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Deutscher Bundestag: 21. Sitzung

Das Dokument enthält die Tagesordnung und die Protokolle einer Sitzung des Deutschen Bundestags vom 12. Dezember 1969. Es werden verschiedene Fragen und Anträge diskutiert, unter anderem zu humanitärer Hilfe in Biafra, dem Krieg im Jemen und Umweltverschmutzung.

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Deutscher Bundestag: 21. Sitzung

Das Dokument enthält die Tagesordnung und die Protokolle einer Sitzung des Deutschen Bundestags vom 12. Dezember 1969. Es werden verschiedene Fragen und Anträge diskutiert, unter anderem zu humanitärer Hilfe in Biafra, dem Krieg im Jemen und Umweltverschmutzung.

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Deutscher Bundestag

21. Sitzung

Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Inhalt:

Erweiterung der Tagesordnung 751 A Fragen des Abg. Härzschel:

Krieg in Biafra — Humanitäre Hilfe in


Amtliche Mitteilung 751 A Biafra

Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer


Staatssekretär ........ 752 D,
Fragestunde (Drucksachen VI/146, VI/180) 753 A, B, C, D, 754 A
Härzschel (CDU/CSU) . . . 753 A, B, C
Fragen des Abg. Ruf:
Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU) . 753 C, D
Mitteilung des Presse- und Informa- Kiep (CDU/CSU) ........ 753 D
tionsamtes der Bundesregierung betr.
Rentenerhöhung

Ahlers, Staatssekretär 751 B, D, 752 A Frage des Abg. von Thadden:


Ruf (CDU/CSU) . . . . 751 D, 752 B
Hilfe für die Opfer der Kämpfe im Süd-
Breidbach (CDU/CSU) 752 A sudan
Härzschel (CDU/CSU) 752 A
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer
Staatssekretär ........ 754 A
von Thadden (CDU/CSU) . . . . . 754 B
Frage des Abg. Matthöfer:

Dokumentation des Internationalen


Bundes Freier Gewerkschaften betr. Frage des Abg. von Thadden:
Mißhandlungen und Folterungen poli-
tischer Häftlinge durch die spanische Humanitäre Unterstützung von Opfern
Polizei des Krieges im Jemen

Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer


Staatssekretär 752 C Staatssekretär 754 C, D
Matthöfer (SPD) . . . . . . . 752 C von Thadden (CDU/CSU) . . . . 754 C
II Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Frage des Abg. Dr. Marx (Kaiserslautern) : Frage des Abg. Dr. Hallstein:

Reaktion der sowjetischen Regierung Schlüsse aus der Reaktion der sowjeti-
auf die bei Unterzeichnung des Atom- schen Regierung auf die in der deut-
sperrvertrages übergebene deutsche schen Begleitnote zur Unterzeichnung
Note des Atomsperrvertrages enthaltenen
Interpretationen und Feststellungen . 758 A
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer
Staatssekretär 754 D,
Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) 754 D Frage des Abg. Dr. Schneider (Nürnberg)
755 A, B, C
Freiherr von und zu Guttenberg Artikel des Bonner Korrespondenten
(CDU/CSU) 755 A der „New York-Times" betr. ländliche
Dr. Schulze-Vorberg (CDU/CSU) . 755 B Gebiete Frankens und Badens

Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU) . 755 B Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer


Staatssekretär ....... 758 B, C
Dr. Schneider (Nürnberg) (CDU/CSU) 758 C
Frage des Abg. Dr. Marx (Kaiserslautern) :

Bezeichnung „Bundesrepublik Deutsch- Frage des Abg. Werner:


land" bei deutsch-polnischen Verhand-
lungen
Einwirkung auf die Regierungen in den
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Entwicklungsländern bezüglich ihres
Staatssekretär . . 755 C, D, 756 A, B Verhältnisses zur DDR-Regierung
Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) 755 - D, Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer
756 A Staatssekretär . . . . 758 D, 759 A
Wienand (SPD) 756 A Werner (CDU/CSU) ....... 758 D
Matthöfer (SPD) 756 B

Frage der Abg. Frau Dr. Wolf:


Fragen der Abg. Freiherr von und zu
Guttenberg und Dr. Kliesing (Honnef) : Personalkartei für die Besetzung der
der Bundesrepublik Deutschland zuste-
Äußerung des militärpolitischen Kor- henden Positionen in internationalen
respondenten des Ostberliner Deutsch- Organisationen
landsenders betr. Anwendung des
Nichtverbreitungsvertrages auf einen Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer
westeuropäischen Bundesstaat Staatssekretär . . . . . 759 B, C, D
Frau Dr. Wolf (CDU/CSU) . . . 759 B, C
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer
Staatssekretär . . . . . 756 B, C, D, Kiep (CDU/CSU) ........ 759 C
757 A, B, C
Freiherr von und zu Guttenberg
(CDU/CSU) 756 C Fragen des Abg. Dr. Brand (Pinneberg) :
Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU) . 757 A, B
Bericht von Professor Dr. Ehrlich über
Flämig (SPD) 757 B Umweltverseuchung
Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) 757 C
Genscher, Bundesminister . . . . 759 D,
760 B, C
Frage des Abg. Dr. Meinecke (Hamburg) : Dr. Brand (Pinneberg) (SPD) . . . . 760 A
Prinz zu Sayn-Wittgenstein-
Freilassung der in Vietnam in Gefan- Hohenstein (CDU/CSU) . . . . 760 B
genschaft befindlichen Angehörigen des
Malteser-Hilfsdienstes 757 D
Frage des Abg. Ollesch:

Frage des Abg. Dr. Meinecke (Hamburg) : Gleitende Arbeitszeit in der Bundes-
verwaltung
Gefährdung der in Vietnam im humani
tären Hilfseinsatz tätigen Deutschen . 758 A Genscher, Bundesminister . . . . 760 C
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 III

Frage des Abg. Dr. Dittrich: Frage des Abg. Dr. Müller-Hermann:

Grenzübergangsstellen im ostbayeri Entwicklung staatlich beeinflußter


schen Raum zur CSSR . . . . . . . 760 D Preise

Dr. Arndt, Parlamentarischer


Staatssekretär . 765 B, D, 766 A, B, C
Fragen des Abg. Dr. Arndt (Hamburg) :
Dr. Müller-Hermann (CDU/CSU) . 765 D

Bestimmung der zulässigen Waffen bei van Delden (CDU/CSU) 766 A


Ausübung öffentlicher Gewalt Dr. Burgbacher (CDU/CSU) . . . 766 B

Genscher, Bundesminister 761 A, B, C, D Dr. Gatzen (CDU/CSU) 766 B

Dr. Arndt (Hamburg) (SPD) 761 A, B, C, D


Antrag des Bundesministers der Finanzen
betr. Bundeshaushaltsrechnung für das
Fragen der Abg. Dr. Jungmann und Dr. Rechnungsjahr 1966, hier: Nachträgliche
Wörner: Genehmigung der über- und außerplan-
mäßigen Ausgaben (Drucksache V/2925)
Mehrarbeit durch Ärzte an den Univer- in Verbindung mit
sitätskliniken
Antrag des Präsidenten des Bundesrech-
Genscher, Bundesminister . . . . 761 D, nungshofes betr. Rechnung und Vermö-
762 A, B, C, D, 763 A, B gensrechnung des Bundesrechnungshofes
Dr. Jungmann (CDU/CSU) . . . 762 B, C für das Rechnungsjahr 1966 (Einzelplan 20)
- (Drucksache V/4055), mit
Dr. Wörner (CDU/CSU) . 762 C, 763 B
Antrag des Bundesministers der Finanzen
betr. Entlastung der Bundesregierung we-
Frage des Abg. Dichgans: gen der Bundeshaushaltsrechnung für das
Rechnungsjahr 1966 auf Grund der Be-
merkungen des Bundesrechnungshofes
Gemeindegebiet im Eigentum der
(Drucksache V/4066) und mit
Städte

Genscher, Bundesminister . . . 763 C, D Antrag des Bundesministers der Finanzen


betr. Bundeshaushaltsrechnung für das
Dichgans (CDU/CSU) . . . . . . 763 C
Rechnungsjahr 1967, hier: Nachträgliche
Dr. Arndt (Hamburg) (SPD) . . . . 763 D Genehmigung der über- und außerplan-
mäßigen Ausgaben (Drucksache V/4409) . 766 C

Fragen des Abg. Dr. von Bülow:


Begrüßung des französischen Ministers Pro-
fessor Comiti . . . . . . . . . . 780 D
Freistellung von Wehrpflichtigen für
die Dienste des Technischen Hilfswerks
und der freiwilligen Feuerwehren
Entwurf eines Gesetzes über die Anpassung
Genscher, Bundesminister . . . . 763 D, der Leistungen des Bundesversorgungs-
764 A, C gesetzes (Erstes Anpassungsgesetz —
Dr. von Bülow (SPD) . . . . . . 764 B 1. AnpG KOV) (Drucksachen VI/69, VI/77) ;
Bericht des Haushaltsausschusses gem.
§ 96 GO (Drucksache VI/163), Schriftlicher
Bericht des Ausschusses für Arbeit und
Frage des Abg. Dr. Riedl (München) : Sozialordnung (Drucksache VI/154 [neu])
— Zweite und dritte Beratung — in Ver-
Preise für Betonstahl bindung mit

Dr. Arndt, Parlamentarischer Bericht der Bundesregierung über die Situa-


Staatssekretär . . . 764 D, 765 A, B tion im Bereich der Versorgung von
Dr. Riedl (München) (CDU/CSU) . . 764 D, Kriegs- und Wehrdienstopfern (Nachtrag
765 A zum Kriegs- und Wehrdienstbericht 1969)
Dr. Jobst (CDU/CSU) . . . . . . 765 A (zu Drucksache VI/81)

Dr. Giulini (CDU/CSU) . . . . . 765 B Burger (CDU/CSU) . . . 767 B, 784 B


IV Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Ruf (CDU/CSU) . . . . 767 D, 781 A Entwurf eines Gesetzes zur Änderung ver-
sorgungsrechtlicher Vorschriften (Druck-
Dr. Schellenberg (SPD) . . . . . . 768 D
sachen VI/126, VI/158); Bericht des Haus-
Schmidt (Kempten) (FPD) . 769 D, 778 B, haltsausschusses gem. § 96 GO (Druck-
786 C sache VI/181), Mündlicher Bericht des
Maucher (CDU/CSU) . . . . . . 772 A Verteidigungsausschusses (Drucksache
VI/177) — Zweite und dritte Beratung — 805 B
Dr. Nölling (SPD) . . . 774 B, 776 C
Frau Funcke, Vizepräsident 776 B, 777 B
Franke (Osnabrück) (CDU/CSU) . . 777 B Schriftlicher Bericht des Ausschusses für
Dr. Böhme (CDU/CSU) . . . . . . 779 C Wirtschaft über die von der Bundesregie-
Jaschke (SPD) . . . . . . . . 785 C rung beschlossene Verordnung zur Ände-
rung des Deutschen Teil-Zolltarifs (Nr.
Arendt, Bundesminister 787 B 21/69 — Zollaussetzung für Kartoffeln)
(Drucksachen VI/145, VI/170) 805 C

Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Ände-


rung des Wehrsoldgesetzes (CDU/CSU)
(Drucksache VI/8) ; Bericht des Haushalts- Schriftlicher Bericht des Ausschusses für
ausschusses gem. § 96 GO (Drucksache Wirtschaft über die von der Bundesregie-
VI/164), Schriftlicher Bericht des Verteidi- rung beschlossene Verordnung zur Ände-
gungsausschusses (Drucksache VI/149) — rung des Deutschen Teil-Zolltarifs (Nr.
Zweite und dritte Beratung — . . . . 788 B 17/69 — Erhöhung des Zollkontingents
für Sulfat- oder Natronzellstoff) (Druck-
sachen VI/112, VI/171) 805 D
Entwurf eines Dreiundzwanzigsten Gesetzes
zur Änderung des Lastenausgleichsgeset- -
zes (23. ÄndG LAG) (CDU/CSU) (Druck-
sache VI/119) — Erste Beratung — Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, SPD,
FDP betr. Einsetzung eines Ausschusses
Freiherr von Fircks (CDU/CSU) . . 789 A zur Wahrung der Rechte der Volksver-
Dr. Hupka (SPD) . . . . . . . 790 A tretung (Drucksache VI/167) . . . . . 806 A

Schmidt (Kempten) (FDP) 790 D


Dr. Czaja (CDU/CSU) 791 C
Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, SPD,
Genscher, Bundesminister . . . 792 D FDP betr. Wahl der Vertreter der Bundes-
republik Deutschland zur Beratenden Ver-
sammlung des Europarates (Drucksache
Entwurf eines Sechsten Gesetzes über die 806 B
VI/175)
Erhöhung von Dienst- und Versorgungs-
bezügen (6. Besoldungserhöhungsgesetz)
(CDU/CSU) (Drucksache VI/131) — Erste
Beratung — in Verbindung mit Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, SPD
betr. Wahl der vom Bundestag zu entsen-
denden Mitglieder des Schuldenausschus-
Antrag der Fraktion der CDU/CSU betr.
ses bei der Bundesschuldenverwaltung
Beamtenbesoldung (Drucksache VI/130)
(Drucksache VI/166) . . . . . . . . 806 B
Wagner (Günzburg) (CDU/CSU) . . 794 C
Genscher, Bundesminister . . . . 796 C
Dr. h. c. Dr.-Ing. E. h. Möller, Bundes- Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, SPD,
minister 799 C FDP betr. Wahl der vom Bundestag zu
entsendenden Mitglieder des Kontrollaus
Spillecke (SPD) 799 D schusses beim Bundesausgleichsamt
Dorn (FDP) 802 A (Drucksache VI/168 [neu]) 806 C
Berger (CDU/CSU) 802 D

Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, SPD,


Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des FDP betr. Mitglieder des Gemeinsamen
Textilkennzeichnungsgesetzes (CDU/CSU, Ausschusses (Drucksache VI/165) . . . 806 C
SPD, FDP) (Drucksache VI/172); Münd-
licher Bericht des Ausschusses für Wirt-
schaft (Drucksache VI/176) — Zweite und
dritte Beratung — . . . . . . . . . 805 B Nächste Sitzung 806 D
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 V

Anlagen Anlage 10

Schriftliche Antwort auf die Mündliche


Anlage 1 Frage des Abg. Dr. Jenninger betr. Äuße-
rung des Parlamentarischen Staatssekre-
Liste der beurlaubten Abgeordneten . 807 A tärs Dr. Dahrendorf über die Ordnung
der Bundesfinanzen 809 D

Anlage 2
Anlage 11
Änderungsantrag Umdruck 5 zur zweiten
Beratung des Entwurfs eines Gesetzes Schriftliche Antwort auf die Mündliche
über die Anpassung der Leistungen des Frage des Abg. Mertes betr. Novellierung
Bundesversorgungsgesetzes (Drucksachen des Filmförderungsgesetzes . . . . . 810 A
VI/69, VI/154) 807 C

Anlage 3 Anlage 12

Erklärung des Abg. Dr. Jobst (CDU/CSU) Schriftliche Antwort auf die Mündliche
gemäß § 59 GO . . . . . . . . . . 808 C Frage des Abg. Dr. Schneider (Nürnberg)
betr. Walzstahlkontore . . . . . . . 810 B

Anlage 4
Anlage 13
Erklärung des Abg. Röhner (CDU/CSU)
zur Abstimmung gemäß § 59 GO . . . . 808 D Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Frage des Abg. Köppler betr. Kosten-
steigerungen im Bereich der Elektrizitäts-
Anlage 5 versorgung . . . . . . . . . . . 810 B

Erklärung der Abg. Dr. Schneider, Dr.


Riedl (München), Roser und Spilker (sämt-
lich CDU/CSU) zur Abstimmung gemäß Anlage 14
§ 59 GO . . . . . . . . . . . . 808 D
Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Frage des Abg. Dr. Schmidt (Krefeld)
betr. Gewährung einer studentischen
Anlage 6 Vollversicherung 810 D
Schriftliche Antwort auf die Mündlichen
Fragen des Abg. Dr. Schulz (Berlin) betr.
demokratische und rechtsstaatliche Ver- Anlage 15
hältnisse in Griechenland 809 A
Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Frage des Abg. Dr. Hauser (Sasbach) betr.
Anlage 7 Berechnung der Dienstzeiten der Ange-
hörigen der Schutztruppe im ehemaligen
Schriftliche Antwort auf die Mündliche Deutsch-Südwestafrika . . . . . . . 811 A
Frage des Abg. Hirsch betr. Visumzwang
für Angehörige der osteuropäischen Staa-
ten 809 B
Anlage 16

Schriftliche Antwort auf die Mündliche


Anlage 8 Frage des Abg. Dr. Konrad betr. Anrech-
nung der Überbrückungszulage nach dem
Schriftliche Antwort auf die Mündliche Bundesversorgungsgesetz auf die Erzie-
Frage des Abg. Köppler betr. Stellung
hungsbeihilfe 811 A
der Parlamentarischen Staatssekretäre . 809 C

Anlage 9 Anlage 17

Schriftliche Antwort auf die Mündliche Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Frage des Abg. Dr. Dittrich betr. Grenz- Frage des Abg. Freiherr von und zu
übergangsstellen im ostbayerischen Raum Guttenberg betr. Krankenversicherungs-
zur CSSR 809 D beitrag der Rentner 811 B
VI Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Anlage 18 Anlage 27

Schriftliche Antwort auf die Mündlichen Schriftliche Antwort auf die Mündlichen
Fragen des Abg. Richarts betr. Kinder- Fragen des Abg. Adorno betr. das Splü
geld der deutschen Grenzgänger in genbahnprojekt 815 B
Luxemburg 812 A

Anlage 19 Anlage 28
Schriftliche Antwort auf die Mündlichen
Schriftliche Antwort auf die Mündlichen
Fragen des Abg. Peiter betr. Nachteile in
Fragen des Abg. Dr. Eyrich betr. Erweite-
den gesetzlichen Rentenversicherungen
rung der Ermäßigungskarten beim Schü-
infolge der Ausübung eines Ehrenamtes 812 D
leraustausch auf Grund des deutsch-fran-
zösischen Abkommens 815 B
Anlage 20

Schriftliche Antwort auf die Mündlichen


Anlage 29
Fragen des Abg. Bäuerle betr. Anrech-
nung des Wehrdienstes, des Kriegsdien-
stes und der Kriegsgefangenschaft als Er- Schriftliche Antwort auf die Mündlichen
satzzeiten in der Rentenversicherung . . 813 A Fragen des Abg. Dr. Gleissner betr. Ab-
gasentgiftung 815 C

Anlage 21

Schriftliche Antwort auf die Mündliche Anlage 30


-
Frage des Abg. Schmidt (Braunschweig)
betr. Lebensmittelbestrahlung . . . . 813 B Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Frage des Abg. Haas betr. Ausbau der
Bundesautobahn Nürnberg—Heilbronn . 816 A
Anlage 22

Schriftliche Antwort auf die Mündliche


Frage des Abg. Flämig betr. Nachwuchs- Anlage 31
mangel im öffentlichen Gesundheitsdienst 813 C
Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Frage des Abg. Dr. Müller-Hermann betr.
Anlage 23 Zuwendungen im Bundeshaushalt für die
Deutsche Bundesbahn . . . . . . . . 816 B
Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Frage des Abg. Mertes betr. Ergebnis der
Rauschgiftkonferenz in den USA . . . . 813 D
Anlage 32

Anlage 24 Schriftliche Antwort auf die Mündliche


Frage des Abg. Pieroth betr. Verkehrsge-
Schriftliche Antwort auf die Mündliche meinschaft der Omnibusdienste von Bahn
Frage des Abg. Dr. Hupka betr. Verlust und Post 816 B
von Paketsendungen nach Mitteldeutsch-
land 814 C
Anlage 33
Anlage 25
Schriftliche Antwort auf die Mündlichen
Schriftliche Antwort auf die Mündliche Fragen des Abg. Unertl betr. Maßnahmen
Frage des Abg. Josten betr. Vergünsti- zur Beseitigung von Bahnübergängen . . 816 C
gungen bei der Deutschen Bundesbahn
für ältere Menschen . . . . . . . . 814 D
Anlage 34
Anlage 26
Schriftliche Antwort auf die Mündliche
Schriftliche Antwort auf die Mündlichen Frage des Abg. Dr. Jenninger betr. Arbeit-
Fragen des Abg. Maucher betr. Tunnel geberdarlehen für Beamte der Deutschen
durch den Splügen . . . . . . . . 814 D Bundesbahn 817 A
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 VII

Anlage 35 Anlage 43

Schriftliche Antwort auf die Mündlichen Schriftliche Antwort auf die Schriftliche
Fragen des Abg. Wende betr. Darlehen Frage des Abg. Weigl betr. Zahlung von
in öffentlich geförderten Bauvorhaben für Arbeitslosenunterstützung bei wilden
kinderreiche Familien . . . . . . . 817 B Streiks 820 C

Anlage 44

Anlage 36 Schriftliche Antwort auf die Schriftliche


Frage des Abg. Weigl betr. Streik zum
Schriftliche Antwort auf die Schriftlichen Zwecke der Einführung der erweiterten
Fragen des Abg. Biechele betr. Auswir- Mitbestimmung 820 D
kung der Aufwertung der D-Mark für die
Einwohner der Exklave Büsingen . . . 817 D
Anlage 45

Anlage 37 Schriftliche Antwort auf die Schriftliche


Frage des Abg. Zebisch betr. Ausbildungs-
Schriftliche Antwort auf die Schriftlichen stätten in Ost- und Niederbayern . . . 821 A
Fragen des Abg. Biechele betr. Neufas-
sung des Abkommens über den kleinen
Grenzverkehr zwischen der Bundesrepu- Anlage 46
blik Deutschland und der Schweiz . . . 818 B
Schriftliche Antwort auf die Schriftliche
Frage des Abg. Dr. Schmidt (Wuppertal)
Anlage 38 betr. Maßnahmen des Bundesverteidi-
gungsministers zur Lösung des Kinder-
Schriftliche Antwort auf die Schriftlichen gartenproblems 821 B
Fragen des Abg. Bredl betr. Vermietung
der
- Wohnungen an der Neuherberg
Rockefellerstraße im Münchener Norden 818 C Anlage 47

Schriftliche Antwort auf die Schriftliche


Frage des Abg. Dr. Schmitt-Vockenhausen
Anlage 39
betr. die Kfz-Verkehrssünderkartei . . . 821 D
Schriftliche Antwort auf die Schriftlichen
Fragen des Abg. Dr. Dittrich betr. Grenz-
übergang in Bayerisch-Eisenstein . . . 819 A Anlage 48

Schriftliche Antwort auf die Schriftliche


Frage des Abg. Dr. Abelein betr. Elektri-
Anlage 40 fizierung
- der Eisenbahnstrecke Ulm
Crailsheim 822 A
Schriftliche Antwort auf die Schriftliche
Frage des Abg. Zebisch betr. Darlehen im
Rahmen des regionalen Förderungspro-
Anlage 49
gramms 819 B
Schriftliche Antwort auf die Schriftlichen
Fragen des Abg. Ruf betr. Antrag der
Anlage 41 Gemeinde Stetten auf Anschluß an die
B 27 822 B
Schriftliche Antwort auf die Schriftlichen
Fragen des Abg. Wende betr. Freistel-
lung der Gemeinden von der Genehmi- Anlage 50
gungspflicht nach dem Grundstücksver-
kehrsgesetz . . 819 C Schriftliche Antwort auf die Schriftliche
Frage des Abg. Josten betr. Bau der
Rheinbrücke im Raum Sinzig/Remagen . 822 C
Anlage 42

Schriftliche Antwort auf die Schriftliche Anlage 51


Frage des Abg. Dr. Lenz (Bergstraße)
betr. Ausgleichsleistungen an die Bezie- Schriftliche Antwort auf die Schriftliche
her von ausländischen Renten wegen der Frage des Abg. Jung betr. Flughafen Ens-
D-Mark-Aufwertung 820 B heim/Saar 822 D
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 751

21. Sitzung

Bonn, den 12. Dezember 1969

Stenographischer Bericht regierung besteht. Dieser Eindruck sollte und konnte


durch das in Frage stehende Flugblatt nicht erweckt
werden. Das Bundespresseamt hat in dem Flugblatt
Beginn: 9.01 Uhr
nach unserer Auffassung einwandfrei, und zwar un-
ter Berücksichtigung graphischer Notwendigkeiten
Vizepräsident Frau Funcke: Die Sitzung ist die beiden Sachaussagen getrennt, einmal die Aus-
eröffnet. sage über die Streichung des zweiprozentigen Bei-.
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung soll trages zur Krankenversicherung und zweitens die
die Tagesordnung um die in der Ihnen vorliegenden Rentenerhöhung, die schon von der letzten Bundes-
Liste bezeichneten Vorlagen ergänzt werden. — regierung, vom letzten Bundestag und vom Bundes-
Das Haus ist damit einverstanden. rai beschlossen worden ist. Diese Trennung geht,
wenn Sie sich das Flugblatt genau ansehen, ein-
Folgende amtliche Mitteilung wird ohne Ver-
wandfrei aus dem ausdrücklichen Hinweis hervor,
lesung in den Stenographischen Bericht aufgenom-
daß Bundestag und Bundesrat noch über die Strei-
men:
chung des Krankenversicherungsbeitrages zu be-
Der Präsident des Bundestages hat entsprechend dem Beschluß
des Bundestages vorn 25. Juni 1959 die schließen haben, und aus dem Zusatz bei der zweiten
Verordnung des Rates zur Errichtung einer gemeinsamen Aussage: Und außerdem wird die Rente erhöht.
Marktorganisation für Spinnfasern
Verordnung des Rates zur Ausdehnung der für Ölsaaten
geltenden Preisregelung auf Leinsamen
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage,
— Drucksache V.4689 —
auch dem haushaltsausschuß mitberatend überwiesen.
Herr Abgeordneter Ruf.

Wir kommen zur Ruf (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, können Sie


Fragestunde mir sagen, in welcher Auflage und wie das Flugblatt
verteilt werden soll?
— Drucksachen VI/ 146, VI/180 —
Es liegen Dringliche Mündliche Fragen zum Ge-
Ahlers, Staatssekretär: Die Auflage, Herr Abge-
schäftsbereich des Presse- und Informationsamtes ordneter, wird etwa 5 Millionen Exemplare betra-
vor. Ich rufe die Frage 1 des Abgeordneten Ruf auf:
gen. Es wird an alle Rentner verteilt werden, die in
Hält es die Bundesregierung für vertretbar, daß das Presse- der Zeit zwischen dem 18. und 31. Dezember bei
und Informationsamt der Bundesregierung in dem Flugblatt „die
Bundesregierung informiert: zwei gute Nachrichten für alle der Bundespost ihre Renten entgegennehmen.
Rentenempfänger" unter anderem behauptet, „Arbeitsminister
Walter Arendt schlug vor, das Kabinett beschloß von Januar
an ist ihre Rente um 6,35 0/o erhöht, ihre höhere Rente bekom-
men sie schon jetzt ausgezahlt"? Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere
Frage des Herrn Abgeordneten Ruf.
Zur Beantwortung Herr Staatssekretär Ahlers.

Ahlers, Staatssekretär: Frau Präsidentin, des Ruf (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, in dem
Sachzusammenhangs wegen möchte ich die beiden Flugblatt heißt es:
Fragen des Herrn Abgeordneten Ruf zusammen be- So muß es sein: unbürokratisch und ohne An-
antworten. träge.

Wird damit nicht der Eindruck erweckt, als ob in der


Vizepräsident Frau Funcke: Frage 2 des Ab- Vergangenheit bei Rentenanpassungen die einzel-
geordneten Ruf: nen Renter hätten Anträge stellen müssen? Das ist
Ist denn der Bundesregierung nicht bekannt, daß dieser Be- doch genauso wahrheitswidrig, wie ich Ihre Be-
schluß schon unter der Regierung Kiesinger vom Bundestag im
Juni dieses Jahres einstimmig gefaßt worden ist? hauptung zur Frage 2 nach wie vor für wahrheits-
widrig halte.
Ahlers, Staatssekretär: Die Bundesregierung,
Herr Abgeordneter, hat keineswegs die Absicht, Ahlers, Staatssekretär: Herr Abgeordneter, ich
sich mit fremden Federn zu schmücken, obwohl sie würde nicht den Umkehrschluß akzeptieren, daß,
zum Teil auch aus Mitgliedern der alten Bundes- wenn man darauf hinweist, daß die Rentenauszah-
752 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode -- 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Staatssekretär Ahlers
lung unbürokratisch und ohne Anträge erfolgt, es Ist Herr Matthöfer im Saal? — Das ist der Fall.
früher anders gewesen sei. Bitte, Herr Staatssekretär!

Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage, Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-


Herr Abgeordneter Breidbach. tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau
Präsidentin: Ja, die Dokumentation des Internatio-
nalen Bundes Freier Gewerkschaften ist der Bundes-
Breidbach (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, wür- regierung bekanntgeworden.
den Sie mir zustimmen, daß die in diesem Flugblatt
vorgenommene graphische Aufteilung den Eindruck
erweckt, als würde es sich bei der Rentenerhöhung Matthöfer (SPD) : Herr Staatssekretär, ist sich die
um eine zusätzliche Maßnahme der Bundesregierung Bundesregierung darüber im klaren, daß die in die-
handeln. ser Dokumentation dargestellten Vorfälle, die sich
im wesentlichen auf das beziehen, was sich im Nor-
den des Landes abgespielt hat, nur ein kleiner Aus-
Ahlers, Staatssekretär: Nein: Herr Abgeordneter, schnitt aus dem sein kann, was sich in der spanischen
gerade diese Zustimmung kann und möchte ich
Realität auch heute noch vollzieht?
Ihnen nicht geben; denn ich habe soeben ausgeführt,
daß nach meiner Auffassung und der Auffassung
des Hauses die graphische Gestaltung die Trennung Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
zwischen den beiden Aussagen enthält. tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Herr Kol-
lege, die Bundesregierung hat keine volle Möglich-
Vizepräsident Frau Funcke: Herr Abgeord- keit, die Angaben nachzuprüfen, die in der Doku-
neter Breidbach, Sie haben leider keine zweite Zu- mentation gemacht werden, geschweige denn An-
satzfrage mehr. — Bitte schön. gaben, die darüber hinausgehen. Sie geht aber da-
von aus, daß der spanische Justizminister sich ge-
genüber einer Delegation der Internationalen Ar-
Härzschel (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, hal- beitsorganisation schon vor Monaten bereit erklärt
ten Sie es für richtig, daß die Bundesregierung- ein hat, nicht nur selbst eine Nachprüfung solcher Fälle
Flugblatt herausgibt, in dem sie die Abschaffung vorzunehmen, sondern auch bei dieser Nachprüfung
des Rentnerbeitrages zur Krankenversicherung an- ausländische Beobachter zuzulassen. Inzwischen hat
kündigt, obwohl das Parlament das noch nicht be- die Bundesregierung erfahren, daß der spanische
schlossen hat? Sind Sie nicht der Meinung, daß das Generalstaatsanwalt dem Internationalen Bund
unter Umständen eine erneute Täuschung der Rent- Freier Gewerkschaften am 2. Dezember erklärt hat,
ner — wie schon einmal mit den 50 DM — ist? daß Ermittlungen gegen bestimmte Personen im
Gange seien und gegebenenfalls Militärstrafverfah-
Ahlers, Staatssekretär: Nein, Herr Abgeordneter, ren eingeleitet würden.
das glaube ich nicht. Erstens ist das Presseamt selbst-
verständlich gehalten, Beschlüsse der Bundesregie- Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
rung, von denen die Bundesregierung mit Recht an- Zusatzfrage.
nehmen kann, daß sie von den gesetzgebenden Kör- Ich rufe die Frage 129 des Abgeordneten Härzschel
perschaften gebilligt werden, bereits öffentlichkeits- auf:
wirksam darzustellen, und zweitens, glaube ich, anzu
Beabsichtigt die Bundesregierung, Biafra völkerrechtlich
kann das Bundespresseamt und kann die Bundesre- erkennen, und sieht sie in einem solchen Schritt einen Weg, den
Krieg schneller zu beenden?
gierung davon ausgehen, daß diese Beschlüsse wirk-
sam werden, so daß eine Täuschung der Rentner Ist Herr Härzschel im Saal? — Das ist der Fall.
nicht erfolgen wird. Bitte schön!

Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu- Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
satzfrage, Herr Kollege Ruf. tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau Prä-
sidentin, darf ich zu Beginn der Beantwortung der
Frage darauf hinweisen, daß diese Bundesregierung
Ruf (CDU/CSU) : Ich verzichte auf eine Zusatz- wie ihre Vorgängerinnen den Krieg in Biafra zu-
frage, erkläre aber nach wie vor, daß ich mit der tiefst bedauert und alles tun will, um zumindest die
Antwort der Bundesregierung unzufrieden bin. menschlichen Folgen dieses Krieges zu lindern. Sie
ist sich zugleich darüber im klaren, daß es sich hier
Vizepräsident Frau Funcke: Das letztere war nicht nur um ein humanitäres Problem handelt.
keine Frage. Die Bundesregierung steht jedoch unverändert auf
Ich danke Ihnen, Herr Ahlers. dem Standpunkt, daß eine Anerkennung Biafras
durch die Bundesrepublik nicht zur Beendigung des
Wir kommen dann zum Geschäftsbereich des
Krieges beitragen würde. Sie ist der Meinung, daß
Bundesministers des Auswärtigen. Ich rufe die wir uns hier auf die afrikanischen Staaten und die
Frage 128 des Herrn Abgeordneten Matthöfer auf:
Organisation für Afrikanische Einheit verlassen soll-
Kennt die Bundesregierung die kürzlich veröffentlichte Doku-
mentation des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, in
ten und die Bemühungen dieser Organisation respek-
der dem spanischen Generalstaatsanwalt Beweisunterlagen über tieren sollten. Das steht auch im Einklang mit den
zahlreiche Fälle von Mißhandlungen und Folterungen politischer
Häftlinge durch die spanische Polizei vorgelegt wurden? Beschlüssen, die in dieser Organisation mehrfach ge-
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Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Dann kommen wir zur Frage 132 des Herrn Abge
tär beim Bundesminitser des Auswärtigen: Die briti- ordneten von Thadden:
sche Regierung ist über die Meinung und die Hal- Beteiligt sich die Bundesregierung an der humanitären Unter-
stützung von Opfern auf beiden Seiten der kämpfenden Parteien
tung der Bundesregierung in dieser Frage informiert. im Jemen?
Das hat, was Sie genauso gut wie ich wissen, das
britische Unterhaus nicht davon abgehalten, gerade Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
unlängst wieder die britische Nigeria-Politik mit tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Auch die
einer vielleicht sogar überraschenden Mehrheit zu Kampfhandlungen im Jemen sind, abgesehen von
billigen. gelegentlichen kleineren Auseinandersetzungen im
äußersten Norden des Landes, praktisch zum Erlie-
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere gen gekommen. Ein unmittelbarer Anlaß für Hilfe-
Zusatzfrage. leistungen besteht daher zur Zeit nicht mehr. Soweit
der Bundesregierung bekannt ist, hat das Internatio-
Ich rufe die Frage 131 des Herrn Abgeordneten
nale Rote Kreuz seine Tätigkeit im Jemen nicht zu-
von Thadden auf:
letzt aus diesem Grunde eingestellt. Die Bundesre-
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesrepublik für eine Hilfe
für die Opfer der Kämpfe im Südsudan? gierung hatte zu Anfang dieses Jahres dem Jemen
für die Behandlung Kriegsversehrter orthopädisch-
Bitte schön, Herr Staatssekretär! medizinische Geräte zur Verfügung gestellt. Auch
ein Teil der kürzlich bereitgestellten Medikamenten-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- spende wird Opfern des Bürgerkrieges zugute kom-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau Prä- men.
sidentin! Die Kämpfe im Südsudan haben in den letz-
ten Jahren erfreulicherweise immer mehr nachge- Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
lasen.DijtzgudscheRirngatdu des Herrn Abgeordneten von Thadden.
das Angebot einer gewissen Autonomie für die Süd-
sudanesen ebenfalls zur Beruhigung der Lage bei- von Thadden (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär,
getragen. Es kann gleichwohl kein Zweifel daran - beziehen sich diese Berichte im wesentlichen auf An-
bestehen, daß die Lebensverhältnisse sowohl im gaben, die wir von republikanischer Seite, mit der
Süden der demokratischen Republik Sudan als auch wir ja in diplomatischen Beziehungen stehen, erhal-
in den Flüchtlingslagern der Nachbarländer Maß- ten, oder gibt es Erkenntnisquellen für das Auswär-
nahmen humanitärer Hilfe möglich und nötig er- tige Amt, die auf der anderen Seite liegen?
scheinen lassen. Derartige Maßnahmen werden seit
mehreren Jahren durch den Flüchtlingskommissar Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
der Vereinten Nationen durchgeführt. Zum Budget tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Es gibt
des Flüchtlingskommissars trägt auch die Bundes- für die Bundesregierung auch Erkenntnisquellen, die
regierung bei. auf der anderen Seite liegen. Aber es ist selbstver-
ständlich, daß wir wesentliche Erkenntnisse aus den
Vizepräsident Frau Funcke: Zu einer Zusatz- von Ihnen geschilderten Quellen beziehen.
frage Herr Abgeordneter von Thadden.
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
von Thadden (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, Zusatzfrage.
wären Sie, da Sie offensichtlich Berichte darüber Wir kommen zur Frage 133 des Herrn Abgeord-
haben, daß die Kämpfe nachgelassen haben — was neten Dr. Marx:
von anderen Seiten bezweifelt wird —, bereit, den
Wie hat die sowjetische Regierung auf die hei Unterzeichnung
deutschen Botschafter in Uganda, wo sich ja die grö- des Atomwaffensperrvertrages übergebene deutsche Note rea-
ßere Zahl der Flüchtlinge aus dem südlichen Sudan giert?

befindet, zur Berichterstattung darüber aufzufordern, Bitte schön, Herr Staatssekretär!


ob sich der Flüchtlingsstrom vermindert hat oder un-
vermindert weitergeht? Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau Prä-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- sidentin, die sowjetische Regierung hat die bei
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Die Be- Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrages in
richte, die wir sowohl aus Uganda als auch von unse- Moskau übergebene deutsche Note entgegengenom-
ren Interessenvertretungen bei anderen Botschaften men. Das gleiche haben die amerikanische und die
haben, sind ziemlich erschöpfend. Sie laufen im we- britische Regierung bei der Unterzeichnung in Wa-
sentlichen darauf hinaus, daß heute der Kern der shington bzw. in London getan.
Problematik im Südsudan in den Lebensverhältnis-
sen derer liegt, die dort sind, und nicht in den vor- Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
handenen Kämpfen. Ich bin aber gern bereit, weitere des Herrn Abgeordneten Dr. Marx.
Berichte darüber einzuholen, um sicherzustellen, daß
unsere Information so gründlich wie möglich ist. Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) : Herr
Staatssekretär, darf ich zur Verdeutlichung fragen:
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere ist die Note oder die russische Übersetzung der Note
Zusatzfrage. entgegengenommen worden?
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Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Dahrendorf
faßt worden sind. Die kürzliche Bemühung neutra- sammenhang eine haushaltswirksame Zusage zu
ler Staaten, insbesondere der Schweiz, vermittelnd machen. Ich kann nur darauf verweisen, daß uns un-
einzugreifen, hat durch die Schwierigkeiten, in die verändert sehr daran gelegen ist, daß dieser Krieg
sie geraten ist, gerade gezeigt, wie sinnvoll es ist, rasch beendet wird und nicht noch mehr Menschen
hier den afrikanischen Staaten die Initiative zu über als schon bisher in Not geraten oder gar sterben
lassen. müssen.

Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage Vizepräsident Frau Funcke: Zu einer weiteren
des Herrn Abgeordneten Härzschel. Zusatzfrage Herr Abgeordneter Härzschel.

Härzschel (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, hat Härzschel (CDU/CSU): Wären Sie zumindest be-
die Bundesregierung schon den Versuch unternom- reit, Herr Staatssekretär, dies noch einmal zu prüfen
men, bei diesem Bürgerkrieg vermittelnd einzuwir- und auch mit dem Finanzminister darüber zu spre-
ken? chen? Denn angesichts des Massensterbens sollten
wir es uns nicht so billig machen, sondern, soweit es
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- in unseren Möglichkeiten steht, helfen.
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Die Bun-
desregierung hat eine Reihe von Gesprächen mit Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
Vertretern afrikanischer Staaten geführt, bei denen tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ich teile
diese Frage im Vordergrund stand, in letzter Zeit Ihre Meinung, Herr Kollege, und ich will es gern
vor allem mit Vertretern von Ghana und Sierra in Ihrem Sinne überprüfen.
Leone. Sie hat auf diesem mittelbaren Weg ver-
sucht, das Ihre dazu beizutragen, daß hier eine Ver- Vizepräsident Frau Funcke: Zu einer Zusatz-
mittlung möglich wird. frage Herr Abgeordnete Kliesing.

Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu-


- Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU): Herr Staats-
satzfrage! sekretär, wird sich die Bundesregierung in ihren
Bemühungen auch nicht durch eine etwas seltsam
Härzschel (CDU/CSU): Darf ich daraus schließen, klingende Erklärung beirren lassen, die jüngst aus
daß die Bundesregierung alles unternehmen wird, Genf kam?
was in ihren Kräften steht, um mitzuhelfen, dieses
Blutvergießen so schnell wie möglich zu beenden? Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Herr
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Kollege, ich muß Ihnen gestehen, daß mir die Er-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ja, Herr klärung, auf die Sie sich hier beziehen, im Augen-
Kollege, das dürfen Sie daraus entnehmen. blick nicht gegenwärtig ist.

Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU) : Darf ich Sie
Zusatzfrage. darauf hinweisen, daß eine Erklärung seitens einer
Genfer kirchlichen Institution vorliegt, die davon
Ich rufe die Frage 130 des Abgeordneten Härzschel abrät, die humanitäre Hilfe in Biafra noch weiter
auf: fortzusetzen.
Leistet die Bundesrepublik Deutschland noch humanitäre Hilfe
in Biafra, und wird sie das auch weiterhin tun?
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Die Bun-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau desregierung wird sich durch eine solche Erklärung
Präsidentin! Die Bundesregierung hat 1968 25 Mil- sicher nicht beirren lassen, sondern sieht im Gegen-
lionen DM und 1969 fast 38 Millionen DM für die teil mit Genugtuung, daß sich die kirchlichen Orga-
humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung auf bei- nisationen in der Bundesrepublik in ganz erheb-
den Seiten der Bürgerkriegsfront aufgewendet. Die lichem Maße in diese Hilfe eingeschaltet haben und
Bundesregierung ist entschlossen, die Hilfe auch es auch in Zusammenarbeit der verschiedenen kirch-
für das Jahr 1970 in erheblichem Umfang fortzu- lichen Organisationen getan haben und weiter zu
setzen. tun beabsichtigen.

Vizepräsident Frau Funcke: Zu einer Zusatz- Vizepräsident Frau Funcke: Zu einer Zusatz-
frage Herr Abgeordneter Härzschel. frage Herr Abgeordneter Kiep.

Härzschel (CDU/CSU) : Wäre die Bundesregie- Kiep (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, hat die
rung angesichts des großen Elends nicht bereit, ihre Bundesregierung im Rahmen ihrer Bemühungen und
Hilfe noch zu erhöhen? Überlegungen im Zusammenhang mit diesem Kon-
flikt Konsultationen auch mit der britischen Regie-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- rung gehabt und diese über die Meinung und die
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Herr Kol- Haltung der Bundesregierung in dieser Frage infor-
lege, ich bin nicht in der Lage, Ihnen in diesem Zu- miert?
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Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-


tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Es ist die tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ein sol-
Note entgegengenommen worden. cher Bericht ist durch den Herrn Bundesaußen-
minister gestern bereits dem Auswärtigen Ausschuß
Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu- angekündigt worden. Die Bundesregierung ist
satzfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Marx. selbstverständlich bereit, ihn auch zu geben.

Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) : Ich hätte Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
gerne gewußt, Herr Staatssekretär: treffen die Mel- Zusatzfrage.
dungen etwa im „General-Anzeiger" Bonn zu, die
behaupten, daß die Sowjetunion die Note nicht ak- Wir kommen zur Beantwortung der Frage 134 des
Herrn Abgeordneten Dr. Marx:
zeptiert habe, oder sind diese Meldungen unrichtig?
wird die Bundesregierung bei den sich anbahnenden Gesprä
hen mit der Volksrepublik Polen darauf drängen, daß die Bun-
desrepublik Deutschland korrekt bezeichnet und nicht von offi-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- zieller und offiziöser Seite, so wie das auch von tschechoslowa-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Die Note kischen Stellen in deutscher Sprache oft geschieht, als Deutsche
Bundesrepublik benannt wird?
ist entgegengenommen worden. Damit ist für uns
genau das erreicht, was wir zu erreichen versucht
haben. Insofern sind diese Meldungen nicht richtig. Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau
Präsidentin, die bisher zwischen der Bundesregie-
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage rung und der Regierung der Volksrepublik Polen
des Herrn Abgeordneten Freiherr von und zu Gut- geschlossenen Vereinbarungen enthalten die kor-
tenberg. rekte Bezeichnung „Bundesrepublik Deutschland"
— „Federalna Republika Niemiec". Das gilt z. B.
Freiherr von und zu Guttenberg (CDU/CSU) : auch für die Vereinbarung über den internationalen
Herr Staatssekretär, hatten die deutschen Botschaf- Straßenverkehr, die im September des Jahres in
--c
ter in Washington, London und Moskau hinsichtlich Bonn unterzeichnet wurde. Die Bundesrepublik er-
der Frage der Verbindung ihrer Unterschrift unter wartet daher auch bei künftigen deutsch-polnischen
dem Vertrag mit der überreichten Note die gleichen, Verhandlungen in dieser Frage keine Schwierig-
identischen Weisungen? keiten.

Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage


tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ja. des Herrn Abgeordneten Dr. Marx.
(Abg. Freiherr von und zu Guttenberg mel-
det sich zu einer weiteren Zusatzfrage.) Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) : Herr
Staatssekretär, wäre es möglich — natürlich mit der
Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege, Sie gebotenen Behutsamkeit , darauf hinzuwirken,
haben nur eine Zusatzfrage, wenn Sie nicht selbst daß sowohl von polnischer als auch von tschecho
Fragesteller sind. Aber Sie kommen ja noch einmal slowakischer Seite zumindest in deutscher Sprache
dran. die korrekte Bezeichnung „Bundesrepublik Deutsch-
land" verwendet wird. Es wird ja gesagt, die Formel
Eine Zusatzfrage des Herrn Abgeordneten Schulze- „Deutsche Bundesrepublik" werde nur wegen ge-
Vorberg. wisser sprachlicher Schwierigkeiten in die slawi-
schen Sprachen übersetzt, wobei ich mich auch auf
Dr. Schulze Vorberg (CDU/CSU) : Herr Staats-
- offiziöse Quellen wie etwa „Trybuna Ludu" oder
sekretär, da Sie feststellen, daß die Bundesregierung Radio Prag oder Radio Warschau beziehe, wo
erreicht hat, was sie erreichen wollte, darf ich fra- immerfort von der „Deutschen Bundesrepublik" die
gen: was wollte die Bundesregierung erreichen? Rede ist.

Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-


tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Sie tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Herr
wollte erreichen, daß die deutsche Note mit dem Kollege, die Bundesregierung hält die korrekte
dazugehörigen Disclaimer aus Anlaß der Unter- Staatenbezeichnung im offiziellen Verkehr zwischen
schrift unter den NV-Vertrag überreicht wird und Staaten für ein selbstverständliches Gebot der Höf-
entgegengenommen wird. lichkeit und gegenseitigen Achtung. Sie wird selbst-
verständlich darauf hinwirken, daß diese korrekte
Vizepräsident Frau Funcke: Herr Abgeord- Staatenbezeichnung erfolgt. Ich bin weniger in der
neter Kliesing! Lage, Ihnen dasselbe für die von Ihnen geschil-
derten offiziösen Organe zuzusagen; denn hier soll-
Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU) : Herr Staats- ten wir uns, wie ich meine, sehr stark zurückhalten
sekretär, ist die Bundesregierung bereit, im Aus- in dem Versuch, einzuwirken.
wärtigen Ausschuß einen eingehenden Bericht über
die Vorgänge bei der Unterschriftsleistung unter Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu-
den Sperrvertrag in Moskau zu geben? satzfrage des Herrn Abgeordneten Marx.
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Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) : Herr Bundesregierung ist der Auffassung, daß die in der
Staatssekretär, wären Sie bereit, Ihre Zusage auch Frage zitierte Äußerung nicht nur von der amerika-
auf Bemühungen auszudehnen, die die Regelung nischen Auffassung, sondern ebenso von amtlichen
der Sprache zwischen unseren tschechoslowakischen Erklärungen, die an anderen Orten abgegeben wor-
Nachbarn und uns in offiziellen Gesprächen und in den sind, abweicht.
künftigen Verträgen einschließt, weil auch dort die
von mir soeben beanstandete Formel bedauerlicher- Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage.
weise verwendet wird?
Freiherr von und zu Guttenberg (CDU/CSU):
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Ist es damit nicht klar, daß die Befürchtung, die die
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Aus mei- Opposition hier in diesem Hause in einer Frage-
ner Antwort im Hinblick auf Polen ergibt sich, daß stunde und in anderer Weise zur Kenntnis gegeben
wir das in allen Ländern durchzusetzen beabsichti- hat, zu Recht besteht, nämlich daß die östliche Seite
gen diese entscheidende Bestimmung des NV-Vertrages
anders auslegen wird?
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
des Herrn Abgeordneten Wienand.
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Nein,
Wienand (SPD) : Herr Staatssekretär, sind Sie Herr Kollege von Guttenberg, das ist für die Bun-
bereit, auch einmal nachprüfen zu lassen, ob Mel- desregierung in keiner Weise klar; denn es handelt
dungen zutreffen, wonach gerade im Hinblick auf sich hier um die Außerung eines militärpolitischen
die CSSR das, was der Kollege Dr. Marx hier bean- Korrespondenten, die und das ist für uns ent-
standet hat, auf einen Vertrag zurückzuführen ist, scheidend — in das Kommuniqué der Warschauer
der in die 50er Jahre fällt und die Unterschrift des Paktmächte gerade nicht übernommen worden ist.
jetzigen Abgeordneten Dr. Erhard trägt? Vielmehr stellt das Kommuniqué der Warschauer
Paktmächte mit seiner Feststellung über die deut-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- sche Unterschrift unter den Kernwaffensperrvertrag
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ich bin gerade eine Widerlegung dieser Äußerung dar und
gern bereit, das nachprüfen zu lassen. ist damit eine Bestätigung der Auffassung der Bun-
desregierung.
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
des Herrn Abgeordneten Matthöfer. Vizepräsident Frau Funcke: Eine zweite Zu-
satzfrage.
Matthöfer (SPD): Herr Staatssekretär, ist Ihnen
bekannt, daß in der Presse in der Bundesrepublik Freiherr von und zu Guttenberg (CDU/CSU) :
immer von „England" und „Großbritannien" ge- Darf ich Sie daran erinnern, Herr Staatssekretär, daß
sprochen wird und nicht vom „Vereinigten König- der Außenminister hier zur Erhärtung seiner der Op-
reich"? position entgegengesetzten Äußerung einen sowje-
tischen Professor zitierte?
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Diese Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
Überlegung habe auch ich vor der Beantwortung tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ich habe
der Frage angestellt. Ich bin aber zu dem Schluß die Protokolle noch einmal nachgelesen, Herr Kol-
gekommen, daß doch ein wichtiger Unterschied be- lege.
steht zwischen der Bezeichnung in offiziellen Ver-
handlungen und derjenigen in der Presse oder an
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weiteren
anderen Orten.
Zusatzfragen.

Vizepräsident Frau Funcke: Keine weiteren Ich rufe die Frage 136 des Herrn Abgeordneten
Zusatzfragen. Dr. Kliesing (Honnef) auf:
Muß die Außerung des Ostberliner militärpolitischen Korre-
Ich rufe die Frage 135 des Abgeordneten Freiherr spondenten zum Thema der europäischen Option nicht als eine
erste Bestätigung der von der Opposition mehrfach ausgespro-
von und zu Guttenberg auf: chenen Befürchtung angesehen werden, daß die unklaren Formu-
lierungen des Vertrages von östlicher Seite gegen die Interessen
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die Außerung
der Bundesrepublik Deutschland ausgelegt und als zusätzliche
des militärpolitischen Korrespondenten des Ostberliner Deutsch-
Propagandamittel genutzt werden?
landsenders, Dr. von Frankenberg, „es wird auf einen west-
europäischen Bundesstaat mit einer für Außen- und Deutschland-
politik verantwortlichen Regierung spekuliert. Diese könne sich,
so sagen einflußreiche Leute in Bonn, trotz des Sperrvertrages
eine Atomwaffenstreitmacht zulegen. Dieses offene Aussprechen
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
derartiger Ziele bedeutet eine Hintergehung des Sperrvertra- tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Die Be-
ges ...", der amerikanischen Auslegung des Nichtverbreitungsver-
trages zum Thema der europäischen Option widerspricht?
antwortung dieser Frage ist in gewisser Weise iden-
tisch mit der Antwort, die ich soeben auf die Zu-
Bitte, Herr Staatssekretär! satzfrage des Kollegen von Guttenberg gegeben
habe. Die Mitglieder des Warschauer Paktes sind ja
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- der von den Presseorganen der DDR mit dem frag-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ja, die lichen Kommentar und den anderen Publikationen
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Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Dahrendorf
eingeschlagenen Linie nicht gefolgt, sondern haben gen: Trifft es zu, daß zwar beispielsweise noch un-
in ihrem Abschlußkommuniqué erklärt: „Als ein po- klar ist, wie die Kontrollen nach Art. III des NV-
sitives Moment wurde die Unterzeichnung des Kern- Vertrages gehandhabt werden, in der Frage der eu-
waffensperrvertrages durch die Bundesrepublik ropäischen Option und in der Frage der direkten
Deutschland hervorgehoben." oder indirekten Proliferation aber alle Unklarheiten
durch Interpretationen seitens der USA und der
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage UdSSR vor der deutschen Unterschrift beseitigt wor-
des Herrn Abgeordneten Dr. Kliesing. den sind?

Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU) : Herr Staats- Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
sekretär, glauben Sie tatsächlich, daß ein östlicher tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Es ist
militärpolitischer Kommentator eine Äußerung wa- früher schon in diesem Hause gesagt worden, daß
gen würde, die im Gegensatz zur Auffassung seiner dies nach Meinung der Bundesregierung zutrifft.
Regierung stände?
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- des Herrn Abgeordneten Dr. Marx.
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ich kann
diese Frage nicht im einzelnen beurteilen. Aber das
Dr. Marx (Kaiserslautern) (CDU/CSU) : Herr
Entscheidende, was ich in meiner Antwort für die
Staatssekretär, zur Verdeutlichung darf ich noch ein-
Bundesregierung sagen wollte, ist dies: Wie immer
mal fragen: würden Sie glauben, daß bei einem
die Beziehung zwischen der Meinung dieses Kor-
Kommuniqué, unterzeichnet von Regierungs- und
respondenten und der Meinung der Ostberliner
Parteichefs aus sechs Ländern, das Nichtansprechen
Machthaber sein mag — in jedem Fall enthält das
dieses Problems eine Verneinung bedeutet?
Kommuniqué der Warschauer-Pakt-Staaten, das zeit-
lich nach Abgabe dieser Meinung kundgetan worden
ist, eine andere Auffassung, und insofern kann für Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
uns die Außerung dieses Ostberliner Kommentators tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Nun,
keineswegs als in irgendeinem Sinne verbindlich Schweigen in internationalen Beziehungen läßt sich
gelten. sicher auf verschiedene Weise interpretieren. Ich bin
davon
- ausgegangen, daß, wenn es den Warschauer
Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu- Pakt-Mächten entscheidend darauf angekommen
satzfrage. wäre, diesen Vorbehalt der europäischen Option zu-
rückzuweisen, man wohl mit Sicherheit davon aus-
Dr. Kliesing (Honnef) (CDU/CSU) : Herr Staats- gehen könnte, daß sie das auch in ihr Kommuniqué
sekretär, würden Sie so freundlich sein, zu konkre- aufgenommen und sich nicht auf einen im ganzen
tisieren, worin die Widerlegung der von dem Kom- zustimmenden Satz zur deutschen Unterschrift be-
mentator vorgetragenen Auffassung durch den Text schränkt hätten.
des Moskauer Kommuniqués besteht.
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Zusatzfrage.
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ich muß Die Fragen 137 und 138 des Herrn Abgeordneten
hier zwei Dinge gleichzeitig heranziehen. Einmal ist Dr. Meinecke (Hamburg) werden schriftlich beant-
im Moskauer Kommuniqué keine Rede davon, daß wortet:
die europäische Option ausgeschlossen werden Hat die Bundesregierung nach ihrem im Bulletin vom 3. Dezem-
würde, ber 1969 veröffentlichten Appell an die Verantwortlichen Nord-
Vietnams, der Nationalen Befreiungsfront und ihrer Verbündeten,
(Abg. Freiherr von und zu Guttenberg: Das die noch in Gefangenschaft befindlichen drei .Angehörigen des
Malteser-Hilfsdienstes unverzüglich freizulassen, irgendeine Reak-
ist doch keine Widerlegung!) lion oder Antwort erfahren?
Hat sich die persönliche Gefährdung der in Vietnam tätigen
— und das ist in gewissem Umfange eine Wider- Deutschen, die im humanitären Hilfseinsatz für das vietname-
legung der Auffassung, daß die Behauptungen des sische Volk tätig sind, im Laufe des letzten halben Jahres
grundlegend geändert?
Korrespondenten den Regierungsmeinungen ent-
sprächen und für die osteuropäischen Staaten in die- Die Antwort des Parlamentarischen Staatssekre-
sem Zusammenhang von zentraler Bedeutung seien. tärs Dr. Dahrendorf vom 11. Dezember 1969 lautet:
Zum zweiten darf ich noch einmal darauf hinweisen Nein, bedauerlicherweise hat der Appell der Bundesregierung
— das ist ja in diesem Hause schon ausführlich, wie alle ihre vorhergehenden Bemühungen Tiber befreundete
Regierungen und andere Stellen, eine Nachricht über das Schick-
wenn nicht diskutiert, dann nachgefragt worden —, sal der am 27. April cl. J. in Gefangenschaft der Befreiungsfront
daß die Äußerungen des sowjetischen Außenmini- bzw. Nordvietnams geratenen Helfer des Malteser Hilfsdienstes
und die Bemühungen um ihre Freilassung kein Echo gefunden.
sters erkennen ließen, daß er an dem Recht der Ichbedaur,nmitlzüse,daßBfrgun
Staatensukzession keineswegs zweifelt. der beiden aus der vietnamesischen Gefangenschaft entlassenen
amerikanischen Soldaten an ihren heutigen Aufenthaltsorten in
den USA durch einen Angehörigen der Deutschen Botschaft in
Washington und durch einen Angehörigen des Malteser Hilfs-
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage dienstes ergeben hat, daß mit an Sicherheit grenzender Wahr-
des Herrn Abgeordneten Flämig. scheinlichkeit auch die vermißte 20jährige Zahnarzthelferin
Marie-Luise Kerber nicht mehr lebt. Nach dieser Aussage sei sie
bereits im Mai d. J. in der Gefangenschaft gestorben.

Flämig (SPD) : Herr Staatssekretär, nachdem hier Der Tod der Malteser Helfer Georg Bartsch und Hindrika Kort-
mann im August d. J. ist von den entlassenen Amerikanern
von Unklarheiten gesprochen wird, darf ich Sie fra- bestätigt worden.
758 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Vizepräsident Frau Funcke


Die überlebenden Vermißten Bernhard Diehl und Monika geladen, um ihm zu zeigen, daß bei der Beantwor-
Schwinn konnten an hand von Fotos hinreichend identifiziert
werden. Sie sind nach Angaben der US-Soldaten im September tung der Fragen eines fränkischen Abgeordneten
d. J. aus dem Lager verlegt worden. Seitdem liegen keine
weiteren Anhaltspunkte über ihr Schicksal vor.
durch einen Parlamentarischen Staatssekretär aus
Die Frage nach dem Grad der persönlichen Gefährdung der einem badischen Wahlkreis Hinterwäldlertum nicht
in Vietnam eingesetzten deutschen Helfer läßt sich nur aus erkennbar wird.
einer Beurteilung der Gesamtsituation beantworten.
Grundliegende Änderungen unter dem Aspekt des Sicherheits- (Heiterkeit und Beifall.)
risikos hat es hierbei nicht gegeben, wenn auch inzwischen ge-
troffene Maßnahmen, wie der Ausbau der Schutzbunker, sowie
die in letzter Zeit im Vergleich zu 1968 ruhigere militärische Lage
an den Einsatzorten inzwischen zu einer größeren relativen
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
Sicherheit geführt hat. des Herrn Abgeordneten Dr. Schneider.
Wir kommen nun zur Frage 139 des Herrn Abge-
ordneten Dr. Hallstein: Dr. Schneider (Nürnberg) (CDU/CSU) : Herr
Staatssekretär, aus dem Artikel geht zweifelsfrei
Kann aus der sowjetischen Reaktion auf die in der deutschen
Begleitnote enthaltenen Interpretationen und Feststellungen ge- hervor, daß man ein hinterwäldlerisches Niveau
schlossen werden, daß die Sowjetregierung diesen Interpreta- weder einem Staatssekretär der Bundesregierung
tionen und Feststellungen zustimmt?
noch einem Abgeordneten aus Franken oder Baden
Der Fragesteller bittet auch hier um schriftliche unterstellt. Sind Sie andererseits der Meinung, daß
Beantwortung. Die Antwort des Parlamentarischen die Bundesregierung in der Lage wäre, in der Bun-
Staatssekretärs Dr. Dahrendorf vom 11. Dezember desrepublik Deutschland auch nur einen einzigen
1969 lautet: Fall nachzuweisen, in dem ein Bauer, weil er sich
Mit der Überreichung einer Note und einer Erklärung aus keine Lederschuhe leisten kann, seiner Arbeit mit
Anlaß der Unterzeichnung des NV-Vertrags hat die Bundes- Holzschuhen nachgeht?
regierung den Regierungen aller Staaten, mit denen die Bundes-
republik Deutschland diplomatische Beziehungen unterhält, die
Voraussetzungen bekanntgeben wollen, unter denen sie den
NV-Vertrag unterzeichnet hat. Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
Die deutschen Papiere sind von allen diesen Regierungen ent- tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Herr
gegengenommen worden. Der mit der Überreichung beabsichtigte
Zweck ist damit erfüllt. Eine ausdrückliche Zustimmung zu sol-
Kollege, beinahe wäre ich versucht gewesen zu
chen Erklärungen ist bei multilateralen Verträgen nicht üblich sagen: das ist Ländersache.
und wurde daher auch nicht erwartet.
(Heiterkeit.)
Ich rufe die Frage 140 des Herrn Abgeordneten
Dr. Schneider (Nürnberg) auf: Ich bin im ganzen nicht der Meinung, daß die Bun-
desregierung dazu in der Lage ist.
Ist der Bundesregierung der Artikel des Bonner Korresponden-
ten der „New York-Times" vom 21. Oktober 1969 bekannt, worin
dieser behauptet, in den ländlichen Gebieten Frankens und
(Erneute Heiterkeit.)
Badens finde man äußerst krasse Anzeichen der ländlichen Rück-
ständigkeit, so Jugendliche mit einer nur vierjährigen Grund-
schulausbildung, Unternehmer, die wie feudale Prinzen regierten, Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
und hinterwäldlerische Gebiete, wo Aberglaube und Dorfklerus
Quellen eines sich versteinernden Konservatismus geblieben
Zusatzfrage. Ich rufe Frage 141 des Herrn Abge-
sind, und was hat die Bundesregierung inzwischen unternom- ordneten Werner auf:
men, um die betroffenen Gebiete Frankens und Badens vor den
Folgen einer derartigen unwahren und herabsetzenden Bericht- Wie vereinbart die Bundesregierung den Grundsatz der Nicht-
erstattung zu schützen? einmischung im Verkehr mit Entwicklungsländern und den Grund-
satz, Entwicklungspolitik müsse langfristig sein 'und Entwick-
Bitte schön, Herr Staatssekretär! lungshilfe eigne sich nicht zur Lösung politischer Tagesfragen,
mit der offensichtlichen Absicht des Bundesaußenministers, die
Regierungen dieser Länder zu einer Einwirkung auf die DDR-
Regierung dahingehend zu veranlassen, diese möge inner-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- deutschen Regelungen mit der Bundesregierung zustimmen, und
was verspricht sie sich von einer solchen Einwirkung?
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Der Ar-
tikel ist der Bundesregierung bekannt. Es ist der Bitte schön, Herr Staatssekretär!
Bundesregierung auch bekannt, daß in diesem Arti-
kel ein im ganzen sehr positives Bild der Bundes- Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
republik gezeichnet wird und betont wird, daß eine tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau
neue Atmosphäre die Bundesrepublik beherrsche. An Präsidentin, es ist keineswegs die Absicht der Bun-
einzelnen Punkten wird in dem Artikel über einzelne desregierung, die Regierungen in den Entwicklungs-
Regionen sehr Kritisches gesagt, Kritisches, über das ländern zu irgendeiner Einwirkung auf die DDR-
man wohl mit Sicherheit sagen muß, daß es in dieser Regierung zu veranlassen. Vielmehr ist es unsere
Verallgemeinerung falsch ist. Die Bundesregierung Absicht — und wir haben diese Absicht ausge-
ist aber nicht der Auffassung, daß diese Kritik dazu führt —, die Regierungen in der Dritten Welt ebenso
beitragen wird, die fraglichen Landesteile zu schädi- wie andere Regierungen zu bitten, uns bei dem Ver-
gen. Sie hält es vielmehr für möglich, das mancher such der Regelung der innerdeutschen Beziehungen
Amerikaner auf der Suche nach den in dem Artikel nicht zu behindern.
geschilderten hinterwäldlerischen Verhältnissen
diese Landesteile so gründlich durchreist, daß unser Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
Fremdenverkehr davon profitiert. des Herrn Abgeordneten Werner.
(Lachen bei der CDU/CSU.)
Werner (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, es wäre
Auf der vergeblichen Suche, wenn ich das sagen dann also wohl nicht richtig, aus der Antwort des
darf. Außenministers auf die Frage des Abgeordneten
Die Bundesregierung hat im übrigen den frag- Mikat in der Fragestunde vom 14. November 1969,
lichen Korrespondenten zu dieser Fragestunde ein- daß nämlich die Bundesregierung die Aufnahme
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 759

Werner
von Beziehungen dritter Staaten zur DDR nach der Frau Dr. Wolf (CDU/CSU) : Darf ich aber aus
Interessenlage der Bundesrepublik beurteile, zu ent- Ihrer Antwort folgern, daß eine Zusammenarbeit
nehmen, daß die Regierung die Aufnahme von Be- mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zu-
ziehungen dritter Staaten zur DDR unter Umständen sammenarbeit erfolgen wird?
auch günstig beurteilen und in einem solchen Fall
auch entsprechend auf dritte Staaten einwirken Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
würde? tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Gnädige
Frau, allein die Tatsache, daß eine solche Zusam-
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- menarbeit gegenwärtig stattfindet, ist verantwortlich
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Wie im- dafür, daß das Bundeskabinett in dieser Frage bisher
mer die Interessenlage der Bundesrepublik in Einzel- noch keine Entscheidung fällen konnte. Die Zusam-
fällen zu beurteilen ist — und sicher ist mit dieser menarbeit wird bald zu einem entscheidungsfähigen
Antwort nicht gemeint, daß wir die Aufnahme von Abschluß führen.
Beziehungen dritter Staaten zur DDR günstig beur-
teilen --, es ist sicher falsch, daraus den Schluß zu
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
ziehen, daß die Bundesregierung die Absicht hätte,
des Herrn Abgeordneten Kiep.
auf dritte Länder einzuwirken, um innerdeutsche
Politik zu betreiben.
Kiep (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, ist Ihnen
bekannt, daß die Erstellung einer solchen Kartei vom
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere Deutschen Bundestag seit Jahren gefordert wird und
Zusatzfrage. Ich rufe die Frage 142 der Frau Abge- daß nach meinem Wissen etwa zwei Jahre vergan-
ordneten Dr. Wolf auf: gen sind, seitdem das Auswärtige Amt in dieser
Wann gedenkt die Bundesregierung die seit Jahren vorn Par-
lament geforderte, längst überfällige und dringend notwendige
Sache initiativ wurde, und wissen Sie weiter, daß
zentrale Personalkartei für die Besetzung der der Bundesrepublik der erste Entwurf des Auswärtigen Amts an Res-
Deutschland zustehenden erler für die Bundesrepublik Deutsch-
land erreichbaren Positionen in internationalen Organisationen sortstreitigkeiten gescheitert ist?
endlich einzurichten, um die Unterrepräsentanz der Bundesrepu-
-
blik Deutschland, die im Vergleich zu ihren finanziellen Beiträgen
zu diesen Organisationen augenfällig ist, zu beseitigen?
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre-
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Herr
Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Kollege, es ist mir bekannt, daß es sich hierbei um
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Frau Prä- eine alte Forderung handelt. Es ist mir auch bekannt,
sidentin, um die berechtigte Forderung nach einer daß es dazu alte Vorlagen ebenso wie neue Vor-
angemessenen deutschen Repräsentanz in interna lagen gibt. Ich habe eben eine vorsichtige Andeu-
tionalen Organisationen zu erfüllen, hat das Aus- tung darüber gemacht, warum über sie noch nicht
wärtige Amt den Entwurf einer Kabinettsvorlage entschieden worden ist. Ich glaube, ich kann Ihnen
über die Neuorganisation der Vermittlung von deut- zusagen, daß eine solche Entscheidung in Kürze
schem Personal für internationale Organisationen getroffen wird.
eingebracht. Nach der notwendigen Abstimmung mit
den anderen interessierten Ressorts, insbesondere
mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft,
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
Zusatzfrage. Ich danke dem Herrn Staatssekretär
hofft das Auswärtige Amt und hofft die Bundes-
für die Beantwortung der Fragen aus dem Geschäfts-
regierung, das Problem bald einer Lösung zuführen
bereich des Auswärtigen Amts.
zu können.
Wir kommen nunmehr zu den Fragen aus dem
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage Geschäftsbereich des Bundesministers des Innern.
der Frau Abgeordneten Dr. Wolf. Anwesend ist Herr Bundesminister Genscher. Die
Fragen bis einschließlich Nr. 15 sind bereits erledigt.
Frau Dr. Wolf (CDU/CSU) : Da sich meine Frage Ich rufe die Frage 16 des Herrn Abgeordneten
im wesentlichen auf die Entwicklungspolitik, auf die Köppler auf. — Herr Köppler ist nicht im Saal. Die
wirtschaftliche Zusammenarbeit richtete, möchte ich Frage wird schriftlich beantwortet.
fragen, ob, wenn an eine solche Kartei gedacht ist,
auch die Experten in deutschen Projekten darin auf- Ich rufe die Frage 17 des Herrn Abgeordneten Dr.
genommen werden sollen, um damit die Durch- Brand (Pinneberg) auf:
lässigkeit zwischen Verwaltung und Wirtschaft deut- Welche Bedeutung mißt die Bundesregierung dem Bericht von
Prof. Dr. Paul Ehrlich bei, der sich mit Problemen der Umwelt-
licher zu machen? verseuchung bis zum Jahre 1980 befaßt, der auszugsweise im
Spiegel Nr. 48 1969, Seite 193, veröffentlicht worden ist?

Dr. Dahrendorf, Parlamentarischer Staatssekre- Ist Herr Dr. Brand im Saal? — Bitte schön, Herr
tär beim Bundesminister des Auswärtigen: Ich neh- Bundesminister!
me den in Ihrer Frage liegenden Hinweis sehr gern
auf. Ich kann Ihnen im Augenblick nicht sagen, ob Genscher, Bundesminister des Innern: Bei der
das bei dieser Kartei bisher schon voll geplant ist. Beantwortung Ihrer Fragen, Herr Kollege, kann ich
mich nur auf die auszugsweise Veröffentlichung des
Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu- Berichts im „Spiegel" Nr. 48/1969 stützen. Vorbe-
satzfrage der Frau Abgeordneten Dr. Wolf. haltlich einer Prüfung des vollständigen Berichts,
760 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Bundesminister Genscher
den ich angefordert habe, darf ich hier folgendes er- Genscher, Bundesminister des Innern: Die Bun-
klären. desregierung fühlt sich in ihrer Absicht, ihre An-
Der Bericht von Professor Dr. Paul Ehrlich ist ein strengungen zum Schutz der Umwelt erheblich zu
verstärken, durch den Appell von Professor Ehrlich
höchst eindrucksvoller, aufrüttelnder Appell an das
bestätigt. Ich bitte um Verständnis dafür, daß ich
Gewissen der Verantwortlichen in aller Welt, ein
Appell, die Umweltgefahren ernst zu nehmen, die jetzt nicht auf Einzelheiten der geplanten Maßnah-
men eingehen kann. Mir scheint dieses Problem zu
unsere biologischen Lebensgrundlagen bedrohen. Der
wichtig zu sein, um darauf nur eine rasche Antwort
Bericht weist mehr als eindringlich darauf hin, daß
zu geben. Ich darf noch einmal wiederholen, Herr
der Schutz der Umwelt des Menschen zu einem
Kollege, daß ich mich darum bemühen werde, Sie
äußerst dringlichen Problem für die gesamte Mensch-
bis Ende Januar umfassend zu unterrichten.
heit geworden ist — zu einer internationalen Auf-
gabe, die sich nicht nur auf die Verhinderung der
Beeinträchtigung der Umwelt durch Wasser-, Boden- Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
und Luftverunreinigung, durch Lärmbelästigung und Zusatzfrage. — Ich rufe die Frage 19 des Herrn Ab-
durch sonstige schädliche Auswirkungen der Tech- geordneten Ollesch auf:
nik auf den einzelnen beschränken sollte. Hierher Ist die Bundesregierung unter Berücksichtigung der in anderen
gehören vielmehr auch die Lösung drängender Er- Behörden durchgeführten Versuche mit einer sogenannten glei-
tenden Arbeitszeit bereit, auch in ihrem Bereich diese Möglich-
nährungsfragen und das drückende Problem des keiten zu prüfen?
Wachstums der Weltbevölkerung.
Bitte schön, Herr Bundesminister!
In diesem Sinne wird dem Bericht von Professor
Ehrlich eine besondere Bedeutung beigemessen.
Genscher, Bundesminister des Innern: Die
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage arbeitszeitrechtlichen Vorschriften für den öffent-
des Herrn Abgeordneten Dr. Brand. lichen Dienst des Bundes enthalten keine Bestim-
mungen über Beginn und Ende der täglichen Ar-
- beitszeit. Rechtlich besteht damit die Möglichkeit zur
Dr. Brand (Pinneberg) (SPD) : Herr Bundesmini- Einführung einer gleitenden Arbeitzeit im Bereich
ster, darf ich damit rechnen, daß Sie mir bis Ende
der Bundesverwaltung oder in einzelnen Verwal-
Januar 1970 eine schriftliche Ergänzung Ihrer heute
tungszweigen. Wegen der unterschiedlichen Bedürf-
mündlich gegebenen Antwort zukommen lassen
nisse der Verwaltungszweige ist allerdings eine ge-
werden?
nerelle Festlegung nicht möglich. Es obliegt den
Dienststellen, Beginn und Ende der täglichen Ar-
Genscher, Bundesminister des Innern: Ich werde beitszeit festzusetzen, worüber die Personalräte mit-
mich bemühen, Herr Kollege; Ihnen nach Kenntnis zubestimmen haben.
des vollen Inhalts des Berichts bis zu diesem Termin
eine ausführlichere Stellungnahme zuzuleiten. Erste Überlegungen, Herr Kollege, über eine glei-
tende Arbeitszeit in den Bundesministerien sind
Vizepräsident Frau Funcke : Eine Zusatzfrage bereits angestellt worden. Ich werde diese Über-
des Herrn Abgeordneten Prinz zu Wittgenstein. legungen gemeinsam mit den anderen Ressorts
schnell vorantreiben. Von besonderer Bedeutung
ist dabei die Festlegung einer sogenannten Kommu-
Prinz zu Sayn Wittgenstein Hohenstein
nikationszeit, d. h. einer Zeit, in der alle Bedienste-
- -

(CDU/CSU): Herr Minister, darf ich angesichts der


ten in allen Ressorts erreichbar sein müssen. Ferner
Tatsache, daß die Frau Minister für Jugend, Familie
muß die besondere Verkehrssituation im Raume
und Gesundheit in der vergangenen Woche auf eine
Bonn berücksichtigt werden.
ähnlich lautende Frage des Kollegen Bay geantwor-
tet hat, fragen, ob nunmehr Ihr Haus für Fragen der
Umwelt zuständig ist oder das Ministerium für Vizepräsident Frau Funcke: Keine Zusatz-
Jugend, Familie und Gesundheit, dessen Minister frage.
neulich noch darauf hingewiesen hat, daß die
Die Frage 20 des Abgeordneten Dr. Dittrich
Schwerpunkte in der Erforschung von toxikologi-
Kann mit der Eröffnung weiterer Grenzübergangsstellen ils
schen Schädigungen der Umwelt zukünftig in Zusam- ostbayerischen Raume zur CSSR gerechnet werden und ggf. mit
menarbeit mit dem Ministerium für Bildung und welchen?

Wissenschaft ermittelt. werden.


wird im Einvernehmen mit dem Fragesteller schrift-
lich beantwortet. Die Fragen 21 und 22 des Herrn
Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege, es Abgeordneten Bartsch sind zurückgezogen. Ich rufe
tut mir leid, aber diese Frage kann ich nicht zulas- die Frage 23 des Herrn Abgeordneten Dr. Arndt
sen. Sie bezieht sich auf die Geschäftsverteilung in- (Hamburg) auf:
nerhalb der Bundesregierung und nicht auf die Sach-
Ist die Bundesregierung jetzt bereit, Noveller zur Umgestal-
frage, die hier gestellt worden ist. tung der Bundesgesetze zur Ausübung unmitlelbaren Zwangs
vor
durch Vollzugsbeamte des Bundes und bei der Bundeswehr
Keine weitere Zusatzfrage. — Ich rufe die zulegen, die den insbesondere vom damaligen Prisen der Han-
burger Behörde für Inneres, Senator Helmut Schmidt, und von
Frage 18 des Herrn Abgeordneten Dr. Brand auf: zahlreichen Wissenschaftlern vorgetragenen verfassungsrecht-
lichen Bedenken hei der Bestimmung der zulässigen Waffen
Welche Konse q uenzen ist die Bundesregierung im Hinblick auf
de n genannten Bericht bereit zu ziehen? Rechnung tragen?

Bitte schön, Herr Bundesminister! Bitte schön, Herr Bundesminister!


Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 761

Genscher, Bundesminister des Innern: Der Bun- sachsen — werden neue Vorschriften erarbeitet. Bei
desminister des Innern hat die Ausstattung des dieser Sachlage bedarf es keiner Empfehlung der
Bundesgrenzschutzes und des Bundeskriminalamtes Bundesregierung.
mit Schußwaffen und Explosivmitteln durch Ab-
schnitt VI der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
zum Gesetz über den unmittelbaren Zwang bei des Herrn Abgeordneten Dr. Arndt.
Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte
des Bundes in der Fassung vom 24. Januar 1969 ge-
Dr. Arndt (Hamburg) (SPD) : Herr Bundesmini-
regelt. Die Bundesregierung hält diese Regelung im
ster, würden Sie mir zugeben, daß für die Vollzugs-
Einvernehmen mit den Innenministern und -sena-
beamten insbesondere im Hinblick auf Art. 91 des
toren der Länder — ich verweise auf den Beschluß
Grundgesetzes große Schwierigkeiten entstehen,
der Innenministerkonferenz vom 27./28. Januar 1966
wenn sie bei einem Einsatz das Recht des Bundes
— für verfassungsrechtlich unbedenklich. und bei einem anderen Einsatz des Recht der Län-
der anwenden müssen, das den verfassungsrecht-
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage lichen Bedenken, die bei der vorigen Frage erwähnt
des Herrn Abgeordneten Dr. Arndt. wurden, Rechnung trägt und das völlig anders ist?

Dr. Arndt (Hamburg) (SPD) : Herr Bundesmini- Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Kol-
ster, ist Ihnen bekannt, daß diese Auffassung Ihres lege, ich muß noch einmal feststellen, daß nicht
Herrn Referenten im Gegensatz zur fast einhelligen sicher ist, ob in erster Linie verfassungsrechtliche
Meinung der Wissenschaft, d. h. aller Polizeirechtler Bedenken für die Änderungen, die inzwischen in
an deutschen Hochschulen, steht? einer Reihe von Bundesländern vorgenommen wor-
den sind, maßgebend waren. Die von Ihnen aufge-
Genscher, Bundesminister des Innern: Ich darf zeigten Probleme sehe ich sehr wohl. Sie bedür-
zunächst sagen, Herr Kollege, daß ich aus der Ver- fen in der Tat einer intensiven Prüfung auch durch
antwortung meines Amtes hier meine Auffassung die Bundesregierung.
vortrage, von der ich aber gern bestätige, daß sie
sich voll mit der Auffassung des Referenten deckt. Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu-
Ungeachtet des in Ihrer Frage vorgebrachten Ein- satzfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Arndt.
wands halte ich an dieser Auffassung fest, mit der
die Innenminister und -senatoren aller Bundeslän- Dr. Arndt (Hamburg) (SPD) : Herr Bundesmini-
der, ausgenommen der damalige Senator für Inneres ster, darf ich Sie fragen, ob Sie meiner Verdeut-
in Hamburg, übereinstimmen. lichung zustimmen, daß gegenwärtig die in Frage
kommenden Soldaten und Vollzugsbeamten zweier-
Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu- lei Recht lernen müssen, weil sie bei der Ausübung
satzfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Arndt. gleichartiger Handlungen in dem einen Fall das so
geartete, in dem anderen Fall das anders geartete
Dr. Arndt (Hamburg) (SPD) : Herr Bundesmini- Recht des Waffengebrauchs berücksichtigen müssen.
ster, wie erklären Sie sich dann die Tatsache, daß
die Mehrheit der Bundesländer diesen verfassungs- Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Kol-
rechtlichen Bedenken inzwischen Rechnung getragen lege, die Tatsache, daß ich meine, man muß diese
und ihre Polizeigesetze — wie auch immer sie im Frage sehr ernst nehmen und ihre Abstimmung
einzelnen heißen — der Hamburger Regelung, die prüfen, mag Ihnen zeigen, daß ich das Problem so
meiner Meinung nach allein verfassungskonform ist, sehe wie Sie.
angepaßt hat, zuletzt das Land Berlin?
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
Genscher, Bundesminister des Innern: Ich bin Zusatzfrage.
nicht sicher, Herr Kollege, ob diese Motive für die
Änderungen maßgebend waren. Ich rufe dann die Frage 25 des Herrn Abgeord-
neten Dr. Jungmann auf:
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere Ist der Bundesregierung bekannt, daß unter den Ärzten an den
Universitätskliniken, besonders in Nordrhein-Westfalen, Unruhe
Zusatzfrage. Ich rufe die Frage 24 des Herrn Abge- entstanden ist wegen der von ihnen verlangten erheblichen
Mehrarbeit ohne angemessene Vergütung?
ordneten Dr. Arndt auf:
Ist die Bundesregierung bereit, im Interesse der Rechtseinheit Bitte schön Herr Bundesminister !
und im Hinblick auf Artikel 91 und 87a des Grundgesetzes auch
denjenigen Bundesländern die ausdrückliche und getrennte Auf-
führung der bei Ausübung unmittelbaren Zwangs zulässigen all- Genscher, Bundesminister des Innern: Ich bitte,
gemeinen und besonderen Waffen in den Polizeigesetzen zu
empfehlen, die eine solche Regelung bisher noch nicht Rennen? die Fragen 25 und 26 zusammen beantworten zu
dürfen.
Bitte schön, Herr Bundesminister!
Vizepräsident Frau Funcke: Dann rufe ich
Genscher, Bundesminister des Innern: Die mei- auch die Frage 26 des Herrn Abgeordneten Dr. Jung-
sten Bundesländer haben bereits Regelungen getrof- mann auf:
fen, die entweder der bisherigen Bundesregelung Ist der Bundesregierung bekannt, daß eine angemessene Rege-
oder der Hamburger Regelung entsprechen. In eini- lung unter Berufung auf § 44 des Beamtenrechtsrahmengesetzes
und auf die entsprechenden Vorschriften der Landesgesetze ver-
gen Ländern — so in Rheinland-Pfalz und Nieder- hindert wird?
762 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Genscher, Bundesminister des Innern: Zu Zum zweiten Teil: Der Bundesregierung sind diese
Frage 25 darf ich sagen, daß der Bundesregierung Probleme bekannt. Sie sind aber nicht im Rahmen
dieser Sachverhalt bekannt ist, und zwar sowohl in des allgemeinen Beamtenrechts lösbar.
dem besonderen Fall als auch als generelles Pro-
blem der Vergütung für Mehrarbeit in den verschie- Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu-
densten Dienstzweigen. satzfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Jungmann.
Zu Frage 26: Ob einer, wie Sie sagen, „angemes-
senen Regelung" allein die genannten beamten- Dr. Jungmann (CDU/CSU) : Darf ich Sie deshalb
rechtlichen Vorschriften entgegenstehen, oder ob fragen, Herr Bundesminister, welche Möglichkeiten
hierbei noch andere Gesichtspunkte eine Rolle spie- die Bundesregierung sieht, diesem arbeitsrechtlichen
len — wie etwa zu geringe Personalausstattung —, und sozialen Anachronismus und der damit verbun-
ist der Bundesregierung im einzelnen nicht bekannt. denen Ausnutzung der Arbeitskraft der in den Uni-
Eine Rückfrage beim nordrhein-westfälischen versitätskliniken tätigen wissenschaftlichen Assi-
Finanzministerium hat im übrigen ergeben, daß stenten ein baldiges Ende zu bereiten.
beamtete Klinikärzte zur Abgeltung besonderer
Erschwernisse für den Dienst zur Nachtzeit oder an Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Ab-
dienstfreien Tagen eine finanzielle Zuwendung er- geordneter, genau das prüfen wir im Augenblick.
halten können. Diese nach dem Besoldungsgesetz
mögliche Erschwerniszulage hängt von der Dauer Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage,
der zusätzlichen Dienstleistung ab und beträgt zwi- bitte schön!
schen 80 DM und maximal 350 DM monatlich. Es
trifft zu, daß nach dem derzeit geltenden Beamten- Dr. Wörner (CDU/CSU) : Herr Minister, nachdem
recht die Zahlung einer „reinen Überstundenvergü- Sie angedeutet haben, daß auch für andere Beam-
tung" an Beamte jedoch nicht zulässig ist. Sie würde tengruppen eine solche Prüfung erfolgen soll, möchte
nicht nur gegen einfaches Gesetzesrecht, sondern, ich Sie doch fragen, ob Sie glauben, daß eine solche,
wie es das Bundesverwaltungsgericht noch im Jahre sicher langwierige Prüfung eine Lösung ermöglicht,
1966 festgestellt hat, sogar gegen die hergebrachten die in bezug auf die unzumutbaren Zustände an den
Grundsätze des Berufsbeamtentums, damit also ge- Universitätskliniken schnellstmöglich Abhilfe
gen Art. 33 Abs. 5 des Grundgesetzes verstoßen. schafft? Ich frage weiter, ob Sie glauben, daß Sie den
Ich bin jedoch der Meinung, Herr Kollege, daß im Ärzten, die dort tätig sind, zumuten können, so
Rahmen einer gesunden und den Zeitbedürfnissen lange zu warten, bis eine solche Prüfung abgeschlos-
entsprechenden Fortentwicklung dieser Grundsätze sen ist.
eine Lösung gefunden werden muß und kann, die
unter bestimmten Voraussetzungen eine finanzielle Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Ab-
Abgeltung von erheblicher, über das Normalmaß geordneter, Prüfungen, die ich anstelle, sind nie
hinaus geleisteter Mehrarbeit auch im Beamtenrecht langwierig. Langwierig im Zusammenhang mit die-
ermöglicht. ser Frage ist lediglich das drückende Problem, das
seit Jahren besteht, aber in der Vergangenheit, wie
Dies kann jedoch nur im Rahmen einer Neuord-
Sie wissen, nicht abgestellt worden ist. Ich bin be-
nung für alle Dienstbereiche gelten. Ich darf hier
müht, es schnellstens abzustellen.
z. B. auf die besonderen Probleme, die wir auch bei
der Polizei haben, hinweisen. (Beifall bei den Regierungsparteien.)

Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
des Herrn Abgeordneten Dr. Jungmann. Zusatzfrage.
Ich rufe die Frage 27 des Herrn Abgeordneten Dr.
Dr. Jungmann (CDU/CSU) : Darf ich Ihrer Ant-
wort, Herr Bundesminister, entnehmen, daß die Wörner auf:
Sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, durch eine
Bundesregierung den Status eines Beamten auf Änderung der gesetzlichen Bestimmungen des Beamtenrechts-
Widerruf nicht für eine angemessene arbeitsrecht- rahmengesetzes dem Mangel abzuhelfen, daß eine angemessene
Vergütung für Mehrarbeit bei Ärzten an den Universitätskliniken
liche Stellung von wissenschaftlichen Assistenten nicht gewährt werden kann?
hält? Teilt die Bundesregierung insbesondere die
schon mehrfach, auch vom 72.. Deutschen Ärztetag Genscher, Bundesminister des Innern: Ich darf
zum Ausdruck gebrachte Auffassung, daß der Status hierzu, Herr Kollege, auf meine Schriftliche Antwort
des Beamten auf Widerruf abgesehen von der Be- vom 25. November 1969 auf die Frage des Herrn
zahlung arbeitsrechtlich allein schon wegen des Kollegen Picard verweisen, in der ich bereits mitge-
mangelnden Kündigungsschutzes rückständig und teilt habe, daß das Bundesministerium des Innern
wegen der völlig unzureichenden Altersversorgung eine bundeseinheitliche Regelung dieses Problems
auch unsozial — besser gesagt: sozial unzumutbar — anstrebt und beabsichtigt, die hierfür erforderlichen
ist? gesetzlichen Grundlagen so bald wie möglich zu
schaffen. Die Arbeiten hieran, wozu vor allem auch
Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Ab- die Abstimmung mit den beteiligten Ressorts in den
geordneter, zum ersten Teil Ihrer Frage: Einen Ländern und mit den zuständigen Beamtengewerk-
solchen Schluß dürfen Sie nicht ziehen. schaften gehört, werden mit Nachdruck vorangetrie-
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 763
Bundesminister Genscher
ben. Ich rechne auf jeden Fall damit, daß die not- Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
wendigen Gesetzesänderungen im Jahre 1970 in Zusatzfrage.
Kraft treten. Ich rufe die Frage 29 des Herrn Abgeordneten Dr.
Dichgans auf:
Vizepräsident Frau Funcke: Keine Zusatz- Wieviel Prozent der Fläche in unseren Städten mit mehr als
frage. 500 000 Einwohnern steht ini Eigentum dieser Städte?

Ich rufe die Frage 28 des Herrn Abgeordneten Dr. Bitte schön, Herr Bundesminister!
Wörner auf:
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung für den Fall, Genscher, Bundesminister des Innern: Von dem
daß eine Gesetzesänderung in absehbarer Zeit nicht erfolgt, dem
betroffenen Personenkreis baldmöglichst eine angemessene Ver-
Gemeindegebiet der Städte einschließlich der Stadt-
gütung für seine in der Eigenart der ärztlichen Tätigkeit begrün- staaten und Berlin (West) mit mehr als 500 000 Ein-
dete und deshalb unvermeidliche Mehrarbeit zu gewähren?
wohnern standen nach einer Erhebung des Deutschen
Bitte, Herr Bundesminister! Städtetages am 31. Dezember 1967 34,2 % im Eigen-
tum dieser Städte.
Genscher, Bundesminister des Innern: Verschie- Es wird vielleicht interessant sein, wenn ich Ihnen
dene Länder haben bereits jetzt in einzelnen Berei- noch einige Städte mit den Prozentzahlen nenne:
chen, z. B. bei der Polizei, Sonderregelungen getrof- Berlin (West) 46,8 %, Hamburg 34,9 %, München
fen, mit denen versucht wird, Engpässen abzuhelfen. 24,6 %, Köln 39,7 %, Essen 27,1 %, Düsseldorf
Auch die in meiner Beantwortung der Frage des 30,8 %, Frankfurt 47,1 %, Dortmund 22,1 %, Stutt-
Herrn Kollegen Dr. Jungmann erwähnte Regelung gart 29,9 %, Bremen 25,8 %, Hannover 45,0 % .
des Landes Nordrhein-Westfalen erscheint mir ein
diskutabler Weg zu sein, um besondere Härten we- Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
nigstens in etwa auszugleichen. des Herrn Abgeordneten Dichgans.
Im übrigen bin ich, wie schon wiederholt darge-
legt, nachdrücklich bemüht, eine tragfähige Grund- Dichgans (CDU/CSU) : Herr Minister, hält es die
lage für die Abgeltung von Mehrarbeit in beson- Bundesregierung für nützlich, wenn Bund, Länder
deren Fällen zu schaffen. Sie sehen also daraus, und Gemeinden gemeinsam überlegen, wie durch
Herr Kollege, daß das, was im Augenblick geschieht, eine raschere Erschließung des riesigen Grundbesit-
mehr als eine Übergangsregelung bis zu der von mir zes aller öffentlichen Hände die Lage am Bauland-
in Aussicht gestellten „schnell abzuschließenden markt entspannt werden könnte?
Prüfung" ist.
Genscher, Bundesminister des Innern: Ich halte
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage das für eine sehr nützliche Erwägung.
des Herrn Abgeordneten Dr. Wörner.
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
i des Herrn Abgeordneten Arndt.
Dr. Wörner (CDU/CSU) : Sosehr mich diese Zu-
sicherung beruhigt, — glauben Sie, daß auch für die
Übergangszeit eine Überstundenvergütung von etwa Dr. Arndt (Hamburg) (SPD) : Herr Minister,
3 DM oder gar darunter eine auch nur halbwegs schließen die Zahlen, die Sie eben genannt haben,
angemessene Vergütung darstellt? auch das öffentliche Eigentum der Städte an Ver-
kehrsflächen, öffentlichen Parks und ähnlichen Ge-
ländestreifen ein?
Genscher, Bundesminister des Innern: Ich bin
nicht dieser Meinung, Herr Kollege.
Genscher, Bundesminister des Innern: Ja, ganz
eindeutig, Herr Kollege.
Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu-
satzfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Wörner. Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
Zusatzfrage.
Dr. Wörner (CDU/CSU) : Gibt es irgendeinen Ich rufe die Frage 30 des Herrn Abgeordneten
Rechtsgrund, aus dem heraus eine obere Begrenzung Dr. von Bülow — er ist im Saal — auf:
dieser Vergütung bis zur Höhe von 350 DM ange-
Ist der Bundesregierung bekannt, daß die auf Grund des § 8
ordnet und festgesetzt werden muß, und ist es nicht Abs. 2 des Gesetzes Tiber di e Erweiterung des Katastrophen-
denkbar, daß man, wenn man schon 350 DM ge- schutzes vom 9. Juli 1968 und der darauf beruhenden Verein-
barung des Bundesministers des Innern und des Bundesministers
währen kann, auch darüber hinausgehen kann? der Verteidigung (GMBl. Nr. 24, Seite 363) festgelegten Hochst-
zahlen für die Freistellung von Wehrpflichtigen in der Regel
nicht ausreichen, um einen ausreichenden Katastrophenschutz und
eine ausreichende Besetzung der freiwilligen Feuerwehren zu ge-
Genscher, Bundesminister des Innern: Ich gehe währleisten?
davon aus, daß die in Frage kommenden Landes-
regierungen das rechtlich Mögliche tun, weil ich an- Bitte schön, Herr Bundesminister!
nehme, daß sie — wie Sie und ich — dieses Problem
sehen. Ich würde mich freuen, wenn in allen Teilen Genscher, Bundesminister des Innern: Der Bun-
der Bundesrepublik und für alle Bereiche, wo dieses desregierung ist bekannt, daß die Freistellungs-
Problem auftritt, die Möglichkeiten so ausgeschöpft möglichkeiten nicht alle Belange des Katastrophen-
würden, wie das in Nordrhein-Westfalen der Fall ist. schutzes berücksichtigen. Der Personalbedarf des
764 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969
Bundesminister Genscher
Katastrophenschutzes wird nach § 8 Abs. 2 des Ge- Genscher, Bundesminister des Innern: Ich bin
setzes gleichberechtigt neben den Bedarf der Bun- gern bereit, wenn es wirklich begründete Einzelfälle
deswehr gestellt. Aus dieser Bedarfsabwägung folgt sind, einer solchen Erwägung nachzugehen.
aber auch, daß nicht alle Wünsche des Katastrophen-
schutzes erfüllt werden können. Bei der Festlegung
der Zahl von 8500 Freistellungen pro Geburtsjahr-
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere
Zusatzfrage. Ich danke dem Herrn Bundesminister
gang ist von dem jährlichen Nachwuchsbedarf des
des Innern.
Katastrophenschutzes aus den zum Grundwehr-
dienst anstehenden Jahrgängen der 18- bis 25jähri- Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundes-
gen ausgegangen worden. Zusätzlich können für die ministers für Wirtschaft. Zur Beantwortung ist Herr
Anlaufzeit aus den früheren Geburtsjahrgängen, Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Arndt anwe-
nämlich 1946 bis 1951, nur noch 35 000 Wehrpflich- send.
tige freigestellt werden. Um die Freistellungen dem
jeweils wechselnden Bedarf der Bundeswehr und des Ich rufe die Frage 51 des Herrn Abgeordneten
Katastrophenschutzes anpassen zu können, werden Mertes auf. — Herr Mertes ist nicht im Saal; die
die Höchstzahlen für die folgenden Geburtsjahr- Frage wird schriftlich beantwortet.
gänge jeweils jährlich festgelegt. Ende 1970 können
Die Fragen 52 und 53 sind zurückgezogen worden.
somit die Erfahrungen bei den bisherigen Freistel-
lungen berücksichtigt werden. Ich rufe die Frage 54 des Abgeordneten Dr.
Schneider (Nürnberg) auf. — Herr Dr. Schneider
Vizepräsident Frau Funcke: Keine Zusatz- (Nürnberg) ist nicht im Saal; die Frage wird schrift-
frage. Dann rufe ich die Frage 31 des Herrn Abge- lich beantwortet.
ordneten Dr. von Bülow auf:
Ich rufe die Frage 55 des Abgeordneten Dr.
Ist der Bundesregierung ferner bekannt, daß die weitgehende
Ausklammerung, insbesondere der technischen Berufe, dazu füh- Riedl (München) auf:
ren muß, daß die Dienste des Technischen Hilfswerks und der
freiwilligen Feuerwehr qualitativ nicht in der Lage sein werden, Welche Möglichkeiten sieht die Regierung, die außergewöhn-
ihre Aufgaben zu erfüllen? lichen Belastungen der deutschen Bauwirtschaft durch die hohen
Betonstahlpreise zu mildern, die sich im Laute dieses Jahres als
Folgeerscheinung einer absolut unzureichenden Betonstahlversor-
Genscher, Bundesminister des Innern: Die Aus- gung mit Erhöhungen der Abgabepreise des Handels von 100 und
mehr Prozent herausgebildet und neben anderen Faktoren zu
nahme bestimmter Berufe von der Freistellung be- rasch wachsenden allgemeinen Baupreisen geführt haben?
ruht ebenfalls auf dem Bedarfsausgleich zwischen
Ist Herr Dr. Riedl da? — Bitte schön, Herr Staats-
Bundeswehr und Katastrophenschutz, bei dem nicht
sekretär!
allen Anforderungen entsprochen werden konnte.
Die ursprünglich umfangreiche Ausschlußliste ist
aber in den Verhandlungen zwischen dem Bundes- Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim
ministerium des Innern und dem Bundesministerium Bundesminister für Wirtschaft: Herr Dr. Riedl, bei
der Verteidigung erheblich gekürzt worden, so daß öffentlichen Aufträgen mit einer Ausführungsdauer
jetzt nur noch 9 technische Berufe von der Freistel- von mehr als sechs Monaten gibt es Gleitklauseln
lung ausgenommen sind. Bei ihnen mußte ein über- für die Baustoffpreise. Soweit solche Klauseln nicht
wiegendes Interesse der Bundeswehr anerkannt vereinbart wurden, finden die allgemeinen Grund-
werden. Aus sechs weiteren technischen Berufen sätze über den Wegfall der Geschäftsgrundlage An-
dürfen Wehrpflichtige nur in beschränktem Umfang, wendung. Bei privaten Aufträgen gelten die jeweils
nämlich bis zu 10 % der Gesamtfreistellungszahl, vereinbarten Bedingungen.
freigestellt werden. Von diesen Freistellungsbe-
Für die Versorgung des Inlandmarktes standen
schränkungen können im Einvernehmen mit den
aus heimischer Produktion und aus Einfuhren im
Kreiswehrersatzämtern Ausnahmen gemacht wer- Monatsdurchschnitt Januar—Oktober 1969 182 000 t
den, wie in der Vereinbarung über die Freistellung Betonstahl zur Verfügung; das ist eine Zunahme
ausdrücklich vorgesehen. Auch für diese Berufsbe- von 36 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeit-
schränkungen ist eine Neufestsetzung für Ende 1972 raum. Die Preislisten der Walzstahlkontore berich-
vorgesehen worden, die die Behebung von Schwie- ten für Betonstahl III auf der Frachtbasis Oberhau-
rigkeiten ermöglicht. Insgesamt stellt die Freistel- sen zur Zeit über einen Effektivpreis von 535 bis
lung vom Wehrdienst nach § 8 Abs. 2 eine bedeu- 540 DM je Tonne und für das Jahr 1968 von 450 DM
tend bessere Möglichkeit der Personalgewinnung je Tonne bis 400 DM je Tonne.
und Personalsicherung für den Katastrophenschutz
dar als nach bisherigem Recht.
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage des Abgeordneten Dr. Riedl.
des Herrn Abgeordneten Dr. von Bülow.
Dr. Riedl (München) (CDU/CSU) : Herr Staats-
Dr. von Bülow (SPD) : Wäre die Bundesregie- sekretär, ist die Bundesregierung der Auffassung,
rung bzw. Ihr Haus im Benehmen mit dem Herrn daß die Preiserhöhungen bei Betonstahl, die inner-
Bundesverteidigungsminister bereit, einen Einzelfall halb weniger Wochen einen Stand von 100 und
zu überprüfen und in diesem Einzelfall auch von mehr Prozent erreichten, ein Indiz für unangemes-
der Vereinbarung abzuweichen, wenn es sich als sene Preisforderungen im Sinne des § 2 a des Wirt-
notwendig erweisen sollte? schaftsstrafgesetzes sind?
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 765

Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim diesen Leitsätzen auf der Tagung der Leiter der
Bundesminister für Wirtschaft: Das kann ich nicht Preisbildungsstellen in München am 8. und 9. Mai
beantworten, Herr Riedl. Das muß im Einzelfall ge- 1969 zugestimmt. Danach wurde die Verpflichtung
prüft werden. Die Preislisten der heimischen Erzeu- übernommen, von Zeit zu Zeit die administrativen
ger zeigen jedenfalls die von Ihnen genannten Zu- Preisregelungen daraufhin zu überprüfen, ob sie
wachsraten bei weitem nicht. ersatzlos aufgegeben, in der Form gelockert, an die
Marktgegebenheiten angepaßt oder durch indirekt
Vizepräsident Frau Funcke: Eine weitere Zu- wirkende Maßnahmen ersetzt werden können.
satzfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Riedl. In diesem Rahmen ist bereits eine grundlegende
Neuordnung des Baupreisrechts für öffentliche oder
Dr. Riedl (München) (CDU/CSU): Herr Staats- mit öffentlichen Mitteln finanzierte Aufträge in An-
sekretär, sind Sie bereit, bei Nennung von Einzel- griff genommen worden. Begonnen wurde ferner mit
fällen in eine solche Prüfung einzusteigen? der Überprüfung der Preisvorschriften für Dünge-
, mittel verschiedener Art. Die Änderung der Tarif-
Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim ordnung für Strom ist in Vorbereitung. Über die
Bundesminister für Wirtschaft: Selbstverständlich! Änderung der Konzessionsabgabenordnung sind Ge-
spräche im Gange. Mit den Arbeiten zur Novellie-
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage, rung der Arzneitaxe wird Anfang 1970 begonnen.
Die Überprüfung weiterer administrativer Preis-
bitte schön!
regelungen sollen mit Beginn des nächsten Jahres
anlaufen.
Dr. Jobst (CDU/CSU)): Herr Staatssekretär, sind
Sie nicht der Meinung, daß das deutsche Bauge- Bei Erhöhungen administrativ geregelter oder be-
werbe in diesem Jahr vielfach gezwungen war, an- einflußter Preise ist nach den Grundsätzen stets die
gesichts der unübersehbaren Kostenentwicklung allgemeine preispolitische Lage zu berücksichtigen.
seine Angebote gewissermaßen auf Verdacht zu In preispolitisch labilen Phasen sollen administra-
kalkulieren, ein Verfahren, das bei einem Wirt- tive Preiserhöhungen nach Möglichkeit ganz ver-
schaftszweig dieser Art doch sehr bedenklich ist? miednwr.DsBchlußfatendiür
die Wirtschafts- und Finanzpolitik bei Bund, Län-
Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim dern und Gemeinden zuständigen Vertreter in der
Bundesminister für Wirtschaft: Es wird sicherlich Sitzung des Konjunkturrates für die öffentliche
in vielen Fällen dazu gekommen sein, daß die Hand am 4. Dezember 1969.
Kalkulationsgrundlagen von der tatsächlichen Ent-
wicklung überrollt worden sind. Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Dr. Müller-Hermann.
Vizepräsident Frau Funcke: Weitere Zusatz-
fragen? — Bitte schön, Herr Kollege. Dr. Müller Hermann (CDU/CSU): Herr Staats-
-

sekretär, wenn ich die Ankündigung Ihres Herrn


Ministers richtig verstehe, will er doch mit dem
Dr. Giulini (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, sind Festhalten der behördlich geregelten Tarife einen
Sie nicht mit mir der Meinung, daß die Erhöhung der
Preisdämpfungseffekt auslösen. Wie stellen Sie sich
Stahlpreise hauptsächlich auf die Koksknappheit
in Ihrem Hause vor, daß die wachsenden Kosten,
zurückzuführen ist und daß, wenn man das Übel
wenn sie nicht über die Preise weitergegeben wer-
an der Wurzel fassen wollte, man dort ansetzen
den sollen, ausgeglichen werden sollen? Sollen da-
müßte, um die Baustahlpreise zu senken?
zu nach der Auffassung Ihres Hauses in der Regel
die Subventionen aus den öffentlichen Haushalten
Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim erhöht werden?
Bundesminister für Wirtschaft: Bisher kenne ich
das Argument immer nur umgekehrt, nämlich, daß Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim
die Koksverknappung eine Folge der Stahlkonjunk- Bundesminsiter für Wirtschaft: Herr Kollege Müller-
tur ist. Hermann, wir hatten bisher nur ein Mißverständ-
nis dieser Art. In diesem Falle sind wir nach wie
Vizepräsident Frau Funcke: Keine weitere vor der Meinung, daß die Preiserhöhung durch die
Zusatzfrage. Kostenerhöhung nicht begründet ist. Es handelte sich
um einen Fall der Elektrizitätswirtschaft.
Frage 56 des Herrn Abgeordneten Dr. Müller-
Hermann:
Hat die Bundesregierung bereits konkrete Vorstellungen ent-
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage,
wickelt, in welchen Bereichen bzw. bei welchen öffentlichen Herr Abgeordneter Dr. Müller-Hermann.
Unternehmen end mit welchen Mitteln sie die Entwicklung
staatlich beeinflußter Preise in engen Grenzen halten will?
Dr. Müller Hermann (CDU/CSU) : Beziehen Sie
-

Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim sich bei dem, was Sie soeben zum Schluß andeuteten,
Bundesminister für Wirtschaft: Das Bundesministe- auf die Entscheidung von Minister Kassmann in
rium für Wirtschaft hat Grundsätze für die Beurtei- Nordrhein-Westfalen, daß die höheren Strompreise
lung und Behandlung administrativ geregelter zwar von den kleinen Verbrauchern getragen wer-
Preise ausgearbeitet, und die Bundesländer haben den sollen, aber nicht von der Wirtschaft?
766 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim relativ verstärkte Heranziehung von Braunkohlen-
Bundesminister für Wirtschaft: Wir beziehen uns kraftwerken zur öffentlichen Energieversorgung
auf die Entscheidung der Rheinisch-Westfälischen preisstabilisierend auswirken könnte?
Elektrizitätswerke, um die es sich hier handelt.
Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage Bundesminister für Wirtschaft: Sie würde sich zu-
des Herrn Abgeordneten van Delden. mindest dämpfend auf die Kosten auswirken, denn
der Einsatz von Braunkohle in der Stromerzeugung
hat in den letzten Jahren erhebliche Rationalisie-
van Delden (CDU/CSU): Unterstellt, die Bundes-
rungswirkungen gebracht.
regierung steht noch zu ihrer Antwort auf die Große
Anfrage betreffend Stromversorgung der deutschen
Vizepräsident Frau Funcke: Meine Herren
Wirtschaft, Drucksache V/3978: Sind Sie der Mei-
und Damen, damit sind wir am Ende der Frage-
nung, daß das Verhalten der EVUs insbesondere im
stunde. Ich danke dem Herrn Parlamentarischen
nordrhein-westfälischen Bereich im Sinne dieser
Staatssekretär Dr. Arndt.
Anfrage ist, und sind Sie nicht der Meinung, daß
die Maßnahmen, die die Bundesregierung in dieser Die Fragen 71, 72, 73, 97, 98, 103, 113, 114, 124,
Antwort vorgeschlagen hat, baldmöglichst in Angriff 125, 126 und 127 sind von den Antragstellern zu-
genommen werden müssen, um zu vermeiden, daß rückgezogen worden. Die übrigen Fragen werden
das Strompreisniveau noch höher geht? schriftlich beantwortet.

Wir kommen jetzt zu Punkt 11 der Tagesord-


Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim nung:
Bundesminister für Wirtschaft: Die Maßnahmen, die
die Bundesregierung damals angekündigt hat, sind a) Beratung des Antrags des Bundesministers
in Arbeit. Eine Einbeziehung in die Novelle des der Finanzen
Kartellgesetzes ist sehr wahrscheinlich. Im übrigen betr. Bundeshaushaltsrechnung für das Rech-
hat sich die Bundesregierung zu dem von Ihnen ge- nungsjahr 1966
nannten Fall bereits geäußert.
hier: Nachträgliche Genehmigung der
über- und außerplanmäßigen Aus-
Vizepräsident Frau Funcke: Ich lasse noch
gaben
zwei Zusatzfragen zu. Herr Abgeordneter Burg-
bacher! — Drucksache V/2925 —

b) Beratung des Antrags des Präsidenten des


Dr. Burgbacher (CDU/CSU) : Herr Staatssekre- Bundesrechnungshofes
tär, verstehen Sie unter administrativen Preisen für
diese Leistungen ein anderes System als bei der betr. Rechnung und Vermögensrechnung des
übrigen Preisbildung in der Marktwirtschaft, und Bundesrechnungshofes für das Rech-
ist Ihnen in dem vorliegenden Falle der Stromver- nungsjahr 1966 Einzelplan 20
sorgung -- Sie haben das RWE namentlich genannt — Drucksache V/4055
bekannt, daß die RWE-Strompreise sozusagen
die niedrigsten in der Bundesrepublik sind, und c) Beratung des Antrags des Bundesministers
sehen Sie nicht die bisherige Preispolitik bei Ihrer der Finanzen
heutigen Stellungnahme, sehen Sie nur die heutige betr. Entlastung der Bundesregierung wegen
Veränderung ohne Berücksichtigung dessen, daß na- der Bundeshaushaltsrechnung für das
türlich bei denen, die die niedrigsten Preise haben, Rechnungsjahr 1966 auf Grund der Be-
die Kosten zuerst durchschlagen? merkungen des Bundesrechnungshofes
— Drucksache V/4066 —
Dr. Arndt, Parlamentarischer Staatssekretär beim
Bundesminister für Wirtschaft: Die Veränderungen d) Beratung des Antrags des Bundesministers der
der Haushaltspreise für Elektrizität sind nach wie Finanzen
vor genehmigungspflichtig. Das ist das, was wir betr. Bundeshaushaltsrechnung für das Rech-
einen administrativen Preis nennen. nungsjahr 1967
Es ist auch nicht entscheidend, ob es der billigste hier: Nachträgliche Genehmigung der
Anbieter von allen ist, sondern ob die Verände- über- und außerplanmäßigen Aus-
rung, die selbst der billigste vornimmt, plausibel gaben
gemacht werden kann; und das war nun einmal nicht — Drucksache V/4409 —
der Fall.
Diese Vorlagen sollen zusammen behandelt wer-
Vizepräsident Frau Funcke: Eine Zusatzfrage den. Wird das Wort dazu gewünscht? — Das ist
des Herrn Abgeordneten Gatzen. nicht der Fall.
Nach den Empfehlungen des Ältestenrates sollen
Dr. Gatzen (CDU/CSU) : Herr Staatssekretär, alle diese Anträge an den Haushaltsausschuß über-
hat die Bundesregierung eine Meinung über die wiesen werden. Erheben sich Bedenken? — Das ist
Frage, ob sich eine nicht nur absolut, sondern auch nicht der Fall. Es ist so beschlossen.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 767
Vizepräsident Frau Funcke
Wir kommen zu Punkt 12 der Tagesordnung: Anhebung zukommen. Die Anträge waren bis auf
die Stufe 6 in der Höhe kaum unterschiedlich. Die
a) Zweite und dritte Beratung des Entwurfs Fassung der SPD und der FDP wurde angenommen.
eines Gesetzes über die Anpassung der Für die Witwen der Empfänger einer Pflegezulage
Leistungen des Bundesversorgungsgesetzes mindestens der Stufe 3 sah ein CDU/CSU-Antrag
(Erstes Anpassungsgesetz — 1. AnpG KVO) eine Pflegeleistungszulage vor. Ein Antrag der SPD
Drucksachen VI/69, VI/77 — und der FDP schlug eine Verbesserung des Scha-
densausgleichs für diese Witwen vor. Der letztere
aa) Bericht des Haushaltsausschusses (7. Aus- Antrag wurde einstimmig angenommen.
schuß) gemäß § 96 der Geschäftsordnung Ein weiterer Antrag der CDU/CSU, der eine Er-
— Drucksache VI 163 -- höhung der Elternrenten über die lineare Erhöhung
Berichterstatter: Abgeordneter Krampe vorsah, wurde von der Mehrheit abgelehnt. Für die
jährliche Anpassung der Kriegsopferrenten sprach
bb) Schriftlicher Bericht des Ausschusses für sich die CDU/CSU in ihrem Antrag aus, während die
Arbeit und Sozialordnung (10. Ausschuß) SPD und die FDP im Ausschuß vorschlugen, die Lei-
stungen des Versorgungsgesetzes nach der Verände-
— Drucksache VI 154 (neu) rungsrate der allgemeinen Bemessungsgrundlage in
Berichterstatter: Abgeordneter Burger der gesetzlichen Rentenversicherung jährlich anzu-
passen. Der letztere Vorschlag wurde mit einer Ent-
(Erste Beratung 13. Sitzung)
haltung gebilligt. Damit ist die Dynamisierungsklau-
b) Beratung des Berichts der Bundesregierung sel in den heutigen Vorschlag aufgenommen.
über die Situation im Bereich der Versorgung Meine Damen und Herren, einig war sich der
von Kriegs- und Wehrdienstopfern — Nach- Ausschuß darin gewesen, die Beratungen so zügig
trag zum Kriegs- und Wehrdienstbericht zu führen, daß das Gesetz noch vor Weihnachten
196— verabschedet werden kann. Das ist gelungen. Das
— zu Drucksache VI/81 — Hohe Haus kann heute in zweiter und dritter Lesung
das 1. Anpassungsgesetz zum BVG verabschieden.
Wird von den Herren Berichterstattern noch das (Beifall bei der CDU/CSU.)
Wort gewünscht? — Bitte schön, Herr Abgeordneter
Burger!
Vizepräsident Frau Funcke: Ich danke dem
Herrn Abgeordneten Burger. Wir gehen jetzt von
Burger (CDU/CSU) : Frau Präsident! Meine der Fassung der Drucksache VI/154 (neu) aus.
Damen und Herren! Gestatten Sie mir einige kurze
Bemerkungen zum Schriftlichen Bericht. Zunächst Ich rufe Art. I auf. Dazu liegt der Änderungs-
eine technische Bemerkung. In die erste Ausferti- antrag Umdruck 5 Ziffer 1 der Fraktion der CDU/
gung der Drucksache hat sich ein Druckfehler ein- I CSU zu Nr. 2 vor. Hierzu hat Herr Abgeordneter
geschlichen. Ich bitte, die Drucksache VI/154 (neu) Ruf um das Wort gebeten.
zu verwenden.
Ruf (CDU/CSU) : Frau Präsidentin! Meine Damen
Nun einige wenige Bemerkungen zum Inhalt des
und Herren! Im Namen der CDU/CSU-Fraktion be-
Gesetzes. gründe ich den Antrag auf Umdruck 5 *), soweit die
Meine Damen und Herren, die Vorlagen wurden laufenden Versorgungsbezüge für Kriegsbeschä-
im Ausschuß zügig beraten, damit das Gesetz noch digte, Waisen und Eltern statt um 16 % um 22 %
vor Weihnachten verabschiedet werden kann. Zur und für Kriegerwitwen statt um zirka 25 % um
Beratung standen zwei Anträge. Der Antrag der 32 % angehoben werden sollen. Wie Sie wissen,
CDU/CSU sah eine Anhebung der Versorgungs- haben wir diesen Antrag im Bundestag eingebracht.
bezüge der Kriegsbeschädigten, Waisen und Eltern Wir sind aber im Ausschuß für Arbeit und Sozial-
um 22 % vor. Die Witwenrenten sollten von jetzt ordnung von den Koalitionsfraktionen niederge-
55 % der Rente eines erwerbsunfähig Beschädigten stimmt worden. Wir bringen ihn hier wieder ein
auf 60 % angehoben werden. Dies entspricht einer und hoffen, daß wir heute die nötige Stimmenzahl
Anhebung um 32 %. Der Antrag der SPD und der erhalten werden.
FDP sah eine Verbesserung der Renten für Beschä- Meine Damen und Herren, da der Ausschuß für
digte, Eltern und Waisen um 16 und für Witwen um Arbeit und Sozialordnung bei einer Stimmenthal-
25 % vor. Damit sollte die Rente der Witwe eben- tung, aber im übrigen einmütig — das muß entgegen-
falls auf 60 % der Rente eines erwerbsunfähig Be- anderslautenden Meldungen ausdrücklich gesagt
schädigten gehoben werden. Die Koalitionsmehrheit werden — beschlossen hat, ab 1971 die Kriegsopfer-
entschied sich für ihren Antrag. leistungen entsprechend dem Anwachsen der Renten
Darüber hinaus lagen Anträge vor, die struktu- der gesetzlichen Rentenversicherungen anzupassen,
relle Verbesserungen für besonders schwer betrof- halten wir von der CDU/CSU es für selbstverständ
fene Gruppen enthielten. Die CDU/CSU sowie die lich, daß man auch die Anpassung für 1970 wenig-
SPD und die FDP beantragten eine stärkere Anhe- stens annähernd nach diesem Grundsatz vollzieht.
bung der Schwerstbeschädigtenzulage und die Ein- Sie wissen, die Kriegsopferrenten sind seit dem
führung einer neuen Stufe 6. Damit sollte den vom
Schicksal besonders schwer Betroffenen eine höhere *) Siehe Anlage 2
768 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969
Ruf
Jahre 1967 nicht mehr angepaßt worden. Seitdem Aber, meine Damen und Herren, kämpfen ist
sind aber die Renten der gesetzlichen Rentenver- offenbar nicht jedermanns Sache.
sicherungen um 26,4 % gestiegen. Unter diesen Um- (Beifall bei der CDU/CSU.)
ständen ist eine Anpassung von nur 16 % einfach
nicht diskutabel. Daher können wir von unserer For- Meine Damen und Herren, in diesen Tagen konn-
derung, die Kriegsopferleistungen wenigstens um ten wir da und dort in den Zeitungen lesen, man
22 % zu erhöhen, nicht abgehen. könne zwar Verständnis haben, wenn die Aus-
gleichsrenten und ähnliche Leistungen der Kriegs-
Wenn Sie uns entgegenhalten, für 1970 stünden
opferversorgung der Lohnentwicklung angepaßt wür-
nur 938 Millionen DM und nicht etwas mehr als
den, Leistungen nämlich, die im Prinzip Lohnersatz
1,2 Milliarden DM, die nach unserem Antrag erfor-
seien. Das könne man aber doch nicht, so wird
derlich sind, zur Verfügung, so muß ich Ihnen sagen,
gesagt und geschrieben, von den Grundrenten be-
meine Damen und Herren, daß für uns die Verbes-
haupten; 85 % der Beschädigten bekämen nur eine
serung der Leistungen der Kriegsopferversorgung
Grundrente, sie seien also ins Erwerbsleben ein-
den Vorrang hat.
gegliedert und nähmen dadurch an der Lohnentwick-
(Beifall bei der CDU/CSU.) lung teil. Denen, die das sagen, möchte ich nur ent-
Mit mir haben wohl alle Kollegen der CDU/CSU- gegenhalten, daß jeder Anpassungssatz, den wir
Fraktion vor dieser Legislaturperiode erklärt, daß wählen, bei weitem nicht ausreicht, die vielen, vie-
in diesem Bundestag die Kriegsopferversorgung den len Nachteile und Beschwerden, die die Betroffenen
Vorrang hat. Damit meinten wir nicht nur den zeit- Tag für Tag zu erdulden haben, auszugleichen. Be-
lichen Vorrang zum 1. Januar 1970, sondern auch den denken Sie nur, daß z. B. nach dem Vorschlag der
Vorrang in materieller Beziehung. Koalitionsfraktionen bei 30 %iger Erwerbsminde-
rung 61 DM gewährt werden und daß etwa Verlust
(Beifall bei der CDU/CSU.) oder Erblindung eines Auges, Verlust einer Niere
Wir sind und bleiben der Meinung, daß ein Volk, oder Verlust aller Zehen unter 30 % Beschädigung
dem es in seinen breiten Schichten gut geht, die fallen. Meine Damen und Herren von der SPD-
Pflicht hat, die Opfer des Krieges so großzügig wie Fraktion, ich würde Ihnen einmal empfehlen, sich
möglich zu versorgen. den Kriegsopferbericht der Bundesregierung genau
anzusehen. Auf Seite 35 finden Sie erschütternde
(Beifall bei der CDU/CSU.)
Feststellungen.
Diesen Standpunkt haben wir nachweisbar auch in
(Abg. Wolf: Wie anmaßend!)
der Vergangenheit vertreten.
Wenn Sie bedenken, welche Schäden die 85 %
(Abg. Glombig: Das stimmt doch nicht!)
Grundrentenempfänger zu tragen haben, obwohl sie
— Das stimmt wohl. Ich werde es Ihnen nachweisen. ins Erwerbsleben eingegliedert sind, werden Sie uns
Der Antrag auf Erhöhung um 16 % bedeutet einen recht geben, wenn wir sagen, daß selbst bei einer
jährlichen Mehraufwand von zirka 938 Millionen Erhöhung um 22 % die Opfer bei weitem nicht aus-
DM, der sich im Laufe der Jahre etwas vermindert. geglichen werden können, die die Betroffenen Tag
Dagegen haben wir — das können Sie, Herr Kollege für Tag zu tragen haben.
Glombig, im Kriegsopferbericht der Bundesregierung
Ich bitte Sie, den Anträgen der CDU/CSU zuzu-
auf Seite 7 nachlesen — im Jahre 1960 beim ersten
stimmen. Hier können Sie zeigen, welche Schwer-
Neuordnungsgesetz 1,131 Milliarden DM, beim zwei-
punkte in der Sozialpolitik Sie setzen wollen.
ten Neuordnungsgesetz im Jahre 1964 1,24 Milliar-
den DM und beim dritten Neuordnungsgesetz im (Beifall bei der CDU/CSU. — Lachen bei
Jahre 1967 mitten in der Rezession 885 Millionen der SPD.)
DM beschlossen.
Bei dieser Gelegenheit darf ich einmal daran erin- Vizepräsident Frau Funcke: Das Wort hat der
nern, wie in der Vergangenheit gerade unsere un- Abgeordnete Professor Schellenberg.
vergessene Frau Dr. Probst für die Kriegsopfer ge-
kämpft hat Dr. Schellenberg (SPD) : Frau Präsident! Meine
(Beifall bei der CDU/CSU) Damen und Herren! Herr Kollege Ruf, Sie haben
hier von Versäumnissen früherer Arbeitsminister
und wie sie manches Mal im Interesse der Kriegs- der CDU gesprochen.
opfer mit dem Finanzminister ihrer eigenen Partei
(Beifall bei den Regierungsparteien.) -
gerungen hat. Daran könnte sich mancher Kriegs-
opfervertreter der Koalitionsfraktionen ein Beispiel Ich finde es erstaunlich, daß die CDU, nachdem die
nehmen. Dynamisierungsklausel in den Ausschüssen ange-
(Beifall bei der CDU/CSU.) nommen worden ist, mit dem Umdruck 5 17 Lei-
stungspositionen der Kriegsopferversorgung über
Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege Ruf, die Ausschußbeschlüsse hinaus erhöhen will.
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abge-
(Abg. Rasner: Das ist gar nicht erstaun
ordneten Glombig?
lich! — Weitere Zurufe von der CDU/CSU.)
Ruf (CDU/CSU) : Bei der Begründung ist eine — Ich werde Ihnen begründen, weshalb ich das er-
Zwischenfrage nicht zuzulassen. staunlich finde.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 769
Dr. Schellenberg
Erstens. Durch den vorliegenden Gesetzentwurf träge zeigen, daß die CDU/CSU offenbar aus den
in der Fassung der Ausschußvorlage werden die an- Erfahrungen der Jahre 1966/67
passungsfähigen Kriegsopferleistungen ab 1. Januar
(Lachen bei der CDU/CSU. - Abg. Rasner:
des Jahres 1970 durchschnittlich um 20,6 % erhöht. Jetzt wird's drollig!)
Wer ausschließlich niedrige Prozentsätze nennt, der
läßt dabei — bewußt oder unbewußt — die Struk- nicht die notwendigen Folgerungen gezogen hat.
turverbesserungen für die Kriegerwitwen und für (Beifall bei den Regierungsparteien.)
die Schwerstbeschädigten außer Betracht.
Die damaligen Belastungen gingen nämlich auch
(Beifall bei der SPD.) zum Nachteil der Kriegsopfer.
Eine zweite Bemerkung. Im Zusammenhang mit Deshalb, meine Damen und Herren, werden wir
der Dynamisierungsklausel steigt das Finanzvolu- Ihre Anträge ablehnen.
men der Kriegsopferversorgung während des Zeit-
raums der mittelfristigen Finanzplanung, also für die (Aha-Rufe bei der CDU/CSU.)
nächsten vier Jahre, um 5900 Millionen DM. Das Eine Schlußbemerkung! Der Herr Bundeskanzler
ist ein sehr beachtliches Volumen. Ich muß Herrn hat in seiner Regierungserklärung
Kollegen Ruf entgegenhalten, daß noch niemals seit
Bestehen der Kriegsopferversorgung ihre Leistungen (Abg. Dr. Müller-Hermann: Die war unseriös!)
in einem vierjährigen Zeitraum in einem solchen für die Kriegsopferversorgung dreierlei angekün-
Ausmaß erhöht worden sind. Das sind die Fakten. digt: erstens, die Kriegsopferrenten werden ab
(Beifall bei der SPD.) 1. Januar 1970 erhöht — so wörtlich Regierungs-
erklärung -, zweitens, es sind strukturelle Ver-
Eine dritte Bemerkung: Die Anträge der CDU/ besserungen vorgesehen, drittens, die Leistungen
CSU auf Umdruck 5 bedeuten eine Steigerung des werden jährlich an die wirtschaftliche Entwicklung
gegenwärtigen Finanzvolumens der Kriegsopfer- angepaßt.
versogunfüdaJh1970minsget28%.
Sie würden im Zusammenhang mit der Dynamisie- Mit der Erklärung, die der Herr Bundesfinanz-
rungsklausel, zu der sich die CDU/CSU jetzt nach minister bei den Beratungen im Haushaltsausschuß
einigen Schwierigkeiten bekennt, die erforderlichen abgegeben hat, wonach nämlich die Mittel auch für
Mehransätze für die mittelfristige Finanzplanung die Dynamisierung der Kriegsopferversorgung zu-
um über 1 1/2 Milliarden auf 7,4 Milliarden DM er- sätzlich in die mittelfristige Finanzplanung einge-
höhen. baut werden, hat die Bundesregierung die Zusagen
der Regierungserklärung gegenüber den Kriegs-
(Abg. Dr. Stark [Nürtingen] : Deshalb opfern präzise erfüllt.
haben wir keine Steuersenkung vorgeschla
gen!) (Beifall bei den Regierungsparteien. —
Zurufe von der CDU/CSU.)
Ein viertes Argument. Das Finanzvolumen dieser
Anträge der CDU/CSU übersteigt die Anforderungen Daß dies in einer Zeitspanne — von der Regie-
des früheren Arbeitsministers, des Herrn Kollegen rungserklärung bis zur heutigen zweiten und dritten
Katzer, vom März dieses Jahres im Rahmen der Lesung — von nur sechs Wochen erfolgt ist, zeigt den
mittelfristigen Finanzplanung um 3,6 Milliarden DM besonderen Vorrang, den Bundesregierung und
und übersteigt selbst seine zwei Tage vor der Bun- Regierungsparteien den sozialen Anliegen der
destagswahl aus offensichtlichen Gründen erhobene Kriegsopfer einräumen.
Nachforderung immer noch um 2,3 Milliarden DM. (Beifall bei den Regierungsparteien.)
Meine Damen und Herren der CDU, ich muß Ihnen
Meine Fraktion bringt dies durch Ablehnung der
sagen: die Anträge, die in einer solchen Größenord- leichtfertigen CDU/CSU-Anträge
nung über das, was ihr früherer Arbeitsminister for-
derte, hinausgehen, kann ich nicht als seriös bezeich- (Beifall bei der SPD — Widerspruch bei der
nen. CDU/CSU)
(Beifall bei den Regierungsparteien. — und durch Zustimmung zu den bedeutsamen Lei-
Hört! Hört! und Lachen bei der CDU/CSU.) stungsverbesserungen der .Ausschußvorlage zum
Ihre Anträge, über die wir jetzt abstimmen sollen, Ausdruck.
widersprechen in eklatanter Weise den Grundsätzen (Beifall bei den Regierungsparteien. —
einer geordneten Finanzwirtschaft, Abg. Rasner: Viel Geschrei, aber wenig
(Beifall bei den Regierungsparteien. — Wolle! Das war's!) -

Abg. Müller-Hermann: Ausgerechnet! —


Weitere Zurufe von der CDU/CSU) Vizepräsident Frau Funcke: Das Wort hat der
zu denen sich Herr Kollege Barzel bei der ersten Herr Abgeordnete Schmidt (Kempten).
Lesung dieses Gesetzentwurfs in so prononcierter
Weise bekannt hat. Schmidt (Kempten) (FDP) : Frau Präsident! Meine
sehr geehrten Damen und Herren! Herr Kollege Ruf,
(Abg. Rasner: Gewogen und zu leicht be
Sie haben hier vorhin so deutlich Ihre Fraktion, die
funden, Herr Schellenberg!)
jetzige Opposition, als den einzigen Anwalt, den
— Herr Kollege Rasner, ich werde Ihnen noch etwas angeblich einzigen Anwalt der Kriegsopfer in die-
anderes sagen müssen. Solche übersteigerten An sem Hause herausgestellt. Ich stimme Ihnen in
770 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Schmidt (Kempten)
einem zu. Ihre Kollegin Frau Probst war dies immer, Schmidt (Kempten) (FDP) : Herr Kollege Franke,
aber sehr häufig gegen ihre eigene Fraktion. das ist mir nicht nur sehr gut bekannt, sondern ich
weiß es allein deshalb, weil ich damals diese Dinge
(Beifall bei den Regierungsparteien. —
ebenfalls vertreten habe. Und nun komme ich zu
Abg. Dr. Rutschke: Sehr richtig!)
dem, was ich sowieso sagen wollte.
Aber ein anderes, Herr Kollege Ruf, haben Sie
(Abg. Rasner: Sehen Sie, hier müssen Sie
dabei vergessen. Sie haben vergessen, daß es Ihre
Fraktion und Ihre Regierungsmitglieder waren, die parieren!)
beim Finanzänderungsgesetz den § 56 des Bundes- Herr Kollege Rasner, warten Sie doch mal ab!
versorgungsgesetzes, den wir jetzt im Ausschuß auf Jetzt komme ich zu dem, was ich sowieso zu den
Antrag der Regierungskoalition zu einem Dynami- linearen Anhebungen sagen wollte. Herr Kollege
sierungsparagraphen gemacht haben, abschaffen und Schellenberg hat schon deutlich gemacht, daß der
aus dem Gesetz überhaupt herausnehmen wollten. Durchschnittssatz bei den anzupassenden Leistungen
(Sehr richtig! bei der FDP.) bei 20,6 °/o liegt.
Das haben Sie dabei vergessen, und Sie haben (Zuruf von der SPD: So ist es! — Abg.
dabei auch vergessen, welche Einstellung zu diesen Franke [Osnabrück] meldet sich zu einer
Fragen seinerzeit der damalige Bundesfinanzmini- Zwischenfrage.)
ster und auch der damalige Bundeskanzler hatten
— Darf ich das zuerst ausführen; vielleicht brauchen
und daß es dieses Haus war, das den § 56 wenig-
Sie dann nicht mehr zu fragen. — Aber bitte! Nur
stens überhaupt wieder in das Gesetz hinein-
bitte ich, dann die Zeit zu verlängern, Frau Präsi-
brachte, um damit zu ermöglichen, daß eine Dyna-
dent.
misierung nunmehr auch im Gesetz verankert wer-
den kann.
Vizepräsident Frau Funcke: Bitte schön, eine
Vizepräsident Frau Funcke: Gestatten Sie Zwischenfrage!
eine Zwischenfrage?
Franke (Osnabrück) (CDU/CSU) : Herr Kollege
Schmidt (Kempten) (FDP) : Bitte schön! Schmidt, ist Ihnen bekannt, daß in dem vorläufigen
Kriegsopferbericht der Bundesregierung — ich darf,
Ruf (CDU/CSU) : Herr Kollege Schmidt, ist Ihnen glaube ich, mit Genehmigung der Frau Präsidentin
nicht bekannt, daß in dem Antrag der Koalitions- zitieren — steht:
fraktionen bezüglich des § 56 überhaupt nichts ent-
Demnach hält es die Bundesregierung für ge-
halten war und daß es die CDU/CSU-Fraktion war,
rechtfertigt und vertretbar, für Beschädigte und
die in ihrem Antrag, den sie im Bundestag einge-
Waisen und Eltern eine allgemeine Anhebung
bracht hat, gesagt hat: Wir verlangen eine jährliche
der Vollrentenbeträge um durchschnittlich 16
Vorlage des Kriegsopferberichts, um dadurch eine
v. H. vorzuschlagen.
jährliche Anpassung zu ermöglichen? Das paßt Ihnen
wohl nicht; und deswegen schreien Sie so dazwi- (Zuruf von der SPD: Was soll denn diese
schen? Polemik?)

Schmidt (Kempten) (CDU/CSU) : Herr Kollege Schmidt (Kempten) (FDP) : Herr Kollege Franke,
Ruf, es wäre vielleicht besser gewesen, Sie hätten natürlich ist mir das bekannt.
in diesem Falle die Frage nicht an mich gestellt,
denn ich habe in den letzten Jahren hier in diesem (Abg. Franke [Osnabrück]:: Sie behaupten
Hause mehrmals für die FDP-Fraktion diese Anpas- aber jetzt etwas anderes!)
sungen, die Wiederherstellung des § 56 und alles,
Aber ich habe ja eben gesagt, es wäre besser ge-
was damit zusammenhängt, beantragt. Das wissen
wesen, Sie hätten mich ausreden lassen, weil ich
Sie sehr genau. Und Sie waren unter den Ablehnen-
nämlich dazu gerade noch etwas sagen wollte. Na-
den.
türlich haben wir — das ist gar kein Geheimnis,
(Sehr richtig bei der FDP.)
und dazu stehe ich auch — im vorigen Jahr eine An-
Sie können es in den Protokollen der Sitzungen, in passung von 20 %
denen wir uns damit befaßt haben, gern nachlesen.
(Zuruf von der CDU/CSU: In diesem Jahr!)
Vizepräsident Frau Funcke: Gestatten Sie — Entschuldigung, jawohl: in diesem Jahr —
eine weitere Zwischenfrage?
(Abg. Franke [Osnabrück]: Sechs Monate ist
das her!)
Schmidt (Kempten) (FDP) : Bitte schön!
für richtig gehalten. Wir hatten allerdings damals
nicht die Hoffnung, daß es gelingen würde, — —
Franke (Osnabrück) (CDU/CSU) : Herr Kollege
Schmidt, ist Ihnen bekannt, daß Sie auch noch im (Lachen und Zurufe von der CDU/CSU.)
März dieses Jahres für eine 20prozentige Erhöhung
der Kriegsopferrenten eingetreten sind? — Moment, meine Damen und Herren, Moment!
(Beifall bei der CDU/CSU.) (Zuruf des Abg. Franke [Osnabrück])
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 771
Schmidt (Kempten)
Ich weiß gar nicht, weshalb Sie so aufgeregt sind. lich von 15 % für 1970 und von 10 % für 1972, als
er seine Forderungen stellte.
(Zuruf von der CDU/CSU: Wir sind nicht
aufgeregt! — Weitere Zurufe von der (Abg. Dr. Rutschke: Hört! Hört!)
CDU/CSU.) Der Finanzminister Ihrer Partei machte daraus
— Herr Kollege Franke, meine Damen und Herren, — — Bitte schön!
wir hatten damals allerdings noch nicht die Hoff-
nung, daß es gelingen würde Dr. Althammer (CDU/CSU) : Herr Kollege
Schmidt, wenn Sie schon im Frühjahr dieses Jahres
(erneute Zurufe von der CDU/CSU)
20 % für notwendig gehalten haben, darf ich Sie
— lassen Sie mich doch bitte ausreden —, mit der fragen: Welches wäre Ihrer Meinung nach ange-
Verabschiedung des Anpassungsgesetzes die Dyna- sichts der Teuerungen der letzten Wochen das Mi-
misierung, also die jährliche Anpassung, und die nimum, in Prozenten ausgedrückt?
Verankerung der Mittel in der mittelfristigen (Beifall bei der CDU/CSU.)
Finanzplanung durchzusetzen.
(Beifall bei der SPD. — Abg. Liehr: Das ist Schmidt (Kempten) (FDP) : Herr Kollege Altham-
der große Fortschritt!) mer, ich habe eben sehr deutlich gemacht, daß es
Ich muß Ihnen ehrlich sagen: Mir und meinen mir und meinen Freunden mehr wert ist, die Mittel
Freunden ist es mehr wert, wenn wir angesichts für die Dynamisierung in der mittelfristigen Finanz-
des jetzigen Finanzvolumens einen Teil der Renten planung für die nächsten Jahre fest verankert zu
zwar nur um 16 %, die Renten insgesamt im Durch- sehen und die Anpassung der Kriegsopferrenten
schnitt aber um 20,6 % erhöhen, und zwar sofort. jedes Jahr zum 1. Januar vornehmen zu können,
Mir ist es mehr wert, wenn nicht nur wir, sondern und daß ich deshalb bereit bin, einer anderen Lösung
auch die Kriegsopfer wissen, daß ihre Renten in den zuzustimmen.
nächsten vier Jahren entsprechend der Rentenformel (Beifall bei den Regierungsparteien.)
angepaßt und die dazu erforderlichen Mittel auf Wenn das nicht gegangen wäre, wenn wir die Dyna-
Grund der Zusage des Bundesfinanzministers in die misierung nicht bekommen hätten, hätten wir selbst-
mittelfristige Finanzplanung aufgenommen werden. verständlich höhergehen müssen, allein schon des-
(Beifall hei den Regierungsparteien.) halb, weil wir dann wieder zwei Jahre hätten warten
müssen.
Ich begrüße es auch, daß es nicht mehr nötig sein
wird, jedes Jahr oder alle zwei Jahre einen Kampf
zu führen. Damit entfallen zugleich die unwürdigen Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege
Auseinandersetzungen hier im Hause und in der Schmidt, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn
Öffentlichkeit über die Notwendigkeit der Anpas- Abgeordneten Burger?
sung. Daß eine solche Forderung, die wir Freien
Demokraten und auch ich selbst von dieser Stelle Schmidt (Kempten) (FDP) : Bitte schön!
aus schon sehr oft erhoben haben, damit erfüllt ist,
ist nicht nur uns, sondern, wie ich glaube, auch den
Kriegsopfern etwas wert, so daß sie einsehen wer- Burger (CDU/CSU) : Herr Kollege Schmidt, sind
den, daß das Finanzvolumen einfach nicht überschrit- Sie sich darüber im klaren, daß Sie mit dieser
ten werden konnte. Ich unterstreiche, daß wir das, Dynamisierung nicht nur die Renten, sondern auch
was Sie, meine Damen und Herren von der Oppo- den Rückstand dynamisieren?
sition, hier tun, wirklich für eine reine Schau halten. (Beifall bei der CDU/CSU.)
(Beifall bei den Regierungsparteien. —
Oh-Rufe bei der CDU/CSU.) Schmidt (Kempten) (FDP) : Herr Kollege Burger,
ich war, bevor Ihre Zwischenfrage kam, gerade bei
Das ist so ähnlich wie Ihr Versuch im Ausschuß, der Darstellung einiger Zahlen. Vielleicht sind die
der Dynamisierung zunächst einmal nur halb zuzu- Zahlen eine Antwort auf Ihre Frage.
stimmen und noch ein paar Tage Zeit zu haben, um
hier noch einmal etwas dazu sagen zu können. Ich stelle noch einmal fest, daß der Bundesarbeits-
Erfreulicherweise haben sich Ihre Kollegen am minister 15 % für 1970 und 10 % für 1972 vorge-
Schluß der Ausschußberatungen dann aber doch sehen hatte und der Bundesfinanzminister, der da-
für die Zustimmung entschieden. mals von der jetzigen Opposition gestellt wurde,
daraus in seinen Ansätzen 12 % für 1970 und 8 %
Lassen Sie mich noch ein Letztes zu der Summe für 1972 machte.
Ihrer Anträge, zum Volumen Ihrer zusätzlichen An-
träge, sagen, und zwar in Ergänzung dessen, was der (Abg. Liehr: Das tut weh!)
Kollege Schellenberg vorhin schon über die tatsäch- Meine Damen und Herren, rechnen Sie einmal nach,
lichen Ansätze im Sommer dieses Jahres gesagt hat. wie weit Sie damit gekommen wären. Zwei Tage
Hier kommen wir nämlich auch wieder zu den Pro- vor der Wahl — auch das möchte ich hier noch ein-
zentsätzen. Heute sprechen Sie von 25 % und von mal sagen —, am 26. September, bekam der Herr
32 %. Selbst der damalige Arbeitsminister, der Ihrer Bundesarbeitsminister plötzlich Mut und stellte eine
Fraktion angehörte — damals sprach auch kein Forderung in Höhe von 20 % ab 1970 und von
Mensch von einjährigen Berichten —, redete ledig- 10 % ab 1972. Zwei Tage vor der Wahl! Ich glaube,
772 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Schmidt (Kempten)
auch die Kriegsopfer werden sich Gedanken dar- — Wenn Sie wollen, stehe ich Ihnen am Schluß für
über machen, ob das wirklich ein Wille Ihrer Frak- Fragen zur Verfügung, so lange Sie es wünschen
tion war oder bloß der Blick auf die Wahlurne. und so lange es der Präsident zuläßt.
(Beifall bei den Regierungsparteien.) (Zuruf des Abg. Wehner.)
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Na- Meine Damen und Herren, ich sagte, daß wir bei
mens der FDP-Fraktion § 56 völlig klargestellt haben, daß die Renten in der
Kriegsopferversorgung der wirtschaftlichen Lei-
(Abg. Rasner: Sage ich nein!)
stungsfähigkeit anzupassen sind. Wenn man das
werden wir auf Grund der von uns seit langem er- zugrunde legt, kann man doch nicht für die lineare
strebten und jetzt nicht nur im Gesetz verankerten, Erhöhung einen Satz von 16 % vorsehen, sondern
sondern durch die Zusage des Finanzministers auch dann ist doch unser Antrag mit 22 %, wenn man die
in die mittelfristige Finanzplanung hineingenom- Rentenversicherung einschließt, absolut berechtigt.
menen Dynamisierung, deren Mittel für die näch- Zweitens kann man nicht sagen: In Zukunft wer-
sten Jahre weit über das hinausgehen, was Sie in den die Kriegsopferrenten an die Rentenversiche-
allen Ihren Vorschlägen für die Kriegsopfer im ver- rung angepaßt; das gilt aber für die Vergangenheit
gangenen Jahr vorgesehen hatten, Ihren Anträgen nicht. Dann haben Sie nämlich einen Rückstand von
nicht zustimmen. 10 °/o, und der wird zementiert. Das muß ich klar
(Beifall bei den Regierungsparteien. — feststellen.
Abg. Rasner: Siehste!) (Beifall bei der CDU/CSU. — Abg. Wehner:
Quatschkopp!)
Vizepräsident Frau Funcke: Das Wort hat der Herr Kollege Schellenberg und Herr Kollege
Abgeordnete Maucher. Schmidt, das von Ihnen angesprochene Zögern in der
Frage der Dynamisierung hatte keineswegs den
Maucher (CDU/CSU) : Frau Präsidentin! Meine Grund, daß die Union nicht anpassen wollte, son-
Damen und Herren! Ich glaube, es wäre solider und dern dieses Zögern war gerade auf die Überlegung
ehrlicher, wenn man sagte: zurückzuführen, ob wir zustimmen können, daß die
Kriegsopfer um 10 % zurückbleiben.
(Abg. Dr. Rutschke: Wenn Sie Ihre An
träge zurücknähmen!) (Abg. Liehr: Das ist doch unglaubwürdig!)
wir anerkennen, daß die in dieser Lesung vorlie- Herr Kollege Schellenberg, wir müssen die Dinge
gende Fassung nicht befriedigt, was die lineare Er- doch in aller Ruhe und Sachlichkeit sehen. Es ist
höhung anbelangt, und wir würden gern mehr tun. nicht so, als sei die Dynamisierung in der Kriegs-
Das wäre solider und ehrlicher, als der Opposition opferversorgung erst jetzt begonnen worden. Mit
hier vorzuwerfen, daß sie wegen ihrer Anträge dem Ersten, Zweiten und Dritten Neuordnungsgesetz
unsolide sei. Das ist ein harter Vorwurf; ich möchte ist die Dynamisierung eingeleitet worden
ihn absolut und entschieden zurückweisen. (Abg. Dr. Rutschke: Das ist doch dummes
(Beifall bei der CDU/CSU. — Abg. Bier Zeug!)
mann: Er ist aber nicht entkräftet!) mit dem Berufsschadens- und Schadensausgleich,
— Ich komme noch darauf. beim Dritten Neuordnungsgesetz mit den Anrech-
Herr Kollege Schellenberg, Sie haben dieses An- nungsbestimmungen. Alle Abgeordneten waren
passungsgesetz — davon gehen Sie aus — als einen damals der Meinung, daß das ein besonderes Merk-
Markstein bezeichnet. Ich möchte, was die Dynami- mal sei. Und wenn Sie die finanziellen Auswirkun-
sierung usw. angeht, dieses Gesetz nicht als einen gen einander gegenüberstellen, darf auch nicht ver-
Markstein, sondern als einen Randstein bezeichnen. schwiegen werden, daß auch hier bereits entspre-
Kollege Burger hat soeben die Frage gestellt, ob mit chende Erhöhungen vorgenommen worden sind, und
dieser Lösung nicht der Rückstand dynamisiert zwar im Jahre 1968 um 93 Millionen DM, im Jahre
werde. In der Tat haben wir 1969 um 187 Millionen DM, im Jahre 1970 um 281
Millionen DM und im Jahre 1971 um 375 Millionen
(Abg. Liehr: Den Rückstand verursacht!) DM. Diese Beträge sind durch die Dynamisierung
in § 56 des Dritten Neuordnungsgesetzes die klare dieses Teils im Dritten Neuordnungsgesetz festge-
Feststellung getroffen, daß wir mit diesem Gesetz legt worden.
eine Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung Beim Ersten Neuordnungsgesetz wurde die Be- -
und Leistungsfähigkeit für die Zukunft vornehmen. ziehung zur Rentenversicherung ebenfalls herge-
stellt. Damals hatte die CDU beantragt, die Grund-
Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege, und Ausgleichsrenten für Erwerbsunfähige entspre-
gestatten Sie eine Zwischenfrage? chend der Höhe der allgemeinen Bemessungsgrund-
lage festzusetzen. Da können Sie doch nicht behaup-
ten, wir hätten in der Angelegenheit nicht auch das
Maucher (CDU/CSU) : Danke schön. Ich werde
Nötige getan.
jetzt meine Ausführungen zu Ende bringen.
(Abg. Dr. Rutschke: Wann war denn das?)
(Lachen bei der SPD. — Abg. Wehner: Dann
lassen wir auch keine Zwischenfragen mehr Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang folgen-
zu!) des feststellen. Bei der Beratung des Ersten Neu-
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 773
Maucher
ordnungsgesetzes hatte die Regierung ein Gesetz — Woran? Das möchte ich hier ganz deutlich sagen:
mit 540 Millionen DM vorgelegt. Die CDU/CSU hatte wir von der Union unterscheiden uns von den Koali-
den Mut — d. h. die Abgeordneten Frau Dr. Probst, tionsparteien dadurch, daß wir den Kriegsopfern
Maucher usw. , den Antrag zu stellen, mehr Priorität zubilligen wollen.
(Abg. Dr. Rutschke: Aber nicht die CDU, (Beifall bei der CDU/CSU. — Zurufe von
sondern Frau Probst!) der SPD. — Abg. Wehner: Unverschämt
sind Sie! — Große Unruhe.)
1,050 Milliarden DM.
(Abg. Dr. Rutschke: Aber nicht Sie, Maucher!) Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege,
gestatten Sie eine Zwischenfrage?
Und nun, meine verehrten Damen und Herren,
hören Sie gut zu und vergleichen Sie die Zahlen, Maucher (CDU/CSU) : Man kann nicht den
die ich Ihnen jetzt sage! Die Sozialdemokraten Kriegsopfern sagen: Wir haben kein Geld, wir kön-
haben damals einen Antrag von genau 2 Milliarden nen nicht mehr geben. Es ist in der Tat so, daß man
DM gestellt. Hören Sie weiter zu: Die Freien Demo- eben überlegen muß, wo, auf welchem Gebiet, man
kraten haben einen Antrag von 2,945 Milliarden DM, einspart. Es war kein Wahlversprechen von Hans
also fast 3 Milliarden DM, gestellt. Das war sechs- Katzer, sondern es stand im Wahlprogramm, daß die
mal soviel, wie in der Regierungsvorlage, und drei- Kriegsopferversorgung vorrangig ist. Das wollen
mal soviel, wie in der CDU-Vorlage vorgesehen wir mit unserem Antrag erfüllen. Da fühlen wir uns
waren. gegenüber den Kriegsopfern verpflichtet.
(Hört! Hört! bei der CDU/CSU.) (Abg. Liehr: Wir mußten Sie doch ständig
Und dann wollen Sie behaupten, wir seien unsolide! zur Jagd tragen! — Weitere Zurufe von
der SPD. — Anhaltende Unruhe.)
(Beifall bei der CDU/CSU.)
- Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich
Dazu will ich Ihnen ein Zweites sagen. Wir haben
möchte Ihnen in der Angelegenheit folgendes sagen.
damals im Kriegsopferausschuß entgegen der Re-
Wenn die einzelnen Herren — ob es auf dieser
gierungsvorlage von 540 Millionen DM und gegen-
Seite ist oder auf jener Seite — Herr Kollege
über dem Antrag der CDU/CSU von 1,05 Milliarden
Wehner, denken Sie an die Rede von Garmisch!
DM eine Gesamtsumme von 1,241 Milliarden DM
Herr Kollege Mischnick — er ist nicht da — denke
verabschiedet. Das ist doch ein deutliches Zeichen
an die Rede in der Kongreßhalle! Halten Sie sie
dafür, daß dieses Parlament in der Frage der Kriegs-
nochmals und überlegen Sie — —
opferversorgung nicht immer nur nach den finan-
ziellen Möglichkeiten, sondern auch nach den sach- (Zurufe von den Regierungsparteien. —
lichen Notwendigkeiten gegangen ist. Abg. Wehner: Sie sind ein Mann, der un
wahrhaftig redet, weiter gar nichts sagen
(Beifall bei der CDU/CSU.) Sie!)
Ich darf Ihnen weiter folgendes sagen. Dieses — — Wo habe ich die Unwahrheit gesagt?
Parlament hätte sich damals das zu eigen machen (Abg. Wehner: Soll ich Ihnen mal vor-
sollen, was wir beim Zweiten Neuordnungsgesetz halten, was Ihr Finanzminister gesagt
gemacht haben. Damals hat nämlich der Haushalts- hat? — Gegenrufe von der CDU/CSU. —
ausschuß in 86 Positionen Kürzungen zugunsten der Anhaltende große Unruhe.)
Kriegsopferversorgung vorgenommen — ein Vor-
gang, den wir in diesem Parlament noch nie hatten. Ich habe nichts anderes — —
Nun können Sie nicht sagen: Das sind Anträge, die (Abg. Wehner: Als Dreck geschleudert! —
die CDU stellt, die sind unseriös! Lebhafte Gegenrufe von der CDU/CSU. —
Wenn Sie von der Finanzkraft und den Milliarden Abg. Rasner: Lesen Sie alles durch! —
sprechen, dann müssen Sie an sich auch so ehrlich Unruhe.)
sein, zu sagen, was am Ende die praktische Aus- — Herr Kollege Wehner, ich muß Ihnen jetzt be-
wirkung ist. Dazu sage ich Ihnen folgendes. Wenn stätigen, daß Sie vor einem Schwerbeschädigten,
Sie den Anteil des Kriegsopferhaushaltes in das Ver- der hier spricht, nicht allzuviel Respekt haben.
hältnis zum Gesamthaushalt setzen, dann bekommen (Langanhaltender, lebhafter Beifall bei der
Sie ein anderes Bild. Ich kann in der Tat von einem CDU/CSU. — Pfui-Rufe von der CDU/CSU.
Mann, der 1000 DM verdient, mehr verlangen als — Zunehmende Gegenrufe von der SPD.)
von dem, der 500 DM verdient. Ich kann auch mehr — Ich überlege mir sehr genau, wenn ich irgend -
Steuern verlangen. etwas sage, daß ich das dann überlegt sage.
Deshalb kann ich jetzt nicht sagen: Damals wur- Ich darf abschließend feststellen, daß wir wohl
den diese Milliarden bezahlt! Ich muß vielmehr den stundenlang über die ganze Problematik reden
Kriegsopferhaushalt in das Verhältnis zum Gesamt- könnten.
haushalt setzen. Herr Kollege Schellenberg, rechnen (Fortgesetzte Zurufe aus den hinteren
Sie einmal! Dann werden Sie feststellen, daß die Bänken der SPD.)
Zahl von 7,5 % seit 1950 oder 1955, als es 13 % — Wenn Sie so unruhig sind, meine Verehrten, dann
waren, erheblich gesunken ist. Ich bin der Meinung, ist mir das ein Zeichen, daß Sie ein schlechtes Ge-
daß wir diesen Tatbestand mit sehen müssen. wissen haben.
(Zuruf von der SPD.) (Beifall bei der CDU/CSU.)
774 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Maucher
Die Stimmen von draußen, — Sie können darüber schlag, den Sie gemacht haben, von 1,1 Milliar-
mit manipulierten Zahlen nicht hinwegtäuschen! den DM auf 1,23 Milliarden DM.
Man kann nicht sagen: Die Witwen kriegen 25 % (Abg. Liehr: Alles unsolide!)
mehr, —
Meine Damen und Herren., als neuem Abgeord-
(Widerspruch von der SPD.) neten in diesem Hause erscheint mir der Streit,
— Jawohl. der hier von der CDU/CSU-Seite über die Priorität,
die die Kriegsopferversorgung in den jeweiligen
(Zurufe von der SPD: Stimmt ja nicht! —
Programmen hat, angefangen worden ist,
Das ist doch keine Manipulierung!)
(Widerspruch bei der CDU/CSU)
— Sehen Sie, wie Sie sofort erregt werden. — Ich
darf feststellen, daß 345 000 Witwen den Schadens- lächerlich, um das einmal ganz klar zu sagen.
ausgleich erhalten, und darf feststellen, daß hier in (Abg. Rasner: Eine schöne Vokabel! —
dem Finanzbericht eine Einsparung von 80 Millio- Zuruf der Abg. Frau Kalinke.)
nen — rund — zu Lasten der Witwen erfolgt. Denn
Ich kann mich an das halten, was programmatisch
diejenigen, die Schadensausgleich bekommen, be-
im Regierungsprogramm und in der Regierungser-
kommen den Betrag bei der Grund- und Ausgleichs-
klärung gesagt worden ist, und an das, was diese
rente zu vier Zehnteln angerechnet. Das muß man
Regierung zu tun bereit ist.
sagen.
(Beifall bei der CDU/CSU. — (Abg. Dr. Stark [Nürting] : Steuersenkungen
Zurufe von der SPD.) in Höhe von i Milliarde DM!)
Man kann nicht der Öffentlichkeit sagen: 20 % In der ersten Lesung hat der Kollege Katzer, um
mehr. — Wahr ist: für die Beschädigten, Waisen, die Bedenken zu zerstreuen,
Eltern 16 % mehr. Es ist unsere Auffassung, daß (Zuruf von der CDU/CSU: Frechheit!)
man das den Kriegsopfern gegenüber nicht ver-
die die Verbände geäußert haben, daß sich die
antworten kann.
jungen Leute in diesem Parlament vielleicht nicht
(Lebhafter Beifall bei der CDU/CSU.) mehr wie bisher für die Kriegsopferversorgung ein-
setzten, gesagt, er spreche sicherlich auch im Namen
der neuen Abgeordneten. Die Kriegsopferversor-
Vizepräsident Frau Funcke: Das Wort hat der
gung ist für uns — ich kann das sicher im Namen
Abgeordnete Dr. Nölling.
all derer, die angesprochen worden sind, sagen —
eine ganz ernste Verpflichtung.
Dr. Nölling (SPD) : Frau Präsidentin! Meine (Beifall bei der SPD. — Zuruf von der
Damen und Herren! Ich glaube, es kann in dieser CDU/CSU. — Abg. Frau Kalinke meldet
dritten Lesung dieses wichtigen Gesetzes nicht in sich zu einer Zwischenfrage. —
erster Linie — — Abg. Wehner: Keine Fragen zulassen!)
(Zurufe von der CDU/CSU: Zweite Lesung!) Wir wundern uns nur, daß die CDU/CSU, die nun
— Gut, ich berichtige mich: in dieser zweiten mehr in der Opposition ist, mit einer bisher nicht ge
Lesung; ich bin Ihnen dankbar für den Hinweis kannten Großzügigkeit für die Kriegsopfer eintritt.
schon am Anfang. (Beifall bei den Regierungsparteien. — Zu
(Heiterkeit bei der SPD.) rufe von der CDU/CSU.)

Es kann in dieser wichtigen zweiten Lesung dieses


Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege Dr.
Gesetzes nicht darum gehen: wer bietet aus sehr
Nölling, gestatten Sie eine Zwischenfrage?
durchsichtigen Gründen kurz vor Weihnachten
mehr?,
Dr. Nölling (SPD) : Wir wundern uns, daß die
(Beifall bei der SPD — Widerspruch von
CDU/CSU nun auf einmal ihr Herz für die Kriegs-
der CDU/CSU — Abg. Dr. Götz: Herr
opfer entdeckt hat. Sie hatte 20 Jahre lang Zeit dazu.
Minister Arendt, Weihnachtsgeld!)
(Beifall bei den Regierungsparteien.)
sondern es geht alleine darum, wie die „harten
Daten" sind. Das hat Ihr Kollege Burger in der
ersten Lesung gesagt. Wir müssen die Steigerungen, Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege,-
die Verbesserungen des Kriegsopferrechts in einem gestatten Sie eine Zwischenfrage?
Gesamtzusammenhang sehen und alle Faktoren ins
Kalkül mit einbeziehen. Dr. Nölling (SPD) ; Ich frage mich, wie glaub-
würdig ist eine Opposition, von der der Oppositions-
Nun ein Wort zu der Frage, ob Ihre Berechnungen
führer — —
unsolide sind oder nicht. Der Abgeordnete Katzer
(Glocke des Präsidenten.)
hat in der ersten Lesung gesagt, die Begründung
Ihrer Forderungen sei solide durchgerechnet. Wir
haben uns diese Begründung angesehen und mußten Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege, ich
feststellen, daß 120 Millionen DM einfach vergessen habe Sie schon zweimal gefragt, ob Sie eine Zwi-
worden waren. Dadurch erhöhte sich der Voran- schenfrage gestatten. Sie haben jetzt im Augenblick
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 775
Vizepräsident Frau Funcke
nicht das Wort. Ich bitte, mir zunächst meine Frage Meine Damen und Herren, Sie haben dem ja nie
zu beantworten. widersprochen,
(Abg. Rasner: Er ist so nervös!) (Beifall bei den Regierungsparteien — Fort
gesetzte Pfui-Rufe von der CDU/CSU)
was Herr Schmücker gesagt hat.
Dr. Nölling (SPD) : Ich hatte mich sehr darauf
gefreut, Zwischenfragen zu beantworten, weil sie (Abg. Rösing: X-mal widersprochen! —
die Diskussion ungemein beleben. Ich bin aber der Weiterhin anhaltende Pfui-Rufe von der
Auffassung, daß die Praxis, die Sie hier vorexer- CDU/CSU.)
ziert haben, es mir jetzt nicht gestattet, auf Zwi- Daß Sie die Aufwertung nicht gewollt haben, ist doch
schenfragen einzugehen. während dieser sechs Wochen in den Debatten hier
(Beifall bei den Regierungsparteien. — Zu deutlich geworden.
ruf von der CDU/CSU: Wenn Sie Ihnen un (Beifall bei der SPD. — Anhaltende Unruhe.)
bequem sind, dann nicht!)
Ich möchte etwas zu der Erhöhung der Geldleistun-
Diese Anpassung, über die wir heute sprechen, gen sagen.
war dringend notwendig.
(Anhaltende Pfui-Rufe von der CDU/CSU. —
(Abg. Rasner: Nicht so nervös, Herr Kollege!) Rufe von der CDU/CSU: Aufhören! —
Große Unruhe.)
— Ich weiß nicht, wie Sie reagiert haben, als Sie
zum erstenmal gesprochen haben. Warum haben der damalige Bundesarbeitsminister
Katzer und der Bundesfinanzminister im März, im
(Zurufe von der CDU/CSU: Besser!)
Frühjahr nicht voraussehen können,
Ich bin gar nicht nervös; ich bin außerordentlich ru- (fortgesetzte Zurufe von der CDU/CSU)
hig.
(Lachen bei der CDU/CSU.) in welch starkem Maße die Renten der gesetzlichen
Rentenversicherung bis zum Jahre 1969 und über
Diese Anpassung, die wir alle für notwendig halten, diese Jahre hinaus angehoben sein würden? Heute
kann aber nicht, wie die Opposition offenbar an- sagt er: Warum berücksichtigt ihr dieses Datum
nimmt, in einem luftleeren Raum stattfinden. Des- nicht? Warum hat er es nicht im Frühjahr berück-
halb hat ja die Bundesregierung einen Bericht zu sichtigt, als er selbst noch in der Verantwortung war?
§ 56 des Bundesversorgungsgesetzes vorgelegt. Wir
haben bei unseren Entscheidungen die Daten, die in (Zurufe von der CDU/CSU.)
diesem Bericht stehen, berücksichtigt. Dieser Bericht - Das hat mit unseren Genossen nichts zu tun!
beschränkt sich nach dem Willen des Gesetzgebers Die Maßstäbe, die wir für die Erhöhung des Ge-
von damals ausdrücklich auf die volkswirtschaftli- samtvolumens des Kriegsopferhaushaltes angelegt
chen und finanzpolitischen Entwicklungen in den haben,
letzten drei Jahren. (Abg. Rasner: Sind zu klein!)
Meine Damen und Herren von der CDU/CSU, hier sind nicht willkürlich gewählt worden.
möchte ich — wie es auch der Kollege Katzer in der
ersten Lesung getan hat noch einmal auf die Ver- (Zurufe von der CDU/CSU.)
zahnung von Wirtschafts- und Sozialpolitik zu spre- Ich möchte Ihnen hierfür drei Hinweise geben: Die
chen kommen. In diesen letzten drei Jahren, auf die Anhebung des Gesamtvolumens ist höher als die
sich der Bericht bezieht, hat es zwei von Ihnen zu Bruttolohn- und -gehaltsentwicklung in diesem Zeit-
verantwortende wirtschaftliche Ereignisse gegeben, raum.
die den Handlungsspielraum in der Sozialpolitik
(Zurufe von der CDU/CSU: Das ist ja gar
ganz beträchtlich eingeengt haben und die die Situa-
nicht wahr! – Das stimmt gar nicht!)
tion der Kriegsopfer — namentlich in diesem Jahre
— ganz besonders beeinträchtigt haben. Ich meine, — Das stimmt!
die von Ihnen 1967 gewollte Rezession (Zuruf von der CDU/CSU: Davon versteht
(Beifall bei den Regierungsparteien — er nichts!)
Widerspruch und lebhafte Pfui-Rufe von Lesen Sie doch bitte den Kriegsopferbericht; Sie
der CDU/CSU — Abg. Rasner: Ihre Steuer haben doch inzwischen Zeit dazu gehabt. Der Ein-
senkungen!) wand, daß Sie ih n erst vor einer Stunde bekommen -
und die von Ihnen im Jahre 1969 nicht gewollte Auf- hätten, stimmt doch nicht mehr.
wertung. (Fortgesetzte Zurufe von der CDU/CSU.)
(Beifall bei den Regierungsparteien.) Diese Steigerung des Gesamtvolumens entspricht
Ich brauche nichts dazu zu sagen, was diese Rezes- zweitens fast genau der Steigerung der Gesamt-
sion im Jahre 1967 bedeutet hat. ausgaben des Bundes. Und drittens: Diese Steige-
rung bleibt nur sehr knapp hinter der Zunahme des
(Anhaltende Pfui-Rufe von der CDU/CSU.
Bruttosozialproduktes in diesem Zeitraum zurück.
Abg. Rasner: Herzliches Beileid! — Zu-
rufe von der CDU/CSU: Aufhören! — Große Meine Damen und Herren, einiges zu Ihrer Hal-
Unruhe.) tung in der Frage der Dynamisierung. Es ist sehr
776 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Dr. Nölling
interessant, innerhalb von 14 Tagen gewisse Wand- sondern in der Form: „Hier wird mit Dreck geschleu-
lungen Ihrer führenden Sozialpolitiker zu dieser dert."
Frage feststellen zu können. In Berlin war im Aus- (Abg. Rasner: Ach nein! — Zuruf von
schuß folgendes zu vernehmen: man sei überrascht, der CDU/CSU: Das ist dialektisch! —
daß die Frage überhaupt auf den Tisch gekommen Weitere Zurufe von der CDU/CSU.)
sei. Man sagte darüber hinaus, es war der Herr Kol-
Meine Herren und Damen, ich halte solcherlei Aus-
lege Ruf, man betrachte in der CDU die Zeit noch
drücke und Zwischenrufe nicht für qualifiziert und
nicht als reif für eine Dynamisierung. Heute morgen
wäre dem gesamten Hause dankbar — das gilt für
hören wir zu unser aller Überraschung, nun sei die
alle Seiten —, wenn wir dem Thema gerecht wür-
Dynamisierung in der von uns vorgeschlagenen
den, um das es heute geht.
Form eine Selbstverständlichkeit für Sie.
(Beifall. — Abg. Rasner: Gut zuhören, Herr
(Abg. Dr. Stark [Nürtingen] : Der Finanz Wehner!)
minister hat gesagt, er habe genügend Geld!
Deshalb unser Einlenken!) Bitte schön, Herr Kollege!

Meine Damen und Herren, was die Dynamisierung


bringt, ist sehr einleuchtend. Aber hier vielleicht Dr. Nölling (SPD) : Frau Präsidentin, ich darf
noch einiges zu der CDU, zu ihrem Berliner Pro- Ihnen dafür sehr danken. Ich hoffe sehr, daß dies
gramm, zu ihrem Wahlprogramm und ihrer Druck- zu einer Abkühlung bei Ihnen von der CDU beige-
sache vom 23. November 1969. In diesen drei Doku- tragen hat.
menten haben Sie sich nicht dazu durchringen kön- (Entrüstete Zurufe von der CDU/CSU. —
nen, mit der Diskriminierung der Kriegsopfer auf Abg. Rasner: Wir sind doch nicht bei der
diesem Gebiet Schluß zu machen. APO! — Ein Teil der Abgeordneten der
CDU/CSU schickt sich an, den Saal zu
(Beifall bei den Regierungsparteien. —
verlassen.)
Lebhafte Pfui-Rufe von der CDU/CSU.)
Meine Damen und Herren, warum betonen wir So-
Mit Ihrem Vorschlag wäre genau jedes Jahr, von zialdemokraten und Freien Demokraten
Jahr zu Jahr, die Auseinandersetzung in diesem
Parlament über dieses Problem wiederholt worden. (Abg. Rasner: Wir sind doch hier nicht von
der APO! — Anhaltende lebhafte Zurufe
(Zurufe von der CDU/CSU: Raus! — Wei von der CDU/CSU)
tere Zurufe.)
diese Bedeutung der Dynamisierungsklausel so
Wir sind der Meinung, daß die Kriegsopfer dafür außerordentlich?
zu schade sind, (Zurufe von der CDU/CSU: Aufhören!)
(lebhafter Beifall bei den Regierungspar Warum sind wir der Meinung, daß die Dynamisie-
teien — anhaltende Zurufe von der CDU/ rung so unerläßlich notwendig war
CSU)
(weiter anhaltende lebhafte Zurufe von der
jedes Jahr erneut in diese Diskussion gezogen zu CDU/CSU — Abg. Rasner: Wir sind doch
werden. nicht von der APO!)
und einen tatsächlichen Fortschritt in unserer Sozial
Vizepräsident Frau Funcke: Herr Kollege Dr. ordnung bedeutet? Ich möchte drei Gründe nennen.
Nölling, einen Augenblick.
Erstens wird die Diskriminierung der Kriegsopfer
Meine Herren und Damen, mir scheint das Thema ein für allemal beseitigt. Auch für sie gilt nun, daß
einfach zu ernst zu sein, in regelmäßigen jährlichen Abständen mit einer
(Sehr gut! bei der CDU/CSU) Anhebung ihrer Leistungen gerechnet werden kann.

als daß es die Reaktion und die Aktion in diesem Zweitens. Die Steigerungsraten, um die es geht,
sind schon jetzt bis zum Jahre 1973 absehbar.
Hause
(Zuruf von der CDU/CSU: Umgekehrt!) Drittens. Das Hin und Her zwischen Kriegsopfer
verbänden, Bundestag und Regierung hat in bezug
rechtfertigt. Meine Herren und Damen, die Erre- auf die laufenden Anpassungen nunmehr ein Ende. -
gung und der Anlaß der Erregung liegen auf beiden Das braucht auf keinen Fall zu bedeuten — und ich
Seiten des Hauses. Ich habe mir soeben das Proto- greife hier einen Beitrag auf, den es heute gegeben
koll mit jenem Zwischenruf geben lassen, der zu hat —, daß mit dieser Dynamisierung Rückstände
einer besonders großen Aufregung geführt hat. Das dynamisiert würden. Das ist sowieso nicht richtig,
Wort „Dreckschleuder" ist, soweit ich das feststellen und das wissen Sie auch ganz genau; denn es finden
konnte, nicht gefallen. ja in diesem Falle wiederum erhebliche strukturelle
(Zurufe von der CDU/CSU: Ach nein! — Verbesserungen statt. Wenn sich die wirtschaftliche
Fragen Sie doch!) Lage und die haushaltspolitische Lage weiter kon-
solidieren, warum soll dann nicht auch in Zukunft
- Es ist nicht im Substantiv gefallen, in diesem Parlament über weitere Verbesserungen
(Abg. Rasner: Ach nein!) gesprochen werden können?
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 777

Dr. Nölling
Meine Damen und Herren, ich möchte ausdrücklich Maß hinaus Anträge gestellt, sowohl die Erhö-
den Vertretern der Kriegsopferverbände, die im Aus- hung für das Jahr 1970 betreffend als auch die
schuß sehr fundiert mitgearbeitet und Anregungen sich daraus ergebenden Konsequenzen bei der Dy-
gegeben haben, für diese Mitarbeit danken. namisierung des § 56 für die nachfolgenden Jahre.
Wie ist die Wirklichkeit? Es hat in den Jahren seit
(Beifall bei den Regierungsparteien.)
1950 noch nie eine solche wirtschaftliche Entwick-
Ich möchte eine Anregung an den Herrn Bundes- lung wie in diesem Augenblick gegeben, die auch zu
arbeitsminister geben. Wie Sie wissen, enthält die so hohen Steuereinnahmen geführt hat. Diese
neue Fassung des § 56 keine Verpflichtung für die Steuereinnahmen, meine sehr verehrten Damen
Bundesregierung, in Abständen von einem oder und Herren von der Sozialdemokratischen Partei
zwei Jahren einen Bericht vorzulegen. Vielleicht — und darüber streiten wir mit Ihnen —, in der
kann der Bundesarbeitsminister darauf hinwirken, richtigen Reihenfolge zurückzuverteilen, das ist un-
daß in gewissen Abständen trotzdem dieser Bericht ser Anliegen, und da waren die Kriegsopfer für uns
vorgelegt wird. die Nummer eins.
Meine Damen und Herren von der Opposition, ich (Lebhafter Beifall bei der CDU/CSU.)
darf schließen, indem ich an Sie appelliere,
Wenn es wahr ist — ich entnehme das dem
(Zurufe von der CDU/CSU: Sie und appel Bericht der Bundesregierung —, daß das Brutto-
lieren!! — Weitere Zurufe und Lachen bei sozialprodukt von 1966 bis 1969 nominal um 22,4 %
der CDU/CSU) gestiegen ist, wenn die gesamtwirtschaftliche Pro-
entsprechend Ihren früheren Äußerungen, als Sie duktivität — reales Bruttoinlandsprodukt je Er-
noch in der Regierung waren, mit uns alles daran- werbstätigen — um 17,2 % zugenommen hat, wenn
zusetzen, die Ausgaben des öffentlichen Gesamthaushalts um
(Abg. Rasner: Mit Ihnen bestimmt nicht!) 18,8 % zugenommen haben und die Bruttolohn-
und -gehaltssumme je abhängig Beschäftigten seit
daß der Soziale Fortschritt und daß soziale Gerech- 1966 um 19,7 % angestiegen ist, dann ist das, was
tigkeit in diesem Land mit wirtschaftlicher Stabili- Sie mit 16 % den Kriegsopfern zumuten, fürwahr
tät und haushaltspolitischer Solidität vereinbart ein ganz kümmerlicher Beitrag zur Befriedung der
werden können. sozialen Verhältnisse in der Bundesrepublik.
(Langanhaltender lebhafter Beifall bei den (Beifall bei der CDU/CSU. — Vorsitz:
Regierungsparteien.) Präsident von Hassel.)

Vizepräsident Frau Funcke: Meine Herren


und Damen, das war eine Jungfernrede. Präsident von Hassel: Herr Abgeordneter, ge-
statten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten
(Beifall bei den Regierungsparteien. —
Jung.
Abg. Rasner: Der APO! — Lebhafte Pfui-
Rufe von der CDU/CSU. - Abg. Rasner:
Das war keine schöne Jungfrau!) Franke (Osnabrück) (CDU/CSU) : Bitte sehr!
Ich möchte dem Hause wünschen,
(Zuruf von der CDU/CSU: — daß sich Jung (FDP) : Herr Kollege Franke, ist Ihnen be-
das nicht wiederholt!) kannt, daß es der Finanzminister der früheren
Koalitionsregierung verabsäumt hat, die mittel-
daß wir so viele freie Sprecher haben, aber ich fristige Finanzplanung in allen Teilen fortzuschrei-
möchte zugleich wünschen, daß der Sprecher beim ben, so daß sich die neue Regierung nun in die
nächstenmal eine bessere Zuhörerschaft im Hause Lage versetzt sieht, die Dinge, die dort versäumt
sich verschafft. wurden, nachholen zu müssen?
(Beifall bei den Regierungsparteien.)
Das Wort hat der Abgeordnete Franke. Franke (Osnabrück) (CDU/CSU) : Verehrter Herr
Kollege Jung, im Frühjahr 1969 war mit einer sol-
Franke (Osnabrück) (CDU/CSU) : Frau Präsiden- chen Prosperität, wie sie dann wirklich eingetreten
tin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich ist, trotz der Weissagungen eines Professor Schiller
glaube, nicht einmal eine Jungfernrede berechtigt nicht zu rechnen.
zu solchen Ausfällen.
(Zurufe von der FDP.) -
(Beifall bei der CDU/CSU.)
Das, meine Damen und Herren, hat uns dann letzt-
Der Kollege Dr. Nölling, von mir sehr geschätzt als lich veranlaßt, schon in der Mitte des .Jahres — und
Nachfolger von Peter Blachstein in diesem Hause, unser damaliger Arbeitsminister Katzer im Sep-
hat es nach meiner Auffassung nicht nötig, in solch tember — dafür einzutreten, von dem damaligen
polemischer und unsachlicher Form hier seine Dar- Finanzminister 20 % zu fordern. Sie können sich
stellung von sich zu geben. darauf verlassen, meine Damen und Herren, hätten
(Beifall bei der CDU/CSU.) wir die Regierung gebildet, wären wir mit diesen
20 % oder 22 % an die Öffentlichkeit getreten.
Herr Professor Schellenberg hat uns am Anfang
seiner Rede der Unseriosität bezichtigt und hat ge- (Beifall bei der CDU/CSU. - Lachen bei
sagt, wir hätten über das vertretbare finanzielle den Regierungsparteien.)
772 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Franke (Osnabrück)
Herr Professor Schellenberg, Sie haben uns der Ich stelle zweitens fest, daß es die FDP-Fraktion
Unseriosität bezichtigt. Ich darf die Zahlen wieder- — damals in der Opposition — und die SPD-Frak-
holen und ergänzen, die mein Freund Maucher tion waren, die die Wiederherstellung des § 56 in
Ihnen hier eben genannt hat. In der 3. Legislatur- diesem Hause erreichten.
periode hat z. B. die Fraktion der FDP mit der Druck- (Beifall hei den Regierungsparteien.)
sache 962 am 3. April 1959 den Entwurf eines Ge-
Damit die Dinge deutlich werden und alles auf
setzes eingebracht, der ein Volumen von 2,95 Mil-
dem Tisch liegt, stelle ich als Drittes fest, daß das,
liarden DM hatte, und die Fraktion der SPD am
was Herr Katzer, der Arbeitsminister Ihrer Fraktion,
27. Oktober 1959 einen Entwurf mit 2 Milliarden
im Frühjahr für 1970 wollte, 680 Millionen DM wa-
DM. Der Ausschuß hat dann die Anträge von Frau
ren,
Dr. Probst und Genossen aus der CDU/CSU-Fraktion
(Hört! Hört! bei der FDP)
ergänzt und auf 1214,4 Millionen DM erweitert.
Meine Damen und Herren, was jetzt durch diese daß Herr Strauß diesen Betrag auf 545 Millionen
Kleine Koalition eingeführt worden ist — seit 1949 DM heruntergesetzt hat und daß Herr Katzer ihn
zum ersten Mal — ist, daß sie die 938 Millionen DM, zwei Tage vor der Wahl auf 908 Millionen DM her-
die ihr der Finanzminister bewilligt hat, nicht um aufsetzte, während der Vorschlag, den wir heute hier
eine einzige Mark erhöht hat, sondern sich an dieses verabschieden, ein Volumen von 938 Millionen DM
Limit gehalten hat. für 1970 beinhaltet.
Verehrter Herr Kollege Schellenberg, die Zahlen, (Abg. Dorn: Das ist das Problem der Glaub
die ich Ihnen hier soeben aus dem Kriegsopfer würdigkeit in diesem Hause!)
bericht vorgelesen habe und die eindeutig dar- Herr Kollege Maucher hat erklärt, es sei kein
stellen, daß sowohl das Bruttosozialprodukt wie Wahlversprechen gewesen, daß man am 26. Septem-
abe r auch die Renten seit der vergleichbaren Zeit, ber plötzlich mit 900 Millionen DM vor die Wähler
nämlich seit 1966, um 24,4 % gestiegen sind, zeigen trat. Stellen Sie sich doch einmal selbst die Frage,
klar, daß Ihre 16 % der Notwendigkeit zur Her- ob der Zeitpunkt des 26. September vom damaligen
stellung sozialer Gerechtigkeit nicht entsprechen. Arbeitsminister nicht allein deshalb gewählt wurde,
(Beifall bei der CDU/CSU. — Zurufe von weil der Finanzminister bis zum 28. nicht mehr Ein-
der SPD: Warum bleiben Sie nicht bei der spruch erheben konnte und so die Dinge am 28.
Wahrheit? Es sind 20,6 %!) noch im Raum standen; denn im Frühjahr hatte er ja
Einspruch erhoben und den Betrag herabgesetzt.
Meine Damen und Herren, Sie können mit noch
(Beifall bei den Regierungsparteien. — Abg.
so vielen verbalen Attacken — und so verstehe ich
Franke [Osnabrück]: Herr Schmidt, das war
auch die Attacke, die mein Kollege Dr. Nölling hier
schwach!)
gerade produziert hat — nicht vernebeln, daß Sie
ein schlechtes Ergebnis für unsere Kriegsopfer jetzt — Das ist eine Frage der Beurteilung, Herr Kollege
auf den Tisch legen. Das, meine Damen und Herren, Franke. Ich erinnere mich, was ich, der ich zu diesen
werden wir Ihnen hier und draußen in der Öffent- Fragen ja häufig schon von hier aus gesprochen ha-
lichkeit noch mehr als einmal vorhalten. be, schon für Reden hier gehört habe, beispiels-
weise als der Kollege Maucher seinerzeit verzwei-
(Lebhafter Beifall bei der CDU/CSU.)
felt versuchte, den Bundeskanzler und den Bundes-
finanzminister in den Anpassungsfragen von dieser
Präsident von Hassel: Das Wort hat der Ab- Stelle aus zu decken, als es damals um den § 56 und
geordnete Schmidt (Kempten). dergleichen ging. Erinnern Sie sich noch, Herr Kol-
le Maucher?
Schmidt (Kempten) (FDP) : Herr Präsident! Meine (Zurufe von der CDU/CSU.)
sehr geehrten Damen und Herren! Nachdem der — Ich habe damals gekämpft, wir haben damals ge-
Kollege Maucher und jetzt auch der Kollege Franke kämpft, Herr Kollege Burger.
ein bißchen Geschichtsforschung betrieben haben
(Abg. Dr. Götz: Jetzt sind Sie müde?)
(Abg. Stücklen: „Wort zum Sonntag"!)
— Ach, gar kein Grund, Herr Kollege Götz. Wie
und versucht haben, die Priorität der CDU/CSU in das aussieht, haben wir ja am vorigen Freitag ge-
diesen Fragen deutlich zu machen, möchte ich Herrn sehen.
Kollegen Maucher und vielleicht auch Sie, Herr Aber lassen Sie mich zum Schluß kommen, meine
Kollege Franke, nur in einigen Dingen ergänzen Damen und Herren. Ich stelle noch einmal fest
-

und das sagen, was Sie vergessen haben. das ist die lezte Feststellung für meine Freunde — :
Weil Sie hier so sehr viel von der Priorität spre- bei der Verabschiedung dieses Gesetzes heute ist
chen, möchte ich hier im Hause von dieser Stelle aus für uns die Tatsache entscheidend, daß wir mit dem
noch einmal feststellen, erstens daß es der von der heutigen Beschluß erreichen, daß die Kriegsopfer im
CDU/CSU gestellte Bundeskanzler und der von der gleichen Maße Anpassungen erhalten wie die Ren-
CDU/CSU gestellte Finanzminister waren, die sich tenempfänger, in gleichen Prozenten.
gegen jede weitere Anpassung in der Kriegsopfer- (Abg. Franke [Osnabrück] : Das stimmt nicht,
versorgung wehrten, als Sie den § 56 nicht mehr im Herr Schmidt! — Abg. Ruf: Unbelehrbar! —
Bundesversorgungsgesetz haben wollten. Abg. Franke Franke [Osnabrück] meldet
(Beifall bei den Regierungsparteien.) sich zu einer Zwischenfrage.)
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 779
Schmidt (Kempten)
— Jetzt kommen Sie wieder mit dem Nachholbe- — Genau, wir werden abstimmen.
darf. Dann werde ich Ihnen wieder den Herrn Dazu eine Feststellung. Eben weil es eine zu-
Strauß und den Herrn Katzer zitieren und fragen, kunftsentscheidende Aufgabe ist, die Kriegsopfer
wo Ihr Nachholbedarf im Frühjahr war, Herr Kolle- völlig gleichzustellen, und weil die Dynamisierung
ge Franke. und die Festlegung der Mittel für die nächsten
(Beifall hei den Regierungsparteien.) Jahre notwendig ist, deshalb haben wir uns im
Ausschuß zu dem Ihnen vorliegenden Gesetzent-
Präsident von Hassel: Gestatten Sie eine wurf entschlossen und deshalb werden wir Ihre An-
Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Franke? träge ablehnen. Wir werden der Dynamisierung, der
Bitte! Sie ja auch zugestimmt haben, im Interesse der
Kriegsopfer den Vorrang vor vielleicht anderen
Franke (Osnabrück) (CDU/CSU) : Herr Kollege Möglichkeiten in den nächsten Jahren geben.
Schmidt, Ihnen ist doch auch bekannt, daß seit 1966 (Beifall bei den Regierungsparteien.)
die Renten um 24,4 % gestiegen sind. Sind sie nicht
bereit, zuzugeben, daß die 16 % immerhin doch Präsident von Hassel: Das Wort hat der Ab-
8,4 % weniger sind als die 24,4 % für die Rentner? geordnete Böhme.
(Beifall bei der CDU/CSU. — Zurufe von
der FDP.) Dr. Böhme (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine
sehr verehrten Damen, meine Herren! Ich möchte
Schmidt (Kempten) (FDP): Herr Kollege Franke, noch einige wenige Worte zur Anpassungsformel
ich nehme doch an, daß auch Ihrem damaligen sagen. Die CDU hat in der Ausschußtagung deshalb
Finanzminister und dem damaligen Arbeitsminister so zögerlich zu diesen Dingen Stellung genommen,
die Entwicklungen bis zum Frühjahr 1969 bekannt Herr Professor Schellenberg, weil sie sich mehr an
waren, als sie von 15 und von 12 % sprachen. die Absprache gehalten hat, vermögenswirksame
Ausgaben, soweit sie über das, was schon auf dem
(Beifall bei den Regierungsparteien. — Tisch lag, hinausgingen, erst in der zweiten und
Abg. Rasner: Wir reden von heute!) dritten Lesung zu beraten, zum anderen auch des-
— Ja, das ist es eben. Aber die Geschichtsforschung halb, weil sie die notwendige Anpassung, die die
haben Sie ja angefangen — nicht Sie, Herr Kollege Kriegsopfer erst in die gleiche Lage versetzt wie die
Rasner, aber der Kollege Maucher —, und da muß Rentner, an deren Rentenanpassungsformel die Lei-
man schon ein wenig Parallelen ziehen. stungen ja angepaßt werden sollen, an erster Stelle
für erforderlich hielt.
1 Präsident von Hassel: Gestatten Sie noch eine Nun sagen Sie, zur Zeit sei eine volle Angleichung
Zwischenfrage des Abgeordneten Wolf? — Bitte! an die für die Rentner gültige Regelung nicht mög-
lich; unser Haushalt halte in diesem Jahre nur 938
Wolf (SPD) : Herr Kollege, sind Sie bereit, dem Millionen DM aus.
Herr Kollegen Franke vorzuhalten, daß gerade der Ich muß aber doch fragen, ob man wirklich, um
Altkanzler Dr. Erhard in Ulm gegen die Dynami- einen Haushalt in Ordnung zu halten, zu dem
sierung der Rente war? Er hat dort gesagt — ich einen gerechter sein kann als zu dem anderen.
darf das hier in Erinnerung rufen —: Ich glaube, Gerechtigkeit darf nie zu teuer sein.
Ich glaube, Sie können die Sozialrenten, die Dazu auch Ihre Zahlen, herr Professor. Sie haben
entstehen auf Grund der Versorgung von Leu- plötzlich die Anträge der SPD- und der FDP-Frak
ten, die zur Zeit ihres Lebens ehrlich gearbeitet tion auf 20,6 % hinaufgerechnet. Sie haben die An
haben, nicht mit einer Kriegsopferrente ver- träge der CDU/CSU-Fraktion auf 28 % hinaufge
gleichen; denn es gibt heute kaum jemanden -- rechnet. Sie haben dabei, möchte ich meinen, die
es gibt solche auch noch, aber die werden be- Strukturveränderungen mit eingerechnet. Sie haben
sonders bedacht. Im Durchschnitt sind doch die gesagt, die Mehranforderungen der CDU würden
Leute, die kriegsversehrt waren, wieder voll ins 7,4 Milliarden DM ausmachen, 1 1 /2 Milliarden mehr
Erwerbsleben eingegliedert, so daß also die als das, was Sie fordern. Sie haben aber nicht ge
Kriegsopferrenten vom moralischen Standpunkt sagt, daß Sie schon in fünf Jahren 5,8 Milliarden
aus, vom Standpunkt des sozialen Notstandes DM fordern. Diesen Unterschied muß man nach den
aus anders zu bewerten sind als die Sozial- heutigen Erklärungen des Herrn Finanzministers
renten. — daß nämlich die Haushaltslücke, die 4
-

Milliarden DM betrug, schon jetzt mehr als aufge


Schmidt (Kempten) (FDP) : Herr Kollege Wolf, füllt sei und daß im nächsten halben Jahr zumindest
ich kann diese Tatsache, die Sie vorgetragen haben, mit erheblichen Steuermehreinnahmen zu rechnen
nur bestätigen und dem Kollegen Franke empfehlen, sei — doch unter einem völlig neuen Aspekt sehen.
das einmal nachzulesen.
Vielleicht sollte man unter diesem völlig neuen
Aber wir wollten ja keine Geschichtsforschung Aspekt, Herr Professor Schellenberg, auch noch ein-
mehr betreiben. Der Kollege Rasner hat soeben die mal die Frage der Kriegsopferversorgung betrach-
Meinung vertreten, daß wir von heute reden und ten, die Frage, ob es nicht richtiger ist, in diesem
in die Zukunft schauen sollten. Falle der Gerechtigkeit ein klein wenig näher zu
(Abg. Rasner: Wir werden abstimmen!) kommen, als es bisher geschehen ist.
780 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Dr. Böhme
Sie haben gesagt, Herr Professor, die Regierung Dr. Böhme (CDU/CSU) : Ich bin beim letzten
und die SPD- und die FDP-Fraktion hätten die Zu- Satz, Herr Präsident. Nachher mag er sich zu Wort
sagen in der Regierungserklärung, nämlich Erhö- melden.
hung, Strukturverbesserung, jährliche Anpassung -- (Beifall in der Mitte. — Zuruf von der SPD:
wie Sie es nannten — nach der Dynamisierung, Mehr als man erwarten darf!)
präzise erfüllt. „Präzise" ; ich habe es mir aufge-
schrieben. Präzise haben Sie nicht erfüllt, wenn Sie Der letzte Satz, meine Damen und Herren, ist fol-
Ihren Gesetzentwurf beschließen. Nein; Sie haben gender. Ich war über die Jungfernrede des Herrn
zuvor die Lücke gelassen. Sie haben die Ungerech- Privatdozenten auch erstaunt.
tigkeit dadurch in die Dynamisierung eingehen (Zuruf von der SPD: Was soll denn das?)
lassen.
Allerdings war ich der Meinung, daß das eigentlich
Nun noch etwas zu Herrn Schmidt. Herr Schmidt, nicht ein Fehler der Zuhörerschaft, sondern einer
Sie sprachen davon, daß die CDU hier eine Schau des Redners gewesen ist.
abziehe. Dazu muß ich sagen: es ist ja relativ
(Beifall bei der CDU/CSU.)
schwer, Ihnen in die Augen zu schauen — wegen
Ihrer Sonnenbrille
(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)
Präsident von Hassel: Meine Damen und Her-
ren! Es liegen keine weiteren Wortmeldungen zu
und deshalb kann ich kaum sehen, ob Sie nicht diesem Änderungsantrag unter Ziffer 1 auf Um-
eine Schau abgezogen haben. Zur Sache als solcher druck 5 vor.
haben Sie nämlich nichts gesagt. Das will ich aus- Wir kommen zur Abstimmung über die Ziffer i
drücklich feststellen. auf Umdruck Nr. 5. Ich darf Sie bitten, daß diejeni-
(Beifall bei der CDU/CSU.) gen, die dieser Ziffer 1 ihre Zustimmung geben, das
Handzeichen geben. — Ich bitte um die Gegenprobe.
Sie haben noch nicht einmal das heute noch vertre- — Enthaltungen? — Ich wiederhole die Abstimmung.
ten, was die FDP in ihrem Wahlkampf für die Wer der Ziffer 1 seine Zustimmung gibt, den bitte
Kriegsopfer tun zu wollen erklärte und was Sie ich um das Handzeichen. — Ich bitte um die Gegen-
selber ein halbes Jahr vorher hier vorgetragen probe.
haben. (Zurufe der Abg. Rasner und Rösing: Das
(Abg. Schmidt [Kempten] meldet sich zu erste war die Mehrheit!)
einer Zwischenfrage.) Es besteht keine Einmütigkeit in der Sitzungs-
— Gleich, Herr Schmidt. — leitung. Wir müssen auszählen.
Meine Damen und Herren, ich gebe das Ergebnis
Ein allerletztes! Herr Privatdozent der Volkswirt- der Abstimmung über den Antrag Umdruck 5 Ziffer 1
schaftslehre, seit wann redet ein Mann, der infolge bekannt. Mit Ja haben gestimmt 211, mit Nein 234
seiner Erfahrung und seiner Ausbildung und seiner Abgeordnete. Keine Enthaltungen. Damit ist Ziffer
Ubersicht eigentlich wissen müßte, wie die Wirt-
1 abgelehnt.
schaft läuft, leichtfertigen Reden nach über die soge-
nannte gewollte Rezession, Bevor wir in der Beratung fortfahren, darf ich
einen Gast auf der Tribüne begrüßen. Dort sitzt zur
(Lebhafter Widerspruch bei der SPD — Abg.
Zeit Herr Minister Professor Comiti, der in der
Wehner: Er hat Herrn Schmücker zitiert,
französischen Regierung für Jugend und Sport ver
weiter nichts!)
antwortlich ist, insbesondere für das Deutsch-Fran-
die von Ihnen ja laufend im Wahlkampf als Rede zösische Jugendwerk. Ich darf Ihnen, Herr Minister
von Herrn Schmücker gebraucht worden ist? die herzlichen Grüße des Deutschen Bundestages
übermitteln.
(Zurufe von der SPD.) (Beifall.)
Wissen Sie nicht, daß Herr Minister Schiller heute Meine Damen und Herren, bevor ich in der Ab-
schon erhebliche Schwierigkeiten hat, die Wirt- stimmung fortfahre, muß ich auf folgendes aufmerk-
schaft zu lenken, nachdem er die Aufwertung so sam machen. Meine Kollegin hat mich darauf hinge-
durchgesetzt hat? wiesen, daß sie in der zweiten Lesung über Art. I
(Lachen bei der SPD.) Nr. 1 der Vorlage Drucksache VI/154 noch nicht ab-
-
gestimmt habe. Ich muß das also nachholen. — Wer
Und noch eins. Sie reden davon, daß die Diskrimi- Art. I Nr. 1 seine Zustimmung geben will, den bitte
nierung der Kriegsopfer von der CDU/CSU gewollt ich um das Handzeichen. — Ich bitte um die Gegen-
sei. Ich glaube, wenn Sie die Sache wirklich objektiv probe. — Enthaltungen? — Einstimmig so beschlos-
betrachten, werden Sie feststellen, daß die Diskri- sen.
minierung doch darin liegt, daß Sie die Kriegsopfer
Wir müssen nunmehr über Art. I Nr. 2 der Vorlage
mit einem niedrigeren Satz in die Dynamisierung
des Ausschusses Drucksache VI/154 abstimmen. Wer
eingehen lassen, als die Rentner ihn haben werden.
Nr. 2 in der vom Ausschuß vorgeschlagenen Fassung
zustimmt, den bitte ich um das Handzeichen. — Ich
Präsident von Hassel: Gestatten Sie eine Zwi- bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — Bei
schenfrage des Abgeordneten Geiger? zahlreichen Gegenstimmen und zahlreichen Enthal-
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 781
Präsident von Hassel
tungen ist die Nr. 2 in der vom Ausschuß vorge- stimmung gestellt werden. Begehrt dazu jemand
schlagenen Fassung angenommen. das Wort? — Das ist nicht der Fall.
Ich rufe Art. I Nr. 3 der Ausschußvorlage Druck- Ich komme zur Abstimmung über Ziffer 3 des
sache VI/154 auf. Dazu liegt ein Änderungsantrag Änderungsantrages auf Umdruck 5. Wer ihr zu-
auf Umdruck 5 Ziffer 2 vor. Wird dazu das Wort stimmt, den bitte ich um das Handzeichen. — Ich
gewünscht? — Das ist nicht der Fall. Ich komme zur bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — Mit
Abstimmung über den Änderungsantrag Umdruck 5 den gleichen Mehrheiten wie vorher abgelehnt.
Ziffer 2. Wer diesem Antrag zustimmt, den bitte ich Ich rufe nunmehr Nr. 7 der Ausschußdrucksache
um das Handzeichen. — Ich bitte um die Gegen- auf. Wer ihr zustimmt, den bitte ich um das Hand-
probe. — Ich bitte um Enthaltungen. — Der Antrag zeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthal-
ist mit dem gleichen Ergebnis wie vorhin bei Ziffer 1 tungen? — Bei Enthaltungen der CDU/CSU ange-
abgelehnt. nommen.
Ich komme dann zur Abstimmung über Art. I Nr. 3 Ich rufe Art. I Nr. 8 der Ausschußdrucksache auf.
der Ausschußvorlage. Wer der Nr. 3 der Ausschuß- Dazu liegt Ihnen unter Ziffer 4 auf Umdruck 5 ein
vorlage zustimmt, den bitte ich um das Handzeichen. Änderungsantrag vor. Es muß jetzt die Frage an
— Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — Herrn Abg. Ruf gestellt werden, ob dazu die nament-
Bei einigen Gegenstimmen und zahlreichen Enthal- liche Abstimmung begehrt wird.
tungen ist Nr. 3 angenommen.
(Zustimmung des Abg. Ruf.)
Ich glaube, Sie sind einverstanden, wenn wir über
die Nrn. 4, 5 und 6 gemeinsam abstimmen. Die namentliche Abstimmung wird also zu dieser
Ziffer 4 des roten Umdrucks begehrt. Ich darf bitten,
(Widerspruch.) daß die Schriftführer ihres Amtes walten.
— Getrennt? Gut. Ich schließe die Abstimmung.
ich rufe Art. I Nr. 4 der Ausschußvorlage auf. Das Meine Damen und Herren, ich mache Ihnen fol-
Wort hat der Abgeordnete Ruf. genden Vorschlag. Ich bitte die Sachkundigen, zu
prüfen, ob wir mit den Abstimmungen fortfahren
können. Oder ist von dieser Abstimmung, die eben
Rui (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine Damen
vollzogen worden ist, der weitere Gang abhängig?
und Herren! Bei Ziffer 4 handelt es sich um die
Ich glaube, nicht. Wir fahren also mit den Abstim-
Erhöhung der Grundrenten für die Beschädigten.
mungen fort. In der Zwischenzeit wird ausgezählt.
Angesichts der Bedeutung dieser Ziffer beantrage
ich im Namen meiner Fraktion namentliche Abstim- Meine Damen und Herren, ich höre eben, daß von
mung. dem Ergebnis dieser Abstimmung doch der weitere
Verlauf abhängt. Wir müssen also zunächst das
Präsident von Hassel: Es ist namentliche Ab- Ergebnis der Abstimmung abwarten.
stimmung begehrt worden. Ich bitte erstens die Ich gebe das Ergebnis der Abstimmung über Zif-
eingeteilten Schriftführer, die Handurnen zur Hand fer 4 des Umdrucks 5 bekannt. Für diesen Ände-
zu nehmen; zweitens, die Auszählplätze vorzuberei- rungsantrag haben 208 Abgeordnete, gegen ihn
ten; drittens bitte ich, daß Sie Ihre Karten — Ja, 227 Abgeordnete gestimmt; keine Enthaltungen. Von
Nein, Enthaltung — holen. den Berliner Abgeordneten haben 6 für den Antrag
(Widerspruch.) und 12 gegen den Antrag gestimmt; keine Ent-
haltungen. Damit ist der Antrag unter Ziffer 4 ab-
— Meine Damen und Herren, die namentliche Ab- gelehnt.
stimmung ist für Ziffer 4 des Änderungsantrages
auf Umdruck 5 begehrt worden. Ich habe aber Nr. 4
Endgültiges Ergebnis:
des Ausschußantrages aufgerufen. Daher erübrigt
sich zunächst einmal die namentliche Abstimmung. Abgegebene Stimmen: 434 und 18 Berliner Abgeordnete
(Abg. Wehner: Blinder Eifer schadet nur!)
Ja: 208 und 6 Berliner Abgeordnete
Ich rufe Art. I Nr. 4 der Ausschußdrucksache auf. Nein: 226 und 12 Berliner Abgeordnete
Wer dieser Nr. 4 seine Zustimmung gibt, den bitte
ich um sein Handzeichen. — Die Gegenprobe! —
Enthaltungen? — Bei Enthaltung der CDU/CSU- Ja Berberich
Berding
Fraktion ist diese Nummer angenommen. CDU/CSU Berger
Bewerunge
Ich rufe dann Art. I Nr. 5 der Ausschußdrucksache Adorno Biechele
auf. Wer zustimmt, den bitte ich um das Hand- Alber Biehle
zeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthal- von Alten-Nordheim Dr. Birrenbach
tungen? — Einstimmig angenommen. Dr. Althammer Dr. von Bismarck
Dr. Arnold Bittelmann
Ich rufe Art. I Nr. 6 auf. Wer ihr zustimmt, den Dr. Artzinger Blank
bitte ich um das Handzeichen. — Die Gegenprobe! Baier von Bockelberg
Balkenhol Dr. Böhme
— Enthaltungen? — Einstimmig angenommen. Dr. Barzel Breidbach
Ich rufe Art. I Nr. 7 auf. Zu Nr. 7 liegt ein Dr. Becher (Pullach) Bremer
Dr. Becker Bremm
Änderungsantrag unter Ziffer 3 des Umdrucks 5 vor. (Mönchengladbach) Dr. Burgbacher
Zunächst muß diese Ziffer 3 auf Umdruck 5 zur Ab- Becker (Pirmasens) Burgemeister
782 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Präsident von Hassel


Burger Dr. Luda Dr. Wagner (Trier) Folger
Dr. Czaja Dr. Martin Frau Dr. Walz. Franke (Hannover)
Damm Dr. Marx (Kaiserslaute rn ) Dr. Warnke Frehsee,
Dasch Maucher Wawrzik Frau Freyh
van Delden Meister Weber (Heidelberg) Fritsch
Dichgans Mick Weigl Geiger
Dr. Dollinger Dr. Mikat Dr. Freiherr von Weizsäcker Gertzen
Draeger Dr. Miltner Werner Dr. Geßner
von Eckardt Müller (Niederfischbach) Windelen Glombig
Ehnes Müller (Remscheid) Winkelheide Gnädinger
Engelsberger Dr. Müller-Hermann Wissebach Dr. Haack
Dr. Erhard Mursch Dr. Wörner Haage (München)
Erhard (Bad Schwalbach) Niegel Frau Dr. Wolf Haar (Stuttgart)
Ernesti Dr. von Nordenskjöld Baron von Wrangel Haase (Kellinghusen)
Erpenbeck Orgaß Dr. Wulff Haehser
Dr. Evers Ott Ziegler Halfmeier
Dr. Eyrich Petersen Dr. Zimmermann Hansen
von Fircks Pfeifer Zink Hansing
Franke (Osnabruck) Picard Hauck
Dr. Franz Dr. Pinger Dr. Hauff
Berliner Abgeordnete
Dr. Freiwald Dr. Pohle Dr. Hein
Dr. Frerichs Pohlmann Amrehn Henke
Dr. Früh Dr. Prassler Dr. Gradl Frau Herklotz
Dr. Gatzen Dr. Preiß Dr. Kotowski Hermsdorf (Cuxhaven)
Frau Geisendörfer Dr. Probst Lemmer Herold
Geisenhofer Rainer Müller (Berlin) Hirsch
Gerlach (Obernau) Rasner Frau Pieser Höhmann (Hessisch
Gierenstein Rawe Lichten au)
Dr. Giulini Reddemann Hörmann (Freiburg)
Dr. Gleissner Dr. Reinhard Hofmann
Glüsing (Dithmarschen) Riedel (Frankfurt) Nein Horn
Dr. Gölter Dr. Riedl (München) Frau Huber
Dr. Götz Dr. Rinsche Dr. Hupka
Frau Griesinger Dr. Ritz SPD Jacobi (Köln/Iserlohn)
Dr. Gruhl Rock Jahn (Marburg)
Freiherr von und zu Adams
Röhner Jaschke
Guttenberg Dr. Ahrens Junghans
Rösing
Haase (Kassel) Dr. Apel
Rollmann Junker
Dr. Häfele Arendt (Wattenscheid) Kaffka
Rommerskirchen
Härzschel Dr. Arndt (Hamburg) Kater
Roser
Dr. Hallstein Baack Kern
Ruf
Dr. Hammans Baeuchle
Russe Killat
Hanz Bäuerle
Prinz zu Sayn-Wittgenstein- Dr. Koch
von Hassel Bals
Hohenstein Koenig
Hauser (Bad Godesberg) Barche
Schlee Kohlberger
Dr. Hauser (Sasbach) Dr. Bardens
Dr. Schmid-Burgk Konrad
Dr. Heck Batz
Schmitt (Lockweiler) Dr. Kreutzmann
Dr. Hermesdorf (Sehleiden) Bay
Dr. h. c. Schmücker Krockert
Höcherl Dr. Bechert (Gau Algesheim)
Schneider (Königswinter) Kulawig
Becker (Nienberge)
Hösl Dr. Schneider (Nürnberg) Lange
Horstmeier Dr. Beermann
Frau Schroeder (Detmold) Langebeck
Horten Berkhan
Dr. Schröder (Düsseldorf) Dr. Lauritzen
Berlin
Dr. Hubrig Schröder (Sellstedt) Frau Lauterbach
Biermann
Hussing Schröder (Wilhelminenhof) Leber
Böhm
Dr. Huys Schulhoff Lemp
Börner
Frau Jacobi (Marl) Schulte (Schwäbisch Gmünd) Lemper
Frau von Bothmer
Dr. Jaeger Dr. Schulze-Vorberg Lenders
Dr. Brand (Pinneberg)
Dr. Jahn (Braunschweig) Dr. Schwörer Liedtke
Brandt (Grolsheim)
Dr. Jenninger Dr. Siemer Löbbert
Bredl
Dr. Jobst Solke Dr. Lohmar
Brück Lotze
Josten Spilker
Brünen Maibaum
Dr. Jungmann Dr. Sprung
Buchstaller Marquardt
Stahlberg
Frau Kalinke Dr. von Bülow
Dr. Stark (Nürtingen) Marx (München)
Kiechle Buschfort Matthes
Steiner
Dr. h. c. Kiesinger Dr. Bußmann Frau Meermann
Dr. Stoltenberg
Dr. Klepsch Collet Meinike (Oberhausen)
Frau Stommel
Dr. Kley Corterier Metzger
Storm
Dr. Kliesing (Honnef) Cramer Michels
Struve
Köster Dohmann Möhring
Stücklen
Krammig Dr. von Dohnanyi Dr. h. c. Dr.-Ing. E. h. Möller
Susset
Krampe von Thadden Dürr Müller (Mülheim)
Eckerland Dr. Müller (München)
Dr. Kraske Tobaben
Dr. Ehmke Müller (Nordenham)
Dr. Kreile Frau Tübler
Frau Eilers
Frau Dr. Kuchtner Unertl Dr. Müller-Emmert
Dr. Enders
Lampersbach Dr. Unland Engholm Dr. Müthling
Leicht Varelmann Dr. Eppler Neemann
Lensing Vehar Esters Neumann
Dr. Lenz (Bergstraße) Vogel Fiebig Dr. Nölling
Lenze (Attendorn) Vogt Dr. Fischer Offergeld
Lenzer Volmer Flämig Frau Dr. Orth
Link Wagner (Günzburg) Frau Dr. Focke Frhr. Ostman von der Leye
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 783
Präsident von Hassel
Pawelczyk Westphal Wir stimmen über Art. I Nr. 9 in der Ausschuß-
Peiter Dr. Wichert vorlage ab. Wer ihr zustimmt, den bitte um ein
Pensky Wiefel
Pöhler Wienand Handzeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. —
Porzner Wilhelm Enthaltungen? — Mit dem gleichen Verhältnis wie
Raffert Wischnewski bisher angenommen.
Ravens Dr. de With
Dr. Reischl Wittmann Ich rufe Art. I Nr. 10 der Ausschußvorlage auf.
Frau Renger Wolf Wir müssen zuerst über den Änderungsantrag Um-
Richter Wolfram
Rohde druck 5 Ziffer 6 abstimmen. Wer ihm zustimmt, den
Wrede
Rosenthal Würtz bitte ich um das Handzeichen. — Ich bitte um die
Roß Wüster Gegenprobe. — Stimmenthaltungen? — Mit dem
Säckl Wuttke gleichen Stimmenverhältnis abgelehnt.
Sander Wuwer
Saxowski Zander Wir stimmen über die Nr. 10 der Ausschußvorlage
Dr. Schäfer (Tübingen) Zebisch ab. Wer zustimmt, den bitte ich um ein Hand-
Frau Schanzenbach
Scheu zeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Ent-
Berliner Abgeordnete haltungen? — Mit dem gleichen Stimmenverhältnis
Schiller (Bayreuth)
Frau Schimschok Dr. Arndt (Berlin) angenommen.
Schirmer Bartsch
Schlaga Bühling Ich rufe Art. I Nr. 11 der Ausschußvorlage auf.
Dr. Schmid (Frankfurt) Heyen Wer zustimmt, den bitte ich um ein Handzeichen. —
Schmidt (Braunschweig) Frau Krappe Gegenprobe! — Enthaltungen? — Bei zahlreichen
Dr. Schmidt (Gellersen) Liehr
Dr. Schmidt (Krefeld) Löffler
Enthaltungen angenommen.
Schmidt (München) Dr. Schellenberg Ich rufe Art. I Nr. 12 der Ausschußvorlage und den
Schmidt (Niederselters) Frau Schlei
Schmidt (Würgendorf) Dr. Seume Änderungsantrag Umdruck 5 Ziffer 7 auf. Zunächst
Dr. Schmitt-Vockenhausen Sieglerschmidt den Änderungsantrag. Wer ihm zustimmt, den bitte
Dr. Schmude ich um ein Handzeichen. — Gegenprobe! — Ent-
Schoettle haltungen? — Abgelehnt.
Schollmeyer FDP
Schonhofen Frau Dr. Diemer-Nicolaus Wir stimmen über die Nr. 12 der Ausschußvorlage
Schulte (Unna) Dorn ab. Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein Hand-
Schwabe Ertl
Seefeld zeichen. — Gegenprobe! — Enthaltungen? — Bei
Frau Funcke
Seibert Genscher
zahlreichen Enthaltungen angenommen.
Seidel Helms
Seifriz Ich rufe Art. I Nr. 13 der Ausschußvorlage und
Jung
Frau Seppi Kienbaum den Änderungsantrag Umdruck 5 Ziffer 8 auf. Wer
Simon Kirst diesem Änderungsantrag zustimmt, den bitte ich um
Dr. Slotta Kleinert ein Handzeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe! —
Dr. Sperling Dr. Mende
Spillecke Enthaltungen? — Abgelehnt.
Mertes
Frau Strobel Mischnick Wir stimmen über die Nr. 13 der Ausschußvorlage
Strohmayr Moersch
Suck Olesch
ab. Wer ihr zustimmt, den bitte um ein Handzeichen.
Tallert Peters (Poppenbüll) — Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? —
Dr. Tamblé Dr. Rutschke Bei zahlreichen Enthaltungen ist diese Nummer an-
Frau Dr. Timm Schmidt (Kempten) genommen.
Tönjes Schultz (Gau-Bischofsheim)
Vit Wurbs Ich rufe Art. I Nr. 14 der Ausschußvorlage und
Walkhoff Zoglmann
Dr. Weber (Köln)
den Änderungsantrag Umdruck 5 Ziffer 9 auf. Wer
Wehner diesem Änderungsantrag zustimmt, den bitte ich um
Berliner Abgeordnete
Wende ein Handzeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe.
Wendt Borm — EnthaFtungen? — Abgelehnt.

Wir kommen nunmehr zur Abstimmung über Wir stimmen über die Nr. 14 der Ausschußvor-
lage ab. Wer ihr zustimmt, den 'bitte ich um ein
Art. I Nr. 8 der Ausschußfassung. Wer hierzu seine
Handzeichen. — Gegenprobe! — Enthaltungen? —
Zustimmung geben will, den bitte ich um das Hand-
Bei zahlreichen Enthaltungen angenommen.
zeichen. Ich bitte um die Gegenprobe. — Ent-
haltungen? — Nr. 8 ist mit demselben Stimmen- Ich rufe Art. I Nr. 15 der Ausschußvorlage und den
verhältnis wie bisher angenommen. Änderungsantrag Umdruck 5 Ziffer 10 auf. Wer
diesem Änderungsantrag zustimmt, dien bitte ich
Ich rufe Art. I Nr. 9 auf. Dazu liegt Ihnen auf
um ein Handzeichen. — Ich bitte um die Gegen-
Umdruck 5 Ziffer 5 ein Änderungsantrag vor. Über
probe. — Enthaltungen? — Der Antrag ist abgelehnt.
diesen Antrag muß ich zunächst abstimmen lassen.
Wird dazu das Wort begehrt? — Das ist nicht der Wir stimmen über die Nr. 15 der Ausschußvorlage
Fall. ab. Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein Hand-
Wir stimmen über den Änderungsantrag Um- zeichen. — Gegenprobe! — Enthaltungen? — Bei
druck 5 Ziffer 5 ab. Wer ihm seine Zustimmung gibt, zahlreichen Enthaltungen angenommen.
den bitte ich um ein Handzeichen. — Ich bitte um die Ich rufe Art. I Nr. 16 der Ausschußvorlage auf.
Gegenprobe. — Enthaltungen? — Dieser Änderungs- Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein Handzeichen.
antrag ist mit dem gleichen Stimmenverhältnis ab- — Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? —
gelehnt. Einstimmig angenommen.
784 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969
Präsident von Hassel
Ich rufe Art. I Nr. 17 der Ausschußvorlage und dafür eingesetzt, die Vorlagen der Bundesregierung
den Änderungsantrag Umdruck 5 Ziffer 11 auf. Wer zu verbessern.
dem Änderungsantrag zustimmt, den hitte ich um (Zuruf von der FDP: Da war es auch
ein Handzeichen. — Gegenprobe! — Enthaltungen? notwendig!)
— Abgelehnt.
Die derzeitige Regierungskoalition dagegen hat- den
Wir stimmen über die Nr. 17 der Ausschußvorlage Regierungsentwurf übernommen und das Volumen
ab. Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein Hand- unverändert gelassen.
zeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthal-
tungen? — Bei zahlreichen Enthaltungen angenom- (Widerspruch bei den Regierungsparteien.)
men. Aber nicht nur das: Gewisse notwendige Struktur-
Ich rufe Art. I Nr. 18 der Ausschußvorlage und verbesserungen wurden nicht mit zusätzlichen Haus-
den Änderungsantrag Umdruck 5 Ziffer 12 auf. Wer haltsmitteln gedeckt, sondern die Regierungsfrak-
dem Änderungsantrag zustimmt, den bitte ich um tionen haben die rund 480 000 Renten der zu 30 %
ein Handzeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Kriegsbeschädigten um eine D-Mark gekürzt.
Enthaltungen? — Abgelehnt. (Hört! Hört! bei der CDU/CSU.)
Wir stimmen über die Nr. 18 der Ausschußvor- Die Mittel wurden also durch einen internen Lasten-
lage ab. Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein ausgleich beschafft, dies, meine Damen und Herren,
Handzeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — im gleichen Monat, in dem die Finanznachrichten des
Enthaltungen? — Bei zahlreichen Enthaltungen an- Finanzministeriums berichten, daß die Steuerein-
genommen. nahmen in Bund und Ländern im Monat Oktober
Ich rufe Art. I Nr. 19 und den Änderungsantrag um 21,1 % = 1598 Millionen DM gegenüber dem
Umdruck 5 Ziffer 13 auf. Wer dem Änderungsantrag Vorjahr gestiegen sind.
zustimmt, den bitte ich um ein Handzeichen. — Ich Alle Fraktionen stehen im Wort, die Kriegsopfer-
bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — Ab- renten zum 1. Januar 1970 spürbar zu verbessern.
gelehnt. Dabei haben maßgebende Politiker mehrfach klar
Wir stimmen über die Nr. 19 der Ausschußvor- versprochen, daß die Erhöhung die günstige wirt-
lage ab. Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein schaftliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des
Handzeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Jahres 1969 berücksichtigen müsse. Der Gesetzent-
Enthaltungen? — Bei zahlreichen Enthaltungen an- wurf der derzeitigen Koalition, der auf einer linea-
genommen. ren Anpassung von 16 % aufbaut, entspricht nicht
dem Umfang und Inhalt dieses Versprechens, denn
Ich rufe Art. I Nr. 20 der Ausschußvorlage auf. dieser Anpassungssatz liegt 6 % unter der Zunahme
Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein Handzeichen. des nominellen Bruttosozialprodukts und 10 % unter
— Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — der Erhöhung der Renten in der gesetzlichen Ren-
Bei einer Enthaltung angenommen. tenversicherung der letzten drei Jahre.
Ich rufe Art. I Nr. 21 der Ausschußvorlage auf. Fühlbar im Sinne der Zusagen ist dieser Vor-
Wer ihr zustimmt, den bitte ich um ein Handzeichen. schlag der Regierungskoalition auch nicht im Ver-
— Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — gleich mit dem Ersten, Zweiten und Dritten Neu-
Einstimmig beschlossen. ordnungsgesetz. Im Jahre 1960 bei einer bescheide-
Ich rufe Art. II, §§ 1 bis 3, Einleitung und Über- neren Finanzlage verbesserte der Deutsche Bundes-.
schrift auf. Wer zustimmt, den bitte ich um das tag im Ersten Neuordnungsgesetz die Leistungen
Handzeichen. — Gegenprobe! — Enthaltungen? — für Kriegsopfer um 1,2 Milliarden DM. Das Zweite
Einstimmig angenommen. NOG hatte drei Jahre später ein Volumen von 1,24
Milliarden DM, und selbst im Jahre 1967 in einer
Wir sind damit am Ende der zweiten Lesung. schwierigen Zeit wurden die Grundrenten der Be-
schädigten im Schnitt um 16 und die Grundrenten
Ich rufe auf zur der Witwen um 20 % erhöht. Darüber hinaus wurde
dritten Lesung. das Versorgungsgesetz in den letzten Jahren weiter-
entwickelt durch die Einführung des Berufsschadens-
In der dritten Lesung hat zunächst der Abgeord- ausgleichs, des Schadensausgleichs für Witwen, die
nete Burger ums Wort gebeten. Ihm folgt, soweit Einführung eines dynamischen Anrechnungssystems
ich es sehen kann, Herr Minister Arendt. und die Vorschriften über eine periodische Anpas-
sung.
Burger (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine sehr Meine Damen und Herren, auch die heute zu be-
geehrten Damen und Herren! Ich darf in der dritten schließende Dynamisierung kann den Mangel der
Lesung für die CDU/CSU folgende Erklärung ab- zu geringen Anpassung nicht kompensieren. Sie
geben. In einer guten Tradition des Deutschen Bun- dynamisieren ja nicht nur die Renten, sondern Sie
destages ist heute ein Bruch entstanden. Seit den dynamisieren damit auch diesen eben aufgezeigten
Septembertagen des Jahres 1950, als der Deutsche Rückstand.
Bundestag das Bundesversorgungsgesetz verab-
schiedete, das erste bedeutende Sozialgesetz dieses (Zuruf von der SPD: Den Sie verursacht haben!)
jungen Staates, haben sich in sechs Novellen und Unberührt von der Dynamisierung bleiben aber
drei Neuordnungsgesetzen jeweils alle Fraktionen auch viele Härten und Strukturprobleme, so die
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 785
Burger
Kürzung des Schadensausgleichs bei Erreichung des Diese Haltung der Koalitionsfraktionen entspricht
65. Lebensjahres oder die Pflegeprobleme der einer von Ihnen gesetzten Priorität, die nicht die
Schwerstbeschädigten, das Älterwerden, das Allein- unsere ist.
sein der Witwen, die Kürzung der Grundrenten (Beifall bei der CDU/CSU.)
beim Schadensausgleich und manches andere.
Sie dokumentiert die Pause in Ihrer sozialen Sym-
(Zuruf von der FDP: Wer hat denn das metric.
hereingebracht? Das waren Sie doch!) (Erneuter Beifall bei der CDU/CSU.)
Diese Tatsachen erfordern auch in der Zukunft ge- Nachdem in namentlicher Abstimmung der Wille
zielte Hilfen. dieser Koalition beurkundet wurde, wird die CDU/
CSU ihre Anträge in der dritten Lesung nicht wieder-
Meine sehr geehrten Damen und Herren von der
holen.
Koalition, Sie haben alle unsere Anträge mit dünner
(Abg. Wehner: Hört! Hört!)
Mehrheit niedergestimmt
Die CDU/CSU bedauert, daß das erste große soziale
(Abg. Wehner: Und Sie hatten sehr dick
Gesetzgebungswerk der derzeitigen Koalition
aufgetragen! Weitere Zurufe von der
SPD.) (Abg. Wehner: ... ohne Sie gegangen ist!)

- ich danke für Ihren brutalen Charme, Herr Pro- leider kein großer Wurf geworden ist.
fessor Schellenberg — (Lebhafter Beifall bei der CDU/CSU.)
(Heiterkeit bei der CDU/CSU)
und damit unter den Kriegsopfern große Unruhe
Präsident von Hassel: Für die SPD Fraktion -

hat der Abgeordnete Jaschke das Wort.


ausgelöst.
(Widerspruch bei der SPD.)
- Ja, Sie haben (rund, „Oje!" zu rufen. Jaschke (SPD) : Herr Präsident! Meine sehr ver-
ehrten Damen und Herren! Namens meiner Freun-
(Beifall bei der CDU/CSU.) de in der Fraktion der SPD möchte ich meine Ge-
Meine Damen und Herren, auch Ihr Zahlenmyste- nugtuung darüber zum Ausdruck bringen, daß der
rium — so wurde es von den Sachverständigen im von den Koalitionsfraktionen eingebrachte Ent-
Ausschuß genannt — kann nicht darüber hinweg- wurf eines Gesetzes über die Anpassung der Lei-
täuschen, daß es für manchen nicht einmal zu einer stungen des Bundesversorgungsgesetzes sowie die
Anpassung von 16 % kommt. Ergänzungsanträge der beiden Fraktionen nunmehr
in der zweiten Lesung mit Mehrheit verabschiedet
(Sehr richtig! bei der CDU/CSU.) werden konnten. Ich freue mich ganz besonders,
Siehe die Witwen, deren Grundrentenerhöhung im weil es uns durch sehr intensive Beratungen gelun-
Schadensausgleich wieder angerechnet wird! gen ist, dieses Gesetz rasch zur Verabschiedung zu
bringen, um den Kriegsopfern zu beweisen, daß
(Zustimmung bei der CDU/CSU.) auch der 6. Deutsche Bundestag zu den Versprechun-
Wenn wir heute in der dritten Lesung zustimmen, gen steht, die den Kriegsopfern von allen Fraktio-
nen dieses Hohen Hauses und von allen im Bundes-
(Aha-Rufe bei der SPD) tag vertretenen Parteien gegeben worden sind. We-
dann nicht wegen der ungenügenden Verbesserung, nige Wochen nach Bildung der neuen Regierung
sondern allein um den Kriegsopfern unsere Solida- konnte dieses Versprechen bereits eingelöst wer-
rität zu beweisen. den.
(Beifall bei den Regierungsparteien.)
(Beifall bei der CDU/CSU. — Zurufe von
Wir sind uns darüber klar, mit diesem Gesetz
der SPD.)
nicht alle Wünsche erfüllt haben zu können. Doch
Wir haben unsere parlamentarischen Möglichkeiten glaube ich mit gutem Gewissen erklären zu dürfen,
eingesetzt, aber ein SPD-Sprecher erklärte im Aus- daß wir unter Berücksichtigung aller Umstände ein
schuß gegenüber der Unionsfraktion: Ihr könnt be- gutes Gesetz zustande gebracht haben, dessen Ge-
antragen, begründen und reden, soviel ihr wollt, samtvolumen, wie hier ja wiederholt erklärt wurde,
wir werden nicht mehr geben! abgestellt auf das Haushaltsjahr 1970, insgesamt
938 Millionen DM beträgt.
(Hört! Hört! bei der CDU/CSU. — Zuruf
von der SPD: Mehr Demokratie!) Es wäre jedoch nicht richtig, wenn wir unter die-
sem zwar auch beachtlichen Volumen die Beschlüsse
— Ich höre den Zuruf: „Mehr Demokratie!" So des Hohen Hauses werten wollten. Vielmehr muß
wird die bisher stärkste Opposition in diesem Hause gesehen werden, daß die gefaßten Beschlüsse den
behandelt. Rahmen eines normalen Anpassungsgesetzes inso-
fern weit übersteigen, als auch sehr bedeutsame
(Beifall bei der CDU/CSU. — Abg. Wehner:
strukturelle Veränderungen und vor allem die Dy-
Die geschwollenste Opposition, nicht die
namisierung beschlossen worden sind. Neben der
stärkste!)
Anhebung der Witwenversorgung auf 60 v. H. der
— Herr Wehner, auch Sie können das trotz Ihrer Rentenbezüge eines erwerbsunfähigen Beschädigten
Dialektik nicht zudecken. — eine seit vielen Jahren von den Kriegsopfern er-
786 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Jaschke
hobene Forderung — möchte ich besonders die Ein- stärkere Anhebung der Schwerstbeschädigtenzulage
führung einer neuen Anpassungsklausel erwähnen. und die Einführung einer sechsten Stufe für diese
Mit dieser Klausel ist ein Wendepunkt in der Ge- Leistungen sowie durch die Verbesserung der Hin-
schichte der Kriegsopferversorgung erreicht wor- terbliebenenversorgung für Witwen von Empfän-
den, wie es Professor Schellenberg erklärt hat. gern einer Pflegezulage nach Stufe 3 soll dies be-
(Beifall bei den Regierungsparteien.) zweckt werden. Wohl alle Fachleute und Ausschuß-
mitglieder werden in dieser Hinsicht von den Aus-
Die neue Fassung des § 56 des Bundesversorgungs- führungen in der Sachverständigenanhörung in
gesetzes stellt klar, daß nicht nur die Renten, son- Bonn beeindruckt und überzeugt worden sein.
dern auch weitere Leistungen, wie für Kleiderver-
schleiß usw., für die Kriegsopfer entsprechend der Wir glauben unter Abwägung aller Umstände und
Entwicklung der Bestandsrenten in den gesetzlichen Bedürfnisse ein gerechtes Gesetz vorgeschlagen zu
Rentenversicherungen jährlich angepaßt werden. Da- haben und sind überzeugt, daß auch die Opposition,
mit glauben wir den Kriegsopfern endlich die oft so wie soeben mein Vorredner erklärt hat, diesem
unwürdigen Auseinandersetzungen um ihre ver- Gesetz ihre Zustimmung nicht versagen wird. Ich
dienten Leistungsverbesserungen erspart zu haben. hoffe, daß ebenso die betroffenen Kriegsbeschädig-
ten, die Kriegerwitwen und -eltern diese schon in
(Beifall bei der SPD.) bezug auf die Dynamisierung einmaligen und opti-
Die lineare Erhöhung der Renten, die heute ver- malen Leistungen begrüßen und würdigen werden.
schiedentlich als zu gering kritisiert wurde, kann (Beifall bei den Regierungsparteien.)
nur im Zusammenhang mit dieser Anpassung ge-
sehen werden. Das hat wohl auch die CDU/CSU er-
kannt; denn sonst hätte sie in der Berliner Sitzung Präsident von Hassel: Das Wort hat der Ab-
nicht so lange gezögert und dieser Dynamisierung geordnete Schmidt (Kempten) für die Fraktion der
praktisch nur unter Druck zugestimmt. Freien Demokraten.

(Widerspruch bei der CDU/CSU. — Abg.


Rasner: Wer kann uns denn unter Druck Schmidt (Kempten) (FDP) : Namens der Fraktion
setzen?) der Freien Demokraten darf ich mit großer Freude
feststellen, daß es heute doch noch gelungen ist,
— Warum haben Sie denn so lange gezögert?
vor Ende des Jahres 1969 die Anpassung in diesem
(Beifall bei der SPD.) Hause einstimmig, wie es aussieht, zu verabschie-
den. Wir begrüßen das ganz besonders deshalb, weil
Warum haben Ihre Freunde denn gesagt: Wir müs
der Gesetzentwurf, der dem Hohen Hause als Aus-
sen erst einmal in Bonn rückfragen, ob wir das dür-
schußdrucksache vorgelegt worden ist und jetzt ver-
fen? Erst dann haben sie doch zugestimmt.
abschiedet werden wird, genau dem entspricht, was
(Abg. Franke [Osnabrück] : Wir wollten wir Freien Demokraten im Frühjahr dieses Jahres
eine bessere Formel!) an Vorstellungen über die Weiterentwicklung und
— Haha, das ist schön! Anpassung in der Kriegsopferversorgung hatten.
Die Vorlage entspricht einmal in der Größenordnung
In der Vergangenheit haben die Kriegsopfer oft genau dem, was wir damals glaubten für 1970 ein-
drei Jahre und länger warten müssen. Jetzt wird setzen zu können. Sie entspricht zum zweiten im
Jahr um Jahr und Zug um Zug die Rente verbes- Anpassungssatz — wenn auch mit unterschied-
sert. Das sollte man nicht unterschätzen. Dies führt lichen Anhebungen — von 20,6 % dem Volumen
dazu, daß die Kriegsopfer bereits ab 1. Januar 1971 von 20 %, das wir damals als unsere Vorstellung
wieder höhere Rentenleistungen erhalten werden. dem Hohen Hause vorgetragen haben. Zum dritten
Hierfür werden voraussichtlich weitere 315 Millio- entspricht die Tatsache, daß auf Antrag der Regie-
nen DM, also insgesamt 1243,2 Millionen DM, Mehr- rungsfraktion der § 56 zu einem Dynamisierungs-
aufwendungen notwendig sein. Die für eine Anpas- paragraphen geworden ist, unserer schon seit lan-
sung im Jahre 1972 vorausschätzbaren Mehrauf- gem vorgetragenen Vorstellung, die Kriegsopfer
wendungen belaufen sich auf rund 688 Millionen rente zu dynamisieren und jährlich nach der Renten-
DM, insgesamt also 1606,9 Millionen DM. Für 1973 formel anzupassen.
sind es 1193 Millionen DM, insgesamt also 2103,5
Ferner begrüßen wir, daß auch der Zeitpunkt
Millionen DM. Die Zusammenfassung dieser Sum-
eingehalten werden konnte. Hier möchte ich
men, die mehr als 5 Milliarden DM ausmacht, muß
namens meiner Fraktion der Bundesregierung, ins-
man doch sehen. -
besondere dem Bundesfinanzminister und dem Bun-
Wie bereits in der Debatte erwähnt wurde, sind desarbeitsminister, Dank sagen dafür,
diese enorm hohen Beträge in der mittelfristigen Fi-
(Beifall bei den Regierungsparteien)
nanzplanung noch zu verkraften. Alle weitergehen-
den Anträge hätten unter Umständen, weil nach daß der Bericht dem Hause so schnell nach der
unserer Meinung unsolide, zu finanziellen Schwie- Regierungsbildung vorgelegt und damit heute eine
rigkeiten führen müssen, und das wollen wir nach der Prioritätsvorstellungen in der Regierungserklä-
den Erfahrungen von 1965/66 doch sicherlich nicht. rung im sozialpolitischen Bereich fast vollinhaltlich
Es war uns ein besonderes Anliegen — das möchte schon erfüllt werden konnte.
ich darüber hinaus betonen —, den Belangen der (Beifall bei den Regierungsparteien. —
Schwerstbeschädigten gerecht zu werden. Durch eine Abg. Rasner: Fast!)
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 787
Schmidt (Kempten)
— Fast vollinhaltlich schon erfüllt werden konnte. haben Sie gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, daß
(Abg. Franke [Osnabrück]: Fast!) auch der 6. Deutsche Bundestag gewillt ist, die
Rechte der Kriegsopfer zu wahren und ihre für die
— Fast vollinhaltlich schon erfüllt werden konnte.
Allgemeinheit gebrachten Opfer gebührend zu wür-
Nunmehr ist der Weg, Herr Kollege Franke, für
digen.
die Ausfüllung des „fast" frei. Wir haben die
Dynamisierung, wir haben die Anpassung. Ich bin sicher, daß dadurch den Kriegsopfern be-
(Zuruf von der CDU/CSU: Wir wollten nur wußt geworden ist, daß sie auch in Zukunft mit
das „fast" festhalten!) einer gerechten Behandlung ihrer Anliegen rechnen
können. Dies um so mehr, als nunmher mit der Neu-
Jetzt können wir im Kriegsopferrecht im nächsten
fassung des § 56 des Bundesversorgungsgesetzes,
Jahr in Ruhe an die Fragen herangehen, die dort
die die jährliche Anpassung der Rentenleistungen
strukturmäßig zweifellos noch zu lösen sind. Dar-
zum Inhalt hat, den Kriegsopfern das Gefühl ge-
über sind wir uns wohl alle in diesem Hohen Hause
nommen worden ist, stets aufs neue um die An-
klar. Wir haben aber die Anpassungsmöglichkeiten;
erkennung ihrer berechtigten Ansprüche kämpfen
wir haben die Mittel dafür für die Zukunft fest-
zu müssen.
gelegt.
Ich glaube, wir werden dafür auch das Ver- (Beifall bei den Regierungsparteien.)
ständnis der Kriegsopfer finden, ja, ich bin mir Es ist sehr zu begrüßen, daß mit bedeutsamen
dessen sogar sicher, weil es auch für die Kriegs- Beschlüssen dieses Hohen Hauses zugleich auch die
opfer eine wesentlich beruhigendere Situation ist, wesentlichsten Punkte, die der Herr Bundeskanzler
wenn sie wissen, daß sie Jahr für Jahr in die in seiner Regierungserklärung am 28. Oktober zur
Entwicklung miteinbezogen werden, als wenn, wie Frage der Kriegsopferversorgung herausgestellt hat,
es in der Vergangenheit der Fall war, jedesmal erfüllt worden sind.
eine große Diskussion in der Öffentlichkeit über
Anläßlich der ersten Lesung dieses Gesetzes habe
die Schwierigkeiten der Bereitstellung der Mittel
ich Ihnen mitgeteilt, daß die Bundesregierung die
stattfindet. Das wird in Zukunft nicht mehr not-
Frage einer laufenden Anpassung der Kriegsopfer-
wendig sein.
renten noch prüfen werde. Heute kann ich Ihnen
Der Weg ist jetzt frei für die weitere gute sagen, daß sich auch die Vorstellungen der Bundes-
Zusammenarbeit mit den Kriegsopferverbänden, regierung über eine jährliche Anpassung der Kriegs-
denen ich für die Mitarbeit an dieser Novelle und opferrenten mit den Beschlüssen, die Sie heute ge-
für die Sachverständigenanhörung von dieser Stelle faßt haben, durchaus decken. Auch die Bundesregie-
aus ebenfalls danken möchte. Der Weg ist frei für rung ist der Auffassung, daß der so gewählte Weg
die Lösung der Strukturfragen, und wir haben das geeignet ist, den Kriegsopfern eine wertbeständige
noch zum richtigen Zeitpunkt entsprechend der Versorgung zu sichern.
Regierungserklärung,
Allerdings glaube ich sagen zu dürfen — auch die
(Abg. Rasner: Fast!) heutige Debatte hat es gezeigt —, daß es weder die
entsprechend den Vorstellungen, die die FDP vor Absicht des Deutschen Bundestages noch die der
einem Dreivierteljahr entwickelt hatte, erreicht. — Bundesregierung ist, damit die Frage der Kriegs-
Damals sind die Dinge an dem von Ihnen ver- opferversorgung in der Zukunft als erledigt zu be-
tretenen Teil der Bundesregierung gescheitert, Herr trachten. Vielmehr werden wir auch weiterhin be-
Kollege Rasner. Wir haben das noch erreicht. müht sein, das Kriegsopferrecht entsprechend den
(Abg. Rasner: Fast!) Erfordernissen der Zeit und der Gegebenheiten
weiterzuentwickeln. Wir sind uns bewußt, daß es
Deshalb stimmen wir Freien Demokraten mit noch zahlreiche Wünsche gibt, auf deren Erfüllung
Freude der jetzigen Vorlage zu. die Kriegsopfer warten. Trotzdem bin ich überzeugt,
(Beifall bei den Regierungsparteien.) daß dieses Gesetz mit seinem sehr beachtlichen
finanziellen Volumen und seinen bedeutsamen Aus-
Präsident von Hassel: Das Wort hat der Herr wirkungen für die Zukunft die Anerkennung der
Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. Kriegsopfer finden wird.
Es erfüllt mich mit großer Genugtuung, daß es
Arendt, Bundesminister für Arbeit und Sozial- durch unsere gemeinsamen Bemühungen gelungen
ordnung: Herr Präsident! Meine sehr verehrten ist, im Rahmen der von der Bundesregierung für die
Damen, meine Herren! Vor Abschluß der dritten Verbesserung der Rentenleistungen bereitgestellten
Lesung des Ersten Anpassungsgesetzes in der Mittel Lösungen zu finden, die auch den besonderen
Kriegsopferversorgung möchte ich nicht versäumen, Problemen bestimmter Personengruppen unter den
diesem Hohen Hause und insbesondere den be- Kriegsopfern gerecht zu werden vermögen. Hierbei
teiligten Ausschüssen Dank zu sagen für die zügige denke ich insbesondere an die Anhebung der
und intensive Beratung dieses Gesetzes. Sie haben Witwenrenten auf 60 vom Hundert der Renten-
damit die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß die leistungen eines erwerbsunfähigen Beschädigten und
Kriegsopfer so schnell wie irgend möglich in den die verstärkte Erhöhung sowie den weiteren Aus-
Genuß der schon in der vergangenen Legislatur- bau der Schwerstbeschädigtenzulage. Ich halte es
periode in Aussicht gestellten fühlbaren Leistungs- für ein Gebot der Gerechtigkeit, daß wir gerade dem
verbesserungen gelangen. Mit dieser eindrucks- Los der Schwerstbeschädigten unsere besondere
vollen und entschlußfreudigen Handlungsweise Aufmerksamkeit widmen. Auch die Verbesserung
788 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Bundesminister Arendt
I der Hinterbliebenenversorgung für Witwen von a) Bericht des Haushaltsauschusses (7. Aus-
Empfängern einer Pflegezulage mindestens nach schuß) gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Stufe III möchte ich in diesem Zusammenhang her- — Drucksache VI/164 —
vorheben. Berichterstatter: Abgeordneter Haase (Kas-
Meine Damen und Herren! Entsprechend meiner sel)
Ankündigung bei der ersten Lesung dieses Gesetzes
konnte Ihnen die Bundesregierung nunmehr auch b) Schriftlicher Bericht des Verteidigungsaus-
schusses (11. Ausschuß)
den Nachtrag zum Kriegs- und Wehrdienstopfer
bericht 1969 über die Situation im Bereich der Ver- — Drucksache VI/149 —
sorgung von Kriegs- und Wehrdienstopfern vor- Berichterstatter: Abgeordneter Haase (Kel-
legen. Ich hoffe, daß dieser Bericht Ihnen über viele linghusen)
Fragen Aufschluß gibt, mit denen Sie in Ihrer par-
lamentarischen Arbeit auf dem Gebiet der Kriegs- (Erste Beratung 10. Sitzung)
opferversorgung befaßt werden. Wenn auch in Zu-
Herr Abgeordneter Haase (Kassel), wünschen Sie
kunft eine gesetzliche Verpflichtung zur Bericht-
als Berichterstatter zu Punkt a) das Wort zu einer
erstattung durch die Bundesregierung nicht mehr
Ergänzung des Schriftlichen Berichtes? — Das ist
besteht, so werde ich gleichwohl bemüht bleiben,
nicht der Fall. Dann komme ich zu Punkt b). Wün-
zu gegebener Zeit den gesetzgebenden Körper-
schen Sie, Herr Haase (Kellinghusen), eine Ergän-
schaften über die Situation der Kriegs- und Wehr-
zung? — Das ist nicht der Fall.
dienstopfer zu berichten.
Im übrigen versichere ich Ihnen, daß ich nach Wir treten dann ein in die zweite Beratung. Wird
Verabschiedung des Gesetzes im engen Einverneh- dazu das Wort gewünscht? — Das ist nicht der Fall.
men mit den Ländern alles tun werde, damit dieses Ich darf Sie bitten, die Drucksache VI/149 zur Hand
Gesetz möglichst rasch durchgeführt wird und die zu nehmen. Ich rufe zur Abstimmung die Art. 1
Kriegsopfer bald ihre erhöhten Bezüge erhalten. und 2, Einleitung und Überschrift auf. Wer seine
Die für die Durchführung dieses Gesetzes notwen- Zustimmung gibt, den bitte ich um das Handzei-
digen Verordnungen werden in meinem Hause be- chen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthaltun
reits vorbereitet. Ich hoffe, daß sie bald von der gen? — Einstimmig angenommen.
Bundesregierung verabschiedet und dem Bundesrat
Wir kommen zur
zur Zustimmung zugeleitet werden können.
(Beifall bei den Regierungsparteien.) dritten Beratung.

Das Wort wird nicht gewünscht. Bevor wir in die


Präsident von Hassel: Ich danke dem Herrn Schlußabstimmung eintreten, darf ich bitten, daß
Bundesminister. sich die Damen und Herren Kollegen setzen, damit
Meine Damen und Herren! Wir kommen nunmehr wir eine genaue Übersicht haben über das, was
zur Abstimmung in der dritten Beratung und damit gegenwärtig abgestimmt wird.
zur Schlußabstimmung. Ich rufe in dritter Beratung (Anhaltende Unruhe.)
das gesamte Gesetz, Einleitung und Überschrift auf.
Wer dem Gesetz seine Zustimmung geben will, den — Meine Damen und Herren, wir wollen heute
bitte ich, sich zu erheben. — Ich bitte um die Gegen- in den Beratungen weiterkommen und möglichst
probe. — Ich bitte um die Enthaltungen. — Bei eini- bald einen Abschluß finden. Ich darf Sie also bitten,
gen Gegenstimmen und Enthaltungen ist das Gesetz Platz zu nehmen!
angenommen. (Beifall.)
Wir kommen jetzt noch zur Abstimmung über die Wir stimmen in der dritten Beratung über die
Ausschußempfehlung, die Sie auf Seite 5 Ihrer Vor- Vorlage ab. Wer ihr zustimmt, den bitte ich, sich
lage in den Ziffern 2 und 3 finden. Wer dieser zu erheben. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Ent-
Empfehlung zustimmt, den bitte ich um das Hand- haltungen? — Das Gesetz ist einstimmig ange-
zeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthal- nommen.
tungen? — Es ist so beschlossen.
Wer der Ausschußempfehlung der Drucksache
Zu dem Punkt 12 b der Tagesordnung, den wir VI/149 unter Ziffer 2 zustimmt, den bitte ich um
in die Aussprache einbezogen haben, wird vorge- das Handzeichen. — Gegenprobe! — Es ist so be-
schlagen, diesen Bericht an den Ausschuß für Arbeit schlossen.
-

und Sozialordnung zu überweisen. Wer seine Zu-


stimmung gibt, den bitte ich um das Handzeichen. — Ich rufe Punkt 14 der Tagesordnung auf:
Gegenprobe! Enthaltungen? — Es ist so beschlos-
sen. Erste Beratung des von der Fraktion der
CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines Drei-
Ich rufe Punkt 13 der Tagesordnung auf:
undzwanzigsten Gesetzes zur Änderung des
Zweite und dritte Beratung des von der Frak- Lastenausgleichsgesetzes (23. ÄndG LAG)
tion der CDU/CSU eingebrachten Entwurfs —
— Drucksache VI/119
eines Fünften Gesetzes zur Änderung des
Wehrsoldgesetzes Das Wort zur Begründung in erster Beratung hat der
— Drucksache VI/8 — Herr Abgeordnete von Fircks.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 789

Freiherr von Fircks (CDU/CSU) : Herr Präsident! die Teuerung und Erhöhung auf anderen Gebieten,
Meine Damen und Herren! Die CDU/CSU-Fraktion für die der Staat zuständig ist, gewährt werden muß.
hat sich entschlossen, diesen Initiativantrag vorzu- Auf der anderen Seite ist es im Hinblick auf einen
legen, um die Gesetzgebung betreffend Vertriebene verantwortungsbewußten Umgang mit dem Fonds
und Flüchtlinge voranzubringen. Zwei Probleme be- notwendig, das Gleichgewicht zwischen den uns
dürfen hier einer schnellen Beratung und Verab- dennotwedigrsch Sozaleitungd
schiedung. Das ist einmal das Problem der Anpas- berchtignAspüder,iaufHpt-
sung der Unterhaltshilfe, die nach einem Beschluß entschädigung angewiesen sind, aufrechtzuerhalten.
des 5. Bundestages mit einer Aufbesserung des Ein besonderes Schwergewicht — ich hatte das
Selbständigenzuschlags gekoppelt sein soll. Die fort- eingangs schon erwähnt — bildet in unserem Initia-
schreitende Gleichstellung der Sowjetzonenflücht- tivantrag die Fortentwicklung des Zuschlags für die
linge ist ein Gebot, das sich daraus ergibt, daß die ehemals Selbständigen, wie er bereits im 5. Deut-
Mittel, die dafür seinerzeit bereitgestellt wurden, schen Bundestag als eine Notwendigkeit angespro-
nicht ausgeschöpft sind. Eine fortschreitende Gleich- chen wurde. Wir entsprechen damit auch einem ent-
stellung wird dadurch ermöglicht. scheidenden Anliegen der Verbände, das öfters zum
Die Anpassung der Unterhaltshilfe, die, wenn ich Vortrag gekommen ist, gerade auch in den letzten
so sagen darf, auf Grund der früheren Praxis rou- Tagen wieder durch ein Schreiben des Präsidenten
tinemäßig spätestens zum 1. Juni fällig gewesen des Bundes der Vertriebenen an den Bundesinnen-
wäre, kann jetzt schneller vollzogen werden, da die minister. Die Formulierung, die wir gefunden haben
Ausrechnung der Rentenerhöhungen heute überall und die wir Ihnen vorschlagen, soll zugleich auch
viel schneller elektronisch durchgeführt wird. Früher der bisher eingetretenen Nivellierung entgegen-
lag das Ergebnis meist erst im April vor. Da es jetzt wirken und die Leistung stärker an den Sozialstatus
sehr viel früher vorliegt, kann dem berechtigten vor der Schädigung anpassen.
Anliegen, nicht so lange warten zu müssen, ent- Wir sind bemüht gewesen, in der fortschreitenden
sprochen werden. Selbst wenn eine Regierungsvor- Gleichstellung der Flüchtlinge einen, wie wir mei-
lage Ende Januar gekommen wäre, wäre die Verab- nen, möglichst großen Schritt voran zu tun, ohne
schiedung eines Gesetzes, das zum 1. März in Kraft neue Fondsmittel zu beanspruchen. Sie wissen, daß
getreten wäre, auf Grund der Ihnen bekannten und für die 2,6 Milliarden DM 1 Milliarde DM aus dem
auch vorgestern angesprochenen Probleme im Zu- Fonds für Vertriebene bereitgestellt wurde. Die
sammenhang mit einer Änderung der Geschäftsord- Vertriebenen, für die diese Mittel ursprünglich vor-
nung für die Einbringung von Gesetzen durch die gesehen waren, erwarten sowieso, daß der Betrag
Bundesregierung nicht möglich gewesen. dem Fonds eines Tages aus Haushaltsmitteln zu-
Wir meinen, daß die Fortschreibung der Gleich rückerstattet wird. Wir wissen wir sind uns darin
stellung von Sowjetzonenflüchtlingen vor allen mit Sicherheit mit dem ganzen Hause einig —, daß
Dingen deswegen eilbedürftig ist, weil dadurch, daß eine volle Gleichstellung auch hier erfolgen muß,
jetzt weitere Sperren, die früher eingebaut waren, sobald die dafür vorgesehenen Mittel tatsächlich
aufgehoben werden können, sehr viel Verwaltungs vorhanden sind und nachgewiesen werden. Wir mei-
arbeit eingespart wird. Die Lastenausgleichsämter nen aber, daß sofort das getan werden muß, was,
können nun sehr viel schneller arbeiten, unnütze ohne jetzt neue Haushaltsmitel in Anspruch zu
Arbeit fällt weg. Die Annahme unseres Antrags nehmen, in verantwortungsbewußter Weise ge-
würde sowohl eine Zeit- als auch eine Arbeitserspar schehen kann.
nis einbringen. Wir haben die Erhöhung auf den von Zu der Kostenfrage darf ich nur noch sagen: Die
uns übersehbaren Betrag von 700 Millionen DM in ganzen Leistungen für die Sowjetzonenflüchtlinge
etwa abgestimmt, der zusätzlich zu den bereitge beanspruchen keine Bundesmittel. Die Verbesserung
stellten 2,6 Milliarden DM zur Verfügung steht. Sie der Unterhaltshilfe ist, wie ich schon ausführte, un-
ersehen aus dem Antrag, daß sich die CDU/CSU- vermeidbar im Zusammenhang mit der Anpassung
Fraktion einer sehr verantwortungsbewußten Zu dieser Leistung an die anderen Leistungen, die
rückhaltung befleißigt hat. Wir meinen, daß, wer wir auf dem Sozialsektor gemacht haben. Von den
schnell gibt, doppelt gibt. Wir glauben, daß es falsch daraus entstehenden Kosten gehen ja drei Sechstel
wäre, jetzt irgendwelche Absichtserklärungen abzu zu Lasten des Fonds, zwei Sechstel zu Lasten der
geben, die dann in den Zahlen, die uns die Ministe Länder und nur ein Sechstel zu Lasten des Bun-
rien in ihren Berichten geben, keinen Rückhalt fin des. Das ist also kein Betrag, der keineswegs irgend-
den. Wir werden bei den Ausschußberatungen wie ein Problem darstellen dürfte.
selbstverständlich für eine Ausweitung stimmen,
Ich darf namens der CDU/CSU-Fraktion bitten,-
wenn das vorgelegte Zahlenmaterial dies gestattet. unseren Initiativantrag dem Innenausschuß — feder-
Wir sind auch offen für eine Beratung weiterer Pro- führend — und dem Haushaltsausschuß gemäß § 96
bleme, wenn sie sich im Rahmen der Ausschußbera- der Geschäftsordnung zu überweisen.
tungen als zwingend und sofort lösbar erweisen.
Ich möchte Sie, da ich glaube, daß es im Interesse (Beifall bei der CDU/ CSU.)
aller liegt, wenn ich meine Begründung abkürze,
bitten, manche Einzelmotive der schriftlichen Be- Präsident von Hassel: Meine Damen und Her-
gründung zu entnehmen. Ich darf vielleicht nur noch ren, Sie haben die Begründung gehört. Ich eröffne
erwähnen, daß die Erhöhung der Unterhaltshilfe für die Aussprache zur ersten Lesung. Das Wort dazu
ein Ehepaar um 40 DM unserer Meinung nach das hat Herr Dr. Hupka erbeten. Ich erteile Herrn Dr.
Mindestmaß dessen ist, was bei der Anpassung an Hupka das Wort.
790 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Dr. Hupka (SPD) : Herr Präsident! Meine Damen die Einkommens- und Vermögensbegrenzung bei
und Herren! Ich möchte mich mit einigen allge- der 21. Lastenausgleichsnovelle überhaupt wegfal-
meinen Bemerkungen begnügen und die Einzeldar- len oder ob man wenigstens das nicht existenztra-
stellung der Aussprache im Ausschuß vorbehalten. gende Einkommen mit dem existenztragenden Ein-
Mit dem vorliegenden Entwurf eines Dreiund- kommen gleichziehen könnte. Dazu das eine oder
zwanzigsten Gesetzes zur Änderung des Lastenaus- das andere tun zu können, fehlen uns heute einfach
gleichsgesetzes wird, so meinen meine Freunde der Überblick und die finanziellen Berechnungs-
und ich, nur Verwirrung und Unordnung gestiftet, grundlagen. Im Laufe des Jahres 1970 sollten wir
nicht aber den Betroffenen unmittelbar und schnell hier klarer sehen und daraus dann gesetzgeberische
geholfen. Überdies widerspricht dieser Entwurf der Folgerungen ziehen. Im Dezember 1969 kann man
CDU/CSU-Fraktion dem Antrag des eigenen Frak- leider nur die Geräuschmaschine ankurbeln.
tionsvorsitzenden, alle ausgabewirksamen Vorhaben (Sehr richtig! bei der SPD.)
bis zur Vorlage des neuen Haushalts zurückzu- „Unter den denkbaren Möglichkeiten einer Novel-
stellen. lierung des Lastenausgleichs ist der vorliegende
(Beifall bei der SPD.) Entwurf eines 23. Gesetzes zur Änderung des Lasten-
Anstatt den Lastenausgleich endlich durchsichtiger ausgleichsgesetzes die schlechteste". Dieses Urteil
und damit für die Betroffenen zugleich praktikabler stammt nicht aus parteipolitischer Sicht, sondern
zu machen, werden Novellierungsvorschläge unter- von einem Experten. Er wollte damit sowohl die
breitet, die bereits den Drall zur weiteren Novellie- Verquickung von Unterhaltshilfe-Anpassung und
rung in sich tragen. Anstatt wirklich eine Gleich- Änderung der 21. Lastenausgleichsnovelle treffen
stellung von Flüchtlingen und Vertriebenen hieb- als auch die nach wie vor gegebene Ungleichstellung
und stichfest durchzusetzen, werden neue, wenn von Flüchtlingen und Vertriebenen und den gerade-
auch verbesserte Abstufungen bei der Einkommens- zu peinlichen Anreiz zu einer weiteren Verbüro-
und Vermögensgrenze des Einundzwanzigsten kratisierung und Verdunklung des gesamten Lasten-
Lastenausgleichsänderungsgesetzes empfohlen. Das ausgleichs.
Ungeheuerlichste ist, so meine ich, daß die Termi- Die sozialdemokratische Fraktion beantragt daher
nierung der Anpassung der Unterhaltshilfe zum die Überweisung der Drucksache VI/119 an den zu-
1. März 1970 statt zum 1. Juni 1970 die Betroffenen ständigen Ausschuß, um dort nach eingehender Über-
geradezu verärgern muß, weil sie zuerst zusätzlich prüfung und nach entsprechenden Vorlagen von
etwas erhalten, was sie nachher wieder abgezogen Regierungsentwürfen zu den völlig verschieden ge-
bekommen. lagerten Problemkreisen des uns heute vorliegenden
Zu fragen bleibt auch, warum das Unterhaltshilfe- Antrags im Interesse der Geschädigten, also der
Anpassungsgesetz mit einer Verbesserung der unmittelbar von einer Novellierung Betroffenen das
21. Lastenausgleichsnovelle in ein Paket gepackt Bestmögliche zu erreichen.
worden ist .Das Tempo, das uns hier von der (Beifall bei der SPD.)
CDU/CSU-Fraktion vorgelegt wird, entspricht eher
dem Motto „Seid nett zueinander", und dies zu
Weihnachten besonders, als daß es um im Bild Präsident von Hassel: Das Wort hat der Ab-
zu bleiben — dem benutzten Fahrzeug und der geordnete Schmidt (Kempten).
gegebenen Straßenlage entspricht. Hier ist ebenso
rasch wie unüberlegt dies und das, nur damit Schmidt (Kempten) (FDP): Herr Präsident! Meine
wieder einmal eine Lastenausgleichsnovelle des sehr geehrten Damen und Herren! Einige wenige
Bundestages den Bundestag passiert, zusammenge- Bemerkungen zu der Vorlage der CDU/CSU seitens
tragen und zusammengebraut worden in der Ge- der FDP. Herr Kollege Fircks, ich habe es 'begrüßt,
wißheit, daß morgen oder übermorgen die nächste daß Sie in Ihrer Begründung davon ausgingen, die
Novelle fällig werde. Je mehr Novellen, um so Gesetzgebung müsse vorangetragen werden, und
besser. Das aber ist ein sträflicher Irrtum. Diese das sei hier nun ein solcher Wunsch der Opposition.
Methode kann nur zur Folge haben, daß sich hier in Allerdings habe ich ein bißchen mehr den Eindruck,
diesem Hohen Hause und draußen beim Staats- daß hier nun plötzlich etwas aus dem Sündenregister
bürger eine Verdrossenheit breitmacht und der der Vergangenheit auf den Tisch gelegt wird. Denn
fatale Eindruck entsteht, als hätten es die Vertrie- ich kann mich noch sehr gut erinnern, daß insbeson-
benen und Flüchtlinge besonders gut; denn in -
dere die Fragen der Gleichstellung der Sowjetzonen
regelmäßigen Abständen würden sie mit Lastenaus- Flüchtlinge mit den Heimatvertriebenen in diesem
gleichsnovellen bedacht. Nichts gegen, sondern alles Hause und von der jetzt einen Antrag vorlegenden
für eine Verbesserung der bisherigen Gesetzgebung, Opposition nicht sehr freundlich behandelt wurden.
aber diese muß fundiert sein und darf nicht Flick- Ich kann mich noch sehr gut an den Kampf erinnern,
werk bleiben. überhaupt eine 21. Sozialnovelle hier vorzulegen.
Die CDU/CSU bietet uns eine neue Verkomplizie- Ich kann mich noch sehr gut an die Regierungs-
rung der ohnehin schon komplizierten Materie an erklärung seinerzeit erinnern, die gar nichts davon
und beschleunigt eine Änderung, ohne erst einmal wissen wollte, und an die vielen Entschließungs-
die Lagebeurteilung — Eingang der Anträge usf. — anträge, die hier seitens der FDP gestellt werden
abzuwarten. Wäre diese Lagebeurteilung heute be- mußten, damit wenigstens eine 21. Novelle kam.
reits möglich, dann wäre es angebracht und not- Hier ist also zweifellos bei der jetzigen Opposition
wendig, sich Gedanken darüber zu machen, wie ein Nachholbedarf vorhanden. Wir begrüßen es, daß
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 791
Schmidt (Kempten)
I Sie nun etwas nachholen wollen, was Sie vielleicht daß seine Realisierung im Rahmen der materiellen
schon in der Vergangenheit hätten vorziehen Möglichkeiten nach sozialen Punktsystemen durch-
können. geführt werden kann, daß aber keinesfalls mit
Meine zweite Bemerkung betrifft den Inhalt die- Sozialnovellen der Bereich der Sowjetzonenflücht-
ser Novelle, insbesondere die Bereiche, die die linge abgedeckt werden kann. Denn auf der anderen
21. Novelle sozusagen ausweiten sollen. Wie dieser Seite haben wir im Lastenausgleich einen Rechts-
Inhalt beurteilt wird, sagt wohl am besten ein Be- anspruch. Zweierlei Maß geht hier auf die Dauer
schluß der Betroffenen. Ich darf mit Erlaubnis des nicht. Ihr Vorschlag würde weiter den Weg der So-
Herrn Präsidenten zitieren, daß der Rechts- und zialnovellen gehen. Die Regierungserklärung und
Sozialausschuß des Bundes der Mitteldeutschen, der auch die Vorstellungen, die wir Freien Demokraten
bei der Vorbereitung dieser Novelle anscheinend immer gehabt haben, werden den Weg zur recht-
überhaupt nicht gefragt worden ist, in seiner gestri- lichen Gleichstellung gehen. Ich bin sicher, daß die
gen oder vorgestrigen Sitzung gesagt hat: Der Bund Novelle, die die Bundesregierung vorlegen wird,
der Mitteldeutschen lehnt deshalb die Gesetzesvor- hier bereits andere Weichen stellt, als das Ihr
lage zu diesem Punkt ab. — Das ist all das, was mit Entwurf tun will. Wir werden im Ausschuß dann
Einkommensgrenzen und diesen Dingen zu tun hat. das Beste aus allem machen können.
Also scheint die Weihnachtsüberraschung, die Sie (Beifall bei den Regierungsparteien.)
mit dem Antrag machen wollten, auch nicht ganz
gelungen zu sein.
Präsident von Hassel: Das Wort hat der Ab-
geordnete Czaja.
Präsident von Hassel: Gestatten Sie eine
Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Fircks?
Dr. Czaja (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Ich habe mich in der Aussprache
Freiherr von Fircks (CDU/CSU) : Herr Kollege zur ersten Lesung zu Wort gemeldet, um zwei Miß-
Schmidt, gebe n Si e mir recht, daß das volle Zitat
verständnissen vorzubeugen, vor allem, um diese
dahingehend lautet, daß der Bund der Mitteldeut- Gefahr durch eine zu rasche Behandlung dieser No-
schen die Regelung als unzureichend ablehnt, daß velle zu verhindern. Erstens hat der Herr Kollege
also die Entschließung nur sagen will: wir möchten Dr. Hupka auf die Verwirrung hingewiesen, die
mehr haben in den einzelnen Bereichen, und nicht, durch die Belastung des Bundeshaushalts eintrete.
daß man die Regelung als solche ablehnt? Es ist verständlich, daß neu zu uns stoßende Kol-
legen die schwierige Materie des Lastenausgleichs-
Schmidt (Kempten) (FDP) : Sie lehnen natürlich gesetzes nicht voll beherrschen. Ich möchte mir aber
nicht ab, einen Schritt weiter zu tun, aber lehnen doch den Hinweis gestatten, daß es im Sinne einer
die Methode ab, genauso wie wir sie immer abge- raschen Lösung und auch im Sinne der raschen Be-
lehnt haben. handlung dieser Materie in dem zuständigen feder-
führenden Ausschuß und im Haushaltsausschuß not-
(Abg. Dr. Czaja: Haben Sie eine bessere
Methode?) wendig ist, schon jetzt darauf hinzuweisen, daß die
Leistungen von Bund und Ländern gesetzlich in
Am interessantesten war aber wohl — und das einem Plafond, nämlich in Art. 6 des Lastenaus-
sollte einmal gesagt werden , daß selbst der Prä- gleichsgesetzes, verankert sind und daß dieser Ge-
sident des Bundes der Mitteldeutschen die von der setzentwurf natürlich keine Überschreitung dieses
Opposition vorgelegte Novelle erst gesehen hat, als Plafonds vorsieht. Insofern ist der Bundeshaushalt
sie ausgedruckt war, obwohl er ein Mitglied Ihrer unmittelbar in keiner Weise davon betroffen. Das ist
Fraktion ist, meine Damen und Herren. Immerhin das erste, was eindeutig festgestellt werden muß.
eine interessante Entstehungsgeschichte dieser Vor-
(Sehr richtig! bei der CDU/CSU.)
lage.
Nun zur Sache selbst! Wir Freien Demokraten Zweitens muß festgestellt werden, daß der un-
waren immer der Meinung — und die Regierungs- mittelbar betroffene Wirtschafts- und Finanzplan
erklärung der jetzigen Bundesregierung hat das des Bundesausgleichsamts in der vergangenen
ebenfalls deutlich gemacht —, daß es notwendig ist, Woche einstimmig — also auch mit den Stimmen
für die Sowjetzonenflüchtlinge eine rechtliche Gleich- der SPD — angenommen worden ist und bereits
stellung mit den Heimatvertriebenen zu verankern. Ansätze zumindest zur Anhebung der Unterhalts-
Das steht in der Regierungserklärung. Wir be- hilfe — wir haben vorgesehen, das auch auf die
grüßen es, daß die Opposition hier Anregungen ge- Entschädigungsrenten auszudehnen enthält. Im
geben hat. Wir sehen diese Anregungen aber nur übrigen ermöglichen die Differenzierung und die
als eine Ausweitung der 21. Novelle, der Sozial- Elastizität des Wirtschafts- und Finanzplans des
novelle, an, nicht als das, was geschehen muß, was Bundesausgleichsamts die Unterbringung der ent-
dieses Hohe Haus verabschieden muß und was zwei- sprechenden Summen. Das wurde zur Befriedigung
fellos im Rahmen der zu erarbeitenden Regie- aller Fraktionen vom Präsidenten des Bundesaus-
rungsvorlage für die Beratungen der 23. Novelle und gleichsamts festgestellt.
der von der Bundesregierung vorzulegenden No- Ich möchte daher bitten, die Beratung der Novelle
velle noch klar und deutlich festzulegen ist: daß ein nicht auf Grund dieser vielleicht ein falsches Licht
Rechtsanspruch für Sowjetzonenflüchtlinge wie für auf die Novelle werfenden Formulierungen aufzu-
Heimatvertriebene in gleicher Weise verankert, halten. Eines müssen Sie wissen: Wer rasch gibt,
792 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Dr. Czaja
gibt doppelt. Die Lastenausgleichsberechtigten sind schieht, was Herr Schmidt will. Solange Herr Schmidt
weiß Gott ebenso wie die übrigen Geschädigten und diesen Antrag aber nicht stellt, ist eine Kritik an
Kriegsopfer berechtigt, bald zu wissen, was sie be- der CDU, die hier Roß und Reiter und Zahlen ge-
kommen. nannt sowie Anträge gestellt hat, nicht am Platze.
Nun zu dem zweiten Punkt, meine Damen und Ich bitte, nachdem der Herr Kollege Schmidt am
Herren. Mein verehrter Kollege von den Freien Schluß die Dinge begrüßt hat, darum, daß man bald
Demokraten hat gesagt, es bestünde ein Nachhol- zur Verabschiedung dieser Novelle kommt und daß
bedarf. Wir haben, um keine Wahlgeschenke zu man die Verbände in den Ausschuß- oder Unter-
machen, hier nicht vorzeitig Vorlagen eingebracht. ausschußsitzungen hört. — Herr Kollege Schmidt,
Wir sind aber — das möchte ich noch einmal fest- Sie wollten dazu noch etwas fragen? — Bitte!
stellen — hier die ersten gewesen, die klar und
ausformuliert dargelegt haben, was gewollt ist. Ich
hoffe, daß Sie uns bei diesem Nachholverfahren Präsident von Hassel: Zu einer Zwischenfrage,
unterstützen. Alle Erklärungen, daß bestimmte Lei- Herr Abgeordneter Schmidt.
stungen nicht ausreichend seien, besagen gar nichts,
solange hier keine Formulierungen vorgelegt wer-
Schmidt (Kempten) (FDP): Herr Kollege Czaja,
den, aus denen klar wird, wofür m an eintritt und
ist Ihnen entgangen, daß ich festgestellt habe, daß
was man will.
das, was ich für die FDP vertreten habe, im Eingang
(Abg. Dr. Schäfer [Tübingen] : Woher haben mit der Regierungserklärung steht und daß wir des-
Sie denn den formulierten Antrag bezogen?) halb innerhalb der Möglichkeiten, der Zeitabläufe,
— Herr Kollege Dr. Schäfer, wir sind ziemlich er die da sind, im Sinne dieser Regierungserklärung
fahren, was das Lastenausgleichsrecht angeht. solche Vorstellungen für das Haus bekommen wer-
den?
(Beifall bei der CDU/CSU.)
(Vorsitz: Vizepräsident Dr. Schmitt-
Wir haben uns natürlich mit den verschiedenen
Vockenhausen.)
Fachleuten zusammengesetzt. Wir haben ein offenes
Ohr für das, was die Verbände sagen. Wir wissen
auch, was in den Verbänden gesprochen wird und Dr. Czaja (CDU/CSU) : Sehr richtig, Herr Kollege
was sie wünschen. Aber wir sind Parlamentarier Schmidt. Nur muß man nicht nur erklären, sondern
genug, um zu wissen, was dem Lastenausgleich not auch handeln. Handeln tut man im Parlament, in-
tut, und eben das haben wir hier beantragt. dem man Gesetzentwürfe vorlegt. Wir haben einen
(Beifall bei der CDU/CSU.) Gesetzentwurf vorgelegt. Legen Sie im Januar auch
einen vor, dann haben Sie gehandelt. Wir haben
Der Herr Kollege Schmidt (Kempten) hat aus-
nichts von Erklärungen, sondern nur etwas von der
geführt, daß man noch weitergehen müsse, ins-
Ausführung der Regierungserklärung. Wir möchten
besondere bei der Gleichstellung der Sowjetzonen-
die Sache schnell verabschiedet sehen.
flüchtlinge. Wir meinen, daß diejenigen Familien
mit zwei Kindern, die 2000 DM Einkommen haben, (Beifall hei der CDU/CSU.)
endlich auch die Hauptentschädigung für Sowjet-
zonenflüchtlinge ausgezahlt bekommen sollten. Die
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
bürokratischen Bremsen müssen hier gelöst werden.
-

Herr Kollege Hupka, war das vorhin die Meldung


Wenn das vollzogen ist, werden wir weitergehen.
zu einer Zwischenfrage, oder sollte es noch eine
Wenn Vorschläge gemacht werden, hier sofort Wortmeldung sein?
weiterzugehen, so muß ich dazu sagen, daß dann
natürlich eine Konkurrenzsituation zwischen den La- (Abg. Dr. Hupka: Eine Wortmeldung! Aber
stenausgleichsgeschädigten, und zwar den Vertrie- ich ziehe sie zurück!)
benen auf der einen Seite und den Kriegssachge- — Sie ziehen zurück. Das Wort hat der Herr Bun-
schädigten auf der anderen Seite, und den Sowjet- desinnenminister.
zonenflüchtlingen entsteht. Der Kollege Fircks hat
sich klar dafür ausgesprochen, daß zugunsten der
Gleichstellung der Sowjetzonenflüchtlinge aus dem Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Prä-
für die Vertriebenen und Kriegssachgeschädigten sident! Meine Damen und Herren! Bei dieser fort-
vorgesehenen Volumen 1 Milliarde DM zur Verfü- geschrittenen Zeit will ich nur wenige kurze Bemer-
gung gestellt wird. Dieses Volumen war bereits kungen machen.
-
1951 in dieser Größenordnung vorgesehen, zu einer Meine verehrten Kolleginnen und Kollegen von
Zeit also, in der das Bruttosozialprodukt etwa ein der CDU/CSU, was dem Lastenausgleich vornehmlich
Fünftel des heutigen Bruttosozialproduktes ausmach- not tut, ist Klarheit, Übersichtlichkeit und die Mög-
te. Wenn Sie mehr wollen — hier möchte ich an die lichkeit, schnell abzuwickeln. Wir haben hier eine
Ausführungen des Kollegen von Fircks anknüpfen 21. Novelle, nach der eine erste Auszahlung der
—, so kann ich Ihnen nur sagen: Es ist Aufgabe de- Leistungen, die Sie jetzt schon wieder verändern
rer, die den von uns vorgeschlagenen Weg kriti- und verbessern wollen, frühestens zum 1. Januar
sieren, zu beantragen — ich möchte an die Regie- 1970 stattfinden könnte. Jetzt überrollen Sie diese
rung appellieren, an diese Aufgabe heranzugehen eben geschaffene Gesetzgebung, über deren Auswir-
daß dem Fonds aus Haushaltsmitteln die nötigen kung wir eine volle Übersicht noch nicht haben. Sie
Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit das ge- verwirren damit die Verwaltung und bewirken, daß
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 793

Bundesminister Genscher
im Grunde die Empfangsberechtigten später zu ihren stimmungen plötzlich ein Leistungsabfall ein. Diese
Leistungen kommen, als das normalerweise der Fall Probleme müssen Sie sehen.
wäre.
(Beifall bei den Regierungsparteien. — Abg. Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Dr. Czaja: Das müssen Sie noch lernen!) Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage des
Kollegen von Fircks?
— Herr Kollege Dr. Czaja, ich habe es nicht nett
gefunden, daß Sie einem neuen Kollegen gesagt
haben: Sie sind neu, und Sie wissen das noch nicht. Genscher, Bundesminister des Innern: Bitte
— Jetzt sagen Sie mir: „Das müssen Sie noch ler- schön!
nen!" Erinnern Sie sich: Wir alle, die Fraktionen
dieses Hauses, haben im letzten Bundestag beschlos-
sen, daß über die Erfahrungen mit der 21. Novelle Freiherr von Fircks (CDU/CSU) : Herr Minister,
bis zum 1. April 1972 ein Bericht erstattet werden würden Sie mir zugeben, daß im Augenblick durch
soll, damit wir dann Konsequenzen ziehen können. die breite und sehr starke Anhebung im Bereich
Aber Sie brauchen diesen Bericht gar nicht, Sie der Versorgung und auch der Gehälter für all jene
ziehen die Konsequenzen schon heute eine andere Situation entstanden ist, für die der
Staat zuständig ist, und daß sich in diesem Falle die
(Abg. Dr. Czaja: Das müssen Sie Herrn Unterhaltshilfeempfänger mit Sicherheit besonders
Schmidt sagen!) benachteiligt sehen würden, wenn sie angesichts
und erwecken damit möglicherweise unberechtigte dieser rasanten Entwicklung, die jetzt zum 1. Januar
Hoffnungen. eingetreten ist, nicht zu einem in etwa naheliegen-
den Zeitpunkt auch anders bedacht werden als
(Abg. Dr. Schäfer [Tübingen]: Das will er ja!) früher?
Die Bundesregierung hat in der Regierungserklä-
rung ihren Willen bekundet, den Lastenausgleich Genscher, Bundesminister des Innern: Dennoch
für die Flüchtlinge zu einem gerechten Abschluß zu sind wir bemüht, die Erhöhung der Unterhaltshilfe
bringen. Unabhängig von dieser Entschließung des und des Selbständigenzuschlags ohne die Kompli-
Deutschen Bundestages ist das Bundesministerium zierung, die Sie systemwidrig vorschlagen, zum
des Innern im Augenblick schon dabei, sich eine ver- 1. Juni vorzunehmen, um eben jenen Leistungsab-
läßliche Übersicht darüber zu schaffen, inwieweit die fall zu vermeiden. Wir werden dabei bis an die
für die 21. Novelle zur Verfügung gestellten Beträge äußerste Grenze des Möglichen gehen, weil wir das
wirklich ausgeschöpft werden, damit wir dann auf Problem als solches genauso sehen wie Sie, Herr Kol-
Grund des freibleibenden Betrages eine neue lege. Aber Sie arbeiten auch in dieser Frage ein
Novelle vorlegen können, deren Ausführung wir wenig abweichend von dem Stillhalteabkommen, das
auf einer soliden Finanzgrundlage einhalten können. das hier geschlossen wurde. Haushaltswirksam sind
Diese Garantie können Sie mit ihrem Antrag nicht die Entscheidungen, die Sie vorschlagen, auf jeden
geben, weil Sie diese solide Berechnungsgrundlage Fall, und wir waren uns eigentlich einig geworden,
nicht haben, Herr Kollege. daß wir uns zunächst einmal über die mittelfristige
Finanzplanung Gedanken machen wollen. Das ist,
(Beifall bei den Regierungsparteien. — Abg. wenn Sie so wollen, ein weiterer Sündenfall in
Dr. Czaja: Schaffen Sie sie schnellstens!) dieser Richtung.
Wir schaffen sie sehr schnell, und wir werden im (Abg. Freiherr von Fircks meldet sich zu
ersten Halbjahr 1970 einen ausgewogenen, auf soli- einer weiteren Zwischenfrage.)
der Grundlage stehenden Antrag den gesetzgeben-
den Körperschaften zuleiten.
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Ich kann im übrigen auf die Bedenken, die schon Herr Kollege, darf ich nur sagen, ich wäre Ihnen
vorgetragen worden sind, hinweisen. Insbesondere dankbar, wenn Sie sich liebenswürdigerweise bei
möchte ich davor warnen, daß wir hier eine mate- den weiteren Fragen jener Prägnanz und Kürze,
rielle Lastenausgleichsgesetzgebung wieder mit den die Zwischenfragen haben sollen, befleißigten.
Fragen der Unterhaltshilfe verknüpfen. Bewußt hat Bitte schön, Herr Kollege!
man in der Vergangenheit — und gerade aus Ihrem
politischen Lager — die Trennung vorgenommen,
um die Anpassung der Unterhaltshilfe unbehelligt Freiherr von Fircks (CDU / CSU) : Herr Minister,
von anderen sehr schwierigen Fragen dann, wenn habe ich richtig gehört, sagten Sie „1. Juni"?
es notwendig ist, zügig fortführen zu können. Daran
wird die Bundesregierung festhalten, daran werden Genscher, Bundesminister des Innern: Das soll
die Regierungsparteien festhalten. Wir werden auch zum 1. Juni wirksam werden.
hierzu rechtzeitig, so daß er zum 1. Juni 1970 in Kraft
treten kann, einen Gesetzentwurf vorlegen. Aber
auch dabei werden wir jene Wirkung vermeiden, die Freiherr von Fircks (CDU/CSU) : Sind Sie zum
von den Sprechern der Koalition mit Recht kritisiert zweiten mit mir der Auffassung, daß die auf den
worden ist. Nach Ihren Vorstellungen werden die Bund zukommenden bestenfalls 6 Millionen DM
Leistungen erhöht, Erwartungen werden zusätzlich aus dem Sechstel für dieses Jahr keine Problem-
erweckt, und dann tritt durch die Anrechnungsbe- größe für den Bundeshaushalt sind?
794 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Genscher, Bundesminister des Innern: Im Zu- Der Ältestenrat schlägt Überweisung an den
sammenhang mit dem Gesamtvolumen des Bundes- Innenausschuß — federführend — sowie an den
haushalts ist das ohne Zweifel richtig. Aber, Herr Haushaltsausschuß gemäß § 96 der Geschäftsord-
Kollege, Ihr Fraktionsvorsitzender hat hier bei nung vor. Andere Vorschläge werden nicht gemacht.
seiner Rede zum Stillhalteabkommen eine Aus- — Die Überweisung ist beschlossen.
nahme genannt und nach Abmahnung haben Sie Ich rufe nunmehr den Punkt 15 der Tagesordnung
noch ein paar angefügt. Diesen Bereich haben Sie auf:
damals offenbar noch nicht so klar gesehen wie jetzt Erste Beratung des von der Fraktion der
bei der Vorlage dieses Antrages. Ich glaube, wir CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines
sollten auch hier bereit sein, uns im Rahmen der Sechsten Gesetzes über die Erhöhung von
mittelfristigen Finanzplanung zu bewegen, denn Dienst- und Versorgungsbezügen (6. Besol-
natürlich gibt es viele dringliche Anliegen, die mit dungserhöhungsgesetz)
gleicher Begründung auch zu einer Abweichung
— Drucksache VI/131 —
veranlassen könnten.
Beratung des Antrags der Fraktion der CDU/
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-
CSU betr. Beamtenbesoldung
Herr Bundesminister, gestatten Sie eine Zwischen- — Drucksache VI/130 —
frage des Kollegen Czaja?
Ich frage, ob das Wort gewünscht wird. — Herr
Kollege Wagner, bitte schön!
Genscher, Bundesminister des Innern: Bitte
schön!
Wagner (Günzburg) (CDU/CSU) : Herr Präsident!
Meine Damen und Herren! Ich begründe die An-
Czaja (CDU/CSU) : Herr Bundesminister, würden
träge der CDU/CSU-Fraktion Drucksachen VI/130
Sie zugeben und feststellen, daß der CDU/CSU-An-
und 131.
trag keine Änderung des § 6, also der Beiträge von
Bund und Ländern zum Lastenausgleichsgesetz ent- Besoldungsverbesserungen für Beamte und Ver-
hält? sorgungsempfänger des Bundes sind keine Ge-
schenke. Das Grundgesetz hat dem Gesetzgeber den
Genscher, Bundesminister des Innern: Das ist Auftrag erteilt, das Recht des öffentlichen Dienstes
richtig, das schlagen Sie nicht vor. unter Berücksichtigung der hergebrachten Grund-
sätze zu regeln. Dieser Auftrag beinhaltet insbeson-
Meine Damen und Herren, ich stelle also fest, dere auch die Pflicht, die Besoldung der Beamten
daß der Antrag der CDU/CSU, soweit er nicht die an die wirtschaftliche Gesamtentwicklung und spe-
Frage der Unterhaltshilfe angeht, nicht auf einer ziell an die allgemeine Einkommensentwicklung an-
gesicherten Basis beruht, sondern daß er spekulativ zupassen. Zwar hat auch die Bundesregierung in
zusätzliche Leistungen vorsieht, während wir in ihrer Regierungserklärung diese Tatsache ausdrück-
wenigen Monaten hoffen, in der Lage zu sein, eine lich anerkannt, aber sie hat sich zu einer Handlung
verläßliche Grundlage schaffen zu können, so daß bisher nicht entschlossen. Wohl haben auch Mit-
wir dann durch Vorlage eines Gesetzentwurfs auch glieder der Bundesregierung in bezug auf eine Be-
wirklich nur so viel ankündigen, wie wir aus den soldungserhöhung wiederholt Absichtserklärungen
zur Verfügung stehenden Mitteln tatsächlich leisten abgegeben. Wenn ich aber an das Schicksal anderer
können, also die Gefahr vermeiden, daß falsche Absichtserklärungen von Mitgliedern der Bundes-
Hoffnungen erweckt werden. Darüber hinaus würde regierung denke, etwa an die Gewährung von Weih-
ich es für richtig halten, wenn auch die CDU/CSU nachtszuwendungen an die Rentner, dann erscheint
bereit wäre, wieder zu der Trennung der Unterhalts- mir der Wert solcher Absichtserklärungen zweifel-
hilfe von dem anderen Teil des Lastenausgleichs haft.
zurückzukehren, und, meine verehrten Kolleginnen
(Abg. Dorn: Das gilt vor allen Dingen auch
und Kollegen von der Opposition, wenn Sie mit
für die vorige Legislaturperiode!)
uns bereit wären, nicht zusätzliche Komplizierungen,
Bei dieser Sachlage bestand für die Fraktion der
(Abg. Dr. Czaja: Welche?)
CDU/CSU nicht nur das Recht, sondern im Hinblick
wie sie die Annahme dieses Antrags zur Folge auf die Verantwortung, die auch wir als Opposition
hätte, in die Lastenausgleichsgesetzgebung hineinzu- in diesem Hause tragen, die Pflicht, die Initiative zu
bringen und darüber hinaus nicht durch aus dem ergreifen. Eine solche Initiative ist nur dann glaub-
Handgelenk vorgelegte Novellen die Verwaltung würdig, wenn sie nicht nur allgemeine Formulie-
zu verunsichern und im Grunde bei ihrer Arbeit zu rungen enthält, sondern konkret aufzeigt, was ge-
behindern. Das wünschen wir im Interesse der schehen soll.
schnellen Abwicklung der Lastenausgleichsgesetz- Die Fraktion der CDU/CSU hält eine fühlbare
gebung für die Berechtigten. und rasche Erhöhung der Beamtenbezüge für drin-
(Beifall bei den Regierungsparteien.) gend geboten. Diesem Ziel dient der von uns ein-
gebrachte Entwurf eines Sechsten Gesetzes über die
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-
Erhöhung von Dienst- und Versorgungsbezügen,
Meine Damen und Herren, wir stehen am Ende der Drucksache VI/131.
ersten Beratung der 23. Novelle zum Lastenaus- In der Debatte vom 26. November 1969 hat das
gleichsgesetz. Haus Einigkeit darüber erzielt, daß von den Mehr-
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 795
Wagner (Günzburg)
ausgabebeschlüssen, die erst bei der Beratung des Drittens wollen wir mit unserer Gesetzesinitiative
Haushalts abschließend behandelt werden sollen, endlich erreichen, daß über den bestehenden Besol-
neben der Erhöhung der Renten für die Kriegsopfer dungsrückstand der Beamten nicht nur diskutiert,
und dem Ausgleich des der Landwirtschaft durch die sondern ein erster, wirklicher Schritt zum Abbau
D-Mark-Aufwertung entstandenen Einkommensver- dieses Rückstandes vollzogen wird.
lustes auch die Erhöhung der Einkommen im öffent-
lichen Dienst ausgenommen wird. Es widerspricht (Abg. Dorn: Sehr gut!)
daher nicht dieser Vereinbarung, wenn wir nunmehr Wenn diese drei berechtigten Forderungen — die
eine Initiative für eine dringend erforderliche Besol- Angleichung der Beamtengehälter an die wirtschaft-
dungserhöhung ergriffen haben und schon gar nicht liche Entwicklung des Jahres 1969, die Berücksichti-
kann dieses Verhalten die Seriosität und die Soli- gung der voraussichtlichen Entwicklung des Jahres
dität des vom Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion 1970 und der teilweise Abbau des Besoldungsrück-
gemachten Angebots in Zweifel ziehen. standes — erfüllt werden sollen, müssen die Be-
(Beifall bei der CDU/CSU.) amtengehälter um wenigstens 12 % erhöht werden.
Die Bezieher niedriger Beamteneinkommen müssen
Meine Damen und Herren, was den Zeitpunkt ein Großteil ihrer Gehälter zur Bestreitung der
unserer Gesetzesinitiative betrifft, so möchten wir Kosten der Lebenshaltung ausgeben, die sich durch
klar und deutlich zum Ausdruck bringen, daß unse- vorgenommene und angekündigte Preissteigerungen
rer Meinung nach die Erhöhung der Beamtenbesol- stark erhöht haben und erhöhen werden. Will man
dung nicht als Anhängsel der Tarifverhandlungen diesen Personenkreis nicht nur dafür entschädigen,
für Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Dienst sondern ihm eine fühlbare Besserstellung verschaf-
behandelt werden sollte. Unabhängig von Über- fen, reicht die prozentuale Erhöhung allein nicht
legungen über das notwendige Maß der Erhöhung aus. In Anlehnung an die bei der Gewährung der
der Löhne und Gehälter für Arbeiter und Ange- Überbrückungszulage für die Monate Oktober bis
stellte im öffentlichen Dienst muß daher die Frage Dezember 1969 angestellten Überlegungen halten
untersucht werden, in welchem Umfang die Einkom- wir daher die Einführung eines Mindesterhöhungs
men für die Beamten zu erhöhen sind, zumal für betrages von 100 DM für erforderlich.
Personalverstärkungsmittel nur e i n Topf und e i n
Haushaltstitel zur Verfügung steht. Wir werden in der weiteren, wie ich hoffe, zügi-
gen Beratung unserer Anträge in den Ausschüssen
Für die von der Fraktion der CDU/CSU geforderte und hier im Haus auch prüfen, inwieweit Argumente
lineare Erhöhung der Beamtengehälter um 12 % gerechtfertigt sind, die dafür vorgebracht werden,
waren drei Faktoren ausschlaggebend: daß auch den Versorgungsempfängern dieser Min-
desterhöhungsbetrag ungekürzt zur Verfügung ge-
Der von uns eingebrachte Gesetzentwurf soll stellt werden soll.
erstens verhindern, daß die Besoldungsentwicklung
im öffentlichen Dienst erneut hinter der allgemeinen Meine Damen und Herren, wir verkennen nicht
Einkommensentwicklung zurückbleibt, und so der die Tatsache, daß die von uns beantragte Besol-
Besoldungsrückstand als Folge verzögerter Sachbe- dungserhöhung sich auf die gesamte wirtschaftliche
handlung noch größer wird. Die wirtschaftliche Ent- Lage auswirkt. Wir sind bereit, einen Teil der Er-
wicklung des Jahres 1969 war insbesondere durch höhung, der für den Abbau des Besoldungsrück-
die im Herbst einsetzenden massiven Lohnsteige- standes vorgesehen ist, in Form von vermögens-
rungen gekennzeichnet. Die mit dem Zweiten Besol- wirksamen Leistungen zu gewähren, falls die kon-
dungsneuregelungsgesetz verbundene Besoldungs- junkturelle Lage dies erfordert. Damit würde zu-
erhöhung von 5,6 %, die auf der unzutreffenden, gleich ein erster Schritt zur breiten Streuung von
weil zu niedrigen, Zielprojektion des Bundeswirt- Eigentum getan werden, den wir aus gesellschafts-
schaftsministers beruhte, reicht natürlich nicht aus, politischen Überlegungen für erforderlich halten.
die geforderte Angleichung an die inzwischen ein- (Beifall bei der CDU/CSU.)
getretene Entwicklung zu verwirklichen. Die für die
Monate Oktober bis Dezember gewährte Über- Neben einer fühlbaren und raschen Erhöhung der
brückungszahlung brachte zwar eine weitere Ver- Beamtengehälter halten wir es für erforderlich, daß
besserung. Doch ist auch damit noch nicht der vom drei weitere Probleme aus dem Bereich der Beamten-
Bundeswirtschaftsminister nunmehr auf 11 % ge- besoldung einer Lösung zugeführt werden. Dieses
schätzte Zuwachs des Volkseinkommens für das Ziel verfolgen wir mit unserem Antrag Drucksache
Jahr 1969 erreicht. Zudem bringt die Überbrückungs- VI/130. -
zulage eine Verbesserung nur für das Jahr 1969,
während die in jüngster Zeit in der privaten Wirt- Die Fraktion der CDU/CSU ist der Auffassung,
schaft vereinbarten Lohnerhöhungen auch in das daß die Diskussion über die Höhe und den Berech-
kommende Jahr hinein fortwirken. nungsmodus des Rückstandes der Beamtenbesol-
dung zum Abschluß gebracht werden muß. Dazu ist
Zum zweiten verfolgen wir mit unserem Gesetz- es notwendig, daß die Bundesregierung hier klar und
entwurf das Ziel, auch die im Jahre 1970 zu erwar- eindeutig erklärt, inwieweit der Einkommenszu-
tenden Einkommensentwicklungen zu berücksichti- wachs der Beamten hinter dem Volkseinkommens-
gen. Der Antrag unserer Fraktion trägt der vom zuwachs zurückgeblieben ist und in welcher Form
Bundeswirtschaftsminister geschätzten Wachstums- dieser Rückstand in der kommenden Zeit abgetragen
rate des Volksvermögens um 9 % Rechnung. werden soll.
796 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Wagner (Günzburg)
Die Fraktion der CDU/CSU ist ferner der Auf- Diese Aussage beinhaltet genauso das Wollen,
fassung, daß heute eine Unterscheidung in zwei die Ausbildung und Fortbildung so zu gestalten, daß
unterschiedlich ausgestattete Ortsklassen im Orts- der Beamte auch in Zukunft den Aufgaben der
zuschlag nicht mehr gerechtfertigt ist. modernen Gesellschaft gerecht werden kann.
(Beifall bei der CDU/CSU.) Die CDU/CSU-Fraktion bekennt sich zu den
Grundgedanken des Berufsbeamtentums. Wir be-
Die Lebenshaltungskosten in kleineren Städten und
kennen uns damit gleichzeitig zu der dem Staat
auf dem Lande haben sich den Lebenshaltungs-
aufgegebenen Fürsorgepflicht. Mit unserem Gesetz-
kosten in den Großstädten nahezu angeglichen. Des-
entwurf sind wir dieser Fürsorgepflicht nachgekom-
halb müssen die Sätze der Ortsklasse A auf das
men, und wir meinen, daß wir damit auch einen
Niveau der Ortsklasse S angehoben werden.
Beitrag zur Festigung des Vertrauensverhältnisses
Schließlich ist es nach unserer Auffassung an der zwischen Gesetzgeber und Beamtenschaft und dem
Zeit, die Konsequenzen aus den in den letzten öffentlichen Dienst schlechthin leisten.
Jahren erfolgten Stellenplanverbesserungen für (Beifall bei der CDU/CSU.)
einen bisher davon nicht in vollem Umfang betrof-
fenen Personenkreis zu ziehen. Eine große Anzahl
von Versorgungsempfängern, die vor dem Inkraft- Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

treten dieser Verbesserungen in den Ruhestand ge- Das Wort hat der Herr Bundesinnenminister.
treten sind, wäre weiter befördert worden, hätten (Abg. Rösing: Er kann nur zustimmen!)
damals nur ebenso günstige Stellenplanverbesse-
rungen wie heute bestanden. Die Benachteiligung
dieses Personenkreises zu beseitigen, ist das Ziel Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Prä-
unseres Vorschlages. sident! Meine Damen und Herren! Der Herr Kollege
Wagner hat hier eine gute Oppositionsrede gehal-
Die Fraktion der CDU/CSU ist sich sehr wohl der ten — eine gute Oppositionsrede gegen die Besol-
Tatsache bewußt, daß auch die mit dem Gesetzent- dungspolitik aus der Zeit, in der Angehörige Ihrer
wurf angestrebten Besoldungsverbesserungen sowie Fraktion in den verschiedenen Bundesregierungen
die im Antrag auf Drucksache VI/130 geforderten für diesen. Bereich verantwortlich waren.
strukturellen Verbesserungen einen beachtlichen
finanziellen Aufwand erfordern. Wir sind jedoch (Beifall bei den Regierungsparteien. —
der Meinung, daß diese Fragen nicht ausschließlich Zurufe von der CDU/CSU.)
unter haushalts- und konjunkturpolitischen Gesichts — Meine Damen und Herren von der CDU/CSU, ich
punkten betrachtet werden dürfen. Es kann nicht oft würde an Ihrer Stelle nicht so unbefangen vom Be-
genug betont werden, daß die kontinuierliche Er- soldungsrückstand sprechen, wenn ich selber mit
füllung der von der öffentlichen Hand zu erbrin- meiner Politik der Urheber dieses Besoldungsrück-
genden Verwaltungsleistungen entscheidend für die standes wäre.
Entwicklung unserer gesamten Wirtschaft ist. Für die
(Beifall bei den Regierungsparteien. — Abg.
Erfüllung dieser Leistungen brauchen wir nicht
Dr. Klepsch: Da klatscht der Koalitionspart
einen Staatsdiener neuen Typs, sprich: den Tarif-
ner! — Abg. Rösing: Immer dieselbe
beamten, wie er in jüngster Zeit von dem Vor-
Platte!)
sitzenden der Gewerkschaft Öffentliche Dienste,
Transport und Verkehr gefordert wurde. Ich habe — Ja, wenn es auch wehtut, Herr Kollege Rösing
die Vermutung, daß hinter dieser Aussage nicht — es muß gesagt werden!
so sehr Reformwille als mehr das Bestreben nach „Die Bundesregierung ist der Überzeugung" —
mehr Einfluß steckt. so heißt es in der Regierungserklärung —, „daß die
(Zuruf von der SPD: Na und?) Angehörigen des öffentlichen Dienstes Anspruch ha-
ben auf Teilnahme an dem allgemeinen wirtschaft-
Wir brauchen weiterhin den Beamten, der bereit lichen Fortschritt." Auf dieser Grundlage haben wir
ist, nach den hergebrachten Grundsätzen des Be- unmittelbar nach Übernahme der Amtsgeschäfte
rufsbeamtentums seine Aufgabe zu erfüllen. die Vorbereitungen für die Besoldungserhöhungen
(Abg. Dr. Klesch: Sehr gut!) des Jahres 1970 aufgenommen. In zahlreichen Ge-
sprächen haben wir mit Vertretern der Beamten,
Diese Aussage beinhaltet gleichzeitig, daß wir diese Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst
Grundsätze, wo immer notwendig, fortentwickeln die vor uns stehenden Probleme erörtert, um diese -
wollen, beispielsweise in der Form, daß die Mehr- legitimen Vertreter der Angehörigen des öffent-
leistung mehr als bisher anerkannt wird. lichen Dienstes frühzeitig in unsere Erwägungen
einzubeziehen. Wir haben diese Gespräche in einem
Zeitpunkt aufgenommen, in dem jedenfalls für die
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-
breitere Öffentlichkeit noch nicht erkennbar war,
Herr Kollege, das Signal ist zu spät eingeschaltet
daß die Besoldung im öffentlichen Dienst für das
worden; ich wollte Sie nur darauf aufmerksam
Jahr 1970 ein aktuelles Problem unserer Innen-
machen, daß Ihre Redezeit zu Ende ist.
politik darstellt. Ja wir haben sogar im Bereich der
Betroffenen Überraschung darüber angetroffen, daß
Wagner (Günzburg) (CDU/CSU) : Nur zwei, drei sich die Bundesregierung sofort mit diesen Fragen
Sätze noch, Herr Präsident. befaßt hat. Manche dieser Betroffenen waren übri-
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 797

Bundesminister Genscher
gens im Gegensatz zur Opposition durchaus bereit, daß es eine Erklärung der CDU/CSU-Fraktion vom
der Bundesregierung eine gewisse Schon- und Ein- gleichen Tag gibt, in der ausdrücklich die drei Be-
arbeitungszeit zu bewilligen. Aber wir hielten es reiche aufgezählt sind,
für richtig, diese Initiative rechtzeitig zu ergreifen, (Zurufe von den Regierungsparteien: Hin
um damit sichtbar zu machen, daß sich die Bundes- terher!)
regierung ihrer Verantwortung für die Besoldungs-
politik im öffentlichen Dienst voll bewußt ist und die wir ausgenommen haben wollen:
daß sie entschlossen ist, den öffentlichen Dienst aus (Abg. Dr. Schäfer [Tübingen]:: Nach der
der unberechtigten Rolle, die er gelegentlich ohne Debatte!)
seine Schuld in der Öffentlichkeit hatte, der Rolle
Kriegsopferversorgung, Ausgleich des Einkommens-
des Bittstellers in Besoldungsfragen, endlich her-
verlustes für die Landwirtschaft und Besoldung im
auszuführen.
öffentlichen Dienst?
(Beifall bei den Regierungsparteien.)
(Zurufe von der SPD.)
Wir haben bei diesen Gesprächen mit den Ver-
tretern der Angehörigen des öffentlichen Dienstes Genscher, Bundesminister des Innern: Verehrter
allerdings auch keinen Zweifel darüber gelassen, Herr Kollege, auch durch meinen Eintritt in die
daß zu den tragenden Grundsätzen unserer Politik Bundesregierung hat sich meine grundsätzliche par-
Stabilität und Solidität in der Wirtschafts- und lamentarische Auffassung nicht geändert, die darin
Finanzpolitik gehören. Daran werden sich unsere besteht, daß die politisch relevanten Erklärungen
Vorschläge orientieren. nicht über die Presse, sondern in diesem Hohen
Das bedeutet beileibe nicht — um hier von vorn- Hause abgegeben werden.
herein jeder Kritik vorzubeugen —, daß wir zu (Beifall bei den Regierungsparteien.)
denjenigen gehören, die in der Talsohle Besol-
dungserhöhungen ablehnen mit der Begründung, es
sei kein Geld da, und die in der Hochkonjunktur
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Herr Minister, erlauben Sie eine weitere Zwischen-


sagen: „Jetzt darf es keine Besoldungserhöhungen
frage?
geben, uni die Hochkonjunktur nicht noch weiter
anzuheizen." Es geht vielmehr darum, daß wir
unter Berücksichtigung der genannten Grundsätze Genscher, Bundesminister des Innern: Aber bitte
zu einer fühlbaren, aber gleichwohl finanz- und schön, Herr Kollege Klepsch!
wirtschaftspolitisch vertretbaren Erhöhung der Be
züge im öffentlichen Dienst kommen. Es konnte da- Dr. Klepsch (CDU/CSU) : Herr Kollege Genscher,
bei für uns von Anfang an kein Zweifel bestehen, wären Sie so liebenswürdig, das auch Ihrem Kol-
daß diese Besoldungserhöhungen zum 1. Januar 1970 legen Leussink zu raten?
gelten müssen. (Heiterkeit in der Mitte.)
Aber wir waren auch der Meinung, daß wir mit
der Entscheidung über diese Besoldungserhöhungen Genscher, Bundesminister des Innern: Ich habe
nicht warten können, bis der Bundeshaushalt ver- bisher keine Veranlassung gesehen, das zu tun.
abschiedet und über die mittelfristige Finanzpla- Vielleicht können Sie mir einen konkreten Fall nen-
nung entschieden ist. Das war der Grund, warum nen. Bitte schön!
ich in der Sitzung des Deutschen Bundestages am
26. November 1969 sogleich interveniert habe, mei- Dr. Klepsch (CDU/CSU) : Er hat ja im Ausschuß
ne verehrten Kolleginnen und Kollegen von der durch seinen Parlamentarischen Staatssekretär er-
Opposition, als der Herr Abgeordnete Dr. Barzel klärt —
bei seinem Vorschlag für ein Stillhalteabkommen (Zurufe von der SPD.)
nur die Kriegsopfer ausnahm, aber den öffentlichen
Dienst nicht nannte, was doch wohl nur heißen konn-
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-
te, daß er zunächst warten sollte. Und als Herr Kol-
Herr Abgeordneter, Sie sind doch ein langjähriges
lege Mischnick nochmals insistiert hat, hat auch .Ihr
Mitglied dieses Hohen Hauses, so daß ich Sie bitten
zweiter Sprecher, Herr Kollege Dr. Stoltenberg,
muß, die gemäße Form der Frage zu verwenden,
zu dieser Frage nicht Stellung genommen. So scheint
wenn Sie hier etwas sagen wollen. Im Augenblick
es mir, daß Sie in Wahrheit mit diesem Antrag jetzt
habe ich das Gefühl, Sie wollen sich noch sammeln.
ein wenig Initiative in Besoldungsfragen für sich zu- -
Das Wort hat der Herr Bundesinnenminister.
rückgewinnen wollen.

Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:


-
Genscher, Bundesminister des Innern: Meine
Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten verehrten Damen und Herren! Ich glaube, jene
Wagner? Sitzung des Deutschen Bundestages, von der ich eben
sprach, war eine große Stunde in der Geschichte die-
ses Parlaments. Ich habe bei einer anderen Gelegen-
Genscher, Bundesminister des Innern: Bitte sehr! heit gesagt, daß jenes Stillhalteabkommen, das da-
mals zwischen Koalition und Opposition geschlossen
Wagner (Günzburg) (CDU/CSU) : Herr Bundes- wurde, im Grunde ein Akt der staatspolitischen Ver-
minister, sind Sie bereit, zur Kenntnis zu nehmen, antwortung und der Kooperation zwischen Regie-
798 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Bundesminister Genscher
rungs- und Oppositionsparteien sei. Ich muß aber zwar nicht in meine Lage zu versetzen, die durch
heute feststellen, daß Sie nicht nur mit dem Antrag, diesen Antrag sicher nicht vereinfacht wird.
über den wir heute in zweiter und dritter Lesung (Sehr richtig! bei der SPD.)
entschieden haben, sondern auch mit dem Antrag,
über den wir jetzt sprechen, im Begriff sind, jene Vielleicht sollten Sie sich aber einmal in die Lage
gemeinsame Grundlage solider Finanz- und Wirt- der Gewerkschaftsvertreter versetzen, die bei diesen
schaftspolitik zu verlassen. Verhandlungen auf der anderen Seite des Tisches
sitzen.
(Beifall bei den Regierungsparteien.) (Zustimmung bei der SPD.)
Lassen Sie mich einmal ein paar Worte zu den Jenen wird es nämlich sehr schwer gemacht, einen
Auswirkungen Ihrer Anträge sagen. Sie sprechen vernünftigen Kompromiß mit uns zu schließen, wenn
von einer Besoldungserhöhung von 12 %. Das ist, ein solcher Antrag einer so starken Fraktion auf
linear gesehen, richtig. Aber Sie schlagen eine Reihe dem Tisch des Deutschen Bundestages liegt.
zusätzlicher Verbesserungen vor, sei es in Ihrem
Gesetzentwurf, sei es durch Aufforderungen an die (Beifall bei den Regierungsparteien.)
Bundesregierung. Das, meine Damen und Herren,
Meine Damen und Herren, wir sind bei diesen
würde zusammen etwa 15 % ausmachen. Sagen Sie
Tarifverhandlungen — bei Anerkennung der wirk-
mir einmal, wie Sie in der gegenwärtigen Situation
15 % noch mit den Grundsätzen der Stabilität für lich schwierigen Besoldungssituation im öffentlichen
vereinbar halten wollen. Ich kann diese Meinung Dienst — auf die Einsicht aller Beteiligten ange-
nicht teilen! wiesen, um die Stabilität zu erhalten. Jede Gehalts-
erhöhung wird doch hinweggespült, wenn wir in
(Beifall bei den Regierungsparteien.) diesem Bereich mit der Signalwirkung für andere
Ich möchte Sie herzlich bitten, Ihre Auffassung und Tarifbereiche in der gewerblichen Wirtschaft den
Ihren Antrag noch einmal zu überprüfen. Grundsatz der Stabilität vernachlässigen. Deshalb
bitte ich Sie: Überprüfen Sie diesen Antrag, ob Sie
Wenn ich nun noch davon ausgehe, daß die
in diesem Umfang an einer solchen ausgabewirk-
Bundesregierung in dem Zusatzantrag aufgefordert
samen Initiative wirklich festhalten wollen.
wird, den Besoldungsrückstand festzustellen und ihn
binnen zwei Jahre abzubauen, dann muß ich die (Beifall bei den Regierungsparteien.)
Frage stellen: Auf wie hoch beziffern Sie den Be-
soldungsrückstand? Oder geben Sie uns hier einen Meine Damen und Herren, glauben Sie mir: diese
Auftrag in Unkenntnis der wirklichen Zahlen, so Bundesregierung hat als eine ihrer ersten Entschei-
daß eine realistische Finanzplanung für das Jahr dungen einen Betrag für die Besoldungserhöhungen
1971 gar nicht mehr möglich ist? Oder aber, meine im öffentlichen Dienst bereitgestellt, von dem ich in
Damen und Herren, machen Sie sich die Zahlen des den Tarifverhandlungen und auch bei der Gesetz-
Beamtenbundes zu eigen, nach dessen Auffassung gebung jederzeit sagen kann: das wird eine fühlbare
im Augenblick von etwa 18 % auszugehen sei? Das Erhöhung sein, wohl wissend, daß nicht alle Er-
würde, verteilt auf zwei Jahre, heißen: je 9 %. Die wartungen erfüllt werden können. Aber es gibt
kämen 1970 zu den 15 % noch hinzu. Das wären Grenzen, die sich aus der allgemein-politischen Ver-
24 %. Auf der Grundlage eines Gesetzentwurfs antwortung ergeben. Ich habe in vielen Gesprächen
dieser Art kann man wirklich nicht mehr von einer mit Angehörigen des öffentlichen Dienstes bei der
seriösen Politik sprechen. Auslotung der Erwartungen, die der einzelne hatte,
festgestellt, daß wir diesen Erwartungen mit dem,
(Beifall bei den Regierungsparteien. — was wir tun wollen, in etwa entsprechen können.
Abg. Dorn: Dazu dann Herrn Balkes Die Bürger in unserem Land haben nach den Erfah-
Äußerungen!) rungen der letzten Zeit gelernt, daß Stabilität ober-
Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung stes Gesetz sein und sich alles andere in diese Maß-
nahmen einpassen muß. Das ist unser Ziel. Ich
ist entschlossen, sich auch über die Frage des Be-
glaube, mit den Prozentzahlen, die ich hier genannt
soldungsrückstandes Gewißheit zu verschaffen. Auch
habe, haben Sie diesen Grundsatz verlassen. Sie
darüber haben wir mit den Verbänden gesprochen.
Aber wir wollen dafür eine realistische Grundlage haben die Grenze des Zulässigen in diesem Bereich
haben, und wir wollen den Abbau des dann fest- überschritten. Ich sage noch einmal: 15 % und dann
noch Abbau des Besoldungsrückstands in zwei Jah-
gestellten Besoldungsrückstandes nach Kenntnis
ren, ohne daß Sie ihn quantifizieren, kann ich nicht
seines Umfangs projektieren, damit wir das, was
mehr als eine seriöse Initiative im Deutschen Bun-
wir zusagen, auch einhalten können. -
destag betrachten.
Ich glaube, Sie hätten bei Ihrem Antrag und bei (Beifall bei den Regierungsparteien.)
dem Umfang Ihres Antrags auch einmal den Zeit-
punkt, in dem dieser Antrag vorgelegt und im Par Meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch
lament behandelt wird, mit berücksichtigen müssen. wenige kurze Bemerkungen zu Ihrem Vorschlag
Wir haben in diesen Tagen mit dem Beamtenbund machen. Es ist sicher richtig, bei der bevorstehenden
gesprochen, weil wir sehr wohl der Meinung sind, Besoldungsverbesserung einer allgemeinen Anhe-
daß nicht der eine oder andere Bereich eine Füh- bung den gleichen Rang wie den strukturellen Maß-
rungsrolle haben sollte. Aber wir stehen vor nahmen einzuräumen. Aber Sie werden wissen, daß
schweren Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Sie mit der Einführung eines Mindesterhöhungsbe-
Sie brauchen sich — aber das ist Ihre Sache — trags, wie sie in dem Antrag auf Drucksache VI/131
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 7 99

Bundesminister Genscher
vorgeschlagen ist, eine Änderung von Rahmenvor- sition, bewegen lassen, die Grundsätze der Solidität
schriften, und zwar zum Teil grundsätzlicher Art, und Stabilität zu verlassen.
bewirken müßten. Das ist in der Vorlage unberück- (Beifall bei den Regierungsparteien. —
sichtigt geblieben. Abg. Rösing: Zu den vermögenswirksamen
Man sollte vielleicht an Strukturverbesserungen Leistungen haben Sie nichts gesagt!)
beim Ortszuschlag denken.
Sie, Herr Kollege Wagner, haben hier auf den Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Betrag von 100 DM Bezug genommen, der im Das Wort hat der Bundesfinanzminister.
Herbst dieses Jahres gezahlt worden ist, und haben
gesagt, das habe damals schon eine Rolle gespielt. Dr. h. c. Dr. Ing. E. h. Möller, Bundesminister
-

Wissen Sie nicht, daß die Bundesregierung, die Sie der Finanzen: Herr Präsident! Meine Damen und
damals mitgetragen und deren Innenminister Sie Herren! Ich muß auf Grund einer Zwischenfrage des
gestellt haben, bei den Tarifverhandlungen aus- Herrn Kollegen Wagner eine Richtigstellung vor-
drücklich und zu Protokoll der Auslegung wider- nehmen.
sprochen und erklärt hat, daß diese 100 DM pro Am 26. November hat Herr Kollege Barzel den
Monat deshalb gezahlt würden, weil sie eben nicht Vorschlag gemacht, nur die Kriegsopferversorgung
die Haushaltssituation des Jahres 1970 präjudi-
zu verabschieden, alle anderen Entscheidungen mit
zieren wollte? Jetzt gehen Sie wenige Wochen nach finanzwirtschaftlichen Auswirkungen aber mit der
Ihrem Ausscheiden aus der Bundesregierung von zweiten und dritten Lesung des Bundeshaushalts
diesem Grundsatz ab. Das heißt nicht etwa, daß 1970 zu verbinden. Ich habe dann nach einigen Stun-
die jetzige Bundesregierung nicht sehr wohl ge- den am Schluß der Debatte in Übereinstimmung mit
sehen hätte, welche Wirkung die Zahlung der 100 dem Herrn Bundeskanzler erklärt, wir seien bereit,
DM im Bewußtsein der Öffentlichkeit hatte, und wir eine solche Vereinbarung einzugehen, wenn zwei
nicht sehr wohl sähen, daß wir strukturell und weitere wichtige Bereiche ebenfalls ausgenommen
linear etwas tun müssen, damit die kleineren Ein- würden. Als ersten Bereich nannte ich den öffent-
kommen angemessen und gerecht berücksichtigt lichen Dienst und wies auf die auslaufenden Tarif-
werden können. Aber ich glaube, man kann und verträge und die anstehende Erhöhung der Beamten-
sollte sich nicht so schnell von dem lösen, was man besoldung hin. Zweitens habe ich darauf aufmerk-
in der Regierungsverantwortung noch vor wenigen sam gemacht, daß wir auch die Erstattung der Ein-
Monaten in einer so wichtigen Verhandlung zum kommensverluste der Landwirtschaft auszunehmen
Ausdruck gebracht hat. hätten. Wenn diese drei Bereiche akzeptiert wür-
den, sei die Bundesregierung von sich aus damit
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-
einverstanden, andere Entscheidungen mit der zwei-
Herr Minister, darf ich Sie auf den Zeitablauf auf- ten und dritten Lesung des Bundeshaushalts 1970 zu
merksam machen. verbinden. Daraufhin hat Herr Kollege Leicht diesen
von mir gemachten Vorschlag angenommen.

Genscher, Bundesminister des Innern: Herr Prä- Bis dahin war von Ihrer Seite kein Wort über den
sident, ich will, wenn die Zeit drängt, gern eine öffentlichen Dienst und kein Wort über die Ein-
Reihe von Sachbemerkungen, die ich zu den Anträ- kommensverluste der Landwirtschaft gesagt worden.
gen der CDU/CSU noch machen wollte, zurück- Sie können jetzt also nicht so tun, als hätten Sie
stellen. damals von sich aus den öffentlichen Dienst und die
Landwirtschaft in dieses Gentlemen's Agreement
Ich möchte nur ankündigen, daß die Bundesregie- einbezogen. Sie haben nur die Ausnahmeregelung
rung die Absicht hat, ein Gutachten einer unabhän- für die Kriegsopferversorgung vorgeschlagen.
gigen Stelle einzuholen, um schnellstens den Besol-
dungsrückstand in seiner Höhe festzustellen und (Beifall bei den Regierungsparteien.)
dann Vorschläge vorzulegen, wir wir diesen Rück- Insoweit hat Herr Kollege Genscher völlig recht:
stand systematisch abbauen können. Sie sind ins Hintertreffen geraten und wollen jetzt
Ich sage es noch einmal: Wir wollen eine ange- mit einem Antrag, mit dem Sie weder der öffent-
messene, fühlbare Erhöhung der Besoldung im lichen Finanzwirtschaft noch dem öffentlichen
öffentlichen Dienst mit Wirkung vom 1. Januar Dienst einen Gefallen erweisen, etwas aufholen,
das nicht aufzuholen ist.
1970. Wir wollen das, was an uns liegt, tun, um
dem gesamten öffentlichen Dienst Gewißheit zu (Beifall bei den Regierungsparteien. —
verschaffen über das, was ihn im Jahre 1970 erwar- Abg. Rösing: Warum denn so nervös?)
tet und was er erwarten kann. Wir gehen in die
Tarifverhandlungen in Stuttgart mit der festen Ab- Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

sicht hinein, noch in diesem Jahr zu einem Abschluß Das Wort hat der Abgeordnete Spillecke.
zu kommen. Das ist der Grund, warum wir auf eine
Vorverlegung des Termins gedrängt haben. Parallel Spillecke (SPD) : Herr Präsident! Meine sehr ge-
dazu wollen wir auch den Beamten das sagen, was ehrten Damen und Herren! Ich will zu dem Antrag
aus der Sicht der Bundesregierung möglich ist. Ich Drucksache VI/131 der CDU/CSU-Fraktion betr. das
sage es noch einmal: Es wird fühlbar, es wird ange- Sechste Gesetz über die Erhöhung von Dienst- und
messen sein, aber wir werden uns an keiner Stelle Versorgungsbezügen für meine Bundestagsfraktion
und durch niemanden, auch nicht durch die Oppo- Stellung nehmen.
800 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Spillecke
Meine Damen und Herren! Dieser Entwurf ist vom ganz dicke Pension; die Herren waren doch zehn
Kollegen Wagner ziemlich umfassend begründet Jahre un d länger auf ihrem Ministersessel. Und
worden. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß ich wenn mich nicht alles täuscht, lieber Kollege Wagner
:u diesem Antrag nicht nur aus diesem Grunde, und verehrter Kollege Berger, sind alle Bundes-
sondern auch um gewisser Prinzipien willen ein innenminister von der CDU/CSU gekommen. Mich
deutliches Wort sage. wundert es einfach ob des Tatbestandes, daß Männer
aus der CDU/CSU-Fraktion, die um dieses schwie-
Einige Feststellungen vorab. Der Herr Bundes-
rige Geschäft besser wissen als der jetzige Bundes-
kanzler hat in seiner Regierungserklärung in Rich-
innenminister, ihren Segen zu solch einem Antrag
tung auf den öffentlichen Dienst nicht nur die feste
zu diesem Zeitpunkt geben.
Absicht der Bundesregierung zum Ausdruck ge-
bracht, die notwendige Reform des öffentlichen Ich will mich gar nicht mit den 12 % und mit
Dienst- und Laufbahnrechts in Angriff zu nehmen dem Anhängsel, mit der Garnierung, die so auf die
und dem Parlament Vorschläge dazu zu unterbreiten, 15 % hingeht, auseinandersetzen. Das will ich nicht;
sondern er hat im Hinblick auf die Besoldung aus- das ist Ihr Brot. Sie haben den Antrag ins Haus
drücklich festgestellt, daß die . Angehörigen des öf- gebracht, und Sie haben draußen nachher zu ver-
fentlichen Dienstes, die Arbeiter, Angestellten und treten, was mit dem Antrag gefordert wird.
Beamten, einen Anspruch auf Teilnahme am allgemei-
nen wirtschaftlichen Fortschritt haben. Der Bundesin- Ich will jedenfalls die Gelegenheit benutzen, auf
nenminister hat für die Bundesregierung ergänzend folgendes
- hinzuweisen. Das Zweite Besoldungs
erklärt, daß auch ein Beginn des sogenannten Auf- Neuregelungsgesetz haben wir vor acht Monaten
holens des Besoldungsrückstandes eingeschlossen und 12 Tagen verabschiedet. Da war es der verehrte
sein sollte, allerdings in mehreren Etappen. Herr Kollege Müller-Hermann, der entgegen den gemein-
Bundesminister Genscher hat als zuständiger Res- samen Beschlüssen des Bundestagsinnenausschusses
sortminister schon am 22. November in einer Rund- und des Haushaltsausschusses hier einen Antrag der
funksendung verdeutlicht, daß es für den öffent- CDU — ich glaube, Umdruck 495 war es — begrün-
lichen Dienst keineswegs eine Ausgabensperre gebe. det hat. Wir hatten in den beiden Ausschüssen ein-
Und, meine Damen und Herren von der CDU, hier mütig beschlossen, dem Hohen Hause zu empfehlen,
in diesem Hause gibt es doch wahrlich niemanden, das Inkrafttreten des Zweiten Besoldungsneurege-
der nicht mitbekommen hat, daß diese Bundesregie- lungsgesetzes vorzuziehen von dem von der Bundes-
rung so schnell wie möglich handeln will, im Ein- regierung beabsichtigten Termin 1. Juni auf den
vernehmen mit der CDU/CSU. Das war nämlich 1. April. Ich will gar nicht herabsetzen, was der
das Paket. Zwei Dinge davon haben wir doch prak Kollege Müller-Hermann dazu zur Begründung des
tisch vom Tisch gebracht; der Ausgleich für den Antrags gesagt hat. Herr Präsident, mit Ihrer Ge-
Einkommensverlust der Landwirtschaft ist passé, nehmigung will ich mal zitieren — da sagt er ganz
ist diese Woche den Fluß hinuntergegangen, heute am Ende :
als zweites die Kriegsopferfürsorge. Nachdem diese Wir müssen uns hier als Parlament entscheiden.
beiden Dinge weg sind, dürfte es doch eigentlich Niemand kann uns diese Verantwortung abneh-
hier niemanden geben, der ernsthaft bezweifelt, daß men. Wir sind auch nicht geneigt, nun zu
die Bundesregierung die feste Absicht hat, auch den sagen: Hannemann in der Bundesregierung, geh
dritten Teil des Pakets in einem Floß zu Wasser zu du voran! Wir erwarten natürlich, und wir hof-
bringen. Wir jedenfalls hatten da gar keine Zweifel. fen es, daß die Bundesregierung entsprechend
ihrer eigenen Vorlage und auch entsprechend
Meine Damen und Herren, mir kommt dieser An- ihren eigenen mahnenden Erklärungen handelt
trag Drucksache VI/131 so vor, Herr Bundesinnen- und nicht ihrerseits das aufweicht, was wir hier
minister, wie eine kleine, aber sehr brisante, an klaren und festen Entscheidungen zu treffen
tickende Höllenmaschine, die man nicht gerade dem beabsichtigen.
Bundeskanzler — der muß ja gar nicht am 16. De-
zember zu den Tarifverhandlungen nach Stuttgart —, Die CDU/CSU-Fraktion also wollte wieder auf den
sondern die man Ihnen unter den Hintern legt und 1. Juni — ein legitimes Ansinnen —, und sie hatte
ganz ohne Absicht auch den armen Männern, die ihre guten Gründe dafür, die ich auch im nachhin-
dort Ihre Verhandlungspartner — Deutsche Ange- ein akzeptiere.
stellten-Gewerkschaft und ÖTV — sind. Ich be- Dann gibt es noch einen Faktor, der gar nicht so
zweifle ernsthaft, ob diejenigen, die diesen Antrag weit zurück liegt und maximal drei Monate alt ist.
in die Welt setzen, bedacht haben, wem sie damit Der ehemalige Bundeskanzler Kiesinger stand im
ein mieses Weihnachtsgeschenk machen: den Betrof- September in Anbetracht der Forderungen von ÖTV
-

fenen und denen, die in Stuttgart zu verhandeln und DAG vor der Situation, etwas tun zu müssen.
haben. Es hatte sogenannte wilde Streiks gegeben, und er
Ich finde es ganz besonders infam, daß das aus hat dann die Bundesminister der Finanzen, des In-
einer Fraktion heraus kommt, die 20 Jahre lang nern und für Wirtschaft aufgefordert, ihm für die
— da war ich noch nicht hier im Hause; ich bin ja Kabinettsitzung am 23. September gemeinsam eine
praktisch jemand, der kaum die Eierschalen von den Empfehlung zu geben. Die drei Minister haben das
Ohren hat; ich habe erst seit 1965 hier laufen ge- getan. Mir liegt das Schreiben des Bundesministers
lernt — die Regierung stellte. Bei der CDU/CSU- der Finanzen vom 19. September 1969 vor. Ich darf
Fraktion gibt es doch ausgewachsene Minister. dabei bemerken, daß alle drei Bundesminister in
Wenn die Kollegen einmal gehen, haben sie eine Kenntnis der mit der Sachfrage zusammenhängen-
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 801

Spillecke
den Umstände, in allen Bereichen der Wirtschaft gehört, daß Präsident Balke das Licht von 5,5 %
und des öffentlichen Lebens, eine wohlabgewogene aufgesetzt hat. In diesem Bereich haben Sie doch
Stellungnahme gegeben haben. Ich darf, Herr Präsi- auch Verantwortung zu tragen. Deshalb halte ich
dent, aus dem Schreiben des Bundesministers der diesen Antrag für frivol.
Finanzen zitieren, unseres hochverehrten und klu- (Heiterkeit.)
gen Kollegen Dr. honoris causa Franz Josef Strauß.
Er dient nicht denjenigen, die betroffen sind.
(Heiterkeit bei den Regierungsparteien.)
Der ehemalige Bundesminister sagt — im Hinblik Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

auf die Forderungen von DAG und ÖTV —: Herr Kollege Spillecke, erlauben Sie eine Zwischen-
frage des Kollegen Wagner?
Ohne zu der Frage Stellung nehmen zu wollen,
ob der Forderung eine Berechtigung beizu-
Wagner (Günzburg) (CDU/CSU) : Herr Kollege
messen ist, halte ich es jedenfalls für gänzlich
Spillecke, wie würden Sie in diesem Zusammen-
ausgeschlossen, ohne eine gründliche Prü-
hang die Aussage des Bundeswirtschaftsministers
fung aller Konsequenzen dieser Forderung nach-
über die Einkommensentwicklung im Jahre 1969
zukommen. Auswirkungen ergeben sich auf all-
und die voraussichtliche Entwicklung im Jahre 1970
gemeinpolitischem, konjunkturpolitischem, fi-
werten? Die Prozentsätze habe ich Ihnen vorher
nanz- und haushaltspolitischem Gebiet. Der Ge-
genannt. Unser Antrag bewegt sich auf der Linie
samtpersonalaufwand für den öffentlichen
dieser Prozentsätze.
Dienst beläuft sich jährlich auf rund 70 Milliar-
den DM. Diese Größenordnungen machen deut-
lich, daß Einkommensverbesserungen im öffent- Spillecke (SPD) : Ja, das stimmt, Herr Kollege
lichen Dienst im gegenwärtigen Zeitpunkt ein Wagner. Aber solche gegebenen Daten, die sich auf
Symbol für die gesamte Wirtschaft darstellen einen nackten statistischen Tatbestand beziehen,
und zu einer Lohnexplosion führen müssen. sind doch nicht ausschließlich und ganz für sich
allein die Beurteilungsfakten, wenn es darum geht,
(Hört! Hört! bei der FDP.) für den öffentlichen Dienst etwas zu tun, was so-
Eine solche Entscheidung darf nicht übereilt ge- wohl nach unserer gemeinsamen Auffassung ver-
troffen werden, zumal sich im öffentlichen tretbar ist als auch von der Bundesregierung bereit-
Dienst durch die Tarifabschlüsse seit dem 1. Ja- willig verantwortet wird.
nuar 1969 die Bezüge der Angestellten ... Meine Damen und Herren, lassen Sie mich auch
— ergibt dann die Daten wieder — noch auf das Presseecho, das Ihr Antrag gezeitigt
hat, hinweisen. Das „Handelsblatt" schrieb z. B.
... erhöht haben.
„Feuer am Lohnpulverfaß". Sie sind hier als Brand-
Meine Damen und Herren, will in diesem Hause stifter gemeint.
jemand behaupten, der Bundesminister der Finan- (Heiterkeit bei den Regierungsparteien.)
zen habe in seinem Schreiben vom 19. September
„dumm Tüch", wie man im Norden Deutschlands Mit Ihrem Antrag haben Sie die Lunte entzündet.
sagt, von sich gegeben? Ist es nicht vielmehr in der Das „Handelsblatt" hat in dieser Hinsicht große
Tat so, daß er — der damaligen Situation angemes- Bedenken.
sen — gefordert hat, die Entscheidung des Bun-
deskabinetts bedürfe sehr wohl einer umfassenden Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Untersuchung? Herr Kollege, ich möchte Sie auf das rote Signal
Nun zu Ihrem Antrag. Ich will mich in der Wer- aufmerksam machen.
tung sehr zurückhaltend äußern, weil ich heute vor-
mittag gemerkt habe, lieber Kollege Wagner, was Spillecke (SPD) : Herr Präsident, ich bin gleich
für eine dünne Haut die große CDU/CSU-Fraktion fertig.
hat, wie sensibel sie ist, auch wenn lediglich in Die der CDU/CSU wohlgesonnene „Welt" spricht
sachlicher Weise Tatbestände in Erinnerung geru- von einem „Dammbruch".
fen werden. Ich will es so sagen: Ich halte diesen
Antrag, lieber Kollege Klepsch, nicht nur für eine Ich meine, Sie hätten sich selbst den größten
miese Geschichte; er ist auch äußerst unseriös im Gefallen getan, wenn Sie auf diesen Antrag ver-
Hinblick auf den Tatbestand, daß die SPD als Oppo- zichtet hätten. Meine Fraktion ist jedenfalls davon
sition — prüfen Sie es nach — in diesem schwieri- überzeugt, daß die Angehörigen des öffentlichen
gen Geschäft einer Bundesregierung noch nie vor- Dienstes auf dieses Spielchen zwischen Hase und
gegriffen hat — das hat es in diesem Hause noch nie Igel nicht hereinfallen. Ich war der erste, ich bin
gegeben —; sie hat der Bundesregierung immer das mit 15 % in die Vollen gegangen. Wissen Sie, dieses
Recht des Vortritts eingeräumt. Wir haben auch nie Igelehepaar war auch nicht sehr seriös, und der
zu einem Zeitpunkt, zu dem von der Regierung nichts Hase war zu dämlich. Wir werden Ihnen nicht auf
auf dem Tisch lag, Prozentzahlen angegeben. den Leim gehen.

Ich möchte gern einmal erleben, wie Sie sich im (Heiterkeit bei der SPD.)
Hinblick auf das, was sich im Jahre 1970 im tarif- Wir sind ja nicht von gestern, obwohl wir einen
politischen Raum der Wirtschaft abspielt, herausre- verehrten Kollegen haben, der „Haase" heißt. Wir
den wollen. Ich jedenfalls habe vorgestern abend werden für Sie nicht den Hasen spielen.
802 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Spillecke
Wir werden sehen, Herr Bundesinnenminister, ob Der Kollege Wagner hat gesagt, es müsse endlich
das zutrifft, was Sie versprochen haben, ob nach einmal der Unterschied in den Ortsklassen beseitigt
den Tarifverhandlungen in Stuttgart auch der Teil werden; er sei nach Meinung der CDU nicht mehr
des öffentlichen Dienstes, der sich im Beamtenver- vertretbar. Wir Freien Demokraten haben über
hältnis befindet, möglichst bald das erfährt, was mehr als eine Legislaturperiode im Innenausschuß
die Bundesregierung selbst beabsichtigt. und im Parlament versucht, diesen Weg konsequent
weiterzugehen. Der größte Hemmschuh auf diesem
(Beifall bei den Regierungsparteien.)
Wege war die CDU/CSU-Fraktion des Deutschen
Bundestages in der vorigen und in der vorvorigen
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-
Legislaturperiode. Das sollte dann bei Ihnen auch
Das Wort hat der Herr Abgeordnete Dorn. mit berücksichtigt werden.
(Abg. Wagner [Günzburg] meldet sich zu
Dorn (FDP) : Herr Präsident! Meine sehr ver- einer Zwischenfrage.)
ehrten Damen und Herren! Ich kann es ganz kurz
machen. Nach dem, was der Bundesinnenminister — Eine letzte Bemerkung noch, Herr Kollege Wag-
hier vorgetragen hat, ist die Fraktion der Freien ner, dann bin ich mit meinen wenigen Bemerkungen
Demokraten davon überzeugt, daß die Bundesregie- schon fertig; denn ich wollte nur ein Drittel der mir
rung so schnell, wie überhaupt eine Bundesregie- zustehenden Redezeit in Anspruch nehmen.
rung zu handeln in der Lage war, dem Parlament Ich meine die Frage der Stellenplanverbesserung,
einen Entwurf vorlegen wird, der dann wirklich mit die leider unterblieben ist, und damit die Nicht-
Seriosität ausgestattet ist. angleichung der Strukturverbesserungen für die
Es ließe sich dazu sehr viel sagen, Herr Kollege Pensionäre. Auch hier muß ich eine Frage stellen,
Wagner. Ich kann nur sagen: welch unendlicher und ich greife dabei ein Wort des Kollegen Spillecke
Wandel bei der CDU/CSU-Fraktion innerhalb von auf. Sie haben permanent 20 Jahre lang den für
wenigen Wochen! Wir können eigentlich sehr froh diese Frage zuständigen Minister in der Bundes-
darüber sein, daß die CDU nun endlich auch einmal regierung gestellt. Jetzt plötzlich kommen Sie auf
für mindestens vier Jahre die Erfahrung sammeln die Idee und sagen: Das ist nicht mehr länger trag-
wird, wie man in einer Oppositionsrolle versuchen bar; jetzt muß es geändert werden. Ich bin mit Ihnen
muß, seine politischen Vorstellungen zum Tragen zu in der Sache der gleichen Meinung, nur bin ich auch
bringen. der Meinung, es wäre besser gewesen, sich dann
einen anderen Anwalt zur Vertretung dieser Mei-
(Abg. Rösing: Das lassen Sie mal unsere
nung auszuwählen. Denn wenn man selbst 20 Jahre
Sorge sein!)
lang das Gegenteil von dem getan hat, was man
- Ja, Herr Kollege Rösing, ich zweifle nicht daran. jetzt plötzlich sechs Wochen nach Bildung dieser Re-
Sie werden im Laufe der vier Jahre schon noch gierung will und von dieser Regierung verlangt —,
lernen, das auch richtig vorzutragen. meine sehr verehrten Damen und Herren von der
(Abg. Rösing: Wir sind auf dem besten CDU/CSU-Fraktion --, dann müssen Sie sich doch
Wege dazu! Haben Sie nicht auch den Ein die Frage gefallen lassen: Wie wollen Sie dieses
druck?) Handeln und diese Argumentation für die Zukunft
überhaupt noch dem deutschen Volke klarmachen?
— Nein, ich glaube nicht. Wenn Sie auf diesem
Wege weitergehen, Herr Kollege Rösing, werden (Beifall bei den Regierungsparteien.)
Sie — davon bin ich fest überzeugt — schon in
wenigen Wochen auch in der Öffentlichkeit einen Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Großteil aller Glaubwürdigkeit der politischen Das Wort hat der Herr Abgeordnete Berger.
Argumentation eindeutig verlieren.
(Beifall bei den Regierungsparteien.) Berger (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine
Denken Sie doch einmal an das, was Sie in den Damen und Herren! Die bisherige Aussprach zum
letzten Wochen hier geboten haben. Jede Fraktion Gesetzentwurf der CDU/CSU verlief nicht nur recht
muß in der Opposition lernen; wir haben das ge- unbefriedigend, wie ich finde, sondern nahm eigent-
mußt, die Sozialdemokraten haben das getan, und lich einen erstaunlichen Verlauf, wenn man an die
Sie werden das auch müssen. Aber eines steht fest: vielen erfreulichen Erklärungen denkt, die die neue
Der Weg, der von Ihnen bisher beschritten worden Bundesregierung schon in der Regierungserklärung
ist, ist ein Weg, der von dem früheren Finanz- und insbesondere Bundesinnenminister Genscher
minister Strauß hier im Parlament immer als „Geld- wiederholt abgegeben haben. Ich darf nur eine mit -

ausgeben mit leichter Hand" bezeichnet worden ist. Erlaubnis des Herrn Präsidenten zitieren. Es war
Das, was Sie in diesem Antrag bringen, kann nicht gerade gestern vor fünf Wochen, als der Herr Bun-
seriös gemeint sein, und damit kann man nicht desinnenminister Genscher vor dem Bundesvertre-
seriös politisch argumentieren. Das will ich in aller tertag des Deutschen Beamtenbundes sagte:
Deutlichkeit sagen. Als vordringlichste Aufgabe der Beamtenpolitik
Auf die vielen Dinge, die der Kollege Spillecke sehe ich es in diesem Zeitpunkt an, die prakti-
hier vorgetragen hat, will ich nicht noch einmal ein- schen Folgerungen zu ziehen aus dem Pro-
gehen. Ich bin in der Beurteilung mit ihm weit- grammpunkt der Bundesregierung, wonach die
gehend einig. Ich will nur noch auf zwei Punkte Beamten Anspruch auf Teilnahme am allge-
kurz zu sprechen kommen. meinen wirtschaftlichen Fortschritt haben.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 803
Berger
Meine Damen und Herren, um jedes Mißver- Ich glaube, das ist in der bisherigen Diskussion doch
ständnis auszuschließen: diese Formulierung etwas sehr kurz gekommen.
bedeutet auch den Willen der Bundesregierung
Nun weiß ich nicht, ob es zweckmäßig ist, über
zum systematischen Abbau des in der Ver-
all die Vorwürfe aus der Vergangenheit zu spre-
gangenheit entstandenen Besoldungsrück-
chen. Wenn ich es nicht tue, entsteht der Eindruck,
standes.
daß die CDU/CSU ein schlechtes Gewissen hat. Um
Diese Erklärungen waren gut, aber aus diesen Er- bei Herrn Dorn anzufangen, dem Herrn Parlamenta-
klärungen muß ja nun auch ein gewisses Handeln rischen Staatssekretär, den ich allerdings im Augen-
kommen; mit diesem Handeln, das mit dem Antrag blick hier im Saal nicht mehr sehe: Er sprach von der
der CDU/CSU beginnen soll, glaubten wir nicht nur Verbesserung der Ortsklasse A. Da möchte ich nur
den Herrn Bundesinnenminister recht hilfreich zu daran erinnern, daß diese ursprünglich von Herrn
unterstützen, sondern wir glaubten auch, daß Sie uns Höcherl eingeleitet wurde und daß wir gerade im
doch im Prinzip bei diesen beiden Forderungen nach Zweiten Besoldungsneuregelungsgesetz durch die
laufender Anpassung und einem systematischen Halbierung des Abstandes zwischen den Ortsklassen
Abbau des Besoldungsrückstandes zunächst zu- A und S einen Schritt in dieser Richtung taten.
stimmen. Ich erinnere daran, daß sich der Besoldungs-
(Abg. Spillecke meldet sich zu einer Zwi rückstand in den Jahren überhaupt recht unterschied-
schenfrage.) lich entwickelt hat. Er war im Jahre 1965 bei 15,
1966 bei 14 und 1967 bei 12,8 °/o angekommen.
— Herr Kollege Spillecke, ich würde Ihre Frage Leider ist er gerade in der Großen Koalition — dar-
gerne zulassen, möchte sie aber noch einen Augen- um wundere ich mich so sehr über den Beifall der
blick zurückstellen, weil ich gerade die Absicht habe, SPD zu den Ausführungen des Herrn Innenministers
noch näher auf das einzugehen, nach dem Sie ver- an dieser Stelle im Jahre 1968 von 12,8 auf 18,6
mutlich fragen werden. und jetzt vermutlich auf 19,1 % gestiegen. Das
liegt doch in erster Linie daran, daß man in der
Ich glaube, es bestehen einige Mißverständnisse. mittelfristigen Finanzplanung ursprünglich 5 % zu-
inbezugafsrAt.InemirG- grunde legte, und an den Prognosen des Herrn
scher sagte, unser Antrag überschreite die Grenzen Wirtschaftsministers.
des Zulässigen, und Sie, Herr Kollege Spillecke, be-
zeichneten den Antrag als „frivol". Zur Begründung Tatsächlich sind die Volkseinkommen je Erwerbs-
ging Herr Innenminister Genscher von 15 % aus; es tätigen im Jahre 1968 um 10,5 und in diesem Jahr
ist zuzugeben, daß die Regelung, die keine unein- vielleicht um 8 °/o gestiegen. Das sind doch die
geschränkte Zustimmung gefunden hat, nämlich die Grundlagen, und darum, meine Damen und Herren,
300 DM für die Monate Oktober bis Dezember, eine hätte ich doch erwartet, daß nun die Koalitions-
Präzedenzentscheidung war, die dazu führte, daß parteien und insbesondere der Herr Bundesinnen-
natürlich in den unteren Gruppen, A 2 und auch A 3, minister vielleicht sagen: Statt 12 % müssen es 11 %
über die 12 % hinaus noch etwas als Folge dieser sein. Vielleicht auch: Es können nur 8 + 3 % sein.
Regelung mit der Überbrückungszulage von 300 DM Vielleicht sogar — was weiß ich —: Die zweite
gefordert wird. Rate muß auf den 1. Juli verschoben werden.
Insbesondere Sie, Herr Kollege Spillecke, wissen
Ich glaube aber, es ist vollkommen übersehen genau, daß alle Organisationen — angefangen vom
worden, daß beide Anträge der CDU/CSU zusam- Deutschen Gewerkschaftsbund über den Deutschen
mengehören und daß wir auch nicht etwa den gänz- Beamtenbund usw. der Meinung sind: 13 % sind
lichen Abbau des Rückstandes in den Jahren 1970 das mindeste an Erhöhung, was ab 1. Januar kom-
oder 1971 fordern, sondern daß selbstverständlich men muß. Deshalb verstehe ich nicht, wie Sie einen
ein schrittweiser Abbau gemeint ist. Das ergibt sich Antrag, der 12 % ab 1. Januar fordert, hier als
insbesondere aus der Begründung, in der es heißt, frivol bezeichnen und wie Sie das im einzelnen
gleichzeitig sollte dargelegt werden, innerhalb wel- begründen wollen.
chen Zeitraums Ausgleichsmaßnahmen getroffen
werden, die, falls es aus Gründen der Konjunktur- (Abg. Spillecke: Ich habe insbesondere auf
politik für nötig gehalten werde, auch in der Ge- den Zeitpunkt Bezug genommen, den Sie
währung vermögenswirksamer Leistungen bestehen mit Ihrem Antrag dem Parlament vorge
könnten. Auf diesen Teil sind die Vorredner meines schlagen haben!)
Erachtens überhaupt nicht eingegangen. Um es ein- —Herr Kollege Spillecke, Sie sprachen davon, daß
mal ganz konkret zu sagen: Sollte die laufende die Bundesregierung wohl nach den Tarifverhand--
Anpassung der Besoldung zu einem Prozentsatz von lungen den Zeitpunkt für gekommen sieht, etwas
8 oder 9 % ab 1. Januar führen, wird der restliche zu sagen. Der Herr Bundesinnenminister sprach im
Prozentsatz bis zu den 12 % eben ein erster Schritt Gegensatz zu Ihnen davon, daß es noch vor Weih-
zur Verminderung des Besoldungsrückstandes sein, nachten sein wird. Der Gegensatz klärt sich nur
von dem wir ausdrücklich in unserer Begründung dann auf, wenn die Tarifverhandlungen vor Weih-
sagen, er könne aus Gründen der Konjunkturpoli- nachten abgeschlossen werden, was wir alle noch
tik in der Gewährung vermögenswirksamer Lei- nicht wissen.
stungen bestehen.
Ich glaube, eine entscheidende Frage ist auch, ob
(Abg. Rösing: Das hat der Minister nicht der Bundestag für die Beamtenbesoldung den Maß-
gelesen!) stab setzen soll, der später auch bei Tarifverhand-
804 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Berger
lungen nicht ohne Bedeutung sein soll, oder ob falls nach der Fassung, nicht mehr nach der ab-
sich, wie Sie es meinen, zunächst die Tarifpartner schwächenden Interpretation von Herrn Berger —
einigen und der Bundestag dann im Schlepptau der auf diesen Bereich.
Tarifverträge bloß nachvollzieht, worüber sich die In Ziffer 1 dieses Antrags ist auch davon die Rede,
Tarifpartner geeinigt haben. daß der Besoldungsrückstand, den Herr Berger
Der Herr Bundesinnenminister hat dankenswer- soeben für die Fraktion der CDU/CSU offenbar ver-
terweise nicht nur gesagt: In der nächsten Woche bindlich mit 19 °/o beziffert hat, in den Jahren 1970
wird wohl eine Absichtserklärung der Bundesregie- und 1971 abgebaut werden soll und daß Vorschläge
rung kommen. Er hat auch gesagt: Auf jeden Fall für diesen Abbau vorgelegt werden sollen.
trifft die Bundesregierung die Entscheidung noch (Abg. Berger: Ich habe ihn nicht verbindlich
vor Weihnachten. Es ist also wirklich nur hilfreich, beziffert! Ich habe gesagt, er könnte ab
wenn wir uns darüber einigen, daß erstens das ge- gebaut werden!)
tan werden muß, was zur laufenden Anpassung an
die allgemeine Einkommensentwicklung erforderlich — Sie haben gesagt, Herr Kollege, es wundere Sie,
ist — und es wird sich ja leicht ermitteln lassen, daß die SPD Beifall geklatscht habe, obwohl doch
ob das 8 oder 9 % sind —, und zweitens ein erster in der Zeit der Großen Koalition der Besoldungs-
fühlbarer Schritt zur Verminderung des Rückstands rückstand von 11 auf jetzt 19 % angestiegen sei.
getan werden muß, der — so ergibt es sich ganz ein- (Zuruf des Abg. Berger.)
deutig aus unserem zweiten Antrag —, wenn erfor- Wenn Sie jetzt sagen, das gelte nicht mehr, ist das
derlich, vermögenswirksam gestaltet werden kann. ebenfalls eine hilfreiche Klärung. Wir müssen hier
Daher glaube ich, daß Sie bei einer Prüfung unserer wirklich klare Zahlen haben.
Anträge und der Begründung doch zumindest in der
(Zustimmung des Abg. Berger.)
Beurteilung in bezug auf Frivolität oder Unseriosi-
tät sich vielleicht selber überprüfen müßten. Bei der Verwendung des Begriffs „Große Koalition"
haben Sie nur ein wenig den Hinweis vernach-
Es ist davon die Rede gewesen — ich glaube, Sie,
lässigt, daß in den für die Besoldungspolitik ent-
Herr Innenminister, sagten es —, man sollte sich scheidenden Ressorts Kollegen Ihrer Fraktion die
nicht so schnell von dem lösen, was man kürzlich volle Verantwortung getragen haben.
noch in der Regierungsverantwortung vertreten hat.
Da haben Sie sicher völlig recht. Ich habe vor mir (Abg. Berger: Das ist ja bekannt!)
die Drucksache V/4648 aus dem vergangenen Bun- — Das sollten Sie fairerweise auch dazu sagen.
destag. Es ist die Kleine Anfrage des Abgeordneten
Genscher und der Fraktion der FDP betreffend den (Beifall bei der SPD.)
Gehaltsrückstand im öffentlichen Dienst. Vor mir Meine Damen und Herren, auch wir wollen selbst-
habe ich auch die Anfrage Drucksache V/4535 der verständlich vermögenswirksame Leistungen. Aber
Abgeordneten Genscher, Dorn, Moersch, Dr. Miess- nach dem, was Sie über eine Anpassung in Höhe
ner und der Fraktion der FDP. Ich nehme an, daß von 8 bis 9 % gesagt haben, haben Sie eine zusätz-
sich der Herr Bundesinnenminister nicht so schnell liche Klärung gegeben; denn Ihr Gesetzentwurf zu-
von dem wird lösen wollen, was er in der Opposi- sätzlich mit den Ersuchen betreffend Ortsklasse A
tion zur Frage des Besoldungsrückstands gedacht und Benachteiligung der Versorgungsempfänger
hat. macht insgesamt 15 % aus, Herr Kollege Berger.
Ich möchte namens der CDU/CSU an Sie appel- (Abg. Berger: Das tritt doch nicht alles am
lieren, daß wir uns bei den Beratungen im Innen- 1. Januar in Kraft!)
ausschuß auf einer Basis zusammenfinden, die dem Das ist eine Zahl, die Sie in die Öffentlichkeit stel-
Antrag der CDU/CSU möglichst nahekommt. Denn len, die die Tarifverhandlungen beeinflußt, ob Sie
über die Notwendigkeit dieser Maßnahme sind so das wollen oder nicht, und die es den Gewerkschaf-
viele gute Erklärungen abgegeben worden, daß es ten schwer macht — ich sage es noch einmal —,
nun bloß darauf ankommt, aus Absichtserklärungen einen vernünftigen Kompromiß mit uns zu schließen.
konkret das notwendige Handeln einzuleiten. Dazu Wir sind auf diese Einsicht angewiesen, wenn wir
dient unser Antrag. nicht ein schlimmes Signal für die Lohnbewegungen
(Beifall bei der CDU/CSU.) im gesamten gewerblichen Bereich für das Jahr 1970
setzen wollen.
(Beifall bei den Regierungsparteien.)
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Das Wort hat der Herr Bundesinnenminister. -


Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-

Das Wort hat Herr Kollege Berger.


Genscher, Bundesminister des Innern: Meine
verehrten Damen und Herren, wenige Sätze nur,
um volle Klarheit zu schaffen. Meine verehrten Kol- Berger (CDU/CSU) : Ich glaube, Herr Minister, es
ist nur ein weiteres kleines Mißverständnis. Unser
leginnen und Kollegen von der CDU/CSU, in Ihrem
Antrag Drucksache VI/130, den Sie zuletzt nannten
Antrag Drucksache VI/130 sprechen Sie von ver-
und der zum Ziel hat, den Unterschied zwischen den
mögenswirksamen Leistungen. Das ist der Ersuchens-
Ortsklassen A und S zu beseitigen, ist nicht eine
antrag, und dort ist vom Abbau des Besoldungs-
Forderung ab 1. Januar.
rückstandes über das, was Ihre Vorlage vorsieht,
hinaus die Rede. Deshalb bezieht sich das — jeden- (Bundesinnenminister Genscher: Aha!)
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 805
Berger
— Es ist doch ganz deutlich gesagt: Die Bundes- a) Bericht des Haushaltsausschusses (7. Aus-
regierung wird ersucht ich zitiere —, bald schuß) gemäß § 96 der Geschäftsordnung
möglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen. — Drucksache VI/181 —
(Abg. Haase [Kellinghusen] : Hätte das nicht Berichterstatter:
der Herr Strauß schon machen können?) Abgeordneter Haase (Kassel)
— Auf die Frage würde ich sehr gern eingehen, b) Mündlicher Bericht des Verteidigungsaus-
wenn Sie noch etwas Zeit hätten. Ich halte es für schusses (11. Ausschuß)
merkwürdig, daß die ehemaligen Koalitionspartner, — Drucksache VI/177 —
die doch im Bundestag und in der Bundesregierung Berichterstatter:
einmütig in diesen Fragen waren, nun so tun, als Abgeordneter Haase (Kellinghusen)
hätte der eine etwas mehr gewollt als der andere.
Ich würde auch auf die verschiedenen Fragen des (Erste Beratung 19. Sitzung)
Herrn Kollegen Spillecke noch gerne eingehen. Aber
Wünschen die Herren Berichterstatter -- ich bitte
ich glaube, wir sollten das vielleicht auf den Innen-
um Entschuldigung, daß ich vorhin diese Frage
ausschuß vertagen und sollten dort eingehend dar-
unterlassen habe — das Wort? — Das Wort wird
über beraten.
nicht gewünscht.
(Beifall bei der CDU/CSU und bei der SPD.)
Ich rufe auf Art. 1, — Art. 2, — Art. 3, — Art. 4,
— Einleitung und Überschrift. — Das Wort wird
Vizepräsident Dr. Schmitt Vockenhausen:
-
nicht gewünscht. Wer den aufgerufenen Artikeln,
Meine Damen und Herren, wir stehen am Ende der der Einleitung und der Überschrift zustimmen will,
ersten Beratung. den bitte ich um das Handzeichen. — Angenommen.
Nach dem Überweisungsvorschlag des Ältesten-
rates sollen beide Vorlagen dem Innenausschuß als Wir kommen zur
federführendem Ausschuß sowie dem Haushaltsaus- dritten Beratung.
schuß zur Mitberatung und gemäß § 96 der Ge-
schäftsordnung überwiesen werden. Es liegen keine Das Wort wird nicht gewünscht. Wer dem Gesetz als
anderen Vorschläge vor. Die Überweisung ist be- Ganzem in der vorliegenden Fassung zustimmen
schlossen. will, den bitte ich, sich zu erheben. — Gegenprobe!
— Stimmenthaltungen? — Ich stelle auch hier ein-
Meine Damen und Herren, wir haben noch eine
stimmige Annahme fest.
umfangreiche Tagesordnung von Zusatzpunkten zu
erledigen. Ich rufe zunächst auf: Wir kommen zum dritten Punkt der zusätzlichen
Zweite und dritte Beratung des von den Frak- Tagesordnung:
tionen der CDU/CSU, SPD, FDP eingebrach- Beratung des Schriftlichen Berichts des Aus-
ten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung schusses für Wirtschaft (8. Ausschuß) über
des Textilkennzeichnungsgesetzes die von der Bundesregierung beschlossene
— Drucksache VI/172 — Verordnung zur Änderung des Deutschen
Teil-Zolltarifs (Nr. 21/69 — Zollaussetzung
Mündlicher Bericht des Ausschusses für Wirt-
für Kartoffeln)
schaft (8. Ausschuß)
— Drucksachen VI/145, VI/170 —
— Drucksache VI/176 —
Berichterstatter: Abgeordneter van Delden
Berichterstatter: Abgeordneter Lenders
(Erste Beratung 20. Sitzung) Wünscht der Herr Berichterstatter das Wort? —
Das Wort wird nicht gewünscht. Der Antrag des
Wir treten in die zweite Beratung ein. Ich rufe auf Ausschusses lautet:
Art. 1, — Art. 2, — Art. 3, — Einleitung und Über- Der Bundestag wolle beschließen, der Verord
schrift. Das Wort wird nicht gewünscht. Wer den nung — Drucksache VI/145 — zuzustimmen.
aufgerufenen Artikeln, der Einleitung und der Über-
schrift zustimmen will, den bitte ich um ein Hand- Wer diesem Antrag zustimmen will, den bitte ich
zeichen. — Angenommen. um das Zeichen. — Gegenprobe! — Stimmenthal-
tungen? — Der Antrag des Ausschusses ist an-
Wir kommen zur genommen.
dritten Beratung. -
Ich rufe auf:
Wer dem Gesetz als Ganzem zustimmen will, den Beratung des Schriftlichen Berichts des Aus-
bitte ich, sich zu erheben. — Gegenprobe! — Stimm- schusses für Wirtschaft (8 Ausschuß) über
enthaltungen? — Das Gesetz ist einstimmig ange- die von der Bundesregierung beschlossene
nommen. Verordnung zur Änderung des Deutschen
Ich rufe auf: Teil-Zolltarifs (Nr. 17/69 — Erhöhung des
Zweite und dritte Beratung des Entwurfs Zollkontingents für Sulfat- oder Natronzell-
eines Gesetzes zur Änderung versorgungs- stoff)
rechtlicher Vorschriften — Drucksachen VI/112, VI/171 —
— Drucksachen VI/126, VI/158 — Berichterstatter: Abgeordneter van Delden
806 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Vizepräsident Dr. Schmitt-Vockenhausen


Der Schriftliche Bericht des Ausschusses für Wirt- Es liegt ein Antrag der Fraktionen der CDU/CSU
schaft liegt Ihnen vor. Wünscht der Herr Bericht- und der SPD vor, die Kollegen Dr. Althammer, Win-
erstatter das Wort? — Das ist nicht der Fall. delen und Strohmayr zu wählen. — Das Wort wird
nicht gewünscht. Wer dem Antrag zustimmt, den
Der Antrag des Ausschusses lautet: bitte ich um das Zeichen. — Gegenprobe! — Stimm-
Der Bundestag wolle beschließen, enthaltungen? — Ich stelle einstimmige Beschluß-
fassung fest.
der Verordnung Drucksache VI/112 — zuzu-
stimmen. Wir kommen zum nächsten Punkt der Zusatztages-
Wer diesem Antrag des Ausschusses zustimmen ordnung:
will, den bitte ich um das Zeichen. — Gegenprobe! Beratung des Antrags der Fraktionen der
— Stimmenthaltungen? — Ich stelle einstimmige CDU/CSU, SPD, FDP
Annahme fest. betr. Wahl der vom Bundestag zu entsenden-
den Mitglieder des Kontrollausschusses beim
Ich rufe Punkt 5 der zusätzlichen Tagesordnung
Bundesausgleichsamt
auf:
— Drucksache VI/168 (neu) —
Beratung des Antrags der Fraktionen der
CDU/CSU, SPD, FDP Meine Damen und Herren, ich wäre Ihnen dank-
betr. Einsetzung eines Ausschusses zur Wah bar, wenn Sie in der Vorlage unter den vorgeschla-
rung der Rechte der Volksvertretung genen SPD-Mitgliedern statt „Abg. Dr. Haack"
„Walter Haack, Bonn" aufnähmen.
— Drucksache VI/167 —
Das Wort wird nicht gewünscht. Wer dem Antrag
Der Antrag lautet: der drei Fraktionen auf Benennung der in der Vor-
Der Bundestag wolle beschließen: lage genannten Damen und Herren zustimmen will,
den bitte ich um das Zeichen. — Gegenprobe! —
Auf Grund Artikel 45 des Grundgesetzes wird
Stimmenthaltungen? — Ich stelle auch hier ein-
ein ständiger Ausschuß gemäß § 61 der Ge-
schäftsordnung zur Wahrung der Rechte der stimmige Beschlußfassung fest.
Volksvertretung gebildet, der aus 27 Mitglie- Letzter Zusatzpunkt:
dern besteht.
Beratung des Antrags der Fraktionen der
Das Wort wird nicht gewünscht. Wer dem Antrag
CDU/CSU, SPD, FDP
zustimmen will, den bitte ich um das Zeichen. —
Gegenprobe! — Enthaltungen? — Ich stelle ein- betr. Mitglieder des Gemeinsamen Aus-
stimmige Annahme fest. schusses
— Drucksache VI/165 —
Ich rufe den nächsten Punkt der Zusatztagesord-
Das Wort wird nicht gewünscht. Wer diesem An-
nung auf:
trag — die Damen und Herren sind auf der Druck-
Beratung des Antrags der Fraktionen der sache verzeichnet — zustimmt, den bitte ich um das
CDU/CSU, SPD, FDP Zeichen. — Gegenprobe! — Enthaltungen? — Ich
betr. Wahl der Vertreter der Bundesrepublik stelle auch hier einstimmige Beschlußfassung fest.
Deutschland zur Beratenden Versammlung Damit sind wir am Ende der heutigen Tagesord-
des Europarates nung und am Ende der Zusatztagesordnung. Ich darf
— Drucksache VI/175 — mit guten Wünschen für ein gesegnetes Weihnachts-
Es liegt ein interfraktioneller Antrag in der Druck- fest und ein gutes Jahr 1970 die Beratungen des
sache VI/175 vor. — Das Wort wird nicht gewünscht. heutigen Tages schließen und berufe die nächste
Wir kommen zur Abstimmung. Wer dem interfrak- Sitzung des Deutschen Bundestages auf den 14. Ja-
tionellen Vorschlag — ich brauche die Namen nicht nuar, 14 Uhr, ein.
zu verlesen — zustimmt, den bitte ich um das Zei- Die Sitzung ist geschlossen.
chen. — Gegenprobe! — Enthaltungen? — Ich stelle
einstimmige Beschlußfassung fest. (Schluß der Sitzung: 14.27 Uhr.)
Nächster Punkt der Zusatztagesordnung:
Beratung des Antrags der Fraktionen der
CDU/CSU, SPD Berichtigung -

betr. Wahl der vom Bundestag zu entsenden-


den Mitglieder des Schuldenausschusses bei Es ist zu lesen:
der Bundesschuldenverwaltung 19. Sitzung, Seite 658 A, Zeile 5 statt „diesem
— Drucksache VI/166 — Dienst": „Gießen"
Deutscher Bundestag - 6. Wahlperiode - 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 807

Anlagen zum Stenographischen Bericht


Anlage 1 Abgeordnete(r) beurlaubt bis einschließlich
Riedel (Frankfurt) * 12. 12.
Liste der beurlaubten Abgeordneten Dr. Rinderspacher 31. 12.
Dr. Rutschke ** 12. 12.
Abgeordneter) beurlaubt bis einschließlich Dr. Schmidt (Wuppertal) 20. 12.
Dr. Abelein 12. 12. Dr. Schober 12. 12.
Dr. Achenbach * 12. 12. Dr. Schulz (Berlin) ** 12. 12.
Dr. Aigner * 12. 12. Seiters 12. 12.
Dr. Apel * 12. 12. Springorum * 12. 12.
Dr. Bach 12. 12. Dr. Starke (Franken) * 12. 12.
Bauer (Würzburg) ** 12. 12. Stein (Honrath) 31. 12.
Dr. Bayerl 12. 12. Dr. h. c. Strauß 12. 12.
Behrendt * 12. 12. Wohlrabe 31. 12.
Benda 20. 12.
Bergmann * 12. 12.
Berkhan ** 12. 12.
Blumenfeld ** 12, 12.
Frau Brauksiepe 20. 12. Anlage 2 Umdruck 5
Brück ** 12. 12.
Dr. Burgbacher * 12. 12. Änderungsantrag der Fraktion der CDU/CSU
Dr. Dittrich* 12. 12. zur zweiten Beratung des Entwurfs eines Gesetzes
Draeger ** 12. 12. über die Anpassung der Leistungen des Bundes-
Dröscher * 12. 12. versorgungsgesetzes (Erstes Anpassungsgesetz -
Frau Dr. Elsner * 12. 12. 1. AnpG KOV -) — Drucksachen VI/69, VI/ 154 —
Faller * 12. 12.
Fellermaier * 12. 12. Der Bundestag wolle beschließen:
Flämig ** 12. 12. 1. In Artikel I erhält die Nummer 2 folgende
Dr. Fuchs 12. 12. Fassung:
Dr. Furler 12. 12.
Gerlach* 12. 12. ,2. In § 14 wird die Zahl „60" durch die Zahl
Gottesleben 31. 12. „73" ersetzt.'
Graaf 12. 12. 2. In Artikel I erhält die Nummer 3 folgende Fas-
Grüner 12. 12. sung :
Dr. Haas 12. 12.
Häussler 12. 12. ,3. In § 15 Satz 1 werden die Worte „8 bis 50
Frau Dr. Henze 31. 12. Deutsche Mark" durch die Worte „10 bis
Frau Herklotz ** 12. 12. 61 Deutsche Mark" ersetzt.'
Herold ** 12. 12. 3. In Artikel I erhält Nummer 7 folgende Fas-
Katzer 12. 12. sung:
Dr. Kempfler 12. 12.
Frau Klee 12. 12. ,7. In § 30 Abs. 3 wird die Zahl „500" durch die
Klinker * Zahl „610" ersetzt.'
12. 12.
Köppler 12. 12. 4. In Artikel I erhält Nummer 8 folgende Fassung:
Kriedemann * 12. 12. ,8. § 31 wird wie folgt geändert und ergänzt:
Freiherr von Kühlmann-Stumm 12. 12.
Kulawig * a) Absatz 1 erhält folgende Fassung:
12. 12.
Lautenschlager * 12. 12. „ (1) Beschädigte erhalten eine monat-
Lemmrich ** 12. 12. liche Grundrente bei einer Minderung
Lenze (Attendorn) ** 12. 12. der Erwerbsfähigkeit
Dr. Löhr * 12. 12. um 30 vom Hundert
Logemann 12. 12. von 65 Deutsche Mark,
Lücke (Bensberg) 31. 12.
Lücker (München) * 12. 12. um 40 vom Hundert
Majonica 12. 12. von 86 Deutsche Mark,
Dr. Meinecke (Hamburg) 12. 12. um 50 vom Hundert
Memmel * 12. 12. von 116 Deutsche Mark,
Müller (Aachen-Land) * 12. 12.
um 60 vom Hundert
Dr. Müller (München) ** 12. 12.
von 147 Deutsche Mark,
Peters (Norden) 12. 12.
Pieroth 12.12.
Pöhler ** 12. 12. * Für die Teilnahme an einer Tagung des Europäischen
Parlaments
Richarts * 12. 12. ** Für die Teilnahme an einer Tagung der Versammlung
Richter ** 12. 12. der Westeuropäischen Union
808 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

um 70 vom Hundert 11. In Artikel I erhält Nummer 17 folgende Fas-


von 202 Deutsche Mark, sung:
um 80 vom Hundert 17. In § 46 werden die Zahlen „45" und „85"
von 244 Deutsche Mark, durch die Zahlen „55" und „104" ersetzt.'
um 90 vom Hundert 12. In Artikel I erhält Nummer 18 folgende Fas-
von 293 Deutsche Mark, sung:
bei Erwerbsunfähigkeit 18. In § 47 Abs. i werden die Zahlen „80" und
von 330 Deutsche Mark. „110" durch die Zahlen „98" und „135"
Die Grundrente erhöht sich für Schwer- ersetzt.'
beschädigte, die das fünfundsechszigste 13. In Artikel I erhält Nummer 19 folgende Fas-
Lebensjahr vollendet haben, um 13 Deut- sung:
sche Mark."
19. § 51 wird wie folgt geändert:
b) In Absatz 5 Satz i wird der Betrag „222 a) In Absatz 1 werden die Zahl „200" durch die
Deutsche Mark" durch den Betrag „300 Zahl „264" und die Zahl „135" durch die
Deutsche Mark" ersetzt.' Zahl „179" ersetzt.
5. In Artikel I erhält Nummer 9 folgende Fassung: b) In Absatz 2 werden die Zahl „40" durch die
Zahl „53" und die Zahl „30" durch die Zahl
9. § 32 Abs. 2 erhält folgende Fassung: „40" ersetzt.
„ (2) Die volle Ausgleichsrente beträgt c) In Absatz 3 werden die Zahl „125" durch die
monatlich bei einer Minderung der Erwerbs- Zahl „165" und die Zahl „90" durch die Zahl
fähigkeit „119" ersetzt.'
um 50 vom Hundert 147 Deutsche Mark,
um 60 vom Hundert 147 Deutsche Mark, Bonn, den 10. Dezember 1969
um 70 vom Hundert 202 Deutsche Mark,
um 80 vom Hundert 244 Deutsche Mark, Dr. Barzel, Stücklen und Fraktion
um 90 vom Hundert 293 Deutsche Mark,
bei Erwerbsunfähigkeit
330 Deutsche Mark."'

6. In Artikel I erhält Nummer 10 folgende Fas- Anlage 3


sung:
Erklärung des Abgeordneten Dr. Jobst (CDU/CSU)
10. In § 33 a Satz 1 wird die Zahl „30" durch gemäß § 59 GO.
die Zahl „37" ersetzt.'
Ich habe mit Nein gestimmt, weil mir die Renten-
7. In Artikel I erhält Nummer 12 folgende Fas- erhöhung um 16 % zu gering erscheint.
sung:
12. § 35 wird wie folgt geändert:
a) In Absatz i werden in Satz 1 die Zahl
Anlage 4
„115" durch die Zahl „141" und in Satz 2
die Worte „195, 275, 355 oder 460 Deut-
sche Mark" durch die Worte „238, 336, Erklärung des Abgeordneten Röhner (CDU/CSU)
434 oder 562 Deutsche Mark" ersetzt. zur Abstimmung gem. § 59 GO.

b) In Absatz 2 Satz 2 wird die Zahl „50" In der 3. Lesung des Entwurfs eines Gesetzes über
durch die Zahl „61" ersetzt.' die Anpassung der Leistungen des Bundesversor-
gungsgesetzes stimme ich mit „Nein", weil die
8. In Artikel I erhält Nummer 13 folgende Fas- Anhebung um nur 16 % von mir als unzureichend
sung: betrachtet wird.
13. In § 40 wird die Zahl „150" durch die Zahl
„198" ersetzt.'

9. In Artikel I Nr. 14 erhält Buchstabe a folgende Anlage 5


Fassung:
Erklärung der Abgeordneten Dr. Schneider (CDU/
,a) In Absatz 1 Satz 1 wird die Zahl „250" durch CSU), Dr. Riedl (München) (CDU/CSU), Roser (CDU/
die Zahl „305" ersetzt.' CSU) und Spilker (CDU/CSU) zur Abstimmung: gem.
10. In Artikel I erhält Nummer 15 folgende Fas- § 59 GO.
sung: Wir haben in der 3. Lesung mit Nein gestimmt,
15. In § 41 Abs. 2 wird die Zahl „150" durch die weil uns die Anhebung um nur 16 % als zu gering
Zahl „198" ersetzt.' erscheint.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 809

Anlage 6 Im Verhältnis zu Jugoslawien ist der Sichtver-


merkszwang auf der Grundlage einer Gegenseitig-
Schriftliche Antwort keitsvereinbarung im März dieses Jahres bekannt-
lich aufgehoben worden.
des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Dahren-
dorf vom 10. Dezember 1969 auf die Mündlichen
Fragen des Abgeordneten Dr. Schulz (Berlin)
(Drucksache VI/104 Fragen A 107 und 108):
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß alle Versiche-
Anlage 8
rungen des griechischen Obristenregimes, zu den Prinzipien der
Demokratie und der Menschenrechte zurückzukehren, nicht zu-
letzt durch die Terrorurteile der letzten Zeit gegen opponierende Schriftliche Antwort
Gruppen sowohl moralisch wie auch objektiv gegenstandslos ge-
worden sind?
Ist die Bundesregierung unter diesen Umständen nunmehr dazu
des Bundesministers Genscher vom 12. Dezember
bereit, im zuständigen Ministerkomitee für einen Ausschluß Grie- 1969 auf die Mündliche Frage des Abgeordneten
chenlands aus dem Europarat einzutreten?
Köppler (Drucksache VI/146 Frage A 16):
Die Bundesregierung ist der Auffassung, daß in Hat die Bundesregierung die Absicht, falls sie konkrete Vor-
Griechenland nach wie vor keine demokratischen stellungen über die weitere Ausgestaltung der Institution des
Parlamentarischen Staatssekretärs entwickeln will, die sich aus
und rechtsstaatlichen Verhältnisse herrschen. Das seiner Doppelfunktion ergebenden Probleme seiner Stellung und
wird unter ariderem durch bestimmte gerichtliche Funktion im Parlament einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen,
und beabsichtigt sie, insbesondere mit den zuständigen Organen
Urteile der letzten Zeit bestätigt. Einige von der des Deutschen Bundestages diese Problematik zu erörtern?
griechischen Regierung in den letzten Monaten
durchgeführte oder angekündigte Maßnahmen könn- Wie ich bereits in meinen Antworten auf die
ten zwar zur Normalisierung der Lage beitragen. Mündlichen Anfragen 14 und 15 des Herrn Kollegen
Sie sind nach Ansicht der Bundesregierung jedoch Benda in der Fragestunde am 11. Dezember 1969
keinesfalls ausreichend, um die Verwirklichung der zum Ausdruck gebracht habe, bin ich bereit, die sich
Grundsätze der Satzung des Europarats und die in aus der weiteren Ausgestaltung der Institution
der Europäischen Menschenrechtskonvention nieder- der Parlamentarischen Staatssekretäre ergebenden
gelegten Menschenrechte und Grundfreiheiten zu Probleme einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen
gewährleisten. und sie mit den zuständigen Organen des Deutschen
Bundestages zu erörtern.
Die Bundesregierung prüft sorgfältig alle ihr zur
Verfügung stehenden Unterlagen. Sie ist grundsätz-
lich bereit, für die Suspendierung Griechenlands zu
stimmen. Sie behält 'sich jedoch vor, zusammen mit
anderen Mitgliedstaaten eine andere Lösung zu Anlage 9
suchen, falls sich auf der Sitzung des Min i ster-
komitees neue Gesichtspunkte ergeben.
Schriftliche Antwort

des Bundesministers Genscher vom 12. Dezember


1969 auf die Mündliche Frage des Abgeordneten
Dr. Dittrich (Drucksache VI/146 Frage A 20):
Anlage 7
Kann mit der Eröffnung weiterer Grenzübergangsstellen im
ostbayerischen Raume zur CSSR gerechnet werden und ggf. mit
Schriftliche Antwort welchen?

des Bundesministers Genscher vom 12. Dezember Wie aus einer Mitteilung der Zentralen Zollver-
1969 auf die Mündliche Frage des Abgeordneten waltung der CSSR an den Bundesminister der Finan-
Hirsch (Drucksache VI/146 Frage A 7): zen hervorgeht, kann damit gerechnet werden, daß
Unter Bezugnahme auf den Antrag der SPD-Fraktion vom
der Straßenübergang bei Philippsreuth im Jahre
1. August 1968 (Drucksache V/3193) frage ich die Bundesregierung, 1971 wieder geöffnet wird. Außerdem ist beabsich-
ob sie bereit ist, die Verordnung zur Durchführung des Aus-
ländergesetzes vom 10. September 1965 (Bundesgesetzbl. I tigt, den Straßenübergang bei Waldsassen für den
S. 1341) so zu ändern, daß der Visumzwang für Angehörige der
osteuropäischen Staaten entfällt?
grenznahen Güterverkehr freizugeben. Der genaue
Zeitpunkt der Wiedereröffnung beider Übergänge
Die Bundesregierung hatte in der letzten Legis- ist nicht abzusehen, da auf tschechoslowakischem
laturperiode dem Innenausschuß in der Sitzung vom Gebiet vorher umfangreiche Straßen- und Hochbau-
16. Januar 1969 die Erwägungen dargelegt, die nach arbeiten durchgeführt werden müssen.
ihrer Auffassung gegen eine grundsätzliche Ab-
schaffung des Sichtvermerkszwangs gegenüber den
osteuropäischen Staaten sprechen würden. Die Wei-
terberatung in den Ausschüssen ist sodann zurück-
gestellt und innerhalb der Legislaturperiode nicht Anlage 10
wieder aufgenommen worden.
Die Bundesregierung prüft jedoch laufend die Schriftliche Antwort
Möglichkeiten für Erleichterungen des internatio-
nalen Reiseverkehrs und für Befreiungen von dem des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Reischl
Sichtvermerkserfordernis. vom 11. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage
810 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

des Abgeordneten Dr. Jenninger (Drucksache VI/146 Abgeordneten Köppler (Drucksache VI/146 Frage
Frage A 41) : A 57) :
Wer soll nach Auffassung der Bundesregierung im Bereiche der
Wie stellt sich die Bundesregierung zu der Behauptung des Elektrizitätsversorgung die Kostensteigerungen übernehmen, die
Parlamentarischen Staatssekretärs Prof. Dahrendorf, die Ordnung auf die Preise nicht weitergegeben werden sollen?
der Bundesfinanzen sei eine der vordringlichsten Ziele in der
Innenpolitik? Diese Kostensteigerungen kann die Elektrizitäts-
wirtschaft im allgemeinen auffangen, weil ihnen
Die Bundesregierung ist mit dem Parlamenta-
Kostenentlastungen in zumindest gleicher Höhe
rischen Staatssekretär Professor Dr. Dahrendorf der
gegenüberstehen.
Auffassung, daß die Ordnung der Bundesfinanzen
eines der vordringlichsten Ziele der Innenpolitik ist. Die durch Lohnerhöhungen sowie durch Preis-
steigerungen für Kohle und Materialien auf die Elek-
trizitätswirtschaft zukommenden Mehrkosten wer-
den für das Jahr 1970 von keiner Seite höher als 5 %
Anlage 11 im Bundesdurchschnitt der aus dem Stromverkauf
zu erwartenden Erlöse veranschlagt. Durch verbes-
Schriftliche Antwort serte Ausnutzung der Kraftwerke und Netze sowie
durch allgemeine Rationalisierungsfortschritte. kann
des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Arndt die Elektrizitätswirtschaft aber mit Kostenentlastun-
vom 12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage gen in zumindest gleicher Höhe rechnen.
des Abgeordneten Mertes (Drucksache VI/146 Frage In Einzelfällen kann die Kostenentlastung eines
A 51): Elektrizitätsversorgungsunternehmens im Vergleich
Mit welchen Zielen beabsichtigt die Bundesregierung das Film- zu dieser Durchschnittsbetrachtung günstiger, aller-
förderungsgesetz zu novellieren? dings auch ungünstiger sein.
1. Die bisherigen Grundbeträge — in der Regel Die stetige Zunahme des Stromverbrauchs — Ver-
150 000 DM — sollen künftig in der Höhe den doppelung etwa alle 10 Jahre — begründet die Er-
zur Verfügung stehenden Mitteln der Filmför- wartung, daß wesentliche Teile der Versorgungs-
derungsanstalt (FFA) angepaßt werden. anlagen, insbesondere die Netze, auf die zwei Drittel
der Investitionen entfallen, Jahr um Jahr besser
2. Fernsehnutzungsrechte sollen nur noch an sol-
ausgenutzt werden. Können Mehrkosten einzelner
chen Spielfirmen erworben werden, die potentiell
Unternehmen nicht sofort durch verbesserte Aus-
von Interesse für das Fernsehen sind.
nutzung der Anlagen und durch allgemeine Ratio-
3. Für die bisher schon im Filmförderungsgesetz nalisierungsfortschritte kompensiert werden, so soll-
(FFG) vorgesehenen Zusatzbeträge sollen künf- ten die Unternehmen in dieser Erwartung für eine
tig aus dem Bundeshaushalt bis zu 1,8 Mio DM gewisse Zeit auch eine Schmälerung der Erträge hin-
jährlich vorsorglich bereitgestellt werden. nehmen. Ihre Monopolstellung verpflichtet die Ver-
sorgungsunternehmen zu gesamtwirtschaftlicher
Rücksichtnahme, d. h. gerade in der gegenwärtigen
Situation zur besonderen Zurückhaltung bei Strom-
Anlage 12 preiserhöhungen.

Schriftliche Antwort

des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Arndt


Anlage 14
vom 12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage
des Abgeordneten Dr. Schneider (Nürnberg) (Druck-
sache VI/146 Frage A 54) : Schriftliche Antwort

Welche Überlegungen stellt die Bundesregierung für die Zeit des Bundesminister Arendt vom 12. Dezember 1969
nach Auslaufen der Genehmigungsverträge der deutschen Walz-
stahlkontore im Jahre 1971 an, und wird eine Beendigung der auf die Mündliche Frage des Abgeordneten
Stahlkartellierung angestrebt bzw. sollen die Stahlkontore in Dr. Schmidt (Krefeld) (Drucksache VI/146 Frage A 70) :
einer unveränderten oder modifizierten Form weitergeführt
werden? Ist inzwischen von der Bundesregierung abschließend geprüft,
ob eine bundesgesetzliche Regelung zur Gewährung einer studen-
tischen Vollversicherung durchführbar ist?
Die Bundesregierung hat noch nicht entschieden.
Sie geht zur Zeit davon aus, daß die Gesichtspunkte, Die Frage, ob eine bundesgesetzliche Regelung
die seinerzeit für die Bildung der Walzstahlkontore zur Gewährung einer studentischen Vollversicherung
und ihre wirtschaftspolitische Beurteilung maßgeb- durchführbar ist, ist abschließend geprüft worden
lich waren, zunehmend an Bedeutung verlieren. und wird bejaht. Das Deutsche Studentenwerk be-
reitet zur Zeit auf Veranlassung meines Hauses eine
Repräsentativuntersuchung vor, die die Vorstellun-
gen der Studenten zu einer gesetzlichen Regelung
Anlage 13 ihres Krankenversicherungsschutzes klären soll. Die
Ergebnisse dieser Untersuchung werden voraus-
Schriftliche Antwort sichtlich im Sommer 1970 vorliegen. Die Bundesre-
gierung wird dann unter Berücksichtigung der Auf-
des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Arndt fassung der Betroffenen Vorschläge für eine gesetz-
vom 12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage des liche Regelung vorlegen.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 811

Anlage 15 von und zu Guttenberg (Drucksache VI/146 Frage


A 76):
Schriftliche Antwort Ist die Bundesregierung bereit, die Äußerung des Bundes-
arbeitsministers, der am 22. November im Deutschlandfunk im
des Bundesminister Arendt vom 12. Dezember 1969 Zusammenhang mit der geplanten Abschaffung des Krankenver-
sicherungsbeitrags der Rentner erklärt hat, „ursprünglich waren
auf die Mündliche Frage des Abgeordneten sogar von seiten der CDU 4 % (Krankenversicherungsbeitrag
der Rentner) vorgesehen" dahin gehend richtigzustellen, daß
Dr. Hauser (Sasbach) (Drucksache VI/146 Frage A 74): diese zunächst vorgesehenen 4 % Krankenversicherungsbeitrag
der Rentner nicht einem Vorschlag der CDU, sondern einem
Wird die Bundesregierung das einst den Angehörigen der einstimmigen Kabinettsbeschluß entsprach, der von allen dama-
Schutztruppe im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika staatlicher- ligen Ministern der SPD gebilligt worden war?
seits gegebene Versprechen, das jeweils im Militärpaß ausdrück-
lich mit dem Vermerk „Doppelt zu rechnende Dienstzeiten außer-
halb der heimischen Gewässer" bestätigt war, einlösen und diese
Sie vermengen in Ihrer Frage zwei Dinge, die
Dienstzeit als doppelte Zurechnungszeiten in der allgemeinen Be- sorgfältig auseinander gehalten werden müssen.
messungsgrundlage für die Altersrente anerkennen?
Das eine ist die Frage, von wem 1967 die Initiative
Der von Ihnen genannte Vermerk hat allein be- und die Kabinettsvorlage für die Einführung des
amten- und soldatenrechtliche Bedeutung. Er besagt, ursprünglich mit 4 0 /o angesetzten Krankenversiche-
daß bei Beamten und Soldaten die „außerhalb der rungsbeitrags der Renter ausging; das andere ist die
heimischen Gewässer" — in Ihrem Beispiel in der Frage, wie dieser Vorschlag im Kabinett behandelt
Schutztruppe im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika wurde.
Dienst taten, die dort abgeleisteten Dienstzeiten
Zur ersten Frage ist folgendes zu bemerken: Der
doppelt angerechnet werden, und zwar insbesondere
Krankenversicherungsbeitrag der Rentner wurde mit
bei Ermittlung der ruhegehaltfähigen Dienstzeit.
dem Finanzänderungsgesetz vom 8. Dezember 1967
In der gesetzlichen Rentenversicherung gab und gibt
eingeführt. Die Initiative hierzu ging von dem da-
es eine derartige Regelung nicht. Bei der Renten-
maligen Bundesarbeitsminister, Ihrem Fraktions-
bemessung werden vielmehr den früheren Schutz
kollegen Herrn Katzer, aus. Herr Katzer hat nicht
truppenangehörigen ihre Dienstzeiten unter den
nur die Kabinettsvorlage eingebracht, er hat viel-
gleichen Voraussetzungen und im gleichen Umfang
mehr auch — mit viel Mut, das gebe ich zu — in
angerechnet wie allen anderen Soldaten, die damals
öffentlichen Reden dafür geworben, daß es zumut-
auf Grund gesetzlicher Wehrpflicht oder während
bar sei, die Rentner mit einem 4-prozentigen Kran-
eines Krieges Wehrdienst geleistet haben.
kenversicherungsbeitrag zu belasten. So hat er bei-
spielsweise am 9. Juli 1967 vor dem 12. Bundestag
der CDU-Sozialausschüsse in Offenburg erklärt, der
Anlage 16 Rentner-Krankenversicherungsbeitrag lasse sich
nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch
Schriftliche Antwort sozialpolitisch rechtfertigen. Am gleichen Tage be-
des Bundesministers Arendt vom 12. Dezember 1969 schlossen die Sozialausschüsse der CDU in ihrer
auf die mündliche Frage des Abgeordneten Konrad Offenburger Erklärung, ich zitiere wörtlich:
(Drucksache VI/146 Frage A 75) : Die Leistung eines Beitrags der Rentner an die
Ist der Bundesregierung bekannt, daß die bereits ausgezahlte
gesetzliche Krankenversicherung ist zumutbar.
Überückungszla ehbrEinkomach§25
Abs. 6 des Bundesversorgungsgesetzes auf Erziehungsbeihilfen Der Vorschlag zur Einführung des Kranken-
nach § 27 des Bundesversorgungsgesetzes angerechnet wird, und
billigt sie diese Maßnahme, die in Einzelfällen dazu führen kann, versicherungsbeitrags der Rentner, und zwar zu-
daß die Erziehungsbeihilfe fast vollständig entfällt? nächst in Höhe von 4 %, ging also eindeutig von
Wie Sie wissen, ist die Durchführung der Kriegs- der CDU aus. Das ist das erste.
opferfürsorge nach dem Bundesversorgungsgesetz Der zweite Punkt ist die Behandlung der Initiative
Sache der Länder. Der Bundesregierung ist daher von Herrn Katzer im Kabinett. Das Finanzände-
nicht bekannt, ob und in welchem Umfange die von rungsgesetz 1967 und in dessen Rahmen der Kran-
Ihnen erwähnte Ü berbrückungszulage im Einzelfall kenversicherungsbeitrag der Rentner sind über
auf die Erziehungsbeihilfe nach § 27 des Bundesver- mehrere Monate hinweg mehrmals im Kabinett be-
sorgungsgesetzes angerechnet wurde. Nach gelten- raten worden. Dabei will ich nicht ausschließen, daß
dem Recht ist es allerdings so, daß die Überbrük- auch die damaligen SPD-Minister schließlich den
kungszulage gemäß § 25 a Abs. 6 des Bundesversor- Gesamtvorschlägen zugestimmt haben. Eine andere
gungsgesetzes grundsätzlich zu dem Einkommen ge- Haltung wäre ohne eine Gefährdung des Gesamt-
hört, das bei Bemessung der Erziehungsbeihilfe nach pakets wohl auch kaum möglich gewesen. Den Stand-
§ 27 eingesetzt werden muß. Diese sich aus den ge- punkt, den die SPD hierzu aber letztlich eingenom- -
setzlichen Bestimmungen ergebende Konsequenz men hat, mögen Sie aus folgender Erklärung er-
mag im Einzelfall dazu führen, daß die Erziehungs- sehen, die mein Fraktionskollege, Herr Prof. Dr.
beihilfe gemindert wird. Schellenberg, am 26. Oktober 1967 bei der 1. Lesung
des Finanzänderungsgesetzes durch den Deutschen
Bundestag vor diesem Hohen Hause abgegeben hat;
Anlage 17 ich zitiere wörtlich:

Schriftliche Antwort Die Sozialdemokraten haben immer erklärt, daß


wir einen solchen Beitrag der Rentner zu ihrer
des Bundesministers Arendt vom 12. Dezember 1969 Krankenversicherung nicht für sinnvoll halten.
auf die Mündliche Frage des Abgeordneten Freiherr Unser Koalitionspartner hat wiederholt zum
812 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Ausdruck gebracht, daß für ihn dieser Beitrag gen, als ihnen in dem Lande zuständen, wo die
ein wichtiges Element seiner sozialpolitischen Kinder wohnen. Da nach deutschem Recht für erste
Vorstellungen ist. Kinder kein Kindergeld und für zweite Kinder nur
... Es gibt hier unterschiedliche Auffassungen unter bestimmten Voraussetzungen Kindergeld ge-
währt wird, ständen nach EWG-Recht deutschen
zwischen den Regierungspartnern. Nach man-
chem freundlich-harten Gedankenaustausch Grenzgängern in Luxemburg mit nur einem Kind
überhaupt keine und Grenzgängern mit zwei Kin-
haben wir uns in der Mitte geeinigt, bei 2 %.
dern nur ausnahmsweise luxemburgische Familien-
Selbstverständlich ist es ein Kompromiß. Anders
leistungen zu. Nach dem deutsch-luxemburgischen
geht es in der Zusammenarbeit zweier großer
Abkommen werden ihnen für das erste und zweite
politischer Kräfte in diesem Hause nicht.
Kind je 22 DM monatlich und für das dritte und
Sie können dies im Protokoll über die 129. Sitzung jedes weitere Kind die vollen luxemburgischen
des Deutschen Bundestages auf S. 6518 nachlesen. Leistungen gewährt.
Eine ähnliche Erklärung hat Herr Kollege Prof. Dr.
Bei dieser Sachlage erscheint die Aufnahme von
Schellenberg namens der SPD-Fraktion noch einmal
Verhandlungen mit Luxemburg mit dem Ziel,
bei der 2. und 3. Lesung des Finanzänderungs-
deutschen Grenzgängern in Luxemburg zu dem vollen
gesetzes 1967 am 8. Dezember 1967 wiederholt.
luxemburgischen Kindergeld zu verhelfen, zur Zeit
Als die SPD die Führung der Bundesregierung nicht erfolgversprechend. Der Ministerrat der Euro-
übernahm, sah sie es als eine ihrer ersten Pflichten päischen Gemeinschaften hat am 24. November 1969
an, dem Deutschen Bundestag vorzuschlagen, den beschlossen, daß künftig Arbeitnehmer das volle
Krankenversicherungsbeitrag der Rentner wieder Kindergeld des Landes erhalten sollen, in dem sie
zu streichen. beschäftigt sind. Luxemburg hat ebenso wie Frank-
reich Vorbehalte angemeldet. Insbesondere wünscht
Luxemburg die Aufrechterhaltung der deutsch-
luxemburgischen Kindergeldregelung.

Anlage 18

Schriftliche Antwort
Anlage 19
des Bundesministers Arendt vom 12. Dezember 1969
auf die Mündlichen Fragen des Abgeordneten
Schriftliche Antwort
Richarts (Drucksache VI/146 Fragen A 77 und 78) :
ist der Bundesregierung bekannt, daß deutsche Grenzgänger in des Bundesministers Arendt vom 12. Dezember 1969
Luxemburg für das erste und zweite Kind nur das halbe Kinder- auf die Mündlichen Fragen des Abgeordneten
geld beziehen, obwohl ihre Arbeitgeber den vollen Beitrag an
die Familienkasse zahlen, während alle anderen Gastarbeiter Peiter (Drucksache VI/146 Fragen A 79 und 80) :
in Luxemburg das volle Kindergeld erhalten, und worauf führt
die Bundesregierung diese soziale Diskriminierung des deutschen
Kann die Bundesregierung sagen, ob die mit § 5 Abs. 4 des
Arbeitnehmers zurück?
Soldatenversorgungsgesetzes getroffene Entschädigungsregelung
Ist die Bundesregierung bereit, Verhandlungen aufzunehmen Nachteile für den in Betracht kommenden Personenkreis der Ver-
mit dem Ziel, die deutschen Arbeitnehmer beim Kindergeldbezug sicherungsvertreter ausschließt, und hält die Bundesregierung
den anderen Gastarbeitern in Luxemburg gleichzustellen? di ese Vorschrift für änderungsbedürftig?

Wann wird die Bundesregierung den in der Fragestunde vom


Der Bundesregierung ist bekannt, daß deutsche 13. Februar 1969 (216. Sitzung) in Aussicht gestellten Gesetz-
entwurf vorlegen, der Nachteile in der gesetzlichen Rentenver-
Grenzgänger in Luxemburg für das erste und zweite sicherung infolge ehrenamtlicher Tätigkeit ausschließt?
Kind nur die halben luxemburgischen Familienlei-
stungen erhalten. Auch italienische und niederlän- Die von Ihnen erwähnte gesetzliche Regelung
dische Arbeitnehmer erhalten jedoch nicht das volle schließt in der Tat nicht aus, daß Mitgliedern von
luxemburgische Kindergeld. Arbeitnehmern aus Selbstverwaltungsorganen u. U. infolge der Aus-
Staaten, die nicht der EWG angehören, werden übung ihres Ehrenamtes Nachteile in den gesetz-
für ihre im Heimatland lebenden Kinder überhaupt lichen Rentenversicherungen entstehen. Das gilt im
keine Leistungen gewährt. Die luxemburgischen übrigen auch für die zur Zeit geltende Regelung für
Familienleistungen werden auch nur zum Teil aus ehrenamtliche Richter. Die Bundesregierung teilt
Beiträgen der Arbeitgeber finanziert. Etwa 50 % daher Ihre Auffassung, Herr Kollege, daß hier Ab-
des Kindergeldaufwandes trägt der luxemburgische hilfe geschaffen werden sollte.
Staat. Sie werden sich vielleicht erinnern, daß der
Die Gewährung des halben luxemburgischen Kin- V. Deutsche Bundestag anläßlich der Verabschie-
dergeldes für erste und zweite Kinder deutscher dung des Dritten Rentenversicherungs-Änderungs-
Grenzgänger beruht auf dem deutsch-luxembur- gesetzes die Bunderegierung ersucht hat, bis zum
gischen Abkommen über die Soziale Sicherheit der 30. Juni 1970 über die Beseitigung von Nachteilen
Grenzgänger. Dieses Abkommen stellt aus deutscher zu berichten, die infolge der Ausübung einer ehren-
Sicht eine Verbesserung gegenüber dem allgemeinen amtlichen Tätigkeit in den gesetzlichen Rentenver-
EWG-Recht dar. Nach der EWG-Verordnung Nr. 3 sicherungen entstehen können. Die Bundesregierung
über die Soziale Sicherheit der Wanderarbeit- wird diese Termine einhalten und bis dahin auch
nehmer erhalten Arbeitnehmer in dem Lande, in den in der Fragestunde am 13. Februar 1969 in
dem sie beschäftigt werden, keine höheren Leistun- Aussicht gestellten Gesetzentwurf vorlegen.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 813

Anlage 20 Anlage 22
Schriftliche Antwort Schriftliche Antwort
des Bundesministers Arendt vom 12. Dezember 1969 des Bundesministers Frau Strobel vom 11. Dezember
auf die Mündlichen Fragen des Abgeordneten 1969 auf die Mündliche Frage des Abgeordneten
Bäuerle (Drucksache VI/146 Fragen A 81 und 82): Flämig (Drucksache VI/146 Frage A 100) :
Ist der Bundesregierung bekannt, daß Personen, die ihre Trifft es zu, daß im öffentlichen Gesundheitsdienst vieler
Wehrdienstzeit abgeleistet haben, Kriegsteilnehmer und in Ge- Bundesländer ein bedrohlicher Nachwuchsmangel an qualifizierten
fangenschaft waren, durch sogenannte Ausfallzeiten erhebliche Ärzten herrscht und daß in der derzeitigen Situation nicht damit
materielle Rentennachteile entstanden bzw. noch entstehen? zu rechnen ist, daß die infolge Überalterung der Amtsärzte im-
mer größer werdenden Personallücken zufriedenstellend ge-
Wird die Bundesregierung sich dieses Problems annehmen,
schlossen werden können?
um bestehendes Unrecht zu beseitigen?

Nach der gegenwärtigen Regelung werden Zeiten Es trifft zu, daß im öffentlichen Gesundheitsdienst
des Wehrdienstes, des Kriegsdienstes und der ein Nachwuchsmangel an qualifizierten Ärzten
Kriegsgefangenschaft als Ersatzzeiten angerechnet, herrscht, der sich im Laufe der nächsten Jahre noch
und nicht als Ausfallzeiten, wie Sie offenbar meinen. dadurch verschärfen wird, daß ein großer Teil Ärzte
Diese Ersatzzeiten werden mit dem Durchschnitt in den Ruhestand tritt. Im Bundesdurchschnitt ist
aller bis zum 31. Dezember 1964 bezogenen Entgelte gegenwärtig mit mindestens 10 % unbesetzten Plan-
bewertet. Da hierbei auch die erheblichen Lohn- stellen zu rechnen. Ein ausreichender Nachwuchs
steigerungen der Nachkriegsjahre berücksichtigt an Amtsärzten ist bisher nicht vorhanden. Zwischen
werden, erweist sich diese Bewertung für die Mehr- der Einkommenssituation der niedergelassenen Ärzte
zahl der Berechtigten als günstig. Es enstehen für und der Besoldung der Ärzte im öffentlichen Ge-
sie gegenüber den Versicherten, die in der Heimat sundheitsdienst besteht ein erhebliches Gefälle.
geblieben sind, in der Regel keine Nachteile. Der Bundesverband der Ärzte des öffentlichen
Das schließt jedoch nicht aus, daß für eine kleinere Gesundheitsdienstes e. V, hat in seiner Mitglieder-
Anzahl von Personen diese Regelung zu ungünsti- versammlung am 17. Juni 1969 in Münster eine
geren Ergebnissen führen kann als für diejenigen, gemeinsam mit dem Marburger Bund vorbereitete
die keinen Kriegsdienst geleistet haben. In letzter Entschließung gefaßt, die den Ernst der Situation
Zeit ist sogar vermutet worden, daß die Zahl der wiedergibt. Er hat dabei darauf hingewiesen, daß
Fälle, in denen durch den Kriegsdienst eine Benach- es fast unmöglich ist, geeigneten Nachwuchs zu ge-
teiligung eingetreten sei, erheblich höher liegt, als winnen, zumal guten Gewissens eine Empfehlung
bisher angenommen worden ist. Diese Frage wird zum Eintritt in diese Laufbahn nur gegeben werden
z. Z. untersucht. könne, wenn sie umgehend den Erfordernissen der
Gegenwart und Zukunft entsprechend gestaltet
Sollte sich herausstellen, daß tatsächlich eine werde.
erhebliche Anzahl von Versicherten durch Kriegs-
dienst, Kriegsgefangenschaft usw. wesentliche Nach- Die schwierige personelle Situation ist nicht in
teile erleiden, so werde ich prüfen, wie ihnen gehol- allen Bundesländern — die ja für den öffentlichen
fen werden kann. Gesundheitsdienst zuständig sind — gleich. In den
Stadtstaaten ergibt sich ein günstigeres Bild als in
einzelnen Flächenstaaten.
Die für das Gesundheitswesen zuständigen Mini-
ster und Senatoren der Länder haben in ihrer Kon-
Anlage 21 ferenz am 21. und 22. November 1968 konkrete
Schriftliche Antwort Vorschläge zur Gewinnung einer ausreichenden
Zahl von Ärzten für den öffentlichen Gesundheits-
des Bundesministers Frau Strobel vom i i . Dezember dienst gemacht. Es wird jedoch noch einige Zeit
1969 auf die Mündliche Frage des Abgeord- vergehen, bis diese Vorschläge effektiv wirken
neten Schmidt (Braunschweig) (Drucksache VI/146 werden.
Frage A 99) :
Nachdem in der letzten Zeit wiederholt widersprüchliche
Pressemeldungen über die Lebensmittelbestrahlung erschienen
sind, frage ich die Bundesregierung, welche Stellung sie künftig
zur Frage der Lebensmittelbestrahlung einzunehmen beabsichtigt?
Anlage 23
Die Lebensmittelbestrahlungs-Verordnung vom
19. Dezember 1959 erlaubt lediglich die Bestrahlung Schriftliche Antwort
mit Elektronen-, Gamma- oder Röntgenstrahlen zu
Kontroll- oder Meßzwecken. Die Untersuchungen
des Bundesministers Frau Strobel vom 11. Dezember
über Art und Ausmaß von Veränderungen bei be-
1969 auf die Mündliche Frage des Abgeordneten
strahlten Lebensmitteln und deren Auswirkungen
Mertes (Drucksache VI/146 Frage A 101):
auf die menschliche Gesundheit sind auch im inter-
nationalen Rahmen noch nicht abgeschlossen. Eine Was ist der Bundesregierung über das Ergebnis der so-
genannten Rauschgiftkonferenz mit Präsident Nixon im amerika-
Zulassung der Bestrahlung von Lebensmitteln zum nischen Außenministerium bekannt?
Zwecke der Haltbarmachung ist daher beim gegen-
wärtigen Stand der wissenschaftlichen Forschung Die Rauschgiftkonferenz von Präsident Nixon
nicht in Aussicht genommen. fand im Beisein von führenden Kongreßmitgliedern
814 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

im Weißen Haus (nicht im Außenministerium) am Anlage 24


23. Oktober 1969 statt. Sie befaßte sich mit den
Vorgängen, die der Präsident in seiner Botschaft Schriftliche Antwort
vom 14. Juli 1969 zur Rauschgiftbekämpfung ge-
macht hatte und inzwischen in Gesetzesvorschlägen des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
des Kongresses ihren Niederschlag gefunden haben. 12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage
Die Konferenz verfolgte im wesentlichen folgende des Abgeordneten Dr. Hupka (Drucksache VI/146
Ziele: Frage A 102) :
Ist der Bundesregierung bekannt, in welcher prozentualen Hohe
1. die Akzente in dem zur Zeit im Kongreß behan- Paketsendungen nach Mitteldeutschland trotz genauer Beachtung
delten Gesamtprogramm zur Bekämpfung der der Vorschriften auf dem Wege zum Empfänger verlorengehen,
und welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, in Ge-
Rauschgiftsucht auszubalancieren; sprächen zu erreichen, daß die Post im anderen Teil Deutsch-
lands alle Pakete passieren läßt, die clan Vorschriften der Post
entsprechen?
2. die Verabschiedung der im Kongreß eingebrach-
ten Gesetzesvorlagen zu beschleunigen; Der Bundesregierung ist nicht bekannt, in wel-
chem Umfang Pakete auf dem Wege zum Empfänger
3. die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die in Mitteldeutschland trotz genauer Beachtung der
Dringlichkeit der Rauschgiftbekämpfung zu len- Vorschriften verlorengehen.
ken.
Das hat zwei Gründe:
Die Konferenz selbst brachte zwar keine konkre- Einmal werden den Postdienststellen nicht alle
ten legislativen oder administrativen Ergebnisse; Verlustfälle gemeldet. Zum anderen ist im Einzelfall
sie förderte jedoch den Konsensus über die Dring- nicht festzustellen, ob die Vorschriften beachtet wa-
lichkeit eines Gesamtprogramms zur Bekämpfung ren oder nicht.
der Rauschgiftsucht.
Die Verhandlungen, die kürzlich zwischen Vertre-
tern des Bundespostministeriums und Vertretern
Aus der Konferenz im Weißen Haus sind folgende des DDR-Postministeriums geführt worden sind und
Feststellungen und Vorschläge festzuhalten: die demnächst fortgesetzt werden sollen, haben
auch die Normalisierung und Verbesserung des
1. Das vom Präsidenten vorgeschlagene zusammen-
innerdeutschen Post- und Fernmeldeverkehrs zum
fassende Gesetzgebungswerk zur Rauschgiftbe-
Gegenstand.
kämpfung soll dem Rauschgiftbüro des Justiz-
ministeriums als der in erster Linie zuständigen
Bundesbehörde eine gesetzliche Handhabe für
den langfristigen Kampf gegen die Rauschgift-
sucht geben. Anlage 25

2. Auf internationaler Ebene soll die bisherige Zu- Schriftliche Antwort


sammenarbeit insbesondere mit Mexiko, zur ver-
schärften Unterbindung des Rauschgiftschmug- des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
gels nach den USA durch eine modifizierte Ko- 12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage des Ab
ordinierung der Tätigkeit der verschiedenen geordneten Josten (Drucksache VI/146 Frage A 104) :
amerikanischen Bundesbehörden und der mexi-
Ist die Bundesregierung bereit, sich für die älteren Menschen
kanischen Regierung ersetzt werden, die die einzusetzen, damit sie hei Fahrten mit der Deutschen Bundes-
bisherige Kontrolle nicht schwächen, aber den bahn wieder besondere Vergünstigungen erhalten?

legalen Handel bei den Ländern nicht erschweren


Ihre Frage, Herr Kollege, kann ich bejahen, muß
soll. Ähnliche Maßnahmen internationaler Zu-
allerdings hinzufügen, daß über die Einführung von
sammenarbeit mit der französischen und türki-
neuen Tarifen und besonders von verbilligten Son-
schen Regierung sollen die beiden weiteren
deraktionen im Personenverkehr die Deutsche Bun-
Hauptstellen des amerikanischen Rauschgift-
desbahn selbst entscheidet. Ich habe aber den Vor-
schmuggels schließen.
stand der Deutschen Bundesbahn gebeten, die Mög-
lichkeiten einer neuen Sonderaktion für ältere Mit
3. Der Präsident betonte vor allem die Bedeutung
bürger zu prüfen. Diese Überprüfung wird gewiß
des Aufklärungsfeldzuges, da mit repressiven
bald zu einem Ergebnis führen.
Maßnahmen allein dem Übel nicht beizukommen -
sei. Die für die Aufklärung der Öffentlichkeit,
insbesondere in den Schulen und Hochschulen, in
den ärztlichen, juristischen und sozialfürsorge-
rischen Ausbildungszweigen sowie in der Er- Anlage 26
wachsenenbildung vorgesehenen Budgetmittel
des Ministeriums für Gesundheitswesen, Erzie- Schriftliche Antwort
hung und Wohlfahrt in Höhe von 3 Millionen
Dollar sollen erheblich aufgestockt werden. Zu- des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
sätzlich müßten die Massenmedien, insbeson- 12. Dezember 1969 auf die Mündlichen Fragen des
dere das Fernsehen, in diesen Aufklärungsfeld- Abgeordneten Maucher (Drucksache VI/146 Fragen
zug einbezogen werden. A 105 und 106) :
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 815

Ist der Bundesregierung bekannt, daß der Plan, eine neue


Europa-Transversale durch einen 45 Kilometer langen Basistunnel
Abgeordneten Dr. Eyrich (Drucksache VI/146 Fragen
durch den Splügen zu schaffen, der im Sommer 1968 einen A 109 und 110) :
Rückschlag erlitten hat, wieder im Gespräch ist?

Stimmt die Bundesregierung der Auffassung zu, daß die Ver- Sieht die Bundesregierung eine Möglichkeit, das deutsch-
wirklichung eines solchen Planes die wirtschaftliche und ver- französische Abkommen hinsichtlich des Schüleraustausches dahin
kehrsmäßige Entwicklung für die Länder Baden-Württemberg zu erweitern, daß die an Kinder aus kinderreichen Familien aus-
und Bayern sehr begünstigen würde? gestellten Fahrausweise (Ermäßigungskarten) auch Gültigkeit für
die jeweilig andere Staatsbahn oder Privatbahn haben?
Der Bundesregierung ist bekannt, daß im Zusam- Ist die Bundesregierung bereit, in Verhandlungen mit der
menhang mit der Abwicklung des steigenden Tran- französischen Regierung eine Erweiterung des Abkommens in
diesem Sinne zu erreichen?
sitverkehrs verschiedene Eisenbahnprojekte unter-
sucht werden. Hierzu gehört u. a. auch eine neue
Splügenbahn in der Ostschweiz. Von Schweizer Seite Herr Kollege, die Eisenbahnen setzen ihre Tarife
selbst fest. Eine Nachfrage bei den beteiligten Ver-
ist eine Kommission zur Beurteilung der einzelnen
waltungen hat ergeben, daß schon jetzt bei den
Projekte eingesetzt, deren Ergebnisse abzuwarten
üblichen Gruppenfahrten Rabatte gewährt werden,
bleiben.
die z. T. noch über die Vergünstigungen für Jugend-
Die Splügenbahn würde sicher für den angrenzen- liche aus kinderreichen Familien hinausgehen.
den deutschen Bereich verkehrsmäßige Verbesserun-
gen bringen. Diese sollten jedoch nicht überschätzt
werden, weil nur ein Teil der Länder Bayern und
Baden-Württemberg davon begünstigt würde.

Anlage 29
Anlage 27

Schriftliche Antwort
Schriftliche Antwort
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
12: Dezember 1969 auf die Mündlichen Fragen des des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
Abgeordneten Adorno (Drucksache VI/146 Frage 12. Dezember 1969 auf die Mündlichen Fragen des
A 107 und 108) : Abgeordneten Dr. Gleissner (Drucksache VI/146
Fragen A 111 und 112) :
Kann die Bundesregierung Berechnungen bestätigen, nach denen
die Splügenbahn als Flachhahn, die sehr hohe Spitzengeschwin-
digkeiten zuläßt, die Bahnfahrt z. B. von Augsburg nach Mai- Ist der Bundesregierung bekannt, daß beide Häuser des
land von bisher zehn Stunden um mehr als die Hälfte ver- amerikanischen Kongresses ein Gesetz über die Reinhaltung der
kürzen würde? Luft verabschiedet haben, nach dem alle Pkws mit Benzinmotor
vor ihrer Zulassung einer Betriebsgenehmigung bedürfen, und
Welche Maßnahmen beabsichtigt die Bundesregierung, um die besteht Aussicht, daß auch die Bevölkerung der Bundesrepublik
notwendigen Untersuchungen für das Splügenhahnprojekt zu Deutschland in gleicher Weise mit dem Schutz vor Luftverpestung
beschleunigen? durch Autoabgase rechnen kann?

Wie mir die Deutsche Bundesbahn mitteilt, könnte Soll auch in der Bundesrepublik Deutschland gerade angesichts
der raschen Zunahme der Zahl der Pkws dafür gesorgt werden,
nach groben Schätzungen eine Verringerung der daß — entsprechend dem technischen Fortschritt -- der Einbau
entgiftender Apparaturen, insbesondere zur Verminderung des
Fahrzeit von Augsburg nach Mailand durch den Bau Ausstoßes unverbrannter Kohlenwasserstoffe, zur Vorschrift
einer neuen Splügenbahn um vielleicht 3 Stunden wild?

erreicht werden. Erst wenn die anschließenden


Strecken auf deutscher und italienischer Seite eben- Bezüglich der Maßnahmen zur Abgasentgiftung
falls ausgebaut würden, könnte die Fahrzeit auf von Kraftfahrzeugen verweise ich auf die Anlagen
etwa die Hälfte reduziert werden. XI, XII und XIII zur Straßenverkehrs-Zulassungs-
Ordnung. Diese wurden im Jahre 1968 erlassen und
Von der Schweizer Bundesregierung ist eine Kom- werden für Neufahrzeuge bis zum 1. Oktober 1970
mission eingesetzt, die verschiedene Schienentransit voll wirksam. Sie betreffen den Kohlenmonoxydge-
verbindungen in der Schweiz untersucht. Die Ergeb- halt im Leerlauf, die Kurbelgehäuseentlüftung und
nisse dieser eingesetzten Kommission müssen zu- den Fahrzyklus als Beurteilung der Emission in ver-
nächst abgewartet werden. Da es sich primär um schiedenen Betriebszuständen des Motors. Damit ist
eine interne Angelegenheit der Schweiz handelt, sichergestellt, daß in der Bundesrepublik Deutsch-
sollte von deutscher Seite keines der untersuchten land in Zukunft nur solche Fahrzeugtypen zugelas--
Projekte besonders hervorgehoben werden. sen werden, bei denen in der von amtlichen Sach-
verständigen durchzuführenden Prüfung vor Ertei-
lung der Allgemeinen Betriebserlaubnis nachgewie-
sen wird, daß die in den Rechtsvorschriften festge-
legten Grenzwerte hinsichtlich des Kohlenmonoxyd-
Anlage 28 und Kohlenwasserstoffgehaltes nicht überschritten
werden.
Schriftliche Antwort
Nach den USA war die BRD das erste Land, in dem
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom eine so umfassende gesetzliche Regelung über Ab-
12. Dezember 1969 auf die Mündlichen Fragen des gasentgiftung getroffen wurde. Aus organisatorisch-
816 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

technischen und wirtschaftlichen Gründen war je- Anlage 32


doch zur Realisierung der Vorschriften für eine
Serienfertigung bei der Automobilindustrie eine Schriftliche Antwort
angemessene Übergangszeit erforderlich. Diesen
Erfordernissen wurde bei der Abfassung der Rechts-
vorschriften Rechnung getragen. des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage des
Abgeordneten Pieroth (Drucksache VI/146 Frage
A 118):
Ist die Bundesregierung bereit, für die Deutsche Bundesbahn
und der Vereinfachung und der Rationalisierung von Bundes-
bahn und Bundespost die Vorbereitungen zur Schaffung eines
gemeinsamen Reisedienstes, möglichst auch im Zusammenwirken
mit den anderen Trägern des Nahverkehrs auf der Straße, zu
Anlage 30 beschleunigen, und wie weit sind diese Vorbereitungen zur Zeit
gediehen?

Schriftliche Antwort Wie ich schon dem Herrn Kollegen Ollesch auf
dessen Frage zur Fragestunde des Deutschen Bun-
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom destages am 3. 12. 1969 mitgeteilt habe, wird der
12. Dezember 1969 auf die Mündlichen Fragen des Kabinettbeschluß vom 30. April 1969, der die
Abgeordneten Dr. Haas (Drucksache VI/146 Fragen Bildung einer Verkehrsgemeinschaft der Omnibus-
A 115 und 116) : dienste von Bahn und Post vorsieht, jetzt durchge-
führt, und zwar innerhalb der vorgesehenen Frist.
Worin liegen die Grande für die große Verzögerung des Aus Die Vorbereitungen werden bis zum 1. 1. 1971 soweit
bausderBntohNüberg—Hilon?
getroffen sein, daß dann mit der praktischen Durch-
Wann ist nach realistischer (nicht optimistischer) Planung mit führung begonnen werden kann. Gegenwärtig be-
der Fertigstellung der Autobahn nunmehr zu rechnen?
raten die beteiligten Verwaltungen über die Moda-
Die Autobahnneubaustrecke Nürnberg—Heilbronn litäten.
war zunächst in den langfristigen Ausbauplanungen Schon jetzt wirken Bahn und Post auf das engste
des Bundes nicht enthalten. Sie wurde außerplan- mit anderen Trägern des Nahverkehrs auf der
mäßig in den 3. Vierjahresplan aufgenommen und Straße zusammen, z. B. durch Beschäftigung zahl-
der Baubeginn damit vorgezogen. Damit konnten die reicher privater Unternehmer, die auftragsweise den
Arbeiten früher als ursprünglich vorgesehen an- Liniendienst durchführen, im Rahmen von Verkehrs-
laufen. Von Verzögerungen beim Neubau der Auto- gemeinschaften mit privaten Omnibusunternehmen
bahnstrecke Nürnberg—Heilbronn darf somit nicht und durch Tarifabsprachen im Sinne gegenseitiger
gesprochen werden. Anerkennung von Fahrausweisen.
Die Fertigstellung der Gesamtstrecke von Nürn-
berg bis Heilbronn (Gesamtlänge 138 km) ist gegen
Ende des 1. Fünfjahresplanes (1975) zu erwarten.

Anlage 33

Schriftliche Antwort

des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom


12. Dezember 1969 auf die Mündlichen Fragen des
Anlage 31
Abgeordneten Unertl (Drucksache VI/146 Fragen
A 119 und 120) :
Schriftliche Antwort
Ist die Bundesregierung bereit, ihren Verpflichtungen aus dem
Gesetz über Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen in der
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom Fassung, die es durch den Beschluß des Bundesverfassungs-
12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage des gerichts vom 15. Juli 1969 gefunden hat, unverzüglich nachzu-
kommen, und welche haushaltsmäßigen Maßnahmen hat die
Abgeordneten Dr. Müller-Hermann (Drucksache Bundesregierung getroffen oder wird sie treffen, um sofort die
VI/146 Frage A 117): bisher von den Ländern aufgebrachten Kostenanteile für Maß-
nahmen zur Beseitigung, Entlastung oder Änderung von Bahn-
übergängen der Deutschen Bundesbahn finanzieren zu können?
Ist die Bundesregierung bereit, für die Deutsche Bundesbahn
höhere Zuwendungen im Bundeshaushalt vorzusehen, sofern sich Wird es Verzögerungen bei Kreuzungsvorhaben gehen, weil-
zwischen Kosten und Tarifen, insbesondere im Güterverkehr, die die für den erhöhten Bundesanteil erforderlichen Mittel zur Zeit
Schere ständig vergrößert? nicht zur Verfügung stehen, und ist die Bundesregierung bereit,
sich bei einem etwaigen Angebot der Länder zur einstweiligen
Vorfinanzierung der fehlenden Bundesmittel im Interesse der
Hierzu besteht kein Anlaß. Die Bundesregierung Vermeidung solcher Verzögerungen unverzüglich zur alsbaldigen
kann mit Befriedigung feststellen, daß höhere Bun- Rückzahlung dieser Mittel ausdrücklich zu verpflichten?
desleistungen an die Deutsche Bundesbahn wegen
des guten Geschäftsergebnisses nicht erforderlich Durch die Entscheidung des Bundesverfassungs-
sind. Die Bundesbahn wird in diesem Jahr trotz Per- gerichts vorn 15. Juli 1969, deren Entscheidungssatz
sonalmehraufwendungen von etwa 700 Millionen unter dem 24. November 1969 im Bundesgesetzblatt
DM ihr Ergebnis um nahezu 300 Millionen DM ver- Teil I auf Seite 2150 veröffentlicht ist, ist die Kosten-
bessern. Eine Änderung dieser erfreulichen Auf- regelung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes hinsich-
wärtsentwicklung ist nicht zu befürchten. lich der Kosten bei Maßnahmen an Bahnübergängen
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 817

Kann Bauherren, vor allen den gemeinnützigen Baugenossen-


unvollständig geworden. Zur Zeit ist es offen, wer schaften, die für kinderreiche Familien Wohnungen bauen, bei
bei Kreuzungen von Bundesbahnstrecken mit 4-Zimmerwohnungen ein Zusatzdarlehen von 10 000 DM und für
5-Zimmerwohnungen ein solches von 15 000 DM gegeben werden?
Landes- oder Kommunalstraßen das letzte Kosten-
drittel bzw. -sechstel zu tragen hat. Eine Novellie- Die bevorzugte Förderung von Wohnungen für
rung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes ist damit un- kinderreiche Familien habe ich schon bisher als
umgänglich geworden. Die Arbeiten hierfür sind besonders bedeutsames sozial- und gesellschafts-
angelaufen. politisches Anliegen unserer Wohnungspolitik an-
Die Frage, wer bis zum Inkrafttreten der neuen gesehen und mich hierfür nachhaltig eingesetzt. Be-
gesetzlichen Regelung das z. Z. offene Kostendrittel reits bei der Verteilung der Bundesmittel für den
bzw. -sechstel trägt, soll noch in diesem Monat sozialen Wohnungsbau werden die Länder von mir
(16. Dezember) in einer Besprechung mit den Län- dazu angehalten, entsprechend § 28 des II. WoBauG
dern geklärt werden. Erst dann wird eine Entschei- auch den Bau von Wohnungen für kinderreiche Fa-
dung über die notwendigen haushaltsmäßigen Maß- milien in ausreichendem Maße zu berücksichtigen.
nahmen, insbesondere über die Annahme etwaiger Ich habe meinen Länderkollegen ferner bei der Ver-
Vorfinanzierungsangebote der Länder getroffen wer- teilung der Bundesmittel für das kommende Rech-
den können. Verzögerungen bei Kreuzungsvorhaben nungsjahr mitgeteilt, daß ich mit ihnen gemeinsam
wird es nicht geben, weil ich überzeugt bin, daß sich für die künftigen Jahre einen neuen Verteilungs-
alle Beteiligten um eine zufriedenstellende Lösung schlüssel für die Bundesmittel zur Förderung des
für die Übergangszeit bemühen werden. sozialen Wohnungsbaus erarbeiten möchte, der —
basierend auf den dann vorliegenden Ergebnissen
der Wohnungszählung 1968 — auch den Bedürf-
nissen ,der unterversorgten Bevölkerungsgruppen,
insbesondere wiederum auch der kinderreichen Fa-
Anlage 34 milien, noch stärker als bisher Rechnung tragen
soll.
Schriftliche Antwort Darüber hinaus werden den Ländern vom Bund
zur Beseitigung von Wohnungsnotständen, vor
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom allem auch bei kinderreichen Familien, zusätzliche
12. Dezember 1969 auf die Mündliche Frage des Mittel zur Verfügung gestellt. In der Zeit von 1965
Abgeordneten Dr. Jenninger (Drucksache VI/146 bis 1969 beliefen sich diese Mittel auf rd. 78,2 Mio
Frage A 121) : DM. Hierdurch konnten rd. 7450 Mietwohnungen
Welche Gründe sind dafür maßgebend, daß die Beamten der
Deutschen Bundesbahn hei der Gewährung von Arbeitgeberdar-
und rd. 9320 Familienheime und Eigentumswohnun-
lehen zum Bau von Eigenheimen im Vergleich zu den übrigen gen mitfinanziert werden. Nach den Grundsätzen
Bundesbeamten unterschiedlich behandelt werden und was beab-
sichtigt die Bundesregierung zu tun, um eine einheitliche Rege- für den Einsatz dieser Mittel können im Einzelfall
lung für alle Bundesbedienstete zur Erlangung eines Arbeitgeber- bis zu 4000 DM je Wohnung gewährt werden. Bei
darlehens herbeizuführen?
der Förderung von Familienheimen für Familien
Die Deutsche Bundesbahn als Sondervermögen mit 5 oder mehr Kindern kann der Förderungssatz
des Bundes hat eigene Wohnheimrichtlinien, die er- bis zu 6000,— DM erhöht werden.
heblich ungünstiger sind als die aller übrigen Bundes-
verwaltungen. Ich bin der Meinung, daß ebenso wie Ob diese Förderungsbeträge künftig erhöht wer-
das in besoldungs- und tariflicher Beziehung selbst- den können, hängt von der mittelfristigen Finanz-
verständlich ist, auch bei diesen sozialen Fürsorge- planung ab, über die zur Zeit im Kabinett beraten
maßnahmen alle Bundesbediensteten gleich behan- wird.
delt werden müssen. Ich habe mich bereits in der
vergangenen Legislaturperiode dieser Angelegen-
heit mit Nachdruck angenommen, wie Ihnen Herr
Kollege Strauß sicher bestätigen wird. Ich habe
nunmehr, nachdem der Bundesminister der Finanzen
gewechselt hat, neue, begründete Hoffnung, daß
meine Bemühungen schon in Kürze zu einem posi- Anlage 36
tiven Ergebnis führen werden.
Schriftliche Antwort

des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Reischl


vom 9. Dezember 1969 auf die Schriftlichen Fragen
Anlage 35 des Abgeordneten Biechele (Drucksache VI/104
Fragen B 4 und 5) :
Schriftliche Antwort Welche Auswirkungen hat die Aufwertung der D-Mark für die
Einwohner der Exklave Büsingen am Hochrhein, Landkreis Kon-
stanz, die nach den Bestimmungen des sogenannten Büsinger
des Bundesministers Dr. Lauritzen vom 12. Dezem- Staatsvertrages in das schweizerische Zollgebiet einbezogen
wurde?
ber 1969 auf die Mündlichen Fragen des Abgeord-
Ist die Bundesregierung bereit zu prüfen, wie die durch die
neten Wende (Drucksache VI/146 Fragen A 122 Aufwertung der D-Mark für den Großteil der Bevölkerung von
und 123) : Büsingen verursachten Härten ausgeglichen werden können, nach-
dem Ausgleichsmaßnahmen für deutsche Grenzgänger nach Frank-
Was gedenkt die Bundesregierung zu tun, um kinderreichen reich und in die Schweiz erwogen werden (vgl. Brief des Bürger-
Familien, die kaum mehr in privaten Wohnungen aufgenommen meisteramtes Büsingen vom 20. November 1969 an den Bundes-
werden, durch höhere Darlehen in öffentlich geförderten Bauvor- minister für Wirtschaft und an den Bundesminister des Aus-
haben ausreichenden Wohnraum zu beschaffen? wärtigen) ?
818 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Auswirkungen der DM-Aufwertung für die Ein- Konnten inzwischen die Verhandlungen für eine Neufassung
des Abkommens über den kleinen Grenzverkehr vom 25. Januar
wohner der Gemeinde Büsingen ergeben sich nur 1952 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz
abgeschlossen werden?
insoweit, als diese aus ihrem nahezu ausschließlich
in Schweizer Franken erzielten Einkommen be- Bis wann kann das neue Abkommen in Kraft treten, nachdem
dies von der Bundesregierung schon für den Sommer 1968 in
stimmte Ausgaben zur Erfüllung von in D-Mark Aussicht gestellt wurde (vgl. Fragen 83 und 84 der Fragestunde
der 134. Sitzung des Deutschen Bundestages vom 15. November
festgesetzten hoheitlichen und vertraglichen Ver- 19671?
pflichtungen leisten müssen. Hierbei handelt es sich
aber nur um einen relativ kleinen Teil der insge- Das neue deutsch-schweizerische Abkommen über
samt anfallenden Ausgaben, wie insbesondere den Grenzübertritt von Personen im kleinen Grenz-
Steuern vom Einkommen und Vermögen, bestimmte verkehr ist am 30. April 1969 paraphiert worden.
Gebühren, Versicherungsbeiträge, Zins- und Til- Danach wurde der Text den beteiligten Bundes- und
gungsleistungen sowie teilweise auch Mietzahlun- Landesressorts zur abschließenden Prüfung zuge-
gen, für deren Zahlung in D-Mark nunmehr um ca. leitet, die — ebenso wie ein zusätzlicher Schrift-
9,3 v. H. höhere Beträge in schweizerischer Valuta wechsel mit der Eidgenössischen Fremdenpolizei —
aufgebracht werden müssen. zu geringfügigen Änderungen geführt hat. Der end-
gültige Text wird dem Schweizerischen Bundesrat
Zur Frage etwaiger Ausgleichsmaßnahmen zu-
nunmehr mit dem Vorschlag übermittelt, das Ab-
gunsten deutscher Grenzgänger hat die Bundes-
kommen in Kürze zu unterzeichnen.
regierung in ihrem Beschluß vom 13. November
1969 die Notwendigkeit einer Überbrückungshilfe Die Absicht, das Abkommen schon im Sommer
für solche Grenzgänger festgestellt, die in Deutsch- 1968 in Kraft zu setzen, konnte leider nicht ver-
land leben und in Frankreich arbeiten. Dadurch wirklicht werden, da die Schweizer Seite zunächst
sollen soziale Härten gemildert werden, die durch Ergebnisse ihrer Fremdenpolitik abwarten wollte.
die Einkommensminderungen dieser Grenzgänger Es ist nunmehr vorgesehen, es zu Beginn der Reise-
infolge der kumulativen Wirkungen der Abwertung saison 1970 in Kraft treten zu lassen. Hierzu muß es
des französischen Franc und der Aufwertung der nach der Unterzeichnung durch eine auf § 3 Abs. 1
D-Mark entstanden sind. des Gesetzes über das Paßwesen und § 3 Abs. 2
des Ausländergesetzes gestützte Rechtsverordnung
Bei den Wechselkurseinbußen anderer deutscher
Grenzgänger handelt es sich überwiegend um den in das deutsche Recht transformiert werden.
Abbau von Vorteilen, die sich aus der wirtschaft-
lichen Unterbewertung der D-Mark ergeben hatten,
so daß der Bundesregierung besondere Hilfsmaß-
nahmen zugunsten dieser Grenzbewohner nicht Anlage 38
gerechtfertigt erscheinen.
Im Falle der Exklave Büsingen sind die Aus- Schriftliche Antwort
wirkungen der DM-Aufwertung für die Gemeinde-
einwohner noch geringer als für andere Bezieher des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Reischl
von Einkommen in ausländischer Währung, weil vom 11. Dezember 1969 auf die Schriftlichen Fragen
die Büsinger Einwohner — im Gegensatz zu den des Abgeordneten Bredl (Drucksache VI/146 Fragen
meisten deutschen Grenzgängern — ihr in aus- B 3 und 4) :
ländischer Valuta erzieltes Einkommen größtenteils Weltire Gründe sind maßgebend, daß rund 600 Wohnungen an
auch in dieser Währung wieder ausgeben. der Neuherberg-Rockefellerstralie im Müchner Norden bislang
nicht vermietet sind, obwohl diese Wohnungen von den US-
Militärbehörden bereits 1968 der Bundesvermögensverwaltung
Aus den dargelegten Gründen hält die Bundes- übergehen wurden, und wer ist für den zwischenzeitlich einge-
regierung generelle Hilfen für die Bevölkerung von tretenen erheblichen Verlust an Mieteinnahmen verantwortlich?
Büsingen im Zusammenhang mit der DM-Aufwer- Ist der Bundesregierung bekannt, daß genügend Wohnung-
tung nicht für erforderlich. suchende, darunter auch Bundesbedienstete, bereit sind, die
Kosten notwendiger Instandsetzungs- und Umbauarbeiten vorzu-
finanzieren oder diese Arbeiten nadi Weisung selbst vorzuneh-
Sollten sich bei Steuernachzahlungen für zurück- men?
liegende Jahre auf Grund von Steuerbescheiden,
die erst nach dem Aufwertungstermin erteilt wor- Die angesprochenen Wohnungen sind nicht, wie
den sind oder werden, durch die Aufwertung im von Ihnen angenommen, schon im Jahre 1968, son-
Einzelfall unbillige Härten ergeben, so besteht auf dern erst im Juli dieses Jahres freigegeben worden.
Grund des § 131 AO die Möglichkeit, im Billig- Wegen dringender Umbau- und Reparaturarbeiten
keitswege zu helfen. Zuständig für solche Billig- konnten sie nicht sofort bezogen werden. Die Arbei-
keitsmaßnahmen sind die Landesfinanzbehörden. ten wurden sofort in Angriff genommen und schrei-
ten stetig voran.
Sobald die Arbeiten beendet sind, werden die
Wohnungen vermietet. Es ist daher nicht damit zu
Anlage 37 rechnen, daß vermeidbare Mietzinsausfälle ent-
stehen werden.
Schriftliche Antwort Haushaltsmittel für die Durchführung der Arbeiten
standen in ausreichendem Maße zur Verfügung. Es
des Bundesministers Genscher vom 11. Dezember bestand daher kein Grund Überlegungen anzustel-
1969 auf die Schriftliche Fragen des Abgeordneten len, wie die Kosten anderweitig getragen werden
Biechele (Drucksache VI/146 Fragen B 1 und 2) : könnten.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 819

Anlage 39 Wird die Bundesregierung im Rahmen des regionalen Förde-


rungsprogramms in Zukunft auch wieder Darlehen mit einer Lauf-
zeit von 10 und 15 Jahren neben den Investitionszuschüssen an-
bieten, weil sich auf der bayerischen Arbeitsmarktkonferenz her-
Schriftliche Antwort ausgestellt hat, daß der Ausfall der Darlehensmittel in vielen
Fällen sehr vermißt wird?

des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Reischl


Neben Investitionszuschüssen werden im Rahmen
vom 11. Dezember 1969 auf die Schriftlichen Fragen des Regionalen Förderungsprogramms nach wie vor
des Abgeordneten Dr. Dittrich (Drucksache VI/146 auch langfristige Darlehen vergeben. Bei diesen Dar-
Fragen B 5 und 6) : lehen handelt es sich um Kredite der Bundesanstalt
Wie hat sich der Grenzübergang in Bayerisch-Eisenstein im
Personen- und Güterverkehr von diesseits und jenseits der
für Arbeit (Zinssatz 3 1/2 %, Laufzeit 10 Jahre bei
deutsch-tschechischen Grenze seit Errichtung des Zollamts Baye- zwei tilgungsfreien Jahren), die bei kleineren Pro-
risch-Eisenstein entwickelt?
jekten an Stelle von Investitionszuschüssen, bei
Kann eine Verstärkung des Personals beim Zollamt Bayerisch- größeren zusammen mit Investitionszuschüssen ge-
Eisenstein erwartet werden?
währt werden.
Der Grenzübergang Bayerisch Eisenstein-Land-
straße ist am 1. Juli 1969 wiedereröffnet worden, In jedem Fall stellt die steuerfreie Investitions
und zwar vorerst nur für den Reiseverkehr. Er hat zulage von 10 % bei der Errichtung und Erweite
sich wie folgt entwickelt: rung von Betrieben und von 7 1 /2 % bei der grund
legenden Rationalisierung und Umstellung von Be
trieben (letzteres nur im Zonenrandgebiet) die Ba
West-Ost Ost-West
Richtun g Richtung sisförderung dar. Längerfristige Darlehen aus Haus
Monat Kraft Kraft
Personen Personen
fahrzeuge fahrzeuge n
haltsmitteln des Regionalen Förderungsprogramms
zu gewähren, scheint im Hinblick auf die Mittel der
Juli 3 618 1 067 3 075 858 Bundesanstalt nicht erforderlich und auch nicht
August 6 311 1 703 5 709 1 521 zweckmäßig, zumal dadurch wesentlich mehr Haus
haltsmittel im einzelnen Projekt gebunden wären
September 3 282 662 3 242 892 und demzufolge nur eine geringere Zahl von Vorha
Oktober 1 786 568 1 291 434 ben gefördert werden könnte.
November 740 289 857 351

Für den Güterverkehr ist der Grenzübergang noch Anlage 41


nicht zugelassen, weil sich auf tschechoslowakischer
Seite kurz hinter der Grenze eine Eisenbahnunter-
Schriftliche Antwort
führung mit einer Durchlaßhöhe von nur 3,60 m
befindet. Wie über mehrere der zur Zeit geschlos- des Parlamentarischen Staatssekretärs Logemann
senen früheren deutsch-tschechoslowakischen Grenz- vom 5. Dezember 1969 auf die Schriftlichen Fragen
übergänge ist jedoch auch über Bayerisch Eisen- des Abgeordneten Wende (Drucksache VI/146 Fra-
stein Holz eingeführt worden. Dabei handelte es sich gen B 8 und 9) :
im Oktober 1969 um zwei und im November 1969 um
fünf Lkw mit Nadelschnittholz. Beabsichtigt die Bundesregierung, das Grundstücksverkehrs-
gesetz vom 28. Juli 1961 dahin gehend zu erweitern, daß in sei-
nem § 4 hei Erfüllung öffentlicher Aufgaben auch die Gemeinden
Wegen des geringen Verkehrs — Spitzenverkehr — wie Bund und Land — von vornherein von der Genehmigungs-
im August 1969 durchschnittlich insgesamt 100 Kfz pflicht freigestellt sind?

mit 400 Reisenden täglich — und der großen Per- Ist der Bundesregierung bekannt, daß die z. B. vom Land
Baden-Württemberg für die Gemeinden festgelegte Freigrenze
sonalnot der Zollverwaltung halte ich eine ständige von 50 Ar für den Bau von Schulhäusern, Kläranlagen, Sport-
Verstärkung des mit fünf Beamten besetzten Zoll- stätten oder Straßen meistens nicht ausreicht?
amts Bayerisch Eisenstein-Landstraße nicht für ver-
Die Bundesregierung beabsichtigt zur Zeit nicht,
tretbar. Sollte der Verkehr unerwartet stark zu-
die Gemeinden von der Genehmigungspflicht nach
nehmen, könnten jederzeit kurzfristig Beamte des
§ 2 des Grundstücksverkehrsgesetzes freizustellen.
Zollgrenzdienstes zur Verstärkung des Zollamts
Die Freistellung der Gemeinden von der Genehmi-
herangezogen werden.
gungspflicht nach dem Grundstücksverkehrsgesetz
Das Zollamt Bayerisch Eisenstein-Bahnhof ist seit hatberismGzgunverfah Disk-
1945 geschlossen und noch nicht wieder geöffnet sion gestanden und ist damals aus folgenden Grün-
worden. den nicht in § 4 Grundstücksverkehrsgesetz aufge-
nommen worden: -

1. Die Freistellung der Gemeinden würde der im


Bundesbaugesetz getroffenen Regelung der Bauleit-
Anlage 40 planung, die auch für die Gemeinden verbindlich ist,
widersprechen und damit das sorgfältig abgewogene
Schriftliche Antwort Verhältnis des Grundstücksverkehrsgesetz zum
Bundesbaugesetz stören. Nachdem das Bundesbau-
des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Arndt gesetz in § 1 Abs. 1 bestimmt hat, daß zur Ordnung
vom 10. Dezember 1969 auf die schriftliche Frage der städtebaulichen Entwicklung in Stadt und Land
des Abgeordneten Zebisch (Drucksache VI/146 Frage die bauliche und sonstige Nutzung der Grundstücke
B 7): nach Maßgabe dieses Gesetzes durch Bauleitpläne
820 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

vorzubereiten und zu leiten ist, kann den Gemein- Anlage 43


den nicht im Grundstücksverkehrsgesetz eine Rechts-
stellung eingeräumt werden, die die Bauleitplanung
praktisch gegenstandslos machen würde. Bei einer Schriftliche Antwort
Freistellung wäre es den Gemeinden unbenommen,
ohne Genehmigung der zuständigen Genehmigungs- des Bundesministers Arendt vom 11. Dezember 1969
behörde auch solche Grundstücke zu erwerben oder auf die Schriftliche Frage des Abgeordneten Weigl
zu veräußern, für deren Erwerb die Vorschrift des (Drucksache VI/146 Frage B 11):
§ 22 Bundesbaugesetz die Genehmigung nach dem
Grundstücksverkehrsgesetz ausdrücklich vorschreibt. Ist es zutreffend, daß bei der Wiederholung von wilden Streiks,
z. B. bei der Hoesch AG, Arbeitslosenunterstützung nach § 116
Abs. 3 des Arbeitsförderungsgesetzes bezahlt wird?
2. Die Aufhebung der Genehmigungspflicht für
Grundstücksgeschäfte der Gemeinden würde ferner Arbeitnehmer, die infolge eines Streiks arbeitslos
das mit dem Grundstücksverkehrsgesetz angestrebte werden, aber selbst am Streik nicht beteiligt sind,
Ziel einer Verbesserung der Agrarstruktur in Frage erhalten grundsätzlich Arbeitslosengeld. Ihr An-
stellen. Denn jede Gemeinde hätte es dann in der spruch auf Arbeitslosengeld ruht nur dann, wenn
Hand, auch die nach einem Bauleitplan der land- der Streik auf eine Änderung der Arbeitsbedingun-
wirtschaftlichen Nutzung vorbehaltenen Grundstücke gen in ihrem Betrieb abzielt oder die Gewährung
unkontrolliert aufzukaufen und damit nicht nur die des Arbeitslosengeldes den Arbeitskampf beein-
unter Einsatz von oft beträchtlichen öffentlichen flussen würde (§ 116 Abs. 3 des Arbeitsförderungs-
Mitteln bereits durchgeführten Maßnahmen zur Ver- gesetzes). Auch in diesen Fällen kann Arbeitslosen-
besserung der Agrarstruktur (Flurbereinigung, Aus- geld gewährt werden, wenn das Ruhen des An-
siedlung, Aufstockung) zu gefährden, sondern auch spruchs ausnahmsweise nicht gerechtfertigt ist; die
noch im Gange befindliche Vorhaben dieser Art in Entscheidung darüber trifft der Verwaltungsaus-
Frage zu stellen. schuß des Landesarbeitsamtes oder der Verwal-
tungsrat der Bundesanstalt für Arbeit (§ 116 Abs. 4
Es ist richtig, daß die von einigen Bundesländern des Arbeitsförderungsgesetzes).
festgelegte Freigrenze mitunter nicht ausreicht, um
auf den freigestellten Flächen Bauvorhaben der Ge- Diese Regelung gilt sowohl für rechtmäßige als
meinden durchführen zu können. Die Länder haben auch für rechtswidrige und damit auch für wilde
jedoch nach § 2 Abs. 3 Nr. 2 des Grundstücksver- Streiks.
kehrsgesetzes die Möglichkeit, diese Mindestgrößen
zu ändern und damit eine für die Gemeinden gün-
stigere Rechtslage zu schaffen.

Anlage 44

Anlage 42
Schriftliche Antwort

Schriftliche Antwort des Bundesminister Arendt vom 9. Dezember 1969


auf die Schriftliche Frage des Abgeordneten Weigl
des Bundesministers Arendt vom 11. Dezember 1969 (Drucksache VI/146 Frage B 12) :
auf die Schriftliche Frage des Abgeordneten Dr. Lenz
(Bergstraße) (Drucksache VI/147 Frage B 10): Teilt die Bundesregierung die Auffassung von Prof. Dr. Bernd
Rüthers, Berlin, daß nach der im Arbeitsrecht zur Zeit herrschen-
den Meinung ein Streik zum Zwecke der Einführung der erwei-
Welche Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung zu ergreifen, terten Mitbestimmung als rechtswidrig anzusehen ist?
um die Bezieher von ausländischen Renten vor einer Minderung
ihrer Bezüge als Folgen der DM-Aufwertung zu bewahren?
Die Ausführungen von Herrn Professor Rüthers
Die Bundesregierung hat bereits in mehreren in der Ausgabe vom 7. November 1969 der Wochen-
Fragestunden zu dem jetzt auch von Ihnen aufge- zeitung „Publik" über die Erstreikbarkeit neuer Mit-
worfenen Problem Stellung genommen, ob den in bestimmungsregelungen sind der Bundesregierung
der Bundesrepublik wohnenden Beziehern auslän- bekannt. Sie sind ein willkommener Diskussions-
discher Renten ein Ausgleich für die mit der DM- beitrag zu dem komplexen Problem der Mitbestim-
Aufwertung verbundenen Wechselkurseinbußen ge- mung. Ich bitte jedoch um Ihre Nachsicht, daß ich
zahlt werden soll. Zuletzt hat mein Parlamentari- mich im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht dazu äußern
scher Staatssekretär, Herr Kollege Rohde, in der kann. Zunächst möchte ich den noch vom V. Deut-
Fragestunde am 26. November 1969 ausführlich schen Bundestag angeforderten Bericht der Mitbe-
dargelegt, warum die Bundesregierung sich nicht zu stimmungskommission abwarten und auswerten. Die
derartigen Ausgleichsleistungen entschließen kann. Bundesregierung hat, wie Sie sicher wissen, auf die
Wegen der Einzelheiten verweise ich auf das Proto- Arbeiten an diesem Bericht keinen Einfluß, da die
koll des Deutschen Bundestages über die 13. Sitzung Kommission völlig unabhängig arbeitet. Dem Ver-
am 26. November 1969; eine Ablichtung dieses Pro- nehmen nach steht aber der Bericht unmittelbar vor
tokolls ist beigefügt. seinem Abschluß.
Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969 821

Anlage 45 Abgeordneten Dr. Schmidt (Wuppertal) (Drucksache


VI/146 Frage B 14):
Schriftliche Antwort Welche Maßnahmen können durch den Bundesverteidigungsmi-
nister ergriffen werden, um das Kindergartenproblem angesichts
der bestehenden Fluktuation zwischen den einzelnen Wehrbe-
des Bundesministers Arendt vom 11. Dezember 1969 reichskommandos und -standorten zu lösen?
auf die Schriftliche Frage des Abgeordneten Zebisch
(Drucksache VI/146 Frage B 13): Bau, Einrichtung und Unterhaltung von Kinder-
gärten sind Aufgaben der Gemeinden und anderer
Wird die Bundesregierung angesichts des Mangels an qualifi-
zierten Ausbildungsstätten in Teilen von Ost- und Niederbayern Träger der Jugendwohlfahrt. Bundeseigene Kinder-
in Zusammenarbeit mit der bayerischen Staatsregierung darauf gärten wurden deshalb in Übereinstimmung mit der
hinarbeiten, daß neben der von München gewünschten dezentra-
len Ausbildungseinrichtung eine zentrale Ausbildungs- und Um- Antwort der Bundesregierung auf die Mündliche An-
schulungseinrichtung geschaffen wird, wie das der frühere Ar-
beitsminister auf der bayerischen Arbeitsmarktkonferenz in Re-
frage der Abgeordneten Frau Funcke im März 1968
gensburg vorgeschlagen hat, wobei er das Essener Modell im (Anlage 11 des Berichts über die 160. Sitzung des
Auge hatte?
Bundestages vom 14. März 1968) bisher nicht ein-
Die Bundesregierung ist sehr daran interessiert, gerichtet. Die Bundesregierung gewährt jedoch den
daß kein Ausbildungs-, Fortbildungs- oder Umschu- Trägern der Jugendwohlfahrt bei Bedarf Bundes-
lungswilliger aus Mangel an qualifizierten Ausbil- finanzhilfen zum Bau von Kindertagesstätten im
dungsstätten zurückgewiesen werden muß. Sie weiß Rahmen des Wohnungsbauprogramms für Bundes-
sich darin mit der Bundesanstalt für Arbeit einig. bedienstete, Schwierigkeiten sind dabei bisher nicht
Die Bundesanstalt hat, wie ihr Präsident auch bei bekannt geworden.
der Bayerischen Arbeitsmarktkonferenz im Mai 1969 Sollte ein zuständiger Träger der Jugendwohl-
erklärte, hinreichende Haushaltsmittel für die Förde- fahrt trotz Gewährung von Bundesfinanzhilfen nicht
rung von beruflichen Bildungseinrichtungen bereit- in der Lage sein, das Bedürfnis nach Bereitstellung
gestellt und wird diese Mittel erforderlichenfalls einer Kindertagesstätte zu befriedigen, müßte ge-
noch aufstocken. In letzter Zeit hat sie gerade auch prüft werden, ob die erforderliche Einrichtung vom
hu t ost- und niederbayerischen Raum (z. B. in Bay- Dienstherrn bzw. Arbeitgeber abweichend vom bis-
reuth, Regensburg und Passau) in beträchtlichem herigen Grundsatz zur Verfügung gestellt werden
Umfang berufliche Bildungseinrichtungen gefördert. kann. Anfragen oder Anträge aus dem nachgeord-
Sie prüft z. Z. eine Reihe von weiteren Anträgen neten Bereich liegen hierzu bislang nicht vor.
aus diesen Gebieten. Auf Wunsch kann Ihnen eine
Zusammenstellung der Anträge auf Zuschüsse aus
dem Institutionellen Förderungsprogramm aus dem
Land Bayern zur Verfügung gestellt werden.
Anlage 47
Da es sich bei den von Ihnen angesprochenen
Teilen Ost- und Niederbayerns jedoch vorwiegend
um agrarische Gebiete handelt, neigt die Bundes- Schriftliche Antwort
regierung dazu, einer Vielzahl von qualifizierten
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
Bildungseinrichtungen in diesem Raum den Vorzug
10. Dezember 1969 auf die Schriftliche Frage des
vor einem zentralen Berufsbildungswerk zu geben.
Abgeordneten Dr. Schmitt-Vockenhausen (Druck-
Nach den bisher in diesen Gebieten gemachten Er-
sache VI/146 Frage B 15):
fahrungen wollen gerade umschulungswillige Land-
wirte, aber auch andere Personen, nach dem Tages- Wie beurteilt die Bundesregierung die Erfahrungen mit der
Eintragungsgrenze für die Kfz.-Verkehrssünderkartei in Flens-
lehrgang abends zu ihren Familien zurückkehren, burg auf Grund des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten?
um noch die erforderlichen Arbeiten zu Hause
Angesichts der verhältnismäßig kurzen Zeitspanne,
erledigen zu können. Auch die starke Bindung der
die seit Geltung der neuen Eintragungsbestimmun-
Bevölkerung aus Ost- und Niederbayern an ihre
gen nach § 28 des Straßenverkehrsgesetzes ab 1. 1.
Heimat ist in diesem Zusamenhang von Bedeutung.
1969 verstrichen ist, kann noch kein umfassender
Das bedingt Bildungseinrichtungen mit nicht zu
Erfahrungsbericht gegeben werden. Die bislang ge-
großem Einzugsgebiet.
machten Erfahrungen sind durchweg positiv zu beur-
Ob daneben noch eine zentrale Berufsbildungs- teilen. Zunächst ist — wie das Kraftfahrt-Bundesamt
einrichtung für Ost- und Niederbayern geschaffen berichtet — die in der Öffentlichkeit vielfach be-
werden soll, kann erst beurteilt werden, wenn Er- fürchtete „Flut" von Eintragungen ausgeblieben.
fahrungen mit dem als Modell geplanten Berufsför- Während im November 1969 im Verkehrszentral-
derungszentrum Essen vorliegen, das etwa Mitte register insgesamt 3,1 Millionen Personen registriert
1970 seine Arbeit aufnehmen wird. wurden, waren es im November 1968 2,9 Millionen.
Der Neuzugang an Eintragungen betrug von Anfang
1969 bis Ende Oktober 1969 1,18 Millionen; im glei-
chen Zeitraum des Jahres 1968 waren es 1,10 Mil-
lionen. Von diesen 1,18 Millionen Eintragungen ent-
Anlage 46 fallen ca. 600 000 auf Bußgeldbescheide wegen Ord-
nungswidrigkeiten nach § 24 des Straßenverkehrs-
Schriftliche Antwort gesetzes und ca. 500 000 auf sonstige gerichtliche
Entscheidungen. Von den genannten 600 000 Buß-
des Parlamentarischen Staatssekretärs Berkhan vom geldbescheiden liegen etwa 35 % im Bußgeldbereich
10. Dezember 1969 auf die Schriftliche Frage des von DM 21,— bis DM 50,—.
822 Deutscher Bundestag — 6. Wahlperiode — 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969

Die Bundesregierung hält. weiterhin die gesetz- derte Anschluß eines Gemeindeverbindungsweges
liche Regelung mit der Eintragungsgrenze bei DM an die neue Bundesstraße 27 läßt sich bei der der-
20,— für notwendig. Nur so kann das Verkehrs- zeitigen Verkehrsbelastung nicht rechtfertigen. Da
zentralregister die ihm übertragenen Aufgaben er- der Landkreis Esslingen jedoch die Übernahme des
füllen, worunter insbesondere zu zählen sind: die Gemeindeweges in die Baulast des Kreises zugesagt
Erstellung zuverlässiger Unterlagen für die Unfall- hat, und in absehbarer Zeit den Ausbau dieser
forschung, die .Sammlung zuverlässigen Materials Straßenverbindung durchführen wird, soll die Her-
für den Gesetzgeber oder die Verkehrsbehörden zur stellung eines Anschlusses an die neue B 27 in die
Durchführung verkehrspolitischer, verkehrserziehe- Planung der künftigen Kreisstraße aufgenommen
rischer und ähnlicher Maßnahmen sowie zur Einlei- werden. Auf diese Weise kann das Gelände für die
tung der erforderlichen Maßnahmen gegen Mehr- Anschlußstelle freigehalten und der Bau derselben
fachtäter. Schließlich darf nicht unberücksichtigt blei- zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden,
ben die Präventivwirkung, die von der gesetzlich wenn dies nach der Verkehrslage tatsächlich erfor-
vorgesehenen Eintragungsmöglichkeit ausgeht und derlich ist.
die der Verkehrssicherheit dient.

Anlage 50
Anlage 48
Schriftliche Antwort
Schriftliche Antwort
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom 10. Dezember 1969 auf die Schriftliche Frage des
10. Dezember 1969 auf die Schriftliche Frage des Abgeordneten Josten (Drucksache VI/147 Frage
Abgeordneten Dr. Abelein (Drucksache VI/147 B 19) :
Frage B 16) :
Kann die Bundesregierung in Ergänzung der Mündlichen Beant-
Hat die Bundesregierung bereits Pläne für die Elektrifizierung wortung der Frage 41 in der Fragestunde vom 12. November
der Eisenbahnstrecke Ulm—Crailsheim? 1969 mitteilen, in welchem 5-Jahresplan der Bau der Rheinbrücke
im Raume Sinzig/Remagen vorgesehen ist?
Wie Ihnen auf Ihre Frage für die Fragestunde
während der Sommerpause dieses Jahres bereits Die Planungsarbeiten für die Rheinbrücke im Raum
schriftlich mitgeteilt wurde, beabsichtigt die Remagen/Sinzig sind noch nicht abgeschlossen. Die
Deutsche Bundesbahn nicht, die Strecke Ulm—Aalen Bauarbeiten werden frühestens im Rahmen des
zu elektrifizieren. Das gleiche gilt auch für die An- 2. Fünfjahresplanes (1976-80) ausgeführt.
schlußstrecke Aalen—Crailsheim.
Es ist vorgesehen, die Zugförderung auf der Ge-
samtstrecke Ulm—Crailsheim voll auf Dieselbetrieb
umzustellen. Anlage 51

Schriftliche Antwort

Anlage 49 des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom


. 10. Dezember 1969 auf die Schriftliche Frage des
Schriftliche Antwort Abgeordneten Jung (Drucksache VI/146 Frage B 20) :
Wann gedenkt die Bundesregierung geeignete Schritte zu
des Parlamentarischen Staatssekretärs Börner vom unternehmen, damit der Flughafen Ensheim/Saar eine offizielle
Einflugschneise erhält und das Saarland damit an das Luftver-
10. Dezember 1969 auf die Schriftlichen Fragen des kehrsnetz angemessen angeschlossen wird?
Abgeordneten Ruf (Drucksache VI/146 Fragen B 17
und 18) : Die Bundesregierung hat bereits die erforderlichen
Wird der Bundesminister für Verkehr und für das Post- und
Schritte unternommen, damit auf dem Flughafen
Fernmeldewesen den Antrag der Gemeinde Stetten auf Anschluß Ensheim möglichst schon im Frühjahr 1970 eine
an die B 27 in Richtung Stuttgart genehmigen bzw. wann ist mit
einer Genehmigung zu rechnen? Flugsicherungsstelle der Bundesanstalt für Flug-
Falls der Antrag der Gemeinde Stetten auf Anschluß an die sicherung und eine Flugwetterwarte eingerichtet
B 27 abgelehnt werden sollte, welches sind die Gründe? und Instrumenten-An- und Abflugverfahren festge-
Der von der Gemeinde Stetten auf den Fildern legt werden; damit wird das Saarland an das Luft-
im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gefor- verkehrsnetz angeschlossen.

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