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Achämenidenreich

Das Perserreich um 500 v. Chr.

Das Achämenidenreich (auch als Altpersisches Reich bezeichnet)


war das erste persische Großreich, das sich im Verlauf der
klassischen Antike über die Gebiete der heutigen Staaten Iran, Irak,
Afghanistan, Usbekistan, Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel und
Ägypten erstreckte. Das Achämenidenreich expandierte erstmalig
550 v. Chr. unter Kyros II. durch die Annexion des Mederreiches.
Unter den Nachfolgern erfolgte die Fortsetzung bis zur späteren
größten Ausdehnung, die ihren Höhepunkt um 500 v. Chr. erreichte
und zu dieser Zeit auch Teile der Staaten Libyen, Griechenland,
Bulgarien, Pakistan sowie Gebiete im Kaukasus, Sudan und
Zentralasien umfasste. Im Jahr 330 v. Chr. beendete Alexander der
Große die Herrschaft der Achämeniden.

Der Name des Reiches leitet sich von der altpersischen Dynastie der
Achämeniden ab. Diese ist nach dem Stammvater Achaimenes
benannt, der die Perser von einem Siedlungsbereich in der Gegend um
den Urmia-See in das später nach ihnen benannte Land Persis (heute
Fars) geführt haben soll. Der Name Achaimenes ist die griechische
Form des Namen Hachamanisch.

Das Achämenidenreich tritt in der westlichen


Geschichtsbetrachtung vor allem als Gegenspieler der Griechen auf.
Als Eckdaten gelten 490 bzw. 480 v. Chr. (Schlachten bei Marathon
und Salamis) und die Jahre 334 bis 330 v. Chr. (Eroberungszug durch
Alexander den Großen). Von dieser Perspektive wurde die
herausragende Rolle des Reiches im Hinblick auf die Geschichte des
Vorderen Orient, und wie sich in der neueren Forschung herausstellt
auch auf die Entwicklung des antiken Griechenland, weitgehend
verkannt. In der Bibel ist das Bild der Perser positiv; hier erscheinen
sie als Befreier der Juden und Förderer ihrer religiösen und
kulturellen Bedürfnisse. Die historische Rolle, die dem
Achämenidenreich in den 220 Jahren seiner Geschichte zukommt, ist
jedoch viel bedeutender. So war in dieser Zeit zum ersten und
einzigen Mal in der Geschichte der gesamte Vordere Orient unter
einer Herrschaft vereint (vom Zwischenspiel des Alexanderreichs um
325 v. Chr. und der kurzlebigen sassanidischen Expansion um 620 n. Chr.
einmal abgesehen). Kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Errungenschaften
prägten das Innere des Reiches in einem viel stärkeren Maße als die Kriege mit den Griechen
oder Aufstände in den einzelnen Provinzen.

Inhaltsverzeichnis

 1 Historische Quellen
 2 Geschichte
o 2.1 Der Aufstieg
o 2.2 Kambyses II. und die Krise des Reiches
o 2.3 Dareios I. und seine Nachfolger
o 2.4 Die späteren Achämeniden und der Untergang des
Reiches
 3 Innerer Aufbau
o 3.1 Königtum und Verwaltung
o 3.2 Kultur und Gesellschaft
o 3.3 Kunst
o 3.4 Religion
o 3.5 Wirtschaft
o 3.6 Militärwesen
 4 Chronologie und Stammbaum der Achämeniden
 5 Nachwirkungen der Achämeniden
 6 Anmerkungen und Einzelnachweise
 7 Literatur
o 7.1 Quellen
o 7.2 Sekundärliteratur
 8 Weblinks

Historische Quellen

Die Quellenvielfalt über das Achämenidenreich ist begrenzt. Sie


lässt sich grob in drei Hauptgruppen gliedern: Archäologische
Zeugnisse, Epigraphische Zeugnisse und die Überlieferung der
griechischen Geschichtsschreibung. Dabei liegen die archäologischen
und epigraphischen Zeugnisse nah beieinander, da viele Texte und
Inschriften erst durch Ausgrabungen zu Tage kamen. Die
archäologische Erfassung beschränkt sich mit einigen Ausnahmen auf
die großen Königsresidenzen Susa, Persepolis und Pasargadai;
Ekbatana ist größtenteils vom heutigen Hamadan überbaut.
Vereinzelt gibt es auch Funde aus Kleinasien, Mesopotamien, Ägypten
und den östlichen Reichsteilen. Hier sind an erster Stelle die
Palastanlagen zu nennen, die größtenteils erschlossen sind, sowie
zahlreiche kleine Gegenstände.

Die epigraphischen Quellen sind in ihrer Aussagekraft begrenzt, da


es sich hauptsächlich um formelhafte Königsinschriften handelt, die
sich zum Teil gleichen. Die einzige Abhebung ist die Behistun-
Inschrift, die ein detaillierter Tatenbericht des Dareios I. ist.
Daneben gibt es noch die Verwaltungsaufzeichnungen aus Persepolis,
die einen lebendigen Eindruck des wirtschaftlichen, und alltäglichen
Lebens in der Persis selbst geben, aber noch nicht vollständig
erschlossen sind.

Die mit Abstand am besten erfasste und bekannteste Quellengruppe


ist die der griechischen Geschichtsschreiber. Hier ist an erster
Stelle Herodot zu nennen, der in seinen Historien eine umfassende
Beschreibung von Gestalt und Geschichte des Achämenidenreiches
gibt, dessen Informationen aber teilweise mit einer gewissen
Vorsicht zu genießen sind. Daneben von Bedeutung sind Xenophon
(Anabasis, Hellenika und Kyroupaideia), Plutarch (Vita Artaxerxes
II.) und die Alexanderhistoriker (Quintus Curtius Rufus, Plutarch,
Arrian) sowie Junianus Justinus und Diodor. Auch Strabon verdanken
wir einige Details über das Innere des Reiches. Daneben taucht das
Achämenidenreich noch in vielen Texten anderer Schriftsteller auf
(siehe auch die Zitate bei Athenaios). Mehrere Werke, die sich
explizit mit dem Achämenidenreich beschäftigten, wie die Persika
des Ktesias (allerdings wenig zuverlässig), des Herakleides von Kyme
(der wichtige Informationen zum Leben am Hof überliefert hat) und
des Dinon von Kolophon, sind uns aber nur als Fragmente erhalten,
wenngleich sie mehreren der vorhergenannten Autoren als Quelle
gedient haben.

Vor der umfassenden archäologischen Erschließung des


Achämenidenreiches im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert waren
die griechischen Texte, zusammen mit der Bibel, die einzige
bekannte Quellengattung. Durch umfassende Forschungen hat sich
vieles, was von den Geschichtsschreibern beschrieben wurde, als
verzerrt oder falsch herausgestellt, so dass es heute nicht mehr
möglich ist, die griechischen Texte ohne Abgleich mit den „neuen“
persischen Quellen auszuwerten. Ähnliches gilt auch für die Bibel,
die vor allem in den Büchern Daniel, Esra und Esther von den Persern
spricht.

Geschichte

Der Aufstieg

Das Grab Kyros’ II. in Pasargadai.


Der genaue Ursprung des persischen Volkes ist bis heute ungeklärt.
Es wird angenommen, dass sie im Zuge einer größeren
Wanderungsbewegung iranischer Völker, zu denen unter anderem
auch die Meder und Baktrer gehörten, im 2. Jahrtausend v. Chr. in
das iranische Hochland eingewandert sind. Frühere Annahmen, dass
das Volk der Parsua in der Gegend des Urmia-Sees, das durch eine
assyrische Inschrift bezeugt ist, mit dem persischen identisch ist,
wird in der modernen Forschung kaum noch bestritten, da die
Existenz von zwei Staaten gleichen Namens und gleicher politischer
Prägung innerhalb derselben Epoche als sehr unwahrscheinlich
angesehen wird und die Wanderungsbewegungen chronologisch gut
nachvollzogen werden können. Mit Sicherheit können die Perser in
der Persis im 7. Jahrhundert v. Chr. durch elamitische
Aufzeichnungen lokalisiert werden. Ob es sich dabei um ein
einheitliches persisches Königreich handelte, ist unwahrscheinlich.
Viel eher wurde das Gebiet von persischen Bergstämmen bewohnt,
die teils unter elamitischer, teils unter medischer Oberherrschaft
standen.

Das medische Reich erstreckte sich von einer fließenden Grenze im


Osten des iranischen Hochlandes bis an die Grenzen Mesopotamiens,
und an den Halys (heute Kızılırmak), wo seit 580 v. Chr. eine offizielle
Grenze zu dem Reich der Lyder bestand. Unter Kambyses I. scheint
so etwas wie eine lokale Vorherrschaft der Perser entstanden zu
sein, auf der Kyros II. aufbaute, als er ab 553 v. Chr. offen gegen
die Meder aktiv wurde. In einer Schlacht bei Pasargadai wurden die
Meder von den Persern geschlagen. 550 v. Chr. nahm Kyros, der sich
selbst nicht als Achämenide, sondern als Teispide bezeichnete, die
medische Hauptstadt Ekbatana ein, wo er sich in Personalunion mit
dem persischen Königstitel zum König der Meder proklamierte.

Die regionalen Regenten des lydischen Königs Kroisos wurden von


Kyros aufgefordert, sich seinem Land zu unterstellen, was jedoch
mehrheitlich abgelehnt wurde. Kroisos überschritt deshalb mit
seiner Armee den Halys und kämpfte in der nachfolgenden Schlacht
bei Pteria gegen den Perserkönig. Da die Auseinandersetzung keine
Entscheidung brachte und der Winter sich ankündigte, zog Kroisos
zurück in die Hauptstadt Sardes, die von den Persern kurze Zeit
später belagert und 541 v. Chr. eingenommen wurde. Das Schicksal
des Kroisos ist ungewiss, bei den griechischen Geschichtsschreibern
finden sich widersprüchliche Darstellungen.

Zum Herrschaftsbereich der Lyder gehörten auch die griechischen


Siedlungen an der Westküste Kleinasiens, unter denen Milet eine
Vorrangstellung einnahm. Diese Städte hatten unter den Lydern eine
privilegierte Stellung eingenommen, was sich nicht zuletzt auch darin
widerspiegelte, dass sich die lydische Zivilisation stark der
griechischen annäherte. So hatte Kroisos im Vorfeld seines
Feldzuges gegen die Perser das Orakel von Delphi konsultiert. Als
das Reich von den Persern zerstört wurde, sahen die Griechen diese
besondere Stellung in Gefahr und widersetzten sich, mit Ausnahme
Milets, kollektiv den Persern. Der Übermacht waren sie aber nicht
gewachsen und die einzelnen Städte fielen entweder durch
Belagerung oder Bestechung an die Perser.

Nachdem so binnen weniger Jahre Kleinasien für die Perser gesichert


war, richtete Kyros sein Hauptaugenmerk auf das babylonische Reich.
Kyros beschloss 539 v. Chr., nun auch gegen die Babylonier zu Felde
zu ziehen. Der herrschende König Nabu-na'id fiel den Intrigen der
ihm feindlich gesinnten Mardukpriesterschaft zum Opfer, die
ihrerseits Verbindungen zu Kyros aufgenommen hatte. So kam es
nicht überraschend, dass Kyros nur bei Opis auf militärischen
Widerstand stieß. Die Erwartungen der Priesterschaft erfüllte er,
indem er sich offiziell zur von Nabu-na'id abgesetzten
Führungsgottheit Marduk bekannte und sich anschließend zum König
von Babylon krönen ließ. Der Perserkönig verband das babylonische
Reich in Personalunion mit denen der Meder und Perser. Der Rest des
Reiches schloss sich zunächst ohne Widerstand an, da das
babylonische Heer nicht mehr existent war.

An der Ostgrenze des Reiches blieben die Saken, wie schon in


medischer Zeit, eine ständige Bedrohung. Wie weit der
Herrschaftsbereich der Meder nach Osten hin reichte ist
unbekannt. Unter Kyros wurde der Jaxartes (Amu-Darya) zur
Nordgrenze, die mit einer Reihe von Grenzfestungen gesichert
wurde. Trotz dieser massiven Erfolge wurde Kyros im Jahr 530 v.
Chr. bei einer Schlacht gegen diese Steppenvölker getötet.

Kambyses II. und die Krise des Reiches [Bearbeiten]

Sein Sohn Kambyses II. übte vermutlich kurz darauf Rache und
sicherte den nordöstlichen Teil des Reiches. Der gesamte östliche
Reichsteil wurde schon von Kyros der Obhut von Kambyses’ Bruder
Bardiya übergegeben. Als Kambyses im Jahr 526/25 v. Chr. einen
Feldzug gegen Ägypten unternahm, wurde vermutlich die gesamte
Reichsverwaltung in dessen Hände gegeben. Der spätere Großkönig
Dareios I. ließ jedoch verkünden, dass Kambyses Bardiya heimlich
ermordet hatte und die Reichsverwaltung einem Mager namens
Gaumata übertragen hatte. Diese Geschichte ist in der neueren
Forschung vermehrt angezweifelt worden. Ein Hauptargument der
Forscher ist, dass Bardiya eine solch zentrale Machtposition besaß,
seine Ermordung aber dennoch unbemerkt geblieben sein soll.

Der Feldzug gegen Ägypten war vermutlich schon unter Kyros geplant
worden. Zu seiner Begründung ist zu sagen, dass Ägypten das letzte
unabhängige Reich des alten Orients war und aufgrund seines
Reichtums von den Persern vermutlich einerseits als begehrenswert,
andererseits als potentielle Gefahrenquelle betrachtet wurde. Zu
dieser Zeit herrschten in Ägypten Thronwirren, die den persischen
Unternehmungen sehr gelegen kamen; nur bei Pelusium gab es
nennenswerten Widerstand. In Memphis wurde Pharao Psammetich
III. gefangengenommen und Kambyses zum rechtmäßigen Nachfolger
des Amasis ernannt und zum Pharao gekrönt. Die benachbarten
Wüstenvölker unterwarfen sich ohne Widerstand. Nubien wurde in
einem weiteren Feldzug tributpflichtig gemacht; persische
Inschriften sprechen sogar für eine formelle Unterwerfung. Ein
Feldzug gegen Karthago kam indes nicht zustande, da sich die
phönizische Flotte weigerte, daran teilzunehmen. Währenddessen
hatte sich im Kernland des Reiches Bardiya mit Unterstützung der
Bevölkerung gegen Kambyses erhoben. Dies lag möglicherweise vor
allem daran, dass der Feldzug in Ägypten viel zu hohe Anforderungen
an Menschen und Material stellte. Kambyses beschloss umgehend,
diese Usurpation niederzuschlagen. Auf dem Rückzug starb er jedoch
in Syrien.

Dareios, der Kambyses als Lanzenträger nach Ägypten begleitet


hatte, entstammte dem persischen Hochadel und sah sich daher dazu
verpflichtet, den Verrat an Kambyses zu rächen. Seiner
Rechtfertigung in der Behistun-Inschrift zufolge hatte Kambyses
Bardiya schon vor längerer Zeit ermorden lassen. Der Magier
Gaumata habe den Thron usurpiert und behauptet, Bardiya zu sein.
Dareios ermordete ihn zusammen mit sechs Mitverschwörern und
bestieg selbst den Thron. Allerdings vertreten manche moderne
Forscher die Meinung, dass es sich dabei um eine Fiktion des Dareios
gehandelt hat, um eine schlichte Usurpation zu rechtfertigen. Vieles
deutet darauf hin, dass in Wahrheit Dareios der erste Achämenide
auf dem Perserthron war, während sich seine beiden Vorgänger
selbst als Teispiden bezeichnet hatten. Andere Gelehrte nehmen an,
Gaumata sei der Anführer einer religiös motivierten Bewegung
gewesen, doch ist diese These sehr umstritten. In jedem Fall
nutzten viele Völker des Reiches die Zeit der Wirren, um sich erneut
ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen. Diese Aufstände konnten von
Dareios nur mit äußerster Härte niedergeschlagen werden.

Dareios I. und seine Nachfolger [Bearbeiten]

Nachdem Ende 521 v. Chr. der Frieden im Reich wieder hergestellt


war, widmete sich Dareios I. vor allem der inneren Erneuerung des
Reiches, vor allem um eine solche Situation wie die gerade
durchstandene in Zukunft auszuschließen. Das Reich wurde in
einheitliche Provinzen, so genannte Satrapien eingeteilt, die sich
kaum an den vorher eingegliederten Reichen orientierten, sondern
vor allem auf die individuellen Völker zugeschnitten waren. Daneben
wurden zahlreiche weitere Reformen in Verwaltung, Wirtschaft,
Gesellschaft und Heerwesen durchgeführt.

Die Nordgrenze des Reiches war weiterhin durch die Saken bedroht.
Nachdem mehrere größer angelegte Militäraktionen in Zentralasien
keine Entscheidung brachten, wurde ein Feldzug gegen die an der
Schwarzmeerküste lebenden Skythen begonnen, der vielleicht das
Ziel hatte, den zentralasiatischen Saken in den Rücken zu fallen.

Obwohl der Skythenkrieg ein Fehlschlag war, konnte eine neue


Satrapie – Thrakien – in Europa gewonnen werden und die Grenze des
Reiches bis an die Donau vorgeschoben werden. Dies brachte das
Reich in die direkte Nachbarschaft mit den europäischen Griechen.
Besonders die persischen Vorstöße im Mittelmeer und der Ägäis und
die Unterwerfung Makedoniens dürften in Griechenland Besorgnis
ausgelöst haben. Ein Bündnisangebot Athens im Jahr 507 v. Chr.
wurde von den Persern als formelle Unterwerfung des Stadtstaats
aufgefasst. Im Jahr 499 v. Chr. schließlich brach ein Aufstand in den
griechischen Gebieten Kleinasiens gegen die persische Herrschaft
aus, die von Athen und Eretria, wenn auch nur mit geringen Mitteln,
unterstützt wurde. Griechische Rebellen nahmen im Jahr 498 v. Chr.
sogar Sardes ein und äscherten die Stadt ein. Dieser Ionische
Aufstand, der sich zeitweilig bis nach Zypern ausdehnte, und auch
den Abfall Thrakiens bewirkte, wurde 494 v. Chr. niedergeschlagen,
und die führende Stadt, Milet, wurde zerstört. In den Folgejahren
kam es zu zwei persischen Strafexpeditionen im Ägäisbereich
(Beginn der so genannten Perserkriege). 492 v. Chr. wurde Thrakien
erneut unterworfen. 490 v. Chr. wurde die mit Athen verbündete
Stadt Eretria eingenommen und zerstört; ein persisches Heer
landete schließlich in Attika mit der Absicht, Athen einzunehmen.
Dies wurde aber durch die Schlacht von Marathon, wobei das
Unternehmen der Perser eher als Strafexpedition denn als
regelrechte Invasion zu beurteilen ist, und anschließende athenische
Militäroperationen vereitelt. Griechischen Quellen zufolge war für
die Jahre 486/85 v. Chr. ein erneuter Feldzug gegen Griechenland
geplant, der jedoch wegen eines Aufstandes in Ägypten und des
Todes des Dareios nicht zustande kam.

Der Nachfolger des Dareios, Xerxes I. (486 bis 465 v. Chr.),


vernachlässigte zunächst die griechische Westgrenze, entschloss
sich jedoch dann in den Jahren 481/80 v. Chr. einen erneuten
Feldzug zu unternehmen. Nach anfänglichen Erfolgen – das von den
Bewohnern geräumte Athen wurde eingenommen, die Akropolis wurde
als Racheakt für in Sardes zerstörten Heiligtümer zerstört –
scheiterte auch dieses Unternehmen in den Schlachten von Salamis
(480 v. Chr.) und Plataiai (479 v. Chr.). Die Griechen unter Führung
der Athener gingen nun selbst in die Offensive und befreiten in den
folgenden Jahrzehnten fast alle griechischen Städte im
Reichsgebiet (also vor allem an der Westküste Kleinasiens) von der
persischen Herrschaft; Sparta, bis dahin die griechische
Führungsmacht im Perserkrieg, war an Operationen in Kleinasien
nicht interessiert, sodass Athen nun die alleinige Führungsrolle im
Kampf gegen die Perser zufiel. Athen organisierte schließlich ein
regelrechtes Bündnissystem, welches sich bald darauf aber in ein
Instrument zur Bewahrung der athenischen Hegemonie verwandelte:
der so genannte attische Seebund. Die Perser selbst blieben
defensiv und beschränkten sich darauf, zu versuchen die Griechen
aus dem Gebiet des Reiches fernzuhalten. Erst 449 v. Chr. wurde ein
Frieden mit Athen geschlossen, der so genannte Kalliasfrieden (ob es
wirklich einen regelrechten Vertrag gab, ist in der Forschung seit
langem umstritten).

Im Reich selbst blieb es unter Xerxes und seinem Nachfolger


Artaxerxes I. (465 bis 424 v. Chr.) weitgehend ruhig. Nennenswerte
Aufstände gab es lediglich in Babylon, das 479 v. Chr. großen
Zerstörungen ausgesetzt war. Zudem zeigte sich unter Artaxerxes
allmählich eine breite Unzufriedenheit der Ägypter mit der
persischen Herrschaft, die Athen in den fünfziger Jahren des
fünften Jahrhunderts v. Chr. auszunutzen versuchte um das Land
unter seinen Einfluss zu bringen. Diese Versuche schlugen fehl,
Ägypten blieb unter persischer Herrschaft. Nach dem Tod
Artaxerxes’ I. kam es zu Streitigkeiten um den Thron. Sein
Nachfolger Xerxes II. wurde nach kurzer Zeit von seinem
Halbbruder Sogdianos ermordet, der den Thron an sich riss, kurze
Zeit später aber selbst von Dareios II. ermordet wurde. Unter
Dareios II. betrat das Reich erneut die griechische Welt, indem es
auf der Seite Spartas in den Peloponnesischen Krieg (431 bis 404 v.
Chr.) eintrat, hier aber nur passiv mitwirkte. Als Gegenleistung für
die persischen Subsidien sollten die griechischen Städte an der
Westküste Kleinasiens wieder an Persien fallen, was Sparta nach
Kriegsende aber verweigerte, woraufhin es zum Krieg kam.

Die späteren Achämeniden und der Untergang des Reiches


[Bearbeiten]

Im Jahr 404 v. Chr. starb Dareios, und der Thron ging an Artaxerxes
II. (404 bis 359 v. Chr.) über. 402 v. Chr. fiel Ägypten vom Reich ab.
Kurz darauf erhob sich Artaxerxes’ jüngerer Bruder Kyros gegen
ihn, wobei Kyros von Sparta unterstützt wurde. Der Aufstand schlug
fehl, nachdem Kyros in der Schlacht von Kunaxa getötet wurde; der
Feldzug, den Xenophon in seiner Anabasis literarisch festhielt,
zeigte aber auch, wie anfällig das Perserreich für Angriffe durch ein
gut geschultes und straff geführtes Heer war. Im Korinthischen
Krieg (399 bis 386 v. Chr.) trat das Perserreich auf Seiten Athens
und Thebens ein. Der Krieg endete 386 v. Chr. mit einem Sieg der
anti-spartanischen Koalition. In dem Königsfrieden wurde festgelegt,
dass die kleinasiatischen Griechenstädte dem Perserreich gehören
und dass alle anderen griechischen Städte unabhängig sein sollten.
Als Garant hierfür trat der persische Großkönig ein. Somit hatten
die Perser formell die Oberherrschaft über Griechenland gewonnen;
faktisch ging die Hegemonie jedoch an Sparta über, das die
Einhaltung der Bedingungen des Königsfriedens im Auftrag des
Großkönigs überwachte.

In den sechziger Jahren des 4. Jahrhunderts v. Chr. brachen in


Kleinasien mehrere Aufstände aus, die früher als „Großer
Satrapenaufstand“ bezeichnet, und als für die Existenz des Reiches
unmittelbar bedrohlich angesehen wurden. Dies hat sich jedoch in
der neueren Forschung als unrichtig herausgestellt. Es handelte sich
um keinen koordinierten Aufstand einer Satrapenkoalition, sondern
um voneinander unabhängige und vermutlich zeitlich
auseinanderliegende Revolten. Dennoch bewirkte dies, dass die
Perser zeitweilig keine oder kaum reelle Macht über bestimmte
Gebiete im Westen des Reiches besaßen; so gelangten örtliche
Herrscher wie der Karier Maussollos zu beträchtlicher Macht. Diese
Unruhen prägten die letzten Jahre der Herrschaft Artaxerxes’ II.
und konnten erst unter seinem Nachfolger Artaxerxes III. (359–
338 v. Chr.) wieder unter Kontrolle gebracht werden.

Felsgräber achämenidischer Großkönige in Naqsh-i Rustam

Die Situation im Osten des Reiches ist zu dieser Zeit weitgehend


unbekannt. Das unter Dareios I. unterworfene Industal löste sich von
der persischen Herrschaft, ebenso wie sakische Gebiete in
Zentralasien. Im Reichsinneren kam es ebenfalls vereinzelt zu
Aufständen, von denen der der Kadusier wohl der bekannteste ist.

Artaxerxes III. führte eine härtere Politik ein, die vor allem auf die
Restauration der persischen Macht in verlorengegangenen oder
gefährdeten Gebieten abzielte. Nachdem die persische
Vormachtstellung in Kleinasien wiederhergestellt wurde, kam es zu
einem Feldzug gegen Ägypten, in dessen Verlauf das Land mit
äußerster Härte unterworfen wurde (343 v. Chr.). Bevor Artaxerxes
jedoch weitere Ziele in Angriff nehmen konnte, wurde er von dem
Eunuchen Bagoas ermordet, der seinen Günstling Arses zum
Großkönig erhob, diesen aber kurz darauf ebenfalls ermordete.
Dessen Nachfolger wurde Dareios III. (336 bis 330 v. Chr.). In seine
Regierungszeit fiel die Invasion Alexanders des Großen, in dessen
Verlauf das Königtum der Achämeniden bis 330 vernichtet wurde.
Alexander trat zwar als Achämenidenherrscher auf, aber es ist
unzweifelhaft, dass spätestens mit der Ermordung des Dareios durch
den Satrapen Bessos (330 v. Chr.) das Achämenidenreich sein Ende
gefunden hatte.

Zum Zeitpunkt seiner Vernichtung durch Alexander war das


Achämenidenreich noch ein vollkommen intakter Staatskörper. Die
von Dareios I. eingeführten Verwaltungsstrukturen bestanden noch
und hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder bewährt. Der
leichte Sieg Alexanders über die Perser lässt sich viel mehr durch
das überragende taktische Geschick des Feldherrn und seiner
Generäle sowie durch die bessere Ausbildung und Schlagkraft des
makedonischen Heeres erklären. Das perserfreundliche Auftreten
Alexanders und später des Statthalters der Persis, Peukestas,
garantierten hingegen, dass es zu keinem Restaurationsversuch des
Achämenidenreiches kam.

Innerer Aufbau [Bearbeiten]

Königtum und Verwaltung [Bearbeiten]

Unter Kyros II. und Kambyses II. war das Reich ein Gebilde, das auf
der Personalunion des Perserkönigs mit der Krone anderer
Königreiche (Medien, Babylon, später Ägypten) fußte. In anderen
Reichsgebieten (z. B. Lydien) wurde das Königtum abgeschafft, die
Strukturen blieben jedoch erhalten, und an Stelle der Herrscher
trat ein persischer Statthalter. So kann kaum von einem
einheitlichen Reich, sondern eher von einer Art Föderation
altorientalischer Staaten gesprochen werden. Dies führte nach dem
vorzeitigen Tod des Kambyses bzw. der Ermordung des Bardiya dazu,
dass in Gebieten wie Babylonien Usurpatoren auftraten, die das
örtliche Königtum, nicht aber die Herrschaft über das gesamte
Perserreich beanspruchten. Dareios I. reagierte darauf mit der
Maßnahme, diese einzelnen Reiche aufzusplittern und in einheitlicher
Form in das gesamte Perserreich zu integrieren. Dies wurde durch
die Schaffung neuer Provinzen, so genannter Satrapien, erreicht, die
sich nur noch selten an historische Grenzen hielten. An der Spitze
jeder Satrapie stand ein Statthalter (Satrap), der vom Großkönig
selbst ernannt wurde und häufig aus dessen Familie stammte.
Dennoch wurden manche Traditionen beibehalten. So kam der Titel
des Königs von Babylon erst allmählich außer Gebrauch, die Titel des
Königs von Medien und Pharaos von Ägypten wurden von allen
Großkönigen weiter getragen. Außerdem blieben in kleineren Gebieten
örtliche Herrscher weiterhin im Amt, und Dynastien wurden
fortgeführt. Auf diese Weise stellten sich die
Achämenidenherrscher stets in die Tradition örtlicher Staaten.

Die Verwaltungsstrukturen wurden gestützt von einer beispiellosen


Infrastruktur, deren bekanntester Vertreter die Königsstraße ist.
Die wichtigsten Verkehrswege wurden in ein festes Straßennetz
ausgebaut, welches das gesamte Reich umspannte und auch die
entlegensten Provinzen mit einander verband. Exemplarisch hierfür
steht die Straße, die von Sardes nach Susa (eigentlich von Ephesos
nach Persepolis) führte, und von dem griechischen Historiker
Herodot ausführlich beschrieben wurde. Das Straßennetz war
besonders für den Briefverkehr und den Handel förderlich. Entlang
der Straßen gab es Herbergen, die für Boten auch frische Pferde
bereitstellten. Darüber hinaus gab es in regelmäßigen Abständen
Garnisonen, die die Sicherheit entlang des gesamten Straßennetzes
gewährleisteten Seit Dareios I. gab es auch eine einheitliche
Währung, den Dareikos. Die Kanzleisprache des Reiches war bis in die
Zeit Artaxerxes’ I. Elamitisch, wurde dann aber durch das viel
verbreitetere Aramäisch ersetzt. Dies war auch eine Erleichterung
für den Schriftverkehr, da Aramäisch auf Papyrus geschrieben
werden konnte, während die elamitische Keilschrift nur auf
Tontäfelchen verwendet werden konnte.
Brief Dareios I. an einen Satrapen. Griechische Kopie aus römischer
Zeit.

Obwohl mit den Satrapien und deren Verwaltung ein weitgehend


dezentrales Regierungssystem bestand, war der Großkönig ein
Despot, der die absolute Macht über alles im Reich hatte. Er
ernannte Satrapen und konnte diese auch wieder absetzen. Im
Ernstfall hatte er den Oberbefehl über das Heer, bzw. er konnte
diesen vergeben. Dennoch besaßen die Satrapen weitgehend eigene
Freiheiten, so dass sie, häufig im Einvernehmen mit dem Großkönig,
wie örtliche Könige oder Vasallen des Großkönigs herrschten. In
königlichen Inschriften bezeichnete sich der Großkönig als „König
der Könige“ und vertrat einen universellen Herrschaftsanspruch,
indem er sich als „König der Länder und Völker“ bezeichnete. Dieser
Anspruch wurde jedoch, besonders in den Grabinschriften, wieder
relativiert, indem die Völkerschaften des Reiches genannt wurden.
Diese Aufzählung änderte sich seit Dareios I. nicht, so dass
naheliegt, dass die späteren Großkönige ihren Herrschaftsanspruch
über die Gebiete des Reiches unter Dareios I., nicht aber über
weitere Gebiete aussprachen.

Für Thronwirren sorgte wiederholt das Recht der Purpurgeburt. Es


war persische Sitte, dass das Königtum an den Sohn des Herrschers
überging, der als erster in der Regierungszeit geboren wurde, und
alle vorher geborenen Söhne missachtet wurden. Tatsächlich wurde
dieses Recht nach Gründung des Großreiches nur einmal explizit
angewandt, bei Xerxes I. Andere Königssöhne, namentlich Bardiya
und Kyros der Jüngere, versuchten vergeblich dieses Recht geltend
zu machen und erhoben sich in der Folgezeit gegen ihre Brüder.
Artaxerxes III. eliminierte diese Ansprüche von vornherein, indem
er seine Geschwister ermordete.

Kultur und Gesellschaft [Bearbeiten]

In den einzelnen Reichsteilen wurden die kulturellen


Traditionen der Zeit vor der persischen Eroberung gewahrt.
Die vorachämenidischen Strukturen blieben intakt, und die
Ausübung örtlicher Traditionen, wie beispielsweise religiöse
Kulthandlungen, wurden toleriert und zum Teil auch gefördert.
Die bekanntesten Beispiele hierfür sind die Berichte aus der
Bibel, die die Perser als milde und tolerante Herrscher
auftreten lassen. In Babylon scheint eine größere persische
Bevölkerung angesiedelt worden zu sein; des Weiteren fanden –
vor allem nach Aufständen – größere Umsiedlungsaktionen statt,
von denen insbesondere Herodot, aber auch die
Alexanderhistoriker zu berichten wissen. Zwar wurden
bestenfalls die obersten Schichten der Gesellschaft persisch
geprägt, diese aber auch nachhaltig. So existierten nach dem
Zusammenbruch des Alexanderreiches in manchen Gebieten wie
z. B. Atropatene lokale Fürstentümer fort, die weiterhin
achämenidisch-persische Traditionen pflegten.

Die Gesellschaftsordnung war allgemein in der Tradition


orientalischer Despotien streng hierarchisch, allerdings war
zumindest formal eine größere Vermischung der einzelnen
Gesellschaftsschichten möglich. Während die Sklavenwirtschaft
weiter anhielt, scheint zumindest zeitweilig eine Betonung auf
Beschäftigung freier und bezahlter Arbeiter zu liegen. So sind die
Paläste von Persepolis demonstrativ von freien Fachkräften aus allen
Reichsteilen geschaffen worden, wohl auch um den Propagandaeffekt
einer Reichseinheit zu erzielen. Erwähnenswert ist hier auch die
Stellung der Frau, die im Achämenidenreich über weitgreifende
Rechte verfügte. Ob es sich dabei um eine totale Gleichberechtigung
handelt, wie Teile der modernen Forschung glauben, ist zweifelhaft.
Sicher ist aber, dass zumindest in den Gebieten des Reiches, die
unmittelbar der Gewalt des Großkönigs unterstanden, Frauen in
hohen Positionen bei gleicher Entlohnung wie bei Männern standen.

Kunst [Bearbeiten]

Relief eines geflügelten Sphinx aus glasierten Ziegeln aus dem Palast
des Dareios I. in Susa, heute im Louvre

In diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung der persischen


Kunst jener Zeit zu verstehen. Als ursprünglich nomadisches
Gebirgsvolk hatten die Perser keine eigens entwickelten
künstlerischen Traditionen. In der Frühzeit bedienten sie sich vor
allem elamitischer Vorbilder; nach der Expansion des Reiches kamen
mesopotamische, kleinasiatische, griechische und ägyptische
Einflüsse hinzu. So zeigen sich die Paläste aus der Zeit von und nach
Dareios I. als Vermischung der verschiedenen Kunstformen des
Reiches. Reliefs und Skulpturen sind stark mesopotamisch und
ägyptisch beeinflusst, die Architektur bedient sich vor allem
ägyptischer und griechischer Vorbilder.

Das Relief ist die bekannteste Kunstform des Achämenidenreiches.


Dennoch ist die Verbreitung auf das Kernland des Reiches, und hier
insbesondere auf Palastanlagen und Königsgräber beschränkt.
Dargestellt werden in der Regel Szenen und Personen des königlichen
Hofes oder mythologische Figuren und Szenen. Die Reliefs dienten
vor allem der Darstellung der Macht des Großkönigs. Daher tauchen
häufig in seinem Gefolge Vertreter der wichtigsten Völkerschaften
des Reiches auf. In diesen Darstellungen leisten sie dem Großkönig
entweder Tribut, oder sie erscheinen als Träger des Königs auf dem
Thron. In anderen Darstellungen bezwingt der Großkönig eigenhändig
Löwen oder menschliche Feinde. Zum Inbegriff dieser
Verherrlichung des Großkönigs gelten Relief und Inschrift von
Behistun, in welcher Dareios I. die Siege über seine Feinde darstellt.

Die Reliefs wurden häufig mit kostbarem Material wie etwa


Lapislazuli veredelt und farbig bemalt. Bei den Palästen in Susa
wurden sie, wohl nach babylonischen Vorbild, aus glasierten Ziegeln
hergestellt, so dass die ursprüngliche Bemalung erhalten geblieben
ist.

Persisches Goldarmband

Weit verbreitet war auch die Kunstform der Plastik. Dabei sind vor
allem kleinere Arbeiten aus wertvollem Material wie Elfenbein,
Lapislazuli oder Gold bekannt. Sie kennzeichnen sich, ebenso wie
Schmuck, Geschirr und andere kleinere Gegenstände, durch äußerst
aufwändige und detaillierte Verarbeitung und Verzierung. Dargestellt
werden in der Plastik meistens adelige Personen, Tiere oder
Fabelwesen. Andere Gegenstände verzichten meistens auf konkrete
Darstellungen und sind mit Ornamenten verziert. Unbekannt ist, wie
weit verbreitet die Teppichknüpferei zu jener Zeit war. Auf den
Reliefs finden sich vereinzelte Darstellungen von Teppichen mit
aufwändigen Mustern. Solche Teppiche wurden wegen der
begrenzten Haltbarkeit des Materials jedoch kaum gefunden.
Die Architektur ist vor allem durch die Palastbauten in Persepolis,
Susa und Pasargadai bekannt. Es handelt sich um monumentale
Anlagen, in denen sich viele architektonische und künstlerische
Elemente aus allen Bereichen des Achämenidenreiches wiederfinden.
So erinnern die großen Säulenhallen an ägyptische Bauten [1] oder die
Reliefkunst an Mesopotamien. Die plastische Bildhauerei mag
griechische Einflüsse zeigen. Diese Bauten wurden vor allem zum
Zweck der Machtdemonstration errichtet, es wurden hier
Gesandtschaften aus vielen Ländern innerhalb und außerhalb des
achämenidischen Herrschaftsbereiches empfangen.

Erwähnenswert sind in diesem Bereich die Felsgräber der


Großkönige, die zunächst in Naqsh-i Rustam, später in Persepolis
entstanden. Ähnliche Felsgräber sind vor allem aus Kleinasien
bekannt.

Religion

Es gab im frühen Achämenidenreich keine einheitliche Religion.


Vielmehr wurden die verschiedenen Religionen und Kulte der Völker
anfangs toleriert, schon um deren Integration in das Reich zu
erleichtern. Die Großkönige ab Dareios I. hingen dem
Zarathustrismus an und förderten ihn. Auf den Inschriften der
Großkönige ab 522 v. Chr. wird stets Ahura Mazda als oberste
Gottheit angerufen. Es ist jedoch bekannt, dass andere Gottheiten
wie Anahita und Mithras ebenso von den Königen verehrt wurden.
Sicher ist, dass Ahura Mazda schon in vor-zarathustrischer Zeit als
eine Gottheit unter mehreren verehrt wurde.

Es finden sich vereinzelte Tempelanlagen, die Feueraltare, wie sie


aus späterer Zeit bekannt sind, enthalten. Am bekanntesten ist die
Anlage in Pasargadai, das wohl den Rang einer zeremoniellen und
religiösen Hauptstadt des Reiches innehatte. Auch auf den Reliefs
der Königsgräber sind kleinere Feueraltare abgebildet.
Allgegenwärtig ist auch die Figur des häufig, und vermutlich
fälschlicherweise, mit Ahura Mazda identifizierten Faravahar, der
möglicherweise die Ahnen des Großkönigs darstellt und diesen die
Macht in Form eines Ringes übergibt.

Wirtschaft

Da der größte Teil des Achämenidenreiches noch ländlich geprägt


war, war wie zu jedem Zeitpunkt im Altertum die Landwirtschaft die
Grundlage der Wirtschaft. Es sind auch aus trockenen Gebieten
Agrargebiete bekannt, die mit so genannten Qanaten bewässert
wurden. In den Randzonen des Reiches, insbesondere in Zentralasien,
war jedoch vor allem die nomadische Lebensweise, die auf Viehzucht
aufbaute, maßgebend. Die relativ einheitlichen
Wirtschaftsregelungen erleichterten auch den Handelsverkehr, der
von allen Seiten in das Reich ein- und ausströmte. Vermutlich hat
auch schon die Seidenstraße existiert. Griechische Quellen sprechen
von der „persischen Frucht“, dem Pfirsich, der jedoch aus China
stammt. Daneben wird spekuliert, ob die um 500 v. Chr. in China
schlagartig einsetzende Eisenverarbeitung vom vorderen Orient
ausging.

Handelszentren waren wie in vorachämenidischer Zeit die großen


Städte wie Babylon, Susa oder Tyros. In Babylon ist reges
kommerzielles Treiben durch mehrere Bankhäuser nachgewiesen.
Hier wurden auch Wissenschaften wie Astronomie und Mathematik
betrieben. Tyros fungierte als Tor zum Mittelmeer, besonders durch
den regen Kontakt zu den phönizischen Kolonien. Das wirtschaftliche
Leben wurde genau aufgezeichnet und lässt sich zum Teil aus den
tausenden von Tontäfelchen, die in Persepolis gefunden wurden,
rekonstruieren. Daneben geben auch die Darstellungen der
Tributbringer in Persepolis Aufschluss über wirtschaftliche
Besonderheiten der einzelnen Reichsteile.

Militärwesen
Die „Unsterblichen“. Relief aus Susa.

Bis zu Zeiten Dareios’ I. war das persische Heer vor allem ein
Milizheer. Es führte noch alte nomadische Traditionen fort und
hatte seinen Schwerpunkt in Infanterie und Bogenschützen. Unter
Dareios I. wurde eine Art stehendes Heer eingeführt, das in
Garnisonen durch das ganze Reich verteilt war. Es gliederte sich in
Streitwagen-, Kamel- und Pferdereiter-, Lanzenträger- und
Bogenschützenverbände. Bekannt ist, dass es sowohl eine leichte als
auch eine schwer gepanzerte Kavallerie gab. Im Fall größerer
kriegerischer Auseinandersetzungen, wie etwa der
Griechenlandinvasion des Xerxes oder den Widerstand gegen
Alexander, wurde ein so genanntes Reichsaufgebot ausgehoben,
welches aus Einheiten der einzelnen Völkerschaften des Reiches mit
ihrer typischen Bewaffnung bestand. Die griechischen
Geschichtsschreiber sprechen meistens von Heeren in
Millionengröße, doch hat die moderne Forschung erwiesen, dass diese
Berichte sehr stark übertrieben sind. Dennoch handelte es sich um
die größten Truppenverbände ihrer Zeit.

Die wohl bekannteste Einheit der Achämenidenzeit waren die


sogenannten Unsterblichen, ein Verband von zehntausend Mann, von
denen eintausend als königliche Leibgarde dienten. Diese Truppe
rekrutierte sich ausschließlich aus Persern, die dem Großkönig treu
ergeben waren. Herodot zufolge rührt der Name von der Tatsache,
dass wenn ein Krieger fiel, stets ein neuer zur Stelle war, der dessen
Platz einnahm.
Die Kampfstrategie war stets von den nomadischen Ursprüngen
geprägt. Es wurde auf eine Überwältigung des Gegners mit
Geschossalven der Bogenschützen und Schleuderer gesetzt. Die
dadurch verunsicherten Gegner wurden anschließend mit der
Kavallerie aufgerieben. Gegen die schwer gepanzerten griechischen
Truppen war diese Strategie weniger erfolgreich. Daher wurden in
späterer Zeit auch zunehmend griechische Söldner verpflichtet, die
meist an vorderster Front eingesetzt wurden.

Chronologie und Stammbaum der Achämeniden

Die Forschung ist sich heute weitestgehend darüber einig, dass die
Könige (außer Achaimenes) vor Dareios keine Achämeniden waren: Sie
waren Teispiden, die mit den Achämeniden höchstens weitläufig
verwandt waren. Dareios, der faktisch als Usurpator auf den Thron
gelangte, konstruierte dann eine fiktive Genealogie, die Kyros und
Kambyses scheinbar zu seinen Verwandten machte, und heiratete
überdies zwei Töchter des Kyros: Ziel war, seine Herrschaft durch
Anschluss an die Vorgängerdynastie zu legitimieren. Obwohl die
ersten beiden Herrscher des altpersischen Großreichs also keine
Achämeniden waren, spricht man dennoch meist vom
Achämenidenreich.

Nachwirkungen der Achämeniden

Die Ruinen von Persepolis.

Das Achämenidenreich war der erste politische Körper, der den


gesamten Vorderen Orient umfasste. Trotz vereinzelter Aufstände
wurde dieser Bereich im großen und ganzen friedlich
zusammengehalten, wenn auch nicht vereint. Die Verwaltungsstruktur
der Satrapien war noch Jahrhunderte später maßgebend und ist
möglicherweise auch in die römische eingeflossen. Eine tatsächliche
kulturelle Nachwirkung des Achämenidenreiches auf die von ihm
beherrschten Gebiete gab es, wenn überhaupt, nur sehr bedingt.
Davon sind einige Nachfolgestaaten, die sich der Eroberung durch
Alexander widersetzten, auszunehmen, hiervon ist vor allem
Atropatene erwähnenswert.

Für die Griechen blieb das Achämenidenreich ein Symbol der


Bedrohung, und der endgültige Sieg über die Perser durch Alexander
war stets ein Ruhmesblatt für das griechische Selbstbewusstsein.
Dabei flossen auch in die griechische Kultur persische Elemente ein.
So gibt es z. B. Spekulationen, dass die Reliefs des Athener
Parthenon persische Vorbilder hatten. Auch meinen manche
Altphilologen, Platons Atlantis-Erzählung spiele auf das Perserreich
an. Auch in anderen Ländern, die außerhalb des achämenidischen
Machtbereiches standen, sind persische Einflüsse nachweisbar. So
werden als Vorbilder für manche indische Palastanlagen die
persischen Residenzen genannt[2].

Die größten Auswirkungen hatte das Achämenidenreich aber


natürlich für die Perser selbst. Noch Jahrhunderte später erinnerte
man sich, dass es einst ein großes persisches Reich gegeben hatte,
auch wenn genaueres Wissen darüber verloren gegangen war. So
fügten die Sassaniden an bedeutenden achämenidischen Plätzen wie
Behistun und Naqsh-i Rustam eigene Felsreliefs hinzu, um sich in die
Tradition der Achämeniden zu stellen. Später ging das Wissen über
das Achämenidenreich im Iran selbst wieder verloren und wurde erst
durch westliche Forschungen und Ausgrabungen wieder geweckt. Der
letzte Schah sah sich in der Tradition des Achämenidenreiches und
lenkte die iranische Geschichtsbetrachtung ganz bewusst auf diesen
Höhepunkt persischer Machtentfaltung. Auch heute noch verweisen
viele iranische Nationalisten auf das Achämenidenreich. So wird etwa
Persepolis, dessen tatsächliche Rolle im Achämenidenreich nicht
bedeutender war als die von Susa oder Ekbatana, als Symbol der
iranischen Nation verklärt.

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