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Das Buch Jona

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LEHRE UND SYMBOL FRIEDRICH WEINREB zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYX

Band 22

DAS BUCH JONAH


DER SINN DES BUCHES JONAH
NACH DER ÄLTESTEN JÜDISCHEN ÜBERLIEFERUNG zyxwvutsrqponmlkj

M it zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONML
Steinzeichnungen von
Uriel Birnbaum

2. Auflage

O
ORIGO VERLAG BERN
INHALT
Nach einer Übersetzung des holländischen
VORWORT 11
Jonah-Kurses durch H. Aeppli
bearbeitet von Dr. F. Horn URIEL BIRNBAUM, MENSCH IM DIENSTE GOTTES 26
EINFÜHRUNG 30
DAS WORT UND DIE ZAHL/ TABELLE 48
TEXT DES JONAH-BUCHES 75
I. TEIL
KAPITEL I:
DIE WELT BEI DER GEBURT JONAHS 83
l. Das Böse ist Teil der Schöpfung 84
2. Erlösung, eine gewagte Behauptung 88
3. Das Böse hat einen geheimen Sinn 93
4. Gilgul, mißverstandene Reinkarnation 100
5. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Wie die Erlösung verkündet wird 103
6. Die verloren gegangene Erfüllung ersteht doch wieder 108
KAPITEL II:
DER SINN DER NAMEN BEI JONAH 118
I. Die Wahrheit scheint zu lügen 118
2. Der Weg der Taube 123
3. Das Griechentum in der Welt 132
4. Die Wohnung der Fische 139
5. Die Stadt des Siebten Tages 144
6. Der Widerspruch der Sendung 151
7, Wohnen im Lande Israel 158
KAPITEL III :
DIE REISE INS LEBEN 16 5
L, Der Hafen der Ausfahrt 165
• Das Schiff des Menschen 167
), Das bewegte Leben 173
l, Das Schlafende wird entdeckt 177
, Rettender Tod 182

KAPITEL IV :
1980 by Origo Verlag, Bern/Schweiz I li I! SEITE, WELCHE TOD HEISST
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHG
19 1
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdruckes, vorbehalten
I Der große Fisch zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFE
19 1
ISBN 3-282-00006-5 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
r

2. Die Geschichte des Leviathan 193 7. Die wahre Reue 290


199 [Link] ist Diebstahl 294
3. Die Bedrängnis
204 [Link] Verlieren und das Finden 297
4. Das Gebet aus der Bedrängnis
209 10. Jeder baut sich sein Haus 299
5. Das Sterben und das Grab
212 11. Die zwei gestohlenen Bäume 304
6. Die Schöpfung und Jonah
214 12. Das befleckte Kleid 306
7. lm Grabe wird die Zeit anders gezählt
8. Links und Rechts, das Recht und das Erbarmen 216 13. Das Fasten erweckt den Lebenswillen 307
221 14. Die Ur-Sache und ihr Eigentümer 312
9. Die Frage an den Menschen
225 15. Die Folgen der Umkehr für die Neschamah 316
10. Die drei Engel
226 16. Das Geheimnis Israel 319
11. Die berstenden Eingeweide
231 l [Link] Gegensatz und die Einheit der zwei Welten 322
12. Augen, Hände und Füße im Gericht
I8. Trockenes Wasser 324
KAPITEL V: 19. Gesetz und Erbarmen 328
234
DAS LEBEN NACH DEM GRAB zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
234 lii. TEIL
l. Recht und Barmherzigkeit sind eins
235 KAPITEL VII :
2. Genesung durch Gott
236 DA SLETZTE GESPRÄCH 333
3. Drei Tage und drei Nächte im Scheol
238
4. Der Fisch und der Vogel
242 1. Östlich von Niniveh 333
5. Vereinigen ist Verherrlichen
6. Die Maße der Geschichte
245 2. Die Sukkah für den Körper 334
248 ), Der zurückgebliebene Körper 336
7. Das Wunder der halben Zeit
8. Der Sinn der Nichtigkeiten 250 , Insekten 338
254 , Der Kikajon 339
9. Wie weit ein Gelübde reicht
259 6, Der Wurm, Geheimnis des Zurückbringens 346
10. Rot und Weiß I

11. Regen und Schnee


262
¡I
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
7, Ostwind, Hauch vom Ursprung 348
264 , Verborgene Werte erzählen 351
12. Die weiße Wolle
9 Die Grenze zum Ursprung 355
Il. TEIL I0. Das Leben bleibt 357
II Das Geheimnis der Vorsehung 359
KAPITEL VI: L2 De r große und sanfte Jonah 360
DAS LEBEN JENSEITS DIESES LEBENS
269 II
, Da s irdische Leben ist sehr wichtig 362
l. Der Atem Gottes
269
271
II 4, De r bestimmende Moment für Jonah 364
2. Die Welt der Zeit und des Raumes
273
3. Die Stadt
275

l
4. Naturgesetze sind nicht unabänderlich
277 Q/[Link] 371
5. Pharao der große Drache
282 +ITER 373
6. Umkehr ist Fasten
I zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW

Dem Andenken Nathan und Uriel Birnbaums gewidmet


VORWORT

zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSR
Man chen Lesern werden die Bücher ,Der göttliche Bauplan der elt'
und ,,Die Rolle Esther" bekannt sein, manche kennen auch wohl meine
seit 1964 gehaltenen Vorträge über die Bedeutung der Quellen der alten
jüdischen Überlieferungen für die heutige Zeit. Für diese Leser wird
,,Das Buch Jonah" eine neue Seite beleuchten, eine noch ungekannte.
Bei jedem neuen Buch bemühe ich mich, die Vielfalt der Möglichkei-
ten, womit man diese alten Überlieferungen lesen und für die Welt spre-
chen lassen kann, aufzuzeigen und eine neue Seite dabei speziell hervor-
uheben. Im ,,Buche Jonah" versuche ich nun, wiederum die Vielheit
und Verschiedenheit der alten und ältesten Mitteilungen den Lesern un- zyxwvutsrqponm
serer Zeit weiterreichend, im besonderen dasjenige zu betonen, was zyxwvutsrqponmlkjih
die
Überlieferung in der Jo nah-Geschichte als etwas ganz Spezifisches sieht
und lehrt, und zwar die Bedeutung des Leibes. Der Jonah-Bericht wird
in der Überlieferung an erster Stelle als Bericht über das Leben des Men- zyxwvutsrqpo
sc hen überhaupt gesehen. Es ist die Geschichte des Menschen, der, aus
einer anderen Welt kommend, hier lebt, aber dann wieder in eine andere
Welt verschwindet. Es ist die Geschichte des Menschenlebens, gesehen
von einer anderen Sicht, vom Himmel aus, könnte man sagen. Es ist die
Mitteilung, wie das absolut Seiende des Menschen im Medium, das wir
eit nennen, sich ausdrückt. So kan dieses alte Wissen die Lebensge-
chichte des Menschen weiter erzählen, auch nachdem der Mensch für
diese unsere Welt als gestorben gilt. So wird der Jonah-Bericht auch zu
einein ausführlichen, spezifizierten Bericht vom Gang des Toten in das
+rab, des Lebens in der Unterwelt und des Lebens jenseits dieses Lebens.
Was nützt dieses Leben, wozu erscheint der Mensch hier, was soll er hier,
und was ist mit ihm, wenn er nicht mehr „,hier", sondern ,dort'' ist?
Wenn wir die alte Welt, nicht nur alt im Sinne der Zeit, sondern vor
llem in dem Sinne, daß sie tief vergraben, oft verschüttet, auch in uns
lber lebt, wenn wir diese alte Welt ein wenig ernster nehmen wollten,
r uchen würden, sie zu verstehen, dann würden wir auch erfahren, daß
were scharfe Trennung zwischen Leib und Seele gar nicht in diesem
le kennt. Und bestätigt nicht unser Gefühl, das doch so um diesen zyxwvutsr
Vorwort: Jonah als Geschichte vom menschlichen Leib 13
Das Buch Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
12 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
das alte Wissen sie kennt. In der heutigen Zeitsprache würde man sagen,
vergänglichen Leib trauert, und damit eigentlich doch den Menschen
daß sie auch Tiefgreifendes über die Psyche zu erzählen hat. Manchmal
meint, dem dieser Leib angehört hat, dies tiefste Wissen, daß der Leib
spürt man, daß der Psychologie eben das Wissen vom Sinn der Jonah-
mehr ist als das zu Staub Zerfallende? Die alten Texte zum Buch Jonah
Geschichte fehlt.
erzählen nun von diesem Leib, erzählen, wozu er so erschien, wie er er-
In diesem kurzen, nur 48 Verse enthaltenden Jonah-Bericht steht so
schien, und was weiter mit ihm geschieht. immens viel, daß man darüber mehrere Bücher schreiben müßte, wollte
man diesem Wissen auch nur in einem gewissen Grade gerecht werden.
Jonah als Geschichte vom menschlichen Leib
lch habe deshalb oft nur andeutungsweise geschrieben, in der Hoffnung
und Erwartung, daß der Leser selber weiter nachdenken würde, jeder auf
Die Geschichte des Leibes, die Geschichte der Erscheinung des Men-
seinem Lebensgebiet diese Lehren, dieses Wissen anwendend. Ich glaube
schen in dieser Welt, sein Hineintreten in diese Welt, trägt auch die Frage
aber, daß ich genügend Material zusammengetragen habe, genügend und
nach dem Sinn dieses Lebens an uns heran, und ganz speziell auch die
auch einigermaßen vollständig, damit man weiter denken und weiter
Frage nach dem Sinn des Bösen. Denn untrennbar ist das Erscheinen in
studieren kann.
dieser Welt innerlich verbunden mit zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
dem Begriff, den wir das Böse nen-
Wie schon in früheren Schriften, versuche ich zu erklären, daß in
nen. Diese Welt ist ein Kampfplatz der Selbstbehauptung. Damit das eine
jedem Abschnitt der Bibel, eben weil sie, wie das ganze Weltall, eine
lebt, muß oft das andere geopfert werden, muß es sterben. Warum ist das
Schöpfung Gottes ist, alles gegenwärtig ist, was die Welt umfaßt. Das ist
so, warum wurde diese Welt nicht ein Schauplatz des Süßen, des Lieben,
selbstverständlich auch für die so kurze Jonah-Geschichte der Fall. Man
des sich unbehindert weiter Entwickelnden? Der Tod steht als Böses al-
kann allein aus dem Jonah-Bericht die Struktur der Welt, des Menschen,
lem gegenüber. Ist vielleicht das Wissen um den Sinn des Todes nicht
der ganzen Schöpfung, ersehen. Im Jonah-Bericht genauso gut wie in je-
doch auch der Schlüssel zum Sinnverständnis des Bösen?
dem anderen biblischen Bericht. So könnte man, wenn man die Möglich-
Eben weil die Jonah-Geschichte, wie auch die anderen biblischen
keiten dazu besäße, das gleiche in jedem Stück der Materie sehen und
Geschichten aus dem Komplex des ,Tenach", des ganzen Alten Testa-
hören. Der Weg, den wir bei der Untersuchung des Materiellen gehen, ist
ments, eine aus einer anderen Realität gesehene und erzählte Geschichte
aber langwierig, äußerst schwierig, ja theoretisch sogar fast unüberwind-
darstellt, ist für sie das vorgeburtliche Leben mit dem Leben in dieser
lit h. Ganz anders steht es aber mit dem Wort, mit der Sprache. Wenn wir
hiesigen und heutigen Erscheinungsform und auch mit demjenigen, was
die Wurzeln des Wortes kennen, seine überzeitliche Herkunft, wenn wir,
Tod und das Leben nach dem Tode genannt wird, eine Einheit. Und es
nicht nur mit bloßem Nachplappern oder aus Lebensangst, von der Of-
ist das alles eigentlich auch eine Einheit. Wenn der Mensch imstande wäre,
lenbarung wissen, wenn wir dieses Geschenk, das Gott in uns hineinge-
sich das ohne die störenden Einflüsse seiner lärmenden, berauschenden,
legt hat, näher zu betrachten anfangen, es würdigen, dann eröffnen sich
verführenden Umgebung zu vergegenwärtigen, dann würde er dem auch
11111 II nbcschreibliche Wunder. Dann sehen wir tatsächlich durch die Er-
zustimmen. Er spürt es ja im Innern oft, fürchtet sich aber, darüber nach-
heinung, auch durch die Erscheinung des Wortes, hindurch. Und dann
zudenken: er fürchtet eben die Konsequenzen. Der Jonah-Bericht aber
hen wir in jedem Wort und in jedem biblischen Text, daß viel und viel
kennt den Menschen in allen drei Ebenen; der Mensch, wie er hier lebt,
wehr darin steckt, als unsere Sinne, unsere Organe, gehört oder gesehen
erlebt zu gleicher Zeit das vorgeburtliche Stadium und das Leben nach
dem Tode. Eigentlich lebt er hier schon ewig und immer. Diese Drei-
haben, Da s Wort ist das größte göttliche Geschenk, und das Wort in der
libel {wt das Zentrum, ist der Kern, aller anderen Worte. Es entzieht sich
Einheit kennt der Mensch in seinem Tiefsten schon; nur verdrängt er sie
ber dem Menschen, der es nur benutzt, es macht ihn zum Heuchler, zum zyxwvutsrqpon
und kommt nicht dazu, sie sich zu vergegenwärtigen.
Deshalb ist diese Jonah-Geschichte nicht nur eine Geschichte des
bha bla Schwätzer. Das Wort will als göttliches Geschenk bewertet wer-
Leibes im engeren Sinne, sondern auch eine Geschichte des Leibes, wie
ln, ew will in Ehrfurcht empfangen werden, mit Hingabe aufgenommen
14 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Vorwort: Was bedeutet Mündliche Überlieferung?
15
werden, es will, was es in Wirklichkeit auch ist, im Zentrum des Lebens de sowie in den innersten Schichten des erwachsenen Menschen. Dort
stehen. Das Wort hat seine eigenen Gesetze im Umgang mit dem Men- leuchtet er als der göttliche Funke im Menschen. Die Sprache benutzt er
schen. Denn mit dem Worte erschuf Gott die Welt, und mit dem Worte kaum. Er weiß noch, was das Wort ist, und woher es stammt. Er kennt
erhält Gott die Welt. Mit dem Worte segnet Gott und mit dem Worte die Sprache aber, er kennt das göttliche Gesetz, wodurch Form zur Ma-
flucht er. Deshalb kann man aus den Worten der Jonah-Geschichte uner- terie wird. Manchmal, wenn der Mensch noch geweckt ist, wenn der Fun-
meßlich Vieles vernehmen. Die Worte sind da; nur fehlt der Mensch oft. ke ihm noch bewußt ist, spricht dieser alte Mensch in ihm. Dann sieht er
blitzartig das Größte, und er stammelt, daß er keine Worte hat, das aus-
Was bedeutet Mündliche Überlieferung? zudrücken. Er sieht es, nennt es Vision, nennt es Traum. Und sobald er zyxwvutsrqpo
es erzählen will, wird es töricht, er bemerkt, wie er es verstümmelt, wäh-
Ich habe von Jonah erzählt, so wie die Überlieferung mich es lehrte. rend er es erzählt. Deshalb ist der „,alte" Mensch sehr sparsam im Ge-
Die Überlieferung ist nicht ein Gebiet, das sich bis jetzt erhalten hat, da- brauch der Worte, er begnügt sich vielfach mit kurzen Formeln. Denn er
mit heutige Gelehrte in ihrem unermeßlichen Selbstdünkel feststellen, weiß, daß ein jeder, in dem der Funke lebt, gerade in dieser gedrängten
wie alt oder, was ihnen immer am liebsten ist, wie jung sie ist, wer das Formel den göttlichen Funken in seiner irdischen Umhüllung erkennen
oder jenes geschrieben hat, an welchem Ort und in welchem Jahr. Die und daß der eine Funke sich mit dem anderen verbinden wird. Wenn na-
Überlieferung stammt, wie auch der Mensch, nicht aus der Geschichte. turlich moderne Gelehrte in ihrer wissenschaftlichen Überheblichkeit
Sie ist da, so wie der Mensch da ist, so wie das Wort da ist. Der Mensch solch eine kurze Formel lesen, bleibt der Funke unerkannt, weil eben i
wird wo anders erschaffen, er steigt hinunter in diese Welt. Und das Wort ihnen der Funke schon längst erloschen ist. Sie werden dann mit einer
kommt ebenfalls hinunter in diese Welt. Durch das Wort entstehen die A, I materieller oder geistiger Carbon-Methode messen, wie alt oder wie zyxwvutsrqponm
Mitteilungen, die Berichte. Sie kleiden sich hier, wie der Mensch, in irdi- Jung wohl ein Text ist, sie werden anderen Gelehrten widersprechen, man zyxwvutsrqponm
dische Kleidung. Sonst würden sie hier nicht erscheinen können, sie wür- w ir d streiten und sich gegenseitig trotzdem Gelehrte nennen. Weil man
den als nicht wahrnehmbare Lichtfunken verstieben. ln der irdischen eben an demselben Götzendienst beteiligt ist.
.Umhüllung, wodurch wir das Wort hören und sehen können, wodurch Die Überlieferung nun hieß immer die mündliche, weil man ihr große
wir die Geschichte formen können, lebt aber dieser Funke einer anderen Mhrfurcht zollte. Als großen, als heiligen Schatz hütete man sie und er.
Welt. Und eine Geschichte wird erst verstanden, wenn der Mensch diese thlte nur jenen Schülern, bei denen man ermessen konnte, wie weit und
Funken darin spürt und erkennt. Dann leuchten auch seine Augen, denn le tief ihr Verständnis reichte, vom Sinn der Worte der göttlichen Offen-
sie spiegeln diesen überirdischen Funken, sie haben ihn erkannt, und er hwrung, Denn dieser Mündlichen Überlieferung gegenüber steht immer
hat den erkennenden Menschen erfahren und sich gefreut, weil er nun le chriftliche, dem Sprechen und Hören gegenüber steht das Schauen
seine Bestimmung gefunden hat. Man sagt, der in die irdische Umhüllung wnd das Sehen. Die Form der Buchstaben wird gesehen; erklärt und
verbannte Funke sei damit erlöst.
tanden, in ihrem Sinn für diese Welt, wird sie aber vom mündlichen
Die Überlieferung ist so alt wie der Mensch. Und des Menschen Alter
Wut, So steht die schriftliche Offenbarung, mit ihren unverrückbaren,
ist ewig, er kommt aus einer anderen Welt, aus einer Welt, wo Zeit ganz
anders berechnet wird wie hier. Weil in den Worten das göttliche Geheim-
len Formen, als eine immer gleich erscheinende Schau dem Menschen
nwber, Sie ist die immer sich gleich bleibende Nachricht aus einer an-
nis noch gewußt wird, ist der Umgang mit dem Worte, dort, wo der
n Welt, Der Sin n dieser Mitteilung für diese Welt, die Lehre von die-
Mensch noch seinem Ursprung nahesteht, sehr bedachtsam, sehr ehr-
w Minn, das ist es, was der „,alte" Mensch aus der anderen Welt mitge-
furchtsvoll. Das Wort wird nur für das Heilige gebraucht, d. h. damit
ht hat, und was er hier in einer irdischen Hülle zum Erscheinen brn
diese Welt mit dem Absoluten verbunden, die weltliche Vielheit zur Ein-
will, Und deshalb ist diese mündliche Lehre genauso eine Offenb4
heit Gottes zurückgebracht werde. Dieser alte Mensch lebt noch im Kin-
die chriftliche. Es heißt, daß Gott dem Träger dieser Lehre, zyxwvutsrqpon
Das Buch Jonah Vorwort: zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
as bedeutet Mündliche Überlieferung? zyxwvutsrqponmlkjihgfe
17
16 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Moses, diese mündliche Lehre während 40 Tagen und Nächten offenbart, kann man sagen, daß es vor ungefähr 2000 Jahren war. Weil das Verges-
einer Zeitspanne also, die eigentlich identisch ist mit einer Ewigkeit in sen anfing, wurde das mündliche Wissen in ganz kurzen, so unverbindlich
der dort herrschenden Welt, und daß Gott die schriftliche Lehre im Blitz wie nur möglichen Formeln [Link] Wort war dabei genau durch-
eines Momentes offenbart. So ist die schriftliche Lehre wie ein verzeh- dacht, kein Wort war zuviel, keines zu wenig. Man hoffte, daß nun die
rendes Feuer, und sie wird so genannt, weil sie eben dieses Urlicht ist, Lehrer, die Weisen, die Erleuchteten, aus diesen so kurz geprägten For-
eine höchste Intensität der Kraft, eine Potenz, die hier nicht faßbar sein meln das alte Wissen durch ihre Unterrichtung für jede Zeit und für jeden
würde, wenn sie nicht von der Kühle des mündlichen, des gehörten Wortes, Menschen aufbauen könnten. Denn diese schriftliche Festlegung der
umhüllt wäre. Vom Urwort in seiner Urform, so wie die schriftliche Mündlichen Lehre will nur das Notwendigste festlegen, das Wichtigste,
Thora es darstellt, heißt es deshalb, daß es von der rechten Seite komme, den Kern. Die Lehre soll aber lebendig bleiben, und die Aufgabe eines
während die mündliche Lehre, wie auch der Mensch und diese Welt, als jeden Lehrers besteht darin, sie zu jeder Zeit neu ins Leben zu tragen, mit
die linke Seite verstanden wird. weinen Worten, mit seinen Taten. Der festgelegte Kern bestimmt für im- zyxwvutsrqponm
Was nun als Überlieferung auf uns kam, ist dieses Wissen, wovon er- mer ihren Inhalt; niemand kann nun mehr abweichen und sich mit seinen zyxwvutsrqp
zählt wird, daß Gott selber der Lehrer Moses ist, während der 40 Tage W o rten ins Ungewisse verlieren, oder gar in törichtem Gerede enden. Nur
und Nächte. Man sagt mit Bezug darauf, es stamme vom Sinai. Das ist wenn er diesen schriftlich festgelegten Kern der Mündlichen Lehre nicht
nicht geschichtlich gemeint, etwa in dem Sinn, wie wir Geschichte heute mehr ernst nimmt, nur wenn er durch seine Gedanken und seine Lebens-
verstehen, sondern geschichtlich im Sinne, daß es von einer anderen Welt luhrung diesen Kern nicht mehr verstehen kann, dann gerät er in Gebiete
herrührt. Für uns, in unserem Zeit-Denken, von einer erstmaligen Rea- des Wahnes, nur dann verfällt er ins Vage, ins Unwahre.
lität. Diese frühere Realität ist aber auch im Menschen da, e ben als Aus- Der Prozeß der Niederschrift des Kern-Wissens der Mündlichen Thora
druck der Tatsache, daß es eine frühere Welt überhaupt gibt. Und diese wimmt etwa 800 Jahre in Anspruch. Vieles bleibt nachher doch noch
Überlieferung war zurückhaltend und ehrfurchtsvoll, solange ihre Träger indlich erhalten. Es ist zu zart zum Niederschreiben, es zerbricht dabei.
noch wußten von ihrem unschätzbaren Wert. Da aber der Weltmensch Und das wird weiterhin nur mündlich gelehrt von Lehrer zu Schüler. Der
mehr und mehr wächst und seine diesseitigen Augen sich öffnen, vermag Lehrer erzählt es, je nach der Zeit und nach der Umgebung, je nach dem
er den wirklichen Sinn dieser Überlieferung allmählich nicht mehr ganz laungsvermögen des Schülers. Der Mensch wächst aber immer weiter,
zu erfassen. Er wird unsicher im weiteren überliefern. Es ist wie ein laubt die äußere Welt immer besser zu verstehen, und so gerät die
Traum, den man in wachem Zustand nochmals genau nacherzählen will. h mündlich gebliebene Überlieferung mehr und mehr in Gefahr. Ein- zyxwvutsrqpon
Man spürt, wie die wirklichen Formen, noch während wir die Worte bil- llwe fremder Kulturen dringen ein; man fürchtet, daß auch das Niederge-
den, sich verlieren, wie sie uns entgleiten. So vergißt ein Kind auch die hebene der Mündlichen Lehre nicht mehr verstanden wird. Und so
Bilder, die es im Himmel gesehen hat; es hat eben nur die stammelnden tote hen nähere Erklärungen, viel mehr in Worten festlegend, als es vor-
irdischen Worte, um von ihnen zu erzählen, und diese Worte genügen émah die Absicht gewesen wäre. Diese Phase dauert weitere 800 Jah-
nun einmal nicht. Vielleicht weint das Kind auch gerade deshalb, während bann iwt die Menschheit aber auch vollständig erwacht, dann leben
wir meinen, daß es Hunger nach irdischer Speise habe. l der Renaissance, in den Anfängen der Neuzeit. Nun gibt es keine
Diese Phase des anfangenden Vergessens des wirklichen Sinnes der helle der mündlichen Überlieferung mehr, die noch nicht aufge-
Überlieferung ist die Zeit, wo ungefähr die Geschichtsschreibung einsetzt. heben wurden, Denn ein erneutes Aufschreiben von altem Wissen
Man hebt an, den äußeren Verlauf der Welt zu beschreiben und meint, l wintach die Iegriffe nicht finden, womit man es wahrheitsgemäß
damit die Geschichte der Menschheit zu verstehen und erklären zu kön- len könnte, Wohl aber hat jeder wirkliche Lehrer, jeder Einge-
nen. Dann fängt eigentlich auch erst ein Zeitbewußtsein an, das wir bis h, wwch soviele Kenntnisse von der Erklärung und Deutung der
heute, mehr oder weniger, noch immer mit uns tragen. In diesem Sinne fleh tewgelegten Mündlichen Lehre, daß noch ein gewaltiger Kom-
18 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Vorwort: Für neue Leser 19
plex an nur mündlich überliefertem Wissen existiert, und jeder Lehrer kann nen Lehrern gehört hatte, und diese wieder von ihren Lehrern. Die Kette
davon erzählen, er kann sogar aufschreiben, was er von seinen Lehrern ging im Prinzip immer zurück bis auf ,,Moses am Sinai". So kommt auch
vernommen hat. das Wissen des Sohar aus dieser Quelle, und die Überlieferung, wie sie
In diesem Buche, das eine derartige Erklärung der Geschichte von heute noch lebt, interessiert es eigentlich sehr wenig oder gar nicht, ob
Jonah enthält, stütze ich mich vollständig auf Quellen dieser alten Münd- nun ein Moses de Leon um das Jahr 1300 das bisher älteste bekannte
lichen Überlieferung, so wie sie seit 2000 Jahren in schriftlicher Form Manuskript geliefert hat. Das Wissen des Sohar ist jedenfalls schon viel
auf uns gekommen ist. Ich erzähle aber diese Überlieferung im Kleide un- früher bekannt. Moses de Leon hat vielleicht Teile davon in seiner Art
serer Zeit, unserer Erziehung und unserer Denkart. So ist sie mir auch von wiedererzählt, so wie jeder Lehrer dieses Wissen für seine Zeit in das für
meinen Lehrern, denen ich hier begegnet bin, und denen, die ich durch diese Zeit geeignete Kleid hüllt. Der Sohar gilt als heiliges Buch. Er be- zyxwvutsrqponmlkj
die Lektüre ihrer Erklärungen oder das Vernehmen ihrer Mitteilungen witzt tatsächlich auch eine derartige Kraft, er enthält in komprimierter
gehabt habe, überliefert worden. Lebendig für meine Person, deshalb aber I 111 m ein derartiges Wissen, daß er an sich allein schon als ein Wunder
noch nicht lebendig für Menschen dieser heutigen Welt. Die Quellen der zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
ersc heint.
Mündlichen Thora und der späteren Erklärungen dieser Thora habe ich Auch wenn ich also den Sohar als Quelle benutzte, habe ich trotz-
stets angegeben. Wenn man sie nachschlägt, wird man sehen, daß sie den dem die äußerst kurzen Formulierungen des Sohar erklären müssen, eben
Kern dessen enthalten, was ich erzähle. Sie sind der Funke, der mich in- für unsere Zeit, für die Welt, in der wir nun geboren wurden. Meine Er-
spiriert hat, der mir zum Lichte ward. Immer blieb ich deshalb auf dem klirungen könnte man als den tatsächlich mündlich gebliebenen Teil
Wege, den die Mündliche Überlieferung als den Weg des Menschen kennt. llewes Wissens betrachten. Auch mir wurde er für mein Leben in dieser
Ich habe sehr genau darauf geachtet, diesen Weg zu gehen und nicht nach Welt, in einer für mich geeigneten Form überliefert. Die Linie steht aber
rechts oder links abzuweichen. Und es gibt mehrere Wegweiser, welche lwrch den Sohar-Text fest, so wie dieser wieder sein Fundament im Text
dem Gehenden bedeuten, daß er auf der richtigen Fährte ist. ler Jonah-Geschichte hat. Und die Jonah-Geschichte wiederum wird er-
Eine wichtige Quelle war mir diesmal das Hauptwerk der Kabbala, nnt durch die Struktur im Kernstück der Bibel, im Pentateuch, dem
der Sohar. Der Sohar ist ein Beispiel eines Buches, das erst spät schrift- ll, der im eigentlichen Sinne Thora heißt. Diese Kern-Struktur nun ist
lich festgelegt wurde. Die moderne Quellenforschung nimmt an, daß es t ittliche Bauplan der Welt, in dieser Kern-Struktur erkennt man ganz
um das Jahr 1300 zur Niederschrift kam. Es ist möglich, daß es stimmt, wtlich eine überweltliche Hand, erkennt man Gottes Hand. So führt
es ist aber genauso möglich, daß es schon früher als Manuskript in gewis- eh jede Erklärung stets auf diese Kern-Struktur zurück.
sen eingeweihten Kreisen zirkulierte, und daß die aus ungefähr 1300
bekanntgewordene Niederschrift nur eine der Fassungen war, von seinem Für neue Leser
Besitzer einigermaßen nach seinen Auffassungen und nach seinem Wissen
modelliert. Man kann es nicht wissen; alles, was geschichtlich darüber blee Erklärung der Jonah-Geschichte anhand der ältesten jüdischen
erforscht wurde, ist zu vage, zu spekulativ. übrigens, die Annahme der lieferung ist also eines meiner weiteren Werke in der Reihe der Er-
modernen Wissenschaft, daß ein Mann, ein gewisser Moses de Leon, dieses luterungen der Bibel für die heutige Welt. Man kann dieses Buch lesen,
gewaltige, nach seinem Inhalt fast unermeßliche Buch selber geschrieben he vorher die anderen Bücher gelesen zu haben. Damit dem Leser aber
haben soll, wäre ein größeres Wunder als die Mitteilung der Überlieferung itfe die ich schon früher erklärt und ausgearbeitet habe, nicht ganz
selbst, die die Feststellung des Inhalts des Sohar dem Simon bar J ochai lwlieh bleiben, habe ich in der hier nachfolgenden „Einführung" die
und seiner Schule zuschreibt. Simon bar J ochai lebte im 2. Jahrhundert, htlten Punkte aus den vorigen Werken zu erklären versucht. Ich
und es war die Zeit, wo man mit der Niederschrift des ganzen Komplexes be, dal\ auch Kenner der vorangehenden Bücher diese Zusammenfas-
der Überlieferung beschäftigt war. Man schrieb nieder, was man von sei- berlllen werden. Es ist gut, sich von Zeit zu Zeit Rechenschaft zu ge-
20 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Vorwort: Warum dieses Jonah-Buch? 21
ben, was man genau unter gewissen Begriffen und Ausdrücken versteht. dieses Esther-Buch dem Andenken ihres Vaters, eines Menschen, der mit
Klarheit ist wichtig. Vielleicht wird man dann die früheren Bücher noch seinem gewaltigen Wissen in der jetzigen Welt noch leben konnte wie der
tiefer verstehen und sie ins eigene Denken und Tun noch wirksamer Mensch aus der Welt dieser alten Überlieferungen. Schließlich war ich
einbauen können. sogar sehr zufrieden und glücklich, daß der Zufall des Zusammentreffens
Außerdem wird eine demnächst erscheinende alphabetisch geordnete dieser Vorträge und der Anfrage des Verlegers mich zu dieser Entschei-
Erklärung von Worten und Begriffen das Verstehen erleichtern. Eine Mög- dung geführt hatte. Es war wohl richtig, daß ich in diesen Jahren eben
lichkeit nachzuschlagen, was genau mit diesen Worten oder Begriffen ge- erzählen konnte von der Verborgenheit Gottes und von der Führung
meint ist. Nicht jeder Leser ist ja mit denselben vertraut, und es ist jeden- dieser Welt durch den Zufall. Denn in diesem Zufall wohnt ja die Ver-
falls für das richtige Verstehen wichtig, daß man begreift, wie ich diese borgenheit Gottes.
Worte und Begriffe verstehe. Vielleicht erwächst im Laufe der Zeit hier- Für das nächste Buch stand ich wiederum vor der Wahl. Teilweise
aus eine Art Lexikon dieser Begriffe, ein Lexikon im Sinne dieser alten waren schon Erklärungen über Hiob, über Ruth, über das Hohe Lied, Pre- zyxwvutsrqponmlkjihg
Überlieferung. dlger usw. fertig oder in Bearbeitung. Doch ich gab gerade für meine
holländische Akademie einen schriftlichen Kurs über Jonah, und ein
Warum dieses Jonah-Buch? Schweizer Schüler, Herr H. Äppli, der das Holländische einigermaßen
versteht, übersetzte diesen Kurs, Lektion für Lektion, ins Deutsche. Da
Gerne möchte ich auch die Frage beantworten, weshalb ich gerade nun doch auf diese Weise ein deutscher Text vorlag, war es nicht mehr zyxwvutsrqpon
das Buch Jonah gewählt habe als drittes in der Reihe der Bibel-Erklärun- chwer, die Wahl zu treffen. Es hätte genauso gut jedes andere Bibel-Buch zyxwvutsrqpon
gen. Das erste Buch, der,,Bauplan", ist ein grundlegendes Werk; es erzählt e in können. Eigentlich gab es mit Jonah, weil er ursprünglich für einen
von den Prinzipien in der Struktur der Schöpfung und in der Struktur Kurs geschrieben wurde, für schon fortgeschrittene Studenten, gewisse
des Wortes. Nach diesem grundlegenden Werke, das ich gerne noch voll- ichwierigkeiten für die Buch-Ausgabe. Doch glaube ich andererseits, daß
ständiger ausarbeiten möchte, damit es eben diese Grundlagen noch deut- eben weil es ein Kurs für Fortgeschrittene war, eine Fülle an Stoff
licher und ausführlicher erklären könnte, schrieb ich das Buch über hetet, so daß es ein Reservoir für weiteres und tiefergehendes Studium
,,Esther". Ich hatte die Wahl aus vielen, aus allen Bibel-Büchern. Denn l kann.
nach dem grundlegenden Werk sollten nun diese selben Grundlagen als Jonah ist deshalb, und das ist auch gut und wichtig, ganz anders ge-
Struktur in der ganzen Bibel nachgewiesen werden. So wie es im ,,Bau- heben, eine ganz andere Saite wird angeschlagen als in ,„Esther".
plan" für den Pentateuch geschehen ist. Und wenn man eine so große ot her' war mehr kontemplativ, „Jonah' ist präziser, härter. „Esther ist
Auswahl hat, sieht es oft aus, als ob der Zufall die Entscheidung treffe. le de»chichte der Neschamah, des Göttlichen im Menschen und in der
An jedem Bibel-Buch wäre das Wunder dieser göttlichen Schöpfungs- Welt, Jonah' die Geschichte des Leibes, ebenfalls aber des Göttlichen im
struktur zu zeigen. Ich habe es öfters in Vorträgen oder in Vorlesungen Mechen, Denn der Leib ist genauso von Gott wie die Seele. Und
an meiner Akademie getan. Der Zufall aber wollte, daß mein holländi- hletlich sind beide Eins. Nicht umsonst kennt die Überlieferung den
scher Verleger mich gerade anfragte wegen eines zweiten Buches, als ich Me ula, Sohn des David, als den Messias auf der Neschamah-Seite, und
in Genf es war zur Zeit des Purim-Festes in meiner Wohnung vor ln Meias, den Sohn des Joseph, als den Messias auf der Leibes-Seite.
einem kleinen Kreis eine Vortragsreihe über ,,Esther" hielt. Bekanntlich thd beide sind schließlich Einer, wie weit ihre Bestimmung erst auch
wird die Esther-Geschichte gerade am Purim gelesen. Da meine Frau, die landerruliegen scheint. Von Jonah sagt die Überlieferung nun auch,
übrigens selber auch den Namen Esther trägt, diese Vorträge angeregt der Messias, Sohn des Joseph, sei. Erlösung aus Juda kommend,
hatte, antwortete ich dem Verleger, daß ich also in diesem embarras de bwvld, und Erlösung von Joseph her. Es ist das gleiche, nur für uns
choix ... als neues Buch die Esther-Geschichte wähle. Und ich widmete lt weht es so aus, als ob es eine Zweiheit wäre.
.. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

22 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Vorwort: Warum dieses Jonah-Buch 23

Also bin ich doch mit dieser Wahl, die wieder durch Zufall zustande cine Rückkehr, wie fand er Israel vor! Und so blieb Jonah bis zum Ende
gekommen ist, zufrieden. Denn es gibt auch hier einen wichtigen Grund, sein Zeichen.
weshalb Jonah für mich persönlich etwas bedeutet. Durch einen Traum Wenn auch Nathan Birnbaum während seines Lebens den Jonah-
über Jonah wurde Nathan Birnbaum ,,vom Freigeist zum Gläubigen", Bericht nicht so verstanden haben wird, wie ich ihn hier erzähle, so hat
wie er seine Schrift über seine Umkehr nannte. Für ihn war Jonah dieser cr doch den Jonah gelebt, ganz durchlitten und durchlebt. Durch ihn
Blitz, dieser Funke. Er war es so stark, daß er es nie genau in Worte klei- - ich hörte sein Jonah-Erlebnis 1933 oder 34- habe ich mich mit grö-
den konnte. Deshalb blieb der Funke immer bei ihm am Leben. Jonah ßerem Interesse der Jonah-Geschichte zugewandt. Und schon in diesem
war für ihn fortwährende Realität. Sogar so stark, daß er uns vor seinem Jahren habe ich den Jo nah so verstanden, wie ich ihn hier beschreibe.
Tode gebeten hat, immer an seinem Todestage die Geschichte von Jonah Für mich war schon seit meiner Reife, am Ende der zwanziger Jahre und
zu lesen. Anfang der dreißiger Jahre, das Studium der Lehre mein ganzes Leben. zyxwvutsrqponm
Nathan Birnbaum hat für mich viel bedeutet. Durch ihn lernte ich die So war mir schon damals dieser Sinn der Jonah-Geschichte gegenwärtig.
Realität des jüdischen Volkes kennen. Ich verstand nun den Sinn dieses Erst nach dem Tode von Nathan Birnbaum lernte ich seinen jüngsten
Volkes, seine Kraft und seine Schwächen, ich verstand seine Zusammen- Sohn, Uriel, besser kennen. Ihn beseelte ein tiefer Glaube, wenn so etwas
setzung, ich verstand, was Politik bedeutet und was Wahrheit und Ge- móglich ist, vielleicht noch tiefer und ausgesprochener als der seines
rechtigkeit. Ja, ich kann sagen, daß Nathan Birnbaum mir klar machte, Vaters. Er war eine einmalige Persönlichkeit, von einer kaum zu erfassen-
welche Bewandtnis es mit dem Leibe, also dem Volks-Dasein des Juden- den Gr6ße. Ein alter jüdischer Prophet, so wie sein Vater, eine Gestalt
tums hat. Ist das vielleicht der Zusammenhang zwischen Nathan Birn- von königlichem Aussehen und Benehmen.
baums Bekehrung und seinem Jon ah-Traum? Von Uriel Birnbaum lernte ich den Sinn der Menschheit und die
Ich habe keine Ahnung, was Nathan Birnbaum von Jo nah gesehen Hunk tion des Judentums in dieser Menschheit. Von ihm lernte ich, daß
hat, und wie er es verstanden hat. Mit ihm sprach ich selten oder nie vom Gerechtigkeit Liebe ist, und ich verstand durch ihn, was die Kraft des
Sinn der Thora. Er ist erst in seinen späteren Jahren zum Gläubigen ge- Glaubens bedeutet. Er war Mensch im höchsten Sinne des Wortes, und er
worden; ihm fehlte in diesem Leben noch das große Wissen von den hat in seinem Leben gelitten, eben weil er solch ein einzigartiger Mensch
Tiefen der Lehre. Aber er akzeptierte sie ohne weiteres, er wußte, daß es 11, Ilei Uriel Birnbaum verstand ich zuerst, was Kunst bedeutet, ich sah

dieses große Wissen gab, und er hatte das ehrliche Vertrauen, danach leben die Rolle des Harmonischen in der Schöpfung, und deutlicher als je ver-
zu können. Nur nagte an ihm die Angst, daß dem heutigen Judentum tand ich die Gefahr des Häßlichen, des Unharmonischen, des Teufli-
dieses Wissen verloren ginge durch das Interesse an Politik, am Äußeren. hen, Uriel Birnbaum war Mensch, ganz Mensch, und das bekundete
Er verstand ganz deutlich, daß Politiker nie Weise sein konnten. Und es lh in seinem Leben und Schaffen. Für ihn war Kunst Religion. Nur
fehlte schon zu seiner Zeit e r starb 1937 73-jährig - gerade an Weisen, Jubie Kunst führt zu Gott, weil sie eben dem Menschen begegnet,
an Gerechten. Wer kannte und verstand noch die Tiefen der Lehre? Sie enn er sich mit seinem ganzen Einsatz zu Gott hinwendet. Ob Uriel
waren wohl damals schon verborgen. Denn nie wird die Thora im Volke lrnbaum sprach, schrieb oder malte, er wußte, daß der Mensch, wenn
Israel aufhören. t in Leben Gott gewidmet hat, von Gott geleitet wird. Für ihn war es zyxwvutsrqponm
Und so war Nathan Birnbaum, eben weil er wußte, was wichtig war, lbwt verstindlich, daß Gott seine Hand, seine Feder führte.
eine der ganz seltenen Persönlichkeiten, die noch den Sinn des Juden- tHnd nun hat Uriel Birnbaum, wohl inspiriert von seines Vaters ent-
tums verstand. Er wußte, wozu Gott Israel bestimmt hatte, und was heidendem Traum, eine Mappe mit 19 Lithos über Jonah gezeichnet.
deshalb der Weg des Judentums sein sollte. ln seinem Leben hat er den We lann man denn ein Erleben wie das von Jonah in Bildform ausdrük-
Weg von Jonah gelebt. Erst den Weg nach Tarschisch suchend, dann die lnt Man muß da wohl den Urformen begegnen, den Urformen, welche
Begegnung am Meer mit Jonah, und von da ab die Rückkehr. Aber welch ln wler anderen Welt die Potenz sind für die Formen in dieser unteren
24 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah
Welt. Ich glaube, man kann diese Zeichnungen nicht verstehen, man kann ZUR SCHREIBWEISE HEBRÄISCHER WÖRTER
sie even tu ell nachfühlen. Man kann das Erschrecken, das Entsetzen spü-
ren, den menschlichen Widerstand, den Protest des Leibes. Bei Jonah
wird das alles in der Welt des Wesentlichen erzählt. Die Zeichnungen sind
Ausdruck dafür, daß der Atem aus dieser anderen Welt uns auch hier be-
rühren kann. Wie ist es mit dem Traum? Woher kommen dort die For-
men? Und wie erzählt das Wort von der Form?
Es war schwierig, bei der Schreibweise hebräischer Wörter immer
Ich glaube, es wäre für mich unmöglich, ein Buch über Jonah zu ver-
öffentlichen, ohne an Nathan und Uriel Birnbaum zu denken. Ich bin konsequent vorzugehen. Im allgemeinen sind die hebräischen Wörter in
ihnen auf meinem Weg nach Tarschisch begegnet, sie waren für mich der sephardischen Aussprache geschrieben. Wenn ein Wort mit einem
Ur-Typen der Rückkehr. Und wie könnte dann ein Buch von mir über he" endet, wird dem in der deutschen Umschreibung Rechnung getra- zyxwvutsrqponmlkjihg
Jonah erscheinen ohne die Zeichnungen von Uriel? Daher freut es mich, gen. Manchmal haben aber solcher Wörter im Deutschen schon eine be-
at immte Form der Aussprache und Schreibweise angenommen, welche
daß ich durch die Mitwirkung der Frau und der Tochter von Uriel Birn
baum diese Zeichnungen erhielt und damit die Gelegenheit, sie hier zu von der richtigen, sephardisch-hebräischen, abweicht. So z.B. Isaak statt
veröffentlichen. Sie zeigen eine andere Seite der Jonah-Geschichte. Aber izchak, Sabbat statt Schabbath. In solchen Fällen wird manchmal das
eine Seite, die ebenfalls existiert. Man sollte das nicht vergessen. allgemein bekannte vorgezogen. Die Schreibweise des Hebräischen wird, zyxwvutsrqponm
fur diejenigen, welche mit dieser Sprache umzugehen verstehen, in Zah-
Zum Schluß noch kurz etwas über die Übersetzung. Herr Äppli über- len gegeben. Also z. B. für Jonah 10-6-50-5.
setzte den Text des holländischen Kurses getreu ins Deutsche. Damit Hinweise auf ,,Der Göttliche Bauplan der Welt" sind mit ,,Bauplan'
war aber noch nicht ein Text für ein Buch vorhanden. Herr Dr. Friede- wgedeutet, auf ,„Die Rolle Esther" mit „Esther", auf ,Die Symbolik der
mann Horn hat nun in Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Hans Wyss diese ibelsprache" mit ,Symbolik'. Wörter und Begriffe aus diesen Werken
Übersetzung einigermaßen paraphrasiert, ein wenig umgearbeitet, damit konnten nicht immer wieder in diesem Buche erklärt werden. Nur wo
sie etwas besser dem Charakter eines Buches gerecht wurde. Es ist nun das Verstehen von ,,Jonah'' es erforderlich machte, wurde eine kurze
an vielen Stellen wohl nicht mehr mein ursprünglicher Text, es ist aber trklirung gegeben. Sonst sei für eine übersichtliche Erklärung aller in
jetzt als Buch vielleicht vielen, speziell vielen neuen Lesern, etwas leichter meine n Werken benutzten Wörter und Begriffe auf das demnächst er-
verständlich. Den Herren Äppli, Horn und Wyss mein Dank für ihre auf- heinende einführende Lexikon der Begriffe der alten jüdischen Über-
opfernde, sehr viel Zeit beanspruchende Arbeit. lieferung hingewiesen.

August 1970
F. Weinreb
Uriel Birnbaum, ein Mensch im Dienste Gottes 27

URIEL BIRNBAUM leumdung, Armut, zu einer solchen auch quantitativ hohen Leistung im-
stande war. Er dachte, schrieb, er unterhielt sich mit seinen Besuchern,
und er wußte, daß wahrscheinlich nur ganz wenig, oder vielleicht auch
nichts von seinen Werken während seines Lebens der Welt bekannt wer-
den konnte. Doch hoffte er, bis zu seinem Ende, hoffte er mit der ganzen
In diesem Buch findet man den Text des Buches Jonah sowie 19 Li- Intensität, zu der ein Mensch wie er fähig war, daß er es erleben dürfte,
thos, geschrieben und gezeichnet von Uriel Birnbaum. Sie stammen aus wie die Welt seine Werke lesen und verstehen, wie sie Einsicht bekommen
einer im Jahre 1921 in Wien veröffentlichten Mappe, welche eben den und von ihrem törichten Wege ablassen würde. Er hat, wie Moses, in die-
Namen ,,Das Buch Jona" trägt. Die Mappe ist schon längst nicht mehr sem Leben das Gelobte Land nicht betreten.
zu haben, es werden sich sogar nur noch ganz wenige Exemplare in der Nur kurze Zeit, etwa in der Periode zwischen 1919 und 1932, kamen
Welt finden; die Auflage war ziemlich klein, und in Wien ist seit 1938 einige seiner Werke an die Öffentlichkeit. Sie beeindruckten die Welt tief,
so einiges geschehen. Es ist deshalb schon erfreulich, daß die Lithos in man spürte, trotz der vielen nach Rausch und Taumel suchenden Nach-
diesem Jo nah-Buche der Welt wieder gezeigt werden können. Höchst kriegs-Interessen, daß hier ein ganz besonderer Mensch sprach. Vielleicht
wichtig aber wird diese neue Veröffentlichung, wenn man sich vergegen- war es eben das, was dann das tiefe Schweigen heraufbeschworen hat.
wärtigt, wer Uriel Birnbaum eigentlich war. Uriel Birnbaum hatte gezeigt, daß er nicht ein Mensch war wie die ande-
Uriel Birnbaum war einer der stillen Verborgenen, einer der tief Ah- ren, daß er nicht ein Künstler war wie andere Künstler. Man ahnte in ihm
nenden und Wissenden. Die Welt, worin er lebte, die Zeit, in welche er den ganz anderen, den wirklichen Menschen. Und davor hat die Welt
geboren wurde, ertrug die Ausstrahlung einer solchen Persönlichkeit nicht. Angst, eine panische, blöde Angst. Man wollte ihn einfach nicht weiter
Sie hüllte ihn ein, sie versuchte mit jener instinkthaften Gewalt, mit der ehen.
nur das Böse aufzutreten vermag, ihn durch ein tiefes Verschweigen für So kam es, daß nur einige Werke zur Veröffentlichung gelangten.
diese Welt zu töten. Das Böse glaubt immer, daß wenn es tut, als ob etwas Von den Gedichten nur der Band „In Gottes Krieg", von seinen Schrif-
nicht existiere, es dann auch nicht wirken könne. Es weiß nichts von der ten nur das kleine ,,Gläubige Kunst", ein Büchlein über ,,Moses", und
immensen stillen Kraft des Verborgenen, es ahnt vielleicht nur diese das vom Verleger eines Sammelwerkes über die Ursachen des Antisemi-
Gegenwart, und es will diese dann immer wieder vernichten. Wenn etwas timus abgewiesene und deshalb im Selbstverlag des Autors erschienene
aber im Verborgenen wächst, ist es für das Böse unerreichbar. Das Leben Volk zwischen Nationen'. Nicht veröffentlicht, und zum großen Teile
eines Uriel Birnbaum hat für diese Welt bestimmt seine Wirkung gehabt, Ihrend des letzten Krieges vernichtet, wurden Essays und Romane. Ein
und diese Wirkung ist noch immer da. Für die menschliche Kausalität, roles, nicht ganz vollendetes Epos, von einer fast nicht mehr menschli-
die immer Ursache und Wirkung in der äußeren Erscheinung sucht, ist sie hen Schau, erzählt von einer Reise, außerhalb der Zeit, zu anderen
nicht aufzufinden. ternen, zu anderen Welten. Birnbaum sah hier, was wir noch nicht ah-
Dieses Verhältnis der Welt zu Uriel Birnbaum hat dazu geführt, daß en, er sah, wie in Wirklichkeit unsere Verbindung zu anderen Welten zyxwvutsrqponm
auch die Resultate seines Denkens und Schaffens im Verborgenen blie- eh gestaltet. Noch lange bevor die Menschheit ihre Raumreisen anfing,
ben. Der 1894 in Wien Geborene und 1956 in Holland Verstorbene hat 4hlte Birnbaum schon vom Wesen dieser Welten; nicht von ihrer äuße- zyxwvutsrqponmlkjih
ein enormes Werk hinterlassen, ein Werk von wirklich vollendeter Form, wen Hulle, von ihrer Erscheinung in unserem Zeitbild.
von einer blendenden Schönheit, von einer göttlichen Harmonie. Seine Von den Werken seines Schaffens als Maler, wo er wieder diese be-
tiefe Verbindung mit dem Geheimnis des Wortes führte zu Dichtwerken, wundere Verbindung zum Verständnis der Formen und des Wesentlichen
die ihresgleichen in der Welt kaum haben. Es ist unvorstellbar, wie ein den hier erscheinenden Formen zeigte, erschienen nur die hier wieder
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Mensch, in einem Leben, das heimgesucht wurde von Verfolgung, Ver- produzierten Bilder der Mappe „Das Buch Jona", ein Buch ,Moses",
r1 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCB

28 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Uriel Birnbaum, ein Mensch im Dienste Gottes 29

eine Sammlung ,,Der Kaiser und der Architekt'', eine Mappe ,,Welt-Un- mag. Es gibt schließlich auch andere Menschen in dieser Zeit, und für
tergang" und ein Buch mit Zeichnungen ,,Der Seelenspiegel". Ferner diese Anderen ist es gut, daß ein Uriel Birnbaum hier gelebt hat.
einige kleinere Sammlungen wie ,,Alice im Wunderland" und ,,Allerlei Vor einigen Jahren erschien ein erster Band Biblischer Sonette, ,Die
Absonderliche Tiere". Birnbaum hat auch mehrere Bilder gemalt. Es ist ersten Menschen''. Und voriges Jahr seine erste, schon vor 40 Jahren
anzunehmen, daß der Großteil dieser Bilder während des Krieges ihren geschriebene Novelle ,,Die Errettung der Welt''. Eine Ausgabe von einigen
Besitzern verloren gegangen ist. Das gleiche gilt wohl für die Originale .,Kurz-Dramen" ist in Vorbereitung. Ich möchte, daß die Welt, ihr zuliebe
in den obengenannten Sammelbänden. und der Gerechtigkeit zuliebe, Uriel Birnbaum kennenlernt. Es könnte
Auch als Maler fand Uriel Birnbaum zuerst lebhafte Anerkennung erlösend für sie wirken.
und Bewunderung. Man spürte hier das Werk eines Menschen, der durch Man sehe sich die Zeichnungen über Jonah in diesem Sinne an.
diese Formen hier hindurchsieht und das Wesentliche der Form zu zeigen
imstande war. Doch auch hier legte sich das tiefe Schweigen über sein F. Weinreb
Werk. Man könnte fast an eine Verschwörung glauben, wenn man nicht
wüßte, daß bei den Bösen immer wieder einer den anderen findet, daß es
eine selbstverständliche Verbindung gibt, eine Art starker Affinität.
Mit Birnbaums Eintreffen in Holland, 1939, glaubte man, daß die
Welt doch entdecken würde, wer schon so lange in dieser Welt mit ihr
gelebt hatte. Es kamen einige Vorträge, es kamen einige Ausstellungen.
Die Besprechungen waren alle begeistert. Die Holländer wußten noch
nichts von diesem Schweigen. Es kam aber der Krieg, und nach dem
Kriege kannte man es. Birnbaum erlitt nun auch in seiner neuen Heimat
das große Schweigen. Alles, was Freunde und Bewunderer für ihn unter-
nahmen, schien unter einem Zeichen des Widerstandes der Welt zu ste-
hen. Für mich schien das alles eher ein Zeichen der merkwürdigen Größe
des Meisters zu sein; diese Welt ertrug nun einmal einen solchen Menschen
nicht. Diese Welt erträgt Politiker, Manager, Charakterlosigkeit. Sie fürch-
tet sich aber vor einem wahren Menschen, sie duldet ihn nicht, sie will
ihn nicht wahr haben.
Erst nach seinem Tode erschien ein Band, ,,Auswahl", ein sehr dicker
Band, aber doch nur ein winziger Teil seines dichterischen Schaffens. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Man schwieg weiter. Höchstens konstatierte man, daß Birnbaum nicht
,,modern" dichtete. Tatsächlich, auch die Bibel hat eine ganz unmoderne
Dichtform, auf anderer Ebene. Dante, Shakespeare, Homer, auch diese
kennen, zu ihrem Glück und zu ihrer Würde, nicht die Dichtform der
Mitte des 20. Jahrhunderts. Man hat nun eine neue Ausrede: Birnbaum
ist altertümlich, veraltet, er nimmt keinen Anteil an der Dynamik dieser
aufregenden LSD-Zeit. Ein Glück, möchte ich sagen, daß Birnbaums
Werke noch da sind, im Verborgenen, und daß die moderne Zeit ihn nicht
Einführung: Die Wurzeln des Menschen 31
EINFÜHRUNG re, das Neue, womit er eins werden soll, entstehen zu lassen. Es ist wie
das Ausatmen und das EinatrrÍen, es ist wie das sich ausdehnende und
wieder zusammenschrumpfende Weltall. Es ist aber auch der Mensch
oben, das heißt in jenem, was wir Himmel nennen, und es ist der Mensch
Mit besonderer Berücksichtigung der neuen Leser werden in ,Einfüh- unten, hier in dieser Welt. Und schließlich ist es auch, in jeder Beziehung,
rung" und in ,,Das Wort und die Zahlen" die wichtigsten Begriffe, die in der Begriff der Immanenz gegenüber jenem der Transzendenz.
meinen früheren Büchern und in meinen Vorlesungen ausführlicher be- Dieses Geschehen der Selbst-Einschränkung, das sich auf allen Ebe-
sprochen wurden, in einer Zusammenfassung wiedergegeben. Man braucht nen und in allen Phasen kundtut, weil es eben ein absolutes, göttliches
sie zu einem richtigen Verständnis dieses Buches. Ich glaube aber, daß Geschehen ist, bringt das Prinzip der Begrenzung mit sich. Begrenzung
auch die Leser meiner früheren Bücher und meine Hörer etwas davon aber schafft gleichzeitig Fremdheit, läßt das sich Abstoßen geboren wer-
haben werden, ist doch diese Zusammenfassung im Hinblick auf das den, bringt Selbstbehauptung, Kampf, Feindschaft mit sich. Und so ent-
Jonah-Buch geschrieben worden. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
steht das, was man das Böse nennt. Es kennt vor allem nur den Trieb der
Selbstbehauptung; darin ist es aber eine der Grundlagen der Schöpfung,
Die Wurzeln des Menschen stammt es eben aus dem Willen Gottes, die Schöpfung zu machen, auf
daß das große Glücksgefühl der Eins-Werdung entstehe und immerdar
Die Wurzeln des Menschen sind im Himmel. Er lebt dort in der Ein- währe.
heit Gottes. Die Schöpfung ist ein Zurücktreten, ein sich Einschränken Sobald etwas in diese Welt, diese Schöpfung, hinein geboren wird,
dieser Einheit. Damit entsteht das Andere, entsteht diese Welt. Und so dringt es in die Sphäre, wo sich auch das Böse befindet. Es muß sich ja
wird der Mensch dann auch in diese Welt hinein geboren. hier behaupten, es fordert Nahrung; und damit vernichtet es anderes
Das Fundament dieser Schöpfung heißt die Liebe Gottes zu dieser Leben; es muß Raum einnehmen, und damit verdrängt es anderes Leben;
Welt. Denn diese Welt entsteht aus dem Gedanken Gottes, aus seinem es wird von anderen aus gleichen Gründen angegriffen, und so entsteht
Wunsch und seinem Willen, das unbeschreibliche Glücksgefühl der Einheit Kampf und Feindschaft. Doch ist das alles aber nur da, damit es das Ver-
einem anderen, einem Neuen, mitzuteilen und ihm dabei vor allem auch langen in sich spüre, Eins zu werden, mit dem anderen in eine friedliche
das Glück der Eins-Werdung zuteil werden zu lassen. Und dieses Schen- Harmonie zu gelangen, und vor allem und über allem, mit Gott, mit dem
ken der Seligkeit an einen Anderen, das ist es, was wir unter Liebe ver- Schöpfer wieder Eins zu werden. Dann ist der Mensch oben und unten
stehen. gleichzeitig da, dann ist die Einheit wiederhergestellt. Obwohl die Eins-
Weil im Eins-Sein das Eins-Werden schon inbegriffen ist, gehört der Werdung, in der Zeit gesehen, einen immerwährenden Prozeß darstellt.
Wille Gottes zur Schöpfung schon zum Ur-Zustand, zum für uns unermeß- Dieses Sehnen nach Eins-Werdung existiert, weil die Ursache für Got-
lichen Ewigen, zu dem, was die Überlieferung das En-Sof nennt. So ist tes sich-Einschränken eben die Liebe ist, die Liebe, die dem anderen, der
denn auch jeder Impuls des Mitteilen-Wollens ein Funke dieses göttlichen Schöpfung, das Glück der Eins-Werdung schenken will. Gerade diese
Willens zur Schöpfung. In Allem lebt das sich Eins-Wissen, und in Allem Liebe zum Anderen, zum noch Ungeschaffenen, gerade dieses Opfer des
wirkt das Eins-Werden-Wollen. In der Überlieferung heißt das auch der sich Einschränkens, des sich Begrenzens, zeigt, wie Gott selber die Ein-
,,Baum des Lebens", der dann auch, nach Gen 1, 12.13, der ,,Baum, der samkeit seines Eins-Seins durchbricht und nach dem Glück, und damit
Frucht ist und Frucht macht" genannt wird. auch nach dem Lob und Preis des Geschaffenen verlangt. Denn mit dem
So ist der Mensch im Einen und wird er zu gleicher Zeit zum Einen. Streben nach Eins-Werdung der Schöpfung mit Gott, sucht die Schöpfung
Um Einer zu sein, muß er alles umfassen und in allem sein; um Einer zu das Gute, die Gegenseite, also des nur die Selbstbehauptung wollenden
werden, muß er sich einschränken, muß er sich begrenzen, um das Ande- Bösen, und das Gute ist eben ein Ausfluss der Liebe. Mit dem Eins-
I

32 Das Buch Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA Einführung: Göttliche Funken 33

Werden hört die Begrenzung auf, endet eigentlich diese Welt. Der Begriff ständige, die totale Einheit sucht, ist in dieser Welt der Vielheit, der un-
des Guten ist zugleich der Begriff des Endes. Die Zahl 1 7, die Zahl des zähligen Grenzen, dem Bösen schutzlos ausgesetzt. Seine Existenz ist ja
Guten von den Zahlen wird weiter unten noch die Rede sein ist im- der Abkomme einer anderen Welt; sie ist eben erst dann wirklich da, wenn
mer auch die Zahl eines Abschlusses, eines zu-Ende-Gehens einer Welt. die Einheit erscheint, wenn die Grenzen nicht mehr zählen. Das ist das
Drama des Guten und Bösen, und das ist die Tragödie des Gu ten in dieser
Göttliche Funken Welt.

Gott in seinem Eins-Sein hält alle Welten in dieser Einheit umschlos- Der fortwährende Angriff des Bösen, des um seine Existenz in dieser
sen, es ist ein unfaßbarer Einheitsbegriff, außerhalb aller Maßstäbe, die Welt bangenden und deshalb kämpfenden, würde das Gute in dieser Welt
wir ahnen, oder auch nur ahnen können. Die Überlieferung spricht von vernichten. Die Welt würde weiter keinen Bestand haben, da der Sinn, die
diesem Zustand als dem der Einheit. Gott in seinem Sich-Einschränken, Eins-Werdung, durch die Vernichtung des Guten, eben verlorengehen
in der Schöpfung jenes schaffend, was wir Raum und Zeit nennen, bildet müßte. Denn nur zur Eins-Werdung wurde diese Welt erschaffen, nur
somit den Begriff der Zweiheit, die an sich schon das Tor zur Vielheit öff- deshalb konnte und sollte die Zweiheit erscheinen. Um die Welt zu be-
net. Die Schöpfung hat als ihre Grundlage schon die ,,Zwei". Und des- wahren, um ihr einen Sinn zu geben, hat Gott das Gute, den Willen zur
halb fängt der Bericht über diese Welt, diese Schöpfung, in der Welt der Eins-Werdung, in dieser Welt verborgen. Er hat es umhüllt, unsichtbar,
Zahlen denn auch mit der bestimmenden Zahl ,,Zwei" an. Es ist der nicht meßbar gemacht. Sobald es sichtbar ist, kaum daß der Mensch der
erste Buchstabe der Bibel, der groß hervorgehobene erste Buchstabe. Schlange, dem Prinzip der Zweiheit, gegenübersteht, erfolgt der Angriff
Da, wo die Zweiheit sich selbst als Zweiheit behaupten will, also und wird der Mensch als Träger des Verlangens zur Einheit getötet. So
nicht das Verlangen nach der Eins-Werdung in sich trägt, wo sie den tötet auch Kajin den Abel, sie stehen im selben Verhältnis zueinander
Zustand der Schöpfung, getrennt und dem Schöpfer gegenüber, beibe- wie die Schlange gegenüber dem Menschen.
halten will, herrscht also das Prinzip der Selbstbehauptung, das Prin-
zip des Bösen - in der Überlieferung heißt es das ,,ra". Dann nimmt der Dieser Kampf auf wesentlicher Ebene, als absolutes Prinzip, hat zur
Mensch so wird es ausgedrückt - vom ,,Baum der Erkenntnis des Gu- Folge, daß je weiter vom Ursprung entfernt, also je stärker das Wirken
ten und Bösen", vom Baume, der nach Gen. 1, 12 der ,,Baum, der Frucht der Vielheit ist, das Gute in dieser Welt desto mehr umhüllt, verborgen
macht" genannt wird. Dieses Nehmen bringt den Tod mit sich. Das Le- und nicht greifbar in dieser Welt erscheint. Es wird hier unerkennbar.
ben hat dann nämlich auch eine klare Beschränkung. Leben und Tod Erkenn bar ist nur die Hülle, die Schale. Und diese trägt die Kennzeichen
stehen einander gegenüber, beide haben ihre Grenze, und beide behaup- der Begrenzung, also das Zeichen, wodurch eben das Böse sich zeigt. Das
ten sich innerhalb ihrer Grenzen. Und auch das Gute und das Böse stehen sind die Kleider des Esau, die dem Jakob gegeben werden. Eben in dieser
sich gegenüber. Das Böse w zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
ill seiner Welt kein Ende setzen; es w ill ble i- Kleidung kann er hier erscheinen und seine Rolle in dieser Welt, seine
ben, es will seine Welt der vielen Grenzen aufrecht erhalten. Weil Gottes Rolle als Eins-Macher, als derjenige, der die Eins zustandebringt, bis zum
Schöpfung für unsere Begriffe ewig ist, hat das Böse in diesem Schöp- Ende spielen. Nicht anders tritt auch die Neschamah, die göttliche Seele,
fungsplan auch eine fortwährende Funktion. Das Böse fürchtet das Gute, jenes im Menschen, das ihm das Ebenbild Gottes verleiht, in die Welt ein.
es versucht, es immer wieder zu verfolgen und zu vernichten. Es ist sein Umhüllt vom Sichtbaren, vom Grenzenmachenden, von der leiblichen
Selbstbehauptungsdrang, es ist seine Angst vor der Beseitigung der Gren- Erscheinung. Und genau so ist die Schechinah, Gottes Gegenwart in die-
zen, es ist Panik vor dem Tode. Vor dem Tode, der aber gerade durch er Welt, verborgen, verhüllt. In allem hier lebt deshalb etwas von jenem,
die Grenzsetzung, durch das Böse als selbstständige Einheit, erscheinen das den Willen zur Eins-Werdung in sich trägt. Und der Wille zur Eins-
kann. Das Gute, das eben keine Grenzen kennt, das die große, die voll- werdung ist doch gerade das Göttliche. Denn Gott macht die Schöpfung,
I

Das Buch Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


34 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA Einführung: Das göttliche Tun des Menschen 35
damit sie mit ihm Eins werde, auf daß das höchste Glück für sie entstehe. sen, vernichten, vertilgen muß. Ein großes Leiden entsteht, ein unvorstell-
Das Gute heißt so, weil dadurch Gottes Liebe in der Schöpfung einkehrt. bares Elend, ein sich überall verlassen Fühlen, ein unausgesetzter Schrei
Im Gewirkten lebt der Wille des Wirkenden, in der Schöpfung lebt Gottes zieht nun durch die Schöpfung, ein in ihr nicht einmal gehörter und nicht
Streben. erhörter Schrei. Es sieht dort so aus, als ob Gott gar nicht da ist. Daß dies
So lebt das in Allem, in den Steinen, in den Metallen, in den Pflan- alles geschieht, damit die Eins-Werdung komme, hilft dem Leidenden
zen, in den Tieren, im Menschen. Die Überlieferung nennt das die Fun- nicht. Denn diese Welt kennt die Dauer, das Böse behauptet sich, und
ken; Funken also vom Lichte Gottes, vom En Sof. Dieses Wort En Sof das Leiden scheint kein Ende zu nehmen. überall, in Allem, sind die
hat nämlich den gleichen Zahlenwert, das heißt den gleichen Ausdrucks- Funken aus Gottes Einheit da, und überall, in Allem, leidet an erster
wert und in seiner Auswirkung die selbe Bedeutung, wie das Wort für Stelle dadurch Gott mit. Dies ist das Exil der Schechinah, es ist die Ge-
Licht (En Sof ist 1-10-50 60-6-80, also 207, und Licht ist 1-6-200, al- genwart Gottes in Allem, wodurch Gott das ganze Elend der Schöpfung,
so ebenfalls 207.) Aus dem En Sof, aus dem überweltlichen Ewigen, fal- überall und zu allen Zeiten, selber erleidet. Und der Sinn von dem allen
len in die Vielheit der Schöpfung die Funken mit der Beseelung des ist die Möglichkeit der Eins-Werdung. Sobald diese geboren ist, hat alles
Lebensbaumes, mit der Beseelung des Eins-Seins und des Eins-Werdens. Vorherige seine Schärfe verloren. Es ist wie bei der Geburt eines Kindes.
Diese Funken leben in allem, eigentlich sind sie es, die alles beleben. Wenn das Kind da ist, verfliegen die Erinnerungen an die Geburtswehen,
Denn ohne diese Funken wäre ja alles sinnlos. Es ist das Gute, es ist die herrscht nur noch das große Glück, daß das neue Leben erschienen ist.
Seite der Liebe, der Weisheit. Es ist die Seite, die für ihr Wirken keine Aber bis dahin, wenn die Geburtswehen eben das Gefühl, die Qual eines
Grenzen kennt, kommt sie doch aus dem Reiche des Unbegrenzten. nie Aufhöre ns, eines immer schlimmer Werdens verursachen! Das ist die
Sichtbar ist aber nur das Harte, das Grenzen-Ziehende, das sich im Kampf Tragödie von Gottes Warten auf die Rückkehr des Menschen. Es ist eine
ums Dasein streng Behauptende. Doch der Funke lebt im Verborgenen, Tragödie mit immer wiederkehrenden Momenten der Hoffnungslosigkeit,
er ist die Bürgschaft für den Sinn der Schöpfung. des Aufgebens, des Verzichtes. Das alles ist Gottes Preis für sein Geschenk,
für das Geschenk an den Anderen, damit er das Herrlichste spürt, das
Allerhöchste empfindet, was überhaupt nur zu spüren oder zu empfinden
möglich wäre, das Glück des Erlebens der Eins-Werdung.
Das göttliche Tun des Menschen
Und eben deshalb kann Gottes Gegenseite, eben deshalb kann der
Mensch diese Eins-Werdung nur erlangen auf dem Weg, wo er diese Eins-
Wie äußert sich nun das Verlangen nach Eins-Werdung? Ist es em Werdung um ihretwillen sucht, zu jedem Preis bereit, bis zum Untergang,
automatisches, ein mechanisches? Aus der Gegenwart vom ,ra", dem bis zur eigenen Vernichtung und zur Aufgabe seiner eigenen Existenz.
Bösen, ersehen wir gleich, daß es nicht so einfach ist. Denn wozu wäre Ein Aufgeben durch alle Phasen hindurch, ein absolutes Verlorengehen.
dann das Böse, wenn es automatisch beseitigt werden könnte? Was wäre Es ist also das genaue Gegenteil eines Automatismus, eines Mechanismus.
sein Sinn? Der Mensch, Gottes Ebenbild, steht vor derselben Erwartung, vor dersel-
Die Eins-Werdung, das Suchen der Schöpfung nach Gott, ist die ben Hoffnung. Und er weiß nicht, ob die Erwartung erfüllt werden wird.
Gegenseite von Gottes Verlangen, etwas außer ihm, etwas Anderem, Sehr oft fürchtet er, daß sie doch niemals in Erfüllung gehen wird, daß es
etwas Neuem, sein höchstes Glück zu schenken. Es ist eine freie Tat, und Äonen dauern könnte, daß seine Individualität der Vernichtung preisge-
es ist eine Tat, die ein großes Opfer fordert. Denn Gott gibt seine unge- geben sein würde. Er sieht die erdrückende Riesenmacht des Bösen, er
störte Einheit damit auf, Gott läßt es zu, daß eine Welt Raum und Zeit spürt die Erfolge des Bösen in dieser Welt, er sieht den Vorteil der massi-
bekommt, und daß in dieser Welt dadurch etwas herrschen muß und soll, ven Macht, er sieht das Gespött über das Gute. Wenn er dann noch nach
das ,,ra" heißt, das Grenzen behauptet, wobei das Eine das Andere fres- der Einheit mit Gott strebt, dann tut er es ohne irgendwelche Hoffnung
Das Buch Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
36 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA Einführung: Knechtschaft und Gelobtes Land 37
auf Erfolg, er tut es eigentlich unter einem Aufgeben dieser jedenfalls Dazu kommt die Neschamah in den Menschen, dazu wird sie, als
sichtbare Resultate zeitigenden Welt. Er tut es, wie man das nun nennt, Funken einer anderen Welt, in diese Welt geboren. Für sie ist es ein Exil
umsonst. Er tut es für nichts; eigentlich ist es ein vom rationellen Stand- und sie fürchtet diese Welt, wo das Massenhafte regiert, hüllt sich aber in
punkt aus dummes, nicht-Welt-gescheites Tun. Er tut es dann aber unter die Welt, gerade wie Gott seine Schechinah herbringt, und eben weil Gott
demselben Zeichen, wie Gott seine Einschränkung zustandebringt, mit der Schöpfung die Eins-Werdung schenken will. Damit sie es umsonst tun
derselben freudigen Hoffnung, daß es trotzdem, daß es nichtsdestoweni- kann, vergißt die Neschamah das Leben und das Wissen der Einheit. Sie
ger gelingen wird, daß ein Wunder eintritt. fühlt sich hier unsicher, verloren. Sie fühlt sich wie Gott gegenüber seiner
Gott weiß auch, daß mit dem Erschaffen dieser Welt das Böse einen Schöpfung: wird die Schöpfung das Ersehnte tun, wird es gelingen? Kei-
Platz bekommt, daß es sogar eine Bedingung dafür ist, diese Welt über- ner weiß es hier, keiner soll es und kann es wissen. Es ist eben der Preis,
haupt in Erscheinung treten zu lassen. Und Gott allein weiß, daß dieses das Opfer, das auf beiden Seiten für das Glück der Eins-Werdung er-
Böse sich emanzipieren, daß es ein selbstständiges Leben führen wird. bracht werden muß.
Denn diese Welt soll doch auch Dauer bekommen, sie soll doch für zeitli-
che Begriffe bis in Ewigkeit da sein. Und Gott kennt die verführerische Knechtschaft und Gelobtes Land
Kraft dieses Bösen, die fast naturgesetzlich anziehende Kraft, die Schwer-
kraft; er weiß, daß es alles hier Erscheinende an sich reißen wird. Gott So kommt also die Welt zustande; aus der Einheit kommt die Zwei-
könnte bereuen, daß er diese Schöpfung ins Leben gerufen hat. Gott be- heit, die Vielheit. Und dann das Warten auf die Wieder-Eins-Werdung.
reut, aber er tröstet sich gleichzeitig, daß es doch gelingen muß. Ein ganz Die entsprechende Struktur ist 1 >2»[Link] Mensch lebt in der Zwei-
unrationaler Trost. Im Hebräischen ist auch das Wort für Gottes Bereuen heit, er weiß sich umringt von dem Un faßbaren. Denn vor ihm steht die
das gleiche wie das Wort für Gottes Trost (Gen. 6, 6). Einheit, und hinter ihm steht die Einheit. Er weiß, daß er aus einem
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Und so steht der Mensch da. Er weiß, daß es augenscheinlich zu nichts Gelobten Land gekommen ist, er lebt in einer Welt, wo er in Knechtschaft
führt, und doch tut er. Tut er wirklich? Wie Wenige nur tun es! Immer ist, und er hofft auf Erlösung aus dieser Welt. Die Welt der Knechtschaft
aber ist ein Mensch da, der so handelt. Ihm zuliebe schon wäre die Schöp- heißt Mizraim, das ist Ägypten. Das Wort Mizraim kann verstanden wer-
fung nicht umsonst. Auf ihn wartet Gott. So erzählt und zeigt es die den als das Gebundensein in der Form, das in die Form gezwängt Sein,
Gottes-Geschichte der Welt. Gott wartet auf den Einzelnen, auf die We- ein deshalb als Leid empfundenes Bedrücktsein, eine Unfreiheit gerade da,
nigen. In der Welt der Vielheit zählen sie nicht, bedeuten sie nichts. Sie wo der Mensch in seiner Gott-Ähnlichkeit eben frei sein sollte. Und das
sind eben verborgen in der Masse, sie sind der Funke vom En Sof, aus Wort Mizraim hat dabei auch noch in sich das Prinzip der Zweiheit, eben
Gottes Einheit. dieser Zweiheit, die den Menschen das Hoffnungslose so entsetzlich erle-
So ist der Mensch selber auch erschaffen. In ihm lebt auch nur der ben lassen kann, die Angst davor, daß es niemals gelingen, daß man nie-
Funke, umhüllt von seiner Masse. Es ist die Neschamah, wie ein Unauffäl- mals erlöst werde. Die Zeit bedrückt mit dem Maße einer Ewigkeit.
liges, nicht Mitzählendes, verborgen. Nur selten kommt sie zum Worte, Das Gelobte Land, wo der Mensch herstammt, wird Kanaan genannt.
meistens ist sie stumm und schläft. Die Masse erdrückt sie, sie erschrickt Es ist zugleich auch das Land, wohin es ihn verlangt. Er kommt aus der
vor ihr, gibt auf und droht verloren zu gehen. Doch der Moment, wo sie Einheit und will das Glück der Einswerdung kosten in der Wiedereinkehr
gleichwohl wach wird, wo sie sich zur Tat entschließt! Es ist das gleiche in dieses Kanaan. Das Wunder der Sprache drückt sich in diesen Worten
Drama, die gleiche Tragödie. Es hängt alles davon ab, ob etwas geschehen auch so aus, daß Kanaan die Zahl 190, Mizraim die Zahl 380 darstellt.
kann aus einem anderen als dem naturgesetzlichen Prinzip, ob etwas eben Kanaan schreibt man 20-50-70-50, Mizraim dagegen 40-90-200-10-40.
,,umsonst", nicht um des Lohnes willen, sondern sogar augenfällig sinn- Es ist also, selbstverständlich, auch in den Worten der Weg 1 ➔ 2 ➔ l.
los getan werden kann. Kanaan trägt seinen Namen nach dem Kanaaniter, der es bewohnt,
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Das Buch Jonah Einführung: Einwicklung und Umkehr zyxwvutsrqponmlkjihgfedc
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wenn Israel, der Mensch also, der allem Anderen in der Schöpfung ge- Bildung der Zweiheit bei ihm, das Weibliche als Gegensatz zum Männli-
genübersteht, außerhalb, d.h. in der ,,Zwei", in der Knechtschaft ist. chen erhält, kommt im Garten Eden die Rückkehr zur Einheit nicht zu-
Und das Wort ,,Kanaaniter" bedeutet auch Kaufmann. Denn sobald die- stande und die Begegnung mit der Schlange öffnet den Weg zur Vielheit.
ses Prinzip des Tuns um Lohn, des Tuns ,,nicht umsonst'', das Entschei- Aus der Zweiheit des Menschen wird eine unendliche Vielheit.
dende ist, besetzt der Kanaaniter-Mensch jenen Bereich, der eigentlich So teilt sich der Samen, der dann auch ,,sera" heißt, bezeichnen-
die Welt der Einheit sein sollte. Das ist der Zustand, wo die Schechinah derweise also se-ra, das heißt ,,dies ist ra", „dies ist Böse" immer in
im Exil ist, wo Israel im Exil ist. Aus der Welt der Einheit ist etwas Be- die große Vielheit, sobald das Männliche und das Weibliche sich dort, im
stimmendes ausgezogen und in die Welt der Schöpfung, der Zweiheit, Kern, begegnen. Und so entsteht eben das Leben in dieser Welt, so kann
eingezogen. Es gibt unter diesen Verhältnissen keine richtige Welt der es sich behaupten, kann es immerfort hier anwesend sein.
Einheit. Der Bewohner der Einheit nämlich ist ausgezogen; Gott hat Es ist das Mysterium für den Menschen, der schon in dieser Welt,
sich im ,Zimzum' in die ,,Einschränkung" zurückgezogen, er hat den und gerade eben in dieser Welt, den Sinn der Schöpfung erkennen will,
Raum und die Zeit dem Kanaaniter, dem Kaufmann, überlassen. Doch daß das Böse da ist, da bleibt, gerade weil in dieser Welt fortwährend Gut
alles sehnt sich, diese Welt wieder zu besetzen, den Kanaaniter zu ver- und Böse da sein sollen, um immerwährend eben die „Zwei" herzustel-
treiben. len, damit immerwährend die Wahl bestehe, den Weg zur Rückkehr zu
gehen oder den Weg in die Vielheit. Immer wieder zeigt sich in der Zeit
Entwicklung und Umkehr auch der Anfang, so wie sich immer wieder auch alle anderen Phasen
zeigen, bis zum Ende, hin. Diese Welt der Zweiheit macht den Eindruck
Wenn die Welt der Zweiheit da ist, bestimmen auch zweierlei Kräfte ,rund" zu sein, unaufhörlich zu bestehen.
ihre doppelte Eigenart. Es sind die Kräfte ,,gut" und „böse". Das Gute Doch zeigt sich in diesem Weg in die Vielheit noch etwas ganz ande-
sehnt sich nach der Eins-Werdung, es sucht Gott, es verlangt nach ihm, es res. Es wird zu einer Angelegenheit des Ausmaßes. Gott selber macht, wie
sucht die Heimkehr. Es sieht in ihm, was auch der Sinn der Schöpfung man das nennen kann, die ,,Zweiheit". Sie trägt schon die Potenz zur
ist, das höchste, das fast undenkbare, unfaßbare Glück. Man nennt diesen Vielheit in sich. Aber sie hat auch die Möglichkeit zur sofortigen ,,teschu-
Weg, den Weg der ,teschuwah'', das heißt ,,Rückkehr". Es ist der Weg wah", zur Umkehr, zur Rückkehr in sich.
2»1. Dagegen das ,ra", die andere Kraft in dieser Welt der Zweiheit, Typisch, der Begriff heißt ,teschuwah", also Umkehr. Denn der
sehnt sich nach Behauptung dieser Welt. Es kostet in dieser Welt die Mensch ist durch sein Herkommen schon auf ein Weiterbeschreiten des
göttliche Kraft, welche sie erschaffen hat, und das allein schon genügt, Weges ausgerichtet. Das Weitergehen ist selbstverständlich, es ist sozusa-
diese Welt zu bewahren, sie zu bewohnen. Es ist auch der Wille zum Le- gen ,,naturgesetzlich". Die Umkehr verlangt also tatsächlich eine ent-
ben, zum Sein. Es ist der Widerwille, diese Welt zu verlassen; wie sollte scheidende Tat. Der „,normale" Weg soll verlassen werden, der Mensch
man sie verleugnen als Ziel des Seins! Diese Kraft will diese Welt ausbau- muß sich um 180 Grad drehen; er soll das Entgegengesetzte dessen tun,
en, will sie noch mehr, noch besser bewohnbar machen. Im Willen zur was normal heißt, was die Welt als normal und vernünftig akzeptiert,
Rückkehr sieht sie eine Untergrabung der Existenz. womit sie in Frieden lebt. Keine leichte Drehung hilft, keine halbe Dre-
Sobald die ,,Zwei" sich nicht zur Rückkehr anschickt, wächst sie in hung. Nein, das ganz Andere wird erwartet, das Anti-Böse, die Anti-
dieser Welt, fängt sie an, sich hier zu ,,entwickeln". Und das ist es nun, Selbstbehau ptung.
was man das ,Viel-Werden' nennt. Die „Zwei" trägt schon in sich die Wann geht man schließlich und endlich diesen Weg zurück? Wann ist
Potenz zur Vielheit, bis an die Grenze des Unendlichen. Wenn etwas es genug mit dem Weg in die Vielheit? Welches sind die anzulegenden
schon einmal ,zwei" geworden ist, wird es, durch das Gesetz des ,,ra", Maße? Die Antwort auf diese Frage ist nicht so schwierig. Denn je näher
fast unausweichlich zur Vielheit. Sobald der Adam-Mensch, durch die der Mensch noch dem Ursprung steht, desto greifbarer ist für ihn das
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Das Buch Jonah Einführung: Entwicklung und Umkehr 41
Glück der Eins-Werdung. Und desto gewappneter ist er gegen die Versu- Reichtum, hätten diese dumme, in Finsternis lebende Menschheit ausge-
chungen der Welt der Entwicklung. Denn mit diesen Versuchungen ver- beutet und mit der Unterdrückung fröhnenden ldeen genährt. Wenn man
hält es sich folgendermaßen: solange man sie nicht gekostet hat, hat man schon von einem Gott sprechen soll, dann soll er ein moderner, entwik-
auch kein Verlangen nach ihnen. Man fühlt sich wohl ohne sie, und man kclter sein. Und jedenfalls kein Gott, der den Menschen in seiner Ent-
findet sich zurecht, besser als mit ihnen. Denn je weiter der Mensch den wicklungslust stört, gewissermaßen eine Art Präsident einer demokrati-
Weg von der Zweiheit in die Vielheit gegangen ist, desto komplizierter schen Republik, oder ein konstitutioneller Monarch, dem man in gewis-
wird ihm die Welt. Er ist verstrickt und gefangen, er weiß nichts mehr sen geeigneten Momenten eine Hymne singt. Es gibt zu denken, daß die
von der praktischen Durchführbarkeit einer Umkehr, sogar ein Anhalten christliche Theologie einen alttestamentlichen Gott der Rache und des
wird ihm immer schwerer. Es ist wie mit der Schwerkraft: die Geschwin- Blutes konstruiert hat, gegenüber dem den Menschen in seinem Tun
digkeit steigert sich im Quadrat der zurückgelegten Fallstrecke. demokratisch frei lassenden, zu ganz wenig verpflichtenden Gott der
Deshalb betont die Überlieferung vom Weg des Menschen immer Liebe. Entwicklung, überall Entwicklung, sogar Gott entwickelt sich
wieder, wie wichtig es ist, daß er eben gar nicht erst anfange zu fallen, noch, kommt immer weiter vom Ursprung ab. Und wie gerne glaubt der
daß er sich sobald wie nur möglich besinne auf die Bedeutung des Lebens, Mensch solchen Konstruktionen, wenn sie ihm nur die Freiheit geben,
auf den Sinn der Welt, und sie verlangt von den Lehrern, daß sie, wie der sich fast ausschließlich um diese Welt zu kümmern, wenn sie ihn frei
Vater und im Namen des Vaters, davon sprechen, von der Heimkehr, lassen, zu fressen und zu saufen, Krieg zu führen und seinen Lüsten zu
vom Leiden der Welt und vom Glück der Welt, wenn sie in ihrem Sinn leben. Die Konstrukteure schalten gleich den selbstverständlich sofort
erkannt wird. und leicht vergebenden Gott der Liebe ein. Wie sollte Gott, ein fort-
So gibt es also zwei Entwicklungstendenzen, die eine führt zurück, schrittlicher Gott, es auch wagen, dem Menschen etwas in den Weg zu
bringt die ,,Zwei", gerade bevor sie sich in die Vielheit verliert, wieder legen, dort, wo es den Menschen gelüstet! Man nimmt einem Hund doch
heim; so erlebt sie das Geschenk, wozu die ganze Schöpfung eigentlich auch nicht ungestraft den Freßnapf vor der Nase fort.
gemacht wurde. Die andere Entwicklungstendenz führt vom Ursprung Das ist der Sinn der Worte der Schlange, wo sie (Gen. 3, 5) dem Men-
weg, entfernt sich immer weiter vom Ursprung, bis sogar dessen Wesen schen einredet, er würde Gott gleich werden, wenn er nur vom Baume
undeutlich wird und man schließlich überhaupt nichts mehr von ihm der Erkenntnis des Guten und Bösen esse. Denn dieser Baum ist doch
weiß. Und das eben ist die Tendenz der Welt, daß sie den Ursprung ver- eben der ,Baum, der Frucht macht', er ist die Urform der Entwcklung
gessen machen will. In ihrem Drang nach Selbstbehauptung ist es für die von der ,,Zwei" in die Vielheit hinein. Die Schlange, die ,,nachasch ", ist
Welt immer wieder eine große Gefahr, wenn der Mensch noch von einem die Kraft der Entwicklung, aus der Zweiheit in die Vielheit, an sich. Sie
göttlichen Ursprung weiß. Es könnte ihm dann der für die Welt tödliche ist das Wesen dieser Kraft. Sie verspricht Erlösung, Erlösung durch Ent-
Gedanke einfallen, umzukehren, heim zu wollen, zurück zum Vater, zum wicklurig, Erl~sung als letzte Phase solcher Entwicklung. Es ist vielsagend,
Schöpfer. Es ist der Drang des ,,ra", diesen Gedanken an den Ursprung daß der Begriff ,,Schlange" im Hebräischen den gleichen Zahlenwert hat
auszuwischen. Der Ursprung soll lauter Diesseits-Welt sein, ohne eine wie das Wort ,Maschiach", das, wie man weiß, ,,Gesalbter" bedeutet.
Einmischung von anderswoher. Der Ursprung soll unwichtig sein, tot. Die Schlange verspricht Erlösung, am Ende des Entwicklungs-Weges vom
Dagegen soll die Gegenwart der Höhepunkt sein, nur um, aber dies dann Ursprung hinweg; und sie bringt endloses Leid, sie bringt den Tod, sie
auch ganz sicher, von der Zukunft überragt zu werden. Das Ziel soll in bringt die Tragödie des ewigen Wartens. Die Schlange ist die andere Seite
der Zukunft liegen; die Gegenwart sei eine Phase des Weges zu diesem der Erlösung, der Erlösung, die jeden Moment eintreten kann, wenn der
Ziel. Die Vergangenheit ist, im Vergleich, unwürdig, rückständig, dumm. Mensch nur zurückkehren wollte, der Erlösung, die ganz losgelöst ist von
Dementsprechend müssen auch die früheren Auffassungen über Gott pri- Entwicklung. Deshalb wird es auch als Fehler und als Sünde bezeichnet,
mitiv, falsch, töricht sein. Gemeine Priester, ganz erpicht auf Macht und wenn man die Erlösung ,,berechnen" will. Berechnen will sagen, daß die
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Das Buch Jonah Einführung: Das Mysterium der Zweiheit zyxwvutsrqponmlkjihgfed
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Erlösung abhängig sei von der Entwicklung der Zeit, von ganz anderen Zeit. Denn das Verlangen nach neuen Erfahrungen, nach noch tieferem
Faktoren als von der Umkehr, der Heimkehr des Menschen. Gleich im Rausch stachelt die Erfindungskraft an. Längst ist der göttliche Ursprung
Moment, wo der Mensch umkehrt, kann die Erlösung da sein. Er soll nur des Menschen vergessen. An ein Erlösung bringendes Endziel glaubt man
kompromißlos umkehren, mit allem, was er hat, nichts soll er hier zurück- auch kaum noch. Man lebt von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Man
lassen. fürchtet nur, daß der Rausch zu Ende gehen könnte. So fürchtet man
So kennt man die Erlösung unter dem Zeichen der ,,58". Die bibli- auch den Tod als das Ende des Lebensrausches.
schen Weltzeiten, welche unabhängig von unseren mechanischen Zeitbe- Dieser Prozeß ist nicht aufzuhalten. Ein Steilrandfahrer darf seine
griffen sich kundtun, weisen auf den Zeitpunkt 58 als Erlösungszeitpunkt Geschwindigkeit nicht verringern. Die Entwicklung bekommt explosiven
hin. Ich habe darüber im ,,Bauplan" ausführlicher gesprochen. Dieser Charakter. Der Moment kommt, wo der Mensch bemerkt, daß er als
Zeitpunkt 58 ist aber zugleich das Wort ,,chen'', also der Begriff ,,Gunst", Mensch nackt dasteht. Er versteckt sich vor Gott, und Gott sucht ihn.
,,Gnade". Gott wendet sofort seine Liebe, seine Freude, dem Menschen Die große Krise nähert sich.
zu, wenn der nur heimkehren will. Auf ,,58" braucht man nicht zu war- Wenn ich von den Kräften der Entwicklung spreche, so meine ich
ten. Die ,,58" wartet vielmehr auf den Menschen; Gott will seine Gnade, diese Entwicklung. Das sich Entfernen vom göttlichen Ursprung, das von
seine Liebe schenken; er wartet auf des Menschen Umkehr von seinem der ,,Zwei" ins ,,Viele" ziehen, anstatt sich auf die Welt und den Sinn
Weg aus der ,,Zwei" in die Vielheit. der Schöpfung zu besinnen. Entwicklung ist der leichte Weg, der selbst-
Die Schlange ist also die Kraft, welche die Entwicklung aus der ,,Zwei" verständliche Weg, der gesetzmäßige Weg. Es ist die große und fortwäh-
zur Vielheit zustande bringt. Deshalb erzählt die Überlieferung auch, daß rende Versuchung. Ihre Versprechungen sind verblendend. Ihr Ursprung
hr die Schlange in der menschlich-körperlichen Erscheinung identisch ist ist der Hochmut, daß man sich als die einzig bewegende Kraft anerkennt
mit seinem Unterleib, der Region also des ,,Samens", des ,,sera", der und sich göttliche Kräfte einredet und einbildet. Umkehr ist der schwere
,,Viel-Machung". So wie der Kopf die Region des Männlichen und der Weg, der Weg, auf dem man Gott anerkennen muß. Nicht als eventuell
Rumpf bis zum Unterleib das Gebiet des Weiblichen heißt. geduldeten Schöpfer, der die Welt vor einigen Milliarden Jahren gemacht
Diese Kräfte der Entwicklung haben die Eigenart, daß sie an sich hat, der aber-jetzt jedenfalls für die Welt kein Interesse mehr aufbringen
binden; ihre Affinität ist sehr stark, es ist wie mit der Anziehungskraft, kann, sondern als einzige Realität, als einziger Absoluter, als Vater und
wie mit der Schwerkraft. Und der Mensch ist wie der im Leeren schwe- König der Welt.
bende Körper, der, wenn er sich der Erde zu stark nähert, von ihr ange-
zogen wird. Kommt er einmal in diese Vielheits-Sphäre, so geht es immer
schneller mit ihm; die große Macht zieht an, läßt kein Zurück mehr zu. Das Mysterium der Zweiheit
Und so begibt er sich unter den Aspekt der Welt, den wir kennen.
Jeder Schritt verlockt zum nächsten, und so ohne Ende. Ein Zurück Was ist es nun aber eigentlich mit diesem Bösen? Ist es doch die
scheint ausgeschlossen. Die Welt, an die man sich schon gewöhnt hat, Grundlage, wodurch hier alles erst in Erscheinung treten kann. Deshalb
will man nicht verlieren. Es ist wie mit einem dem Rausch Verfallenen. ist ein tiefes Geheimnis in ihm verborgen, ein Geheimnis, das nicht in
Und tatsächlich stimmt der Vergleich mehr als nur bildlich. Denn die dieser Welt und in diesem Leben gelöst werden kann. Denn in dieser
Entwicklung in die Vielheit verursacht einen Rausch, einen Taumel. Man Entwicklung, in diesem sich Entfernen, geschieht noch ein Anderes. Das
weiß heute, wie schwierig eine Entwöhnung ist; wie oft ist sie hoffnungs- eben bewirkt es, daß man nur mit Erschauern diesem Anderen zusehen
los. Man braucht immer stärkere Dosen der Erregung, der Beruhigung. kann. Denn auch in der Entwicklung ist der Funke verborgen, der Funke
Was erst einmal Luxus hieß, wird bald zur Norm, und das nie Geträumte aus der göttlichen Einheit. Gott geht auch den Weg von der ,,Zwei" in
wird nun erreicht. Die Befriedigung dauert aber immer nur für sehr kurze die Vielheit mit. So heißt es denn auch, daß Gott mit Israel hinabzieht
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Das Buch Jonah Einführung: Das Mysterium der Zweiheit 45
in das Exil in Mizraim. Und so zieht Gott auch mit der Neschamah mit
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA die Erfahrung; und er weiß, daß er sie doch nie in Worten wird aus-
in diese Welt. drücken können.
Immer leben diese Funken, wie im Raum, so auch in der Zeit, in Je mehr aber der Name hier zunimmt und wächst, je mehr sich die
dem von uns Entwicklung genannten. Und wie im Raum die massive kör- 26 der Erfüllung nähert, desto größer wird die Möglichkeit der verbalen
perliche Umhüllung sie verbirgt, so umringt massenhaftes Zeitgeschehen Erklärung, der verbalen Schau. Man sieht Zusammenhänge, weil eben die
die Funken in ihrer Erscheinung in der Zeit. Verbirgt und beschützt sie. Zeit uns solche Zusammenhänge darbringt. Es sieht für uns oft aus wie
Nur in dieser Verborgenheit können diese Funken hier leben. Zufall, es ist aber eine logische Folge eben dieses wachsenden Logos.
Gottes Mitgehen in der Zeit geschieht im Zeichen seines Namens Immer weniger ist es der innere Aufstieg, immer mehr wird es ein be-
,,Herr",jenem Tetragramm, das man im Hebräischen mit ,,Adonai", Herr, wußter, ein gesuchter und gewollter.
umschreibt, um es nicht aussprechen zu müssen. Es hat die Buchstaben 10, Man kann sagen, daß der Mensch früher also auch in seinem eigenen
5, 6 und 5. Wir sehen, daß die Bibel denn auch von den 26 Geschlech- ,,Früher" - wie in einem Schlafzustand aufstieg und seine Erfahrungen
tern spricht in ihrer Kern-Erzählung, die eben die ,,Zeit" zwischen der sammelte. Gleichsam im Traume, wie unbewußt. Er erfährt es aber genau.
,,Zwei" am Anfang und der ,,Eins" am Ende, am Sinai, umfaßt. Und wir Mehr als den Antrieb einiger Worte in seinem Bewußtsein braucht er
stellen auch fest, daß diese 26 Geschlechter in 4 Gruppen eingeteilt sind, nicht. Doch der Mensch dieser Welt wird immer wacher. Nun wird es ein
und bemerken, ohne daß der Text irgendwie darauf aufmerksam macht, Aufstieg intellektueller, rationaler Art, er findet nun die Worte; Begriffe
zu unserer Überraschung, daß diese 4 Gruppen genau, in der gleichen entstehen. Der wache Mensch denkt nicht gerne in Traum-Begriffen, er
Reihenfolge wie beim Namen Gottes als Herr,je 10, 5, 6 und 5 Geschlech- braucht den ganzen, klaren Plan, cr liebt keine Lücken.
ter umfassen. So entsteht der Mensch auch in der Schöpfungsgeschichte erst nach
So geht Gott, als Herr, in der Zeit mit. Unter diesem Namen. Mit 26 Versen, nach 26 Schöpfungsphasen. Und je näher diese 26 der Erfül-
diesem Namen wächst die Zeit der Erfüllung entgegen. Das 26. Geschlecht lung kommen, desto ähnlicher werden die Schöpfungen dem Menschen.
erlebt die Offenbarung, das Herabsteigen Gottes auf den Sinai. Der Sinai Alles baut diesen Menschen hier auf, der als ,,Adam Kadmon" dann auch
ist diese Welt der Formen. Deshalb entsteht dort auch das für die irdische ein göttlicher Mensch ist.
Welt verständliche Wort. Das Wort, das das Formwerden auf Erden er-
Je ferner die 26 noch von ihrer Erfüllung steht, desto nötiger braucht
möglicht. Das ist eigentlich das Wesen der Offenbarung.
der Mensch eine Art Mystik, die durch eine völlige Entrückung erst ihr
Auch hier ist also Entwicklung da. In der Entwicklung, von der
Ziel erreicht. Aber wenn er der Erfüllung dieser 26 näherkommt, wird es
Schlange in die Wege geleitet, lebt als Funke die Entwicklung des Zu-
eine wache Mystik; er bemerkt, daß er, wie wach und erweckt er auch
standekommens von Gottes Namen als ,,Herr". Immer deutlicher wird
ist, in seinen Worten oder mit seiner Feder geführt wird. „Es" spricht
dieser Name auf Erden. Mußte man, ganz im Anfang, noch in die himm-
durch ihn hindurch; ,,es" schreibt. Und doch kann er ohne weiteres und
lischen Hallen aufsteigen, um Gottes Majestät, seinen Thron und seine
in Wahrheit behaupten, daß er selber es ist, der da spricht und schreibt,
Heerscharen zu erfahren, so wird jetzt Gottes Name auf Erden immer
und daß er ganz bewußt und überlegt sprach und schrieb.
deutlicher. Die Überlieferung wird auch im Laufe der Zeit immer expli-
ziter. Es finden sich immer mehr und leichter Worte und Begriffe, die Die Entwicklung des Materiellen, die Explosion der Hülle, geht
Gott und sein Werk, sein Eingreifen, seine Gegenwart beschreiben, erklä- schnell vorwärts, und sie wird immer schneller und intensiver. Sie droht
ren können. Die ältesten Überlieferungen deuten nur in ganz kurzen alles andere zu ersticken. Es ist alles nur noch Erscheinung, alles nur noch
Formulierungen an, was das Wesentliche ist. Denn der Mensch selber Äußeres. Masse ist nicht allein schwer, sie ist stets zugleich auch dumm
kann dann noch aufsteigen, die himmlischen Paläste besuchen. Worte und boshaft. Aber dennoch leben die Funken in diesen Hüllen. Sonst
allerdings findet er kaum dafür. Aber Worte braucht er auch nicht. Er hat könnte überhaupt nichts hier existieren. Und diese Funken sind es, worin
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Das Buch Jonah Einführung: Das Mysterium der Zweiheit zyxwvutsrqponmlkjihgfed
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sich die Entwicklung des Namens Gottes zeigt, worin sich seine Erschei- Handeln, in der politischen Entwicklung, kann man ebenfalls die Funken
nung manifestiert. Diese Funken erzählen immer mehr, sie erleuchten erkennen und damit erlösen. Man erkennt die Funken, wenn man ihre
den nun wachen Menschen immer tiefer. göttliche Natur erkennt, wenn man in ihnen die Struktur des Wortes in
So entwickelt sich z.B. die Philosophie zu klarerem Denken und zu der Thora wiedererkennt, die Struktur der Schöpfung, so wie sie das
vertiefter Einsicht. Begriffe finden befriedigendere Definitionen, die frü- geschriebene und das überlieferte Wort eben zeigt. Man soll die Funken
her noch im vagen bleiben mußten. Die Metaphysik wird immer intensi- erkennen in allen Phasen und in allen Möglichkeiten der Technik, denn
ver. Doch auch auf den Gebieten, wo eben die Entwicklung des Körper- auch dort sind sie da. Alles was Gott in Erscheinung ruft, soll den Men-
lichen, des Materiellen, solch ungeahnte und ungekannte Maße annahm, schen interessieren. Er soll die Frage stellen nach dem „Warum" und dem
wurden die Funken deutlicher, erzählten sie mehr von dem wachsenden ,Wozu". Denn in der Tat: wozu bringt Gott uns das alles? Was soll es
Namen Gottes. Die Struktur des Atoms konnte dem, der den Funken uns und was sollen wir mit ihm?
suchte, vieles erzählen von der Struktur des Weltalls, von der Dualität, Mit der unglaublichen, betäubenden Intensität der Entwicklung, des
vom Paradoxon; das Periodische System der Elemente zeigte, daß die Hinwegíliehens vom Ursprung, des Wachstums des Oberflächlichen, ent-
Siebenheit sich sogar da ausdrückte, es zeigte, daß es auch ein Wachstum wickelt sich auch das Andere, wächst auch Gottes Name als ,,Herr" zur
im Materiellen gab, wo wir nur einen toten Stoff zu sehen glaubten. Das Erfüllung. Gerade jetzt, gerade in solchen Zeiten des asymptotischen
Verhältnis von Sauerstoff und Stickstoff in der irdischen Atmosphäre Wachstums der Entwicklung, gibt es eine Fülle zur Offenbarung drängen-
zeigt, daß das Grundgesetz der 1 : 4 auch da gegenwärtig ist. Der mensch- der Funken. Denn wie das Eine zu Ende geht, so geht auch das Andere
liche Körper und seine Funktionen zeigen gleiche Parallelen, die Psycho- dem Ende zu. Wenn das Eine unten, in den finstersten Tiefen angelangt
logie konnte dem, der den Funken suchte, vieles erzählen, das vorher im ist, erreicht das Andere oben die höchsten Himmel. Wenn das Eine in
Dunkel des Nicht-Wissens verborgen war. In Astronomie, moderner Astro- unendliche Vielheit zerfällt, in eine sinnlose, den Menschen abtötende
logie, Biologie, überall kann man diese Funken erkennen. Wären diese Spezialisierung, erreicht das Andere die Einsicht der Einheit, erreicht es
Funken überhaupt zu uns gekommen, wenn nicht die gewaltige äußere die höchste Freude der Eins-Werdung.
Entwicklung stattgefunden hätte? Eben weil diese Entwicklung des Äuße- Was ist also der Sinn dieser Entwicklung, dieser Flucht hinweg vom
ren sich begab, konnten diese Funken erkannt werden. Ursprung? Sie bildet gerade die Grundlage für die andere Entwicklung,
Man nennt dieses Erkennen der Funken ihre Befreiung aus dem Exil, für die Vervollkommnung des Namens Gottes in dieser Welt. Am Ende
ihre Erlösung. Denn sie kamen in die Hülle, damit sie erkannt würden, wird dieser Name in seiner Fülle sichtbar, klar, lauter. Der Mensch kann
gewürdigt, daß man sich mit ihnen freute. Denn wenn man sie so erkennt, nicht die Entwicklung des Einen verneinen, ohne daß er mit der Aner-
sind sie ja Wege zur Eins-Werdung. Sie bringen den Erkennenden Gott kennung des Anderen heuchelt. Immer steht der Mensch, in jedem Mo-
näher, sie führen ihn zur Göttlichen Einheit. Ihre Erlösung ist zugleich ment, auf diesem entscheidenden Punkt ,,Zwei". Er soll den Weg der
die Erlösung des sie erkennenden Menschen, denn beide werden doch Vielheit sehen, ihn aber nicht gehen. Er soll ihn verstehen. Damit wird er
zur Einheit gebracht. die Funken erlösen, er selber aber wird dann umkehren und nach Hause
Entwicklung kann also zum Untergang führen, zum Tode; Wissen- gelangen, zu Gott.
schaft kann die große Gefahr sein; aber diese Entwicklung führt auch Der Mensch muß lernen, in dieser Zweiheit zu leben und nicht etwa
dazu, daß man nun die göttlichen Funken in allen Teilen und in allen die eine Seite zu negieren, Die Welt ist Zweiheit, und das ist eben ihr Sinn.
Erscheinungen der Schöpfung ganz deutlich erkennt, daß man sie heim- Aus dieser Zweiheit soll der Mensch die Welt, und zwar mit seinem eige-
bringt, an ihren Platz in der Einheit, und damit den Sinn der Schöpfung nen Leben, wieder heimbringen, in die göttliche Einheit.
erkannt hat und selber die Freude der Eins-Werdung erfährt. Der Mensch
soll sich deshalb auch für alles Erscheinende interessieren. Im politischen
I

Wort und Zahl: Definieren und Formulieren zyxwvutsrqponmlkjihgfedcb


49
mit dem Worte wird dem Menschen gezeigt, daß die Welt ganz anders
DAS WORT UND DIE ZAHL ist, als er es sich vorzustellen gewöhnt hatte. Das Wort, die Sprache,
gehöre doch zum Menschen, meint er. Nun ja, und das gerade wird ihm
entzogen. Er spricht Worte und weiß, daß der Andere sie nicht versteht,
Das Definieren und Formulieren eben nicht versteht an den entscheidenden Punkten, dort, wo man sich
einer anderen Welt, dem Himmel, nähert. Sogar er selbst versteht sich
Wenn man einem Menschen etwas erklären will, so gebraucht man das dann nicht mehr. Er weiß, daß er sich dort, wo es ernst wird, mit seinen
Wort. Musik oder Farben sind niemals so eindeutig wie das Wort. Das eigenen Worten nur etwas vormacht.
gezeichnete Bild ist dem Worte schon näher; manches aber kann über Wenn es wirklich um die Entscheidung geht, entzieht sich das Wort.
das Bild nur sehr schwer oder gar nicht gesagt werden. Für Vieles war es recht gut zu gebrauchen. Da war man aber noch weit
Das Wort kann, wenn man es beherrscht, vieles verdeutlichen, es kann entfernt von den Grenzgebieten, wo die eigentlichen Entscheidungen
definieren und formulieren. Es gibt Möglichkeiten zu Nuancierungen und fallen, wo es darum geht, was was und wer wer ist. Gott selber, erzählt
Differenzierungen. Wenn man eine Sache ganz exakt vorstellen will, sucht die biblische Geschichte, steigt herab und verwirrt die Sprache. Von da
man nach unmißverständlichen Worten, so klar wie nur möglich, und an, heißt es, gibt es die 70 Sprachen. Wenn man 70 sagt, meint man ,,alles,
man faßt sich kurz, damit nicht doch andere Gefühlsmomente, die die was innerhalb des Menschlichen nur an Verschiedenheit möglich ist."
Aufmerksamkeit ablenken könnten, sich eindrä[Link] der Wissenschafts- Also 70 Sprachen in diesem absoluten Sinne können praktisch, im irdisch
zweig kennt daher seine Grundformulierungen, seine zusammenfassenden Relativen, tausend verschiedene Sprachen sein. Es wird damit aber auch
Formulierungen. Und doch bleiben Mißverständnisse, doch ist man fast gemeint, daß jedes Wort von nun an ebenfalls ,,70" Bedeutungen haben
nie imstande, etwas so auszudrücken, wie man möchte, wie man es in wird, also daß jeder Mensch jedem Wort eine andere Bedeutung zumißt
seinem Innersten fühlt. Außerdem versteht ein anderer unter dem glei- als jeder Andere. Wirklich verstehen kann man sich, wenn man an den
chen Wort - ich rede nicht von fremden Sprachen oder Übersetzungen - Pforten des Himmels steht, mit diesen Worten dann doch nicht. Der
fast nie genau dasselbe. Sogar bei Begriffen wie Pferd, Esel, Nebel, Wolke Turmbau und seine Folgen, in der Überlieferung ,,hafiaga" genannt,
können schon Differenzen in der Auffassung entstehen. Ganz schwierig ,,Spaltung", dizyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQP
e Zersplitterung des Wortes in die vielen Bedeutungsmóg-
aber wird es, wenn man von Gut und Böse, von Seele, Leib, Strahlung, lichkeiten, ist ein fortwährender, stets gegenwärtiger Menschheitszustand.
Licht spricht, oder von Härte, Gnade, Schönheit, Grundlage. Man erzählt So wie alle Mitteilungen in der Bibel eben fortdauernd gegenwärtig sind
in der Überlieferung, daß die Verwirrung der Sprache, die in Babel ent- und wirken, bei jedem Menschen und in der ganzen Menschheit.
steht, zur Folge hat, daß einer nach Instrument A verlangt, weil er es Nur eine Sprache zerbricht nicht. Es ist die Sprache Gottes. Mit dieser
benutzen möchte beim Bau des Turmes, der mit den Mitteln des Irdi- Sprache hat Gott die Welt geschaffen. Es ist, zwar vielleicht nicht in
schen den Himmel erobern will, und der andere ihm stattdessen Instru- unserem zeitlichen Sinne, die Ursprache auch des Menschen. Damit will
ment B besorgt. Sie fangen an zu zanken, und am Ende erschlägt einer ich sagen, daß die Konstituierung des Menschen mit dieser Sprache zu-
den anderen. sammenhängt, wie auch die Bildung der Welt. Diese Sprache ist nun auch
Die Geschichte hat natürlich einen Sinn. Wenn man glaubt, das Wort die Sprache, womit Gott sich an den Menschen wendet. Dem äußeren
benutzen zu können für diesen Zweck, für ein selbstbewußtes Hinein- Bilde nach ist es die hebräische Sprache, so wie sie in der Bibel noch un-
steigen in den Himmel, damit auch dieser für die Zwecke der irdischen berührt zu finden ist. Dem inneren Wert nach ist es die Sprache, die in
Allmacht dienstbar werde, entfällt dem Menschen eben sein wichtigstes jedem Menschen, der doch in Gottes Ebenbild erschaffen ist, und in jeder
Mittel, dann entfällt ihm das Wort. Das, wovon er glaubte, er selber habe anderen Schöpfung, die doch aus Gottes Gedanken zustandekommt, im
es gebaut, es sei ein Produkt seiner Entwicklung, versagt plötzlich. Eben tiefsten Wesen, im Kern, anwesend ist. ,,Gott spricht und die Welt ist.
50 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Wort und Zahl: Quantitative Relationen zyxwvutsrqponmlkjihg
51

Diese eine Sprache hat deshalb die noch ungebrochene Linie von der definieren als Worte, viele oder wenige, es je vermocht hätten. Er hat
äußeren Bedeutung bis zum tiefsten Wesen, bis dorthin, wo schon längst entdeckt, daß man z.B. Wasser unmißverständlich als Wasser erkennen
das menschliche Wort keinen Ausdruck mehr findet, wo schon das ist, kann, was man auch sonst über Wasser denkt oder von ihm hält, wenn
was der Mensch in gewissen Momenten wohl empfindet, wofür er aber man die Relation 2 : 1 hervorheben würde, die beim Wasser existiert,
keine Worte mehr hat, weil seine Kenntnis des Wortes nicht in solche wenn man also sagen würde: Wasser ist zwei Einheiten Wasserstoff und
Tiefen reicht. Andere Sprachen, ja alle Sprachen, haben ebenfalls ihre eine Einheit Sauerstoff. So entstand die Formel H3O. Immer noch kom-
Wurzeln an dieser Stelle; zwischen diesen Wurzeln und den im Menschen men aber die Worte Hydrogen und Oxygen vor bei diesem Verhältnis 2: 1.
sich äußernden Worten existiert seit der Haflaga im Menschen ein unbe- Man weiß aber inzwischen, wie Hydrogen aufgebaut ist und wie Oxygen,
kanntes Niemandsland, fließt ein unüberquerbarer Strom. Die Verbindun- und man weiß es, seitdem man die Proportionen und die Anzahl der Ur-
gen gehören zum Verborgenen, zum ,,nistar". Bestandteile kennt. Man könnte diese beiden Stoffe, und so auch alle
Man kann und darf diese Verbindungen nicht leugnen. Denn das, was anderen Stoffe, in der Sprache von Zahlengruppierungen beschreiben.
mit jeder Sprache erreicht werden kann, was Dichter, Künstler, Prophe- Dann wäre auch, wenn man tatsächlich bis in die Ur-Bestandteile zurück-
ten, Heilige, in welcher Sprache sie auch sprechen mögen, bewirken, die gehen könnte, jeder Streit und jedes Mißverständnis auf diesem Gebiete
größte Freude und die tiefste Trauer, das allein zeugt schon dafür, daß vorbei. Jeder Mensch, ja sogar jedes Wesen aus anderen Welten, würde
jede Sprache aus diesen göttlichen Wurzeln ihre Existenz empfängt. Mit die Proportionsformel verstehen können, wenn es auch ganz andere Na-
der Haflaga kommt aber die Spaltung: zwischen dem äußeren, verstande- men hätte für Wasserstoff und Sauerstoff. Und daß es ganz andere Namen
nen Wort und dem inneren Wert gibt es keine Brücke mehr. Ganz selten nur haben würde, steht wohl über jedem Zweifel. Was spielt das aber für eine
einen Hinweis, daß es einmal doch eine Brücke gegeben hat; man erkennt Rolle, wenn man sich über diese, die materielle Wahrheit exakt ausdrük-
die Stelle, und man kann doch nicht hinüber. kenden Proportionen ohne weiteres verständigen könnte.
Im Innern hat jeder noch die Ursprache. Nur deshalb kann er das Jeder Mensch der heutigen Zeit weiß, daß man jetzt fast alle phy-
Wort, in seiner Sprache jedesmal, benutzen, er kann damit überzeugen, sischen Erscheinungen, daß man fast das ganze von der Physik, Chemie
er kann erklären. Nicht aber kann er damit in das Wesentliche gelangen. und Biologie beherrschte Gebiet auf solche Weise in den von Proportio-
Der Mensch würde sonst mit Hilfe dieses Wortes in den Himmel steigen, nen bestimmten Formeln ausdrücken kann. Man weiß schon fast instink-
er würde es sich zu Nutze machen, um damit den Himmel zu irdischen tiv, daß ein von Formeln wimmelndes Buch ein wissenschaftliches Buch
Zwecken zu mißbrauchen. Eben weil der Mensch diesen Drang kennt, ist, und daß da jedenfalls nicht viel geredet werden muß, sondern ernst-
diesen Drang, selbst Gott zu sein, kommt die Haflaga über ihn. Es ist die- haft studiert werden soll; man soll sich einleben, verstehen wollen. Man
selbe Begehrlichkeit, wie die Absicht des Menschen, vom Baume der Er- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
spürt, daß man sich der Wahrheit dieser Ergebnisse eines langen und auf-
kenntnis und vom Baume des Lebens zu essen. Es ist der Drang der Seite, opfernden Studiums nicht entziehen kann. Man kann nur böse werden,
die das ,,ra" heißt, das Böse, sein Selbstbehauptungsdrang. weil man es nicht versteht, weil man eben sich nicht genügend einsetzen
kann oder will, um es ernsthaft zu verstehen.
Quantitative Relationen Seit den letzten Jahrzehnten kennt man das Phänomen des Compu-
ters. Die Daten eines Computers sind nur Zahlen, das heißt, erst wenn
Es gehört zu den Wundern der letzten Jahrhunderte, daß der Mensch man Worte und Begriffe in Zahlen ausgedrückt hat, kann der Computer
eingesehen hat, daß er sich, um genauer, wahrheitsgemäßer zu formulie- Dienste leisten. Und wir ahnen schon, welche Dienste und bis in welche
ren, nicht irgendeiner Wörter-Sprache bedienen sollte, sondern daß es in Ausmaße der Computer noch erbringen kann. Der Mensch ist eben dar-
den Phänomenen selber Verhältnisse gibt, quantitative Relationen also, auf gekommen, die Entwicklung hat ihn dahin geführt, daß man eigent-
Proportionen, welche viel exakter den Charakter solcher Phänomene lich fast alles in Zahlen ausdrücken kann, daß dies freilich erst alles et-
52 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Ursprache iund Haflaga 53
was komplizierter macht, doch daß schließlich alles viel deutlicher, einfa- Sprache bildet tatsächlich den Überrest, sie zeigt noch das Wunderbare.
cher, verständlicher wird. Was man aus Wörtern nicht verstehen konnte, Denn jeder Uberrest ist ja Zeichen eines Wunders.
wie man sie auch kombinierte, zeigt das Zahlenresultat des Computers. Die Sprache der Bibel kennt noch diese Verbindung; bei ihr enthält
Und dieses Zahlenresultat braucht man dann nur noch in Wörter zu die Formel des Äußern, also das gehörte oder das erblickte Wort, zugleich
übersetzen, um es jedermann verständlich zu machen.
die Formel des Innern, des Wesentlichen. Die Formel des Innern zeigt
Natürlich kann man im allgemeinen die für den Computer benutzten sich uns aber als Proportion, ist also nur zahlenmäßig wiederzugeben.
Zahlen nicht vergleichen mit den durch Experimente und Erfahrungen Wie kann man nun die Laute, die Buchstaben, in Zahlen umsetzen? Wer
gefundenen Zahlenproportionen der Naturwissenschaften. Die ersteren kennt die Verbindung zwischen Laut und Proportionsgröße?
sind oft nur Hilfsmittel, sind ein Gebrauch machen, sich Behelfen mit der Hier liegt nämlich die große Schwierigkeit aller nach-Haflaga-Spra-
Zahlenwelt, während die letzteren wahre materielle Proportionen sind. chen. Denn bei ihnen ist die Verbindung für unsere Augen zerrissen.
In beiden Fällen aber sehen wir, daß der Mensch etwas verstanden hat. Außerdem ,,entwickeln" nach-Haflaga-Sprachen sich; sie ändern ihre
Er ist durch das Phänomen Entwicklung zu diesem Verständnis geführt Wortformen, sie bilden neue Schreibweisen. Kann sich dann, mit der
worden; er hat verstanden, daß Zahlen auch sprechen können, daß sie Änderung der äußeren Form, auch die wesentliche Formel anders, neu,
eigentlich viel eher zum Kern der Sache führen, und viel tiefer in diesen artikulieren? Das geht schon deshalb nicht, weil das Wesentliche unab-
Kern hinein, als Wörter. Es zeigt sich aber auch, daß Wörter und Zahlen änderlich ist. Und wer kennt schließlich den Zusammenhang zwischen
auch von ,,erzählen" und ,,Erzählung""? Und sagen wir damit nicht, heute dem Laut, den Buchstaben und der Zahl? Hier kann man nicht, wie beim
allerdings ohne etwas dabei zu denken, daß wir eigentlich zählen, daß Computer, jedem Buchstaben irgendeinen Wert zuerkennen, um dann
wir Proportionen feststellen, daß wir Zahlenkombinationen bilden und damit weiterzuarbeiten. Denn jeder würde, ganz wie der Fall liegt, diesen
Relationen weitergeben? Hier sieht man in nicht-hebräischen Sprachen Buchstaben wieder andere Werte beilegen. Es käme nicht darauf an, denn
irgendwie zusammenhängen müssen, daß Wörter die Äußerung einer Welt man sucht ja nicht das Wesentliche, man will nur eine Prozedur, die in
darstellen, in der Proportionen, Relationen, das Bestimmende sind. Da. Worten unendlich lange dauern würde, mit Hilfe von Zahlen zeitlich
im Tiefsten, gibt es ein Spiel von Zahlen-Kombinationen, da wird Ent möglich machen, und man will durch die Einschaltung von Zahlen Zu-
scheidendes bestimmt durch ein Mehr oder Weniger. sammenhänge erfahren, welche bisher im Dunkeln lagen.
Doch wozu eigentlich so viele erklärende Worte? Sprechen wir nicht Bei den nach-Haflaga-Sprachen ist der Zusammenhang zwischen Laut
etwas wie einen Funken von jenseits, zeigt sich eine Stelle, wo eine Brük- und absoluter Zahl also nicht der von Menschen festsetz baren relativen,
ke bestand zwischen den Wurzeln des Wortes und seiner heutigen Er- willkürìichen Zahl verlorengegangen. Dieser Verlust ist identisch mit
scheinungsform. Dieser Zusammenhang zwischen dem Wort ,,erzählen" dem Verlust des Zusammenhanges zwischen äußerer Erscheinung und
und ,,zählen" ist, soweit ich weiß, in allen germanischen und romanischen absolutem Wesen. Man kann sagen, es sei die Göttliche Absicht, die die-
Sprachen vorhanden. Natürlich auch im Hebräischen. Aus dem Stamm sen Vérlust verursacht. Gott ist es doch, der die Haflaga hereinbrechen
s - p-r sind die Wörter für ,,Zahl, zählen, erzählen, Erzählung" und auch läßt. Bei der Ursprache, beim biblischen Hebräisch indessen, existiert
fur ..Buch" gebildet. diese Verbindung ungebrochen fort. Und wir verstehen nun, daß es sich
um die Verbindung zwischen Laut und absoluter Zahl handeln muß.
Und wenn dieser Zusammenhang tatsächlich existiert, wenn er vor allem
Ursprache und Haflaga
nicht, wie man das nur zu gerne annehmen möchte, willkürlich ist, dann
gibt es die Brücke, das Band, womit das gehörte und gesehene Wort zur
Wenn dem so ist, dann müßte also bei der Ursprache diese Brücke tiefsten, zur weitestreichenden absoluten Formel führen könnte. Für die
noch bestehen. Die Haflaga läßt ja die Ursprache unberührt. Die eine menschliche Weisheit ist das die Frage von Sein oder Nichtsein. Denn
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Das Buch Jonah Die Zeichen im Kern 55

entweder hat sie den Faden zur göttlichen Weisheit, oder es ist alles Zahlen und Zahlenkombinationen. Vielleicht wären dann, nach gewissen
nur ein Spiel. mathematischen Methoden, Vereinfachungen durchzuführen. Es blieben
aber auch dann noch verwirrend viele Zahlen für jedes einzelne Ding.
Der Urgrund der Sprachen Und das Ausschlaggebende wäre, daß alle diese Zahlen doch mehr oder
weniger relative Zahlen blieben. Wie könnte der Mensch aus der äußeren
In der Ursprache ist der Zusammenhang zwischen Lauten und abso- Erscheinung oder aus Gefühlsempfindungen zu den absoluten Zahlen
luten Zahlen selbstverständlich; denn was sind die Laute, woher stam- gelangen? Zu seiner Kenntnis gehören doch nur die relativen Zahlen. Al-
men sie? Sie sind im Raum-Zeitlichen Ausdruck des Willens, sich oder les wird gemessen am Anderen, es kann nur ausgedrückt werden, weil es
etwas mitzuteilen. So wie das die Schriftzeichen für das Auge bezwek- eben am Anderen gemessen wird. Die absoluten Zahlen, Zahlen also, die
ken. Wenn aber Gott etwas mitteilt, dann ist der Buchstabe schon im nicht von irdischen Maßstäben abhängen, sind beim Menschen auch so
Äußeren das gleiche, was er für Gott im Innern, im Wesentlichen, ist. tief verschüttet wie die Ursprache. Ursprache und absolute Zahl sind
Und Gott gibt dem Menschen, dem bei seiner Erschaffung göttlichen nämlich das gleiche.
Menschen, diese Verbindung zwischen Himmel und Erde mit. Das ist die Nie kann der Mensch durch Spekulation oder mit wissenschaftlicher
Sprache. Sie ist mit dem Menschen erschaffen und ihm eingeboren. Je der Analyse aus den äußeren Erscheinungen die absoluten Zahlen ableiten.
Mensch trägt sie tief in sich. Mit ,,tief'' meine ich, daß viele Schichten, Sie lassen sich nur im tiefsten Innern finden, in ihrem eigenen Gebiet,
die mit der Entwicklung des Menschen von der ,,Zwei" ins Viele ent- also nur dank der dort ebenfalls einheimischen Ursprache. Ursprache und
standen, das Urlicht der Sprache umhüllen, es verdunkeln und trübe ma- absolute Zahl, ich wiederhole, sind identisch. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQP
chen. Je weiter der Mensch in seinem Leben ins Viele fortgeschritten ist,
desto verschütteter ist in ihm die Ursprache. ' Die Zeichen im Kern
Die Ursprache verbindet das Wissen um eine Sache, um einen Begriff,
sogleich mit der dazugehörenden Erscheinungsform im Äußeren, in der Nun enthält die Ursprache, eben das biblische Hebräisch, eine Mittei-
sichtbaren Welt. Und sie zeigt noch genau die Linie der Verbindung auf, lung der Namen von Lauten und Zeichen. Diese Namen sind nur verständ-
wie der Zusammenhang verstanden werden kann. Allein schon deshalb lich in der Welt der absoluten Proportionen. Dort nämlich bilden diese
kann die Sprache nicht etwas sein, das der Mensch entwickelt hat. Dann Namen die Urtypen der Schöpfung. Sie gehen hervor aus dem Wissen der
müßte nämlich der Mensch auch bewußt das Wesen jedes Dinges wissen. absoluten Proportionen. Was ist im Wesentlichen groß oder klein, was ist
Das Wissen aber ist ihm von anderswoher zugekommen; der Bote ist das dort lang oder kurz. Es sind andere Maßstäbe als die irdischen, als die
Wort, die Sprache. äußeren, die wir mit den Augen sehen und mit den Ohren hören. Das im
Bei den nach-Haflaga-Sprachen ist dieses tiefste Wissen im Menschen Absoluten Erste braucht im Relativen keineswegs auch das erste zu sein,
zwar da; er hat aber keine Verbindung mehr zwischen diesem Wissen und bzw. das größte oder kleinste. Im Relativen könnte es wohl einmal dieses
den Lauten und Zeichen. Wenn dieses Wissen im Innersten nicht mehr und ein anderes Mal jenes sein. Im Relativen würden wir ganz andere Na-
bestünde, könnte er überhaupt nicht sprechen oder schreiben. men geben, wenn wir schon Namen gäben. Im Absoluten aber sind die
Wie verläuft der Weg von den Proportionen im Wesentlichen zu den Namen entscheidend für die Bedeutung, für die Bestimmung im Ganzen;
Lauten im Äußern? Gewiß hat alles auch in der äußeren Ausprägung sein sie zeigen auch auf, was diese Laute und Zeichen im Relativen bedeuten.
Verhältnis zu allem andern. Man könnte alles in Proportionen ausdrücken. Denn man kann wohl ohne weiteres vom Absoluten auf das Relative
Ein Gebäude, ein menschliches Antlitz, Farben, Lichtstärken, wie auch schließen, nicht aber vom Äußeren auf das Absolute, und wenn schon,
Laute. Man könnte die Schwingungen berechnen, die Intensität der Laute, so ist es jedenfalls äußerst schwierig und langwierig.
die Wellenlängen. Es gäbe dann für jede Sache eine immense Reihe von Die Schöpfung entwickelt sich vom Unfaßbaren, vom Unendlichen
\,
56 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Die Zeichen im Kem 57
her, das für die Welt wirkt wie ein Nichts, wie ein Gegensatz zum Seien- ner Ur-Form. Und jedes Zeichen hat seinen Laut für die Stimme und für
den, zur ,,Zweiheit", und von der Zwei weiter in die Vielheit. Es ist der das Ohr. Das erste Zeichen, das. Vor-Schöpfungs-Zeichen ist noch kein
Weg, den wir schon beschrieben und mit 1-2 dargestellt haben. Wenn Laut, es ist nur ein unhörbarer Hauch, ein Atemzug. Das zweite Zeichen
die Entwicklung in die Vielheit die Phase erreicht, wo sie bis zur Grenze ist ein explosives, es öffnet aus dem Verschlossenen, aus dem Nichts,
des Unendlichen kommt, wo also jedes Individuelle unterzugehen droht, den Weg zur ,,Zwei". Beim Menschen entsteht es, indem die geschlosse-
bricht die Umkehr durch, biegt der Weg um zur 2-1. Denn wenn auch nen Lippen sich mit einem Atemstoß öffnen, wie eine Explosion von
die ,,Zwei" ihre äußerste Konsequenz in der Vielheit erreicht hat, als Innen her.
,,Prinzip" ist sie immer noch die ,,Zwei". Die Zeichen, die ,,othioth", haben also eine Reihenfolge, die iden-
Im Innersten der Schöpfung, im Anfang der Welt, ist dieser Weg der tisch ist mit der Entfaltung der Schöpfung bis zum höchst möglichen
Entfaltung aus dem ,,fast Nichts" bis zum ,fast Unendlich" wie in einem Punkte. Danach tritt wieder die Stille ein, die schon beim ersten Zeichen
Samenkorn schon da. Dort ist die Potenz zu diesem Weg, dieser Ent- herrschte. Die Namen der Zeichen sind die Namen der Phasen, und
wicklung, schon eingeschlossen. Und auch die Umkehr, der Tod der Ent- selbstverständlich sind sie auch die Deutung der Reihenfolge dieser Pha-
wicklung, liegt schon in diesem Samenkorn beschlossen. Allem Erschei- sen. Das erste, noch unhörbare Zeichen heißt in dieser Ursprache ,,aleph",
nenden ist dieser Weg 1 - 2-1 eingezeichnet. Und das ist so, weil es im das zweite heißt ,,beth". Beide Namen, wie auch die Namen der weiteren
Kern, im Wesen, im Absoluten, so ist. Und im Absoluten hat dieser 20 Zeichen, haben im Hebräischen ihre Bedeutung. Diese Bedeutung ist
Weg, haben die verschiedenen Phasen Namen; also Formeln, Sinnbe- sogar äußerst wichtig, denn sie erklärt, aus dem Schatz des Urwissens,
stimmungen; es sind die Potenzen der Möglichkeiten für die Varianten den Sinn und den Gang der Schöpfung. An anderer Stelle, u.a. im ,,Bau-
in der Erscheinung. plan" und in der ,Symbolik" , wird von diesen Namen manches erzählt.
Im Hebräischen nennt man diese Namen der aufeinander folgenden Hier wollte ich andere Gedanken ausführen und verweise daher nur auf
Phasen der Entwicklung ,,othioth", Zeichen. Es sind die Zeichen des die genannten Schriften ".
Weltsinnes. Wer sie versteht, hat das göttliche Wissen um die Welt. Das Man hat wohl verstanden, daß aus den hebräischen Namen dieser
erste dieser Zeichen ist vorweltlich, ist älter als die Schöpfung. Mit die- Zeichen der Begriff ,,Alphabeth" entstanden ist. Der Weg ging über das
sem Zeichen macht sich bei Gott der Wille zur Schöpfung geltend. Das Griechische, wo ,,alpha" und ,,betha" usw., insofern sie aus dem Hebräi-
zweite Zeichen ist das Zeichen der Schöpfung. Mit ih m fängt die Schöp- schen übernommen wurden, nichts, gar nichts, bedeuten. Es zeigt nur, daß
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
fung an , es ist das Zeichen dieser Welt. Und so geht es weiter, bis man das das Hebräische als Ursprache bekannt war.
letzte Zeichen erreicht. Dann ist die Welt zu Ende, dann braust sie in un- Wenn man Alphabeth sagt, denkt man weiter nicht an Namen, an Ur-
endlicher Vielheit, in Zersplitterung, in Wahn, in Einbildung. Dann ist Namen und Ur-Wissen. Im Hebräischen aber sind die Namen eben die
sie so weit von Gott entfernt, daß jeder Schritt weiter den endgültigen Hauptsache; sie erzählen die Weltgeschichte, wie sie schon im Samenkorn
Untergang im Chaos bedeuten würde. Sie ist dann aber auch in der voll- enthalten ist, wie sie sich immer wieder entfalten wird, in der Welt, aber
kommenen Freiheit der Wahl, sie kann dann ,,umsonst" entscheiden. auch in jedem Menschen, ja in jedem Geschöpf, in allem, was hier er-
Und dann kommt es zur Umkehr. Sie könnte ,,im Prinzip" noch während scheint. Und das Allerwichtigste ist, daß diese Namen eine Reihenfolge
des Lebens verwirklicht werden, jedenfalls aber tritt sie im Tode ein. haben, die bestimmt ist von der Schöpfungsgeschichte und von der in
Denn im Kern ist dieser Weg schon da. Weil er ewig da ist, haben die Zei- ihr enthaltenen Lebens- und Weltgeschichte. Diese Reihenfolge der ,Zei-
chen eben auch ihre Ur-Namen. chen'- im Hebräischen heißen Buchstaben eben nur ,,Zeichen" - ist
Je des dieser Zeichen hat also einen Namen. Und jedes dieser Zeichen also die Reihenfolge der Buchstaben, die Reihenfolge der Laute. So
hat daher eine Ur-Form, die sich in die Welt der Erscheinungen ihren Weg Im Holländischen gibt es eine vervielfältigte Veröffentlichung einer Reihe von
bahnt und auch da erscheint. In der Ursprache noch ganz geprägt in sei- Vorlesungen über diesen Gegenstand, etwa 20 bis 30 Lektionen umfassend.
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Das Buch Jonah Das Zählen im Wesentlichen zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW
59

spricht sich das Innere im Äußeren aus. ,,Aleph" steht vor ,,beth", weil vorhanden ist. Mögen auch zwei Worte in ihren Lauten verschieden klin-
Gottes Wille zur Schöpfung der Schöpfung selber vorangeht. Und weil gen, wenn die selben Zahlengruppen darin vorkommen und die Totalität
,aleph"in den nicht-hebräischen Sprachen, in den nach-Haflaga-Sprachen, dieser Zahlen die gleiche ist, dann muß, im Wesentlichen, eine nahe Ver-
a ist und ,beth" b,zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
steht nun einmal a vor b, und so fort. wandtschaft zwischen den beiden Begriffen herrschen. In der Welt der
Wenn man also nur die nicht-hebräischen Sprachen betrachtet, ist die Zahlen, des für uns Abstrakten, kann man schärfer sehen, da man nicht
Reihenfolge der Buchstaben willkürlich. Höchstens könnte man sagen, durch die Erscheinungsformen, durch Bilder und Gefühle behindert ist.
daß es nun einmal eine althergebrachte Tradition sei, welche diese Reihen- Es gibt 22 Zahlen, dort im Zentrum, von wo aus die Welt der For-
folge bestimmt. Es wäre praktisch nichts dagegen einzuwenden, mit dem men gebildet wird. Form ist eben die Konsequenz der Zahl, der Rela-
k anzufangen, mit dem 1 zu endigen und dazwischen alle anderen Buch- tionen. Diese 22 Zahlen kommen aus dem En Sof, dem Unendlichen,
staben in ganz durcheinandergewürfelter Reihenfolge. Allerdings unter dem Unmeßbaren, und bilden eine feste Struktur. Die Grundstruktur
der Bedingung, daß man diese nun eingeführte neue Reihenfolge auch bildet die Entwicklungsreihe von der ,,Eins" bis zur ,,Zehn". Die 1 ist
weiter beibehält. Sonst könnte man die Kinder kaum dieses neue ,Alpha- wie der lautlose erste Buchstabe eine besondere Zahl unter ihnen. Sie
beth" lehren, und auch bei den Computern gäbe es dann Schwierigkei- ist die noch einsame Zahl, sie ist wie Gott vor der Schöpfung, noch ohne
ten. Im Hebräischen aber steht die Reihenfolge aus ganz prinzipiellen die Schöpfung als Zugegensein neben sich. ,,Einer ist Gott, im Himmel
Gründen fest, nämlich weil nun einmal erst die ,,Eins" kommt, dann die und auf Erden", heißt es. Und desgleichen ist auch die 1 O eine besondere
,,Zwei", die „Drei" usw., usw. Zahl, denn sie zeigt die 1 auf anderer Ebene an. Erst dort in der 10 zeigt
Ja, soviel versteht der Mensch noch, daß erst die „„Eins" kommt, sich der besondere Charakter der l. Denn die 11 z.B. weist schon eine ganz
dann die ,,Zwei". Bei den Zahlen hat er noch das Gefühl für die Ur-Pro- andere 1 auf, da ist die 1 einfach Teil einer Reihe. Die erste 1 aber ist die
portionen, bei den Zeichen und Lauten nicht mehr. Eben, die Haflaga ist alles umfassende, die Himmel und Erde umfassende l. Und die 10 ist ihr
über ihn gekommen; er weiß in seinem zersplitterten Sein nichts mehr verwandt. Deshalb ist die Form des ersten Zeichens - ,,aleph" - eine
von der Verbindung, vom Zusammenhang. Einheit zweier ,,Zehner''. Zwei Zehner spiegeln sich gegenseitig, und das
Die Reihenfolge der Buchstaben wird also von der Reihenfolge der ist die Struktur der l. Auch der Name von Gott als ,,Herr" enthält diese
Zahlen bestimmt. Die Zahlen-Reihenfolge findet der Mensch logisch; er Struktur der zwei Zehner, im Aufbau der 10 und der 5 + 5.
hat noch das Wissen in sich, daß die Schöpfung und er selber diesen Weg Die absoluten Zahlen kennen dann in ihrer weiteren Folge eine zweite
geht, aus dem scheinbaren Nichts, über die Zweiheit in die Vielheit. Er Reihe, wieder also von 1 bis 10, nun aber auf einer anderen Ebene, auf
denkt darüber nicht nach; so ist es, sagt er sich, etwas anderes wäre un- der Zehner-Ebene. Es sind die Zahlen 10 bis 100, wobei wiederum die
sinnig, findet er. 10 und: die 100 ihren besonderen Charakter haben, wie zuvor die 1 und
die 10. Es sind also nun die Zahlen 20, 30 usw. bis 100. Und dann wie-
Das Zählen im Wesentlichen derholt sich die Reihenfolge auf der Hunderter-Ebene, aber dann nur bis
zur 4, also hier der 400. Es sind die Zahlen 100, 200, 300, 400. Mit der
Im Hebräischen ist also die Buchstaben-Reihenfolge, die ,,Zeichen"- 400 endet die Reihe der absoluten Zahlen als ,,Zeichen".
Reihenfolge, dasselbe wie die Zahlen-Reihenfolge. Für den Wissenden, für Die Hunderter gehen bis zur 400, denn ihre Summe bildet die Zahl
den in dieses Urwissen Eingeweihten, sind denn auch die Buchstaben 1000. Und diese ist im Hebräischen ,eleph", und wird genau so geschrie-
Zahlen und die Zahlen Buchstaben. Er wird das Wort sehen mit seinem ben wie das Zeichen für die 1, ,aleph". Die Vierheit enthält immer schon
tiefen Wissen von den Namen der das Wort bauenden Buchstaben, und er die 10, die 1 auf anderer Ebene.
wird es auch sehen als eine Zusammenballung von Zahlengruppen. Er So gibt es also zusammen 22 Zeichen. Ihre Namen und Werte sind
wird die Proportionen verstehen, und er wird wissen, wo Verwandtschaft in der Tabelle am Schluß dieses Kapitels zu finden.
60 Das Buch Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA Voller, ußerer und verborgener Wert 61
Diese 22 Zeichen sind die Bewohner des Kernes, des Wesentlichen. rende Form, das hier nicht existierende Zeichen. Und so bezeichnet sie
Aus ihnen bauen sich alle existierenden Wörter der Ursprache. Mit ihnen den Umfang des Baumes des Lebens ebenfalls mit 500 Ellen (oder auch
macht Gott, wie es heißt, die Welt. Es ist also eine Bedingung, daß man Jahren). Denn diese Welt hat mit dem Nehmen vom Baum der Erkenntnis
die Bedeutung eines jeden dieser Zeichen kennt, ehe man sich mit der eben „,nur" das Maß 400 behalten. Die restlichen 100 sind ihr verborgen,
Sprache oder mit den Erscheinungen in den verschiedenen Formen des sind hier nicht zu finden. Jetzt nur noch über den Tod, der diese 400
Lebens beschäftigt. Nur über das Wesentliche kann man die Erschei- durchbricht.
nungen verstehen. Und wie die 500, so haben also auch die 50 und die 5 einen besonde-
Die Welt der Erscheinungen entsteht durch die Kombinationen der ren Charakter in dieser Welt des Absoluten. Die 50 gilt als Moment der
22 Ur-Möglichkeiten. neuen Welt, des neuen Welttages. Es ist der 8. Tag, wie man es nennt.
Das letzte Zeichen dieser 22 ist ,,taw", also der absolute Wert von Denn diese Schöpfung endet mit dem 7. Tag. Der 7. Tag ist unsere im-
400. Das zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
w ill sagen, daß es im Absoluten keinen höheren Wert in der merwährende Gegenwart. Er erfüllt sich in seiner Begegnung mit sich
Reihe gibt als eben diese 400. Höheres findet keine Ausdrucksmöglich- selbst, durch die Erscheinung aller Möglichkeiten, so wie sie im 7. Tag
keit mehr. Bis dorthin läßt Gott die Welt der Schöpfung sich entwickeln. erscheinen können. Im Absoluten ist es die Begegnung der 7 mit der 7,
Deshalb ist für diese Welt die absolute Zahl 400 das Unendliche, ist sie und das drückt sich, wie man mit Hilfe eines Quadrats, das in 7 Teile ge-
die äußerste Grenze des Alls, in Raum und Zeit. Wenn also die Bibel von teilt ist, leicht sehen kann, in 49 Möglichkeiten aus. Mit der 49 ist der 7.
400 spricht, dann ist das immer die absolute 400- die Bibel ist eben Tag, diese Welt also, erfüllt. Darum spricht die Überlieferung auch von
auch die Mitteilung aus dem Absoluten- und es bedeutet dann die ganze den 49 Pforten, welche hier durchschritten werden können. Mit dem 50.
Schöpfung und die ganze Zeit. kommt der neue Tag, der 8. Tag. Am 50. Tag ist denn auch die Offenba-
Wenn erzählt wird, daß das Land Israel 400 Einheiten (Parasangen, rung des Wortes, der Thora, ist Pfingsten.
aber es könnte jede andere Maßeinheit sein) lang und breit ist, dann will Der 5 ist ebenfalls ein solch überweltlicher Charakter eigen. Der Na-
das sagen, daß für Gott diese ganze Schöpfung das Land Israel ist. Wenn me Gottes als „Herr" zeigt denn auch in seiner Struktur die 1 O und 5 + 5
gesagt wird, daß die Knechtschaft in Ägypten 400 Jahre dauert, dann auf.
bedeutet es, daß sie so lange dauert wie diese ganze Welt, die ganze Es sind nur einige wenige Beispiele. Ich wollte nur zeigen, daß Zah-
Zeit hindurch. len in der Bibel in einer ganz ernsthaften Weise gelesen werden sollen.
Und so sind auch die 4 und die 40 Hinweise auf eine ,,ganze" Zeit. Denn es handelt sich um absolute Zahlen. Man kann an ihnen - und
das gilt für jedes Wort in dieser wunderbaren Schöpfung im Worte - nicht
Denn, wie schon gesagt, mit der 4 entsteht die 10 (als 4 +zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
3 + 2 + 1), und
mit der 40 die 100. Mit der 4 reicht es immer bis in die andere Ebene, achtlos- vorbeigehen. Die Überlieferung kennt natürlich die Bedeutung
jedenfalls bis zur Grenze, bis zur neuen Manifestation der ,, 1 ". von Wort und Zahl, und auch ihre Mitteilungen sind Berichte aus dem
Das ist der Grund, warum die Bibel so oft, wenn sie Zeitmaße nennt, Reich des Wesentlichen. In meinen früher erschienenen Büchern und
von 40 und 400 spricht. Vorlesungen habe ich ausführlicher darüber gesprochen. Ich hoffe, daß
Und deshalb bedeutet die 500, wofür also Gott kein Zeichen für diese man sie, falls man sie noch nicht kennt, zur Hand nehme. Hier muß ich
Schöpfung gegeben hat, eine Welt außerhalb dieser Schöpfung. Es ist die mich mit einem Hinweis begnügen.
Welt, wo Gott, nachdem er dieser Welt hier Zeit und Raum gegeben hat,
in seiner Transzendenz wohnt, während er in der Welt der 400 in seiner Voller, äußerer und verborgener Wert
Immanenz anwesend ist.
So sagt die Überlieferung dann auch, daß Himmel und Erde 500 J ah- Wie kann man nun mit diesem Wissen vorgehen? Denn es ist uns ver-
re von einander entfernt sind. Tatsächlich, 500, jene hier nicht existie- liehen, damit wir die Wunder der Welt, der Schöpfung, des Wortes, ken-
62 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah Voller, äußerer und verborgener Wert zyxwvutsrqponmlkjihgfedcb
63

nenlernen und durch diese Wunder unserem Leben einen Sinn geben, als Ganzes, als ein Bild, zusammengesetzt aus drei ( oder zwei oder mehr)
einen, ich möchte fast sagen, absoluten Sinn. Der Mensch ist die Welt, Zeichen, welche alle aus dem Ur-Zeichen, dem Jod, der ,,1 O", geformt
und er kann sich nicht zufrieden geben mit einem Teilziel. Er will es auch worden sind. ln einer blitzschnellen Wahrnehmung erscheint alles gleich-
nicht, er will das Ganze, und nur die Aussichtslosigkeit verurteilt ihn zur zeitig. Dennoch sieht man aber die verschiedenen Zeichen, woraus das
Berauschung mit privaten, gesellschaftlichen oder nationalen Zielsetzun- Wort gebildet ist, sieht ihre Form und weiß ihre Namen, und sieht doch
gen. Die Thora, die mündliche und die schriftliche, öffnen ihm aber Tore auch das ganze Wort als Einheit, als Bild, gebaut aus den Zeichen.
in ungeahnte Welten; der Mensch erhält ein Weltall-Bewußtsein, er spürt, Wenn man ein Wort hört oder spricht, dann geht es nur um die Laute.
wie wichtig und groß sein Leben ist, daß es alle Welten und Zeiten füllt. Die Namen der verschiedenen Laute der Buchstaben, die das ausgespro-
Das Wissen um das Geheimnis der Sprache läßt ihn jedem Wort nun chene Wort bilden, kann man sich beim Sprechen oder Hören nicht be-
mit ganz anderen Gefühlen begegnen. Er kennt nun den Sinn der Worte, wußt machen, obwohl sie irgendwie doch mitspielen. Spricht man z.B.
er weiß von der Bedeutung, er hat Kenntnis von der Zusammensetzung das Wort ,,Schabath" aus, dann sind daran die Zeichen ,,sch in", ,,beth"
des Kernes. Die Buchstaben sind ihm, wie ihr hebräischer Name auch und ,,taw" beteiligt. Man hört aber nur sch, b und th. Das andere, der
sagt, Zeichen geworden, und er weiß, daß diese Zeichen Proportionen, Rest der Namen, ist verborgen geblieben. Und doch waren sie irgendwie
Relationen offenbaren. Deshalb will er, neben dem Bilde, welches das dabei, denn es gäbe keinen Laut ,,sch",wenn nicht das Zeichen mit dem
Wort im Äußeren hervorruft, die Proportionen kennen. Er will wissen, Namen und mit der Form des ,,schin" existierte.
welche Potenz an Proportionen ein Wort enthält. Er will genau wissen, Man sieht hier, daß man die Grundlagen des Wortes, das Wesen des
was der Sinn der Buchstaben und ihrer Namen ist. Denn diese Ur-Namen Wortes, ganz ernst nehmen muß.
sind die Ur-Typen, und jedes Wort, jede Erscheinung, in allen Zeiten, ist Wie wichtig diese Dinge sind, sollen einige praktische Beispiele zeigen.
mit ihnen gebaut. Wie ein Wort auch aussieht, was es auch bedeutet, es Das obengenannte Wort Schabath ( das was wir sonst Sabbath nennen) ist
besteht aus den ,,Zeichen" (die Wurzel jedes hebräischen Wortes hat min- den Proportionen nach (s. Tabelle) 300, 2 und 400. Weil das Wort ein
destens zwei Buchstaben), und diese Zeichen haben Namen. Nur diese Ganzes bildet, schreibe ich die Zahlen mit Verbindungsstrichen, also:
22 Namen existieren dort im Wesentlichen. Man kann also nicht daran 300-2-400. Eine Zahl sagt gleich schon etwas anderes als Laute, als „Zei-
vorbeigehen, ohne über die Bedeutung intensiv nachgedacht zu haben. chen". Man weiß nun also, daß das Wortganze und jedes Wort bildet
Und man wird dann sehen, daß es äußerst wichtig ist, die Zeichen nicht eine Einheit, ist etwas für sich, hat seinen eigenen Namen (hier also
nur nach ihrer Stelle in der Reihenfolge zu berücksichtigen, sondern auch Schabath)- die Zahl, oder besser ausgedrückt, die Proportion 702 auf-
nach ihren Namen. Denn diese Namen bilden vielleicht doch das ganze weist. Schabath im Hebräischen ist, als Wort, 702, während sein Wort-
Geheimnis des Wortes und der Sprache. Aufbau im Absoluten sich als 300-2-400 darstellt. So ist das Wort für
Und dann, man sieht doch auch die Zeichen. Sie haben eine besondere Mensch, für ,,adam", aleph-daleth-mem, also 1-4-40. Das ganze Wort hat
Form, von einem Ur-Typus abgeleitet. Es ist die Ur-Form des Menschen, als Einheit die Proportion 45. Ich nenne diesen Wert den äußeren Wert,
des göttlichen Menschen. Was sieht man also? Man sieht den Namen! oder den normalen Wert.
Denn jede Form ist eine Zahlenkombination, eine Zusammensetzung von Wenn man so zählt, berücksichtigt man, wie oben schon gesagt, nicht
Proportionen. Und solch ein Ganzes hat einen Namen. Der Name ist zu- die Namen der Zeichen, man zählt nur ihren Wert, den sie in der Reihen-
gleich auch der Sinn einer Erscheinung, er stellt seinen Raum fest, seinen folge der Entwicklung haben. Wozu die Namen also, wenn man sie nicht
Ort und seine Zeit. Er ist eben das, was durch seine Ur-Proportionen den sieht? Jedes Zeichen hat seine Form, und diese Form hängt mit dem Na-
Erscheinungen ihren Ausdruck verleiht. men zusammen. Deshalb, wird auch gesagt, daß man beim Lesen der
Wenn man also ein Wort sieht, sieht man die Namen der Buchstaben, Thora die Worte sehen und zugleich aussprechen muß. Erst dann sei man
die das Wort bilden, man sieht ihre Formen, und man sieht auch das Wort der Mitteilung im Wort gerecht geworden.
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Das Buch Jonah Der Athbaschwert 65

Das Sehen ist, wie man sagt, die Mitteilung, die uns von der rechten auch die Zeit- und die Wasser-Seite ist, die weibliche Seite. Und die
Seite erreicht, das Hören dagegen die Mitteilung von der linken Seite. rechte Seite heißt die männliche-. Das Verhältnis zwischen dem Menschen
Die rechte Seite ist die für uns als zeitlos erscheinende, die linke Seite ist und Gott ist wie das Verhältnis zwischen dem Weiblichen und dem
die ,,langsame", die Zeit-Seite. Die rechte Seite heißt auch die Licht- Männlichen.
Seite, die linke die Wasser-Seite. Sehen nun nimmt die Mitteilung vom Unsere Stimme und die Stimme ist das Geheimnis des Menschen -
Licht auf, Hören vom Wasser. Die Mitteilung des Wesentlichen muß von spricht nur das Äußere aus. Aber die Zeichen und ihre Namen bringen
beiden Seiten zugleich erfolgen. Deshalb heißt es, daß man und das den verborgenen Wert auf die rechte Seite, zu Gott, wo der volle Wert,
gilt speziell von der Thora oder anderen Worten, von denen man weiß, die volle Form und der ganze Name zugegen ist.
daß sie heilig, also ganz und ungespalten sind die Worte, die man aus- Beim Worte ,,adam" ist also aleph in seinem vollen Wert 111, in sei-
spricht, auch sieht. Und daß man die Worte, welche man, von diesen hei- nem verborgenen Wert 11 O. Der zweite Buchstabe, ,,daleth", schreibt
ligen Worten, sieht, auch hört, spricht. Auch wenn man einen Text aus- sich 4-30-400 (s. Tabelle). Der volle Wert von ,,daleth", der 4 in der Rei-
wendig kennt, soll man ihn doch als einzelne Buchstaben lesen, und die henfolge der Zahlen, ist also 434, der verborgene Wert 430. Der dritte
Buchstaben auf sich einwirken lassen. Man sieht dann ihre Form, und Buchstabe, ,,mem", schreibt sich 40-40. Der volle Wert ist 80, der verbor-
das Sehen dieser Ur-Formen bedeutet für den Menschen sehr viel. Es gibt gene 40.
z.B. von der Überlieferung angegebene Wege, wie man sich Einlaß ver- So ist also der volle Wert, der Wert der rechten Seite, vom Worte
schaffen könnte in höhere Welten. Einer dieser Wege weist darauf hin, ,,adam" 111 +zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
434 + 80 = 625. Der äußere Wert dagegen ist 1 + 4 + 40=
daß man die Zeichen-Formen vor sich habe, und sie durch meditatives 45, und der verborgene Wert, also der Wert, womit der Mensch von dieser
Betrachten in sich aufnehme. Denn diese Formen sind mit die Grundfor- linken Welt zur rechten gelangt, ist 580.
men der Schöpfung. So sind die wesentlichen Strukturen. Und man be- Nun hat man also die Namen, obwohl sie von rechts sind, vom We-
denke dabei, was die Namen dieser Ur-Formen zu sagen haben. Wenn sentlichen, vom Himmel herstammen, doch mit unserer Welt der Erschei-
man das richtig in sich aufgenommen hat es müssen selbstverständlich nungen in Verbindung gebracht. Sie sind hier verborgen. Aber sobald ein
noch andere Bedingungen erfüllt werden dann öffnen sich Türen, die Wort gesprochen wird, kommen sie in Bewegung, bringen durch ihre Na-
in andere Welten führen. men unsere Welt mit dem Wesentlichen zusammen.
Wenn man nun also das Wort ,,adam" sieht, so sieht man aleph, da- Welchen Wundern man begegnet, welche Einsicht wächst, wenn man
leth und mem. Man sieht den ganzen Namen, weil die Form jedes Buch- dem Wort auf diese Weise begegnet, ist kaum zu beschreiben. Man muß
stabens. Von aleph sieht man also das Wort aleph, und dieses Wort wird es erleben. Ich habe in meinen Büchern, also auch im Jonah, vorsichtig
geschrieben als aleph-lamed-peh, in Proportionen also als 1-30-80. Der versucht, einige Beispiele zu geben. Denn diese Wunder sind nicht da, um
volle Wert von aleph ist daher 111. Typisch, wird man sagen, daß der mit ihnen zu prunken. Man würde dann leicht am Wesentlichen vorüber-
volle Wert des Zeichens ,,l" diese 1 auf allen drei Ebenen ergibt! Mit gehen, man würde sensationslustig werden. Der Rausch-Mensch ist leicht
der 1 hat es dann auch seine besondere Bewandtnis. Der äußere Wert, mit Sensationen zu fangen. Man muß die Wunder selber erleben, und je-
der Wert in der Reihenfolge der Entwicklung, ist die l. Der Wert also, dem begegnen dann die Wunder, die für ihn schon bereit liegen.
der gehört wird, ist die l. Und was die beiden Seiten verbindet, die rechte
und die linke Seite, ist der Zwischenwert, in diesem Falle also die 110. Der Athbasch-Wert
Dieser Zwischenwert ist sehr wichtig. Es ist der Wert, welcher mit-
schwingt, wenn man ein Wort spricht. Man sieht ihn nicht, man hört ihn Nun gibt es noch einen Punkt, den wir wenigstens kurz besprechen
nicht. Im Verborgenen ist er aber da und bildet die Brücke zwischen un- müssen.
serer linken Welt mit der göttlichen rechten. Die linke Seite ist, weil sie Diese unsere Welt ist in jeder Hinsicht etwas ,,Halbes", wenn man sie
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Das Buch Jonah Der Athbàsch-Wert zyxwvutsrqponmlkjihgfedc
[ zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 67

auf das Wesentliche bezieht. Schon durch die Schöpfung steht sie dem ,,eins": die Einheit gebildet aus zwei Zehnern, die vom Zeichen ,,6" mit
Schöpfer gegenüber. Sie ist schon da nur die eine Seite. Und dieses Fak- einander verbunden sind.
tum wirkt sich in allen Verhältnissen aus. Mit allem, was hier erscheint, So besteht eine Einheit auch zwischen dem ersten und dem letzten
erscheint lediglich die eine Seite, die andere bleibt Geheimnis. Zeichen. Sie sind Gegensätze, für unsere Welt sind sie die extremsten
Dieses Wissen zei-gt sich schon im Namen Gottes als Herr. Dieser Na- Gegensätze. Und doch ist das Wort für ,,Zeichen" eine Verbindung des
me (10-5-6-5) ist, wie oben bereits erklärt, aufgebaut aus zwei Zeh- ersten Buchstabens mit dem letzten. Das ist eben das Zeichen. Und wenn
nern, wobei der zweite Zehner in 5 + 5 geteilt ist. Die 6 nämlich, ,,waw", man im Worte von einer Sache andeuten will, daß man alle Merkmale
führt den Namen ,,Haken". Das will sagen, daß die 6 immer verbindet, dieser Sache mit einschließen möchte, alle Positionen, alle Möglichkeiten,
und deshalb heißt ein Haken auch immer ,,waw", also 6. Wenn man z.B. alle Potenzen, dann benutzt man den Ausdruck ,,eth", geschrieben 1-400.
das Wort ,und" braucht, dann benutzt man im Hebräischen dafür stets Also wenn etwas wirklich ganz, vollständig umschrieben werden muß,
nur den Buchstaben ,,waw". ,,Und" ist daher immer ,,6". 5-6-5 bedeutet dann ist es das Zusammentreffen der einen mit der anderen Seite, des
somit 5,,und" 5. Anfangs und des Endes. Hier sind für unsere Erscheinungsform die größ-
Die erste 10 des Gottesnamens nennt man „die 10 von oben, vom ten Gegensätze, in Wirklichkeit aber ist es die einzig mögliche Darstellung
Himmel", die zweite 10 aber ist schon geteilt. Und nur die eine Seite da- einer Sache als Ganzes. Wenn wir aber gelegentlich sagen, etwas sei ,,von
von, die zweite 5 nämlich, ist das irdisch Erscheinende. Die erste 5 gehört A bis Z so", dann meinen wir alles das, was hier möglich ist. Doch dies
noch nach oben, zum ,,Himmel". Deshalb sieht man diesen Namen Gottes ist, wie man wohl verstehen wird, etwas grundsätzlich anderes als der
auch als aus zwei Bestandteilen aufgebaut, nämlich dem Teil 10-5, der Begriff 1-400. Dieser will sagen, daß das Gegensätzliche, und zwar das am
dem Oben angehört, und dem Teil 6-5, der für diese Welt ist. Und der extremsten Gegensätzliche, zusammen eine Einheit bildet.
Sinn des menschlichen Lebens und des menschlichen Tuns ist es, die Daher gibt denn, von diesem Prinzip bestimmt, der Begriff ,,2" nur
6-5 mit der 10-5 zu einer Einheit zu verbinden. die eine Seite wieder. Ihm gegenüber steht der Begriff des Vorletzten,
Man sieht also, die 6, der Verbindungshaken ,,und", ist unten vorhan- der 300. Je mehr die Entwicklungsreihe sich der Mitte nähert, desto
den. Es gibt hier ,,unten", das heißt in der Welt der Erscheinungen, die näher rücken sich die Gegensätze. Sie bleiben aber Gegensätze. Sie wer-
Möglichkeit, die Verbindung zu erlangen. Es ist, wie schon erwähnt wur- den nur in unserer Welt besser verstanden, man könnte sie sich schon
de, wie mit dem ,,verborgenen" Wert, der, wenn man unten nur etwas tut, eher als eine Einheit vorstellen.
ins Leben tritt und zu wirken beginnt. Es ist also sehr wertvoll, daß die Namen der Zeichen und die Reihen-
Hier unten kennen wir also nur die eine 5. Die andere Seite ist anders- folge ihrer Proportionen beide Seiten umfassen. Man könnte sagen, daß
wo, sie ist oben. Und deshalb hat jede Erscheinung hier unten ihre Gegen- es zwei mal elf Zeichen sind, elf von der einen Seite und elf von der an-
Erscheinung anderswo. Alles ist hier ,,halb", wie es heißt, nichts ist hier deren. Wenn nun ein Wort von uns verstanden wird, müssen wir uns im-
vollständig, und nichts ist hier bis ins Letzte zu verstehen. mer auch vergegenwärtigen, daß dieses Wort einen Gegenbegriff hat, den
Diese Gegenseite ist nun aber in den Namen der grundlegenden Zei- wir uns nicht vorstellen und den wir auch nicht beschreiben können. Wir
chen dennoch bekannt. Da, im Innersten, ist alles anwesend, diese Seite können aber, durch die absoluten Zeichen, wohl etwas, nämlich den Pro-
und die andere Seite. Denn im Innersten liegt doch der Ursprung des portionswert der Gegenseite kennenlernen. Und das zeigt uns oft sehr
Wortes; dort sind die absoluten Proportionen offenbar. Was hier, in un- überraschende Fakten. Denn durch die Zahlen können wir im Gegensatz
serer Erscheinungsform, sich als Gegensatz äußert, ist dort, im Wesentli- zum Bild, zur Erscheinung, zur anderen Seite durchdringen. Wir wissen,
chen, zwar andersartig, doch gleichwohl auch zusammengehörig, in einem daß die Zahlen überall die gleiche Bedeutung haben. Sie drücken das We-
\armonischen Ganzen zu einander passend, vereint. Es ist dort Zweiheit sentliche aus. Hier noch in Zahlen, in der Welt der Erscheinungen eben
und Einheit in Einern. Man denke nur an die Form des Zeichens für als Formen. Beim diesseitigen Wort kennen wir die Form, das Bild; beim
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Das Buch Jonah
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSR
Literatur, Weisheit und Bescheidenheit 69
gegenseitigen Wort kennen wir keine Form. Wohl aber kennen wir die
des Menschen ist. An dieser Stelle kann hierüber nicht mehr ausgeführt
Zahl, und wir wissen dadurch, mit welcher Form es hier verwandt oder
werden, aber wir werden dem genannten Begriff, der sich in der Zahlen-
sogar identisch ist. Und das bringt uns ungeahnte Überraschungen, schenkt
welt als 510 manifestiert, im Verlauf unseres Buches noch des öfteren
uns eine ungemeine Weit- und Tiefsicht.
begegnen.
Man nennt dieses Wissen und diese Praxis das ,,athbasch"-Prinzip.
Dieses Wort ist nichts anderes als eine konstruierte Verbindung des ersten
Literatur, Weisheit und Bescheidenheit
mit dem letzten Buchstaben, a- th, und des zweiten mit dem vorletzten
Buchstaben, b- sch. Mit dem athbasch kennt man das Wort und die
Ich habe versucht, in diesen Seiten etwas allgemein Orientierendes
Gegenseite dieses Wortes; man blickt in eine ungekannte Welt, aber eine
über die Zusammenhänge zwischen ,,zählen" und ,,erzählen", zwischen
ganz bestimmt existierende Welt.
Zahlen und Worten auszusagen. Ich bin mir genau bewußt, daß es heute
Ich will auch hier zur Illustration einer solchen Praxis ein Beispiel
fast keinen Menschen mehr gibt, der auf diesem Gebiet ein systematisches
geben. Wir nehmen wieder den Begriff ,,Mensch", also ,,adam". Der
und umfassendes Wissen hat. Es wäre auch schwierig, sich dieses Wissen
athbasch-Wert dieses Wortes (s. Tabelle), das von unserer Seite aus ge-
durch das Studium von Handbüchern anzueignen. Denn es gibt keine
schrieben 1-4-40 ist, hat demgemäß als athbasch 400-100-10. Das ganze
solchen Bücher. Was es gibt, ist eine immense Anzahl von Schriften,
Wort ist also im athbasch 510. Zusammen mit dem diesseitigen Wert,
weitaus die meisten aus längst vergangenen Zeiten, wo vieles als selbst-
der wie wir sahen 45 ist, finden wir für den Menschen die Zahl 555, also verständlich bekannt vorausgesetzt und in einer Art geschrieben und
die Zahl, wovon wir wissen, daß sie eine andere Welt, daß sie Himmel gedacht wird, die den Menschen unserer Zeit fremd geworden ist. Wir
und Erde vergegenwärtigt. Wir erinnern uns auch an die kurze Bespre- müssen nun einmal die Tatsachen akzeptieren und einsehen, daß Zeiten
chung von 500, 50 und 5. Ohne Worte ist hier vom Menschen etwas aus-
kommen und gehen, daß sie sich ändern und auch die Menschen sich mit
gesagt, das so durchgreifend ist, so unumstößlich darauf hinweist, daß der
ihnen. Was man früher selbstverständlich wußte, kann heute unverständ-
Mensch neben seiner Erscheinung hier auch noch ganz etwas anderes ist,
lich sein; was man in anderen Zeiten träumte, kann heute Teil des Be-
so daß man tatsächlich sagen kann, hier die Formel, die Definition des
wußtseins geworden sein. Man kann deshalb aus den vielen Schriften ver-
Menschen zu haben. Es erübrigt sich vielleicht, hier noch darauf hinzu-
gangener Zeiten heute nur den Geist in ihnen, der ewig ist, zu verstehen
weisen, daß der volle Wert für ,,adam", 625, die 5 ist, die 5 also wieder
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
trachten. Ich meine den Funken, der doch in allem fortlebt. Man hatte
in vierfacher Potenz. Wenn man, was in meinen anderen Schriften aus-
früher wahrscheinlich noch kein Bedürfnis für ein systematisches, zusam-
führlich von den 4 Welten erzählt wird, versteht, so wird man diese 5
menfassendes, das ganze Gebiet dieses Wissens umfassendes Werk gehabt.
auch als ein Wunder des Wortes empfinden. Der verborgene Wert, wofür
Vielleicht hat jeder Lehrer seinem Schüler davon erzählt. Vielleicht in
wir oben die 580 gefunden haben, bedeutet für den Kenner meiner ande-
Worten, die für uns wiederum unverständlich oder unakzeptabel sein
ren Schriften ebenfalls eine ausschlaggebende Mitteilung. Denn mittels
würden. Dies alles ist auch der wichtigste Grund, weshalb ich mit den
der 58 wie der 10 bzw. 100 x 58 erzählt das Wort vom entscheidenden
Publikationen auf diesem Gebiete angefangen habe. Ich könnte also,
Punkte der Erlösung, dem Ende der Welt der Zweiheit.
wenn man nach einer parallelen Literatur fragt, bisher nur auf meine
Und der Athbasch-Wert von adam, 510, den wir hier oben bezeich-
eigenen Bücher verweisen. Aber ich weise auch auf die vielen, vielen
net haben, zeigt tatsächlich auf die ,,Gegenseite". Es ist nämlich der ver-
Werke hin, die ich selber studiert oder gelesen habe ". Sie sind fast alle in
borgene Wert für das Wort maschiach, den Gesalbten, den Messias also.
hebräischer oder aramäischer Sprache geschrieben. Und die ausführlichen
Dieses Wort maschiach, 40-300-10-8, ist mit seinem ,,vollen Wert" (40-
Kommentare über diese Bücher sind in den gleichen Sprachen abgefaßt.
40, 300-10-50, 10-4-6, 8-400) 868, und da der äußere Wert (s. oben) 358
ist, bedeutet es, daß der verborgene Wert dieses Wortes genau diese 510
Eine ausführliche Bibliographie findet sich im ,,Bauplan".
70 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Buch Jonah
Bücher und Kommentare fassen sich fast immer ganz kurz. Es wird eben Tabelle
vorausgesetzt, daß der Leser schon vieles weiß, oder daß er sich ernsthaft
bemühen wird, alles gründlich zu studieren, so daß er dann nachher vieles
weiß. Ich rede also gar nicht von Leuten, die über diese Dinge schreiben Außerer Voller we,, Verborge- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSR
A thbasch-Wert
Zeichen Schreibweise Wert
oder sprechen, ohne selber imstande zu sein, die ursprünglichen Werke, Wert
die Quellen und die Kommentare, zu lesen. Übersetzungen, insofern sol-
che hie und da erschienen sind, sind für dieses Studium vollkommen 110 400
aleph 1-30-80 1 111
ungeeignet, da es sich ja um die Worte handelt, um die Worte in der Ur-
beth 2-10-400 2 412 410 300
Sprache, und um die Zahlen im Absoluten, in dieser Ursprache. Je der
gimel 3-40-30 3 73 70 200
aber, der hier studieren will, ,,Thora lernen" will, wie es heißt, braucht
an erster Stelle den Geist der Bescheidenheit. Mit Ehrfurcht soll er sich daleth 4-30-400 4 434 430 100
dem Wunder von Gottes Offenbarung nahen. Sonst bleibt sie, wie ge- he 5-10, 5-5, 5-1 5 15, 10, 6 10, 5, 1 90 zyxwvutsrqponml
scheit und studiert er sich selber auch vorkommen mag, für ihn verschlos- w aw 6-10-6, 6-1-6, 6-6 6 22, 13, 12 16, 7, 6 80
sen, und seine Urteile gehören dem Reiche der Verwirrung an. 70
sajin 7-10-50 7 67 60
cheth 8-400 8 408 400 60
teth 9-400 9 409 so
400 zyxwvutsrqponmlkjihgfedc
jod 10-64, 10-4 10 20, 14 10,4 40
kaf 20-80 20 100 80 30
lamed 30-40-4 30 74 44 20
mem 40-40 40 80 40 10
nun 50-6-50 so 106 56 9
samech 60-40-8 60 108 48 8
ajin 70-10-50 70 130 60 7
peh 80-5 80 85 5 6
zade 90-4-10 90 104 14 5
kof 100-6-80 100 186 86 4
resch 200-10-300 200 510 310 3
schin 300-10-50 300 360 60 2
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I. KAPITEL

DIE WELT BEI DER GEBURT JONAHS

Schwer lastet die Welt der Gegensätze auf dem Menschen. Tief in sei-
ner Erinnerung weiß er noch vom verlorenen Paradies, und aus der selben
Tiefe hofft er auf eine Rückkehr in die Welt der Harmonie, des Friedens
und der Einheit, die er ahnt. Er ahnt und hofft, und doch kann er es nicht
glauben. Denn die Welt, in der er lebt, läßt keine derartigen Schlußfolge-
rungen zu, sie bietet dem Menschen nur die kalte, harte, nackte Realität,
ein Auf und Nieder ohne Ende. Des Menschen Nahrung ist der Zweifel,
das natürliche Produkt einer Welt der Gegensätze.
Dennoch treibt ihn die Ahnung einer Gewißheit, der Zweifel wird
von einer anderen Stimme manchmal übertönt. Trotz der sichtbaren Rea-
lität träumt und hofft er auf eine andere. Er hofft auf eine Erlösung aus
der aussichtslosen Tretmühle, er hofft auf einen Durchbruch einer ande-
ren Wirklichkeit. Nicht immer findet er Worte für diese Erwartung; der
Gegensatz zur einzig sichtbaren Wirklichkeit verwirrt ihn auf seinem Wege
von den freudigen und hoffnungsvollen Gedanken zu den vor der Um-
welt zu formulierenden Worten. Er schämt sich solcher Worte und läßt
es sein. Und so ziehen sich die Wortmöglichkeiten von ihm zurück, er
verliert die Verbindung mit ihnen.
Es ist das Muster der Schöpfung, das den Menschen in eine solche
Welt geboren werden läßt. Als Wesen mit höheren Potenzen hat der
Mensch die schöpferische Freiheit, in der Welt der Gegensätze als König
zu walten, ihre Realitäten zu akzeptieren und sie nach seinem Willen mit
seiner Macht zu bezwingen. Er will ihr den Frieden und die Harmonie
bringen, so wie er sie als erreichbar spürt. Es kann aber sein, daß er, in
seiner königlichen Freiheit, für die Welt ganz unrealistisch, von einer ver-
lorenen Einheit träumt, von einer anderen Realität, und daß sein Leben
und seine Bestrebungen sich dorthin richten. Er sieht die Aussichtslosig-
keit jeglicher Entwicklung, solange sie nur die sichtbare Seite der Wzyxwvutsrqponmlkji
irk -
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I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 1. Das Böse ist Teil der Schöpfung 85
lichkeit anerkennt. Und er spürt, daß etwas entscheidend Wichtiges ihn das Haus Gottes in der Welt Wirklichkeit geworden zu sein schien.
in Verbindung gebracht hat mit einer Welt, wovon er glaubt, daß sie die Sieben Jahre hatte der Bau des Tempels gedauert, und im achten Jahr
sichtbare und eine unmeßbare Realität zu einer unbeschreiblichen Einheit war er vollendet worden. Danach hatte Salomo zugleich mit der Ein-
umgeformt hat. weihung des Tempels auch seine Hochzeit mit Bitjah, der Tochter des
Und so leben auch im Menschen selber die Gegensätze. Er träumt, er Pharao, gefeiert und dabei zum ersten M zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSR
al seit sieben Jahren wieder
dichtet, und er steht auf der harten Erde, er rechnet mit ihren Kausalitä- Wein getrunken. Die Überlieferung erzählt (im ,,Midrasch Rab ba Wajikra"
ten. Wohin wird das Leben ihn bringen, und wohin der Tod? Die Zeit 12, Sehmini), daß Gott ihn fragte: ,,Von welcher Freude soll ich nun
trägt ihn fort, in das Leben und in den Tod. nehmen, von dieser oder von jener?" So kam es als Folge dieser Vermen-
Ist die Stimme, welche ihm von einer anderen Welt erzählt, die Stim- gung, daß Gott das Reich von Jerusalem zu enden beschloß. Der Bericht
me Gottes? Ist sie eine prophetische Stimme, die Kausalität von Raum erzählt ferner, daß auch Jerobeam mit tausend Männern aus seinem
und Zeit durchbrechend, die Mitteilung aus einer anderen Wirklichkeit Stamm Ephraim kam, um Salomo wegen seines Betragens zur Rede zu
bringend? Oder ist sie tröstender Selbstbetrug, ist sie eine falsche, eine stellen. Gott aber wies J ero beam zurecht: ,,einen Fürsten von Israel kann
Lügenstimme? Wer könnte das hier mit Sicherheit sagen. Sogar in dieser man nicht mit diesen Maßstäben beurteilen. Ich werde dir, Jerobeam,
Hinsicht steht der Mensch vor der Zweiheit, und doch ist seine Entschei- einmal einen Teil seiner Herrschaft geben, und dann sollst du sehen,
dung hier eine Frage des Seins oder der Vernichtung des Seins. daß du mit diesen Maßstäben nicht wirst bestehen können''. Jerobeam
In dieser Verfassung hört der Mensch die Erzählung der Ur-Geschich- wurde der erste König der einen Hälfte des nach Salomo geteilten Rei-
ten. Sie kommen von außen zu ihm, und sie melden sich gleichzeitig von ches, die aus zehn Stämmen gebildet wurde. Und Jerobeam wie auch
innen; sie steigen aus seinem eigenen Ur-Grund in sein Bewußtsein auf. die nachfolgenden Könige des Nordreiches taten, wie die Bibel sagt,
Wird er auf beide Seiten hören? Es könnte die große Entscheidung übel in den Augen Gottes.
bringen. Gottes Gespräch mit J ero beam über seine Unfähigkeit, Salomos Ta-
Dies ist die Welt bei der Geburt Jonahs. Hören wir die Geschich- ten zu beurteilen, zielt eigentlich auf die unfaßliche Einheit Gottes vor
te des Jonah an, sehen wir, wie seine Welt aussieht. Es ist auch unsere der Schöpfung. Erst wenn Gott die Zweiheit eingeführt hat, kann die
Geschichte, es ist auch unsere Welt. In uns lebt sie als fortwährende Schöpfung zustandekommen. Das große Reich der Einheit bei Gott ist
Realität. Vielleicht gelingt es, sie in unser Bewußtsein aufsteigen zu lassen. vor der Schöpfung und ist auch aus der Schöpfung heraus nicht zu fassen.
Es könnte sein, daß wir dann das Wunder der Erlösung als immer fließen- Gott macht mit der Beth, mit der Zwei, diese Schöpfung, und das bedeu-
den Quell ganz nahe bei unserer Gegenwärtigkeit entdecken werden. Es tet das Ende der großen Harmonie. Gott hat den Zimzum, die Begrenzung,
den Bruch der Einheit, auf sich genommen. So entstehen für diese Welt
wird uns dann die große Freude bringen, von der wir träumen. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Himmel und Erde, Licht und Finsternis, Mann und Frau, Körper und
1. Das Böse ist Teil der Schöpfung Seele, und so entsteht auch die Zweiteilung des Reiches der Einheit, das

- Im 58. Jahr nach der Zweiteilung des großen Reiches bestieg der
siebente König von Israel, Achab, den Thron. Das Reich der Einheit
unter Davids Sohn Salomo noch besteht. ,,Sind Salomos Taten nicht
meine Taten?" fragt Gott den Jerobeam! Als Mensch erkennt man nicht,
wozu die Taten des Königs der Einheit, Davids Sohn, führen.
schien wie ein ausgeträumter Traum weit dahinten zu liegen. Da hatte So gibt es denn auch einen Ausspruch aus dem Altertum, wonach
einst David, der von Gott Geliebte, wie sein Name besagt, sein großarti- der Mensch die Taten biblischer Persönlichkeiten nicht nach seinem
ges Leben gelebt. Da war sein Sohn Salomo, der Friedenskönig, der eigenen Maßstab beurteilen dürfe, selbst wenn diese Taten in der Bibel
König der Ganzheit, wie es durch seinen Namen ausgedrückt wird, Salo- als böse bezeichnet werden. Die Kenntnis von Gut und Böse ist Gott
mo mit seinem Leben voller Wunder und Glanz, Salomo, in dessen Reich allein vorbehalten. Die BibeÍ gehört zu den Erscheinungen in dieser Welt,
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I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 1. Das Böse ist Teil der Schöpfung 87

welche bei Gott bereits vor der Schöpfung vollständig vorhanden sind. sie bildet die Brücke von dem ,,verzehrenden Feuer", welches Gottes
Das menschliche Verhalten gegenüber Gut und Böse, sein Unterschei- Wort in der Thora ist, zum Geschehen in dieser Welt. Sie erhebt alles in
dungsvermögen und seine selbstverständliche Pflicht, das Gute zu tun, dieser Welt; auch dem Kleinsten gibt sie , indem sie diese Brücke, diese
lassen sich nicht ohne weiteres aus der Bibel ableiten. Die Bibel ist kein Verbindung herstellt, seinen unentbehrlichen Platz.
Leitfaden für braves und ruhiges Verhalten; sie ist mehr als ein nützli- Und so bleibt für den Menschen das Rätsel des ,,Wozu?" - wozu das
ches Buch zugunsten eines reibungslosen Funktionierens der Gesell- Böse, wozu das Leiden, das Unrecht, der Tod? Wäre die Welt nicht
schaft, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
sie ist die Offenbarung des Sinns alles Bestehens. Nie soll ein besser, reicher an Liebe, glücklicher geworden ohne diese für uns negati-
Mensch auch nur einige seiner Taten beschönigen oder relativieren kön- ven Aspekte? Aber Gott schuf die Welt mit der Zwei; denn so allein kann
nen, indem er zum Beispiel auf David und Batscheba verweist oder auf die Welt sein.
Sarah und Hagar oder auf die Ausrottung der Völker Kanaans. In der Es schien mir gut, diese Betrachtung voranzustellen. Denn auch das
Bibel spricht Gottes Tun; und Gott macht diese Welt im Zeichen der geteilte Reich zeigt diesen Gegensatz. Auch hier ist die Gegenüberstellung
Zweiheit. Das Tun Salomos, des Königs des noch ungeteilten Reiches, nicht da, um darüber zu urteilen, geschweige denn zu verdammen. Wir
stellt Gott dar. Und Gott weiß, was es bedeutet, die Einheit zu brechen, wissen, daß die Könige des Zehnstämmereiches, Israel genannt, eigentlich
auf daß diese Welt sei. wenig anderes taten, als was ,,böse" war in den Augen Gottes. Man
Das Reich ist nun auch Zwei; zwei will sagen, daß nun für uns da ist, fragt sich beim Lesen wohl ein wenig verzweifelt, warum sie nicht doch
was wir als Gegensatz bezeichnen, wie auch die Zwei dadurch entstand, auch einmal etwas Gutes taten, das Gute nicht wenigstens bewahrten.
daß Gott eine Schöpfung hervorruft. Da liegt schon die Wurzel des Aber nein, sie morden, lästern, spotten, haben Abgötter. Und doch ist
doppelten Festes Salomos für den Tempel und für die Hochzeit mit es das Reich Israel, das biblische Reich.
Bithjah. So entsteht die Welt, und so kommt es zur Verbannung. Demgegenüber gibt es im anderen Teil der Zweiheit, wo eine gesi-
Die Zwei bedeutet für uns, daß da Gutes und Böses besteht. Für uns cherte Kontinuität mit den Königen des noch ungeteilten Reiches be-
ist das eigentlich ein Rätsel. Wozu ist das Böse da? Wäre die Welt ohne steht, doch oftmals einen König, von dem gesagt wird, daß er ,,Gutes"
das Böse nicht besser gewesen? Wir sehen nicht ein, daß diese unsere tat in den Augen Gottes, zuweilen sogar etwas sehr Gutes. Es sind die
materielle Welt durch das Prinzip, welches wir das Böse nennen, besteht. Könige von Juda, dem Reich der zwei Stämme, dessen Mittelpunkt
Eine unerträgliche Last, diese Frage! Aber alles hat, um bestehen zu Jerusalem mit dem Hause Gottes blieb.
können, zwei Seiten, auch das, was wir ,,gut" nennen. Und die Aufgabe Das ist der biblische Bericht, und das Gute und Böse sind dabei das
des Menschen ist es gerade - bis in die kleinsten Einzelheiten hinein Geheimnis Gottes, wie beispielsweise das Böse, das David und Salomo
das Gute zu tun und das Böse zu meiden, jenes Böse, das also allein verübten. Gott läßt nicht zu, daß hierüber mit menschlichen Maßstäben
schon deswegen bis zum Ende der Tage bestehen muß. Wie der Mensch geurteilt wird. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ist allein
das biblische Geschehen nicht mit seinen Maßstäben beurteilen soll, Gott vorbehalten.
und es auch nicht kann, so darf er sein Tun nicht auf die Tatsache Darum kann man nicht sagen, daß die Könige des Zehnstämmereichs
gründen, daß in der Bibel diese Taten doch auch ausgeführt werden, samt und sonders von böser Art waren. Es erhebt sich im Gegenteil vor
sogar durch Männer wie David und Salomo. Tut er es doch, so vollzieht uns das Rätsel, und die Frage will gestellt werden: Wozu? Denn warum,
er, was im Zusammenhang mit dem Baum der Erkenntnis des Guten und wozu ist da dieses Handeln durchwegs gemäß dem Prinzip der einen
Bösen gesagt wird: er macht sich zu Gott. Die Überlieferung, die Münd- Seite, der Seite, die ,,böse" heißt? Es muß doch einen Sinn haben, und
liche Thora, erzählt vom Weg des Menschen in diesem Leben; sie erzählt, sollte das nicht derselbe Sinn sein, der die Erde in Erscheinung treten
daß er dem Guten nachstreben muß, sie sagt auch, wie er das tun kann; und bestehen läßt, den Körper mit der Möglichkeit, in dieser Welt zu
sie lehrt, was die Bedeutung und der Platz der Dinge in diesem Leben ist, handeln? Ich verweise in diesem Zusammenhang auf den bekannten
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I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 2. Erlösung, eine gewagte Behauptung 89
Gedanken in der Überlieferung, welcher das hebräische Wort für Saat, Wer ist nun Achab? Die Überlieferung (Gilgul Neschamoth) erzählt,
sera, als se-ra liest, was bedeutet: das ist böse. Dennoch segnet Gott alles daß in ihm die Neschamoth, d.h. die Seelen von Nadab und Abihu wie-
Leben. auch den Menschen auf dieser Erde, mit dem Spruch pru-u-rewu, der zum Leben kamen. Nadab und Abihu sind die beiden Söhne Aharons,
dem ,,Seid fruchtbar und mehret euch". Das ra- das Böse hat eine welche von Gott hinweggenommen worden waren. Diese Wegnahme
grundlegende Wirksamkeit in der Welt der Zweiheit. Man kann sagen: gehört zu den Geheimnissen der Überlieferung; man sagt, daß sie groß
ohne Böses kein Gutes. Und dennoch, der Mensch muß das Böse meiden, und heilig waren und eben darum hin weggerafft wurden; man sagt ferner,
denn ihm bringt es den Tod, den unbedingten Tod. Der Mensch kann bei daß ihre Größe sie meinen machte, selbst den Sinn des Bestehens verste-
keiner Gelegenheit sagen: um leben zu können muß ich bei mir ein hen zu können, so daß sie die Verkettung rückwärts bis zum Urbeginn
gewisses Maß an Bösem dulden. Nein, sein Bestehen entquillt dem Prin- nicht mehr für nötig hielten. Man sagt auch, daß sie zu der Hälfte gehö-
zip ra, und er selbst muß sich bei jedem Gedanken und jeder Handlung ren, welche verborgen bleiben soll, im Gegensatz zur sichtbaren Hälfte,
fragen: ,,ist es gut, oder ist es böse?" Und zwar nicht gut oder böse im welche durch Eleasar und Ithamar dargestellt wird. Daß sie verborgen
Hinblick auf seine Stellung innerhalb der Gesellschaft, sondern gemes- bleiben, bedeutet Auserwählung.
sen an dem, was die Halachah, die Mündliche Thora, darüber lehrt. Diese In einer anderen Phase, so wird erzählt, leben Nadab und Abihu im
Maßstäbe sind ebenso unbedingt, ebenso unauflöslich wie alles, was zu Propheten Samuel. Man kann also nicht behaupten, daß Achab in dieser
diesem Komplex gehört, der aus einer anderen Welt entstammt. Mensch- Hinsicht zu denen gerechnet wird, die der Mensch als negativ und böse
liche Maßstäbe sind der Veränderung unterworfen, je nach Zeit, Brauch, einstuft. Doch welch ein Drama! Und warum kommen die beiden Ver-
nötigenden Umständen. Das Menschenleben sollte nicht danach ausge- schwundenen, Nadab und Abihu, ausgerechnet in diesem siebenten König
richtet werden; denn alles am Menschen ist so belangreich, daß sein wieder zum Leben, im 58. Jahr der Zeitrechnung?
Leben erst wirklich sinnvoll wird, wenn es mit dem Absoluten in Ver- Bedenkt man, daß in der Überlieferung der Prophet Elia gleichge-
bindung steht. stellt wird mit Pinchas, dem Sohne Eleasars, des Bruders von Nadab und
Die Könige des Reiches Israel, also der zehn Stämme, tragen für Abihu, und zieht man ferner in Betracht, in welcher Weise Elia dem
uns das Geheimnis der Seite, welche die ,,böse" heißt. Es sind echt bib- Achab gegenübersteht, so begreift man, wie alles sich stets wiederholt
lische Gestalten und darum heilig. Man enthalte sich also des eigenen und zugleich neu wird. Von Isebel wird gesagt, daß in ihr die Frau des
Urteils. Diese Könige haben Verbindung mit den erhabensten Propheten. Korach wieder auflebt, zugleich aber auch Koshi (Num. 25, 15), jene
Diese richten ihnen das Wort Gottes aus, und sie tun Seine Taten. Im Frau, welche das Geschehen von Baal Peor' verursachte. Kosbi wird durch
Leben des siebten Königs, mit dem ich diese einleitende Betrachtung Pinchas umgebracht und Pinchas ist Elia. Wieder ist Elia der große
begann, Achabs, der soviel Böses tut ( l. Kön. 16, 30- 22, 40), sind Gegenspieler von Kosbi, nun in [Link] hatte es in Schittim ' auch
keine Geringeren als Elia, Elischa und Obadja die Propheten. In den 22 schon auf Elia abgesehen. Auch hier also die wiederholte und erneuerte
Jahren seines Reiches geschehen viele Wunder, wiewohl Ise bel, seine Begegnung.
Frau, zum entschiedensten Bösen gehört. Korachs Frau wird als eine der vornehmsten Triebkräfte für den
Aufstand ihres Mannes angesehen. In Mizraim (Ägypten) war Korach
2. Erlösung ist eine gewagte Behauptung der gröí3te. Er war im Hause Pharaos über alles gesetzt, und er besaß die
Schlüssel zu dessen Schatzkammer, d.h. zum Geheimnis der Kraft Ägyp-
Nach biblischer Zeitrechnung waren 57 Jahre sowie drei Königs- tens (Midrasch Rabba Bamidbar 15). Der Aufstand Korachs hat einen
häuser vergangen. Mit Achab beginnt das 58. Jahr und das vierte Ge- typischen ,,Links-Charakter". So wird berichtet (Midrasch Rab ba
schlecht. In Juda herrscht gleichzeitig Assa, der dritte König seit der
Teilung. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA Vgl. Num. 25
90 I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 2. Erlösung, eine gewagte Behauptung 91

Schmoth 18, Midrasch Mischie 14 und T. B. Sanhedrin 110a), daß Ko- Erde der Sprache mächtig, reden die Tiere und Pflanzen, lebt alles ohne
rachs Frau sich vor allem gegen das Scheren des Haares auflehnt, das den Ablenkung das große Wunder der Schöpfung mit. Keine Lustlosigkeit,
Leviten aufgetragen war. Das Haar ist aber das Zeichen der linken Seite, keine Zerfahrenheit machen sich breit; alles kennt seinen Platz und weiß
der Seite der Frau. Die Geheimnisse Ägyptens, die Schätze Mizraims, sind seine Bestimmung.
die Entwicklungskräfte, also das, was als das Weibliche, das Körperliche, So sind also Nadab und Abihu, Korachs Frau, Koshi, Dathan und
in allem hervorgehoben wird. Abiram sowie Pinchas allesamt einbezogen in diesen Bericht von Achab
Das Feuer, das Korach und die Seinen verzehrt, kommt aus dem - dem siebenten König von Israel, dessen Herrschaft im 58. Jahr beginnt
Himmel. Etwas davon bleibt jedoch zurück im Zelt der Zusammenkunft, und seiner Frau Isebel. Der Prophet Elia aber übermittelt ihnen
und das Korban, das Opfer, das während des Zugs durch die Wüste stets Gottes Wort.
dargebracht wird, wird durch dieses Feuer verzehrt, gelegentlich sogar Von Elia erzählt der Sohar (Sohar Wajakhel 197a), das ,Buch von
(Pirke de R. Elieser 53), ohne mit ihm auch nur in Berührung gekommen Adam" anführend, einst werde eine Seele zur Erde kommen, sich mit
zu sein. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA einem irdischen Leib umhüllen und den Namen Elia tragen. Mit diesem
W ie zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Seresch, die ihren Ehegatten Haman zum Handeln anspornt, Leibe werde er auch wieder zum Himmel emporsteigen, wo seiner ein
so auch die Frau von Korach. Beide verkörpern das Böse, das alles anderer Körper warte. Im Himmel lebe er dann als ein Engel unter
unternimmt, um die Kräfte der Entwicklung zu aktivieren und das auch Engeln; wiederholt komme er jedoch zur Erde zurück und kleide sich
instinktiv spürt, wo die Kräfte der Rückkehr am Werk sind. Ebenso wie mit dem irdischen Leib, der für ihn bewahrt bleibt. Mit diesem Leibe sei
Isebel nun den Elia anfällt, richtet sich die Wirksamkeit des Bösen, er auf Erden sichtbar, während er mit dem anderen Körper im Himmel
scheinbar ohne Überlegung, gegen seinen unscheinbaren Widersacher, erscheine. Auf diesen Vorgang hat Sprüche 30, 4 Bezug: ,,Wer erklomm
drohendes Unheil für die Welt argwöhnend. den Himmel und fuhr wieder hernieder, wer hat den Wind in seiner
Elia verlangt auf dem Karmel" zwei Rinder, damit sich an ihnen das Faust versammelt, wer hat die Wasser zusammengebunden in seinem
Wunder des Feuers vollziehe, das er aus dem Himmel herabfleht. In die- Kleid, wer hat alle Enden der Erde festgesetzt? Was ist sein Name und
sen beiden Rindern lebten, heißt es, die Seelen Dathans und Abirams, was der Name seines Sohnes? Du weißt es doch."
jener beiden Abkömmlinge Judas, welche mit Korach gegen Moses auf- Elia ist der Bringer der guten Botschaft, der Nachricht nämlich, daß
gestanden waren (Seder ha-Dorath 2962). Abiram wird den Baalsprie- alles, wie es auch immer aussehen mag, gut und auf dem rechten Wege ist,
stern zugewiesen, während Dathan Elia zufällt. Da klagt Abiram; er fin- ja gar_ nicht besser sein könnte. In dieser Welt sagt er es beinahe gegen
det es erniedrigend, daß das Los ihn den Baalspriestern zuteilt. Elia jedoch seinen eigenen Eindruck; er kann es fast selbst nicht glauben und wendet
antwortet (Midrasch Rabba Bamid bar 23, 9a Midrasch Tanchuma) - in sich eindringlich zu Gott, Er möge ihn doch nicht beschämt dastehen
Übereinstimmung mit der Bedeutung von Gut und Böse für Gott-, daß lassen. Was er tut, tut er um Gottes willen; wissend, daß es gut sein muß,
er an seinem Platz ebensogut zum Wunder Gottes beitrage. Es wird auch verkündet er es schon, bevor es eintrifft. Man denke an die Begebenhei-
gesagt, Nadab und Abihu hätten in den beiden Rindern gelebt, während ten bei der Witwe von Zarpath (1. Kön. 17, 18-24) und auf dem Kar-
in Elia der Ruach Nadabs war (Seder ha-Dorath und Gilgul Neschamoth). mel ( l. Kön. 18, 36-39). Mit seiner voraus bestehenden Gewißheit, daß es
Die Schöpfung und das Leben in der Bibel kennen mehr Zusammen- allen Widrigkeiten zum Trotz doch gut sein wird, ist Elia der Verkünder
hänge, als unsere Welt sie zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
für unsere Augen sichtbar werden läßt. Im des Erlösers, des Messias. Wenn dieser den Menschen und die Welt belebt,
Bericht der Bibel und der Mündlichen Thora zeigt sich eine viel stärkere und gerade dann beseelt, wenn sich die Welt in den Geburtswehen der
Einheit zwischen allem Leben und Gott. Für die Thora sind Himmel und messianischen Zeit, die man die chewlei Maschiach nennt, vor Verzweif-
lung und Pein windet, dann ist Elia mit seiner Botschaft da.
* l. Kön. 18 Angesichts des toten Kindes der Witwe von Zarpath verkündet er,
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I. Die Welt bei der Geburt Jonahs zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
3. Das Böse hat einen geheimen Sinn 93
daß es wieder leben werde - realistisch betrachtet wohl eine sehr gewagte alles doch völlig anders - nämlich gut- ist, und daß dieses Gute
Behauptung. Nach ausgesprochenem Bekenntnis erst wendet er sich zu schließlich auch über das Äußere bestimmen wird - sogar darüber!
Gott um Hilfe. Und nachdem er auf dem Karmel den Baalspriestern Denn das Äußere hat großes Verlangen nach der Rückkehr, fühlt es sich
gegenüber Bedingungen geschaffen hat, die für ihn so ungünstig sind doch verlassen. Wem der Elia entgegenkommt, der ist in die Eins einge-
wie nur möglich, ruft er mit dem Verzweiflungsschrei zu Gott: ,,Antwor- gangen, und in dieser Kraft wird er als die Vier in dieser Welt den Kampf
te mir, Herr, antworte mir, auf daß dieses Volk erkenne." aufnehmen dürfen mit dem blendenden äußerlichen Schein,_ mit der
Dieser Elia in der Welt und im Menschen ist allezeit da, immer ist die Betörung der Entwicklungskräfte.
irdische Umhüllung für ihn gegenwärtig; er ist für diese Schöpfung un- Darum steht Elia auch Isebel gegenüber, jener Frau, die den siebten
sterblich. Was hier als Elia erscheint und sich in dieser Weise äußert, ist König mitreißt in das glückverheißende Spiel der Fortentwicklung, weg
die besondere Neschamah, welche um dieser Ursache willen denn auch vom Ursprung.
fortwährend in der Welt anwesend ist. Da in Achab Nadab und Abihu erkannt werden und Elia selbst als
Diese Neschamah ist als Pinchas gegenwärtig (Num. 25, 7--15), um Pinchas aus Eleasar kommt, begegnen sich die hinweggerafften Söhne
als widerstrebende Kraft den Tendenzen der ungeheuren Entwicklung, Aharons und der übriggebliebene Sohn als König und als Prophet bzw.
Vermengung, des Fahrenlassens des Ursprungs, welche sich am Ende des als Priester. Nach Aharon ist Eleasar der Hohepriester und Pinchas sein
Zugs durch die Wüste zeigen, entgegenzutreten am Ende auch dieser Sohn.
Welt, welche man als den siebenten Tag kennt. Denn das Geschehen von Achabs Reue (l. Kön. 21, 27-29) und Einsicht am Ende bringen ihn
Baal Peor ist die letzte Verführung, welche die Kräfte der Entwicklung und Elia zusammen, die hin weggerafften Söhne mit den übriggebliebenen
ins Werk setzen. Die Menschen werden vollkommen überwältigt durch vereinigend. Auch hierin ist Elia der Künder der großen Einswerdung, in
die Herrlichkeiten, welche diese Entwicklung mit sich bringt. Bileam der ja die Erlösung besteht.
- einerseits der Verkünder des Erlösers kann nicht anders, als sich
ihm mit diesen hinreißenden Erfolgen der Entwicklung in den Weg zu 3. Das Böse hat einen geheimen Sinn
stellen. Koshi, die Midianiterin, und Simri, der Simeonite, bringen die
magefah, den tödlichen Schlag, den tödlichen Rausch über Israel. Trotz Im letzten Jahr des sechsten Königs von Israel, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTS
O m ri, wird Samaria
den Freuden des Baal Peor fühlt die Welt doch den ihr drohenden Un- zur Hauptstadt gegenüber Jerusalem. Unmittelbar vor dem Ablauf des
tergang. Alles ist von der gleichen Hoffnungslosigkeit erfaßt. In dieser sechsten Tages gegründet, ist Samaria die Stadt Achabs, des siebenten
Situation tritt Pinchas auf, allein gegen alle anderen. So entsteht das Königs. Wie das Geheimnis Gut und Böse als Gegensatz kennt, so stehen
Band zu Gott; und damit ist Pinchas der ewige Streiter gegen die Ver- auch Jerusalem und Samaria einander gegenüber. Äußerlich einander
zweiflung des Endes. Das gibt ihm den Namen Elia. übrigens besteht im widerstehend, verfeindet, haben sie im Wesen doch wieder das Verbin-
Hebräischen ein vielsagender Zusammenhang zwischen den Namen Pin- dende, dem Sinne nach: ,,dennoch enthalte sich der Mensch des Anle-
chas und Elia: Pinchas ist 80-10-50-8-60 = 208, und Elia, immer als gens seiner Maßstäbe". Die Worte für die beiden Begriffe erhellen die
Elijahu geschrieben, ist 1-30-10-5-6 = 52. Elia ist also die Eins gegenüber geheime Einheit zwischen Juda und Israel: Samaria, hebräisch Schomron,
der Erscheinung des Pinchas, welcher die Vier darstellt. Elia ist der ewige wird 300-40-200-6-50 geschrieben. Das Wort ist gleichbedeutend mit
Nährer der Vision, wenn die Not am größten ist. Man sagt denn auch, 596. Jerusalem, hebräisch Jeruschalajim, 10-200-6-300-30-10-40 ist eben-
daß wer Elia antrifft, der Rettung und Durchhilfe sicher sein kann. Wer falls 596. Im Wort nimmt das Mysterium von Gut und Böse in der Schöp-
Elia im Traum erblickt, weiß, daß Elia ihm in seiner Welt nahe ist. In fung eine andere Form an. Da wohnt noch der Urbegriff, der uns lehrt_
der Wirklichkeit aber begegnet man dem Elia, wenn man sich bewußt daß auf der andern Seite Gut und Böse etwas anderes sind als hier. Gerne
wird, daß ungeachtet äußerlicher Not und herrschender Verzweiflung möchte der Mensch auch über diese andere Seite urteilen, sich als Gott
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I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 3. Das Böse hat einen geheimen Sinn 95

in dieser Welt fühlen. Und er will es nicht gelten lassen, daß die Maß- wird Gott erkannt, und das ist es, was die Israel-Seite, mit J erobeam an
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
stäbe für die Rückkehr andere sind als jene der Schöpfung selbst. Er der Spitze, tut.
will eben ganz und gar nicht ,,umsonst" handeln. Wissen will er viel- Es handelt sich dabei keineswegs um ein Spiel. Diese Seite kann
mehr, und vor allem will er seine eigenen Maßstäbe, abgeleitet aus seiner tatsächlich auch Beweise liefern; sie richtet sich aus nach dem Erfolg.
irdischen Erscheinungsform, für allgemeingültig halten. Unberührt wie Der reiche Mann, der seinen Eigennutz in den Mittelpunkt stellt, ist
das Weltall selber umgibt ihn das Wort und spricht: „Das Geheimnis der nötig, und der Harte, der als gerecht auftritt, ist unentbehrlich. Hier liegt
Zweimachung ist Gottes. Bei Gott ist die Zwei Eins. Das Wort, das bei das Geheimnis dessen, was "das Böse" heißt. Wo bliebe die Welt, und
Gott ist, trägt dieses Geheimnis in deine Welt mit. Habe darum Ehr- wie nährte man die vielen Menschen, wenn es diese Beharrlichkeit nicht
furcht vor dem Wort." gäbe? Wer kennt nicht auch in seinem eigenen Leben, mehr oder weniger
Immer ist das Sechste mit dem Siebten verbunden, und so liegt das ausgeprägt, den Hang zum Wohlstand, der uns Ruhe und Sicherheit ver-
Fundament Samarias im Sechsten und erscheint im Siebten. Ohne Kennt- heißt und Erfolg und Ansehen einbringt? Bei alledem macht sich aber
nis der Verbindung mit dem, was vorausging, ist Samaria hier nicht eine Stimme in uns vernehmlich, die das nicht gutheißt, weil es nicht
erklärbar. Ohne Kenntnis des Geschehens in der Schöpfung ist das Ver- der Sinn des Lebens sein kann. Und die Halachah, die "Richtschnur"
halten König Salomos, das zur Entstehung Samarias beitrug, nicht zu aus der Mündlichen Thora, weiß, daß der Mensch diese Dinge mei-
verstehen. den und auf seinem Weg fortwährend unterscheiden muß zwischen Gut
Jerobeam, der erste König von Israel- so wird in T. B. Sabbath 56 b und Böse. Nicht einfach ist diese Haltung, denn der lockende Baal flüstert
erzählt wischte in der Thora überall den Namen des Herrn aus, um einem stets zu, man solle sich doch anpassen, praktisch sein, nicht so
dafür den Namen Baal hinzusetzen. Auch Baal ist Herr, abzielend jedoch verschroben und gehemmt. Jedermann tue es doch, denke an seine Zu-
auf das Tätige, sich in regsamer Vielheit Äußernde, überall Greifbare kunft, seine Familie, sein Vaterland; der Überbevölkerung müsse man
und Beweisbare, Erfolgversprechende. Im Begriff Baal weiß man um das entgegenwirken, und was dergleichen Überlegungen mehr sind. Wo bliebe
Geheimnis des Herrn; allein die Einheit mit Ihm ist zerbrochen. Man in der Tat die Welt, wenn da nicht diese "andere Seite" wäre? Es handelt
kennt Gott bloß als den Herrn der Entwicklung und verdrängt das sich im Grunde um ein numinoses Geheimnis. Warum, wozu muß die-
Wissen um Gott den Vater, welcher alles zurückerwartet, daheim, in der ses Andere doch sein, zu welchem Ende ist es geschaffen? Man entwin-
Wärme und Liebe. det sich dem Dilemma nicht dadurch, daß man lediglich zur Kenntnis
Das Wort Baal, hebräisch in seinem vollen Wert geschrieben, also nimmt, daß die Welt nun einmal so geordnet ist und man sich darein zu
vollständig als Beth-Ajin-Lamed, erscheint als 412-130-74 = 616. 616 schicken hat, höchstens versuchen soll, für sich das Beste daraus zu ma-
aber ist als 7 x 8 x 11 bekannt. Dies entspricht der Struktur, welche chen. Wenn die Herrlichkeit der Schöpfung bloß um dieser, der Auffor-
auch die Windungen der Zizith bestimmt", die ersten drei der vier Teile derung 'ausweichenden, seufzenden Feststellung willen gemacht wäre,
haben, wie die Überlieferung erzählt, 7 und 8 und 11 Windungen. Die sie wäre sinnlos geblieben.
gleichen drei Zahlen bilden aber auch als 15, (7 + 8), und 11 die 26 des Zwischen Juda und Israel herrscht eine andauernde Spannung; es ist die
Namens JHWH, 10-5-6-5. Der vierte Abschnitt der Zizith hat 13 Windun- Spannung zwischen den beiden Aspekten. Ohne "ra", das Böse, gibt es
gen, den Begriff ,eins" (echad = 1-8-4) mit dem Begriff Herr verbindend, die Welt nicht, und man hätte auch nicht die Möglichkeit, den Weg zu
womit in unserer Erscheinungsform ausgedrückt wird: „Der Herr ist gehen, sich Gott zu nahen. Aber warum muß das "ra'' sich so äußern?
Einer''. In Baal ist also die Gotteserkenntnis einseitig: in der Vielheit Damit der Mensch auf seinem Weg, der eine Rückkehr ist, stets deutli-
cher einsieht, daß das Böse nur da ist, um ihn der Versuchung gegenüber
Die Zizith sind die Quasten, die Schaufaden (Num. 15, 37-41), welche die doch sagen zu lassen: ,,Nein, die Sorge um das Materielle als Inbegriff
Vierheit in der Erscheinung des Menschen aufzeigen. des Tagewerks und das gesellschaftliche Ansehen als Ideal, das ist nicht
96 I. Die Welt bei der Geburt Jonahs zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 3. Das Böse hat einengeheimen Sinn 97

der Sinn des Lebens. Das leibliche Wohlbefinden und das darauf gerich- erkannt, die um diesen Weg wissen, und sie segnen daher die Schöpfung,
tete Studium von Biologie, Pathologie, Chemie usw. ist es ebensowenig. weil sie ihnen die Möglichkeit der Erlösung bietet. Dann steht man dem
Denn was kommt danach? Und die trügerische Ruhe, die Befriedigung, Blühen und Versamen ganz anders gegenüber, geht einem eine andere
die darin liegt, daß der Bürger brav ist, kein unliebsames Aufsehen erregt, Bedeutung von Gesundheit, Krankheit und Tod auf. Dann bieten vom
nicht lästert und nicht stiehlt, weder lügt noch sich der Eifersucht hin- "Baum der Frucht ist und Frucht macht" aus die Sterne, die Mensch-
gibt, kann nicht das letzte Ziel des außerordentlichen Dramas der Welt heitsgeschichte, die Meere, menschliches Weben und Streben, einen an-
sein." deren Anblick. Dann beginnt man die Natur bis in ihre feinste Bedeutung
Wenn der Mensch sich dieser Erkenntnis öffnet, dann ist damit die zu würdigen- ganz anders als diejenigen, welche die Natur aus selbst-
Erlösung für das sich von Gott Entfernende eingeleitet, denn dann ist es süchtigen Motiven erforschen und zu einem Mittel entwürdigen, um den
immer der Augenblick, wo es endgültig zu entgleiten droht. Der Mensch menschlichen Luxus ins Ungemessene zu steigern.
entwindet sich der Bevormundung von Ökonomen, Biologen, Medizi- Nadab und Abihu sind ehrlich überzeugt, daß sie die Antwort das,
nern, Theologen und Psychologen. Ihr atemloses Bemühen wird gegen- was Sinai heißt- aus der Welt selbst ableiten können, und in dieser
standslos; denn der Mensch ist mit dem Wesentlichen in Berührung ge- Überzeugung nähern sie sich Gott. Gott aber antwortet, daß dies nicht
kommen. Gegen die öffentliche Meinung hat er Nein gesagt. Er hat der Sinn der Schöpfung sei. Von dieser Beschaffenheit wird der Priester,
kehrt gemacht gegen die Masse, gegen die Götter der Vielheit und der bei dem der Mensch vielmehr den Weg des Korban lernen, bei dem er An-
blinden Entwicklung. Und damit hat er all das an sich gebunden, nimmt leitung erhalten soll, wie man Gott naht, entledigt. Der Mensch kommt
es mit auf den Weg zurück zu Gott. Es geschieht, was dem Propheten nicht auf dem Weg über das Essen vom Baum der Erkenntnis zum Ziel.
Hesekiel (Kap. 37) geboten wird zu tun: Der Mensch füge das Holz Die Schöpfung der Welt stimmt nicht überein mit dem Weg von Nadab
Josephs an das Holz Ju das, so daß sie zur Einheit werden, einer Einheit, und Abihu, so überzeugend auch deren Argumente scheinen, so großar-
die auch bezeichnet wird als ,,Baum, der Frucht ist und Frucht macht." tig auch das Gespräch zwischen der N achasch (Schlange) und dem Weibe
Denn all die menschliche Betriebsamkeit in den öffentlichen Dingen, ist und so imponierend das Trachten des Menschen, durch selbster-
in Industrie und Handel, Ökonomie und Sport, Heilkunde, Psychologie worbene Erfahrung die Welt zum Paradiese zu machen.
und Theologie, Physik und Astronomie ist unwiderstehlich für alle, die An der Nahtstelle zwischen den beiden Welten sind Nadab und
in ihre Arme fallen. All diese Dinge wirken berauschend und nähren Abihu stets anwesend, und doch sind niemals sie es, die den Übergang
schöne Träume. Die materielle Welt steht aber auf ihrem Fundament von der einen zur anderen ermöglichen. Sie finden sich im Heiligtum
und kann ohne sie nicht dauern. Unablässig muß ihnen gedient werden. (Lev. 10, 1-7), bei Samuel, wo der König Israels erscheinen muß und
Für sich besehen aber sind die bloß der ,,Baum der Frucht macht". Ohne nicht Samuel König wird, und wieder bei Achab, zu dessen Zeit durch
Verbindung mit dem Wesentlichen laufen sie bloß auf Tod heraus, auf Elia eine neue Welt angekündigt und möglich gemacht, ja sogar zum
Pessimismus und stoisches Tun, auf Lügen, Grausamkeit und Krieg. Sie Leben erweckt wird.
zeigen dann an, was dies bedeutet: die Verlassenheit der Schechinah, Man hüte sich wiederum vor der Folgerung, daß Samuel also "nicht
der Herrlichkeit Gottes in der Welt, in der Verbannung. Je mehr man gut" gewesen sei. In Samuel leben auch Moses und Aharon, selbst etwas
in den Errungenschaften von Wissenschaft und Technik schwelgt, desto von Kajin *. In jeder in der Bibel vorkommenden Gestalt erweist sich
tiefer ist ihr Leiden. Sie wartet auf das Nein, und jedes Nein eines ein- die Struktur der Schöpfung. Sobald der Mensch über Gut und Böse bib-
zelnen Menschen ist für sie eine Freude. Denn dazu ist die Welt geschaf- lischer Figuren urteilen will, mündet das in eine Kritik an Gott, so als ob
fen, daß sie sich aus der Erstarrung der Gefangenschaft löse und die er besser daran getan hätte, beim so viel wissenden Menschen des 20.
Freude der Rückkehr erlebe. Darin erfüllt sich erst das von jedem Ge-
schöpf erhoffte Glück. Es wird in dieser Welt nur von den Einzelnen Seder ha-Doroth 2871 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHG
98 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
3. Das Böse hat einen geheimen Sinn 99

Jahrhunderts Rat einzuholen. In Samuel lebt, an der Grenze der König- so wie das des Koshi, ruft Elia auf den Plan, fordert das Nein heraus:
tums, wiederum das Wesen dessen, was Nadab und Abihu in des Welt Elia zeigt, daß der Dienst an Baal eigentlich Selbstbetrug ist, und daß
bedeuten. Uber den Sinn des Begriffs "Gilgul", dem Wieder-zum-Leben- dieser Dienst dem Leben seinen Sinn raubt. Aus unserem Blickwinkel
kommen biblischer Gestalten in anderen Zeiten, wird unten noch zu können wir an diesem Bösen nur das Verwerfliche sehen, können wir
reden sein. Der Mensch ist geneigt, diesen Gilgul als eine Art Mechanis- doch nur in Gegensätzen denken. Wenn die Menschen über diese Welt
mus zu deuten, oder als ein pädagodisches System des Schöpfers: wie nur nicht ausrufen: ,,Wie herrlich, wie nützlich, wie sinnvoll ist es doch!" -
Schulkinder zuweilen eine Klasse wiederholen müßten, so hätten Seelen gerade damit aber als Menschen abdanken. Allein als Neinsager dieser
nochmals ein Leben zu absolvieren. Im Gilgul drückt sich aber etwas Welt gegenüber wird der Mensch das wirkliche Glück kennen und imstan-
Lebendiges aus; im Zusammenhang mit der Rolle des Königs Achab wird de sein, alles von dieser Welt mitzunehmen auf seinem Weg zurück alles,
der Begriff Gilgul näher erklärt werden. jede Erscheinung und jedes Ereignis mit dem Ursprung verbindend. Dem
Just Nadab und Abihu sind es, die in Achab die große Umkehr be- Menschen soll diese Welt nicht genügen, die kausalen Erklärungen sollen
wirken: Er ist der einzige König Israels, welcher eine solche erlebt. Von ihn nicht befriedigen. Wie Hiob soll er stets, weil er eigentlich nur Gottes
ihm wird erzählt", daß er um des Friedens mit Ben Hadad willen bereit Antwort erwartet, weiter fragen. Welch einen Sinn bekommt dann die
war, alles aufzuopfern, mit Ausnahme der Thora. An ihr entzündete Vielheit und Verschiedenheit der Schöpfung!
sich daher der Streit. Die Überlieferung weist darauf hin, daß die 22 Es geht um das Zurückbringen, das sich hier als ein Abbrechen
Regierungsjahre Achabs die 22 Buchstaben sind, womit die Thora der äußert und das dem Aufbauen vorangehen muß". Man reißt hier aus,
Welt das Göttliche mitteilt. Der siebente König- der siebente Tag- was man nach Hause mitnehmen möchte. Darum wird auch das Korn
hält, mit welchem Verständnis auch immer, Gottes Wort in Ehren. Er geschnitten und mitgenommen, auf daß es Brot werde. So verändert der
weiß, daß dies die Grundlage für den Sinn der Welt ist. Und was bei Mensch sein ganzes Leben hindurch stets die Zustände der jeweils
Achab das Böse ist, ist die Tatsache, daß dieser siebente Tag als solcher bestehende wird beendet und macht dem Anderen Platz. Das ist der
überhaupt besteht. Seine Beschaffenheit ist von der Art, daß wir "nein" rätselvolle Sinn des Bösen: es erscheint, um erlebt und "mitgenommen"
dazu sagen lernen, um so unseres Abstands vom Ursprung gewahr zu zu werden.
werden und, in dem Bewußtsein, daß diese Entfernung nicht mehr grö- Das Böse ist unausweichlich, es ist eine große Frage, die den Men-
ßer werden kann, innezuwerden, daß nun die Zeit zur Umkehr gekom- schen bedrängen und empören soll. Viel zu sehr ist der Mensch geneigt,
men ist. diese Welt rosa und himmelblau zu färben, geradeso als ob er in ihr seine
Auch von Isebel erzählt die Uberlieferung"", daß man von ihr lernen Geliebte gefunden hätte. Sein Gebaren, seine Worte, die Umgebung, die
könne, wie Leidtragenden Trost zu spenden und die Freude der sich er aufbaut, sie alle müssen mithelfen, den Eindruck zu erwecken, daß
Freuenden noch zu verstärken sei. Aber, werden wir einwenden aus- alles gut sei, sanft und versöhnlich, und daß Recht und Ordnung herrsch-
gerechnet Isebel? Ja, gerade sie nahm innig Anteil an dem Leiden, das ten. Er ist dafür besorgt, daß das befremdliche Raubtier im Menschen,
sie sah, ebenso aber auch an der Freude, die ihren Weg kreuzte. Sie das grausame und unbarmherzige, aus dem Zentrum der Aufmerksam-
sucht sogar Gelegenheit, Trost bringen zu können und Glück zu ver- keit verdrängt wird. Er tut auch alles, um es in seiner Umwelt und in
tiefen. Isebel ist die Frau Achabs, ist Königin Israels. Das Böse, das vor der Natur zu tarnen. Aber es ist dennoch in allen Bereichen des Lebens
allem durch ihr Zutun geschieht, ist eben das übel, welches im mensch- da, dicht unter der Oberfläche, jenes Abstoßende, Entsetzliche: in den
lichen Sinn den Fortbestand der Welt sichert. Das Böse der Isebel, eben- Krankenhäusern, Irrenanstalten, Gefängnissen, aber auch auf den Schu-
len, in den Familien, in den Büros. Die Friedhöfe sind da, und man
T. B. Sanhedrin 102b
+ Pirke de R. Elieser 17
' Vergleiche auch Jeremia 1, 10
10 0 I. Die Welt bei der Geburt Jonahs zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 4. Gilgul, mißverstandene Reinkarnation 101
vergißt die Toten; junge, aufkeimende Leben vielversprechende, wie die Schechinah in den Schoß der Welt? Warum unterwirft Gott die
man stets sagt sind auf einmal nicht mehr, und bald sind auch sie ver- Welt der Sünde und macht das "schwache Fleisch"? Mit anderen Wor-
gessen. Der Alltag verlangt sein "Recht". ten, warum ereignet sich die Teilung des salomonischen Reiches, warum
Und in der Natur: Tiere zerreißen einander, und der Todesschrei kommt die Welt zustande im Zeichen des "Beth", der Zwei''? Warum
eines Tieres wird den Menschen ebensogut erzittern lassen, wie der eines sendet Gott den Elia, den Vorläufer des Messias, nach Israel, und auch
Menschen. Wozu das alles? Dies ist die bedrängende Frage nach dem den Elischa und den Jonah?- um nur diese wenigen zu nennen. Gott
Sinn des Bösen und der Vergänglichkeit, der Herrschaft der Sünde. erweckt sie gerade in diesem Bereich, weil er den Sinn des Bösen kennt,
Der Mensch kann die Augen nicht davor verschließen und sich selbst weil er selbst dessen Urheber ist; Gott aber macht nichts versehentlich,
und andere täuschen, indem er über das Leben einen Schein von Fried- nichts geschieht aus Zufall oder ohne Sinn.
lichkeit legt. So ist das Leben nicht - nicht nur Frieden, Ruhe und
Glück bestimmen es, sondern ebenso das Gegenteil von alledem. Das In jedem Leib erscheint auch die Neschamah. Es ist schwierig, ja
Reich besteht aus Juda und Israel, und beide sind vor Gott Realitäten, ausgeschlossen, die Neschamah mit Begriffen aus unserer Welt zu um-
mit beiden redet Gott, und es ist nicht am Menschen, über das Geheim- schreiben. Die Neschamah entzieht sich unserer Bestimmung, sie läßt
nis von Gut und Böse zu urteilen, über das Gute des Reiches Juda und sich nicht definieren wie die Begriffe aus Zeit und Raum. Sie kommt
das Böse des Reiches Israel. Der Mensch will so gern für alles eine Lösung aus einer anderen Welt. Gegenüber allem hier Erscheinenden ist sie wie
haben und allem seinen Platz zuteilen. Er ist geneigt, die Könige von die Eins gegenüber der Vielheit. In jede Vielheit, die hier lebendig wer-
Juda zu loben und die von Israel zu bezichtigen. Aber er erhebt sich den soll, kommt diese "Eins", und damit ist jede Erscheinung schon
dabei über das Geschehen, das die Bibel erzählt. In seiner großen inne- nicht mehr aus ihrer äußeren Erscheinung zu erklären darum stets
ren Unsicherheit greift der Mensch wieder nach dem Mittel des Selbstbe- das Unerwartete, das Unerklärliche, das störende Rätsel in allem. Und
trugs, als ob er sich durch sein angemaßtes Urteil über den Bericht des der Mensch hat die Neschamah just als das, was ihm ein menschliches
Gotteswortes selbst beweisen könnte. daß ihm der Sinn von Gut und Antlitz verleiht. In seinem körperlichen Ausdruck, der stets nur ein
Böse bekannt sei. Dabei weiß er sehr wohl um sein Nichtwissen. Damit Aspekt einer unübersehbaren Vielheit ist, tritt mit der komplexen Ne-
sein Urteil nur ein wenig den Schein der Gültigkeit erhält, muß er bei- schamah auch die "Eins" ein, welche damit sogleich alles nach mensch-
nahe alles ausklammern. Nur der Verzicht auf die Wahrheit ermöglicht lich verständlichen Maßstäben unberechenbar macht.
es ihm, die Fiktion eine kleine Weile aufrecht zu erhalten. Darum geht es nicht an zu sagen: die Neschamah dieses oder jenes
Menschen ist das und das. Die Neschamah eines jeden Menschen ist
4. Gilgul, mißverstandene Reinkarnation - alles, sie umfaßt alle Möglichkeiten, welche Gott in die Schöpfung
gelegt hat. Daß ein Samenkörnchen alles Vergangene und Zukünftige in
In den Ereignissen, die das Zehnstämmevolk betreffen, liegt der sich schließt, ist bloß ein Ausdruck dieser Tatsache; daß im Gehirn des
Schlüssel zum Geheimnis des "ra", des Bösen in der Welt. Es hängt zu- Menschen so außerordentlich viel bewahrt wird und in so wunderbarer
sammen mit dem Geheimnis des Leibes, der sich fortzeugt aus dem Weise verfügbar bleibt, ist ein anderer Erweis dieses Prinzips. Daß ein
"sera", dem Samen. Gelegentlich paßt es dem Menschen, den Körper als Mensch über weite Abstände hin fühlen oder sehen kann, oder zuweilen
sündig darzustellen, als weniger belangreich, als eine verlorene Sache, die Schranken der Zeit mit einem unbekannten Sinn durchbricht, zeugt
für die man eigentlich auch nicht mehr verantwortlich sei. Das "schwa- ebenfalls davon. In der Neschamah, die mit Gottes Hauch in den Men-
che Fleisch", sagt man dann und urteilt damit wieder über ein tiefes schen hineinkommt, ist Gottes Atem, wohnt zugleich alles. Sie ist genau-
Geheimnis, dessen Ausmaß Gott allein kennt. so allumfassend wie Gottes Wort. Das Wunder der Thora besteht darin,
Denn warum gesellt sich dem Körper die Seele? Warum begibt sich daß sie Gottes Wort ist, in dem sich Sein Wesen kristallisiert. Darum
102 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 5. Wie die Erlösung verkündet wird 103

sieht die Überlieferung in der Thora auch eine ununterbrochene Anein- tig zu sein, denn ihre Gestalten und Begebenheiten verkörpern, ereignen
anderreihung von Gottesnamen. sich hier beständig. Die Welt könnte nicht bestehen, wenn die Wahrheit
Die Neschamah faßt und hält die ganze Thora. Was in der Thora der Bibel diese Welt nicht in jedem Atemzug tragen würde. Aber wer
lebt, das lebt auch in der Neschamah; von Anfang an ist es in ihr vor- sieht das heute noch?
handen. Als Ausdruck Gottes ist die Thora heilig, und darum ist auch Der Gilgul ist also nicht etwas, das allein unter günstigen Umständen
das Leben eines Menschen heilig. Beide sind sie das Zeichen der Wirksam- zustandekommt, gebunden an bestimmte Orte oder Fristen. Allerdings
keit einer anderen Welt innerhalb der gegenständlichen. Beide sind sie kannte die Menschheit Zeiten, wo die Nachbarschaft der sichtbaren und
das "Eine", das sich hier jeder Bestimmung und jedem Mißbrauch der der transzendenten Welt deutlicher empfunden ein andersartiges Lebens-
Vielheit entzieht, inmitten der so selbstherrlichen "Vier. Die Einheit ge fühl erzeugte. Es gibt viele Welten und viele Himmel, unsere Wahrneh-
des 1-4 ist unscheidbar; wenn man die Vierheit ohne die Eins behaup- mung muß sich mit dieser einen begnügen. Doch unabhängig davon, ob
ten will, kommt der Tod, scheidet die Vier von hinnen. wir mit dieser Realität einverstanden sind oder nicht, der Gilgul ist eine
Mit dem Komplex Neschamah ist im Menschen zugleich auch der Tatsache. Die Neschamah, die in uns die Einwirkung dieser Kräfte emp-
Komplex Thora. Die Menschen kommen und gehen; die Aspekte der findsam registriert und sie auch beherbergt, bleibt im Körper ein unwahr-
Menschheitsgeschichte wechseln im Rückblick; niemals steht sie fest. nehmbarer Hauch, ein Unwägbares, nicht zu Messendes.
Der Thora-Bericht aber ist felsenfest, weil er wesentlich und absolut ist. Die heutige Betrachtungsweise der Psychologie verhilft unbeabsich-
Mit der Neschamah ist das ganze Thora-Geschehen auch in den Menschen tigt zu Einsichten, die erkennen lassen, daß die Seele des Menschen mehr
gekommen. Seine Gestalten leben auch im Menschen, und sie leben da zu bedeuten hat, als man gedacht hätte. Aber auch sie vermag der Macht
als eine Einheit. Aber in der Zeit geschieht es, daß im Menschen einmal des Göttlichen Wortes nicht zu folgen.
diese, einmal jene Persönlichkeit in den Vordergrund tritt, so sehr, daß
sie mit dem Menschen dann auch wirklich lebt. In dem betreffenden 5. Wie zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCB
die Erlösung verkündet wird
Menschen ist dann ein "Gilgul", ein Wieder-Form-werden dieser Gestalt
zustandegekommen. Aber auch in einem anderen Menschen der selben In den Tagen der Dürre geht Elia auf Anweisung Gottes nach Zarpath
oder einer anderen Zeit kann eine biblische Gestalt für diese Welt gleich- ( l. Kön. 17, 8). Zarpa th befindet sich von Kanaan aus gesehen im Nor-
sam wieder zum Leben kommen. So kann den Menschen auch dieser oder den. Im Norden konzentriert sich das Körperliche, das Sichtbare; man
jener Bibelvers, passuk, in seinem Leben begleiten, seine Erscheinung denke an die stets zu erneuernden 12 Brotlaibe im Norden des Heilig-
und das Geschehen kennzeichnend. Gleichzeitig und nacheinander kön- tums, zu denen das Leichte, aber Gleichbleibende der sieben Lichter im
nen sogar mehrere Gestalten und mehrere Passukim dem Menschen ihr Süden des Tempels den Gegensatz bildet. Man kann das Ziehen nach dem
Gepräge geben. Norden auch sehen als ein Hinneigen nach der Seite des Körpers, des
Die Welt ist von viel mehr Kräften durchwirkt, als der Mensch wahr- Sichtbaren. Aus dem Norden kommt auch die Verbannung durch das
nehmen oder aufspüren kann, und die Offenbarung des Wortes Gottes, Leibliche Jer. 1, 13-15). In dem Begriff Zarpath wohnt auch der Be-
also das, was man in ihrem Kern die Thora nennt, stellt für den Menschen griff "zareph", 90-200-80, welcher soviel wie Läutern bedeutet. ln die-
den einzigen Zugang zur Einsicht in die weltbewegenden Dinge dar. Die ses Nordland kommt man zur Läuterung". Dort in Zarpath, zu Sidon
Wahrnehmung der Sinne, wie die darauf begründete Forschung, bildet
Der Kommentator Redak sagt in bezug auf Obadja 20, daß Zarfath ( deutsch mei-
niemals eine Brücke in diese verborgene Welt; der wissenschaftliche
stens Zarpath geschrieben) in unserer Welt Frankreich bedeute. Das hebräische
Mensch bleibt der Gefangene seiner logischen Gründlichkeit. Das treu Wort für Frankreich ist denn auch Zarfath. In ähnlicher Weise wird Deutschland als
überlieferte und in Ehrfurcht aufgenommene Wort ist der einzige Mittler. Aschkenaz (Gen.10, 3) gesehen. Man verstehe aber, daß es sich hier nur um Typi-
Die Bibel hört nicht auf, in ihrem ganzen Umfang lebendig und gegenwär- sierungen handelt und daß im diesseitigen Menschen alle Facetten vorhanden sind.
t

I. Die Welt bei der Geburt Jonahs


104 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA W ie die Erlösung verkündet wird 105
5. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
(90-10-4-6-50) gehörig, dem Hafen im Norden, lebt eine Witwe, eine Backen. Der Teig drückt das leibliche Leben aus. Aus diesem Teig wird
alleinstehende Frau. Wo ist ihr Mann geblieben? Im Midrasch Rab ba nun Brot gemacht, das Vollendete. Und das weiß die Frau, die chawah,
Bereschith (Wajechi) heißt es, ihr Mann stamme von Sebulon, sie selbst die Mutter des Lebens, daß stets etwas das Erste ist (reschith arisoth-
von Ascher ab. Elia seinerseits führt sich von des Vaters Seite auf Gad echem, Num. 15,20). Der Grundsatz: das Erste, der Anfang, ist von Gott
zurück. Seine Mutter stammt von Benjamin ab. Da er aber auch Priester und stellt damit auch die Verbindung mit Gott dar. Das ist das Geheim-
ist, gehört er infolgedessen zum Stamme Levi. Nach der Überlieferung ist nis des Leibes.
Elia auch Pinchas, der Sohn von Eleasar und der Enkel Aharons. Mehrere Wenn der Leib hier erscheint, ist sein Prinzip, sein Anfang, schon bei
Strömungen vereinen sich in ihm, das macht das Komplexe seiner Er- Gott. Und dies verwirklicht die Frau, indem sie als ,,Mutter des Leben-
scheinung aus. Elia heißt der Gileadit, was auf die Geschehnisse in Gibea digen" das Leben im Leibe zubereitet. Schon bei der Schöpfung ist dies
und J abesch Gilead zurückgeführt wird (Richter 19-21). so. Sonst wäre das irdische Leben nicht geheiligt, sondern sinnlos, weil
Elia stammt vom 7. Sohne Jakobs ab (wie er auch um den 7. König die Grundlage bei Gott fehlen würde.
Israels ist). Die Witwe von Zarpath ihrerseits wurzelt im 8.J akobssohn, Das Dritte: hadlokath-ha-ner, 5-4-30-100-400 5-50-200, ist das An-
ihr nicht mehr anwesender Mann im 10. Diese Angaben haben ihren zünden der Kerzen beim Beginn des Siebenten Tages, am Anfang des
Sinn für das Ganze; es findet eine Begegnung statt. Der für den siebenten Sabbaths, es ist das Anzünden der Kerzen bei der Weltschöpfung. Denn
Tag Auftretende wird zu der Frau gesandt, die vom achten Tage ist. Von darin äußert sich das Gegenstück des Wachstums. Dies erhält so erst seinen
dieser Frau wird in der Überlieferung viel erzählt; sie ist ein Gilgul Cha- Sinn, denn zugleich äußert es sich im Geheimnis des Verschwindens, des
wahs (Evas), der Mutter alles Lebendigen ". Von vier Frauen heißt es, weggenommen-Werdens durch das Feuer, das Licht, also im Wesentlichen,
daß sie Chawahs Gilgul seien: Sarah, Channah, die Schunamitische (2. das weggenommen-Werden durch die Zeit.
Kön. 4) und die Witwe von Zarpath. Sie weisen die Dreiheit auf, welche Zusammen sind es drei typische Aspekte des Leiblichen, des Sicht-
die Mutter des Lebens erfüllt. baren. Bei allen dreien tritt das Geheimnis hervor, jener Teil, der für Gott
Die Überlieferung spricht von der Dreiheit in den Begriffen niddah, ist. Die Spaltung der Einheit - warum wohl? Weil auch Gott das 1-2-1
chalah und hadlokath-ha-ner. Die Fruchtbarkeit ist ein von Gott geleitetes sehen läßt. Warum das Wegnehmen des Ersten des Teiges? Weil bei Gott
Schöpfungsprinzip. Der Zyklus der Frau enthält den Begriff niddah, die Grundlage des Geheimnisses aller leiblichen Erscheinung, des Ab-
50-4-5. Er bestimmt die Phasen des Zusammenseins, der Einswerdung schlusses alles Gewordenen ist. Aus Beth-Lechem kommt der Gesalbte,
von Mann und Frau wie auch die des Getrenntseins, des Zwei-seins von aus dem Hause des Brotes. Aber vom Teig, ehe er zu Brot wird, war
Mann und Frau. Der Zyklus 1-2-1, also einer Periode der Einheit und schon das Erste für Gott abgesondert, Gott gewidmet, und die Frau
einer Periode der Zweiheit, findet im menschlichen Leben diesen Aus- macht es deutlich, daß Wachstum und Entwicklung allein begriffen wer-
druck, und der Mensch soll dies wissen. den können, wenn man auch die andere Seite kennt, das Hinschwinden,
Chalah, 8-30-5, ist das Absondern von dem Teig, den man zum Bak- die Rückkehr.
ken des Brotes bestimmt hat (Num. 15, 18-21), das Beiseitetun eines Diese Dreiheit ist der Inbegriff der Frau als der Mutter des Lebens.
Teiles zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
für Gott. Das Kneten des Teiges ist die letzte Phase vor dem Und jede einzelne der genannten vier Frauen gilt als Erfüllung dieser
umfassenden Bestimmung. Damit sind sie der Ausdruck von Chawah in
diesem Leben. Man darf in jeder Frau, in welcher diese Bestimmung bis
Die Quelle all dieser Gilgul-Angaben ist das Werk ,,Seder ha-Doroth''.
in die Tat hinein lebt, ein Gilgul von Chawah sehen. überdies wird aber
+ pieses Nehmen von Chalah hat es mit sich gebracht, daß im jüdischen Leben das
für den Sabbath zubereitete Brot einfach Chalah heißt, nach dem Teigteilchen,
von der Witwe von Zarpath auch erzählt, daß in ihr ebenfalls das Geheim-
welches das Erste ist. Erst wenn dieses Teilchen abgesondert wird, kann das Her- nis der Sarah lebte. Sarah bereitet ja das Brot für die drei Engel, welche
stellen des Brotes beginnen. sie und Abraham besuchen (Gen. 18, 6).
5. Wie die Erlösung verkündet wird 107
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs
106 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Das Besuchen der Witwe von Zarpath durch Elia entspricht dem 70-90-10-40, die zwei Zeiten - die Zweiheit, die dem Vergangenen ihr
Besuchen Rebekkas durch Elieser. Er erwartet, daß Gott ihm die Frau Gepräge gegeben hat - sollen das Feuer liefern, um aus dem Rest Teig
weisen wird, bei der er das Brot und das öl finden soll. Er sieht sie Holz das letzte Brot zu machen. Noch eine kurze Spanne Zeit, und alles
einsammeln. Das Einsammeln von Reisig ist das Zusammenbringen ver- ist vorbei.
gangener Zeit. Der lebende Baum ist die sich voranbewegende Zeit, die In diesem Augenblick nun, in der äußersten Verzweiflung, wenn der
Pflanzen sind ein erster Ausdruck des Wachstums in der Schöpfung. Das Tod mit Sicherheit vor der Tür steht, erscheint Elia, er, der immer am
tote Holz ist Zeit, welche nicht mehr weiterwächst, Zeit, die einstmals Ende kommt, der immer erscheint, wenn der Zustand hoffnungslos ist.
war. Diese Zeit, die vormals zugenommen hatte, sammelt die Witwe von Wenn auf der Wanderung durch die Wüste Israel die Felder von Moab
Zarpath ein sie, die zum Achten, zu Ascher gehört und jetzt als Mutter (40-6-1-2 = 49 oder 7 x7), den Abschluß dieser Welt der Sieben, erreicht
für das Ereignis des achten Tages auftritt ". Dort wird dann di e vorbeige- hat, scheint es sicher, daß der Mensch durch Baal Peor untergehen muß.
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
gangene Zeit, alles was gestorben ist, eingesammelt. Aber da tritt Pinchas auf, der Koshi und Sirnri tötet (Num. 25). Er er-
Die Frau sammelt, wie es heißt, zwei Hölzer ein (l. Kön. 17, 12-13), scheint, urn die gute Botschaft zu bringen, das Wort aus einer anderen
urn damit Feuer zu machen und von dem letzten ihr noch verbliebenen Welt, das Unerwartete aus jenem Bereich, den man eigentlich als nicht
bißchen Mehl und öl ein Stückchen Brot zu backen. Das wollen sie und real erachtet. Der Mann Gottes vorn siebenten Tag findet sich im Norden
ihr einziger Sohn essen und dann sterben; denn es ist eine Zeit nie dage- bei der Frau ein, die von Ascher, dem Achten, stammt. Es ist Gott, der
wesener Dürre. Der Himmel ist verschlossen, er gibt der Erde nichts ihn dahin sendet, denn das Kommen des Elia soll gerade hier das Uner-
mehr; für das Bewußtsein des Menschen ist er entleert. Und ohne die hörte zeitigen.
Verbindung mit dem Himmel, das Wort aus dem Himmel, ohne den In der Überlieferung" wird, im Kommentar zu Sacharja 1, 20, auf-
himmlischen Bericht, der sich in der äußersten, dichtesten Erscheinungs- gezählt, wer die vier Schmiede sinct, welche in Erscheinung treten, urn
form als Regen ausdrückt, kann die Welt nicht leben. Wie die Erde aus- der Verbannung ein Ende zu machen, nämlich der Messias, der der Sohn
trocknet aus Mangel an Regen, auf ihr nichts grünen kann und alles Davids, der Messias, der der Sohn Josephs ist, Elia und der Kohen Zedek,
stirbt, so ist es auch mit dem Menschen, wenn da am Himmel kein Zei- der ,,gerechte Priester", der Priester, welcher der Zadik (Gerechte) ist.
chen mehr zu erblicken ist, daß er noch mit der Erde Verbindung hat, Er ist identisch mit Malchizedek (Gen. 14, 18). Von diesen Vier ist Elia
daß noch ein Zusammenhang zwischen ihnen besteht. derjenige, der als Erster erscheint, urn zu bezeugen, daß das Ersehnte
Im Reiche Achabs, im Norden, in der Sphäre des Leiblichen, herrscht jetzt, da die Not am größten ist, kommen wird.
dieser Dürrezustand. Losgelöst von Gott, losgelöst vorn Himmel, muß die Elia stellt der Frau aus Zarpath das Ansinnen, ihm vorweg von dem
Welt leben. Man weiß, daß ein Zustand zuende geht und eine neue Welt letzten Brot, das sie noch backen kann, zu geben. Das ist wahrlich viel
heraufkommt. Dort in Zarpath hält sich die Witwe auf, die Frau vorn verlangt. Aber die Witwe gibt das Chalah, sie widmet Gott das Erste und
Achten, von Ascher. Für sich und ihren Sohn sieht sie keine Zukunft Vornehmste, und so hört sie Gott zu ihr durch den Mund des Elia
mehr; sie denkt, der letzte Abschnitt des Lebens sei nun gekommen. reden und verheißen, daß kein Ende des Mehls und des Öls sein werde,
Mehl und öl, urn Brot daraus zu backen, gehen endgültig zur Neige. Das bevor der ersehnte Regen eintrifft - das Befruchten der Welt durch die
Brot ist, wie wir schon andeuteten, ein Ausdruck des Leibes, mit dem Botschaft von oben. Die Welt soll nicht zugrunde gehen, wenn schon das
wir hier erscheinen. Nach diesem letzten Brocken ist nichts mehr da und Ende droht. Die Befruchtung von oben soll sich einstellen, und durch das
kann auch nichts mehr kommen. Alles ist ja verdorrt. Die zwei Ezirn, Wort das Begreifen. Nach der Überlieferung gibt Elia ih r ein Zeichen ":
,,Ich bin es, der die Botschaft bringt, danach aber soll dein Sohn auftre-
Man denke an das Verbot, das Holz am Sabbath einzusammeln (Num. 15, 32-36). ten, denn er ist der Messias, der Sohn Josephs.''
Am siebten Tag ist dieses Einsammeln noch nicht möglich. Midrasch Tehillim 73 a, b. ++ Talmud Bawli Sukkah 52 b
10 8 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
6. Die verloren gegangene Erfüllung ersteht doch wieder 10 9

Man ist in Zarpath dann überglücklich. Es gibt genug Mehl und ge- Das Wunder ist also schon sichtbar geworden bei Elias Eintreffen bei
nug Oel; man lebt im neuen Tag; Elia, die zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
W itwe von Zarpath und der Witwe. Seine Botschaft an sie, die Achte, daß ihr Sohn der Messias
ihr Sohn. sei, der Sohn von Joseph, ist nicht etwa belanglos, sagt er doch: ,,Es soll
Bis es geschieht, daß der Sohn trotz der Verheißung und gegen jede dir ein Zeichen sein: Wie das Brot nicht ausgehen wird, so werde ich die
Wahrscheinlichkeit stirbt. Die Frau ist voller Verzweiflung und stellt Botschaft der Erlösung überbringen, und dann wird dein Sohn auftreten,
Elia wegen dieses unbegreiflichen Geschehens zur Rede. Kam er nur, um denn er ist der Messias, der Sohn von Jose oh".
eine vorübergehende Freude zu bereiten? War diese Freude umsonst ge- Alles, was sich bei dieser Witwe von Zarpath an Wunderbarem abspielt,
wesen, und man wird jetzt der Trübsal überlassen? Wozu hatte sie den schließt denn auch die Verheißung in bezug auf den Sohn in sich; ihre
Sohn, welchen Sinn hatte denn alles? Erfüllung soll nicht ausbleiben. Doch gerade dann fällt ihn die heftige
Krankheit an, und er stirbt. Die Witwe aber bleibt, ihrer Hoffnung be-
6. Die verloren gegangene Erfüllung ersteht doch wieder raubt, zurück. Sie kann sich das Geschehen nicht erklären. Sie denkt, sie
habe sich sündhaft betragen gegenüber Elia; sie habe ihn, er sie mißver-
Die Freude, daß der Sohn in einer Zeit am Leben blieb, wo sonst standen, ihre Begegnung sei sinnlos gewesen. Von Unzucht spricht man
alles dem Tode ausgeliefert schien, war mit dem Eindruck des Wunder- dann, wenn eine Begegnung nicht zur Erlösung geführt hat; und der Un-
baren verbunden. Eine andere Kraft, eine andere Welt, war durchgebro- zucht zeiht nun die Witwe sich und Elia.
chen. Die Witwe hatte Elia die challah gegeben, das Erste, im vorhinein zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Die Welt erfährt das Wunder des Achten Tages, das Wunder eines
für Gott bestimmt, und das schien bewirkt zu haben, daß das Leben hier Fortlebens des Leiblichen, nachdem das Sterben, der Untergang Gewiß-
auf einmal herausgehoben wurde aus der welthaften Kausalität, und daß heit schien. Dies Wunder sei in der Tat die Erfüllung der großen Verhei-
etwas Anderes mitzusprechen begonnen hatte; dies Andere war imstande, Bung, meint man. All dies spielt sich im Norden, im Leiblichen, ab. Und
Zustände zu schaffen, die für unmöglich gehalten wurden. Wunder ge- dann erlebt man die schreckliche, unbegreifliche Enttäuschung. Die Heim-
schahen, andere Maßstäbe waren zur Geltung gekommen, denn aus dem suchung kommt über den Sohn, er stirbt. Ist so die Welt, und ist das ihr
Wenigen, dem Armen und Verlorenen, wurde viel, und der Reichtum Los? so fragt man. Der Sohn ist ja der Messias der Sohn Josephs, und
schien beständig. Die Begegnung mit Elia, dem Botschafter des Siebten doch stirbt er!
Tags, der jedesmal am Ende kommt, stets zu Beginn des Achten Tages, Die Welt sucht nach einer Erklärung im Bereich der Kausalität; sie
um der Witwe die Ankündigung zu überbringen, schafft das Wunder. will die Ursache kennen und Schuld zumessen. Sie wirft Elia vor, daß er
Wenn sie, die als achte hier ist, als ein Kind von Ascher, dem Achten, gefehlt habe. Wie kann es geschehen, daß der verheißene Messias weg-
denkt, jetzt gehe die Welt zu Ende, weil die Verbindung mit dem Ande- stirbt, die Mutter, die Welt zurücklassend. Was soll nun die Verkündi-
ren, mit dem Himmel, abgebrochen sei, dann kommt er. Er erscheint, gung?
wie sie im Begriff ist, die zwei Hölzer zu nehmen, das von Joseph und So leuchtet im Leben oft für einen Augenblick das Wunder auf, das
das von Juda, und seine Frage an sie lautet: ,,Wirst du vom Brote, das große Glück. Man wurde davon tief berührt, und dankbar nahm man es
du machst, immer den Anfang- das Geheime davon- Gott geben? Oder in Besitz. Und dann verflüchtigt es sich, und das Glück stirbt. Man kann
betrachtest du das Brot als das selbstverständliche Produkt deiner Ar- es nicht halten. Man hat große Gedanken und meint, daß man nun sicher
beitsamkeit und deines Daseins in der Welt?" Die Routine, der ,,normale" am Ziele sei;jetzt sei man zur Durchsicht und Einsicht gelangt. Aber das
Gang der Dinge, wird durchbrochen, sobald das Prinzipium Gott vorbe- Glücksgefühl entzieht sich wieder. Es wird krank und vergeht.
halten wird, dann öffnet sich eine andere Welt. Wenn der Mensch die Generationen kommen und erfahren das Glück, aber sie sehen es
challah gibt, weiß er, daß im irdischen Leben die Wurzel stets verborgen stets auch wieder hinwegsterben. Stets ist die Botschaft der Erlösung da,
ist, und daß sie Gott gehört. Erkennt er die Wurzel, so gibt er die challah. stets fühlt man deren Beginn, und immer wieder hört alles auf.
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs
110 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 6. Die verloren gegangene Erfüllung ersteht doch wieder 111

Hier gelangt zur Darstellung, wie Erlösung im Leiblichen, in die- nützlich zu. Und wenn dann die stete Entwicklung durchbrochen wird,
ser Welt der körperlichen Erscheinungen, vor sich geht. Der Bericht spielt erschrickt man, bedrängt von der stets wiederkehrenden Frage nach dem
im Zehnstämmereich, in Israel, im Norden, wo der siebte Sohn Jakobs Warum. Elia plagt sich mit der Frage, warum diese Frau, die Witwe, diese
dem achten begegnet. Es erzählt der Bericht, wie es am Ende des Sieben- leibliche Welt, nun soviel Kummer erleben muß, während er - Elia -
ten ist, wenn der Bereich des Leiblichen, diese Welt, dem Achten nahe- doch als Verkünder der Einswerdung erscheint. Schon wieder, seufzt
kommt. Und in der zeitlichen Welt ist in jedem Jetzt das Letzte des Sie- er, - immer wieder läuft es verkehrt, kommt der Tod anstelle der erwar-
benten Tags da. Stets steht man im ,,Nun" am Ende. Darüber hinaus ist teten und schon gefeierten wunderbaren Erlösung. Wie kann man das der
noch nichts da. Welt gegenüber verteidigen, wie soll der Mensch das begreifen? Die Witwe
Das Leben im Siebenten Tag trägt den Menschen auf dem Scheitel- von Zarpath begreift es auch nicht, sie ist voll Verzweiflung; eine Welt
punkt der Welle vorwärts. Sie ist andauerndes Nun. Was sie hinter sich ist für sie eingestürzt. So ergeht es dem Menschen nach dieser Konfron-
läßt, ist Vergangenheit, wohin ie Welle trägt, ist Zukunft. Aber Erfah- tation. In unser Dasein ist das Muster solchen Geschehens eingeprägt.
rung ist ihm lediglich das Fortgetragenwerden auf dem Kamm der Welle. Und dann fordert Elia die Frau auf, ihm das Kind zu geben, und er
Für ihn ist immer das das Letzte, was er augenblicklich erfährt und was nimmt den Leichnam mit sich in die Kammer, die er im Hause der Witwe
eben vor ihm ist. So ist es im Reiche des Nordens. Stets grenzt die Welle bewohnt, in die aliah (70-30-105). Das Haus der Witwe von Zarpath ist
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
an den Achten Tag, stets könnte er kommen. die Welt, wo die Begegnung stattfindet zwischen Elia, dem Siebenten,
Elia steht kompromißlos für die Einheit ein und ist so der Verkün- dem Verkünder des Achten, mit dieser Frau von Ascher, der schon der
der der Erlösung, der sich der Welt des Achten Tages nä[Link] findet Ach te ist. Da le ht sie mit ihrem Sohn, welcher der Messias von Josephs
er - als Welt die Witwe. Wer ist ihr Mann gewesen? Wir werden es Seite sein soll. Die Frau und ihr Sohn wohnen unten.
sehen. Und bei dieser Witwe, in der Welt, verkündigt Elia die Erlösung. Oben wird der Tote niedergelegt, und oben bittet Elia, der Bringer
Alles erfüllt sich so, wie er weiß, daß es sich erfüllen muß. Ihm kommt, der Einheit, Gott darum, er möge den Toten wieder zum Leben erwecken.
als dem Priester vor Gott, das Erste des Brotes zu, das Geheimnis des Dazu, so besagen die Übersetzungen, streckt er sich auf dem Kinde aus,
leiblichen Daseins. Und das Wunder beginnt, Brot ist da in wunderbarer und zwar dreimal. lm Hebräischen steht hier wajithmoded (6-10-400-40-
Weise, das Körperliche erfährt die Macht des über-Weltlichen. Dennoch 4-4), worin der Begriff ,,messen" enthalten ist, sowie der von middah,
stirbt der Sohn, und in der Welt herrscht große Trauer. Warum geschieht Maß. Eigentlich heißt es, daß Elia sich auf dem Kinde mißt, dreimal.
das? Die Welt begreift es nicht. Oas Kind liegt auf dem Bett, dem mittah (40-9-5). Middah, Maß, ist
In diesem Zustand wendet sich Elia an Gott. Man bedenke, daß dies 40-4-5. Im Klang decken sich die beiden Begriffe beinahe, die 4 und dizyxwvutsrqponm
e
in jedem Menschen geschieht. In einem jeden, der wirklich Mensch ist, 9 deuten jedoch den Unterschied an. Das Bett ist der Ort des Messens.
wendet sich Elia an Gott. Man denke an das Bett in Sodom, worauf alle Gäste ausgestreckt wer-
In Elia steigt die Frage auf, warum er als Verkünder der Erlösung den, urn gemessen zu werden; wenn sie nicht mit den Maßen des Bettes
zugleich auch das irdische Unglück herbeiführen muß. Denn dort im übereinstimmten, dann werden sie kürzer oder länger gemacht, breiter
Norden, im irdischen Bereich des Körperhaften, ist er es doch, der den oder schmaler, bis sie der Anforderung entsprechen. Infolge der Eingriffe
Tod bringt? Für jede körperliche Erscheinung gilt der Gegensatz: entwe- sind sie dann aber auch schon tot. Ähnlich lautet die Geschichte vom
der ein Leben in der Zeit oder das Nicht-Dasein, das heißt Tod. Wenn Prokrustes-Bett.
schon in diesem Leben ein Durchbruch aus einer anderen Welt erfolgt, Das Bett ist der Platz des Menschen in der Nacht. Es ist auch der
so ist das Pech da, das Unglück, der Tod. Und dann begehrt man weltlich Platz für den Toten. In der Nacht liegt der Mensch waagerecht; das Haupt
vorwitzig die Ursache zu wissen. Das Böse, ra, läßt alles sich entwickeln ist nicht oben und die Beine sind nicht unten. Der Mensch hat dann die
und entfalten, in angenehmen Bahnen; es geht behaglich, begreiflich und Haltung des Tieres, und in der Nacht herrschen andere Maße, andere
112 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 6. Die verloren gegangene Erfüllung ersteht doch wieder 113
Proportionen. Die Abmessungen seiner Welt will Sodom allem, was in Basis. Der erste Name ist ,,El", verbunden mit 10-5-6; Elischa entspricht zyxwvutsrqpo
die Welt kommt, auferlegen, und dieser Maßstab wird ausschließlich von „El" mit dem Zusatz ,,der die Hilfe ist", nämlich mit den Zahlen 300-70,
der Schwerkraft, dem ganz und gar Materiellen, bestimmt. Es ist dies die auch einen Teil des Namens Jehoschua bilden, nämlich die 300-70 als
eine der sodomitischen Ungerechtigkeiten. Abschluß der 10-5-6. Daß in ,,Elischa" die Zahlen 300-70 vorkommen
Elia aber mißt sich selbst auf dem toten Kind; er mißt den Sohn und bei ,,Elia" die Zahlen 10-5-6, ist ein deutlicher Hinweis auf ihre Ver-
nicht nach seinen, des Elias, Maßen, sondern nimmt die Maße des Kindes wandtschaft mit dem Namen J ehoschua, mit dem Führer ins Gelob-
als Norm. Er wiederholt sein Tun dreimal, nach allen drei Welten, nach te Land, in den Achten Tag. Beide Berichte stimmen darin überein, daß
rechts, links und nach der Mitte, wie auch die Schöpfung dadurch zustan- das Kind ins Leben zurückgerufen wird. Beide Male ist es der Norden,
dekommt, daß Gott dreimal einen Tag nimmt, um ein Ganzes daraus zu Israel, das Gebiet von Ephraim, des Leiblichen, in dem die Frau auftritt.
formen. Nach den drei Seiten wird das Maß des Sohnes durch Elia an Um aber aus dem Tode aufzuerstehen, muß man sich die Maße des Kin-
sich selbst gemessen. An den toten Sohn paßt er sich an. des zu eigen machen und nach ihnen handeln - des Kindes der Frau,
Wenn man begreift, daß Elia in diesem Sohn den Messias, den Sohn deren Welt man als Gast bewohnt.
Josephs, ankündigt, so kann man auch verstehen, was dies Sich-selbst- Das Wunder an dem Kinde ist viel größer als das Brot-Wunder. Das
messen mit den Maßen des Sohnes zu bedeuten hat. Elia weiß, woran er Brot für die Witwe kam, wiewohl es keinen Regen gab, die Verbindung
sich mißt, wessen Maße sein Erkennen zum Ausgangspunkt nimmt, als der Welt mit dem Himmel unterbrochen war und die Botschaft von drü-
das zentral Wichtige. ben ausblieb. Doch die Wirklichkeit des Todes bestand weiter, eine Rea-
Dadurch, daß er dies tut - nach allen Seiten der Dreiheit- und in- lität, die scheinbar endgültig die andere Hälfte des Lebens verbarg. Jetzt
dem er Gott anruft, dem Toten das Leben wiederzugeben dieser Erde aber ist der Tod überwunden; es überwindet der Mensch, wenn er die
wieder Leben mitzuteilen - fließt das Leben durch Gott zurück. Man Maße des Kindes im Hause der Frau annimmt, indem er sich diesen
kann bewirken, daß das Leben hierher zurückkehrt, will der überlieferte Maßen anpaßt und sich nach ihnen richtet.
Bericht sagen, indem man die Maße des Kindes, des Sohnes der Witwe von Die Frau, die Welt, erkennt dann mit einem Mal, daß Elia der Mann
Zarpath, als Norm nimmt, sich selbst auf diesen Maßen auszustrecken, Gottes ist: in seiner Rede erkennt sie Gottes Wort, die Wahrheit. Dann
sich selbst an diesen Maßen zu messen. Und dieser Sohn ist, wie die ist der Achte Tag vollkommen hier, die Erlösung vollendet. Die Erlösung
Überlieferung erzählt, der Messias, Sohn Josephs. muß am Ende selbst den Tod überwunden haben, und vor aller Augen
Man denkt bei diesem Geschehen gleich an eine sehr ähnliche Ge- soll das Tote wiederkehren. Alles, was der Tod verschlungen hat, alles,
schichte, nämlich die von Elischa und dem Sohn der Schunamitin ". was vorbeigegangen ist. Es wird dadurch deutlich gemacht, daß der Ver-
Auch dort stirbt der von Elischa der Frau verheißene Sohn, auch dort künder des Messias auch zur Auferstehung aus dem Tod, dem leiblichen
kehrt dieser wieder ins Leben zurück durch Elischas Bemühen. Es ge- Tod, ins Leben ruft. Wir sehen zu Beginn, wie die Witwe von Zarpath
schieht hier, daß Elischa seinen Mund auf den Mund des Kindes legt, wie das tote Holz aufhebt, die Zeit einsammelt. Und der Bericht über sie en-
auch seine Augen und seine Hände. Auch hier ist Ausgangspunkt die Be- det damit, daß das Tote wieder lebendig wird. Denn Elia ist zu ihr ge-
schaffenheit des Kindes, sein Maßstab. Auch Elischa wohnt im Hause der kommen, der Rufer zur Einheit. Mit den zwei Hölzern der Witwe beginnt
Frau im obersten Gemach. Auch sie ist dort die Hauptperson; ihr Mann die Geschichte über die Hölzer von Juda und Joseph. Solange die beiden
spielt eine sehr passive Rolle. Elischa, das ist eine andere Erscheinung Hölzer nicht vereint sind, gibt es noch den Tod (Hesekiel 37). Doch ver-
von Elia. Der Zusammenhang ihrer Namen ist typisch. schmelzen sie zur Einheit, dann geschieht die Auferstehung aus dem Tode.
Elia, 1-30-10-5-6; Elischa, 1-30-10-300-70, beide mit ,,El", Gott, als Durch Elia ereignet sich die Einswerdung im Hause der Witwe von Zarpath.
Elia als Verkünder des Lebens der kommenden Welt, des Achten
2. Kön. 4 Tags, ist denn auch nach der Überlieferung bei jeder Beschneidung stets
114 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs 6. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Die verloren gegangene Erfüllung ersteht doch wieder 115

zugegen. Die ,,Milah" findet ja auch am achten Tage statt, ist auch ein Wirklichkeit werden. Weil das Geschehen im Reich Israel abrollt, betrifft
Zeichen der Auferstehung, der Erlösung. Die Umhüllung der sieben vor- sie jeden, seine Erscheinung hier und in diesem Körper.
angegangenen Tage wird zum Teil weggenommen, zum Teil zurückge- Wenn die Überlieferung erzählt, daß der Sohn der Witwe von Zarpath
drängt, womit das wirkliche Leben, das Wesentliche, der Kern, sicht- der Messias, der Sohn Josephs, sei, so wird es wichtig, mehr über ihn zu
bar wird. erfahren, über den Sproß der Frau mit der absoluten Zahl des ,,Achten".
Der Bericht der Begegnung zwischen Elia und der Witwe von Zarpath lm ,,Midrasch Tehillim" wird berichtet, daß Elia sagt, nach- ihm werde
endet mit der Rückkehr des Sohnes aus dem Tod. Und er spielt im Reich der Sohn der Witwe von Zarpath auftreten als Messias-ben-Joseph, und
der zehn Stämme, im Norden, wo das Körperliche herrscht, dort, wo im ,,Jalkut Chadasch", 26c, heißt es, dieser Sohn sei identisch mit Jonah.
Achab König ist und Isebel Königin. Dort, im stets Wechselnden, kommt So bekommt der Jonah-Bericht eine ganz besondere Charakteristik.
es zu diesem Geschehen. Den Nachdruck legt die Geschichte auf die Kennt man diesen Zusammenhang nicht, so kann man seine Tragweite
endliche Rückkehr und auf das Hierbleiben. Auch das Leibliche kennt nicht begreifen. Die Witwe von Zarpath steht im Hintergrund von Jonah,
es, trotz des fortwährenden Wechsels. Und gerade dies Körperhafte sucht wie auch das Zeugnis Elias, daß nach seinem, des Elias, Erscheinen und
Elia auf, und vor dem Leib Gewordenen bezeugt er das Kommen des seiner Verkündigung, der Sohn als Messias Einzug halte: der Messias von
Messias, des Sohnes Josephs, aus dem Stamm Jose ph, dem Stamme des der Josephs-Seite gegenüber dem Messias, dem Davidssohn, von der Seite
Leiblichen. Judas. Sie scheinen eine Zweiheit zu bilden, einen Gegensatz sogar, die-
Am Orte, wo man es am allerwenigsten erwartet, im Bereich dessen, ser Messias von der Seite des Leibes und der Messias von der Seite der
was als ra der Entwicklung seine mitreißende Kraft verlieh, trifft die Er- Neschamah. Und doch ist lediglich ein Messias; beide Seiten bilden eine
lösungsbotschaft ein und bewirkt auch dort die Auferstehung. Wenn das Einheit. Um sie als Einheit zu sehen, muß man aber tatsächlich die Höl-
Körper Gewordene die ,,Challah" kennt, das Gott Anheimgeben des Ge- zer von Jose ph und Juda, die ja eine Zweiheit sind, zusammenfügen. Erst
heimnisses eben dieses Leiblichen, kommt die Erlösung zustande und wird wenn sie Eins sind, dann ist auch das Wunder geschehen, dann sind Leib
der Tod überwunden. Eben in dieser Welt lebt Elia, von Gott ist Elia zu und Neschamah, Wesen und körperliche Erscheinung, eine Einheit, dann
dieser Witwe von Zarpath gesandt. Das Geheimnis von ra ist, daß auch ist auch Leben und Tod eine Einheit, dann ist die Auferstehung da, die
und gerade in ihm die Erlösung stattfindet. Ohne Rücksicht auf das Urteil, nicht zu fassende, von der Hesekiel schreibt. Das Unglaubliche geschieht,
das der Mensch über ra fällt und über seinen Verlauf. Die Einheit von sobald diese Einheit zustandegebracht wird. Just diese zwei Hölzer, von
tow we-ra, von ,,gut und böse" ist das Geheimnis. Es ist das Geheimnis, Juda und Jose ph, sucht die Witwe von Zarpa th und holt sie in ihr Haus.
daß der Tod überwunden wird, wenn die zwei Hölzer sich vereinen, die Das Bild wird abgerundet durch den Text im ,,Midrasch ha-Chephez",
zwei entgegengesetzten Welten von Juda und Joseph, von Seele und der zum ,,Midrasch Tanchumah" (282 a) gehört, daß Jonah von jenen
Körper. In der Welt des Leiblichen erscheint Elia nach der Überlieferung abstamme, die dort im Tal auferstehen, wie es Hesekiel sieht. Hesekiel
stets im Kleid der Zeit, in der unauffälligsten Gestalt eines Menschen erhält darauf von Gott das Zeichen der zwei Hölzer, damit er begreiflich
dieser Zeit. Erst wenn er vorbeigegangen ist, wird man seiner inne, wenn mache, was die Auferstehung ist.
er sein Wort gesprochen und seine Botschaft ausgerichtet hat. Unaufhör- Jonah, der Sohn der Witwe von Zarpath, und Jonah, der von den
lich ist Elia da, stets geht er um unter den Menschen, die kommende Welt Auferstandenen im Tal der verdorrten, zerstreuten Gebeine stammt:
verkündend. Als Person aus der Bibel vergegenwärtigt er die Eins in aller das ist nach der alten jüdischen Überlieferung die Herkunft Jonahs. Von
Vielheit der Zeit. Darum ist der Bericht der Begegnung von Elia mit der den dürren Gebeinen im Tal sagt man auch, daß sie von den Söhnen
Witwe von Zarpath und ihrem Sohn stets gü[Link] kann in dieser Ephraims stammten, welche die Befreiung aus Ägypten selbst durchset-
Geschichte auch die Eins gegenüber seiner zeitlichen Vielheit sehen. Sie zen wollten, überzeugt, daß Gott mit ihnen sei, wenn sie es in die eigenen
lebt in einem jeden. Sie kann in jedem Menschen auch in diesem Leben Hände nähmen daß Gott diese Selbsthilfe gutheiße. Nach dem ge-
I,

6. Die verloren gegangene Erfüllung ersteht doch wieder 117


116 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
I. Die Welt bei der Geburt Jonahs
glückten Auszug aus Mizraim schlagen sie den kurzen und breiten Weg nicht erscheint, wird man doch sagen können, daß der Mann der Witwe
nach Kanaan ein. Dort aber werden sie besiegt, und umgekommen war- Amitai heißt.
ten sie, bis endlich das Holz Ju das eins wird mit dem Holz Josephs. Das ist die Geschichte von Jonah und ihrem Hintergrund, wie die
Zu der von Gott bestimmten Zeit geschieht der Auszug aus Mizraim Überlieferung sie erzählt. Jo nah durch Elia verkündet - und auch durch
Elia wieder ins Leben zurückgerufen. Im Reich Israel erhält er einen ein-
und ausschließlich kraft des göttlichen Eingreifens. Und der Weg ist
maligen Auftrag, wie er keinem anderen zugedacht war. Dank dieses
lang und mühsam; er dauert ,,vierzig" Jahre, die ganze lange Weltzeit.
Auftrages nimmt Jonah einen so außerordentlichen Platz in der Bibel
Doch der Erlösungsweg führt zum Ziel. Und wenn es erreicht ist, kommt
ein. Nur aus dem vorausgehenden Geschehen läßt sich das Buch Jo nah
auch für die Kinder Josephs und Ephraims die Befreiung und Aufer-
begreifen. Man muß den Hintergrund dieses Vorausgeschehens einiger-
stehung.
maßen durchschauen. Jonahs Gewicht und Bedeutung werden dann noch
Der Leib will immer dem weit offen liegenden Weg folgen, dem
viel größer und umfassender. Das Berichtete wird noch eindringlicher:
breiten, logischen, der ohne Umschweife ans Ziel zu führen scheint. Und
jeder Abschnitt erhält eine noch tiefere Aussagekraft. Nicht umsonst
darum begegnet der Leib auf seinem Auszug dem Tod. Sobald der Mensch
wird das Buch Jo nah gerade am ,,J om Kippur", dem großen Versöhnungs-
vom Baume der Erkenntnis nimmt, der ihm auch den breiten, kurzen
tag, gelesen, dem zehnten Tag des Neuen Jahres, dem zehnten Tag nach
und direkten Weg verheißt, geht er dem Tod entgegen. Und der Tod be-
der Erschaffung des Menschen. Es ist der Tag des Endes, wo der über-
hält seine Herrschaft über ihn, bis mit der Erlösung der Tod überwunden
gang dem Tode gleichgesetzt wird. Aber dann gerade geschieht der
wird. Dieses Ziel kann man nur erreichen auf dem durch Gott gewie-
Durchbruch von Jonah, und Jonah entfaltet seine tiefe Bedeutung.
senen Wege, dem mühsamen und doch so fesselnden, der das Herz
erfreut, weil sein Begehen zusehends die Wiederherstellung der ersehn-
ten Einheit voranbringt. Aus der zustandegekommenen Einheit geht Jo-
nah hervor, der den Tod bereits hinter sich gelassen hat. Was Hesekiel be-
schreibt, ist für Jonah schon geschehen. So gibt es denn ein bemerkenswer-
tes Junktim: der Messias, Sohn Josephs, als Sohn der Witwe von Zarpath,
und Jonah, als ein und derselbe; sowie Jonah, der aus den Auferstande-
nen hervorgeht, nach der Einswerdung des Weges von Juda mit dem
Wege von Joseph: Die Witwe von Zarphath mit den zwei Hölzern, und
Elia, der Verkünder und Vorläufer des Erlösers, der die göttliche Entsen-
dung zu der Witwe befolgt.
Auch heißt Jonah der Sohn Amitais (Jonah 1, 1). Amitai, 1-40-400-
10, hängt ab vom Stamm emeth, 1-40-400, d.h. Wahrheit. So ist Jonah der
Sohn der Wahrheit. Nachdem ihr Sohn wieder zum Leben erweckt wor-
den ist, spricht sich die gewonnene Erkenntnis der Witwe aus, und ihr
Ausruf endet mit dem Wort emeth. „Wahrheit" ist das letzte Wort der
Begegnung Elias mit der Witwe von Zarphath. (1. Kön. 17, 24)
Das Wort Elias, das er zur Witwe gesprochen hat, ist Wahrheit. Und
Jonah ist der Sohn Amitais. Er hat seinen Ursprung in der Wahrheit, und
er stammt ab von der W zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
itw e, die vom Achten ist. Im Achten spielt das
Geschehen der Erlösung und des Messias. Wenn im Text auch der Mann zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
1. Die Wahrheit scheint zu lügen 119

II. KAPITEL Hiskia fleht zu Gott und Gott antwortet, indem er einen Engel sendet,
der das Heer Aschurs tötet. Von dem selben Hiskia wird berichtet, wie
er von einer tödlichen Krankheit ergriffen wird, aber unverhofft Gene-
DER SINN DER NAM EN BEI JONAH zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
sung findet, weil er sich auch in dieser Sache unmittelbar an Gott wen-
det. Seine Umkehr bewirkt Gottes Erbarmen.
Die Wahrheit scheint zu lügen An diesem Wendepunkt von der 2 zur 1 kommt es stets zur Krise,
wie bei J ero beam II. und Hiskia. In einem solchen Moment erscheint
Jonah ist der Sohn Amitais. Der Name Amitai (1-40-400-10) ist vom auch stets der Prophet, der ,,Nawi", dem das Wort Gottes anvertraut ist,
Worte Wahrheit, emeth (1-40-400) abgeleitet. Jonah ist also der Sohn und der es weitergibt, indem er es erzählt. Für jeden Menschen gilt das
der Wahrheit. Er ist der Prophet, der im Namen Gottes Worte spricht, in dieser Lage. Bei Jerobeam steht Jonah, bei Hiskia erscheint Jesaja
die durch das Geschehen in dieser Welt Lügen gestraft werden. Vor der (2. Kön. 19- 20). Hiskia hört auf den ,,Nawi" als auf das Wort, das von
Welt erscheint Jonah daher als Lügenprophet. Ist das nicht zum Ver- Gott kommt, und handelt im Sinne der Rückkehr. Jerobeam vernimmt
zweifeln? ebenfalls das Wort des Propheten, und nun wird, da Gott Israel zusagt,
Der Überlieferung gemäß ist Jonah der Prophet, der im Namen Eli- daß es wiedererhalten soll, was es einst durch sein böses Tun, sein Leben
schas den 10. König Israels, Jehu, zum Könige salbt(2. Kön. 9). Jehu im ,,ra", verloren hatte, erwartet, daß der König und sein Volk sich vom
rottet das Geschlecht Achabs aus und macht damit der Reihe der vier Bösen abwenden. J erobeam wird also schon vorweg verheißen, was er
Könige, die mit Omri beginnt, ein Ende. Doch auch Jehu geht den Weg als Lohn des guten Weges, des Weges zurück zu Gott, erhalten soll. Doch
des Bösen, des ,,ra", das gleichsam das Prinzip der Könige von Israel Jerobeam fährt fort, das Böse zu tun, und nichts kann Israel auf die
darstellt. Keiner von ihnen weicht von dem Wege ab, der mit dem Ent- rechte Bahn bringen.
stehen der Zweiheit, d. h. bei J ero beam, dem Sohne Ne bats, einen An- Eigentlich müßte Israel nun gestraft, sein Name ausgerottet werden
fang nimmt. Immerhin ist aber Jonah der Prophet und Lehrer Jehus". unter dem Himmel. Hier ist der Augenblick der Entscheidung, hier steht
Im vierten Geschlecht J ehus, zur Zeit J ero beams Il., erscheint der Jonah mit dem Worte Gottes. Wozu war es gesagt? Um den Bösen zu
Name Jonahs in der Bibel (2. Kn. 14, 23 £f). Als Prophet verheißt er, belohnen, selbst wenn er im Bösen verharrt? Die Welt, die das mitan-
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
daß Israel sich unter diesem König ausbreiten, d. h. die verlorengegange- sieht, lacht darüber: ,,Du hast schön gepredigt, aber du siehst doch, wer
nen Gebiete zurückgewinnen werde. Deren Wiedereroberung wird einem es sich nicht zu Herzen nimmt, hat gleichwohl Erfolg. Sein Gelingen ist
Israel in Aussicht gestellt, das zu Gott zurückkehren soll, einem Israel, also offensichtlich unabhängig davon, ob er nun gut oder böse ist". Gott
das den bösen Weg des ,,ra" verläßt. Dieser Jerobeam II. ist der 13. Kö- läßt Israel bestehen; es tritt ein in die Phase der ,,eins" - und verharrt
nig Israels. dennoch im Bösen. Es ist ein Geheimnis um das ,,ra". Kann denn Gottes
In der Reihe der Könige ist er von besonderer Bedeutung: Zwölf Wort Jemals sinnlos sein? Nicht immer sieht man die Frucht; manchmal
Könige Israels gingen ihm voran, sechs sollten ihm noch folgen. Er steht sterben Kinder in ihrer ersten Lebensstunde; wozu waren sie hier, wozu
also am entscheidenden Punkt des Übergangs von der ,,zwei" zur ,,eins". wurden sie zur Geburt getragen und überstanden den Durchbruch? Wozu
ln der Reihe der 21 Könige aus dem Hause Davids ist es der 14., welcher ,,verschwendet" die Natur so tausendfältig ihren Samen? Wozu blühen
den Übergang von der 2 zur 1 markiert. Es handelt sich um den König Blumen, die nie von einem Menschen bewundert werden können? Wozu
Hiskia. Die Krise äußert sich un ter ihm in der Belagerung Jerusalems das außerordentlich Viele, das hier geschieht und erscheint? Dennoch ist
durch Sancherib und im Eingreifen Gottes zur Befreiung Jerusalems. ein Sinn in der Rede Jonahs zu J ero beam, wenn schon dessen Ungehor-
sam das Wort möchte unnütz erscheinen lassen. In welchem Licht aber
* Seder Olam Rab ba 16-19 steht der ,,Nawi" da! Dié Welt sieht keinen Sinn in seinem Auftreten, ihr
2,//(6al.r ,rhos., a chu. ode.
zyxwv
y"+ 300-6-2

120 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 1. Die Wtheii, scheint zu lügen 121
«0o 0 9- zyxwvutsrqponmlkjih
6 °277
erscheint sein Wort umsonst gesprochen; denn Jerobeam wird des Erfol- Bei Juda wird auf die ,, 'eschuwah'' gewartet, die Umkehr zu Gott,
ges teilhaftig, obwohl er derselbe Übeltäter bleibt. die alles verändert, sogar das schon Beschlossene und durch Gott Ausge-
Dies alles ist Geheimnis, ist die verborgene Seite des Geschehens. Die sprochene. Die Teschuwah bewirkt, daß die Drohung des Propheten ge-
Welt dauert fort, obwohl just das Harte und Anmaßende bleibt und die genstandslos wird. Auf seine nicht eingetretene Voraussage des Unter-
Selektion dafür sorgt, daß das Zage und Wehrlose verdrängt wird und ganges Jerusalems hin wird Jonah denn auch kurzweg als Lügenprophet
zugrundegeht. Wer ermißt den Berg von Grausamkeit, Gemeinheit, Roh- bezeichnet'. Aber auch bei Israel findet der angekündigte Untergang
heit, die den äußeren Gang der Geschichte bestimmen? Wer kann das nicht statt, obwohl es gar nicht Teschuwah übt. Israel, das auf dem üblen
Maß der nie endenden übel bestimmen? Die Welt ist sich wohl des Man- Weg voranschreitet, wird für den Fall der Umkehr Überwindung verhei-
gels an ausgleichender Gerechtigkeit im Sinne von Lohn für Güte, Ein- ßen, aber es kehrt sich nicht daran und wird des Sieges dennoch teilhaf-
und Umkehr, von Strafe für deren Gegenteil bewußt. Und die Welt zieht tig. Dem guten, Gott zugewandten Juda hingegen wird Untergang pro-
daraus ihre Konsequenzen. Sie ist wie J ero beam; und doch ist J ero beam phezeit, doch das Unheil bleibt aus, weil Juda Teschuwah übt. Dem
der König Israels. Im entscheidenden Augenblick, da die ,,eins" der ,,zwei" Guten ist durch den Propheten die Drohung zugedacht, während der
gegenübersteht, bleibt J ero beam dabei, den Weg des Übels weiter zu ver- Böse von ihm die Verheißung des Sieges empfängt. Der Gute sucht die
folgen. Und die Welt zuckt die Achseln, wenn sie den Propheten von Teschuwah, der üble hält fest am Bösen.
Umkehr und entsprechendem Lohn predigen hört. Gott läßt eben Israel Ist die Untergangsdrohung der Lohn des Guten? Ist dies Vor-Augen-
trotz allem einfach fortbestehen. Handelt es sich nun dabei um das, was ""_101
stellen von Unheil das Gespräch Gottes mit dem Erwählten, dem „Zadik",
wir als Gnade bezeichnen? Wenn Gnade Gott zu solcher Milde veranlaßt,
was hat es dann für einen Sinn, das Gute und nicht das Böse zu tun? Und
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wie es heißt? Bringt dies Gespräch den ,Zadik" nicht erst rückhaltlos zu
Gott, und bewirkt es nicht, daß er ewig bleibt? Und ist das Belohnen zyxwvutsrqp
v irtoef
was hat dann überhaupt das Propheten wort zu bedeuten? Jo nah steht da mit dem Erfolg nicht die Strafe für den Widerstrebenden? Wird de, 't v +
in dieser Welt der sichtbaren Sinnlosigkeit. Von Jonah wird eine zweite Gorlose nicht darch den Erfolg geblendet, und wrd cr dadarch niche „",',,
Prophetie berichtet. Gott sandte ihn nach Jerusalem, also in den anderen auf seinem Weg bestärkt? Auch das ist jedenfalls eine Betrachtungsweise"
Reichsteil. Dort soll er als Wort Gottes verkünden, daß die Stadt unter-
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dieses Zustands von Zweiheit und Gegensatz. Die Welt geht voran mit e r kor
gehen wird. Die Bewohner Jerusalems aber kehren um zu Gott, Gottes dem ,ra", und sogar Macht und Ansehen hängen von demselben ab. Es of«-
Erbarmen erwacht und der Beschluß, die Stadt zu verwüsten, wird nicht ist das Geheimnis dieser Welt, daß sie auf dem ,ra" zu fußen scheint zyxwvutsrq
o «d e ,
ausgeführt". Es geschieht hier dasselbe wie bei Hiskia, wenn Sancherib äußerlich jedenfalls. Denn welches die wirklichen Kräfte sind, das gerade «+ i ade
Jerusalem verwüsten will und die Zerstörung nicht zustandekommt, die bleibt verborgen. Unsere Logik und unsere Meinung von den Ursachen ~':' 4?
doch unabwendbar geschienen hatte. Das durch den ,,Nawi'' ausgespro-
chene Gotteswort hält scheinbar nicht stand. Das Festbeschlossene wird
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lassen sich mit der Wirklichkeit nicht vereinbaren. Endlich nämlich wird
lt trotz 1ih, rer Grausam- u
:. Fortdauer der Wet, re
es an den Tag kommen, daß die
aufgehoben durch eine andere, unberechenbare Kraft, die plötzlich in keit und Verhärtung, trotz ihrem Prinzip vom ,,survival of the fittest",
Erscheinung tritt. Es ist wahrlich eine außerordentliche Kraft; nicht nur doch von deríanlmµt Gottes abhängt, und daß sie damit auf dem Fun-
20» '-4,0 ,
scheint sie letztlich alles zu bestimmen, sondern sie ist auch tiefer als dament des,,+ achamim" ruht. „,Gott läßt den Namen Israels nicht aus-
jede andere im Wesen Gottes begründet. Diese Kraft ist ,,Rachamirn", • I tilgen unter den Himmeln" (2. Kön. 14, 27). Das nördliche Zehnstämme-
gewöhnlich übersetzt mit Barmherzigkeit. Der Stamm dieses Wortes, •, reich mit seinem Übergewicht des Leibhaften bleibt bestehen durch zyxwvutsrqp
,,rechem", bedeutet Gebärmutter. Auch aus der ,,rechem" kommt auf 'f Gottes Hilfe, durch Jerobeam, wie Jonah voraussagt.
einmal das Neue, die Überraschung; und das Neue ist das Ausschlagge- Jonah ist also ein sehr besonderer Prophet, ein seltsamer Vermittler
bende, das allem von Stund an eine neue Wendung gibt. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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* Pirke de R. Elieser X. · prke de R. Elieser X
122 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 2. Der Weg der Taube 123
6-2-( p ope & te-
zyxwvutsrqponm
von Gottes Wort. Seine Sendung hängt irgendwie in der Luft; es ist aus der Entwicklung, der beiden Lebenswege. Jonah gibt als ,,Nawi" das
ihr nicht klug zu werden. Wenn andere Propheten Verhängnis verkünden, Wort weier, aber Gott hält sich nicht daran; vielmehr läßt Er die_ver
dann kommt es auch unaufhaltsam, weil der Mensch dann nicht geneigt borgene Kraft, ,,Rachamim", durchbrechen. Er bestimmt just den Jonah
ist zur Teschuwah, sondern hartnäckig an seiner Selbstbehauptung fest- fir diese Botschaften. Jonah muß es erleben, daß unerwartet, aus dem
hält. Der Prophet sagt dann wohl: „Ich hatte dich gewarnt, und nun sieh Verborgenen, fast wie ein Spielverderber, die andere Eigenschaft Gottes
du selber zu! Hättest du Teschuwah geübt, im nächsten Moment schon hervortritt, dessen eigene Worte Lügen strafend. Es ist fast, als ob Gottes
hätte Gott dich aufgerichtet". Bei anderen Propheten kommt es nicht Rachamim mehr wäre als Gottes Wort. Es ist die Teschuwah des Men-
vor, daß Gott den Übeltäter belohnt, wenn zuvor doch der Prophet ein- schen, welche Gottes Rachamim weckt, dann nämlich, wenn der Mensch
dringlich gemahnt hatte, vom Bösen abzulassen und zu Gott zurückzu- dem Unvermeidlichen gegenübersteht und keinen Anlaß zur Hoffnung
kehren. Die vielen Prophetien aber, die die Erfüllung des Guten zum In- mehr hat. Wenn der Mensch Teschuwah übt, dann in der Tat ,,umsonst".
halt haben, zielen alle auf eine ferne und undeutliche Zukunft. Bei den Es zeigt sich also, daß Rachamim eine allesbestimmende Kraft ist,
Propheten aber, die von Hunger und Verbannung, von Krieg und Unter- ein im Verborgenen%"3} Prinzip, gerade wie eine Mutter im Ver-
gang künden, wird man Zeuge, wie sich ihre Worte in dieser Welt erfüllen, borgenen, in der „Rechèm" das Kind trägt. Aus dem Verborgenen fe irß k r
zyxwvutsrqpon
wie der Mensch wohl unter dem unausweichlichen Geschick leidet, und dringt denn auch Rachamim ins Sichtbare, in die Welt des Menschen
wie er dennoch nicht die Bereitschaft zur Sinnesänderung aufbringt, die hinein. Sie ist unberechenbar in ihrem Kommen, und sie wirft alle Vor-
ihm den Weg zu Gott eröffnen könnte. Er ächzt unter seiner Last, er stellungen des Menschen von Gott und der Welt über den Haufen. Jonah
fürchtet sich, und doch bleibt er dabei, alles seinem eigenen Urteil zu ist also der ,,Nawi", der den Auftrag erhält, ein Wort zu verkündigen,
unterwerfen, selbst planen und bestimmen zu wollen. das durch die unverhoffte Kraft Rachamim ungültig gemacht wird. Das
Jo nah ist der einzige Prophet, dem es begegnet, daß der Mensch auf Geschehen hat nicht seinesgleichen, und Jonah ist der einzige, dem es
seine Worte hin zu Gott zurückkehrt. Was er im Namen Gottes spricht, widerfahrt. Er erscheint als ein Lügner; durch Gott selbst wird er so hin-
hat nicht den Charakter einer Alternative, wie bei den anderen Prophe- gestellt. Er scheint dazu geschaffen und vorbereitet, damit Gott durch
ten. Er sagt nicht: ,,Wenn du beharrst auf dem Weg des Bösen, so wird dir ihn zeigen kann, daß selbst Gottes Wort vor der Teschuwah weicht, daß
dein Untergang nicht geschenkt, wenn du aber umkehrst zu Gott, wird selbst Gottes Wort durch das Rachamim Gottes aufgehoben wird. Gerade
dir Rettung zuteil werden". Jonah verkündet vielmehr im Namen Gottes wenn das Wort Gottes den Charakter des Unentrinnbaren zeigt, wenn es
das unausweichliche, ungemilderte Ende, ohne eine Möglichkeit des Ent- als unwiderruflich erscheint, als eine ausgemachte Sache, gerade dann
rinnens. Welcher Mensch wollte ernsthaft bezweifeln, wenn er hört: kann die Teschuwah, die Umkehr, tatsächlich ,,umsonst" geschehen.
,,Am Ende des Lebens steht der Tod, zwingend und unwiderruflich!' Es
gibt ja unter dem Himmel tatsächlich nichts, was sein Kommen verhin- 2. Der Weg der Taube
dern könnte. Bei Jonah tritt aber dennoch etwas dazwischen, und das
erwartete Ende bleibt aus, obwohl Jonah nicht gesagt hatte: ,,Wenn ihr Diese Jonah-Situation ist von ganz besonderer Art. Darum nimmt
umkehrt zu Gott, dann wird das Ende nicht eintreten, dann sollt ihr in auch der Jonah-Bericht einen besonderen Platz in der Bibel ein und bildet
Glück und Wohlfahrt leben". Gott legt ihm nicht, wie den anderen Pro- ein Buch für sich. Der Mensch als Jonah wird uns von allen Seiten ge-
pheten, etwa dem Moses, Worte in den Mund, die eine deutliche Alterna- zeigt, geoffenbart. Denn Jonah als der Mensch, der Gottes Wort verkün-
tive eröffnen: ,,wenn ihr auf Mich hören werdet ... wenn ihr Mir euer digt, das durch Gott selbst aufgehoben wird, erscheint als Bangemacher
Gehör verschließen werdet" (Deut. 28, 1 und 28, 15). Sobald aber die und falscher Prophet. Jonah ist zugleich der Mensch, der von innen her
Alternative vorliegt, pflegt der Mensch den üblen Weg zu wählen, wie weiß, daß das Wort, das er im Namen Gottes bekanntmacht, doch ab-
bereits angesichts der beiden Bäume in Eden, der beiden Möglichkeiten hängig bleibt von der Souveränität Gottes, Seiner alles verändernden
I . zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

124 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 2. Der Weg der Taube 125

Eigenschaft ,,Rachamim". Er weiß, daß das nicht in Worten auszudrücken Erscheinenden mit dem Menschen selbst zu sehen, Mensch und Welt aber
ist, weil das Wort das wiedergibt, was in der Welt als fest erscheint, wäh- zugleich auf das Wesen aller Dinge bei Gott zurückzuführen, denn in
rend ,,Rachamim" das Feste gerade aufhebt. Doch wie soll die Welt allem besteht eine Einheit.
ohne das verläßliche Wort bestehen, das der Welt Form verleiht, Form Der Name ist die gedrängteste Formel von allem. Einen reineren
auch den [Link] ist der Mensch, der an dieses Wort gebunden Ausdruck für das Wesen einer Sache als den Namen gibt es nicht im Wort.
ist, sich anderseits aber auch bewußt ist, daß dieses Wort durch Gott lm Namen ist das Geheimnis, das Verborgene eines jeden Dings, das
zurückgenommen und aufgehoben werden kann. Und just dieses Wissen seinem Wesen am nächsten kommt. Der Name steht gleichsam an der
ist nicht im Wort auszudrücken. Alles uns Bekannte wird auf einmal Grenze zwischen dieser und der anderen Welt. Dementsprechend ist der
einer ganz anderen Realität unterworfen. Diese Zweiheit ist es, die in Name auch in Übereinstimmung mit den Äußerungen, mit der Erschei-
Jonah lebt; er kann hier zwar nur der einen Seite derselben Ausdruck nung und schließlich auch der Bestimmung eines jeden Dings. Dies gilt
verleihen, die andere wohnt aber auch von Anfang an in ihm. Der Ge- für den hebräischen Namen, wie er in der Bibel festgelegt ist; in ihm ist
gensatz der beiden Seiten ist es, der ihn veranlaßt, vor seinem Auftrag der Zusammenhang zwischen Wort und Bestimmung am deutlichsten zu
zu fliehen. sehen; denn das Hebräische bewahrt ja in seinen Bausteinen noch die ur-
Die selbe Zweiheit findet sich in jedem Menschen. Durch unsere sprüngliche Verbindung zwischen Zeichen, Klang und absoluten Propor-
Wahrnehmung und unsere Erfahrung wissen wir, daß das Leben festen tionen. Aus dem hebräischen Namen kann man daher noch heute das
Gesetzmäßigkeiten unterliegt, von denen eine der Tod ist. Von innen Verborgene ableiten und dem Geheimnis näher kommen. Der ,,Nawi"
her wissen wir aber - gegen alle Wahrnehmung und Erfahrung daß Jonah ist also als Taube zu deuten.
diese Gesetzmäßigkeiten immer nur bedingt wahr sein können, daß da Was ist nun für uns das Kennzeichnende an der äußeren Erscheinung
noch etwas anderes herrscht, etwas, das sich nicht im Wort ausdrücken der Taube? Männliches und Weibliches drängen bei der Taube sehr stark
läßt und all das wieder aufzuheben vermag, was in unserer Wahrnehmung zueinander; die Taube ist dafür sprichwörtlich. Bei ihr äußert sich ein
und Erfahrung verankert ist. Alles ist von Grund auf anders: es ist weder großer Drang nach der Einheit dessen, was hier als Gegensatz erscheint.
allein das eine noch allein das andere. Alles wird überwölbt durch eine Wir erkennen hier schon etwas vom Leben des Menschen Jonah. Die
Einheit, welche keineswegs die Summe der Gegensätze ist, sondern viel- Taube hat auch die Eigenschaft, daß sie stets an den Ort zurückkehrt,
mehr eine Einheit, die hier nicht vorstellbar ist. Man vergesse nicht: wo sie daheim ist, gleichgültig wie weit sie davon entfernt sein mag.
alles was die Bibel erzählt, lebt auch im Menschen. Auch Jonah lebt im Immer findet sie den Weg zurück. Darum dient sie auch dazu, aus der
Menschen. Ferne Nachrichten nach Hause zu bringen. Wird das nicht auch am Be-
Was bedeutet nun eigentlich dieser Name? Jonah ist im Hebräischen richt von Jonah deutlich, der sich weit von Gott entfernt, dann aber
das Wort für Taube. Die Geschichte von Jonah ist also die der Taube, der doch zurückkehrt und die aufgetragene Botschaft ausrichtet? Wie bei
Taube im Menschen. Alles was in der Schöpfung Gestalt annimmt, ist der Taube sind es verborgene Kräfte, welche Jonah zurück bringen, unbe-
auch im Menschen vorhanden. Der Mensch umfaßt und enthält alles, er greifliche und unausspürbare Kräfte. Wenn schon Jonah die Botschaft
ist der Eine, der alles beherrscht, in dem alles lebt. Alles was in der nicht ausrichten will und er, wie berichtet wird, absichtlich in der ent-
Schöpfung Erscheinung wird, ist Ausdruck von etwas Wesentlichem; gegengesetzten Richtung aufbricht, so ist es doch in seine Bestimmung
jede Blume und jedes Tier besteht hier nur, weil es anderswo, in einer gelegt, zurückzukehren und seinen Auftrag auszurichten. Die Überliefe-
anderen Welt, in einer Kernrealität, bereits vorhanden [Link] Taube in rung erklärt', daß der Fisch, welcher Jonah zum Ausgangspunkt zu-
dieser Welt ist da, weil bei Gott ,,die Taube" auch da ist. Und darum lebt rück bringt, schon von der Schöpfung her zu dieser Aufgabe bestimmt
auch im Menschen diese Taube. Man sollte dazu gelangen, wieder mehr
diese Verbundenheit zwischen dem außerhalb des Menschen in der Welt ' Jalkut Schimeoni, Josua 21
126 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 2. Der Weg der Taube 127

9 gewesen sei. Es gehört also zu den Absieh ten der Schöpfung, daß Jo nah
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA zuerst meinte, daß er durch die Mengung der Gegensätze die Antwort
vor seinem Auftrag zurückschreckt, seine Flucht in wunderbarer Weise auf die Frage nach dem Sinn der neuen Welt kennenlernen werde,
unterbrochen und er selbst zu seinem Ausgangspunkt zurückgebracht zeigt, wie sehr der Mensch im Prinzip dazu neigt, sie ganz woanders als
wird. Was wissen wir schon von der verborgenen Wirksamkeit, welche bei Jonah zu suchen. Jonah kommt erst an die Reihe, wenn der Orew
die Taube stets wieder heimkehren läßt? versagt.
Wir kennen die Taube auch aus einem anderen biblischen Bericht, Noach befindet sich in der Tewa, der Arche. Aber wir wissen, daß es
und auch in ihm geht es um ihren Trieb, wieder zum heimatlichen Schlag eigentlich um die Tewa in ihrer Bedeutung als „Wort" geht. Die Maße
zurückzukehren, nachdem sie ihre Sendung erfüllt hat. Es handelt sich der Tewa bilden ja auch das Wort für ,„,Sprache", laschon. Der Mensch
um den Sintflutbericht, der uns sagt, daß Noach am Ende die Taube aus- kann die Mabul überleben und durchsehen, wl G ¡in das Wort
sendet, um zu erfahren, ob die neue Welt bereits da ist oder nicht. Natür- lehrt, es ihm auf den Weg mitgibt. Wie bei der Schöpfung diese Welt
lich heißt auch da die Taube ,,Jonah"; man kann also auch sagen, daß durch das Wort entsteht, so kommt alles in der Welt zu diesem Leben
Jonah ausgesandt wird, um Kunde zu bringen, ob die neue Welt schon mithilfe des Wortes. Die Phase der Mabul ist also auch die Phase dieser
besteht. Namen sind nicht sinnlos, Namen schließen Bestimmung in sich, Schöpfung, freilich aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet. Der
denn sie verbinden mit dem Wesentlichen. Darum ist da auch ein Zusam- Mensch lebt in dieser Welt, er lebt die Zeit der 58. 58 ist die absolute
menhang zwischen der ,,Jo nah" Noachs und dem Propheten Jo nah, der Zahl für die Dauer der Zeit dieser Welt im Wort ("Bauplan"). Der Mensch
von Gott nach Ninive entsandt wird. lebt da als ,,Noach", welcher Name denn auch diese 58 darstellt. Aber
wie steht es yy", mitder Taube, bei }ggch? Noach befindet sich in der Mensch weiß, daß er einmal wieder aus dem Wort heraustritt, daß er
der Arche, der ,,Tewa', und die Sinflut, die ,,Mabul", neigt sich dem einmal diese Welt der Tewa wird verlassen müssen. Er tut das nicht gern,
Ende zu. Um zu wissen, ob er die Tewa bereits verlassen kann, um, die ., und auch Noach zögert, bis Gott schließlich das ,,ze", das ,,geh hinaus"
99-?00e
neue Welt zu betreten, sendet Noach zuerst den Raben aus, den ,,Orew' zu ihm spricht (Gen. 8, 16). 90-1
(Gen. 8). Der Rabe bringt aber keine Antwort. Er hat nämlich den Noach Als das Ende herannaht, drängt sich Noach der Wunsch auf, zu sehen
im Verdacht, daß er während seiner Abwesenheit Unzucht mit der Ra- und zu erkennen, wie die Welt ,,außerhalb des Wortes" eigentlich be-
ben-Frau begehe ". Das Wort,,Orew' ist verwandt mit dem Wort für Men- schaffen ist. Denn er vermutet, daß er selbst einmal dort wird leben
gung. So ist ,,Erew" gleich geschrieben, nämlich 70-200-2; es bedeutet müssen. Es sind besondere Eigenschaften im Menschen, Eigenschaften,
auch Abend, d.h. die Zeit der Mengung von Tag und Nacht. Die neue die auch außer ihm als eigenständige Schöpfungen bestehen, welche er
Welt wird zuerst erkundet mithilfe dieser Mengung der Gegensätze, dessen als seine Gedanken und Überlegungen aussendet, um zu ergründen, ob
also, was vorher als Gegensatz gilt. Aber diese Mengung versagt, wenn auch außerhalb der Tewa, außerhalb dessen, was im Worte ausdrück-
man von ihr Auskunft erwartet. Die Mengung hat nämlich auch selbst bar ist, eine umfassende Welt besteht, die er bewohnen kann. Was er da-
noch ihren Gegensatz, ihre „,Frau", und sie befürchtet, daß der Mensch, bei zur Hilfe nimmt, heißt dann ,Orew" oder aber ,,Jonah", Rabe oder
während sie selbst Bericht von der neuen Welt einholen soll, Kurzweil Taube. Alles was der Mensch denken kann, ist durch Gott schon gedacht
hat mit der Frau; mit der Frau, welche nicht für den Menschen ist. Bei und besteht bereits in der Schöpfung, sei es als Blume, als Insekt, als
Elia bekommt der Rabe seine Aufgabe (l. Kön. 17, 4-7). Vogel oder irgendein anderes Tier. Deren Name und Eigenschaften er-
Da also der Rabe keine Antwort bringt, beschließt Noach, die Taube zählen uns, was es ist, und was denn auch das ist, was der Mensch denkt
zu senden, die Jonah, deren männliche und weibliche Seite so stark an- und weiß. Nachdem also der ,,Orew'' keine Antwort bringt, da die Men-
einander gebunden sind, daß Unzucht nicht zu befürchten ist. Daß Jonah gung der Gegensätze unfruchtbar bleibt, verfällt Noach auf den Gedan-
ken, die ,,Jonah" auszusenden.
T. B. Sanhedrin 108 b Der Orew ist im allgemeinen schwarz, ebenso wie sich Erew, der
I

II. Der Sinn der Namen bei Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


12 8 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 2. Der Weg der Taube 12 9

Abend, durch Dunkelheit auszeichnet. Vielleicht hofft der Mensch aus Tag ist vor den anderen ausgezeichnet; alles ist dann drinnen, ,,im Wort",
einem inneren Wissen heraus auf die Ausnahme, auf den ,,weißen Raben". in dieser Welt. Darum heißt er heilig, weil er anders und weil an ihm alles
Diese Erwartung aber trügt; und so sendet er darauf die ,,Jonah" mit vollständig, ,,eins" ist.
ihren besonderen Eigenschaften, die auch schon vorbereitet ist für ihre Von ihrer zweiten Aussendung kommt die Taube mit einem Blatt
Aufgabe. Wir wissen, daß die Taube wiederholt ausfliegen muß. Beim vom Oelbaum im Schnabel zurück. Es ist Freitagnachmittag, gegen den
ersten Mal kehrt sie unverrichteter Dinge zurück. Noch ist alles mit dem Abend. Wir wissen schon, daß die Olive die sechste Frucht ist, die Frucht
Wasser der Mabul bedeckt; weil die Zeit die neue Welt noch der Sicht auch des sechsten Tages, des Freitags. Der Oelbaum, der Berg der Oliven,
entzieht, ist sie für den Menschen noch nicht bewohnbar. In zeitlicher alles ist für uns schon mit der Erlösung verbunden. Diese Erlösung steht
Ausdrucksweise Wasser ist ja im Materiellen das, was Zeit ist als Erfah- in vielfältiger Beziehung zur Olive.
rung-will das sagen, daß die Zeit noch nicht reif ist. Die Taube schwebt Der Freitag ist auch der Tag der Erschaffung des Menschen, genauer:
wohl schon über den Wassern, doch die Zeit ist noch nicht gekommen, die zweite Hälfte des sechsten Tages. Der Freitag ist ferner der Tag, an
daß sie irgendwo Fuß fassen könnte. Wozu vorerst diese Fruchtlosigkeit? dem der Mensch Gottes Wort nicht hören will, sondern seinen eigenen
Jonah geht aufs erste Mal auch nicht nach Ninive, sondern verliert sich Weg einschlägt. Er nimmt die Frucht vom Baum der Erkenntnis und ver-
in den unendlichen Wassern. Im Jonah-Bericht begreifen wir, warum das liert damit den Baum des Lebens. Und doch ist das wiederum der Weg
erste Aussenden fruchtlos ist, und wozu diese Erfahrung dient. Er läßt der Schöpfung; für den Menschen stellt er sich dar als ein langer, mühsa-
uns auch erkennen, warum bei allem zwei Seiten sind, warum alles in mer Weg. Am Freitag spielt sich gegen Abend Entscheidendes ab, und es
zwei Phasen geschieht, und er wirft auch ein Licht auf die tiefe Bedeu- ist samt und sonders für den Menschen unbegreiflich und unübersicht-
tung des ersten Erscheinens der Taube außerhalb der Tewa, des Wortes. lich. Er weiß, daß er Gott eigentlich verraten hat, daß er den Baum des
Sieben Tage nimmt diese erste Begebenheit mit der Taube in Anspruch. Lebens in Reichweite hatte und doch den Weg des Widerspruchs einge-
Vor dem äußerlichen Bericht allein müßten wir schon stutzig werden, schlagen hat. Wozu tat er das? Unlösliche Frage für den Menschen in
warum soviel Zeit nötig war, nur um festzustellen, daß die Wasser noch dieser Welt! Aber darauf gründet sich sein Dasein. Denn wo bliebe der
die ganze Erde bedeckten. Wir können auch fragen, warum Gott sieben ganze biblische Bericht, von dem überliefert ist, daß er vor dieser Schöp-
Tage benötigt, um die Schöpfung zu vollenden. Hätte er das nicht in fung schon bei Gott vorhanden ist, wenn der Mensch einst nicht vom
einem einzigen Augenblick oder doch in einem Tag tun können? Wir Baum der Ekenntnis genommen hätte? Dann wäre die Erzählung be-
können auch fragen, warum Noach mit dem Raben und der Taube einen reits mit dem Paradies zuende! Wo bliebe all das Andere, das doch ganz
so umständlichen Weg wählte. Die Arche hat doch ein Fenster, und sie gewiß in Gottes Schöpfungsplan bereits vorhanden war? Unauflösbares
hat doch ein Dach, das geöffnet werden kann. Kann Noach nicht selbst Rätsel! Keine ,,Schuld" des Ur-Menschlichen, Adams, des zutiefst Ver-
sehen, muß er sich dazu unsteter Vögel bedienen, die nicht reden kön- borgenen auch in jedem Menschen - eher göttliche Zielsetzung und
nen? Die Geschichte zwingt uns durch die Art, wie sie erzählt wird, zum Absicht, sogar ,Schuld' Gottes eigener Schöpfung. Und doch auch wie-
Nachdenken: was ist der Sinn dieser unnütz erscheinenden Einzelheiten? der Schuld des Menschen, der ja stets fortfährt, Gott zu verraten, Gott
Natürlich hat ein solches Nachdenken zur Voraussetzung, daß man die auszuklammern, um seinen eigenen Weg zu gehen, logisch begründet,
Bibel wirklich ernst nimmt, daß man jeder ihrer Aussagen Gewicht bei- vernünftig, planmäßig und selbstbewußt. Los von Gott, trotz aller schö-
mißt, sie also selbst zu Worte kommen läßt. nen Worte des Gegenteils.
Noach läßt die Taube aufs neue ausfliegen, und wieder gehen darüber Am späten Nachmittag des Freitags, wenn die Sonne sich anschickt
sieben Tage ins Land. Stets kommt sie am siebten Tag in die Tewa zu- unterzugehen, wenn der Abend - Erew anbricht, liegt diese Tragik in
rück, denn am siebten Tag ist auch für die Taube Ruhe ". Der siebente der Luft. Sie ruft diese Welt hervor. Das Verlorengehen des Baums des
Ein altes jüdisches Sabbath-Lied erzählt vom Ruhen der Taube am Siebten Tag. Lebens läßt diese Welt heraufkommen, ruft die Generationen auf, und
6,

130 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 2. Der Weg der Taube 131

damit erfüllt sich Gottes Wort in dieser Welt. „Wenn" der Mensch einst Mabul dadurch überlebt, daß Gott ihm die Tewa, das Wort, gibt. Und
anders gehandelt hätte, diese Welt wäre nicht einmal zustandegekommen, dieser Mensch, im Wort eingeschlossen und bewahrt, sendet die Jonah aus
diese Welt, die doch vorausgesehen ist und die ihren Ausdruck gefunden und empfängt die Botschaft von dem Bitteren. Die Jonah spricht das
hat in der Thora, im Wort, das vor der Schöpfung bestand. aus, nicht Noach. Auf die Aussage der Jonah kommt es in diesem Bericht
So kommt denn die Taube am späten Freitagmittag mit dem Blatt an, ob die Zeit gekommen ist; nur die Taube kann die Kunde bringen,
vom Oelbaum, diese Welt ankündigend und damit schon andeutend, was und Noach weiß das. Er im Absoluten die ,,58" - wartet auf ihre Bot-
diese Welt gemäß der Überlieferung sein soll", mit den Worten: ,,Meine schaft, und wenn er sie vernimmt, erhellt sich ihm, was dieser Freitag-
Speise sei bitter wie die Olive, wenn sie nur von Dir, Gott, kommt, und nachmittag bedeutet, und was der siebente Tag, der ihm folgt. Während
nicht so süß wie Honig,jedoch vom Menschen". Die Taube spricht dort zu der Dauer des siebten Tags wird diese Frueh t gestoßen, gepreßt, um dann
Gott. Sie findet in dieser Welt das Blatt vom Ölbaum, dem bitteren. Daß es dem achten Tag das öl zu liefern: das öl für die Lichter und für die
bitter schmeckt, liegt daran, daß nun einmal die Olive die Frucht dieses Salbung. Nach ihrer Aussendung wird die Taube wieder in die Tewa, also
sechsten Tages ist. Die Frucht, d. h. die Weise der Entwicklung und des in das, was für uns auch das Wort ist, zurückgeholt und befindet sich
Wachstums, welche diesen sechsten Tag kennzeichnet. Auch in den Früch- nun wieder im Verborgenen bei Noach. Dann erst kommt es zur dritten
ten ist das Geheimnis der Zielsetzung, des Sinns dieser Schöpfung ausge- Aussendung. Wieder sind da die sieben Tage, doch diesmal bleibt die
drückt. Dieser Freitag hat an erster Stelle den bitteren Geschmack für Jonah in der Welt, und auch für den Menschen kommt jetzt die neue
den Menschen, und Jo nah, die Taube, kommt, diese Olive dem Menschen Welt. Jetzt kann Noach die Tewa, das Wort, verlassen und zum Leben in
zu verkündigen. Die erste, bestimmende Botschaft der Welt nimmt da dieser Welt werden.
ihren Anfang. Die Taube aber weiß, daß sie von Gott, dem Vater und Die Rückkehr der Taube mit dem Blatt vom Ölbaum wird auch
Schöpfer stammt, und darum nimmt sie das Bittere an, das sich hier gleichgestellt mit dem Beginn der Verbannung; das Bittere kommt. Aber
ankündigt. man nimmt es getrost an, weil es von Gott ist. So spricht die Jonah. Die
So beginnt der siebente Tag nach dieser Rückkehr der Jonah: er ist Verbannung ist auch die Geburt eines jeden Menschen in diese Welt. Man
das erste Zeichen einer schon bestehenden Welt. Zuvor traf die Taube nur darf aber wissen, daß sich der Sinn derselben am siebenten und achten
die Ausdehnung der Wasser an, ,,schwebte sie über den Wassern". In Tage zeigen wird. Man darf ferner wissen, daß danach diese Jonah aufs
gleicher Weise erzählt der Schöpfungsbericht vom Schweben des Geistes neue aus dem Wort in die offene Welt entsandt werden soll und dann die
Gottes über den Wassern. In der Überlieferung heißt es hier u. a., es hand- neue Welt da ist, auf die hin die Tewa, das Wort, sich öffnet. Dann wird
le sich dabei um den Messias. Die neue Welt ist noch nicht vorhanden, sie alles sichtbar in seiner Dualität, und es wird klar, was die Existenz des
ist noch nicht in Erscheinung getreten, aber die Taube schwebt bereits Menschen hier formen wird im Zeichen der Siebenheit und der Vierheit.
über den Wassern. Mit dieser letzten Sendung hat die Jonah ihre Aufgabe erfüllt, die neue
Weil dem so ist, kommt es auch im einzelnen Menschen zum Aus- Welt ermöglicht. Sie bleibt in der neuen Welt, in der sie eigentlich die
druck, handelt es sich doch hier um eine Schöpfungswirklichkeit. Darum erste war. Wieder erscheint der Begriff 58; als Zeitmaß nun, nachdem
also entsendet Noach die Taube. Im Himmel, könnte man sagen, ist Noach selbst auch die 58- die Taube aussendet, weg von sich selbst
Noach nicht ein Mensch, wie wir hier Menschen kennen. Dort ist er viel- und aus dem Wort, und von dem Moment an, wo Gott Noach das Zeichen
leicht inmitten der Heerscharen um Gottes Thron, wie es heißt- ein gibt, die Tewa zu verlassen und die neue Welt in Besitz zu nehmen.
himmlisches Wesen, das im großen Maßstab das tut, was Noach in der Nach der allerersten, man kann sagen, noch vorweltlichen Aussen-
Bibel tut. Hier ist er der Mensch in der Erscheinung des Noach, der die dung der Taube gibt es also noch zwei weitere, von denen die erste ge-
kennzeichnet ist durch die Sajith, besser: das Blatt von der Sajith, der
+T. B. Erubin 18 Olive, worin sich ein tiefer Sinn verbirgt. Die letzte Sendung jedoch
132 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 3. Das Griechentum in der Welt 133
erst scheint das Ziel zu erreichen: die Taube bleibt in der Welt bis auf wird 10--80--400 geschrieben. Die Endbuchstaben sind in beiden Fällen
den heutigen Tag, könnte man sagen. nicht bestimmend für den Begriff. Das Prinzip des sich Verbreitens und
Es fällt auf, daß der Prophet Jonah abgesehen von seinem allerer- Ausbreitens des ,, Vaters" kommt also auch in seinem Sohne Ja wan zum
sten Erscheinen im Bericht der Könige ebenfalls zwei Sendungen er- Vorschein. Sowohl in seiner Erscheinung in der Welt zeigt der Grieche-
fährt. Von der ersten kehrt er ohne sichtliches Ergebnis zurück; und doch ja alles Griechische und alles Griechentum diesen Drang zum Ausgrei-
hat diese einen tiefen Sinn. Die zweite Sendung geht damit zuende, daß fen, zur Kolonisierung, wie auch im Wortsinn des Namens, der bereits
Jonah in Niniveh bleibt. Dieser J onahbericht ist voller Bedeutung. Nicht aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem Begriff Taube dieses Fortziehen
umsonst ist Jonah bei Noach, aber auch in Niniveh. mit dem Menschen, ebenso aber auch das Wiederkehren in sich trägt. Bei
Japhet wird dies deutlich durch den Segensspruch Noachs, der ihn mit
3. Das Griechentum in der Welt Sehern zu einer Einheit verbindet, bei J awan durch den der Taube einge-
borenen Ruf Gottes, der sie wie den Propheten Jo nah stets zurückkeh-
Die Jonah nimmt ihren Einzug in die Welt. Der Mensch ist es, der sie ren läßt.
dahin entsendet. Gott aber ruft Jonah nach Niniveh, zu einer anderen Im Wort Japhet, das den absoluten Begriff 490 ausdrückt, ist dieser
Bestimmung. Die Fahrt Jonahs hat aber doch ihren Sinn; in ihr spiegeln Weg bis ans Ende des siebten Tages bereits sichtbar: 490 (7x 70) führt in
sich die Erlebnisse des Menschen, die Fährnisse auf den Wassern, bis hin den Grenzbereich der 500. Das Wort J awan, 10-6-50, trägt in seinem Zah-
zum Verschlungenwerden durch dieselben. Daß die Taube zurückkehrt, lenwert 66 ebenfalls eine Vielheit in sich, die auf eine große Ausdehnung
stimmt überein mit dem Ruf Gottes an Jonah. Diesem Ruf scheint Jonah hinweist. Man denke etwa an die Zahl der Kinder Jakobs (Gen. 46, 26),
sich zuerst entziehen zu wollen warum eigen dich und wozu? Jonah die sich auf 66 beläuft, zu denen noch Joseph mit seinen beiden Söhnen
weiß als Prophet doch, was das Wort Gottes in sich schließt? hinzukommt, wodurch die Zahl auf 69 steigt. Um die 70 voll zu machen,
Aber ähnlich wie der Mensch die Taube zuerst in weite Ferne entsen- nennt die Überlieferung] ochewed, die Mutter Mosches, die gerade auf der
det, um sie von da zurückkehren zu lassen, so entfernt sich zuerst auch Grenze zwischen Kanaan und Mizraim geboren wird. Als Begriff äußerster
der Mensch in diesem Leben. Er würde sein Ziel noch viel weiter stecken; Vielheit im menschlichen Bereich setzt sich also der Wert 70 aus 66 + 3 +
aber seine eigenen Pläne werden, ehe sie reifen können, durch die andere, 1 zusammen. Die Überlieferung kennt übrigens eine besondere Zählweise,
die durch Gott aufgerufene Kraft durchkreuzt, und er selbst wird umge- nach der zum totalen Wert der Buchstaben auch die Anzahl der Buchsta-
wendet und zurückgebracht. So ist es beim einzelnen Individuum, so ge- ben und schließlich das Wort als ganzes hinzugezählt wird. Auf diese
schieht es auch mit dem, was ihn in den Erscheinungsformen dieser Welt Weise wird auch J awan zu 70, nämlich 66 + 3 Buchstaben+ 1 Wort.
als Gruppen-Eigenschaft kennzeichnet. Das Wort Jonah hat nämlich Erwähnenswert ist auch, daß Jawan mit seinen vier Söhnen (Gen. 10,
einen deutlichen Zusammenhang mit dem Worte ,,J awan", d. h. Grieche. 4) zusammen den Wert 2200 darstellt (66 + 346 + 1210 + 470 + 108). Es
Die beiden Namen sind in der hebräischen Schreibweise eng verwandt. ist uns bereits bekannt, daß mit 22 die ,,Verbannung" - die Verbannung
Jonah erweist sich als die weibliche Form für Jawan. Der Aufbau der im Wort, in der Form zum Ausdruck kommt: Denken wir an die 22
beiden Wörter ist 10--6-50-5 und 10-6-50. Auch in unserer Sprache erken- hebräischen Buchstaben, die 22 Jahre der Verbannung Jakobs und Jo-
nen wir die Verwandtschaft in den Begriffen J onien und J onier. Damit sephs („,Bauplan"). Ausbreitung und Wachstum sind Kennzeichen für die
zyxwvutsrqponmlkjih
wird auch der besondere Platz des Griechentums deutlich. Man bedenke, Verbannung. Die Zahl der Buchstaben, aus denen die Namen von Jawan
daß Ja wan der 4. Sohn Japhets ist, und daß zugleich mit Sehern Japhet und seinen vier Söhnen bestehen, ist nun bezeichnenderweise ebenfalls
gesegnet wird, also eine Einheit mit Sehern darstellt (Gen. 9, 23 ££.). 22 (5+ 5 + 4 + 5 = 19 + 3 = 22). Das Sich-entfernen des Menschen von
Das Wort Japhet enthält bereits den Begriff des ,,Ausbreitens". Eben- seinem Ursprung ist gleichbedeutend mit der Verbannung. Diese zeigt
so den Begriff der Schönheit. Japhe ist ,,schön", 10-80-5, und Japhet sich auch in der Tatsache, daß das Wort hier die Form angibt; im Wort,

a«on- -So gedl.«,lo «. p@hood)


134 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 3. Das Griechentum in der Welt 135

in der tewa, ist man eingeschlossen und doch, so bitter das auch er- Ziel da. Die 1656/57/58, der Punkt Tarschisch, aber auch der Punkt der
scheint, der Mensch nimmt es, wenn er die Jonah in sich trägt, als etwas ,,Mabul", des Unterganges, wird nun zur 828/29, zum Punkt der Rück-
Süßes an. kehr. Die Halbierung der Jahre nach der Flut führt über die Befreiung aus
Der zweite SohnJawans trägt den Namen Tarschisch, und wir wissen,der Knechtschaft und über die Offenbarung bis ans Gelobte Land. (Im
"Bauplan" sind diese Darlegungen in größerer Ausführlichkeit zu finden).
daß Jonah, als er vor Gottes Angesicht flieht, nach der Stadt Tarschisch
reisen will. Es geht hier nicht um einen geographischen Nachweis dieser Die Halbierung des Weges nach Tarschisch, 1656, finden wir schon
Stadt, wir wollen die Dinge sehen lernen, wie sie in ihrer Absolutheit im Begriff ,tewa", gewöhnlich als ,Arche" übersetzt, in seiner gangbaren
sind. In dieser Absolutheit wird daher auch auf dieser Erde stets etwasBedeutungjedoch ,,Wort". Dieses bewirkt bereits die Halbierung, läßt den
dem Namen Tarschisch Entsprechendes vorkommen. Tarschisch ist offen- Menschen zurückkehren. Wer das Wort kennt, vernimmt die Aufforderung
zur Rückkehr und wird auch zurückgeholt. Die Halbierung des Weges nach
bar eine Wirklichkeit, so weit entfernt, daß Jonah bei allem Streben nicht
hingelangen kann. Doch sollen in Tarschisch Menschen wohnen, und es Tarschisch gehört also zum Wesen des Wortes. Wenn wir wie beim Worte
Tarschisch den vollen Wert des Wortes tewa wirken lassen, so ergibt sich
ist sogar ein begehrenswertes Ziel. Es ist das Entfernteste, das am weite-
sten Entwickelte und deshalb auch am reichsten. Es ist aber auch das von tatsächlich auch 828 (406 + 412 + 10), also genau die Hälfte von dem
Gott am weitesten Entfernte. Deshalb versucht Jonah, es zu erreichen Begriff Tarschisch, 1656, der großen Weltzeit, welcher der Mensch sich be-
auf seiner Flucht vor Gott. Gott aber verhindert es, daß eben dieser mächtigen möchte, um ihren großen Reichtum zu gewinnen, doch nur um
Jonah hingelangt. In seinem vollen Wert geschrieben, wobei sich jeder dann die Katastrophe der Mabul zu erfahren. Darum läßt Gott es nie
Buchstabe ganz entfaltet, ist Tarschisch 1656 (406-510-360-20-360). mehr zu einer Mabul kommen. Nur einmal erfährt der Mensch diesen
1656 ist der Punkt, bei dem die Mabul über den Menschen und über die Untergang, dann wird die Zeit geteilt, und die Welt erhält ihren ,,runden''
Welt kommt. Diese Zahl bezeichnet einen Endpunkt (,,Bauplan"). Der Charakter. Allem steht nun hier sein Gegensatz gegenüber. Darum läuft
Mensch als Noach erreicht zwar Tarschisch, aber das ist dann zugleich die halbe Zeit, die der tewa, des Wortes, auf Befreiung, Erlösung, Offen-
auch der Untergang. Darum spricht Gott nach der Mabul, daß derglei- barung hinaus. Dies ist das Geheimnis des Wortes. Gottes Ruf zur Rück-
kehr ist darin gewissermaßen eingeprägt. So gelangt auch Jonah nie bis
chen nie mehr geschehen solle (Gen. 8, 21 ). Der neue Mensch gelangt nicht
mehr bis nach Tarschisch, dem Punkt 1656. Schon auf dem Wege wird nach Tarschisch, und auch die Taube kehrt mit dem Blatt vom Ölbaum
alles umgewendet und geteilt. Die ,,Lebenszeiten" der fünf Generationen im Schnabel zurück, um danach schließlich die erste in der neuen Weit
E 4 93 0-2- 5
4u[, zwischen zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSR
der Mabul und der Hatlagá, sind im Vergleich zu denen vor der zu werden.
ü b d rt ki4 Der Grieche und das Wort im Griechischen hat denn auch einen ganz
Mabul halbiert. Die Zehn selbst, die den Beginn des Menschheitsge-
schlechts charakterisiert und den ersten Generationen sowie dem Gottes- besonderen Charakter. Es entwickelt sich, es verliert sich in der Weite der
namen das Gepräge gibt, wird nun geteilt und erscheint, wie das auch bei Welt- doch es kommt wieder zurück. Die Eigenschaft der Jonah setzt
den Generationen der Fall ist, als fünf und fünf. Die Zeit der 1656 wird sich durch. Das erste Mai geht es um die Rückkehr mit dem Blatt vom
dementsprechend zu einer Zeit der 828. Damit aber kom,2'3as man Ölbaum, das zweite Mal um den Platz in der neuen Welt.
auch bezeichnet als die Befreiung aus der Zweiheit, aus Mi;Wf,"n wo Die Überlieferung mißt denn auch dem Wort im Griechischen eine
aus man aufbricht zur Offenbarung des Wortes auf dem Sinai und um den große Bedeutung zu, dem Wort, wie es sich in dieser Welt äußert. Doch
Weg ins Gelobte Land unter die Füße zu nehmen. Dies ist zugleich auch das ist nur die eine Seite der Sache: das,Wort im Griechischen" umfaßt
die Halbierung von Mizraim (Mizraim =zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
380, Kanaan jedoch 190; 2448/ noch viel mehr. Es ist das Wort, das in die Welt hinausgeht, wächst und
2449-2488, die Zeit der ,,Wüstenwanderung" mit dem Erreichen des sich entwickelt; es leiht seine Kraft den Erzählungen von den großen
,,Gelobten Landes", halbiert die Phase 1656/57/58. Mit diesem Prinzip Reisen und Entdeckungen, und die Berichte von großen Wirren und Krie-
der 828 setzt die Rückkehr ein, ist das für den Menschen vorbereitete gen geben denselben erst die Form- ja das Wachstum selbst wird vom
136 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 3. Das Griechentum in der Welt 137
Wort mit verursacht. Es ist das Wort, das den Idealen von Tarschisch Aus- denn in dieser Realität ist auch der mindere, der Schatten-Tempel, ver-
druck und Farbe verleiht. Und doch kommt es zurück; es reicht nicht schwunden.
dorthin! Nicht zufällig hat Ja wan die Struktur von Jonah, des die Umkehr Man muß sich davor hüten, die vier Gefangenschaften nur als auf-
in sich Tragenden, zur Umkehr Berufenen.
einander folgende historische Tatsachen zu sehen. Gewiß gibt es ein sol-
So kennt die Überlieferung auch die galuth jawan, die Gefangenschaft ches Vorher und Nachher, eine Ordnung, die sich in der Zeit äußert. Doch
im Zeichen des Griechentums. Es ist die dritte der vier Gefangenschaften. muß man sich immer vor Augen halten, daß diese vier Gefangenschaften
Zu ihrer Zeit besteht der sogenannte zweite, der Schatten-Tempel. Bei der ebenso gleichzeitig bestehen, in der Welt als solcher sowohl als auch in
ersten, der babylonischen Gefangenschaft, wird der Tempel, der große
jedem einzelnen Menschen. Stets steht der ,,Baum, der Frucht ist" neben
erste und wahre, verwüstet ("Esther"). Während der zweiten, der persi- dem ,,Baum, der Frucht macht". Sie existieren zu jeder Zeit und überall.
schen, der von poras u-modai, gibt es überhaupt keinen Tempel; mit seinem Die tewa, das Wort, hat ihre Einheit jedoch für uns halbiert, damit wir
Wiederaufbau wird zwar begonnen, vollendet wird er aber erst an deren von unserem Wege nach Tarschisch umkehren.
Ende. Ja wan sodann, in seinem Drang zu Ausbreitung und Vielheit, zu Die vier Gefangenschaften sind genauso gleichzeitig wie die vier Ele-
weltweiter Geltung, nimmt ihm seinen Sinn. Zu seiner Zeit treten die mente, die eben durch ihre Gleichzeitigkeit dieser Welt Gestalt verleihen.
Hasmonäer, die chaschmonajim ("Bauplan"), auf, und im Tempel ge- Und doch kennt man auch bei diesen vier jesodoth, diesen vier Grundla-
schieht das Wunder an dem nach intensivem Suchen gefundenen alten gen, eine Reihenfolge: ruach (Hauch, Geist), die östliche Sphäre, nimmt
Öl, das, obwohl nur für einen Tag ausreichend, dennoch Licht spendet den ersten, aphar ( die Materie unserer Welt) die westliche Sphäre, den
bis zum achten Tag, dem Tage also, an dem das neue öl da ist. vierten Platz ein ". Alle vier aber bestehen gleichzeitig, wennschon unsere
Man erkennt wieder den Zusammenhang. Unter Jawan kommt es nur das Äußerliche erfassende Wahrnehmung bloß die vierte kennt. Die
zu dem Wunder des Öls, der Olive, die eben dann erscheint und die Freude drei anderen bilden den Untergrund, die verborgene Basis für die vierte.
der neuen Welt bringt. Ehe das öl von der neuen Olive bereit ist und So ist also die Gefangenschaft von J awan mit dem Licht-Wunder der
das ist eben erst am achten Tag der Fall - geschieht das Wunder, daß das Olive verbunden. Der Atbasch-Wert von Olive, sajith (7-10-400), ist 111,
Licht aus der alten Olive noch immer leuchtet und so die Beständigkeit das heißt aleph, die Einheit, der Atbaschwert des Öls, schemen (300-40-
des Lichtes im Tempel erhalten bleibt. Die Taube bringt zuerst das Blatt 50), ist 21, also gleich der absoluten Zahl des Gottesnamens (Ex. 3, 14) **.
zyxwvutsrqponmlkjihgfed
vom Ölbaum, und das ist ein Kennzeichen der Verbannung, doch es reicht Was sich in der Frucht der Olive ausdrückt, hat einen Zusammenhang mit
bis zu ihrem zweiten Kommen, und nun ist das neue Licht da. Beide ge- dem Menschen, den ja Gott ebenfalls am sechsten Tag erscheinen läßt.
hen in einander über. Ausgerechnet durch J awan und seinen Drang zur Der Mensch aber ist in das Ebenbild Gottes geschaffen. Wir erkennen den
Vielheit kommt es zum Wunder des achten Tages. Es ist das einzige Mal, geheimen Zusammenhang zwischen dem Menschen und der Olive: für
daß in der Bibel, im ganzen tenach, von diesem Wunder berichtet wird. beide gilt, daß sie verborgen, gestoßen und gepreßt werden müssen am
Die Verbindungvon Sehern und Japhet ist wohl von ganz besonderer Art, siebten Tag, und beiden ist die Herrlichkeit, das Erreichen des Zieles,
und die Einheit, die Noach über sie aussprach, soll ewig dauern. Immer aufbehalten für den achten Tag.
wenn Sehern und Japhet einander begegnen, besteht die Möglichkeit zu * Einige Autoren sehen auch eine Reihenfolge dieser vier Elemente nach dem Bilde
einer solchen Einheit. Wo J awan auftritt, stellt sich auch die sajith, die der Aggregatzustände: das bei starker Erhitzung auftretende Gas, das Flüssige und
Olive, ein man könnte sagen, weil die Jonah stets wieder das Zeichen zuletzt das Kälteste, diese Materie. Das Feuer wäre dann der Ausdruck für das Er-
der Olive zur tewa, zum Worte, bringt. hitzende. Natürlich muß man hier an eine andere Wärme denken als an die der mo-
dernen Naturwissenschaft. Wärme ist hier allein ein Ausdruck des Übergehens in
Die vierte, die e domi tis che Gefangenschaft, steht im Zeichen der Ver- andere Welten. Man denke an das Korban-Feuer.
wüstung des zweiten Tempels; sie nimmt damit ihren Anfang. Unsere ** Sajith ist dann nämlich 70-40-1, und schemen ist 2-10-9. Aleph wird 1-30-80
Welt, unsere Realität, nennt man die Verbannung im Zeichen Edoms, geschrieben.
138 II. Der Sinn der Namen bei Jonah D ie Wohnung der Fische 139
4. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

Weil der Mensch sein Dasein im Bilde Gottes hat, darum kennt auch über den siebten zum achten Tag und der Jonah. Bei alldem spielt die
die Frucht des sechsten Tages, des Tages der Erschaffung des Menschen, Taube eine ganz besondere Rolle. Denken wir dann noch an Noach mit
den Einheitsbegriff. Das aus der Olive gepreßte öl ergibt, wie wir schon dem Wert 58, an 580 als dem verborgenen Werte Adams, an die tewa mit
sahen, den Begriff von Gott beide selbstverständlich im Atbasch-Wert, ihrer Halbierung des Weges nach Tarschisch, die Mabul auf dem Punkte
d.h. im Gegensatz zu dem, was hier erscheint. Denken wir auch daran, Tarschisch, so wird uns deutlich, welch eine wunderbare Einheit die Bibel
daß die Taube, die Jonah, es ist, welche die Olive ankündigt und diese ist. Sie ist eine Einheit nicht anders als die ganze Schöpfung, in der auch
Ankündigung geschieht tatsächlich auch am Nachmittag des sechsten Ta- alles zusammenhängt, alles so ineinandergefügt ist, daß man es allein als
ges! Die Taube erscheint also eigentlich, um den Menschen anzukündigen, eine große Einheit fassen kann, und zwar sowohl das, was im Raum er-
das Wesen also, das zugleich das Geheimnis der Einheit und des Göttli- scheint als auch die Ereignisse in der Zeit.
chen in sich trägt. All dies im Atbasch, dem Gegensatz des Erscheinenden,
der die Ergänzung, die andere Seite des hier Erscheinenden darstellt. 4. Die Wohnung der Fische
Wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, fängt man an zu spüren,
was gemeint ist, wenn Jonah als Sohn der Witwe von Zarpath bezeich- Gottes Wort an Jonah lautet, er solle nach Niniveh gehen. Er wird als
net wird,und wenn es von ihm heißt, er sei der Messias, der Sohn Josephs. Sohn Amitais aufgerufen, dessen Name vom Begriff Wahrheit abgeleitet
Denn die Taube kommt ja wirklich, um diesen Menschen anzukündigen, ist. Er soll ein wahres Wort zu sagen haben, eines, das Gott ihm in den
sie bringt ihn in die tewa, das Wort. So trägt auch Jonah das Neue nach Mund legen wird.
Ninive hinein, indem er das Leben bringt, wo eigentlich der Tod kommen Gott sendet den Jonah nach Niniveh, weil dessen Böses zu ihm aufge-
müßte. Der Prophet Eliah ist in der Tat der Vorläufer des Erlösers, und stiegen ist, das Maß vollgemacht hat. Die Botschaft, die Gott durch Jonah
was von ihm im Bericht der Könige erzählt wird, ist eben diese An- aus rich ten läßt, kommt freilich erst zum Ausdruck, als Jo nah endlich in
kündigung. Niniveh anlangt. Dann erst verkündigt er der Stadt, daß ihr noch 40 Tage
Vom Begriff ,,Adam", der sowohl den Begriff ,,Gleichnis" als auch gesetzt seien, nach deren Ablauf sie verwüstet werden solle. Niniveh be-
den Begriff ,,der Rote" in sich birgt, zeigt der Gegenwert im Bereich der deutet soviel wie ,,die Wohnung des Fisches". ,,Nin" ist ein Wort für
Zahlen wieder andere erstaunliche Aspekte. Im ,,Bauplan" ist bereits Fisch. Man erinnere sich an den ,,tanin", den Fisch der Schöpfung
ausgeführt, wie der Mensch- 1-4-40- auf der Basis 1-4 entsteht, dem (Gen. 1, 21), und vergleiche auch mit dem Worte ,,Nun" bei Josua, der
Grundprinzip dieser Schöpfung. Als 45 ist der Mensch auch der volle der Sohn Nuns heißt. Und Nun bedeutet dort auch Fisch.
Wert der Zahl 9, dem Endglied der Einerreihe. Der volle Wert des Wortes ,,Neveh" bedeutet, wie ,,naveh", schön, und ist auch das Wort für
-2s zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Adam ist 625 (111 +zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
434 + 80). Der verborgene Wert, der Wert also, der Haus, Wohnung. Jonah soll also dahin gehen, wo der ,,Nin" wohnt. Man
unter der sichtbaren Oberfläche bleibt, ist 580 (625 minus 45). Das ist kennt diesen Begriff auch als den ,,Ninos", den Fischgott. Was ist nun das
wiederum die Zahl, die im absoluten Sinn stets die Zeitdauer dieser Welt Wesen dieser Welt oder Wohnung des Fisches? Wie man weiß, spielt der
wiedergibt. Der Atbasch-Wert des Wortes ist 510 (400 + 100 + 10). Die Fisch im Leben des Jonah eine ausschlaggebende Rolle. Er trägt dort den
beiden Seiten zusammen, also diese Seite und die Atbasch-Seite, ergeben Namen „Dag". Der Fisch als Wesen besteht, wie alles andere auch, in
den Wert 555 (510 + 45). Damit ist der Mensch genau das Fünffache von dem für uns Absoluten. Wie wir bereits mehrere Male angedeutet haben,
dem, was die Olive in ihrem Atbasch-Wert ausdrückt. Der Zahl 510 wer- tritt alles gerade darum in den uns bekannten Erscheinungsformen auf,
den wir übrigens noch des öfteren begegnen. weil es in der Welt des Wesentlichen bereits da ist. Die große Mannigfal-
Wie wir sehen, besteht also nach allen Seiten hin ein Zusammenhang tigkeit und Vielheit der Arten, ebenso auch die Verschiedenheit und Viel-
zwischen dem Kommen des Menschen, der Ankündigung der Erlösung, heit der Fische kann nur begriffen werden, wenn man von ihrem Vorhan-
den Geheimnissen der Olive und des Salböls, der Entfaltung vom sechsten densein in der Welt des Wesentlichen ausgeht.
140 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah D ie Wohnung der Fische 141
4. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Der Fisch ist das Wasser-Leben. Wenn wir erkannt haben, daß das unter in das Wasser. Hier in der Zeit wird er unsichtbar für das Auge des
Leben in der Zeit auf einer anderen Ebene identisch ist mit dem Leben Bösen, das so sehr darauf aus ist, ihn wieder zu erkennen. Jakob wird
im Wasser, dann verstehen wir auch, daß der Fisch unser Leben in der darum der Segen im Zustand der Umhüllung gespendet, das heißt in
Zeit vorstellt. Die Zeit bedeckt uns wie das Wasser den Fisch und macht dieser Welt der Zeit.
uns für alles, was außerhalb der Zeit besteht, unsichtbar und unauffind- Die Überlieferung berichtet', daß Adam nach dem Genuß der Frucht
bar. Wer hingegen aus der Zeit herausgeholt ist, vermag nicht mehr zu vom Baum der Erkenntnis seinen Leib in den Gichon eintauche, den
unterscheiden, was sich unter dem Mantel der Zeit abspielt. Wer in der zweiten der vier aus Eden kommenden Flüsse. Mitten im Strom bleibt er
Zeit lebt, kann sich nur verschwommen und in groben Umrissen vorstel- stehen, nur sein Haupt ragt aus der Wasserfläche, welche die vier Teile
len, was außer der Zeit lebt. Er hat keine Ahnung von der Schönheit der seines Leibes verbirgt ". Das Wort Gichon, 3-10-8-6-50, ist seiner Struk-
Landschaft, von der strahlenden Sonne und vom nächtlichen Himmels- tur nach verwandt mit dem Worte Gachon, 3-8-6-50, d.h. Bauch. Mit dem
zelt - nur ab und zu empfängt er ein höchst unbestimmtes und indirektes Bauche erhält jetzt die Schlange ihre enge Verbindung mit der Erde.
Bild. Der Mensch in der Zeit fürchtet sich davor, aus dieser Voraussetzung Nun nimmt die Welt der Zeit ihren Anfang. Adam vermag nicht mehr
seiner Existenz herausgeholt zu werden, geradeso wie sich der Fisch davor durch die Zeiten hindurchzuschauen, die anderen Welten entschwinden
fürchtet, aufs Trockene gezogen zu werden. In der Fisch-Welt ,,gehört es seinem Gesichtskreis, und er kann nur mehr wahrnehmen, was ihn un-
sich nicht", sich fangen zu lassen. mittelbar umgibt. Zugleich ist er aber auch dem suchenden bösen Auge
Die Zeit verbirgt den Menschen. Man sagt auch, daß sie ihn vor dem entzogen, das ihn stets von neuem zu schädigen sucht.
,,bösen Auge" verberge, ähnlich wie die Fische im Wasser vor uns verbor- Darum tritt der Mensch in die Welt der Fische ein. Hier ist er be-
gen sind. Das ,,böse Auge" kann nur dann etwas gegen den Menschen aus- schirmt. Seine Bestimmung liegt aber anderswo. In dem Segen, den
richten, wenn er deutlich zu sehen ist. Das ,,böse Auge", ajin ho-ra, der alte Jakob den Josephssöhnen Ephraim und Manasse erteilt, heißt es
trachtet danach, den Menschen deutlich zu erkennen, um ihn zu ver- wörtlich, daß sie sich wie Fische auf Erden, also auf dem Trockenen,
nichten; denn das Kommen des Menschen läuft darauf hinaus, daß der vermehren werden (man vergl. l. Mose 48, 16 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW
ff.). Der Segen besitzt
Entwicklung ein Ende gesetzt wird und eine Umkehr, zurück zum Ur- die Kraft, daß es dem Menschen in der Tat möglich wird, dem ihn ver-
sprung, stattfinden muß. Der Mensch hat nämlich die Kraft des Ursprungs, folgenden Bösen Auge frei und stark gegenüberzutreten. Hier zeigt sich
die Neschamah, in sich und diese sorgt dafür, daß er dahin zurückkehrt. der Sinn des Verbergens,ja des Verbergens von Gott. Es ist ungut, daß die
Alles, was Natur, was normal ist, setzt sich dagegen zur Wehr. Aus diesem 36 Zadikim erkannt werden, es liegt im Gegenteil alles daran, daß sie ver-
Grunde hüllt Gott den Menschen in ein Gewand aus Tierfellen und macht borgen bleiben. Auch der Prophet Eliah tritt stets im Verborgenen auf.
ihn so unerkennbar ähnlich wie auch Rebekka ihren Sohn Jakob ver- Erst wenn er wieder fort ist, läßt sich vermuten oder annehmen, daß er es
kleidet. Auf diese Weise wird er davor bewahrt, getötet zu werden und war. Der große Mensch will als solcher nicht erkannt werden, unter die
seiner Bestimmung zugeführt. anderen will er sich mengen und, durch sie gleichsam bedeckt, im Ganzen
Diese Einkleidung oder Umhüllung bestimmt den Menschen zum Le- aufgehen. So läßt sich auch im Neuen Testament die fortgesetzte Zurück-
ben in der Zeit. Darum heißt es auch, Adam habe zuerst durch alle Zeiten haltung J esu erkennen, der nicht will, daß man über ihn redet und ihn
und Räume hindurchsehen können, in großer Klarheit alles gefüllt, und bekanntmacht. So kommt denn auch das Ende in dem Augenblick, wo
sei auch von allem als solcher erkannt und anerkannt worden. Doch Judas ihn unmißverständlich durch seinen Kuß ,,auszeichnet". Damit
gerade in dieser großen Klarheit erregt er die Aufmerksamkeit der ,,Schlan-
ge", und das ist das erstemal, daß das böse Auge auf den Menschen fällt. * Pir ke de R. Elie ser XzyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIH
X
Es bringt ihn dazu, vom Baum der Erkenntnis zu nehmen und liefert ihn ++ Man kennt die vier Teile als: l. Vom Nacken bis zum Hüftgelenk. 2. Die Schen-
damit an den Tod aus. Der Mensch verliert nun seine Klarheit, er taucht kel bis zum Kniegelenk. 3. Das Bein bis zum Fuße und 4. den Fuß selbst.
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142 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 4. Die Wohnung der Fische 143
6

gibt er ihn dem bösen Auge preis, das auf seinen Untergang sinnt. Es ist ist vom Begriff der Sieben. Bezeichnenderweise trägt auch der siebente
eine Gnade für den Menschen, daß Gott ihn in der Zeit untertaucht, und Sohn Jakobs, Gad, 3-4, diesen Stempel. Bei allem Siebenten ist das, oft
doch weiß der Mensch, daß er einst aus seinem Element herausgeholt in augenfälliger Weise, der Fall. So hat etwa Gad seinerseits wiederum 7
werden wird, geradeso wie die Fische. Söhne. Japhet, dessen Name die Sieben in Form der 490 seines Wertes
Dieser siebte Tag ist jedoch der Tag der Fische. Aus eben diesem ausdrückt, hat ebenfalls sieben Söhne und sieben Enkel, aufgeteilt in je
Grunde steht auch die vierte, die edomitische galuth, im Zeichen der drei und vier (vgl. Gen 10).
Fische, und ebenfalls steht die Mahlzeit, mit der der siebte Tag beginnt, Der volle Wert des Wortes ,,dag" ist 507. Das hedeutet, daß der ver-
in diesem Zeichen. Die Fische begleiten den siebten Tag. Der Leviathan borgene Wert genau 500 beträgt, nämlich 434 + 73 minus 7. Im Verbor-
trägt die Welt des siebten Tages; er bürgt dafür, daß der Mensch diesen genen, d. h. bdeckt durch die äußerliche Erscheinung der Sieben, weist
Tag überlebt. Ohne den Leviathan müßte er vergehen. der Fisch den Wert 500 auf, trägt also die Vollkommenheit des achten
Und doch bereitet sich schon alles darauf vor, daß die Fische gefan- Tages bereits in [Link] Segen für die Kinder seines geliebten und so
gen werden. Sobald nämlich der siebente Tag an sein Ende gelangt ist, er- lange Zeit schmerzlich vermißten Sohnes Jose ph handelt denn auch von
scheint Eliah als der Verkünder des Erlösers; die Mahlzeit des Erlösers ist den Fischen. Ebenso fällt das Kommen und Gehen des Moses unter das
eben dieser Leviathan (,,Bauplan"). Nun ist der Fischfang im vollen Gang, Zeichen der Fische: Moses wird am 7. adar geboren und stirbt am 7.
und was Fisch war, wird, indem es gegessen wird, Teil des neuen Men- adar. Adar ist der 12. Monat und steht unter dem mase! Dagim, dem Zei-
schen. chen der Fische. Die Offenbarung gelangt zu uns auf dem Weg über dieses
Wir wiederholen: die Welt des siebten Tages ist die Welt der Fische. Bild, diesen Ausdruck; sie ist mit dem siebten Tag verbunden.
Und obwohl der Mensch das Wissen um die Erlösung bereits in sich trägt, Ohne darauf näher eingehen zu können, soll doch noch erwähnt wer-
vom achten Tag schon gekostet hat, ja selbst aus der achten Schöpfungs- den, daß auch das Wort nin für Fisch manche besonderen Aspekte zeigt.
tat hervorging, ist doch die Welt, worin er hier atmet, noch die Welt der Der Atbasch-Wert beträgt 58(9-40-9), der volle Wert 232 (106 + 20+ 106);
Zeit, des Wassers. Er lebt also im Zeichen der Fische. Aber wenn er sich beide verhalten sich wie eins zu vier. Man kann daraus die Bedeutung des
den Bericht von Jonah vergegenwärtigt, so weiß er, daß der Sinn dieses Atbaschs gegenüber dem vollen Wert ablesen. Gerade bei diesem dem
Lebens darin besteht, nach Niniveh, der Wohnung der Fische, zu gehen Wasser gemäßen Leben, dem Leben im Meer, im ,,jam", 10-40, tritt beim
und zu verkündigen, daß es mit der Zeit, den ,, Vierzig", zuende geht. Weil Fisch, beim ,,tanin", diese für den siebenten Tag so bestimmende Propor-
er in der Zeit nichts anderes sehen wollte als die zeitliche Welt, darum ist tion hervor.
ihm die Welt und die ganze Schöpfung sinnlos geworden. In Niniveh, der Fisch-Wohnung, hat also das Leben des 7. Tags seinen
Wie bereits ausgeführt wurde, bilden der sechste, siebte und achte Tag Ursprung und Kern. Von Jonah aus gesehen liegt Niniveh östlich - in der
eine Einheit, eine Einheit, in der der siebte Tag die Achse oder das Zen- Vergangenheit liegt in der Zeit-Welt der Ursprung. Das ihm aufgetragene
trum darstellt. Der Mensch steht hier fortwährend in Verbindung sowohl Wort geht dahin, daß für diese Welt der Fische das Ende naht. Und in der
mit dem, was im Fluß der Zeit als Vergangenheit erscheint als auch mit Tat, 40 Tage soll ihr Leben noch dauern, d.h. die Zeit durchleben sie
dem, was fur ihn noch Erwartung, Zukunft ist. Im Zusammenhang mit noch, danach aber kommt das Ende. Es kommt, weil das Böse, das ,,ra",
den Fischen ist der siebte Tag entscheidend: wird er im Trockenen en- voll ist, seinen Zweck erfüllt hat. Nun ist es aufgestiegen vor Gott, und
den? Ist dem Menschen die Begegnung mit dem Fisch wirklich bewußt fortan soll alles umgekehrt werden.
geworden? Darum ist die Mahlzeit der Fische so bedeutungsvoll. Die Welt des siebten Tages lebt innerhalb der Grenzen der Zeit, gera-
Im Fisch des siebenten Tages ist uns ein großes Geheimnis gegeben: deso wie die Fische im Wasser. Das Wasser ist ja ,,mem", 40. Wie soll
der Fisch ist stumm, er spricht nicht in dieser Welt; es ist ihm nicht gege- ein Fisch außerhalb des Wassers leben, wie ein Mensch außerhalb der
Zeit? Wenn das Böse seinen Zweck erfüllt hat, wird es hinweggenommen
ben, sich zu äußern. Sein Name: dag, 4-3, zeigt deutlich, daß er geprägt zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
144 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 5. D ie Stadt des Siebten Tages 145
werden. Es hat diesem ganzen Leben des siebenten Tages die Grundlage ,,Aufstand"; er ist es, der gegen Gott aufsteht, er will sich das Königtum
gegeben. Wird es nun wieder hin weggenommen, so hat dieses Leben nichts aneignen. Er ist der ,,große Jäger", der die ,Vier" einfangen will, die sich
mehr, auf dem es ruhen kann, und alles stürzt zusammen. Das Maß der ihm jedoch stets wieder entzieht und eben damit den bestimmt, der ihr
Dauer für diese Welt ist der absolute Begriff der Zahl 40. Niniveh stellt nachstellt, der seine Tage und Nächte der Jagd widmet, weil er nach
das Wesentliche, den Kern dieser Welt der Zeit dar, von dem alle Wirkung nichts anderem trachtet, als wie er über sie herrschen und sie sich dienst-
ausgeht. In jedem Menschen ist dieses Niniveh gegenwärtig, in jedem Men- bar machen kann. Nimrod jagt, der Überlieferung ach ", mit dem Mun-
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYX
schen mahnt aber auch die Stimme Gottes, nach Niniveh zu gehen und de; er versteht es, zu überzeugen und zu überreden. Er führt den Menschen
die Botschaft von den 40 Tagen, von der danach bevorstehenden Umkeh- von Gott weg und reizt ihn zum Aufstand gegen Gott. Seine Beredtheit
rung aller Dinge zu verkünden. weiß den Eindruck zu erwecken, als ob der Mensch seine Bestimmung nur
Aber wie kann der Mensch das tun, wenn ihm doch diese Welt mit all dadurch erfüllen könne, daß er selbst das Königtum an sich reiße. Gott
ihrer Wachstumskraft, ihrer Schönheit, ihrem in allem Erscheinenden oft aber gewährt dem Nimrod eine Frist. Im Namen Nimrod liegt auch der
so überzeugenden logischen Sinn gegeben wird? Der Mensch sieht sich Begriff des Herabsteigens: ,,red". Nimrod steigt herab bis zurGrundalles
stets diesem Widerspruch gegenübergestellt. Er erkennt den Baum des Irdischen; er befestigt seine Herrschaft, indem er vom Niedrigsten und
Lebens und hat zugleich das Gespräch mit der Schlange, der nachasch, Äußersten Besitz ergreift. Im Worte ,,mored", 40-200-4, d.h. sich empö-
über den Baum der Erkenntnis. Der Baum der Erkenntnis lockt, er über- ren, steckt eben dies Herabsteigen, das die Wurzel des Namens Nimrod,
zeugt verstandesmäßig, folgerichtig; er hat die Anziehungskraft, die wir 50-40-200-4, darstellt.
als Trieb bezeichnen, und es ist eine Wonne, den Weg der Entwicklung zu Sobald Nimrod die Macht übernimmt, zieht sich Aschur aus diesem
gehen. Darum kann der Mensch die Botschaft nicht in sein Innerstes, in Königreich zurück. Aschur sieht nämlich, wie seine Kinder durch Nimrod
die Wohnung des Fisches, hineintragen. Wieder erhebt sich hier die Frage, dazu überredet werden, sich dem Turmbau zu widmen, um auf dem ma-
wie überhaupt die Welt Bestand haben könnte, wenn der Mensch Gottes teriellen Weg den Himmel zu erlangen •
Befehl sogleich folgte und nach Niniveh ginge. Wie könnte sich die Welt Dies alles vollzieht sich auch in jedem einzelnen Menschen; darauf
entfalten, wenn der Mensch schon zu Beginn vom Baum des Lebens beruht gleichsam sein Dasein. Es kommt nur darauf an, wie der Mensch
nähme und den Baum der Erkenntnis stehen ließe? diese Aspekte in seinem Leben realisiert und welche bei ihm lebendig
Niniveh ist also im Menschen der Bereich, der es ihm ermöglicht, in werden. Es kann sein, daß der Nimrod-Aspekt überwiegt; dann ist er ein
dieser Zeit zu leben, gleichsam wie ein Fisch im Wasser. Niniveh ist im ,,Gilgul" Nimrods. Doch zum Menschen gehört auch der Begriff Aschur.
Menschen verborgen, es liegt in der Vergangenheit, ist durch anderes Dieser zweite Sohn Sehems erträgt, wie gesagt, das Königtum Nimrods
überdeckt. Dort am Anfang nämlich, wo der Mensch in seiner Vielheit nicht. Nimrod bringt den Menschen zum Bau des ,,Migdal", 40-3-4-30,
entworfen wird, jeder Einzelne in der Vielheit der ,,Siebzig", wird auch d.h. des Turmes, der die Verheißung in sich zu schließen scheint, auch
Niniveh, das ,Haus des Fisches", in ihm gebaut. den Himmel, den Kern aller Dinge, erobern und in Besitz nehmen zu
können. Daran will Aschur jedoch kein Teil haben. Von seinem Vater
5. Die Stadt des Siebten Tages Sehern her kennt er das Andere, weiß er, wie man Gott in Wirklichkeit
naht. So zieht Aschur hinweg, und die Sprache, das in sich einzigartige
Wann aber entsteht Niniveh beim Menschen? Die Antwort lautet: Wort, bleibt bei Sehern und Aschur erhalten und bewahrt. Auf den Turm-
Wenn Nimrod aus Kusch, dem Sohne Chams, hervorgeht und Nimrod der bau folgt konsequenterweise die ,,Haflaga" (,,Bauplan" und ,,Esther"),
Welt und damit dem Menschen das Gepräge gibt, wenn er der König der und damit der Verlust des Wortes, der Bruch, die Zersplitterung, das
Welt wird (,,Esther"). Dann nämlich zieht Aschur, der Sohn Sehems, aus
dieser Welt weg (Gen. 10, 8-13).Nimrod hat in seinem Namen den Begriff zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
• Midrasch Bereschith Rabba, siehe auch Raschi zu dieser Stelle.
147
5. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
D ie Stadt des Siebten Tages
146 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah
Prinzip der Verwirrung. Nur bei Sehern bleibt die Ursprache, das Ur-Wort, weichlich ist, sobald die 40 vorbei sind, und daß dann alles ,,umgekehrt"
erhalten; die Schrift aber, d.h. die Form, die Erscheinung der Ursprache, wird. Aber man flieht dieses Wissen, man will lieber den Weg der Selb-
stammt von Aschur. Sehern und Ewer lehren das Wort, Aschur steuert ständigkeit gehen, den Weg mit den Kräften der Sechs, den Gegebenhei-
die Buchstaben bei. ten des sechsten Tages. Folgerichtig verbirgt sich in dem Schiff, oniah,
Von den vier Städten, die Aschur nun gründet, trägt die erste den 1-50-10-5, das Jonah benutzt, der Inbegriff der Sechs, nämlich die Zahl
Namen Niniveh. Diese Stadt verdankt also ihren Ursprung der Weigerung 66. Wie Jonah, so bedient sich der Mensch der 66 zur Flucht, aber er
Aschurs, am Turm mitzubauen. Niniveh bedeutet daher zugleich auch wird vom ,,dag", dem Fisch, also der Sieben, verschlungen. Tarschisch
eine Rettung von der Haflaga. Für das Leben des siebten Tages wird diese als die ,,Form der Sechs" setzt man sich zum Ziel, doch die Sieben, der
Stadt zum eigentlichen Zentrum. In ihr findet der Mensch Zuflucht für Fisch, verhindert es. Man gelangt nicht an dieses Ziel. Wie die Überliefe-
sein weiteres Dasein nach dem Falle des 6. Tages. Jeder Fall des Menschen rung zu erzählen weiß, wurde der Fisch, der Jonah verschlingt, schon von
steht unter dem Zeichen der ,,Sechs" sowie der zweiten Hälfte des Frei- der Schöpfung her in Bereitschaft gehalten die Bewahrung des Men-
tags. Darum spielt sich auch die Haflaga im Zeichen der Sechs ab (,,Bau- schen ist in der Schöpfung bereits vorgesehen.
plan"), und der Auszug aus Mizrajim ist als solcher ein Auszug aus der Wenn Niniveh durch Aschur gebaut wird, dann weiß also der Mensch,
Sechs, weil man darin unterzugehen droht. Aus diesem Grunde ist auch was dieser 7. Tag in sich schließt: das Fische-Leben, das Leben im Wasser,
der Name Tarschisch eine Verbindung von ,,tar", das im Aramäischen der 40, der mem. Der Fisch wird zu seinem Zeichen; es ist ihm vorbehal-
soviel wie Form bedeutet (vgl. auch den Aufbau des Namens Esther), ten, während der ganzen Dauer des 7. Tages von dem Fisch zu essen; in
und ,,schisch", d.h. sechs. Wer nach Tarschisch aufbricht, will nach der allem, was ihn in dieser Welt umgibt, begegnet er fortwährend dem
Form der Sechs, er will den Weg und die Kraft der Sechs. Man denke auch Fisch und er muß ihm begegnen in der Heiligung des 7. Tages. Denken
an das Wort ,,Hexe", abgeleitet von ,,hexa", d.h. sechs. wir daran, daß diese Welt auf dem Leviathan ruht.
Aus der Sechs gibt es jedoch stets ein Entkommen nach der Sieben, Dieses ,,neveh" des ,,nin" hat noch einige weitere Aspekte, die hier,
dem Sabbath. So baut auch Aschur die Stadt und gibt ihr den Namen sei es auch nur in Kürze, aufgezeigt werden sollen. Welche Ideen liegen
,,Wohnung des Fisches", in der die Welt der Zeit eine Bleibe findet. Gott im Begriff der Wohnung? Aus seinem Aufbau aus 6-5, waw und he, kann
birgt den Menschen in der Zeit davor, von den Kräften der Sechs angefal- man darauf schließen, daß das Wort auch diese Welt der 6-5 ausdrückt,
len und aufgezehrt zu werden. Die Wohnung des Fisches ist diese Welt die sich mit der 10-5 bei Gott verbinden muß. Sogar das Wort Niniveh
mit ihrer auf den siebten Tag hingerichteten Rettung. Niniveh ist alle als ganzes, 50-10-50-6-5, hat mit seinem Wert von 121 diese 6-5 in voll-
endeter Form in sich, denn ( 6- 5) 2 ist 11 2.
Zeit die ,,große Stadt", wie sie in Gen 10, 12 *zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
genannt wird, ein ent-
scheidender Ausgangspunkt dieses Lebens. ,,Neveh", 50-6-5, hat mit seinem Wert von 61 die Bedeutung der zwan-
Die Grundlage des Lebens im siebten Tag ist das so unbegreifliche zigsten Primzahl, also des doppelten ,,Jod" in sich, ein Ausdruck des
,,ra". Ohne dasselbe wäre ein Leben in dieser Welt unmöglich; auf Schritt Gottesnamens. Der Atbasch-Wert von Neveh ist 179', was dem uns aus
und Tritt erweist es sich als die materielle Grundlage, und dennoch muß dem ,,Bauplan" bereits bekannten Begriff des ,,Gan-be-Eden", des Gar-
es stets abgewiesen werden. Zwischen Gut und Böse, zwischen ,,tow" tens in Eden, gleichkommt. Ferner äußert sich darin auch der Begriff des
und ,,ra" muß man stets unterscheiden. Wer hier lebt, weiß ja auch, daß Seins zwischen Beth-El und ho-Ai, nämlich der halbe Wert von 358, der
eben durch das Ra einst das Leben wieder zu seinem Ende kommt, sind Zahl für ,,Maschiach". Diese Wohnung ist also derselbe zentrale Platz, wo
es doch die nämlichen Kräfte des Wachstums, der Fortpflanzung, durch alles wesentliche Geschehen sich im Kern schon abwickelt.
die auch der Tod seinen Einzug hält. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
M an w eiß hier, daß das Ende unaus- Der darin wohnende ,,Nin" hat, wie wir bereits sahen, den Atbasch-

Siehe Raschi zu dieser Stelle. nämlich 9-80-90.


»

148 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 5. Die Stadt des Siebten Tages 149

Wert 58. Diese 58 wohnt demgemäß in der besonderen Wohnung des Gar- lichkeit abzuwandeln. Der Name Gottes also ist vielgestaltig, alles andere
tens Eden. Dort ist all das bereits vorhanden, wenn wir das Ganze in sei- hingegen starr und unveränderlich, ausgenommen dann, wenn im betref-
nem Gegenstück, seiner hier nicht sichtbar werdenden Seite, betrachten. fenden Wort Buchstaben aus dem Gottesnamen vorkommen; denn dann
Noach (50-8) lebt dort er, der die Jonah aussendet aus dem ,,Wort". ist etwas Besonderes an ihm, dann leuchtet etwas auf, was unmittelbar
Der Atbasch-Wert von Niniveh in seinem Aufbau von ,,nin" und mit dem Namen zu tun hat, unter dem Gott hier erscheint und der sich
auch in den 26 Geschlechtern ausdrückt, die den gesamten Weg dieser
,,neveh", den Buchstaben ,,nun" beim ,,schwo" verdoppelnd, ist 58 + 179 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
= 237. Zusammen mit dem sichtbaren Wert von Niniveh, 50-10-50-6-5, Welt darstellen.
also 121, bildet er die 358, die Zahl des Maschiach, das Doppelte von Ich habe schon früher ("Symbolik") auf den besonderen Charak-
,,Gan-be-Eden'' oder des Abstands von Beth-El bis ho-Ai. ter dieser Buchstaben bzw. Zahlen hingewiesen. Wie die Überlieferung zu
In Niniveh konzentriert sich also sehr vieles. Mit Worten kann aber erzählen weiß", eignet den Buchstaben 1, 5, 6 und 10 etwas Besonderes,
bei dieser Gelegenheit schwerlich mehr als dies Wenige gesagt werden. sie markieren nämlich in der Reihe Anfang und Ende, sowie auch die
Diejenigen, denen ein gutes Verständnis gegeben ist, werden gleichwohl beiden mittleren Plätze. In ihrer Zahlenerscheinung zeigen diese den Got-
etwas damit anfangen können. tesnamen bauenden Buchstaben, in welche Potenz auch immer erhoben,
Im gewöhnlichen äußerlichen Wert ist Niniveh, wie wir bereits sahen, auf der Ebene der Einheiten stets das Unveränderliche. Hier äußert sich
121,die 11' oder genauer (6- 5)°. Im vollen Wert kann Niniveh mehrere wieder das Unveränderliche von Gottes Namen. Die 1, 5, 6 und 10 blei-
Formen annehmen. Wir stoßen hier, was die Kenntnis des vollen Wertes ben in jeder Potenzierung in den Einheiten stets 1, 5, 6 und O. Das ist
betrifft, auf eine Besonderheit. Bekanntlich kommt der volle Wert da- sonst bei keiner Zahl, keinem Buchstaben der Fall.
durch zustande, daß jeder Buchstabe vollständig ausgesprochen wird und Die Buchstaben des Namens 10-5-6-5 bilden ferner, jeder in seinem
man die Werte jedes Buchstabens nimmt, wie er vollständig ausgespro- Quadrat, also in seiner äußersten Konsequenz, jenen Namen Gottes,
chen, oder besser: vollständig gewußt zustandekommt. Der Buchstabe welcher ,,Makom" heißt. Makom übersetzt man mit ,,Platz", was besagen
,aleph" z.B. entspricht im normalen äußerlichen Wert der Eins, ausge- will, daß Gottes Platz überall ist, daß Gott alles faßt, daß es keinen Platz,
sprochen aber dem Wert 1-30-80 = 111. Man gelangt auf diese Weise zur keinen Raum gibt, wo Gott nicht anwesend wäre. Platz ist Gott: die Tat-
Kenntnis der vollen Werte aller Buchstaben. Für einzelne, selbstverständ- sache, daß es Raum gibt, geht auf Gott zurück; Er gibt den Raum. Bei
lich besonders ausgezeichnete Lettern, kann nun aber der Wert wechseln. der Schöpfung ist es ja sein Zimzum, welcher den Raum schafft.
Das gilt für die Buchstaben he, waw und jod, 5, 6 und 1 O, also gerade für Die Quadratierung also- 10?+ 5?+6?+5?- ergibt die absolute
die Bausteine des Gottesnamens. Die Buchstaben desselben 10-5-6-5- Zahl 186, die Zahl von Makom, 40-100-6-40. Gottes Ausdruck in den 26,
haben mehrere Aussprache- und Schreibmöglichkeiten. Daraus leiten sich d.h. den 10-5-6-5 Geschlechtern bewirkt, daß alles mit Gottes Anwesen-
die verschiedenen Werte dieses Namens ab, so wie 42, 63 und 72. Der heit erfüllt wird. Die Buchstaben des Gottesnamens sind also ganz beson-
Herr als der ,,Eine", gerade Er, erscheint also in vielerlei Möglichkeiten. derer Natur, und eben darum haben sie und sie allein die Eigenschaft
Der wirkliche ,,Eine" ist eine lebendige große Harmonie. Der Mensch der Wandelbarkeit. Die 10 wird gesprochen als ,,jod", geschrieben jod
würde nun eigentlich erwarten, daß alles andere veränderlich sei, nur nicht -waw-daleth, 10-6-4, aber ebenso auch als jod-daleth, 10-4. Damit ist der
der Name Gottes. Die Überlieferung kennt jedoch die 70 bzw. 72 Na- volle Wert des Buchstabensjod 20 bzw. 14, sozusagen je nach dem Na-
men Gottes; sie weiß den einen in der Bibel erscheinenden Namen- men Gottes, der dann erscheint.
10-5-6-5-, der mit ,,Herr" übersetzt wird, in großer Verschiedenheit ab- Die 6, waw, wird ihrerseits geschrieben als waw-jod-waw, als waw-
zuwandeln; denn Gott erscheint in der Vielheit, der Verschiedenheit. aleph-waw, oder auch als waw-waw. Das ergibt sowohl 22 als auch 13,
Ganz abgesehen von der Schreibweise des Namens versteht die Überliefe-
rung auch die nicht geschriebenen Vokale noch in großer Unterschied- Ibn Esra spricht eingehender von dieser Prinzipien.
' zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDC

150 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 6. Der Widerspruch der Sendung 151
bzw. 12. Die 5, he, wird ausgedrückt als he-jod, he-he, oder als he-aleph, Der volle Wert von Niniveh variiert demgemäß zwischen 244 und
also 15, 10 oder 6. Diese verschiedenen Schreibweisen bedeuten also sehr 269. Der Name Jonah, ebenfalls auf diese Weise betrachtet, zeigt als
viele Variationsmöglichkeiten. An den Rechenkundigen wäre es, die An- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
äußerlichen Wert 71 (10-6-50-5). Das ist eine besondere Zahl. Wir ken-
zahl dieser Möglichkeiten zu berechnen. Es gibt Wörter mit einem, zwei nen sie als 70 + 1, die Eins gegenüber der Vielheit der Siebzig. In Jonah
oder drei dieser Buchstaben. So leuchtet diese Besonderheit der Buchsta- ist alles versammelt, die Eins sowohl wie die Vielheit, die Bestimmung
ben des Gottesnamens durch alle Möglichkeiten hin auf, bringt Bewegung und der Wille, nach Niniveh zu gehen, aber auch der Wille und die Be-
und jeweils eigenen Sinn hinein . stimmung, sich auf den Weg nach Tarschisch zu machen.
Aus alldem geht hervor, daß der Name Niniveh mehrere Erscheinungs-
formen hat. Nicht umsonst enthält er alle drei wandelbaren Buchstaben,
6. Der Widerspruch der Sendung
die 5, 6 und 10, die ihm verschiedene Facetten verleihen. Dasselbe gilt
auch für den Namen Jonah. Das bedeutet, daß die Begriffe Niniveh und
Jonah die Kraft besitzen, auf stets andere Weise zu erscheinen. Während die männliche Form} awan als der Inbegriff der 66 (10-6-50)
das Streben ausdrückt, dem Weg und den Möglichkeiten der Sechs zu fol-
Man wird verstehen, daß Worte, die aus einem oder mehreren dieser Buchstaben
gen, enthält die weibliche Form die Endung mit ,,he", 5, macht Jonah
gebaut sind, eine besondere Bedeutung und auch eine besondere Kraft besitzen.
Aus dem innersten Kern sind spezielle Funken in diese Worte eingegangen. Es sind im Hebräischen zu einem weiblichen Wort gerade diese 71 und zeigt da-
daher ganz besonders lebensvolle Worte. Obwohl ihr äußerer Wert feststeht, sieht mit an, daß die Rückkehr festgelegt ist. Sonst heißt es ,,normal", daß
man, wie ihr voller und verborgener Wert sich auf mehrere Weisen ausdrücken kön- das Weibliche dem Menschen die Entwicklung eingibt, so daß er wächst,
nen. So verleiht die Variation dieser Werte im Namen Gottes, wo jeder der vier sich mehrt und sich vom Ursprung entfernt. Man denke nur an das Ge-
Buchstaben mehrere Werte besitzt, diesem Namen seine ganz besondere Kraft. Es
spräch der Frau mit der Schlange und die Folgen ihres noch stets andau-
drückt sich hierin auch das Prinzip aus, welches besagt, daß Gott sich in den der
Welt erscheinenden Eigenschaften stets zu ändern vermag, von Strenge zu Güte, von ernden Dialogs (,,Bauplan"). Hier aber wirkt die weibliche Kraft gerade
Ungeduld zu Langmut. Das ist denn auch das eigentliche Geheimnis der verschie- umkehrend, und das ist auch das große Wunder des Messias-ben-Jose ph!
denen Zahlen-Äquivalente des Namens ,,Herr". Hierin liegt auch die Erklärung für die Kraft des Reiches Israel, dem der
Wenn alle vier Buchstaben in ihrem höchsten vollen Wert geschrieben werden, Prophet Eliah diesen Messias verkündet. Er verkündet ihn im Schoße des
ergibt sich so der Name, der die Zahl 72 ausdrückt. Schreibt man aber jod als 14,
,,Ra", unter Achab, diesem dramatischen, tragischen König mit seinem
das erste he als 10, waw als 12 und das zweite he als 6 (s. Tabelle auf S. 71), dann
drückt der Name die Zahl 42 aus. Wenn waw als 13 gesehen wird und die anderen ,,bösen" Weib Ise bel, der bezeichnenderweise im 58. Jahr die Regierung
Buchstaben in ihrem höchsten Wert genommen werden, so ergibt der Name die Israels antritt. Aber die Kraft der Rückkehr ersteht eben gerade da, im
Zahl 63. Kennt man nun die Namen der Buchstaben, und vor allem, wird man ihre Norden, im Reich des Leiblichen. Die Jonah ist so beschaffen, daß es sie
Bedeutung inne, so kann man sich vorstellen, welche Änderungen eintreten, wenn zuerst weit weg tragen muß, wo sie Angst und Entsetzen durchkostet,
sich z.B. he als he-jod, als he-he oder als he-aleph ausdrückt. Hier herrscht aber kei-
nerlei Willkür, sondern ein genaues Wissen um die Bedeutung von Namen und Zah-
ehe sie endlich zurückkehren kann. Alles, was im Begriffe ist, auf ewig
len, von den Proportionen des Kerns der Schöpfung. Und gerade auf diesem genau- verloren zu gehen, kehrt durch Jonah zurück.
en Wissen beruht die Sicherheit, daß Gott immer wieder seine Liebe walten lassen Es handelt sich um die Jonah-Kraft, die allem Erscheinenden, allem
und daß man sich immer an ihn wenden kann. Eben das ist es, was felsenfest steht, Leibgewordenen, innewohnt, um es zurückzuholen. Sie ist weiblich im
daß Gott sich erbitten lassen kann. Die Welt scheint unveränderlich und kennt diese
Manne, hier aber weiblich im Sinne von Umkehr bewirkend. Beide Kräfte
Unveränderlichkeit als Gesetz, aber Gott ist als einzig wirklich Lebendiger immer
gegenwärtig, und er kann von Güte zu Strenge, und von Strenge zu Vergebung sind in Jonah vereinigt, die ,70' ebenso wie die ,,1". Es ist wie mit dem
wechseln. Baum, der Frucht ist und Frucht macht. Hier ist es die Taube, die zu ih-
Alles, was diese Buchstaben aus dem Gottesnamen als Funken enthält, zeigt die rem Ausgangspunkt zurückkehrt, das Weibliche, das dies bewirkt. Ebenso
gleiche Möglichkeit zur Durchbrechung des Naturgesetzes, die Potenz zum Wunder. wie der Prophet Jonah aus Israel, der weiblichen, der körperlichen Seite
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152 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 6. Der Widerspruch der Sendung 153
der beiden Reiche kommt, von dem Vater aus Ascher und der Mutter Bestandteil des ,,Tenach" ist. Sobald man etwas tiefer in die Struktur
aus Sebalon, Jonah, als Kind der Witwe von Zarpath. dieses Begriffs Jonah eindringt, stößt man auf verschiedene überraschende
Schon die Struktur des Namens Jonah ist besonderer Natur. Man Aspekte. Es erweist sich, daß dieser Name zusammen mit seinem vollen
kennt in der Überlieferung auch die Wertung der Buchstaben gemäß ihrem Wert den Begriff 225, das Komplement (10 + 5) 2 ergibt, das dem (6 + 5) 2
sogenannten kleinen Wert, d.h. man drückt, indem man, wo nötig, redu- von Niniveh gegenübersteht. Jonahs Kommen nach Niniveh bringt die
ziert, alle Werte aus in der Reihe zwischen 1 und 10. Der Name Jonah immer erwartete und erhoffte Verbindung der 10-5 mit der 6-5 zustande
wird so zu 10-6-5-5. ,,Nun", 50, wird also als 5 gesehen. Wir gewahren (,,Bauplan"). Sein Name enthält ja den Wert 71, während sein voller Wert
also, daß Jonah dieselben Bausteine aufweist, nur anders geordnet, wie der Buchstabe he als 6 gerechnet 154 (20-22-106-6) beträgt. Nun
der Name des Herrn, 10-5-6-5. Das weist wiederum darauf hin, daß mit bringt das Kommen Jonahs nach Niniveh das zur großen Einheit Fehlen-
dem Jonah-Bericht sehr viel ausgedrückt wird. de hinzu, nämlich die Verbindung des jod-he mit dem waw-he.
Auch Niniveh besitzt diesen Aufbau, allein hier ist zusätzlich noch Darum zeigt auch der Atbasch-Wert von Jonah (40-80-9-90) zusam-
eine 5 vorhanden. Jo nah hat also eine Botschaft für Niniveh: die Be- men mit dem vollen Wert- nun aber auf anderer Ebene, nämlich als
fristung der Zeit für den Menschen. Niniveh auf sich selbst gestellt, drückt 14-13-106-6, den Wert 358 (219 + 139). Mit anderen Worten: Jonah
mit seinen (6 +zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
5) 2=121 aus, daß das Ende in der Tat in seinem Wesen kann für Niniveh der Messias sein. Darum erzählt die Überlieferung, daß
beschlossen ist. Niniveh kann man nichts anderes ausrichten, als daß ihm der Sohn der Witwe von Zarfath sowohl Jonah als auch der Messias, der
sein Ende bestimmt ist, ebenso wie man auch darauf hinweisen muß, daß Sohn Josephs, sei.
dem ,,siebten Tag" sein Ende bevorsteht. Die Botschaft Jonahs lautet Es liegt also auf der Hand. Aber warum zögert Jonah dennoch, nach
denn auch so, daß das Ende des Lebens, der Welt, ja das Ende von allem Niniveh zu gehen? Er ist doch ein Nawi, er vernimmt Gottes Rede, er
kommt. müßte doch verstehen? Pape l
-24 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONML
Aber ist es nicht ungeheuer wichtig, die Botschaft der Realität, der Immer wieder die alte Frage: Warum nimmt der Mensch im Garten
Wahrheit zu vernehmen? Warum also verfügt sich Jonah nicht ungesäumt Eden ausgerechnet das, was er nicht nehmen soll, und läßt unbeachtet,
nach Niniveh? Gott sendet ihn doch, wie es heißt! Aber was besagt eigent- was Gott für ihn bereitet hat? Wir antworten: Weil sich sonst die ganze
lich das Wort, mit dem er betraut ist, wenn es doch nur das nahende Geschichte nicht entfaltet hätte. Gott will offenbar, daß der Mensch
Ende für Niniveh, diese Fisch-Welt, verkündet? Welcher Spielraum für das durch die Welt und durch die Zeiten zieht, die große ,,Reise" unter-
Tun des Menschen bleibt noch, wenn das im Namen Gottes selbst verkün- nimmt. In gleicher Weise läßt ihn Gott ja auch den langen Weg von
det wird? Darum meidet der Mensch lieber alles Reden vom Ende und Mizraim nach Kanaan ziehen, und nicht den verlockend kurzen und ge-
Tod. Das steht doch sowieso fest, sagt er sich wozu noch viele Worte bahnten Weg.
darüber machen? Und so läßt der Mensch davon ab, diese Botschaft aus- Der Kern der Antwort aber liegt in folgendem: Weil Gott um der
zurichten. Er wendet sich bewußt von diesem Bekenntnis ab, um sich Erschaffung der Welt willen seine Ruhe in der vormaligen Einheit aufgibt,
ganz dem Leben und der Entwicklung der materiellen Welt zuzuwenden; um den Abstieg einzuleiten, weil er die Schechinah aussendet und der
und indem er selbst alles in die Hände nimmt, setzt er sich Tarschisch Verbannung aussetzt, so die Gefangenschaft auch dem Liebsten seiner
als Ziel. Schöpfung auferlegend. All das geschieht, damit die große Einswerdung
Ist es aber nichts weiter als der Tod, das ungemilderte Chaos, weswe- erlebt werden kann, das Wiedererkennen des Lichtes, von dem alle Schöp-
gen er mit Niniveh in Berührung kommen soll? Sollte seine Anwesenheit fung ausgegangen ist. Hier liegt der Ursprung des Geheimnisses, das uns
in Niniveh keiner positiveren Absicht entsprechen? stets von neuem zu der Frage veranlaßt: Warum all das Irren, all der Um-
Schon der äußerliche Aufbau des Namens Jonah läßt etwas Derartiges weg, all die Wechselfälle der großen Reise? Warum kann der Weg nicht
vermuten. Man vergesse nicht, daß auch Jonah zu den Realitäten gehört, stracks zum Ziel führen warum geht Jonah nicht ohne Säumen nach
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

154 II. Der Sinn der Namen bei Jonah 6. Der Widerspruch der Sendung 155
Niniveh? Weil Gott den Fisch schon von der Schöpfung an dazu auserse- erhalten? Er weiß, so wird in der Überlieferung gesagt, daß Niniveh
hen hat, Jonah in seinem Bauch aufzunehmen? Soll der Fisch umsonst auf doch zu Gott zurückkehren, und daß diese Teschuwah ungeahnte Kräfte
der Lauer liegen, weil der brave Jonah sich sogleich nach Niniveh verfügt? aufrufen wird, so daß alles einen anderen Verlauf nehmen wird, als man
Hätte Gott die Schöpfung nicht ins Werk gesetzt, so wäre der brave Jonah es je für möglich gehalten hätte. Jonah weiß auch, daß Israel seine Ohren
freilich sogleich in Niniveh angelangt, so hätte die Frau die Schlange ab- verschließt, soviele Propheten ihm auch erstehen, so daß ihm von seiten
gewiesen, so wäre noch alles im Umkreis von ,,Eden". Aber Gott selbst des durch seine teschuwah bewahrten Ninivehs der Untergang droht.
begibt sich seiner Ruhe, und das ist eben das Geheimnis der großen Viel- Die Überlieferung erzählt, daß Jonah vor seinem Auftrag flieht, weil er
fältigkeit des Geschehens, damit entsteht das eigene Wirken der Kraft all das weiß.
,,Ra", wodurch die Welt gedeiht. Dieses Ra aber behauptet sich, es ist Das scheint ein wohlbegreiflicher, aber doch eng nationalistischer
das Geheimnis des Aufbrechens Gottes aus seiner Ruhe, da er die Schöp- Beweggrund zu sein. Die Hauptstadt des Reiches, das Israel einst in höch-
fung gründet. Unerbittlich, mitleidlos, setzt es sein Recht. Das Ra ver- ste Not bringen wird, darf auf keinen Fall Gelegenheit zur Umkehr zu
ursacht Qual und bringt Leid, zu allererst für Gott selbst, der sich dieser Gott erhalten, sondern soll besser untergehen. Was den Beweggrund noch
Schöpfung entäußert, damit sie das Glück des Einswerdens kennenlerne. schwächer macht, ist die vorausgesetzte Befürchtung, daß Niniveh Gottes
Gott aber geht mit der Schöpfung mit, wie er denn auch sagt, daß er Wort unmittelbar Folge leisten werde, während das bedrohte Israel jede
nach Mizraim mitgehe, wenn Jakob mit den Seinen dahin hinabsteigt. göttliche Warnung in den Wind schlägt. Sollte Niniveh, das doch auf das
Darum hat alles den Zug zur Vielheit, zur materiellen Entfaltung, obwohl Wort des Propheten hin in sich geht, nicht auch des Erbarmens würdig
es ihm zu Hause besser ginge. Daß sich alles in der Vielheit verästelt, ge- sein? Und wenn nicht, müßte Israel nicht umso eindringlicher zur Buße
schieht aus eben diesem Grunde: damit es die große und überraschende aufgerufen werden, damit es und sei es auch nur in letzter Stunde -
Erfahrung der Einswerdung machen kann. Darum zeitigt das Prinzip der zur Vernunft komme?
Gegensätze Bewegung: die Kraft, die zerstreut, aber auch die Kraft, die Mit dem Untergang des Reiches Israel beginnt die Reihe der vier Ge-
versammelt. Die Taube wird ausgesandt, die Taube findet aus der Ferne fangenschaften, die bis heute nicht zuende ist. Diese Verbannungen sind
wieder nach Hause zurück. Darum geht Jonah in die weite Welt; er tut, Spiegelbilder jener großen Verbannung, die bei und mit der Schöpfung
wozu er geschaftn ist. Und doch kann der Mensch es nicht begreifen, anhebt. Kraft dieser Verbannung wird der Mensch auch in seinen Körper
solange es nicht ihn selbst betrifft. hineingeboren. Für den, der noch in der Welt vor den Verbannungen
Auch bei Jonah finden wir,diese entgegengesetzt wirkenden Kräfte, lebt, bedeutet es gewiß einen entsetzlichen Abstieg, in diese Welt einge-
das Gute und das Böse, ,tow" und $3%6bei das Geheimnis, die sperrt zu werden.
Kenntnis und Zielsetzung des Gegensatzes, bei Gott liegt. Gott ist es ja, Daß Israel nicht auf seine Propheten hört, hängt mit Gottes Be-
der seine anfängliche Ruhe opfert und den ,,Zimzum"macht, wodurch schluß zusammen, diese Welt zu erschaffen. Die Gefangenschaft muß
die Gegenüberstellung, die Frage, aufgeworfen wird. Darum steht es dem kommen, sie stimmt mit Gottes Schöpfungsplan überein. Israels Ungehor-
Menschen an, den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen unberührt sam wirft eine Frage auf, die auf das Geheimnis hinzielt. Nichts ist da-
zu lassen. Nur mit Gott findet man Antwort auf die damit zusammen- mit erklärt und gewonnen, daß man Israel als einen unverbesserlichen,
hängenden Fragen. verstockten Sünder hinstellt. Vielmehr ist Israel so, weil es in dem Plan
Nach der Überlieferung ist eines der Motive Jonahs, entgegen Gottes Gottes, diese Welt zu schaffen, einen besonderen Platz einnimmt. Israel
Befehl nicht nach Niniveh zu gehen, daß er Niniveh als den künftigen ist dazu ausersehen, Ephraim ist Gottes Liebling. Zu ihm sendet Gott
Eroberer Israels fürchtet. Aschur ist es ja vorbehalten, das Zehn-Stämme- die großen Propheten, und durch Israel ist Gottes Wort durch alle Welten
Reich indie Gefangenschaft zu führen, wo es der Wahrnehmung der Welt hindurch erhalten geblieben.
ganz entzogen bleibt. Soll etwa Jonah dazu beitragen, Aschurs Reich zu zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Jonah weiß also von der kommenden Verbannung und empfindet
¥ e,lr-«t, ulr««u-9 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
15 6 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
6. Der Widerspruch der Sendung 157

davor dasselbe Entsetzen wie die Schechinah, als sie das Opfer bringt, lichen, liegt die Schwierigkeit, sondern in der Angst, bis zu ihm herabzu-
mit in die Gefangenschaft zu gehen, damit diese Welt Bestand haben steigen. Doch die Schöpfung hat schon vorgesorgt: ebenso wie Gott die
könne. Wäre es kein Schrecken, so wäre es auch kein Opfer. Jonah weiß Schöpfung macht, indem er zu ihr herabsteigt, soll auch die Neschamah
auch, daß die Gefangenschaft unausweichlich ist, weil Niniveh lebt, und herabsteigen und die Erlösung bewirken. Körper und Welt warten darauf,
daß cs lebt, weil Gott seine Barmherzigkeit an ihm erweisen will. Die sie sind bereit wenn sie nur die Botschaft zu hören bekommen, wenn
Welt der Fische soll bestehen, denn sie beschirmt den Menschen, ent- nur die Botschaft ausgesprochen wird.
zieht ihn dem Erkanntwerden. Und so führt denn auch die erste Gefan- Jonah weiß also, daß Niniveh das Wort beherzigen wird und folglich
genschaft in die Welt der Fische. Dort wird der Mensch, wenn er aus der die Geburt in die Verbannung hinein stattfinden muß. Darum flieht er
Welt Edens kommt, aufgefangen. Die Zehn Stämme bleiben in der Fisch- vor seinem Auftrag. Diese Flucht ist eine Parallele zum Widerstand, der
welt verborgen, beschirmt vor dem bösen Blick des ,,ajin ho-ra". Sie sich im Himmel gegen Gottes Gedanken erhebt, den Menschen zu schaffen.
verweilen dort solange, bis sie aus dem Wasser herausgeholt werden. Die Überlieferung berichtet von dem Gespräch im Himmel über das Für
Der Kern dieses ganzen Geschehens liegt darin, daß Niniveh gegen- und Wider der Erschaffung des Menschen. Die Flucht Jonahs bedeutet
über der Welt Israels wie das hier Erscheinende gegenüber dem Wesentli- denn auch den langen Weg durch alle Widrigkeiten, alle Welten und Zei-
chen ist. In Niniveh wird Israel verborgen wie die Neschamah im Körper. ten, damit alles schließlich zurückgebracht werden kann. Darum verfügt
Der Körper, die der Welt angepaßte Erscheinungsform, bildet das Ge- er sich nicht sogleich nach Niniveh, denn die Welt breitet sich nach allen
fängnis der Neschamah. Im Kern ist er bereits vorhanden, besteht er zu- vier Richtungen aus, und jede Schöpfung allüberall soll heimgebracht wer-
gleich mit ihr; Aschur hat bereits die Grundfesten von Niniveh gelegt. den. Jonahs Flucht ist die Wirkung des ,,ra", das die ganze Ausdehnung
Der Körper wartet also auf das Kommen der Neschamah. Bei seiner Zeu- der Welt einnimmt, und Jonah folgt seinem Weg bewußt und unbewußt,
gung wird sogleich die Neschamah, die ihn beseelen soll, bestimmt. Israel wie man sagen könnte.
muß den Weg in die Verbannung gehen, denn Niniveh ist, wie gesagt, die Bei jedem Menschen spielt sich in jedem Augenblick dasselbe ab.
äußere Form, die nur darauf wartet, ihre Neschamah zu empfangen. In Man fürchtet den Weg nach Niniveh, weil man weiß, daß es dabei um
Niniveh regiert Aschur, auf den, wie wir sahen, die Form der Buchsta- eine Gefangenschaft geht, und man will sich dem Wirken des Verborge-
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPO
ben, ihr Bild, zurückzuführen ist. Israel aber erkennt den Inhalt, die nen nicht anvertrauen. Man setzt sich stattdessen Tarschisch als Ziel,
Seele der Buchstaben. Daher muß es zu seiner vorbestimmten Form her- weil man lieber im Durchschaubaren wirken möchte. Der Mensch will
[Link] Geburt kommt auf diese Weise zustande (,,Esther"). für alles einen sichtbaren Nutzen, er sucht hinter allem eine verständli-
Deshalb muß Niniveh erhalten bleiben und das Wort Jonahs hören. che Kausalität, und er will nicht gelten lassen, daß Ursachen und Folgen
Der Körper hört, ja verlangt nach der Rückkehr und darum auch nach unter der Vielheit und Vielfalt des umhüllenden Kleides verborgen sind.
der Neschamah, weil ihm diese helfen wird, dieselbe ins Werk zu setzen. Dieses Ausweichen des Menschen hängt mit dem Gang der Schöpfung
Der Körper gehört zum äußersten Bereich der Schöpfung und sehnt sich zusammen, die sich auch zuerst bis zu den äußersten Enden ausbreiten
nach der Erlösung. Er möchte auf die Stimme Gottes hören und danach muß.
handeln, denn er ist wesentlich am Sinn der Einswerdung beteiligt. Gera- Der Mensch fürchtet sich vor der Gefangennahme seines persönlichen
de weil er bei der Schöpfung als das Äußerste erschaffen wurde, erhält ,, Israel", er möchte Niniveh, seinen künftigen Körper, nicht zu Gesicht
bei ihm die Rückkehr ihren tiefsten Sinn. Diese aber kann nur durch die bekommen, weil er weiß, daß dieser seine Individualität, von der er an-
Erlösung zustandekommen, d.h. bei einem jeden Menschen durch die nimmt, sie müsse sich nach außen frei äußern und behaupten können,
Neschamah, bei der Welt als solcher durch den Erlöser. Dieser bewirkt zudecken wird. Darum macht sich der Mensch in der entgegengesetzten
die Erlösung dadurch, daß er sein Heim verläßt und sich in die Ferne Richtung auf und flieht vor dem Angesicht Gottes. Im Bericht heißt es,
aufmacht. Nicht im Äußersten, dem in der Welt erscheinenden Körper- daß er nach Japho herabsteigt.
'
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 7. Wohnen im Lande Israel 159
158 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
die Welt kennt, gibt es all dies nicht, und doch trägt die Überlieferung
7. Wohnen im Lande Israel diese Dinge mit tiefem Ernst vor, überzeugt von deren unverrückbaren
Vorhandensein und Wirksamkeit.
Flüchten, barach, 2-200-8, und herabsteigen haben, im Worte ,,steigt Das Land Israel bezieht sich in erster Linie auf den Zustand des Men-
herab", beide den Wert 210. Dies ist auch der Wert von ,,dor", 4-6-200, schen. Wer wirklich in dieses Land gelangt ist, für den gelten alle die er-
Generation, und der Begriffe cherew/chorew, 8-200-2, die Schwert bzw. wähnten Besonderheiten. Bis dahin aber befindet er sich noch auf dem
verwüsten heißen. Das Herabsteigen verursacht Vielheit. Bei der Schöp- ,,langen Weg", der großen Reise mit den vielen Fährnissen der 42 Sta-
fung führt es zur Vielheit der Generationen, es ist das Schwert, das stets tionen (,,Bauplan"). Wenn man Israel so betrachtet, dann versteht man
durchschneidet und damit auch die Verwüstung des Tempels verursacht. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
auch, daß die Israeliten alles aus diesem Lande zu entfernen hatten, was
M a n sagt, Prophetie komme nur im Lande Israel vor, und auch dort mit den sieben Völkern Kanaans zusammenhängt, allen Dienst an frem-
nur solange wie der Tempel besteht. Mit anderen Worten: nur wer in den Göttern, alles was nicht allein auf Gott und das Korbar'bezogen ist. zyxwvutsrqponml
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seinem Leben das erfährt, was in ihm ,,Israel" ist, wer also, aus mizraim Man muß diese Völker gründlich aus seinem Leben ausrotten. Das gering- oo-20-2-0
erlöst, die Offenbarung im Zuge der Wüstenwanderung erlebt, den Weg ste Überbleibsel könnte zur Folge haben, daß man dieses Land wieder
aus der Zweiheit in die Einheit beschritten hat und im Gelobten Land verliert. Die unnachsichtige Ausrottung der Völker Kanaans besagt, daß
angelangt ist, vermag die Gottesworte wahrhaft zu würdigen, d.h. zu er- man kein Mitleid mit den Dingen in seinem Leben empfinden soll, wel-
kennen, daß sie von Gott stammen und aufs Ganze hinzielen. che durch diese Völker vergegenwärtigt werden. Wie es heißt, haben sie
Nur in dieser Welt kennt man das ,,beth ha-mikdasch", die Wohnung eine ansehnliche Kultur, hat ihre ,,awoda sara'', ihre Verehrung anderer
Gottes und das ,,korban", 100-200-2-50, d.h. daß man seine ganze Exi- Götter, Großes hervorgebracht, und man ist nur zu sehr geneigt, diese
stenz Gott darbringt. Unter keinen anderen Umständen vermag Gottes fruchtbaren Kräfte wenigstens zum Teil zu verschonen. Aber nein, es
Wort bis zum Menschen durchzudringen. Ist aber diese Voraussetzung soll reiner Tisch gemacht werden, es sei denn, sie stellten sich in den
erfüllt, dann vernimmt man auch das Wort Gottes an Jonah. Es ist ein Dienst Israels oder wichen von selbst.
ungern gehörtes Wort, dessen sehr weitreichende Folgen man ahnt, so Das Land Israel soll seinem ganzen Umfang nach ungeschmälert
daß man sich zum Widerstand aufgerufen fühlt. Es läuft darauf hinaus, erhalten bleiben. Gott hat seine Grenzen festgesetzt, Er nennt die Na-
daß die Verbannung nach Aschur beschlossene Sache ist, man selbst men der einzelnen Teile des Landes: es ist die ganze Welt, die nun den
aber dazu ausersehen ist, den Ort der Gefangenschaft vor dem Untergang Namen Israels erhält, das ganze Leben, das nun anders, mit anderer
zu bewahren, ja diesen Ort neu und für immer zu gründen und abzu- Struktur und mit göttlichen Verhältnissen in Erscheinung tritt.
sichern. Zur Eroberung und Behauptung dieses Landes muß der Mensch alles
Die erschreckende Härte dieses Wortes veranlaßt den Menschen, jenes hingeben, alles ihn Hindernde zur Seite schieben. Besetzung und Vertei-
Hochland, wo derartige Botschaften zu ihm hindurchdringen können, zu digung dieses Landes haben den Vorrang vor allem anderen. Der Mensch
verlassen. So steigt er, dem Land Israel den Rücken kehrend, in die Nie- soll stets darauf bedacht sein, dieses Land zu behalten.
derungen herab, wo ihn die Stimme Gottes mit den so unbegreiflichen, Gott schafft dem Menschen Ruhe vor den Feinden, die es auf die
unannehmbaren Forderungen nicht unmittelbar erreichen kann. Verwüstung des Landes abgesehen haben, wenn er sein Leben rückhalt-
Das Land Israel trägt außerordentliche Züge; die Überlieferung weiß los auf Gott ausrichtet. Den Feinden ist es bewußt, daß mit diesem Lan-
viel davon zu berichten. Seine Einwohner etwa werden nicht krank, ja de die Schöpfung zu Gott zurückkehrt, weil Gott in Sichtbarkeit darin
sind gar unsterblich. In Israel stehen die Toten auf, in Israel sündigt der wohnt. Mit diesem Lande tritt die Gegenkraft auf den Plan, die alles auf
Mensch nicht. Diese Mitteilungen machen deutlich, daß man ein solches das Wesentliche, auf den Kern hin ausrichtet und sammelt, was die
Land heute hier auf Erden vergeblich suchen würde. In dem Israel, das zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
andere Kraft in ihrem Entwicklungsgang bis ins Äußerste zerstreut.
160 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah '
7. Wohnen im Lande Israel 161

So bildet sich das Gleichgewicht, die Harmonie zwischen Links und was es bedeuten würde, einem Lande den Rücken zu kehren, in dem das
Rechts, zwischen Zerstreuung und Sammlung. Die Kräfte der Entwick- Wunder der Prophetie wirksam ist.
lung spüren, wie ihnen die Grundlagen entzogen werden, darum hassen über den Menschen aber, der das Leben in Israel nicht begreift, der
und fürchten sie dieses Land und trachten, es zu verwüsten. Bis zum im Vollgefühl seiner Macht und seines Könnens fett, stolz und überheb-
Jüngsten Tag, solange die Entwicklung der Welt noch anhält, werden lich wird, brechen die Feinde herein. Solche Haltung macht die Grenzen
diese Kräfte in dem Lande und allem, was darin lebt, den großen Feind unsicher, und dann kann es geschehen, daß er aus dem Land vertrieben
sehen, der ihnen Angst einflößt. Sie werden darum die Bewohner der wird. Doch ein jeder, der den Geruch des Landes einmal in sich aufgenom-
Welt Israels mit allen Waffen, mit List und Gewalt, mit Verschlagenheit, men hat, kennt in der Verbannung nur eines: den Gedanken an die
Spott und Verachtung angreifen. Israel aber muß danach trachten, sein Rückkehr.
Gebiet zu wahren, keine seiner Grenzen dem Feind preiszugeben. Wenn Dies gilt für jeden einzelnen Menschen ebenso wie für die Welt als
es in Gott seine Stärke erblickt, so wird der Feind tatsächlich nicht ein- Ganzes. Das Wohnen im Lande Israel, wie auch das Wohnen in Eden sind
dringen können, seiner Raserei zum Trotz bleibt das Land ein unantast- zutiefst vertraute Zustände. Im Verborgenen wird die Erinnerung, das
bares Ganzes. Unter den großen Königen hat das Land Ruhe und bleibt Wissen um dieses Leben bewahrt. Aber die Menschheit insgesamt ist
unversehrt: David nimmt es bis zu seinen Grenzen ein, sein Sohn Salomoh längst in den Zustand der Gebundenheit eingetreten sowohl aus Israel
bewahrt es darin. wie aus Eden ist sie ,,herabgestiegen". Die ganze Welt lebt jetzt in der
vierten der vier Gefangenschaften und sehnt sich zurück nach Israel,
Darum heißt es in der Überlieferung, daß man alles tun müsse, um
nach dem verlorenen Paradies. Der Mensch fühlt, daß er an der Grenze
sich im Land Israel niederzulassen. Je des Sich-niederlassen im Lande heißt
steht, daß jeden Tag die Rückkehr der gesamten Welt glücken könnte.
,,aliah", 70-30-10-5, Aufstieg, jedes Verlassen desselben Abstieg. Es ist
Je der Mensch kennt diesen Zustand, denn im Menschen ist zugleich
ein großes Gebot, eine entscheidende Pflicht, sich in dem Lande zu be-
die ganze Welt anwesend. Deshalb kann die Rückkehr ebenso auch in
haupten. Das ganze Leben des Menschen soll darauf ausgerichtet sein,
jedem einzelnen Menschen täglich geschehen. Ja, der Einzelne kann be-
die Realität Israel zu erlangen, d.h. die Realität eines Lebens mit Gott,
reits in Israel wohnen, während die Welt in ihrer Gesamtheit noch nicht
eines Lebens, dem Gott in Sichtbarkeit innewohnt. Es ist die Lebensauf-
dort angelangt ist. Ein solcher Mensch ist in der Tat erlöst. Die Erlösung
gabe des Menschen, geht jedermann ganz persönlich an. Das Verhältnis
hängt ja nicht ab von einer Proklamation, von einem gemeinsamen Ritual
dieser Dinge zu den geographischen Strukturen ist hingegen ein Geheim-
oder von der Mitgliedschaft in einer bestimmten Gruppe. Die Erlösung
nis Gottes. Wie alles, was das materielle Leben betrifft, muß man es Gott
ist nichts, mit dem sich spielen ließe, sie ist eine Lebenswirklichkeit, die
überlassen, als von Gott abhängig erkennen. Im Äußerlichen soll man
jedem Gespött entzogen ist. Man kann erlöst sein, wenn man alle Mög-
,,tun", dann wird man schließlich auch die Zusammenhänge erkennen
lichkeiten ausschöpft und mit allen seinen Kräften danach strebt, in
können. Diese sind freilich oft ganz anders als die gewohnte Kausalität
Israel zu wohnen. Für das andere, das materielle Israel darf man dann die
und Logik vermuten lassen. Die Zusammenhänge sind bei weitem erstaun-
Sorge Gott überlassen. Sein ist ja das Materielle, darin liegt das große
licher und großartiger, als die hausbackenen, eintönigen menschlichen
Geheimnis. Wollte der Mensch die materielle Erlösung selbst an die Hand
Überlegungen und Folgerungen.
nehmen, so hieße das, daß er sich bewußt zum Meister über das ,,ra" auf-
Die Überlieferung betont daher immer wieder, daß man das Land, werfen würde. Darum ist es, wie ein weises Wort besagt, verboten, sich
hat man einmal Fuß darin gefaßt, nie mehr verlassen solle. Es wäre gleich- an der materiellen Erlösung zu beteiligen, wenn dadurch das Leben auch
bedeutend mit einer Verkennung des Sinnes unseres Lebens, eine Rück- nur eines Menschen gefordert würde. Das ,,tow" und ,ra" ist Gottes
kehr zu einem Zustand des schläfrigen Dahindämmerns, eine Verleug- Geheimnis, und gerade das Leibliche, die Erscheinungsform, ist des Ge-
nung der Wachheit und Bewußtheit. Es ist im Grunde unausdenkbar, heimnisses voll. Gerade das, was der Mensch durchaus aufklären und
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, 163
162 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
II. Der Sinn der Namen bei Jonah 7. Wohnen im Lande Israel

erklären möchte, ist ihm verborgen. Wie gerne möchte er urteilen über man sich selbst mit einer nicht bestehenden, dämonischen Welt betrügt.
Gut und Böse, wie gerne möchte er im Sichtbaren sein wie Gott, selber Man kann diese Siebzig der Vielheit aber auch von der ,,Eins" abhängig
planend und bestimmend. Er will nicht ,,umsonst tun", sondern um sich machen, die ihr gegenübersteht. Der Buchstabe Aleph steht stets dem
Lohn zu verschaffen, intellektuelle Befriedigung und Genugtuung durch Buchstaben Ajin gegenüber, die Eins der Siebzig. Der Fall des Menschen
errungene Macht. läßt sich auch beschreiben durch sein Austreten aus dem Einen, dem Ur-
Nur in Israel, d.h. nur wenn sich das Leben völlig im Bereich Israel licht, ,,or", 1-6-200, und der Hinwendung zur Vielheit, zur Umhüllung,
abspielt, ist Prophetie möglich. Doch wenn sich der Mensch in der Lage dem anderen ,,or", das geschrieben wird mit den Buchstaben, die 70-6-200
Jonahs befindet, flieht er wie dieser vor der Stimme Gottes, verstopft er darstellen und ,,Haut" bedeuten. So besteht nun fortwährend der Gegen-
seine Ohren vor dem Wort, das an den Jonah in ihm ergeht. Er will ein- satz, die Alternative zwischen dem einen und dem anderen.
fach nicht. Auch das Gespräch im Himmel (,,Esther") steht unter dem Die Schöpfung ist ebenfalls ein Heraustreten aus der Geborgenheit
Eindruck dieser Gegenseite, und der Schöpfer zögert, ehe der Abstieg der ,,Eins" in die Vielheit, aus der Harmonie absoluter Ruhe ,,vor" der
in die Niederung dieser Welt stattfindet, ähnlich wie ja auch Jonah Schöpfung in die Bewegung der Schöpfung. Die ,,Eins" tritt in einen
herabsteigt. Spannungszustand zwischen der auch weiterhin tragenden Einheit und
Jonah stammt aus Gath ha-Chepher, 3-400 5-8-80-200 (2. Kön. 14, der zerfasernden Vielheit. Auch das liegt in dem Gegensatz zwischen dem
25). Von dort begibt er sich hinab nach Japho, 10-80-6, um Israel den ,,Baum des Lebens" und dem ,,Baum der Erkenntnis", dem ,,ez pri ose
Rücken zu kehren. J apho liegt im Gebiet Dans, 4-50; es ist die Hafen- pri"" gegenüber dem ,,ez ose pri" (,,Bauplan").
stadt, von der aus sich der Seeweg nach Westen öffnet. Jonah stammt also aus Gath ha-Chepher, dem Ort jener Vertiefung
Gath ha-Chepher bedeutet soviel wie ,,die in die Erde gegrabene in der Erde, in der die ,172" zur ,, 70" gemacht werden, die ihrerseits
Kelter". Die Trauben, die auf diesem Platz zu Wein gemacht werden, an die ,,1" gebunden oder auch nicht gebunden werden kann. Hier ist
heißen ,,anawim", 70-50-2-10-40. 172 ist zugleich auch die Zahl von der Mensch zum Handeln aufgerufen. Er wird der 70 gegenübergestellt,
,,ekew", der Alternative. Die ,,Zehn Worte" bestehen darum auch aus die er selbst mit hervorbringt und nun heiligen, d.h. zurückbringen, mit
172 Wörtern, weil sie stets auf die Stellung des Menschen hinweisen, der dem Ursprung verbinden kann. Er kann es aber auch versäumen oder ver-
die Wahl hat, ja wählen muß (,,Bauplan"). So drückt sich denn auch in weigern. Sein Tun oder Nichttun bleibt nicht ohne unmittelbare und
jenen Früchten, die uns als Weintrauben bekannt sind, diese Alternative weitreichende Folgen.
aus. Sie sind die ,,dritte" Frucht, d.h. die Frucht des dritten Tages. Wir Nicht umsonst ist denn auch der Name Jonah gleichbedeutend mit
wissen ja bereits, daß der dritte Platz, der die Alternative bildet, stets der Zahl 71, die 70 und die 1 vereinigend. Wird er der Eins in sich folgen
von der Zweiheit eingenommen wird. Das dritte Sternbild sind die Zwil- und nach der Welt Ninivehs gehen, oder wird er sich von der Siebzig ver-
linge, der dritte Erzvater ist ein Zwilling, ihm gegenüber steht Esau. Auch führen und die Vielheit in sich wuchern lassen? Wird Jonah die Vielheit
in dem ,,Segen", den Isaak über diese Zwillinge spricht, kommt eine Al- von Tarschisch erreichen, oder wird etwas anderes geschehen?
ternative zum Ausdruck. Die Trauben liest man vom ,,gephen", dem Weinstock. Dieser bildet
Die Alternative begegnet dem Menschen in Gestalt der gepreßten mit seinem Gegenwert, dem Atbasch (200-6-9), den Begriff 348, die
Traube. Wie die Olive des sechsten Tages gepreßt wird, um ihren Ertrag ,,Freude" (300-40-8) oder die ,,Salbung" (40-300-8). Der Weingarten,
zu geben, so auch die Traube des dritten Tages. Es sind die Früchte der ,,kerem" (20-200-40), hat den gleichen Wert 260 wie diese Wel ". Wir
mittleren Kolonne, die gepreßt, getreten werden. Aus der gepreßten können hier nicht ausführlicher über die damit zusammenhängenden Be-
Traube wird der Wein, ,,jajin", 10-10-50 =zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
70. Siebzig aber ist, wie wir
bereits sahen, die Vielheit im Menschlichen. Mit diesen Siebzig kann man ' Man denke an die 26 Geschlechter, an die 26 000 Jahre des Umlaufs, an den
dem Rausch der Vielheit anheimfallen, im Gewimmel untergehen, indem Namen 10-5-6-5 des Herrn. Man kann hierüber im „,Bauplan" Näheres erfahren.
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

16 4 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA III. KAPITEL


II. Der Sinn der Namen bei Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
I,
griffe handeln, aber schon die Andeutung zeigt, daß hier viele Geheim- DIE REISE INS LEBEN
nisse auf den Suchenden warten.
Jonahs Ort heißt ,,gath ha-chepher". Dort steht er den Siebzig als
Mensch gegenüber. Dort gedeihen die ,,anawim", die 172. Auch dem
Noach zeigt sich die Entwicklung unter dem Aspekt dieser Alternative, Der Hafen der Ausfahrt
dieser Zweiheit.
Die Zweiheit aber stellt einen jeden, der ihr begegnet, vor ernste Jonah geht den Weg, den auch die Schöpfung, ja jedes menschliche
Konsequenzen. Es bedeutet, daß er nach Niniveh gehen muß. Man Wesen, das in die Welt kommt, zurücklegt den langen Weg. Es gibt
muß die Welt der Vielheit ernstnehmen, denn in ihr ist ein Geheimnis diesen Weg und den anderen Weg, den Weg nach Tarschisch und den Weg
verborgen. Es ist wichtig, daß man den tiefen Sinn der Verbannung be- nach Niniveh. Es ist stets wie mit dem Baum, der Frucht ist und Frucht
greift und versteht, warum sie unausweichlich ist. Der siebte Tag, die macht.
Welt der Fische, soll die Mitte unserer Erfahrung bilden. Man soll einse- Der lange Weg beginnt mit dem Abstieg nach Japho. Jonah will das
hen, daß Israel just in dieser Welt die Verbannung über sich kommen Wort über Niniveh nicht hören, er verdrängt es, wenn wir diesen Mode-
sieht. Im Grunde nämlich ist sie eine Gnade, die Gott Israel und dem ausdruck hier gebrauchen dürfen.
Menschen, seiner Geliebten und seinem Auserwählten, erweist. Denn sie Japho schließt den Begriff der Schönheit in sich. Dieser Begriff der
steht im Zeichen der Verbannung der Schechinah und der Gefangen- Schönheit ist auch im Namen ,,Japhet" [Link] ist es, der sich
schaft der Neschamah. ausbreitet und prächtig entfaltet. Die Bibelsprache gebraucht das Wort
,japhal" für die Schönheit der Frau, so bei den Erzmüttern, so bei Schu-
lamith im Hohenlied.
Wenn man sich weigert, den Weg nach Niniveh zu gehen, so enthüllt
sich einem diese Schönheit und schlägt einen mit ihrer ganzen verhei-
ßungsvollen Harmonie in den Bann. Der dritte Schöpfungstag, der durch
die Zweiheit ausgezeichnet ist, hat denn auch als ,,Sephirah", als Zählung
oder Proportion, den Begriff ,,Tiphereth", was ebenfalls Schönheit be-
deutet. In Tiphereth erweist sich denn auch die Alternative, der Baum
des Lebens. ln Japhah ist es die weibliche Seite, die der Entwicklung.
Von Japho aus eröffnet sich die unbegrenzte Weite, der verlockende
Traum von Tarschisch.
Das Wort gath ha-chepher hat als Wert 696, Japho aber 96. Der Un-
terschied beträgt also genau 600. Gath ha-chepher steht an der Schwelle
des siebten Tages, des Sabbats, der Welt der Fische. Darum das Wort an
Jonah: gehe nach der Wohnung der Fische, nach Niniveh. Man steht an
der Grenze, das siebente Hundert ist nahezu abgelaufen. Die Aufforde-
rung an Jonah bedeutet also: verfüge dich nun dort hin, wo sich der
Schluß abspielt.
Altern Brauch gemäß wird bei der dritten und letzten Mahlzeit des
7. Tages ausschließlich Fisch gegessen, und auch davon nur wenig, weil
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

166 III. Die Reise ins Leben 2. Das Schiff des Menschen 167

sich ja die Welt der Fische jetzt ihrem Ende zuneigt. Bei den beiden vor- Hand des Menschen bis dahin nur die 'zusammengewachsenen Finger,
angegangenen Sabbatmahlzeiten hingegen spricht man dem Fisch reich- von nun an öffnen sie sich als Daumen gegenüber den vier anderen Fin-
lich zu abgesehen von all dem anderen, was da aufgetischt wird. Bei gern (,,Midrasch Abkhir"). Die Welt weiß, daß nun der Trost, das rettende
der dritten Sabbatmahlzeit erzählt man sich vom Sinn der Schöpfung, Wunder nahe ist. Auch das ist der Platz gath ha-chepher.
flüstert vom Geheimnis, bedeckt es gleichsam mit Ehrfurcht. Es ist ein Jonah aber begibt sich nach Japho, um vom Punkt 222 aus den Weg
Symbol der Endzeit; das Mincha-Opfer, das als zweites Opfer des Tages in die Ferne anzutreten. Es ist die andere Seite der Schöpfung, die Seite
dargebracht wird, hat bereits stattgefunden. Das erste der beiden tägli- des ,,Baumes, der Frucht macht", die jetzt zur Geltung kommt. Und
chen Opfer wird am Morgen gebracht, das zweite gegen Abend. Die Zwei- doch steht man bereits da, wo Noach steht, der nach Gottes Weisung
heit der Welt drückt sich in dieser Zweiheit des näher zu Gott Kommens die tewa baut, das Wort nach den von Gott gegebenen Maßen. Es ist die
aus (vgl. Num. 28, 1-8). tewa, von der die Taube, die Jonah, ausgesandt werden wird! Mit dieser
Im Rahmen der Tradition des Judentums wird Jonah ein einziges tewa hat auch Tarschisch zu tun; denn Tarschisch's voller Wert ist ja
Mal gelesen, und zwar am J om Kippur, dem entscheidenden 10. Tag des 1656, jener Begriff also, an dem die tewa, deren voller Wert 828 beträgt,
[Link], und zwar gegen Abend, zur Zeit des Mincha-Opfers. Dann näm- ihren eigentlichen Sinn erweist. Dieser Sinn ist, wie wir oben bereits ge-
lich stellt sich jene Mengung ein, bei der der Übergang sichtbar wird. zeigt haben, die Teilung der Zeit, die es mit sich bringt, daß man durch
J om Kippur, 10-6-40 20-80-200, heißt auch ,,Schabath Schabathon", das Wort, das zur Umkehr anleitet, auf halbem Wege nach Tarschisch
Sabbat der Sabbate, nämlich der Kern, das Wesen des Sabbats, also angehalten und gerettet wird. Dabei aber ist die Taube, die Jonah, der
des Siebten Tages. Bote der Rettung.
Jonah aber wendet sich nach Westen, er geht den Weg der Schöp-
fung. Aus 696 wird nun 96. Der Ausgangspunkt wird wieder eingenom- 2. Das Schiff des Menschen
men, und es zeigt sich ein verlockender Weg. Es scheint, als ob Jonah den
Sinn der Schöpfung im Stich lasse. Er begibt sich wiederum an den An-
fang. Mit seinen 96 ist Japho ein deutlicher Begriff der Vielheit, der In Japho findet Jonah das Schiff, Oniah (1-50-10-5), nach der ,klei-
,,Zwei", nämlich 3 x 25.1m Bereich der Zahlen unter Hundert bedeutet nen Zählweise" 1-5-10-5, unter welchem Namen Gott sich Ex. 3,14 dem
er die größte Ausdehnung. Mose zu erkennen gibt. Diesem Oniah ist Tarschisch als Ziel gesetzt.
Der Atbaschwert Japhos beträgt 126 (40-6-80). Die Summe beider Welch ein Schiff muß das sein, für eine so ausgedehnte Reise!
Werte, also der äußerliche und sein Gegenstück zusammen, legt noch Japho ist ein Beginn, ist der Anfang eines Lebens, was immer man
sich auch un ter einem solchen Anfang vorstellen mag. Vom Punkt Japho
größeren Nachdruck auf die Vielheit: 96 +zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
126 ergibt 222! Hier ist gera-
dezu die Quelle der Zweiheit, hier tritt der Weg der Welt zutage. Voller aus möchte Jonah das Land Israel verlassen. Will der Mensch dem Worte
Spannung wartet man darauf, was die Entwicklung zu bieten hat. Man Gottes ausweichen, will er es nicht mehr hören, dann scheidet er aus dem
geht vom Allerersten aus, von den Grundprinzipien der Natur, man will Lande Israel. Ohne diesen Schritt aber gerät die Welt nicht in Bewegung,
die Welt kennenlernen, alles unterwirft man der analysierenden Betrach- das Schiff nicht in Fahrt. Das Schiff sticht in die Zeit, das Maß der vor
tungsweise. dem Menschen liegenden Zeit aber heißt: Tarschisch.
Gath ha-chepher ist in seinem Atbaschwert 360 (200-1 90-60-6-3). Oniah hat, wie wir sahen, den Wert 66; das ist zugleich der Wert von
696 und 360 zusammen aber ergeben 1056, d.h. den Punkt von Noachs J awan. Dies zeigt, daß die Bestimmung zur Vielheit und Ausbreitung
Geburt (,,Bauplan"); dort erscheint zum ersten Mal die 58 im Namen gegeben ist. Ein anderes Wort für Schiff lautet ,,Sephinah", 60-80-10-50-5.
Noachs. Zum ersten Mal entdeckt man nun das Verhältnis 1 : 4, das sich In jedem Namen auch im Namen der Dinge, die von Menschen an-
auch in der Hand des Menschen offenbart. Wie erzählt wird, zeigt die gefertigt werden - äußert sich ein Zusammenhang mit dem Wesen des
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168 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 2 . Das Schiff des Menschen


III. Die Reise ins Leben zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 169

Namensträgers. Daß der Mensch darauf verfällt, diesen oder jenen Gegen- nen Menschen kann es eine solche Mabul geben. Dann vergeht er, er-
stand herzustellen, einen Stuhl, Tisch oder Krug, zeigt ja nur an, daß sein trinkt und geht unter im Farblosen.
,,schöpferischer Geist" mit der Welt verbunden ist, in der all das bereits Einzig die ,tewa', das Wort mit den gottgegebenen Maßen, vermag
im Wesentlichen vorhanden ist. Das Wesentliche ist es, das dem mensch- den Menschen vor der Mabul zu retten. Mit ihrer Pyramiden form (,,Bau-
lichen Vorhaben sein Gepräge gibt, und unser Tun verläuft in den For- plan") hat sie nicht eben die Maße eines gewöhnlichen Schiffes. Der
men und Maßen, die im Wesentlichen längst bestehen. Darum ,,gibt es Mensch ist versucht, dem Wort die ihm geläufigen Maße beizulegen;
nichts Neues unter der Sonne." anders will er es verstehen. Aber das Machwerk seiner Vorstellungen hält
Als Gott die Anweisung gab, die tewa zu bauen - ebenfalls ein ihn nicht über Wasser. Nur die tewa mit den göttlichen Maßen trägt
Schiff, doch eines, das nicht vom Menschen gesteuert, sondern vom Un- durch die Mabul.
sichtbaren getrieben wird -, schrieb er zugleich die Maße und die Ge- Auch Mose, der von Gott ausersehene Erlöser, der die Befreiung aus
stalt vor. Auf diese Weise kommt das Wort hier auch zustande. Für alles, der Zweiheit mizraims bewirkt, bleibt deshalb wohlbehalten, weil seine
was Gott dem Menschen zu tun aufträgt, gibt er ihm genaue Anweisung, Eltern ihn in eine ,,tewa" legen. Wir sind es gewöhnt, tewa hier mit
wie er es machen soll. Die Überlieferung erzählt, wie Gott dem Mose aut ,Kästlein" zu übersetzen, obwohl es das gleiche Wort ist, das wir im Zu-
dem Sinai die genaue Form der Stiftshütte vor Augen führt. Bezaleel sammenhang der Mabul-Erzählung mit,,Arche" wiedergeben. Nach dem
aber (Ex. 31,2) verfertigt dann alles scheinbar aus sich selbst, ohne daß Gesetz mizraims wird jeder Neugeborene in der Zeit ertränkt; Amram
ihm das Vorbild wieder gezeigt würde. und Jochewed aber machen die tewa, in der Mose überlebt.
Der Atbaschwert von Amram (70-40-200-40) und von Jochewed (10-
Eben dies geschieht auch im Menschen: was in ihm Moses ist, sieht
6-20-2-4) ist 30 +zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFED
550 = 580. Noach, der die andere tewa, die ,,Arche",
das göttliche Vorbild. Die ganze Zeit, ,,40" Tage, hält sich Moses auf
baut, eignet der Wert 58. Die ,dreieinhalb Zeiten": die Zeit, die halbe
dem Sinai auf, und was er schaut, ist unzweideutig. Bezaleel im Men-
Zeit und die doppelte Zeit, ergeben ebenfalls diese 58 (,,Bauplan").
schen aber Bezaleel ist wörtlich: der im Schatten Gottes steht -, am
Der Mensch, auf die Verwirklichung im Sichtbaren erpicht, baut sich
Fuß des Berges, nämlich hier in dieser Realität, bringt das von Mose Ge-
die Oniah und Sephinah, die er zu steuern gedenkt. Das Wort oniah zeigt
schaute zur Ausführung. Bezaleel bildet alles nach dem verborgenen
in seinem Aufbau eine auffällige Verwandtschaft mit dem Wort ,ani"
himmlischen Vorbild, Mose braucht ihm die Einzelheiten nicht aus-
(1-50-10), d.h. „Ich". zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
A n sich würde sich diese Nähe freilich nicht auf-
einanderzusetzen.
drängen, doch bei tieferem Durchdenken wird man sie nicht nur zuge-
Das Schiff ist ebenfalls ein Ding, das im Wesentlichen vorhanden ist; stehen, sondern man wird noch viel mehr entdecken, so daß beide Be-
es ist das, womit der Mensch über's Wasser, d.h. durch die Zeit, fährt: griffe noch reicher und anschaulicher werden. Die Überlieferung weist
in der Tewa unabsehbar umgetrieben, doch im großen Vertrauen, in der des öfteren auf solche, oberflächlich betrachtet, unmöglich erscheinenden
Oniah bzw. Sephinah sich selbst ein Ziel setzend, kühn und eigenwillig, Verwandtschaften hin, indem sie darauf aufmerksam macht, daß für ver-
letztlich aber doch ungewiß, wie und wo die Fahrt enden wird. schiedene Begriffe dieselben Bausteine verwendet werden, oder daß der
Dem Menschen ist es also vorbehalten, sich selbst ein Gerät, ein Wert der Worte in der Zahlenwelt gleich ist. Wenn man das im Aufbau
Fahrzeug herzustellen, das ihm ein erkleckliches Maß an Freiheit ver- der Worte liegende Zeugnis beachtet, so läßt es einen auf unerwartete
schafft, sich auf dem Meer der Zeit umzutun. So kann er sich in seiner Weise die tiefe innere Verbundenheit in der äußeren Bedeutung merken.
Individualität darauf bewähren. Dem steht als andere Möglichkeit gegen- Darin daß beiden Wörtern der Stamm 1-50-10 gemeinsam ist, spricht
über das Ertrinken in der Zeit: der Erlöser soll untergehen, untergetaucht sich auch eine Gemeinsamkeit zwischen dem auf dem Meer der Zeit
werden in der Zeit; Pharao gibt dazu den strengen Befehl. Auch im Ma- fahrenden Schiff und dem Ich aus. Auch das Ich durchfurcht ja eigent-
bulgeschehen vergeht ja die Menschheit in der Zeitflut. Für jeden einzel- lich die Zeit. Ihm verdankt es der Mensch, wenn er in der Zeit nicht er-
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III. Die Reise ins Leben


170 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
trinkt. Dennoch kann natürlich ein Schiff kentern, ein Ich in der Zeitflut „¿ _ , •
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vergehen. Den Gedanken der Verwandtschaft zwischen dem Ich und dem , + a we

Schiff kann man noch weit ausspinnen. Man denke etwa an die besondere , ·ee«,
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Treue, die den Kapitän mit seinem Schiff verbindet, und die jener Intel-
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ligenz ähnelt, die das Ich leitet und sich folglich ebenfalls stark mit
ihm identifizieren muß.
Auf den Menschen, der sich Tarschisch zuwendet und damit von der

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Zeit Gebrauch machen will, wartet in Japho das Schiff, das ,,Ich", das
den Herabsteigenden dahin bringen wird. Auch die Schöpfung steigt ja
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auf dem Weg nach Tarschisch in die Konkretisierung herab. Sie durch-
läuft dabei die Station Japho, den vielversprechenden Ausgangspunkt,
und findet dort auch das Schiff, das nach Tarschisch, dem Alleräußer-
sten, das sich denken läßt, segeln soll. Dies alles geschieht auf der Seite

der Entwicklung, der Form. Jo nah stammt ja aus dem Reich Israel, gehört i
auf die Seite Josephs, des Erscheinenden, der dem Weg der Entwicklung
folgt. Aber wie die Taube kehrt er notgedrungen zurück, und so wird
auch die Schöpfung aus der äußersten Entfremdung, von den vier Enden
der Erde, eingesammelt werden.
Die Überlieferung bezeugt, daß Jonah die gesamten Kosten für die
Reise nach Tarschisch auf sich nimmt; er allein bezahlt für das ganze
Schiff, und er tut es, wie ausdrücklich betont wird, entgegen dem Brauch
der Zeit, nicht erst bei der Ankunft, sondern schon bei der Abfahrt. Die
Reise auf dem Meer der Zeit hat das Opfer zur Voraussetzung; man hat
dafür zu zahlen. Hier hat der Kaufmann das Wort. Man kann hier nicht
,,umsonst'' reisen. Aber Jonah zahlt, wie gesagt, nicht nur für seine eigene
Person, sondern für alle Teilnehmer. Wer außer ihm, der auf der Flucht
vor Gott ist, vermöchte die Last der Verantwortung für diesen Weg nach
Tarschisch zu tragen? Jonah, der sein Haus verläßt, damit er nicht noch
einmal den Befehl hören muß, nach Niniveh zu gehen, trägt die Verant-
wortung für dieses Schiff Gott, der Schöpfer, nimmt alle Folgen auf
sich, die sich aus dem Gang der Schöpfung bis zu dem Äußersten ergeben.
Die Mannschaft des Schiffes besteht nach der Überlieferung aus 70
Menschen - einer aus jedem Volk. Das heißt: die ganze Menschheit ist
auf dem Schiff vertreten, das seine Fahrt nicht antreten kann, ehe Jonah
an Bord gegangen ist. Die ganze Menschheit ist also in einem jeden „Ich"
vertreten. Kein anderes Ich fährt auf dem Meer der Zeit als das, worin
alles Platz genommen hat. Ebenso wie Noach seine ,,tewa" mit allem Le- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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2. Das Schiff des Menschen zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTS
bendigen belädt, ist auch das Ich, das aus Japho ausfährt, mit der ganzen
Welt bemannt. In jedem Menschen ist alles andere anwesend, jeder von
uns trägt in seinem Ich die 70 Völker. Jonah aber, den Siebzig gegenüber
der ,„Eine", bringt das Fahrgeld auf".
In der gleichen Quelle wird erzählt, daß Jonah, als er nach Japho im
Gebiet des Stammes Dan herabkommt, dort kein Schiff findet, also sei-
ne Reise eigentlich gar nicht antreten kann. Es scheint, als habe er den
Abstieg umsonst gemacht, aber Jonahs Wille, eine Welt zwischen Israel
und sich zu legen, ist ebenso stark wie sein Unwille, nach Niniveh zu
gehen. Nun befindet sich zwei Tagereisen von Japho entfernt ein Schiff
auf See, also bereits in der Zeit. Jonahs Verlangen bewirkt einen Sturm,
der das Schiff zwingt, nach Japho zurückzukehren. Jonah ist hocher-
freut, er erblickt in dieser Fügung eine Bestätigung seines Vorhabens.
Wozu sonst hätte das Schiff umkehren müssen? Dessen Bestimmung ist
ebenfalls Tarschisch. Scheinbar war es durch den Sturm zur Rückkehr ge-
zwungen worden, aber Jonah weiß es besser: es ist um seinetwillen
umgekehrt.
Dem Menschen wird stets Gelegenheit gegeben, nicht nach Tarschisch
zu gehen. Wenn sich das Mißgeschick ereignet, daß das einzige infrage
kommende Schiff bereits zwei Tage Vorsprung hat, könnte er eigentlich
begreifen, daß er vor diesem Weg behütet werden soll. Aber der Mensch
zwingt durch sein heftiges Verlangen die Schöpfung, und so kehrt das
Schiff zurück, und die Erfüllung seines Begehrens wird ihm nun in den
Schoß geworfen. Der Mensch sollte einsehen, daß es sein Verlangen ist,
das sogar die Schöpfung zwingt, ihm zu Willen zu sein.
So schifft sich also Jonah ein. Um seinetwillen geschehen große
Dinge, ereignen sich Wunder und geschieht Bewahrung, Lebensrettung
für alle. Was wäre geschehen, wenn Jonah einst nicht aufgebrochen,
wenn er unter dem Eindruck der verpaßten Fahrgelegenheit umgekehrt,
sich das Abfahren des Schiffes ohne ihn als Fingerzeig hätte dienen
lassen? Wir sehen aber, daß Jonah um der 70 Völker willen mitfahren
muß. Die 70 gelangen nur zu Gott, weil sie auf dem Schiff die Erfahrung
mit Jonah machen. Auch sie kommen nicht bis Tarschisch, sondern
kehren um und bringen das Korban. Vorher hatten sie alle ihre besonde-
ren, die ,, 70" Götter. Im Sturm aber werden sie zu Zeugen dessen, was

• Pirke de R. Elieser X.
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III. Die Reise ins Leben 3. Das bewegte Leben 173

mit Jonah geschieht, erfahren sie die Macht des ,,Einen", des Gottes Aber die Welt dauert keineswegs unendlich, sie gerät nicht mit Jonah
Jonahs, und wenden sich Ihm zu. Schon deshalb mußte Jonah nach Tar- nach Tarschisch. Die Umkehr geschieht unterwegs; der Fisch wartet
schisch wollen. Obwohl die Geschichte selber gar nicht auf diese Möglich- schon vom ersten Beginn der Schöpfung an darauf, Jonah in sich aufzu-
keit hinweist. Der Erzählung nach ist nur die Absicht, das Verlangen da, nehmen.
vonseiten Jonahs ebenso wie von sei ten der Anderen, nach Tarschisch zu
gelangen. Äußerlich gesehen hatten sie alle, der Eine wie die Siebzig, das- Das bewegte Leben
selbe Ziel. Aber die Reise nach Tarschisch mißlingt.
Der Wille Jonahs, Tarschisch zu erreichen, sich weit vom Ursprung zu Jonahs Abstieg nach Japho endet damit, daß er ins Schiff hinab-
entfernen, um Gottes Wort nicht mehr zu vernehmen, ist es, welcher den steigt. Dieses ,,Ich"-Schiff hat etwas Besonderes an sich: es liegt an der
Fisch ins Leben ruft, den Fisch, der von der Schöpfung her dazu bestimmt Grenze. Auf der einen Seite grenzt es noch an die Welt des Trockenen,
ist, als Welt des 7. Tages den Jonah in sich aufzunehmen. Erst durch der ,,jabaschah" (10-2-300-5), auf der anderen aber ans Meer, ,jam",
Jonah gelangt er zu seiner Bestimmung. Es ist der Wille des Schöpfers, (10-40). Dies kommt in dem anderen Namen für Schiff, ,,sephinah",
seine Schöpfung bis in die äußersten Sphären zur Verwirklichung zu zum Ausdruck, das von ,,suph" oder ,,soph" ( 60-6-80) abgeleitet ist, d.h.
bringen. ,,Riet" bzw. ,,Schilf' und ,,Grenze". Das Schiff entfernt sich in der Tat
Der Mensch erfährt diese seine Bestimmung bereits vor der Geburt, von jener Grenze, an der die eine Welt endet und die andere beginnt,
und in seinem ganzen Leben nimmt das damit verknüpfte Geschehen und am Schluß seiner Reise landet es dort auch wieder.
seinen Gang. Spricht davon nicht schon deutlich das Verlangen, daß das Das Riet ist im Leben der Pflanzen der Ausdruck dieses Grenzzu-
Leben fortdauern möge? Nicht jeden Tag seines Daseins freilich bringt standes. In ihm endigt in der Tat die eine Welt und fängt die andere an.
Jonah die 70 Völker zu Gott, wie auch nicht jeder Augenblick seines Darum zieht Israel bei seinem Auszug aus Ägypten durch das jam suph",
Lebens von dem vorbestimmten Geschehen des Verschlungenwerdens das Schilf- oder Rietmeer *. Beim Durchzug durch das Meer, das Meer
durch den Fisch, den siebten Tag, überschattet ist. der Zeit, erlebt man, wie die eine Welt aufhört und eine andere beginnt.
Wie schon gesagt wurde, nimmt Jonah das Opfer auf sich, die Fahrt- Darum wird beim Auszug aus Ägypten vom Schilf- oder Rietmeer ge-
kosten für das ganze Schiff, das ganze Ich, zu erstatten er, der Iwri, sprochen. Im Riet erkennt man die Anwesenheit von Leben, von Ent-
wie er sich nennt (,,Esther"), zahlt im Voraus den Preis bis Tarschisch wicklung auch in diesem Zustand. Auch Mose wird bekanntlich im ,,suph"
für alle Siebzig. Daß Jonah im Voraus bezahlt, erscheint an sich normal, ausgesetzt, in jenes Leben auf der Grenze zweier Welten.
denn auch wir pflegen unsere Reisen im Voraus zu bezahlen. Der Über- Jonahs Schiff, oniah, läuft nun nach Tarschisch aus. Er selbst läßt
lieferung aber geht es um den Hinweis darauf, daß der Mensch zuerst sich zunächst nicht blicken, sondern hat sich sogleich in das Innere des
sein Leben ebt und den Preis für diese Reise am Schluß erstattet. Der Schiffes begeben und ist dort eingeschlafen. Bewußt sind nur die 70
Mensch [Link] mit dem Leben, das er in der Zeit gelebt hat. Dieses Völker in .diesem ,,Ich''. Jonahs Anwesenheit würde man heute als un-
Leben wird gegeben und wird genommen. Niemand weiß zum Voraus, oder unterbewußt bezeichnen.
wie weit er kommt, der eine bloß einen Tag, der andere zehn, wieder Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß Jonahs Auftrag lau-
ein anderer 70 Jahre. Wenn man am Ziel ist, bezahlt man. Man bezahlt tete, nach Niniveh, dem Begriff 121 also, zu gehen. Er geht aber in Wirk-
mit dem Leben des einen Tages, mit dem der zehn oder der 70 Jahre - lichkeit nach Tarschisch, dem Begriff 1210 ! Wir erleben wieder eines der
es hält sich also die Waage. Jonah jedoch bezahlt im Voraus, und bezahlt vielen Wortwunder (Niniveh ist ja 50-10-50-6-5 = 121, Tarschisch 400-
mit dem Unendlichen. Er begleicht den ganzen Weg nach Tarschisch, ' vom Roten Meer ist in der Bibel nicht die Rede. Es ist an dieser Stelle nichts als
die 1656. Für sich und alle anderen, für alle 70 Völker, bezahlt er diese cine theologische bzw. wissenschaftliche Hypothese, deren Wert nicht größer ist
Reise bis zum Äußersten, bis nach Tarschisch ! zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA als der aller ähnlichen geographischen Lokalisierungen.
174 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
III. Die Reise ins Leben
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200-300-10-300 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
= 1210). Jonahs Weg soll auf die Eins abzielen, aber
es zieht ihn nach dem anderen Extrem, zur Zehn, dem entferntesten
Zahlen begriff.
Wundersam also, wie sich dieser Bericht auch in der Welt der Zahlen
ausdrückt: auf der einen Seite jene äußerste Einheit, auf die Gott den
Propheten hinweist, auf der anderen Seite die Zehn, das andere Äußerste,
von dem Gott weiß, daß er dahin streben wird.
Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß J apho als Ausgangspunkt
des Weges nach Tarschisch in seinen beiden entgegengesetzten Werten,
dem äußerlichen und dem Atbasch, den Begriff 222 ergibt, der die Zwei-
heit aufjeder Ebene betont. Bei der Zweiheit nimmt bekanntlich der Weg
seinen Anfang. Nicht der Weg der Umkehr zur Eins wird beschritten,
sondern der Weg zur Vielheit. Dieser führt in der Tat von der Zwei zur
vollzogenen Zwei, der Vier (,,Bauplan"); die Vier ist in ihrem Wert gera-
de auch die Zehn, nämlich 4 + 3 + 2 + l.
So beginnt der Lebensweg. Sichtbar ist allein die Vielheit, die 70.
Jonah, eigentlich der Wichtigste, der schon zum Voraus die ganze Reise
nach Tarschisch bezahlt hat, bleibt unsichtbar. Das Leben hat also seinen
Anfang genommen, und man rechnet mit Tarschisch. Wohl liegt es noch
in weiter Ferne, und es bleibt noch unsagbar viel zu tun und zu erleben,
bevor man dahin kommt, aber man ist doch unterwegs, man hat den
Preis bezahlt. Der Mensch scheint innerlich zu wissen - jedenfalls be-
trachtet er es als die logische Folge seines Tuns-, daß er in Tarschisch
ankommen wird. Er weiß zugleich, daß er sich damit immer weiter von
Gott entfernt, ja vielleicht ist das gerade das entscheidende Motiv seiner
Reise durch die Zeit nach Tarschisch. Dort erwartet er ja, selber König
und Gott zu sein. Denken wir an das Auftreten der ,,benej ho-Elohim"
(Gen. 6, 1-2) unmittelbar vor der Mabul, also auf dem Weg nach 1656.
Diese ,Göttersöhne" bezeichnen einen dermaßen überwältigenden Höhe-
punkt der Entwicklung und des Könnens, daß nur noch die Mabul folgen
kann. Aber der Mensch geht den Weg in guten Treuen, er spürt, wie seine
Macht wächst. Kam nicht sogar das Schiff zurück, das schon das Wei-
te gewonnen hatte? Welch verheißungsvoller Zufall! Mensch und Welt
scheinen also zu gedeihen.
Dies die eine Seite. Doch schon am ersten Tag der Reise erhebt sich
der große Wind (ruach) und der große Sturm (saar = 60-70-200)". Es 5

Pirke de R. Elieser X zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


' zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
175 zyxwvutsrqponmlkjihgfedc
3. Das bewegte Leben zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZ
sieht so aus, als ob das Schiff, oniahy zerschellen soll. Es ist nicht auf
Kurs zu halten. Die große Angst kommt über die Mitfahrenden dieses
,,Ich", und jeder der 70 schreit zu seinem Gott. Nur Jonah war hinunter-
gestiegen ins Innere des Schiffes und schläft.
Man vergegenwärtige sich die Lage: Der Mensch findet es normal,
richtig und gut, wenn die Zeit ein unerhörtes Wachstum zeitigt. Er er-
wartet, daß der Weg nach Tarschisch, einmal eingeschlagen, einen unge-
störten Verlauf nehmen kann. Die plötzliche Drohung großen Unge-
machs ist ihm unbegreiflich. Warum nur darf die Welt sich nicht unent-
wegt weiterentwickeln? Man möchte doch das Weichbild von Tarschisch
erreichen, und warum sollte der Weg nach der ,,Zehn", hin zur Fülle in
der Vielheit, nicht gut sein?
Der Wind, ruach (200-6-8), durch den Gott unerwartete Bewegung
über das Meer, über die Zeit bringt, entfacht schließlich den Sturm, den
großen Sturm in der Zeit. Sobald sich das Ich des Menschen in Richtung
auf den ,,Fortschritt" aufmacht, läßt Gott die Gegenkräfte entstehen,
die dieses Vorhaben zu einem Wirbel, einem stürmischen Geschehen ma-
chen. Niemand begreift die Ursachen dieser Erscheinung. Die 70 Götter
der 70 Völker vermögen keine Antwort auf die Frage nach den Ursachen
des Verhängnisses zu geben.
Seuchen, Kriege, Neurosen, Unverstand man begreift nicht, warum
sie sein müssen. Spricht das alles gegen den Weg nach Tarschisch? Hat
nicht dieser fremde, sonderbare Mann alles aufs beste geordnet, hat er
nicht bereits die ganze Fahrt für alle bezahlt? Welches Böse darf sich
denn unter diesen Umständen dem Unternehmen in den Weg stellen?
So fragt der Mensch, so orakelt die Welt. Man versucht sein Bestes,
die Reise dennoch erfolgreich zum Abschluß zu bringen. Wer ahnt auch
nur etwas von Niniveh, wer durchschaut den seltsamen Passagier, der
tief innen im Bauch des Schiffes unbekümmert schläft?
Man beginnt damit, daß man Ballast abwirft. Wer in der Zeit mithal-
ten will, darf seinem Fahrzeug keine allzu schwere Ladung zumuten.
Vielleicht hat man doch zuviel an Gütern aus der anderen, der zurücklie-
genden Welt mitgenommen? Um den Sturm zu bestehen, entledigt man
sich vieler Dinge, die man zuerst für nützlich und unentbehrlich für die
Reise gehalten hatte. Man trennt sich davon in der Meinung, auf diese
Weise Tarschisch schließlich doch noch zu erreichen. In seinem Innersten
freilich weiß man, daß der Sturm allein wegen des Einen ausgebrochen
f zyxwvutsrqponmlkjihgfedcb

176 III. Die Reise ins Leben


4. Das Schlafende wird entdeckt 177
ist, der, obwohl er die Mittel zur Reise aufgebracht hat, nun unsichtbar
eigentlich einem Ausgeschiedensein 'aus dem Leben des ,,Ich". Jonah
und vergessen mitreist.
liegt im tiefsten Teil des Schiffes, er ist dahin gewissermaßen abgesun-
Im Leben stellen sich viele Widrigkeiten ein, und man weiß tatsäch-
ken, für die draußen befindlichen Siebzig unsichtbar geworden. Jetzt
lich oft nicht, woher und warum. Die 70 Götter, die 70 Wissenschaften,
aber weckt ihn der Raw ha-chowel des Oniah, damit auch er seinen Gott
die 70 Sprachen, alle menschliche Weisheit vermag die Frage nicht zu
anrufe. Alle anderen haben es bereits getan, aber ohne Erfolg. Kein Zei-
beantworten. Denn alle Auskünfte, die Jonah nicht in Rechnung stellen
chen hat ihrem Flehen geantwortet. Zwar war jedesmal, wenn man etwas
und Niniveh außer acht lassen, fördern das Verständnis nicht. Die Vor-
von der Ladung über Bord geworfen hatte, eine kurze Erleichterung
geschichte hat sich wo anders abgespielt und wirkt nun in die düsteren
eingetreten, aber rasch war es wieder ebenso arg wie zuvor, ja ward es
Ereignisse hinein. Auf den Wegen der 70 möchte man die Krankheit
immer ärger, weil eben damit wieder eine Hoffnung vertan und verloren
überwinden, Kriege, Hunger, Armut, Unrecht beseitigen, will man all
war im Meer der Zeit. Schließlich ist nichts mehr übrig geblieben, das
dem abhelfen, was die Welt in tödlich ermattende Unrast stürzt, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
will
noch preisgegeben werden könnte, daher das Ansinnen an Jonah. Man
man dem Sturm trotzen. Der Widerstand bedingt nun aber, daß man das
hat die vage Hoffnung, daß sein Gott antworten könnte. Man befindet
,,Ich" stets leichter macht, stets weiter entleert. Vieles geht dabei verlo-
sich doch auf einem guten Weg zu einem guten Ziel -- was kann es denn
ren, und doch hält der Sturm an, und dem Schiff droht der Untergang
sein, das die grausamen Fehlschläge und Irrungen, Blut und Tränen,
im Meer der Zeit. Das ,,Ich" ist in Gefahr, ausgelöscht zu werden. Dies
Seufzen und Qual verursacht? Womit verdient der Mensch denn das?
gilt für den einzelnen Menschen ebenso wie für die ganze Welt.
Man wirft das Los, um herauszufinden, wer oder was die Ursache
In der höchsten Not endlich erinnert man sich Jonahs. Im Schiff, in dieses entfesselten Orkans im Meer der Zeit ist, in dem der Mensch unaus-
dessen Inneres er tief hinabgestiegen ist, schläft er. Das Schiff heißt nun gesetzt zu vergehen droht. Aber was man auch ersinnt und unternimmt,
nicht mehr oniah, sondern sephinah. Jonahs Schlaf ist kein gewöhnlicher nichts kommt gegen die Gewalt des Sturmes und der hochgehenden
Schlaf, sondern ,,tardemah" (vgl. auch Gen. 2, 21). In diesem Wort für Wogen auf. Die 70 Götter, die 70 Sprachen und Wissenschaften, alles
Schlaf steckt der Begriff resch-daleth, herabsteigen; denn tatsächlich be-
versagt.
findet sich ein solcher Schläfer in einer anderen, tieferen Welt. Während
der Sturm wütet und die Besatzung alle Hände voll zu tun hat, um das Der Schlafende wird entdeckt
Schiff vor dem Untergang zu bewahren, fällt Jonah in diesen tiefen
Schlaf. In einer Welt, in der man soviel von dem Mitgebrachten preis- Wenn man das Los wirft, so meint man, damit dem Zufall eine Gele-
gibt, um es in der Zeit dahinschwinden zu lassen, lebt er sozusagen gar genleit zu geben. Man richtet seine Aufmerksamkeit auf etwas, das sich
nicht. Der Augenblick, da man sich endlich seiner erinnert, bezeichnet der menschlich faßbaren Kausalität entzieht; denn menschliche Logik
eine außerordentlich wichtige Wende im Leben. Welche Bereicherung hat sich als unnütz erwiesen, und menschliches Forschen ist in den ent-
des Menschen, wenn er sich bewußt wird, daß das ,,Ich" etwas in sich scheidenden Bereich nicht eingedrungen. Man achtet nun auf etwas an-
birgt, an das man vergessen hatte zu denken: man hat einen Fremden an deres, und in dem Augenblick, da man an den herkömmlichen Methoden
Bord, der aus einer anderen Welt, aus dem Land Israel stammt, an dessen verzweifelt und andere als menschliche Ursachen zu erwägen beginnt,
Grenze man ihn aufgenommen hatte. stellt man fest, daß die Gestalt Jonahs immer mehr in den Mittelpunkt
Der Schiffs-Hauptmann, der ,,Raw ha-chowel", sucht Jonah auf. Cho- rückt. Denn gerade der ,,Iwri", im vorliegenden Falle also Jonah, lebt
wel hat den Wert von 40 (8-2-30). Er bestimmt die Fahrtrichtung, er ganz aus dem, was der Mensch nicht begreift, was er als ,,zufälliges Ein-
leitet das „Ich"; er hat immer von Jonah gewußt, nun kommt er ihm treten von Umständen" zu bezeichnen geneigt ist. In der Welt Jonahs
wieder in den Sinn. In diesem Augenblick des Lebens findet der Schiffs- hören die Naturgesetze auf zu stimmen, hat es keinen Sinn mehr, Berech-
Hauptmann den Propheten im tardemah, einer Art Bewußtlosigkeit, nungen anzustellen, kann man weder intra- noch extrapolieren. Das Los,
'
17 8 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 4. Das Schlafende wird entdeckt
III. Die Reise ins Leben zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 17 9

,,goral" (3-6-200-30), also das, was aus dem ,,Zufall", dem Unbekannten selbst. Seine Sicht der Welt ist dadurch bestimmt. Einerseits soll er nach
hervorgeht, weist stets auf Jonah. Man könnte auch sagen, sobald dem Niniveh, der Eins, andererseits ist aber auch sein Ausschweifen in die
Unbekannten die Ursache zuerkannt werde, richte sich die Aufmerksam- Welt unabdingbar, weil sonst die Welt der siebzig Völker sinnlos und ver-
keit auf Jonah (vgl. ,,Esther" über den Zufall). loren wäre. Gott schafft aber doch auch die Welt bis in ihre fernste Rea-
Erst in dieser Situation des Menschen wird Jonah lebendig; denn lisation, obwohl er zugleich in seiner Erhabenheit mit derselben im Him-
nun fragen die 70 nach ihm, wer er sei, was mit ihm sei, mit der Ursache mel thront. Gott läßt den Menschen in die Welt hinausgehen, während
aus dem Undurchsichtigen, einer völlig anderen Welt, zu der die 70 Götter er ihn doch bei sich, im Ursprung weiß. Es ist stets wie mit dem Baum,
keinen Zugang haben. Man ist bestürzt über das Vorhandensein einer ,,der Frucht ist und Frucht macht."
solchen anderen, totgeglaubten Welt. In diesem Augenblick ertönt aus Sobald Jonah gesagt hat: ,,Iwri anochi ein Hebräer bin ich",
dem Munde des 71. die Auflösung des Rätsels, Die Antwort des Einen ergibt sich von selbst die Frage des Kapitäns: ,,Was hat dich denn ver-
lautet: „IwriánöcE- ein Hebräer bin ich", d.h. von der anderen Seite, anlaßt, dich unserer Fahrt nach Tarschisch anzuschließen? Du gehörst
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bzw. von jenseits bin ich. Als der Eine stehe ich allen übrigen, der Viel- doch in eine ganz andere Umgebung, stammst doch von der anderen
heit der Siebzig gegenüber. Dies Wort allein zeigt schon, daß im Menschen Seite, von der Eins, während wir auf die Seite der Siebzig gehören!"
eine neue Kraft wach wird, daß etwas in ihm ist, das sich aller naturwis- Der Mensch begreift nicht, daß die Schechinah stets mitgeht; er ist
senschaftlichen und soziologischen Einordnung entzieht. Er allein, der nur bereit, einzuräumen, daß Gott einen fernen Himmel bewohnt; der
Iwri, weiß vom Gott aller Himmel, der die Welt des Trockenen ebenso Gedanke, daß er auch auf Erden anwesend ist, mit allem Leidenden mit-
wie die Welt des Wassers macht, der sowohl außerhalb als auch innerhalb leidend, in alles hineinverwickelt, ist ihm befremdlich. Doch auf dem
des Bereichs der Zeit regiert, der in den Himmeln ist, wo die irdischen Höhepunkt des Sturmes weckt der Schiffshauptmann den Schlafenden,
Gegensätze eine Einheit und Harmonie bilden. für seine Gefährten Unsichtbaren, und es ereignet sich das Gespräch. Es
Auf einmal zeigt sich im Menschen ebenso wie in der Welt etwas dämmert dem Menschen, und es merkt die Welt, daß sich eine Antwort
Neues. Der erwachte Iwri entfaltet eine neue Zielstrebigkeit und einen auf den Sinn alles Geschehens allein im ,,goral" und durch den Hebräer
neuen Eifer. Man wird sich bewußt, daß alles Geschehen um den Men- anbietet.
schen und die Menschheit durch dieses Iwri-Element in ihnen bestimmt Wie sich nun zeigt, ist der Sturm nur deshalb entfesselt worden, da-
wird, daß alle Siebzig, die so geschäftig und hastig alles ausprobierten, mit Jonah gefunden, aufgeweckt und heraufgeholt werden kann aus dem
ganz einfach von ihm, dem Einen, abhängen. Dieses Erwachen des Iwri Inneren des ,,Ichs", eben des auf der Zeit fahrenden Schiffes. Der Augen-
im Menschen kann eine vorübergehende Episode sein, kann aber auch blick, da der Mensch die Hoffnung auf Rettung fahren läßt, ist die Stunde
fortdauernd wirksam bleiben. Kein Außenstehender kann registrieren, des ,, Raw ha-chowel'' in ihm, der sich Jonahs erinnert, ihn ins Blickfeld
was sich beim Menschen in der Zeit abspielt. heraufsteigen läßt und ins Gespräch zieht.
Die Lebensstürme entstehen also wegen des Iwri;jede andere Vermu- Man fragt sich, was Jonah hier, in der Welt des ,,Baumes, der Frucht
tung ist unbrauchbar, da sie den Kern verfehlt; Heimsuchungen, Kriege, macht", eigentlich sucht. Menschlicher Kenntnis ist es verborgen, daß der
alles Unrecht, alle Beunruhigung und Qual dieser Welt und des Menschen Baum des Lebens den Namen des ,,Baumes, der Frucht ist und Frucht
kommt durch den Iwri, kommt, weil der Iwri Verlangen nach Tarschisch macht" trägt. Und es ist auch nicht zu begreifen; denn in der Welt auf
trägt, weil er vor Gott flieht. Anderseits muß er auch wieder diesen Weg dem Wege nach Tarschisch ist Jonah einzig als Verborgener anwesend.
gehen, weil er ihn mit den 70 Völkern, den 70 Wissenschaften und Sichtbar ist hier allein die Siebzig, die Eins bleibt im Verborgenen. Nur
Sprachen zusammenführt. Auch der Fisch wartet ja auf ihn. Diese Frage- so ist ihr, welche die ganze Reise nach Tarschisch für alle bezahlt hat,
stellung, diese Gegensätzlichkeit liegt im Iwri. das Mitgehen möglich.
Im Unterschied zu den Siebzig zeigt der Iwri den Gegensatz bei sich Jonah ist sich darüber klar, daß dies alles geschieht, weil er vor Gott
»

180 III. Die Reise ins Leben zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


fli eht. Er weiß , daß die Bestim m ung der W elt nicht darin gipfe lt, daß vie+4±9x$se
Tar schisch erreicht wird. Dennoch wählt er die Flucht, und er kann es,
weil Gott auch diese W elt des Fortschritts, des ,,W eges", gem acht hat.
Der gewöhnliche Jonah legt sich das natü rlich nicht so sauber zurecht,
seine Flucht ist vielm ehr echt; er für chtet die Verbannung fü r Israel, die
unweigerlich dro ht, wenn er in Niniveh das ihm aufgetragene W ort aus-
richtet. Er fürchtet, daß er eben durch di e Ausrichtung der Botschaft
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
die Barm herzigkeit auslösen könnte, jene seltsam e Gotteskraft, die alles
durchbricht und eintritt, wenn der Mensch zur ,,teschuwah", zur Umkehr,
gelangt. Der gewöhnliche Jonah möchte dem unbegreiflichen Widerspruch
entrinnen, und er glaubt, daß ihm das gelingen werde, wenn er dem Land '~ -.-·..::. __
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Israel den Rücken kehrt, weil dann die Last der Prophetie von ihm ab- g_

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fallen werde. Je mehr er sich Tarschisch nähert, je größer der Abstand zu • e·
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dem ihm gewordenen Auftrag, desto stärker wird sein Freiheitsbe- ). M %%M zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZ ', I

wußtsein.
Aber gibt es diesen gewöhnlichen Jonah überhaupt? Gewiß, soweit
unser Blick nur das Äußerliche erfaßt. Aber es gibt diesen gewöhnlichen
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Jonah nur, weil bei Gott der wesentliche Jonah besteht. Dort hat der g e ?êj?$"s,
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Gegensatz nicht irdische Schärfe, dort ist Zweiheit in Harmonie, wie


sie sich auch im Bilde des Buchstabens aleph ausdrückt. Dem irdischen
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Jonah aber bleibt das Wesen verborgen, und so handelt er ,,umsonst". £ %$$
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Ihm graut vor Niniveh, und doch geht er schließlich dahin. Wir können ff ;
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das alles nur sehen, weil es uns in der Erzählung von Jonah offenbart 1 11
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wird. In diesem Bericht von Jonah sind, wie das bei allem der Fall ist,
was von Gott gegeben und aufgeschlossen wird, die größten Wunder ver-
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borgen. Wir Menschen können nun diesen Bericht in Ehrfurcht lesen,
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wir dürfen sogar, wenn wir seine Tiefen entdecken, Jonah verstehen, und %% % k¢i „o 7 1"lfé?%$%%%j, "3
doch können wir auch weiterhin wie der ,,gewöhrliche Jonah" handeln.
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Auf geheimnisvolle Weise bleibt die Zweiheit hier doch bestehen, so gut
man auch die Einheit spüren und begreifen mag. Die Zweiheit bleibt die 913
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unentbehrliche Grundlage dieser Welt des ,,Beth" (,,Bauplan") bis zum lg3$gs±- #jg±if$$3 g;
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Ende der Tage, damit der Mensch umsonst handeln kann. Die Möglichkeit g,,,,é Sf
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vor Gott befinde, und er selbst empfindet es auch so. Dennoch weiß
Jonah irgendwie, daß seine Flucht einen verborgenen Sinn hat, daß alles zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

4. Das Schlafende , wird entdeckt zyxwvutsrqponmlkjihgfedc


181
nur darum so geschieht, weil er zwischen sich und den Auftrag, nach
Niniveh zu gehen, einen immer größeren Abstand setzt, ohne dabei das
Vertrauen aufzubringen, daß sogar die Verbannung einen Wert haben
und nur ,,gut" sein kann.
Gerade diese Flucht Jonahs und die Ereignisse, die sich daran knüp-
fen, verfehlen nicht ihren Eindruck auf die Welt. Sie zeigen ihr, daß dar-
in ein ganz andersartiger Sinn liegt als in der Reise nach Tarschisch, und
daß im Menschen eine tiefere Bestimmung am Werk ist, als es zuerst den
Anschein hatte.
Japho, die Hafenstadt, wo Jonah seine Reise beginnt, liegt im Lande
Dan. Dan ist der fünfte Sohn Takobs und wird unter allen Stämmen als
der am meisten leibliche betrachtet. Das ,,machaneh Dan", Dans Lager,
bildet den nördlichen Teil. Als Nachhut grenzt Dan an Amalek. Ihm fällt
die Aufgabe zu, die Schwachen einzusammeln, die ein Raub Amaleks zu
werden drohen. Das ,,pesel Michah", das Bild Michas ", befindet sich bei
Dan, ebenso die goldene Platte mit dem ,,aleh schur", die Mose in den
Fluß wirft, um den von den Ägyptern verborgenen Joseph zum Vor-
schein zu bringen und beim Auszug mitzuführen. Dieses ,,aleh schur",
,,Steige auf, Stier!", hat die Kraft, das im Fluß der Zeit Verborgene an
die Oberfläche zu bringen. Dort im äußersten Norden, bei Dan, ist die
Gefahr von ,,awoda sara", dem Dienst am Äußeren, besonders groß: Es
beginnt damit, daß man die Kraft als neutral betrachtet, manipulierbar
durch den Menschen, Selbständigkeit und Macht verleihend, als eine
Kraft also, die vom an Gott gebundenen menschlichen Leben getrennt
ist. Dan ist stets der Äußerste, das Letzte und Leiblichste.
Aus Dan geht Schimschon hervor, der am Ende der Zeit als der Erlö-
ser aufsteht und zusammen mit den Philistern untergeht. Dieser Erlöser
aus dem Stamme Dan ist betont körperhaft. In ihm kommt eine Seite des
Erlösers zur Geltung, die sich als eine große Macht im Leiblichen äußert.
Als Jakob im Zuge der Segnung seiner Söhne zu Dan kommt, wird er auf
einmal des Untergangs gewahr, die mit dieser körperhaften Seite des Er-
lösers verbunden ist; er unterbricht seine Worte mit dem Ausruf: ,,Auf
dein Heil harre ich, Herr" (Gen. 49, 18). Dieser Ausruf hallt bis auf den
heutigen Tag nach; er enthüllt das Erstaunen über die unbegreifliche
körperliche Seite der Erlösung.

• Richter 17
»

182 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
III. Die Reise ins Leben 5. Rettender Tod 183
I.

Auf dem Wege über Dan verläßt also Jonah das Land; der Weg nach um seinetwillen so viel geschieht, Gott in so welterschütternder Weise
Tarschisch ist der des leiblichen Erlösers. Wie Schimschon scheint auch eingreift. Man ist zwar mit davon betroffen, obwohl man augenscheinlich
Jonah zu fallen, geht er doch in den Augen der Welt unter. Aber der nichts damit zu tun hat. Das Ziel, Tarschisch allen Hindernissen zum Trotz
leibliche Erlöser, der vor der Welt den Eindruck erweckt, nach Tarschisch zu erreichen, weicht nun einer Würdigung, daß Gott das Denken und Han-
mitzufahren, geht endlich doch nach Niniveh. Sein Weg führt nicht von deln eines einzigen Menschen so wichtig nimmt, das Weltgeschehen sogar
der Zwei, wie es zuerst scheint, nach der Vier und Zehn, sondern zurück nach dem Leben des Einzelnen richtet. Was, so fragt man sich, bedeutet
zur Eins. Sein Ziel ist nicht die Zehn von Tarschisch, sondern schließlich alles andere, im Vergleich zu diesem Einen? Man ahnt etwas vom Sinn des
doch die Eins von Niniveh. Gottes Weg mit der Schöpfung bis zum Sturmes, der das ,,Ich" vergehen läßt. Man erkennt nun im Sturm Gottes
Äußersten ist nur die eine Seite, die andere zeigt den Weg zurück. Es ist Wort. Das ganze Schiff, das ganze ,,Ich", ist bereit zur Umkehr. Doch der
das Ausatmen und Einatmen, und es ist beides zu gleicher Zeit. Der Weg Sturm verliert nichts von seiner Heftigkeit; solange Jonah auf dem Schiff
des Erlösers, der bei Dan beginnt, bringt im Zuge seiner Verwirklichung ist, wird die Rückkehr nicht gelingen. So sieht man schließlich ein, daß mit
große Angst und Entsetzen; was auch geschieht, es ist das Unerwartete. Jo nah zuerst etwas geschehen soll. Alles weitere hängt offensichtlich ent-
Der eingeschlagene Weg führt nicht stracks zum vorgenommenen Ziel, scheidend davon ab. Es zeigt sich, daß die Fahrt noch einen anderen
sondern im Gegenteil auf eine sehr sonderbare, für den Menschen unver- Zweck hat als die Umkehr, nämlich den Tod Jonahs. Es sieht tatsächlich
ständliche Weise zurück. so aus, als ob keine andere Lösung übrigbliebe. Voller Verzweiflung über
das Mißlingen aller Anstrengungen fragt man sich, warum Gott sich nicht
Rettender Tod am Willen zur Rückkehr genügen läßt? Doch nein, allein der Tod, das
Hineinwerfen ins Meer der Zeit, bietet sich an. Der Mensch kämpft um
Im Tosen des Sturmes sucht man das Gespräch mit Jonah, der nun sein Leben, er will den Tod nicht, er will nur zurück. Doch unerbittlich
erst sichtbar geworden ist. Man gibt sich Rechenschaft, daß der drohende drängt sich die Forderung auf: ,,Wirf Jonah ins Meer, in den Tod!" Denn
Untergang mit ihm zusammenhängt, mit dem Jonah, der sogar nach Tar- der Fisch wartet aber wer vermutet das?
schisch wollte, um sich vom Ursprung zu lösen. Die Überlieferung (Pirke de R. Elieser) erzählt, wie man in der Tat
Jonah erklärt ihnen dann, daß sie ihn ins Wasser werfen sollen, damit versucht, Jonah nur zum Teil ins Wasser zu bringen, und wirklich, in
so endlich der Sturm besänftigt werde; denn nicht die Siebzig, sondern dem Maße, wie man ihn eintaucht, beruhigt sich das Meer ein wenig. Aber
er, der Eine, der diese Fahrt mitmacht, ist dessen Ursache. Sobald dieser auf die Dauer hilft alles nichts. Es zeigt sich, daß Jonah wirklich ganz
Eine aus dem ,,Ich" ausgeschieden ist, steht dem Weg der Entwicklung, dem Element ausgeliefert werden muß, wenn noch etwas vom Schiff be-
und sei es bis hin nach Tarschisch, nichts mehr im Wege. Der Eine soll in wahrt bleiben soll. Das Schiff wird erst wieder zur Ruhe kommen, wenn
der Zeit verloren gehen. Jonah weiß keinen anderen Rat als diese Selbst- Jonah der Sturmgewalt überlassen wird. Es zeigt sich, daß es unmöglich ist,
preisgabe. Sein Tod wird die anderen retten, was mit ihm geschehen soll, mit Jonah jemals Tarschisch zu erreichen. Was aber noch eindrucksvoller
überläßt er dem Gott, der auch der Herr der Wasser und der Herr der ist, man sieht ebenfalls ein, daß man nicht einmal umkehren kann, solange
Zeiten ist. In der Zeit wird er untergehen und unsichtbar werden, in der Jonah noch zu den Mitfahrern zählt. Jonah muß, so oder so, von Bord
Erscheinungsform dieser Welt wird er sterben. Jonah steht nun an der verschwinden. Und das ist eine sehr schwere Entscheidung, eine erschüt-
Grenze zweier Welten, zwischen Leben und Tod. ternde Entscheidung. Man kann doch nicht das Wesentliche, die ,,Eins",
Die Besatzung des Schiffes hat nun eingesehen, daß Jonah nicht als den Kern, von sich werfen. Gerade jetzt, wo man die tiefe Bedeutung
einer der Ihren zu den Vielen gehört. Man wagt es darum nicht, ihn über dieser ,,Eins" für das Leben erkannt hat. Es hat sich unzweifelhaft erwie-
Bord zu werfen, man möchte ihn im „Ich" bewahren. Man glaubt sich sen, daß alles durch sie bestimmt wird. So will der Mensch die Nescha-
zu versündigen, wenn man sich seiner jetzt entledigen würde, da doch mah nicht fahren lassen, ob er gleich sieht, daß gerade dies der Sinn des
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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III. Die Reise ins Leben


184 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 5. Rettender Tod 185
Ganzen zu sein scheint. Die Neschamah bringt dem Menschen die Un- steht er doch im Widerspruch mit ihren Erfahrungen und mit allem, was
ruhe; er fühlt sich von diesem Leben ganz und gar nicht befriedigt. man jeden Tag aufs neue antrifft.
Sobald man nun, und sei es zunächst auch nur teilweise, die Neschamah Die zurückkehrende Hülle aber macht noch manches mit. Sie kommt
ins Wasser taucht, wird die Unruhe jedenfalls geringer. Schlaf, Bewußt-
· ,
nach Hause mit dem ,,Sewach" (7-2-8), dem Begriff 17, dem Korban,
losigkeit und Rausch zeigen an, daß der Tod irgendwie einen Sinn hat, worin die Abrundung des Weges liegt. Die Zahl 17 ist uns ja als der Be-
und doch schreckt man vor der letzten Konsequenz zurück. Dies kann griff,, tow" (9-6-2), d.h. gut, bekannt; sie zeigt zugleich den Ablauf einer
doch nicht der Endzweck des Ganzen sein, denkt man. Welcher Sinn irdischen Phase an. So schließt jeder Schöpfungstag mit der Feststellung
kann denn im Tod, dem völligen Dahinschwinden, liegen? Jonah aber ,,tow" (ausgenommen der zweite, vgl. ,,Bauplan"), womit ausgedrückt
weist darauf hin, daß mit ihm doch etwas ganz besonderes ist, und daß wird, daß das Ende gut ist, also nichts unvollendet bleibt, nichts nachzu-
das ,,Ich" sich doch von ihm wird trennen müssen. Der Abschied ist holen ist, daß es sogar nicht weiter gehen kann und auch nicht gehen
ganz nahe. darf. ,,Tow" hält fest. daß der Sinn der Schöpfung mit der vorange-
Also übergibt man Jonah schließlich dem Meer. Für die Zurückblei- gangenen Tat Gottes abgesteckt ist und nicht außerhalb derselben ange-
benden ist er jetzt tot, für alle Zeit tot. Das Geschehen ist entscheidend. strebt werden muß. So beginnt auch die Mabul am 17. Tage und im 17.
Denn der Sturm hält nun augenblicklich inne, und das Schiff, oniah, biblischen Jahrhundert, Jose ph wird im Alter von 17 Jahren nach Ägyp-
findet seine Ruhe. Den Gedanken an Tarschisch läßt man nach dem mit ten verkauft, die Anbetung des goldenen Kalbes, der Fall Jerusalems
Jonah Vorgefallenen endgültig fahren. Man hat Gott als den Herrn auch finden am 17. des Monats statt, usw. Mit dem Begriff 17 ist das Ende
über die Welt der Zweiheit, als den Schöpfer von Himmel und Erde, eines Zustands bezeichnet, ist das Korban da, welches ,,sewach", 17,
kennengelernt. So kehrt das Schiff zurück, und die Besatzung bringt heißt. Die Rückkehr ist ein großes Fest. Man sagt, daß die Toten in Israel
Gott Opfer und Gelübde dar. Die 70 Völker sind durch die Begegnung auferstehen. Zu ihrer Auferstehung bewegen sie sich nach Israel, dorthin
mit Jonah und die Erfahrung des gestillten Sturmes gerettet. Sein Tod, ziehen sie. So wie nun die ,,70" sich nach Israel zurück bewegen. Dort
zu dem sie beitragen mußten, hat ihnen Einsicht und Verständnis ver- kann man dann auch die ,,nedarim", die Gelübde, ablegen. Man hat nun
liehen. Sie wissen jetzt, daß das Leben nur dann einen Sinn hat, wenn es den geraden Weg, man kennt sich aus. Was man sich vorgenommen hat,
ein ,,Korban" ist, die Erfüllung dessen, was man Gott gelobt hat. Die wird auch durchgeführt. Man hat, durch die Begegnung mit Jonah, an
Fahrt nach Tarschisch hat also bewirkt, daß sie als neue Menschen in diesem entscheidenden Punkt des Lebens Gott kennengelernt als den
Israel einziehen. Herrn von Himmel und Erde.
Dies gilt für die ganze Welt wie für den einzelnen Menschen. Jeder Nicht nur im Moment des Sterbens, vielmehr jeden Augenblick, je-
Mensch hat sein persönliches Jonah-Erlebnis; es wird ihm zuteil in dem den Tag findet dieses Geschehen statt. Unaufhörlich gibt es ein Sterben
für das Wahrnehmbare entscheidenden Geschehen des Todes, wenn gelebter Augenblicke und Tage, die wir hinter uns lassen. Man muß im
der Jonah von ihm genommen wird, und er weiß nicht, wohin. Er selbst Leben Stürme über sich ergehen lassen, um Jonah zu begegnen. Wer in
aber kehrt in diesem Augenblick ebenfalls zu seinem Ursprung zurück, seinem Leben keine Stürme kennt, sollte darüber gründlich nachdenken.
zu den ,, Vätern" oder zum ,,Aphar", zur Erde, dem Geheimnis, von dem Wie könnte der Mensch so ohne weiteres nach Tarschisch gelangen? Man
er genommen wurde. Es gelingt ihm nicht, Tarschisch zu erreichen, und möchte den Gedanken an den Tod verdrängen; er paßt nicht in diese
er will es auch nicht mehr. Für seine Siebzig, durch die er an der Vielheit soziale Welt, er verträgt sich nicht mit dem Wunsch, die augenblickliche
teilhat, für seine ,, Umhüllung", findet die Rückkehr zum Ursprung statt. Zeit herrlich auszugestalten. Gern redet der Mensch sich dann ein, daß
Doch dort spielt sich dann noch allerhand ab. Für jene aber, deren Schiff er nichts von einem Sturm bemerkt habe. Was macht er aber, wenn dann
oder ,,Ich" noch den Kurs nach Tarschisch hält, ist diese Rückkehr der Tod eines Tages Wirklichkeit für ihn wird? Beruhigt er sich bei dem
unergründlich. Schon der bloße Gedanke daran ist ihnen ein Greuel, Gedanken an ein Erstklass-Begräbnis? Freut er sich auf die Grabrede?
?

III. Die Reise ins Leben zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


18 6 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

Wird ihn der Gedanke, was nun weiter mit ihm geschehen wird, nicht

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doch beunruhigen? Nur nicht darüber reden! Selbst jetzt will man keinen
Sturm, und doch hat dieser gerade jetzt sein Werk gründlich getan. Frei-
lich hat sich die Wirkung nicht an dem ,,Ich" manifestiert, wie es der
Mensch hier kennt, nur das andere Ich registrierte die Erschütterung. War
er vielleicht darum so neurotisch, so kränklich, kummervoll, besorgt, zyxw
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war er deshalb so töricht, sich in sinnlose Betriebsamkeit zu stürzen?

War er darum so ganz und gar eingesponnen in das Spiel der Gesellschaft, ·i {

um den Sturm nicht sehen zu müssen? Einmal freilich wird er seine


Augen nicht mehr davor verschließen können, bei seinem eigenen Tode.
#4
ve+!"# 1

Alle seine Begleiter, die er um sich geschart hatte, und die seine Jugend
ins Ungemessene verlängerten, bleiben nun notgedrungen zurück. Für die
Umwelt ist sein Hinschied lediglich eine unangenehme Angelegenheit, «,
die man so rasch wie möglich zu vergessen sucht. Allein der Betroffene n'1
8F

kann dem Geschehen des Todes nicht ausweichen, er ist seinem Wirbel M
" zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
schutzlos ausgeliefert.
Im Leben kann man auf Schritt und Tritt Zeuge dieses Sturmes wer-
. +,

den: bei allem Luxus, aller makellosen Hygiene wird doch in der Welt
unsagbar viel gelitten. Unermeßlich ist die Verlassenheit, aber auch die
Dummheit, ganz zu schweigen von den Prüfungen und Enttäuschungen,
die im Leben eines jeden Menschen unvermeidlich sind.
Geradezu spukhaft sind jene selbstsicher fahrenden Schiffe. Es ist,
als ob sie keine Besatzung hätten. Laufen sie denn nie einen Hafen an,
weder in Tarschisch noch in Israel, schläft in ihrem Bauch kein Jonah,
ist es ihnen folglich bestimmt, immer weiter und weiter auf dem Strom
der Zeit zu fahren zum Entsetzen aller, die ihnen begegnen? Haben
~-zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
,

sie sich von Gott losgerissen, gerade weil sie nicht in den Sturm geraten ,J t;,

wollten? Fluchen bedeutet im Hebräischen soviel wie ,,Leichtmachen 8


von Gottes Namen", d.h. ein Nichternstnehmen von Gottes Gewicht in vii °
der Schöpfung. Der in diesem Sinne Fluchende gerät mit seinem ,,Ich"
solchermaßen in Fahrt. Die alten Legenden und Sagen sind, wer weiß " .+, #
<• rs !
vielleicht ein unbewußter Ausdruck dafür und entspringen der Furcht &sr;pi] zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONM

Z. •.• "»
e?
vor solch spukhafter Lebensfahrt. ·'
.......
Daher ist es gut, wenn sich der Mensch des unausgesetzten Sturm- ""7 +. .
winds bewußt wird. Sein ,,Raw ha-chowel'' wird sich dann nämlich ge- ·2

nötigt sehen, Jonah in ihm zu wecken, und so wird ihm der Sinn des Le-
~ ~-
bens aufgehen. Für jeden vollendeten Tag, für jeden vorübergegangenen
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

5. Rettender Tod zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW


187
Augenblick soll man sich Rechenschaft' geben, daß er zum Ursprung zu-
rückkehrt, wo der Mensch das ,,sewach" bringt und die ,,nedarim"
(50-4-200-10-40) tut. Man soll wissen, daß Jonah sich unaufhörlich auf-
opfert und um der Möglichkeit· der Rettung und Bewahrung des ,,Ich"
eines jeden einzelnen in der Zeit verschwindet. Wer diesen Sturm nicht
fortwährend sieht und sich jeden Augenblick des Gesprächs mit Jonah
bewußt ist, wer nicht immerzu erlebt, wie Jonah sein Opfer anbietet,
damit alles andere am Leben bleiben kann, der geht achtlos an der eigent-
lichen Größe des Lebens vorbei. Denn der Mensch lebt im Ewigen,
gleichsam auf dem Kamm der bewegten Welle, und stets spielt sich bei
ihm die J onahgeschichte ab. Immer wird Jonah in die See geworfen und
geht darin unter, weil anders die Welt und jedes ,,Ich" nicht bestehen
könnte. Ohne Unterlaß sterben auch die Menschen, kehren Schiffe zu-
rück: immerzu kehrt aber auch alles Erlebte zurück: jeder erlebte Augen-
blick, jeder vollendete Tag geht ein in den ,,Tod", in die Vergangenheit.
All das aber kann nur zurückkehren, weil Jonah sich stets auf dem
Schiff aufhält, verborgen in einem jeden ,,Ich", und weil er fortwährend
ins Meer geworfen wird. Er selbst ist es, der die Weisung dazu gibt, damit
das Schiff erhalten bleibt.
Nur so kann an den Siebzig das Wunder geschehen, das sie erlöst und
errettet. Die Umhüllung, das Erscheinende, alle Vielheit kehrt aufgrund
dieses Opfers des Jonah zurück.
Man erkennt die Struktur der Schöpfung, man sieht, daß Gott mit
seiner Schöpfung mitgeht, und daß dies der einzige Garant für die Erhal-
tung alles Geschaffenen, die Grundlage dieses Lebens ist. Darum weiß
die Überlieferung von Jonah und wie er in dieser Welt erscheint. Darum
auch geschieht die Lesung des J onahberichts nach jüdischer Tradition
vielsagenderweise am großen Tag der Entscheidung, der Versöhnung, der
Rückkehr und das ist das Leben, das ist Jonah.
In seinem Namen, der 71, ist die 70 der menschlichen Vielheit und
die Einheit gegenwärtig, und es kommt darin also zum Ausdruck, daß in
dieser Schöpfung alles von Belang ist. Alle 7 O Völker, alle 70 Wissenschaf-
ten, die 70 Sprachen, 70 Ältesten, 70 Kinder Israels alles ist bei Jonah
einbezogen. Er ist nicht exklusiv, lädt den Einen ein, den Anderen nicht,
sondern fordert alle auf; denn auch in jedem Menschen ist das alles an-
wesend; bis zum Äußersten ist alles inbegriffen.
Darum soll auch jeder einzelne Mensch lernen, Jonah in sich zum Le-
'
188 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
III. Die Reise ins Leben

ben zu erwecken, ihn zu erkennen. Je der soll den , Gilgul" Jonahs in sich
selbst finden, denn der Mensch ist ein großes Wunder, in ihm ist das Höch-
ste vor Gott ausgedrückt, er ist in das Bild Gottes geschaffen. Die Einheit
kommt zustande durch die Harmonie des Vielfältigen. Jede Facette muß
blitzen und das Licht durchscheinen lassen wie alles andere in der
Offenbarung des Wortes, so auch jene Facette, die Jonah heißt. Wenn
das geschieht, wird die Freude über das Wunder noch größer.
Für die Welt verschwindet Jonah in den Wassern, und auch für Jonah
bedeutet dies den Tod. Es ist die Schwelle, der große Schlag, der Über-
gang zu etwas ganz anderem.
Doch das ist nicht das Ende aller Dinge. Immer wieder merkt der
Mensch, daß bereits alles für ihn vorbereitet ist. Von Beginn der Schöp-
fung an fügt sich alles ineinander, nirgends gerät der Mensch ins Sinnlose.
Denn hier ist er der Fisch, ,dag" (4-3 ), der von Beginn der Schöpfung an
auf seine Bestimmung wartet, die Bestimmung, Jonah in sich aufzuneh-
men. Während für die zeitliche Welt Jonah von der Bildfläche verschwun-
den ist, beginnt sich ihm nun eine ganz neue Welt zu entrollen. Auf ein-
mal ist da der ,,große Fisch".
Vier ,,große" Dinge werden im Jonahbericht erwähnt: Niniveh, die
große Stadt; der große Wind, den Gott erstehen läßt, damit der große
Sturm aufkomme, und hier schließlich der große Fisch.
Wo Größe derart hervorgehoben wird, äußert sich das auch deutlich
in der Zahlenwelt, und zwar in den vollen Wort-Werten (,,Bauplan").
Die erwähnten vier ,,großen" Dinge haben nun die folgenden vollen
Werte: Niniveh 253 (106-14-106-12-15), ruach 940 (510-22-408), saar
748 (108-130-510) und dag 507 (434-73), zusammen also 2448. Eben
dies aber ist der Wert, den der Augenblick des Auszugs aus Mizrajim dar-
stellt, der Wert, der im Auszug und im anschließenden Zug durch die
Wüste, also auf dem Weg von der Zwei zur Eins, gerade die eineinhalb
Zeiten ausdrückt: die Zeit der 1656 und die ,,halbe" Zeit der 828.
Schließlich ist auch dies ein Schlüssel zum J onahbericht, der die Rück-
kehr zum Ausdruck bringt: der Weg nach Tarschisch, nämlich 1656, so-
wie die Umkehr, die ihre Kraft in der Tewa, 828, findet. Abgesehen von
diesen vier ,,großen" Erscheinungen, ist auch die Rede von der großen
Jirah" (1,zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
16). Jirah ist die Ehrfurcht, hervorgerufen durch die Erkennt-
nis Gottes. Die 70 Schiffsleute sind durch die Begegnung mit Jonah von
großer Ehrfurcht überwältigt worden, sie haben den Geschmack der an-
,
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5. Rettender Tod zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW
189
i
deren Welt gespürt, und so ziehen sie denn auch nach Jerusalem zu ihrem
,,sewach". Indem sie sich beschneiden lassen, wird auch bei ihnen die
Wirksamkeit des Umhüllenden zurückgedrängt. Ihre ,,nedarim" erstrek-
ken sich u. a. darauf, daß sie auch ihre Frauen zu dem Gott bringen wer-
den, zu dem sie selbst hingeführt worden sind. Alles, was sie von nun an
als Umhüllung erhalten, wird geheiligt. Nicht nur ihre Überzeugung ist
durch ihre Begegnung mit Jonah gefestigt, sondern alles, womit sie im
Leben in Berührung kommen, mit dem die Ereignisse sie verbinden, wird
mit der nämlichen Kraft durchtränkt. Die Konsequenz aus dem Miterle-
ben des J onahgeschehens wird bis ins Äußerste hinein gezogen. Das Ge-
löbnis der Siebzig besteht darin, daß nun alles durch sie geheiligt wird.
Nun ist der volle Wert von jirah (10-200-1-5) gleich 20-510-111-15,
also 656. Zusammen mit den 2448 der vier ,,großen" Dinge ist die große
jirah, als Fünftes den anderen Vier gegenüberstehend, 3104. Dies aber
ist nach der biblischen Chronologie gerade die Zeit des Jonahgeschehens.
Man sieht, in den Worten steckt viel mehr, als sich bei oberflächlichem
Lesen vermuten läßt. Und doch geht schon beim einfachen Aufnehmen
des Textes eine solche Kraft davon aus, daß wir nachdenklich werden
müssen. Die vielfältigen Hintergründe schimmern wunderbar hindurch,
selbst wenn wir sie nicht kennen.
Jonah aber begegnet in dem Augenblick, da er meint, für die Ewig-
keit verloren und als Individualität ausgelöscht zu sein, dem Fisch. In der
Welt des Wesentlichen sieht es in der Tat so aus. Von hier aus versteht man
den Sinn der Erschaffung der Fische.
Dasselbe geschieht, wenn der Mensch aus einer Welt austritt und sich
anschickt, in der Welt des siebenten Tages zu erscheinen. Wir sahen be-
reits, daß der äußerliche Wert des Fisches 7, sein verborgener dagegen
500 ist. Der 7. Tag hat es so an sich, daß er den Menschen der 500 ent-
gegen befördert. Das überirdische, ausgedrückt im Begriff 500, ist in ihm
bereits'. angelegt. Was von der einen Seite als Tod erfahren wird, erweist
sich auf der anderen als Geburt. Darin äußert sich die Zweiheit des sie-
benten Tages. Der Gegensatz, der Abstand zwischen Geburt und Tod,
könnte nicht größer sein, und doch handelt es sich dabei im Grunde um
rias selbe Geschehen. Beim Auszug aus Ägypten zieht man es ist dann
eben der Beginn des Siebten Tages durch das Wasser, und ebendasselbe
ereignet sich beim Einzug ins Land Kanaan, am Ende des Siebten Tages.
Der Mensch sieht sich plötzlich vor dem Fischmaul, und er geht auf-
'
190 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
III. Die Reise ins Leben IV. KAPITEL
recht wie im Leben durch dasselbe in den Bauch des Fisches ein. Er
DIE SEITE, WELCHE TOD HEISST
ist sich bewußt, daß er eine begrenzte Welt betritt, die ganz anders ist als
die Welt, die er bisher kannte. Ebenso fühlt sich der Mensch, wenn er aus
Eden in diese Welt gelangt wie in ein Grab steigt er dahin ab. Die Son-
ne, das ganze bunte Leben ist nun begrenzt durch die Welt, die ,,Fisch"
oder ,,Sieben" heißt und verborgen den Wert der 500 in sich trägt.
Die beiden Augen des Fisches leuchten sowohl nach außen wie nach 1. Der große Fisch
innen, sie sind wie Sonne und Mond für die Welt, aber ach, wie weit vom
wirklichen Wesen der Sonne und des Mondes entfernt! Im Innern des Zwischen Jonah und dem Fisch entspinnt sich nun ein Gespräch
Fisches verbreitet eine große Perle ihr Licht. Es ist das Licht von innen, (Pirke de R. Elieser). Denn kaum hat Jonah den Fisch betreten, da ver-
gleichsam die innere Sonne. Denken wir an das ,,zohar" (90-5-200) in traut ihm dieser an, daß er just an diesem Tag vom Leviathan verschlun-
der Tewa Noachs, die dasselbe Licht gibt, das Licht der Sonne am Mit- gen werden soll. Jonah aber heißt den Fisch, ihn zum Leviathan zu brin-
tag (zoharaim). Ebenso sieht Jonah durch dieses Licht alles, was sich in gen. Dies geschieht, und wie dann Jonah vor dem Leviathan steht, eröff-
der Wasserwelt abspielt. Es ist eine Welt wie die anderen Welten auch, net er ihm, er, Jo nah, sei um sein et-, des Leviathans willen in diese Tiefen
allein hier geschieht alles in den Wassern, in der Zeit, ist es doch die Welt herabgefahren. Er wolle ihn, den Inbegriff des Fisches, für die große
des siebenten Tages mit ihrem begrenzten Gesichtskreis. Und doch bie- Mahlzeit der Zadikim zubereiten, und diese Mahlzeit werde das Ende der
tet sie die großartige Möglichkeit, alles zu erkennen, weil die 500 darin ganzen Fischwelt bezeichnen, weil sich die Zadikim ihn, den König
verborgen ist, deutlich für den, der das innere Licht, die kostbare große dieses Zeitalters, einverleiben werden. Das ist die messianische Mahlzeit.
Perle, besitzt. Um den Leviathan davon zu überzeugen, daß er mit Vollmacht rede,
Trotz der Beschränktheit dieser Welt im Vergleich zu dem vorigen weist er ihn auf das Zeichen seiner Beschneidung hin. Nur diejenigen
Leben ist der Raum im Fisch unermeßlich groß. Alles, was sich in der nämlich, bei denen die Umhüllung zurückgedrängt, d.h. abhängig gemacht
anderen Welt findet, ist auch hier vorhanden, freilich in der besonderen ist, haben den Freimut für die Wahrheit und den Auftrag, sie zu verkün-
Ausdrucksform des Fischlebens. Auch in der Fischwelt vermag Jonah digen; denn nur sie sind Menschen des achten Tages. Die Beschneidung
alles zu sehen, was im Wort der Torah mitgeteilt wird *. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Er sieht die ist ja denn auch das Ereignis des achten Tags.
Stelle des Durchzugs durch das jam suph, er sieht den Ursprung der Zeit, Als der Leviathan das vernimmt, weicht er ,,zwei Tagereisen weit"
er begegnet der Hölle und der Unterwelt samt allem, was darin lebt, er zurück. In dieser Situation versichert Jonah dem Fisch, der ihn aufgenom-
steht auch vor dem Tempel, dem ,,Beth ha-mikdasch" und dem ,,ewen men hat, daß er keine Angst vor dem Leviathan haben müsse und fordert
schethiah", dem Ur-Stein, dem ersten Anfang der Schöpfung, der Verbin- ihn auf, ihm die großen Wunder der Tiefe zu zeigen. Beim Durchschwei-
dung zwischen Himmel und Erde. Vor diesem ,,ewen schethiah", am Ur- fen der Meere erkennt nun Jonah, daß alle Dinge der oberen Welt im Ab-
sprung der Welt, stehen die Kinder Korachs und beten zu Gott. All dies grund in anderer Weise auch da sind. Im Fische lebend erfährt er alles
besteht in einer untersten Erscheinungsform, in der Fischwelt, aber es be- unter diesem Aspekt.
steht dort genauso gut, wie in der anderen Erscheinungsform. In dem Der zur Überlieferung gehörende Bericht erzählt davon, was in der
besonderen inneren Licht kann man es sehen. Der verborgene Wert des Welt der Meere vorgeht. Für die Welt, die auf dem ,,Ich", von der Zeit
Fisches ist ja 500! getragen, dahinfährt, ist freilich tot, wer so ganz von der Bildfläche ver-
schwindet. Man kann auch da unten als Mensch nicht leben, nicht atmen.
* Alle diese Mitteilungen haben als Quelle die Pirke de R. Elieser und den Ml Im Sohar heißt es denn auch, daß Jonah während der drei Tage, die er
drasch Jonah. im Schoß des Meeres verbringt, wirklich tot sei; und so gilt denn ein jeder,
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192 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt

der auf diese Weise im Wasser, in der Zeit, untergeht, dieser Welt als tot.
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Geburt und Tod stehen in dieser Welt einander gegenüber. In der Welt i-

des siebenten Tages können wir die beiden Angelpunkte nicht in eins
vereinen; sie sind und bleiben Gegensätze. In den alten Darstellungen des
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Tierkreiszeichens sieht man zwei Fische, die in die entgegengesetzte :+- t


Richtung schwimmen. Darum heißt das eine Geburt, das andere Tod;
das eine gut, das andere böse; und darum weiß man hier nicht, daß Ge-
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burt eigentlich doch dasselbe ist wie Tod, daß Tod und Geburt zusam- 23$34y
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menfallen. Wer in den 7. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Tag eingeht, gilt hier als geboren, während es n sit
für den Eintretenden doch vielmehr ein Tod ist. Ebenso nennt man den-
jenigen, der vom 7. Tag Abschied nimmt, tot, obwohl das auf der ande- .é
ren Seite wiederum eine Geburt darstellt. Der Tod ist, auch in der Sicht et

des 7. Tages, ein solches Verschwinden in der Zeit, obwohl man doch im
7. Tag bereits in der Zeit lebt. Im 7. Tag stellt die Welt des Wassers und
der Fische das vor, was Verschwinden in der Zeit ist. Dabei lebt man aber
eigentlich, von einer anderen Welt aus gesehen, selbst schon in einer sol-
chen Zeitwelt. An den Fischen und durch die Kenntnis dessen, was sie
im Wesentlichen sind, ist dem Menschen geoffenbart, was im Tod ge-
schieht. Darum auch der Brauch, den Jonahbericht am Versöhnungstag,
dem jom kippur, 10-6-40 20-80-200, zu lesen, weil an diesem Tag der
Tod für den Menschen als eigentliche Realität sichtbar wird.
Wenn die Zeit für den Menschen zum Abschluß gekommen ist, betritt
er eine andere Welt, eine Welt, von der er weiß, daß er dort eigentlich
nichtleben kann, weil ihm der Atem unterbunden wird. Er mag kurz dar-

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in untertauchen, wobei er flüchtig etwas wahrnehmen kann, aber er muß
rasch wieder zurückkehren. Dennoch weiß er jetzt, daß dieses Wasser
voller Leben ist, und er ahnt noch mehr, als er wahrnehmen konnte.
Aber der Mensch nennt es nicht einmal Wasser oder Meer, denn er
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hat keinen Namen für die andere Welt. Sie weckt in ihm höchstens das %5. ,.~ "
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Gefühl, hinabfahren zu müssen, und nicht allein, weil die Gruft unter der aw à

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Erdoberfläche liegt. Zugleich gibt sie ihm aber auch das Gefühl des Auf-
stiegs, wenn er sich auch über das Wohin keine Vorstellung machen kann,
da der Raum so groß, so endlos erscheint.
Die Siebziglenken das ,,Oniah" zurück, während der ,,Eine", auf den
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es ankommt, die Seele des Oniah, im Wasser untergeht. Für ihn beginnt ·#5, f557. .•· . rs" [Link] " . , ·
nun aber dieses Wasser zu leben; er betritt eine Welt, die im Zeichen des ."-y .
Fisches steht und so eingerichtet ist, daß man in dem dort vorherrschen- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
' zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

2. Die Geschichte des Leviathan zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW


193

den Element der Zeit, in der Zeit, wie sie dort erscheint, leben kann.
Die Welt trägt auch das Zeichen der 7 und ist mit dem Begriff der 500
verbunden. Der Atbasch-Wert des Fisches beträgt 300, nämlich 100-200.
Der Fisch lebt im Äußersten dessen, was sich als Zeit ausdrückt. Die Vor-
stellung von ,,leben in der Welt" ist im Allerletzten mit dem verbunden,
was wir ,,Wasser" nennen. Zeit äußert sich in unserer Welt auf für uns
andere Weise, wennschon wir zweifellos vom Wort her wissen können,
daß die Begriffe von Zeit und Wasser sehr eng miteinander verwandt
sind. In dieser Welt ,,fährt" der Mensch auf der Zeit, ist aber noch nicht
derart in der Zeit gefangen, daß sein Zustand dem Leben im Wasser selbst
gliche. Erst im Tode geschieht es, daß er von diesem Äußersten der Zeit
aufgenommen wird. Von dort aus gesehen meint man dann, daß sich
außerhalb des ,wirklichen" Wassers nicht leben ließe.
Doch ist dieser ganze 7. Tag ein Tag des Wassers, der Fische. Für die
Welt darüber ist es eine Fischwelt. Die Geburt in diese Welt hinein ist
eine Verbannung, ein Umhülltwerden und kommt dem Tode gleich. Auch
der Tod in dieser Welt äußert sich nach dem selben Muster. So kennt
man ihn bereits. Der Tod ist ein weiteres Absteigen in die Zeit.
Der J onahbericht erzählt, wie die niedrigere Zeitwelt beschaffen ist.
In übertragener, gewissermaßen symbolischer Weise erzählt er darum,
wie unsere Zeitwelt aussieht. Aber jede Zeitwelt hat mit dem Wasser zu
tun, mit der 40, ,,mem", und darum auch mit den Fischen. Erst wenn
diese gefangen, aus dem Wasser herausgehoben sind und in der messiani-
schen Mahlzeit verspeist werden, ist die Welt der Fische endgültig vorbei.
Das Verspeisen des Leviathans, des Königs der Fische, ist die Endmahl-
zeit. Dann ist für alle Welten der 8. Tag eingetreten, weil der 7. Tag in
uns aufgenommen und so ein Teil von uns geworden ist.

2. Die Geschichte des Leviathan

Wenn der Mensch in die Zeitwelt hineinkommt, ist er für die andere
Welt tot oder jedenfalls verschwunden. Auf ihn ,,wartet" der Fisch, der
nun seine Umhüllung wird und es ihm ermöglicht, in der Zeit zu atmen.
Ocr Herr dieser Welt aber heißt Leviathan (,,Bauplan"). Wie wir bereits
wissen, ist dieses Wort aus dem Begriff Levi, Lewajah gebildet, der soviel
wie ,,Begleitung" bedeutet. Begleitung setzt jedoch einen Weg, eine Be-
wegung von einem Ort zumanderen voraus. Diese Bewegung gibt der Zeit
'
194 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 2. Die Geschichte des Leviathan 195
ihren Charakter, sie befördert sie einem Ziele zu. Zeit verleiht dem 7. bleibt, ist nicht mehr von einer alles überschattenden Bedeutung. Die Zeit
Tag das Gepräge. So ist etwa der Auszug aus Ägypten ein Sich-Begeben wird auf einmal in einem größeren Zusammenhang gesehen: gerade der
aus dem 6. in den 7. Tag (,,Bauplan"). lm Zusammenhang mit dieser Iwri, der so ganz aus dem Rahmen fällt, soll die Zeit den Zadikim anbie-
Bewegung beobachten wir denn auch prompt das Moment der ,,Beglei- ten, indem er bis in alle Einzelheiten hinein erzählt, was diese Zeit ist,
tung". Es wirkt sich aus in dem, was man den Stamm Levi nennt, sowie nichts auslassend, was darin gelebt hat.
in der Gestalt verschiedener Individualitäten in diesem Begriff Levi, Der König selbst, der Leviathan, der alles trägt und alles umgreift,
wie etwa Mose und Aharon, den großen Führern des Volkes, und Mir- soll zur Mahlzeit dienen. Um ihn versammelt man sich beim Ende der
jam. Beim Zustandekommen der Welt des siebten Tages in der Schöp- Welt. In Gegenwart des Messias soll er unter großer Freude gegessen wer-
fung ist es Gott als der Herr, 10-5-6-5, der diese Welt begleitet. Der Levi- den: alles, was jemals in der Zeit gewesen ist, selbst das Kleinste und Ver-
athan als das Prinzip dieses Lebens vom Anfang bis zum Ende ist der gessenste, wird von den Zadikim in der anderen Welt verspeist. Alles
Begleiter durch die Zeit. Auf ihm, dem König der Fische, beruht dieses kommt so zu seinem Recht, wie bedeutungslos es auch im unermeßli-
Leben. Seinem Bestehen ist der Bestand alles Zeitlichen entlehnt. Gott chen, diese ganze Welt von Zeit und Raum umfassenden Leib des Levia-
freut sich des Leviathans, Seiner Schöpfung des zeitlichen Lebens; er than erschienen sein mag.
,,spielt" mit ihm. Der Leviathan ist ein unablässiger und regungsloser Be- Das Besondere der Beschneidung besteht darin, daß sie das Runde
gleiter; denn die Zeit muß gleichmäßig durchschritten werden. Sonne durchbricht und sich nicht beeindrucken läßt durch den Anspruch der
und Mond bewegen sich nicht einmal schneller, einmal langsamer, sondern Umhüllung auf Unendlichkeit. Das Wesen der Zeit ist durch ihren Anfang
alles läuft mit einer unvorstellbaren Präzision ab. In diesem Sinne sagt und ihr Ende bestimmt, und das Großartige ist eben diese ,,se-udah", die
man, daß alles zusammenstürzen müßte, wenn der Leviathan auch nur Mahlzeit, bei der der Leviathan verspeist wird. Wenn man es recht be-
eine Flosse bewegen würde. Die wundersame Ordnung der Natur regt denkt, wird damit die Zeit nicht vernichtet, sondern bewahrt, weil alles
denn auch ,,keine Flosse", und sie bestimmt die Wasserwelt. Zeitliche zu seinem Recht kommen wird. Darum dieser Nachdruck auf
Wenn der Mensch, vom Fisch umhüllt, in diese Welt tritt, wird ihm der messianischen Mahlzeit. Man stelle sich nur einmal diesen immensen
durch seine Hülle, durch die er hier erscheint, sogleich die Mitteilung, Leviathan vor! Es ist kaum möglich, ihn zu bewältigen, und doch wird es
daß der Leviathan sie, und damit auch ihn, verschlingen werde. Der Be- geschehen, denn alles, was zur Welt des siebenten Tages gehört, wird
gleiter, der Inbegriff der Zeit, nimmt alles in seinen weiten Schoß auf, einst mit den Zadikim verbunden, ,,eins" mit ihnen, und seiner Bestim-
was hier Gestalt annimmt; denn Zeit ist an sich sinnlos, hat weder Anfang mung zuge führt.
noch Ende. Der siebente Tag erfährt so seine Erfüllung. Sein Geschehen verliert
Jo nah jedoch erklärt, daß er zum ,,Berith", zum Bund zwischen Gott sich nicht mehr bloß im Unendlichen, eiskalt oder verzehrend heiß, abge-
und Abraham gehöre, daß er mit anderen Worten beschnitten, daß bei storben oder todbringend, voller Gefahr, Mut und Hoffnung lähmend
ihm der Kern tatsächlich freigelegt und so die Überwältigung durch und nur im Zustand der Tollkünheit und der Hingabe an den Rausch er-
das Umhüllende aufgehoben sei. Wo einzig und allein Schale ist, besteht träglich. Der Siebente Tag hat jetzt ein Ziel, alles, was zu ihm gehört,
auch kein Sinn. Schalen bilden sich in der Zeit und vergehen wieder mit wird bewahrt, in die kommende Welt eingebracht. Was im Siebenten Tag
ihr. Doch wo der Bund mit Gott besteht, der allem einen Sinn verleiht gelebt hat und in den Tod gegangen ist, ist im Leviathan beisammen und
und den Menschen befähigt, diesen Sinn allem anderen mitzuteilen, an- wohl verwahrt, und so kommt es alles schließlich mit an die Tafel der
ders ausgedrückt: wo der Mensch die Umhüllung durchbrochen hat, sich großen Mahlzeit.
als ,,Iwri" zu erkennen gibt, erhält die Zeit auf einmal einen Sinn. Dort Dies ist es, was Jonah dem Leviathan eröffnet: Für mich, den Iwri,
ist ein Beginn und zugleich ein Abschluß der Zeit; denn auch die Zeit als der zu denen gehört, welche die Beschneidung empfangen haben und da-
Hülle aller Dinge ist beschränkt, ja wird hin weggenommen, und was dann zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
her nicht mehr vom Verhüllenden überwuchert werden, bist du keines-
196 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 2. Die Geschichte des Leviathan 197

wegs unendlich. Meine Aufgabe ist es vielmehr, dich zu schlachten und welt an den Ort des ,,ewen schetijah" gelangen, wo der Tempel, der
für die messianische Mahlzeit zuzubereiten. Du hast keine Macht mehr wirkliche Tempel der wirklichen Welt, steht, fordert der Fisch Jonah auf,
über mich wie ein Gott und unbezwinglicher König. Ich komme aus einer Gottes zu gedenken. Hier nämlich ist die Stelle der Verbindung, der
anderen Welt und bin als einer, der die Beschneidung erfahren hat, auch ,,Nabel". Jonah betet nun zu Gott, er bekennt, daß es Gott ist, der erhöht
hier noch jener anderen Welt zugehörig, ich besitze ein Band, ein ,,berith", und erniedrigt, lebendig macht und tötet. ,,Ich bin nun tot, mache Du
mit jener anderen Welt. mich wieder lebendig!"
Dies bewirkt, daß der Leviathan den Fisch, in dem Jo nah wohnt, Aber Jonah erhält keine Antwort. Warum findet seine Bitte keine
nicht zu verschlingen vermag. Sobald nun der Leviathan von seiner Be- Erhörung? Ist sein Anliegen an Gott nicht gerechtfertigt? Erkennt Jonah
stimmung hört, bei der Mahlzeit mit den Zadikim als Speise zu dienen, denn Gott nicht die Allmacht zu, hat er nicht alles von Gott abhängig
entfernt er sich zwei Tagereisen [Link] wird der Sinn der ,,zwei Zei- gemacht?
ten", der ,doppelten Zeit". enthüllt. Man erfährt jetzt, daß der Siebente Jonah erklärt nun, daß er die Aufgabe auf sich nehmen wolle, den
Tag zu Ende ist. Leviathan am Tage, da Gott Israel erlösen wird, für die Mahlzeit mitzu-
Wo bloß diese Welt, der unendliche Leviathan, herrscht, wird jedes bringen. Den ganzen siebenten Tag also will Jonah Gott bringen, wenn
Leben ungesäumt durch diese Maßlosigkeit verschlungen. Wo man hinge- Israel erlöst wird und der achte Tag anbricht. Nun erst erhört Gott den
gen ,,Iwri" ist, geprägt von der Sinn fülle der anderen Welt, in der auch Jonah und befiehlt dem Fisch, ihn an den Platz zurückzubringen, von
diese Welt ihren Platz hat, muß sich der Leviathan unterwerfen. Er ist dann dem er ausgegangen war.
nicht mehr der Einzige, alles Umfassende_ - im Gegenteil, das Wissen um Dies nämlich ist Jonahs Berufung: Den Leviathan samt allem, was
die Vergänglichkeit der zeitlichen Welt mündet in das Wissen um die Welt dieser in der Welt verschlungen hat, zu Gott zu bringen. Dazu mußte er
des Messias und deren Beständigkeit. Der Leviathan wird dann nicht in die Tiefe hinabgeworfen werden, und er sagt es auch dem Leviathan.
allein überwunden, sondern aufgenommen sein, und es gibt nichts mehr, Eben noch war da das Schiff, das ,,Ich", die Flucht vor Gott und seinem
das nicht dem Aufbau der neuen Welt gedient haben wird. Auftrag, nach Niniveh zu gehen. All das führt nun zu der neuen Aufgabe,
Nach Ablauf der eineinhalb Zeiten geschieht die Offenbarung. Sobald den Leviathan zu bringen. Wo immer Jonah weilt, wo man Jonah begeg
dem Leviathan seine Bestimmung kundgetan wird, ist die eine Zeit, 1656, net, da ist Segen und Heiligung. Er ist wirklich der Knecht, der ,,ewed"
und die halbe Zeit, 828, erfüllt. Auf die Offenbarung folgt eben die Gottes (2. Kön. 14, 25).
,,doppelte Zeit". Dies sind die zwei Tagereisen des Leviathan. Und nach Man mag nun fragen: Was wäre geschehen, wenn Jonah den Abstieg
diesen ,,zwei Zeiten" kommt es zu der großen Mahlzeit, an welcher der nach Japho nicht unternommen, wenn er dort nicht zu Schiff gegangen
wäre? Wie hätte dann der Leviathan jemals für die Zadikim zur Mahlzeit
Leviathan verzehrt wird. Dann ist die 58 erreicht ("Bauplan").
Nach der Rettung vom Untergang in der Ewigkeit des Leviathan ist mit dem Messias zugerichtet werden können? Denn Jonah ist es ja, der
die Zwischenzeit bis zum Ende ausgefüllt mit der Erkundung aller Wun- Ihn heranschafft! Dazu hat er sich vom ,,oniah" aus in den Tod stürzen
lassen, dazu haben sich die Wasser über ihm geschlossen!
der dieser Welt, zu denen Jonah sich durch den Fisch hintragen läßt. Er
Auch beim einzelnen Menschen spiegelt sich dies alles, auch bei ihm
erlebt nun alles in der untersten, handgreiflich ausgestalteten Erschei-
muß „„Jonah' in die Tiefe des Meeres hinabgeworfen werden, während
nungsform. Nur als Gebieter eines Fisches, den er vor dem Leviathan
die ,,Siebzig" zum Ursprung zurückfindet. Wenn nun dieser Jonah im
gerettet hat, kann der Mensch die Wunder in dieser Welt wirklich sehen.
einzelnen Menschen durch seinen Fisch verschlungen und dem Leviathan
Verschluckt ihn dagegen sogleich der Leviathan, wird er von all dem
nichts gewahr, ist er verloren und gefangen in der ungestalten Unendlich- gegenübergestellt wird, dann ist die Frage, ob er auch imstande ist, dem
keit. Leviathan anzukündigen, daß seine Zeit nur bis zum achten Tage reicht,
Sobald nun Jonah und der Fisch auf ihrem Zuge durch die Wasser- und ob ihm der Leviathan daraufhin das Zeichen der ,,58" gibt. Jeder
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198 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 3. Die Bedrängnis 199
Mensch muß auch seinen siebten Tag zur Mahlzeit des Messias werden Dies alles sagt der Mensch auf dem Platz und in der Zeit des Tempels,
lassen, damit alles, was sein Leben ausgemacht hat, in der großen Freude der Wohnung Gottes, aus. Gott läßt ihn dann nach Japho, dem Ausgangs-
dieser Begegnung aufgenommen werden kann. Wenn der Mensch so auf punkt, und nach Israel zurückkehren. Auch für den Jonah jedes Einzelnen
seinen Tod blickt, so seinen Tod erfährt und so tut, dann ist Jonah bei und jedes Augenblicks ist nun die Auferstehung gekommen, die im Bilde
ihm lebendig. der großen Auferstehung} onahs dargestellt ist. Dann ist jeder Augenblick
Liegt aber nicht diesem Leben des siebten Tages, das wir gegenwärtig heilig und aufgenommen in Israel, wo keine Krankheit und kein Tod ist,
noch als unser bewußtes Leben kennen, ein und dieselbe Struktur zu- wo sich vielmehr stets die Auferstehung abspielt.
grunde? Lebt man denn nicht schon hier das Leben der Zeit, ist man Alles will er mit dem 8. Tag verbinden, zur großen Mahlzeit herbei-
denn nicht schon hier in der Wasserwelt? Je der Moment ist doch zugleich führen, zur Mahlzeit mit dem Messias. Er bringt auch den Leviathan mit
auch ein Jonah-Moment. Immer geht, was vergangen ist, zurück nach sich, er will ihn bekämpfen, er fürchtet sich nicht vor diesem Schein der
Japho, immer von neuem wird Jonah ins Wasser geworfen. Muß dann Unendlichkeit. Denn er weiß, daß Gott als Schöpfer ihm überall nahe ist,
nicht auch jeden Augenblick die Begegnung mit dem Leviathan stattfin- daß er der Welt gegenüber nichts mit dieser Unendlichkeit zu schaffen
den und wird nicht der Mensch diesem unermeßlichen Leviathan immer hat, daß die Unendlichkeit nur entsteht mit dem Entstehen der Zeit, des
wieder bedeuten müssen, daß er mit ihm, dieser überwältigenden Zeit- Wassers; darin ist man gefangen, solange man nichts anderes weiß.
dauer, nicht nur nichts zu schaffen habe, sondern daß er ihn zur be- Wer die Unendlichkeit ganz ernst nimmt, als das Einzige, geht in ihr
stimmten Zeit sogar als Opfer für die große Endmahlzeit mitnehmen verloren. Der Iwri mit dem Zeichen der ,,Milah", der Beschneidung, blickt
werde? durch diese Unendlichkeit hindurch. Er wird sogar diese ganze Unend-
Denn fortwährend, in jedem Moment, existiert das ewige ,,Jetzt" lichkeit binden, mit sich bringen zur Mahlzeit, zur Begegnung. Alles, was
von Jonahs Tod, seinem Eingehen in den Fisch und seinem Gespräch sich in dieser Zeit und in diesem Raum abgespielt hat, womit er, wie auch
mit dem Leviathan. Auch im Menschen ist das alles lebendig. Und der Immer, zu tun hatte, es weiß, daß es vom Menschen mitgebracht werden
Mensch sollte denn auch jeden Augenblick auf das Verschlungenwerden wird. Denn wenn der Mensch die Dinge seines Lebens wichtig nimmt, in
durch den Fisch, durch seine Umhüllung mit dem Leviathan, auf das allem eine Bestimmung zu sehen weiß, eine Bestimmung, die auf die Er-
Sich-verloren-geben in ein Bewußtsein der Unendlichkeit von Zeit und lösung hinweist, dann weiß er ebenso sicher, daß ihm alle diese Dinge ver-
Raum, mit den Worten entgegnen: ,,Ich, der Iwri, lasse mich von dir, Le- hunden bleiben und daß er sie einst mit sich bringen wird. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVU
viathan, nicht in Schrecken versetzen. Deine gewaltige Hülle bedrückt
mich nicht. Ich werde ganz im Gegenteil alles aus diesem Leben, alles,
2. Die Bedrängnis
was schon vorbei gegangen ist, alles, was jetzt ist und noch kommen
könnte, all dies werde ich mitbringen als das Opfer für den Achten Tag."
Dann, wenn der Mensch zu diesem Bewußtsein gelangt ist, wird er auch Im Midrasch Jonah wird (Beth ha-Midrasch I) darauf hingewiesen,
verstehen, was die 58 bedeutet, wird er ebenfalls verstehen, daß in diesem daß Jonah bereits drei Tage im Fisch gelebt habe, ohne daß ihn sein Los
Moment der Leviathan gefangen ist, daß er nur Herr über die Zeit der oder das der anderen dazu veranlaßt hätte, sich Gott zuzuwenden. Gott
,,Zwei" ist, des Doppelten, und auch das nur solange, als diese ,,Zwei" apricht nun: ,,Ich habe dem Jonah ein Wunder getan, der Fisch hat ihn
eben existiert. Denn der große Augenblick der 58 ist ja in jeder Sekunde In sich aufgenommen, und es geht ihm gut, ja der Fisch vermittelt
möglich ("Bauplan"). Ihm Einsicht in viele erstaunliche Dinge, und doch vernehme ich kein
Und wenn der Mensch in seinem Leben so handelt, dann zeigt ihm der Gebet von seiner Seite!" Da beschließt Gott, ihm einen anderen Fisch
Fisch die Wunder dieser Welt. Er bringt ihn auch hin zum Orte des ,ur Wohnung zu geben, der 365 000 kleinere Fische in sich trägt. Gott
Tempels. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA denkt, nun wird er Beklemmung fühlen, Angst wird ihn packen, und in
'
200 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 201
3. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCB
Die Bedrängnis

seiner Bedrängnis wird er nach mir rufen. Denn Gott verlangt es nach Darum müssen gerade die Zadikim, die Geliebten Gottes, dasselbe
dem Gebet der Zadikim, wie die Überlieferung stets von neuem ausführt. erfahren, was die Schechinah in der Verbannung erfährt. Denen, die in
Das Gebet der Zadikim nämlich ("Esther") bewirkt die Einheit, es diesen ,,drei Tagen" im Fisch wahrgenommen haben, was herrlich und
führt das Äußerste zum Ursprung zurück. Der Sinn der Schöpfung ist großartig ist, zeigt Gott daraufhin auch die andere Seite, wo sich erst
nicht die Erkenntnis ihrer Größe, das Erstaunen über die wunderbare recht das Leben äußert. Da hören sie den Verzweiflungsschrei: ,,Wozu?!"
Harmonie, das Jubeln über die aufgespürte Folgerichtigkeit und die große Ja, sie sollen sich fragen, warum das alles ausgerechnet an sie herantreten
Gerechtigkeit, die Überwältigung durch die Barmherzigkeit all dies ist muß. Ständigem Druck ausgesetzt, verfolgt und mißverstanden, schießt
schön und gut. Der Mensch vergißt aber darüber gern den eigentlichen das Unrecht in allen Spielarten vor ihnen auf. Aber gerade in diesem Zu-
Sinn, nämlich die Einheit zwischen Gott und der Welt; er vergißt das stand sind sie im Einklang mit dem, was Gott selbst bei der Schöpfung
große Opfer, das Gott bringt, damit dies alles überhaupt sein kann. Er Lrägt. Ihr Rufen zu Gott, eben ihr Gebet, verbindet das Äußerste mit
übersieht ferner, daß es auch von seiten des Menschen ein Mitleben, Mit- seinem Ursprung, weil sie die Zadikim sind. Nicht ihre Gelehrsamkeit
leiden, ein Sich-eins-fühlen mit allem Geschehen nah und fern, in der bringt es zustande, auch nicht ihre Einsicht und Weisheit, sondern ihr
Gegenwart wie in der Vergangenheit, voraussetzt. Wie gern läßt man es Leiden und Flehen zu Gott.
sich wohlsein in diesem Frohlocken; es ist so akademisch, theoretisch Wir sehen dies auch deutlich an dem Leiden, das Gott dem Abraham
und ästhetisch. Indessen aber leiden Kranke, sind Witwen einsam, ge- zufügt. Denken wir an die Unfruchtbarkeit seiner Frau und an den Auf-
schieht Unrecht durch den Menschen; indessen erhebt sich neben dem l rag Gottes, seinen einzigen, geliebten Sohn Isaak zu opfern. Ähnliches
Jubel des Lebens in der Natur ein ununterbrochener Angstschrei und gilt auch für Isaak, Jakob, Joseph und Moses. Sie sind zu tiefer Einsicht
ein nie endendes Todesröcheln. Das Starke frißt das Schwächere auf, gelangt. Aber eben deshalb werden sie zum Mit-Leiden auserwählt. Denn
der Reiche verdrängt den Armen, begonnenes Werk muß vorzeitig abge- nun werden sie viel intensiver das Versprengte mit dem Ursprung verbin-
brochen werden, liebende Eltern müssen machtlos dabeistehen, wie ihre den. Die Welt ist eben nicht um eines vollkommeneren Systems willen da,
Kinder sterben, immerwährend gibt es das Leid der Hinterbliebenen. und dem Menschen in der Welt ist es nicht aufgetragen, Weisheiten aus-
Dagegen ist es schön und berauschend, die große Harmonie in der Schöp- wendig zu lernen oder zu wissen, was sich schickt oder nicht. Die Schöp-
fung zu entdecken, zu konstatieren, wie alles ineinandergreift und funk- fung ruft den Menschen dazu auf, an allem teilzunehmen, von allem mit-
tioniert. Es geht die Versuchung davon aus, aus all dem immer neuen betoffen zu sein. Er soll sich nicht vom Leiden abschließen, es sich da-
Nutzen zu ziehen und alles noch weiter durchzustudieren. Man vergißt, heim ,,gemütlich'' machen, ein Buch aufschlagen und alles um sich herum
daß man sich damit vom Lebenden ausschließt, spinnt sich ein, sitzt vergessen. Einern Zadik wird das in der Tat nicht gegönnt; denn Gott
gleichsam ständig in einem Hörsaal und neigt dazu, Den sich selber zu I rligt Verlangen nach seiner ,,tephillah" (400-80-10-30-5), seinem Gebet.
überlassen, dem Unrecht widerfährt, der der Verfolgung ausgeliefert ist. Sobald Jonah diese Dreiheit von Schönheit, Lernen und Bewunde-
Wer so die Augen vor dem Bösen, vor Angst und Panik in der Welt ver- rung durchlaufen hat, kommt dieses Andere über ihn. Im J onahbericht ist
schließt, verstümmelt den Sinn der Schöpfung. Denn dieses Andere ist uerst die Rede vom ,,dag" (2, 1), dann aber von ,,dagah" (2, 2). ,,Da-
eben doch da, ob man es nun in seinem Weltverständnis unterbringen gah" kann auch als weiblicher Fisch aufgefaßt werden, da das Wort die
kann oder nicht, ob man es zur Kenntnis nehmen will oder nicht. Und weibliche Endung aufweist (4-3-5). Die Überlieferung erzählt in diesem
eben dieses Andere ist das Gespräch, der Ruf Gottes. Es ist viel mehr Zusammenhang, daß Gott einen zweiten Fisch auftreten läßt, und zwar
als der Blick auf all das Schöne, bei dem man so gerne verweilt, weil es einen weiblichen. Dieser sagt nun zu dem ersten: „„Mir ist autgetragen,
solchen Eindruck macht. Wer nach Japho, zur Schönheit, hinabsteigt, den in dir wohnenden Propheten zu übernehmen. Wenn du ihn freiwillig
wird seinen Weg nach Tarschisch fortsetzen wollen, um dessen Schätze herausgibst, so ist es gut, wenn nicht, so verschlinge ich dich samt ihm."
zu genießen. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA In diesem weiblichen Fisch wimmeln nun 365 000 kleine Fische. Es
202 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt

herrscht eine drangvolle Enge. Je der Tag des Jahres birgt ein tausendfäl-
tiges Erleben, und dieses Erleben wird nicht etwa verneint, wird weder
verdrängt noch herabgesetzt, es wird vielmehr in tausendfacher Intensität
empfunden. Dieses Vieltausendfache unterteilt das Lebendige so radikal,
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In diesem zweiten Fisch ist tatsächlich das alltägliche Leben mit k + , .4 !
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allen Einzelheiten und in seiner ganzen Konkretheit gegenwärtig, nichts
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wird ausgespart, es wird in all seinem Reichtum erfahren. Im zweiten ,' . .'·..' ·, ·,e
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Fisch erfährt man erst recht, was diese Welt auch ist, d.h. die andere, j " ;¡!f

wesentliche Seite wird anschaulich, die Seite nämlich, die den Menschen . ": , ;;,¡ , ''<( :• ,a i,¡
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konkret. Es handelt sich um die ,,Mutterseite", wo auch die Schechinah '.„}
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begriffen hat? So will der Fisch Jonah behalten. Man will an diesem be- % %; i'
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Dieser beruft sich auf den Leviathan, zu dem sie sich nun begeben.
Von ihm erhalten sie den Bescheid, daß Gott drei Stunden zuvor herab-
gekommen sei. Selbstverständlich handelt es sich wieder um diese Drei-
heit, und zwar eine Dreiheit, gemessen in Stunden, weil es um den Le-
viathan geht, während es sich für den Fisch um Tage handelt. Gott, so
sagt der Leviathan, sei herabgestiegen, um mit ihm ,,mesachek" zu sein. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
203
3. Die Bedrängnis zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPON

Das Wort, das den selben Stamm wie der Name Jizchak (Isaak) enthält,
kann man mit ,,spielen'' übersetzen; es vereinigt die Bedeutungen von
„.Spielen mit", „Freude, Gluck, Vergnügen". Dies alles aber mit dem Un- zyxwvutsrqponmlk
tersinn, daß Gott bei diesem ,,Spielen" viel mehr von allem weiß und
alles durch und durch kennt. Es ist wie bei einem Vater, der mit seinem
Kinde spielt und sich freut über die Freude des Kindes, selbst aber so
überaus viel mehr weiß, auch seine Sorgen und seinen Kummer hat. Beim
Kinde aber entspannt er sich und genießt er; er verweilt bei der ungetrüb-
ten Freude des Kindes und weiß doch um die große Last, das große Lei-
den. Das Wort ,,mesachek" schreibt sich 40-300-8-100; der Wortstamm
ist 300-8-100".
Gottes Wille ist es also, daß Jonah von dem weiblichen Fisch über-
nommen werden muß. Es ist die Bestimmung des Zadik, daß er in dieses
Leben gebracht wird, um das überall bestehende Leiden zu erkennen
und zu tragen. In diesem, dem Jonah ersehenen Fisch geschieht das
täglich tausendfach.
So übergibt der männliche Fisch Jonah dem weiblichen Fisch. Alles
ist in der männlichen und in der weiblichen Form geschaffen worden,
und in beiden ist der Mensch vergegenwärtigt. Die Überlieferung kennt
auch den Leviathan in seiner männlichen und weiblichen Gestalt • Die
weibliche Seite aber wird ,,getötet", damit sie nicht die Verbindung
mit der männlichen eingehend die Entwicklung fortsetzen kann. Denn
damit würde die Schöpfung verlorengehen. Die Ausbreitung des siebten
Tags ist [Link] denke auch an die 365 Jahre des Lebens Henochs,
der in der Reihe der Generationen den siebten Platz einnimmt: er wird
von der Welt hin weggerafft. Die Besonderheit des siebten Tages ist eben,
daß er für die kommende Welt bewahrt wird, die Welt, die dann der
,ganze Sabbat" bzw. die Welt des ,wahren Sabbats" heißt. Für diese
Welt also wird der weibliche Leviathan bewahrt, gewissermaßen „,einge-
salzen", für die große Mahlzeit [Link] eigentliche Aufga-
be ist es, eben diese weibliche Seite des Leviathans für die kommende
Welt, für die Mahlzeit mit dem Messias zuzurüsten.
Im Midrasch Jonah wird denn auch dieser doppelte Aspekt des Le-
viathans in der Doppelheit aller Dinge dieses zeitlichen Lebens aufge-
zeigt. Der weibliche Aspekt ist verbunden mit Leiden und Drangsal, denn
' Bei Jizchak ist der Buchstabe sin zu einem zade geworden (vgl. auch Ps. 2,4).
• • Midrasch Rabba, Bereschith; vgl. auch Raschi über Gen. 1, 21.
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204 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 4. Das Gebet aus der Bedrängnis 205
sie sind es, welche die Mahlzeit abgeben, der männliche hingegen hat Verzweiflung steigt in ihm auf. Dies ruft die ,,tephillah", das Gebet,
die Aufgabe, diese Welt zu tragen. Ohne den weiblichen Aspekt aber hervor. Dem Midrasch zufolge lauten Jonahs Worte ungefähr folgender-
wäre die Welt sinnlos.
maßen: ,,Wohin soll ich gehen, um mich Deinem Geist zu entziehen, und
Und so findet sich Jonah auch in der weiblichen Seite zurecht, der wohin flüchten vor Deinem Angesicht? Führe ich empor zum Himmel,
des Äußerlichen, Leiblichen, die auch das Reich Israel prägt, in dem der so bist Du da, nistete ich mich in der Unterwelt ein, dann fändest Du mich
gerade auf die Propheten ausgeübte Druck der Könige so schwer ist. auch dort. Nähme ich die Flügel des Morgenrots und wohnte am hintersten
Die Welt ist voller Ereignisse, und der weibliche Aspekt, die äußerli- Meer, dann würde Deine Hand mich auch dort erreichen und Deine Rechte
che Seite des Geschehens, verursacht dem Menschen Leiden und Druck sich meiner bemächtigen" (vgl. Ps. 139, 7--10). Und ferner: ,,Weltge-
aller Art. Ein Zusammenhang, ein Grundsatz ist darin jedoch nicht zu bieter, Du bist Herr über alle Reiche, Du bist der König der Könige. Dein
entdecken, höchstens das Prinzip der Entwicklung, das Obsiegen dessen, Thron ist im Himmel, und die Erde ist der Schemel Deiner Füße. Dein
der zu allem entschlossen und in Mitleidlosigkeit gestählt ist. Ein Aus- Reich ist im Himmel, und Deine Herrschaft umfaßt die Tiefen. Dir ist
gleich im Sinne von Recht, Liebe und Barmherzigkeit findet nicht statt. offenbar, was in aller Welt geschieht, und das Geheimste des Menschen
Ab und zu mag etwas davon aufleuchten, aber das Gesamtbild wird vom ist vor Dir ausgebreitet. Du kennst die Wege des Menschen und kannst
Gegenteil bestimmt, das äußerlich den Ton angibt. ihre Schritte untersuchen; Du kennst ihre Herzen, und ihre Gedanken
Äußerliches bestimmt auch den Geschmack dieses Lebens. Gerade kannst Du zählen. Jedes Geheimnis kannst Du sehen, kein Wort entgeht
der Zadik wird in dieses bedrängende Äußerliche versetzt; denn eben Dir, überall bist Du da; Deine Augen sehen die Guten wie die Bösen. Ich
diese weibliche Seite des Lebens soll ja zur Mahlzeit dienen. Am achten flehe zu Dir, Herr, erhöre mich aus der innersten Hölle und hilf mir her-
Tag wird sie große Freude erzeugen. ,,Jene, die unter Tränen säen, sol- aus aus dieser Verlassenheit. Laß meinen Ruf zu Dir dringen, und neige
len in Freuden ernten" (Ps. 126, 5)- ein Wort, das auf diese Berührung Dich meinem Verlangen."
mit der äußeren Welt, dem Leben im weiblichen Fisch, zutrifft. Jonah Bei diesen Worten erwacht die göttliche Barmherzigkeit, und Er
veranschaulicht das Prinzip dieses Lebens; er ist das Symbol, er erfährt spricht zu dem Fisch: „,Spei ihn aus aufs Land!' Daraufhin wirft der
dieses Leiden. Fisch den Jonah 965 Meilen weit in das Land.
Die ,,tephillah", das Gebet Jonahs, steigt denn auch aus seiner Abge- In der weiblichen Umhüllung, in diesem Leib, entsteht das Gebet; der
schiedenheit im weiblichen Fisch auf. Dort ist er, wie der Midrasch er- Mnsch ist darin wie der Zadik, vorausgesetzt daß er diese Umhüllung
zählt, umflutet von Kot und Schmutz, nahezu erstickt durch den kei- und die sich aufdrängenden Schlußfolgerungen bei sich zu Wort kommen
menden Samen des Fisches. Das sind in der Tat die Grundlagen, besser: läßt, vorausgesetzt, daß er seine Augen zum Sehen gebraucht und mit den
die Ergebnisse der materiellen Entwicklung. Die Welt der Entwicklung Ohren die Stimmen dieser Welt hört. Der Mensch hat in dieser Welt stets
wird buchstäblich zugedeckt durch ihre eigenen Ausscheidungen, jenes die Möglichkeit der Wahl. Er kann auch nicht sehen und hören wollen, ob-
Böse, ,,ra", das dem Menschen nicht zu seinem Aufbau dient. Abfall häuft wohl der Körper alle Möglichkeiten wachen Erlebens bietet. Kommt es
sich an. Die Vielheit der Entwicklung wächst zu einer erdrückenden Last. aber dazu, so kann das Gebet zu Gott aufsteigen, das Gebet, welches die
Die Konsequenzen der Sexualität, so wie sie sich im Wesentlichen, in der Allgegenwart und Allwissenheit Gottes mit der Erkenntnis verbindet,
Welt des ,Fisches' ausdrücken, bedrängen Jonah noch am meisten. daß Er auch alles führt. Zugleich meldet sich dann das Verlangen, aus
dieser Umhüllung befreit zu werden. Auch im einzelnen Menschen ist es
Jonah, der die Rückkehr bewirkt; denn gerade er empfindet den furcht-
4. Das Gebet aus der Bedrängnis baren Druck, der im weiblichen Fisch, in der materiellen, äußerlichen
Welt herrscht, und ist davon benommen. Die Außenseite ist das Be-
Wie lebt ein Mensch inmitten dieses Gewimmels? Angst erfüllt ihn, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
drückende, weil gerade von ihr der Geschmack, das Gefühl dieses Lebens
»

20 6 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 4. Das Gebet aus der Bedrängnis


IV. Die Seite, welche Tod heißt zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 20 7

ausgeht, das den Menschen wie Jonah empfinden läßt, in der tiefsten etwa wie der Mensch beim Gehen abwechslungsweise das rechte und das
Tiefe, im Innern der Hölle zu sein. linke Bein bewegt.
Dem Menschen, der als Iwri auch das Andere kennt, vermittelt die Im weiblichen Fisch, der eigentlich eine Folge des vollständigen Er-
Welt des Äußerlichen Belehrung. Eben durch die Verbindung dessen, was fahrens der Phase des männlichen Fisches darstellt, tritt das Leben selbst
in diesem Äußersten, diesem Fernsten, vor sich geht, mit seinem eigenen dem Menschen entgegen. Der Mensch ist hier mit der Sichtbarkeit, dem
Wesen, gelangt er zum Wissen von Gott und zur Erkenntnis Seiner Wege. am meisten nach außen Gekehrten, dem sogenannten Konkreten, kon-
Wer von diesem Äußersten unberührt bleibt, wird die Verbindung nicht frontiert. Hier entscheidet es sich, von welcher Art er ist. Er kann die
herstellen können. Wer sich nicht damit abgeben will, sondern so tut, als Augen schließen, sich betäuben und in einen Rauschzustand versetzen,
ob der Zweck dieser Welt darin bestehe, seinen Gelüsten zu fröhnen und er kann sich von der Welt zurückziehen und andere an seiner Statt dem
sich im Genuß nicht stören zu lassen, wird die Verbindung sicher nicht Druck aussetzen. Freilich entgeht er auch so nicht der Abnützung; denn
zustande bringen. Er empfindet das Leben in dieser Welt nicht als Drang- das Leben wird ihm, wenn auch auf andere Weise, dennoch zusetzen. Es
sal, sondern fühlt sich im Gegenteil wohl, findet alles erregend und inter- trifft ihn als in seinen Augen unverdiente, unbegreifliche Krankheit, als
essant. Er ist überzeugt, daß es nur eine Frage der Zeit sei, daß sich der ,,Pech", als Neurose, aber spurlos geht es nicht vorbei.
Mensch sein Leben noch schöner und besser einrichten werde. Ein sol- Doch der Mensch hat auch die Möglichkeit, an diese Begegnungen
cher Mensch aber hat kein Ohr für den ununterbrochenen Angst- und und Ereignisse anzuknüpfen und das Wesentliche daraus zu verstehen
Notschrei der Schöpfung; es gilt ihm vielmehr als ungehörig und ver- und dies alles anzuerkennen. Eine Würdigung des Lebens aus ganzem
pönt, den Gedanken daran mit dem praktischen Leben zu verbinden. Herzen ist nur möglich, wenn man den Becher der Geschehnisse an-
Die Erkenntnis Jonahs muß dann ausbleiben, und wenn sie auch gele- nimmt und austrinkt. Just um dieses Austrinken des ,,größeren Teils",
gentlich ausgesprochen wird, so doch niemals mit Überzeugung. wie der Ausdruck bei jedem ,,Kiddusch", bei jeder Heiligung, lautet,
In einem solchen Zustand wird man Gott eher einen mehr oder we- geht es.
überall, aber auch wirklich überall, soll man Gott am Werk sehen,
niger verbrämten Vorwurf machen, daß nicht alles so geht, wie man es
dann kommt auch die Befreiung aus dem Fisch zustande. Diese braucht
gerne hätte, und man wird zu der Folgerung gelangen, daß Gott sich
keineswegs mit dem Tod zusammenzufallen, sie kann schon mitten im
nicht mit allem abgibt, vor allem nicht mit ,,Kleinigkeiten". Dies aber
Leben eintreten; denn in diesem Leben ist alles zugleich vorhanden; die
ist genau das Gegenteil dessen, was Jonah bekennt. Wer wirklich an der
gleichzeitige Anwesenheit aller Phasen ist geradezu das Kennzeichen
Welt leidet, weil er alles ernst nimmt, der wird auch in Jonahs Gebet
dieses Lebens. Doch kann es geschehen, daß bestimmte Phasen heftig
einstimmen und durch und durch begreifen, daß Gott bis ins geringste
und bewußt gelebt werden, während andere zugedeckt sind, als wären
Detail alles führt wie Er ja auch überall zu finden ist.
sie tot.
Der Mensch steht also der Welt stets gegenüber. Zuerst ist sein Auf- Es kann daher sehr wohl sein, daß der Mensch schon in diesem Leben
enthalt im männlichen Fisch, wo er mit seinem Verstand alles gehörig erlebt, wie ihn der Fisch mit großer Kraft auf's Trockene wirft. Dieser
erkennen kann. Auch das hat seinen Sinn. Aber der Sinn erschöpft sich Augenblick ist gleichbedeutend mit der Mitteilung Jonahs an Gott, daß
nicht in der Erkenntnis. Wenn der Mensch über den verstandesmäßigen cr den Leviathan als Opfer zur großen Mahlzeit bringen werde. Denn
Genuß hinaus durch die Großartigkeit der Schöpfung beeindruckt und damit, daß man aufs Trockene geworfen wird, beginnt ja der achte Tag
berührt wird, den Tempel auch hier wiederfindet, dann ist der Augen- und die messianische Mahlzeit.
blick gekommen, wo der weibliche Fisch erscheint. Freilich ist hier nicht Man ist sich nun auch dieser Phase bewußt, lebt auf dem Trockenen
an einen Augenblick im üblichen Sinne einer Zeitfolge zu denken. Der und ist damit zu einem Zustand zurückgekehrt, der von Urzeiten her be-
männliche und der weibliche Fisch sind vielmehr gleichzeitig anwesend, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
standen hat, dann aber verborgen und tief verschüttet war. Nun ereignet
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208 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 5. Das Sterben und das Grab 209

sich etwas wie ein Wiedererkennen einer Landschaft, mit der man sich Das Gebet Jonahs besteht aus 81 Wörtern, welche zeigen, daß die
von undenklicher Zeit her verbunden weiß. Dies alles, noch einmal sei es Welt, in der er versunken ist, die der ,,tewa" (9-2-70), der Natur, ist.
gesagt, kann sich auf das ganze Leben beziehen, kann sich aber auch im Diese Welt ist ,,rund"; man vergleiche das Wort für Ring, ,,tabaath" (9-
selben Leben wiederholt abspielen, nämlich immer dann, wenn das Jo- 2-70-400) und das Wort für Münze, ,,matbea" (40-9-2-70), das ein hartes
nahgebet stattgefunden hat und man sich aufs neue bewußt wird, daß Gleichgewicht zum Ausdruck bringt. So äußert sich die Zeitwelt, rund
man aufs Trockene geworfen ist. Es bedeutet vor allem, daß man das Ge- wie die Natur, in dem Begriff 81, der als 9 2 wie alle Neun oder ihr Viel-
schehen wahrhaft mitgemacht, wenn man alle Phasen durchlebt hat. faches stets sich als Neun gleichbleibt.
Worte sind nur ein Ausdruck davon. Das eigentliche Gespräch mit Gott Die Buchstabenzahl dieses Gebetes beträgt 341, ebensoviel wie der
ereignet sich durch das, was mit dem Menschen vorgeht und wie er sich Wert des Begriffes ,,ascharn" (1-300-40), welches Schuld bedeutet, jene
demgegenüber verhält. Schuld, der der Mensch unbewußt und ungewollt unterworfen ist. Der
Der Fisch wirft Jonah nicht nur nach Japho, sondern eigentlich schon Eintritt in die Erscheinungsform dieser Welt und dieses Lebens bringt
nach Niniveh zurück. Der Weg von Gath ha-Chepher nach Niniveh, den olche ,,ascham" mit sich. Sie ist eine der Folgen der Schöpfung, die den
Jonah zuerst hätte zurücklegen sollen, wird jetzt auf einmal überbrückt: Menschen in diese Welt gestellt hat. So betrachtet ist ,,ascharn" zugleich
965 bedeutet, daß Jonah zugleich in Gath ha-Chepher, 696, ist und dar- uch ein Korban, ein Opfer, d.h. eine Darbringung dieses Lebens für Gott,
über hinaus im vollen Wert von Niniveh, Niniveh, der großen Stadt: 269 eben in der Form des ,,ascharn". In diesem Leben geschieht allerlei, wo-
(106-20-106-22-15 ). Beide Werte zusammen sind diese 965. Jonah kommt rin der Mensch verwickelt ist; er wollte es nicht so, aber es geschah den-
zurück an den Ort des Weins, wo man vor der Wahl steht, und dort ist noch, und er war daran beteiligt. Dieses Korban (Lev. 4) ist ein solches
dann zugleich auch ,,Niniveh, die große Stadt." Gebet; der Mensch erlebt das alles und reagiert darauf in allen seinen
In den Worten des J onahberichts äußert sich die Spannung, die der Gliederungen, von den höchsten bis zu den niedrigsten. Er muß sich
Mensch in dieser Welt durchmacht: einerseits die Aussichtslosigkeit, an- bei allem Geschehen einbezogen fühlen, er kann sich nicht davon di-
dererseits doch die Hoffnung und Erwartung. Wie die Überlieferung stanzieren, er muß ,,ascharn" als Korban bringen. Damit aber verbindet zyxwvutsrqpon
feststellt, ist es ein Wunder, daß der Mensch in einer solchen Welt über- er die Ereignisse mit Gott, und dies ist das Korban, das Jonah dar-
haupt leben kann. Es ist keine menschliche Welt, und doch kommt das bringt.
Wunder zustande, der Mensch lebt in der Welt dieses Fisches. Das zweite
Kapitel läßt uns erkennen, wie Jonah den Zug durch das Leben mit- 5. Das Sterben und das Grab
macht. Voll Verzweiflung und Entsetzen, zugleich aber auch mit der
Sicherheit, daß dieses Leben nicht alles ist und noch etwas ganz anderes Im Sohar (Wajakhel 81 u. f.) wird der Wurf Jonahs aus dem Schiff
erwartet werden kann. Gerade als Jonah auf dem Tempel platz dieser Ins Meer mit dem Sterben des Menschen [Link], so sagt der
Welt steht, weiß er von der Existenz jenes anderen Tempels im Himmel. Sohar, ist die Neschamah, die in das Oniah, den Guph, den Körper also,
Gerade wenn er vom ,,suph", dem Schilf und Tang des Endes, umschlun- gelangt. Hier, in dieser Welt, heißt die Neschamah „Jonah". Daß der
gen wird, weiß er von dem anderen, kommenden Leben, weiß er urn die Mensch sündigt, entspricht der Flucht vor Gott; der Sturm bringt darauf
Hilfe Gottes. die göttliche Antwort.
In der Kenntnis und Erfahrung des Todes wird diese Welt zum tief- Wenn zum Schluß Jonah ins Meer geworfen wird, so kommt das dem
sten Abstieg, der sich denken läßt. Der Mensch findet den Weg zum Ur- I lerablassen des Toten ins Grab gleich. Der Fisch ist das Grab. Ebenso
sprung verschlossen und verriegelt. Doch aus diesem tiefsten Abgrund wie für unsere Wahrnehmung das Grab ein unerbittliches Ende bedeutet,
schreit er nach Gott, und Gott antwortet ihm in seinen Abgrund hinein. so verhält es sich auch mit dem Verschlucktwerden Jonahs durch den
Erst jetzt kommt die Verbindung wahrhaft zustande. Fisch. Der Einzug des Menschen in die Welt des 7. Tages ist für die
210 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 5. Das Sterben. und das Grab 211

Welt, aus der die Neschamah kommt, wie der Tod. Von dort aus gesehen darin habe. Sein Daseinsrecht ruht auf der Begegnung des Eliah mit der
,,ertrinkt" sie in der Zeit. Wir können das nur fassen, wenn wir an das Witwe von Zarphath. Der Fisch bietet dem Jonah einen Körper, der den
andere Äußerste denken, nämlich das Scheiden aus diesem irdischen Bedingungen der Welt angemessen ist, und der Fisch ist zugleich auch sein
Dasein. Grab. Zuerst bietet er ihm den Leib, dann das Grab; der Fisch als die
Jonah ist dann in den Eingeweiden des Fisches (2,zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
1-2), im ,,beten Sieben" und die ,,Fünfhundert". Die Fische kommen überhaupt nur
scheol", im allgemeinen übersetzt mit ,,Bauch der Hölle". Das Grab, ins Dasein, weil einer davon für Jonah bestimmt ist. Ein Körper ist für
,,kewer" (100-2-200), ist der Unterleib des Fisches, ,,me-ei ha-dag" (40- Ihn vorbereitet, der ihn durch die Wunder der Tiefe führt, ihn aber auch
70-10 5-4-3), wie auch der ,,beten scheol" (2-9-50 300-1-6-30), der wohlbehalten ans Ufer bringt. Damit all dies geschehen kann, existieren
Bauch des Totenreichs. Wie unmöglich das dem Menschen dieser Welt nicht nur die Fische und der siebente Tag, sondern auch die ganze Zeit-
auch erscheinen mag, aus dieser Verlorenheit erhebt sich in der Tat der welt, die Zwölf Zeichen am Himmel, ebenso auch die vielen Körper für
Ruf. Die Neschamah schreit aus dem Fisch, dem siebten Tag, zu Gott. die vielen Menschen. Am Ende aber, wo sich alles erfüllt, am J om Kippur,
Das Verschwinden Jonahs ist ein prinzipielles Ziehen. Es ist wie der wird der J onahbericht offenbart.
Weg der Neschamah, welche in diese Welt kommt, so wie auch der Weg Die Überlieferung betont nicht umsonst Jonahs Berufung. Seine
des Menschen, der am Ende seines irdischen Lebens ins Grab gelegt Mutter wird durch Eliah erkannt, und er ist es, der ihr kundtut: ,,Ich
wird. Der J onahbericht schildert uns das absolute Ereignis in der Tat werde die Botschaft der Erlösung bringen, und danach wird dein Sohn
als ein Vorbild für einen sich stets wiederholenden Ablauf. Darum sagt auftreten, der Messias aus dem Geblüt _Josephs"".
auch der Sohar, daß die Neschamah in dieser Welt Jonah heiße, und dar- Von Eliah wird auch berichtet (Seder Olam Rabba 17), daß er im
um wird das Buch Jonah am J om Kippur gelesen, an dem das Betreten weiten Jahr des Königs Achasjah, des Sohnes Achabs, gen Himmel ent-
und Verlassen dieser Welt zusammenfallen. Der J om Kippur ist der ein- rafft wird. Für Eliah, der während des 7. und 8. Königs von Israel lebt,
zige Tag im Zyklus des Jahres, an dem der Hohepriester in das Allerhei- ist die Verbindung der Sieben und Acht kennzeichnend ("Bauplan").
ligste eintritt und dort vor Gott steht. Nach seiner Entrückung erscheint Eliah erst wieder, um den Messias an-
Man betrachte den Weggang Jonahs also auch aus dem Blickwinkel zukündigen. Danach verschwindet er wieder, bis die Frist von Gog und
jener Mitteilung, wonach Jonah identisch ist mit dem Sohn der Witwe Magog erfüllt ist. In der Zwischenzeit ,,schreibt er die Geschichte aller
von Zarphath, der zugleich auch wieder der Messias, der Sohn Josephs, dieser Geschlechter". Was in der Zeit geschieht, wird durch das Wesen
ist. des Eliah bestimmt, welcher der Verkünder des Erlösers ist. Alles Gesche-
Der Sohar weist (Wajakhel 79 und 80) darauf hin, daß Gott an die hen wartet auf den Erlöser, und seine Geschichte wird von dem geschrie-
Erschaffung des Menschen am sechsten Tag die Bestimmung knüpft, daß ben, der durch alle Generationen hindurch als Mensch diesen Erlöser
aus ihm die Frau hervorgehen soll, welche den Eliah speisen wird. Es ist, bezeugt.
als ob der Mensch überhaupt um dieser Frau willen zur Welt komme. In Achab und Achasjah tragen in ihrem Namen den Stempel dieser
ganz ähnlicher Weise knüpft Gott am fünften Schöpfungstag an die Bil- Weltzeit. Der volle Wert von Achabs Namen, 1-8-1-2, ist 1042 (111-408-
dung der Vögel die Bedingung, daß der Rabe den Eliah nähren soll, und 111-412), der des Achasjah, 1-8-7-10-5, beträgt 615 bzw. 616(111-408-
an die Erschaffung der Fische, daß es dereinst ein Fisch sein soll, der den 67-14-15 bzw. 111-408-67-20-10). Beider Name erreicht somit 1657 bis
Jonah aufnehmen und dem Festland zurückgeben soll, von dem er sich 1658. Eliah ist aber nicht bis zum Ende der zweijährigen Regierungszeit
zuvor entfernt hat. In allen diesen Fällen sieht es so aus, als ob es Gott des Achasjah anwesend. Das bedeutet: Der Name des Achasjah wird
überhaupt nur auf dieses Ziel abgesehen habe. Und so ist es denn auch!
Die berichteten Vorfälle sind absolut und prinzipiell. Der Mensch hält Midrasch Tehillim 73 a u. b; Einleitung zum Midrasch. Idem: Seder Eliah Rabba
seinen Einzug in diese Welt, damit Jonah, wie auch Eliah, eine Stätte I8.
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212 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt
nicht zur Gänze erfüllt; die Weltzeit hat ja bereits das Maß der 1656 in
sich; die Mabul findet im Jahr 1657 statt, und das ,,Trockene" erscheint i¢'
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Die Schöpfung und Jonah
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Kehren wir zu Eliah zurück! Um seinetwillen sind die Vögel da: Der
Rabe, ,,orew", 70-200-2 (gleichbedeutend mit Mengung) ist es, der ihn
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ernährt. Unverkennbar spitzt sich also die Schöpfungsgeschichte des % 2 à .z _':!±:;
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fünften und sechsten Tages zu auf die Gestalten des Eliah, Jonah und $ s:. gr ;; ii+jsj5"773) f 3.'? ?' i s
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In den gleichen Zusammenhang gehört auch, was der Sohar (Wajak-


hel 74-78) über das Bestimmende der anderen Schöpfungstage aussagt.
Rabbi Abba erörtert dort: ,,Und Gott sprach zum Fisch. Wann sagt Gott
das? In dem Augenblick, wo Gott die Schöpfung macht, macht er am
fünften Tag die Fische des Meeres. In diesem Augenblick sagt es Gott,
und er sagt, daß ein Fisch dazu bestimmt sei, Jonah zu verschlucken,

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daß dieser Jonah drei Tage und drei Nächte im Unterleib des Fisches
-~- ...,.,._ '°t.A</.- •.•
weilen und der Fisch ihn danach aufs Trockene werfen soll." ~-~,,\~ ·.:•~~~ ---~ ,,, •"llill'li"·

,,Doch das ist nicht alles", heißt es weiter, ,,denn bei allem, was Gott
bei der Schöpfung macht, verbindet er damit eine bestimmte Bedingung.
Am ersten Tag macht Gott den Himmel, und Gott legt fest, daß Eliah im
Sturm zum Himmel auffährt."
Dies geschieht denn auch in der Tat so. Weiter erzählt der Sohar, daß
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dem Licht des ersten Tages auferlegt worden sei, daß es in Mizrajim
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während dreier Tage in Finsternis verwandelt werden soll. Es handelt


sich um die entscheidenden ,,drei Tage" vor der Befreiung und Erlösung: 2%
Die drei Tage der neunten Phase, der Phase der ,,teth", wenn das Neue, 5á
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das geboren werden soll, noch wie in der Gebärmutter oder wie in der al

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Erde verborgen ist, um beim Anbruch der zehnten Phase zum Vorschein
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zu kommen. Mit dem ,,jod" wird das Neue geboren, ist etwas zum Ab- -5%7347%%,73
schluß gekommen und ein neuer Anfang gemacht. ro le t
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Die Scheidung zwischen Wasser und Wasser, die ¡'66.
10-70), ist das Werk des zweiten Tages. Hier geht es darum, daß Israel 4. r 2>
im Leben einen Unterschied machen soll zwischen dem ,,Unreinen" und
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dem ,,Reinen", und daß es sich im Wasser reinige. Die Zeit reinigt, indem
sie das Unreine mitnimmt; dazu freilich ist ein Wollen Voraussetzung,
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6. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Die Schöpfung und Jonah 213
i
das der Zeit diese Rolle bewußt zuordnet. Unrein ist eine Geisteshaltung,
die den Menschen alles an der bloßen Sinneswahrnehmung messen läßt.
Dadurch gerät der Mensch in Berührung mit dem Tod. Durch die Erfah-
rung, durch das festgestellte Faktum Tod wird der Mensch erschüttert.
Er stellt überall die Zweiheit fest, und nichts hilft ihm, den Widerspruch
zu lösen. Diese Zweiheit ist durch die Scheidung des zweiten Schöp-
fungstages zur beherrschenden Tatsache geworden. Der Mensch aber soll
die Folgen dieser Scheidung, welche ,,Tod" genannt werden, von sich
entfernen, und er soll sich auch von den Folgen dieser Scheidung reini-
gen. Doch das kann nur geschehen, wenn er anfängt zu begreifen, was
die strömende Zeit bedeutet und welches Geheimnis sie birgt. Alles Un-
reine birgt in sich die Kraft des Todes; der Tod läßt die Zweiheit als un-
begrenzt, als endlos erscheinen. Von dieser Unreinheit hält Israel sich
fern. Durch die Offenbarung des Wortes kennt es alle Erscheinungen,
welche die Kraft der Unreinheit in sich bergen.
Die Doppelheit des dritten Schöpfungstages kommt zuerst durch
das Meer zum Ausdruck. Es wird ins Dasein gerufen und dazu bestimmt,
daß es von Israel durchschritten werden soll, wobei es dort zu ,,jabaschah"
(10-2-300-5), d.h. zum ,,Trockenen" wird. Die Zeit wird mit der Eigen-
schaft ausgestattet, daß sie sich spalten und durchsichtig werden kann, zyxwvutsrqponmlk
so daß man durch sie hindurch doch unter dem Aspekt des Zeitlosen
und Ewigen zu ziehen vermag. Die Befreiung nämlich tut sich darin
kund, daß man am siebenten Tag, nach dem Auszug aus Mizrajim, wenn
man, wie es das Prinzip dieses Tages ist, vor der mächtigen, alles ver-
schlingenden und begrabenden Zeit steht, doch wie durch ein Wunder
durch sie hindurchziehen kann, ohne von ihr verschlungen zu werden.
Man schaut durch die Zeit hindurch und erblickt das Wunder ihrer
Struktur; man wird Zeuge davon, wie wohl Mizrajim durch die Zeit ver-
schlungen wird und darin untergeht, aber man erfährt zugleich, daß man
bei diesem Durchqueren der Zeit des siebenten Tages in Gottes Hand
geborgen ist und nicht angetastet wird. Um Israels willen, das so durch
die Zeit durchzieht, hat Gott das Meer bei der Schöpfung begrenzt.
Der Erde aber, der anderen Seite des dritten Schöpfungstages be-
immt Gott, da8 sie sich öffen soll, un kä aäâ seinen in ih -
tl'll Schoß zu verschlingen. Wer immer von diesem Leben aus, allein
dieses Leben anerkennend, über Sinn und Wert der Erscheinungen urteilt,
gelangt nicht über diese Erde hinaus. Ei kennt nicht die Maßstäbe, die das
'
214 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 7. Im Grabe wird die Zeit anders gezählt 215
i

Wort und die Thorah vermitteln. Anstelle der göttlichen Offenbarung, die Sonne, Mond und Sternen bestimmt unser Zeitgefühl und unser Weltbild.
diesen Sinn aufschließt, setzt er sein Vertrauen auf menschliche Wahrneh- Sonne, Mond und Sterne erscheinen aber dem, der nicht in dieser Welt
mung, Erfahrung und Logik, wenn auch nicht ausschließlich, so doch in ist, von einer ganz anderen Beschaffenheit. In dem Maße nun, als man
entscheidendem Maße. Bis zum Ende hin sollen solche Menschen die dem Absoluten nahesteht, bekommt auch die Zeit einen anderen Charak-
ter. Wenn man dieses irdische Leben verläßt, entfällt das Zeitmaß dieser
Erde füllen. Korach und seine Angehörigen nehmen Anstoß an der Unlo- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
gik der Ereignisse. Sie wollen darum die Dinge selbst in die Hand nehmen. Welt. Die Werte, die hier gelten, wiegen im Grab ganz anders. Um Ver-
Die Erde ist dazu bestimmt, sie aufzunehmen, denn in ihrem Bereich gleiche anstellen zu können, muß man sich den absoluten Werten zuwen-
haben sie die Vorherrschaft. Sie bleiben von Erde eingehüllt. den. Die Werte unserer sichtbaren Welt sind oft nur ferne Schatten der
Dem vierten Schöpfungstag wird die Bedingung, daß die Sonne in absoluten Werte, und meistens ist man sich nicht einmal über die Zusam-
der Zeit Jehoschuah's halbwegs am Himmel stehen bleiben soll (Jos. 10, menhänge im klaren. Die Werte aber, die wir in unserem Zeitmaß erfas-
13). ,,Bachazi ha-schamajim" bedeutet wörtlich: ,,In der Hälfte des sen, stehen dem Absoluten viel näher, als wir annehmen. So berührt z.B.
Himmels". Für den, der das Volk ins Land Israel hineinbringt, bleibt der Umstand, daß jemand Hausnummer 18 hat, auch den absoluten Wert
dort die Zeit tatsächlich in der Hälfte stehen; der Tag wird anders, er 18, niemand aber sieht die Verbindung und niemand kennt den Abstand,
wird voll, „,tamip,(9040-10-40); mit 490 wird der siebte Tag vollen- der die beiden 18 voneinander trennt. Wir reden dann von Zufall, wenn
det. Im vollen we{
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
,im kommt die 58 zum Ausdruck, nämlich wir eine Zahl als Auto-, Haus- oder Paßnummer bekommen, weil wir
406-80-14 (bzw. 20) -80, also 580 bzw. 586. Die Zeit wird auch hier die Ursache nicht herausfinden können. Dauert aber etwas genau 18
durchschaubar; sie steht im entscheidenden Punkt der Hälfte bei Jeho- Tage, dann erscheint uns der Zusammenhang mit dem Absoluten schon
schuah still. viel unmittelbarer. Wir merken dann, daß die absolute Zeit sich hier
Die Sterne des vierten Tages erhalten die Aufgabe, den Krieg mit eben nicht anders niederschlagen kann, und daß die 18 Tage bestimmt
-(-020bisera zu führen (Richter 5, 20). Im Buch der Richter sind viele große etwas zu sagen haben. So ist unsere 6 Tage-Woche, der sich der siebte
Geheimnisse verborgen. Im Bericht von der Prophetin Deborah heißt es, Tag anschließt, für unsere Welt der sprechendste Hinweis auf den abso-
wie der Feind Sisera aus dem Himmel von den Sternen bekriegt wird. luten Begriff sechs und sieben. Unsere Zeitrechnung wird ja durch Sonne,
Dazu werden die Sterne ins Dasein gerufen, ihr Auftrag ist es, fortwäh- Mond und Sterne bestimmt, wobei aber zu bedenken ist, daß sie nur die
rend gegen Sisera zu kämpfen. Konkretisierung, der Abglanz der wesentlichen Himmelskörper sind. Wir
Wie schon ausgeführt wurde, sind der Fünfte und Sechste Tag durch besitzen keine andere Rechenmöglichkeit, und die vorhandene ist die

I
Eliah, die Witwe von Zarphath, Jonah und den Fisch gegliedert. Dazu einzig zuverlässige und eindeutige, die uns zur Verfügung steht. Aber das
konnte der Mensch kommen, dazu das was als Fisch und das was als Vo- will noch lange nicht besagen, daß unsere Zeiterfahrung die einzig mög-
gel erscheint. Wie alle anderen Texte der Bibel ist auch das Buch Jonah "75kec k [A«kzolE
liche ist. Einzig ist sie nur für die Welt unserer Erscheinungen. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZY
wirklich in allen Punkten ein durchgreifender Bericht. In allen Punkten Die drei Tage und Nächte, die Jonah im Fisch verbringt, im scheol,
ist es mit dem Anderen verbunden, bis an den Anfang der Schöpfung. sind nur ganz entfernt mit drei Tagen und Nächten unserer gewohnten
Welt verwandt. Ein Vergleich ist erst möglich, wenn man die absoluten
7. Im Grabe wird die Zeit anders gezählt Werte hierfür heranzieht. Und im Absoluten ist ,drei" eine Einheit, die
Synthese zweier Gegensätze. Diese Einheit der ,Drei" findet man z.B.
Jonah ist also drei Tage und drei Nächte im Fisch gefangen gehalten. auch in den ,drei Tagen" bei der Schöpfung ("Bauplan"). Das Auftreten
Nicht auf allen Ebenen ist das Zeitmaß gleich. Wenn man aus dieser Welt der ,,Drei" besagt, daß etwas vollständig geworden ist, vollzogen ist, in-
und diesem Leben wegzieht, dann gilt die Zeit dieser Welt nicht mehr. dem die Antwort auf die Gegensätze vorliegt. In der Schöpfung liegt die
Diese Zeit gibt das Maß für die hier Lebenden. Die Beobachtung von Antwort auf die beiden Dreiheiten im Siebenten Tag vor.
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216 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
8. Links und Rechts, das Recht und das Erbarmen 217 zyxwvutsrqponmlkji
I.

Wie lange nun dauern ,,drei Tage und drei Nächte"? Das hängt davon sein, was er ißt, kann ein anderer nicht essen, obwohl in der Welt viel
ab, in welcher Welt, und wie dort Zeitdauer erfahren wird. Wir können Hunger herrscht; was er besitzt, kann kein anderer besitzen, handelt es
das hier nur ganz unbestimmt und von ferne empfinden, müßten aber sich nun um den Ehegatten, oder das Haus oder einen Stuhl. Die Arbeit,
wenigstens imstande sein, uns der Umhüllung in der Welt der Erschei- die einer verrichtet, kann ein anderer nicht tun. Und rings um ihn herr-
nungen zu entledigen. Jedenfalls hat eine Dreiheit von Tagen in unserer schen Armut, Hunger, Neid, Wollust, Not und Krankheit, und die Stel-
Welt auf die eine oder andere Weise mit dem Prinzip der Dreiheit im Ab- lung des einen schmälert den Platz eines anderen; jedes Geschäft oder
soluten zu tun, und man kann wohl sagen: Sonne, Mond und Sterne Jeder Betrieb hindert andere. Und die Gesamtheit all dieser Dinge häuft
lügen nicht. einen Berg von ra in der Welt an- und dennoch ist kein Leben möglich,
In erster Linie stellen die drei Tage und Nächte Jonahs eine Einheit ohne daß ein jeder seinen eigenen Platz einnimmt.
dar: das Geschehen hat sich erfüllt und hat einen Sinn erhalten, der Kreis Das nennt man die ,,linke Seite" des Menschen. Sie ist nicht wegzu-
ist geschlossen. Wie lang das im scheol dauert, das können wir mit unseren denken aus dem menschlichen Leben.
Zeitbegriffen und unserem Zeitgefühl nicht ermessen. Wenn die absolute Der Mensch hat auch eine ,,rechte Seite". Dazu gehören seine Bereit-
,,Drei" sich bei uns äußert, dann ist da ebenfalls etwas Volles und Abge- schaft zum Opfer, zum Tun des Guten, zum Tun ohne Lohn, angesichts
rundetes geworden, dann hat man auf die ewige Frage der Zweiheit eine von Undank und Verfolgung, sowie seine Barmherzigkeit und Liebe,
Antwort empfangen. Und das ,,dauert" bisweilen eine Minute, vielleicht seine Betrachtung der Welt von höherer Warte und die Anhänglichkeit an
aber auch 100 Jahre, und allermeistens erreicht man diese ,,Drei" in die- Gott, sein Dürsten nach der Belehrung durch das Gotteswort, nach der
sem Leben überhaupt nicht. Thorah, sein Sich-erfreuen an eben diesen Offenbarungen, welche ihm
Auch mit Bezug auf den Scheol kann man von der Dreiheit sprechen. vom Sinn seines Daseins und dem des Bestehens der Welt erzählen, vom
Die drei Tage und drei Nächte sind dann vorbei, wenn die Einheit ent- Sinn jeder Sache und jedes Ereignisses.
standen ist. Wie die Drei sich dann äußert, vielleicht als 30 oder sogar als Diese zwei Seiten, das tow und das ra, das Gute und das Böse, stehen
300, oder in allen Ebenen zugleich, das ist eine Sache für sich. Wenn sich im Gegensatz zueinander. In diesem Leben überwiegt ,,naturgemäß" die
die ,,drei" wirklich vollendet, so geschieht es in allen Ausprägungen. linke Seite. Es geht aber darum, daß die ,,rechte" Schale den Ausschlag
Wie kommt der Mensch in den ,,Scheol"? An der von mir früher an- gibt.
geführten Stelle erzählt der Sohar, wie das Leben hier schon ein Vorhof Niemand kann ohne die ,,linke Seite" leben. Ihre Verleugnung käme
ist. Es gehört zum Geheimnis der Schöpfung, auf das schon wiederholt einer Verunglimpfung der Schöpfung gleich; der Sinn des Opfers würde
hingewiesen worden ist, daß der Mensch eben hier geboren wird, damit aufgehoben, wenn der Mensch die linke Seite ausschalten könnte. Er
er auch diesen Weg gehe, bis in die Unterwelt, den Tod und das Grab. muß vielmehr wissen, daß er dem Einfluß des ,,Linken" Schranken setzen
Der Eintritt des Menschen in diese Welt gehört so zur Schöpfung, wie muß, daß er wachsam sein und es durchschauen und beherrschen soll.
das Besteigen de 6#d on seiten Jonahs. Der Fisch wartet ja schon auf daß er aber stets das ,,Rechte" fördern und ermutigen und bis ins Uner-
ihn; dazu hat Gott den Fisch geschaffen. Gleicherweise wartet seiner das Seek elzyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSR
#u 7low!zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUT
meßliche steigern soll. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
r
Grab und der Tod. Das Schiff, worauf der Mensch in die Zeit einsteigt, Das ist auch der tiefere Sinn der halachah. Dieser ,,Weg des Men-
gelangt an den Punkt, wo es zu zerbrechen droht. schen'' ausgehend von der Offenbarung auf dem Sinai, was Form und
Wort anbelangt ("Bauplan") erzählt, was ,,links" ist und darum ,,nicht
8. Links und Rechts, das Recht und das Erbarmen getan werden soll'', oder wenigstens ,,inwiefern es eben noch getan wer-
den darf'. Dieselbe Halachah erklärt auch, was,rechts' ist, und was dar-
Wenn der Mensch in dieser Welt erscheint, kann er nur dadurch am um vorzüglich ist, damit es mit Hingabe getan werde. Nicht etwa daß
Leben bleiben, daß er sich dem ra verbindet. Wo er ist, kann kein anderer Maß und Eifer festgelegt werden können; sich selber, und nicht weniger,
»
,
218 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 8. Links und Rechts, das Recht und das Erbarmen 219
'· wirklich nichts zu tun haben. Das
me, daß es Gebiete gibt, die mit Gott
soll man der Sache widmen, indem man sich ihr ganz verschreibt, mit
ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Die Halachah Land Israel hat der Mensch auf diesem selbstgewählten Weg längst verlas-
macht klar, daß rechts das Unbegrenzte ist, gleich dem Feuer und dem sen und ist jetzt ein Reisender nach Tarschisch. Das Wasser ist schon
Licht, während links das Umsichgreifen der Wasserfluten unermüdlich links" und wird nicht damit allein schon offenbar, daß man jetzt alles
beschränkt werden muß. Diese Basis von links und rechts, 365 Anwei- auf ,,links" gründet? (Über Wasser und links vgl. auch "Bauplan".)
sungen, etwas ,,nicht zu tun", und 248 dafür, was einzuhalten ist, bilden Der Mensch ist überzeugt, daß Gott auf alle diese Dinge nicht achtet.
die Grundlage des Menschlichen. Das ist der Mensch, und darauf baut Und er ist des zufrieden. Sie sind belanglos für Gott. Kein Wunder, denn
sich das Leben auf in seinen unzähligen Möglichkeiten und seiner ganzen für den Menschen, für sein Wohlbefinden, sind sie ausschlaggebend. Dar-
Farbigkeit und Vielfalt. Links und rechts widerstreiten einander aber um läßt er Gott lieber in ferner Unnahbarkeit. Vielleicht spart er für den
stets, und dem Menschen ist es vorbehalten, mit seinem Leben auf diese Dienst an diesem Gott einen Moment der Stille aus - freilich darf es
Zweiheit die Antwort zu erteilen. Zusammen mit seinem Leben ist der nicht zu lange dauern, sonst muß er gähnen und findet es eher sonderbar.
Mensch die ,,drei", die diese zwei Streitenden zur Ruhe bringt, ganz Vielleicht leistet er gar ein Opfer, indem er irgendetwas Gott weiht, wie
macht und also ,,heiligt". cr sagt, damit er sich dann umso unbeschwerter aufs neue der Haupt-
Die ,,linke" Seite wirkt im Leben, stets droht sie ihre Vorherrschaft sache, dem anspruchsvollen Streit für seine Selbstbehauptung zuwen-
durchzusetzen. Trotz der unbestreitbaren Anwesenheit der rechten Seite den kann, wo das Prinzip des Lebenskampfes, des ,,survival of the fittest"
neigt sich die Waage hier immer zu ihren Ungunsten. Ging J onah darum - das überleben des Tüchtigsten herrscht.
zuallererst auf das Schiff? Um den ,,Weg des Menschen" zu gehen? Wie Und dann tritt das geserath ha-din, 3-7-200-400 5-4-10-50, das Ge-
ja auch Gott diesen Weg erschaffen hat und als Schechinah selbst mit- setz des ,,Rechtes" in Kraft, das Gesetz des Gleichgewichts der Zweiheit
geht, damit der Mensch nicht in Verlassenheit verkomme, sondern zu- von links und rechts. Es ist die Waage, und ohne dieses Gesetz des Aus-
rückkehren möge. Der Siebente Tag war von Gott vorbereitet, der Fisch, gleichs könnte die Welt nicht bestehen. Nach der ,,Zwei" der Gegensätze
um den Menschen aufzufangen und mit Gewißheit zurückzubringen. Das folgt das ,,Dritte" als Antwort.
Wegziehen Jonahs, seine Flucht, ist das Vorbild, ist das Opfer, das Gott Der Mensch sieht sich denn auch in der Schöpfung am Sechsten Tage
hinziehen läßt, damit stets dieser J onahbericht erzählt werden kann. Wo in die sogenannte Mittelkolonne hineinversetzt, in der er auch am Sieb-
der Mensch auch hinkommt, überall begegnet ihm schon dies Vorbild, das ten Tag verbleibt. Der Mensch muß die Antwort auf die Gegensätze von
Prinzip, überall trifft er auf Gott, der schon da ist. Mit Israel geht Gott links und rechts darstellen. Dieses Gleichgewicht zu wahren, ist für ihn
hinab nach Ägypten, zusammen mit dem Menschen geht Gott in die Sein oder Nichtsein.
Schöpfung ein. Die middath ha-din, 40-4-400 5-4-50, ist dies Dritte. Ohne dasselbe
So mächtig wirkt sich beim Menschen die linke Seite aus, daß er Gott kann die Welt nicht bestehen. Die ,,Eigenschaft des Rechts" din heißt
vergißt; er hält es nicht für unerläßlich, ihn anzuerkennen, zumindest Recht, die Gottes ist, hält auch das Gleichgewicht zwischen der ent-
nicht in diesem Leben. Seine gute Stellung verdankt er seiner Schulung, fliehenden Schöpfung und der Kraft zur Rückkehr. Beide sind ja auch
und weil er bei der Vorstellung Eindruck machte; an seinen Aktien wiederum die Vertreter eben dieser Seiten von links und rechts.
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVU
verdient er, weil er so gewitzigt ist im Lesen der Börsenberichte, oder weil Das Dritte muß notwendigerweise da sein, als Antwort, damit den
er einen geschickten Finanzberater finden konnte; er ist so gesund, weil Ausschlag gebend. Der Mensch ist dazu berufen, das Gleichgewicht zu
er auf Kalorien und Hygiene achtete, und er genest von Krankheiten, wahren. Das ist sein Platz in der Schöpfung. Der siebte Monat, der Monat
weil er eben gute Ärzte zu finden weiß; er kauft ein Haus, weil er so ver- tischri, ist ebenso der Monat der Erschaffung des Menschen wie auch der
ständig gespart hat, und er findet Gesellschaft, weil er so witzig und unter- des jom kippur. Und das Zeichen des tischri ist die Waage, der Waage
haltsam sein kann. Kurz, er flieht Gott in der selbstverständlichen Annah- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zwischen der Flucht und der Umkehr.
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IV. Die Seite, welche Tod heißt
220 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 9. Die Frage an den Menschen 221

Wenn also der Mensch sich Tarschisch als Ziel setzt, dann fällt die Das ist auch das Geheimnis des „Höre Israel, der Herr unser Gott,
,,linke Seite" schwer ins Gewicht. Jedoch in dieser Welt geht die Sche- der Herr ist Einer" (Deut. 6, 4 ). Denn da ist keine Zweiheit, wie sehr der
chinah mit, als Ausdruck der anderen Seite Gottes, der middath ha- Schein sie uns auch vorspiegelt, wie sehr die Logik auch den Gegensatz
rachamim, 40-4-400 5-200-8-40-10-40, was bewirkt, daß diese Welt nicht betont zwischen din und rachamim, zwischen Recht und Barmherzigkeit.
zugrundegehen kann, wenn diese Kraft der Rückkehr zum Durchbruch Das Geheimnis Israels ist gerade dieses Wissen um die Einheit, die Aner-
gelangt. Der ruach, der Wind, kommt, der den saar, den Sturm, aufruft. kennung, das Vertrauen, daß die Einheit zwischen Din und Rachamim
Damit beginnt die Rettung. Darum ist es auch die middath ha-rachamim, wirklich besteht. Damit wird Israel selbst die Antwort, es nimmt den
die Eigenschaft der Barmherzigkeit Gottes, welche die Umkehr zustan- dritten Platz ein, in ihm vollendet sich's.
de bringt.
Es heißt darum auch, daß die Welt keinen Augenblick bestehen 9. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Die Frage an den Menschen
könnte, wenn allein die middath ha-din herrschen würde. Alle Schiffe
würden dann unbekümmert nach Tarschisch streben, und die Waage müß- So zieht also der Sturm herauf, und die middath ha-din ruft nach der
te extrem weit nach links ausschlagen, so daß der Mensch nicht mehr Harmonie, dem Gleichgewicht, damit die Welt weiter erhalten bleibe;
bestehen könnte und auch die Welt zugrunde ginge. Umgekehrt aber, Während die middath ha-rachamim dafür sorgt, daß sich das Schiff nicht
würde einzig die middath ha-rachamim herrschen, dann eilten alle Schiffe zu weit entfernt, und Rückkehr noch möglich ist.
ebenfalls sorglos nach Tarschisch, denn es gäbe kein Gegengewicht, das Durch den Tod vollzieht sich im Äußersten die Rückkehr; als Prin-
eine Gefahr für die Schiffe ankündete. Die Schöpfung mündete in Sinnlo- zip aber dadurch, daß man aufgefangen wird vom Fisch, dem Siebten
sigkeit, alles verlöre sich in einer vagen Unendlichkeit. Just die middath Tag. Man kann einfach nicht mehr weiter. Der Fisch läßt es nicht zu, wie
ha-din schafft den Handlungsraum, erstrebt Verwirklichung, verlangt Voll- es der Sturm nicht zuläßt.
zug; sie gibt Antwort. Die middath ha-rachamim bekommt dadurch ihren Wenn der Mensch vom Baum der Erkenntnis nimmt, dann wird es
Sinn, dank ihr vermag der Mensch jetzt zurückzukehren. Sie läßt ihn nicht verhindert, daß er weiterhin in der Welt Edens verweilt: er wird ins Meer
verlorengehen im Gleichgewichts-Urteil. im exakten Gerechtigkeitssinn geworfen, in den Siebten Tag, in die Zeit. Und der Fisch fängt ihn auf,
des middath ha-din. rettet ihn. Darum preist der Mensch den Siebten Tag (Ps. 92). Der Fisch
Man sagt darum, daß die Schöpfung, die mit Gott als Elohim beginnt, bringt ihn zurück; das tut der Siebte Tag.
dem Gottesnamen, mit dem die middath ha-din verbunden ist und mit Im Sturm offenbart sich, daß Gott zweifellos zugegen ist auch bei
dem auch die sechs Tage und der siebente Tag der Schöpfung zustande- einem Studium, in der Laufbahn, bei Börsenkursen, beim Hausbau, im
kommen, keinen Bestand haben kann. Durch middath ha-din wird der Ferienrummel usw. Wo der Mensch auch hinkommt, Gott ist immer da;
Mensch sogleich fallen. Darum ist da in der Schöpfung eine gegensätzli- selbst im Scheol. 4«Ru/ fToloak
che Seite angelegt, die sich zuerst in den Worten offenbart ele toldoth Der Sturm kann dem Menschen zu verstehen geben, daß das Größte
ha-schamajim we ha-arez (Gen. 2, 4), auf die hin die Schöpfung sich voll- jetzt zuteil wird, daß Gott bei ihm ist. Wer seinen Sohn liebhat, züchtigt
zieht im Namen des ha-schem Elohim, des „Herrn", Gottes. Gerade ihn, und ,,wohl dem Mann, den Du, Herr, züchtigst, den Du unterweisest
hier ist der Name Gottes als Herr, als 10-5-6-5, die middath ha-rachamim, aus Deiner Thora, um ihm Ruhe zu gewähren von den Tagen des Un-
dem Namen Gottes als Elohim, als middath ha-din, beigesellt. Die middath heils" (Ps. 94, 12). Die middath ha-rachamim äußert sich hier.
ha-din steht nicht allein, so wenig wie die middath ha-rachamim. Der Zustand der Krankheit, in dem der Mensch sich dann befindet,
Sie sind auch im Zeichen der Zweiheit in der Schöpfung entge- ist von besonderer Art. Er braucht nicht die bekannten körperlichen
gengesetzte Zeichen des Sich-entfernens und des Sich-nahens, Zeichen Symptome aufzuweisen. Wo die Umstände zeigen, daß das Äußerliche,
auch des Baumes, der Frucht ist und Frucht macht. die Umhüllung, vorherrscht, dort ist Krankheit. Krankheit, choleh, 8-6-
»

222 IV. Die Seite, welche Tod heißt zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 9. Die Frage an den Menschen 223
0)kds
30-5, kommt von chol, welches das Nicht-Heilige, das Verstreute, Ausge- hingewiesen, daß das übelriechende die Grundlage für das leibliche Be-
breitete, bedeutet. Chol ist auch Sand; sein Wert beträgt 44, die typische stehen ist. Auch das ra ist übelriechend. Die Ausscheidung ist eben-
Vielheitszahl. überall wo man in Gefahr steht, als Mensch erstickt zu falls so beschaffen. Vor allem vom Schwefelgeruch weiß man, daß er
werden durch das Äußerliche, Unzusammenhängende, das Geschmack- Träger des Bösen ist. In Form von Mist ist Ausscheidung gewiß auch
und Farblose, die endlose Langeweile, da ist ,,Krankheit". nützlich und ein Anreiz weiteren Wachstums; aber gerade darin liegt ja
Und der Sohar berichtet, wie Jonah während dieser Krankheit in das das Geheimnis des Bösen. So kommt es zu den neuen Generationen. Dazu
Schiff hinabgestiegen ist, sich dort niederlegt und sogleich in tiefen Schlaf muß die linke Seite den Anstoß geben. Doch sie muß beherrscht werden.
fällt. Die Neschamah kann schwerlich anders, wenn das ,,Ich" sich nach Der Mensch soll, was zu ihr gehört, unter sich haben, er darf sich nicht
Tarschisch begibt, das Ich mit den 70 Mitfahrenden. Die Neschamah damit verbrüdern. Er ist dazu berufen, als ein absoluter König darüber
schläft dann; sie kann sich nicht bewußt gegen den Herrn stellen. zu stehen.
Doch dann kommt der raw ha-chowel, der Schiffshauptmann, und Der Nachdruck auf dem tipah seruchah ist nicht umsonst. Der Mensch
weckt die Neschamah. Der Sohar sagt von ihm, daß diese führende Per- soll einsehen, daß seine leibliche Erscheinung hier etwas Besonderes dar-
sönlichkeit der jezer ha-tow sei, die gute Seite des Menschen. Die rechte stellt, da sie auf dem ra beruht. Und dieses ra stößt den Menschen eigent-
Seite, sie eröffnet das Gespräch mit der Neschamah. Der jezer ha-ra, 10- lich genauso ab wie der Geruch der Ausscheidung, welche auch ra ist ge-
90-200 5-200-70, wird, als Gegenpart zur guten Seite und in Überein- genüber dem tow, das Teil des Menschen wird. Der Geruch warnt den
stimmung mit dem oben über rechts und links Gesagten, als die ,,schlech- Menschen eben dort, wo das Äußerliche nicht sprechen kann, und wenn
te Seite" angesehen. cr das Wesen noch nicht kennt. Der Geruch ist der unsichtbare Teil des
Auf dem Höhepunkt des Sturmes kann es geschehen, daß die gute Körpers, der Teil, der mit der Nase wahrgenommen wird. Und die Na-
Seite die Neschamah weckt und sie auffordert, sie solle sich zu erkennen se ist ja die Stelle, wo Gott in den Menschen die Neschamah hineinbläst.
geben: ihre Gegenwart im Leben erklären, den Sinn ihrer Anwesenheit Das ,,Korban" ist für Gott von angenehmem Geruch. Einen ähnlich an-
erläutern. Dadurch, daß sie in diesem Leben auftritt, prägt sie ihm einen genehmen Geruch kennen wir in der Pflanzenwelt. Die Pflanzen kennen
ganz besonderen Sinn ein. Wenn das Schiff noch über einen Kapitän ver- noch den Weg, den Gott ihnen gewiesen hat. Die Tiere dagegen haben
fügt, wenn der jezer ha-tow noch den Befehl führt und entscheidenden oft schon einen unangenehmen Geruch, denn ihre Entwicklung ist schon
Einfluß auf das ,,Ich" ausübt, dann kommt es zu dieser Aussprache. Die verbunden mit der Kraft zum Entfliehen. Die Schlange macht sich an den
Neschamah wird geweckt; es ist nun nicht die Zeit, länger verborgen zu Menschen heran, um die Schöpfung an diese Kräfte des Entfliehens aus-
bleiben und zu schlafen. zuliefern ("Bauplan").
Jonah wird nun befragt: ,,Was für eine Arbeit übst du aus, woher Deshalb weiß der Mensch, daß seine körperliche Erscheinung hier zyxwvutsrqp
kommst du, aus welchem Lande stammst du?" Die Taube, die Nescha- vom ra herstammt, und das mahnt ihn zur Zurückhaltung, sobald der
mah, kann sich mit der Antwort Iwri anochi als Hebräer zu erkennen Körper die Entscheidung an sich ziehen will oder gar die Herrschaft an-
geben. Doch der Mensch, seine irdische Erscheinung, das Körperliche - strebt. Darum auch die Frage des Kapitäns an die Neschamah, an Jonah,
woher kommt er? Was war sein Tun hier - hat der jezer ha-ra, die linke ob sie denn eigentlich wisse, was die Körperhaftigkeit in diesem Leben
Seite, das Übergewicht? Und was war sein Lebensinhalt, wonach strebte eigentlich bedeutet. Gewiß, die Neschamah stammt wie der Iwri aus einer
er? Als Mensch kommt er aus dem Geheimnis des ra. Die Antwort der anderen Welt; doch sie ist hier in Verbindung gestanden mit dem Men- zyxwvutsrqponml
jüdischen Überlieferung auf diese entscheidende Frage ist stets (vgl. Tal- chen, mit seiner Körperhaftigkeit; solange die Fahrt aber Tarschisch
mud Bawli, Traktat Aboth, Mischna 3, 1; idem hier Sohar: Wajakhel galt, hat sie geschlafen.
84): me-tipah seruchah, 40-9-80-5 60-200-6-8-5, d.h. aus einem übelrie- Es folgt die Frage: ,,Aus welchem Lande kommst du dem Körper
chenden Tropfen, aus einem übelriechenden Punkt. Es wird zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
stets darauf nach stammst du von dieser Erde; kehrst du auch dahin zurück?" Auch
'
224 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 1 O. Die drei Engel 225
I

hier bleibt am Ende das Geheimnis, der Kreis, das Unbeantwortete. Am und darum wird von Jonah auch gesagt, daß er mit dem Messias aus
Schluß steht die Frage: ,,Aus welchem Volke bist du- worin besteht Joseph identisch sei.
deine Verbindung durch all die Generationen hin mit deinem Ursprung? Jetzt, im Sturm, wird der Versuch gemacht, das Leben für diese Welt
Welches ist dein Kontakt mit dem Ursprung? Siehst du bloß eine unend- zu retten. Man bemüht sich, das Schiff zurückzusegeln, trotz des Aus-
liche Reihe von biologischen Vorfahren, die sich im Dunkel verliert, oder spruchs durch die Neschamah, den sie selbst als Jonah in Worte faßt. Das
weißt du dich unmittelbar den Vätern verbunden, die Gott gefunden ,,Ich" versucht, die Neschamah durch den Sturm hindurch zu retten,
haben und die mit Gott das ewige Band empfangen haben? Weißt du dich doch der Sturm nimmt stets zu an Heftigkeit, und die Welt ist so ge-
mit dem Ursprung durch lebende Menschen verbunden, die noch heute macht, daß diese Rettungsaktion nicht zustandekommt.
sprechen, durch die Kette der Überlieferung reden, jenes übertragenen
Lehrguts, Menschen mit großem Vertrauen und großem Ansehen, Men-
1 O. Die drei Engel
schen mit großer Bescheidenheit und Liebe - oder achtest du sie gering
und belanglos, weil du sie tot wähnst, Gegenstand nur einer archäolo-
In diesem Stadium kommen so erzählt der Sohar drei Boten
gischen oder touristischen Neugier?"
nus der anderen Welt. Der erste stellt fest, was im ganzen Leben, von al-
So wickelt sich das Gespräch ab zwischen der jezer tow und der Ne-
len Taten, Gedanken und Absichten nach links und was nach rechts
schamah. Denn die Neschamah trägt die Verantwortung für das Schiff.
gehört. Der zweite legt all diese Dinge auf die Waagschalen; er steht bei
Jonah bezahlt den Fahrpreis, Jo nah unternimmt die Reise mit den ,, 70".
der Mittelsäule der Waage und zeigt die Harmonie oder Disharmonie an.
Allen Mitreisenden des ,,Ich" werden diese Fragen gestellt; alles wird Die linke Waagschale wird schon durch eine solche Überfülle herabge-
dem din gemäß beurteilt. Für jeden gilt das Gleichgewicht von links und drückt, daß viele Gewichte auf die andere gelegt werden und sie beschwe-
rechts. Einigen wird ein positiver, anderen ein negativer din ausge- ren müssen. Links ist schon von vorneherein beladen, ohne daß der
schrieben. Denn der Mensch besitzt sehr viel, er hat die 70 Völker in sich, Mensch es bemerken würde. Er handelt gedankenlos und beschwert die
und während seines Lebens sind der Ereignisse viel. Das alles verbindet sich linke Seite. Er ißt; der eine Tiere, der andere Pflanzen, und hat oft für
mit dem Ursprung auf Wegen, die der Mensch in dieser Welt nicht einmal nichts anderes Sinn als für Menge und Zubereitung der Nahrung. Er
erspüren [Link] ,,Ich" ist so kompliziert und zugleich so harmonisch schreitet aus und zertritt, ohne sich auch nur umzusehen. Er verletzt
gebaut wie die gesamte Schöpfung, das ganze Weltall. Und alles wird im Menscher, ohne dessen gewahr zu werden, obwohl er es einsehen könnte.
entscheidenden Augenblick auf seinen Platz verwiesen, seinen Platz im Doch die Umstände geben ihm keine Gelegenheit dazu, sein Leben ist
großen Gesamten. schon zu ausgefüllt und zu schwer. Und darum ist im Menschen von jeher
Diesen bedeutsamen Moment gibt es nicht nur beim Tode. Er ist ein starkes Streben vorhanden, dieses schwere Linke zu kompensieren.
auch da, wenn der Mensch eine Erneuerung erfährt, wenn er einen Le- Er weiß, daß sein Bestehen auf dem ,Linken" beruht. Wie er auch beim
bensweg verläßt, um einen ganz neuen zu beginnen. Bei einer teschuwah, Einschlafen auf der linken Seite liegt ("Esther") und wie von ihm gesagt
einer Rückkehr, ist der Mensch wie neu geboren. wird, daß er bei der Mahlzeit sich nach links lehne. Es ist das Gefühl im
Menschen, daß er gerade das Andere im Leben auch zur Geltung bringen
Doch das alles hängt von der Neschamah ab. Wenn auch ein Teil
sollte. Das gilt zumindest für jenen Menschen, dem der Weg zurück noch
vom „Ich" gut wegkommt, eine ganz besondere Bestimmung erwartet
nicht abgeschnitten ist.
Jonah. Seiner harrt der Fisch, der Fisch, auf den hin am Fünften Schöp-
fungstag überhaupt Fische geschaffen wurden. Die Neschamah erträgt Der dritte Bote ist derselbe, der die Neschamah vor ihrer Geburt
hier mit, was Gott bei der Schöpfung trägt; sie folgt demselben Weg, sie hierher begleitete, während das Ungeborene noch im Mutterschoß heran-
wuchs, der Bote, welcher das Licht über das Haupt der Neschamah hielt,
leidet, weil sie nun einmal dieses Ursprungs ist. Darum duldet auch Jonah, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
'
IV. Die Seite, welche Tod heißt
226 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 11. Die berstenden Eingeweide 227

ihr alles zeigte, vom einen Ende der Schöpfung bis zum anderen Ende, Das ,,Ich", das Schiff, kehrt auf seine Weise den Weg zurück, wie
und sie in der ganzen Thora unterwies ("Esther"). wir bereits besprochen haben. Die Mitreisenden werden Jonah wohl wie-
Und dann geschieht es, daß man Jonah ergreift und dem Meere der begegnen. Sie werden die Kunde von Niniveh vernehmen, und sie
preisgibt, dem großmächtigen, tobenden Meer, das alles verschlingt. Die ziehen nach Jerusalem hinauf für das sewach und für die milah. Die Be-
drei Boten sind das Zeichen, daß es so weit gekommen ist. Der dritte schneidung ist ja soviel wie sewach: beide bedeuten sie die Rückkehr zu
gibt die Antwort, denn er ist derselbe, der die Neschamah in ihrer Angst Gott. Alles bringen die auf dem Schiff Mitfahrenden mit zu Gott, auch
schon einmal getröstet hatte und nun wieder dazu imstande ist. Der ihre Frauen und Kinder. Alles ist in der Rückkehr inbegriffen; die Kraft,
dritte Engel (malach hebräisch Bote und Engel) hatte bei seinem Ab- die zurückbringt, hat sich nun durchgesetzt.
schied, vor der Geburt, gesagt: ,,Du sollst mich im Augenblick deines Der Mensch im Grab ist wie Jonah. Jonah ist ein Urbild des in die
Sterbens wiedersehen, und dadurch wirst du wissen, daß es gut ist. Ich Unterwelt Eingehenden. Im Augenblick, wo das Grab sich schließt, den
bin das Zeichen, und du wirst mich wiedererkennen. Dereinst wirst du Wassern gleich, die über Jonah zusammenschlagen, ist auch der dag, der
geborgen werden aus dem Leben, in das ich dich jetzt bringe." von der Schöpfung her bestimmte Fisch, da. Jeder hat seinen dag. Und
Wenn der dritte Bote spricht, wird also Jonah der Zeit preisgegeben, der Fisch nimmt den Toten auf. Wie der Fisch auch jeden Menschen in
dem Meer. Das Ergreifen des Jonah, das dem Wurf ins Meer vorangeht, sich aufnimmt, der hier geboren wird. Steht nicht auch derselbe Engel
ist, so weiß es der Sohar, der Moment, wo man den Toten aufnimmt, bei der Geburt wie beim Tod, und erfolgt da nicht das Wiedererkennen?
um ihn aus dem Sterbehaus heraus ins Haus des Grabes zu tragen. Auch wieder eine Geburt, diesmal an der Grenze dieses Lebens, durch
Dem Guten im Menschen wird dabei und er vernimmt es das den Tod hindurch, über das Grab hinaus.
Lob gesungen: ,,Gebt Ehre der Erscheinung des Königs" und: ,,Er geht Und es erscheint die Dreiheit im scheol, in den Eingeweiden des Fi-
in Frieden; jene, die den rechten Weg gewandelt sind, ruhen auf ihren sches. Es ist beides zugleich, eine Dreiheit des Tags wie auch eine Drei-
Lagerstätten" (Jes. 57, 2); und: ,,Eure Gerechtigkeit soll euch vorange- heit der Nacht. Die Überlieferung erzählt, wie in diesen drei Tagen und
hen, die Herrlichkeit des Herrn soll eure Nachhut sein" (Jes. 58, 8). Und Nächten des Menschen Eingeweide sich öffnen.
wenn das Gute beim Menschen überwogen hat, dann schweigt der Tadel. Ich glaube nicht, daß man wissenschaftlich nachprüfen muß, ob das
Dem Schlechten im Menschen aber wird und den Spruch hört der auch auf die Eingeweide der Leiche zutrifft. Die Kremation würde das
Tote mit nachgerufen: ,,Wehe diesem N. N., es wäre besser gewesen, jedenfalls durchkreuzen. In den letzten Jahrhunderten wurde der Mensch
wenn er nicht geboren worden wäre". Wo die Waagschale des Übeln zu sehr dazu erzogen, nur nach seiner Sinneserfahrung zu urteilen. Die
überwog, ertönt kein Lob. Denn es ist zu einer großen Störung der Har- berstenden Eingeweide sind ein Ereignis, das sich im Fisch abspielt, im
monie gekommen. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA scheol, dort, wohin der Mensch verschwindet. Was man beim Exhumie-
ren noch von ihm sieht, ist bloß noch als vergehender Schein von ihm
11. Die berstenden Eingeweide übrig geblieben. Die Erinnerung an den Toten ist anderswo stärker als
am Platz seines Begräbnisses.
Sobald der Mensch ins Grab gelegt wird, kommt der Sturm zum Still- In den Eingeweiden des Menschen vollzieht sich für uns das Phäno-
stand; die See beruhigt sich wieder. Die middath ha-din hat ihren Platz men der Verdauung. Es stellt sich uns als ein chemischer Vorgang dar.
eingenommen, und die middath ha-rachamim hat ebenfalls ihre Wirkung Durch dasjenige, das in seiner Gesamtheit me - ei, 40-70-10, heißt,
getan. Für diese Welt ist das Ganze abgeschlossen. Das Weitere spielt wird das eingenommene Essen in Gut und Böse geschieden. Das Gute er-
sich außerhalb unserer Sichtweite ab, wiewohl in derselben Welt. Alle neuert und baut den Körper auf, das Böse wird ausgeschieden. Die haw-
Welten sind auch in dieser Welt. Nur die Wand der Sichtbarkeit, der dala, 5-2-4-30-5, die Unterscheidung, findet dort, ohne Zutun des be-
Nachweisbarkeit scheidet diese Welt von den anderen. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
wußten Willens, statt. Etwas, das übel riecht, will der Mensch gar nicht

il
I zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZY

22 8 IV. Die Seite, welche Tod heißt zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA


11. Die berstenden Eingeweide 22 9
schlucken, zumindest, wenn er sich natürlich verhält. Das übelriechende seiner ursprünglichen Gestalt. Das ra ist nur notwendig, um diese Welt
bewirkt sonst letzten Endes ein Erbrechen. Aber auch das Wohlriechen- hervorzubringen. Wenn die Verbannung aufgehoben wird, wird auch
de birgt das ra. Anders hätte es in dieser Welt niemals erscheinen können. das ra aufgehoben. Der Satan, 300-9-50, der Hinderer auf dem Wege
Stets ist das ra die Grundlage und die Voraussetzung für eine Erscheinung zur Einheit, just der, welcher zur Flucht anfeuert, hat denn auch nach
dieser Welt. Das ra ist ja die Kraft der Entwicklung, das Prinzip, das die
der Überlieferung diesen üblen Geruch, den Schwefelgeruch, den Gestank
Flucht der Welt möglich macht. Jenes Ausbrechen, das erst die Kraft der der Ausscheidung. Wenn die Flucht ihr Ende findet und das Ausatmen
Umkehr auslöst und damit zur Einswerdung beiträgt: das Ausatmen und vollzogen ist, dann hebt das Einatmen an und die Wirksamkeit Satans-
Einatmen; das Zwinkern der Augen, das Pochen des Herzens. als Satan - ist vorbei. Der Mensch kann also befreien.
Im Verborgenen des Menschen spielt sich das gewaltige Drama der Wenn er sich auf seine Berufung besinnt, dann beginnt das Einatmen,
Scheidung zwischen Gutem und Bösem ab. Meist beginnt der Mensch dann wird das ra abgelehnt. Wenn er befreit! Denn der gesunde Mensch,
dessen erst inne zu werden, wenn eine Störung eintritt. Essen und Trin- dessen Körper doch so gemacht ist, daß er das Gute vom Bösen scheidet,
ken ist ihm ein festlicher Anlaß oder eine Notwendigkeit. Aber sein Kör- tut im bewußten Bereich, wo er andauernd vor der Wahl steht, sehr oft
per ist so gemacht und wird so gesteuert, daß er diese Unterscheidung das genaue Gegenteil. Er ist durchaus überzeugt davon, gut und im Inter-
vollzieht. Der Mensch schenkt diesem sich vollziehenden Wunder keine esse seines Bestehens zu handeln, wenn er das Böse wählt. Wie sehr es
besondere Aufmerksamkeit. Er muß einfach essen und trinken, wenn er auch stinkt. Sehr oft weiß er das, beklagt seine Schwäche, und tut es
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
hier weiterleben will. Und weiterleben muß er hier, und sei es nur, um doch. Die harte Realität, so heißt es dann.
diese Scheidung zwischen Gut und Böse im Gang zu halten. Einerseits Dadurch, daß er dem ra den Vorzug gibt, bildet sich im Menschen
ist da Umkehr und Einverleibung in die Einheit, anderseits das ra, die cine fremdartige und gefährliche Struktur. Seinem wirklichen Menschen-
mitreißende Entwicklungskraft, die darauf gerichtet ist, den Abstand körper, also nicht dem Sichtbaren, werden viele Organe entfremdet,
immerfort zu vergrößern. die fortan Gift ansammeln und absondern. Herz und Nieren können es
Der Mensch wird nun in seinem Leben, insofern er zu einem wesent- nicht verarbeiten. Es kommt im Wesentlichen zu einem schweren hinken-
lichen Teil bewußt lebt, auch in seinem Tun und in seinem Wahrnehmen, den ,,Gang" mit starkem Einschlag nach links.
Denken und Handeln, diese Unterscheidung machen müssen. Denn da- In den wirklichen Eingeweiden, im wirklichen Menschen, die 120 J ah-
durch wird alles, was auf die Rückkehr und den Aufbau der Einheit hin re seines Lebens hier ("Bauplan") zum Unterscheiden gemacht worden
geschaffen ist, durch den Menschen freigesetzt und von der Bindung sind, hat sich so vieles eingenistet, was nicht da sein sollte. (Der Wert des
mit dem Bösen erlöst; von einer Bindung, die unentbehrlich war, wenn Begriffs ,,Eingeweide" ist ja eben auch 120.) Zuviel ist eingelassen worden,
das Leibliche in dieser Welt erscheinen sollte, einer Bindung, die eine was niemals hätte seinen Einlaß finden sollen. Und diese Eingeweide wer-
Konsequenz der Schöpfung ist, kraft welcher das Wesentliche hier in der den in- den drei Tagen und Nächten geöffnet. Die menschlichen Einge-
Verbannung erscheinen kann. Verbannung bedeutet auch Gefangen- weide 'sind der Ausdruck für das Prinzip der Unterscheidung und des
schaft im ra. ,,Tuns" in diesem Leben. Das Tun spielt sich im ganzen Menschen ab.
Dem Menschen ist es also gegeben, daß er alles, was ihm im Leben lm Körper ist es zum größten Teil unbewußt; in seinem Handeln, Den-
begegnet, und was auf ihn zukommt, in welcher Eigenschaft auch immer, ken, Entscheiden dagegen steht das Tun unter seiner unablösbaren Ver-
befreien kann, indem er die Unterscheidung trifft. So erlöst er es aus der antwortung. Es gehört sich, daß der Mensch wach sei, seines Platzes
Verbannung im ra. Das ra wird von ihm abgewiesen, da er bei der Begeg bewußt, den er als Berufener einnimmt. Wer jedoch in einen Rausch
nung widersteht. Das ra ist die wegfliehende Kraft; sie ist dazu bestimmt, geraten ist und schon nicht mehr bewußt handelt, ist als Mensch ,,leben-
das Entfliehen zu einer Realität zu machen. Wenn alles in die Einheit dig tot". Als ,,Mensch" ist er nicht mehr da.
gelangt ist, dann hat das ra keinen Platz mehr, jedenfalls nicht mehr in zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
So hat der Mensch Eingeweide, die hier nicht als solche sichtbar
' zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFE

230 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 12. Augen, Hände und Füße im Gericht 231

EI sind. Er hat sein ,,Innerstes", wie der Leib sein Innerstes hat; das gehei- Ja, es geht hier um den wesentlichen Stoffwechsel, bei welchem
me, für das Auge verborgene Innerste. Deshalb heißt es auch das Innerste. keineswegs mit Kalorien, Eiweiß und dergleichen gerechnet wird. Wenn
Und in diesen anderen Eingeweiden wird das sichtbar, was er für gut er- der Mensch seine Bestimmung vergessen hat, dann wird er in seinem
achtete. Die Zeit ist dort anderer Natur. Alles, was Einlaß ins Innerste ge- blinden, verheerenden Egoismus seine Wohlfahrt und Gesundheit in den
funden hat und dort durch die Entscheidung des Menschen geschah, Mittelpunkt stellen und dann auch abhängig sein von Kalorien, Geld und
wird nun sichtbar gemacht. Denn wie der Mensch auch lebte, was und Leidenschaften. Und gerade so ruft er eine wesentliche Stoffwechsel-
wie immer er auch über seinen freien Willen oder unfreien Willen dachte störung hervor. Darüber muß sich nun der Mensch auf einmal Rechen-
und urteilte, stets stand er vor Entscheidungen. Dies tun oder das; dies schaft geben.
lassen oder das. Das Leben ist nun einmal so, ein anderer Weg bietet sich
nicht. Selbst wenn man sich, um Entschlüssen auszuweichen, schlafen 12. Augen, Hände und Füße im Gericht
legt, ist das ein Entschluß; selbst wenn man sich in einen Rausch hinein-
lebt oder -trinkt, ist das ein Entschluß: Man entscheidet sich zur Aus- Dann, wenn der Mensch auf diese Weise die Antwort über die haw-
schaltung des Wachseins. dala gegeben hat, als das Ergebnis der vollendeten ,drei", dann wird ihm
Nach den drei Tagen wird der Inhalt der Eingeweide dem Menschen deutlich geoffenbart und immer spricht noch die middath ha-din -was
ins Gesicht geworfen. ,,Sieh, was dein Leben war, du kannst dich ihm cr in seinem Leben getan hat mit seinen Augen, Händen und Füßen.
nicht entziehen. Das hast du mir, deinem Inwendigsten, aus deinem Le- Ober Augen verfügt der Mensch ja, damit er anhand des Wahrgenomme-
ben gegeben. Das war deine Nahrung; das hast du für gut befunden, um es nen die Einheit wiedererkenne. Das ajin, das Auge mit dem Wert 70,
in dich aufzunehmen. Das, gerade das, hast du dir als Lesestoff ausge- hat doch die Gesamtheit der 130 (70-10-50) als vollen Wert ("Symbo
sucht. Und das, gerade das, ist nun dein Studium oder deine sogenannte lik"). Aber wenn das Auge nur die 70, die sich ausbreitende Vielheit,
Freizeitbeschäftigung. Wie steht es eigentlich mit deiner Freizeit? Wel- wahrnimmt, dann hat es seine Fähigkeit nicht ausgeschöpft, dann hat es
chen Dingen bist du in deinen Gedanken zugetan? Bist du jemals von sich durch die eitle Schönheit der bloß äußeren Bewegung täuschen las-
der großen Armut beeindruckt worden? Armut und Entbehrung wohl sen. Es nimmt teil an der Flucht nach Tharschisch, welche zu keinem
im üblichen Sinn, Armut aber auch darin, daß eine satte Menschheit Ziele führt. Der Prophet, der ein ,,Seher" sein soll, wird ein ,,Blinder"
nicht Wahrheit, nicht Frieden kennt. Wie sie auch sucht und bettelt, genannt, just weil er das Auge nicht gebraucht, um die Welt des Äußer-
nirgends kann sie für den innersten Hunger Nahrung finden. Die meisten lichen zu betrachten.
sind schon so abgestumpft und mutlos, daß sie längst aufgehört haben Die Hände tun, und die Füße bringen den Menschen herbei oder sie
zu betteln; in ihrer Trägheit warten sie einfach auf den Tod. Du aber, lassen ihn sich entfernen. Mit der Hand, jad, welche den Wert 10 dar-
jeden Tag hast du gegessen und getrunken, alles mögliche hast du in dich stellt, ist der Mensch tätig: hat er dabei die andere Seite, das, was gegen-
aufgenommen, wenn es nur deine Lust befriedigte, alle deine Tage waren übersteht, mit einbezogen? Der volle Wert ist ja entweder 14(10-4)-
wie Fest- und Hochzeitstage in deinen Augen, und an niemanden dachtest die doppelte Siebenzahl also oder dann 20 (10-6-4), die doppelte 10.
du, wie gut du auch Bescheid wußtest über all den Hunger. Ist das Tun vom Sinn losgelöst, nur dem Äußerlichen zugetan, oder er-
Warum hast du dich nicht mahnen lassen, warum dein eigenes Wesen kennt man, daß jedes Tun auch noch eine ,,andere Hälfte" hat?
nicht mit dem Richtigen genährt, warum dein ganzes Leben auf diese Und wohin ließ er sich von seinen Füßen tragen? Man kennt die
Weise vergeudet?" Und der Inhalt seines Innersten wird ihm ins Gesicht schalosch regalim, die ,,drei Füße"; das ist die Dreiheit eines sich-Gott-
geworfen heftig und leidenschaftlich wird er ihm vergegenwärtigt. Näherns, des Herzutretens bis zum Platz der Wohnung Gottes. Den Füßen
Dann vernimmt der Tote den Sinn der Worte: „Ich werde Kot auf ist nur dies aufgetragen. Man weiß, der Name des Baumes des Lebens,
euer Antlitz werfen, den Unrat eurer Feste" (Mal. 2, 3). des ez ha-chajim, 70-90 5-8-1010-40, hat den Wert von 233, den glei-
'
232 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
IV. Die Seite, welche Tod heißt 12. Augen, Hände und Füße im Gericht 233
¥

chen wie der Begriff regel, 200-3-30, Fuß. Und die ,,drei Füße", das drei- der Mensch und wird er aufs neue geboren; jeden Moment wird er vom
malige Hinaufziehen nach Jerusalem, das ist das Leben des Menschen. Fische verschlungen, jeden Moment versinkt die Vergangenheit vor ihm
So erfüllt man den Sinn von Ostern, Pfingsten und sukkoth ("Bauplan"). ins Grab; sie entschwindet im Zeitlauf.
Wenn das Dritte da ist, sukkoth, dann ist die Antwort eingetroffen. Für die Dauer von 30 Tagen befindet sich die Neschamah noch auf
Dann wohnt man in der Hütte, im Haus, dessen Dach den Blick zum der Erde. Sie steigt noch nicht auf zu ihrem Platz oben. Sie ist dann der
Himmel offen läßt und das doch Dach ist. Am Ende, an sukkoth, wohnt Frau gleich, die draußen verweilt um ihrer turna willen, ihrer ,,Unrein-
man in der sukkah, 60-20-5, die aus der Haut des Leviathans gemacht ist. heit". Dreißig Tage und drei Tage (Lev. 12, 3). Die neschamah in der
Und dann wird der Leviathan aufgegessen; dann ist die große Mahlzeit. Welt ist diese 33; sie ist durch die Verbindung mit dem guph, mit dem
Sacharja erzählt (14, 16 ff.)zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
von diesem großen sukkoth und warnt die Körper, hier festgehalten.
Welt, wenn sie nicht auf die ,,zwei Regalim" dieses Dritte, entscheidende Es ist ihre Verbannung: sie ist die ,,Frau" in ihrer Unreinheit, der
und vollendende, folgen läßt. Entwicklung, dem Wachstum, dem Tod verhaftet, dem Kommen und
Dazu sollen die Füße des Menschen dienen. Sie können sich auch im Gehen .
Gegenteil von Jerusalem abgewandt haben, um den Weg in die Ferne Im Judentum ist noch der Brauch lebendig, nach dem die dreißig
einzuschlagen. Das wäre ein Mißbrauch der „Füße", die der Mensch er- Tage nach einem Begräbnis als besonderer Zeitabschnitt beachtet werden.
halten hat, um sich auf das Ziel hin zu bewegen und sich zu verändern. Er heißt schloschim, das heißt dreißig.
Er ist nicht gefesselt an einen bestimmten Standort und Zustand. Er kann
durch die ,,drei Füße" der Einheit hier teilhaftig werden.
Der Baum der Erkenntnis hat den Wert 932 ("Bauplan"), was dem
Wert von ,,vier Füßen" entspricht. Mit dem Baum der Erkenntnis wählt
der Mensch die Vielheit; mit der ., Vier" geschieht ja das Ausschwärmen
in die Vielheit, während die ,,Drei"versammelt wird zur ,,Einheit" ("Bau-
plan"). Die 4 ist das Weibliche, die Außenseite, die 3 ist das Männliche,
das Wesentliche. Der Mensch muß die 4 an die 3 binden, sie verlangt da-
nach; und er muß das wissen.
Sukkoth ist das einzige Geschehen, das acht Tage beansprucht. Es ist
schon der Übergang zur anderen Welt. Die sukkah hat den Wert 85, wie
das volle peh, der Buchstabe, welcher die 80 ausdrückt. Die Fortbewe-
gung des Menschen soll dahin führen.
In der Gegenüberstellung zu den ,,Augen, Händen und Füßen" wird
der Tote aufgerichtet. Das dauert 30 Tage. Die Dreiheit in der Ebene der
Zehner. Die middath ha-din spricht dann mit dem Menschen als dem
Körper und der Seele. Denn ihre Hochzeit, ihre Verbindung, war während
des Lebens von größter Wichtigkeit. Es geht darum, was diese Verbindung,
dieser besondere Zusammenschluß in diesem Leben ausrichtet. Denn
man vergesse nicht: was vom Geschehen nach dem Tod erzählt wird, gilt
genau so für das Geschehen, das der Geburt in diese Welt folgt. Auch in
diesem Leben findet diese Gegenüberstellung statt. Jeden Moment stirbt

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2. Genesung durch Gott zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW


235

KAPITEL V Gottesnamens Elohim, 1-30-5-10-40. Er beträgt 111-74-15-20-80. Dann


wird auch offenbar, daß middath ha-rachamim und middath ha-din eine
DAS LEBEN NACH DEM GRAB Einheit sind. Was man als beängstigende Gegensätze erfahren hat, sieht man
dann als Einheit, und es ist klar, daß ,,Din" ,,Rachamim" ist- Recht
ist Barmherzigkeit, und die alles durchbrechende Barmherzigkeit ist
Recht.
1. Recht und Barmherzigkeit sind eins Dann, wenn die Erfüllung gekommen ist, da der Fisch das Verborge-
ne herausgibt, wird vor dem Leichnam ausgerufen: ,,Erwacht und jubelt,
Nach Ablauf dieser 30 Tage nimmt die Neschamah ihren Platz droben ihr, die ihr im Staube wohnt, denn euer Tau ist ein Lichttau, und die
ein; sie durchbricht die abschließende Wand. Und der Körper, die Er- Erde wird den Schatten das Leben wiedergeben" (Jes. 26, 19). Wann ist
scheinung hier, verschwindet mit der Zeit aus dem Gesicht; er wird mit das? Es tritt ein, wenn der Todesengel, der malach ha-maweth, 40-30-1-20
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
(hs.,lh, dem afar, 70-80-200, mit der Erde zusammengebracht. Die Verbindung 5-40-6-400, zunichte wird, wie es heißt: ,,Er wird für ewig den Tod ver-
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
é ck mit der 350, dem afar ("Bauplan") ist von besonderer Bedeutung. Denn nichten; und der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen
in ihr ist die Verheißung des techijath ha-methim, 400-8-10-10-400 5-40- und die Schmach Seines Volkes wird Er von der gesamten Erde hinweg-
400-10-40, des Lebendigwerdens der Toten. nehmen" (Jes. 25, 8). Das stimmt auch überein mit den Worten: ,,Und
Wann geschieht das? Es geschieht, wenn der Fisch Jonah aufs Trocke- der Herr sprach zum Fisch, und dieser spie Jonah aus aufs Trockene"
ne wirft, wenn der Mensch aus dem Fisch entlassen wird, und das wieder- (Jonah 2, 10).
um, wenn der Fisch ,,voll" geworden ist, wenn er also seine Aufgabe Alles, was je gelebt hat, wie und wo auch immer, gibt die Erde dann
erfüllt hat. Der Leviathan wird geschlachtet und geopfert, er dient als ,urück. So wie der Fisch Jonah ausspeit und aufs Land zurückwirft, so
Mahlzeit. Der Sohar weist auch darauf hin, daß Jonahs Fisch stirbt; so gibt die Erde alles wieder.
stirbt der Fisch eines jeden Menschen. Es bedeutet, daß der Fisch die
Aufgabe erfüllt hat, zu der er geschaffen ist: Er ist die Dreiheit in der 2. Genesung durch Gott
dritten, der letzten Zahlen-Ebene; denn der Atbaschwert für dag, für den
Fisch, ist ja die 300. Es handelt sich hier um dasjenige, das für uns nur Der Sohar geht dann nochmals auf die Worte ein wa-arez rephaim
noch als der Gegenwert, als die für uns verborgene Gegenseite erscheinen tapil (Jes. 26, 19). „,Rephaim" übersetzt man mit Schatten, Schemen; es
kann, weil wir es hier noch unmöglich fassen könnten. Die 300, schin, hat
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA wind aber auch Riesen. Und der Sohar hebt hervor, daß das Wort rephaim
ihre spezielle Bedeutung. Sie ist auch auf den tephillin schel rasch, in die uch Genesende, Geheilte bezeichnet. Denn dann ist die große Genesung,
tephillin des Hauptes eingraviert, oder, besser gesagt, die Oberfläche ist die Heilung aller Dinge. Durch Gott kommt diese Genesung zustande,
so graviert, daß die schin erhaben hervortritt. 300 ist auch der Atbasch- und einzig diese Heilung ist die wirkliche Wiederbelebung, Auferstehung.
wert des Namens des Herrn, des 10-5-6-5. Hier findet sich die für uns Jede andersartige Genesung ist nur Schein; der Tod hat ja seine Beute.
unfaßbare andere Seite, die uns als ein dunkles Spiegelbild erscheint. Darum ruft jede andere Art von Heilung bloß ,,Riesen" hervor, leibliche
Wenn auch die Gegenseite des Fisches in Erfüllung gegangen ist, die lJngeheuer, die in sich stets den Drang haben, das Heilige zu hindern und
300 gegenüber diesem Siebten Tage (dag ist ja 4-3), dann gibt der Fisch u bekämpfen. Je mehr irdische Genesung, desto mehr ,,Riesen'' treten
das Verborgene frei, dann wird offenbar, daß das, was für verloren gehal- uf, drohende Massen Fleisch, sinnlos und hinderlich, aggressiv und ge-
ten wurde, sehr sorgfältig bewahrt worden ist. 1:lhrlich. Alles Wundertun, welches Heilung vorspiegelt, leibliche Wieder-
Die 300 steht diesem siebten Tag gegenüber: Der Atbaschwert des herstellung, muß doch vor dem Tode weichen. Sogar die Wundertäter
Herrennamens, der 10-5-6-5, zeigt sich identisch mit dem vollen Wert des elbst gehen früher oder späte¡ den Weg des Todes. Die einzige Genesung
V. Das Leben nach dem Grab zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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23 6

ist die durch Gott, die auch ewig dauert. Und darum heißen jene, welche
mit dem Wort ,,Schatten" wiedergegeben werden, im Hebräischen repha- „,1. :. - zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPO
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im, Geheilte: Riesen im Sinne von ewig Lebenden, von Gott dazu Be- 4 %;È¿x·
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Der Fisch speit sie aus ins Leben. Die Heilung durch Gott ist identisch
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mit diesem Aufs-Trockene-geworfen-werden durch den Fisch. Durch den 4 ;± %%.


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Fisch, der zuerst alles in seinem Innern verborgen gehalten hat. Man wird .· t
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aus der Zeit, wie sie durch die Wasserwelt bestimmt wurde, in eine andere
Welt gebracht, wo dieser frühere Zeit-Begriff nicht mehr existiert. Sie ...
heißt deshalb denn auch die Welt des Trockenen.
In den Fisch, in den den Menschen umhüllenden Körper, ist diese
Heilkraft, diese Kraft zur ewigen Heilung, von Gott gelegt worden. Das
gilt ebenso für den Fisch als Siebten Tag als auch für den Fisch, der am
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Sabbath zugegen ist - für den Fisch, womit die Sabbath-Mahlzeit dann , ·' r
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auch eröffnet wird. Und dies alles gilt auch für diese Welt, die in diesem
Siebenten Tag und in diesem Zeichen lebt. Es ist zugleich auch das Zei-
chen des Monats Adar, des zwölften. Moses, welcher der Welt das Wort

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offenbart, wird im Monat Adar geboren, und in demselben geht er auch

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von hinnen. Es ist auch der Monat des Wunders, des purim ("Esther"),
des Verborgenen. ·„
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Der Fisch wird reglos und stirbt, wenn er Jonah aufnimmt. Doch er #¿è:¿ê",",
lebt wieder auf, wenn er Jonah zurückgibt. Und dann wird dieser Fisch t
das ,,Korban" für den Menschen. So wie der Leviathan, der Inbegriff des
Fisches, es für Jonah ist. ¡J
Abba schließt seinen Jonahbericht im Sohar mit den Worten aus den
Psalmen: ,,Lobe den Herrn, meine Seele und alles, was in mir ist, Seinen
heiligen Namen" (103, 1). Das Wort ,,alles, was in mir ist", krowai, das
ist in der Tat alles, auch die Eingeweide. Und es folgt: ,,Lobe den Herrn,
meine Seele; hallelujah" (104, 35). Diese Worte Davids geben den Sinn
des Lebens wieder: Gott zu loben. Denn das umfaßt in der Tat alles,
wenn man es ernst nimmt. Loben mit seinem ganzen Leben.

3. Drei Tage und drei Nächte im Scheol

So ist also Jonah die drei Tage und drei Nächte im Fisch. Es ist jene
Dreiheit, welche dreifaltig auftritt, auf jeder der drei Zahlen-Ebenen.
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23 7 zyxwvutsrqponmlkjihgfed
3. Drei Tage und drei Nächte im Scheol zyxwvutsrqponmlkjihgfed
Als 3, als 30 und als 300. Jonah ist im Scheol, er gilt als tot. Für die Welt
ist er das auch. Und nach dem Bericht von ihm, mit dem Geheimnis sei-
nes Namens und seines Lebens, ist er das für jeden Menschen. Es ist die
letzte, die äußerste Konsequenz und Vollendung der Verbannung. Die
Dreiheit empfing ihn, empfing ihn auch im Scheol. Die äußerste Verban-
nung ist die bittere Folgerichtigkeit für Jonah: die Taube, die das auch zyxwvutsrqponm
weiß, wenn sie das Blatt vom Oelbaum bringt. Doch es ist auch der in der
Schöpfung schon beschlossen liegende Erlösungsweg. Jonah geht ihn so-
zusagen voran. Um Jonahs willen wurde der Fisch geschaffen und wurde
ihm bei der Schöpfung schon diese Bestimmung zugeteilt: Während der
,.drei" soll er Jonah in sich aufnehmen. Nach diesen ,,drei" soll er ihn
zurückgeben. Und dieses Herausgeben ist identisch mit der Auferstehung,
und mit diesem Anslichttreten im J onahbericht ist überhaupt das Prinzip
tier Auferstehung begriffen. Darum ist bei der Erschaffung des Menschen
schon das Kommen der Witwe von Zarphath festgelegt; zu ihr kam der
Mensch. Und diese Frau von Zarphath ist die Mutter Jonahs, und zu ihr
kommt nun Eliah.
Tief greift der J onahbericht, durch Leben und Tod. Er geht durch alle
Welten. Die drei Tage und drei Nächte in der Unterwelt sind auch ihr
Symbol. In ihrer Dreifaltigkeit bilden sie auch die Dreiheit dieses Lebens.
Denn auch dies Leben ist Leben in Gefangenschaft, und auch in diesem
Leben ist es der Fisch, der den Menschen verschlingt. Geburt und Tod
tehen sich als Spiegelbild gegenüber. Hier wie dort erscheint der gleiche
Engel.
Der Tod gehört zu diesem Leben, und der Tod führt zur Auferstehung,
ur Einswerdung auf jedem Gebiet. Die große Heilung, zur vollen Genüge
und alles umfassend, ist dann da, nach dem Tod. Sie kommt durch den
Fisch.
So haben wir hier nun gemeinsam eine Stelle aus dem Sohar gelernt.
Wenn Abba mit seinem Erzählen am Ende ist, kommen seine Freunde in
die jeschiwa, das Lehrhaus, wo man zusammensitzt und Thora lernt; und
eine Freunde kommen und küssen ihm das Haupt. Ich glaube, daß dies
nun wohl das Angemessene ist, dort im Lehrhaus von Bar Jochai.
Im Sohar beansprucht diese Stelle von Abba, je nach dem Druck,
nicht viel mehr als eine Seite. Ich habe einige Auslegungen anknüpfen
1111lssen, wie ich sie in meiner jeschiwa gehört habe. Da ich nicht all das
Wissen bei den Lesern voraussetzen kann, das in meiner jeschiwa selbst-
238 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 4. Der Fisch und der Vogel 239

verständlich ist, mußte ich weiter ausgreifen. So trachtete ich, sozusagen nach eigentlich das doppelte ,,M". Im Hebräischen gibt sich eine Doppel-
an der Tür der jeschiwa stehend, den Zuhörern draußen auseinanderzu- heit durch die ajim-Endung zu erkennen, und majim ist also die Zwei-
setzen, wie großartig der Inhalt dieses Berichtes ist, wie er weit ausho- heit von ,,M".
lend das ganze Leben in sich trägt. Damit wird bereits deutlich, daß der Begriff Wasser, gemäß seinem
Das war ein kleiner Abschnitt aus dem Sohar, der Abba-Bericht über Oberflächenwert, was das Äußerliche und Sichtbare betrifft, schon diese
die beiden ersten Kapitel des Jonah-Buches. Zweiheit in sich trägt. Die 40 ist schon doppel-sichtig, spiegelnd; wie es
Wir haben nun den Bericht vom Fisch gemäß der Überlieferung be- auch die Eigenschaft der Wasseroberfläche ist. Dazu kommt, daß die
trachtet, wie er enthalten ist in den Pirke des Rabbi Elieser, ferner wie er Buchstaben, welche das Wort majim bilden, die 40-10-40, alle in ihrem
im ,,Midrasch Jonah" erzählt wird und schließlich im Abba-Bericht des vollen Wert das Doppelte wiedergeben, nämlich 80-20-80. Damit ist der
Sohar *.zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Einiges mehr sei hier noch aus der Überlieferung erzählt. volle Wert von majim 180 zugleich das Doppelte der sichtbaren 90. Das
bedeutet, daß auch der verborgene Wert 90 ist, womit er dem gewöhnli-
4. Der Fisch und der Vogel chen Wert gleichkommt. In jeder Beziehung also ist Wasser Ausdruck
einer Zweiheit.
Man wird bereits gewahr geworden sein, daß die Bergung von Jonah Und da nun überdies die Doppelheit der Wasser oben und der Wasser
durch den Fisch und danach das Darbringen des Fisches durch Jonah als unten bezeugt wird, so erstreckt sich diese Zweiheit bis ins Prinzipielle
Opfer für die Mahlzeit mit dem Messias eigentlich die Vereinigung dessen und Absolute.
in sich schließt, was auf der linken Seite der Schöpfung getrennt steht Am Zweiten Schöpfungstag kommt diese Zweiheit zustande. In der
("Bauplan"). Am Zweiten Schöpfungstag macht Gott ja die rakia, 200- Überlieferung heißen die Wasser oben männlich, die unteren weiblich.
100-10-70, die Scheidung zwischen den Wassern unter der rakia und den Damit ist denn auch eine Zweiheit der Zeit gegeben, da sich beide in der
Wassern darüber. Diese Scheidung bestimmt den Aspekt der linken Seite 40 ausdrücken. Eine Zeit oben und eine Zeit unten. Die rakia scheidet
überhaupt, denn dort erweist sich vor allem die Zweiheit. Ich wies im diese beiden Ausdrucksformen von Zeit. Das Wort verbindet sie.
,,Bauplan" darauf hin, daß darum gerade beim Zweiten Schöpfungstag Im Text stoßen wir stets auf die 40 als Zeitausdruck: bei der Dauer
Gott nicht das Wort ,,gut", das tow, durchklingen läßt, daß aber mit dem des Regens der Sintflut (Gen. 7, 4 und 12), beim Ausbleiben des Moses
,,sehr gut", dem tow mead, am Sechsten Tag, nachdem der Mensch ge- auf dem Sinai (Ex. 24, 18), dem Zug der Kundschafter (Num. 13, 25),
kommen ist, dieser Mangel kompensiert wird. dem Wiederkommen von Moses auf den Sinai (Deut. 10, 10). 40 ist die
Die Scheidung zwischen ,,Wasser und Wasser" ist das Zustandekom- Dauer des Wüstenzuges (Deut. 8, 4 ), Goliaths Drohen gegenüber Israel
men der Zweiheit auf der linken Seite, oder besser gesagt, der Ausdruck (I. Sam. 17, 16), der Regierung Davids (2. Sam. 5, 4), sowie Salemos
der Zwei auf der linken Seite. ,,Wasser", also majim, ist der Sprache ( I. Kön. 11, 42), von Eliahs Weg (l. Kön. 19, 8); 40 Tage vor Niniveh
wind es auch bei Jonah. Und es wären noch mehr solche 40 als Zeitmaß
* Abba lebte um das Jahr 100 n. Chr., und sein Bericht ist selbstverständlich eine aufzuzählen. Diese 40 ist als ,,männliche Zeit" zu sehen. „Weibliche Zeit"
Mitteilung, die auch ihm überliefert war. Niemand erzählt solches aus sich selbst, breitet sich bis ins Unendliche aus.
Die Lehrschule des Abba (aramäisch „Vater") gilt als die 12. Generation der Misch Die zwei Ausdrucksformen für Zeit sind bestimmend für die Zweiheit
naschulen (von da an gerechnet, wo die Prophetie ins „Lehren" übergeht, als dc, im menschlichen Leben. Der Wert von rakia, des Prinzips der Zweiheit
zweite Tempel gebaut wird). Der Komplex der Mündlichen Lehre im Talmud wurde
verursachenden Scheidung, ist 380 (200-100-10-70): das ist zugleich der
damals festgelegt. Talmud kommt von lo med, 30-40-4, was auch Lehre bedeutet,
Gemäß der Aufstellung des Maimonides gilt Abbas Generation als die 33. vom Wert von mizraim (40-90-200-10-40).
Sinai an, seit dem Wunder der Offenbarung also. Man sehe das alles nicht allein im Der Fünfte Tag nun, in der Schöpfungsstruktur auch links, unter dem
chronologischen Sinn, sondern auch zugleich als im Menschen, dort beheimatet. weiten stehend ("Bauplan"), ist ausgefüllt mit der Erschaffung der Vögel
240 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab

und Fische. Die ersteren erheben sich in die Richtung der oberen Wasser, , ..zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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die letzteren wohnen in den unteren. Auch sie drücken die beiden gegen- M'+ zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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sätzlichen Welten aus. Die Fische können nicht zum Himmel fliegen, y

die Vögel nicht im Wasser leben.
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Paradoxes aber geschieht im J onahbericht, der von der Taube erzählt, #
wie sie vom Fisch gerettet wird, und vom Fische, der durch die Taube r,
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Hier vollzieht sich eine Begegnung, ja ein Zusammengehen der beiden
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den Fisch dem Tisch des Messias zu, hinüber in den Achten Tag. Der ,, - ~-·· .. , ii 7; -« -
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der jezirah, der Formung, kommt es zu einer Antwort, zu einer Erfüllung
des Sinnes der Zweiwerdung, welche in der Welt der bria, der Schöpfung,
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erschienen ist. '\ ·~ ··. ' ; . •, . .,_, Il _.'l -~ -

Die Angabe über das Geschehen am Zweiten Tag (Gen. 1,6-8) um-
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faßt 38 Wörter - worin sich übrigens die Struktur des Begriffes rakia, der
380 also, ausformt - während der Text über den Fünften Tag (Gen. 1,
20-23) 57 Wörter zählt. Das Verhältnis ist genau 2 : 3; der Zweite Tag y e i. . ·! ' ·' ¿'s
enthält zweimal, der Fünfte Tag dreimal die 19.
Die 19 ist im Absoluten ein bekannter, typischer Wert. Es ist die
Zahl für die ,,Mutter des Lebens", chawah (Gen. 3, 20), 80-6-5. Es ist ±:'
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auch die Zahl für einen Zeit-Ausdruck des Mondes, ein Ausdruck dieser
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Welt, und damit eine bezeichnende Zahl der linken Seite. In der rakia
stehen sich zwei 19 gegenüber. Am Fünften Tag stellt sich mit der dritten
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19 die Antwort auf den Gegensatz ein. 57 ist auch der Wert von misbeach,
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40-7-2-8, der Altar, worauf das korban, die Einswerdung also zustan-
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'.,.; ._. _,~;,,- ' .. ~&~ --~ ;1 i. w : •

dekommt. Der Altar ist die Antwort auf den Gegensatz. Er fügt die dritte ¿, 2 ± es
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19 zu den zwei vorigen. Ebenso ist Kanaan mit seiner 190 die Antwort e
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auf den Gegensatz mizraim mit seiner 380 ("Bauplan"). f.. e

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Jonah ist nun der Mensch, durch den die Begegnung der ,,Taube" yo

mit dem ,,Fische" stattfindet. Der Siebte Tag empfängt den Besuch der • d

Taube, und indem Jonah in ihn eintritt, erfüllt sich seine Bestimmung.
Die Schöpfung am Fünften Tage überbrückt den Gegensatz des Zwei-
ten Tages. =:ELEA=e°
Darum ist auch das Prinzip ,,Vogel" mit dem Prinzip ,,Fisch" zusam•
men gleich dem vollen Werte von Jonah: Vogel, oph (70-6-80= 156) ad •
4. Der Fisch und der Vogel zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTS
241

diert zu Fisch, dag (4-3 =zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHG


7). Und der volle Wert des Menschen Jonah ist
163 (20-22-106-15).
Auch in anderer Hinsicht gibt die Verbindung Jonahs mit dem Fisch
in der Welt der Formen ihre besonderen Fingerzeige.
Der gewöhnliche Wert für diese Verbindung in der Zahlenwelt ist 78;
71 für Jonah und 7 für Fisch. Die 78 drückt das Dreifache des Gottesna-
mens ,„Herr" aus, der 26 also. Im vollen Wert ist diese Verbindung 163+
507 = 670. Zusammen mit der Anzahl Buchstaben der beiden Worte
Jonah und dag, 4 und 2, wird die Zahl 676 daraus. Das entspricht der 26
hoch 2, also wieder dem Gottesnamen ,,Herr". Diese Erfüllung der Zahl
des Namens ,,Herr" kommt erst zustande, wenn auch die Buchstaben,
die Bausteine der Worte Jonah und dag, mit hineingenommen werden.
Sonst reicht es nur bis an die Grenze der Erfüllung der 26 hoch 2. Ihr
Mitgezähltwerden bedeutet, daß auch ihr Zugegensein in der Welt der
materiellen Erscheinung inbegriffen ist.
Der gewöhnliche Wert Jonahs, verbunden mit dem vollen Wert für
Fisch ist 578 (71 + 507). Es ist immer wieder dies Zeichen der Einswer-
dung, welches im Bereich der 57 (bestehend aus 38 + 19), also auf dem
Altar, misbeach, zustandekommt. Darum hat die Zahl 58 eine solche
Bedeutung. Der gewöhnliche Wert ,,Jonah" mit dem Worte tanin, dem
Begriff für Fisch, der in der Schöpfungsgeschichte gebraucht wird (Gen.
1, 21) ist 71 + 510 = 581. Schon wieder also begegnet uns hier dieser
bedeutsame Wert im Bereich der 58! Und Jonah zusammen mit leviathan
ergibt den Wert 567 (71 + 496).
Der volle Wert von Vogel: 130-22-85 = 237 mit demjenigen für
Fisch, 507, ergibt 744. Und das kommt dem Wert des Begriffs zadik
gleich, 104-434-20-186. Es ist in der Tat der Zadik, der diese zwei
liußerste_n Schöpfungen verbindet. Darum ist auch der volle Wert von
Jonah gleich dem gewöhnlichen Wert von Vogel und Fisch.
Und das Besondere ist hierbei wieder, daß der verborgene Wert von
Vogel und Fisch zusammen 581 ergibt (237 minus 156 = 81 plus 507
minus 7 = 500).
Hier sehen wir, zu welchen Aufschlüssen ein Heranziehen der Zahlen-
welt führt. Das Leben der ,,Zeit von oben" mit dem der ,,Zeit von unten"
- in ihren gewöhnlichen Werten - ergibt ,,Jonah" in seinem vollen
Wert. Denn _Jonah ist der Verbindende dieser beiden Lebensbegriffe.
In ihrem vollen Wert geben ,,Vogel", das Lehen der Zeit oben, und
242 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 5. Vereinigen ist Verherrlichen 243

„Fisch", das Leben der Zeit unten, vereint den Begriff zadik, also wieder- und die Zeit, die alles- auch die Zeit der Entwicklung - umfaßt. Der
um denjenigen, der das Unvereinbare verbindet. In ihrem verborgenen Baum des Lebens ist die Verbindung von Himmel und Erde.
Wert aber demjenigen, der übrig bleibt, wenn man vom vollen Wert den Was Jonah also tut und was mit ihm geschieht, ist denn auch nichts
äußerlichen Wert (den gewöhnlichen) hin wegnimmt- geben diese beiden anderes als Bewerkstelligung dieser Verbindung. Darum heißt der Fünfte
Lebensformen, die sich hier als Gegensätze zeigen, den Begriff 581, die Tag in der Ausdrucksweise der sephiroth sephirah bedeutet zählen,
Endzeit, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
die Zeit der Erfüllung". So werden denn Josua auch immer wie- Sephiroth also Zahlenwelten hod. Das bezeichnet sowohl ,,Form" als
der die Worte chasak weemaz mitgegeben (z.B. Deut. 31, 23), demJosua, auch ,,preisen, loben".
der Israel in den 8. Tag führen soll. Der Fünfte Tag ist die Phase des Kommens von Formen, die zugleich
das Loben enthalten, denn die Form hat ihre Ausprägung oben, den
5. Vereinigen ist Verherrlichen Vogel, und diejenige unten, den Fisch. Und die Vereinigung dieser beiden
Äußersten ist das ,,Loben und Preisen". Die Vereinigung ist es, worum es
Der Fünfte Tag schafft also die Voraussetzungen für die Verbindung geht. In der jüdischen Tradition besteht die Sabbathmahlzeit aus dem
von Himmel und Erde. Um diese Verbindung geht es, und um ihretwillen Fisch als Beginn und danach dem Vogel, damit diese zwei durch den
erscheint auch der Mensch. In der sogenannten zweiten Schöpfungsge- Menschen im 7. Tag vereinigt werden.
schichte ("Bauplan") steht der Mensch selbst auf dem zweiten und fünf- Im gan be-eden wird der Mensch, nachdem er seine Bestimmung er-
ten Platz; zuerst handelt es sich um seine Formung und dann um seine halten hat, in einer folgenden Phase, der sechsten und siebten, in Mann
Einsetzung in den ,,Garten Eden". Dort, im gan be-eden, bekommt er und Frau geteilt. Darin äußert sich auch die Zweiheit, die Zweiheit des
seine Bestimmung. Und die Bestimmung betrifft den Gegensatz, den männlichen Wassers und des weiblichen Wassers; eine Zweiheit, welche
Baum der Erkenntnis gegenüber dem Baum des Lebens (Gen. 2, 7 und sich im ersten Schöpfungsvorgang, dem Dampf, dem ed, äußert als 1 und
2, 15-17). Eigentlich also die zwei Zeiten: diejenige der Entwicklung 4, männlich und weiblich.
Gott loben ist das Herstellen der Einheit; damit verherrlicht man
* Es wäre selbstverständlich noch viel über diese Begriffe in der Zahlenwelt zu sa- Gott und erfüllt den Sinn der Schöpfung. Darum ist auch in den Worten:
gen. In einem Buch läßt sich nur andeutungsweise darüber sprechen. So hat der ,,Lobet den Herrn, denn Er ist gut; ja Seine Langmut ist bis in Ewigkeit"
,,große Fisch", dag gadol (4-3 3-4-6-30) den Wert 50. Das ist also wie der verborge-
(Ps. 118, 1 und im ganzen Ps. 136) dies Wort hod als ,,Loben" verwen-
ne Wert von ,,Fisch" (500); wieder ein Hinweis, daß der Fisch auf den 8. Tag ab-
zielt, wiewohl und gerade weil er die 7 ist. Der Atbaschwert von dag gadol beträgt det. Und der Wert dieses Ausdrucks, der ganze Sinn also, ist 408, die
700 (100-200 200-100-80-20); der volle Wert 1110 (434-73 73-434-22-74), also cheth, die ,,acht". Die Buchstaben sind nämlich 5-6-4-6 30-10-5-6-5
zehnmal 111, oder zehnmal Aleph (1-30-80), die Eins. 20-10 9-6-2 20-10 30-70-6-30-40 8-60-4-6, zusammen 408. Im Wort hod,
Der volle Wert von Jonah und tanin ist 801 (163 + 638). Tanin allein zählt 5-6-4, ist der Wert 15, und 15 hat stets mit dieser Art „Form'' zu tun,
406-106-20-106. Und 801 ist als chasak-chasak-wenischasek das Zeichen der Erfül-
Form also, die verbindet. So beträgt die Anzahl der Psalmen 150, weil
lung des Achten Tages. Diese drei Worte werden immer ausgesprochen, wenn einer
der 5 Teile oder alle 5 Teile der Thorah in ihrem richtigen Rezitationston zu Ende sie dieses hod zehnfach ausdrücken. Darum ist der Psalm 136 mit seinen
gelesen sind. Sie bedeuten eine Erfüllung. Der volle Wert von Jonah und Leviathan ist 26 Mal dieser Formel so wichtig. Die 10-5-6-5 ist auch am Aufbau dieses
163 + 628 (74-22-20-406-106) = 791. Mit den Buchstaben der Worte, nämlich 4 für Psalms beteiligt. Die 26 Verse zeigen nämlich eine deutliche Einteilung
Jonah, 5 für Leviathan wird er zum Wert 800. Diese Andeutungen zeigen, daß ein in diese 10-5-6-5. Und darum ist auch der Atbaschwert von Leviathan
Weiterdenken in der Zahlenwelt viele ungeahnte Aspekte öffnet, vorausgesetzt, daß
(20-80-40-1-9) 150.
dies Denken auf festem Boden und seriös geschieht. Anders ist die Gefahr fast un-
vermeidlich, in einem Ozean von Variationen ins Treiben zu geraten. Man tue es Der J onahbericht ist also vor allem auch die Verherrlichung Gottes,
also lediglich, wenn man weiß, wie und was man auf diesem Gebiet tun kann und das Einsmachen von Himmel und Erde, das Verbinden von Vogel und
tun mag. Fisch. Das ist es auch, was' den Menschen am tiefsten berührt. Er drückt
244 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 245

es nicht so aus, sondern er spricht von unbegreiflichem Pech, von uner- 6. Die Maße der Geschichte
träglichem Los, von merkwürdigem Zufall, von unglaublichem Glück.
Dadurch umschreibt er seine Verlegenheit, weil er keine Erklärung findet, Bei der Betrachtung des Jonahberichtes stellt man fest, daß er aus 48
und er empfindet diese Ungewißheit auf Schritt und Tritt als eine lasten- Versen besteht. Die 48 ist ein Vielheitsbegriff. Die 16 gilt als die Zahl
de Plage. Wie gern möchte er die rakia durchbrechen, aus mizraim be- für das Viele, und hier sind es 3 x 16. 16 als 4 x 4 drückt die sogenannte
freit werden; er würde es so gern erleben, daß sich das Dritte erfüllen Erfüllung der Vielheit aus. Man begegnet daher auch immer der Vierheit,
möchte, das Dritte, das ihm die Antwort bringt, welche die Verbindung wenn von Vielheit die Rede ist. Ich verweise auf die 4 Schöpfungstaten in
darstellt. Die dritte 19, welche die 5 7 vervollständigt, den mis beach, der den 3 Schöpfungstagen, die 4 Erzmütter als die äußere, weibliche Seite
die Basis für die 58 bildet. gegenüber den 3 Erzvätern. Man denke an die 4 Elemente als Ausdruck
Jonah bringt Himmel und Erde zusammen, und darum ist im Abba- der großen Vielheit der Erscheinungen, an die 4 als Wert des Baumes der
Bericht des Sohar ausgeführt, daß am Fünften Tag der Vogel da ist, um Erkenntnis, an die 4 Winde, die 4 Teile im Tempel, die 4 Ecken der Welt.
Eliah, dem Verkünder des Messias, die Nahrung zu bringen, und der 4 ist auch die Grundzahl für die unübersichtliche Zeit in den 40 und
Fisch, um Jonah in sich aufzunehmen. Der ganze Fünfte Tag dreht sich den 400.
um diese Geschichte. Die 4 ist die Vielheitszahl des Einzelnen, die reschuth ha-jachid. Man
Zwei Vögel gibt es also: den Raben und die Taube, den orew, 70-200- mißt sie mit 4 Ellen, den 4 amoth. Eine Elle ist eine amah, 1-40-5. Man
2, und die jonah, die 71. Zusammen sind sie 343. Und das gibt dem Sieb- sagt, der Mensch messe 3 1/2 Ellen. Das ist das Maß der 3 1/2, das sich
auch auf den Menschen bezieht. Man denke vor allem an den Menschen
ten Tag die dreifaltige Erfüllung. 343 ist ja 7 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
3 . Nicht bloß die 7 x 7, die
Erfüllung im Sinn der gegenseitigen Begegnung, sondern auch noch die im Wesentlichen, obwohl auch in der Erscheinung der Abstand von den
Antwort. So ergibt auch die 10 in der dritten Potenz wieder die Eins, Fingerspitzen bis zum Ellbogen dieses Verhältnis mit dem gesamten Kör-
die eleph als aleph.
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA per annähernd genau auch aufweist. Die übrige 1/2 ist unbekanntes Ge-
Und der Zweite Tag ist- gemäß Abba - dazu da, daß die Unterschei- biet, es ist die verborgene Hälfte der ,,halben Zeit" in den 31/2 Zeiten
dung gemacht werde zwischen ,,unrein" und ,,rein", zwischen Tod und ("Bauplan"). Die Elle ist also kein festes Maß, sondern ist bei jedem Men-
Leben, gut und böse. Denn nur dadurch, daß diese Scheidung gemacht schen individuell anders beschaffen.
wird, kommt der Fünfte Tag mit seiner Einswerdung. So geht in der Der Name amah hat nichts gemein mit dem Namen für Ellbogen.
Schöpfung auch die Zwei-Machung voraus, damit darauf die Einswer- Vielmchr is er ein deutlicher Hinweis, daß dieser Name mit amah, der
dung folge. Die 2 ➔ 1 kann es nur geben, nachdem zuvor der Weg der Magd, zusammenhängt. Maß ist ein weiblicher Begriff. Das gilt auch für
1 ➔ 2 beschritten worden ist. middah als allgemeines Wort für Maß. Denn das Messen kann ausschließ-
Im Sohar heißt es, daß Israel durch das Wasser des Zweiten Tages lich auf diese Weise, in dieser Welt der Erscheinungen, bestimmt von
gereinigt wird. Dies Wasser spült die Unreinheit, Gefangenschaft und den Zeit und Raum, erfolgen. In einer anderen Welt bedeutet middah, 40-4-5,
Tod hinweg. Denn wie das Wasser unten reinigt, so reinigt zugleich auch Eigenschaft ("Bauplan").
das Wasser oben. Man verbindet die beiden, indem man ihnen ihren Sinn Das Maß der 3 1/2 heißt also amah, und eigentlich ist das die Magd,
gibt; und dadurch, daß man ihnen ihren Sinn zuerkennt, kommt da am die hier unsere Hilfe ist. In seiner Struktur als 1-40-5 ist dies Wort auch
Fünften Tag das Leben in die Wasser unten und oben. Und dies Leben Identisch mit immah, das Mutter bedeutet. Stets also ein weiblicher
verbindet wieder, weil die Zweiheit, die Unterscheidung, voranging. begriff.
Der Atbaschwert von Elle ist 400-10-90 = 500. Er erklärt, warum
das Gegenstück dessen, was hier als das Wort ,„Maß'' gebraucht wird,
eine ganz besondere Beschaffenheit hat. Die 500 ist ja die Zahl der ande-
246 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 6. Die Maße der Geschichte 247

ren Welt; mit ihr ist bezeichnet, was ausdrücklich über diese Welt hinaus- 1210, dem 10 x Niniveh, und in der 1656, der Zeit, die zur Mabul führt,
weist, die in ihrer absoluten Wertskala nur bis 400 reicht. Die Maße, die zum Untergang in der Vielheit.
hier, wie die Thora stets zeigt, mit Ellen gemessen werden, haben also ihre Auch Cham, 8-40, in der Dreiheit der Söhne Noachs jener, der in die
spezielle Bedeutung. Es wird uns durch den Gegenwert sehr deutlich ge- Vielheit geht, ist mit diesem Wert 48 gezeichnet, deswegen weil er in sei-
macht, daß mit ihnen noch etwas ganz anderes gemeint ist. übrigens nem Vater auch nur die Quelle der Vielheit zu sehen vermag ("Esther")
äußert sich hier alles durch Maße und Proportionen, ob es nun räumliche und vor der Schöpfung dazu bestimmt wird, von Sehern und Japheth ab-
Erscheinungen sind, oder eine Zeitdauer, oder Worte, Töne, Farben und hängig zu sein.
Gerüche. Und man sagt, daß die menschliche Erscheinung in ihrer Vielheit
Der Mensch hat also seine ,,4 Ellen", sagt man. Das ist das Maß ebenfalls durch den Begriff 48 bestimmt wird. Der Bruch des Menschen er-
jedes Menschen auf Erden. folgt durch Cham ". Und der Mensch in seiner materiellen Erscheinung ist
Das Maß der Vielheit des Menschen beträgt aus diesem Grund vier ein Zeichen des Bruchs. Er muß eigentlich gerade infolge dieser Gebrochen-
mal vier Ellen. Und 16 Ellen werden dann bezeichnet als reschuth ha- heit zu Schem-Japheth kommen. Wie auch der Gegenüberstellung von
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
rabim, 200-300-6-400 5-200-2-10-40, das Gebiet des Vielen, für alles Noach mit Cham die Einheit von Sehern und Japhet folgt.
außerhalb des Persönlichen, für die umgebende Welt. Vor allem für den Ja, der J onahbericht ist das Buch des Entfliehens. Aber es klärt auch
Siebten Tag ist der Unterschied zwischen dem reschuth ha-jachid, 200- den Sinn der Flucht und zeigt die Begegnungen, die im Schöpfungsplan
300-6-400 5-10-8-10-4, und dem reschuth ha-rabim eine sehr wichtige schon eingeschlossen liegen.
Frage. Am Siebenten Tag ist ja alles vollendet, ist alles auf dem Platz Die Vielheit wird eindrücklich gemacht. Die Taube wird weggesandt,
seiner Bestimmung, und der Mensch ist nicht imstande, etwas an diesem auf daß sie zurückkomme, zurückkomme mit der erlösenden Botschaft.
Siebenten Tag zu verändern. Der Siebente Tag ist allein zur Heiligung Der J onahbericht umfaßt 688 Worte. Da stoßen wir schon wieder auf
bestimmt, zur Einswerdung. die 16; denn 688 ist 43 x 16. Und 43 ist eine Primzahl, und zwar die
Der J onahbericht nun hat eine typische Vielheitsstruktur. Ist er doch sechzehnte. So ist sie beides, ein Produkt der 16 in der gewöhnlichen
das Buch vom Entfliehen der Schöpfung. Daher seine l 6er-Struktur. Zahlenreihe und die 16 in der Reihe der echten, eigentlichen Zahlen, der
Primzahlen "". wer hat das Buch Jonah so gebaut? Der ruach ha-kodesch,
Der Text-Teil, bis Jonah dem Fisch begegnet, zählt 16 Verse, der
der Heilige Geist, sagen wir dann; denn woher sonst kommen die Worte
größere Teil aber, von dem Moment an, da der Fisch Jonah verschluckt,
mit [Link] Werten, ihrer Rangordnung, ihrer Anzahl? Es ist ebenso unmög-
hat 32 Verse. Der Aufbau ist also deutlich 1- 2. Nicht nur in den Ereig-
lich, das bewußt so zu konstruieren, als man sich vornehmen kann, einen
nissen kommt die Flucht zum Ausdruck, sondern auch in der Anordnung
Menschen, eine Pflanze, ein All, zu konstruieren.
der Verse. Der Anstoß zu ihr geht von Jonah aus, der sich Tarschisch
zum Ziel setzt. Er willzyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
das, weil es ohne das Prinzip 1- 2 auch keine ' Es ist möglich, daß die 48 Chromosomen beim Menschen, welche den Bruch der
Schöpfung gibt. Es kommt das Verweilen bei den 70 und mit dem Fisch, Einheit in die Vielheit der Generationen mittragen, in dem Punkte, den wir Verer-
der 7. Er, als 71, der in die achte Phase hinein bricht, übersteht die Gefan- bung nennen, ebenfalls mit diesem Begriff 48 in Verbindung stehen. Aber wie das
Immer bei Wahrnehmungen im Materiellen der Fall ist, muß man auch hier mit
genschaft in der 7 und bringt den Fisch zur Mahlzeit des 8. Tages. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Als
Schlußfolgerungen sehr vorsichtig sein.
die 71 bewirkt er auch, daß die 70 den Weg zur milah, zur Beschneidung,
• • Die Primzahlen müssen vom Negativen her gezählt werden, ausgedrückt in der
und zum Tempel in Jerusalem gehen. Form -1, weil die negative Zahl für uns auch eine Unteilbarkeit, eine Gegenwelt,
Der Atbaschwert von Tarschisch, das die Bewegung wie auch die Be- darstellt. Danach folgen 1, 2, 3, 5 usw. Die 2 ist auch eine Primzahl, weil sie nur
durch die 1 teilbar ist, und das gilt für alle Primzahlen. Mit der 1 kann man also in
gegnungen in diesem Bericht veranlaßt, ist wieder 48, nämlich 1-3-2-40-2.
diesem Sinn nicht rechnen. Man schlage auch im Buch Esther nach in bezug auf
Tarschisch ist das Gebiet der Vielheit, und diese ist auch vorhanden in der die Primzahl 127.
248 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 7. Das Wunder der halben Zeit 249

zur Hälfte gediehenen Ablauf die Umkehr stattfindet. So beim Auszug aus
Ägypten, so im Estherbericht, kurz, bei jedem Ereignis, das den Punkt
7. Das Wunder der halben Zeit
"Halb" überschreitet ("Bauplan'' und "Esther"). Niemand ist sich des
Umschwungs bewußt, es herrscht Verwirrung das Alte scheint fortzube-
Der Text der 48 Verse ist dann zur Hälfte überschritten, wenn Jonah
sich im Fisch befindet. Die erste Hälfte endet mit dem 8. Vers des 2. Ka- stehen, und doch ist das Neue schon da. Das Wunder ist Wirklichkeit ge-
worden, daß die Siebzig zurückkehrten und nicht mehr anderen Sinnes
pitels. Es ist eine Wende. Denn Jonah richtet nunmehr sein Gebet gegen
wurden. Jonah spricht es aus: Sie kehren zurück, nachdem sie das Wun-
die Götzendiener, die sich nur an das Nichtige halten. Wiewohl er ver-
der erlebt haben, aber ich bin bei Dir, stets, selbst wenn es so aussieht,
schmachtet und nicht im Ernst hoffen kann, jemals aus seiner Lage be-
als sei ich verloren, von den Wassern verschlungen; tief verborgen bin ich
freit zu werden, obwohl alles eben auf ganz anderes hinweist, gedenkt er
im Fisch, im 7. Tag. Alles übergebe ich Dir, auch von hier aus, selbst aus
doch Gottes in der ruhigen Zuversicht, daß sein Gebet zu Gott im Him-
dem Scheol.
mel aufsteige, in einen Himmel, der ihm aus dem Fischbauch wohl sehr
Das ist der Gegensatz: Die Umhüllung kehrt zurück, doch erst nach-
weit und unerreichbar vorkommen muß. Damit schließt der erste Teil,
dem sie das Wunder erfahren hat; das Wesentliche, der Kern, ist stets bei
die erste ,,Hälfte". Die zweite Hälfte beginnt mit einem Hinweise
Gott, auch wenn er verloren gegeben wird. Alles ist nun bei Gott,
Jonahs auf die Götzendiener, die Gott freilich anrufen, wenn sie sich in
auch die Vielheit der ,,Siebzig". Es zeigt sich nun, welchem Endziel
Gefahr sehen, doch die Seiner wieder vergessen, sobald die Not abgewen-
das Opfer Jonahs diente. Nicht umsonst hat er sich also mit den 70 auf
det ist, Gott sie also erhört hat. Man denkt dabei an die ,, 7 O" Seeleute,
den Weg nach Tarschisch begeben. Sie sind durch dieses Mitreisen Jo-
welche Rettung erfuhren und Gott dafür Dank darbrachten, doch hernach
nahs, der zwar nur kurz und fast unsichtbar unter ihnen weilte, befreit
Gott wieder vergaßen.
und erlöst worden. Und bis zum Ende ihres Lebens hin hätten die mei-
Hier ist es aber nicht so. Ich erzählte schon, daß in der Überlieferung
sten nicht einmal um sein Dasein gewußt. Nach diesem Einschnitt in ihr
- „Pirke de R. Elieser" - im Gegenteil bezeugt wird, daß die 70 nach der
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVU
Leben, nach erfüllter „„Hälfte", gilt für e , daß sie ein für allemal ihre
sizyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQ
Rückkehr getreu bleiben und mit all den Ihrigen zu Gott kommen, um
Götzen abgetan [Link] aber ist unwandelbar mit Gott verbunden;
die milah, den Bund mit Gott, zu besiegeln. Darin besteht ja das große
ihn zeichnet aus, daß er auch in seiner Verlorenheit weiß, daß seine Rede
Wunder, das auf die Opferung Jonahs folgt. Und die Kommentare zu
zum Himmel durchdringt, zu Gott; und er weiß, daß sein Gelübde in der
diesem Vers (u. a. Raschi und Redak 2, 9) weisen auch auf diese in der
Unterwelt Kraft hat, daß es in Erfüllung gehen wird. Er weiß es sicher,
,Pirke de R. Elieser" enthaltene Überlieferung hin. Sie wiederholen, daß
in einer Lage, wie sie aussichtsloser nicht sein könnte. Darin zeigt sich
die 70- also alle Völker, die ganze Welt- ihre Abgötter im Stich lassen.
die Zuversicht der Neschamah: was auch immer fur Umstände entgegen-
Sie hatten das Nichtige, das Nichts-Bedeutende geehrt, sie haben sich
stehen, alles wirkt doch mit zum guten Ausgang. Die Heimkehr scheint
aber von diesem Dienst abgekehrt und wanken nicht in ihrer Treue dem
ausgeschlossen. Umso überwältigender ist die Ernte, die dann eingebracht
Wesentlichen gegenüber. Gerade da, wo die zweite Hälfte beginnt, wo
wird. Die Neschamah im Menschen ist wie die Erlösung in der Welt.
sich die Wende vollzieht, da vollzieht sich auch eine Umkehr im Begrei-
Es ist wohl ein sehr merkwürdiger Moment in der Geschichte Jonahs,
fen. Logisch wäre es, daß diese Menschen Gott wieder aufgeben und ver-
dieser Moment ,,halb".Er erzählt schon von den Geschehnissen der Erl6-
gessen. Das stimmt überein mit dem Wortlaut des Textes von Vers 9, und
sang. Die Neschamah hat, durch ihre Anwesenheit im Menschen, als der
jede Übersetzung lautet gleich. Aber gerade die Überlieferung, die den
wichtigste, wenngleich verborgene Mitreisende auf dem oniah, auf dem
Sinn des Ganzen aufzeigt, wie ihn schon Gott auf dem Sinai Moses lehrt,
.,Ich", den ganzen Menschen befreit. Durch den entscheidenden Moment,
gerade eben die Überlieferung zeigt eindrücklich, daß es sich in Wirklich
wenn die Neschamah aus dem Verborgenen hervorgeholt wird, wenn die
keit ganz anders verhält, und daß die Siebzig ihre Umkehr ernst nehmen
Gegenüberstellung stattfindet, wenn das Gespräch da ist, durch diesen
und dem wahren Weg treu bleiben. Man erinnere sich, daß nach jedem
r

250 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 8. Der Sinn der Nichtigkeiten 251

Moment, der den entscheidenden Wendepunkt darstellt - wenn die Ne- Erscheinung tritt. Nicht alles Unwichtige ist hier im Wesen belangreich.
schamah sich opfert, damit alles Andere gerettet werden kann, be- Auch das wäre wieder zu einfach gesehen. Aber es gibt so vieles, das sich
kommt das Ganze einen Sinn. Die 70 wissen, daß sie durch Jonahs Gegen- als besonders wichtig aufspielt, trotzdem es hewel, eitel ist. Und Anderes,
wart, wie kurz, fast unbemerkt sie auch war, befreit wurden, daß sie nun das kein Aufsehen macht und unansehnlich und auch im Wesen hewel ist.
zu Hause sind im göttlichen Jerusalem. Die hawle schow sind eben einmal die dummen und falschen Nichtigkei-
An diesem entscheidenden Punkt im Jonahbericht wird aber nicht ten. Diese waren für die 70 Gegenstand der Anbetung. Jede awoda sara,
nur genau die Hälfte der Verse erreicht, sondern was nirgendwo sonst jeder Götzendienst, wie immer auch sein Auftreten, ist bloßgestellt. Doch
vorkommt- auch die Hälfte der Anzahl der Worte. hinterher offenbart sich nun der Sinn auch dieser Eitelkeiten, die jetzt
Während die einzelnen Verse eine verschiedene Anzahl von Worten abgeschworen sind: Der Sinn wurde begriffen, und darum sinken die Herr-
aufweisen, fällt hier jedoch die Hälfte des Berichtes in Verseinheiten scher von ehedem ins Nichts.
zusammen mit der Hälfte des Berichtes in Worteinheiten. Erweist sich Die Nichtigkeiten verhalfen ja dazu, Jonah das Schiff zu verschaffen,
darin ein bloßer Zufall? Man bemühe doch einmal die Wahrscheinlich- damit er im ,,Ich" Wohnung nehmen konnte. Und um ihretwillen geschah
keitsrechnung! Bedeutungsvoller könnte der Begriff der ,,Hälfte" über- es, daß er den Weg nach Tarschisch einschlagen konnte. Es ist das Leben
haupt nicht sein. hier, das sich Tarschisch zum Ziel setzt und in das die Neschamah Ein-
sitz nimmt. Die Zielsetzungen dieses so gerichteten Lebens sind größten-
8. Der Sinn der Nichtigkeiten teils unsinnig, toll, lächerlich. wenn man sie am Ewigen mißt. Und doch
machen gerade sie das oniah aus, das ,Ich", auf dem sich Jo nah auf Ge-
343 Wörter gehen dem ersten Wort im 9. Vers, meschamrim, voran, deih und Verderb mit den 70 einschifft. Für sie bezahlt er schon im vor-
und dem nächsten Wort, hawle, folgen wiederum 343. Beide Wörter be- aus, er, der Eine gegenüber den Ahnungslosen.
ziehen sich auf das ,,Pflegen von Nichtigkeiten". Die erste Hälfte endet Der Schlafende gibt dem überspannten Abenteuer seinen Sinn. An
mit Jonahs Bekenntnis seiner Treue und seines Vertrauens; die zweite sich ist jede Narrheit nur Narrheit, und in sich selbst ist keine Rechtferti-
Hälfte hebt an mit dem Spruch über die Völker, die den eitlen Götzen gung vorhanden für alle Kleinlichkeit, Bosheit, Verschlagenheit, Gier,
dienen. Diese Hälfte endet mit dem Wort ,hüten", eigentlich ,,die Treue welche die Fahrt dieser Welt antreiben. Wie anders sollte aber diese Fahrt
bewahren"; dem gegenüber steht das Wort ,,Nichtigkeit", Eitelkeit. Hier in Gang kommen. Undenkbar wäre diese Welt ohne das ra.
ist die Wendung im Bericht. Der volle Wert des Wortes hawle (eine Form des Begriffs hewel, wel-
Im Wort meschamrim (40-300-40-200-10-40) sind denn auch einige cher auch den Namen Hewe!, Abel, bildet) ist 510 (10-412-74-14). Dabei
besondere Aspekte verborgen. Der Wert beträgt 630; und das ist der At- wird die Sehern-Wertung verwendet, welche das he als 10 wertet und das
baschwert von Eliah (1-30-10-5-6 wird 400-20-40-90-80), dem Verkünder jod als 14. Diese 510 bergen einen wichtigen Hinweis: denn es ist der ver-
und Boten der guten Botschaft, dem, der den Sohn der Witwe von Zar- borgene Wert von maschiach (voller Wert 80-360-20-408, vermindert um
phath zum Leben bringt. So steht auf der Basis-Seite der Hälfte Eliah. den äußerlichen Wert 40-300-10-8 =zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPON
868 minus 358). Denn das ist in der
Der verborgene Wert von meschamrim aber ist 500 (1130 vermindert um Tat die verborgene Bedeutung jedes Ereignisses, jedes Gedankens, und
630). Und diese 500 zeigt bereits an, was für ein Hüten, welches Dienen damit auch jeder Torheit. Denn nichts geschieht hier, was nicht für das
gemeint ist, und warum die Überlieferung von der bleibenden Umkehr große Ganze Sinn hat. Der Zug nach Tarschisch ist solch eine Absurdität.
der ,70 redet. Aber er wird der Anlaß zur Erlösung der 70 Völker, der Vielheit, des
Das Wort hawle (5-2-30-10), Nichtigkeiten, ist gefolgt von schow · Leiblichen, worin die Neschamah sich verbirgt. So erscheint die verbor-
(300-6-1), das falsch bedeutet. Es sind also die falschen, dummen Nich- gene Bedeutung des Messias genau im Augenblick wo die ,,Hälfte'' voll
tigkeiten. Nicht das Verborgene, das hier auch als klein und nichtig in ist, wo chazoth erreicht ist ("Bauplan" und "Esther"). Durch Jonah er-
2 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJI

252 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 8. Der Sinn der Nichtigkeiten 253
hält die Tarschischfahrt Sinn; und jetzt begreift man, warum alles zu ih- doch mit der bloßen Ahnung kehrt noch nicht die große Freude ein, daß
rem Ergebnis mitwirkt. überspitzt gesagt: alle Verkehrtheit in diesem der wundersame Lebensbaum wiedergefunden ist, der Garten Gottes,
Leben dient dazu, daß Jonah Gelegenheit erhält mitzufahren und der pardes, 80-200-4-60, wo alles für den Menschen bereitsteht.
durch ihn geschieht die Erlösung. So rollt das Leben ab, und wahrhaft Nach den 254 Wörtern des ersten Kapitels, also bis zum Moment,
sinnlos müßte es bleiben, wenn nicht Jonah die unbegreifliche Fahrt mit- wo der dag, der Fisch, erscheint, folgen bis zum Ende des Jo nah be rich tes
machte. Sein Opfer löst den Knoten und führt zur Rückkehr der 70. noch 434 Wörter. Wir kennen diese 434 bereits als die Anzahl der Worte
So ist auch das ra in der Welt. Es baut mit aller Vielheit an dieser Er- im ersten Schöpfungsbericht ("Bauplan"). Es ist der Wert daleth (4),
lösung. Wir sehen die sichtbare Seite, wir entsetzen uns über Dummheit, auch die Tür, die uns den Eintritt in die Welt freigibt. Es sind zugleich die
Unrecht, Mord. Aber es ist das Schiff, und schließlich, am Scheitelpunkt, 4 Elemente, die 4 Grundlagen. Es ist auch der Stamm des Wortes Geburt,
wird das hawle, das den Wert 510 trägt, offenkundig. toled.
Der Atbaschwert des Menschen adam ist ebenfalls 510, nämlich 400-
Denn die Aufnahme Jonahs im Fisch ist eigentlich die Geburt: da
100-10. Denn ist nicht in der 8. Schöpfungstat, der Erschaffung des Men-
beginnt der Bericht über diese Welt. Was vorangeht, ist wie eine vorwelt-
schen, im 26. Vers des Schöpfungsberichtes, ebenfalls der Erlöser verbor-
liche Erzählung. Erst wenn die Neschamah im Menschen Wohnung nimmt,
gen? Mit dem Menschen und für den Menschen in seiner irdischen Er-
beginnt das Menschenleben in dieser Welt. Erst wenn die Schechinah in
scheinung. Die irdische Erscheinung ist ja auch das Schiff, das nach Tar-
die Verbannung zieht, beginnt die Schöpfung. Alles hat schon sein Vor-
schisch fährt; es ist mit allen Nichtigkeiten beladen. Und doch wird dieser
her: die Aufforderung schon, hinzugehen in die ,,Wohnung des Fisches",
Mensch erlöst, gerade weil die Neschamah mit ihm ist, und gerade weil
des nin also, des tanin. Wie die ,,Eins" schon am Beginn steht, wie der
die Welt erst durch den Messias ihre Erlösung erfährt.
Mensch doch auch im Garten Eden ist. Vorweltlich gleichsam ist dann
Dem Namen ,Adam'' sind noch mehr besondere Aspekte eigen. So
auch das Wegziehen, das In-See-stechen nach Tarschisch. Das ist bereits
ist sein verborgener Wert 580 (111-434-80 =zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
625, vermindert um den
die Schöpfung mit der Zielsetzung des Aus-Atmens, des sich Ausbreitens
äußerlichen Wert von 45 ). Die 580 aber ist auch die Zeit dieser Welt. Es und Ausdehnens. Und dies wiederholt sich bei jeder Schöpfung, jeden
stimmt die 580 überein mit den 3 1/2 Zeiten: die körperliche Erschei- Tag, beim Kommen jedes Menschen und im Leben jedes Menschen. Und
nung wird so gemessen. das Sich-Entfernen erreicht seinen Höhepunkt, wenn Jonah der See preis-
Überdies ist der volle Wert von adam die typische Zahlenformel 5:
gegeben wird und in der Zeit untergeht. Denn dann folgt unmittelbar
die Vollendung der Form (man denke an die Bedeutung des 5. Tags,
im Fisch der Wendepunkt. Die ,,Hälfte" ist erreicht während des Auf-
wie er besprochen wurde) in allen 4 Möglichkeiten, die ineinandergreifen.
enthaltes im Fisch. Nun beginnt die Rückkehr und die erneuerte Sendung
Und schließlich gibt auch der äußerliche Wert mit dem Atbaschwert zu-
nach Niniveh, nach der ,,Wohnung des Fisches", dort im Osten, wo auch
sammen (45 + 510) eine typische Zahlenformel: 555 ist 5 x aleph, die
der Ursprung ist. Der Kreis des Berichtes beginnt sich zu schließen.
5 x ,,eins".
über 510 ist noch mehr zu sagen. Wir wissen, daß tanin (400-50-10- Diese 4, daleth, 434, umfaßt demgemäß jede Erscheinung hier; in
50), der große Schöpfungsfisch, das Wesen dieser Wasserwelt, des Sieben- diesem Sinne gibt es denn auch 4 Geburtenberichte, die 4 ele toldoth.
ten Tags, ebenfalls den gleichen Wert aufweist. Denn ist nicht der Mensch Wir sehen aber, daß der volle Wert des Wortes Messias, 868, 2 x 434 ist,
in gewissem Sinne eng verwandt mit dem ihn umhüllenden Fisch? Auf 2x daleth, die doppelte 4: daleth also hier und dort. Darum ist der Be-
diesen tanin besinnt man sich am Sabbath, der tanin wird bei der messia- griff ,,Messias" auch stets an den Namen Davids gebunden. Man kennt
nischen Mahlzeit gegessen. ihn als den ,,Sohn Davids". David wird 4-6-4 geschrieben, als ,,4" und
Ein weiteres Beispiel dafür, daß die Zahl, vereint mit dem Wort, uns ,,4". Der Messias ist ,,Sohn" desjenigen, der die doppelte Vierheit kennt,
Verwandtschaften vor Augen führt, die sonst vielleicht gefühlt werden; diese Seite und die andere. Die 434 sind bloß eine Seite; es gibt noch eine
254 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 9. Wie weit ein Gelübde reicht 255
andere. Aber erst zusammen erreichen sie den vollen Wert ,,Messias", der Messias, der Sohn Josephs. Joseph ist ja in der Bibel die Seite des
und vereint erscheinen sie auch im Namen David. Nordreichs der Zehn Stämme, die Körperseite. Darum spielt Jonah diese
David bedeutet auch ,,der Geliebte". Denn er wird von der anderen Rolle, und darum ist Jonah auch durch Eliah angekündigt: Der Messias,
Seite geliebt, und er hat die andere Seite lieb. Mit seinem Namen verbin- Sohn Josephs, bringt die Welt, die in ihrer Körperlichkeit am Siebenten
det er die beiden Seiten, die Gegensätze. Darum auch ist der Mensch die Tag da ist, zur Mahlzeit des Messias, des Sohnes Davids. Und damit offen-
8. Schöpfungstat, wenn die 4 der ersten Dreiheit vollkommen gleich ge- baren sie sich als Einheit; was sich bisher immer als Zweiheit geäußert
macht ist mit der 4 der zweiten Dreiheit ("Bauplan"). Und darum trägt hatte - unvereinbar hat seine Einheit wiedererlangt. Dasselbe geschieht
der Mensch mit der 580 in sich die Struktur des verborgenen Wertes ja mit den beiden „,Hölzern", den beiden ,,Bäumen", die Hesekiel zusam-
des Messias. menzubringen geheißen wird, dem Holz des Hauses Joseph und dem Holz
des Hauses Juda. Nicht, bevor das Körperliche dieser Welt zum harrenden
9. Wie weit ein Gelübde reicht Wesentlichen gebracht wird, erst wenn sie beide sich zur Einheit zusam-
menfinden und also der leviathan gegessen wird und verschwindet, dann
Das erste Text-Stück, der Flucht-Bericht, weist also 254 Wörter auf. ist sie da, die große Mahlzeit, die Tafel mit dem für diese Welt noch ver-
Das Wort neder (50-4-200), Gelübde, hat den gleichen Wert. Wir sehen borgenen großen Geheimnis. Dann ist die Einung in der Tat vollzogen.
nämlich, daß sowohl die 70 das neder ablegen ( 1zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
: 16) als auch Jonah Der Messias, Sohn Josephs, bringt alles mit aus dieser Welt, einge-
(2 : 10). Dies Gelübde - neder - geht voraus. Bei den 70 findet es statt, schlossen die Nichtigkeiten, die Ungereimtheiten, die hawle. All das ra,
wenn sie zurückkehren. Auch Jonah legt das neder ab und, wie wir sehen, alles Böse, das diese Welt stets tat um ihrer Selbstbehauptung willen. Ein
bezieht es sich bei ihm namentlich auf das Herbeibringen des Leviathan Böses, das so empörend und sinnlos war, und das nun auf einmal in einem
für die messianische Mahlzeit. großen, klärenden Zusammenhang dargestellt wird. Denn der Leviathan
Man nimmt von einem Gelübde gewöhnlich recht schnell wieder Ab- wird aufgegessen, vergeht in restloser Hinwegnahme. Nichts bleibt verbor-
stand. In einer Welt, in der alles im Fluß ist, zählt ein Vorsatz nicht,ja gen, allem wird nun sein Sinn zuteil. Und es geschieht durch den Messias,
nicht einmal viele Vorsätze zählen. Wir erkennen aber, daß hier, in die- Sohn Davids, durch den also, der dazu berufen ist, die Gegensätze, die
sem Bericht, die Gelübde entscheidend sind. Die 70 besiegeln dadurch ,,4" und die ,,4" zu vereinigen. Auch die Opposition dieser Welt gegen-
ihre Rückkehr. Sie nehmen, wie schon gesagt, nichts aus;alles, ihre Frauen Uber der anderen wird da überwunden. Die „4" dieser Welt, die der Sohn
und Kinder, bringen sie zu Gott. Und sobald Jonah das den Leviathan Josephs darbringt, wird mit der ,4 der anderen Welt vereinigt, der Welt
betreffende Gelübde tut, geht sein Verbleib im Fisch zu Ende und fängt des Wesentlichen durch den Sohn Davids. Stets, wenn diese Vereinigung
der Bericht von Niniveh zum zweitenmal an. Stets gibt das neder also stattfindet, glänzt der Messias im Tod, wird er sichtbar. Und die Einsma-
den Ausschlag. Auch in der Thora wird Nachdruck auf Gelübde gelegt. chung der ,4" mit der ,4" hat als Namen ,,der Geliebte": die Einung ge-
Nicht allein um das soziale Leben einigermaßen erträglich zu machen, schieht durch Liebe, durch die Zustimmung zu dieser Seite samt ihrem
sondern gewiß auch aus anderen Gründen. Denn das menschliche Gelöb- Gegensatz. Wie es dem Menschen denn auch gegeben sein kann in der
nis steht im Schatten des Versprechens Gottes: diese Welt zu behüten, sie Einswerdung von Mann und Frau.
heimzubringen, alles wieder einzusammeln und nichts verlorengehen zu Das neder ist folglich von grundlegender Bedeutung. In der Lehre
lassen. Ein Gelübde ist demnach äußerst wichtig. Jedes Versprechen hat heißt es, der Mensch solle nicht leichtfertig damit umgehen. Wie soll er
Verwandtschaft mit dem Erlösungsgelöbnis Gottes. imstande sein, alle Umstände richtig einzuschätzen, die sich geltend ma-
Das den Leviathan betreffende Versprechen Jonahs ist gleichbedeu- chen mögen? Ein neder zu leisten, setzt eine gewisse Überheblichkeit
tend mit dem Einbringen des Körpers aus dem Siebenten Tag, unserer voraus, wie wenn man sicherzustellen imstande wäre, daß die Umstände
gesamten Welt, zu dieser Mahlzeit. Wer ist dazu imstande? Ohne Zweifel die Erfüllung nicht verhindern. Darum wird gesagt, daß es besser sei,
I,

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V. Das Leben nach dem Grab 9. Wie weit ein Gelübde reicht 257

kein neder abzulegen, als es auszusprechen und dann nicht wahrmachen nen kann. Auch wenn man es nicht einsieht, hat man auf mancherlei
zu können. Der Mensch soll erkennen, daß ein neder nicht zu diesem Weise in seinen Worten und Gedanken über die Zukunft verfügen wollen,
Leben und zu den menschlichen Gegebenheiten passen will. Er kann und wie wenn man sie fest in der Hand hielte. So lebt der Mensch, und keine
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
soll sich allerlei Gutes vornehmen, es aber nicht als bindendes Verspre- Vorsicht läßt ihn hier nicht in Schuld geraten. Man kann nicht in den
chen verkünden. In der jüdischen Tradition besteht der Brauch,jedem Tag eingehen, bevor man diese Verbindlichkeiten nicht geklärt hat. Man
Geloben, sowohl für sich selbst als auch für andere, den Spruch bli neder, kann sich nicht um das deutliche Bekenntnis drücken, daß sich der
2-30-10 50-4-200, d.h. ,,ohne neder" hinzuzufügen. Man will es sich vor- Mensch vor allem deswegen schuldig gemacht hat, weil er ein Übermaß,
nehmen, man wird ehrlich sein Bestes tun, doch der Nachdruck eines ein unredliches Übermaß an Überzeugung besitzt, über die Dinge und
neder soll unter allen Umständen vermieden werden. Das echte neder ist ihre Entwicklung verfügen zu können, weil es ihn dünkt, er sei ihr Herr.
nur außerhalb unserer Zeitwelt am Platze. Und der Mensch, der ein Ge- Das deutliche Bekenntnis wird in Gegenwart von mindestens drei, besser
löbnis auf sich nahm, das ihm die Umstände nicht erlauben einzuhalten, noch bis zu zehn Personen abgelegt, und darauf folgt die gemeinsame
muß die Beteiligten bitten, daß sie ihn von diesem neder entbinden. Das Aussprechung des kol nidrei gegenüber Gott.
ist auch eine der tieferen Bedeutungen des jom kippur, des sogen. Versöh- Und am Nachmittag dieses Tages, wenn er sich zum Ende neigt, liest
nungstages, nämlich darum zu bitten, daß man von den ausgesprochenen man den Jonahbericht. Das ist just der Bericht, in welchem das neder
Gelübden, die man nicht halten konnte, entbunden werde. Das ist auch einen so wichtigen, ja ausschlaggebenden Platz einnimmt.
die Bedeutung des kol nidrei, das zu Beginn des 10. Tags des 7. Monats Denn wie steht es mit dem neder an sich? Neder ist eine Festlegung,
ausgesprochen wird der Tag, an dem der Hohepriester das Allerheilig- die einzig durch Gott gewährleistet werden kann. Gott kennt und be-
ste betritt und den Herrennamen aussprechen kann. Und beim Eintritt herrscht die Zeit. Somit steht es Ihm zu, etwas in der Zeit festzulegen.
dieses entscheidenden Tags bittet man Gott, er möge einem die über- Gelübde Gottes kennen keine Reue, weil sich keine Hemmnisse unter
nommenen Gelübde, in welcher Form man sie Ihm gegenüber auch aus- Umgehung Gottes einstellen können. Und die 70 sind erst in der Lage,
gesprochen hat, erlassen. die Gelübde auszusprechen, nachdem sie Jonah Aug in Auge gegenüber-
Denn dann weiß man, wie unmöglich es eigentlich war, sich auf et- gestanden haben und Zeuge des Wunders geworden sind. Das Leibliche
was festzulegen. Was Gelöbnisse Menschen gegenüber betrifft, die man ist nach der Begegnung mit Jonah befreit; denn sie haben gesehen, wie
auch infolge der Umstände nicht halten kann selbstverständlich ist sich die Zeit auf einmal veränderte, nachdem Jo nah in der Zeit verschwun-
nichts entschuldbar, was man so oder so doch hätte vollbringen können den war. Dann gehen sie zum Ursprung zurück, nach Jerusalem, und dort
SO bekennt man ihre Unerfüllbarkeit und bittet um Freisprechung. zum Hause Gottes; sie nehmen die milah auf sich, das sewach, das Opfer.
Dieses Vornehmen schließt sich an das hathorath nedarim (5-400-200- Sie besiegeln es mit ihrem Leben.
400 50-4-200-10-40), das man schon zuvor im Beisein anderer ausge-
Milah (40-10-30-5 = 85), ist 5 xzyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFE
sewach (7-2-8 = 17).In der Beschnei-
sprochen hat. Es kommt alles einem Bekenntnis der Ohnmacht gegen-
dung, die das Wegnehmen der Umhüllung ist, ist das Opfer des Leiblichen
über dem Gang der Zeit gleich, und es berichtigt auch jede geschehene
in seinem vollen fünffachen Wert enthalten.
Selbsterhöhung und Selbsteingenommenheit. Man hatte sich dazu ver-
stiegen etwas auszusprechen, wobei man doch ohne Kenntnis war über Erst in diesem Zustand, da angekommen, kann ein neder Sinn haben.
die große Linie im Ablauf der Dinge, wie auch über die Vielzahl der mit- Auf allen anderen Plätzen nicht. Wer hierher versetzt ist, weiß, was neder
wirkenden Einzelheiten. Man hatte vorschnell geredet, aus einer gefühls- ist. Der Mensch, der das erfahren hat, der ehrlich in seinem ganzen Leben
mäßigen Annahme. Jetzt vergeben es einem die Angesprochenen und gesehen hat, was Jonahs Opfer bedeutet und was der Sinn dieses Berichts
entbinden einen. Und sie ihrerseits erbitten und erlangen Vergebung. Es ist, der geht daselbst in den Tempel ein und ermißt dann auch die Trag-
ist Brauch, daß jeder es tut, weil niemand hier lebend der Schuld entrin- weite des von ihm dann ausgesprochenen neder. Der Mensch, der dem
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

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V. Das Leben nach dem Grab 10. Rot und Weiß 259
Tode naht, zurückkehrt zu seinem Ursprung, auch der erkennt es dann Die 112 ist auch jabok (10-2-100 / Gen. 32, 23), ein Fluß, der Ort,
und weiß, was er mit seinem neder will und wohin es ihn dann führt. wo Jakob dem Sar Esaus begegnet ("Bauplan"). Die Körperseite kommt
Und auch Jonah legt ein neder ab; denn von der Schöpfung her ist er hier mit der Neschamahseite zusammen, und daraus wird zum Schluß
für diese Aufgabe [Link] ist auch die Neschamah, die mit dem ,,Israel" in der Welt, auch das Entstehen einer Einheit aus zwei Gegen-
Menschen mitgeht, genau so lange und so weit, daß sich ihm die Notwen- sätzen.
digkeit der Rückkehr einprägt und ihm der Weg sich dahin öffnet. Stets ist das Messianische gekennzeichnet als die Einheit, als die Ver-
Jonah ist ja der Messias ben Joseph, dem bei der Schöpfung diese einigung des Gegensätzlichen. Es ist die 7 x 16. Man begreift diesen Wert,
Aufgabe zuteil wird: mitzugehen mit der Schöpfung und sie zurückzu- wenn man einsieht, was die 7 alles in sich schließt, und was die 16.
bringen. Das Materielle dieses Siebenten Tages in der Form des Leviathans Das überschreiten des J abok, der dem Materiellen gesetzten Grenze,
ist ausdrücklich mit eingeschlossen. Das neder Jonahs verspricht ja den führt die Vereinigung herbei. Man sieht, die 112 ist ein ganz besonderer
Leviathan als Speise zur messianischen Mahlzeit herbeizubringen. Und Begriff.
dieses neder hat im Himmel die größte Wirkung, da es in Übereinstim-
mung mit der Absicht der Schöpfung steht. 10. Rot und Wei
ß
Jonah, wie auch dem zurückgekehrten Menschen, steht also zu, was
dem Menschen dieser Welt noch nicht frommt. Wozu die Welt geschaffen Die drei Tage und Nächte im Fisch umspannen die Periode einer
ist, offenbart sich im Tempel bei der wirklichen milah. Und dann heißt völligen Reinigung. Im Kosmischen ist es die Geschichte der Welt mit
das Gelübde, alles, was zu einem gehört, ,,Frau und Kinder", sie alle in ihren drei Welten, von der olam bria über die olam jezira zur olam assia.
Übereinstimmung mit dem Sinn der Schöpfung zu bringen. Die o lam assia, wo getan wird, ist die An two rt auf die beiden anderen
Welten. Die Schöpfung wird sinnvoll durch die Möglichkeit des,Tuns"
Das Wort neder formt sich also auch in den 254 Wörtern des Vorbe-
in dieser Welt. Damit werden die Fragen und Geheimnisse, die anderswo
richtes aus. Sein Atbaschwert ist 112 (9-100-3), was dem Atbaschwert
verschlossen bleiben, der Antwort zugeführt. Die olam assia ist gleichbe-
des Wortes maschiach (10-2-40-60) entspricht. Das Gelübde zielt ab auf
deutend mit dieser Welt des Siebenten Tages, mit der Sephira malchuth.
den Messias und der Messias ist es, der ein Versprechen aussprechen
Stets und überall durchdringt infolgedessen der Begriff der Dreiheit
kann. In ihrem auf Erden unsichtbaren Wert sind sie beide identisch. Das
das Gegenwärtige als Einheit und als krönender Abschluß; darum aber
ist das Geheimnis des Wortes neder, und das ist auch der Grund, warum
auch als die Reinigung von alle dem, was auf dem Wege nach Tarschisch
der Mensch nicht so hoffärtig sein soll, ein neder abzulegen.
am Menschen hängenbleibt. Wir führten aus, wie der Sohar diese Reini-
Das neder übersteigt das Menschliche. Darum muß der Mensch dort gung, das din in seiner dreistufigen, vollständigen Gestalt besprach, also
an der Grenze des jom ki ppur, des 10. Tages des 7. Monates, einsehen, in der 3, der 30 und der 300. In jedem Menschen, in dem jene Reinigung
daß er tatsächlich in diesem Leben etwas ganz Grundlegendes übersehen stattfindet, ein Sich-freimachen vom Druck des Todes, des Gegensatzes,
hat. Er hat sich eingebildet, dieses Leben überblicken und beherrschen entspricht dies als absolute Zahl einer mit dieser Dreiheit zusammenhän-
zu können. Nun begreift er, wieviele Faktoren ihm unbekannt waren, genden Entscheidung. Die Frage ist gestellt. Hier muß man hindurch.
und wie vorschnell er daher geurteilt und verfügt hat. Solche Einsicht ist Rechts und Links stehen sich gegenüber, und die Antwort kann allein
schon sehr viel: sie läßt einen das Leben kennenlernen. Man wird gewahr, durch die Tat gegeben werden. Eben deshalb trägt die Dritte Welt auch
daß man, ohne es zu wissen, Jonah an Bord seines ,,Ich" mitführte. Und den Namen assia: das Tun, das Herstellen.
durch Jonah wird der Leib zum Ursprung zurückkehren und dieser ganze Die Frage kann jedes Gewand wählen. Ihre Formen sind unzählbar.
Siebente Tag wird zur messianischen Mahlzeit gelangen. ,,J om Kippur" Es kann sich die Frage nach dem Entstehen der Welt stellen, nach dem
heißt auch der ,,Sabbat der Sabbate". Begriff der Zeit, nach der Unendlichkeit, aber genauso gut die Frage
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Das Leben nach dem Grab 10. Rot und Wei
ß 261

nach dem Sinn einer Gesellschaftsform, eines Gottesdienstes, einer Kon- Zutun loswird, und daß der Mensch durch die Neschamah bestimmt
fession, oder auch die Frage nach Recht und Unrecht, wie die Frage wird: Er geht den Weg zurück; weg aus dem Norden, weg aus der Verhaf-
nach dem Sinn des Bösen; warum und wozu soll ein Studium unternom- tung an das Äußerliche und gibt es auf weiterzufliehen.
men, eine Laufbahn eingeschlagen werden, wozu Technokratien, Politik; Es steckt aber doch wohl mehr in diesem ,,weiß wie Schnee". Ich
ein Fragen nach dem Sinn des Schönen, der modernen Kunst, wie nach gehe hier nun nicht auf das Rote ein, das tola (400-6-30-70) und das
dem Sinnvollen von Verkehrs- und Versicherungswesen! Kurzum alles schanim (300-50-1040). Es genüge der Hinweis, daß schanim, als Gegen-
kann zur Frage werden. Ein lebender Mensch kann den Fragen nicht aus- satz zum Schnee, die Zahl 400 aufweist. Und der vollständige Begriff,
weichen. Doch nur die Beifügung eines Dritten zu der Zweiheit, welche das tola-ath schani (u.a. Ex. 25, 4), als 400-6-30-70-400 300-50-10, der
die Frage auslöst, bildet die Antwort. Inbegriff des Roten in dieser Welt, ist als Atbaschwert 160, nämlich 1-80-
Und die große Antwort wird dem Menschen tatsächlich zuteil, wenn 20-7-1 2-9-40. Und die 160 ist ja das Viele, die 10 x 16, das Wachsende,
er im Fische diese Dreiheit durchlebt, in der tiefsten Tiefe, die in dieser das sich im Wesen im ets, dem Baume, äußert (70-90).
Welt des Siebenten Tages bereitgehalten wird. Auf allen Ebenen kann aber Diesem Roten entgegengesetzt ist der Schnee, der scheleg. Schnee
der Weg zur Antwort schon erlebt werden während des ganzen Lebens. schreibt man .. 300-30-3. Darin ist also der beschriebene Weg schon
Jeden Tag stirbt der Mensch aus den dahinschwindenden Momenten hin- vorgezeichnet und enthalten.
weg und erfährt mit unserer Zeit nicht zu messen - ein Versinken im Darum steht der Schnee beispielhaft für das Weiße. Die Kälte, welche
Meer und den Durchgang durch die 3, 30 und 300. Das gilt ununterbro- den Schnee hervorruft, kar (100-200), erweist sich mit ihrem Wert 300
chen, setzt nie aus, und es drückt sich ebenso in unendlich kleinen Zeit- als Struktur der Dreiheit auf der höchsten Ebene. Ihr Gegensatz, die
bruchteilen aus wie im Leben der Ewigkeit. In unwandelbarer Gültigkeit Wärme, chom (8-40), enthält wiederum den Vielheitsbegriff 16 (3 x 16;
ist es Gottes Schöpfungsmuster, sein ,,Siegel". vgl. Gen. 8, 22).
So wie Jonah, befreit vom Vorangegangenen, aus dem Fischbauch In der Kälte dieser Welt verbirgt sich der Tod. Was lebt und wächst,
befreit wird, wie der Mensch aus dem Tode wieder zum Ursprung zurück- braucht die Wärme; in der Kälte wird es steif, es erstarrt und stirbt. Auch
kehrt, gereinigt, geläutert, nach Verantwortung und Einsicht gerechtfer- das Wasser die Zeit- erstarrt, wenn Kälte und Tod einbrechen. Und
tigt, verstanden und umarmt. Wenn offenbar wird, daß die middath ha-ra- war es nicht der Tod, durch den die Reinigung erfolgte? Erst an diesem
chamim und die middath ha-din in diesem letzten Begriff der Dreiheit, der Punkte tritt man den äußersten Anti-Entwicklungsweg an, hinweg von
schin, der 300, zusammenfließen, so ist diese Reinigung also im Gang: der Wärme. Der Tod macht kalt und steif: Und dieses Kalte bringt die
Reinigung im Sinne von ,,Erlösung aus dem Tod", Befreiung vom Druck, Reinigung, führt den Weg der 300-30-3.
vom Unbereinigten, vom Unbefriedigenden. Wie es die End- und Total- Schnee findet man, wo der kalte Atem, ruach, herrscht. Er hüllt alles
reinigung ist, von der Abba erzählt. in ein weißes Kleid, und das Leben darunter nennt man Tod.
So bildet das Zusammengehen der drei Dreiheiten- 3, 30 und 300- Die Reinigung durch die 3, 30, 300 ist also tatsächlich eine Erfüllung
denn einen Sonderbegriff, und man begegnet ihm vielfach auch anderen des Wortes ,,weiß wie Schnee". Das ist keine bloß bildhafte Sprache,
Orts. Wenn Jesaja (1, 18) im Namen Gottes sagt: ,,Wenn schon eure Sün- man muß es schon buchstäblich verstehen.
den scharlachfarben wären, sie sollen weiß werden wie Schnee", dann Reineres als den Schnee gibt es nicht. Er ist aufgebaut aus den wun-
ist das für den gewöhnlichen Zuhörer eine schöne Bildersprache. Wir derbarsten Kristallgebilden. Und ,,Schnee" ist hier das Zeichen, daß man
wissen aber bereits, daß wohl etwas mehr hinter diesem ,rot" und ,,weiß' durch die vollständig gewordene Dreiheit geht. Wie Jonah sie durchläuft,
steckt. Rot ist ja die Körperseite, der Norden, und weiß die Neschamah- als Symbol, so soll es gleicherweise der Mensch tun in der Fußspur Jonahs.
seite, der Süden. Wir verstehen also, daß dieser Spruch bedeutet, daß man Drei Tage und Nächte, das ist die vollständige ,,3", diese 333 von scheleg.
das ra, das durch den Körper verursacht wird, am Ende durch Gottes Gereinigt vom „Roten" wird der Mensch ,weiß?'. Es scheint undenkbar,
11 . Regen und Schnee 263
262 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
daß man sich dieser alles durchtränkenden roten Farb-Substanz, des ,,Regen" und ,,Schnee" gleich sind. Denn im Wesen sind sie gleich. Ein-
tolaath schani, entledigen könnte. Doch es geschieht. Das ist die ,Drei- zigin der Erscheinung hier zeigt sich dieser Unterschied in der ,,10'. Hier
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
heit" im Fische. Und das gleiche sind auch die drei Sabbat-Mahlzeiten. herrscht eben die Zweiheit: die Seite der Entwicklung als ,,Regen" und
Weiß ist laban, 30-2-50. Sein verborgener Wert ist wieder 510. Denn die Seite der Ruhe als ,,Schnee". Und es ist tatsächlich die Zehn, welche
es ist ja die Reinigungdurch den Messias! (Der volle Wert von laban ist beide scheidet. Im Wesentlichen jedoch fallen sie zusammen; denn we-
74-412-106 = 592). «,
2u. sol)zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYX sentlich ist da der Baum, der Frucht ist und Frucht macht: Schnee
Darum wird der tote Körper in weiß gekleidet. Von hier an können und Regen.
wir den Weg, der sich jetzt auftut, nur noch durch die weiße Farbe veran- Der Atbaschwert von ,,Regen" ist 200-2-10 = 212. Mit seinem ge-
schaulichen. Die Reinwerdung, die sich vollzieht, ist das schneeweiß wöhnlichen Wert von 343 zusammen ergibt sich die Zahl 555. Wiederum
werden. die bedeutungsvolle ,,Fünf": des Tags der Formwerdung, an dem das
Darum ist auch die Priesterkleidung weiß, die Farbe des Todes in Leben in der Zweiheit erscheint.
Gestalt der 300-30-3. Weiß ist das Zeichen, daß man vom Roten erlöst Der Atbaschwert von ,,Schnee" dagegen ist 2-20-200 = 222. Mit der
und entbunden ist. Das Kleid des Hohepriesters weist auch noch andere 333, dem ,,Sichtbaren", zusammen wird ebenfalls die 555 gebildet. Es
Farben auf; aber weiß ist seine Grundfarbe, über ihm sind die anderen lohnt sich, noch etwas zu sagen über die 222, den Atbaschwert, gegenüber
Farben sichtbar. Die priesterliche Farbe Weiß will betonen, daß das den der 333, dem äußerlichen Wert. Desgleichen über die 73 des Wertes von
Menschen priesterlich Geleitende weiß sein muß, eine Reinigung, die man ,,Regen", dem Zeichen des Siebten Tags. Und schließlich über die 3 x 111,
zuvor auf dem Weg zur 300-30-3 erlangt hat. Da genügt keine Proklama- die 3 x,,aleph", den ,,Schnee".
tion! Nein, man muß diesen Weg wirklich gegangen sein. Erst dann wird Das ,,Regnen" wird oft mit dem Begriff matar wiedergegeben (40-9-
dem Priester das weiße Kleid verliehen. Am Tag der Lesung des Jonah- 200), so z.B. wenn diese Welt in ihrer ,,linken" Erscheinungsform zutage
berichts, am jom kippur, ist der Mensch auch weiß gekleidet. Denn eigent- treten soll (Gen. 2, 5). Wie der Regen den Begriff ,,herannahen", 3-300,
lich weiß er sich im Moment des Überganges diesem Leben entrückt. auch in sich schließt, so drückt sich die Verbindung zwischen Himmel
Auch ißt und trinkt er nicht und bewegt sich kaum von seiner Stelle. In und Erde im Worte matar aus. Dessen voller Wert ist ja 999 (80409-510).
seinem weißen Kleid bezeigt er die Hinwendung zu einer anderen Welt Der gewöhnliche Wert, 249 als 3 x 83 ist eigentlich auch interessant, doch
und einem anderen Leben. würde die Besprechung hier zu weit führen. Nur kurz dies: 83 ist die 25.
Primzahl. 249 ist demnach wieder 3 x 52 • Die 5 kommt auch im verbor-
Regen und Schnee 2
11 . genen Wert 999 minus 249 = 750 zur Geltung: 750 ist 10 x 3 x 5 .
Die Zahl 343, geschem, halbiert die Worte des Jonahberichtes in
Regen ist hebräisch geschem, 3-300-40. Im Regen ist die Dreiheit
zwei gleiche Teile. Die beiden Mittel-Worte meschamrim hawle werden
nicht vollständig enthalten; statt der 30 steht hier 40. Regen ist schließ-
auf beiden Seiten eingefaßt von 343 Wörtern. Es ist der ,,Regen" von
lich auch Wasser, und das kommt zum Ausdruck im Buchstaben mem.
dieser Seite und der von der anderen Seite. Es ist auch die Aussage über
Regen kommt im Verein mit chom, Wärme. Aber er ist schon ein V or-
die Zeit, ein Bericht vom Leben dieser Welt, ihr Entfliehen und ihre
zeichen für das Andere. Einerseits läßt er wachsen und grünen, und ande-
rerseits wäscht er auch ab. Der Faktor 10, um den sein Zahlenwert größer Rückkehr.
ist als derjenige des Schnees, ist die 10 der Fahrt nach Tarschisch, in der Und sogleich denken wir wieder an die jonah, Noachs Taube in der
Zeit, im Wasser. Das ganze Geschehen ist ein Vorgang zwischen diesen mabul, wo es soviel Regen gibt (Gen. 7, 22). Sie bringt das Blatt vom
333 » 343 +333. Oelbaum. Die mabul aber ist diese Zeitwelt, die Welt, überwältigt von
Es ist auffallend, daß der gewöhnliche Wert und der Gegenwert von der Zeit. Sie leitet das siébte Hundert der Jahre Noachs ein und ist daher
?

264 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
V. Das Leben nach dem Grab 12. Die weiße Wolle 265
auch Zeichen für diesen Siebenten Tag. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Mit der Aussendung der jonah ist schor, dem Stier, dem Roten. Wenn man dann aus der Entwicklung zu-
aber auch der Umschwung angezeigt, denn sie erscheint als der Bote. rück kehrt, erwirbt man sich wieder das Weiß der Umhüllung des se(300-5),
Im Wort mabul liegt darum auch das Geheimnis der Erlösung verbor- des Lammes. Darauf deutet das Geheimnis der Wolle. Der Wert von zemer
gen. Im "Bauplan" hatte ich Gelegenheit, auf die vielen wunderbaren ist 330. Zusammengezählt mit der Buchstabenzahl des Wortes gelangen
Dinge im Bericht Noachs, der 58, hinzuweisen. Da wir jetzt wiederholt wir zur erfüllten Zahl 333. Die 3 in zemer ist noch teilweise verborgen;
der Zahl 510 begegnet sind, soll nun auch erwähnt werden, daß ebenfalls das ,,Lamm" kann nicht gesehen werden in der Reihe der Einer-Zahlen.
der verborgene Wert von mabul 510 ist: 80-412-22-74 =zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
588 minus der Es erscheint vorerst nur in der Zehner- und Hunderter-Reihe.
äußerliche Wert, 78. Denn die Zeit kommt über uns, in der wir am Ende Der Atbaschwert von zemer ist 18(5-10-3), während die Vereinigung
der tewa, dem Worte, begegnen und erleben, welch Wunder es in sich beider Werte 348 ergibt: den Stamm des Wortes maschiach. Die Begriffe
birgt. Auch die jonah ist in der tewa, und ihre Botschaft ist das Zeichen ,,salben", 40-300-8, und ,,erfreuen", 300-40-8, weisen beide die Zahl
der Erlösung aus unserer Beschränktheit und Zeitverhaftung. 348 auf.
Eine unermeßliche Weite und Tiefe der Bedeutung birgt sich in der So wird das Kleid Jonahs nach dem Durchleiden der Dreiheit von
Angabe von den drei Tagen und drei Nächten, die Jonah im Fisch ver- Tag und Nacht wie das Weiß des Lammes; dasselbe geschieht beim Men-
bringt. Jede Antwort innerhalb dieser Einschließung, auch und gerade in schen. In diesem Leben und außerhalb dieses Lebens. Das Geheimnis des
diesem Leben, macht das Kleid des Menschen weißer. Seine Umhüllung Weißen, sowohl des ,,Schnees" als auch der ,,Wolle", ist der geheimnis-
wird reiner und reiner. Und darum heißt es vom zadik, er sei weiß geklei- volle Abschluß des im Prozess der 300-30-3 Erlittenen '.
det. In und mit der olam assia bringt er die Antwort. Man denke auch an
das Gesicht des Propheten Sacharja, (3), wo der Hohepriester jehoschua,
gräzisiert ]osua, in weiße Kleidung gehüllt wird. Die hiesige Umhüllung
des Menschen ist rot, denn erst das ra läßt ihn ja auf dieser Erde Fuß fas-
sen. Diese Umhüllung muß weiß werden. So bekommen auch die zahlrei-
chen Bemerkungen über Menschen ihren Sinn, die ihre Kleidung befleckt
sehen, und die Mahnungen, daß der Mensch dafür sorgen solle, daß seine
Kleidung rein werde. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

12. Die weiße Wolle • Es ist anzunehmen, daß verschiedene chtistliche Leser hier bei den dtei Tagen
und Nächten Jonahs an ,,das Zeichen des Jonah" im Neuen Testament denken wer-
Es bleibt nun noch der andere Ausdruck für ,,weiß", Jes. 1, 18, zu be- den. Das Chtistentum hat seine Wurzeln auch in diesen Dingen, und man hat auch
wohl um diese Dinge gewßut. Daß dies verloren ging, daran wird erst ersichtlich,
denken. Wir erwähnten diese Stelle schon. Nachdem zuerst von scheleg
wie weit Politik, Theologie und andere Arten von mehr oder weniger ausgesproche-
die Rede ist, wird auch von zemer gesprochen, von ,,Wolle". Die Über- nem Heidentum alles ins Vage und Ungewisse getrieben und verfälscht haben. Doch
setzung sagt ,,weiße Wolle", da sonst das Bild undeutlich bliebe. In Deut. denken wir an den J onahbericht. Man geht mit Jonah nach Tarschisch, und
22, 11, einem Text, der auch von zemer handelt, spricht der Übersetzer man wird heimkehren durch Jonah. Die Frage, wer recht hat, ist nicht von Wichtig-
einfach von „Wolle", was sicher ehrlicher ist. Die Wolle ist weiß; die keit, sondern die nach der Wahrheit. Wenn man diese ehtlich sucht, kommt man
zur Einsicht,jeder auf seinem Weg. Doch gebrauche man die hier gegebenen Erläute-
Schafwolle jedoch gewiß nicht so weiß, wie der Schnee weiß ist. Zeme
rungen nicht als Argumente für seine politisch-theologisch-kirchlichen Ansichten. Es
ist die Umhüllung des Lammes, des tleh, des ersten Zeichens am Himmel, wäre eine Verengung, ein Mißbrauch des Jonahberichts. Man habe vielmehr den Men-
und diese ist weiß, makellos weiß. Denn es gibt noch keine Entwicklung, schen als Gottes Ebenbild vor Augen, den Menschen, der überall lebt. Für ihn ist
sie hat noch nicht begonnen; sie setzt ein mit dem zweiten Zeichen, dem diese Jonah-Erklärung bestimmt.
VI. KAPITEL

DAS LEBEN JENSEITS DIESES LEBENS zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZY

1. Der Atem Gottes

Damit beginnt der zweite Teil des Ganzen. Und wenn man die Ge-
schichte in vier aufteilt und die ersten beiden Abschnitte mit dem beauf-
tragten Jonah auf der Flucht nach Tarschisch und jenen mit Jonah im
Bauch des Fisches abgelaufen sieht, so beginnt jetzt der erste Abschnitt
der zweiten Hälfte.
Gott wiederholt zum zweiten Mal den Auftrag an Jonah, er solle
nach Niniveh gehen, zur Wohnung des Fisches, des tanin. Und jetzt ge-
horcht Jonah; aber man muß die Vorgeschichte kennen, wenn man das
Folgende verstehen will.
Jetzt beginnt die Phase des Einatmens: was ausgesandt worden ist,
was sich entfernt hat, es wird nun eingeholt. Das Vorzeichen ändert sich
nun. Der Fisch hat seine Rolle gespielt. Wird nun nicht der ,,Leviathan"
zum Opfer gebracht werden, nun es mit ihm vorbei ist? Bedingt das nicht
auch, daß Niniveh, die Wohnung des Fisches, weggenommen werden soll
am Ende der Zeit, wenn die 40 verstrichen ist? Alles ist nun doch gewe-
sen, die Zeit ist abgelaufen. Alles ist zurückgekehrt, die 70 im ,,Schiff''
des Ichs, und auch Jonah. Wirklich, das Einatmen hat stattgefunden.
Dann ist das Leben, ausgehend von der Wohnung des Fisches, des Siebten
Tages, doch auch ohne Sinn geworden. Mehr als genug Böses ist gesche-
hen in der Welt des 7. Tages, genug Heuchelei; es ist bis zu Gott aufge-
stiegen, es ist unerträglich geworden. Es ist dem Bösen gleich, das in
Sodom geschah, und das auch zu Gott aufgestiegen ist. Und wie Sodom
vernichtet wurde, so soll nun auch Niniveh untergehen. Wenn nur der
Fisch als Opfer gebracht wird, warum sollte Niniveh noch bestehen blei-
ben, damit von ihm die Gefangenschaft ausgehe über Israel?
So ist es auch, wenn der Mensch viel gesehen hat und viel erfahren.
Er fühlt sich dieser Welt entstiegen; er spürt, wie er zu seinem Ursprung
zurückgekehrt ist. Und dann zählt diese Welt nicht mehr; mit was für Tor-
heiten beschäftigt sie sich nicht! Man denke an die Geschichte von Bar
2

270 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 2. Die Welt der Zeit und des Raumes 271
i
Jochai (Anmerkung im ,,Bauplan"), der, da er im Lehrhaus sovielen daß da einmal ein Ende der Tage sein wird. Dann ist diese Welt vergangen.
Wundern begegnet war, nicht länger an der Welt draußen hing und den Dann ist Gerechtigkeit eingezogen; das Vorige ist vorbei und kann kein
braven Bauern, der sein Land pflügte, mit einem Blick umbrachte. Welch Unheil mehr stiften. Lohn und Strafe sind ausgeteilt, das Gleichgewicht
ein Unsinn ist das irdische Leben, das Leben, das obendrein so voll des ist geschaffen, und die neue Weit ist so gut und wunderbar, daß die Worte
Bösen ist, das recht eigentlich auf dem ra beruht! fehlen, es auszudrücken. Wozu dann noch die Erinnerung wachhalten an
Die zweite Aufforderung, sich nach Niniveh zu begeben, findet unter frühere Zeiten des Krieges und an gewaltsame Umwälzungen, an Gefäng-
ganz anderen Umständen statt. Erst mußte das Ausatmen geschehen, das nisse und Mißhandlungen? Ist das nicht alles ein Nachtmahr gewesen, an
Geschick Jonahs mußte mit dem Geschick der Welt verwoben werden. den man nicht mehr denken will?
Man wollte nicht zum Fisch, aus Angst vor der Verbannung, vor dem Das ist die neue Lage, und vom Leben Jonahs wird auch unter dem
Geborenwerden, das einhergeht mit der Scheidung vom Zuhausesein. neuen Aspekt weiterberichtet. Die Taube ist nach Hause zurückgekehrt
Nun war es doch geschehen, und der Fisch hatte den Menschen zurück- und hat das Blatt mitgebracht, das zur bitteren Frucht gehört. Bitter ist
gegeben. Mit dem neder hat der Mensch das Ziel, diesen Fisch zur Mahl- die Olive wohl, aber in ihr wohnt die Verheißung des Anderen.
zeit herbeizubringen, damit er durch und durch erkannt und verzehrt Und nun vernimmt Jonah wiederum den Ruf, nach Niniveh zu gehen
werde. Nein, selbst die Wohnung des Fisches, der Platz, wo der ,,Gott" und dort das Ende nach den ,,40" zu verkünden. Wenn die Zeit vorbei ist,
wohnt, die Quelle der Fischwelt, sie sollen nun auch hinweggenommen wenn eines jeden Frist um ist, dann ist der Untergang und die Verwüstung
werden. Die Umstände haben sich verändert, nun ist wieder das Einat- da. Das ist nun sinnvoll. Niniveh hat sich überlebt, was soll nun noch
men an der Reihe; was alles zum Siebenten Tag gehört, ist nun über- eine Verbannung? Ist nicht alles vollkommen durchlitten? Und so begibt
wunden. sich Jo nah unverzüglich nach Niniveh, um sich dort seines Auftrages
Wenn man etwas zu Ende gedacht und man einen großen Überblick zu entledigen.
gewonnen hat, wenn der Schlüssel in unserem Besitz ist, dann sieht man
vom Früheren ab, verachtet und vergißt es. Von neuem findet man sich 2. Die Welt der Zeit und des Raumes
erfüllt. Man distanziert sich oft auch so von einer früheren Lebensphase;
sie erscheint einem wertlos, und man schämt sich ihrer. Man ist geneigt, Niniveh ist groß. Der ,,Midrasch Jonah" bemißt die Ausdehnung der
weise die Naivität zu belächeln, mit der man einst Geringes hochschätzte, ,,Stadt" mit 40 auf 40 Meilen, wobei hier die Meile als das größte bekann-
und man vergißt die Innigkeit jedes Lebensmoments, hat sich wohl auch te Maß dieser Welt gilt.
von den Menschen abgewandt, mit denen man damals gelebt hat. Es ist Der gegebene Umfang dieser menschlichen Wohnstätte von 40 x 40
vorbei, das Vorige ist längst zurückgeatmet und in seinen Ursprung auf- Meilen will etwas anderes klar machen, als was der Mensch gerade in Ni-
genommen. niveh sehen möchte. Der Mensch lebt gern dem Gedanken: ,,Nun ja, da
Und so ist es mit dem ganzen Menschenleben. Wenn man es durch- wareirimal vor alters eine große Stadt; aber für den Rest der Welt ist das
laufen hat und man Zeuge geworden ist von seinem Eingehen in den Ur- nur ein Name unter vielen und von keiner weiteren Bedeutung". Eine sol-
sprung, wenn man sieht, wie alles wundersam gerettet wird, wie es den- che Betrachtungsweise verknüpft den ganzen J onahbericht mit der Ver-
noch ans Ziel gelangte, trotz aller Gefahr, dann ist das Durchlittene wirk- gangenheit, so daß er einen nicht weiter anzugehen braucht. Was bleibt,
lich vorbeigegangen, ,,passé". Man betrachtet es aus neuer Sicht, man ist dann einzig ein verlegenes Lächeln über die biologische Ungeheuerlich-
gewahrt auch deutlicher die Pein, die das ra fortwährend verursacht hat, keit der Bewahrung durch den Fisch und die ungesunde Vorstellungs-
und freut sich, daß das alles nunmehr seine ,,Zeit" gehabt hat, daß es kraft Jonahs, die einzig als psychologisches Phänomen bemerkenswert
aufgehoben wurde und zum Abschluß gebracht worden ist. wäre.
Und steht es nicht so mit der gesamten Welt? Man sagt und man fühlt, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Doch die Überlieferung zwingt uns wieder, mit den Folgerungen
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens
272 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 3. Die Stadt 273
nicht allzu voreilig zu sein, nicht allzu ,,wissenschaftlich" auftreten zu Nachricht über Jonah, auch hat man vernommen, daß das Versinken
wollen. Denn dieser Stadt wird nicht nur ein unwahrscheinlicher Umfang Jonahs im Meer den Sturm stillte. Wie hätten sonst die Völker eine Bot-
nachgesagt, die Zahl 40 weckt vor allem Analogien. Niniveh muß ja wohl schaft empfangen können, wenn nicht Jonah hinabgestiegen wäre, um
die ganze Welt sein; die wird doch immer mit 40 und 400 gemessen. So dem Weg nach Tarschisch zu folgen?
äußert sich ja im Wesen die Welt des Siebenten Tags, die Zeit- und Wasser- Und wenn nun Jonahs Stimme erschallt, die Stimme, die alle verneh-
welt. men, weiß man, daß Wunder mit Jonah und durch Jonah geschehen sind,
Die Überlieferung aber weiß noch mehr zu berichten. Denn Niniveh und seinem Wort wird geglaubt. Dort in der Fischwelt, in deren Kern und
scheint eine sehr gesetzmäßige Struktur zu haben, worin die andere typi- an deren Quelle, welche die „Wohnung des Fisches" heißt, dort macht
sche Zeitzahl, die 12, eine ausschließliche Rolle spielt. Die Stadt hat diese Verkündigung vom Ende tiefen Eindruck, des Endes, das jedes
nämlich 12 große Plätze, deren jeder von 120 000 Menschen bewohnt ist. Einzelnen wartet, des Endes, weil das ra zum Äußersten getrieben hat,
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONM
Die Stadt verfügt über 12 Hauptstraßen, wovon jede 12 Seitenstraßen sodaß es nun weggenommen werden muß. Doch bezeugt nicht der Bericht
hat. Jeder Straße sind 12 Höfe zugeordnet, und jeder Hof hat 12 Häuser. von Jonah im Schiff, daß da wohl eine Möglichkeit zum Leben besteht?
12 gewappnete Helden bewohnen jedes dieser Häuser, und jeder von ih- Auch jenseits der Zeit? Die ,70" kehren ja heil zurück, und sogar Jonah
nen hat 12 Söhne. Wer kann da noch an ein statistisches Amt denken, ist bewahrt geblieben. Es gibt also kein Verlorengehen. Vielmehr bricht
wenn eine Stadt durch eine solche Häufung von Zwölfheit gekennzeich- plötzlich die Gewißheit der Heimkehr und des Lebens durch !
net ist?
Es ist wirklich die ,,Stadt des Fisches". Die Zahl 12 ist ja auch der
3. Die Stadt
Ausdruck für das Wesen ,,Fisch". Alles ist mit dem einen Begriff ge-
zeichnet. Es ist in der Tat die Welt der Zeit, des Siebenten Tags; und die
Zunächst noch etwas über den Begriff ,,Stadt". Denn man spricht in
Ankündigung, daß nach 40 Tagen das alles aus und vorbei ist, hat den
der Überlieferung auch oft von der ,,Stadt Mizraim", obwohl man doch
Charakter einer richtigen Botschaft. Denn alles geht doch verloren und
ganz genau weiß, daß Ägypten ein Land ist.
verschwindet, wenn die gesetzte Frist einmal abgelaufen ist.
Was ist eigentlich eine Stadt? Die Beschreibung von Niniveh läßt so-
Jonah kommt also in diese Stadt. Auf einem der 12 Plätze steht er
fort den Gedanken aufkommen, daß hier etwas ganz Besonderes gemeint
und läßt das Wort Gottes aus seinem Munde erschallen. Seine Stimme
ist. Auch die Ausdehnung, „,drei Tagereisen weit", gibt zu denken. Be-
trägt, nach der Überlieferung, nach allen Seiten 40 Meilen weit und er-
kanntlich will die Dreiheit eine Vollständigkeit angeben; die ,,drei Tage-
reicht so die hintersten Winkel der Stadt. Die Stimme wird auf allen
reisen" bedeuten also viel mehr als eine übliche Länge oder Ausdehnung.
Plätzen gehört, auf allen Wegen und Seitenstraßen, in allen Höfen und in
Die erste Stadt, welche die Bibel nennt, ist von Kajin für seinen Sohn
allen Hä[Link] kann sie hören, jeder die Worte verstehen.
chanoch (8-50-6-20) gebaut worden. Eine Stadt ist demnach eine Form
In Niniveh weiß man schon, wer Jonah ist. Denn, so wird erzählt,
des Zusammenlebens, erfunden von Kajin, und die Stadt selbst heißt
auch die ,70", die auf dem Meer das Wunder mit Jo nah erlebten, seien
Chanoch". Kajin baut die Stadt, weil er na wenad ist (50-70 6-50-4),
nach Niniveh gekommen" und hätten alles erzählt.
ruhelos, unstet und umherirrend ("Bauplan"), umgetrieben von dem ihn
Das ,,Ausatmen Gottes?', der einleitende Bericht, hatte schon seinen
jagenden Drang nach Veränderung, um seine Unrast zu betäuben. Das
Sinn. Auch für Niniveh ist er von großer Bedeutung. Denn man hat nun zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Leben in der „Stadt" wird darum in der Überlieferung"" stets als eine

* Modeme Geschichtsforscher könnten daraus schließen, daß man in den Zeiten • Ich benutze nicht den durch Übersetzungen verstümmelten Namen Henoch, son-
schon viel reiste. Vielleicht werden sie gar vermuten, daß es damals bereits Reise- dern den biblischen, hebräischen.
büros gab, die Gruppen-Arrangements besorgten?
++T.B. Berachoth 60 a
2 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGF

274 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 4. Naturgesetze sind nicht unabänderlich 275

Gefahr gesehen. Das Kajinsleben unterwirft den Menschen vielerlei irdi- So ist da denn auch der Chanoch in der mächtigen Vielheit ,Stad"
schen Pflichten und Genüssen, alle geeignet, den Menschen, der just den und jener Chanoch, der sich von der Erde löst.
Abel erschlagen hat, von seinem unsteten, auf der Flucht befindlichen Die beiderseitigen Werte von ,Stadt", 280 und 50, bilden zusammen
Sein abzulenken. die 330. Wieder vollenden die mitgezählten drei Buchstaben, die das Wort
+ Es gibt aber auch einen anderen Chanoch als den, der der Stadt den bauen, die ,,drei Tagereisen", den Begriff der 333, die völlige Dreiheit
Namen gibt. Dieser Chanoch ist der 7. in der Reihe der Geschlechter seit auf allen Ebenen. Jetzt hat man auch alles· durchschritten. Man ist rein
geworden.
Adam, während jener Chanoch in der Linie nach Kajin der Dritte ist.
Der Chanoch von Scheth ist gar nicht vom Städtebau betroffen. Er geht Wer in der Stadt Chanochs lebt, schwebt in Gefahr, von der Erde zu
sein ganzes Leben hindurch mit Gott, und Gott entführt ihn, noch le- sehr angezogen zu werden und für das Andere abzusterben. Denn das
bend, von der Erde in den Himmel. Dort ist er, der Überlieferung gemäß, Kajinsleben ist ansteckend; es ist so verführerisch und vielverheißend, so
metatron, der sar me tat (40-9-9). glanzvoll in seiner Macht und Schönheit.
os[,zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
4v %+B rk > 4ré «d _ WM»a [lu«d Und Niniveh ist die große Stadt par excellence. Es ist die Lebens-
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPON
So stehen sich der Stadtmensch Chanoch und Chanoch, der Gottes- form der ,12° und der ,,40", ihre denkbar reichste Entfaltung. Sie ist
mann, gegenüber. Der eine verankert sich in der Erde und betäubt sich an das große Kraftzentrum, von dem aus die Gefangenschaft stets erneuert
diesem Leben, der andere ist so leicht und beflügelt, daß er in den Him- werden kann. Von Niniveh aus wird die Fischwelt regiert, dort hat der
mel aufgehoben wird. König der Fische sein Haus. Nicht umstonst fürchtet Jonah Niniveh; denn
Es gibt nur eine Stadtgemeinschaft, die zugleich irdisch und himm- von hier wird Israel in die Gefangenschaft geführt. Dort wird die Körper-
lisch ist, und das ist Jerusalem. Nicht aus bestimmten nationalen oder welt geformt, und davor hat Jonah die Flucht ergriffen. Doch nun, da er
historischen Gründen, sondern weil Jerusalem der Ort ist, wo diese Welt durch die Fischwelt hindurchgegangen ist, meint Jonah, Ninivehs Rolle
und der Himmel in Verbindung stehen. Darum auch hat jeruschalajim sei ausgespielt, und es habe jetzt unterzugehen.
die -aim-Endung, die die Zweiheit anzeigt. Denn das Jerusalem von unten So denkt der Mensch, wenn er diesen Punkt in einer Phase erreicht
ist mit dem von oben eins. Es ist der Ort Beth El, wo Jakob die Verbindung hat. Und darum erzählt der Bericht auch, daß Jonah sich das alles so zu-
schaut, es ist die Stätte des ewen schethiah ("Bauplan"). Jerusalem ermög- rechtlegte: Der Schöpfungssinn erfüllt sich durch das Ausatmen und das
licht es, daß man die Verbindung zwischen dieser und der anderen Welt erneute Einatmen. Wenn dann eingeatmet wird, ist für Niniveh kein Platz
sehen [Link] bezeichnet vor allem auch einen Zustand des Men- mehr übrig.
schen. Und wenn das Tote auferstanden ist, dann ist auch das wirkliche
Jerusalem sichtbar, die Stadt, die von dieser und von der anderen Welt 4. Naturgesetze sind nicht unabänderlich zyxwvutsrqponmlkjihgfedc
ist. Sie ist dann dem Baum des Lebens gleich, dem ,,Baum, der Frucht
ist und Frucht macht." ,d «j, Go[" Doch mit Niniveh geschieht nun etwas Außergewöhnliches. Die Flucht

1 Das Wort für Stadt, ir (70-10-200), hat aber den Wert von 4 mal 70, nach Tarschisch hat nämlich auch für Niniveh umwälzende Folgen. Die
eine Vervierfachung der Vielheit. Der Atbaschwert dagegen ist 7-40-3= 70 sind gekommen wie denn die 70 in die ,,Stadt" gehören-, und
50, womit der Begriff bis in die andere Welt hineinreicht. Mit der ,,Stadt" Niniveh versteht den Sinn dieser Erfahrung der 70. Die 70 haben von der
ist nicht nur Diesseitiges gemeint, da hat auch die andere Seite ihr Recht unerhörten Kraft der Umkehr berichtet, und wie nun Jonah mitten unter
mitzusprechen. So gibt es auch in Kajin die andere Seite, die höchst be- den Bewohnern Ninivehs den wiederholten Auftrag Gottes ausspricht,
langreiche, entscheidende Seite. Kajin ist die Seite des Leibes. Der Leib, wissen sie von der Relativität selbst des Unbedingten, wissen von der
alles durchbrechenden Kraft der Umkehr zu Gott. Diese Umkehr, die

I
der zur Flucht anspornt, einer Flucht, die sein muß, damit der Mensch
diese untere Welt bewohne, und er mit ihr zur Rückkehr gelangen kann. teschuwah, 400-300-6-2-5, gab der ganzen Welt eine andere Drehbewe-
lk-vd«,MUu»,akr
no, End tu. MM
I.
4. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
276 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Naturgesetze sind nicht unabänderlich 5. Pharao der große Drache 277

gung: vieles, was als unabänderliches Naturgesetz gegolten hatte, wurde Körper haften. Ohne die 70 träfe Jonah auf ein harthöriges, unverständi-
auf einmal aufgehoben, und andere Werte erhielten wieder Geltung. Man ges Niniveh. Dann würde sich sein Wort buchstäblich erfüllt haben.
wird nun dort, im Kern aller materiellen Erscheinung, mit der Wendung Der Mensch nach der teschuwah. Das ist auch der Mensch nach dem
der Dinge konfrontiert. Die Fischwelt des Siebenten Tags bekommt einen Tode. Denn dann ist es zur Rückkehr gekommen, auch ohne sein ver-
anderen Charakter. Dort im Kern, von wo aus die Verbannung genährt ständnisvolles Mitwirken. Doch schon in der Zeit des Erscheinens hier ist
wird, begreift man den Umschwung plötzlich und empfindet ihn mit. teschuwah möglich. Man kann das alles in diesem Leben erfahren. Dann
Jonahs Stimme dringt zu allem hin und durch alles hindurch. Und jetzt finden sich die ,70" des Menschen in Niniveh ein, am Ort, wo die Quelle
geschieht in Niniveh das Unerhörte, das nie für möglich Gehaltene: Eine für diesen 7. Tag zutage tritt, und erzählen da nun vom erfahrenen Jonah-
wirkliche Revolution bricht aus, es beginnt in der Tat die Umkehr. wunder. Und wenn Jonah dann selber kommt, mit der Vollmacht seines
von Gott wiederholten Auftrages wobei sein eigentlicher Auftrag nicht
Die „Hälfte" ist vorbei. Auch
Es ist nicht mehr das alte Niniveh. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
nur die Rettung der 70 ist, sondern die Bewahrung der Welt von Niniveh
Niniveh verändert sich, wenn der Mensch die erste Hälfte durchlaufen
- dann ist man dort für sein Wort schon reif geworden.
hat. Denn was ihm die ,,70" bedeutet, geht ja vom Menschen aus: sein
Jedesmal, wenn beim Menschen eine teschuwah durchbricht, dann
ganzes Erleben der Welt wird anders durch die ,, 70", auch die Quelle
folgen Geschehnisse, die zur Erhaltung von Niniveh führen. Wer ermißt
jeder Entwicklung, die Fischwelt.
überhaupt die Bedeutung einer Tat oder eines Gedankens, der einem in
Das besagt nichts weniger, als daß die teschuwah die Beschaffenheit Sekundenschnelle durch den Kopf gehen mag? Zuweilen äußert sich der
der Welt verändert. Während die Körper-Welt, bevor die Rückkehr zur Umschwung in einem lebenslangen Bemühen, zuweilen wird er erst nach
Tatsache wird, eindeutig dem Untergange zustrebt, ist nun für den im diesem Leben offenbar. Gott atmet Welt und Leben wieder ein, und die
Zeichen der 12 erscheinenden Körper nach ·dem entscheidenden Um- Umkehr beginnt.
schwung plötzlich eine ganz neue, unerwartete Möglichkeit vorhanden,
eine Möglichkeit, die es vorher im Denken und Planen einfach nicht gab. 5. Pharao der große Drache
Auch die ,,große Stadt" erkennt die eingetretene Veränderung. Das Aus-
geliefertsein an die Sünde, das Mitgerissenwerden vom ra führt nicht Der König Ninivehs, so sagt die Überlieferung (Pirke de R. Elieser
unwiderruflich zur Auslöschung, zum vernichtenden Untergang und zum XLIII), ist der Pharao. Und zwar der Pharao, der Israel in Ägypten fest-
Verglühen, selbst wenn alle nüchternen Überlegungen, alle Logik und halten wollte, und der ihm dann auch nachjagt und im jam suf mit all
nicht zuletzt auch alle Schlüsse einer menschlich und weltlich begriffenen seinen ägyptischen Reitern ertrinkt. In der Tat, dieser ertrunkene König
Gerechtigkeit auf das Ende hinweisen. Die teschuwah weckt bei Gott Mizrajims ist der König von Niniveh. Nach dem Ertrinken wird er dort
eine aller Welt noch unbekannte Urkraft, die göttliche Kraft der rachamim. Herrscher.
Und die teschuwah kann nun auch in der Dimension Ninivehs statt- Man sieht, die Überlieferung will hier wieder nachdrücklich eine an-
finden. Sie fußt aber immer auf der Tatsache, daß Jonah auf dem oniah dere Realität hervorheben als die uns geläufige, von der wir so gern anneh-
und mit den 70 nach Tarschisch mitziehen wollte. Die bestimmende Kraft men, sie sei die einzige. Der biblischen Zeitrechnung nach liegen zwischen
geht vom Vorgeschehen aus, und wenn man nun Jonahs Stimme hört, den beiden Ereignissen gegen 600 Jahre. Und dann muß man noch abse-
ist auch das Verständnis vorhanden. Durch den Besuch der 70 wurde hen von der Tatsache, daß der Pharao buchstäblich (Ex. 14, 28) sein
man schon umgestimmt, sodaß man jetzt die Folgen und Perspektiven Ende fand.
wahrnimmt. Die Überlieferung jedoch weist auf die beiden letzten Worte des ge-
Ausschlaggebend aber ist eigentlich schon die Reise der 70 nach Ni- nannten Verses hin: ad echad (70-4 1-8-4), die auch wiedergegeben wer-
niveh. In diesen 70 offenbart sich die Bedeutung des Erscheinenden, des den können mit ,„bis auf den Einen''. Und dieser Eine wäre dann Pharao,
,

278 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 5. Pharao der große Drache 279
der am Leben bleibt. Immerhin liegen dann 600 Jahre zwischen diesem tenfluß, herrscht wie eine Gottheit. Als der große tanin herrscht der
Ereignis und jenem in Niniveh. Wo blieb der Pharao unterdessen? Pharao über den Strom (Ez. 29, 3). Als König dieser Welt kennt er bloß
Mit diesen und noch vielen gleichartig erstaunlichen Aussagen fordert die Gesetzmäßigkeit Mizrajims. Von der anderen Welt nimmt er keine
uns die Überlieferung auf, die biblische Zeit ganz anders aufzufassen. Notiz. Für ihn ist es auch ausgeschlossen, daß Israel, der Iwri, seine Welt
Mizraim ist die Welt der Zweiheit ("Bauplan") und der Pharao ist deren verläßt.
König. Wenn Israel wegzieht, so endet dieses Mizrajim. Die 400 Jahre des Trotzdem geschieht gerade dies, auf Grund einer plötzlich durchbre-
Wohnens von Israel in Mizrajim sind die Welt der Gefangenschaft. Ohne chenden anderen Gesetzmäßigkeit. Nicht, daß Israel sich selbst erlöst aus
Israel kann Mizrajim in diesem Sinn nicht fortdauern. Darum wird die Mizrajim, sondern Gott fährt hernieder und führt es heraus. Und Er ist
Erstgeburt von allem in Mizrajim getötet, vor dem Auszug und gleich- es, der Mizrajim im Meer untergehen läßt, als es den Entschluß faßt,
zeitig mit ihm. Der Erstgeborene, hechor (2-20-200), ist die ,,Eins" von Israel zu verfolgen und zu sich zurückzuholen.
allem, ist das, was hier als Erstes erscheint. Und dies wird weggenommen. Mizrajim ist die Welt vor der Erlösung das Körperhafte. Die Erlö-
Es vollzieht sich parallel mit dem Wegzug von Israel. Israel ist die ,,Eins" sung ist ihm fremd. Der Sinn und das Ziel des Lebens werden von ihm
für Mizrajim, jenes aus einer anderen Welt Stammende. Israel ist, wie es innerhalb dieser Welt gesucht und vorausgesetzt. Und weil es, von dieser
sich auch nennt, der Iwri. Der Auszug des lwri ist soviel wie der Auszug Ansicht befangen, das wegziehende Israel aufhalten will, ertrinkt Mizra-
der Neschamah, wie das Fortziehen des Lebens. Darum jagt ihm Mizrajim jim in der Zeit, im ,,Meer des Endes" ("Bauplan"). Das ,,Runde" von
in Panik nach, es geht um das Leben von Mizrajim. Der Pharao, der als Mizrajim, die Räder seiner Wagen, wodurch diese Welt des Runden sich
erster fragt: ,,Wer ist der Herr, daß ich auf ihn hören soll", erfährt es jetzt fortbewegt, versagen in der anderen Welt ihren Dienst, sie werden ge-
an sich, als Mizrajim im Meer, in der Zeit, untergeht. ,,Wer ist wie Du hemmt, lösen sich, arbeiten nicht mehr. Für Israel aber wird das Meer
unter den Göttern, Herr?" (Ex. 15, 11) zum Trockenen, im Meer entsteht eine trockene Straße. Die Zeit, durch-
Auf körperhafter Ebene sind beide Vorgänge gleich: Der Untergang sichtig wie Kristall, steht still. Die Zeit, die der Überlieferung zugrunde
des Pharao im Meer und das Verschlungenwerden Jonahs. Beide scheiden liegt, die Nicht-Mizrajim-Zeit. In dieser Zeit fährt das immerzu Rollende,
aus für die Welt, sie sind gleichsam von Stund an tot. hier verwesen dicht in den Rädern der Wagen Mizrajims, unweigerlich fest.
Und wie Jonah, von der Schöpfung her, den Auftrag und die Bestim- Als Israel dagegen durchschaut man die Zeit; alle ihre Aspekte offenbaren
mung hat, nach Niniveh zu gehen, so ist auch in Niniveh das entscheiden- sich zugleich, und man sieht, wie sie verlaufen. Je der der zwölf Stämme
de Geschehen für den Pharao und sein Königtum gekommen, denn er hat seinen eigenen Weg, und man sieht nicht nur den eigenen, sondern
spielt im J onahbericht eine große Rolle. man sieht zu gleicher Zeit die Wege aller Richtungen, man erkennt die
Liegt da nicht eine wesentliche Aussage vor, daß diese beiden im Meer Wege der Anderen, und alles ist voll großer Freude und in großem
Ertrunkenen mit der ,,Wohnung des Fisches" zu tun haben, mit Niniveh? Staunen.
Wir könnten sogar sagen, sie müssen ertrinken, damit sie dorthin gelan- Für Mizrajim gibt es, wie für jede körperhafte Erscheinung, bloß das
gen. ln der Zeit gehen sie unter, um dann, nicht mehr von dieser Welt, unabsehbar Fließende, den Strom, jeor (10-1-6-200), das Runde und sich
in der Welt Ninivehs, zu erscheinen. Und Niniveh ist das diese Welt des Drehende. Es kann mit Israel nicht Schritt halten, es muß versinken und
Siebenten Tages, die Fischwelt, speisende Leben. es wird in der Zeit unsichtbar. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIH
ln der Erzählung geht es samt seinem
Vom Pharao heißt es, daß er Gott nicht kenne; Jonah flieht vor Gott. Gott, dem König Pharao, verloren.
Und dieser Haltung zufolge sind beide zum Schluß in Niniveh. Jonah ver- Der Pharao aber erblickt just im Augenblick des Verschlungenwer-
kündet den Spruch Gottes, und der Pharao lauscht ihm. Und der Pharao dens das Wunder, das nicht für möglich gehaltene Andere. Und auch er
handelt darauf unmittelbar und spontan.
Der König über die Welt der Zweiheit, lebend vom Strom, vom Zei- ' Secungeheuer, Drache, Krokodil.
280 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 5. Pharao der große Drache 281
,,Wohnung des Fisches". Er wird, wie Jonah, ins Innerste des Prinzips
ruft nun aus: ,,Wer ist wie Du unter den Göttern, Herr?" Und er erfährt
nun dies Andere: für die Welt ist er dahingerafft, aber in einer anderen ,,Fisch" versenkt.
Welt, in Niniveh, wird er König, in jener großen Stadt, die Aschur baut, zyxwvutsrqponmlkj
Die Schöpfung ist so gemacht, daß das Körperliche, das zur Zwei-
als er von Nimrod fortzieht. heitswelt gehört, auf dem Punkt der Erlösung Israels davon doch auch
Was so in der Überlieferung erzählt wird, ist also ,,Lehre", eine Unter- erfährt, und daß er dann dasselbe sieht und sagt wie Israel aus seiner Er-
weisung vom Sinai. Sie besagt, daß den Pharao, die diese Welt beseelende fahrung. Das Körperliche geht nicht unter, irgendwo wird es bewahrt.
Kraft der Zweiheit, im Moment des Entschwindens, auf dem Punkt äußer- Das menschlich Körperliche ist dort König. Und es kommt nach Niniveh,
sten Abstandes von Israel und der völligen Unvereinbarkeit mit dessen nachdem es erkannt hat, nachdem es die Erschütterung der Begegnung
Auffassung, das Erkennen durchzuckt. Das ist einfach so. Der Pharao in mit der anderen Welt erfahren hat.
uns erkennt jederzeit und fortwährend. Auch jetzt, in jedem Menschen, So haben die 70 ihr Erlebnis auf ihre Weise bekommen. Auch sie ha-
geschieht das. Was er sieht, ist die Größe Gottes, der Unterschied zwischen ben erkannt. Sie kehrten um: Die Zeit kehrte bei ihnen um. Ihr Weg
den Göttern und Gott, der entscheidende Unterschied. Den Gott, der nach Tarschisch wird abgebrochen, und dann finden sie sich wieder im
ihm vorher fremd war, zu dem ihm die Beziehung fehlte, sodaß er es für Herzen der Fischwelt, und sie wecken Niniveh für das Kommen von Jo-
unmöglich erachtete, ihn auf bloßes Hörensagen zur Richtschnur seines nah und bereiten es vor. Fortan folgen sie dem einschwingenden Kreis-
Handelns und Lebens zu machen, diesen Gott erkennt er. Er erkennt ihn bogen.
in jedem Moment des Verschwindens, und immer verschwindet ja das Es ist nicht etwa eine Kleinigkeit, diese Einsicht durch das Körperli-
Vorige. Man kann daher auch sagen, er erkennt ihn in den Momenten chen, durch diese Welt. Welch eine Rolle fällt dem Körperlichen nicht zu,
seines fortwährenden Sterbens. Denn immer stirbt der Moment ,,jetzt". welch einen Wert erhält es! Und ist Jonah nicht selbst auch einer aus dem
An dieser Schwelle fällt es offenbar jener Kraft, die das Leben hier Zehnstämmereich, von der Seite Josephs?
trug, die, wie Mizrajim Israel getragen hat, wie der Körper, ohne zu Und Niniveh, der Ort, wo alles Körperliche versammelt ist, wo alles,
begreifen, seine dunkle Behausung der Neschamah angeboten hat, wie was zu den ,,12" gehört, einen Platz hat, wird gerade durch das Körperli-
Schuppen von den Augen, daß sie sich von Gott ein falsches Bild che vorbereitet und hingewiesen auf Jonah.
gemacht hatte. Und wenn der Pharao nun endlich Gott erkennt, als den Wie Jonah im Fisch, in der vollendeten Dreiheit, alles sieht und ver-
wahren Herrn und die wahre Urkraft, dann gebraucht er dieselben Worte steht, wie der Mensch in dieser Lage, wo immer er sich auch befindet, es
des Liedes wie Moses und Israel, das sie anstimmten, als sie das durch- sieht und auch versteht, so auch der Pharao am kritischen Punkt, im
sichtig gewordene ,,Meer des Endes" durchschritten hatten, als ob es Meer des Endes, in der Zeit des Endes - wirklich am Ende, dem fortwäh-
das Trockene wäre. renden ,,Nun". Denn jeden Augenblick ist ein Ende da, von dem das bis-
So ist die Schöpfung gemacht: Von allem Anfang an ist die Einsicht her Gehende verschlungen wird. Immer besteht auch die Möglichkeit des
an diesen Punkt und für diesen Augenblick angelegt und gesichert. Be- Endes einer Anschauungsweise, einer Ansicht, einer Lebenshaltung. Bei
stimmt kann dieser Punkt jeden Moment und wo immer mitten im Le- jedem solchen Ereignis, im Sinn eines Endes, geht der Pharao nach Nini-
ben erreicht sein. Es ist die Krisis der Gegenüberstellung, wenn die Erlö- veh. Letztlich wird man dort eingesammelt: ist doch Niniveh die Quelle
sung des Menschen nahe ist und er seinen wahren König, den des Ur- des Siebenten Tages.
sprungs, sieht. Vor dieser überwältigenden Erfahrung bleibt sein Pharao Darum, weil dieser Pharao dorthin gekommen und dort König ist,
stecken, verschwindet in der Zeit, in der er auch untergeht. Und doch ist stellt sich ein unmittelbares Erkennen der Tragweite der Worte Jonahs
etwas mit dem verschwindenden Pharao geschehen. Denn nichts ist hier ein und gleich darauf auch das richtige Mitwirken. Der Pharao ist das Ur-
umsonst gewesen. Alles wird bewahrt. Dank dem Blitz des Erkennens Körperliche, und Jonah ist der Mittler des Lebens für dasselbe. Alles in
im Moment des Verschwindens kommt der Pharao als König in die Niniveh ist der Siebente Tag in seinem Wesenskern.
28 2 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 6. Umkehr ist Fasten 28 3
die Bestimmung des Menschen zu ihrer Erfüllung hätte kommen können.
6. Umkehr ist Fasten zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Denn das Leben bis dahin war der Weg nach Tarschisch, und wenn man
auch in sich über alles auf diesem Wege Vorge-
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHG
den Bericht der ,70-
Wenn nun der großen Stadt das Gesetz des Körperlichen verkündigt fallene vernommen hat, dann kann man sich gar nicht vorstellen, daß man
wird, nämlich die Abhängigkeit von der Zeit - die stets und für jedes diesen Weg unter großen Opfern solange gegangen ist. Das ist Rückkehr:
Leben als die ,,40" auftritt - dann hat Niniveh schon begriffen, wo die vor allem also Reue über das Unsinnige des bisherigen Lebens, Einsicht
Grenze dieses scheinbar unwiderruflichen Gesetzes ist. Das Körperliche in dessen Torheit und Leere. Nun ist alles klar geworden. Wenn man aber
besteht nicht für sich allein, sondern ist einem umfassenderen Gesetz un- nur fastet und sich des Essens und Trinkens für einen Tag enthält,
terworfen. Die Hälfte hat man erst für das Ganze [Link] hat man im Gefühl: das ist gleich vorbei, und dann werde ich umso köstlicheres
die Wirksamkeit der Kraft der anderen Hälfte erfahren und weiß, daß bei- Essen und Trinken genießen, und alles geht aufs neue seinen gewohnten
de Hälften erst die Einheit, das Ganze, bilden. Der Gegensatz ist kein un- Gang, so ist das nichts als eine dumme Art von Heuchelei. Fasten muß un-
auflöslicher Widerspruch mehr. man ist auf die Spur der Wahrheit ge- bedingt den ganzen Menschen umfassen, auf allen Ebenen, vom Innersten
stoßen. bis ins Äußere.
Aus diesem Grunde gibt es bei Niniveh diese unverzügliche Antwort. Dann freilich wird man mit Essen und Trinken das Leben, wie es hier
Es ist das Wissen, daß die vollständige teschuwah im Leben auch für die dem Menschen gegeben ist, und das nicht von ihm selber gemacht ist, nur
Umkehr der unabänderlich scheinenden Gesetzmäßigkeiten sorgt. Mit eben erhalten. In Dankbarkeit gegen den Schöpfer, wissend, daß das
dem biologisch Faßbaren ist noch etwas ganz Anderes verbunden, das körperlich Erscheinende seinen Sinn hat. Daß man aber allein um dieses
man eben nicht gekannt hat. Sinnes willen hier leben muß, und nicht etwa, um etwas Eigensinniges
Diese Umkehr manifstiert sich im drei Tage und drei Nächte währen- aus dem Leben ,,zu machen". Darum ist wollüstiges Essen unmenschlich,
den Fasten (vgl. Midrasch Jonah; auch "Esther"). Das Fasten erschöpft das Essen um der Reizung des Gaumens willen, oder um den Geschmack
sich nach unserer Auffassung im Nichtessen und Nichttrinken. Das ist zu kitzeln. Darum sagt der König von Niniveh (3:7) auch al jitamu
aber nur eine der Ausdrucksweisen, die äußerliche, die am meisten irdi- (1-30 10-9-7040-6), daß nicht der ta-am (9-70-40), der Genuß beim
sche. Mit anderen Worten: Fasten ist ein Bestandteil der Rückkehr. Essen Selbstzweck sein darf. Sicher soll man essen und darf das Wunder
Charakteristisch ist, daß man alles, was weiteres Wachstum mit sich der Nahrung genießen; und dazu gehört auch, daß man ihren Wohlge-
bringt, nicht mehr zu sich nimmt; man sieht ab von jeder weiteren Ent- schmack empfinde. Doch die Freude am Wohlgeschmack soll nicht zur
wicklung, man hört einfach damit auf, sich weiter in dieser Welt ausbrei- Wollust und Gier verleiten. Dasselbe lehrt die Überlieferung vom Umgang
ten zu wollen. Darum verhält man sich demgegenüber wie tot. Es wird zwischen Mann und Frau. Er ist, sozusagen wie das Essen, geboten. Man
jedenfalls all das, was nicht nur der Aufrechterhaltung des Lebens, son- ·auß das Geheimnis des Lebens respektieren und weiterem Leben die
dern einer größeren, weiteren Entwicklung der materiellen Basis dient, Entfaltung gönnen. Im selben Sinn wie man mit Essen und Trinken auch
gemieden. zur Lebensbasis beiträgt. Doch darf der Umgang nicht um der Lust willen
Aber das bedeutet, daß diese Einstellung fortan das ganze Tun be- gepflegt werden. Es wäre dieselbe Verkennung des Lebenssinnes wie bei
herrsche. Gerade von dem, was der Mensch bisher wichtig genommen hat, einem Essen in einem exquisiten Restaurant mit seinem Überfluß von
soll er sich abwenden. Was sich als Ziel ein weiteres Wachstum in der Zeit Zungenreizen. Oder wie das grobe, viele Essen in Hotels, weil man doch
setzt, soll er einfach abweisen, und das sollte zur selbstverständlichen schon so viel zahlt und dem Eigentümer nicht noch etwas schenken will.
Haltung werden. Er soll sogar trauern, daß er sich erst jetzt umgestellt Es gilt für Vegetarier wie für Fleischesser. Der Mensch soll den Fortbe-
hat, daß sein bisheriges Leben von diesem Mittun mit der Zeit gezeichnet stand des Lebens sichern, auch das ist eine Facette des Sinnes seiner Er-
scheinung hier. Zu diesem Zweck erschuf Gott ihn für diese Welt mit
war, als ob diese jemals zum Ziel führen könnte, und als ob dabei jemals zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens
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einem Körper voller Mysterien. Wozu ist der Körper so erschaffen, welche fertig werden mit dem Rausch und ihn abschütteln, sonst bleibt man
Bedeutung hat jedes einzelne Organ? Was ist das ,,obere Sein" jedes Or- müde und schläfrig, ohne lebendige Tatkraft.
gans, welchen Platz nimmt es im göttlichen Menschen ein? Was ist Wollust Alles im Leben muß auf die Umkehr zielen, auch das Wirtschaftliche.
und was ist Enthaltung? Ist der menschliche Mittelweg nicht ganz nahe Es soll nicht die Lust nach Geltung und Genuß befriedigen, nur zur Ge-
der Enthaltung? Ist es sonst nicht alles doch Heuchelei? Die Organe im nüge des Lebens sei es. Und Gleiches gilt für Gesundheit und Hygiene,
Körper funktionieren, der Mensch soll aber ihr Herr sein. Das ist mit sein für jede Art von Studium. Der Sinn soll gewandelt sein, und man soll
Königtum. Er soll den Körper leiten, regieren, schön und rein halten, das bereuen, daß man vorher verkehrt lebte. Und mit Verzweiflung sollen
ist auch sein Reich. Und er soll seine Freude, seine ihm mit diesem Kör- wir feststellen, wie viele noch wie bisher dahinleben, ohne Organ für das
per von Gott geschenkte Freude finden, indem er mit diesem Leib vor Andere, das man selber gefunden hat.
Gott treten kann. Das Fasten ist verbunden mit dem in ,,Sack und Asche", mitsak we-
epher (300-100 6-1-80-200). Jeder kleidet sich in den sak und man sitzt
Denn alle Erscheinung hier steht im Zeichen des Baumes der Erkennt-
im epher, oder man streut epher über sich hin. Der Sack ist die Kleidung,
nis. Und die Maßstäbe des Guten und Bösen sind Gottes. Nur wenn man
die 400. Man lebt wohl in der Zeit der Welt mit, doch man verleiht den
sich zu Gott kehrt, findet man diese Maßstäbe. Man kann nicht diesen
Formen einer jeden Zeit keinen besonderen Nachdruck. Das Kleid will
,,Baum", diese Entwicklungs-Erscheinung, nehmen und von sich aus be-
oft aber gerade Form, will einen bestimmten Zeitstil zeigen. Und man
stimmen, was Gut oder Böse ist. Die große Freude für den Menschen ist,
weiß, daß doch alles nur ein Spiel ist. Denn wie soll die Form sein, die dem
wenn er den Weg zu Gott gewählt hat und dann erkennt, daß der Baum
Menschen zu seinem wahren Ausdruck verhilft? Das Wort für Kleidung
des Lebens dort identisch ist mit dem Baum der Erkenntnis des Guten
ist beged ( 2-3-4) und bedeutet auch ,,verfälschen, falsch sein". Zum
und Bösen.
Menschen paßt eigentlich keine Kleidung, die man ihm hier anpaßt.
Sein Körper, seine Organe, seine körperlichen Funktionen, sie alle Und auch das andere hebräische Wort für Kleidung, simia ( 300-40-30-5)
sind Begegnungen des Menschen mit dem Baum der Erkenntnis. Wie
gibt den linken Charakter von Kleidung zu erkennen ("Bauplan"). Eben-
wird die Wahl ausfallen, ist immer wieder die Frage. Wird der Mensch so wie das Wort sak beginnt es mit dem sin, dem Punkt links oben über
nach seiner Lust, nach seinem Selbstbehauptungsdrang entscheiden, oder dem Buchstaben, der 300. Aber der Sack erhebt auch nicht den geringsten
wird er durch eine freie, freudige Enthaltsamkeit sein Leben Gott zufüh- Anspruch auf Form, er dient ganz schmucklos zur Umhüllung und Be-
ren? Er würde dann auch sehen, daß seine Gesundheit, um die er sich doch deckung. Auch in dieser Form ist die 400 vorhanden: 300 ergänzt um
während seines Lust-Lebens so ängstigt, ganz selbstverständlich erhalten 100, zu den drei ersten Elementen gesellt sich das vierte, die Erde. Und
bleibt, seine Geistesfrische, daß Gott den Menschen eben zu diesem Leben, die sin will sagen, daß diese Dreiheit nur die Außenseite ist, nur die Um-
mit der Wahl für den Weg der Umkehr gemacht hat. hüllung der inneren drei, der schin.
Unter Fasten verstehen wir also weder eine saure Miene noch die Me- Epher ist Asche, ist der Rest, wenn das Irdische im Feuer verzehrt
lancholie. Im Gegenteil, es ist ein Anlaß zu einer freudigen Stimmung. worden ist. Das Zeitliche wird von der Zeit verbrannt. Was hier von allem
Der jom kippur, der Tag der Sühne, ist ein Fasten- und ein Freudentag. Erscheinen übrigbleibt, das ist epher - farblos, grau, geschmacklos, locker
Man ist sich bewußt, wie herrlich das Leben ist und folgt freudig dem und leicht vom Wind davongetragen. Der Fastende muß sich dazu verste-
neuen Weg, der sich da aufgetan hat. Nach der Überlieferung ist es sogar hen. Sonst wird er von der Welt doch wieder verlockt, ihrer Farbigkeit,
falsch und gefährlich, gezwungenermaßen zu ,,fasten", unter Druck oder in ihrem anregenden Geschmack, dem Ineinandergreifen ihrer wichtigtueri-
dem Gefühl, damit eine Pflicht zu erfüllen, wo man doch viel lieber etwas schen Systeme. Man sollte doch einsehen, daß die Farben, all das irdische
anderes getan hätte. Wäre dies der Fall, dann muß man sich wachrütteln Schimmern, auf ein Anderes hindeuten. Sollten diese Vielfalt und die
und sich die Bedeutung des ganzen Lebens in Erinnerung rufen. Man muß staunenswerte Harmonie nur dazu da sein, damit der Körper den Reiz
28 6 VI. Das Leben jenseits dieses Lebens zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 6. Umkehr ist Fasten 28 7

empfinde, noch mehr in alledem zu wurzeln? Wozu dann der verschwen- Man stöbert zu seinem Vergnügen umher, man vergewaltigt die Natur und
derische Reichtum an unzugänglichen Orten, in Urwäldern und tief in den schädigt sie durch Raubbau. Man tut, als sei das Opfer Gottes bei der
Ozeanen? Ist das alles dann umsonst, oder hat es vielleicht doch einen Schöpfung nur dazu gut, damit der Mensch vergnügt und angeregt sein
Sinn ganz anderer Art? Leben verbringe. Und mit Zoten und Witzelei über das Opfer und über
Es ist der gleiche Fall wie bei der Begegnung des Menschen mit seiner Gott ist man rasch und gern bei der Hand. Denn alles kam doch ,,von
Nahrung. Der Mensch ißt und sollte durch die Wunder von Geschmack, selbst", durch die Entwicklung. Eine Einstellung, die eine Folge des Ge-
Zusammensetzung, Verdauung, den Gedanken bei sich wach werden las- nießens ist und das Recht auf Lust proklamiert.
sen nach dem Wozu von dem allen. So sollte er auch das Wunder vom Läßt man den Sinn der Dinge auf sich einwirken, den Sinn der Schöp-
Herabsteigen des Lebens in diese Welt, vom Kommen der Neschamah und fung, dann zerfällt in der Tat die Überzeugung von Nutzen und Genuß
seiner Begegnung mit ihr und durch sie mit der Schechinah, sich vergegen- zu einem Häufchen Asche. Man ermißt, wie vergänglich das alles ist -
wärtigen. Denn eine weltliche Ursache hat doch das leibliche Zusammen- vorübergehend im weitesten Sinne des Wortes. Was sind das für Ideale, die
sein von Mann und Frau. Wozu dieser Weg? Also ist dieser Weg ein Teil schließlich in den Wahnsinn und die Selbstvernichtung führen? Und wenn
des Wunders, Gott hat ihn so erschaffen. Und dieses Wunder sollte zum man das einsieht, dann ist all das Weltliche, wie es gehegt und gehandelt
Instrument der Wollust dienen? Soll es dazu dem Menschen gegeben wird, nichts weiter als eine Anleitung zum Diebstahl, zu Mord und Tot-
sein? Daß der Mensch schließlich müde, krank und schläfrig wird von schlag, nicht mehr als epher, Asche. Die Zeit macht alles doch zu Asche.
dieser Wollust? Ist dazu diese komplizierte, unergründliche Vielfalt er- Wo bleiben dann alle Genüsse, all die vielen Dinge, denen der Mensch
schaffen worden, diese unendliche Variation von Farben, Formen, Ge- mit so großer Ausdauer nachläuft?
rüchen? Nur um dem Menschen zu behagen in seiner körperlichen, sinn- Die Asche gehört zum Fasten. Wer sich bloß des Essens und Trinkens
lichen Lust? Und wenn er es nicht sehen und nicht genießen würde, wäre enthält, ein altes Gewand anzieht und Asche über sich streut, der bietet
die Erschaffung von alledem dann ganz unnötig, nutzlos gewesen? Man allerdings, mit einem widerlichen Atem behaftet, einen häßlichen An-
muß sich die Frage eindringlich stellen, um die Torheit des Genusses um blick. Das Fasten muß, hat man die Botschaft Jonahs vernommen, zur
seiner selbst willen einzusehen. Wer die Schönheit nur genießen will, der Lebenshaltung werden, die kein Wanken mehr kennt. Und diese Lebens-
entgeht dem späteren Kater nicht, er versinkt entweder in seltsamem haltung geht einher mit nie gekanntem Glück, weil man sich nun fortwäh-
Weltschmerz oder verliert sich im hoffnungslos Sentimentalen. Rührse- rend an Gott wendet, mit Gott spricht, frägt und Antwort empfängt. Das
ligkeit und materialistische Ansichten und Begehrlichkeiten nach dem einzige, was dann noch die Tage verdüstert, ist die Reihe der verlorenen
Weltlichen sind eng miteinander verbunden. Jahre, vergeudete Lebenskraft, vertane Gelegenheiten. Und man seufzt
Man denke einmal nach über den Sinn der Formen, der Maße, von über eine Welt, die im alten Geleise fortfährt.
Farbe, Geschmack, Geruch und Wohllaut, dann sieht man auch ein, daß Die Menschen von Niniveh erfassen und glauben die Botschaft Jo-
da natürlich etwas ganz anderes gemeint ist, als dem Menschen seine Lan- nahs ohne Verzug. Nachdem sie den Bericht der 70 gehört haben, warten
geweile zu verkürzen oder seine Leidenschaft anzureizen. Hier wird die sie nicht, bis der König seinen Fastenaufruf erläßt. Der König ist die be-
heutige gemeine Erniedrigung des Sinnes der Schöpfung deutlich. Ist das wußte Kraft. Aber schon im Voraus ist es beim Menschen beschlossene
Haustier denn lediglich für den Haushalt geschaffen, um leckeres Fleisch, Sache. Man beginnt das Fasten trotzdem, oder eigentlich gerade, weil
um Milch und Leder zu liefern, oder als ein Gegenstand von Statistik und Jonah das Ende der ,,40" verkündet. Die Zeit wird alles in ihrem Strom
Planung? Schießen die Pilze nur hervor, um Pilzsammler zu animieren mitreißen und entführen; alles hat seine Zeit, dann aber ist es fort, ver-
und den Vegetariern zu behagen? Und das viele ungesehen Erblühte und schwunden.
Gereifte, war es nur Verschwendung, ein Versehen, eine Übertreibung? Man überläßt sich nicht der Verzweiflung, man wendet sich vertrau-
Eine solche Verkennung der Schöpfung heißt Unzucht, heißt Hurerei. ensvoll an Gott, daß Er' das Wesentliche doch bewahre. Man erhofft die
288 VI. Das Leben jenseits dieses Lebens zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 6. Umkehr ist Fasten 289
BewahrungNinivehs, dieser Welt des Siebenten Tags. Nicht die Erhaltung in formlose Asche. Doch bleibt denn nichts? Wo ist es verblieben, an
der Neschamah, nein, darum macht man sich keine Sorge, das setzt man welchem Ort, in welcher Art, da Gott ja das Kleinste mit getreuer Anteil-
wohl voraus, doch man betet für und glaubt auch an die Rettung dieser nahme ins Leben gerufen hat?
Welt, der Welt der ,,12". Das Fasten gilt denn auch besonders für das Daß der Mensch keine Augen dafür hat, ist das Erstaunliche, daß er
Vieh, die Tiere. Auch diese nimmt man in die Fürbitte auf. sich niemals mit der Frage beschäftigt: Was ist denn der Sinn dieses gött-
Das ,,Tier" in der Bibel, namentlich das für das ,,Korban" bestimmte lichen Sorgens. Sein eigenes Leben und sein eigener Körper stellt ihm
Tier, ist der Körper des Menschen in dieser Welt. Seine ganze materielle doch die Frage. Und erst recht die Welt um ihn, die ganze Natur, das end-
Erscheinung. Und das Körperliche ist doch gerade das Vergängliche, das lose All. Ist all das nur dafür gut genug, damit er durch das Fernrohr
mit der Zeit [Link] Augenblick endet ein ,,40". Dennoch starre und es ganz interessant finde? Es mag auch seinen Wahn steigern,
bittet man für das Körperliche, wenn Jonah noch so sehr beharrt: ,,Noch ihm noch mehr Selbstbefriedigung bieten. Und dann?
40 Tage und Niniveh geht unter." So ist die Lage Hiobs nach dem Drama seines Lebens. Hiob sagt, das
Spricht Jonah das nicht immerzu, nach biblischem Zeitbegriff? Ist es Geschehene zusammenfassend (42, 3-4): ,Darum, ich verkündigte ohne
nicht genau, was wir stets erkennen sollten, wenn wir recht auf Jonah Einsicht Dinge, mir zu wunderbar, und die ich nicht verstand"; und wei-
achten? Und müßte man dann nicht Schluß machen mit all den Torhei- ter: ,,Nur vom Hörensagen hatte ich von Dir vernommen, nun aber hat
ten, dem Vergänglichen, womit man sich bis dahin in Atem hielt, um mein Auge Dich geschaut!"
endlich einen neuen Weg zu beschreiten: zu fasten, sich in einen Sack zu Eine Einsicht, die erst kommt, wenn die wirkliche Umkehr erfolgt
kleiden und die Asche um sich zu gewahren? ist. Dann bleibt auch nicht eine Spur von Verdruß wegen des entgange-
Denn diese Stimme wäre doch stets vernehmlich. Aber man hat im nen unbeschwerten Lebens zurück, dann wird man nicht bitter und fin-
allgemeinen kein Ohr für Jonah; ist man doch noch mit der Fahrt nach ster, und man verargt es jenen nicht, die ihr Leben noch lustig und in
Tarschisch beschäftigt, der großen Lebensreise, versessen auf das eigene vollen Zügen zu genießen meinen. Man ist kein neidischer Zuschauer.
Können und geladen mit Agressivität gegen alles, was einem das Recht auf Man hat im Gegenteil Mitleid mit ihnen; das Köstliche ist ihnen noch
Genuß streitig zu machen scheint. Und stets fühlt sich der Mensch nahe- nicht begegnet. Man findet sie zwar blind und dumm, aber man gibt sich
zu allein gelassen in diesem Zug der Welt. Ist es nicht das Los des Iwri? doch Mühe um sie.
Und andererseits ist er zugleich wiederum Niniveh, voll Sorge um die Wer sehend wird, der steht in einem unbeschreiblich großartigen Ge-
Fortdauer auch des Körperhaften. schehen, und Fasten bewirkt Sehen. Nur jene, denen es Mühe kostet,
Doch nun sieht man das Körperliche infolge des Fastens in einem vom-übermütigen Leben Abstand zu nehmen, finden das Fasten abscheu-
ganz anderen Licht. Man merkt, wie eigenartig es beschaffen ist, daß es lich und lassen es so schnell wie möglich wieder bleiben.
in der Tat auch weiterbestehen kann, und daß es mit Gott aufs engste Das Fasten dauert drei Tage und drei Nächte. Das bedeutet auch, die
verbunden ist, der alles in einer unfaßlichen Verschiedenheit gemacht hat. ganze Schöpfung wird vollständig durchlaufen. Man duldet die Zweiheit
Für ein Anderes, als man erst glauben wollte, hat Gott alles geschaffen, und empfängt die Antwort. Es sind Erfahrungen, die man schon im Zu-
voller Liebe für die kleinste Einzelheit, voll Aufmerksamkeit für jeden stand der Umkehr, des ,,Sehens" macht. Und das Fasten schließt ein, daß
Organismus, wo immer er auf dieser Erde zu finden ist, und wie kurz zuletzt auch nicht eine einzige Blume umsonst geblüht haben soll, und
seine Dauer nach unserem Eindruck auch bemessen ist. Wenn Gott für kein einziges Tier einsam in der Meerestiefe vergessen worden ist.
alles Gemachte solche Sorgfalt aufwandte, dann hat das Vergehen natür- Und wenn der König, der Pharao des Auszuges aus Mizrajim, das al-
lich auch einen ganz anderen Sinn. Für uns, für unsere Augen, die alles les vernimmt, wirft er seinen königlichen Mantel ab. Was ist schon ein
nach dem Nutzen beurteilen, nach dem Maß von Reiz und Genuß, ver- König der Zweiheits-Welt, wenn die Rückkehr angetreten wird!
schwindet das Körperhafte. Die schöne Form vergeht und wandelt sich Die Reue freilich bleibt, der Verdruß über die vielen vorangegange-
290 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 7. Die wahre Reue 291
nen Torheiten. Und so herrscht in Niniveh völliges Fasten, vollkommene stellungen beruhte, auf der Annahme halber und nicht einmal halber
Umkehr. Die Überlieferung erzählt tiefgreifende Geschichten von die- Wahrheiten. Es war eine richtige Besessenheit, die in Niniveh umging, daß
ser Umkehr. man falsche Lehrsysteme verkündete und die Leute zu ihrer Annahme
zwang". Eben dann, wenn man weiß, daß man in die Irre geht, will man
7. Die wahre Reue die anderen erst recht zum Mitmachen zwingen. Wie Trinker und Süchti-
ge gern mithalten lassen, wie ein Bandenmitglied zur Teilnahme am Ver-
Wer sich in seinem Leben in dieser Situation von Niniveh befindet, brechen zwingt. Im Rausch begehrt man Gesellschaft, sucht den Rückhalt
hört dann vom Wunder mit Jonah, so wie es erzählt wird von seinen in der Vielheit. Irrlehren, und nicht nur politische, wollen zum Mittun
eigenen ,, 70", die doch mit Jonah reisten auf dem Wege nach Tarschisch, zwingen. Man wird bös, wenn der andere nicht versteht, was die Nötigung
und er hört dann auch die Stimme von Jonah. Dann wird der Mensch von soll, die nicht ablassende Aufdringlichkeit der Werbung.
einer Überzeugung ergriffen, und er wählt den Weg der Umkehr und des Wer den Weg zu Gott geht, sieht ein, daß der andere nur selber diesen
Fastens. Das ist dann eben seine eigene Situation. Weg gehen kann; der andere ist auch die ganze Welt, jeder andere. Man ver-
Nicht dieser besondere Moment ist dann so wichtig, doch alles, was traut darauf, daß er ihn in seinem Leben wohl auch finde, wenn es sein
zu diesem Moment geführt hat. Wer seinen Weg so gegangen ist, so geführt soll. Sicherlich wird man sich seiner annehmen, ihm erzählen, ihn lehren,
worden ist, hört die Stimme von Jonah in Niniveh. Und das ist dann der doch läßt man ihn entschieden seinen eigenen Weg gehen.
Augenblick des Erwachens, der Umkehr. Man kommt plötzlich zu sich Niniveh hielt es anders. Dort war man groß im Aufstellen von Irrleh-
selbst. Immer kann dieser Augenblick da sein, jeden Tag. Es ist dann der ren, in verfälschten Berichten, in Verschwommenheiten. Dessen wird
große Moment der Umkehr, der Versöhnung, es ist der Versöhnungstag. man sich mit einem Male bewußt, so daß man sich fragt, wie es nur
Wer wie Niniveh das Wunder Jonah mithört, wie es die 70 erzählen, möglich war.
die mit waren auf der Fahrt nach Tarschisch, das Wort von Jonah selbst Eine andere Bosheit, ein anderes ra in Niniveh, war das Stehlen und
vernimmt, wird durch dies Bekenntnis zu Rückkehr und Fasten ergriffen Rauhen. Beides nicht bloß wortwörtlich genommen, sondern in einem
und spürt, daß es um ihn selber geht. Jeder, der seinen Weg so geht, in vertieften Sinne. Stehlen und Rauhen ist auch die Verbreitung von Leh-
sicherer Führung, vernimmt ergriffen die Stimme Jonahs in Niniveh. Der ren und Tatsachen, die teilweise verändert oder unterschlagen werden.
Moment des Erwachens und der Umkehr ist gekommen. Plötzlich kommt! Das geht in aller Heimlichkeit vor sich, oder aber offen und gewalttätig.
man zu sich selbst. Das kann jederzeit geschehen, in diesem Augenblick, So kann man ein Weltbild festlegen, weglassend oder abtrennend und
der Tag der Versöhnung, die Heimkehr, der jom ki ppur, der 10. Tag des Fremdartiges ansetzend.
7. Monats ist da. Unversehens öffnet sich eine neue Welt, sodaß man sich Wer einem Menschen auf dem Weg zu Gott eine falsche Vorstellung
an den Kopf schlägt unvorstellbar, daß man selber es war, der so un- einpflanzt, stiehlt und raubt. Man muß selber tamim (400-40-10-40),
verständig handelte. ,,gan'z" sein und seine Wirklichkeit ,,heil" halten, nicht mit Unklarem ver-
Die Überlieferung (Pirke de R. Elieser) erzählt vom früheren Leben mengen, das vage Auslegungen zuläßt, keine Halbheit dulden. Sie wirkt
Ninivehs. Die Niniviter schrieben ganze Bücher voll Irrlehren. Man wußte wie Gift.
zwar, daß es einem an Weisheit gebrach, daß man gar nicht wissen konnte, Man darf seinen Nächsten nicht bestehlen. Seine ganze Persönlichkeit
und doch tat man so, als ob man wüßte. Und mit diesem unzureichenden ist zu sehen und seine ganze Art in Rechnung zu stellen. Es ist unerlaubt,
Wissen überzeugte man andere mit Lehren und Dogmen, die alle falsch ihn teilweise zu unterschlagen, weil das angenehmer und bequemer sein
und irreführend waren. Man sorgte für ein wissenschaftliches Kleid, und mag. Alles was getan wird, muß ganz getan werden; das wird erwartet.
die berauschten Menschen ließen sich durch die schön aufgebaute Argu-
mentation betören und wollten nichts wissen davon, daß alles auf Unter- ' vgl. Epheserbrief 4, 14. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCB
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292 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
7. Die wahre Reue 293
Das bedeutet, daß man unter keinen Umständen einem Götzendienst die Erzählung von Schimon bar J ochai, der schließlich eine neue Ordnung
(awoda sara, 70-2-6-4-5 7-200-5) verfallen darf. Denn es ist eine Unterlas- für das Geldwesen, die Märkte und die Badehäuser erließ. Man muß sich
sung des wirklichen Dienstes, eine Abkehr vom Wege. Es ist Lüge gegen- in dieser Welt begegnen. Jede Begegnung sollte so sein, daß sie zu neuem
über Gutgläubigen und bedeutet Diebstahl vor Gott. Hier gibt es keinen Leben führt, zu einem bisher verborgenen. Ist es doch so, daß diese Be-
Kompromiß. Und so gehört es sich in jedem Lebensbereich, denn alles gegnungen auch ein Weg zum Ziel sind, zum Kommen des Erlösers.
soll den Weg zu Gott betreten. Und darum sind die unfruchtbaren Begegnungen, wie sie mit dem
Wenn Niniveh so sündigt, sagen wir vielleicht, das seien läßliche Begriff des Homosexuellen und des Umganges mit Tieren charakterisiert
menschliche Sünden, wobei man nicht einmal merkt, daß man sich schul- sind, ein Abscheu für jeden, der weiß, was die Welt alles an Wundern
dig macht. So ist es allgemein, und man tut einfach mit. Das ist eben der birgt. Zeiten, da unfruchtbare Begegnungen auf allen denkbaren Gebieten
Rausch, wie er für Niniveh vor der Ernüchterung so charakteristisch ist. stattfinden, lassen eine Zunahme der Homosexualität im ganzen erken-
Ein weiteres ninivitisches ra ist der sexuelle Verkehr um seiner selbst nen. Ohne Umschweife kann man sagen, daß jeder sexuelle Verkehr mit
willen. Man meint dabei meistens die Homosexuellen oder den Umgang absichtlicher Verhinderung der Möglichkeit neuen Lebens verwerflich ist.
mit Tieren. Denn bei diesen Handlungen ist eine Frucht ausgeschlossen; Ein Verhalten, das einer Einstellung und einer Gesellschaft entspricht,
es bildet sich kein Leib zur Aufnahme einer ,,Neschamah". Der Umgang die nur Genuß und Reiz anstrebt. Eine eventuelle Frucht ist eher unwill-
aber ist allein für das neue Leben bestimmt, damit neue Neschamahs gebo- kommen, und wenn sie geduldet wird, dann mit gerunzelten Augenbrauen
ren werden und auch die ,,Neschamah" des Messias hier erscheine. Für und einem oft kaum heruntergeschluckten Fluch. Und das geht in allen
dies Ziel ist der Mensch gemacht, und so sollte er die geschlechtliche Ver- Lebensbereichen so zu, in den körperlichen ebenso wie in den zutiefst
bindung [Link] Niniveh hat die Lust des Beischlafs entdeckt, und er menschlichen. Man sucht nicht nach der Frucht, dem neuen Leben. Es ist
verschafft ihm Appetit und Anreize. Darin liegt wiederum eine Herab- einfach lästig. Hat man doch schon genug an den bestehenden Theorien
würdigung und Verkennung des Lebenswunders. Man spottet der Ehr- und Theologien; was soll man sich mit ,,neuem" Leben befassen müssen?
furcht. Es ist einem einzig daran gelegen, seine Reizbedürfnisse ungestört Das Unfruchtbare, damit will man spielen. Das alles ist die Sünde Ninivehs.
auszuleben. Und über diesen Sünden empfindet Niniveh nun Reue; es sieht, wie
Das sehen wir auf allen Gebieten, eine Verbindung ohne die Möglich- alles zugegangen ist und erkennt seine Erlebnisse als Sü[Link] hat es
keit der Frucht. Eine Schule kann ein Zusammensein bilden, mit der Ab- einen Schlüssel für viele Dinge des eigenen Lebens, der ihm vorher man-
sicht eines irdischen Lebensgenusses. In diesem Falle ein Sammeln von gelte. Man sieht die Zusammenhänge nun anders. Der ,,Midrasch Jonah"
Wissen, um das Spiel der Gesellschaft mitspielen zu können, um techni- drückt es so aus, daß man alle Sanktionen für sein Vorleben nun in Demut
schen Fortschritt zu erzielen, Karriere zu ermöglichen, Kinder zu be- annimmt. Und wäre es Steinigung, Verbrennung, Erwürgen oder Enthaup-
schäftigen oder sie zu quälen, um Lehrern ihre Bedürfnisse an Uberheb- tung. Man sieht jetzt die Gnade des nun eingetroffenen Geschehens ein.
lichkeit oder irgendwelche Reize zu befriedigen, usw. Eine Schule könnte Man erblickt darin die Rettung des Menschen. Nur der Rauschmensch
aber auch die Frucht bringen, das ,,Dritte", die Antwort. Sie könnte die verschwindet, der wirkliche Mensch aber wird wachgerüttelt und befreit.
Umkehr veranlassen, sie könnte auf den Gedanken bringen, daß die Welt Niniveh sieht nun die andere Welt, die olam ha-ba (70-6-30-40 5-2-1),
zu einem ganz anderen Zweck erschaffen wurde als zu dem, was man das die Welt des Ewigen, jetzt, wo es die große Weisheit, Güte und Gnade
,,normale" Weltbild nennt. Sie könnte menschliche Liebe zeugen, zwi- seines Loses gewahr wird, wie unbillig es auch dem genußsüchtigen Leben
schen Lehrer und Schüler, sie könnte die Schüler ihren Wert als Menschen erschienen ist; denn jetzt hält man tatsächlich den vermißten Schlüssel
für die Welt lehren. für sein ganzes Leben in Händen. Man ermißt seine frühere Torheit, und
Auch das Geschäftsleben kann zur Begegnung werden, sich zu beleh- man ist dankbar dafür, daß sich nun der Sinn des Lebens entfaltet und
ren, einander zu achten und sich Liebe entgegenzubringen. Man denke an man das früher Unbewältigte seines jetzt vollkommen gewordenen Da-
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

294 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 8. Disharmonie ist Diebstahl


VI. Das Leben jenseits dieses Lebens zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 295
I.

seins begreift. Und man schaudert, wozu man alles imstande gewesen ist. im ,,Tarschisch"-Schiff, das Fahrgeld schon im Voraus entrichtend, so war
Die Schwelle ist überschritten, eigentlich ist etwas geschehen, worauf Niniveh seinerseits dem Weg des ra gefolgt, dem ,,Ausatmen?''. Alles stand
man schon lange gewartet hatte. Warum hatte man sich über diese latente unter dem Zeichen der Flucht. Doch das ,Ausatmen'' führte bis an die
Erwartung nie Rechenschaft gegeben? Für jeden Menschen ist Jonah in Schwelle des Todes. Erst als die 70 das Wunder mit Jonah erlebt hatten,
der Zeit verloren gegangen, untergetaucht, um drei Tage und drei Nächte folgte dem Fortgehen das Heimholen, das ,,Einatmen". Und nun ist alles
in der Unterwelt zu weilen. Für jeden gilt das Zeichen des Fischwunders anders geworden. Unbekannte Proportionen werden sichtbar.
und die Rückkehr. Wie könnte man es mit lächerlichen Worten abtun Niniveh begreift nun, daß durch Diebstahl und Raub die Proportio-
und mit törichten Taten fortfahren, sogar jetzt, indem man seinem neuen nen verzerrt [Link] Ding hat bei der Schöpfung seine Bestimmung
Leben und den keimhaft vorgezeichneten Taten sich entgegenstellt? Und empfangen, und der 7. Tag ist die Welt, in der alles schon zur Vollendung
Jonah währt für alle Zeiten, und die Wahrheit im J onahbericht ist stets gekommen ist. Man kann an diesem Werk doch nichts verändern, ohne
und überall zu haben. Die taubengleich Ausfliegende, in unserer Zeitwelt die Harmonie der Schöpfung in Verwirrung zu bringen. Der Siebente Tag
Wesende, daraus Abgeschiedene und darauf im zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
furchteinflößenden Kern diese unsere Welt- ist doch da, damit sie aus der unausdenklichen
dieses Lebens, im sehr tief begründeten Niniveh, Erscheinende, dort von Ferne, von den äußersten Enden, zurückgeholt werde und die Verbindung
den Siebzig bereits angekündigt, sie ist schon jedermann begegnet. In von allem mit dem Ursprung wieder entstehe. Am Siebenten Tag soll
den Jahren hat man Jonah kennen gelernt, auf dem ,,Ich" ist er unser man alles, was einem als Ereignis, als Erscheinung oder als Gedanke begeg-
Begleiter, und sein Opfer ist der Grundstein unserer Rettung. net, von Gott abhängig machen, auf den Sinn beziehen. Stattdessen rük-
Wenn man in Niniveh Jonahs Stimme vernimmt, kommt es zum Fa- ken wir es von Ihm ab, ersinnen Theorien, die das Ziel nur verdunkeln
sten. Es geht Hand in Hand mit Einsicht; große Freude und großes Ent- und uns blind werden lassen für andere und für uns selbst.
setzen verbinden sich: man wird wach.
Doch nun bricht eine neue Erkenntnis durch, nun, da selbst Jonah in
Niniveh liegt im Osten, und ist daher tief im Menschen verborgen; es
Niniveh erscheint, nach allem, was ihm geschehen ist. Noch nie hat sich
ist von Urzeiten. Von Osten kommt der Mensch, und er geht nach Westen,
solch eine teschuwah ereignet wie die in Niniveh, berichtet die Über-
in jeder Hinsicht. Niniveh ist schon Aschurs Gründung; von Aschur, der
lieferung.
von Nimrod wegstrebt. Im Menschen liegt es tief verborgen, unter vielen
anderen Schichten. Doch nach diesem Niniveh begibt sich Jonah. Dort ist Wer etwas auf seinem Feld oder in seinem Weinberg fand, das ihm
der Körper des ,,Iwri" geformt, die Schrift, die Form der Buchstaben, nicht gehörte, suchte den Eigentümer auf und gab es zurück. Denn nichts,
der guph, der Körper im Vierfachen des Wortes. Er kommt aus Niniveh, was nicht dein eigen ist, kann bei dir bleiben. Du entstellst sonst das
von Aschur. Der Körper, der dank dem Fisch leben kann, der mit der richtige Bild, und der andere wird darunter leiden, daß ihm nun etwas
mangelt, das seinen Platz bei ihm hatte und ihn an diese Welt band.
,,12" lebt, der 12 als Zeit, und welcher der 12. als Ausdruck der Raum-
Zeit ist. Bis zu diesem Verborgensten dringt Jonah hindurch, dort erfüllt Überall, auf jedem Gebiet, muß die Harmonie herrschen. Der Mensch
sich seine Aufgabe. Er ist ja der Josephsohn, der Körperseite entsprossen, hat durch das ra eine eingeborene Mißgunst. Er will sich unentwegt aus-
Gott sendet ihn nach Niniveh, denn um die ,,große Stadt" geht es. Es breiten und seine Macht und seinen Einfluß vermehren, er möchte stets
geht um das Körper-Leben! reicher werden, mehr Jünger und Gefolgsleute haben. Und dafür schlägt
er den anderen Weg ein, auch wenn das nicht direkt geschieht oder in
8. Disharmonie ist Diebstahl bösartiger Absicht. Je der persönliche Ausdehnungsdrang schadet dem an-
deren. Die stärkere Machtposition des Besitzers mag den Arbeiter und
Und was erzählt nun die Überlieferung über die Einkehr Jonahs in Angestellten benachteiligen, und diese wiederum können den Arbeit-
Niniveh? Wie Jonah den Weg der Vielheit mitgegangen war, mitgefahren geber schädigen, besessen vom selben Drang. Die Konkurrenz sorgt da-
296 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 9. Das Verlieren und das Finden 297

für, daß es beständig drückende Verhältnisse gibt, und fortdauernd ent- und bereitet sich zum Streit vor. Man rühmt sich seiner Härte und Schlag-
steht Streit. kraft.
Ein Sich-ausbreiten-wollen liegt auch in der Rechthaberei. Denn der
Mensch herrscht doch über alles, sei es auch nur in seinen Gedanken und 9. Das Verlieren und das Finden
mit seiner Einsicht. Er findet Theorien, ihm ist bekannt, ihm steht es
darum zu, über andere zu urteilen und ihren Weg zu bestimmen. Man Ohne daß man die Absicht hätte zu rauben oder zu stehlen, findet
verkündet für jedermann die Freiheit der Ausdehnung, und schon beginnt man zuweilen fremder Leute Sachen bei sich vor. Der andere hat sie ver-
das Rauhen, Stehlen, Unterdrücken und Herrschen. Man weiß, wenn Is- loren. In diesem Fall wird vom Menschen eine Anstrengung erwartet, die
rael das Land bekommt, hat jeder sein festes Teil. Das goral, 3-200-30, der Habsucht widerstrebt. Man muß aus eigenem Antrieb fremdes Eigen-
das Los bestimmt es, der sogenannte Zufall. Und jeder der 12 hat sein tum zurückerstatten.
festes Teil unveräußerlich und jeder Veränderung entzogen. Unter allen Es brauchen nicht gerade eine verlorene Börse oder ein Juwel zu sein.
Umständen bleibt es so. Sogar wenn kein Sohn da ist, keine Erschei- Vielleicht hat man irgendwo eine Geschichte aufgeschnappt, achtet nicht
nungsform des Wesentlichen, sondern nur eine Tochter, die Erscheinung weiter darauf und meint, sie sich selber zuschreiben zu können. Eine Er-
des nur Körperlichen, auch dann bleibt der Teil bei dem Stamm, dem er findung kann einem so in den Schoß fallen. Menschen gehen vorüber,
zugeteilt ist. Und selbst, wenn sich untereinander, innerhalb des Stammes, und wir vergessen, daß eigentlich ihnen gehört, was wir nun als unseren
Besitzveränderungen ergeben haben, so kehrt doch alles nach Vollendung zyxwvutsrqpon
Besitz betrachten. Oft sagt man: ,,Ich denke das" oder ,,nach meiner An-
des Siebenten Tages, im Jobeljahr, dem 50., nach Ablauf der 7 mal 7, sicht ist es so", und vergißt dabei, daß andere den Gedanken in uns zu-
zurück. Das jowel (10-6-2-30)-Jahr beginnt sogleich nach dem ,,Jorn Kip- rückließen. Darum ist es Regel in der Überlieferung, stets im Namen des-
pur", im 50. Jahr. sen zu erzählen, von dem es stammt. Dann stößt man, der Kette der Be-
rich te nachspürend, bei den wesentlichen Dingen von selbst auf den Ur-
Was das Land betrifft, besteht also keine Möglichkeit, daß die Har-
sprung, wo Gott es dem Moses auf dem Sinai eröffnete. Gott hat, nieder-
monie gestört werde; die Schöpfung kann nicht aus dem Gleichgewicht
steigend zu Moses, das Wort in die Form gekleidet, die alles enthält, für
geraten. Denn es ist eine Störung der Schöpfung, wenn man sich nicht
alle Zeiten und alle Welten.
richten will nach dem Sinn der Schöpfung, sondern seinem Drang zur
Alles, was man in seinem Leben findet oder, wie es heißt, auf seinem
Selbstherrlichkeit die Zügel schießen läßt. Das ra läßt den Menschen in
Feld oder in seinem Weinberg, was jedoch einem anderen gehört, suche
weitoffene Jagdgründe hineinlaufen, wo er sich Güter aneignen kann, die
man zurückzugeben. ,,Feld" und ,,Weinberg" sind der Ort unseres Lebens.
ihm nicht zustehen. So schändet er den Siebenten Tag. Man kauft und
Ihr Wert ist denn auch: sadeh (300-4-5) und kerem (20-200-40). Auf dem
verkauft, weil man immer etwas anderes haben will und darauf aus ist,
Feld sind die Früchte, bekannt als chittah (8-9-5) und seorah (300-70-6-
Gewinn zu machen; man denkt, daß man das ohne weiteres tun darf oder
hält gar dieses Tun für Gott wohlgefällig, weil man es mit Eifer betreibt. 200-5), die erste und zweite in der Reihe der sieben Früchte ("Bauplan").
Neben dem Weizen und der Gerste finden sich auf dem Feld auch die an-
über alledem mißachtet und vergißt man den Sinn des Siebenten Tages,
der Welt. Der Körper, ,,die Form des Buchstabens", des ,,Zeichens", oth deren Früchte. Nur der Wein kommt von einem besonderen Stück Boden,
(1-6-400), ist ein Teil von ihr, er ist in der ,,Wohnung des Fisches", in dem kerem. Dort wächst jenes heran, was sich uns als Zweiheit, als Alter-
dem von Aschur gebauten Niniveh. native, offenbart. Die 260 in kerem verweisen den Weinberg also in den
Bereich der wesentlichen Zahl 26. Als 10-5-6-5 enthält diese ja auch die
Die Welt ist voll Expnasionsdrang, das ist die Wirkung vom razyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
. Man Alternative für uns, je nachdem wir die 10-5 von der 6-5 getrennt lassen
spricht von der Notwendigkeit, für sich selbst sorgen zu müssen, von oder die beiden Teile zu einer Einheit verbinden ("Bauplan").
Verteidigung gegen das Wachstum der anderen. Man sieht stets Gefahren Sadeh und kerem sind 309 und 260; zusammen bilden sie den Raum
,

298 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 1 [Link] baut sich sein Haus zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVU
299
'
unseres Lebens. Hier bewegen wir uns, in ihnen tun wir alles. Uns stehen des Auseinanderfallens einer Persönlichkeit. Man vermag seine Einheit
dort die 7 Früchte, die 7 Entwicklungsformen gegenüber; wir bebauen nicht zu bewahren. Man ziehe keinen Vorteil aus diesem Bruch einer
beides, Feld und Weingarten, und so verdanken diese sieben Entwick- Persönlichkeit. Man suche vielmehr, sie wiederherzustellen. Denn nichts
lungsformen ihre Pflege uns. Und unter den 7 ist die erste jene, die durch ist leichter, als für sich selbst einen Gewinn daraus zu schlagen. In Niniveh
uns zu Brot, die dritte Frucht, die durch uns zu Wein werden kann. Und haben sie den Weg des 1-2-4, das Verlorengehen, mitgemacht. Wenn die
der Wein stellt uns vor die Wahl: einszumachen oder es zwei bleiben zu Einheit wiederhergestellt werden soll, dann gehört dazu, allem wieder
lassen. Feld und Weinberg bilden zusammen den Wert 569. Sie bringen den rechten Platz zu geben.
uns bis an die Schwelle der 5 7 heran. Mit den sechs Buchstaben der Die Welt von Niniveh beruht zu einem wesentlichen Teil auf der Zer-
Wörter, also in Vollwerdung der 57, reichen sie bis 575, mit der Anzahl setzung von Persönlichem. Man könnte sagen, daß das Niniveh-Klima
der Worte bis 577, und dieser Wert ist schon tief im 58ten Bereich. 58 ist Gelegenheit bot, sich stets mehr zu verlieren, und damit war in Niniveh
der absolute Wert für unser Leben. Die 7 Früchte bieten ihn uns. An uns auch die Möglichkeit gegeben, über die Menschen zu herrschen. Der
liegt es, sie zu hegen und die Ernte einzubringen. Weg zurück besteht denn auch darin, diese Einheit des Einzelnen zu för-
Dort in unserem Feld oder Weinberg hat ein anderer etwas verloren. dern, die Aufmerksamkeit zu wecken und zu stärken, sie mit den Dingen
Wie könnte unsere Entwicklung richtig gedeihen, wenn wir dies Verlorene zu verbinden, durch welche die Einheit wiederhergestellt werden kann,
hehlen! Der Aufbau des Wortes für verlieren, awed (1-2-4)- aus 1 wird wie lange und gründlich sie auch immer gebrochen sein mochte.
2 und aus 2 wird 4 deutet den Weg der Einheit an, der sich in die Viel- Und dann erfolgt die Rückerstattung des Gestohlenen und Geraubten,
heit auflöst. also des Gutes, das man sich aus fremdem Besitz angeeignet hatte.
Bei uns, in unserem Leben, verliert ein anderer etwas. Sind wir dann
nicht verantwortlich? Sollen wir das Getrennte nicht zusammenfügen? 1 O. Jeder baut sich sein Haus
Er verlor vielleicht sein Vertrauen, seine Anhänglichkeit an Eltern, an die
Herkunft, die Verbindung mit dem Ehegatten. Ein Verlust, der im Abso-
Die Überlieferung im ,,Midrasch Jonah" erzählt eine Phase der Rück-
luten zählt. "'enn man Torheit verlor, gut, [Link] ist
kehr folgendermaßen: Man untersucht sein Haus, das einem Obdach
froh. Wenn die Bindung an das Böse riß, ist es ebenfalls gut. Darum kann
gewährt. Und wenn sich in dem Haus auch nur zehn Steine finden, die
es einem nicht gleichgültig sein, was einem anderen widerfährt, wenn er
man gestohlen und darauf eingemauert hat, so bricht man nötigenfalls
uns auf unserem Feld oder in unserem Weingarten besucht. Wenn das
das ganze Haus ab, bis man ihrer habhaft wird. Denn ein Haus kann nicht
Verlorene im Sinne der Thora Wert hat, dann ziehe man keinen Vorteil
bestehen bleiben, wenn auch nur ein Bruchteil davon gestohlen worden
aus einem solchen Verlust, anders wird es zur Störung der Harmonie des
ist. Es gehört zur Rückkehr, daß man ein solches Haus lieber preisgibt.
7. Tages, der Sabbatruhe. Wie mancher, der etwas verlor, weiß nicht, wo
Und auch der Königspalast, der einen gestohlenen Balken aufweist, wird
er es zurückgelassen hat, oder ist seines Verlustes noch gar nicht inne
nötigenfalls völlig abgebrochen, bis der dem rechtmäßigen Eigentümer
geworden.
gehörende Balken zum Vorschein kommt und zurückgegeben werden
Die Sorge erstreckt sich aber auch auf das auf der Straße Gefundene,
kann. Die Harmonie der Schöpfung muß wiederhergestellt werden. Jeder-
das niemand zu eigen ist.
manns Besitz ist außerhalb dieser Welt, schon vor der Schöpfung, festge-
Das abhanden Gekommene macht große Sorge. Der Strom des Lebens
legt und mit der Schöpfung Wirklichkeit geworden. Wer das am Siebenten
trennt oft, was aufeinander angewiesen ist. Der Verlierer ging eigentlich
Tag, wenn alles fertig und gut ist, in Frage stellt, der stört die Welt-
selbst verloren. Er geriet in das Auseinander, in Zerstreuung; er war sich
ordnung.
nicht bewußt, was geschah; seine Konzentration, seine „Einheit" zerfiel,
und so verlor er das Wesentliche. Diese Art von Verlieren ist ein Zeichen Das „Haus" ist die Welt, worin man wohnt, diese Welt der Zweiheit.

J
i
300 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 1 O. Jeder baut sich sein Haus 301
Darum beginnt die Bibel auch mit der großen Beth, der ,,Zwei" ("Bau- lieh zu bedeuten haben. Erst wenn der Tag da ist, kann der Traum gedeu-
plan"). tet werden in einer Übersetzung der Symbole.
Jeder Mensch baut sein eigenes Haus, worin er wohnt, schläft, ißt, Vieles bewegt uns im Leben, dessen Bedeutung wir nicht abschätzen
und Thora lernt. Und in dieser göttlich-menschlichen Tat gleicht er dem können. Menschen erscheinen und verschwinden aus unserem Gesichts-
Schöpfer. Das Haus muß schön sein und die harmonischen Maße spiegeln kreis. Oft möchte man ihnen etwas Besonderes mitteilen, doch sie sind
wie die Welt. Alles darin muß seinen Sinn und seinen Platz haben. Und schon wieder weg, bevor man Gelegenheit hatte, sich ihnen zu nähern.
wenn es auch nur eine Hütte ist, so muß sie doch so aufgeräumt sein, daß Wenn man es sich richtig vergegenwärtigt, sind das eigentlich Vorkomm-
jeder Gast sich darin wohlfühlt. Sie muß ein Bild einer vollkommenen nisse wie in der Nacht. Gute Dinge geschehen, und man weiß nicht, wem
Schöpfung sein, und ihr Bewohner soll in ihr das Licht des Schöpfers ver- sie zuzuschreiben sind, entsetzliches Unheil, und man weiß es nicht zu
breiten. Es ist unleidlich, wenn auch nur das geringste Unrecht als Bau- deuten. Ein Ereignis aus dem Unbekannten schneidet tief in unser Leben
material dieses Hauses diente. ein und verändert seine Bahn. Man begreift die Vielfalt der Formen nicht,
Dieser Grundsatz findet natürlich Anwendung auf das Haus, worin noch die schnellen Wandlungen oder die unerklärliche Starrheit. Alles
unsere äußere Erscheinung beherbergt ist. Doch gilt er auch für das Haus, fliegt wie ein Traum vorbei, außerordentlich Vieles vergißt man, so wie
das den Menschen hier vollständig, in seiner ganzen Vierheit, aufnimmt. man sich eines Traumes nicht mehr entsinnt. Und man hofft auf den Tag,
,,Haus" ist weit mehr als eine Frage der Architektur, wie auch ,,Feld" an dem sich einst der Durchblick einstellt. Eigentlich widerfährt einem
und „Weinberg" in dieser Sicht mehr sind als Gegenstand bäuerlichen alles wie in einem Traum. Selbst wenn die Erlösung kommt, meinen wir
Lebens. Es ist die Geborgenheit, in der sich im weitesten Sinne des zu träumen (Ps. 126).
Wortes - sowohl das aufnehmende Zuhören wie das Erzählen der Thora Ein Tappen in Finsternis, wo die Zusammenhänge nicht durchschaut
abspielt, aber auch das Essen und Schlafen. ,,Essen" ist die Auseinander- und nicht begriffen werden, macht das Leben der meisten aus. Man lebt
setzung mit allem Geschehen, das uns während des ganzen Lebens an- wie schlafend. Es gibt indessen auch die ,,Wächter in der Nacht", die zu
spricht, und seine Verarbeitung in unseren Gedanken. Das körperliche erkennen suchen, wie lang die Nacht noch dauern mag. Sie kennen die
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Essen ist das Symbol für alles sonst ,,Gegessene". Es hängt ganz von uns Struktur der Nacht, und sie halten Wacht im Haus Gottes in dieser Welt,
ab, was wir zu uns nehmen, und was wir ablehnen, womit wir gerne zur im Tempel. Aber alles andere schläft; der Zusammenhänge nicht bewußt,
Einheit verbunden sein wollen, und womit nicht. Täglich haben wir Ge- muß es auf die Deutung warten.
danken, Phantasien, Begegnungen mit Menschen und Dingen. Das alles Das Leben besteht für den Menschen auch hierin in einer Zweiheit.
geschieht in unserem Haus, in der ,,Zwei", im beth, weil stets das eine Er lebt am Tage und er lebt in der Nacht; beide Zustände erfährt er in
und das andere da ist, stets die Alternative und der Gegensatz vorkom- seinem „„Haus", das Ausdruck dieser Zweiheit ist. Wenn der Mensch schon
men. in der Nacht wachbleibt, die Welt um ihn her zeigt dann doch eine andere
Struktur. Er hat stets mit einer Welt in Zweiheit zu schaffen, mit einer
Man schläft auch im ,,Haus". Der Zustand des Nicht-Tuns ist es, das Realität des Tages und mit einer solchen der Nacht. Er hat zu tun mit
Gegenstück zur Betätigung tagsüber. Schlafen ist abwarten, was da kom- dem Menschen am Tag und mit dem Menschen in der Nacht. Und der
men will und welche Gestalt es annimmt. In der Überlieferung wird un- Mensch selbst ist so gemacht, daßer in seinem eigenen Leben ja auch die
sere Welt oft die der Nacht genannt, weil der Mensch noch von allem ab- Zweiheit hat; wie sehr er auch das Wachsein verlängert, er muß immer
hängig ist wie im Schlaf. So verstohlen kommt auch die Erlösung, wäh- wieder dem Schlaf nachgeben.
rend der Mensch nicht einmal merkt, daß sie schon da ist. Im Schlaf übt Die Stätte des ,,Schlafens" ist in seinem ,,Hause". Ein Nachtgeschehen
die Welt des Traumes ihre Herrschaft aus. Man sieht die Dinge auf sich ist auch das Zusammenkommen von Mann und Frau. Die Überlieferung
zukommen, ohne zu wissen, wie sie ausgelöst werden noch was sie eigent- lehnt es für den Tag ab. Die Einswerdung soll sich in der Nachtwelt voll-
M zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

302 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 10. Jeder baut sich sein Haus 303

ziehen. Wenn es Tag ist, dann ist die Eins da, dann tritt die Einheit anders Im Dunkel der Nacht findet die Einswerdung statt; sie gehört untrennbar
hervor. Was den Körper betrifft, kann man an verschiedenen Orten sein, zum Leben der Nachtwelt.
und doch ist man,,ein' Mann und Frau. In der Nacht geschieht aber auch Das ,,Haus" des Menschen faßt offensichtlich Vieles. Im Hause voll-
die leibliche Einswerdung; die ist ein echtes Nachtgeschehen. Denn man zieht sich sein ganzes Leben, seine Begegnungen, sein Vollständigmachen
tut, und doch weiß man nicht, was daraus werden wird, ob da überhaupt auf jedem Gebiet. Und darum muß das Haus nur aus Aufrichtigkeit er-
etwas entstehen kann, etwas hier Sichtbares. Mit der Nacht bildet sich baut sein, es darf nicht aus gestohlenem oder geraubtem Material beste-
die Grundlage für ein neues Leben. Darum wird dem Leben in dieser hen. Dadurch würden alle Vorgänge darin ihren Sinn verlieren, und es
Nacht-Welt eine solche Bedeutung beigemessen. Da findet zwischen dem geriete in heillose Verwirrung.
Menschen und der ,Umhüllung" - den Schalen- ein enger Kontakt Leviticus 14, 33 ff. wird von einem kranken Hause erzählt. Es ist die
statt, ohne daß der Mensch voraussieht, was daraus werden mag. Man hat Welt, in welcher der betreffende Mensch lebt. So ist es mitunter besser,
daher den Grundsatz aufgestellt: ,,Habe Verbindung mit den Dingen, das ganze Haus abzureißen. Solche Häuser sind eine Gefahr für den Men-
sei nicht gleichgültig, tu etwas mit ihnen, und tu dein Bestes für sie, schen wie für die Welt. Es ist doch so, daß im Haus alles geformt wird; im
auch wenn du das Resultat nicht kennst. Tue es umsonst". Und das Haus erlernt der Mensch das Wort und den Weg im Leben, im Haus er-
Verlangen des Menschen nach dem Erlebnis inniger Verbundenheit gehört lebt er die Welt, das Haus umfaßt wirklich alles, was er selbst hier ist, wie
zum Bedürfnis, sich selbst ganz zu geben, generös, umsonst, vertrauend er überhaupt hier leben kann dank der Welt, in der er erscheint. So ist
und Vertrauen schaffend. Darin bewährt sich sein Menschsein. Zumindest sein Haus seine Lebensnotwendigkeit. Dort in der Zwei, in der beth, hat
wenn er es dann nicht wieder berechnend für sich selbst benutzt, um da- er die Verpflichtung, die Eins zustandekommen zu lassen.
durch neuen Anreiz und Genuß zu erleben. Man sagt in der Überlieferung, Man muß darum das Haus gründlich untersuchen bei der Rückkehr,
daß die Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umhüllung schedim während der Fastenzeit. Was man sich von anderen angeeignet hat, muß
(300-4-10-40), Dämonen, hervorbringe, wenn die Verbindung- sei es herausgelöst werden. Man kann vieles im Hause haben, was einem an Ge-
mit der Frau oder den Dingen der Welt- nur um der Lust willen erfolge. schenken zukam, aber auch, was man anderen vorenthalten hat. Es gibt
Die Welt muß wohl voll von schedim sein. Nur gut, daß sie sterblich sind, viele Arten, dem anderen sein Glück zu stehlen: man kann ihm ein Buch
wie auch der Mensch. vorenthalten, man kann es unterlassen haben, ihm zu schreiben, oder
man hat ihm keine Gelegenheit gegeben, auch die Thora zu lernen, wäh-
Die Verbindung des Menschen mit den Dingen ist demnach ein Nacht- rend man doch dazu imstande war und er der Unterweisung bedurft
geschehen, und sie vollzieht sich mit unberechnendem Vertrauen. Die da-
hätte. Dann kann man mit dem, was eigentlich dem anderen zugekommen
mit verbundene Freude ist die Freude des Dürfens, die Freude des ,,um-
wäre, sein eigenes Haus ausschmücken. Und doch hatte der andere ein
sonst" Tuns. Nur der Nachtwelt ist diese Möglichkeit vorbehalten. Es ist
Recht darauf, denn von wo hatte man den Überfluß empfangen? Man soll
denn auch eine einzigartige Welt.
nicht sein eigenes Haus ausbauen und vergrößern, während der andere
Weil die Einswerdung, auf die es ankommt, ein Nachtgeschehen ist, nichts hat, womit er das seine bauen könnte.
gibt es soviel darüber zu erzählen. Nie weiß man ja, was da eigentlich ge- Es kann sogar sein, daß man den anderen kräftig Hand anlegen ließ,
schieht, und was hier alles in Schwingung versetzt wird. Denn die ganze um das eigene Haus prächtig zu machen. Das ist Raub. Wer entscheidet,
Schöpfung ist hinein verwoben, bis zum Himmel hin, bis zur Neschamah. ob sein Haus minder bedeutungsvoll ist als das deine? Es kann sein, daß
Darum wird auch vom Sinn in allem erzählt, und was die Tragweite des man dem anderen die Gelegenheit zu einem Gespräch verweigerte, weil
Geschehens ist. Denn die Schöpfung ist hier wie überall unvergleichlich man selber der Ruhe pflegen wollte. Solche Ruhe beruht auf gestohlenem
großartig und zeigt eine solche Mannigfaltigkeit an Erscheinungen und Gut. Es kann auch sein, daß ein anderer etwas entdeckte und zur erlö-
Werken, daß es unmöglich ist, diese Welt der Nacht selbst zu begreifen. senden Einheit verwenden wollte. Aber man war in Eigenem eifrig be-
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304 VI. Das Leben jenseits dieses Lebens zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
11 . Die zwei gestohlenen Bäume 305
schäftigt und entzog es ihm, weil man selbst von der Möglichkeit faszi- gar nicht sichtbar. Hier also soll gezeigt werden, daß ein Diebstahl oder
niert war, so die Einswerdung zustandezubringen. Voll Eifer mißach- ein Raub offenbar geworden ist. Das Sichtbare ist für den Menschen, das
tete man den anderen oder mißgönnte ihm den Erfolg. Auf diese Weise Verborgene ist für Gott (Deut. 29, 29). Wenn ein nicht sichtbarer, also
geraten da Steine und Balken ins Haus, die es unwahr machen. Denn da auch nicht bewußter Diebstahl stattgefunden hat, dann liegt er außerhalb
ist ein Auge, das alles sieht. Laß es auch zu dir sprechen, und wenn du des menschlichen Bereiches, nicht in dieser Welt. Ist er aber dem Men-
den Willen hast zurückzukehren, suche dann zuerst die Eigentümer, die schen bewußt, oder kann er es werden, dann liegt er in der Sichtbarkeit.
eigentlichen Eigentümer der Steine, aus denen dein Haus erbaut ist. Es geht also darum, ob der Diebstahl so geartet ist, daß er auch als
Es würde zu weit führen, all die Arten und Formen von Raub und solcher vom Täter hier erkannt werden und dieser davon betroffen sein
Diebstahl hier aufzuzählen. Diebstahl ist eine Tat im Geheimen; der an- kann. Zwei großgewordene Bäume stehen im Garten. Bäume wie auch
dere wird des Verlustes erst gar nicht gewahr. Raub begehst du unter sei- Weinstöcke sind Resultate der Entwicklung. So wie sie sind, hätte man sie
nen Augen, mit Gewalt, durch Macht, durch deine Stellung. Und das si- niemals stehlen können. Dann hätte man sie auch beim anderen ausreißen
cher nicht nur dank deiner Verfügung über überflüssig viel Geld oder müssen. Nein, den Samen hat man weggenommen, das Prinzip, und das
deine stärkere gesellschaftliche Position. hat man bei sich keimen und wachsen lassen, man hat den Setzling ge-
Doch Niniveh läßt in der Suche nicht so bald nach. Es gibt alles zu- hegt und gepflegt.
rück. Rückkehr kann nicht sein, ohne daß man die Ungerechtigkeiten Ein Diebstahl, wie er hier gemeint ist, geht weit über das hinaus, was
gutmacht. Das läßt sich nicht billig mit einer Art ,,Wiedergutmachung" wir gemeinhin als Entwendung bezeichnen. Die betreffende Sache steht
erledigen und mit scheinheiligem Getue. Wobei die Absicht deutlich ist, in unserem Eigentum. Wir fühlen uns mit gutem Gewissen als ihr Besitzer.
anderen klar vor Augen zu führen, daß man auf einmal ,,fromm" gewor- Sie ist im eigenen Erdreich, im eigenen Leben gewachsen, wir haben sie
den ist. Rückkehr ist das Ernsthafteste, das Entscheidenste im Leben. umsorgt, und wir haben lange an ihrer Entwicklung teilgenommen. Jetzt
Der Stand des Menschen in seiner ,,Ninivehphase". zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
plötzlich soll man von ihr Abschied nehmen. Das ist sehr viel verlangt.
Aber der Keim war doch gestohlen. Rechtens hätte er sich anderswo ent-
11. Die zwei gestohlenen Bäume wickelt, die Pflanze hätte dann bei dem anderen gegrünt und sein Herz
erfreut. Vielleicht zahlte man einem Angestellten einen mageren Lohn
Die Überlieferung erzählt auch von zwei Bäumen in einem Garten, aus, und so schlug der zum Baum herangewachsene Keim nicht in sei-
die einem anderen gehörten, oder zwei Weinstöcken in einem Weinberg, nem Garten, in seinem gan, 3-50 ("Bauplan") Wurzeln, sondern entfal-
die man einem anderen weggenommen hatte; die Niniviter gehen hin, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcb
tete sich in deinem. Das Ersparte legtest du auf die Seite für das Stu-
reißen sie aus und bringen sie dem rechtmäßigen Eigentümer zurück. dium deines Sohnes, im Gedanken, daß der Angestellte ja nicht zu kurz
Man stutzt - wieso ausgerechnet zwei Bäume, zwei Weinstöcke, die komme. Du interessiertest dich nicht für sein Leben. Und inzwischen
gestohlen worden waren? wuchs'. der Baum bei dir heran. Ein Baum ist ein Leben. Es stellen sich
Warum der Nachdruck, daß ausdrücklich von ,,zwei" die Rede ist? Früchte ein, und er steht inmitten von deinen anderen Bäumen. Wenden
In der Überlieferung steht die ,,Zwei" stets zur Feststellung einer Mani- wir uns dem Beispiel des Weinstockes zu. Der andere hätte eine Gelegen-
festation. Es erscheint hier nur etwas, wenn es das absolute Merkmal der heit gehabt, den Wein zur Heiligung darzubringen. Doch jetzt reift die
,,Zwei" hat. Das eine und das andere. So spricht man von den zwei Zeu- Traube bei dir. Doch ihm gehörte der Schößling, deshalb mußt du nun
gen, den zwei Haaren, als Zeichen der Volljährigkeit, den zwei schwarzen die Rebe aus deinem Weinberg ausgraben.
Haaren der roten Kuh, hängt es doch zusammen mit dem Zeichen, in Das Andere braucht keine bestimmte Person zu sein. Vielleicht ist es
dem diese Welt der großen Beth geschaffen wird, auch als die ,,Zwei. eine Gruppe oder etwas nicht näher Umschriebenes, jedenfalls ist es eines
Was immer hier erscheint, wird schon ,,zwei" geheißen; anders wäre es anderen und nicht dir. So wie der Midrasch die Geschichte von Jonah
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 13. Das Fasten erweckt den Lebenswillen 307
I

erzählt, so ist der Weg der Rückkehr. Die Angelegenheit ist höchst wich- das Kleid von anderen unvollständig. Auf Kosten anderer hat man sich
tig, sie räumt nämlich mit aller Täuschung, auch mit dem Selbstbetrug sein Kleid gefertigt. Vielleicht hat man den anderen öffentlich als Heuch-
auf. ler herabgesetzt, aber sich das Kleid des Weisen und Aufrechten ange-
maßt, dem anderen aber ein Stück seines Kleides geraubt. Vielleicht hat
12. Das befleckte Kleid man ihn auch dadurch verächtlich gemacht, daß man seine Dienstleistung
als Sünde bezeichnete und so die eigene Rechtschaffenheit hervorzustrei-
Zum Fasten und zur Rückkehr gehört auch die Weisung, daß ein chen verstand. Es gibt viele Arten, das Kleid des anderen zu verunglimp-
Kleidungsstück, in dem sich zwei Fäden befinden, die aus einem ,Dieb- fen, um das eigene vorteilhafter erstrahlen zu lassen. Wo immer das ge-
stahl" oder einem „Raub" stammen, aufgetrennt werde, um die beiden schehen ist, muß das ganze Kleid erneuert werden.
Fäden herauszuziehen und sie dem Eigentümer wiederzuerstatten.
Dieser Text macht noch deutlicher, daß die Überlieferung mit sol- 13. Das Fasten erweckt den Lebenswillen
chen Anweisungen eben nur ein jederzeit einleuchtendes Bild zu dem
Zwecke verwendet, um über etwas ganz Anderes zu reden. Denn zu allen Das Fasten ist nicht etwa ein Stillsitzen, das mit dem sogenannten
Zeiten gibt es einen Baum, eine Rebe, ein Haus oder ein Kleid in dieser frommen Nachdenken einhergeht. Während des Fastens unternimmt der
Welt. Und sobald man den Hintergrund der Dinge wichtig nimmt, dann Niniviter viele Dinge. Das ganze Leben wird der Durchsicht unterzogen.
kann man mit Hilfe dieser Bilder finden, worum es wirklich geht. Was wir Unerbittlich tritt man gegen die eingedrungenen Feinde auf, gleich wie
hier als Baum, als Rebe, als Haus oder Kleid vorfinden, bezeugt nur ihr beim Betreten des Gelobten Landes. Auch dort muß man durchgreifen
Vorhandensein auf allen Ebenen, überall. Und dann wird man zu entdek- gegen jene, die es besetzt halten. Das ist die Strenge gegen sich [Link]
ken beginnen, was sie dort bedeuten. Man entdeckt also den eigentlichen anderen lasse man in Ruhe, was Kritik oder gar ein hartes Urteil über sie
Sinn dieser Dinge in ihrer sichtbaren Erscheinung. angeht. Die anderen überführe man mit Nachsicht und trete ihnen mit
Das Kleid ist die Umhüllung des Menschen. Eine Umhüllung, die er Achtung und Liebe entgegen. Denn dann werden auch sie den Weg fin-
wechseln kann, und wodurch er hier überhaupt sichtbar wird. Er benö- den können. Nur sich gegenüber muß man entschieden sein und die Fein-
tigt das Material dieser Welt, um sich das Kleid zu verfertigen. Für den de ausrotten. Denn man selbst ist die Welt, und für diese Welt ist man
Zurückkehrenden muß es ein ,,heiles", fleckenloses sein. Es darf nicht auch verantwortlich, nur für diese. Für deine Welt allein führt Gott das
den geringsten Flecken aufweisen. Lieber soll man ganz von vorne begin- Gespräch mit dir, mit jedem Menschen, jetzt und allezeit.
nen, als sich einer unwahrhaften Umhüllung zu bedienen. Das Kleid ist Fasten heißt zom (90-6-40). Das Wort ist aufgebaut aus den Buchsta-
unerträglich, solange die Fäden, die einem anderen gehören, noch in es ben der Fischhaken,zade, dem waw, hier dem Zeichen für den Menschen,
verwoben bleiben. Das sei aber schade zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
für das ganze Kleid nur wegen und mem, dem Wasser ("Symbolik"). Der Mensch holt die Fische aus
dieser zwei Fäden, wird man sagen. Das ganze Kleid kann aber nicht dem Wasser, der Mensch, der am Wasser den Angelhaken auswirft. In
zustandekommen ohne die zwei Fäden. Das besagt, daß dies Leben kei- erster Linie holt er sich selber heraus. Das ist auch der Sinn des Fastens,
nen Kompromiß verträgt. Um das Leben zu feilschen, das ist sinnlos. daß man aus der Zeit herausgeholt wird. Man wendet sich vom Zeitfluß
Ist aber das „Kleid", die Art und Weise, in der wir auftreten und hier ab, man kehrt zurück. Wie die ,, 70" zurückgekehrt sind und wie Jonah
handeln, unecht, dann muß man sich ein anderes Kleid beschaffen. Ubri- aus dem Wasser geholt wurde und nun im ,,Haus des Fisches" eingekehrt
gens wird das Kleid ohne die zwei Fäden ohnehin so zerschlissen sein, ist.
daß es nicht mehr ganz zu machen ist. Man gehe nur der Sache auf den Noch etwas Unbegreifliches tun die Niniviter im Gefolge der Umkehr.
Grund. Man untersuche einmal sein Kleid und achte darauf, ob nicht Sie trennen die Mütter von den Kindern, bei den Menschen wie auch bei
ein Unrecht ihm einverwoben sei. Als Folge dieses ,,Diebstahls" bleibt ja den Tieren ("Midrasch Jonah" und ,,Pirke de R. Elieser"). Die Säuglinge
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,
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 13. Das Fasten erweckt den Lebenswillen 309
sehen ihre Mütter und schreien nach Milch, und die Mütter sehen die Kin- alles zu Ende. Wer so spricht, hat nicht begriffen, was diese Welt ist. Er
der und können doch nicht zu ihnen. Dasselbe spielt sich bei den Tieren hat sich nie die Mühe genommen, darüber nachzudenken, warum nur das
ab. Leben hier in seiner unendlichen Mannigfaltigkeit, in der Eindringlich-
Hier erhebt sich das Rufen nach Barmherzigkeit, rachamim. Denn ist keit der Sinneseindrücke mit einem so ausgesprochenen Lebenswillen
da nicht der Tod angekündet, das Ende in der Zeit? Verlassen werden von und einer derartigen Zähigkeit erscheint. Wäre das alles nur so etwas wie
der Mutter! Sie hat ihre Kinder doch geboren, warum bekümmert sie sich ein kostspieliges Versehen?
nicht weiterhin um dies Leben? Wozu denn alles, dies Leben mit all sei- Wer die Rückkehr kennt, wird von großer Barmherzigkeit ergriffen.
nem Leid und seiner Mühsal? Wenn die Geschöpfe dann doch im Stich Denn der Mensch lernt allein in der Kraft der Rückkehr diese Seite Gottes
gelassen werden, was sollen dann die Geburten? Und die Tiere, inwiefern kennen. Man redet so viel von Barmherzigkeit und noch viel mehr vom
haben sie sich schuldig gemacht? Sie folgen dem Weg, den Gott ihnen Erbarmen Gottes, ohne zu wissen, was es ist. Soviel trifft zu, daß der
vorgezeichnet hat. Und doch müssen sie sterben, oft furchtbar grausam, Mensch, der von der Umkehr zu Gott nichts weiß, auch nicht begreifen
die Welt ist voll von ihren Angst- und Schmerzesschreien. Und ist der kann, was Barmherzigkeit ist. Der Beweis dafür liegt auf der Hand. Selten
Körper des Menschen nicht gleich einem Tier? Was kann er schon tun, sind Hochmut und Heuchelei größer als bei jenen, die stets das Wort
ist er doch geschaffen und zur Welt gebracht worden, und jetzt stellt Barmherzigkeit im Munde führen.
Jonah allem den Tod in Aussicht! Rachamim ist eine Kraft, die alle für unumstößlich gehaltene Gesetz-
Die Kinder rufen nach der Mutter, die jungen Tiere schreien nach mäßigkeit aufhebt. Rachamim bringt etwas völlig Neues in die Welt. Und
der Milch, chalaw (8-30-2 =zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
40). Es ist die 40, die sie bekommen, diese zwar vor allem das, was das Wort mit seiner so tiefen Bedeutung versieht,
Zeit. Warum ist diese Zeit begrenzt durch ein Ende, eine Hinwegnahme? der Liebe der Mutter zum Kinde, der Mutter, die ihr Kind in der rechem
Man fühlt sich so verlassen, wie diese Kinder sich verlassen fühlen. Und getragen hat.
was wissen diese Kinder vom Bösen? Und was die Tiere, die so geschaf- In der teschuwah taucht diese Bitte um Erhaltung auf, und der
fen sind, wie sie sind? Mensch trägt die Bitte dann auch Gott vor: ,,Sieh, die Mütter und ihre
Die Rückkehr zu Gott geht nicht etwa so vor sich, daß der Mensch Kinder, sieh die Generationen hier in ihrem ständigen "Abgeschnitten-
gleichmütig von der Welt Abschied nimmt. Im Gegenteil, gerade jetzt, werden", in der Pein, welche die Trennung stets mit sich bringt. Was ist
wo dem Menschen die Bedeutung der Rückkehr aufgeht, spürt er, was der mit diesem Schreien und Jammern der Welt, und was ist mit all dem Kum-
Baum des Lebens wirklich ist, nämlich der Baum, der ,,Frucht ist und mer der Trennung?"
Frucht macht". Man erfährt in ihm die Harmonie der Zweiheit. Der Wenn diese Bitte zu Gott aufsteigt, dann wird rachamim wirksam,
Zwillings-Tag des Fastens erstreckt sich ja über drei Tage. Man erlebt und dann erst sieht der Niniveh-Mensch ein, was rachamim ist. Der Tod
dann, daß der Sinn des Lebens in der Rückkehr besteht, in der Hinwen- über Niniveh wird hinweggenommen. Am Ende der 40 ist kein Tod.
dung zum Ursprung, während man doch hier leben bleibt. Dann erkennt Statt des Weges von Niniveh vom Leben zum Tod wandelt jetzt die
man auch, daß das eine das andere keineswegs ausschließt, daß der Tod Umkehr des Menschen das ra zum tow (s.u.a. Kommentar Raschi und
das Leben nicht auslöscht. So heißt es denn auch in der Überlieferung Ibn Esra 3, 4). Das gleiche Wort ,,Umkehrung" wird auch gebraucht für
von der Umkehr: ,,Sie errettet vom Tode". sedom, das ,,Umgekehrte", die Welt, die vernichtet wird. Nie aber kommt
Das Flehen um dieses Leben, um diese Welt und ihre Erhaltung, ist diese „Umkehrung", diese Vernichtung, über den Menschen, der selber
nur umso stärker und inniger, als man eben im Fasten den Sinn des Le- umkehrt. Wenn man Jonah vernommen hat, so kehrt der Ninivite alles
bens wiedererkennt. Man gibt nicht auf mit der trockenen Feststellung: bei sich um, und es geschieht, daß Gott es sieht und seinen Beschluß
Diese Welt war doch nichts, nur ein Tränental, und wir sind froh, daß wir aufhebt, wonach Niniveh untergehen müßte.
ihm nun entrinnen. Wir gehen in eine andere Welt ein, denn hier geht ja Man sollte einmal den Versuch machen, die biblische Erzählung vom
13. Das Fasten erweckt den Lebenswillen 311
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens
Historisch-Zeitlichen abgelöst zu sehen. Unsere chronologische Zeitrech- brochen wirkt, so bricht es auch in unsere Wirklichkeit durch, jeden Tag
nung soll durchaus nicht bestritten werden. Es gibt aber außerdem noch aufs neue. Und weil die Schöpfung ihren Kern in dem biblischen Bericht
ein anderes Zeiterleben. Geschichtlich betrachtet ist festzustellen, daß hat und dieser Kern das Wort ist, das alle Geschehnisse hervorbringt, ist
Niniveh schließlich doch untergeht, und daß auch alle jene Menschen dieser Kern auch in jedem Menschen da. Denn der Mensch ist gleich dem
gestorben sind. Nach dieser Auffassung müßte auch bestritten werden, Welt-Geschehen. So lebt denn in jedem Menschen auch Niniveh, Jerusa-
daß Niniveh mit der großen Zahl seiner Zwölfheiten wirklich eine so lem, Mizraim. Wendet sich der Mensch Gott zu, dann schaut er auch das
mächtige Stadt war. Jede historische Anschauung des Bibeltextes stößt echte, immer gegenwärtige Niniveh, das dennoch einmal verschwinden
auf fragwürdige Tatbestände und unglaubwürdige Übertreibungen. Nicht wird, und er schaut auch das wahrhafte, überzeitliche Jerusalem, dessen
zu reden von maßlosen Zahlen, welche die Überlieferung ihrerseits wei- Maßstäbe im Ewigen gründen. Aber all dies geschichtlich und geographisch
tergibt. Man könnte beinahe sagen, damit der Glaube auf die härteste zu suchen, und je nach Befund beifällig zu nicken oder bedenklich den
Probe gestellt wird. Will man diese Berichte realistisch nehmen, so springt Kopf zu schütteln, das ist ebenso einfältig wie jemand, der meint, daß er
in einem finsteren
ihre Phantastik in die Augen. Aber den Menschen, welche zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
die Überlie- Raum dadurch Licht machen könne, indem er viel
rung durch Tausende von Jahren weitergetragen haben, kam es indes redet. Solange er nicht wirklich Licht macht, bleibt es dunkel.
nicht auf eine moralische Wirkung an, und sie waren auch nicht einfach Darum zeugt es von Weisheit, daß man die Bibel ernst nimmt und zu
Chronisten. Sie zeichneten sich aus als weise, als bedachtsam, bescheiden allererst Niniveh einmal hier sucht, in diesem Leben und bei sich selber.
und rein. Sollten sie sich der geographischen und historischen Ungereimt- Man sollte sich davon überzeugen, was für dieses Niniveh gilt, daß es
heiten etwa nicht bewußt gewesen sein? Sollten sie den Nachfahren nämlich nach 40 Tagen untergehen wird. Es ist dann am Ende, sobald
wirklich zugemutet haben, einer Behauptung Glauben zu schenken wie die ,,40" im Absoluten erfüllt sind. Und es lebt auch in uns der erste
derjenigen, daß auf dem beschränkten Gebiete von Israel 600 000 Städte Auftrag an Jonah weiter, ebenso wie dessen ,,Flucht" nach Tarschisch,
Platz gefunden hätten? Könnte Jerusalem solche Menschenmassen gefaßt kurzum, der ganze Bericht vom Anfang bis zum Ende lebt ununterbro-
haben? Geographisch gesehen ist das alles ausgeschlossen, schon die be- chen mit uns. Aber was ist bewußt geworden, wieviel davon hat in unse-
schwerlichen Hügel und Berge schließen eine Riesenbevölkerung aus. Und rem Leben schon seinen Ausdruck gefunden? Vielleicht liegt die Umkehr
so findet sich noch vieles andere, was einem modernen ,aufgeklärten" von Niniveh, das Fasten und der Hinweis auf die Mutter und die Kin-
Denken ein Greuel ist. der so tief begraben, daß sie in diesem Leben nie hervortreten. Die Mög-
Was wir historisch sehen ist völlig verschieden von dem, worüber die lichkeit freilich ist dafür jederzeit gegeben. Wenn sich der Mensch alles
Bibel spricht. Man kann ohne Vorbehalt sagen, daß das Gesehene nur bewußt macht, es wirklich ernst nimmt, dann kann es fürwahr lebendig
der ,,stoffliche" Überrest ist; das ihnen zugehörige Leben ist an einem werden. Die Geschichte von Jonah wartet in einem jeden von uns nur
ganz anderen Orte. Daher sind auch die Maßstäbe, nach denen wir urtei- darauf.
len, ungerecht und unanwendbar. Der Sinn des Bibel-Wortes ist ein völlig Macht der Mensch die Phase ,,Niniveh" in seinem eigenen Leben
anderer: In seinem Text liegt ein stetsfort erneuerter, ewiger Wert. durch, dann enthüllt sich für ihn auch Gottes Barmherzigkeit, Gottes
Niniveh ist heute nicht weniger aktuell als je, die Botschaft nicht ,,Sinnesänderung", und er weiß nunmehr, daß sein Leben hier bestimmt
weniger dringlich als damals, als der biblische Bericht von Jonah abgefaßt seinen Fortgang nehmen wird. Vielleicht nicht für die Augen der anderen,
wurde. Historisch wird nur erzählt, wie sich das ewige Prinzip einmal in aber was jene Augen sehen, ist nicht das wirkliche Leben. Er aber wird
dieser Welt ausgedrückt hat, es seinen bestimmten Ort und seine be- merken, daß alles wirklich fortbesteht, wie es hier erschienen ist, genauso,
stimmte Zeit hatte. Aber auch dies Geschehen kann einzig mit den Maß- nur fehlt der Hauch des Todes über allem.
stäben des Absoluten wiedergegeben werden, durch dessen Kraft allein Es kann diese Phase für jeden einzelnen Menschen hier beginnen,
die Ereignisse stattfinden konnten. Und weil das Wesentliche ununter- sie kann ebenso zu einem Zustand in der Welt werden. Doch gelten dafür

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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens i
14. Die Ur-Sache und ihr Eigentümer 313
andere Maßstäbe als jene des für sein Leben verantwortlichen Menschen. Jemand kauft ein altes verfallenes Haus. Er will es abreißen und am
Diese anderen Maßstäbe können von unserem Standort aus nicht unter- gleichen Platz sich ein schönes neues Haus bauen. Wie die Arbeiten im
sucht werden. Das rachamim Gottes in dieser Welt äußert sich als das Un- Gange sind, findet er im Keller einen Schatz, der dort lange verborgen
erwartete, als Überraschung; es ist der Plan der Schöpfung, daß das Er- gewesen sein muß. Der Mann eilt mit dem Schatz zum früheren Eigentü-
barmen herbeigeführt werde. Wenn es soweit ist, dann ist im Menschen mer mit den Worten, daß er ihm sein Eigentum wiederbringe. Gekauft
und bei Gott viel geschehen. Doch dies entzieht sich unserem Urteil; habe er bloß ein Haus, nicht aber diesen unbezahlbaren Schatz. Der Ver-
wir können es in dieser Welt bloß in Empfang nehmen. Es ist chen, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
die käufer will aber nichts davon wissen. Er findet, er habe alles verkauft.
Gnade, als 58 die biblische Erfüllungszeit für diese Welt ("Bauplan"). Wenn der neue Eigentümer unversehens auf einen Schatz gestoßen sei,
Im 10. Vers des 3. Kapitels Jonah wird das Wort wajinachem (6-10- so habe er eben Glück gehabt.
50-8-40) für Gottes Sinnesänderung verwendet. Die Übersetzung dafür Aber der Käufer läßt das nicht gelten. Und man begibt sich zum
lautet, ,,daß es Gott reute". Man darf es als das Hervortreten der verbor- Richter. Beide tragen ihren Standpunkt vor, keiner will den Reichtum
genen Seite Gottes auffassen: Das Erbarmen, das bisher verborgen gewe- haben. Der Richter erklärt sich für unzuständig, doch schließlich bequemt
sen war, die Seite von rachamim, hebt die Geltung von din auf und wan- er sich, der Geschichte des Hauses und seines Geheimnisses nachzugehen.
delt din.
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA Schließlich stellt sich heraus, daß der Erbauer, der vier Generationen
Dem Menschen hatte es immer geschienen, als ob einzig und allein zuvor dieses Haus erstellte, den Schatz vergraben hatte. Und der Fund
din alles bewirke, und nun ist auf einmal ein ganz anderes Prinzip da. ging an den zurück, dem das Eigentum zukam. Als Gott dies sah, griff Er
Alles ist verändert. ein und wendete das Los Ninivehs vom Tod zum Leben.
Es fällt auf, daß die Wurzel des Wortes ,,bereuen" 50-8 ist. Auch das Der Sinn dieser Geschichte ist leicht verständlich. Ein Schatz verleiht
Wort für ,,trösten" gehört zum selben Stamme 58, es ist der Begriff dem Menschen das höchste, grenzenlose Glück. Mit den köstlichsten Ju-
nachem (50-8-40). Einer der Namen des Messias heißt menachem, der welen aber bliebe der Mensch sterblich, und das Unheil könnte ihn tref-
Tröster. Und weil dessen Kommen unberechenbar ist, entstand bei der fen. Doch dieser Schatz umfaßt alles Gute, alles Bleibende. Das meint
Namengebung unter den Juden der Brauch, an den Namen Menachem die Überlieferung, wenn sie einen Schatz erwähnt.
(40-50-8-40), noch den Namen Mendel anzuhängen. Es ist die jiddische Findet man in dem Haus, das einem zu eigen geworden ist, einen
Benennung für Mandel. Hebräisch schaked (300-100-4), ein Wort, das auch solchen Schatz, so ist man darüber im klaren, daß man nichts dafür kann,
,zeitig, früh, schnell" bedeutet. Und der Tröster kommt tatsächlich als und daß der Schatz nicht eigenes Verdienst ist. Der Verkäufer seinerseits
Erlöser stets unverhofft, als plötzlicher Durchbruch. Es heißt denn auch weiß, daß auch er ebenso wenig Anspruch auf diesen Schatz hat. Ohne
von der Mandel, daß sie als erste blühe. sein Zutun lag der Schatz in seinem Haus, in seiner Welt. Beide weigerten
Wie weit die Zeit vorgerückt ist, dafür reichen unsere üblichen Zeit- sich, das Eigentumsrecht an diesem Schatz geltend zu machen, denn sie
maße nicht aus. Die Welt kann bloß dies wissen, daß jeder Moment der wissen, daß er aus einer anderen Welt zu ihnen gekommen ist. Der Rich-
Erlösungsmoment sein kann, und daß die ersehnte Erlösung für alles, was ter, dem es zukommt, auf dieses Dilemma eine Antwort zu erteilen,
lebt, für alles, was noch leidet, unversehens da sein mag. Die Erlösung forscht weiter. Vier Generationen weit zurück findet sich die Ursache.
für diese ganze zahlreiche Welt, die als solche Niniveh heißt. Die Bibel spricht stets von den ,,drei oder vier Generationen". Ebenso
kennen wir die drei und die vier Welten. Was vier Generationen zurück-
14. Die Ur-Sache und ihr Eigentümer liegt, gehört demnach der olam aziluth, der ersten der vier Welten an,
der Welt am nächsten bei Gott. Es gehört sogar zur Krone des Königs,
In dieser Niniveh-Welt, erzählt die Überlieferung im Midrasch Jonah, kether, die über allen vier Welten steht.
spielt sich nun das Folgende ab. Die Geschichte ist ziemlich bekannt. Wenn der Spruch des Richters ergangen ist, dann wird der Schatz dem
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 14. Die Ur-Sache und ihr Eigentümer 315
wahren Eigentümer zurückerstattet. Wer einsieht, daß der Fund einer un- und Diebstahl. Niniveh kennt kein Fasten und keine Umkehr, solange
schätzbaren Kostbarkeit kein Eigentum begründet, weil dieser Anspruch man sich dort nicht alles Geraubten und alles Gestohlenen aufrichtig
ein Raub oder Diebstahl wäre, der muß mit seiner Frage an den Richter entledigt hat. Auch wenn es drei oder vier Geschlechter zurückliegt, drei
gelangen. Und das Urteil des Richters wird lauten, daß dieser Schatz oder vier Welten. Der wahre Richter in uns wird es schon finden, wenn
einzig in Gott seinen Ursprung habe. Alle Weisheit und alles Glück, die ihm mit der Frage keine Ruhe gelassen wird. Sofern noch der wahre Rich-
wir in unserem Haus, unserem beth, in unserer Welt, finden, müssen die ter in uns lebendig ist, und nicht längst schon der Richter Sodoms auf-
Frage aufwerfen, von wem sie eigentlich stammen. Würden wir nämlich kam, der so urteilt, daß stets die Machthaber Recht bekommen, wie im-
alles uns selbst zuschreiben, indem wir uns damit begnügen zu sagen, wir mer auch die Tatsachen liegen.
hätten es ja selbst gefunden, dann wäre das Raub und Diebstahl. Findet der wahre Richter, der in uns selbst, die angemessene Ant-
Wir können nicht leugnen, daß dieses wunderbare Ganze weder dem wort, so wird auch der anfängliche Raub, der alles andere nach sich zieht,
Menschengeist zu verdanken ist, noch etwa unserer unermüdlichen Streb- zum Ungeschehenen. Denn je ehrlicher man gewillt ist, jeglichen Raub
samkeit. Dagegen kommen keine Kunstfertigkeit und keine Phantasie auf. zurückzuerstatten, desto näher gelangt man an die Kapitalfrage nach
Das Wunderbare ist uns mit der Welt vererbt worden. Also wendet man dem im Hause vorgefundenen Schatz. Alles Rauhen besteht weiter, solan-
sich mit der Frage an die Väter, von denen man es empfangen hat. Doch ge man diesen Schatz noch dem einen Urheber vorenthält.
auch diese müssen eingestehen, daß auch sie es empfangen haben. Wenn Sobald aber die Zueignung zur Tat wird, dann ist für Niniveh das Ur-
keiner in der Reihe derer, die sich in so unerhörter Weise beschenkt se- teil seines Endes ,,in 40 Tagen" aufgehoben. Plötzlich tritt für Niniveh
hen, Raub begehen will, so suchen sie weiter, bis sie endlich den wahren die andere Seite ans Licht, und man erkennt wieder den Baum, der
Eigentümer ausgemacht haben. Sagen wir aber: ,,Wir haben uns entwickelt, ,,Frucht ist und Frucht macht". So geht es jedem in seinem Leben, wenn
die Erfahrung von Jahrmillionen lehrte es uns", dann ist das Raub. Dann er gründlich mit allem Raub und Diebstahl abrechnet.
machen wir uns selbst oder unsere Ahnen zu Eigentümern des Schatzes.
Die Schöpfung fordert indessen, daß man den Eigentümer suche und Die Überlieferung erinnert an andere Fälle, da die Zweiheiten durch
nicht ruhe, ehe man ihn gefunden hat. Und wer ernstlich sucht, der findet ihr sich zurückbesinnendes Handeln bewirken, daß am Ende Gott er-
das Geheimnis der ,, Vier Welten", den Gott, der über alledem thront. scheint. Wer seine Stellung und Macht dahingibt, der trifft einen anderen,
Und dann erkennt man Ihm die Herrschaft und Verfügung darüber zu. der nun seinerseits dasselbe tut. Wo man sich aber auf das ra beruft, sein
Dann erkennt man in Ihm auch den Vater, der alles vermag, der Güte er- ,,wohlerworbenes Recht", und seine natürlichen Interessen wahrnimmt,
weisen und Glück spenden will. Und dann erkennt man auch, wenn man wo man sich mit der Härte des Existenzkampfes rechtfertigt, dort bleibt
soweit ist, daß Gott mit dem middath ha-rachamim regiert, in Verbin- die Zweiheit bestehen. Wo aber Zweiheit herrscht, gibt es keine Antwort.
dung mit dem middath ha-din. Dort, im Wesen, sind beide Eins. Das din Der Mensch kann dann nicht begreifen, wie diese Welt regiert wird, ob
rachamim ist eins, Erbarmen Gerechtigkeit. durch Recht oder durch Barmherzigkeit. Einmal liegt der Akzent auf dem
Vorgefundener großer Reichtum weckt die Begehrlichkeit, sich sei- einen, und dann wieder auf dem anderen. Und es setzen sich in dieser
ner gierig zu bemächtigen und ihn gedankenlos zu nutzen. Bestenfalls Weise Streit, Unsicherheit, Unruhe und Tod fort. Das ist Niniveh, bevor
überträgt man seine Dankbarkeit auf die vorangegangenen Generationen, Jonah kommt. Unsere Welt, die noch der Zweiheit unterworfen ist.
von denen dies Erbteil empfangen wurde. Man springt nach Belieben mit Ich denke an die Geschichte von den zwei Brüdern. Ihre Äcker stie-
dem Schatze um, man bemüht sich ganz und gar nicht um den ursprüng- ßen aneinander. Der eine hatte Frau und Kinder, der andere stand allein.
lichen Eigentü[Link] man vermeidet es sogar, an die Herkunft des Schat- Als die Ernte eingebracht war, lag der eine Bruder in der Nacht wach
zes zu denken. Man ist viel zu sehr beschäftigt und von seiner Selbstein- und überlegte, daß er mit Frau und Kindern gesegnet sei, sein Bruder
genommenheit erfüllt. Der Midrasch nennt dies ohne Umschweife Raub aber einsam. Und er beschloß, einen Teil seiner Ernte in der Nacht, wäh-
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
15. Die Folgen der Umkehr für die Neschamah 317
rend der Bruder schlief, auf seinen Acker zu tragen. Der sollte es ja nicht el werden? Und dieses Leben des 7. Tages, dieser Welt der Erscheinun-
merken. gen, bedeutet auch für Jonah, daß seine Geschichte ohne Ende immer
Doch auch der andere lag wach und bedachte, daß sein Bruder mit weitergehen wird, täglich sich wiederholend. Von seinem ersten göttli-
seiner ganzen Familie mehr nötig habe als er. Und so beschloß auch er, chen Auftrag über das oniah und den Weg nach Tarschisch, über das Ver-
einen Teil seiner Ernte nachts heimlich zu seinem Bruder zu schaffen. schwinden im Wasser, über den Fisch und die Rückkehr nach Niniveh.
So taten sie beide, und sie konnten es gar nicht verstehen, daß an- Wäre Niniveh nicht zur Umkehr gelangt, so könnte man ein Ende seiner
derntags ihr Besitz gleich groß geblieben war. Also wiederholten sie zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZY
Existenz erwarten, so ginge schließlich auch die Zeit des 7. Tages zuende.
Nacht für Nacht die Beschenkung des Bruders. Bis sie sich in einer Nacht Dann wäre auch Jonahs Angst vor dem Exil zur Ruhe gekommen.
begegneten, jeder beladen mit seinem Sack. Dann erst begriffen sie. Die Verbannung bedeutet immerwährende Leib-Werdung. Das Wort
Überlieferung berichtet, daß Gott, der alles sah, an diesem Platz sein galuth, 3-30-6-400, mit der Wurzel g-l, 3-30, trägt diesen Sinn schon in
Haus, den Tempel, zu bauen beschloß. Dort wollte Gott wohnen. Denn sich. Das Wort für Rad, für das sich Drehen, galgal, 3-30-3-30, weist eben-
Gottes Wohnung ist ja die Stätte, wo die Zwei zur Eins wird. überall, falls darauf hin.
wo das geschieht, ist Gottes Wohnung. Und dies gilt in der ganzen Welt, Diese 3-30, zusammen mit der 300, hat Jonah schon im Fische durch-
jederzeit und überall, immer wieder als Überraschung, weil wir wie Träu- gestanden, und wenn Niniveh erhalten bleibt, so bleibt doch auch dieser
mende sind, weil wir in der Nacht leben und vom wahren Zeitmaß der Fisch immer weiter erhalten. Der Fisch, der immer wieder den Menschen
Welt nichts wissen. Es ist das Maß nicht automatisch, nicht unpersönlich, verschlingen wird, um ihm in der Welt der Zeit Leben zu geben, nachdem
sondern ein lebendiges Maß. Der Wille, sich zu geben, und nicht das Sich- der Mensch die Welt der Einheit verlassen hat.
behaupten-wollen, ein durch Kompromißlosigkeit gezeichnetes Leben, Dennoch bringt Jonah den Fisch, den Leviathan, zur messianischen
unkonformistisch, das ist es, was die Zwei zur Eins macht, was rachamim Mahlzeit, nach seiner Erfahrung im Bauch des Fisches. Ja, sowohl das
und din zum Reimen bringt. Dadurch wird überhaupt das Leben begrün- eine wie das andere geschieht! Ist das Leben nicht ,,der Baum, der
det, auch wenn der Ruf des baldigen Todes in alle Häuser und Ohren Frucht ist und Frucht macht"? Eben nicht nur der einseitige ,,Baum,
dringt. Denn der Punkt ist erreicht, wo die teschuwah beginnen kann. der Frucht macht"?
Jonah findet keine Ruhe, es kommt keine Entspannung für Israel.
15. Die Folgen der Umkehr für die Neschamah Denn von Niniveh geht die Gefahr der Gefangennahme aus. Für die zehn
Stämme ist es Aschur, für den Rest ist es Babel. Beide werden sie die be-
Schon gleich am ersten Tag verkündet Jonah in Niniveh seine Bot- grenzte Welt, in der Israel die Verbannung verbringt. Es ist die Verban-
schaft, und Niniveh antwortet umgehend. Ohne Zögern kommt die Um- nung, der Sinn dieser Welt, es ist eben der Alltag, wie man ihn kennt.
kehr und nimmt Niniveh das Fasten auf sich. Jonah weiß nun, weiß un- Und das ist wahrhaftig keine Kleinigkeit.
umstößlich, daß Gott Niniveh ein anderes als das verkündigte Schicksal Der Wert der Namen der beiden Urheber der Gefangenschaft, Aschur
bereiten wird. Denn Jonah kennt die geheime Kraft der Umkehr und des und Babel, ergibt denn auch die sinnreiche Zahl 541 (1-300-6-200 und
Fastens. Niniveh wird nun bleiben ... ! 2-2-30); es ist die Zahl Israels (10-300-200-1-30).
Denn wenn jemand schon einmal den Weg der Umkehr gekostet hat, Das ist es, was Jonah so erregt, daß Niniveh weiterdauern wird; daß
kann er nicht mehr anders. Er hat den wahren Weg des Lebens gefunden, neben der Befriedigung und dem Glück der Rückkehr das andere, das ra
wie könnte er diesen Weg je wieder verlassen? nach wie vor bestehen wird. Wenn Niniveh aber bestehen bleibt, dann
Da Niniveh erhalten bleibt, bleibt folglich auch der Ort erhalten, von bedeutet das, daß Israel den Weg in die Gefangenschaft gehen muß. Wenn
wo aus die Verbannung über Israel kommen wird. Es bedeutet, daß das die Schöpfung soweit zustandekommt, daß sich der erste Teil des 6. Ta-
Leben des 7. Tages weitergehen wird wie eh und je. Was soll nun aus lsra- ges erfüllt hat, dann ist die Notwendigkeit gegeben, daß der Mensch nun
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 16. Das Geheimnis Israel 319

auch erscheinen wird und daß er damit in die Verbannung eintritt. Ja, und Strafe. Doch das Wunder macht wach und durch das Wunder glaubt
wenn bei Gott noch vor der Schöpfung die Idee auftaucht, den Menschen man nun und hat man Vertrauen. Und das ist das Besondere an der Um-
zu erschaffen, so sind Niniveh und Aschur schon da, und das will sagen, kehr-Möglichkeit in Niniveh. Irr diesem Niniveh wird Israel seinen Körper
daß nun zuerst für Gott, für die Schechinah, die Verbannung in Erschei- finden, seine Verbannung ("Esther").
nung treten wird. Die Sinnesänderung Ninivehs beweist, daß diese Welt bestehen bleibt,
Wenn das Wort zu leben beginnt, dann setzt das voraus, daß die Buch- der Teil ,,Baum, der Frucht macht" neben dem Teil ,,Baum, der Frucht
staben kommen, die Form des Wortes. Und das ist schon die Gefangen- ist". Diese Seite ist gerade die unendlich fortdauernde, runde Zeit.
schaft, das ist schon Aschur sowie Niniveh, die ,,große Stadt" in Aschur.
Darum nimmt der Buchstabe nun, der Fisch, einen so wichtigen Platz 16. Das Geheimnis Israel
ein. Der Buchstabe ,,50" ("Bauplan") zeigt die Vervollständigung an.
Und J ehoschua ist der Sohn des ,,Nun". Er bringt Israel ins Gelobte Land Gott sieht, wie Niniveh Teschuwah übt, obwohl es in der Zeit gefan-
am Achten Tag. Der nun, der Fisch, der in Niniveh wohnt. Das Schluß- gen ist. Es besitzt keine Aussicht, daß es dadurch sein Geschick wendet.
nun gilt denn auch als der ideale Buchstabe, denn wenn er den Schluß Sollte Gott nicht das Leiden und die Angst dieser Welt kennen? Unter
macht, dann ist die andere Welt schon da. Darum heißt das Ende der diesen Umständen von jedem Rausch und aller Betäubung abzusehen,
Tage nicht kez ha jamim (100-90 5-10-40-10-40), sondern kez ha-jamin das ist etwas Großartiges. Dazu wurde die Schöpfung gemacht, um dar-
(100-90 5-10-40-10-50), obwohl die Mehrzahl von ,,Tag" gewöhnlich zutun, wozu der Mensch in dieser Welt fähig ist. Ungeachtet allen Elends
jamim lautet. Es ist der 14. Buchstabe, welcher den Begriff ,,David" und des empörenden Unrechts doch den vollen, ehrlichen Weg der Rück-
(4-6-4) vollendet. Und der volle Wert beträgt 106 (50-6-50); 106 aber ist kehr wählen zu können. Der Sinn der Schöpfung erfüllt sich in diesem
das Maß, kaw (100-6). Es ist die besondere Meßschnur, von der sich das Vertrauen des Menschen in dieser Zeitwelt.
Wort ,,versammeln" und ,,Hoffnung" ableiten. Israel hingegen, heißt es, kehrt seinen starren Sinn nicht um, und dar-
Mit dem Kommen der Buchstaben ist auch schon die Verbannung da, um muß es ins Exil. Das ist es, was Jonah so bedrückt; denn er ist doch
und diese Verbannung hat ihren ganz besonderen Wert im nun, im Fisch. ein Prophet Israels.
Hier ist der große Widerstreit der Zweiheit. Man macht ja nun die Warum aber übt Israel keine Teschuwah? Schon in der Thora wird ja
Rückkehr mit, das Einatmen. Gott atmet die Schöpfung wieder ein, davon geredet; und die Thora ist doch schon vor der Schöpfung bei Gott;
nimmt sie zurück. Und dann ist da die Freude, das überblicken aller Din- denn Gott baut ja ihr gemäß die Schöpfung. Doch schon ist im Wort fest-
ge. Was ist Niniveh denn noch weiter hier vorbehalten? Es hat doch seine gelegt, was wir aus den folgenden Stellen kennen: Lev. 26, 1446, Deut.
Funktion erfüllt! Was bedeutet die Umkehr Ninivehs, die so unerhörte 28, 15-68, 31, 27 ff und Deut. 32, 1-43. Fast alles ist abhängig von
und vollkommene? Die Überlieferung weist darauf hin, daß keine einzige dieser Hartnäckigkeit Israels, vom Starrsinn, der schon vorher festzuste-
Teschuwah so gründlich und vollkommen ist. Niniveh liefert wirklich das hen scheint bis und mit der Verwüstung und Verbannung. Ist es nicht
prinzipielle Beispiel; wie man in dieser Welt, im 7. Tag die Umkehr voll- sonderbar, daß ausgerechnet das Israel, das Gott seine Geliebte und sei-
bringen kann, so wird es nie und nirgends wieder sein. Denn diese Welt nen Augapfel nennt, und auf das er stets Acht hat, all das tut und doch
sieht das Wunder, es wird ihr vordemonstriert, durch di zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
e ,70" und mit Gottes Geliebte bleibt?
dem Bericht von Jonah. In dieser Welt besteht die Möglichkeit einer Hin- Es ist völlig verfehlt, wenn man, wie es vielfach geschieht, sich selbst
gabe an Gott wie in keiner anderen, und zwar gerade deshalb, weil man auf scheinheiligste Weise als treue Diener Gottes herausstreicht und auf
in der Zeit ist. Man erblickt nicht, und darum tut man ,,umsonst". Man Israel als ein einsichtsloses, abgefallenes Volk verweist. Als ob man froh
sieht das Wunder, aber seine eigene Bestimmung sieht man nicht, man wäre, daß Gottes Geliebte sich so beträgt. Es kommt darin die furchtbare
erkennt nicht die verborgene Zielsetzung in allem, man sieht nicht Lohn Eifersucht und Mißgunst desjenigen zum Ausdruck, der nicht Israel ist.
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
16. Das Geheimnis Israel 32 1
Denn alle die Tadler Israels zeichnen sich aus durch Grausamkeit und übertragen kann, ebenso wenig kann man die ,,Sünde" Israels so ohne
Verleumdung, im Ergreifen der Welt mit all ihren sogenannten Verlok- weiteres in unsere Verhältnisse verpflanzen. Adam ,war" nicht so ein-
kungen, in der Ausübung aller Arten von Unzucht, Betäubung und Rausch. fältig und dumm, daß er den Apfel aß, wie es von dieser seltsamen, alles
Israel aber zeigt, selbst im historischen Sinn, diese ausdauernde Treue zu beurteilenden und alles besser wissenden Welt verstanden wird. Adams
Gott, diese ergreifende Anhänglichkeit durch alle Schicksale der Ge- Tun ist ein Drama, unfaßbar als Opfer, zu groß, um es gleich zu begrei-
schichte hindurch, diese Übung der Teschuwah und das unermüdliche fen. Gott hat die Welt so gemacht, und es ist ein Teil sogar ein grund-
Tun ,,umsonst". Ich rede hier nicht von Juden nach Rasse oder nach legender Teil - von Gottes Opfer und Gottes Liebe zur ganzen Welt.
Nationalität, welche sich im Leben als Heiden benehmen. Ich rede nicht Und Kajin ist nicht nur so ein Totschläger. Durch Kajin tritt diese Welt
von solchen Heiden-Wissenschaftern und Heiden-Rabbinern. Wir wollen in Erscheinung. Und Noach ist kein Trunkenbold und Sarah keine harte
uns nicht mit ihnen aufhalten. Ich meine jenes Israel, das stets, auch als Herrscherin, welche die arme Hagar erbarmungslos in die Wüste schickt.
Gruppe, treu blieb und das Allerhöchste aus seiner Mitte hervorkommen Nein, es ist alles Gottes Tun, und darum ist es besser, die Bibel nicht zu
ließ und läßt. Und ich meine jenes Israel in jedem einzelnen Menschen, lesen, als mit diesem Widerwillen, und sich selbst und ihr zu schaden. So
sofern die ,,Eins" in ihm wachgeworden ist gegenüber den ,,70", und wo kann ich weiterfahren. Jakob ist kein schlauer Betrüger, David kein Mör-
diese ,,Eins" die ,70" bindet und mit einbezieht in das Heilige. In dieser der, Salomoh kein eingebildeter Mann. Alles steht auf einer ganz anderen
Welt der Mengung kann Israel überall sein und überall nicht sein. Wir Ebene. Wie auch Jonah nicht allein nur durch einen der Fische, die im
können es meist kaum beurteilen, wohl einigermaßen spüren. Mittelmeer vorkommen, verschluckt wird, wie Niniveh nicht bloß archä-
Um dies Israel geht es. Das Israel, das Gott kennt und wirklich stets ologisch gesucht werden muß, und wie der Tempel nicht gebaut werden
den Weg der Teschuwah und des Fastens geht. Dieses Israel ist in der kann durch ein amerikanisches oder israelisches Architekturbüro unter
Verbannung. Und sein Weg im Entfliehen ist das große Geheimnis dieser Aufsicht eines Rabbinerrats.
Welt. Wenn es so leicht aufzuspüren wäre, die Thora würde es nicht ver-
bergen. Dann wäre es eine logische Angelegenheit, jeder würde es sehen, Ich habe in meinen vorigen Büchern und vor allem auch in den Vorle-
und die Geschichte wäre damit abgeschlossen. Aber das Geheimnis be- sungen danach getrachtet, auf die allumfassende Bedeutung des biblischen
steht eben darin: warum nun diese Menschen mit ihrer Größe, ihrer Berichts hinzuweisen. So muß man auch die Sünde Israels auffassen.
Treue, neben ihrem unsagbaren Leiden. Und nochmals: Israel nicht nur als ,,Rasse", denn ihrer sehr viele haben
Ja, warum?! Warum die Verbannung der Schechinah, warum das mit Israel nichts zu schaffen, während es andererseits dort wieder viele
Leiden des Messias, des Sohnes Josephs, der, wie die Überlieferung er- gibt, die sehr viel damit zu tun haben.
zählt, den Weg für die Erlösung bereitet. Warum läuft Jonah weg, der Die Sünde Israels liegt auf dem Niveau von Adams Essen vom Baum der
Jonah, von dem wir nun wohl doch gesehen haben, daß er nicht eine be- Erkenntnis, von Kajins Tat, von Noachs Leben und der Tewa, von Jakob
liebige historische Gestalt war? und Esau, von David, von Moses und Aharon. Israels Sünde ist das Hin-
In derselben Perspektive erscheint auch Israels Gefangenschaft. Sie ist wegfliehen vom Ursprung (und dadurch auch vom Gelobten Land), wie
schon vorbestimmt und bildet eine Grundlage der Welt. In der Bibel die Schechinah aus dem Ursprung scheidet und sich in diese Welt begibt,
heißt das: Entfliehen, wie auch die Schöpfung eine Flucht hinweg vom wie die Neschamah herabsteigt in den Menschen.
Ursprung ist. Israel ist schon vor-weltlich, es ist der Iwri von der anderen Und gegen dieses hier bleiben Müssen richtet sich Jonahs Widerstand.
Seite, Israel ist wie die Neschamah. Und das Wegfliehen nimmt in der Ihm bangt davor - muß es denn so bleiben auf dieser Erde? Ihm däm-
Zeit die Gestalt der Verbannung Israels an, entsprechend der Gefangen- mert das Bewußtsein, was es zu bedeuten hat, daß die Schöpfung ewig
schaft der Neschamah ("Esther"). ist; ewig ist dann auch dieser Baum, der Frucht macht, Realität bleibt.
Wie man die Berichte der Bibel nicht ohne weiteres auf unsere Zeit Ewig nach Maßstäben, die er dort überblicken kann.
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 17. Der Gegensatz und die Einheit der zwei Welten 323

net. Die beiden Bäume finden sich vereinigt in dem einen Mittelpunkt.
Das ist wieder etwas, was unserer Erfahrung widerspricht, und weil wir
17. Der Gegensatz und die Einheit der zwei Welten zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
es uns nicht vorstellen können, nennt man es auch zur Bewußtmachung
Das Erbarmen Gottes ist bei diesen Geschöpfen, die an diesem Leben eine Ellipse.
hängen, die die Sonne genießen, Hoffnung und Erwartung hegen. In die- Wann das geschieht? Man bedenke, was die 58 bedeutet. Die Über-
ser Welt ist etwas ganz Besonderes, eine Kraft, die genauso das Göttliche lie ferung (Pirke de R. Elieser) drückt es so aus, daß Ninivehs Teschuwah
widerspiegelt, wie die andere Welt, die Welt der Umkehr. Gott macht bewirkt, daß die Stadt nicht nach 40 Tagen hinweggenommen wird,
diese Welt nicht, um sie wieder rückgängig zu machen. Er macht sie als sondern erst nach 40 Jahren ("Bauplan"). So kommt die ,,Zeit" für diese
etwas ganz Unerhörtes, als das Großartigste, das man sich vorstellen Welt. Dann, nach den 40 Jahren, ist die Einheit dieser mit der anderen
kann wie sollte er diese Welt wieder auslöschen wollen? Welt da, in dem Sinne, daß diese Welt wohl besteht, doch als eine harmo-
In diese Welt sendet Gott auch den Erlöser. Und doch wird diese nische Einheit mit der anderen Welt. Dann heißt es, daß die letzte Nescha-
Welt bleiben, zusammen mit der anderen; denn nur zusammen bilden sie mah auch geboren ist ("Esther"), und dann ist die Zeit in der Tat als für
die Einheit. In der Verbindung dessen, was uns hier als Zweiheit in Atem sich stehende, losgelöst vom Andern erfahrene Realität vorbei. Dann
hält, zeigt sich dort das Geheimnis der Einheit, das man hier nicht kennt. beginnt die ,,50".
Vielleicht daß einst auch für diese Welt hier ein Ende kommt. Aber nicht Man vergleiche das auch mit der Wüstenwanderung Israels, die 40
im Begriff unserer Zeit. In unserer Zeit fahren die Neschamahs fort zu Jahre dauert, ,,weil die Sünde der sieben Völker noch nicht voll war".
kommen, und Niniveh bleibt das Gefäß für die Gefangenschaft. Die letz- Auch dort geht es um diese 40. Und wir sehen als Gegenstück dazu dann
te Neschamah, was ist das in den Zeitmaßstäben? Das muß bedeuten, daß auch das Geschehen mit dem egei, dem Kalb, und mit den meraglim,
auch die Zeit ein Ende nimmt. Was aber ist mit dem Teil, der den Namen den Kundschaftern ("Bauplan"). Ist die Sünde der anderen nicht ,,voll,
trägt ,,der Frucht macht"? Wird der Mensch dann ein Leben haben, das weil sich mit Israel dies Geschehen ereignet, oder geschieht Israel solches,
hier, in der Zeit, und dort ist, wo die Rückkehr Realität geworden ist? weil die Sünde der anderen noch nicht voll ist?
Die Verheißung in der Überlieferung an Israel ist denn auch ,,diese Welt Schon wieder fällt Israel eine Rolle zu, damit die 40 voll werden.
und die andere". Bis dahin heißt diese Welt die Welt Edoms, Esaus, des Wirklich, man ereifere sich nicht über die Verstockung und den Abfall
Körperlichen, und gibt Israel diese Welt auch stets, fortwährend auf. Israels. Sie machen es einem leicht, und man steigt im Ereifern in der
Prinzipiell wendet es sich davon ab. Diese Welt enthält das ra, und Israel eigenen Achtung. Man benötigt sie offenbar und benimmt sich doch in
vermeidet das ra und sucht das tow. Von Israel heißt es, daß es die olam seinem Leben so lächerlich. Israel ist Gottes geliebter Sohn, und Gott
ha-ba hat;jene Welt ist für die gegenwärtige Zeit immer die ,,kommende". kennt die Wirklichkeit. Israels Tun läuft parallel zum Tun Gottes bei der
Doch einmal trifft dies kommende ein, und dann verbindet Israel beide Schöpfung, und sein Los ist dasselbe. Israel ist stets das Höchste, das der
Welten. Einmal - wie lange noch? Mensch überhaupt erreichen kann. Und unausgesetzt ist es da; ob es nun
Das Körperliche, das Wort, bekommt das, was im Absoluten die ,,58" durch einen einzigen Menschen in einer Generation Person wird oder
heißt. Wir haben dafür viele Vorbilder angetroffen. Dann, wenn die 58 durch viele, wir wissen es nicht und können es nicht beurteilen. Man den-
da ist, kommt die Verbindung zustande. Dann ist die Zweiheit der ke auch an die Geschichte der 36 Zadikim ("Esther"). Es ist wohl sicher,
Bäume, die des Baumes der Erkenntnis gegenüber dem Baum des Lebens, daß es stets mehrere sind, mehrere sowohl innerhalb dessen, was hier, im
aufgehoben. Dann umfaßt der Kern beide als Einheit. Man sagt, daß bis Äußerlichen, als Israel gilt, als auch dessen, was hier nicht mit seinem
dahin die Welt im Wesen einer Ellipse gleicht, mit zwei Mittelpunkten, Namen genannt werden kann und doch auch Israel ist.
wobei in jedem von beiden einer der Bäume steht. Am Schluß wird die Es ist das Gegenstück für die Möglichkeit der Fortdauer der sieben
Ellipsen- [Link] Kreisform, die sich durch den einen Mittelpunkt auszeich- Völker, dieses Geschehen mit Israel; die 40 Jahre können dadurch voll
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 18. Trockenes Wasser 325

werden. Es ist die Grundlage für den Bestand dieser Zeitwelt, die nach fürchtend, habe keine Weigerung bedeutet. Jonah verbirgt sich, wie es
den Maßstäben des in der Zeit lebenden Menschen ewig ist. Der Baum, heißt, vor dem zweiten Auftrag. Den ersten hat er gehört. Doch alles, was
der Frucht macht, ist eine Realität. als ,,Eins" hier erscheint, ist noch nicht wirklich erschienen; es kann un-
Und es ist das, was Jonah niederdrückt, wenn er merkt, daß für diese ter Umständen als unwirklich, als nicht unbedingt nötig, vernommen
Welt, für dieses Niniveh, alles in der Zeit verbleiben wird. Denn er ist doch werden. So ruft Gott z. B. auch Abraham zweimal (Gen. 22, 11), ebenso
mit Niniveh verbunden, durch ihn besteht es. Er ist doch der Mensch des den Moses (Ex. 3, 4). Damit ist es sicher, daß Gott spricht. Es ist die eine
Fisches? Und damit weiß Jonah auch, daß er hinfort durch die Zeit an Seite, die gerufen wird, und die andere Seite.
Niniveh gefesselt sein wird. Bis auf diesen Tag, dürfen wir hinzufügen. So ist der erste Ruf an Jonah noch nicht entscheidend. Und um dem
Denn noch immer liest man Jonah, vor allem am kritischen Punkt des zweiten zu entgehen, flieht Jonah in die Zeit. Aus Angst vor dem Weg der
Jorn Kippur, dann wenn es auch darum geht, ob diese Zeitwelt weiter Teschuwah, den Niniveh gewiß beschreiten wird, wenn er dort mit der
bestehen bleiben wird oder nicht. Je des Jahr wieder, immer wenn der göttlichen Botschaft erscheint. Jonah kennt die Kraft des rachamim, und
Moment im sich umwälzenden Zeitrade gekommen ist, ist auch der kri- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
er weiß, daß Israel auf Grund des Schöpfungsplanes den Weg seiner Te-
tische Punkt. Und dann vernimmt die Welt wieder, daß durch die Teschu- schuwah nicht gehen wird, und daß damit die Verbannung unabwendbar
wah Niniveh bleiben wird, und der Alltag kehrt wieder, der Alltag des wird.
neuen Jahrs, bis man übers Jahr wieder Jonah begegnet am selben Platz. Die Flucht übers Meer, sein sich in der Zeit Verbergen, auf dem oniah
In jedem Leben kann sich jeden Moment dieser Jorn Kippur einstel- mit Tarschisch als Ziel, entspringt der Unschlüssigkeit und der Angst vor
len. Für die Welt tritt er stets als Realität auf am zehnten Tag des siebten den Konsequenzen der Schöpfung. Das spielt sich sozusagen zwischen den
Monats. beiden Teilen der ,,Zwei", der beth, ab, womit diese Schöpfung zustan-
dekommt. Zwischen den beiden Teilen ist da die Angst und die Flucht.
18. Trockenes Wasser Es spielt sich alles ,,droben" ab.
Darum spiegelt sich das alles auch in jedem einzelnen Menschen wi-
Die alten Kommentare über Jonah heben seine Angst vor der galuth, der. Es ist das Geschehen zwischen dem ersten Anruf, wenn man spürt,
der Verbannung Israels hervor, die nun tatsächlich unabwendbar gewor- was man eigentlich mit diesem Leben tun müßte, der dabei aufkommen-
den [Link], das ist sie, unabwendbar schon bei der Schöpfung. Wenn diese den Angst vor dem Außerordentlichen, zugleich aber auch vor den Fol-
Welt erscheinen soll, dann ist da auch schon das Wissen um die Gefan- gen, der Verbannung, wobei man alles hier ernstnehmen muß, und dem
genschaft Israels und die Furcht davor da. So wird es auch Abraham er- zweiten Ruf, der die eigene Antwort unausweichlich machen wird. Zwi-
öffnet (Gen. 15), wenn er die Haft und das Grauen der 400 Jahre zu se- schen beiden Rufen ist die Flucht, ist das „Ich", womit man meint, sich
hen bekommt. Bis zum ,,vierten Geschlecht". Solange die Zeitwelt beste- dem Schöpfungsdrama entziehen zu können. Das ,,Ich", worin man ganz
hen wird, wird auch die Gefangenschaft andauern, und die Zeitwelt still und verborgen mitfährt durch die Zeit, eigentlich schlafend.
dehnt sich für uns ins Unendliche. Gott anerkennt, daß diese Flucht in die Zeit Ihn ehrt. Ist die Schöp-
Auch weisen die alten Kommentare auf Jonahs Mitteilung hin, daß er fung nicht schließlich auch dieses Ausschweifen in die Zeit, das Ausat-
nun als ,,falscher Prophet" erscheinen werde, nachdem Niniveh trotz sei- men, das sich Ausbreiten? Aber auch sie wird zurückgerufen. Der zweite
ner Ankündigung doch bestehen bleibt. Es geht hier nicht darum, daß Ruf findet Gehör, und dann folgt das Geschehen in Niniveh, damit diese
Jonahs Ehre damit geschadet worden wäre. Im Gegenteil, der Midrasch Zeitwelt gerettet werde und bleibe. Und so bleibt sie; vom ,,Baum, der
Jonah erzählt, wie Gott Jonah versichert, Jonah habe Gottes Ehre hoch- Frucht ist und Frucht macht", bleibt auch der Teil, der ,,Frucht macht".
gehalten, dadurch daß er die Flucht übers Meer unternommen habe. Daß Jonah entfernt sich in der Welt der Zeit, er denkt, daß Gott ihn dort
er sich in der Zeit verborgen habe, den Auftrag, nach Niniveh zu gehen, gewähren lassen wird. Dadurch gibt er aber nur Gott Gelegenheit zu zei-
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 18. Trockenes Wasser 327
gen, daß er auch Herr über alle Zeit ist. So meinte auch Pharao, daß die Das Meer- und darauf weist seine Zahl 50 (10-40) hin - schließt
Wendung Israels zum Meer ihm dieses Volk in die Hände liefere. In der ein Geheimnis in sich. Auch der verborgene Wert ist 50. Das ,,Trockene"
Zeit will er es einholen und nach Mizraim zurückbringen. Diese Welt ist hat als verborgenen Wert 490 (20-412-360-15 minus 317), die volle Zeit,
überzeugt, daß Israel in der Zeit verlorengehen wird, weil in der Zeit die die Erfüllung der Zeit als 7 x 7.
anderen Kräfte herrschen. Man nimmt seine Zuflucht zu Geschichtskun- Auch für Jonah ist die Zeit von Wundern erfüllt. Der Sturm, die Um-
de und Geographie, zu Politik und wirtschaftlicher Aktivität, zu soge- kehr der 70, und das Geborgenwerden im Fisch. Gerade die Flucht schafft
nannter Wissenschaft und sogenannter Theologie, und bildet sich ein, die Voraussetzung, daß sich die Wunder Gottes ausbreiten, so dai} sie
daß man dort in allem freie Hand habe. offenkundig werden. Das gleiche gilt für die Schöpfung. Das Auftreten
Doch auf einmal, da donnert das Geschehen dazwischen. Für Pharao der Zeit, das Entfliehen bewirkt, daß Gottes Wunder mannigfaltigen Aus-
ist es die unbegreifliche Spaltung der Zeit und der Gang durch das Meer, druck gewinnen, im All, in der Natur, im Geschehen, im Wort.
durchs Trockene. Die Zeit ist für ihn nicht das Trockene, auf diesem Weg Für jeden Menschen ist diese Phase des Ganges in der Zeit dasselbe,
kann er Israel nicht folgen, er muß ertrinken. Die Zeit hat er für seinen ob sie nun einen Moment dauert, ein Jahr, oder ein Leben. In der Zeit
Verbündeten gehalten. In der Zeit des Endes und des Übergangs wird je- geschieht für Israel das Wunder. Und jeder sei sich bewußt, daß auch in
doch das Trockene plötzlich zur Wirklichkeit: Jabaschah (10-2-300-5). ihm Israel leben kann. Ob er nun Jude ist oder nicht, jeder nimmt in sei-
Im jam suf (10-40 60-6-80), im Meer des Endes und der Begrenzung ner Weise daran teil. Es geht um den Menschen, und Israel lebt in Ver-
("Bauplan"), da erweist es sich mit einemmal, daß Israel in der Zeit nicht bannung, es ist ,,unter den Völkern", wie es heißt; als die ,,Eins" ist Isra-
zu greifen ist. Man vermeinte, das graue und eintönige Element der Zeit el in allen ,, 70".
sei Gottes Einfluß entzogen, und nun ist er auch da der Herr. Allein Israel Nicht um seine ,,Ehre" geht es demnach Jonah, wenn er besorgt ist,
kann heil durch die Zeit hindurchschreiten. Für Israel wird die Zeit durch- in den Augen Ninivehs als Lügenprophet dazustehen. Was er spricht, ver-
sichtig, durch die Zeit geht es auf dem ,,Trockenen" (Ex. 14, 29). kündet er ja im Namen Gottes. Aber was ist Gottes Wort, kundgetan im
Das jam suf hat als Atbaschwert 144 (40-10 8-80-6), und das Trocke- Namen Gottes- und Niniveh weiß, wie die Überlieferung erzählt, von
ne, jabaschah, hat 432 ( 40-300-2-90). Das Trockene ist also die ,,Drei" den großen Wundern mit und durch Jonah-, wenn es nicht erfüllt wird.
gegenüber der Zeit ". Darum sagt man, daß Israel beim Durchschreiten des Was werden ,,die Völker" sagen, diese Welt des siebten Tages, wenn sie
jam suf alles sieht bis in die Himmel. Die einfältige Frau sieht alles, was erkennen, daß die durch Jonah, den Propheten Israels, im Namen Gottes
dem Propheten Ezechiel gezeigt wird am Fluß kewar (20-2-200), wenn gesprochenen Worte sich nicht erfüllen? Ist sogar das Wort wandelbar, ist
die Himmel sich öffnen und er der wunderbaren merkawah (40-200-20- sogar die Kunde aus der anderen Welt, die als Wort zu uns kommt in un-
2-5) ansichtig wird. Man beachte übrigens den Zusammenhang zwischen serer Welt hinfällig?
dem Stamm des Wortes merkawah (200-20-2) und dem Ort, wo es ge- In der Tat, sagt Gott, die Kraft der Umkehr weckt mein rachamim,
schieht (20-2-200); beide sind ein umfassender Ausdruck der ,,Zwei" und das ist die stärkste Kraft, sogar mein eigenes Wort hält ihr nicht
(vgl. Ez. Kap. 1) stand, denn es wird aufgehoben. Das rachamim ist nun gerade die Schöp-
Israel wird das Dreifältige gezeigt, die Antwort im Zeichen der ,,Drei" fungskraft der anderen Seite, sie kommt aus dem Verborgenen und ist
wird in der Zeit auch gegeben. Das ist der besondere Weg Israels, den es die Überraschung der Erlösung. Auch die 58 ist als chen, Gunst oder
stets geht, auch und sogar durch die Zeit. Für Israels Weg ist die Zeit kei- Gnade, damit verbunden. Und Gott läßt sogar sein Wort weichen und
ne Gefahr, sondern vielmehr ein großes Wunder. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zunichte werden vor der Kraft seines rachamim. Damit der Mensch aber
zur Teschuwah geweckt wird, sendet Gott ihm den Jonah, um ihm
* Ich weise in diesem Zusammenhang darauf hin, wie in diesen Werten der Begriff dann auch das rachamim widerfahren zu lassen. Gott läßt Jonah entflie-
72 ("Bauplan") eine bemerkenswerte Rolle spielt (2 x 72 und 6 x 72). hen und die Reise in die Zeit unternehmen, damit Niniveh es von den
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VI. Das Leben jenseits dieses Lebens 19. Gesetz und Erbarmen 329

dem Untergang entronnenen,, 70" vernimmt und zur Teschuwah kommt. Das ist es, was er kommen sieht; er sieht überall den Tod bereitste-
Gott bewirkt es, damit sein eigenes Wort, das er über Niniveh hat spre- hen, zupackend ... um das Leben in diese Welt zu bringen. Und er selbst
chen lassen, unwirksam wird. sieht sich dort ebenfalls stehen·, als die Vorhut; er als Erster schenkt nun
um den Preis der Verbannung Niniveh das Leben. Und, die unabsehbare
19. Gesetz und Erbarmen Dauer der Verbannung vor sich sehend, die im Zeichen der 400 ihren
Anfang nimmt, ruft er voller Angst und Verzweiflung aus: ,,Mir ist lieber
Wenn es darum geht, auf Teschuwah zu antworten, läßt Gott selbst der Tod als dies Leben, aus dem die Verbannung hervorgehen wird."
Sein Wort lieber zur Lüge werden. Dann möge eben nicht eintreffen, was Die Überlieferung, die alten Kommentare (u.a. Redak, Ibn Esra und
noch so kategorisch vorausgesagt worden ist im Namen Gottes, und der Mezudath-David 4, 3) weisen darauf hin, vergleicht diese Lage Jonahs
Mensch denke darüber, was er will. Auch Niniveh kann darauf beliebig mit jener des Mose, nachdem Israel das Goldene Kalb gemacht hatte.
viele Schlüsse ziehen. Denn die Welt kennt vom Worte doch nur die eine Verzweifelt sagt darauf Mose (Ex. 32, 32): ,,Wische mich aus aus deinem
Seite, die der Gesetzmäßigkeit, wie sie sich freilich auch im Worte aus- Buch", als Gott nach diesén Ereignissen Israel nicht rettet. Denn auch
drückt. Diese Seite ist uns geläufig in der Grammatik und in den Verhält- hier steht die Verbannung bevor; es ist auch der gleiche Moment, wo Je-
nissen. In seinem middath ha-rachamim entzieht sich der Name Got- rusalem verloren geht; es ist der 17. des vierten Monats ("Bauplan").
tes, die 10-5-6-5, der bekannten Gesetzmäßigkeit. Die daran beteiligten Jonah bebt vor diesem Hereinbrechen der Welt zurück. Ist das nicht
Buchstaben können je nach den Umständen verschiedene Werte anneh- eben der Gegenstand des Gesprächs im Himmel, bevor es zur Schöpfung
men, und auch die Vokale sind austauschbar. Dieser Name Gottes hat kommt ("Esther")? Es ist auch die Angst jeder einzelnen Neschamah,
viele Vokale; einmal diese, dann wieder andere. wenn ihr eröffnet wird, daß sie in diese Welt hinein muß. Sie weiß, daß
Mit dem Erbarmen tritt demnach ein vollkommen neuer Aspekt in Niniveh bewahrt bleibt, und daß sie wie Israel bei der irdischen Empfäng-
die Welt. Die Gesetzmäßigkeiten verlieren einerseits ihre Wirkung, ander- nis in die Verbannung gehen muß, und lieber miede sie doch diese Welt.
seits scheinen sie sich jetzt zu decken mit dem, was man als Barmherzig- Es wäre besser, wenn der Mensch nicht geboren wäre; nun er einmal ge-
keit erkennt. Denn jetzt eben erscheint der Herrenname 10-5-6-5 mit sei- boren ist, weil Gott der Schöpfung seine Liebe schenken will, muß er
ner bisher geheimen Gesetzmäßigkeit ausgestattet, auf einer ganz anderen freilich den Weg gehen, und er geht ihn schließlich in Freuden.
Ebene. Sein Leben vermittelt dem Baal Sehern die Kenntnis des Namens;
nicht durch Studium noch durch Gelehrsamkeit erwirbt er sie. Durch
sein Leben und seinen Weg gerät er ins Studium und wird ihm die Kraft
der Erkenntnis zuteil. Wieder ist es so, daß der Weg der Flucht und die
Umkehr der Erkenntnis vorangehen. Dann beginnt das Wissen um die
Gesetzmäßigkeiten auf anderer Ebene. Der Kern der Gesetzmäßigkeiten
hat sich einem erschlossen und man entdeckt, daß sie übereinstimmen
mit dem Erbarmen, das im Verborgenen als Antwort auf die Teschuwah
gewartet hatte.
Jonah begreift nun dies andere; wie er selber sagt, wußte er es eigent-
lich schon zuvor. Er ist nicht umsonst Jonah. Aber was ihn in Unruhe
versetzt, ist vor allem die Verbannung, die er kommen sieht. Verbannung
ist, von der anderen Welt aus gesehen, wie der Tod. Auch Gefangenschaft
wird mit dem Tode gleichgestellt.
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VI. KAPITEL

DAS LETZTE GESPRÄCH zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW

1. Östlich von Niniveh zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYX

Als Jonah nun sieht, daß die Welt von Niniveh der Erwartung ent-
spricht und Teschuwah übt, womit das von ihm Befürchtete seinen An-
fang nimmt, verläßt er Niniveh und wendet sich nach Osten. Schon Nini-
veh liegt östlich von Israel, und damit ist gesagt, daß es auch ein ,,Frühe-
res" ist, noch tiefer im Menschen verborgen. Wie wir sahen, stellt Niniveh
die ,,Eins" dar gegenüber der ,,Zehn" von Tarschisch.
Jetzt aber begibt sich Jonah noch weiter ostwärts, in ein Gebiet, das
zeitlich noch näher am Ursprung liegt. Von dort aus kann er die Möglich-
keiten Ninivehs deutlicher abschätzen, sein Weiterbestehen oder seinen
Untergang beobachten. Noch plagt ihn die Angst vor der mit dem Fortbe-
stand Hand in Hand gehenden Verbannung für Israel.
Ist denn Israel nicht das Köstlichste, kommt nicht um seinetwillen
die Schöpfung zustande? Ist die Schechinah nicht das Heiligste, die Ne-
schamah das Zarteste, das Göttlichste hier? Entspricht es wirklich der
Wahrheit, daß diese Welt, die auf dem ra beruht, stolz bleiben wird und
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTS
sich weiter breit machen darf? Gut, im Wesen, in ihrem Kern, hat sie be-
wiesen, daß sie sich unverzüglich nach der Botschaft richtet. Ohne Zögern
und bis in alle Konsequenzen ist sie auf die Herausforderung eingegangen,
und sie hat die Umkehr als das größte Glück angenommen und mit Freu-
de vollzogen. Darin liegt die Garantie, daß einst alles an der Rückkehr
teilnehmen wird. Aber wenn Niniveh die Quelle der Zeitwelt ist, dann
bedeutet das doch auch, daß das ra durch alle Zeiten hin aktiv bleibt.

I
Fort und fort wird es das Wachstum bewirken und den Baum, der Frucht
macht, Frucht tragen lassen. Im selben Maße werden Streit und Leiden
fortdauern. Ferner soll Israel auch dahingegeben werden, zerstreut bis in
fernste Gebiete. Und es ist diese Sorge um das Zarte, das Wehrlose, das
nicht ins Gewicht Fallende und nicht Mitzählende, das da verzettelt
werden wird, was Jonah bedrückt. Es ist die Schwere des Opfers, des Op-
fers, das schon bei der Schöpfung seinen Anfang nimmt, das erbracht
334 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch

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werden muß, damit diese Zeitwelt entstehen kann, diese Welt des Äußer- !:
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sten. Denn diese Welt kann ja einzig bestehen, wenn die Schechinah darin 'à'll

mitgeht, wenn die Neschamah in jedem Leben mitkommt und wenn Isra- .:i i%;e ~J,.
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el in ihr als der Gefangene festgehalten wird. Es ist ein Opfer, das für un- J"-'•
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sere Zeitbegriffe den Charakter des Ewigen hat. Und das ist das Schwere,
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Jeder Mensch, sobald bei ihm die Vorstellung Israel erwacht, beim
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Durchleben einer Bedrängnis, beim Durchdenken der Wahrheit, steht un-


weigerlich vor diesem großen Opfer, und er wird den entsetzlichen Ab-
grund sehen und die Verzweiflung erfahren. Und er wird nicht anders als
Jonah reagieren. Denn auch im Himmel erhebt sich die Frage nach Sinn
und Maß dieses Opfers. Und darum kann einzig der Mensch, in dem die
Neschamah wach und Israel lebendig wird, das erfassen. Gewöhnlich
übergeht man diesen Punkt. Man will nun einmal nicht als Jonah daste-
hen. Man betäubt dieses Gefühl. Und die Welt bietet viele Möglichkeiten
der Betäubung an. Man ist dann die Umhüllung, der Unterdrücker, der
Gefängniswächter. Und Israel, die Neschamah, sind beide in einem die
Gefangenen.
Denn nun schließt sich in der Tat eine neue Phase [Link] nah wendet
sich weiter ostwärts, inniger noch zum Ursprung, als es das östliche Nini- +
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veh jemals sein kann. Niniveh ist ja der Kern, aus welchem der Körper rt
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hervorgeht. Niniveh verleiht den Buchstaben die Form, in denen die
Thora hier erscheint. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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2. Die Sukkah für den Körper

Dort im Osten richtet Jonah die sukkah (60-20-5) auf, die Hütte, wie
sie die Übersetzung nennt. Wir wissen bereits ("Bauplan"), daß die suk-
kah eine sehr besondere Hütte ist. Ihr Name ist dem Dach entlehnt; es ist
das Haus, dessen Dach die Sicht in den Himmel nicht verschließt. Tags-
über mildert es die Kraft der Sonne, in der Nacht gibt es den Blick zu
den Sternen frei.
Wenn Jakob nach der Begegnung mit Esau (Gen. 33) weiterzieht,
dann gelangt er zum Platz Sukkoth (Gen. 33, 17). Der Name geht darauf
zurück, daß Jakob, wie dort erzählt wird, für sein Vieh ,,Hütten" baut.
Sukkoth ist die Mehrzahl von sukkah. Für sich selbst baut er ein ,,Haus",
ein bajith. Man sollte annehmen, daß der Ort nach seinem Haus heißen zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Die Sukkah 'für zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLK
den Körper zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWV
335
2. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

müßte. Doch nein, dem Vieh, in biblischer Ausdrucksweise hier unseren


Körper bedeutend, sind die Sukkoth zugedacht, die Hütten mit dem
durchsichtigen Dach, und diese geben dem Ort den Namen. Die Sicht
Jakobs wird durch das lückenlose Dach seines Hauses nicht behindert,
denn er bringt selbst die ,,Eins" in diese ,,Zwei" (beth ist ja das ,,Haus").
Auch der Tempel ist ein Haus, ein ,,Zwei", und vom Menschen wird dort
Gott gegenüber auch die ,,Eins" erbracht. Für den Körper aber wird die
,„Zwei" des Hauses durchbrochen, damit da eine Verbindung bestehe
zwischen unten, dem Haus, das sukkah ist, und oben. Eine Einheit der
Gegensätze, unten die Erde und oben der Himmel als Einheit. Das ist das
Große nun, da Jakob die Begegnung am Jabok hinter sich hat und danach
auch die Begegnung mit Esau zur ,,Gänze" wird, zu schalem (300-30-40),
(Gen. 33, 18), weil er nun Israel ist, ist alles, was bei ihm und mit ihm
als Körper ist, durch diese seine Ganzmachung gekennzeichnet. Jakob
wird der isch tamim (1-10-300 400-40-10-40) genannt, der vollkommene
Mensch, der Mensch ohne Einschränkung, ohne Fehl, der Reine. Und so
befindet er sich als der ,,Eine" im Haus, welches ,,Zwei" heißt. Und so ist
der Leib in der sukkah, welche die ,,Eins" zustandebringt dank ihrer
besonderen Verbindung mit dem Himmel.
Die Sukkah ist also richtungweisend. Ich habe schon erzählt von der
Bedeutung des Sukkoth, dem dritten Fest, da man zum dritten Mal im
Jahreslauf nach Jerusalem zum Hause Gottes hinaufzieht. Dann erfolgt
die Mahlzeit des Leviathans.
Von Jonah erzählt die Überlieferung als etwas Besonderes, daß auch
seine Frau stets oleh regel (70-6-30-5 200-3-30) war: bei allen drei Gele-
genheiten, an denen man zum Tempel hinaufzieht, ist sie dabei. Nirgend-
wo sonst wird das Hinaufziehen einer Frau besonders vermeldet. Hier
wird es, also hervorgehoben, denn es geht um das Leibliche. Jonah ist es,
welcher die Quelle des Körperlichen, Niniveh, instandhält. Durch ihn
werden die ,,70" geweckt und kehren sie zurück; er ist aus dem Norden,
dem Zehnstämmereich.
Jonah baut sich nun die sukkah dort, ostwärts von Niniveh, um darin
zu wohnen. Es ist das besondere Haus für den Leib. Der Leviathan dient
als Mahlzeit am Ende der Zeit, in der messianischen sukkah.
33 6 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch
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3. Der zurückgebliebene Körper zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

Die Überlieferung berichtet im Midrasch Jo nah, daß Jo nah körper-


lich sehr mitgenommen ist. Sein Verbleib im Fisch hat den Körper schwer
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beeinträchtigt; Mantel und Kleidung sind abgefallen. Alles, was ihn um- ,
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hüllte, ist zerschlissen und vergangen durch die Hitze im Fisch - eigent-
lich im Scheol, in der Unterwelt. Die Kleidung wird, wie wir schon sahen,
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als die körperliche Umhüllung betrachtet. Während des Verweilens im
Fisch ist sie zurückgeblieben, wie wir auch unsere Kleidung beim Eintritt in
eine neue Lebensphase zurücklassen. Und viele kleine Tiere, Insekten,
plagen ihn nun. Er hat aus der Scheolswelt viel mitgebracht, das ihm noch
mitspielt. Und doch muß die Ursache von alledem, Niniveh, die Quelle,
aus der dieser Zustand durch die ganze Zeit hindurch genährt wird, er-
halten bleiben.
Wenn der Mensch, auch in seiner Welt, diese Phase mitmacht, dann ist
sein früherer Leib von ihm abgefallen. Was ihn früher auf allerlei Gedan-
ken brachte und zu Handlungen anhielt, ist nach dem Durchleben der
,Dreiheit" im Fisch verändert. Es hat auf ihn nicht mehr dieselbe Wir-
kung wie zuvor. Auch darin ist mit ihm dann eine Erneuerung vorgegan-
gen. Doch aus der vorhergehenden Phase hängt sich noch all das Niedere,
Hinderliche, Kriechende an ihn, um ihn zu peinigen. Es gehört zur V er-
änderung der Umhüllung. Biologisch kennt man es als das Zerfallen des
Leibes im Grabe. Doch spielt es sich in allen Ebenen ab. Auf allen Gebie-
ten ist gerade das Gemeine, das Ekelhafte und Abstoßende das, was uns
anfällt, vom Sinn seines Bestehens her unfaßbar. Darin offenbart sich,
was eigentlich auch zum leiblichen Dasein gehörte, was auch in dieser
Welt des ra seinen Bestand und damit dann sicherlich auch einen Sinn
hat. Und es zeigt sich, daß gerade das dann die Plage wird, die Erinnerung
an die frühere Welt.
Viele Dinge und Geschehnisse machen dann dem Menschen zu schaf-
fen; es ist die letzte Wegstrecke, es ist schon der Leidensweg. Und darum %
bezieht der Mensch die sukkah, um vor diesen Heimsuchungen Ruhe zu %:
bekommen. Das Peinigende verliert seine Wucht und Kraft, wenn der Leib 955¿7:
in einer Welt sein Dasein hat, in einem Bewußtseinszustand, wo das Un-
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tere und das Obere mit einander verbunden sind.
Man begreife, daß mit diesen Qualen, hervorgerufen durch die Viel- zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
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3. Der zurückgebliebene Körper 337


heit von Insekten u. dergl., nicht allein die körperlichen gemeint sind.
Selbstverständlich besteht auch eine leibliche Ebene von Plagen, obwohl
sie nicht in allen Fällen zum Ausdruck zu kommen braucht. Auf ande-
rem Niveau können es Menschen sein, welche diese Funktion ausüben,
weil ihnen im Menschlichen die Art von Plagegeistern eigen ist; es können
auch Erinnerungen sein, oder bestimmte Ereignisse; es kann Kummer über
die Vergangenheit sein, die es schwer macht, im neuen Zustand fortzule-
ben. Wir werden gleich sehen, daß diese Mitteilung in der Überlieferung
eine ganz tiefe Bedeutung hat, und darauf Licht wirft, was ferner zum
Gegenstand des Gesprächs zwischen Gott und Jonah wird.
Die betreffenden Tiere heißen scherazim (300-200-90-10-40), was mit
,,kriechendes Getier" übersetzt wird. Sie haben in der Überlieferung die
Bedeutung alles Niedrigen, das der Erde nahe ist, wie z.B. Fliegen, Amei-
sen, Würmer und dergleichen. Der Mensch hat davor eine Art angebore-
ner Abneigung; er findet sie lästig und mag sie nicht in seiner Nachbar-
schaft. Die Plage, die der Körper durch sie erleidet, wird die schlimmste
Plage genannt. Wir haben keine Beziehung zum Ungeziefer und, anders
als z.B. den wilden Tieren, eignet ihm keine Individualität. In nicht unter-
scheidbarer Vielheit geht es wie ein unansprechbarer Roboter zu Werke.
Die Überlieferung erzählt darum, daß die Qual des durch diese Tiere An-
gefallenwerdens für den Körper sehr arg sei. Man sehe darin also einen
Anfall, stets wenn der Leib vom Fisch verschlungen wird, also wenn die-
ser Mensch ins Leben eintritt, und so geht es durch das ganze Leben hin.
Doch das ist nun eben die Vielheit des Lebens in der dem Menschen
unfaßlichen Mannigfaltigkeit. Er versteht den Sinn nicht. Er fühlt sich
nur betroffen, belästigt. Das ist er ja auch in der Tat. Doch worin ge-
schieht ihm denn nun Abbruch? Durch den Anfall auf das körperliche
Dasein, durch den stechenden, nagenden Angriff der scherazim? Ist das
Leiden sinnlos? Wozu wird dieser Körper verzehrt? Doch damit ein an-
derer werde! Wie oft wechseln seine äußeren Verhältnisse, wenn ein neuer
Lebensabschnitt beginnt. Oft in kürzester Frist, oft erst nach langer
Dauer. Es ist das Geschick des alten Lebensabschnittes, die Pein zu er-
dulden. Denn das war in Wirklichkeit das Leben; mit Schmerzen ist es
gekommen, durch das Opfer, und als ein Opfer schwindet es dahin, unter
Schmerzen. Dann erst fühlt man ganz, was es bedeutet, daß dieser Leib,
alles Äußerliche, diese ganze Welt, ins Dasein gekommen ist.
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338 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch
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4. Insekten
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Und doch besitzen alle diese kleinen, kriechenden, namenlosen We-
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sen ihr Leben, ihre Gestalt, ihre Farbe. Das Wunder ist bei ihnen im
selben Maße ausgeformt, wie bei allem anderen Erschaffenen. Doch weil
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diese Art von Leben den Menschen belästigt, verwünscht und meidet er
es. Wenn es hoch kommt, wird er das Ungeziefer studieren, um es zu
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klassifizieren, wird er aus ihnen einen Extrakt für seine Salben oder Trop- 's
fen machen. Und dann mag er zugestehen, es sei zuweilen nützlich und
interessant. Aber die ganze Welt der Scherazim lebt. In ihrem Bereich ge-
schieht sehr viel, und ihre fast unzähligen Spielarten sind ein tiefes .
Schöpfungswunder. Nicht nur im Ameisen- und Bienenstaat ist sinnvolles ·,
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Tun. Alles Leben will sein Dasein behaupten, und so kämpft auch dieses
Leben, oder es flieht und empfindet Angst. Welcher Mensch kann alle-
%
dem nachspüren, diesem Leben der ungezählten Milliarden, schnell sich %a.
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ablösende Generationen, folglich in noch größerer Vielfalt neu er- 74


scheinend?
So ist eigentlich das ganze Leben der Schöpfung. Darum heißt es,
wenn am Fünften Schöpfungstag das erste tierische Leben zu erscheinen
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beginnt (Gen. 1, 20): ,,jischrezu ha-majim scherez nephesch chajah ". Der
Begriff scherez ist hier bestimmend: Jischrezu drückt auch die unüber-
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sehbare Vielheit aus. Darum wird das Wort jischrezu auch gebraucht für
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den Menschen, für Israel (Ex. 1, 7), wenn vom Volk in Mizrairn die Rede
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ist, wie es in der Knechtschaft wächst und an Zahl zunimmt. <Ii ~ ~ .....- ------1 ~· -

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Im Wort scherez und in der meist gebrauchten Mehrheitsform schera- we
zim, wenn man auf das unzählbar Viele deuten will, liegt auch im Aufbau „+oo ow

+..+' in.
der Buchstaben, der Verhältnisse, vieles verborgen. Ich will hier nur auf
eine Seite hinweisen. i
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Der gewöhnliche Wert von scherez ist 590 (300-200-90), der Ath-
baschwert 10 (2-3-5). Beide zusammen bilden also den Wert 600, die Zahl,
;!,:;-:..
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mit der sich die Vielheit in der Welt der „Zwei" verdeutlicht. Man denke
an die 600 000 von Israel in Mizraim (Ex. 12, 37) und die gleiche Zahl
beim Turmbau zu Babel ("Bauplan"), an die 600, womit Pharao Israel ·$
nachjagt (Ex. 14,7) und die Mitteilung über die Sechslinge, die der Über- '31.... -.--~.·,· . ;~~

lieferung gemäß in Ägypten zur Welt kommen. 7..


Der gewöhnliche Wert der Mehrheitsform ist 640, der Athbaschwert
5. Der Kikajon zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTS
339
I 60. Die beiden sich ergänzenden Werte sind also die 700. Das unzählbar-
viel-Werden ist genau mit dem siebenten Hundert bestimmt, es zeigt den
Abstand der 600 zur 700, es ist das, was wir den Siebenten Tag nennen.
Diese Vielheit zwickt, sticht und peinigt; sie ist nicht zu fassen. Man gibt
es auf, ausfindig zu machen, welches ihr Sinn ist, weil man weiß, daß es
nie dazu gelangen wird. Auf genau diesen Punkt weist Gott Hiob hin.
Denn alles, bis ins Kleinste und bis ins Allergrößte, hat seinen Sinn; nichts
ist nur so eben da, nichts ist etwa gar verkehrt. Alles hat seine Form und
sein Leben; es ißt und verzehrt. Wozu aber, was ist die Zielsetzung? So
fragt Gott den Menschen: ,,Wozu, denkst du, gibt es diese Vielheit in der
Welt, wird nicht einmal der eigene Sinn von allem offenbar werden - ist
dein Urteil nicht furchtbar oberflächlich?"
Der verborgene Wert von scherazim ist 434 (nämlich der volle Wert
360-510-104-20-80, vermindert um 640). Und wieder sehen wir die
Schöpfung: das ist ja die Anzahl der Worte des Schöpfungsberichts, und
gleichzeitig ist es der Begriff daleth, die ,,4". Auf dieser 4 beruht alles,
auf dieser enormen Vielheit und Vielfalt. Das Fortgehen aus der Welt
zeigt die Schwere des Opfers, gibt der Frage nach dem Warum noch mehr
Gewicht. Warum äußert sich die Vielheit auf diese Weise? Dem Menschen
graut davor. Ist dazu die Schöpfung gemacht, und erst noch in solcher
Mannigfaltigkeit, nur für dieses Ende? Und ist es diese Vielheit, die den
Körper, die irdische Erscheinung, hinwegnimmt? Sie steht am Beginn
alles Lebens, beim allerersten Erscheinen am Fünften Tag, und sie steht
am Ende des Lebens, wenn es sich wieder weghebt. Darum treten uns
auch die Werte 600 und 700 für diese Vielheit entgegen. Deshalb verliert
Jonah auch Mantel und Kleidung und baut er die sukkah.

5. Der Kikajon

Und nun läßt Gott für ihn den kikajon (100-10-100-10-6-50) auf-
schießen, ganz plötzlich, ohne daß man nachforschen könnte, wie er
kam, ohne daß der Mensch dafür die geringste Anstrengung oder Planung
leisten müßte. Wie beim Fisch wird auch hier wieder das Wort wajeman
(6-10-40-50) gebraucht. Das will besagen, daß- wie es auch die alten
Kommentare zu wissen geben - dieser kikajon schon vom Schöpfungs-
entwurf her vorbestimmt ist, so wie dies schon für den Fisch zutrifft, der
Jonah verschlang.
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340 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 5. Der Kikajon 341

Kikajon wird mit „Wunderbaum'' übersetzt. Ich weiß nicht, ob das Die Verbannung, die von diesem langlebigen Niniveh ausgeht, wird lang
darauf zurückzuführen ist, daß dieser Baum so unversehens erscheint, um und schwer. Die Welt des Baumes, der Frucht macht, erhält eine Dauer,
ebenso schnell wieder zu verschwinden, oder daß von ihm das Rizinusöl die wie eine Ewigkeit erscheint.
stammt, das u. a. dafür sorgt, daß der Darm schnell ausgefegt und gerei- So nahe ist Jonah am Kern, daß die sukkah nicht mehr ausreichenden
nigt wird. Es tut nichts zur Sache, und so ziehe ich es vor, den Namen Schatten gewährt, um am Leben zu bleiben. Das Menschenleben in dieser
Kikajon aus der Bibel zu gebrauchen. Welt mit seinen absoluten 120 Jahren ("Bauplan") ist das Leben im
Es ist in der Tat ein wunderlicher Vorgang. In der Schnelligkeit des Schatten. Schatten ist ja zel (90-30), und von daher leitet sich auch das
Aufschießens wie des Verschwindens liegt etwas Stoßendes. Typisch, daß Wort zelem (90-30-40), Bild, ab. In den Schatten Gottes ist der Mensch
der Baum jenes öl liefert, das die Trägheit des Verdauungsvorgangs unge- geschaffen.
mein zu beschleunigen vermag. Hat es etwa doch mit Zeitwerten zu tun? Der Schatten der sukkah gewährt nicht mehr ausreichenden Schutz.
Was sonst verhältnismäßig viel Zeit braucht, das Unterscheiden im Kör- Jonah müßte, menschlich gesprochen, so nahe am Ursprung sterben.
per zwischen ,,brauchbar und unbrauchbar", um das Brauchbare aufzu- Darum erzählt die Überlieferung (Seder Olam, Schalscheleth ha-Ka-
nehmen und das für den Körper Unbrauchbare oder Schädliche auszu- balla, Seder ha-Doroth), daß Jonah ,,mehr als 120 Jahre" lebte, daß sei-
scheiden, das geht infolge des Erscheinens des Rizinus-,,baumes" plötz- ne Jahre im Absoluten 130 zählen. Wir wissen bereits, daß die 130just
lich wie im Fluge, sogar allzu plötzlich für den Menschen in dieser Welt. die Verbindung von diesem Leben zum anderen bezeichnet ("Bauplan").
Er kann so auf die Dauer nicht leben. Der Schatten der sukkah kann Jonahs Leben nicht verlängern, es be-
Gott hat diesen Kikajon für Jonah vorbereitet. Er gewährt ihm Ent- darf dazu des kikajons. So kann Jonah über den Schatten, die 120, hin-
spannung; Jonah kann wieder aufatmen. Solange er sich in seinem Schat- aus leben, und er lebt 130 ,,Jahre".
ten aufhält, stechen die scherazim nicht. Die sukkah spendete jedenfalls Der Vollständigkeit halber sei hier nachgetragen, daß der verborgene
schon Schatten, doch die Sonne brennt dort im Osten von Niniveh, der- Wert von zel, Schatten, 58 beträgt (104-74 minus 120). Hinter dem Le-
art nahe am Ursprung, viel stärker als sonstwo in der Welt. Jonah lebt ben in der Zeit steht stets dieser Wert.
dort ganz nahe am Ursprung von allem. Er wollte dort dem Sinn nach- Und so bringt Gott für Jonah den kikajon herauf, um ihn dort, ost-
spüren, er hoffte dort die Erklärung dafür zu finden, warum die Verban- wärts von Niniveh, so nahe dem Ursprung, am Leben zu erhalten. Ein
nung doch kommen mußte, und wozu. Wer dort, auch im allertiefsten hier langes Leben erscheint dort, am Ursprung, als sehr schnell vorüber-
Grund des Menschen selbst, lebt, wer dort am Urbeginn steht, für den ist gehend. Die Zeit ist dort ungemein dicht, gleichsam gepreßt, geballt,
die Sonne verzehrend. Als die ,,Eins" gibt die Sonne ja dieser Welt das nicht ausgedehnt wie in den äußersten Kreisen. Darum kommt der kika-
Licht des Tages. Die Nacht wird vom Licht der Vielen beherrscht, von jon und vergeht gleich wieder. Aber mit ihm erscheinen die Grundlagen
Mond und Sternen. Das Nachtlicht ist mild, der Mensch kann sogar in ihr des Lebens für diese Welt. So nahe am Ursprung zeigt sich dies Leben in
Licht aufschauen. Das Licht des Tages dagegen ist eine gleißende Pracht. geraffter Kürze. Wir kennen den Ausspruch, daß für Gott tausend Jahre
Man wird davon überwältigt. Und wer dem Licht näherkommt, fühlt das seien wie ein Tag. Der kikajon steht denn auch dort für das menschliche
Sengende, das ihm eignet; er erlebt, was ,,Zeit" ist in ungemildertem Leben.
Maße. Je näher dem Kern, desto mächtiger und verzehrender wirkt die Die Zahl des kikajon, 276, ist 12 x 23, wobei die 23 ein Ausdruck
Zeit. Der Einzelne, wie Moses, weilt 40 Tage auf dem Sinai, die Vielheit für ,,Leben" ist, chajah (8-10-5). Es ist auch der ,,kleine" Wert des Wor-
Israels muß die 40 Jahre durchlaufen, Mizraim aber wird gemessen mit tes ,,Elohim" (nämlich 1-3-5-10-4). Dies Leben kommt durch den ,,Werk-
den 400 Jahren ("Bauplan"). Das Leben Ninivehs, das des Siebenten Ta- meister", wie ihn der Sohar bezeichnet, der als Elohim die Welt macht.
ges, wird durch seine Umkehr von dem der 40 Tage zu einem solchen Der Begriff 23 ist, nach der bereits angegebenen Zählung der Primzahlen
von 40 Jahren. Im Leben der Welt bekundet sich das als eine lange Zeit. die 11. Zahl. Also jenes, 'was unsere Welt als die 6-5 ist, die 6-5, welche
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342 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch

zur 10-5 gefügt und damit zur Einheit gemacht werden soll. Darum ist
auch Niniveh, wie schon gesagt, durch diese Zahl 11 gezeichnet ( 112 ). ,,"3."
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Der kikajon ist also die Zahl 12 x 23; in der Zwölfheit dieses Lebens

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enthält er das ganze chajah, den gesamten Grundbegriff des Lebens hier. a« w; " r.
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Und diese 12 x 23 ist eigentlich auch als eine 12 mal 11 zu betrachten. "3"?
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Im kikajon spiegelt sich demnach das Leben wider, wie es auf Erden vor-
kommt. Auch auf Erden kommt es vor, ohne daß wir dem nachgehen "" ., -' ? s. >.4
könnten, woher es eigentlich kommt. Nur das Äußerliche ist der For-
schung zugänglich. Doch woher kommt das Leben dem Wesen nach?
Was wissen wir mehr davon, als daß es im Samen seinen Sitz hat? Doch
was ist nun das Leben, und wohin zieht es sich zurück? Nicht nur mensch-
liches Leben nimmt seinen Einzug und verschwindet wieder. Das gleiche
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gilt für Pflanzen und Tiere. Jede Fliege, jeder Schmetterling mit all seiner i~ .
Pracht stellt uns vor die Frage: Wozu und zu welchem Ende? Woher $; í ·"'
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kommt das Leben in seiner ganzen Vielfalt, und wie kommt es in jedes ,.,'
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Wesen auf seine eigene Weise? Und wie zäh hängt alles daran! Wozu er- e

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scheint es in so erstaunlichem Gewimmel, in den unendlichen Abarten
und Formen und Farben? Der Mensch entzieht sich den naheliegenden d6«.
Fragen. Im allgemeinen entschuldigt er sich: ,,Ich habe andere Sorgen, 't,~
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als mir darüber den Kopf zu zerbrechen". Er vergißt die Frage Gottes an y,

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Hiob. Wie wunderlich greift dies Leben ineinander, das Essen, das einan- T ç%
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der Aufnehmen, das Verzehren, das Verdauen, die Laute, die Bewegun-
gen wozu, warum? Ist das nicht eine dringliche Frage, die Antwort ~
heischt? Nichts weiß der Mensch von alledem. Dennoch sagt er unbe-
wegt: ,,Das Land muß unfehlbar untergehen". Ermißt er die Vielheit des
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Lebens dort? Die vielen, die eigentlich anders wollten, die vielen, die es
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nicht anders wissen, die Kinder, und vor allem auch die vielen Tiere und
die ganze Natur. Sie unterliegen alle dem gleichen Urteil. Weil unsere
Kausalität und unser Gefühl für Vergeltung und Recht das in Ordnung fin-
den. Und wir vergessen das Viele, das mitbetroffen wird, auch mit Leben
begabt, auch von Gott geschaffen. Leben, mit dessen Bedeutung wir uns
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nicht befassen können, Leben, von dem wir höchstens sagen, es sei er-
staunlich schön, oder typisch, oder interessant. Aber was wissen wir im it
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Grunde davon? Wie können wir das erklären, was wir die Grausamkeit in
der Natur nennen, und die sich uns auch in der Tat als solche zeigt? «
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Aber das Leben ist da, und der es gemacht hat, ist [Link] kleinste ------.. . . ._,¼~
Schattierung, jedes Härchen spricht etwas aus von Gottes Gedanken und zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

5. Der Kikajon 343


Gottes fürsorgender Liebe. Wozu sonst diese vielen Einzelheiten, warum
gerade diese Zeichnungen und Formen, diese Farben und Laute und Ge-
rüche? Nur so aus Zufall oder aus Laune? Oder als das Endergebnis
einer blinden Entwicklung? Was bestimmt dann die Richtung dieser Ent-
wicklung? Was ist die Kraft im ,,Baum, der Frucht macht", in allem
Wachstum und in aller Entfaltung?
Der Mensch aber vertilgt Tiere und fällt Bäume nach seinem Gutdün-
ken, ohne einen Augenblick innezuhalten und nachzudenken über den
Sinn des Lebens. Schlachthäuser, Insektenvertilgungsmittel, Vogelausrot-
tungen ... Und dabei ist doch jedes einzelne Wesen eine Schöpfung Gottes,
mit vielleicht doch einer anderen Sinngebung, als nur vertilgt zu werden.
Der kikajon verleiht Jonah ein ganz besonderes Leben, das Leben
,,über die 120 Jahre hinaus". Gerade, weil es mehr als 120 sind, offenbart
sich ihm, was dies Leben in der Welt ist. Unversehens ist es da, und wir
wissen nicht, woher. Doch von ihm geht große Freude und Erquik-
kung aus.
Wir wissen bereits um den Zusammenhang von Freude und Erlösung.
Der Stamm beider Wörter ist der gleiche. Der verborgene Wert von Freu-
de, simchah (300-40-8-5), ist 510 (360-80-408-15 abzüglich 353). Das ist
auch der verborgene Wert von ,,Messias". Und es ist der Atbaschwert für
,,Mensch", es ist die andere Seite, die uns verborgene Seite des Adam,
des Ur-Menschen.
Diese große freudige Erquickung ist dieses Leben, für jedes Geschöpf
- wenn es schon kommt und wieder geht. Es bringt die Freude, die in ih-
rem Wesen die Freude der Erlösung ist. Denn wenn hier das Leben kommt
und seine eigentümliche Gestalt annimmt, dann bedeutet das schon, daß
es in den Kreis der Erlösung eintritt. Und nur schon die große Freude ist
die Antwort, in all ihrer Unbewußtheit, der Geschöpfe auf das Opfer,
das immerzu gebracht wird, damit sie hier erscheinen können. Der kika-
jon ist vorbereitet, um dort, nahe dem Kern, dies Leben auch zu verwe-
sentlichen. Und dies Leben, das an jenem Platz schnell aufschießt und
ebenso schnell wieder verwelkt, äußert sich in den äußeren Kreisen, mit
der trägeren Zeit, durch ein längeres Verweilen. Der Genuß der großen
Freude hält dort dann auch länger vor, wenigstens für unser Gefühl, für
unser Bewußtsein. Denn Zeit ist nun einmal in bezug auf Dauer eine Illu-
s1on.
Darum wird dem Jonah auch dieser Kikajon-Schatten zuteil, dieser
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344 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 5. Der Kikajon 345

Kikajon-Leib, nur für ganz kurze Zeit - nämlich ganz kurz dort im 20". Und die menschliche Hand wird charakterisiert durch das Verhält-
Kern-, damit er auf diese Weise eindrücklich erfahre, was dieses Leben nis des Daumens gegenüber den vier anderen Fingern.
ist für jedes Geschöpf. Denn der Kikajon erfüllt die 12 x 23, di zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
e Potenz Das Blatt des Kikajon, das in der Vielheit von 5 x 55 erscheint, trägt
aller Leben. die Grundstruktur des Lebens. Denn schließlich ist alles begriffen in die-
sem Zueinanderfinden oder Meiden der ,,Eins" und der ,,Vier". Einheit
Darum beschreibt der Midrasch Jonah denn auch, wie der Kikajon
ist in diesem Leben, wenn nur eine Handbreite bestimmend ist. Es
geformt ist. Er hat 27 5 Blätter. So muß es wohl sein, denn der Wert des
herrscht aber Vielheit im Leben, wenn die „Eins" mit der ,,Vier" nicht
Kikajon ist ja 27 6. Da steht als erstes der ,Baum", und er trägt 27 5 Blät-
ter. Und 275 ist 5 x 55, und dies ist auch 5 x 5 x 11. Die Zahl der vollen- verbunden bleibt, und darum gibt es die vier sereth. Damit wird veran-
deten Form, die 5 in ihrer Fülle, als Quadrat verbunden mit der 6-5. Eine schaulicht, wie das Leben sich abwickelt. Es ist stets die Frage, stets der
merkwürdige Zahl also, diese 275 + l. Man denke auch an die Zahl des Zwang zur Wahl. Wird die „Vier" ihren eigenen Weg gehen, wird die
Adam, des diesseitigen und des jenseitigen Wertes, welche zusammen Schöpfung sich unabhängig machen, oder wird die Einheit bleiben? Wird
doch die 555 bilden. die Einheit zerbrochen werden und der Bruch bestehenbleiben, oder wird
die Einheit wiederhergestellt? Diese Frage, ein Drama eigentlich, bietet
Jedes Blatt, so heißt es, mißt 4 sere th und 1 tephach. Das sind also 4 sich dar in der Fülle der Form, in allen 27 5 Ausdrucksmöglichkeiten, im
Spannen, 4 x der Abstand vom gespreizten Daumen zu den anderen Fin- Sinn der absoluten Zahl.
gern. Und der tephach ist gleich der Breite der geschlossenen Hand. Vier Menschen können sich im Schatten des Kikajon aufhalten, be-
Der Unterschied zwischen sere th (7-200-400) und tephach ( 400-80-8) richtet die Überlieferung. Die Vierheit, wie sie die Welt erfüllt, wie sie der
liegt darin, daß im ersten Fall der Daumen so weit als möglich von den 4 Mensch auch zum Ausdruck bringt in den vier Welten und in den vier
Fingern entfernt ist, und daß er sich im zweiten Fall eng an sie anschließt. toldoth, den vier Geburten-Erzählungen ("Bauplan").
Daumen und Finger drücken im Bild des Menschen das Grundprinzip des Am Menschen gemessen ist amah, die Elle, 2 sere th oder 4 tephach "".
1 : 4 aus ("Bauplan"). Der Unterschied im Zahlenverhältnis besteht also Die menschlichen Körperproportionen bauen sich also auch nach der
darin, daß das eine Mal die ,,1" gelöst ist von der ,4", das andere Mal Regel 1-2-4. Da des Menschen Maß nach der Überlieferung 3 1/2 Ellen
als 1-4 zur 5 verbunden. ist die 3 1/2 als die volle Länge, so wie die 3 1/2 Zeiten die volle Länge
der Zeit angeben mißt er 3 1/2 x 4 tephach oder 14 Handbreiten. Die
Und nun zeigt der menschliche Körper ein typisches Verhältnis: ein
verbundene 1-4 teilt also dem Menschen die Zahl 14 zu, die Zahl Davids
sereth entspricht genau zwei tephach, die Spanne ist zweimal die Hand-
(4-6-4). Mit der sere th sind es natürlich 7; die eine Seite bloß. Die andere
breite. Wenn die 1-4 also eine Einheit bildet, dann ist sie die ,,Eins" ge-
bleibt unsichtbar, solange die „Eins" von der ,Vier" geschieden bleibt.
genüber der ,,Zwei" im Falle der Teilung der 1-4, dann, wenn der Dau-
In der Überlieferung (Talmud Bawli, Traktat Schab bath P 2) ist auch
men von der Vierheit der Finger getrennt steht. In der Tat, die Zweiheit
vom schemen kik die Rede, dem öl des Kikajon, wobei auf den Jonah-
und damit die Vielheit beginnt dadurch, daß die „Vier" sich von der
„Eins" abtrennt.
Jod und Kaph, die Namen für die 10 und die 20, sind beide auch die Namen für
In jedem Blatt des Kikajon ist so die Struktur von Einheit und Viel- die Hand.
heit festgelegt. Die sereth, dort wo die ,,Eins" von der ,,Vier" geschieden ++ Es werden hier die Maße genommen, so wie sie sich beim Menschen ausdrücken.

ist, kommt als Vierheit im Blatt vor. Die Handbreite dagegen, wo die ln den Maßen, wie sie, obwohl sie diese Namen tragen, sich durchgesetzt haben, ist
die sereth immer 3 tephach, und gibt es zweierlei Ellen, die eine als 6 tephach, die
,,Eins" mit der ,Vier" verbunden bleibt, kommt auch im Blatt als Ein-
andere als 5 tephach. Diese Abweichungen - also bewußt statuiert haben natür-
heit vor. Die 1-4 wird hier also auch mit den Maßen der menschlichen lich ihren Sinn. Hier habe ich aber die Maße genommen, wie sie, ihrem Namen
Hand ausgedrückt und ausgemessen, der jad, der 10, sowie der kaph, der nach, beim irdischen Menschen sich ausdrücken.
» zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

346 VII. Das letzte Gespräch

bericht Bezug genommen wird. Dieses schemen kik (300-40-50 100-10-


100) darf nicht als Licht für den Sabbath gebraucht werden, wird gesagt.
Der Sabbath muß lange dauern; er wird gedehnt, man beeilt sich, ihn be-
ginnen zu lassen und man zaudert beim Verlassen des 7. Tages. Das öl,
welches das schnelle Kommen und Gehen in sich trägt, kann nicht das
Licht für unseren 7. Tag abgeben. Der läuft ja im äußersten Kreis ab und
dehnt sich in die Länge.
Im Worte kik, das auch den Stamm des Kikajon bildet, drückt sich
dieses schnelle Auftreten aus. Von 10zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
2 zur 10 dieser Welt und zurück zu

102 , aus dem es herstammt. Zugleich kommt ihm der Wert 210 zu, redu .¢
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("Bauplan"), das Herabsteigen zu dieser Erde, auf der es sich vergegen-
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ständlicht. 210 ist auch der Wert von dor (4-6-200), Geschlecht oder e ~l
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Der Kikajon steht also in der Morgenfrühe da, über Nacht erscheint
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er. Er spendet den erquickenden Schatten, zu Jonah so großer Freude.
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Ja, diese Freude begleitet unfehlbar das Leben. Niemand will von diesem
Leben auf irgendeine Weise Abstand nehmen. Wenn auch ganz verborgen
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und unbewußt, kennt man die davon ausgehende Freude, die Freude,
welche die Erlösung in sich trägt. So genießt Jo nah, über die ,, 120" hin- «$3¿sz33i
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aus, die dieses Leben begrenzen, den aus dem Nichts für ihn geschaffe- '»
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6. Der Wurm, Geheimnis des Zurückbringens

In der Nacht aber beruft Gott den tola-ath (400-6-30-70-400), und


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dieser tötet den Baum. Er zerschneidet seine Lebensader, und der Kika- «tt.-„!¢ " is+;
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jon verdirbt. Der andere Morgen schon findet ihn abgestorben, und die 9±3 "-

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Sonne dort, wo Jonah sich so nahe dem Ursprung befindet, brennt und \\,."If• L,,,illf~l'Cj
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gleißt und versengt Jonah. ~
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Auch vom tola-ath, dem ,,Wurm", dem scherez, heißt es, daß er von
Gott vorbestimmt ist. Wieder wird das Wort wajeman gebraucht.
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Im Jonahbericht heißt Gott stets ha-Sehern, der Herr, 10-5-6-5. Aus- '· ts
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schließlich beim Kikajon erscheint Gott auf einmal als ha-Sehern Elohim,
also als ,,Herr Gott". AIs middath ha-rachamim spricht Gott zu Jonah,
fordert er ihn auf, nach Niniveh zu gehen. Und auch als der Barmherzige
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ruft Gott den Fisch auf und heißt - nachdem die ,,Dreiheit" vorbei ist - ,3----
den Fisch, Jonah zurückzugeben. Beim Kikajon aber tritt Gott in beiden /
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6. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Der Wurm, Geheimnis des Zurückbringens 347

Eigenschaften auf, mit seiner middath ha-rachamim und mit der middath
ha-din, der Gerechtigkeit. Beide in Einheit. Denn das Kommen des Kika-
jon ist auch gegründet im Recht. Der Kikajon erscheint, aber er muß auch
wieder gehen. Dies gehen-Müssen ist einzig zu begreifen durch das Wissen,
daß dem Recht zunächst die Barmherzigkeit steht, und daß beide eigent-
lich eine Einheit bilden. In Gott sind sie eins.
Und wenn Gott darauf den tola-ath aufkommen läßt, dann zeigt sich
Gott hier allein als Elohim, als Richter. Denn Jonah steht nun vor der
anderen Seite, vor der Seite, von welcher Untergang ausgeht- ein Ver-
hängnis, das er für Niniveh doch selbst erwartet und ,recht" gefunden
hat. War er nicht selbst als Elohim aufgetreten? Als Richter, urteilend
über Niniveh, welches soviel Böses getan hatte, daß es den Untergangs-
spruch, wie er über Sodom ergangen war, auch auf sich herabzog? Sicher
fürchtete er Niniveh als die Macht, von der aus das Joch der Verbannung
auf Israel gelegt würde. Er wünschte, das wehrlose Israel zu beschirmen
vor der Härte der Gefangenschaft. Aber Niniveh ist nun einmal das Leben
dessen, was hier im Körper erscheint. Auch das hat Sinn, auch hierfür
hat Gott mit großer Liebe und Fürsorge alles bis in die kleinste Einzelheit
gemacht und umsorgt. Sicher ist Verbannung ein Opfer. Aber ist das Zu-
standekommenlassen dieser Schöpfung bis zu den äußersten Konsequen-
zen nicht auch das Opfer? Es ist doch dieselbe Verbannung, die der
Schechinah hier widerfährt.
Wenn Jonah also dieser Welt und Schöpfung nicht das Leben gönnen
will, dann ist er in jenem Gespräch im Himmel die abratende Seite: ,,laß
diese Welt nicht ins Dasein treten; sie wird viel Elend mit sich bringen."
Aber das Leben dann, die große Freude, die es bewirkt, das frohe Rufen
der Natur, der Kinder, der Tiere, ist das nichts? Und da kommt der Ki-
kajon; über Nacht ist er in Pracht erstanden. Doch in der anderen Nacht
wird er schon wieder hinweggenommen. Der Richter tut es, der Elohim.
Und nun ist es Jonah sehr elend zumute. Denn nun hat er gesehen, was es
bedeutet, wenn Leben weggenommen wird, Leben mit all seiner Pracht.
Was für Wunder waren da nicht in diesem kurzlebigen Kikajon, in jedem
seiner 2 7 5 Blätter? !

Es ist die Frage an den Richter. Und der Barmherzige antwortet spä-
ter darauf: ,,Soll ich mich über Niniveh nicht erbarmen?" Laß das Leben
hier doch lange dauern, laß die Zeit den Anschein der Dauer haben, damit
»

348 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 7. Ostwind, Hauch vom Ursprung 349

die Freude um das Wunder des Kikajon und des Lebens mit ihm voll Bestandteil der Situation. Es ist das Drama eines jeden Tages- man ver-
werde. gesse dies nicht -, wenn der Mensch sich in dieser Lage befindet. Denn
Auch der Wurm ist vorbestimmt. Alles ist schon im Schöpfungsplan der Mensch erlebt es auf dem Punkt, wo er den Weg zurückgefunden hat
vorhanden. Der tola-ath bringt den Kikajon zu seiner neuen Bestimmung. und dann auf die Welt herabsieht. Man vergegenwärtige sich da nur den
Woher kommt das, was als solch ein Wunder in Mannigfaltigkeit und Bar J ochai-Bericht. Bar J ochai tötete einen pflügenden Bauern mit sei-
Aufbau hier erscheint, wie gelangt es doch hier zur Erscheinung, und wo nem Blick. Denn Bar Jochai hatte doch das große Wunder geschaut, was
ist sein Ort, wenn es hier vergeht? Das ist die Frage an den Richter. Du bedeutete da noch diese Welt ("Bauplan"). Da stellt sich aber für den
urteilst, du willst verschonen und in Anbetracht der kommenden Verban- Menschen der tola-ath ein und auch der Ostwind kommt auf. Der Mensch
nung vorbauen; aber überblickst du auch alle Ursachen, weißt du, wo al- schäme sich nicht darob. In alledem spiegelt sich auch das Gespräch im
les herkommt und wohin alles geht? Wenn du das weißt, dann wird ein- Himmel bei der Schöpfung. Dies Gespräch geht eh und je vor sich. Es bil-
zig Erbarmen in dir aufsteigen. Ganz einfach Erbarmen für das Leben det sich auch in der Zeit ab. Denn es ist keine Kleinigkeit, diese Welt
hier, das soviel Freude, Spannung, Erwartung weckt. Laß die Welt doch trotzdem noch anzunehmen, nachdem man dem Großartigen begegnet ist.
bestehen, nimm die Welt ernst, räume jedem seine Lebensmöglichkeit ein. Der ruach kadim (200-6-8 100-4-10-40), der Ostwind, weht gewaltig
Der verborgene Wert von tola-ath ( 406-22-74-130-406 minus 906) ist dort, wo sich Jonah befindet. Denn er ist der Erste, den er trifft nichts
132. Der verborgene Wert von Kikajon (186-20-186-20-22-106 minus 276) ist zwischen ihm und dem Ursprung. Ruach ist auch das Wort für Geist.
ist 264. Der Wurm ist demnach, im Verborgenen, die ,,Eins", welche die Der Wind aus dem Osten weht vom Ursprung her. Kedem, Osten, ist
,,Zwei" des hier Erscheinenden wieder zurückruft. Jedes Wesen, auch das ja dasselbe Wort wie ,,früher, vorher". Man steht im Osten unmittelbar
unansehnlichste, wie dieser elende Wurm, hat hier seinen klaren Sinn, bei dieser Vorzeit. Osten ist nicht nur geographisch gemeint. Wenn man
seinen Platz. Und diesem tola-ath, bei dem, wie schon besprochen, die den Wind, auch den Geist, so als Erster auffängt, durch nichts und von
rote Farbe eine Rolle spielt, die Farbe des Lebens, Edoms, auch des ra, niemandem gemildert, dann ist er so durchdringend, daß man ihn nicht
diesem tola-ath ist es vorbehalten, das wunderbar erscheinende Leben erträgt. Man will dann aufs neue diese Welt und dies Leben aufgeben. Es
wieder in das Verborgene zurückzuführen. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
ist in der Tat ein banges, verzehrendes Gefühl, wenn man so nahe am Ur-
Wir sehen, daß 132 auch 12 x 11 ist, das Verhältnis, das wir auch sprung steht, dem mit voller Wucht sengenden Sonnenlicht, dem Verdor-
beim Kikajon antreffen. Der Kikajon ist doch 12 x 23, mit der 23 als 11. ren durch den Windhauch, der aus der Urkraft hervorbrennt. Was hat
in der Reihe der Primzahlen, ebenfalls diese 12 x 11. Und hier sehen wir man dann noch mit dieser Welt und allem, was zu ihr gehört, zu schaffen?
nun, wie der verborgene Wert von Kikajon zweimal die 12 x 11 ist. Wer Dann fragt der Elohim: ,,Hast du nun Sorge und Aufregung um die-
sollte vermutet haben, daß dieser angestrengt nagende Wurm, dieses halb sen Kikajon? Was vermagst du in diesem Leben und in dieser Welt ohne
unterirdische Wesen, die ,,Eins" ist gegenüber der Pracht des erscheinen- Kikajon? Erkennst du nun wohl, wie wichtig es ist, daß der Mensch einen
den Lebens?! Körper bekommt, damit dieser Urbrand gedämpft werde, siehst du den
Sinn des Lebens nun ein, den Sinn alles dessen, was diesem Ursprung
7. Ostwind, Hauch vom Ursprung gegenüber Gestalt geworden ist? Siehst du jetzt auch den Sinn jedes Le-
bens und auch seiner mächtigen Vielheit?"
Nun der Kikajon abgestorben ist, läßt Elohim, wieder Gott in der Und dann ist es wieder Gott, der Herr, der weiterspricht. Recht und
Eigenschaft als Richter, einen heißen, durchdringenden Wind aus dem Barmherzigkeit fallen ja zusammen. Denn Gott der Herr sagt nun: ,,Der
Osten herankommen. Wieder heißt es wajeman; auch hier hat Gott es so Kikajon tut dir leid. Aber weißt du auch, woher alles kommt, wie es dort
gefügt. Es war schon so geordnet, es mußte geschehen. Und so kommt aussieht, wohin alles schließlich wieder geht, und wie es dort wieder
denn in dieser Lage der Wind auch immer und fortwährend. Er ist ein zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
wird? Du kennst die Pracht und das Wunder hier. Erkenne nun, daß dies
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350 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 8. Verborgene Werte erzählen 351
Leben verbunden ist mit dem Wesentlichen, daß es hier auch nur erschei- also so nahe am Ursprung lebt, daß er über die 120 hinaus sehen kann
nen kann kraft seiner Verbindung mit dem Wesentlichen, und begreife, und die 130 hat - über die 12 dieser Zeit hinaus in die 13 reicht ("Bau-
daß das hier Erscheinende nichts anderes als ein Ausdruck des Wesentli- plan") - hat den verborgenen Wert 322. Der volle Wert von zel kikajon
chen ist. Darum hat alles auch eine so wunderbare Struktur, ist so man- ist 104-74 186-20-186-20-22-106, also 718; der äußere Wert beträgt
nigfaltig und verschiedenartig, sei es in seiner Einzigartigkeit, sei es als Die von uns
90-30 100-10-100-10-6-50, also 396. Und 322 ist 14 x 23. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVU
Teil des großen Ganzen. Und so ist allem gesetzt, daß es wieder zurück- bereits besprochene Zahl 23 ist also verflochten und verwoben denn
kehre durch den fressenden tola-ath, der im Verborgenen die ,,Eins" ist darin besteht das Vervielfachen eigentlich- mit der 14. Die 14 kennen
gegenüber der ,,Zweiheit" im Erscheinen. Aber was erscheint, bleibt doch vir auch schon als den Begriff der doppelten sieben, oder als ,,David".
auch hier, indem es immer neu erscheint. Das ist das Wunder der Zeit, So ist 322 demnach das Lebende, das chajah, verwoben mit der Erfüllung
daß alles sich wiederholt. Die Schmetterlinge kommen und gehen, und dieser Welt des 7. Tages. Wir erklärten bereits, daß der verborgene Wert
allezeit sind Schmetterlinge. Diese Welt hier ist der Teil, ,,der Frucht eines Erscheinenden dessen Inneres ist, das durch das Sichtbare, durch
macht". Hier ist stets die Zeit, das Wachstum, das Kommen und Gehen. seine äußerliche Schale, bedeckt wird. Man kann das Verborgene durch
So oft etwas wächst, bedeutet es, daß sich hier Veränderung zeigt. Und die Umhüllung eben gerade nicht sehen. Aber alles, was hier erscheint,
das Prinzip ist, daß es seinen Anfang woanders nahm, um hierher zu wird getragen durch das Innere, durch den Inhalt. Das Erscheinende ver-
wachsen, und daß es dann, zum Abschluß, wieder von hier wegwächst. birgt den Kern, von dem es seinen Wert empfängt.
Diese Zeitwelt ist Bestandteil des Ganzen, sie ist diese Seite, und ohne
diese Seite besteht nichts. Die Ganzheit ist die Einheit der beiden Seiten, 8. Verborgene Werte erzählen
des Baumes, ,,der Frucht ist und Frucht macht"."
Auch für den Ostwind gilt das wajeman, daß er vorbereitet ist. Immer- Der volle Wert eines Buchstabens erscheint in dessen ausgesproche-
zu ist ein Kommen aus dieser Richtung. Doch in dieser Welt wird es ver- nem Namen; der volle Wert eines Wortes reiht die Namen der Buchsta-
langsamt, aufgehalten, gebrochen. Niniveh ist nach Jonah das Erste, was ben, aus denen es aufgebaut wird, aneinander. Beim Aussprechen eines
diesen Wind spürt. Denn Niniveh ist der Ausgangspunkt für das Leben Wortes verschwindet die Ganzheit der Buchstaben; hörbar bleibt nur ihr
hier. Und bis zu unserer Welt hin ist die Hitze schon sehr gemindert. Diese äußerlicher Wert, nämlich der erste Buchstabe ihres Namens; der Rest
Welt ist auch die vierte, und das Licht ist durch die vorangehenden Wel- geht beim Aussprechen verloren. In seinem Namen führt jeder Buchstabe
ten schon gebrochen (über die 4 Welten s. "Bauplan" und "Esther"). sein eigenes Leben.
Das ist der Sinn dieses Körpers, des Körpers, der die Zahl 120 ergibt, Wenn die Thora gelesen wird, muß darum der Leser die Buchstaben
den Schatten. Durch diesen Schatten kann der Mensch hier bestehen. Der auch sehen. Wenn er schon die zu lesenden Verse auswendig weiß, das
Kikajon äußert sich hier als lange Zeitdauer. Darum heißt er hier auch Lesen der Thora ist stets ein Sprechen und Sehen zugleich. „Links" und
nicht mehr Kikajon; und darum ist das Licht des siebten Tages nicht vom ,,rechts'.' müssen sich vereinigen. Bloßes Lesen mit den Augen ist nicht
schemen kik, vom öl dieses Baumes. das wirkliche Lesen; durch die Stimme, kol (100-6-30) müssen die Worte
Dieser Ostwind wird durch Gott hervorgerufen, als der Kikajon nicht auch Gestalt bekommen, sie müssen den Raum füllen. Aussprechen allein
mehr da ist. Der Kikajon gab Schutz gerade durch seinen Schatten, zel. In genügt ebensowenig, weil dabei der volle Wert jedes Buchstabens verlo-
diesem Zusammenhang ist ein großes Geheimnis verborgen. Etwas davon rengeht und nur sein äußerlicher Wert bestehen bleibt. Sprechen erfolgt
möchte ich hier erzählen; vieles wird man dann mit Hilfe der Anweisun- von links her, wie auch das Hören, welches damit zusammenhängt. Und
gen selbst herausfinden müssen; es eignet sich nicht für die Niederschrift. die linke Seite ist ja die umhüllende und bedeckende. Man denke an
Und vielleicht wird man dann auch die Tür zum Weiteren finden. Kleid, simia, und links, smol ("Bauplan"). Durch das Sprechen kommt
Der zel kikajon, der Mensch also, der durch diesen Kikajon lebt, der nur die Umhüllung zum Ausdruck, und dasselbe gilt natürlich für das
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352 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 8. Verborgene Werte erzählen 353
Hören. Von rechts her erfolgt das Sehen, welches jedem Buchstaben sein Der verborgene Wert von Jonah ist 92 (20-22-106-15 minus 71), dies
volles Recht gibt, weil es seinen Namen zur Geltung bringt. Der volle ist 4 x 23. Der bestimmende Wert Jonahs ist also 1/3 des gewöhnlichen
Wert ist also eigentlich das Wort in seiner ausgeschriebenen Sichtbarkeit, Wertes von Kikajon, der ja 12 x 23 ist.
wie es auf der rechten Seite erscheint. Doch dieser verborgene Wert von Jonah hängt auch zusammen mit
Für unsere ,,linke" Welt entsteht der volle Wert aus dem verborgenen dem verborgenen Wert des Lebens dort, nahe am Ursprung, des Lebens
Wert. Denn zu diesem fügt sich von selbst der gesprochene und vernom- in seiner Form als ,,Schatten des Kikajon". Was ist das dortige Leben
mene Wert und bildet so wieder den vollen Wert. Der verborgene Wert ist eigentlich? Wir fanden schon, daß es sich als 14 x 23 darstellt. Und wir
also wohl auf der linken Seite, jedoch kommt er nicht zum Vorschein, er sehen nun auch, daß diese Zahl genau 3 1/2 mal den verborgenen Wert
äußert sich nicht. Und weil das Lesen gewöhnlich auch oberflächlich ge- von Jonah ausmacht. Der zel kikajon ist also tatsächlich diese Welt der
schieht, wird auf diesen verborgenen Wert, neben dem zum Ausdruck 3 1/2 Zeiten. Er lebt als verborgener Wert in ihr, und er bestimmt das
gebrachten gewöhnlichen Wert, soviel Nachdruck gelegt. Denn beim Aus- Geschehen in dieser Welt. Und Jonah ist der Mensch, nach dem diese
sprechen des Wortes schwingt der verborgene Wert doch mit. Man braucht 3 1/2 Zeiten gemessen werden.
die Buchstaben; aber wenn man schon nur ihren äußerlichen Wert ver- Zuerst baut sich Jonah dort ostwärts von Niniveh die sukkah, wovon
wendet, so hat man sie doch aufgerufen und in dieser Welt zum Leben bereits die Rede war. Nun ist aber der verborgene Wert von sukkah 138
gebracht. Wenn man liest, sieht man gewöhnlich, es sei denn, man lese (108-100-15 minus 85), und das ist 6 x 23. Es erhellt, daß alles ineinan-
mit der wahren Konzentration und Hingabe, doch nur das, was den Klang greift, wenn man einmal die Struktur kennt und sie sich zum Ausgangs-
ausmacht, was sich also bloß in seinem linken Charakter ausdrückt. Dar- punkt nimmt. Denn die sukkah ist die 1 1/2 mal des Grundmaßes, unter
um wird empfohlen, beim Thoralesen jeden Buchstaben, der dasteht, der Voraussetzung, daß Jonah als Maßstab gilt. Und wir wissen, daß mit
auch ins Auge zu fassen, wobei der Text dann auch nicht oberflächlich, der Erfüllung der 1 1/2Zeiten der Auszug aus Ägypten stattfindet, wo-
zum Vergnügen oder aus Gewohnheit, gelesen wird. mit der Zug durch die Wüste seinen Anfang nimmt. Wenn man sich von
Der verborgene Wert ist also, wenn auch unbemerkt, doch stets gegen- Ägypten löst, dann bewegt man sich von Ramses nach Sukkoth (Ex. 12,
wärtig. Anders bleibt das Wort eine leere Schale. 37). Und weiterhin wird berichtet, daß Israel auf der Wüstenwanderung
Und man schaut auf diesen verborgenen Wert, wenn man angeben zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
in Sukkoth wohnte. Denn wenn die Zeit zur Hälfte voll geworden ist und
will, was ein Wort hier eigentlich, in seinem noch ungesehenen und noch sie dann als ,,Eins" gegenüber der Ganzheit der ,,Zwei" steht, dann ist es
nicht vernommenen wesentlichen Kern, in sich schließt. Dieser Wert ist die Zeit der Wunder, beim Auszug und in der midbar, der Wüste, die sich
hier und bestimmt alles, doch man weiß es nicht, weil man eben nur das bis an die Grenze der kommenden Welt erstreckt ("Bauplan').
Äußerliche sieht. Richtet der Mensch für sich die Sukkah als Wohnstätte auf, so gibt
Wir sahen bereits, daß der verborgene Wert des Kikajon in Beziehung Gott ihm das Wunder des Kikajon. Denn dann kommen noch die ,„Zeiten",
steht mit dem tola-ath, nämlich im Verhältnis 2 : 1;da offenbaren sich die doppelte Zeit, welche die Zeit der ,,Zweiheit" ist. Der Kikajon gibt
Dinge, die anders nicht zu finden sind. Denn es vollzieht sich eben unter das Leben in dieser „,doppelten Zeit."
der Oberfläche unseres Scheins, und weil es verborgen ist, kann es Wir- Gegenüber der ,,Eins" - Jonah steht die sukkah als 1 1/2 und der
kung haben. Das ist denn auch des Verbergens Sinn und Bedeutung. Man zel kikajon als 31/2, und diese Proportionen sind nur durch den verbor-
denke an den Estherbericht. Eben dadurch, daß das Wesentliche hier genen Wert zu finden. Vom Geheimnis geht die Wirkung aus; das Geheim-
auf der linken Seite - umhüllt wird, kann es so besonders wirksam sein. nis, wir sagten es schon, ist das Bestimmende.
Die Umhüllung schützt es auch, denn nunmehr geschieht es im Verbor- So ist also der Mensch in der Zeit, im Körper, bemessen. So ist denn
genen. Die Auswirkung aber nennen wir Zufall, unser Tun im Zufälligen auch die Welt beschaffen.
Der äußerliche Wert von ruach kadim ist 214 + 154 = 368 (200-6-8
bekommt daher den Charakter des Un berechneten, des ,,umsonst". zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
,

354 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 9. Die Grenze zum Ursprung 355
100-4-10-40), und das ist 16 x 23. Er vollendet die ,,Vier", indem er mit Besitz ergriffen. Der Kummer der Enttäuschung nämlich ließ Esau diese
dem gewöhnlichen Wert die mangelnde Hälfte mitbringt. Auf den ersten Welt zukommen. Nicht aber in ihrer vollen Vierheit; die dritte Träne
Blick ist diese fehlende Hälfte ein Rätsel. In der Überlieferung heißt es, blieb auf halbem Wege stecken.
sie sei die ,,halbe Träne Esaus". Darum kommt dem Leiblichen bloß die 58 zu, welche also 3 1/2 mal
Wie nämlich Esau gewahr wird, daß diese Welt doch nicht das Ent- die biblische Weltzeit von 1656/57 / 58 ist. Dann ist es mit der Herrschaft
scheidende ist und daß die Schöpfung es vorgesehen hat, wie eine List, den des Äußerlichen, des Körperlichen, zu Ende. Darum gibt Jakob Esau auch
Menschen in den Körper zu kleiden, damit er durch ihn den Segen emp- die 580 Tiere. Kurzum, die letzte halbe Träne bleibt verborgen. Diese
fange, vergießt er Tränen. Die Schöpfung versieht den Menschen mit letzte Hälfte, die nicht mehr zutage getretene Träne Esaus, kommt jetzt,
einer Umhüllung. Wir sahen bereits, wie auf der linken Seite - in dieser wo der Ostwind Jo nah auszudörren droht. Jonah ist körperlich dort zu-
Welt- in allem das Verborgene ist. So birgt sich auch in der Gestalt des gegen. Er ist diesem Winde, der die 16 x 23 ist, äußerlich preisgegeben. Es
Menschen der verborgene Mensch. Esau ist die Kraft des Nordens, wo das ist das Leben in der Vielheit der 16 (siehe oben), das Leben nun mit der
Rote, das Leibliche residiert; er erblickt die Pracht der Welt und wähnt, vollen 4 nach der 3 1/2, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHG
die der Mensch hier im Körper, im zel kikajon,
daß aus seiner Kraft die Erlösung für den Menschen in dieser Welt kom- an der Grenze des Ursprungs vom Leben zubrachte.
men würde. Dieser Meinung ist in der Tat die ganze Menschheit, in allen
ihren Gliederungen und Rassen, und der Mensch ist bereit, alles zu opfern,
um dieses Ziel zu erreichen. Doch auf einmal zeigt es sich, daß die Erlö- 9. Die Grenze zum Ursprung
sung aus einer anderen Welt kommt. Wie ein Dieb in der Nacht ist sie ver-
stohlen eingedrungen und hat den Segen davongetragen. Alles ist jetzt Charischith (8-200-10-300-10-400) heißt dieser Ostwind, durchboh-
ganz anders, just durch das, was hier nicht erscheint, durch den verbor- rend mit seiner Hitze, versengend. Der Körper kann ihm denn auch nicht
genen Wert. Wie denn auch Haman fällt, weil Esther in dieser Welt die standhalten und, wie der Midrasch erzählt, die scherazim beginnen Jonah
verborgene ist. wieder zu peinigen. Der Körper kann nur die 3 1/2 aushalten, die 58;
Wie Esau dessen nun innewird, wie er sieht, daß seine Lebensweise, darüber hinaus vermag er nicht zu existieren. Und der Zustand eines Le-
sein Mühen und Jagen beschämt dastehen, weil er in seiner Selbsteinge- bens mit diesem Körper ist Jonah unerträglich. Es ist in das Gebiet gera-
nommenheit (eigentlich seiner Unbescheidenheit gegenüber dem Himmel) ten, wo dieses Leben nicht mehr bestehen kann.
nicht mit der Überlegenheit des Unwahrnehmbaren gerechnet hat, da An diesem kritischen Punkt weist Gott, in seiner Eigenschaft als Herr,
wird er von bodenlosem Haß erfüllt. Er wird zornig gegen das Verborge- im Zeichen der rachamim also, Jonah auf Niniveh hin.
ne und ist niedergeschlagen ob seiner Ohnmacht. ,,Du siehst, was es bedeutet, wenn der Schatten des Kikajon, der dir
Mehr oder weniger spielt sich das selbstverständlich in einem jeden das Leben gab, wegfällt. Und soll dieser nun wegfallen für Niniveh, für
Menschen ab. Dagegen gefeit ist nur der Mensch, der ,,fastet". die unzählige Vielheit der Geschöpfe, welche die ,,12" erfüllen?
In seiner Enttäuschung vergießt Esau nun Tränen. Die Überlieferung Also doch weiterleben; anders vielleicht, in Worten nicht auszuspre-
sagt, es seien deren 2 1/2. Die Scheidung, das den Unterschied Machen chen. Dennoch weiterleben, hier auf Erden; auch auf Erden. Der Baum,
im Prinzip, findet statt, wenn schon eine Zeit vorbei ist. Drei müssen der Frucht ist, macht auch Frucht. Das eine und das andere. Wenn man
noch folgen, um die Vier vollzumachen. Doch die dritte Träne wallte an der Grenze der 58 steht, merkt man das.
wohl auf in Esaus Auge, fand aber nicht den Austritt in die Welt, sie blieb Charischith ist im Wert 928, und damit ist es auch 16 x 58. Hier ist
in seinem Auge stecken. Und die Überlieferung sagt, daß, hätte Esau die 58 mit der Vielheit verwoben. Dieser Wind, aus der Richtung des
auch diese dritte Träne fallen lassen, für Israel kein Platz mehr in die- Ursprungs (reschith) weht demnach als ruach kadim und als charischith
ser Welt gewesen wäre. Das Körperliche hätte dann von der ganzen Welt (16 x 23 und 16 x 58). Die eine Seite, der Wind selber, ist die Verflech-
356 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 1 O. Das Leben bleibt 357

tung des Begriffs chajah, des Gesetzmäßigen dieses Lebens, der Elohim- Gott spricht dann als der Herr, und das Leben ist da für Jonah ebenso
Seite, mit der 16 als dem absoluten Ausdruck von Vielheit. Die 16 x 58 wie für Niniveh. Durch den einen spricht Er für den anderen, und durch
aber gibt das Zeichen für das Ende, das Ende dieses Lebens. Es ist auch den anderen für den einen. Das Leben und die Schöpfung sind doch eine
wirklich das Ende, es ist die Grenze des Möglichen. Wer von diesem ruach Einheit; es ist die Einheit des Baumes, der Frucht ist und Frucht macht.
kadim charischith angehaucht wird, wird durch Feuer und Licht des Ur- So heißt ja doch der Baum des Lebens, der ez ha-chajim.
sprungs verzehrt. Und das erweist sich auch, wenn man den vollen Wert dieses ,Windes"
Was Gott an vierter Stelle aufruft nach dem Fisch, dem Kikajon nimmt, dieser Botschaft aus dem Osten, vom Ursprung. Und wenn man
dann den verborgenen
und dem Wurm - ist also als Gesamtheit 16 x (23 +zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
58) oder 16 x 81. Wert feststellt, dann begreift man, wie das Leben
Und 81 ist die absolute Zahl für Natur und Gesetzmäßigkeit: tewa (9-2- in der Tat weitergeht. Und zugleich sieht man, was mit dem Leben da
70). Die Verflechtung davon mit der 16 bedeutet, daß es mit ihr zu Ende vorgeht und wie es sich an diesem Punkt äußert.
gegangen ist; es ist erfüllt und vollendet. Die Welt der Gesetzmäßigkeit Der volle Wert von ruach kadim charischitl ist 510-22-408 186-434-
hat ihre Zeit gehabt, und nun kommt aus dem Ursprung das Wort und 20-80 408-510-20-360-20-406, und das ergibt 3384. Der äußerliche Wert
das Geschehen, die anzeigen, daß es nunmehr abgelaufen ist. ist 200-6-8 100-4-10-40 8-200-10-300-10-400 = 1296. Der verborgene
So äußert sich das alles im Äußerlichen. Und das bedeutet auch für Wert steht darum bei 2088. Als bestimmender Faktor tritt hier die 72
diese Welt einen Wendepunkt. Jetzt ist der Tod da. Alles zeigt doch an, hervor; denn der volle Wert ist 72 x 47, der gewöhnliche 72 x 18, der
daß es aus ist, alles gipfelt hier in diesem Punkt, und das Leben fällt verborgene also 72 x 29.
dann auseinander. Wir kennen die 72 ("Bauplan") als den höchsten vollen Wert des
Jonah spricht es auch tatsächlich aus. Die Vollendung der ,4" ist Herrennamens, des Gottesnamens, der mit der middath ha-rachamim ver-
entsetzlich für dieses Leben. Daß Esau ein Ende nimmt, ist, bei ihrer bunden ist. Und dieser ist es nun wieder, der spricht, wenn Jonah, der
Zwillingsbeziehung auch für Jakobs Bestehen entscheidend. Die Natur- verzehrenden Hitze des Ostwinds ausgesetzt, dem Sterben nahe ist.
welt, die runde, endigt. Und wo das Ende herbeigekommen ist, da ist lm verborgenen Wert, 72 x 29, stellt die 29 die wirkliche 12 dar, da
auch das Gespräch mit Elohim. Wenn der Kikajon erscheint, tritt Er be- die 29 in der Reihenfolge der Primzahlen die zwölfte ist. Die Barmher-
reits hervor, aber noch als der Herr Elohim. Doch schon beim tola- zigkeit des Herrn wird durch diese verborgene Bedeutung des Geistes,
ath und beim Ostwind und auch nachher geht das Gespräch, das somit der vom Ursprung her weht, mit Niniveh verbunden, das ja die Welt der
veranlaßt ist, allein mit dem Elohim vor sich. Bis zu allerletzt im ent- 12 ist; und so bleibt Niniveh bestehen.
scheidenden Moment, da wo es in der Tat für den Menschen nicht mehr Unerträglich ist dieser Wind. Die bewegende Kraft aber, zum Ausdruck
weitergeht, wieder Gott als Herr auftritt. Denn nun zeigt Gott, daß durch kommend im verborgenen Wert, zeigt an, daß hier Rettung und Bewah-
die Barmherzigkeit, und allein durch sie, alles doch fortdauern kann. Ja, rung kommt. 72 ist auch die Zahl von chesed (8-60-4), Gnade, Liebe.
diese Welt, dieses Leben, es bleibt. Es bleibt um der großen Vielheit des Auch•.darum wird der volle Wert für den Herrennamen, zugleich auch auf
Lebens willen, die nun einmal erschaffen ist, erschaffen mit einem so andere Art die Zahl für ,,Herr", dann auch 72. Gott sagt zu Jonah am
großen und beständigen Opfer. Und es bleibt um der Freude der Geschöp- Ende: ,,du hast chesed gehabt (athah chastha) mit dem Kikajon". Du hast
fe willen, es wird getragen um der Teschuwah willen, welche Niniveh so diese 72 in dir gefühlt, als du das Wunder des Kikajon, wodurch du wie-
spontan auf sich nimmt. Was immer auch ferner in die Verbannung dieses der aufgelebt bist, verschwinden sahest. Das erfahre ich nun im Zusam-
Lebens treten wird, es wird sie heil überstehen. Denn was in Verbannung menhang mit dem ganzen Leben, dem Leben der gesamten Welt. Und
geraten ist, ist doch innig verwandt mit Gott, und Gott weiß, daß er ihm darum kann ich Niniveh nicht mehr fahren lassen; dies Niniveh, wie der
vertrauen kann. Man wird einander erkennen, und es wird gut sein so. Bericht auch endet, mit der Zwölfheit als seinem Bestimmenden. In der
Tat, die chesed, die 72, ist mit der 12 verbunden.
'
358 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 11. Das Geheimnis cler Vorsehung 359
Der volle Wert des Sturms aus dem Osten ist 72 x 47. Auch 4 7 ist eine Wasser geholt, herausgefischt, durch den jetzt aufgekommenen Hauch.
Primzahl, und zwar die siebzehnte. Und die 17 ist uns bereits wohlbe- Es ist tatsächlich dasselbe wie die 72 x 29, die 72 verbunden mit der ,,12",
kannt als Ausdruck der Tatsache, daß da ein Abschluß ist. Es zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
ist die Zahl bloß nun aus dem Aspekt eines veränderten jod. Es bestehen ja 72
für den Begriff tow (9-6-2), gut ("Bauplan"). Schreibweisen des Gottesnamens oder, wie wir auch sagen: es gibt 72
Es wird also von ,,rechts" her gesehen ein Ende gemacht. Ein Gottesnamen.
Ende jedoch mit Erbarmen, mit chesed. Der verborgene Wert, sie, die
diese unsere linke Welt bewegt und bestimmt, sagt aus, daß dies Ende die 11. Das Geheimnis der Vorsehung
Rettung Ninivehs, des Inbegriffs der 12, bedeutet.
Sicherlich, es kommt etwas Neues aber mit dem Neuen geht das Viermal läßt Gott in diesem Jonahbericht etwas geschehen, was schon
Bisherige mit. Das Leben wird aufrechterhalten. vorbestimmt war, was schon zum Schöpfungsplan gehört. Und regelmä-
Der äußerliche Wert nun drückt sich als 72 x 18 aus, wobei 18 für ßig erscheint dabei das Wort wajeman, das ,,und er ruft aut'' bedeutet.
den Bereich des Menschlichen als der Begriff chaj (8-10) gilt. Wie chajah ajeman (6-10-40-50) hat den Wert 106, den gleichen also wie der ausge-
das Leben im allgemeinen ist, anwendbar auf alles, was als ,,lebende schriebene Buchstabe nun, die volle 50. Das, was von Anfang an in
Seele", nephesch chajah, erscheint, so ist chaj speziell das ,,lebe!" im die Schöpfung gelegt ist, ist auch am Schluß da, und es ist dasjenige, wo-
Menschlichen. Für den Menschen drückt sich das darin aus, daß er ein mit der 8. Tag zustandekommt. Die Zahl 106 ist auch der Begriff kaw
Leben lang da bleibt. Die Zahl zeigt es ihrerseits. Die Erscheinung aber, (100-6), der Maßstab oder die Meßschnur und, wie gesagt, ist kaw zu-
das sich äußernde Versengen, scheint Tod und Vergehen zu bringen. gleich der Stamm für die Begriffe Hoffnung und Versammeln.
Die Welt der Zahlen, das Gebiet, wo sich die Verhältnisse ungetrübt
ausprägen, lehrt uns auf diese Weise große Einsicht. Die Voraussetzung Diese zum Vorneherein geschaffenen Gegebenheiten, die immer zur
bestimmten Zeit ihre Wirkung entfalten, sind:
ist, daß wir die Welt der Zahlen zumindest mit einer gründlichen Kennt-
nis des Wortes betreten, wenn wir all das in Dienst nehmen, was uns die der dag (3-4)= 7
Bibel erzählt und uns lehrt, und was die Überlieferung weiß. In Verbin- der kikajon (100-10-100-10-6-50) = 276
der tola-ath (400-6-30-70-400) = 906
dung mit diesen Anweisungen bringt uns die Zahlenwelt umfassende
Aufklärung. Und vor allem bekräftigt sie auf das unerschütterlichste, der ruach kadim charischith = 1296
daß es sich tatsächlich so verhält, wie das Wort es aussagt.
zusammen = 2485
Ich will hier auch aufzeigen, welche Folgen es hat, wenn das jod, das
im Ausdruck ruach kadim charischith dreimal vorkommt, nicht mit dem In diesen vier Begriffen ist eigentlich das ganze Leben des Menschen
höchsten Wert, nämlich mit 20, sondern mit dem geringen Wert von 14 umfaßt, wie auch das der gesamten Welt; sie haben daher den Wert der
(vgl. dazu die Wiedergabe der Schreibweisen der 4 Zeichen des Gottesna- 1 1/2Zeiten. Ihre Erfüllung führt bis an die Schwelle der anderen Welt,
mens) gezählt wird. Der Gesamtwert wird dann um 18 auf 3366 reduziert. führt zum Moment unmittelbar vor dem Betreten des Landes Israel.
Auch der verborgene Wert ist dann ebenfalls um 18 geringer und wird zu Auch die Zeit der Thora ist Ausdruck dieser 1 1/2 Zeiten; im Zeichen
2070 oder 90 x 23. vonjah (10-5) ist diese Zeit zum Wort geworden ("Bauplan").
Hier zeigt sich einmal mehr der durch die Zahl 23 charakterisierte Die Identität ist gegeben. Das Bewegende im J onahbericht ist die in
Zusammenhang, wobei wir zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
diese 23 mit den Faktoren 4, 6, 14 und 16 der Thora wirksame Kraft. Die Struktur zeigt es ebenfalls, neben all dem
vermengt gefunden haben. Für diesen glühenden, verzehrenden W in d vom anderen, das in dieser Geschichte sich kundtut. Der J onahbericht ist
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Ursprung her ist es hier der Begriff 90, der Buchstabe zade, der Haken, denn auch, wie jeder Text, der zum großen Tenach-Komplex gehört, von
mit welchem nach dem Fisch geangelt wird. Das Leben wird aus dem unübertrefflicher Tiefe und Bedeutsamkeit. An ihm kann und muß man
'
VII. Das letzte Gespräch zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
360 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

messen, das eigene Leben, das Leben der Menschen und der ganzen Welt.

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12. Der große und sanfte Jonah •r
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Es ist nötig, diesen Grundgedanken fortwährend lebendig in sich zu


erhalten und sich einzuprägen. Sonst neigt man dazu, in Jonah mehr oder
weniger das zu sehen, was Theologie und oberflächliches Wissen daraus
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Fisch-Geschichte, Ausgeburt einer seltsamen Phantasie, die am Schluß
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darüber grollt, daß Gott Niniveh gnädig vergibt, und die, wiederum auf
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wird. Im günstigsten Sinne ein Mensch, der unbedingt dem Recht seinen «"+
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ganze Bericht gesucht und einfältig, eine recht simple Anekdote.
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gelernt hat. Ihre Bedeutung braucht jetzt, da diese Betrachtung über Jo- E ' Re·
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Weisheit haben wir darin entdecken dürfen. In Jonah spiegelt sich der
Bericht über das Geschehen im Himmel, das Bedenken, diese Welt über-
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und durch das Leben, sowie auch der Erlösung im Tod und durch 4 è? té!3 éii&g
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Wenn die Überlieferung den wieder zum Leben zurückgerufenen Sohn [Link]
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der Witwe von Zarpath dem Messias, Sohn Josephs, gleichstellt, dann i } s4#i
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bedeutet das, daß der Mensch schon von Jonah weiß. Und Jonahs Aufent-
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halt im Fisch, oder auch, wie der Sohar lehrt, in der Unterwelt, offenbart +wry
Jonah als das große Vorbild, als das absolute Bild des Menschen, durch
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dessen Opfer das Andere gerettet wird. Die ,70" kommen zu Gott, er- wo .~--
löst durch Jonahs Opfer. M t

Dies alles erkennend, wird man auch begreifen, daß dieser Jonah, und
gerade er, schließlich nicht der Harte sein kann, der sich ganz der Unzu-
friedenheit darüber hingibt, daß Niniveh und das Seine nun nicht umge-
' zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFE

361 zyxwvutsrqponmlkjihgfe
12. Der große und sanfte Jonah zyxwvutsrqponmlkjihgfedc
kehrt wird und vom Erdboden verschwindet. Jonah steht nicht als ver-
bohrter, nörgelnder Mensch Gott gegenüber, der ihn dann im Geist der
Liebe zurechtweisen muß. Ganz gewiß reicht kein Mensch, wer er auch
sei, mit seiner Gutheit auch nur entfernt an das heran, was Gottes Liebe
ist. Angesichts der Aussage der Überlieferung, wonach der Sohn der Wit-
we von Zarpath Jonah ist, jedoch zugleich auch der Messias ben Joseph,
klingt es sonderbar, daß derjenige, der als Erlöser auftritt, und der dazu
als Erlöser von der leiblichen Seite herkommt, so sehr darauf besteht,
daß dieses Leibliche, dieses Niniveh, ausgerottet werden soll. Man wird
vielmehr von ihm erwarten, daß er um die Bewahrung Ninivehs werbe
und flehe. Das umso mehr, als er zuvor staunender Zeuge der Umkehr
geworden ist, die sich dort vollzogen hat.
Das Problem ist hier denn auch von ganz anderer Art, und ich habe
im Lauf dieser Ausführungen schon einige Male angedeutet, was es eigent-
lich ist, das Jonah, den Guten und Aufopfernden, so empört. Hat er sich
denn nicht auch in die hochgehende See werfen lassen, in die Zeit, den
Untergang auf sich nehmend, um die 70 Völker zu retten? Wenn ihm das
Geschick der 70 Völker, mit denen doch Niniveh schließlich auch ver-
bunden ist, so wenig bedeutete, dann hätte er auf dem Schiff diese Ent-
scheidung auch nicht zustande gebracht. ln jenem Moment wußte er,
daß ihre Rettung allein durch seinen ,,Tod" kommen konnte.
Was Jonah in Aufruhr bringt, ist die andere Seite des Erbarmens. Es
ist sein Entsetzen, daß diese Entwicklungswelt fortdauern soll, trotz der
vollzogenen Teschuwah Ninivehs. Sollen Leid, Angst und Schmerz, die
mit dieser Welt des 7. Tages verbunden sind, in der die 12 Gestalt ange-
nommen hat, nicht aufhören? Soll die Erlösung, welche dieser Welt ein
für allemal ein Ende macht, unabsehbar hinausgeschoben werden?

Man kann sagen, daß das, was ihn in seinem Mitleid mit dieser Welt
hart ankommt, das Mitleid Gottes mit Niniveh ist; denn Gott ist es, der
Niniveh eine Zukunft geben will. Und er tut es nicht, um Leid, Angst und
Schmerz fortdauern zu lassen, sondern weil Gott, und in dieser Hinsicht
Gott allein, weiß, welch einen heiligen Funken das Leben in dieser unte-
ren Welt in sich schließt. Gerade weil dieses Leben hervorgeht aus dem
Opfer Gottes bei der Schöpfung, indem Gott seiner Einheit und Harmo-
nie Grenzen setzt, den Zimzum macht, gerade darum ist dieses Leben so
wertvoll. Und weil Gottes Tun überzeitlich ist, bleibt auch dies Leben
i

362 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 13. Das irdische Leben ist sehr wichtig 363
ewig, d.h. nach der Weise, in der wir uns eine Ewigkeit vorstellen kön- Funken, das Opfer Gottes, den Funken, der das Leben so köstlich macht.
nen. Und darum geht es hier in der Welt. Und das ist im Grunde darum so, weil das Leben um Gottes Gnade und
Erbarmen für Niniveh weiß. Es lebt darum eigentlich getrost in dieser
13. Das irdische Leben ist sehr wichtig Welt. Der Funke ist doch ins Leben gelegt, ganz tief hinein, diese Zusi-
cherung des Fortbestehens.
Das Opfer Gottes verleiht dem Leben in dieser Welt seine Einzigar- So lebt ja das alles in der ganzen Schöpfung, bei allen Geschöpfen, als
tigkeit. Darum kennt unsere Welt auch das ,,Tun umsonst". Gerade um der äußerlich so genannte Lebenswille. Mit ihm kommt aber die Gegen-
dieses Funkens des Göttlichen willen im Leben hier in unserer Welt. kraft zum Zuge. Die Kraft, die sich befestigen will, ist das ra; die Kraft,
Nicht umsonst kennt diese Welt auch die Teschuwah. die ein Ende machen will, ist das tow. Und darum wird das Rätsel von
Schon um ihretwillen läßt Gott diese Welt bestehen. Der Brunnen Gut und Böse für diese Welt nicht auflösbar, weil sie beide hier nun ein-
Niniveh tränkt stets, durch alle Zeiten dieser ,,Zeit". In Niniveh kommt mal die bestimmende Zweiheit sind. Darum nehme der Mensch nicht
die leibliche Erscheinung zustande, die Form des Buchstabens, der guph vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Er wird es nur um den
(3-6-80). Darin besteht Gottes große Freude, in der Umkehr des Niniveh- Preis seiner Einseitigkeit tun können und, um sich die Auflösung des
Menschen, der umsonst tut, ohne eine Berechnung, die einen Gegenwert Rätsels zu verschaffen, die Klärung, die auch als Erlösung wirkt, wird er
einhandeln will. Gott weiß um die Sehnsucht dieses Lebens, wie gern geneigt sein, den Weg des ra zu gehen.
eigentlich der Mensch zurückkehren möchte. Der Mensch dagegen ver- Gott hat dieses Leben gemacht. Mit Liebe und Aufopferung hat er es
harrt in Unwissenheit über dies alles, ahnungslos, was der Unterschied gemacht, und darum läßt er es auch nicht im Stich. Er allein weiß, was
zwischen links und rechts ist. Wie das Vieh ist er im Warten auf den Hir- dieser Lebenswille bedeutet; denn Er allein erkennt, worauf er hinzielt,
ten, der es leitet. Gott erwägt auch die Freude des Menschen, der ,,um- hat er ihn doch selbst eingepflanzt.
sonst" tut. Be-chinnom (2-8-50-40) hat die Zahl 58 zum Stamm. Das ist Und den Lebenswillen kann man auch bezeichnen als den Teil ,,Baum,
eigentlich schon immer die Parallele zur Erlösung. der Frucht macht" vom Baum der Zwei-Einheit, nämlich jenem, der
Dies erklärt den zähen Willen des Menschen, hier zu leben. Es ist, als Frucht ist und Frucht macht. Dieser Frucht machende Baum ist ebenso
fühle er, daß diese Welt sehr wichtig ist, daß hier Entscheidendes vorgeht. ewig wie der, der Frucht ist. Es ist derselbe in der Einheit, und der eine
Hier allein kann Umkehr stattfinden, in keiner anderen Welt gibt es das besteht durch den anderen.
Handeln aus Vertrauen. überall sonst ist Sehen und Wissen, das Durch- So ist denn die Entwicklung gleichfalls ewig. Alles, was erscheint,
schauen der Ursachen und seiner Folgen. Nirgends ist die Überzeugungs- wird immer wieder erscheinen. Natürlich immer innerhalb jener Grenzen,
kraft der Verführung und des Bösen so gegenwärtig wie hier, und doch die vom Menschen als Ewigkeit erfahren werden.
ist es gerade diese Welt, die Glauben und Vertrauen hervorbringt. Es geht Dafür nun, für diese ewig dauernde Welt und dieses Leben hier, das
nicht um das Ausmaß. Was ins Gewicht fällt, ist, daß allezeit Menschen stets aus der unbekannten Quelle gespiesen, und das in der Folge auch
da sind, die dieses Aufschwunges fähig werden. Obwohl es vereinzelte nach demselben Unbekannten entführt wird, wie es der Kikajon zeigt,
sind, niedergeworfene, sie verzweifeln nicht. Denn mit ihnen ,,spricht" kommt Gott auf. Jonah aber sieht da allein einen Fortgang des Leidens,
Gott, nach ihrer Antwort trägt er Verlangen. eines Leidens namentlich der Neschamah, die stets wieder in die Welt
Immerwährend kehrt Niniveh um; fortwährend ist auch das schlechte, hineinmuß, eines Leidens auch der Schechinah, die damit auch ihre Ver-
sich davonmachende Niniveh da, voller Raub und Diebstahl, voll Unzucht bannung verewigt, des Leidens für den Erlöser, der auch seinerseits stets
und Lüge. das Opfer für den Bestand und die Befreiung von allem in dieser Welt
In allem Lebenden ist der Wille am Werk, ein eigentlich unbegreifli- erbringt. Alles zusammen, was leidet, ist der Begriff Israel. Immer muß
cher Wille, dieses Leben zu behaupten. Er ist zurückzuführen auf den der Iwri wieder hierher kommen. Darum geht das Gespräch Jonahs mit
364 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
VII. Das letzte Gespräch 14. Der bestimmende Moment für] onah 365

Gott, und es dreht sich um das Mitleid. Jonah empfindet Mitleid mit dem Mit ihm beginnt eine neue Welt, eine Welt für die Rückkehr. Stets, wenn
Wehrlosen, Verletzlichen, Verfolgten, und Gott hat Mitleid mit allem die 6 voll ist, ist da eine Rückkehr. Man denke bloß an den Auszug aus
Leben, wie es hier erscheint, gerade weil Israel in die Verbannung geht. Ägypten, der sich auch zu Beginn der ,7" abspielt. Die ,,6" Ägyptens ist
Gott liebt Israel, weil es gleicherweise dieses Opfer auf sich nimmt, voll, und man nimmt den Weg nach Kanaan, woher man gekommen ist,
ungeachtet des schweren, fast unerträglichen Drucks, mit Freude auf unter die Füße. Zuerst war das Ausatmen, nach Ägypten hin; nun setzt
sich nimmt. das Einatmen ein, zurück nach Kanaan. Und so heißt die Zeit des 7. Tags
die Zeit der Rückkehr, und mit dem Zehnten erreicht das Zählen sein Ziel.
14. Der bestimmende Moment für Jonah Am J om Kip pur steht nun der Mensch vor dem Ende. Der Tag ist ein
Übergang, denn über die Zehn hinaus gibt es im Wesentlichen kein Zäh-
Die Überlieferung führt uns zum Verständnis dessen, was Jonah ist, len. Er ist wie die Stadt Niniveh, der das Ende verkündet wird. Es ist der
in Worten und einer Ausdrucksweise, die sowohl durch Kinder verstan- Augenblick, da sich der Mensch seiner Sterblichkeit bewußt wird. Dieser
den werden können und darum immer aufs neue lebendig werden, als Moment kennzeichnet für ihn den Jom Kippur.
auch durch Erwachsene, jeder nach seiner Art. Die Einsicht, welche die Er sollte nun fasten; denn J om Kippur ist Fasttag. Er vollzieht eine
Überlieferung gibt, ist aber so unsagbar tief, daß man zustimmen muß, vollständige Umkehr; er wendet sich mit allen Konsequenzen und auf
wenn es von dieser heißt, sie gehe auf Moses auf dem Sinai zurück und sei allen Ebenen von der Entwicklung ab. Und mit allem, was in ihm ist,
also in diese Welt gekommen durch den Kontakt, den Gott mit Moses richtet er sich den ganzen Tag lang auf Gott aus. Er handelt wie Niniveh.
sucht. Selbst die Wahl der Worte stammt aus einer anderen Welt. Das wird er als Mensch in solchen Momenten auch tun, und ich meine,
Der Bericht Jonahs wird am J om Kip pur gelesen, vor dem Min chah, daß sich für jedermann wohl einmal solche Situationen einstellen. Sei es
das ist nach dem Mittag, wenn der Tag schon abnimmt. dann auch nur für ein paar Sekunden; wer mißt diese Zeit konzentrierten
Als zehnter Tag des siebten Monats ist der J om Kip pur eigentlich das menschlichen Bewußtwerdens.
Ende von allem. Diese siebente Welt hat die Zehn erreicht; und weiter Und in dieser Lage steht Jonah dann vor ihm. Dann ist er selbst Jonah.
ist da nichts in dieser Welt. Am vorangehenden Tag, dem neunten, hat Und er ist dann auch Niniveh. Als Jonah möchte er gern eine neue Welt
man den Brauch der üppigen Mahlzeit; es ist die fette Zeit bevor alles und ein neues Leben sehen, ein Leben, worin die alltägliche Not, die all-
vorbei ist. Man beginnt diesen zehnten Tag denn auch mit Einkehr, mit tägliche Enttäuschung nicht mehr vorkommen, eine Welt, in der sich das
der Bitte um Vergebung an seinen Nächsten und an Gott; man erinnert Wertvolle nicht mehr verbergen muß und die Neschamah nicht mehr
sich der unüberlegt geäußerten Gelöbnisse und bittet, das alles aufzuhe- zu leiden braucht.
ben. Denn man versprach, was man nicht halten konnte, man nahm sich Wenn, dann der Tag zu Ende geht, die Sonne, das Licht des Tages
gewisse Dinge vorschnell vor, das Leben gab einem aber keine Gelegen- untergeht und hinter den Bäumen verschwindet, die Schatten länger wer-
heit, es zu erfüllen. Man blickt zurück auf das Zukurzkommen in seinem den, ist der Mensch auf das Ende vorbereitet. Noch einmal legt er sich
Leben. Rechenschaft ab über das Leben, noch einmal läßt er alles an sich vor-
Am ersten Tag dieses 7. Monats wird der Mensch erschaffen. Mit ihm überziehen. Er ist gekleidet in das strahlend weiße Gewand, die Hülle der
beginnt das Siebente. Am Ende des 6. Monats, innerhalb der letzten fünf Reinheit, und damit auch für den Tod.
Tage, ist all das andere geschaffen worden. Auch die Schöpfung verbin- An der Grenze des Tages, wenn dieser 10. des 7. Monats sich nun zu
det die Sechs mit der Sieben. Ende neigt, spricht man die ,,Namen" aus, die schemoth (300-40-6-400),
Die zehn Tage des 7. Monats nennt man ,,die zehn Tage der Rück- die man gemäß der Lehre der Überlieferung stets im Moment des Todes
kehr". Denn darin offenbart sich der Sinn der Schöpfung des Menschen. ausspricht. Diese Namen Gottes begleiten den Menschen aus dieser Welt
Er wird gebildet am Endpunkt der Schöpfung, wenn alles vollendet ist. in die andere. Wenn er es noch vermag, tut er es selbst, wenn er dazu
36 6 VII. Das letzte Gespräch zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 14. Der bestimmende Moment für Jonah 36 7

nicht mehr fähig ist, tun es die Menschen, die bei ihm sind, für ihn. Dann dieser Fahrt werden ja die ,70", die Völker, erlöst und befreit, damit sie
umhüllen die Väter die Kinder, die noch nicht von rechts oder links wis- zurückkehren. Es ist die Neschamah, welche den Körper befreit und um-
sen, unter ihrem Kleid, dem tallith (9-30-10-400), auf daß sie dabei ein- kehren läßt. Und Jonah ist auch erschüttert durch diese seine eigene Ver-
geschlossen seien. bannung, die ihm um all des andern willen zuteil wird.
Diese schemoth bestehen aus dem ,Höre Israel, der Herr unser Gott, Doch Gott liebt die Welt der Verbannung. Er hat sie gemacht und
der Herr ist Einer", dem ,,Gelobt sei der Name der Ehre seines König- macht sie noch fortwährend, um ebenso unablässig ihr die Erlösung zu
reichs für alle Ewigkeit", dem ,,Der Herr, Er ist der Gott", und dem ,Der bringen. Und darum lautet Gottes Beschluß: ,,Niniveh bleibt bestehen."
Herr regiert, der Herr regierte, der Herr wird regieren in alle Ewig- Es bleibt bestehen um des unabsehbar Vielen willen, welches der Mensch
keit". Das erste sagt man einmal, das zweite dreimal, das dritte sieben- nicht einmal wahrnimmt. All das lebt, lebt jeden Tag aus neue, manch-
mal, und das vierte wieder einmal. Zusammen sind es also ,12. Niniveh mal nach unserem Dafürhalten unbegreiflich kurz, manchmal lang und
nimmt Abschied von dieser Welt-- die Form der Buchstaben, das sicht- dumpf. Und auch unser Körper lebt, den wir selbst gewiß so wenig ken-
bar gewordene Wort, nimmt Abschied, das Leibliche trennt sich ab. nen und der auch nichts weiß von rechts und links.
Hier ist der kritische Punkt. Denn Gott spricht nun mit Jonah. Er Nebeneinander für uns eigentlich gegeneinander - vollzieht sich
spricht auch mit dem Menschen als Jonah. Gott selbst kommt nun auf stets die Rückkehr und ein entschlossenes sich Entfernen, eine fortge-
für das Leben. Aber hängt nicht auch der Mensch stets an diesem Leben? setzte Flucht. Beide Bewegungen bestimmen diese Schöpfung.
Und erst recht, wenn sich ihm der Tod nähert. Dann ist er sehr beunru- Als Ergebnis dieses Gesprächs zwischen Jo nah und Gott erfolgt dann
higt über sein schwindendes Leben, über den schwindenden Schatten, endlich der 13. Ausruf, nach den eben vermeldeten 12, welche den Über-
den ihm der Kikajon hier geboten hatte und in dem er seinen Platz auf gang zum Tod bezeichnen. Dieser 13. Ausruf lautet, und so lehrte es die
Erden fand. Nun aber verschwindet der Kikajon. Woher kam er und Überlieferung: „Das kommende Jahr in Jerusalem". Es ist ein Ausruf des
wohin geht er? Und dieser abscheuliche Wurm, dem wir keine Aufmerk- Lebens. Vom Sterbenden wird er nicht gesprochen. Dieser wird wohl
samkeit schenken wollten, er ist die Ursache für das Dahinschwinden merken und erfahren, was er in sich schließt. Doch hier, am Ende des
des Kikajon. Jom Kippur, wird dies Wort gesprochen als Zeugnis des Wiedererwachens
Die Stimme Jonahs spricht die Erwartung aus, daß Niniveh hinweg- im Leben. Es ist das Wunder des 13., einer Weise zu rechnen, welche alles
genommen werden und verschwinden soll; die Stimme Gottes aber redet Rechnen innerhalb von Zeit und Raum übersteigt. Gemäß der Kausalität
vom Bleiben: das Leben soll nicht vergehen. Jonah hat Mitleid mit dem der ,, 12" ist es abgelaufen; der Tod ist eingetreten. Doch auf einmal
Menschen, der diese Welt als Verbannung erfährt, mit Israel. Gott hinge- bricht hier eine ungekannte andere Kausalität durch, unerwartet und als
gen hat Mitleid mit dem Leben, anders ausgedrückt: mit der Umhüllung. große Überraschung. Und diese erzählt, daß trotz aller Logik der Tod
Denn auch die Umhüllung hat Gott gemacht, und deren Leben ist Aus- doch nicht das ist, was der Mensch als Tod erwartet, daß er im Gegenteil
druck von Gottes liebevoll gegebenem Opfer, damit diese Schöpfung dennoch neues Leben ist, Leben als Fortsetzung des alten, und daß es
überhaupt zustandekommen kann. einfach weitergeht. Rückkehr, aber zugleich auch Fortsetzung des Ent-
Jonah weiß, daß er, solange Niniveh erhalten bleibt, auch beständig wickelns und Wachsens. Einatmen und Ausatmen als eine Einheit.
damit verbunden sein wird; denn seine Bestimmung und Berufung sind Das 13. kommt stets einzig von Gott; darin zeigt sich der Unterschied
darauf gerichtet, Niniveh instandzuhalten und es zu Gott zurückzubrin- zwischen 120 und 130. Die 130 ist der Sinai, die sulam (Jakobsleiter), es
gen, so daß es fortwährend für diese Welt ewig- erhalten bleibe. Die ist die 130 Adams bis zur Geburt Scheths und J ocheweds bis zur Geburt
Jonah bei Noach, die Taube, bleibt nach ihrer dritten Aussendung drau- des Mose ("Bauplan"). Mit diesem 13. kommt stets die Erlösung. Denn
ßen in der Welt. Sie ist da noch immer. Das bedeutet, daß er auch fort- der 13. ist außerhalb der Zeit, gehört einer anderen Ordnung an als alles
während den Weg nach Tarschisch unter die Füße nehmen muß; denn auf hier in dieser Welt der ,,12":
368 VII. Das letzte Gespräch zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 14. Der bestimmende Moment für Jonah 369
,,Das kommende Jahr in Jerusalem"! Es wirft Licht auf die Erwar- Man kann sich dem nicht entziehen; Jonah ist ja ein Teil aus der Bibel,
tung des Lebens. Denn nichts anderes will dasselbe als an den Ort gelan- aus dem Tenach. Und damit ist er in jedem Menschen und lebt in ihm.
gen, wo Gott seinen Sitz, sein Haus, hat. Es will den Weg gehen, den auch Wenn er nicht bewußt lebt und es in sich übertönt und durch die Rausch-
die ,,70" des ,,Ich" nach der Begegnung mit Jonah gehen. Auch sie bege- mittel seines Lebens, seiner Laufbahn oder seines Studiums, zudeckt,
ben sich ja nach Jerusalem, zum Tempel, wo sie Gott das sewach (7-2- dann ist es doch nicht weniger vorhanden. Und einmal kommt es dann
8) darbringen und die milah (40-10-30-5) auf sich nehmen. schließlich doch zu seinem Recht. Denn der Mensch „„liest" die Bibel
Das Leben spricht dies als Hoffnung, als Erwartung, aus. Dafür will während seiner Lebenszeit. Es kann sein, daß er Jonah erst liest an der
man alles tun. Denn alles Suchen und Streben ist doch einzig darauf ge- Grenze, wenn für ihn der große, entscheidende J om Kippur angebrochen
richtet, den Ursprung zu erreichen, den Ort, wo Himmel und Erde ver- ist, wenn er selbst zum Übergang ansetzt. Dann wird er die ,,12" der
bunden sind. Man drückt es verschieden aus, denn es gibt ja 70 Sprachen, schemoth begreifen sowie das Neue, das mit dem 13. kommt.
und der eine mißversteht den andern. Das ist eine Folge der Haflaga, von
Babel ("Bauplan"), wo bei den 70, bei der Vielheit, die Spaltung entsteht
zwischen dem Wort auf der einen und dem Wesen der Dinge auf der an-
deren Seite.
Mit diesem Ausruf ,,das kommende Jahr in Jerusalem" beginnt das
Leben seinen Weg in dieser Welt. Die Fahrt, auf welcher der Mensch an
den Punkt gelangen wird, wo die Rückkehr als das einzig Sinnvolle er-
scheinen wird, als Weg, der ihm auch das höchste Glück bringen wird.
Das ist das Ergebnis des Gesprächs zwischen Gott und Jonah: Tod und
Leben als Einheit. Beide gebracht durch das Mitleid und die Liebe zur
Welt, beide gebracht als Opfer seiner selbst.
In der Umkehr bringt Jonah den Leviathan zur messianischen Mahl-
zeit. Und im Fortbestand Ninivehs ist Jonah verborgen in der Welt des
Leviathans. Beide sind gleichzeitig da. Der Mensch aber lebe in beiden
und mit beiden. Denn nur dann lebt er mit dem Lebensbaum.

* *
*

So ist denn auch dieser Jonah-Bericht zu Ende. Wiederum muß ich


feststellen, wieviel ich eigentlich nicht habe erzählen können, sondern
übergehen müssen. Denn dieser Bericht enthält noch unsagbar viel mehr
als das Erzählte. Immerhin kann es eine Andeutung sein all der Wunder,
die die Bibel enthält. Die vier Kapitel von Jo nah allein schon umfassen
wieder das ganze Leben. Man versuche, sie in seinem Leben bewußt wer-
den zu lassen. Denn Jo nah wird am J om Kip pur gelesen, und wenn Jo nah
für den Menschen bewußt wird, dann erkennt er, daß ihm jeder Moment
zum Jom Kippur geworden ist, weil sich all das jeden Moment abspielt.
QUELLEN

An erster Stelle sei hingewiesen auf den ausführlichen Quellennach-


weis im ,,Bauplan". Auf Grund der dort angegebenen Quellen entstand
auch der Aufbau dieses Buches. Für ,,Jonah" im besonderen wurden die
nachfolgenden Quellen berücksichtigt:
Talmud Bawli (der Babylonische Talmud), speziell die im Text angege-
benen Stellen aus gewissen Traktaten, und die Kom-
mentare zu diesen Stellen.
Midrasch Rabbah
Midrasch Tehillim
Midrasch _Jonah
Midrasch Hachefez
Midrasch Tanchumah
Sohar, und die Kommentare zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFED
Pirke de R. Elieser
Jalkut Reubine
Jalkut Schimoni
Jalkut Chadasch
Kommentare von Raschi, Ibn Esra, Redak, Mezudath David auf das Buch
Jonah und auf die Elia-Geschichte.
Seder Olam
Seder Hadorath
Schalscheleth Kabbalah
Gilgule Neschamoth
Kommentar des R. Elia Wilna
REGISTER zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSR

Begriffe wie Jonah, Niniveh, Tarschisch usw., die in diesem Buche andauernd vor-
kommen, sind nicht ins Register aufgenommen worden. Dieses Register ist auch im
Blick auf meine früheren Veröffentlichungen zusammengestellt worden.

Abel (Hewel) 33, 251, 274 Baa1 90-99


Abend (Erew) 126, 127, 128, 166 Baal Peor 89, 92, 107
Abraham 105, 194, 201, 325 Babel 48, 136, 317
Achab 84-118, 151, 211 Bathscheba 86
Achasjah 211 Baum (s. Auch Baum der Erkenntnis und
Acker 315 Baum des Lebens) 344
Adam 38, 45, 63, 64, 68, 91, 138-141, 252 Baum der Erkenntnis 32, 41, 87, 96, 97,
321, 343, 369 129, 137, 140, 141, 144, 151, 163,
Adar 143, 236 165, 167, 179, 232, 245, 284, 304,
Adonai (Herr) 44, 66, 94, 148, 150, 194, 305, 317, 319-325, 341, 343, 350,
220, 346 355, 363
Aharon 89, 93, 97, 104, 194 Baum, der Frucht macht, siehe Baum der
Ajin 163 Erkenntnis
Aleh Schur 181 Baum, der Frucht ist und Frucht macht,
Aleph 57, 58, 64, 65, 137, 148, 150, 163, siehe Baum des Lebens
180, 202, 242 Baum des Lebens 30, 34, 96, 129, 137,
Allerheiligste, das 210 144, 163, 165, 179, 220, 231, 242,
Aliah 111, 112, 160 243, 253, 263, 274, 304, 305, 308,
Alpha beth 57, 71 315, 317, 319, 322, 325, 350, 355,
Alternative 122, 162-165 357, 363
Amalek 181 Bechor (Erstgeborener) 278
Amram 169 Beged, s. Kleidung
Aphar 184, 234 Begleitung 193, 194
Asche (Epher) 285, 287, 289 Begrenzung 31-34, 85, 143, 173, 182, 326,
Ascher 104-111, 152 362, 365
Aschur 119, 144-146, 154-158, 280, 294, Benjamin 104
317, 318 Beth 57, 85, 101, 180, 300, 303, 304, 314,
Assa 88 325, 334, 343
Athbasch 65, 68 Beth El (u. Ho-Ai) 147, 148, 274
Atmen (auch Ausdehnung und Einschrän- Bethlechem 105
kung, auch Atmen des Weltalls) 31 Beschneidung (Milah) 113, 114, 189, 191,
57, 182, 228, 229, 253, 269, 270 194-196, 199, 227, 246, 248,
272, 295, 325 257
Auferstehung 113-116, 185, 199, 234, 237, Bett (Mittah) 111
274 Bezaleel 168
Aufstand (gegen Gott) 145 Bibliographie 70
Aufstieg 160 Bild 48,341
Auge 190, 231 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTS
Bileam 92
Ausdehnung, s. Atmen Bithjah 85, 86
Äußerer Wert 61 Blatt 344
Awoda Sara 159, 181, 251, 290 Bne Elohim 174
374 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Böses Auge (Ajin ho-ra) 140-142, 156 Eliah 88-93, 97-117, 126, 138, 141, 142, Fisch (Tannin, Nun, Nin) 125, 139-143, Hagar 6,
Brith (Bund), s. a. Beschneidung 194, 196 151, 210-214, 237, 239, 244, 250 147, 148, 152-156, 164-166, 172, 173, Hala«chah Mt, 99,
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTS
Brot 99, 103-108, 113 Elieser 106 188-227, 233-243, 248-253, 260-264, Halbe 'T'rine Haau (+ w lwow
Bruch 85, 145 Elischa 88, 101, 112, 118 269-281, 294, 296, 307, 317, 321, 324, und unte tahl aI l
Buchstaben 15, 32, 57-59, 62, 65, 146-150, Elle 61, 245, 246, 345 327, 336, 339, 346, 359, 360 354
156, 163, 180, 296, 318, 351, Ellipse 322 Fluchen 186 Hlfte 6$, 66, , 141»w, i
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPO
352, 366 Elohim 220, 235, 341, 346, 347, 356 Flucht (fluchten, fliehen) 158, 181, 197, 248-253, 26), 27, 1, M
Engel 91, 105, 225, 226 209, 295, 325, 327 Haman 90, 354
En Sof 30, 34, 36 FIuß (Jeor) 181, 279 Hand 166, 167, 211, 144 4
Chajah 341, 342, 351, 355, 358 Epher, s. Asche Form 15, 44, 57, 66 f., 146, 156, 243, 263Hasmonier (Chawchmonwin) 1)
Chalah 104, 107, 108, 114 Ephraim 85, 113-116, 141, 155 Formel 53 Haus 299-306, 313, 114, 114, 39M
Cham 144, 247 Erew, s. Abend Freitag 129-131, 146 Haut 163
Channa 104 Erl6sung (Erlöser, s. a. Messias) 41, 96, 97, Freude (Simchah) 163, 343 Hawdalah 227, 231, 340
Chawah, s. Eva 109, 110, 114, 116, 129, 138, Frucht 138, 162, 297, 298 Hawle (s. a. Hewel, Nichtigk elten, Klein4
Chazoth (s. auch ,,Hälfte") 251 142, 156, 161, 168, 169, 181, Funken 14, 15, 30, 34-37, 43-47, 150, 361, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXW
keiten) 250, 252, 255
Chen (Gnade, Gunst) 42, 312, 327 182, 187, 211, 212, 249, 251, 362, 363 He 148, 151
Chesed 357, 358 252, 264, 279, 281, 293, 301, Fu 231, 232 Hebräisch 56-59, 71
Chol (nicht-heilig, Sand) 222 322, 327, 343, 354, 362 Heilung (Genesung) 235-237
Chromosomen 24 7 Gad 104, 143 Henoch (Chanoch) 203, 273.275
Chronologie 189, 211, 310 Erlösung (W Gan Eden, s. Paradies Herabsteigen 145, 158, 160-162, 165, 170
Computer 51, 52 Erlösung (Erlöser, s. a. Messias) 41, 96, 97, Garten (s. a. Gan Eden, Pradies) 305 173, 176, 193, 197, 202, 208
109,110, 114, 116, 129, 138, 142, 156, Gath ha-Chepher 162-167, 208 Herr, s. Adonai
161,168, 169, 181, 182, 187, 211, 212, Gebet 201-205, 209, 248 Hewel, s. Abel
Dach 335 249, 251, 252, 264, 279, 281, 293, 301, Geburt 35, 91, 131, 156, 157, 172, 189, Hexe 146
Daleth 65, 149, 253, 339 322, 327, 343, 354, 362 192, 226, 227, 232, 233, 237, 253 Hiob 99, 289, 339
Dämonen (Schedim) 302 Ernte 315, 316 Gegenseite 66 Hitze 336, 350
Dampf (Ed) 243 Erstgeborener, s. Bechor Geheimnis 184 Hiskiah 118-120
Dan 162, 171, 181, 182 Ertrinken 210, 277, 278, 326 Gelübde (Neder) 185-189, 254-258, 270, Hochzeit 232
Darm (s. auch Eingeweide) 340 Erzmütter (s. auch unter den Namen der 364 Hod 243
Dathan-Abiram 90, 91 Erzmütter) 245 Generation (Dor) 158, 309, 346 Hoffnung 318, 359, 368
Daumen 167, 344, 345 Erzväter (Aboth, s. auch unter den Namen Geographie 160 Holz (s. a. Baum) 106, 108, 113-116, 255
David 84-87, 160, 239, 253, 318, 321, 351 der Erzväter) 162, 245 Gerechtigkeit 200, 234 Hören 15, 63, 64, 290, 352
Deborah 214 Esau (s. auch Edom) 33, 162, 259, 322, Gerste (Seorah) 297
din 219-226, 231-235, 259, 260, 314, 347 334, 354-356 Geruch 222, 223, 228, 229
Drache (Tannin, s.a. Fisch) 277, 279 Essen (trinken;s.a. Nahrung) 227, 228, 300 Geschichtsschreibung 16, 31 O Ih (ani) 169-187, 191, 197, 222-227, 249,
Durchbruch 312 Esther 20, 21, 249, 352, 354 Gespräch im Himmel 157, 162, 329, 347 251, 258, 269, 294, 325, 368
Eva (Chavah) 104, 105, 240 Gichon 141 Immanenz 31, 60
Ewen Schethiah 190, 197, 274 Gilgul (Reinkarnation) 98, 102-105, 145, Insekten (Scherazim, Würmer) 336-340,
Ewer 146 188 346, 348, 366
Edom (s. auch Esau) 136, 142
Egel (Kalb, goldenes Kalb) 185, 323, 329
Ezechiel (Hesekiel) 96, 113, 115, 326 Gnade, s. Chen Intelligenz 170
Isaak 162, 201, 203
Gog und Magog 211
Eigentum 297, 313, 314 Goliath 239 Isebel 89-93, 98, 114, 151
Eingeweide (Me-ei, s. a. Darm) 210, 226-230 Grab 11, 190, 209-216, 226, 227, 233, 336 Israel (Zehnstämme-Reich) 85-88, 94, 95,
Einsamkeit 31 Falschen (falsch) 285 Griechen (s. a. Jawan u. Japheth) 132-136 100, 110, 114, 151, 154, 156, 170, 204,
Einschränkung (Zimzum) 31, 32, 38, 85, Falscher Prophet 118, 121, 123, 324, 327 Gut 32 255, 317
154 Fasten 282-290, 294, 303, 306, 307, 316, Ithamar 89
Eins-Werden 30,31, 33-40, 46, 47, 93, 104, 320, 354, 367 Haar 90 lwri 172, 177, 178, 179, 194, 196, 198,
111, 156, 228, 243, 301, 302 Feld 297-300 Hadlokath ha-Ner 104, 105 206, 222, 278, 279, 294
Eleasar 89, 93, 104 Feuer 16, 87, 90, 105, 107, 285 Hafen 162, 181
Elemente (s. a. unter Zahlen bei 4) 245 Finger 167, 344 Haflagah (Turmbau Babel, Turm, Migdal) J
abok 259
Eleph 59, 202, 244 Finsternis 212, 301, 302, 303 49-53, 134, 145, 146, 338 Jäger 145
376 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 377
Mutter 245, 307
Jakob 33, 110, 133, 140, 141, 143, 154, Kleinigkeiten 206, 250 Mal 126-128, 131, 134, 135, 139, 169,
181, 201, 259, 274, 321, 334, 335, 355, Knecht (Ewed) 197 174, 212, 239, 247, 263, 264 Nabel 197
356 Knechtschaft (Exil, Verbannung, Gefangen- Magd 245 Nacht 111, 202, 300-303, 316, 340, 346
Jam Suph (s. a. Suph) 190, 277-280, 326 schaft, Galuth) 37, 38, 46, 103, 107, Mahlzeit (Mischteh, Se-udah) 142, 165, 166, Nachtwache 301
Japheth 132 f., 136, 143, 165, 247 131, 133, 136, 137, 142, 153-160, 164, 185, 191-207, 225, 238, 246, 252-258, Nadab-Abihu 89-93, 97, 98
Japho Jaffa) 157, 162, 165-167, 170-173, 180, 201, 202, 246, 253, 316-320, 324, 270, 363, 366 Nahrung (s. a. Essen) 31, 34, 35, 244, 283
181, 197-200, 208 328 £., 334, 341, 347, 366, 367 Majim (s. auch Wasser) 239 300
Jawan (s. a. Griechen) 132-137, 151 Kohen Zedek 107 Malchizedek 107 Namen 56 f., 62 f., 67, 312, 351, .364
Jehoschua Josua) 113, 139, 242, 264, 318 Kol Nidre 256, 257 Makom 149 Namen Gottes 46, 51, 66, 102, 137, 147-
Jehu 118 Kommentare 69, 70 Malchuth 259 150, 167, 186, 234, 235, 241, 256, 328,
Jerobeam 85, 94 f., 118-121 König 195, 196 Männlich (s. auch Rechts) 65 357
Jerusalem 85, 87, 93, 118, 120, 121, 185, Könige Juda 87 Maß (Middah, Maßstab) 60, 245, 246, 318, Naturgesetz (Gesetz, Gesetzmäßigkeit)
189, 227, 232, 246, 274, 311, 335, Kopf 42, 111 321, 353 177, 209, 219, 328, 356
367, 368 Korach 89-91, 190, 213, 214 Materie 137 Na-wenad 273
Jesaja 119 Korban (Opfer) 90, 97, 158, 159, 166, 171, Meer Jam) 168, 173, 177, 191, 209, 212, Neder, s. Gelübde
Jezer ha-tow 222, 224 184 £., 198, 209, 223, 240, 288 213, 221, 226, 279, 326, 327 Nephesch 358
Jezirah 240 Kosbi 89-92, 99, 107 Mehl 104, 108 Neschamah (s. a. Seele) 21, 33, 36, 37, 44,
Jirah (Ehrfurcht) 188 Krankheit 221 Mem 143, 193, 239, 262 89, 92, 101-103, 115, 140, 156, 157,
Jobeljahr 296 Kristall 279 Mendel (Mandel, s. a. Namen) 312 164,184, 209, 210, 222-225, 233, 234,
Jochewed 133, 169, 367 Kundschafter (Meraglim) 239, 323 Merkawah 326 249-253, 259-261, 280, 286, 288, 292,
Jod 63, 147-150, 212, 345, 358 Meschamrim 250 302, 316, 320-322, 333, 334, 363, 365,
Jorn Kippur 117, 166, 192, 210, 211, 219, Messias (s. a. Erlösung) 41, 68, 91, 101, 367
256, 258, 262, 284, 290, 296, 324, 364,Laban 262 113,115, 130, 147, 148, 151, 153, 195- Neveh 147
365, 368, 369 Lamm (Seh, Tleh) 264, 265 199, 203, 207, 211, 238, 240, 244, 251- Nichtigkeiten (s. a. Hawle und Kleinigkei-
Joseph 96, 108, 113-116, 133, 170, 181, Land Israel 60, 158-162, 167, 176 254, 258, 259, 265, 335, 343 ten) 250, 251
185, 201, 255, 281, 294 Langer Weg 159, 165 Messias,Sohn Davids21, 107, 115, 253, 255 Niddah 104
Juda (Zweistämme-Reich) 87 f., 94 £., 99 Laute (Konsonanten, Vokale) 53-55, 58, Messias, Sohn Josephs 21, 107, 109-116, Nimrod 144, 145, 280
Juda 96, 108, 113-116, 121, 255 59, 63 138, 151, 153, 210, 211, 225, 255, 258, Noach 126, 133, 134, 139, 148, 164, 166,
Leib (auch im Sinn des Körperlichen, der 320, 360 190,247,263,264,321
Kabbalah 18 Erscheinung) 11, 12, 21, 33, 42, 44, 87, Metalle 34 Norden 85, 103, 106-110, 113, 114, 181,
Kajin 33, 97, 273-275, 321 91, 101-116, 141, 151, 156, 181, 182, Metatron 274 255,260,261,354
Kalb, goldenes Kalb, s. Egel 195, 204, 205, 209, 211, 222, 223, 228, Midian 92 Nun 152,318
Kälte (Kar) 261 232-236, 254260, 274, 277-281, 284, Milah, s. Beschneidung
Kanaan 37, 38, 86, 103, 116, 133, 158, 288, 292-296, 319, 322, 335-337, 344- Mileh 308 Oadjah 88, 103
159, 189, 240 350, 353-355, 360, 364 Minchah 166, 363 Olam Assiah 259, 264
Kaph 344, 345 Leid 319, 320, 336, 360, 362 Miriam 194 Olam Aziluth 313
Karmel 90-92 Lesen 365 Mittah, s. Bett Olam ha-ba 293, 322
Kaufmann 38, 170 Levi (auch Leviten) 90, 104, 193, 194 Mittelpunkt 323 Oleh rege! (s. a. Schalosch Regalim) 335
Kelch (Becher) 207 Leviathan 142, 147, 191-207, 232, 234, Miz beach 240, 244 Oel 106-108, 129-131, 135-138
Kern 13, 17, 19, 39, 44, 52, 55, 59, 60, 242 f., 254 £., 258, 269, 335, 366 Mizraim (Ägypten, auch Knechtschaft in M. Oe! vom Kikajon 340, 345, 346, 350
62, 102, 114, 124, 143-147, 156, 183, Lewajah 193 und Auszug aus M.) 37, 44, 89, 115, Olive (Sajith) 129-131, 135- 138, 162, 237
194, 249, 311, 341 Licht 34, 64, 136 f., 153, 340, 346 116, 133, 134, 146, 154, 173, 188, 189, 263, 271
Kerze 105 Liebe 30, 31, 34, 87, 217, 362 194,212, 213, 218, 239, 240, 244, 249, Omri 93, 118
Kewar 326 Links (Linke Welt, Linke Seite, weibliche 273, 277-280, 289, 311, 338, 353, 364 Opfer, s. Korban
Kiddusch 207 Seite) 64, 89, 90, 112, 216-219, 225, Mond 190, 215, 216, 340 Osten (Kedem) 137, 294, 333, 340, 348-
Kikajon 339-359, 363, 366 229, 238, 263, 351, 352, 354, 358 Morgen 166 350, 355-359
Kind 14-16, 91,111-113, 133, 203, 307 £. Literatur 69 Moses 16, 19, 90, 97, 122, 133, 143, 167- Paradies (Gan Eden) 83, 97, 122, 141, 147,
Kleidung (Beged, Simlah, s. zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
a. Umhüllung) Lohn 38 169,173, 181, 194, 201, 236, 239, 280, 148, 153 £., 161, 242 £., 253, 305
14,18, 33, 91, 140, 262, 265, 285, 306, Los (Goral) 177-179, 296 325, 367 Peh 232
307, 336, 351, 366 Lüge 328 Mündliche Thorah (Komplex der Überliefe- Persien-Medien (Poras u-Modai) 136
Kleiner Wert 152 Lügenprophet, s. Falscher Prophet rung) 14-18, 62, 86, 90, 238, 310 Pesach (Ostern) 232
378 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 379

Pese! Michah 181 Sabbath (s. a. bei Zahlen unter 7) 104, 106, Seele (s. a. Neschamah und Nephesch)11, Thaw 60
Pflanzen (s. auch Frucht) 34, 91, 106, 124, 146, 165, 166, 203, 236, 346 13, 91, 100, 114, 192, 232 Tempel (Beth ha-Mikdasch) 85, 86, 103,
223 Sacharjah 264 Segen 141, 143, 162 136, 137, 158, 190, 197-199, 206, 208,
Pharao 85, 89, 168, 277, 278, 279, 280, Sack 285 Sehen 15, 63, 64, 289, 351, 352 245, 246, 301, 316, 321, 335, 366
289, 326, 338 Salbung 163 Sephirah 165, 243, 259 Tenach 12, 53, 153, 359, 367
Philister 181 Salomoh 8487, 94, 101, 160, 239, 321 Seresch 90 Thephach 344, 345
Pinchas 89, 91-93, 104, 107 Salz 203 Sereth 344, 345 Thephillin 234
Plagen 337 Samaria (Schomron) 93 Sewach 185-189, 227, 257, 366 Teschuwah, s. Umkehr
Priesret {auch Hohepriester) 97, 104, 110, Samen (Sera) 39, 42, 88, 100, 101, 342 Sexualität 292, 293 Teth 209
zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
213, 26 2, 264 Samuel 89, 97, 98 Simchah, s. Freude Tewa (s. a. Wort) 167-170, 188, 190, 321
Primzani 147, 247, 263, 348, 357 Sancherib 118, 120 Simon bar J ochai 18, 269 f., 293, 349 Thora-lesen 352
Proportionen (Relationen, Quantitative Ver- Sarah 86, 104, 105, 321 Simson (Schimschon) 181, 182 Tier 34, 91, 111, 124, 140,288,307, 335,
hältnisse) 50-55, 58, 62, 63, 112, 125, Satan 229 Simri 92, 107 355, 361
150, 165, 246, 353, 358 Säugling (Tinok) 307 Sinai, 16. 19, 44, 97, 134, 168, 239, 365 Tiphereth 165
Pru urewu 88 Schalem 335 Siserah 214 Tipah 222, 223
Psalmen 243 Schalen (Klippoth) 33, 194, 302 Sohn 323 Tischri 219
Purim 236 Schalosch Regalim 231 Sonne 190, 214-216 Tod 11, 12, 32, 46, 87, 96, 97, 102, 107,
Pyramide 169 Schatten (Zel) 168, 340, 341, 343, 346, Spielen (Mesachek) 194, 202, 203 108, 111-114, 124, 140, 146, 152, 182,
350, 353, 355, 364, 365 Sprache 15, 49-54, 58, 60, 127, 145, 366 184, 187-193, 197-199, 208-210, 213,
Quellen 70, 368 Schatz (Ozer) 313, 314 Sprechen 15, 63, 351 216, 221, 226, 227, 232-237, 244, 258-
Schechinah 33-38, 101, 153, 156, 164, 179, Stadt 272-275, 282, 294, 318 261, 274, 309, 328, 329, 356, 360, 364,
Rabe (Orew) 126-128, 210, 212, 144 201, 202, 218, 220, 253, 286, 318, 321, Stehlen (Diebstahl, Raub) 291, 292, 295, 365
Rae ham im (Barmherzigkeit, Erbarmen, Mid- 333 303-306, 314, 315, 361 Todesengel (Malach ha-Maweth) 235
dath ha-Rachamim) 120-124, 155, 180, Schedim, s. Dämonen Stein 34 Tolaath Schani 261, 262, 346-352, 359
200, 205, 216, 217, 220, 221, 226, 234, Schem 132, 133, 136, 144-146, 247 Sterne 214-216 Toldoth 345
235, 260, 276, 308, 309, 312, 314, 322, Schemoth 364, 365, 367 Stier 181, 265 Träne 354
325, 327 £., 346-349, 355-358, 360 Scherazim, s. Insekten Stiftshütte (Mischkan) 168 Transzendenz 31, 60
Rad 279, 317 Scheth 274, 365 Stimme (Kol, s. Sprechen und Hören) Traube 163, 164
Rakia 212, 238-240, 244 Schethiah, s. Ewen Schethiah Stoffwechsel 231, 340 Traum 92, 300, 301
Ramses 353 Schewuoth (Pfingsten) 232 Strom, s. Fluß Trockene, das (Jabaschah) 173, 207, 208,
Rebekka 106, 140 Schiff (Oniah; s. a. ,,Ich") 147, 167-177, Struktur 160 212 f., 234, 236, 280, 324, 326 361
Rechem (Gebärmutter) 212 183-187, 192, 197, 209, 216, 222-227, Sturm (Saar) 171, 174-179, 182-188, 209, Trost (Nachem, Menachem, s. a. Noach) 36,
Rechts (auch Rechte Welt, Rechte Seite, 249-252, 269, 276 212, 220-222, 225, 226, 273, 327, 358 98, 312
männlich) 64, 65, 216, 222, 351, 358 Schin 234, 260 Süden 260 Tun (Tat, Herrichten) 160, 259, 361
Regen (Geschem, Matar) 106, 107, 113, Schittim 89 Sukka (Sukkoth) 232, 334-336, 339-341,
261-263 Schlafen (Schlaf, Tardemah) 176-179, 184, 353 Umhüllung (s. a. Leib, Kleidung, Klippoth,
Reihenfolge 57, 58, 64, 247 222-225, 251, 300, 301 Sulam 367 Knechtschaft) 14,33,45, 114, 141, 163,
Reinkarnation s. Gilgul Schlange (Nachasch) 33, 41-44, 97,140f.. Sünde 41, 101, 158 184, 187-195, 205, 236, 249, 257,264
Reschuth ha-jachid 245 144, 151, 154 Suph (Soph,Jam Suph) 173, 208 265, 302, 306, 336, 352
Reschuth ha-rabim 246 Schloschim 233 Umkehr (Teschuwah, Rückkehr)38, 39, 42,
Reue 290, 293, 312 Schmiede 107 93-99, 119-125, 130, 134, 135, 140,
Richter 214, 313-315, 347, 348 Schnee (Scheleg) 260-265 144,147, 151, 155, 156, 159, 161, 173,
Riesen (Refaim) 235, 236 Schrift 15, 16, 146 174, 180, 183, 184, 187, 188, 219-228,
Rind 90 Schulamith (Sulamith) 165 249, 258, 274-277, 282, 283, 289, 290,
Rot 138, 259-262, 265, 304, 354 Schuld (Ascham) 129, 209 Tabelle71 295, 299, 303, 306-309, 316-320, 323-
Rote Kuh 304 Schunamitische 104 Tag 302 328, 340, 356, 360-364
Rund (Runde Welt) 39, 135, 279 Schwefel 223, 229 Tage und Nächte (Drei Tage und Nächte, s. Umsonst 36, 38, 94, 123, 162, 170, 180,
Ruach (s. a. Wind) 90, 137, 174, 188, 220, Schwerkraft 36, 42, 112 unter Zahlen bei 3) 264 202, 217, 302, 320, 352, 361
247, 349, 353, 356, 357, 359 Schwert (Cherew) 158 Tallith, s. Kleidung Unfruchtbarkeit 201
Ruach ha-Kodesch 247 Sebulon 152 Tammim 291, 335 Unrein - Rein 212, 213, 233, 244
Sedom 111, 112, 269, 309 Tardemah, s. Schlafen zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFE
Unruhe (s. a. Sturm) 184, 186
T zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

38 0 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
Unsichtbar 179 Weiblich (s. a. Links, und Wasser) 65, 189, ZAHLEN
Unterleib 42 201-207, 210, 232, 233, 239
Unterwelt (Scheel, Hölle) 11, 190, 205, Wein 162, 163, 208, 297, 304, 305
210, 215 f., 227, 236 f., 249, 294, 336 Weingarten (Kerem, Weinberg) 163, 297- 0 149 166, 172, 189-195, 197-203, 209-221,
Urgeschichte 84 300, 304 (Einheit, Einssein, Einer, die Zahl 1) 30- 234, 236, 241-246, 249, 252-260, 263,
Urlicht 16, 163 Weiß 259-261, 264 37, 44,47, 59, 60, 64, 67, 83, 90, 93-96, 264, 269, 270, 274-277, 281, 295-299,
Ursache 312 Weizen (Chittah) 297 101, 102, 110, 119, 125, 136-139, 142, 316,317, 345 f., 351, 359, 360, 363
Ursprache 49-57, 63, 70, 146 Weltall (ausdehnend, einschrumpfend; s. a. 148, 149, 163, 171-174, 178-183, 192, 7-8 211
Ur-Typen 62 atmen) 31 200,212,216,229,243,253,255,259, 7-8-11 94
Urzeiten 294 Weltzeit 42, 211, 212 278, 302, 320-322, 325, 333, 335, 340- 8 (auch 8. Tag) 61, 85, 94, 104-116, 131,
Westen 137, 166 344,347,352,357 136-139, 142, 191, 193, 197-199, 207,
Wind (s. a. Ruach) 174, 175, 188, 245 1-1 56, 244, 246 211,232,240,242,246,254,359
Verborgen (Nistar) 50, 89, 123-126, 137, Witwe von Zarpath 91, 104-117, 138, 152, 1- 2 - 1 56, 37, 104, 105 9 138, 212, 364
141,143,156,157,161,162,179,181, 153, 210-214, 237, 360 1 - 2- 4 298, 299, 345 10 (auch die Zehnheit des Zehnstämme-
190,228,235,236,352,353 Wolle (Zemer) 264, 265 1-- 4 (auch als 4- 1) 46, 92, 102, 138, Reichs, die Zehnheit als Ganzes) 59-63,
Verborgener Wert 61, 66, 351-353 Wort (Tewa, zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
s. a. Tewa) 13-15, 44, 47-52, 143, 166, 173, 243, 344, 345 66, 104, 117, 118, 134, 148-150, 162,
Verdauung (s. a. Stoffwechsel und Einge- 59, 62, 63, 68, 69, 87, 127-131, 134 1-- 400 67 166,174, 175, 182, 231, 244, 263, 290,
weide) 340 139, 145-148, 167, 169, 213, 264 11/2 196, 353, 359 333,346,363,364
Vergessen 1 7 Wurm (s. Insekten) 2 (s. auch Zweiheit) 212, 238-244, 247, 10-5 66, 147, 153, 297, 342, 359
Verlieren 298 Wurzel 13, 30, 50, 52, 108 289, 303, 325, 326, 335, 353 10-5-6 113
Vertrauen 181 Wüste (Wüstenwanderung) 90, 188, 239, 2 - 1 38, 56, 118, 119, 158, 182, 244, 10-5-6-5 44, 66, 94, 148, 149, 152, 163,
Vieh (s. a. Tier) 335, 362 323, 353 352,362 194, 220, 234, 243, 297, 328, 346
Vielheit 33-38, 43, 47, 94, 96, 101, 133, 21/2 354 10-40 173
136,144, 151, 154, 162, 163, 166, 175, Zadil 121, 191, 195, 196, 200-203, 241, 3 (auch Dreiheit, 3 Ebenen, Drei-Einheit)
184, 187, 204, 222, 245-249, 294, 336- 242,264,323 12, 88, 105, 111, 112, 162, 165, 166, 11 94,147, 341, 342, 348
339, 349 Zahl 51-61, 67-70, 236, 241-243, 358 191, 199-202, 212-216, 219, 225, 226, 12 (auch die 12 der Zeit, die 12 Tierkreis-
Vogel 210, 212, 238-244 Zarpath (s. a. Witwe von Zarpath) 103, 107, 230-237, 244, 245, 254, 259-261, 264, zeichen) 103, 118, 143, 150, 211, 236,
Vokale 148, 328 108 265,273,281,289,292,294,317,335, 272,275,276,279,281,288,294,296,
Voller Wert 61, 148, 352 Zeichen (Othioth, s. a. Buchstaben) 55-58, 336, 346, 354 342, 344, 348, 351-358, 360, 364-367
Vorgeburtliches Leben 12 64,67,264 13 (auch die 13 als Einheit, gegenüber der
3-- 4 143, 232, 234, 315 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGF
Verweltliche Erzählung 253 Zerstreuung (s. a. Knechtschaft) 160 3 1/2 245, 252, 345, 353, 355 12 der Zeit) 94, 149, 150, 351, 365-367
Zimzum, s. Begrenzung und Einschränkung 4 (auch Vierheit, 4 Elemente, 4 Richtun- 14 (auch als doppelte 7 und als Zahl von
Zizith 94 gen, 4 Mütter, 4 Welten, 4 Verbannun- David) 118, 149, 150, 231, 318, 345,
Zufall (s. a. Los) 176, 177, 296, 352 gen, 4 Reiche) 44, 60, 68, 88, 92, 94, 351,353
Wahrheit (Emmeth) 116, 118, 139 Zusammenschrumpfen, s. Atmen 102, 107, 118, 136 f., 141 f., 146, 155, 15 94, 150, 243
Wajeman 339, 346, 350, 359 Zweiheit (das Doppelte, die Spaltung; s. a. 161, 170, 182, 188, 214, 232, 245, 246, 16 245-247, 259, 261, 354-356
Wärme (Chem) 261, 262 unter Zahlen bei 2) 32 £., 37-44, 47, 57, 253-255, 313, 314, 324, 329, 339, 344, 17 32, 329, 358
Wasser (Majim, s. a. Links, Weiblich) 64, 65, 58, 84-88, 94, 101, 104-108, 114-116, 345, 350, 353-356 18 265, 357, 358
128, 130, 132, 140-143, 147, 168, 169, 128, 164-166, 174, 180, 184, 196, 198, 5 61,66,68, 134,138, 148-151, 210, 212, 19 240, 241, 244
182-184, 188, 189, 192, 193, 196-199, 203, 213, 219, 221, 239, 243, 244, 263, 214, 239-244, 252, 263, 345 20 231, 345
212, 219, 238-240, 244, 272, 324 278, 280, 299-304, 315, 318, 322, 350, 5+5 59,61,66 21 118,137
Waw 66, 148-150 353 5-6-5 66 22 (auch als 22 „Jahre" der Verbannung
Wecken 186, 188 Zwillinge 162 6 (auch 6 Tage der Schöpfung, 6. Tag) 66, und als 22. Buchstabe des Alphabeths)
93, 94, 118, 130, 137, 138, 142, 146- 59, 60, 62, 88, 98, 133,149
151,194, 210, 212, 214, 219, 243, 317, 23 341-344, 348, 351-358
353 26 (auch als Name Gottes und als die 26
6-5 66, 147, 153, 297, 341 ,,Geschlechter") 44, 45, 94, 163, 241,
6-7 94, 194, 364 243,252
7 (auch 7 Tage der Schöpfung, 7. Tag, Sie- 29 357,359
benheit) 61, 84, 85, 88-94, 98, 103-111, 30 216, 232-237, 259-262, 265, 317
114, 128-131, 137-147, 152, 159, 165, 32 245
n1

38 2 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA 38 3

33 233,317 130 231, 341, 351 490 133, 143, 214, 327 744 241
36 141, 323 132 348 500 60, 61, 68, 133, 143, 189, 190, 193, 748 188
38 241 144 326 211,242,245,250 . 801 242
40 (auch als 40 Tage bzw. Jahre) 16, 60, 150 243 507 143, 188, 241 828 (auch 827 und 829) 134, 135, 167,
116, 139-144, 147, 168, 176, 193, 239, 154 153 510 68 f., 138, 251 £., 262, 264, 343 188,196
245, 262, 269-272, 275, 282, 288, 308- 160 261 541 317 868 68
311, 315, 323, 340 163 241 555 68, 252, 263 932 232
42 148, 150, 159 172 162-164 569 298 940 188
43 247 179 147 580 (auch alle Zahlen aus diesem Bereich 965 205, 208
44 222 180 238 zwischen 570 und 588) 65, 169, 214, 999 263
45 63, 68, 138 190 37, 134, 240 241,242,252,254,264,355
47 357, 358 590 338 1000 59, 85, 202, 203
207 34
48 13, 245-248 596 93 1056 166
208 92
49 (auch als 7 x 7) 61, 107 600 165, 338, 339 1110 242
210 346
625 65 1210 173, 247
50 (auch als 7 x 7 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA
+ 1) 61, 68, 152, 242, 212 263
630 250 1656 (auch 1657 und 1658) 134, 135, 167,
274,275,296,318,323,327 222 166,167,174,263
640 338 172, 174, 188, 211, 212, 247, 355
52 92 225 153
656 189 2448 (auch 2449) 133, 188, 189
55 345 232 143
676 241 2488 359
57 88, 240, 241, 244, 298 233 231
688 248 3104 189
58 42, 68, 84, 88, 89, 91, 127, 131, 138, 237 241 696 165, 166, 208 26000 163
139, 143, 148, 151, 166, 169, 196-198, 244 151 700 242, 339 365000 199, 201
214, 241, 244, 264, 298, 312, 323, 327, 248 218 600000 338 zyxwvutsrqponmlkjihgfedcbaZYXWVUTSRQP
253 188 718 351
341,355,356,361
60 339 254 253, 254, 258
63 148, 150 260 163, 297
66 133, 147, 151, 167 264 348
69 133 269 151, 208
70 (auch 70 Sprachen, 70 Völker, 70 Wis- 275 344-347
senschaften usw.) 49, 133, 144, 148, 276 344
eitere Werke von Friedrich einreb
151, 162, 163, 170-179, 184, 187-189, 280 275
192, 197, 222, 224, 231, 246, 248-254, 300 193, 216, 234, 237, 259-261, 265, GEDANKEN ÜBER TOD UND LEBEN
257, 269, 272-277, 281, 283, 287, 290, 285,317
295, 318, 320, 327, 328, 335, 360, 361, 300-70 113 Das ganze Leben
365,366 309 297 120 Seiten, kartoniert
71 151, 153, 163, 178, 187, 246 322 351
72 148, 150, 357-359 330 265,275
78 241, 264 333 261-265, 275 DIE LEGENDE VON DEN BEIDEN BÄUMEN
80 232 341 209
81 209, 356 343 244, 250, 263 Ca. 260 Seiten, kartoniert, in Vorbereitung
90 238,358 348 163
92 353 358 68, 147, 148, 158
96 165, 166 360 166 WUNDER DER ZEICHEN - WUNDER DER SPRACHE
100 59, 60 365 199, 201, 203, 218 Vom Sinn und Geheimnis der Buchstaben
106 318, 359 368 353
240 Seiten, Leinen
110 64 380 37, 134, 240
111 64,65, 137, 148, 242 400 (auch als 400 Jahre und als Raum-Maß)
112 258, 259 59-61, 245, 246, 261, 272, 278, 285,
324, 329, 340
DER GÖTTLICHE BAUPLAN DER WELT
120 (auch als 120 Jahre) 229, 341, 343,
346, 351, 365 430 65 Der Sinn der Bibel nach der ältesten jüdischen Überlieferung
121 147,148, 152, 173
126 166
432 326
434 65, 253, 339
s., Aufl. 396 Seiten, Leinen

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