Reidemeister 165
Reidemeister 165
50 Jahre
„Lüdenscheider Geschichtsverein“
Im Januar 1956 trafen sich Lü- ben Jahr vom Westfälischen entgegenwirken und die Zu- scheid eingeladen. Landge- Zwei Auffassungen standen
denscheider Bürger in der Ab- Heimatbund zum Leiter des sammenarbeit aller an der Hei- richtsdirektor Dr. Herbert Voll- sich gegenüber. Während die ei-
sicht, einen Geschichtsverein zu Heimatgebietes Märkisches matgeschichte Interessierter mann leitete die Versammlung. nen strenge wissenschaftliche
gründen. Die Initiative ging von Sauerland berufen wurde. fördern. Wilhelm Sauerländer schilderte Maßstäbe für die historische
Oberstudienrat Wilhelm Sauer- Schnell bestand Einigkeit: die Aufgaben eines Geschichts- Arbeit forderten, warnten die
länder aus, der 1936 als Lehrer Zum 15. Februar 1956 wurde in vereins. Zwar begrüßten alle anderen vor allzu großer Wis-
an das Zeppelin-Gymnasium Man wollte die Geschichtsfor- den Blauen Saal des Gesell- Anwesenden die Bildung eines senschaftlichkeit und wünsch-
gekommen war, seit 1948 zu- schung für Lüdenscheid und schaftshauses Concordia zur solchen Vereins für Lüden- ten eine lebendige und volks-
sätzlich nebenamtlich das Umgebung anregen, einer ge- Gründungsversammlung eines scheid, zur Gründung kam es tümliche Geschichtsarbeit. Ein
Stadtarchiv leitete und im sel- wissen Geschichtsmüdigkeit historischen Vereins für Lüden- aber an diesem Abend nicht. Arbeitsausschuss erhielt den
Einladung zur Gründungsversammlung für einen Lüdenscheider Geschichtsverein am 15. Februar 1956.
Der Verein konnte aber erst einen Monat später, am 15. März 1956, gegründet werden.
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Auftrag, eine einvernehmliche 3. Der Geschichtsverein wollte der Heimatgeschichte einen Vereins. Hier und bei den Ex- Skala seines Geschichtsbe-
Lösung über Aufgaben und Zie- von vornherein mit dem vier wichtigen Teil der Heimatpfle- kursionen zeigt sich in besonde- wusstseins zeigen. Dabei ging
le des künftigen Vereins zu erar- Jahre vorher entstandenen ge und schloss sich deshalb rem Maße die volksbildnerische es nicht nur um Stadt- und Re-
beiten und dann erneut zu einer Verkehrs- und Heimatverein dem Westfälischen Heimatbund Arbeit des Vereins. Die Sitzun- gionalgeschichte sondern eben-
Gründungsversammlung einzu- Lüdenscheid zusammenar- an, dessen Bestrebungen er gen finden im intimen Rahmen so um deutsche und europäi-
laden. Dem Ausschuss gehörten beiten. unterstützte. Weitere Mitglied- statt; die Teilnehmerzahl ist je- sche Geschichte, nicht nur um
an: Karl Diemer, Dr. Wilhelm schaften erwarb er z. B. im Ver- weils etwa 10, höchstens 20 Themen des Mittelalters son-
Ehmer, Oskar Eduard Hueck, Die Gründungssatzung trägt die ein für Geschichte und Alter- Personen. Hier sitzen wissen- dern auch der neueren und neu-
Dr. Wilhelm Kaske, Konrad Unterschrift von sieben Män- tumskunde Westfalens oder im schaftlich Gebildete in bunter esten Zeit. Der Lüdenscheider
Krägeloh, Wilhelm Sauerlän- Geschichtsverein legte Wert
der, Dr. Herbert Vollmann und darauf, für seine Vorträge aner-
Karl Weiland. kannte Wissenschaftler und be-
ste Fachleute zu gewinnen.
In einer weiteren Versammlung Schon der erste Vortrag von
am 15. März 1956 wurde dann Prof. Albert K. Hömberg über
der Lüdenscheider Geschichts- „Köln und Mark im Kampf um
verein gegründet, die Satzung die Herrschaft im südlichen
beschlossen und der Vorstand Westfalen“ regte die heimische
gewählt. Die Aufgaben des neu- Geschichtsforschung stark an.
en Vereins beschrieb § 2 der
Satzung wie folgt: Als Beispiele von Vorträgen der
ersten Jahre seien genannt: Dr.
Der Verein bezweckt, die Ge- Peter Frebel: „Die Fachsprache
schichte der Stadt Lüdenscheid der Drahtzieher im märkischen
und der Umgebung nach wis- Sauerland“; Dr. Bernd Gise-
senschaftlichen Grundsätzen zu vius: „Drei Schicksalstage des
erforschen, insbesondere Dritten Reiches aus der Sicht
eines Augenzeugen“; Dr. Güth-
a) Geschichtsquellen zu er- ling, Siegen: „Alexander Evers-
schließen und zugänglich zu mann, Fabrikenkommissar für
machen, das märkische Süderland“; Dr.
b) Geschichtsdenkmäler zu er- Hanno Lambers, Hagen: „Die
halten, zu beschreiben und Revolutionszeit nach dem Er-
ihre Abbildungen zu bewah- sten Weltkrieg in Südwestfa-
ren, len“; Dr. Wilhelm Matull, Düs-
c) Arbeiten auf dem Gebiete seldorf: „Die Vorgänge im Jah-
der Geschichtsforschung zu re 1933“; Prof. W. Mommsen,
fördern und bei deren Veröf- Marburg: „Der Kampf um das
fentlichung mitzuwirken, Bismarckbild“; Prof. von Rau-
d) das Interesse an der Erfor- mer, Münster, „Friedensgedan-
schung der Geschichte zu ken im alten Europa, 1500–
wecken und zu fördern, ins- 1800“; Prof. P. E. Schramm,
besondere Vorträge über die Göttingen: „Hoheitszeichen des
Geschichte unseres engeren deutschen Mittelalters“; Dr.
Heimatgebietes zu veran- Wilhelm Schulte, Ahlen: „West-
stalten, falen als politische Propheten
e) die Schulen mit geeignetem vor 100 Jahren“.
Material zur Belebung des
heimatlichen Geschichts- Da die Lüdenscheider Volks-
unterrichtes zu versehen, hochschule und andere aufkom-
f) allgemein interessierende mende Bildungseinrichtungen
Arbeiten über Familien-, in der Stadt ähnliche Vorträge
Hofes-, Industrie- und Wirt- anboten, luden Geschichtsver-
schaftsgeschichte zu veröf- ein und Volkshochschule seit
fentlichen. Anfang der 1960er Jahre zu
Gemeinschaftsveranstaltungen
ein. Prof. Schieder, Köln,
Die unterschiedlichen Auffas- sprach über „Die Nationalstaa-
sungen konnten so einander an- ten im 19. Jahrhundert“, Prof.
geglichen werden, dass für die W. Mommsen, Marburg, über
Forschung wissenschaftliche „Deutschland und England in
Grundsätze gelten sollten, für den letzten hundert Jahren“,
die Geschichtsdarstellung und und Dr. W. Eicke vom Institut
-vermittlung aber Gemeinver- Fabrikant Oskar Eduard Hueck, Vorsitzender 1956–1962. Francais und Istituo Italiano,
ständlichkeit angestrebt wurde. Foto: Stadtarchiv Lüdenscheid Köln, über „Machiavelli und
Einig war sich die Versamm- Montesquieu – ein Vergleich
lung auch über drei weitere nern, und zwar: Georg-Frie- Verein für Westfälische Kir- Reihe mit „nur“ geschichtlich beider Staats- und Geschichts-
Punkte: drich Arning, Karl Diemer, chengeschichte. Interessierten am runden Tisch auffassungen“. Aber schon in
Oskar Eduard Hueck, Otto Hüs- zusammen. Hier werden im Zu- der Mitgliederversammlung im
1. Als Arbeitsgebiet wurde zu- mert, Wilhelm Sauerländer, Für die Planungen der Vereins- hören, in Frage und Antwort, im März 1963 wurde Kritik laut.
nächst die Stadt Lüden- Friedrich Scheffel und Herbert tätigkeit wurde ein Beirat ge- Widerspruch und im Beifall ge- Man betonte, die „Ehe“ mit der
scheid und der südwestliche Vollmann. Den Vereinsvorsitz bildet, der zunächst von Wil- schichtliche Kenntnisse ver- Volkshochschule zwar fortzu-
Teil des Kreises Altena vor- übernahm Fabrikant Oskar helm Sauerländer, dann nach mittelt und geschichtliche Bil- setzen, sich aber dennoch wie-
geschlagen, damit waren Eduard Hueck. Sein Stellvertre- dessen Tod ab Juni 1968 von dung gewonnen und verstärkt. der mehr der Heimatgeschichte
vornehmlich die Ämter Lü- ter wurde Dr. Herbert Voll- Dr. Walter Hostert geleitet wur- zuzuwenden.
denscheid, Halver, Kierspe mann, Schriftführer Rechtsan- de. Dieser Beirat entfaltete eine Im April 1981 übernahm Dr.
und Meinerzhagen sowie die walt Georg Friedrich Arning. rege Tätigkeit. Herbert Voll- Günther Deitenbeck die Lei- In den 1970er Jahren richtete
Gemeinde Herscheid ge- Als Obmann des Beirates wur- mann schrieb in einem Beitrag tung des Beirates, im Septem- der Geschichtsverein, wieder
meint. de Wilhelm Sauerländer in den im „Märker“ (1959, Heft 3, S. ber 2000 Rainer Assmann. Der gemeinsam mit der Volkshoch-
2. An der Arbeit des Ge- Vorstand gewählt. Am 11. Juni 114/115): Beirat verlor aber an Bedeutung schule, das Geschichtliche Fo-
schichtsvereins sollten sich 1956 trug das Amtgericht Lü- und kam in den letzten Jahren rum für Senioren ein. Die Ver-
nicht nur die Altbürger betei- denscheid unter der Nr. 244 den Bei diesen Sitzungen [des Bei- überhaupt nicht mehr zusam- anstaltungen wurden auf den
ligen, sondern gleicherma- Lüdenscheider Geschichtsver- rates] sind alle Mitglieder des men. Nachmittag gelegt, um ältere
ßen die Ostvertriebenen, die ein in das Vereinsregister ein. Vereins und auch Gäste will- Menschen als Zielgruppe anzu-
in Lüdenscheid ihre zweite kommen; diese Sitzungen sind Mit seinem Vortragsdienst sprechen. Das in der Regel wö-
Heimat gefunden hatten. Der Verein sah in der Förderung das Herzstück der Arbeit des konnte der Verein die weite chentlich stattfindende Ge-
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Im August 1956 erschien die er- und Ratsherrn Walter Hostert schöpfte, kritiklos Nachrichten
ste Ausgabe des Publikationsor- über seine Dissertation zum älterer Geschichtsschreiber neu
gans des Vereins, die Ge- Thema Die Entwicklung der abzudrucken. Eine Förderung
schichtsblätter für Lüdenscheid Lüdenscheider Industrie vor- der reichen heimischen Ge-
Stadt und Land „Der Reidemei- nehmlich im 19. Jahrhundert schichte war auf diesem Wege
ster“. Bis heute wird „Der Rei- eröffnet worden. Bereits einen nicht zu erwarten.
demeister“ als Zeitungsbeilage Tag vorher hatte der Vorsitzen-
der „Lüdenscheider Nachrich- de Oskar Eduard Hueck Ho- So kam es, daß die Kräfte, die
ten“ herausgegeben. Man woll- sterts Arbeit in den „Lüden- schon dabei waren, neue Wege
te zum einen geschichtlich scheider Nachrichten“ rezen- zu gehen und vor allem die un-
interessante Vorträge abdru- siert und dem Verfasser hervor- gehobenen Schätze der Archive
cken, zum anderen die örtliche ragende Einfühlungsfähigkeit auszuwerten, sich zusammen-
Geschichte unmittelbar spre- und ungeheure Sorgfalt bestä- schlossen in einen Verein, der es
chen lassen, also Archivalien, tigt. Dieser Beitrag zur Stadtge- als seine vornehmste Aufgabe
Dokumente und Urkunden ver- schichte könne jedem, der sich erklärte, „die Geschichte der
öffentlichen und erläutern. Die für die Vergangenheit interes- Stadt und der Umgebung nach
Schriftleitung übernahm zu- siert, nur empfohlen werden. wissenschaftlichen Grundsät-
nächst Wilhelm Sauerländer, Die Versammlung beschloss zur zen zu erforschen.“ So § 2 der
seit dessen Tod am 28. Mai Erweiterung des Vorstandes von Satzung. Damals ist unverkenn-
1967 Dr. Walter Hostert. Beide vier auf fünf Mitglieder eine bar ein neuer Anfang gemacht
Schriftleiter haben sich stets be- Satzungsänderung. In das neu- worden, der zu auffallend
müht, das hohe Niveau der Ge- geschaffene Vorstandsamt ge- reichen Ergebnissen geführt
schichtsblätter zu halten, wenn wählt wurde Dr. Walter Hostert. hat. Der Durchbruch der Lü-
möglich noch zu verbessern. denscheider Historiographie-
Im Jahr 1962 musste Oskar geschichtsschreibung zum aner-
In den 50 Jahren seines Erschei- Eduard Hueck aus Altersgrün- kannten Stand der wissen-
nens hat „Der Reidemeister“ in den sein Vorstandsamt niederle- schaftlichen westfälischen Ge-
Lüdenscheid und darüber hin- gen. Er blieb bis zu seinem To- schichtsforschung – ist mit der
aus Beachtung und Anerken- de am 29. Oktober 1966 dem Organisation und Gründung
nung gefunden. Regelmäßig Verein als Ehrenvorsitzender des Vereins garantiert.
geht er an auswärtige Archive, eng verbunden. Neuer Vorsit-
wissenschaftliche Institute, zender wurde Dr. Herbert Voll- Als Wilhelm Sauerländer am
Universitäten, befreundete Ge- mann, sein Stellvertreter Fabri- 28. Mai 1967 starb, verlor das
schichts- und Heimatvereine kant Peter Robert Plate aus Brü- kulturelle Leben der Stadt eine
sowie interessierte Einzelperso- ninghausen. hochgeschätzte Persönlichkeit,
nen außerhalb des Verbreitungs- die Regional- und Stadtge-
gebietes der „Lüdenscheider Bereits in der Mitgliederver- schichtsschreibung ihren Nestor
Nachrichten“. Auf das Jubi- sammlung am 23. April 1964 sowie der Lüdenscheider Ge-
Landgerichtsdirektor Dr. Herbert Vollmann, läum „50 Jahre – Der Reide- zog Wilhelm Sauerländer eine schichtsverein seinen Initiator
Vorsitzender 1962–1965. meister“ wird in der zum Au- positive Bilanz der Vereins- und Mitbegründer. Walter Ho-
Foto: privat gust geplanten Festausgabe gründung. Er erinnerte daran, stert würdigte Sauerländer und
noch näher einzugehen sein. daß eine unkontrollierte und sein Werk im Reidemeister vom
schichtliche Forum hat seither Schloss Neuenhof oder zu den unkontrollierbare sogenannte 5. März 1968 ausführlich. Den
unter Leitung von Horst Römer Rennfeuerhütten rund um Lü- Bereits in der Mitgliederver- Heimatforschung sich darin er- wissenschaftlichen Nachlass ih-
in großer Kontinuität mit seinen denscheid, als auch in die wei- sammlung am 16. Januar 1957
Vorträgen und Gesprächen Zu- tere Umgebung als Burgen- in der Concordia konnte der
sammenhänge zwischen der oder Kirchenfahrten, zu den Vorsitzende mitteilen, dass die
Lüdenscheider Stadtgeschichte, Schlössern Krottorf, Gimborn, Mitgliederzahl auf 97 gestiegen
der Landesgeschichte des rhei- Kappenberg, Nordkirchen oder war. Wilhelm Sauerländer be-
nisch-westfälischen Raumes Siegen, zu den Wasserburgen tonte noch einmal die Aufgabe
und der deutschen Geschichte des Münsterlandes usw. „Hier des Vereins, ein Geschichtsbe-
hergestellt. Dazu kamen immer kann an Ort und Stelle auch der wußtsein in diese Landschaft zu
wieder Sondervorträge aus zeit- Einfluß von Natur und Land- bringen. Es stehe ein weites
lich und geografisch anderen schaft auf die Geschichte stu- Feld offen, das praktisch unbe-
historischen Bereichen. diert werden. Daß dabei die baut sei und der Kultivierung
landschaftliche Schönheit der bedürfe. In der Mitgliederver-
Als dann aber nach vielen Jah- Heimat miterlebt wird, betrach- sammlung am 11. Februar 1960
ren der Geschichtsarbeit Dia- tet der Verein als wesentliches im Glatzer Saal des Stadthauses
vorträge, wie z. B. über „Die Element der Heimatpflege“ legte Georg Friedrich Arning
Dolomitenhochstraße“, „Ägyp- (Herbert Vollmann im „Mär- sein Amt als Schriftführer nie-
ten von Kairo bis Abu Simbel“ ker“, 1959, Heft 3). der. Zu seinem Nachfolger wur-
oder „Südafrika“, den eigentli- de Studienrat Friedrich Scheffel
chen Auftrag des Lüdenschei- Seit Mitte der 1970er Jahre lag gewählt.
der Geschichtsvereins etwas in die Vorbereitung und Durchfüh-
den Hintergrund zu rücken droh- rung der Exkursionen bei Horst Eine rege Diskussion entspann
ten, wurde eine Neuausrichtung Römer, der ein intensives Pro- sich auf Grund der Anregung
unausweichlich. Der gute Ge- gramm entwickelte und wäh- von Wilhelm Zuncke, Magi-
danke einer festen Veranstal- rend des Sommerhalbjahres stratsrat a. D., der Geschichts-
tungsreihe für Senioren hatte, monatlich historisch und lan- verein möge eine leicht faßlich
nachdem andere Vereinsaktivi- deskundlich interessante Ziele geschriebene, aber hieb- und
täten fortgefallen waren, auf Dau- ansteuerte. Dabei blieb wohl stichfeste, kurzgefaßte Ge-
er allerdings eine Überalterung kein wichtiger Ort ausgespart, schichte unserer Bergstadt vor
der Mitgliedschaft zur Folge. der innerhalb einer Tagesexkur- allem für die Schulen, aber auch
sion von Lüd nscheid aus er- für die Bürger erstellen.
Jedenfalls gelang es dem Verein reichbar war. Die Mitglieder
in den letzten Jahrzehnten nicht dankten es durch ihre regelmä- Diese Anregung wurde in der
mehr, sich um die junge Gene- ßige Teilnahme und einen stets Mitgliederversammlung am 22.
ration aktiv zu bemühen. voll besetzten Bus. Leider mus- März 1961 aufgegriffen. Man
ste Horst Römer die Organisa- einigte sich, zum Westfalentag
Zum festen Programm des Ge- tion und Leitung der Exkursio- im September in Lüdenscheid
schichtsvereins gehörten von nen nach 20 Jahren altersbe- einen mit gutem Bildmaterial
Anfang an die Exkursionen. Sie dingt aufgeben. Da sich ein versehenen, erweiterten Pro-
standen zunächst unter Leitung Nachfolger nicht fand, bedeute- spekt von historischem Charak-
von Walter Hostert und führten te das auch das Ende der Exkur- ter herauszubringen. Die Ver- Wirtschaftstreuhänder Friedrich Jäger,
sowohl in die unmittelbare Nä- sionen im Lüdenscheider Ge- sammlung war mit einem Vor- beeid. Buchsachverständiger, Vorsitzender 1965–1981.
he der Stadt, so z. B. zum schichtsverein. trag des neugebackenen Doktor Foto: Stadtarchiv Lüdenscheid
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res Gatten schenkte die Witwe wurde in Personalunion Vorsit- Das Geschichtliche Forum wird der Verschmelzungsvertrag und Der Verein hat neben seinen
der Stadt Lüdenscheid. zender auch des Geschichtsver- vom Arbeitskreis für Stadtge- die neue Satzung des Ge- Geschichtsblättern „Der Reide-
eins. Stellvertretender Vorsit- schichte verantwortet und von schichts- und Heimatvereins meister“ keine Bücher heraus-
In der Mitgliederversammlung zender wurde Prof. Günter Prof. Spies geleitet. Daneben Lüdenscheid e. V. einmütig und gegeben. Aber wichtige Publi-
am 31. März 1965 im Biologie- Spies. Am 20. März verabschie- treten in unregelmäßiger Folge einstimmig beschlossen, so kationen sind durch seine Ar-
raum des Zeppelingymnasiums dete der neue Vorsitzende sei- stadtgeschichtliche Vorträge in dass die schon bei der Grün- beiten und Initiativen, durch die
erklärte Dr. Herbert Vollmann, nen Vorgänger und stellte die den Abendstunden im Stadtmu- dung angestrebte Zusammenar- Autoren aus den Reihen des
wegen beruflicher und ehren- Verdienste Horst Römers um seum. beit nun in eine gemeinsame Geschichtsvereins entstanden.
amtlicher Überbelastung sein den Lüdenscheider Geschichts- Arbeit in einem Verein münde-
Amt als Vorsitzender niederle- verein heraus, der nicht nur Das Exkursionsprogramm wur- te. Unter der Nr. 429 wurde der Verwiesen sei auf die von Wil-
gen zu müssen. Als neuen Vor- über 22 Jahre der Vorsitzende, de mit einer Fahrt zu den roma- Geschichts- und Heimatverein helm Sauerländer herausgege-
sitzenden wählten die Mitglie- sondern über 38 Jahre die „Seele nischen Kirchen in Köln wieder Lüdenscheid am 26. Juli 2005 benen „Lüdenscheider Ge-
der Wirtschaftstreuhänder Frie- des Vereins“ gewesen sei. aufgenommen. In diesem Jahr in das Vereinsregister beim schichtsquellen und Forschun-
drich Jaeger, der von November sind Exkursionen zu den roma- Amtsgericht Lüdenscheid ein- gen“: Band 1, „Das Stadt- und
1952 bis November 1954 Bür- Mit Rundschreiben vom 30. nischen Kirchen im Märkischen getragen. Gildebuch“, 1954; Band 2,
germeister unserer Stadt gewe- August 2003 an alle Mitglieder Kreis, zu den Kaiserdomen in „Die Brandakte von 1723“,
sen war. Für den gleichzeitig schlug der Vorsitzende vor, den Mainz, Worms und Speyer, zur Der neu gebildete Vorstand 1958; Band 3, „Lüdenscheid
ausscheidenden Friedrich Geschichtsverein und den Hei- Canossa-Ausstellung in Pader- setzt sich wie folgt zusammen: zur Amtszeit des Bürgermeisters
Scheffel wurde Horst Römer matverein zusammenzulegen born und ins Kurkölnische Sau- Vorsitzender Hartmut Wald- Johann Jakob Friedrich Kob-
zum Schriftführer gewählt. und beide Vorstände zu einem erland vorbereitet. Im Jahr 2004 minghaus, stellv. Vorsitzender be“, 1960, oder den Sonder-
Vorstand zu vereinen. In einer gab der Geschichts- und Hei- Dr. Dietmar Simon, Schatzmei- band: Dr. Walter Hostert, „Die
Eine weitere Veränderung im Zeit, in der das Reservoir ehren- matverein das Buch heraus: ster Udo Lütteken, Geschäfts- Entwicklung der Lüdenscheider
Vorstand ergab sich am 6. Juni amtlichen Engagements und fi- Paul Derks: „Die Siedlungsna- führer Stefan Frenz, Beisitzer: Industrie vornehmlich im 19.
1968, als Frau Annerose nanzieller Ausstattung begrenzt men der Stadt Lüdenscheid – Dieter Dzewas, Friedrich Karl Jahrhundert“, 1960.
Brauckmann für den ausschei-
denden Peter Robert Plate zur Hingewiesen sei auch auf die
stellvertretenden Vorsitzenden von der Stadt Lüdenscheid her-
und Fabrikant Werner Constan- ausgegebenen Bände zur Stadt-
tin für Dr. Walter Hostert als geschichte: Wilhelm Sauerlän-
Beisitzer gewählt wurden. Ho- der, „Geschichte der Stadt Lü-
stert übernahm die Leitung des denscheid von den Anfängen bis
Beirates und blieb in dieser zum Jahre 1813“, 1965; Günt-
Funktion Mitglied des Vorstan- her Deitenbeck, „Geschichte
des. Jäger nahm die Aufgabe der Stadt Lüdenscheid 1813 -
des Vorsitzenden über 16 Jahre 1914“, 1985, und die überarbei-
wahr, bis er in der Mitglieder- tete neue Auflage Wilhelm Sau-
sammlung am 2. April 1981 erländer / Günther Deitenbeck,
sein Amt aus Altersgründen „Geschichte der Stadt Lüden-
niederlegte. An seiner Stelle scheid von den Anfängen bis
wurde Horst Römer zum Vorsit- zum Jahre 1813“, 1989, sowie
zenden gewählt, der bereits seit auf das im Jahr 2005 erschiene-
einigen Jahren die Hauptlast der ne „Lüdenscheider Knopfbuch“
Vereinsarbeit getragen hatte. von Walter Hostert, „Uniform-
knöpfe – Im Frieden wie im
Die Versammlung wählte Dr. Krieg“.
Günther Deitenbeck zum Ob-
mann des Beirates, Ingrid Wei- Trotz schöner Erfolge und
land zur Schriftführerin und an wichtiger Fortschritte, die Auf-
Stelle des aus Altersgründen gaben des Lüdenscheider Ge-
ausscheidenden Werner Con- schichtsvereins sind noch nicht
stantin den Kustos des Mu- erledigt, seine Arbeit ist noch
seums der Stadt Lüdenscheid nicht abgeschlossen. Weite Fel-
Reinhold Tuchel zum Beisitzer. der für künftiges Wirken sind
Der Beschluss, das vom Verein die Erforschung und Darstel-
bisher pragmatisch gehandhab- lung der Geschichte für das
te Problem der Kassenführung ehemalige Kirchspiel Lüden-
durch satzungsmäßige Erweite- scheid, das ehemalige Gebiet
rung des Vorstandes um einen Lüdenscheid-Land, von den
Schatzmeister zu lösen, wurde Anfängen bis zur Raumordnung
allerdings nie umgesetzt. Horst der 1960er und 1970er Jahre,
Römer nahm die Aufgabe des ebenso wie die Fortsetzung der
Vorsitzenden bis zum 31. März Stadtgeschichte Lüdenscheids
2003 wahr, zugleich blieb er beginnend mit dem Jahr 1914
Geschäfts- und Kassenführer, Dipl. Ing. Horst Römer, Architekt BDB, Vorsitzender 1981–2003. bis in die Gegenwart.
Leiter des Geschichtlichen Fo- Foto: privat
rums und - bis Mitte der 1990er Der Geschichts- und Heimat-
Jahre – Organisator der Vereins- sei, sollten die Vereine zu- Sprachliche und geschichtliche Schmidt, Dr. Arnhild Scholten, verein wird sich dieser Aufga-
exkursionen. sammengehen, zumal sie zum Untersuchungen“. Im letzten Prof. Günter Spies, Reinhold ben im Rahmen seiner Mög-
Teil übereinstimmende Ziele Jahr eröffnete der Verein eine Tuchel und Ingrid Weiland. lichkeiten stellen und wie in
Im August 2001 verabredeten verfolgten. neue Buchreihe „Lüdenscheider den vergangenen 50 Jahren en-
die Vorstände des Lüdenschei- Geschichts- und Heimatbeiträ- Der Geschichtsverein hat in gagierter Vereinsarbeit ge-
der Geschichtsvereins und des Die Mitgliederversammlung am ge“. Als Band 1 dieser Reihe er- fünf Jahrzehnten nicht nur zur schichtliche Fragestellungen
Heimatvereins Lüdenscheid, 29. Januar 2004, an der nur schien: Dietmar Simon: „April Aufarbeitung der Lüdenschei- aufgreifen, Projekte und For-
die Zusammenarbeit zu intensi- noch zwölf Mitglieder teilnah- 45 – Das Ende des Zweiten der Stadtgeschichte beigetra- schungsaufträge anregen, und
vieren und im Arbeitskreis für men, stimmte der Zusammenle- Weltkrieges in Lüdenscheid“. gen, sondern sie überhaupt erst nicht nachlassen in dem Bemü-
Stadtgeschichte zu koordinie- gung zu. Nachdem auch der angestoßen und auf den Weg hen, das Geschichtsbewusstsein
ren. Ein Jahr später kündigte Heimatverein die Fusion billig- Kontakte und Zusammenarbeit gebracht. Selbstverständlich zu stärken und das kulturelle
Horst Römer an, sein Vorsitzen- te, wurde die gemeinsame Ar- mit den Schulen und mit dem sind auch schon in den Jahr- Leben in unserer Stadt auf man-
denamt altersbedingt abzuge- beit aufgenommen. Die Veran- Stadtjugendring wurden ver- zehnten vorher Fragen der Hei- nigfache Weise zu bereichern.
ben. staltungsreihe des Geschicht- stärkt, Schulprojekte, Kinder- matgeschichte erörtert und ist
lichen Forums wurde, jetzt und Jugendwettbewerbe erfolg- an ihrer Lösung gearbeitet wor- Lüdenscheid, im Februar 2006
Die Mitgliederversammlung am 14tägig, neu ausgerichtet, zu- reich durchgeführt. den. Aber der eigentliche Auf-
23. Januar 2003 wählte darauf- nächst in der Medardusschule, bruch setzte doch erst mit der Hartmut Waldminghaus,
hin zwei neue Vorsitzende. ab Herbst 2005 in dem neu in In einer gemeinsamen Mitglie- Gründung des Lüdenscheider Vorsitzender des Geschichts-
Hartmut Waldminghaus, der der Kerksighalle untergebrach- derversammlung beider Vereine Geschichtsvereins ein. und Heimatvereins Lüden-
Vorsitzende des Heimatvereins, ten Stadtarchiv. am 23. Februar 2005 wurden scheid e. V.
1332
Chronologische Auflistung der bekannten Abstürze feindlicher
Flugzeuge im und um das Stadtgebiet von Lüdenscheid im 2.WK
2.Teil
Erforscht und zusammengestellt von Edgar Schlimm nach Dokumentationen und Zeitzeugenberichten
1945:
Amerikanischer
Jabo-Angriff auf den
Bahnhof Brügge
Im März 1945 wurde der
Bahnhof Brügge an der stra-
tegisch wichtigen Bahnver-
bindung durch das Volmetal
Ziel amerikanischer Jagd-
bomberangriffe.
Absturzort:
Othlinghausen-Felde, direkt
oberhalb des Steinbruchs Lö-
senbach neben dem Weg im
Wald;
Der Flugplatz Asch, Belgien mit dem amerikanischen Codenamen „Y-29“.
Flugzeugtyp: Von hier aus starteten die Jäger auch zum Angriff auf Brügge. Das zeitgenössische Foto zeigt zwei P-47 der 512th FS mit den Staf-
1-motoriger Jagdbomber (Jabo) felfarben: gelbe Frontpartie mit olivfarbenem Blendstreifen, rot-blau-gelbe Leitwerksmarkierung, Kennung L3… Im Vordergrund
die für kommende Einsätze vorgesehenen Fliegerbomben, sowie ein Feuerlöscher ist zu sehen.
Hersteller:
Republic Airplane Factory,
Farmingdale, State of New York Name und Nationalität Richtung Hagen geschoben
der Flugzeugbesatzung: worden, um ihn vor den Tief-
Typenbezeichnung: 1st Lt. Cunningham, William fliegerangriffen zu schützen;
P-47D -25-RE „Thunderbolt“ Alexander, U.S.A.A.F, MIA, Munition, die auf dem Zug ge-
Werknummer 42-26661 Serial No. 0770194 laden war, hätte durch Detona-
tion schwere Verwüstungen in
Nationalität des Flugzeugs: Erläuterung: MIA = Missed In Brügge verursacht.
amerikanisch Action (im Einsatz vermisst)
Auf diesem Zug soll sich auch
Einheit: Am 14. März 1945 soll sich ein ein leichtes Flakgeschütz be-
406th FG beladener Güterzug im Bahnhof funden haben.
(FG = Fighter Group = Jagdge- Brügge befunden haben . Der Ein Soldat dieser Flakmann-
schwader), Zug war nach Zeugenaussagen schaft hat nach Vermutung von
512th FS hinter Brügge in den Tunnel Zeitzeugen die Waffe klarge-
(FS = Fighter Squadron = Jä-
gerstaffel)
9th Airforce
Kennung: L3 T
1333
Cunningham (vorne links) auf einemFeldflugplatz mit den Ka-
meraden Walter „Greek“ Diamanti (vorn rechts) Mike Darrough
(verdeckt), Ed Volts (hinten rechts)
macht und die P-47 unter Be- wir sogar die Piloten erkennen.
schuss genommen. Mein Großvater sagte: „…wenn
wir jetzt ein Maschinengewehr
Die amerikanischen Piloten hätten, wäre es ein Leichtes, die
konnten selbst keine Aussage Flugzeuge abzuschiessen…“.
über die Art des Beschusses Jetzt konnten wir das Rattern
oder die Position eines Ge- schwerer Bordkanonen hören
schützes machen. Die offizielle und wenig später kamen die
Verlustmeldung durch 2nd Lt. Flugzeuge ein drittes Mal zu-
Emerson Berical (MACR=Mis- rück.
sing Air Crew Report) gibt le-
diglich den Abschuss an. Nach diesem dritten Durchgang
kam eine einzelne Maschine der
Zum Hergang: Vierergruppe jetzt aus einer an-
deren Richtung, so mehr aus
Die Jagdbomber der 512nd FS Oberbrügge. Sie schien Proble-
führten die Angriffe auf die me zu haben, qualmte und ver-
Gleisanlagen aus Richtung lor an Geschwindigkeit, wäh-
Kierspe in Richtung Hagen rend der Pilot zugleich versuch-
durch und zogen dann etwa im te, Höhe zu gewinnen. Wir
Raum der Ortschaft Stephan- konnten beobachten, wie sich
sohl in einer Steilkurve wieder plötzlich ein Knäuel von dem
hoch, um zum nächsten Angriff Flugzeug löste, als das Flug-
einzukurven. Dieser erfolgte zeug den höchsten Punkt er-
nach einem weiteren Wendema- reicht hatte, und kurz darauf
növer etwa auf Höhe der ehe- öffnete sich schon ein weißer
maligen Hettesheimer-Tank- Fallschirm.
stelle in Oberbrügge.
Hier die originale Skizze des MACR verfasst von Emerson Berical, die die Situtation beschreibt: Der abgesprungene Flieger kam
man erkennt die Bahnlinie durch das Volmetal mit den Angaben (links) „Brugge, Ahelle“, (rechts) Dabei überflogen die P-47 etwa im Gebiet Ziegenkopf/
„Ludenscheid, Mintenbecke“, sowie „Area bailed out“ (Absprunggebiet) mit Hinweis auf das be- „Thunderbolt“ (Thunderbolt = Brügger Höhe/Friedhof herun-
treffende Areal. Die Angaben zeigen, wie detailliert das Kartenmaterial der Amerikaner war! Un- „Donner“, „Blitzschlag“, „Don- ter. Sein Fallschirm verfing sich
ten rechts der Stempel „Confidential“ (Geheim!), welcher inzwischen längst aufgehoben wurde. nerkeil“) die Brügger Höhe an einem Baum. Der Pilot hatte
(heute Stüttinghausen) und eigentümlich helle Sachen an,
schwenkten wieder auf das so, als ob er zum Sport hätte ge-
Bahnareal von Brügge ein. hen wollen. Wir hätten ihn sonst
Zunächst wurden mitgeführte nicht gegen die dunklen Bäume
Sprengbomben gezielt auf erkennen können. Der Fall-
Gleisanlagen und Umgebung schirm wurde dann herunterge-
geworfen. zogen, aber der Flieger war nun
nicht mehr zu sehen. Er hatte
Ein Zeuge berichtete: „Wir sich vermutlich versteckt oder
wollten zu Fuß zur Verwandt- war geflüchtet.“
schaft Richtung Kierspe. Die
Benutzung der Bahnlinie war Bei dem abgeschossenen Ame-
mittlerweile zu gefährlich und rikaner handelte es sich um 1st
auch auf den Straßen wurde *Lt. William Alexander Cun-
man beschossen. So beschlos- ningham. Cunningham startete
sen wir, durch die Wälder über als Staffelführer mit seiner Staf-
Thinghausen/Wesselberg zu ge- fel, der 512th FS, vom belgi-
hen. Wir waren damals auf der schen Flugplatz Asch (amerika-
Brügger Höhe und sahen plötz- nischer Codename Y-29) nahe
lich vier Tiefflieger eben über der Grenze zu einem bewaffne-
diese Höhe kommen und Rich-
tung der Ortschaft Brügge ein-
schwenken. Kurz darauf hörten
wir starke Detonationen und
dort, wo Brügge lag, war alles
in Rauch- und Staubwolken ge-
hüllt, so dass wir nicht mehr
viel erkennen konnten.
Die Angreifer kamen ein weite- Das Modell der „L3-T“,
res Mal über die Brügger Höhe welches er heute noch besitzt.
Der heutige Bahnhof in Brügge mit Blick von der Brücke auf das Reiterstellwerk Richtung Kier- gekurvt. Durch unseren erhöh-
spe war am 14. 3. 1945 Ziel der Jabo-Attacken. Aus dieser Richtung kommend sind die Angriffe ten Standort und die steile Kur-
geflogen worden. Mancher Brügger erinnert sich noch. venlage der Maschinen konnten Erläuterung: *Lt.=Lieutenant
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Die Squadron war in vier sog. zung durch den Dortmunder bulligen Form nannte man die-
„Flights“ unterteilt: A, B, C und LuftfahrthistorikerHorst Mün- sen Flugzeugtyp auch „Jug“
D. ter konnte der Verfasser seine (Kruke, Milchkrug). Böse Zun-
Nachforschungen aufnehmen gen behaupten, der Spitzname
Cunningham führte am und den Sachverhalt aufklären. „Jug“ käme von „Juggernaut“,
14.03.1945 den „D-Flight“. einem hässlichen Ungeheuer,
Außer Cunningham nahmen Der Verfasser bekam nach in- weil das Flugzeug so klobig
2nd Lt. Emerson Berical und tensiver Suche im Jahr 2001 aussah…
George Chinn an diesem Ein- Kontakt zu William Cunning-
satz teil. Der Name des vierten ham über die Traditions-Websi- Die „Thunderbolt“ besaß eine
Piloten ist dem Verfasser nicht te der 406th FG. Seither hat er Bordbewaffnung bestehend aus
bekannt. ein sehr freundschaftliches Ver- 2 x 4 schweren 12,7mm Brow-
hältnis zu Cunningham’s Fami- ning MGs in den Tragflächen
Berical schrieb den Verlustbe- lie. Dieser lebt in Kalifornien. und einer zusätzlichen Mög-
richt zum Abschuss von Cun- lichkeit, im Sturzflug Bomben
Cunningham im Cockpit ningham und fertigte dazu eine Nach erstem vorsichtigem „Be- abzuwerfen. Also war sie ein
seiner P-47 „Thunderbolt“ Handskizze vom Einsatz- und schnüffeln“ per e-mail nahm Jäger + Bomber= Jagdbomber
Absturzgebiet nach Planquadra- zunächst der jüngste Sohn Dan (kurz Jabo) in einem und bei
ten Aufklärungsflug (bezeich- ten auf seiner Fliegerkarte an. den Kontakt zum Verfasser auf. der Bevölkerung gefürchtet. Im
net als „Armed Recce“ [Recce Er berichtet in seinem Report: Aber nach kurzer Zeit gab der Luftkampf überzeugte sie durch
= Reconaissance = Aufklärung]) jetzige „Colonel retired“ überraschende Wendigkeit und
gegen die Bahnanlagen von „Wir waren gerade damit fertig, (Oberst a. D. im Ruhestand) be- Steigleistung. Auch im Sturz-
Brügge. Ihr Auftrag war, takti- den Güterbahnhof im Norden reitwillig Auskunft über Einzel- flug konnte es kaum ein anderes
sche Ziele wie Verkehrsknoten- der Stadt Brügge, Deutschland, heiten seines Fliegerlebens und Jagdflugzeug mit ihr aufneh-
punkte, Bahn-, Verlade- und zu bombardieren. Im Anschluss Der Zeitungsausschnitt zeigt des Angriffes auf Brügge. men. Zudem war sie äußerst ro-
Industrieanlagen, Flugplätze, daran führte Cunningham mit Cunningham in den 60er Jah- bust und konnte eine Menge
Kampffahrzeuge, und anson- uns Bordwaffenangriffe gegen ren mit dem Modell seiner Sein Interesse am Fliegen be- verkraften. Der Motor besaß ei-
sten Gelegenheitsziele (targets abgestellte Bahnwaggons, um- Thunderbolt, das er bis heute gann – wie bei fast allen Flie- nen sogenannten „Superchar-
of opportunity) anzugreifen. herstehende Fahrzeuge und besitzt. gern – in frühester Jugend. Er ger“ (Abgas-Höhenlader), ähn-
Bahnanlagen durch. wuchs in Long Beach, Califor- lich wie bei heutigen Turbo-
Die 512th FS flog die Maschi- Westen nach Osten an und be- nien, auf. Seine Großmutter war Motoren. Dies war ein abgasge-
nen vom Typ Republic P-47-D Beim 3. Durchgang erhielt fand sich in einer Höhe von et- deutsch. Auf dem benachbarten triebener Verdichter, der die
„Thunderbolt“. Cunningham offenbar Treffer. wa 1,500ft=500m, als er aus- Flugplatz Dougherty Field (be- dünne Höhenluft komprimierte
Er griff in diesem Moment von stieg. Es war gegen 14.30 Uhr nannt nach dem Flieger und und dem Motor zur Gemisch-
am 14. März 1945. Gründer Earl Dougherty) über- aufbereitung zuführte. Dies gar-
nahm der junge Cunningham in antierte auch in großer Flughö-
Das Flugzeug schlug eine Mei- jeder freien Minute Gelegen- he ein Maximum an Motorlei-
le östlich des Güterbahnhofs heitsarbeiten auf dem Flugplatz stung. In normalen Flughöhen
auf. Cunningham trieb bis un- oder fegte die Halle, um zum wurde der Supercharger deakti-
gefähr anderthalb Meilen süd- Lohn ab und zu einmal mitflie- viert.
lich vom Aufschlagpunkt und gen zu dürfen. Earl Dougherty
landete in einem bewaldeten verunglückte tödlich bei einem Cunningham kam also zur 9th
Gebiet. Ich konnte nicht sehen, Flugunfall. So kam Cunning- Airforce, die im 2. Weltkrieg
was sein Flugzeug getroffen ham zur Fliegerei. mit strategischen Aufklärungs-
hatte. Die Sicht war gut und oh- flügen und u.a. Jaboangriffen
ne Wolken im Absturzgebiet.“ Später arbeitete er bei den ame- von sich Reden machte. Die
rikanischen Vultee Flugzeug- Tiefflieger waren überall ge-
Tatsächlich stürzte die unbe- werken, und meldet sich wäh- fürchtet („…die schossen auf
mannte Maschine oberhalb des rend des Krieges schließlich zur alles, was sich bewegte…“ ). Es
Steinbruches Lösenbach bei der Airforce. war 1945, und es war Krieg. Für
Ortschaft Felde ab. Im MACR- alle Seiten.
Bericht wurde Cunningham als Er kam zur 406th FG und wur-
vermisst eingetragen (Missed In de letztlich mit seinen Kamera- Bei dem Angriff am 14. 3. 1945
Action) eingestuft. Ebenfalls den nach England versetzt. Hier wurde Cunningham als einziger
der lapidare Hinweis „No se- bekam er den ersten Kontakt zu der 406th FG abgeschossen. Er
Cunningham auf dem Einsatzflugplatz Mourmelon la Grande, arch was made“ (es wurde kei- dem neuen, einsitzigen Jagd- berichtete:
Frankreich. Seine Einheit unterstützte u.a. General Patton’s ne Suche nach ihm eingeleitet). flugzeug P-47 Thunderbolt mit „Nach dem dritten Durchgang
Vormarsch Dies war auch nicht möglich. einem 2100PS starken Doppel- rief meinKamerad Emerson
sternmotor unter der gewaltigen „Em“ Berical plötzlich über
Dank der tatkräftigen Unterstüt- Motorpartie. Aufgrund seiner Funk, dass meine Maschine of-
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und zerstörten den Zug. Es wur- sich aus den Körben mit Souve- Später wurde Cunningham ge-
de niemand verletzt. nirs bedienen, Hauptsache sie beten, in einem Hotel in Lough-
blieben friedlich…“ lin, Colorado River, einen Vor-
Von nun an ging es zu Fuß wei- trag über die ganze Geschichte
ter und die verbrannten Beine Später lebte Cunningham mit bis heute vor interessiertem Pu-
begannen zu versteifen. Die seiner Familie einige Zeit in blikum zu halten. Dort haben
Engländer mussten ihn strek- Wiesbaden und flog im Korea- seine Frau und er eine Präsenta-
kenweise mit einem Notbehelf krieg noch 2-motorige Bomber tion der Fundstücke und der
Tragen. vom Typ B-25 „Mitchell“. ganzen Geschichte aufgebaut.
Dann war er in den U.S.A. In-
Bei seinem ersten Lazarettauf- strumentenausbilder und leitete Ein interessantes Detail zu der
enthalt wurden die Brandverlet- verschiedene Stützpunkte bevor abgeschossenen „Thunderbolt“
zungen gesäubert und banda- er in den Ruhestand ging ist noch zu erwähnen: üblicher-
giert. Nachts steckten ihm ein (Oberst a.D.). Jetzt lebt er in weise flog jeder Pilot eine ihm
paar Deutsche eine Flasche Californien und hat vier Söhne. zugeteilte eigene Maschine mit
Bier, etwasKäse und einen Ap- eindeutiger Kennzeichnung.
fel zu. Einer holte sein Rasier- Der Verfasser konnte dem rüsti- Cunningham’s P-47 hatte die
zeug und rasierte den Verletzten gen Veteranen einen sehnlichen Kennung „L3 W“
im Krankenbett. „You need a Wunsch erfüllen und einige
Detailansicht des gewaltigen „Double Wasp“ 18-Zyl.-Sternmo- shave, Wilhelm…,“ soll er ge- kleine Fundstücke seines dama- Die Maschinen der 406th FG
tors mit Luftschraube, wie er u.a. in der Thunderbolt verwendet sagt haben. Cunningham für- ligen Flugzeuges zusenden, gehörten zur 9th US Airforce
wurde. Er verlieh der relativ gedrungenen Maschine ungeahnte chete sich zuerst vor dem Ra- über die er sich sehr gefreut hat. (taktische Einsätze) und waren
Kräfte. siermesser des Fremden. Doch Cunningham’s Ehefrau Lois, bis auf die Staffelmarkierungen
schließlich wich die Furcht: es die im Übrigen die ganze Com- der Haube etc. alufarbig unlak-
war eine angenehme Prozedur. puterkommunikation mit dem kiertEs fanden sich allerdings
fenbar beschossen worden sei zuvor eine Bombe geworfen Verfasser unterhält, besaß den einige Teile mit grauer und oliv-
und Treffer erhalten hatte. Kurz hatte. Ich wurde zu dem Bom- farbener Lackierung. Das hatte
darauf züngelten auch schon benkrater geführt, wo Men- folgenden Grund:
Flammen von unten durch schen den Schutt beiseite räum-
die lederne Steuerknüppelman- ten. Sie beschimpften mich (auf wie Cunningham berichtete,
schette in die Kabine und brei- Details möchte der Verfasser flog er am 14. 3. 1945 nicht
teten sich aus. Gottseidank nicht näher eingehen, da schon seine reguläre Thunderbolt,
nahm die „waidwunde Krähe“ zuviel Zeit vergangen ist…). sondern eine Maschine aus der
noch Geschwindigkeit auf. In Ich spürte, dass es wohl Tote Flugbereitschaft, die eigentlich
der engen Kabine wurden gegeben hatte und fürchtete, von einem gewissen Don
zuerst meine Beine verbrannt, dass sie mich totschlagen wür- Wicker geflogen wurde. Diese
dann meine Hände und Arme, den, so wütend waren sie. Aus Maschine hatte die Kennung
schließlich auch das Gesicht. ihrer Sicht hätte ich wohl ge-
Trotz der entsetzlichen Schmer- nauso gehandelt, wie sie.“ „L3 T“
zen musste ich solange in der
brennenden Maschine verhar- Zu Cunningham’s Glück befrei- Wicker’s Maschine gehörte ur-
ren, bis ich genügend Höhe zum te ihn ein Major, der mit einem sprünglich einmal zur 8th US
Aussteigen mit dem Schirm Fahrzeug erschien, aus seiner Airforce, die für die schweren
hatte. Dann schob ich die Hau- Notlage. Er war offenbar zuvor Bombenangriffe während des
be zurück und ließ mich aus der an der Absturzstelle, denn er Zeitgenössisches Foto der „Kaserne Weißenburg“ am Schäfer- Krieges verantwortlich war.
Maschine fallen. Ich zog sofort trug einen Gurt 12,7mm Muni- land mit der Hauptwache (inzwischen zugunsten eines Neubau-
die Reissleine und nach ein- bis tion von Cunningham’s Wrack gebietes abgerissen). Man beachte das Gebäude links mit der Diese spezielle P-47 musste da-
zwei Schlenkern war ich bereits über der Schulter. Er brachte markanten 4-seitigen Turmuhr. Diese Turmuhr wurde übrigens mals in Frankreich notlanden.
unten. Ich wurde von einigen Cunningham zum Reservelaza- vor dem Abriss des Gebäudes ausgebaut und in das Lüdenschei- Sie wurde von Mechanikern der
Männern in Zivil in Empfang rett Baukloh in Lüdenscheid der Stadtmuseum gebracht. Dort ist sie in der Ausstellung zu se- 406th FG geborgen, repariert
genommen. Sie schienen sehr (Weißenburg Kaserne, später hen. und behielt ihre ursprüngliche
aufgebracht zu sein. Auf einen von belgischen Streitkräften be- olivgrüne (Oberseite) und graue
jungen Mann fiel ich fast genau zogen). Nach einer Reise ins Ungewisse Ehrgeiz, diese ganze Geschich- (Unterseite) Lackierung der 8th
drauf. Er zielte mit einem Ge- mit Hindernissen, Mühen, Qua- te in die lokale Presse zu brin- Airforce zurück. Lediglich die
wehr auf mich. Hier wurde Cunningham ohne len und Lazarettaufenthalten gen. Staffelkennzeichen und Farb-
Ich konnte meinen Fallschirm- ärztliche Behandlung die Nacht (u.a. wurde die verbrannte Haut Nach der Veröffentlichung mel- markierungen der 9th Airforce,
gurt nicht selbst öffnen, da ich über in eine vergitterten Arrest- entfernt. Die anschließend dete sich der lokale Fernsehsen- 406th FG, wurden ergänzt. Da-
zu sehr verbrannt war und bat zelle des Wachgebäudes (vorn trocknenden hautlosen Wund- der bei Cunningham und bat um her die olivgrünen Farbreste der
ihn, mir zu helfen. Keiner der am Eingang der Kasernenanla- bereiche bereiteten ihm unbe- eine kurze Fernsehberichterstat- Fundstücke. Eine Tarnlackie-
Männer trug eine Uniform, und ge) gesperrt. „Es war sehr kalt schreibliche Schmerzen) kam er tung bei ihm zu Hause. rung war 1945 nicht mehr not-
ich nahm an, sie waren „vom dort und meine Verbrennungen nach Wiesbaden. „Die sind mit riesigen Trucks wendig und so wurden die neu-
Volkssturm“. schmerzten höllisch!“ sagte er. und Sendeantenne hergekom- eren Maschinen der 406th FG
Die wütenden Männer führten Cunningham hörte im Kranken- men, und das ganze Haus ist auch nicht mehr lackiert. Daher
mich in einer Art Spießruten- „In den frühen Morgenstunden zimmer bereits die amerikani- voller Fernsehleute…“ schrieb blieben sie alufarbig.
lauf durch den Ort Brügge, in wurde ich zusammen mit einem schen Panzer durch die Straßen Mrs. Cunningham.
den einer meiner Kameraden weiteren amerikanischen Bom- rumpeln. Es konnte nicht mehr Es gibt eine Videoaufzeichnung
berpiloten (woher dieser zu der lange dauern, bis die ersten GIs von der Sendung.
Zeit stammte, ist dem Verfasser im Gebäude sein würden.
bisher nicht bekannt) auf ein Noch im Krankenbett wurde
Fahrzeug gebracht. Unterwegs Cunningham von den Deut-
wurden einige englische Flieger schen das Lazarett übergeben.
mit aufgeladen. Dann ging es zu „Ich wusste nicht, wie mir ge-
einem Bahnhof (wahrscheinlich schah!“ sagte Cunningham.
ebenfalls Brügge). Ich sagte ei- Aus Furcht vor Übergriffen auf
nem der Engländer, der etwas das Personal und Angehörige
Deutsch sprach, dass es zu ge- durch die vorrückenden Ameri-
fährlich sein würde, am Tage kaner übergab der diensthaben-
mit der Bahn zu fahren. Sobald de Kommandant des Lazaretts
der Zug gesichtet würde, wäre Cunningham kommissarisch
er ein Ziel für Jabos“. die Haushoheit und kapitulierte.
Alle Handfeuerwaffen wurden
Sie verließen den Zug etwa bei eingesammelt und in seinem
dem Haltepunkt Holzwipper Krankenzimmer in Körben de-
Richtung Marienheide. Mit den poniert.
Ein Teilnehmer des D-Flight: ersten Sonnenstrahlen kamen „Als US-Infanteristen das Laza- Cunningham mit seinem jüngsten Sohn Dan beim Öffnen des
George Chinn Kameraden von der 513th FS rett übernahmen, konnten sie Paketes mit einigen ausgwählten Fundstücken.
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Hier ein paar Beispiele von Fundstücken aus unterschiedlichen Bereichen der P-47:
Rest des
Höhenmessers
Originalstück der
gelblackierten
Motorhaube
Beweisstück Nr. 1:
das Typenschild des
Pratt&Whitney
„Double Wasp“
Sternmotors mit der
Seriennummer aus
dem MACR
Teil einer
Fahrwerksbremse /
Bremsbacke
Anlenkung
der Steuerruder
Rohrschelle der
Supercharger-
Abgasleitung
Bruchstück eines
der 18 Zylinder:
Kühlrippen nur noch
fragmentarisch
erkennbar
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Name und Nationalität:
Warren G. Myers, *KIA
amerikanisch
Serial No. T-63277
*Erläuterung: KIA = Killed In
Action (im Kampf gefallen)
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Schulte noch sich über die Wer- abgeladen. Später haben die das Am 13.12.1949 wurden Vertre-
dohler Landstraße zu retten. Altmetall für gutes Geld ver- ter einer amerikanischen
Man hatte die Flugzeuge bereits kloppt. Zum Dank gab es nur Dienststelle in Lüdenscheid
vorher bemerkt. Unmittelbar Sauerbier auf der Hochzeit…“ vorstellig und untersuchten die
darauf kam der Angriff. „Die „Der große Motor lag noch lan- Grabstätte bzw. den Zustand der
flogen so tief, dass man den Pi- ge an der Weide. Da waren sterblichen Überreste Myers’.
loten in die Augen sehen konn- furchtbar viele Schrauben dran, Diese Angaben stammen aus
te!“ und die Kolben hingen heraus.“ Dokumenten des Stadtarchivs.
Ein weiterer Zeuge sagte: „Wir Die Trümmer der explodierten Sie decken sich mit denen aus
flüchteten in die Keller der hin- Maschine sind bis vor das Bau- amerikanischen Unterlagen, die
teren Häuser. Später steckte ernhaus der Familie Blöink ge- der Verfasser erhalten hat. Der
noch ein verirrtes Geschoss in flogen, welches ganz oben am Sargschreiner Kimm nahm die
einem Fensterrahmen. Hang steht. Umbettung Myers seinerzeit
vor.
Der tote Pilot war völlig Der Leichnam des „Unbekann-
schwarz und der Fallschirm lag ten Engländers“ bzw. das, was Die amerikanische Delegation
auch dabei.“ noch übrig war, wurde auf dem fertigte eine Skizze der Grabla-
Die angegriffenen Fahrzeuge ev. Friedhof in Brüninghausen ge an. Myers’ sterbliche Über-
wurden ebenfalls beschädigt. beigesetzt. Am 18. 9. 1947 er- reste wurden ein letztes Mal auf
Insgesamt war der Sachschaden Kommandeur Colonel Delashaw beim Briefing der Piloten der folgte eine Umbettung zum den Soldatenfriedhof Ardennes
gering, aber das Opfer der Ame- 405th FG vor einem Einsatz… Kommunalfriedhof Loh. Cemetery, Lüttich, umgebettet
rikaner hoch: 1 Pilot tot, sowie
der Verlust einer kompletten
Jagdmaschine.
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und fand dort seine endgültige Die Karte der Gräberliste
Ruhe.