Blatt 04 L
Blatt 04 L
Zentrum Mathematik
Prof. Dr. R. König Mathematik für Physiker 2 Wintersem. 2023/24
Dr. M. Prähofer (Analysis 1) Lösungsblatt 4
(08.11.2023)
Zentralübung
Lösung:
h6=0
(a) Sei h ∈ R, h > −1 und h 6= 0. Induktionsanfang n = 2: (1+h)2 = 1+2h+h2 > 1+2h.
Induktionsschritt: Sei n ≥ 2 und gelte (1 + h)n > 1 + nh. Dann ist
I.V.
n+1 h>−1
(1 + h) = (1 + h) (1 + h) > (1 + nh)(1 + h) = 1 + (n + 1)h + nh2 > 1 + (n + 1)h.
n
3 3
2 2
1 1
K 0.5 0 0.5 1.0 1.5 2.0 K0.5 0 0.5 1.0 1.5 2.0
x x
Die Bernoulli-Ungleichung
(b) Sei q = 1 + h. Dann ist h > 0 und es gilt q n = (1 + h)n > 1 + nh. Sei nun R > 0
beliebig. Wähle N ∈ N, N ≥ 2, so, dass N > R h ist, was wegen der Archimedischen
Anordnung von R immer geht. Dann gilt für alle n ≥ N :
q n > 1 + hn ≥ 1 + hN > 1 + h R
h > R.
1
(c) Für q = 0 ist nichts zu zeigen. Ist 0 < |q| < 1, dann gilt |q| > 1. Sei nun > 0
gegebenen. Wegen (b) gibt es ein N ∈ N, so dass für alle n ≥ N gilt, dass |q|1n > 1
ist. Das ist aber gleichbedeutend mit |q|n < .
ein Polynom vom Grad n. z0 ∈ K heißt Nullstelle von p, wenn p(z0 ) = 0 ist. Zeige:
(a) Ist p ein Polynom vom Grad n ∈ N mit der Nullstelle z0 ∈ K, so gibt es ein Polynom
q vom Grad n − 1, so dass ∀z ∈ K : p(z) = (z − z0 )q(z).
(b) Ein Polynom vom Grad n ∈ N besitzt höchstens n Nullstellen.
Lösung:
n n−1
ak z k mit an 6= 0 und q(z) = bk z k . Dann gilt
P P
(a) Sei p(z) =
k=0 k=0
bn−1 = an
bn−2 = an−1 + bn−1 z0 = an−1 + an z0
bn−3 = an−2 + bn−2 z0 = an−2 + an−1 z0 + an z02
..
.
b0 = a1 + b1 z0 = a1 + a2 z0 + · · · + an z0n−1 .
Damit sind alle Gleichungen mit Ausrufezeichen verwendet. Bleibt das Fragezeichen
zu überprüfen: Es gilt a0 + b0 z0 = p(z0 ) = 0, weil z0 eine Nullstelle von p ist. Somit
ist −b0 z0 = a0 gezeigt.
(b) Vollständige Induktion nach n:
n = 1: p(z) = a1 z + a0 besitzt, da a1 6= 0, als einzige Nullstelle z0 = − aa01 .
Sei die Aussage für n−1 ∈ N bewiesen und p vom Grad n.
1. Fall: p besitzt keine Nullstelle. Dann ist nichts zu zeigen.
2. Fall p besitzt eine Nullstelle z0 ∈ K. Also ist nach (a) p(z) = (z − z0 )q(z) mit q vom
Grad n−1. Nach I.V. hat q höchstens n−1 Nullstellen und damit p höchstens n.
(b) Ist z0 eine Lösung von z n = c und w eine n-te Einheitswurzel, dann ist auch wz0
eine Lösung von z n = c, denn (wz0 )n = wn z0n = 1 · c = c. Da die Gleichung z n = c
höchstens n Lösungen haben kann (z n − c = 0 hat höchstens n Nullstellen), sind also
2πk √ 2πk π
zk = ei n n c = ei( n + n ) mit k = 0, . . . , n − 1 die Lösungen der Gleichung.
(c) Jede Nullstelle eines Polynoms kann als Linearfaktor abgespalten werden. Somit gilt
mit den Nullstellen zk aus (b) die Faktorisierung z n −c = (z −z0 )(z −z1 ) · · · (z −zn−1 ).
3ⅈ
c2+ n9 z90 c z91
2
z31 z2
z3 1
z1
z4 z30
z0
-1 1 2
z5
z8
z6 -1
z7
-2
Präsenzaufgaben
Bemerkung: Für x < y ∧ y < z schreibt man zur Abkürzung x < y < z.
Lösung:
(a) Annahme: 1 < 0, dann wäre 1 − 1 < 0 − 1, also 0 < −1, und somit doch wieder
0 < (−1) · (−1) = 1, d.h. ¬(1 < 0). Widerspruch.
(i)
(b) 0 < x = x + 0 < x + y. Mit (ii) folgt daraus 0 < x + y.
(iv)
(c) 0 < x ∧ 0 < y ⇒ 0 · y < x · y, bzw. 0 < xy.
(d) Wegen x 6= 0 gibt es nur zwei Fälle. 1. Fall: x > 0. Dann ist x2 > 0.
2. Fall x < 0. Dann ist −x > 0 und damit auch x2 = (−x)2 > 0.
(iii) (iii)
(e) x < y ⇒ x − y < y − y = 0 ⇒ −y = −x + x − y < −x + 0 = −x. Mit (ii) folgt
−y < −x.
(iii) (iii)
(f) x + u < x + v < y + v.
(iv) (iv)
(g) xu < xv < yv.
(iv)
(h) Sei x > 0. Annahme: ¬( x1 > 0). Da 1
x 6= 0 ist, folgt 1
x < 0. Somit ist −1 = x·(− x1 ) > 0.
Widerspruch.
(i) Wegen (h) und der Transitivität folgt 0 < x1 und mit 0 < y auch 0 < y1 . Somit bleibt
nur y1 < x1 zu zeigen. Annahme: x1 ≤ y1 . Da xy ≥ 0 ist, folgt x = y1 xy ≥ x1 xy = y im
Widerspruch zu x < y.
Lösung:
Real- und Imaginärteil kann man aus der Normalform einer komplexen Zahl direkt ablesen.
a + ib mit a, b ∈ R hat den Realteil a und den Imaginärteil b. Dies wird nicht jedesmal
notiert.
(a) Wegen i·(−i) = −i·i = 1 ist 1i = i−1 = −i = 0+i(−1), der Betrag ist 02 + (−1)2 = 1.
p
P4.3. Dreiecksungleichung
Beweisen Sie für alle w, z ∈ C und illustrieren Sie jeweils mit einer Skizze:
(a) |z + w| ≤ |z| + |w|, (b) |z| − |w| ≤ |z − w|.
Lösung:
(a) Es gilt
|z|2 =zz
|z + w|2 = (z + w)(z + w) = zz + zw + zw + ww
z=z,
z·w=zw
= |z|2 + zw + zw + |w|2
Re(z)= z+z Re(z)≤|z|
= 2
|z|2 + 2Re(zw) + |w|2 ≤ |z|2 + 2|z||w| + |w|2 = (|z| + |w|)2 .
Für x, y > 0 folgt aus x2 ≤ y 2 schon x ≤ y, daher haben wir die Dreiecksungleichung
in C, |z + w| ≤ |z| + |w|, gezeigt.
(b) Nach (a) gilt |z| = |z − w + w| ≤ |z − w| + |w| und |w| = |w − z + z| ≤ |w − z| + |z|.
Aufgelöst nach |z − w| = |w − z| folgt
Hausaufgaben
an+1
(a) Wir zeigen an > 1 für alle n ∈ N. Sei also n ≥ 2, dann ist
Bemerkung: Spaltet man anders auf, so erhält man mit der strikten Bernoulli-Ungleichung
aus Z4.1.(a) ebenfallsxs die strenge Monotonie:
an (1 + n1 )n n−1 n+1 n
1 1 n
1
an−1
= 1 n−1 = n · n (1 + n−1 ) = 1− n2 (1 + n−1 )
(1 + n−1 )
1
1 − n1 (1 + n−1
< ) = 1,
da −1 < − n1 6= 0.
n n n 1−( 12 )n+1
n 1
(b) (1+ n1 )n = 1 1
P P P
k nk ≤ k! ≤2 2k
=2 1− 12
≤ 4. Die im Hinweis angegebenen
k=0 k=0 k=0
Ungleichungen gelten für n ∈ N, k ∈ N0 , da
n 1 n(n−1) · · · (n−k+1) 1 n n−1 n−k+1 1 1
k
= k
= · ··· ≤
k n 1 · 2···k n n n n k! k!
1 2 2 2 1 2
= · · ··· · k−1 ≤ k .
1 2 3 k 2 2
Beide Ungleichungen werden also genau genommen durch vollständige Induktion über
k gezeigt. Diese werden hier nicht ausgeführt.
Lösung:
Ausmultipliziert ergeben sich, nach Real- und Imaginärteil getrennt, die beiden reellwer-
tigen Gleichungen x2 − y 2 = a, 2xy = b. Wir wollen die zweite Gleichung nach x auflösen.
2
√ x = 0. Dann muss auch b = 0 sein, wegen −y = a muss
Erster Fall: √ a 2≤ 0 sein und es
folgt y = −a ≥ 0, wie gefordert. Es gilt also, falls a ≤ 0 ist, (0 + i −a) = a + 0 · i.
b
Zweiter Fall: x 6= 0 ist möglich. Dann gilt y = 2x . Eingesetzt in die erste Gleichung erhält
2 2
man x − 4x2 = a, bzw., äquivalent dazu, da x 6= 0 ist, x4 − ax2 − b4 = 0. Diese bi-
2 b
√
2 2 √
quadratische Gleichung hat die Lösungen x2 = a± a2 +b . Da a ≤ a2 + b2 und x = 0
q √
2 2
ausgeschlossen ist, kommt nur die +–Lösung in Frage. Damit ergibt sich x = a+ a2 +b
und für y
q √
a+ a2 +b2
q √
a+ a2 +b2
√
b b b 2 b 2 ( a2 + b2 − a)
y= = q √ =√ = √ √
2x 2 2 a2 + b2 + a ( a2 + b2 + a)( a2 + b2 − a)
2 a+ a2 +b
q √ √ q √ √ p√
a+ a2 +b2 2 2 ( a2 +b2 +a)( a2 +b2 −a)
2 ( a + b − a) 2 a2 + b2 − a
=
q p√ b s√
b
b2
2 a2 + b2 − a b a2 + b2 − a
= = .
b |b| 2
√
Zusammengefasst: Ist b = 0, dann gilt für a ≤ 0, dass x + iy = i −a ist und für a > 0
√
einfach x + iy = a. Falls b 6= 0 ist, dann hat der Imaginärteil der gesuchten Lösung das
selbe Vorzeichen wie b, es gilt
s√ s√
2
a +b +a 2 |b| a2 + b2 − a
x + iy = +i .
2 b 2
√
Bemerkung: Erkennt man, dass die beiden Gleichungen x2 −y 2 = a und x2 +y 2 = a2 + b2
durch Zusammenaddieren und subtrahieren leicht nach x2 und y 2 aufgelöst werden können,
kann obige Rechnung deutlich abgekürzt werden.