
sollen, wollen, wissen).
Das Präsens der unregelmäßigen Verben (sein, haben, werden, tun)
3. Das Prateritum.
Das Präteritum (Imperfekt) dient zur Wiedergabe von vergangenen Handlung,
einem Bericht (die Hauptbedeutung). Die Vorgänge können dabei zu gleicher Zeit
geschehen oder aufeinander folgen.
Im Präteritum erhalten die Verben Personalendungen, die 1. und die 3. Person Sg
ausgenommen (ich sagte, du sagtest, er sagte)
Die Personalendungen werden dem Präteritumstamm beigefügt. Der
Präteritumstamm der schwachen Verben wird aus dem Präsensstamm und dem
Suffix -(e)te gebildet. Das Suffix -ete bekommen die schwachen Verben, deren
Stamm auf t, d, chn, dn, ffn, gn, tm auslautet:wartete, zeichnete.
Der Präteritumstamm der starken Verben wird mit dem Ablaut gebildet: kommen -
kam, schreiben - schrieb, fahren - fuhr, laufen - lief usw.
Die Modalverben bilden der Präteritumstamm mit dem Suffix -te und verändern
den Stammvokal (außer sollen und wollen): dürfen - durfte, können - konnte,
sollen - sollte, wollen – wollte
Die unregelmäßigen Verben haben folgende Präteritumstämme: sein - war, haben -
hatte, werden - wurde, stehen - stand, gehen - ging, bringen - brachte, tun – tat
Das Präsens und das Präteritum sind einfache Zeitformen, d.h. sie werden durch
eine Verbalform ausgedrückt. Die übrigen vier Zeitformen werden aus zwei oder
mehr Verbalformen gebildet. Zur Bildung der
zusammengesetzten Zeitformen dienen die Hilfsverben haben, sein, werden. Das
Vollverb steht in einer infiniten Verbalform: im Partizip II oder im Infinitiv.
4. Das Perfekt.
Das Perfekt. Das Perfekt bezeichnet gleichfalls einen Vorgang in der
Vergangenheit. Es steht in kurzen Berichten, Mitteilungen (daher oft im Gespräch,
im Dialog), bei der Feststellung von Tatsachen, oft auch zum Hervorheben eines
Gedankens, der besonders wichtig ist. Das Perfekt bezeichnet häufig eine
vergangene Handlung, deren Folgen für die Gegenwart von Bedeutung sind.
Das Perfekt wird mit dem Hilfsverb haben/sein im Präsens und dem Partizip II des
entsprechenden Verbs gebildet.
Die Mehrheit der Verben wird mit haben konjugiert. Hierzu gehören:
alle transitiven Verben
alle reflexiven Verben
alle unpersönlichen Verben
Modalverben
viele intransitive Verben: a) Verben, die einen Zustand, ein Gefühl, einen
Vorgang in seinem Verlauf ausdrücken b) die Verben, die mit einem
Dativobjekt gebraucht werden und keine Bewegung ausdrücken c) Verben,
die einen festen Anfangs- und Endpunkt bezeichnen.
Mit sein:
intransitive Verben, die eine Bewegung oder den Übergang von einem
Zustand zu einem anderen bezeichnen
begegnen, passieren, geschehen, bleiben, gedeihen, gelingen, mißlingen,
glücken, sein, werden
5. Das Plusquamperfekt.
Das Plusquamperfekt. Das Plusquamperfekt bezeichnet einen Vorgang in der
Vergangenheit und wird in der Regel relativ gebraucht. Es drückt die Vorzeitigkeit
in der Vergangenheit aus; dabei dient das Plusquamperfekt meist zur Bezeichnung
eines Vorgangs, der erst erwähnt wird, nachdem andere zeitlich später geschehene
Vorgänge genannt worden sind. Die Geschehnisse werden somit in einer anderen
Reihenfolge geschildert, als sie tatsächlich vor sich gegangen sind: Ich war wie
zerschlagen, ich hatte seit dem vorigen Morgen nichts gegessen.
Diese Regel gilt nicht für Satzgefüge mit Nebensätzen, die durch nachdem, als,
seit(dem)eingeleitet werden, wenn der Nebensatz dem Hauptsatz vorausgeht. In
diesem Fall wird der früher geschehene Vorgang (im Plusquamperfekt) auch zuerst
genannt: Als er seine Rede beendet hatte, zogen die Delegierten an der Tribüne
vorüber
Das Plusquamperfekt wird mit dem Hilfsverb haben/sein im Präteritum und dem
Partizip II des entsprechenden Verbs gebildet.
Bei der Bildung des Perfekts und des Plusquamperfekts der Modalverben sind
folgende Regeln zu beachten:
Tritt zum Modalverb im Satz ein anderes Verb im Infinitiv, so wird die
starke Form des Partizips II gebraucht: Dein ganzes Leben hast du schwer
arbeiten müssen
Tritt zum Modalverb kein anderes Verb im Infinitiv, so wird die schwache
Form des Partizips II gebraucht: Er hatte schon am folgenden Tag aus der
Stadt gemusst
6. Das Futur I.
Das Futur I und das Futur II. Das Futur I bezeichnet eine zukünftige Handlung.
Im relativen Gebrauch bezeichnet das Futur I die Gleichzeitigkeit. Es wird mit dem
Hilfsverbwerden im Präsens und dem InfinitivI des entsprechen Verbs gebildet: Du
kannst ganz ruhig schlafen. Ich werde dich wecken
Um über kommende Ereignisse zu sprechen, brauchst du Zukunftsformen. Für
die einfache Zukunft benutzt du das Futur I.
Damit kannst du verschiedene Sachen beschreiben, die ganz
sicher oder wahrscheinlich in der Zukunft passieren werden wie beispielsweise:
Feste Pläne: „Ich werde morgen mein Zimmer aufräumen.“
Vermutungen: „Wahrscheinlich wird es morgen regnen.“
Versprechen: „Wir werden unser Bestes geben!“
Um das Futur I zu bilden, brauchst du das Hilfsverb werden. Das Verb steht dann
im Infinitiv im Satz, also in der Grundform.
Futur I bilden: werden + Infinitiv (Grundform)
werden + Infinitiv
ich werde aufräumen
du wirst aufräumen
er/sie/es wird aufräumen
wir werden aufräumen
ihr werdet aufräumen
sie werden aufräumen
7. Das Futur II.
Das Futur II bezeichnet gleichfalls eine zukünftige Handlung und wird relativ
gebraucht. In Verbindung mit dem Futur I oder mit dem Präsens drückt es die
relative Zukunft aus: Nachdem ich den Doktor gemacht haben werde, suche ich im
Ausland eine mir zusagene Stellung
Das Futur II wird immer häufigen durch das Perfekt verdrängt, das in Verbindung
mit dem Futur I bzw. dem Präsens die relative Zukunft bezeichnet: Jetzt lass ich
dich nicht mehr los, bevor du mir nicht alles gesagt hast.
Das Futur II ist die zweite Zukunftsform im Deutschen. Es wird auch vollendete
Zukunft genannt.
Mit dieser Zeitform sagst du, dass etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt in
der Zukunft abgeschlossen sein wird. So drückst du auch Vermutungen aus, da
du keine sichere Aussage über die Zukunft machen kannst.
„Bis zum nächsten Sommer werden wir das Haus renoviert haben.“
„Bis zum Ende des Jahres werdet ihr alle Prüfungen abgeschlossen
haben.“
„Vermutlich wird er schon gegangen sein, wenn wir ankommen.“
Um das Futur II zu bilden, brauchst du das Hilfsverb „werden“. Das Verb steht
im Partizip II und mit den Hilfsverben „haben“ oder „sein“ im Satz.
Futur II bilden: werden + Partizip II + haben oder sein
werden + Partizip II + haben + Partizip II + sein
ich werde abgeschlossen haben gegangen sein
du wirst abgeschlossen haben gegangen sein
er/sie/es wird abgeschlossen haben gegangen sein
wir werden abgeschlossen haben gegangen sein
ihr werdet abgeschlossen haben gegangen sein
sie werden abgeschlossen haben gegangen sein
8. Die Zeitenfolge.
Der Gebrauch der Zeiten in komplexen Sätzen bzw. bei der Verbindung eines
Hauptsatzes mit einem Nebensatz wird im Deutschen durch bestimmte Prinzipien
geregelt, die aber nicht immer streng befolgt werden. Die sogenannte Folge der
Zeiten beschreibt die Kombination der Zeitformen im Haupt- und Nebensatz bei
den drei möglichen Zeitverhältnissen Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und
Nachzeitigkeit.
Gleichzeitigkeit
Wenn das Geschehen in Haupt- und Nebensatz gleichzeitig verläuft, wird in der
Regel in beiden Sätzen die gleiche Zeitform verwendet.
Beispiele Zeitformen
Solange sie schläft, gehe ich einkaufen.
Präsens - Präsens
Während du das Fußballspiel verfolgst, gehe ich
spazieren.
Als er seine Oma besuchte, schenkte sie ihm ein Präteritum -
Gemälde. Präteritum
Wenn sie ihn getroffen hat, hat sie ihm das
Perfekt - Perfekt
Geheimnis veraten.
Möglich ist auch die Kombination verschiedener Zeitformen, die die gleiche
Funktion haben, d.h. die Gegenwart, die Vergangenheit oder die Zukunft
ausdrücken können. Vor allem zwischen Präsens und Futur I oder Präteritum und
Perfekt.
Beispiele Zeitformen
Wenn du früher kommst, werden wir ins Kino
Präsens - Futur I
gehen.
Während du kochen wirst, decke ich den Tisch. Futur I - Präsens
Präteritum -
Als ich sie darauf hinwies, hat sie nicht reagiert.
Perfekt
Perfekt -
Während du gekocht hast, deckte ich den Tisch.
Präteritum
Vorzeitigkeit
Wenn das Geschehen im Nebensatz vor dem Hauptsatz verläuft, gibt es in der
Regel folgende Kombinationen:
Beispiele Hauptsatz Nebensatz
Ich fahre zur Uni, nachdem ich gefrühstückt
Präsens Perfekt
habe.
Ich fuhr zur Uni, nachdem ich gefrühstückt Präteritum Plusquamperfekt
hatte.
Ich bin zur Uni gefahren, nachdem ich
Perfekt Plusquamperfekt
gefrühstückt hatte.
Ich werde zur Uni fahren, nachdem ich
Präsens
frühstücke.
Futur I
Ich werde zur Uni fahren, nachdem ich
Perfekt
gefrühstückt habe.
Nachzeitigkeit
Wenn das Geschehen im Nebensatz nach dem Hauptsatz verläuft, dann werden die
Zeitformen ähnlich wie bei der Gleichzeitigkeit
Beispiele Hauptsatz Nebensatz
Ich frühstücke, bevor ich zur Uni fahre. Präsens Präsens
Ich frühstückte, bevor ich zur Uni fuhr. Präteritum Präteritum
Ich habe gefrühstückt, bevor ich zur Uni gefahren
Perfekt Perfekt
bin.
oder umgekehrt wie bei der Vorzeitigkeit benutzt.
Beispiele Hauptsatz Nebensatz
Ich habe gefrühstückt, bevor ich zur Uni
Perfekt Präsens
fahre.
Ich hatte gefrüstückt, bevor ich zur Uni fuhr. Plusquamperfekt Präteritum
Ich frühstücke, bevor ich zur Uni fahren
Präsens Futur I
werde.
Die Zeitenfolge in der Gegenwart
Es gibt mehrere Möglichkeiten, zeitliche Unterschiede in der Gegenwart
auszudrücken:
Beide Aktionen finden zur gleichen Zeit statt: Signalwort
(während, solange, sobald, wenn etc.) und Präsens + Präsens
Während wir arbeiten, schlafen sie. arbeiten, Präsens schlafen, Präsens
Wir haben keine Probleme, solange wir Geld haben. haben, Präsens
Wenn du da bist, bin ich glücklich. sein, Präsens
Eine Aktion findet nach der anderen statt: Signalwort (nachdem, seitdem
etc.) und Präsens + Perfekt
Ich schlafe, nachdem ich gegessen habe. schlafen, Präsens essen, Perfekt
Seitdem wir renoviert haben, kommen mehr Gäste. renovieren,
Perfektkommen, Präsens
Eine Aktion findet vor der anderen statt: Signalwort (bevor, bis, ehe etc.)
und Präsens + Präsens
Sie bezahlen, bevor sie fahren. bezahlen, Präsens fahren, Präsens
Ehe wir fahren, essen wir. fahren, Präsensessen, Präsens
Wir warten, bis alle da sind. warten, Präsens sein, Präsens