Musik Und Wissenschaft Gedenkschrift Fur
Musik Und Wissenschaft Gedenkschrift Fur
ConBrio
Musik und Wissenschaft
Gedenkschrift für Wolfgang Horn
REGENSBURGER STUDIEN ZUR MUSIKGESCHICHTE
HERAUSGEGEBEN voN
DAvID HILEy UND KATELIJNE SCHILTZ
BAND 15
Elemente des Umschlagbilds, zusammengestellt durch Michael Braun und Patricia Hahn:
Carl Philipp Emanuel Bach, Brief vom 4. September 1786 an Baron Dietrich Ewald de Grotthuss,
Bayerische Staatsbibliothek München, Autogr.Cim. Bach, Carl Philipp Emanuel.2, ‹urn:nbn:de:bvb:12-bsb00085904-3›
Carl Philipp Emanuel Bach, Verzeichniß des musikalischen Nachlasses des H. Capellmeisters Carl Philipp Emanuel Bach,
Hamburg 1790, S. 1, Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.th. 3885, S. 1, ‹urn:nbn:de:bvb:12-bsb10599827-9›
Adrian Willaert, Musica Nova […], Venedig 1559, Stimmbuch Quintus, S. 15,
Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 47, ‹urn:nbn:de:bvb:12-bsb00071866-8›
Adrian Willaert, I sacri e santi salmi che si cantano a vespro et compieta […], Venedig 1571, Stimmbuch Cantus, S. 2,
Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 175#Beibd.10, ‹urn:nbn:de:bvb:12-bsb00087006-1›
Jan Dismas Zelenka, Magnificat D-Dur ZWV 108, handschriftliche Kopie Wilhelm Friedemann Bachs, Violinstimme,
Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 3019, ‹urn:nbn:de:bvb:12-bsb00083794-9›
Joseph Rheinberger, Zum Abschied op. 59,
Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 4537, ‹urn:nbn:de:bvb:12-bsb00088411-5›
Metronom von Johann Nepomuk Mälzel, 32 × 14 × 14 cm, lackiertes Blech, Fleur-de-Lys und Löwenfüßchen vergoldet,
Universität Regensburg, Historische Instrumentensammlung, zur Verfügung gestellt durch Prof. em. Dr. Christoph Meinel
Herausgegeben von
verzeichnisse
abbildungen · notenbeispiele · tabellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
abkürzungen · bibliothekssigel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
autor*innen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
David Hiley
Der apostel Paulus und das einhorn. liturgische Gesänge zum Fest Pauli bekehrung
in Klosterneuburger Handschriften des Mittelalters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
andreas Pfisterer
zu Konjekturen in der Musik des 16. jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
Franz Körndle
lassos Motettenbuch für jakob Fugger den jüngeren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
Katelijne schiltz
bernardino borlascas Fioretti musicali (1630–1631) und das cantare con affetto . . . . . . . . . . . . . 129
siegfried Gmeinwieser
notizen zu einer unbekannten Quelle des Te Deum in G-Dur von johann adolf Hasse
in der Musiksammlung der theatinerkirche München . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
bettina berlinghoff-eichler
vom Kaufmann zum Komponisten und Musikverleger.
anmerkungen zur biographie johann andrés (1741–1799) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167
laurenz lütteken
beendet durch Mozart: das singspiel bei Kayser und Goethe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
ulrich Konrad
»Was dein bestes du nennst, Wälschland würdigt es nicht.«
nationale ›töne‹ in otto nicolais bühnenschaffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
6
Markus Waldura
rückkehr zur klassischen tradition oder neuartige Konzeption?
zur Form des ersten Konzertsatzes in schumanns Violinkonzert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213
raymond Dittrich
alte Musik in der bibliothek des Prager institutsbesitzers joseph Proksch (1794–1864) . . . . 235
Michael Wackerbauer
Frithjof, Max bruch und die Dynamik der großen oratorischen Gattungen.
stationen einer prominenten stoffgeschichte des 19. jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263
theresa Henkel
»zum ersten Male und mit zeitgemässer redaction des originals herausgegeben«.
carl bancks edition von 30 scarlatti-sonaten im spiegel der musikalischen editionspraxis
des 19. jahrhunderts und ihr beitrag zum kulturellen Gedächtnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313
arnfried edler
berliner Davidsbündlereien. Musikalische anmerkungen
aus der Feder des literaturkritikers alfred Kerr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 341
thomas röder
bruckner improvisiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 351
nina Galushko-jäckel
Das streichquartett im schaffen von nikolaj andreevič rimskij-Korsakov . . . . . . . . . . . . . . . 369
andreas Wehrmeyer
zur vorgeschichte von sergej taneevs Kantate Ioann Damaskin op. 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 405
rainer Kleinertz
rezeption, struktur und charakter. zur analyse des dritten satzes »rondo. burleske«
von Gustav Mahlers Neunter Symphonie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 425
Michael braun
vokales im instrumentalklang: Prosodie als anregung zur variierenden Wiederholung
in instrumentalwerken béla bartóks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 453
sebastian Werr
choralforschung als Politikum. Heinrich Himmler und die
Germanisierung mittelalterlicher Musik im nationalsozialismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 479
register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 505
7
Abbildungen
Michael Wackerbauer: Frithjof, Max Bruch und die Dynamik der großen oratorischen
Gattungen
1. bernhard crusell, Frithjof kommer till Kung Ring 3. carl amand Mangold, Wikingerbalk (Seemanns
(Efter gamla Scalan), aus: Tio Sånger ur Frithiofs gesetz), nr. 19 aus dem »Dramatischen Gedicht«
Saga, stockholm 1826, s. 21 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275 Frithjof, Darmstadt [1857], s. 108 (t. 1–4 u.
2. bernhard crusell, Vikingabalk, aus: Tio Sånger ur t. 19 f.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277
Frithiofs Saga, stockholm 1826, s. 11 . . . . . . . . . . . . 276
8 Verzeichnisse
Sebastian Werr: Choralforschung als Politikum
1. beispiele für den »germanischen choraldialekt« Bericht über den 1. Musikwissenschaftlichen Kongreß
aus: Peter Wagner, »Germanisches und romani- der Deutschen Musikgesellschaft in Leipzig vom 4. bis
sches im frühmittelalterlichen Kirchengesang«, in: 8. Juni 1925, leipzig 1926, s. 21–34, hier s. 22 490
Notenbeispiele
9
3. josquin des Prez, Ave nobilissima creatura, Mens. 12. loyset Piéton, Benedicta es, coelorum regina,
61–77 .................................................... 79 Mens. 24–32 ........................................... 94
4. nicolas Gombert, Ave salus mundi, Mens. 13. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Benedicta
84–91 .................................................... 81 es, christe, Mens. 59 ff. ............................. 95
5. josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, 14. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Benedicta
Mens. 5–19 ............................................. 83 es, christe, Mens. 37 ff. ............................. 97
6. josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, 15. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Papae
Mens. 30 ff. ............................................ 86 Marcelli, Kyrie, Mens. 8 ff. ......................... 99
7. josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, 16. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Papae
Mens. 41–48 ........................................... 87 Marcelli, Kyrie, Mens. 57 ff. ....................... 102
8. josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, 17. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Papae
Mens. 68–75 ........................................... 88 Marcelli, sanctus ..................................... 105
9. beginn sequenzversikel 2a und josquin des Prez, 18. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Papae
Benedicta es, coelorum regina, Mens. 37 ff. ..... 89 Marcelli, sanctus, und jachet von Mantua, Surge
10. josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, Petre. Mit Henk van benthems »Fragment a«
Mens. 87 ff. ............................................. 89 und »Fragment b« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
11. josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, 19. Das bassmodell als element der textausdeutung
Mens. 96 ff. ............................................ 92 in jachets Motette Surge Petre .................... 112
10 Verzeichnisse
Michael Wackerbauer: Frithjof, Max Bruch und die Dynamik der großen oratorischen
Gattungen
1. Max bruch, Particell des beginns der ouvertüre der ersten Fassung des Frithjof, Particell, D-Knmi,
zur ersten Fassung des Frithjof mit dem Wikinger- br.autorg.2, s. 93 f. (t. 96–105) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290
balk-thema, D-Knmi, br.autogr.3a, s. 1 f. 3. Max bruch, »Frithjof auf der see« aus Frithjof. Sce
(t. 1–29) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 nen aus der FrithjofSage op. 23. einsatz Frithjofs
2. Max bruch, »Wikingerbalk«, einsatz des chors mit dem Wikingerbalk-thema (t. 20–32) . . . 291
der Gefährten mit dem Wikingerbalk-thema in
11
9. nikolaj rimskij-Korsakov, 1. Streichquartett, 17. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett,
3. satz, t. 82 ff. ........................................ 384 4. satz, anfang des satzes ......................... 393
10. nikolaj rimskij-Korsakov, 1. Streichquartett, 18. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett,
anfang des 4. satzes ................................ 385 4. satz, episode b, t. 38 ff. ........................ 394
11. nikolaj rimskij-Korsakov, 1. Streichquartett, 19. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett,
4. satz, t. 233 ff. ....................................... 387 4. satz, episode c, t. 84 ff. ........................ 394
12. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett 20. nikolaj rimskij-Korsakov, Quartett auf das Thema
G-Dur, 1. satz, erstes thema, t. 1 ff. ............ 388 BLaF, anfang des 1. satzes ...................... 398
13. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett, 1. satz, 21. nikolaj rimskij-Korsakov, Quartett auf das Thema
erstes thema, komprimiert, t. 31 ff. ............ 389 BLaF, 1. satz, erste takte des allegro ........ 399
14. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett, 22. nikolaj rimskij-Korsakov, Quartett auf das Thema
anfang des 2. satzes ................................ 390 BLaF, zweite thema des 1. satzes ............ 400
15. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett, 23. nikolaj rimskij-Korsakov, Quartett auf das Thema
anfang des 3. satzes ................................. 391 BLaF, variiertes erstes thema aus dem 1. satz,
16. nikolaj rimskij-Korsakov, 3. Streichquartett, t. 66 ff. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401
trio aus dem 3. satz ................................. 392
Rainer Kleinertz: Zur Analyse des dritten Satzes von Gustav Mahlers Neunter Symphonie
1. Gustav Mahler, Neunte Symphonie, 3. satz 3b. Gustav Mahler, Neunte Symphonie, 3. satz
»rondo. burleske«, t. 1–4 ........................ 446 »rondo. burleske«, t. 311–318 ................... 447
2. Gustav Mahler, Neunte Symphonie, 3. satz 4a. Gustav Mahler, Neunte Symphonie, 3. satz
»rondo. burleske«, t. 109–116 .................. 446 »rondo. burleske«, t. 320–324 ................. 448
3a. Gustav Mahler, Neunte Symphonie, 3. satz 4b. Gustav Mahler, Neunte Symphonie, 3. satz
»rondo. burleske«, t. 246–251 .................. 447 »rondo. burleske«, t. 352–359 .................. 448
12 Verzeichnisse
Tabellen
Michael Wackerbauer: Frithjof, Max Bruch und die Dynamik der großen oratorischen
Gattungen
1. esaias tegner: Frithiofs Saga, verzeichnis der Anhang 1. Max bruch, Frithjof – aufbau der
romanzen ............................................. 266 1. Fassung .............................................. 304
2. zeitgenössische Frithjof-vertonungen ........ 270 Anhang 2. Max bruch, Frithjof. Scenen aus der
3. erstfassung von bruchs Frithjof: zusammen- FrithjofSage op. 23 – aufbau der 2. Fassung . 310
fassende rekonstruktion des aufbaus ........ 282 Anhang 3. Max bruch, Frithjof auf seines Vaters
4. Max bruch: Frithiof. Scenen aus der FrithjofSage, Grabhügel op. 27 – aufbau ........................ 312
verzeichnis der szenen mit verweis auf die
textgrundlage bei tegnér . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286
13
Nina Galushko-Jäckel: Das Streichquartett im Schaffen von Nikolaj Andreevič Rimskij-
Korsakov
1. Übersicht über das Quartettschaffen rimskij- 2. Übersicht über den 2. satz von rimskij-
Korsakovs .............................................. 373 Korsakovs 3. Streichquartett ....................... 391
Rainer Kleinertz: Zur Analyse des dritten Satzes von Gustav Mahlers Neunter Symphonie
1. Übersicht über den dritten satz »rondo. burleske«
von Gustav Mahlers Neunter Symphonie ...... 445
Abkürzungen
aHMa Analecta hymnica medii aevi, hrsg. von Guido Wackernagel (= Kataloge bayerischer Musik-
Maria Dreves und clemens blume, 55 bde., leip- sammlungen 5/1), München 1989
zig 1886–1922 nje New Josquin Edition
ccl Codex Claustroneoburgensis nGroveD The New Grove Dictionary of Music and
clm Codex latinus monacensis Musicians
DKl Konrad ameln, Markus jenny und Walther nzfM Neue Zeitschrift für Musik
lipphardt (Hrsg.), Das Deutsche Kirchenlied. risM Répertoire International des Sources Musicales
Kritische Gesamtausgabe der Melodien (= réper- risM a I Einzeldrucke vor 1800, hrsg. von Karlheinz
toire international des sources Musicales b/ schlager (= répertoire international des sources
VIII/1), bd. 1, teil 1: verzeichnis der Drucke, Musicales a/I), Kassel 1971–2003
Kassel 1975 risM b vi Écrits imprimés concernant la musique,
Greg. M. moral. Gregorius Magnus, Moralia in Iob hrsg. von François lesure (= répertoire inter-
Hmt Handwörterbuch der musikalischen Terminologie, national des sources Musicales b/VI), München
hrsg. von Hans Heinrich eggebrecht und albrecht 1971
riethmüller, schriftleitung Markus bandur, vD 18 Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich
Wiesbaden 1971–2006 erschienenen Drucke des XVIII. Jahrhunderts, hrsg.
KbM Katalog der Musikhandschriften. Chorbücher von der bayerischen staatsbibliothek in München
und Handschriften in chorbuchartiger Notierung: in verbindung mit der Herzog august bibliothek
mit einem Anhang: Nachträge zu den Tabulaturen in Wolfenbüttel, stuttgart 1971–2000
und Stimmbüchern, hrsg. von Martin bente, vdm Verzeichnis deutscher Musikfrühdrucke ‹www.
Marie louise Göllner, Helmut Hell und bettina vdm.sbg.ac.at›
14 Verzeichnisse
apg apostelgeschichte Ps buch der Psalmen
Gal Der brief des Paulus an die Galater röm Der brief des Paulus an die römer
Gen buch Genesis 1 thess Der erste brief des Paulus an die
1 Kor Der erste brief des Paulus an die Korinther thessalonicher
2 Kor Der zweite brief des Paulus an die Korinther 1 tim Der erste brief des Paulus an timotheus
lk Das evangelium nach lukas 2 tim Der zweite brief des Paulus an timotheus
Mt Das evangelium nach Matthäus tit Der brief des Paulus an titus
offb Die offenbarung des johannes (apokalypse)
Bibliothekssigel
a-Wn Wien, Österreichische nationalbibliothek i-Pac Parma, sezione musicale della biblioteca
cH-zz zürich, zentralbibliothek Palatina
D-Knmi Köln, Musikwissenschaftliches institut i-vat staat vatikanstadt, biblioteca apostolica
der universtät vaticana
D-Mbs München, bayerische staatsbibliothek i-vats staat vatikanstadt, biblioteca apostolica
D-Wrgs Weimar, stiftung Weimarer Klassik, vaticana, cappella sistina
Goethe-schiller-archiv i-ver verona, società accademia Filarmonica
i-vnm venedig, biblioteca nazionale Marciana
15
Einleitung
Im Herbst 2018 kam unser Herausgebergremium erstmals zusammen, um die Publikation einer
Festschrift zu Ehren unseres Kollegen und Institutsleiters Wolfgang Horn anlässlich seines
65. Geburtstages am 25. März 2021 zu planen. Gleich im September gingen die ersten Einladun-
gen an die Autor*innen heraus. Die Resonanz war erfreulich, und alles sprach dafür, dass dem Ju-
bilar zu seinem runden Geburtstag eine gedruckte Festschrift überreicht werden könnte. Kaum
acht Monate später, am 7. Mai 2019, starb Wolfgang Horn völlig unerwartet an einem Herzin-
farkt. Dass er die Publikation nicht mehr in Empfang nehmen würde, führte aber nicht dazu,
das Festschrift-Projekt einfach abzubrechen. Mit der uneingeschränkten Zustimmung aller Au-
tor*innen und Mitarbeiter*innen wurde es weitergeführt, nun aber als Gedenkschrift, als Zei-
chen der Anerkennung und des Dankes. In diesem Geist versammelt dieser Band Kolleg*innen,
Weggefährt*innen und ehemalige Studierende, deren vielseitige Beiträge für den profunden Fa-
cettenreichtum Wolfgang Horns als Wissenschaftler und Lehrer einstehen.
Wolfgang Horn, 1956 in Stuttgart geboren, studierte ab 1975 Musikwissenschaft und Germa-
nistik an der Universität Tübingen. Seine Magisterarbeit aus dem Jahr 1981 erschien später in
revidierter Form unter dem Titel Carl Philipp Emanuel Bachs frühe Klaviersonaten (Hamburg
1988). Er wurde in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen, war von 1981 bis
1983 Mitarbeiter in der Redaktion der Reihe Das Erbe deutscher Musik und von 1983 bis 1989
Assistent am Tübinger Musikwissenschaftlichen Institut. 1986 wurde er bei Georg von Dadelsen
promoviert; die Dissertation erschien im folgenden Jahr unter dem Titel Die Dresdner Hofkir
chenmusik 1720–1745 (Kassel 1987). An der Hochschule für Musik und Theater Hannover war
Wolfgang Horn von 1989 bis 1994 Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Historische Musikwissen-
schaft, wo er 1995 mit der Arbeit ›Est modus in rebus …‹. Gioseffo Zarlinos Musiktheorie und
Kompositionslehre und das ›Tonarten‹-Problem in der Musikwissenschaft habilitiert wurde. 1996
bis 1998 war Wolfgang Horn Hochschuldozent in Tübingen, von 1998 bis 2002 Professor für Mu-
sikwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. 2002 übernahm er als Nachfolger von
Hermann Beck, Warren Kirkendale und Detlef Altenburg die Leitung des Instituts für Musik-
wissenschaft der Universität Regensburg.
Die Bandbreite von Wolfgang Horns Fachwissen lässt sich leicht aus den Stichworten auf der
Webseite des Regensburger Instituts für Musikwissenschaft begreifen: Musiktheorie und Mu-
sik der Renaissance (Gioseffo Zarlino und Adrian Willaert); Musikgeschichte Dresdens in der
Barockzeit ( Johann David Heinichen, Jan Dismas Zelenka); Carl Philipp Emanuel Bach; spät-
romantische Musik ( Josef Gabriel Rheinberger). Diese für die Leitung eines musikhistorisch
und musikphilologisch orientierten Instituts ideale Konstellation basierte auf einer jahrelangen
intensiven Auseinandersetzung mit Primärquellen verschiedenster Art: Noten, theoretischen
Texten, Archivalien. Dadurch gelangte Horn zu einer unübertroffenen Souveränität in der Aus-
wertung und analytischen Durchdringung von Musik über die Epochen hinweg, im klassischen
Vergleichen und Gegenüberstellen, um musikhistorische Phänomene zu interpretieren und in
17
den musikgeschichtlichen Kontext einzuordnen. Profitiert davon haben sowohl seine akribisch
vorbereiteten lehrveranstaltungen und unzählige mit außergewöhnlicher Gewissenhaftigkeit
geprüften und ausführlich kommentierten studentischen arbeiten, sondern auch seine wissen-
schaftlichen Publikationen (siehe die Publikationsliste am ende des bandes). Hier finden sich
neben den großen Qualifikationsschriften zahlreiche beiträge zur Musik und ihren schöpfern
entlang der geographischen achse Deutschland–italien und der zeitspanne 16.–19. jahrhundert,
grundlegende artikel für die standardnachschlagewerke, aber auch reflexionen über sinn und
Wesen des Faches und seine arbeitsfelder. ungewöhnlich hoch ist die zahl seiner Musikeditio-
nen, denn Wolfgang Horn wollte Musik hören und mit dem ihm geschenkten sachverstand ihre
aufführung ermöglichen. Hier wären neben zahlreichen aufführungen im regensburger raum
(in zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchenmusik, den tagen alter Musik, den stimm-
wercktagen) auch Konzerte außerhalb zu erwähnen.
Grundlegend sind vor allem die editionen von Musik aus dem umfeld des Dresdener Hofes,
Frucht seiner intensiven, größtenteils vor der Wende durchgeführten studien von Primärquel-
len. Dass es Wolfgang Horn nicht gegönnt war, weitere editionen von überragender bedeutung
zum abschluss zu bringen, ist eine der schmerzhaftesten Folgen seines frühen todes. in fast
allen Details bereits vollständig vom ihm bearbeitet, werden sie postum erscheinen (der band
carl Philipp emanuel bach, Sonatas from Manuscript Sources I [= the complete Works I/6,1],
ist 2019, kurz nach seinem tod erschienen); antonio lotti, Gl’odi delusi dal sangue overo Ascanio
[mit den drei intermezzi Nana, Francese e Armena von Francesco Gasparini und Giovanni bat-
tista bononcini] (= Denkmäler Mitteldeutscher barockmusik); adrian Willaert, I sacri e santi
salmi (1555 u. ö.) (= corpus mensurabilis musicae 3/VI).
Die beiträge des vorliegenden bandes spiegeln mehrere musik- und geisteswissenschaftliche
interessen Wolfgang Horns wider, darüber hinaus sind hier studien zu lesen, die auf von ihm
betreuten Promotionsarbeiten basieren. schwerpunkte sind erwartungsgemäß Komponisten
des 16.–17. jahrhunderts und ihre Werke, aber auch reflexionen über den umgang mit und der
auswertung von Primärquellen. Dass Wolfgang Horn auch ein ausgezeichneter Kenner und
liebhaber der Musik des 19. jahrhunderts war, ist trotz seiner edition der chorballaden von
josef rheinberger – Das Tal des Espingo (op. 50), Wittekind (op. 102), Die Rosen von Hildesheim
(op. 143) – weniger bekannt, wird hier aber thematisch gewürdigt.
Der Dank der Herausgeber gilt allen, die zum erscheinen dieser Gedenkschrift beigetragen
haben. Dies sind natürlich in erster linie die autorinnen und autoren. theresa Henkel, so-
phie Pichler, johannes schäbel und Franziska Weigert ist für ihre tatkräftige Mitarbeit bei der
redaktionellen einrichtung zu danken, Fabian Weber für die umsichtige Gestaltung und den
satz dieser Gedenkschrift, Patricia Hahn für ihre vielseitige Mithilfe in allen Phasen des Pro-
jekts, veronika Giglberger von der bayerischen staatsbibliothek für die unterstützung bei der
beschaffung von illustrationen, außerdem juan Martin Koch vom conbrio-verlag für die gute
zusammenarbeit bei der Drucklegung.
Die illustration auf dem einband dieses buches zeigt im Hintergrund eine kleine, lediglich
stellvertretende auswahl verschiedener Quellen, die mit Wolfgang Horns Forschung in verbin-
dung stehen. Davor ist ein Metronom zu sehen – ein bild, das im zusammenhang mit einer
18 Einleitung
Gedenkschrift unwillkürlich assoziationen an die unerbittlich verrinnende zeit und die un-
gewisse lebensspanne von uns allen mit sich bringen wird.1 Derartige Gedanken haben ihren
Platz in einem sammelband dieses anlasses, und doch erschöpfen sich darin nicht die Gründe
für die auswahl eben dieser abbildung. im jahr 2004, nicht lange nach seiner Übernahme des
regensburger lehrstuhls, steuerte Wolfgang Horn für das universitätsmagazin Blick in die Wis-
senschaft einen beitrag mit dem provokanten titel »braucht Musik Wissenschaft?« bei. Darin
spielte auch das Metronom eine rolle, als dessen erfinder der gebürtige regensburger johann
nepomuk Mälzel (1772–1838) sich nachhaltig ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat. in
einer ihm eigenen Mischung aus Humor und scharfsinn führte Wolfgang Horn beispielhaft den
erfolg jener »geradezu detektivischen arbeit« an, mit der es Musikwissenschaftlern gelungen
ist, den lautmalerisch tickenden »Mälzel-Kanon« des beethoven-adlatus anton schindler als
Fälschung zu entlarven. Wolfgang Horn bejahte die im aufsatztitel gestellte Frage anschließend
nicht nur, sondern umriss auch seine vorstellung vom Hauptzweck der Musikwissenschaft:
»das rätsel der Musik in rational kritisierbarer argumentation kenntnisreich zu umkreisen«,
um »dem selbstverständnis des mündigen Menschen« zu dienen, »der selbstgestellte Fragen
mehr schätzt als vorgegebene antworten.« und so mag das Metronom nicht nur an das ver-
gängliche und vergangene erinnern, sondern auch an jene schnittstelle, die Wolfgang Horn im-
mer wieder als ausgangspunkt für seine Forschung diente, deren ertrag eben nicht zum vergan-
genen gehört – die schnittstelle zwischen Musik und Wissenschaft.
1 Die abbildung zeigt ein exemplar der Historischen instrumentensammlung der universität regensburg,
das ursprünglich 1817 für das Physikalische Kabinett des regensburger lyzeums aus england beschafft wurde.
es dürfte das älteste datierbare exemplar dieser Machart sein, von der nur noch ein weiteres stück in einer bri-
tischen Privatsammlung bekannt ist. Für die bereitstellung der abbildung und der Hintergrundinformationen
zum objekt sei christoph Meinel, dem ehemaligen lehrstuhlinhaber für Wissenschaftsgeschichte an der uni-
versität regensburg, herzlich gedankt.
19
Autor*innen
Michael Braun ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am institut für Musikwissenschaft der uni-
versität regensburg. nach dem studium der Musikwissenschaft und Geschichte in regensburg
und Padua schloss er seine Promotion mit einer Dissertation zu Béla Bartóks Vokalmusik ab, die
2017 im Druck erschienen ist. schwerpunkte seiner Forschungs- und Publikationstätigkeit sind
neben bartóks Musik die Geschichte und Funktionsweise von Filmmusik und im zuge der im
entstehen begriffenen Habilitationsschrift die Frühgeschichte der Konzertsinfonie.
Martin Christian Dippon, geboren 1974. nach einer banklehre ab 1996 studium der Musikwis-
senschaft, Philosophie und neueren deutschen literatur an der eberhard-Karls-universität tü-
bingen. nach dem Magister artium von 2003 bis 2008 Promotionsstudium bei Wolfgang Horn
an der universität regensburg über Thema und Motiv in den Motetten von Josquin des Prez. Unter-
suchungen zur Struktur des musikalischen Satzes, publiziert 2010 unter dem titel Determination
und Freiheit. Studien zum Formbau in den Motetten Josquins (= regensburger studien zur Mu-
sikgeschichte 8). 2009 bis Mai 2010 vertretung von PD Dr. Michael Klaper als leiter des bru-
no-stäblein-archivs am institut für Musikforschung der universität Würzburg. 2010 ernennung
zum leiter des bruno-stäblein-archivs. 2013 ernennung zum akademischen rat am institut für
Musikforschung der universität Würzburg.
Raymond Dittrich, geboren 1961 in Hamburg, dort studium der Historischen und systemati-
schen Musikwissenschaft und der Philosophie. 1992 Promotion, 1993–1995 bibliotheksreferen-
dariat an der bayerischen staatsbibliothek in München, seit 1996 leiter der Proskeschen Musik-
abteilung in der bischöflichen zentralbibliothek regensburg, seit 2015 stellvertretender leiter
der bischöflichen zentralbibliothek. Diverse Publikationen, darunter ausstellungs- und Musik-
handschriftenkataloge (u. a. Die Liturgika der Proskeschen Musikabteilung, Die Reformation und
das Buch in Regensburg).
20
Arnfried Edler, geboren 1938, studierte schulmusik, Kirchenmusik (a), Musikwissenschaft,
Deutsche literaturgeschichte und Philosophie in saarbrücken und Kiel, wo er 1968 promoviert
wurde und nach dem referendariat als Wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie als organist und
chorleiter an der universität Kiel tätig war. nach der Habilitation 1978 übernahm er 1979 eine
Professur für Historische Musikwissenschaft mit lehrverpflichtung an der Musikhochschu-
le lübeck. von 1989 bis 2003 wirkte er an der Hochschule für Musik und theater Hannover.
schwerpunkte seiner wissenschaftlichen arbeit sind die Musikgeschichte des 18. und 19. jahr-
hunderts, die musikalische sozial-, Gattungs- und Mentalitätsgeschichte sowie die Geschichte
der Musikpädagogik.
Siegfried Gmeinwieser, studium der Musik und romanischen Philologie an der Musikhoch-
schule (Hauptfach Klavier bei Maria landes-Hindemith) und universität München, 1961–1963
erstes und zweites staatsexamen, 1968 ostr, 1968 Promotion an der universität Köln über ein
thema zur Kirchenmusik an san Giovanni in laterano, 1961–1975 freier Mitarbeiter von Dr. lau-
rence Feininger (trento), 1965–2013 custos des Musikarchivs an der theatinerkirche München,
1970–72 Forschungsarbeiten in italien im auftrag der DFG (u. a. thematisches verzeichnis der
Werke Giovanni ottavio Pitonis 1976, erweitert 2013), 1972–1974 Mitarbeiter an der bayerischen
staatsbibliothek (thematischer Katalog st. Kajetan theatinerkirche, 1979), Habilitation und
Privatdozent in regensburg 1980, apl. Professur in regensburg 1990, vertretungsprofessuren in
Koblenz-landau und eichstätt 1994–1999, 2018 in anerkennung der arbeiten zu Pitoni ehren-
bürgerschaft der stadt rieti.
21
David Hiley (geboren 1947) studierte Musikwissenschaft an den universitäten oxford und
london (Promotion 1981). 1976 bis 1986 war er lecturer in Music am royal Holloway college,
universität london, ab 1986 bis zu seiner emeritierung 2013 Professor für Musikwissenschaft an
der universität regensburg. sein Forschungsgebiet umfasst den einstimmigen liturgischen Ge-
sang des Mittelalters. zu seinen Publikationen zählen Western Plainchant: A Handbook (oxford
1993) und Gregorian Chant (cambridge 2009) sowie mehrere editionen von Historiae (mit-
telalterliche Heiligenoffizien) inkl. emmeram und Wolfgang von regensburg, afra von augs-
burg, Gallus und Magnus. seine edition englischer Heiligenoffizien für die reihe Early English
Church Music ist in vorbereitung.
Rainer Kleinertz ist seit 2006 ordinarius für Musikwissenschaft an der universität des saarlan-
des. nach abschluss eines Musikstudiums (viola) an der Hochschule für Musik Detmold und
der Fächer Musikwissenschaft, Älterer deutscher und romanischer literaturwissenschaft an der
universität Paderborn wurde er dort 1992 promoviert. von 1992 bis 1994 war er Gastprofessor an
der universität salamanca. von dort wechselte er 1994 an die universität regensburg, wo er sich
1998 mit einer arbeit zum spanischen Musiktheater im 18. jahrhundert habilitierte (Grundzüge des
spanischen Musiktheaters im 18. Jahrhundert. Ópera – Comedia – Zarzuela, Kassel 2003). 2000 bis
2001 war er visiting Fellow an der universität oxford. seine Hauptarbeitsgebiete sind Georg Fried-
rich Händel, Wolfgang amadeus Mozart, Franz liszt, richard Wagner und Gustav Mahler. er ist
Herausgeber von zwei bänden der Sämtlichen Schriften von Franz liszt (Lohengrin et Tannhaüser de
Richard Wagner und Frühe Schriften, Wiesbaden 1989 und 2000) und leitet seit 2014 gemeinsam mit
Meinard Müller (international audio laboratories, erlangen) ein von der Deutschen Forschungs-
gemeinschaft gefördertes Projekt zur computergestützten analyse harmonischer strukturen.
Ulrich Konrad (geboren 1957) studierte Musikwissenschaft, Germanistik sowie Mittlere und
neuere Geschichte an den universitäten bonn und Wien. 1983 Promotion, dann assistent an
der universität Göttingen. 1991 Habilitation, 1993 Professor für Musikwissenschaft an der staat-
lichen Hochschule für Musik in Freiburg, seit 1996 ordinarius am institut für Musikforschung
der julius-Maximilians-universität Würzburg. Konrad hat zahlreiche Publikationen zur Musik-
geschichte des 17. bis 20. jahrhunderts vorgelegt. er ist Projektleiter der robert schumann-Ge-
samtausgabe und der Hybridedition richard Wagner schriften (rWs). Mehrfach wurde er für
seine wissenschaftlichen arbeiten ausgezeichnet, so 1993 mit dem Hermann-abert-Preis der
Gesellschaft für Musikforschung, 1996 mit der Dent Medal der royal Musical association lon-
don, 1999 mit der silbernen Mozart-Medaille der internationalen stiftung Mozarteum salzburg
und 2001 mit dem leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Konrad ist Mitglied
der leitungsgremien mehrerer nationaler und internationaler Wissenschaftsorganisationen so-
wie der akademien der Wissenschaften Göttingen, Mainz und München, der academia euro-
paea und der nationalakademie leopoldina.
Franz Körndle wurde 1958 in Monheim geboren. er studierte seit 1980 Musikwissenschaft,
Kunstgeschichte und Mittelalterliche Geschichte an den universitäten München und augsburg.
1990 wurde er an der universität München zum Dr. phil. promoviert, 1996 daselbst habilitiert.
22 Autor*innen
Körndle war von 1986 bis 1997 assistent am Münchner institut und von 1997 bis 1999 wissen-
schaftlicher Mitarbeiter. nach 1999 nahm er vertretungen in tübingen, München, regensburg
und augsburg wahr. von 2001 bis 2008 war er Hochschuldozent am gemeinsamen institut für
Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz liszt und der Friedrich-schiller-universität
jena, von 2008 bis 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter. seit april 2010 ist er Professor für Mu-
sikwissenschaft an der universität augsburg. 2012 bis 2014 war er dort leiter des leopold-Mo-
zart-zentrums. Publikationen zu Kirchenmusik, jesuitendrama, tasteninstrumente des 18. und
19. jahrhunderts, liedästhetik sowie landesgeschichte.
Laurenz Lütteken, geboren 1964 in essen; studium der Musikwissenschaft, Germanistik und
Kunstgeschichte an den universitäten Münster und Heidelberg. 1991 Promotion mit einer
arbeit über Guillaume Dufay. nach tätigkeit als freier journalist und längeren stipendiaten-
zeiten in rom und Wolfenbüttel sowie assistentenzeit an der universität Münster Habili-
tation 1995, danach lehrtätigkeit an den universitäten Heidelberg und erlangen-nürnberg.
1996 berufung auf den lehrstuhl für Musikwissenschaft an der universität Marburg, seit 2001
ordinarius an der universität zürich. er erhielt zahlreiche auszeichnungen, u. a. war er Fel-
low des Wissenschaftskollegs zu berlin. er ist Herausgeber des Wagner-Handbuchs (2012) so-
wie der enzyklopädie MGG Online. zuletzt erschienen: Mozart. Leben und Musik im Zeitalter
der Aufklärung (München 22018) sowie die englische ausgabe von Richard Strauss (new york
2019).
Andreas Pfisterer, geboren 1972 in stuttgart, studium der Musikwissenschaft und lateinischen
Philologie in tübingen (M. a. 1998) und erlangen (Dr. phil. 2001), 1998–2003 wissenschaftli-
cher Mitarbeiter am Musikwissenschaftlichen institut in erlangen, 2003–2015 wissenschaftlicher
Mitarbeiter, dann akademischer rat und oberrat am Musikwissenschaftlichen institut in re-
gensburg, dort Habilitation 2009, seit 2015 Mitarbeiter am akademieprojekt corpus monodi-
cum in Würzburg.
Katelijne Schiltz ist inhaberin des lehrstuhls für Musikwissenschaft an der universität re-
gensburg. 2001 wurde sie an der universität leuven mit einer studie zum Motettenschaffen
adriaan Willaerts promoviert, 2012 habilitierte sie sich an der ludwig-Maximilians-univer-
sität München mit einer arbeit, die 2015 unter dem titel Music and Riddle Culture in the Re-
naissance bei cambridge university Press erschienen ist und mit dem roland H. bainton Pri-
ze der sixteenth century society ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit bonnie j. blackburn
23
gab sie das von der society for Music theory ausgezeichnete Canons and Canonic Techniques,
14th–16th Centuries: Theory, Practice, and Reception History (leuven 2007) heraus, zusammen
mit jessie ann owens den sammelband Cipriano de Rore: New Perspectives on his Life and
Music (turnhout 2016). 2018 ist der von ihr herausgegebene Companion to Music in Sixteenth
Century Venice erschienen, 2019 der sammelband Musikalische Schätze in Regensburger Biblio
theken.
Markus Waldura, geboren 1957, studium der Germanistik und Musikwissenschaft an der uni-
versität des saarlandes, 1991 Promotion mit einer Dissertation über die sonatenform im schaf-
fen robert schumanns, 2000 Habilitation mit einer arbeit über den zusammenhang zwischen
Kadenz- und Periodenbegriff in der Musiktheorie des 18. jahrhunderts. 1984–1994 wissenschaft-
licher Mitarbeiter am Musikwissenschaftlichen institut der universität des saarlandes am lehr-
stuhl von Werner braun, 1995–1997 Habilitandenstipendium der Deutschen Forschungsgemein-
schaft, von 2000 bis 2018 Privatdozent am Musikwissenschaftlichen institut der universität des
saarlandes. 2018 ernennung zum außerplanmäßigen Professor für Musikwissenschaft ebenda.
Daneben berufliche tätigkeiten im Musikalienhandel (1998/99), als Mitarbeiter der e-Musik-
redaktion des saarländischen rundfunks (2000–2002) und als Förderlehrer für Deutsch als
Fremdsprache. Publikation von zwei Gedichtbänden 2009 und 2013. seit 2003 Fachlehrer für
Musik und Deutsch an der nikolaus-von-Weis-schule landstuhl.
Andreas Wehrmeyer, geboren 1959, studierte in Münster (Westfalen) und berlin Musikwissen-
schaft, Germanistik und Geschichte. Magister und Promotion an der technischen universi-
tät berlin, Habilitation an der universität salzburg. ein stipendium der alexander von Hum-
boldt-stiftung führte ihn 1994/95 ein jahr an das Moskauer Konservatorium. er ist als lektor,
rundfunkautor und Kulturmanager tätig, überdies lehrt er als Privatdozent für Musikwissen-
schaft an der universität regensburg. seine Hauptarbeitsgebiete liegen in der Musik des 18. bis
21. jahrhunderts, der Musiktheorie und Musikästhetik sowie der russischen und osteuropäi-
schen Musik.
24 Autor*innen
Sebastian Werr studierte Musikwissenschaft in berlin und Mailand, anschließend promovierte
und habilitierte er sich in bayreuth. er war in Forschung und lehre an Hochschulen in bay-
reuth, bern, München und regensburg tätig und ist zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der
Handschriftenabteilung der bayerischen staatsbibliothek München. seine Forschungsschwer-
punkte liegen auf der oper vom 17. bis zum 20. jahrhundert, der Geschichte und historischen
aufführungspraxis der Holzblasinstrumente, der Musik im nationalsozialismus sowie der so-
zial- und Wirtschaftsgeschichte von Musik. Demnächst erscheint von ihm eine fachgeschicht-
liche Monographie über Musikwissenschaft und rassenforschung im nationalsozialismus.
25
Der Apostel Paulus und das Einhorn.
Liturgische Gesänge zum Fest Pauli Bekehrung
in Klosterneuburger Handschriften des Mittelalters
David Hiley
Man wird sich das staunen des autors sicher vorstellen können, das ihn beim erstmaligen lesen
der folgenden responsorientexte überkam: »in sinu virginis saulus ut rinoceros capitur […]«.
und weiter: »ad presepe Dei cum rinocerota moratur […]«. an einer späteren stelle liest man:
»Paulus […] tamquam unicornis […].« Man darf vermuten, dass es um ein und dasselbe tier
geht, wie im Mittelalter gewöhnlich – griechisch »rinoceros«, lateinisch »unicornis«. aber was
hat das einhorn mit saul/Paul zu tun? und wieso sind diese zeilen in einem antiphonar des
12. jahrhunderts mit liturgischen choralgesängen zu finden?
Die wissenschaftliche jagd auf das Fabeltier ging durch reinen zufall los, und zwar in der
stiftsbibliothek Klosterneuburg. Dr. robert Klugseder (Wien, Österreichische akademie der
Wissenschaften) war dort wegen eines Digitalisierungsprojektes zu besuch, ich durfte ihn be-
gleiten, und bibliothekar Dr. Martin Haltrich hatte freundlicherweise mehrere alte choralhand-
schriften zur betrachtung ausgelegt. einige waren mir bereits durch Mikrofilm oder Digitali-
sat bekannt,1 andere nicht. als ich die Handschrift des 12. jahrhunderts mit der signatur ccl
(= codex claustroneoburgensis) 1013 durchblätterte, sprangen mir die erstaunlichen oben zi-
tierten Worte von der Pergamentseite aus regelrecht ins auge.
Die choralhandschriften der chorherren und -frauen von Klosterneuburg sind relativ
gut bekannt, denn einige zählen zu den frühesten Quellen mit liniennotation aus österrei-
chischen stiften. zu den beständen bietet robert Klugseder eine sehr hilfreiche Übersicht.2
ccl 1013 ist eines der acht antiphonare aus dem chorfrauenstift st. Magdalena. (Kein anti-
27
phonar ist aus dem chorherrenstift st. Maria bekannt.) Die antiphonare enthalten entweder
den Winter- oder sommerteil des Kirchenjahres. sie sind für die erforschung der Gesangstradi-
tionen in Österreich besonders wichtig. es geht um folgende Quellen, alle mit liniennotation
(tabelle 1):
alle acht Quellen wurden für das Projekt Cantus (Waterloo university, canada) von Debra la-
coste vollständig inventarisiert.3 Darüber hinaus haben Michael norton und amelia carr eine
ausführliche Diskussion der Quellen aus st. Magdalena veröffentlicht.4
Die »einhorn-Gesänge«, wenn man sie so nennen darf, sind responsorien des nachtoffi-
ziums am tag der bekehrung Pauli (conversio sancti Pauli, 25. januar). Gefeiert werden jene
Geschehnisse, die im 9. Kapitel der apostelgeschichte, vers 1–22, erzählt werden. saul wird vor
den toren von Damaskus plötzlich von einem licht aus dem Himmel umleuchtet. er fällt auf
die erde und hört eine stimme: »saul, saul, was verfolgstu mich?« und weiter: »ich bin ihesus,
den du verfolgest. es wird dir schweer werden wider den stachel lecken« (Übersetzung der lu-
ther-bibel 15455). saul wird befohlen, in die stadt zu gehen, wo er weitere anweisungen erhalten
wird. aus dem christenverfolger saul wird der große apostel Paul.
Gesänge für die Gebetsstunden (vesper, nachtoffizium, laudes) an diesem Festtag sind
erst ab dem 11. jahrhundert in liturgischen büchern überliefert. in vielen Quellen werden nicht
eigengesänge, sondern stücke für das Hauptfest des hl. Paulus am 30. juni wiederverwendet.
von den zwölf antiphonaren des 9. bis 12. jahrhunderts, deren texte von rené-jean Hesbert
3 ‹cantus.uwaterloo.ca› insgesamt 20 792 sätze. rein statistisch ist ccl 1013 mit 2889 sätzen das umfang-
reichste unter den acht antiphonaren. siehe ferner Debra s. lacoste, The Earliest Klosterneuburg Antiphoners,
Diss. university of Western ontario 1999.
4 vgl. Michael norton und amelia j. carr, »liturgical Manuscripts, liturgical Practice, and the Women of
Klosterneuburg«, in: Traditio 66 (2011), s. 67–170.
5 ‹www.biblegateway.com/versions/luther-bibel-1545-lutH1545/#booklist› (stand: 2. 12. 2020).
28 David Hiley
herausgegeben wurden,6 bringen nur zwei eigengesänge für die conversio: es sind Hesberts
»e« (eporediensis = ivrea, biblioteca capitolare, 106, 11. jhdt.) und »F« (Fossatensis = Paris,
bibliothèque nationale de France, lat. 12584, aus saint-Maur-des-Fossés, 12. jhdt.). Die texte in
e und F übernehmen mehrheitlich verse aus der apostelgeschichte. unter den im cantus-Pro-
jekt inventarisierten Quellen weisen folgende die gleiche oder eine ähnliche auswahl auf: jene
aus salisbury (cambridge, university library, Mm.2.9, 13. jhdt.), esztergom/Gran (istanbul,
topkapı sarayı Müzesi, Deissmann 42, 14. jhdt.), Pozzeveri (lucca, biblioteca capitolare, 601,
12. jhdt.), saint-Maur-des-Fossés (Paris, bibliothèque nationale de France, lat. 12044, 12. jhdt.),
sens (Paris, bibliothèque nationale de France, n.a.l. 1535, 13. jhdt., nur die antiphonen) bzw.
Worcester (Worcester, cathedral chapter library, F.160, 13. jhdt.). st. lambrecht (Graz, uni-
versitätsbibliothek, 29, 14. jhdt.) fügt einige Gesänge aus dieser reihe den älteren stücken aus
dem Hauptfest hinzu. Das antiphonar aus aachen (aachen, Domarchiv, G 20, 13. jhdt.) hat
eigene antiphonen, die responsorien sind den Gesängen zum Hauptfest Pauli entliehen. Das
gedruckte antiphonar von Münster aus dem jahre 1537 (Köln: Hero alopecius) hat einen eige-
nen zyklus, der bisher nirgendwo sonst gefunden wurde.
Dasselbe gilt für Klosterneuburg. sowohl robert Klugseder als auch Michael norton7 haben
darauf hingewiesen, dass die antiphonare des Frauenstiftes einen eigenen Gesangszyklus für die
conversio Pauli aufweisen.8 Die neun antiphonen für das nachtoffizium sind vom Hauptfest
übernommen, aber die neun responsorien des nachtoffiziums und die sechs antiphonen der
laudes sind neu. umso deutlicher stechen die neuen responsorien hervor, weil die antiphonen
des nachtoffiziums im ccl 1011 und 1015 gar nicht angegeben werden, im ccl 1013 nur die ersten
drei als incipits und allein im ccl 1017 alle neun in voller länge erscheinen.
Zu den Texten
auch wenn das Wort »rinoceros« hier einmalig im repertoire des liturgischen Gesangs er-
scheint, ist es bereits zweimal in der vulgata zu finden. Hier die stellen aus der ausgabe von
robert Weber9 mit der Übersetzung der luther-bibel 1545:
6 vgl. rené-jean Hesbert, Corpus antiphonalium officii, 6 bde., rom 1979: siehe bd. 1 (1963), Manuscripti cursus
romanus, s. 112–115, bd. 2 (1965), Manuscripti cursus monasticus, s. 188–191.
7 Klugseder, »studien zur mittelalterlichen liturgischen tradition«, s. 36, norton und carr, »liturgical Ma-
nuscripts, liturgical Practice« s. 83, 86, usw., auflistung der Gesänge s. 146.
8 sie erscheinen in den antiphonaren für den Winterteil (pars hiemalis) des Kirchenjahres, also im ccl 1011,
1013, 1015 bzw. 1017.
9 Biblia sacra. Iuxta Vulgatam versionem. Recensuit et brevi apparatu critico instruxit Robertus Weber, 5., verbes-
serte auflage, bearbeitet von roger Gryson, stuttgart 2007, s. 283, 763, 794–795 bzw. 888–889.
letztere wären eher in einer stiftsgemeinde geläufig, denn diese Psalmen waren dort wöchent-
lich zu singen, Ps 21 Deus, Deus meus, respice zur Prim am sonntag, Ps 91 zu den laudes am sams-
tag. in der Messe am Palmsonntag wird Ps 21 samt unicornis im introitus Domine ne longe facias
30 David Hiley
zitiert: »[…] libera me de ore leonis, et a cornibus unicornuorum humilitatem meam«, ferner
als vers im tractus Deus, Deus meus, respice. Ps 91,11 wird als dritter vers des offertoriums Bonum
est confiteri am sonntag septuagesima gesungen.
Wie oben angedeutet, waren nashorn und einhorn im Mittelalter gleichbedeutend, »rino-
ceros« im Griechischen, »unicornis« im lateinischen, wie zum beispiel auf fol. 14v des »bes-
tiarium« in der Handschrift ashmole 1511 der bodleian library in oxford (ostmittelengland,
frühes 13. jhdt.) bestätigt wird: »unicornus qui et rinoceros a Grecis dicitur.«10 Derartige Äu-
ßerungen gehen wohl auf isidor von sevilla zurück, dessen Etymologiarum sive originum libri XX
(um 600) im 12. buch (über tiere) festhält:
rhinoceron a Graecis vocatus. latine interpretatur ›in nare cornu‹. idem et monoceron,
id est unicornus, eo quod unum cornu in media fronte habeat pedum quattuor ita acutum
et validum, ut, quidquid inpetierit, aut ventilet aut perforet. nam et cum elephantis sae-
pe certamen habet, et in ventre vulneratum prosternit. tantae autem esse fortitudinis, ut
nulla venantium virtute capiatur; sed, sicut asserunt, qui naturas animalium scripserunt,
virgo puella praeponitur, quae venienti sinum aperit, in quo ille omni ferocitate deposita
caput ponit, sicque soporatus velut inermis capitur.11
Die bedeutungen und verwendungen der termini (inkl. »monoceros«) im Mittelalter müssen
hier nicht weiter verfolgt werden.12 es soll genügen, eine weitere autorität zu nennen. Für eine
gebildete Person, die in der lage war, liturgische Gesänge zu verfassen, war der Kommentar Gre-
gors des Großen zum buch Hiob, die Moralia in Job (um 595), sicher von großer bedeutung.13
führlichen studie Die Moralia in Job Gregors des Großen. Ein christologisch-ekklesiologischer Kommentar (= stu-
dien und texte zu antike und christentum 31), tübingen 2005, hat sich Katharina Greschat eingehend mit der
einhorn-thematik und Gregors Quellen auseinandergesetzt (isidor war wohl nicht die direkte Quelle für Gre-
gor, sondern beide scheinen auf eine gemeinsame Quelle zurückzugreifen): »Die verwendung des Physiologus
bei Gregor dem Großen. Paulus als gezähmtes einhorn in Moralia in Job XXXI«, in: Studia Patristica 43 (2006),
s. 381–386.
14 Moralia XXVI, s. 15, XXIX, s. 18 und XXXI, s. 16–19.
32 David Hiley
Kommentierte Edition der Gesangstexte15
15 Wörtliche zitate aus der bibel, den Moralia Gregors des Großen und dem Hymnus Aurea luce et decore roseo
sind kursiv gesetzt. – biblische bücher werden nach der vulgata-ausgabe von Weber (Biblia sacra) zitiert, an-
tike autoren und ihre Werke werden abgekürzt mit den siglen des Thesaurus Linguae Latinae. index librorum
scriptorum inscriptionum ex quibus exempla afferuntur, leipzig 21990 (‹www.thesaurus.badw-muenchen.de/
tll-digital/index.html›, stand: 2. 12. 2020).
16 Gen 49,27: »beniamin lupus rapax mane comedet praedam et vespere dividet spolia.« – Der Kirchenvater
Hieronymus sieht in dieser stelle eine vorausdeutung auf den apostel Paulus: Hier. quaest. hebr. in gen., s. 71,
17–20, hrsg. von Paul de lagarde, nachgedruckt in cc sl 72, turnhout 1959, s. 56, 17–20: »quamquam de Pau-
lo apostolo manifestissima prophetia sit, quod in adolescentia persecutus ecclesiam, in senectute praedicator
euangelii fuerit, tamen in hebraeo sic legitur […]«; vgl. auch Haywards Übersetzung und Kommentar in Saint
Jerome’s Hebrew Questions on Genesis, hrsg. von charles thomas robert Hayward (= oxford early christian
studies), oxford 1995, s. 87 und 243 ff.
17 vgl. apg 8,3: »saulus autem devastabat ecclesiam per domos intrans et trahens viros ac mulieres tradebat in
custodiam«. vgl. auch apg 9,1 f.
18 Gen 35,18: »beniamin, id est filius dexterae«.
19 anspielung auf 1 Kor 3,2?
20 vgl. Greg. M. moral. 31,15,29 z. 78 ff.
21 Greg. M. moral. 31,16,30 z. 32.
22 Das Horn als zeichen der Überheblichkeit, auch cornu elationis; vgl. Greg. M. moral. 31,2,2 z. 6. 16 ff. (31,2,2
z. 23–31: die Kirche wird in ihrer Frühzeit vom Horn des rhinozeros bedroht).
23 1 tim 1,13: »qui prius fui blasphemus et persecutor et contumeliosus, sed misericordiam consecutus sum«. –
Das responsorium beruht auf Greg. M. moral. 31,16,30 z. 14 ff.
24 apg 9,15.
25 nur durch die ergänzung des Halbverses wird die aussage grammatikalisch verständlich.
26 Hiob 39,9: »numquid volet rinoceros servire tibi aut morabitur ad praesepe tuum?«
27 Greg. M. moral. 31,3,3 z. 3 und 31,16,30 z. 45 f. Das Wiederkäuen ist ein geläufiges bild für die Meditation der
Heiligen schriften.
28 Gal 2,1–2: »ascendi Hierosolyma cum barnaba adsumpto et tito […] et contuli cum illis evangelium quod
praedico in gentibus.«
29 Hiob 39,10: »numquid alligabis rinocerota ad arandum loro tuo?« – lora praeceptorum nach Greg. M. moral.
31,4,4.
30 Greg. M. moral. 31,4,5; 31,16,31 z. 54 f.
31 1 Kor 9,10: »quoniam debet in spe, qui arat, arare, et qui triturat, in spe fructus percipiendi.«
32 vgl. 1 thess 2,7: »tamquam si nutrix foveat filios suos.«
33 [pietate] pietatis versehentlich in der Cantus Database: ‹cantus.uwaterloo.ca/chant/288424› (stand:
2. 12. 2020).
34 Hiob 39,3: »incurvantur (sc. cervae) ad fetum.«
35 anspielung auf tit 3,5?
36 anspielung auf 2 Kor 12,1 ff.
37 1 Kor 3,2: »tamquam parvulis in christo lac vobis potum dedi, non escam.«
34 David Hiley
< 5. Paulus, durch seine zuneigung (gleichsam) eine Mutter, krümmt sich wie eine
Hirschkuh, um zu gebären,
weil er sich, um uns in christus hervorzubringen, von der höchsten anschauung des
Himmels zu den irdischen belangen herabbeugt.
> »Wie den Kleinen«, sagt er, »habe ich euch in Christus Milch zu trinken gegeben, keine
feste Speise«,
< weil er.
38 jes 32,20: »beati qui seminatis super omnes aquas inmittentes pedem bovis et asini.«
39 joh 6,64.69.
40 Paulus, der völkerapostel (röm 11,13: »ego sum gentium apostolus«; 1 tim 2,7: »doctor gentium«; 2 tim
1,11: »apostolus et magister gentium«).
41 jes 32,20.
42 vgl. apg 9,15: »ut portet nomen meum coram gentibus«; röm 1,5: »ad oboediendum fidei in omnibus gen-
tibus«.
43 lk 16,1: »homo quidam erat dives, qui habebat vilicum, et hic diffamatus est apud illum quasi dissipasset
bona ipsius.«
44 apg 9,4–5.
< 10. Doctor egregie, Paule, mores instrue et mente polum nos transferre satage,
donec perfectum largiatur plenius evacuato, quod ex parte gemimus.51
> ora pro nobis, sancte Paule, ut digni efficiamur regno Dei
< Evacuato.
45 lk 16,6–7: »(convocatis itaque singulis debitoribus domini sui dicebat primo: Quantum debes domino
meo?) at ille dixit: centum cados olei. Dixitque illi: accipe cautionem tuam et sede cito, scribe quinquaginta.
Deinde alio dixit: tu vero quantum debes? Qui ait: centum choros tritici. ait illi: accipe litteras tuas et scribe
octoginta.«
46 anspielung auf 1 tim 1,13? vgl. < 2.
47 anspielung auf eine zentrale aussage der paulinischen theologie (röm 6,14: »non enim sub lege estis, sed
sub gratia«, u. ö.).
48 vgl. Gen 35,18, wie < 1.
49 offb 7,4 ff.: »et audivi numerum signatorum, centum quadraginta quatuor milia signati, ex omni tribu filio-
rum israhel: ex tribu iuda duodecim milia signati, ex tribu Gad duodecim milia […]«.
50 Mt 25,31 ff.: »cum autem venerit Filius hominis in maiestate sua et omnes angeli cum eo, tunc sedebit super
sedem maiestatis suae, et congregabuntur ante eum omnes gentes, et separabit eos ab invicem, sicut pastor se-
gregat oves ab hedis, et statuet oves quidem a dextris suis, hedos autem a sinistris. tunc dicet rex his, qui a dex-
tris eius erunt: venite benedicti Patris mei, possidete paratum vobis regnum a constitutione mundi.«
51 Aurea luce et decore roseo 4 (AHMA 51 s. 217); Parallele bei bernard. serm. de sanct. 3 s. 276,23: »veniat uti-
que, quod perfectum est, et evacuetur, quod est ex parte« (novum Glossarium Mediae latinitatis s. v. »pars«
s. 427,13 ff.).
36 David Hiley
< 10. Erhabener Lehrer, Paulus, lehre uns die Sitten
und hilf, dass wir uns im Geist zum Himmel erheben,
bis uns in vollem Maß die Vollkommenheit zuteil werde,
wenn zunichte wird, was wir als unvollkommen beseufzen.
> bitte für uns, heiliger Paulus, auf dass wir des reiches Gottes würdig werden,
< wenn zunichte wird.
Responsorium I
Responsorium II
38 David Hiley
Responsorium IV
Responsorium V
Responsorium ViI
40 David Hiley
Responsorium ViII
Responsorium X
42 David Hiley
Zur Melodik der Responsorien
Die responsorienmelodien sind stilistisch eindeutig als Gesänge des 11. oder 12. jahrhunderts
einzuordnen. ihre neuartigkeit sei hier kurz dargestellt.
notenbeispiel 1 zeigt das responsorium Tu es vas electionis (1. Modus), das in mehreren
Quellen aus dem Hauptfest Pauli in das bekehrungsfest übernommen wird. Übertragen wird es
aus der Handschrift 29 der universitätsbibliothek Graz (aus st. lambrecht, 14. jhdt.). Fast alle
Perioden der Melodie lassen sich in weiteren responsorien des 1. Modus finden. Das respon-
sorium bedient sich aus dem typischen Melodiegut an Phrasen, die für unterschiedliche texte
adaptiert und angewendet wurden. Die Perioden werden hier mit den etiketten der klassischen
Darstellung von Walter Howard Frere markiert.52 (»vgl.« weist auf eine Ähnlichkeit mit, aber
keine direkte Übernahme der alten Formel hin.) Für den vers des responsoriums wird der üb-
liche tonus für den 1. Modus verwendet.
als notenbeispiel 2 erscheint das responsorium Vade Ananias (auch 1. Modus) aus der oben
erwähnten neuen reihe des 11. jahrhunderts, die in mehreren französischen und italienischen
Quellen zu finden ist. Die Übertragung erfolgt aus der Handschrift istanbul 42 (aus esztergom/
Gran, 14. jhdt.).
52 vgl. Walter Howard Frere, Antiphonale Sarisburiense, london 1901–1924, introduction, s. 17–28: »the typi-
cal responds of the first mode«.
44 David Hiley
Notenbeispiel 2: istanbul, topkapı sarayı Müzesi, Deissmann 42, fol. 152v
Notenbeispiel 3: Antiphonarium […] secundum ordinem atque usum Ecclesie et diocesis Monasteriensis, Köln: Hero
alopecius (Fuchs), 1537, fol. 283v
schließlich sei auf das erste der zehn responsorien aus Klosterneuburg (siehe oben) hingewie-
sen. auch hier folgt die anordnung der tonarten der numerischen reihenfolge der Modi. und
auch hier ist nichts vom alten idiom übriggeblieben. Diese responsorien gehören stilistisch zu
einem großen repertoire an offiziumsgesängen – hauptsächlich für die Festtage von Heiligen –,
die vor allem ab dem 11. jahrhundert verfasst wurden. auf diesem Gebiet waren Hermannus
contractus von der reichenau (1013–1054) und udalscalc von augsburg (um 1150 gestorben)
führende Meister.53 Die wichtigsten Merkmale der neuen stilistischen richtung haben mit einer
53 editionen: David Hiley, Hermannus Contractus (1013–1054): Historia Sancti Wolfgangi Episcopi Ratisbonensis
(= Wissenschaftliche abhandlungen/Musicological studies LXV/7), ottawa 2002; David Hiley und Walter ber-
schin, Hermannus Contractus (1013–1054): Historia sanctae Afrae martyris Augustensis (= Wissenschaftliche ab-
handlungen/Musicological studies LXV/10), ottawa 2004; Walter berschin und David Hiley, Hermannus Con
tractus (1013–1054): Historia Sancti Magni (= Wissenschaftliche abhandlungen/Musicological studies LXV/22),
lions bay 2013; Friedrich Dörr, Karlheinz schlager und theodor Wohnhaas, »Das ulrichsoffizium des udal-
schalk von Maisach. autor – Musikalische Gestalt – nachdichtung«, in: Bischof Ulrich von Augsburg 890–973.
Seine Zeit – sein Leben – seine Verehrung. Festschrift aus Anlaß des tausendjährigen Jubiläums seiner Kanonisation
im Jahre 993, hrsg. von Manfred Weitlauff (= jahrbuch des vereins für augsburger bistumsgeschichte e. v., jg.
26/27, 1992–93), Weißenhorn 1993, s. 751–782.
54 beispielsweise David Hiley, »Das Wolfgang-offizium des Hermannus contractus – zum Wechselspiel von
Modustheorie und Gesangspraxis in der Mitte des XI. jahrhunderts«, in: Die Offizien des Mittelalters. Dichtung
und Musik, hrsg. von Walter berschin und David Hiley (= regensburger studien zur Musikgeschichte 1), tutzing
1999, s. 129–142; ders., »Die Gesänge des offiziums in Festivitate sanctorum septem Fratrum in der ottobeurer
Handschrift München, bayerische staatsbibliothek, clm 9921, um 1150«, in: Artes liberales. Karlheinz Schlager
zum 60. Geburtstag, hrsg. von Marcel Dobberstein (= eichstätter abhandlungen zur Musikwissenschaft 13), tut-
zing 1998, s. 13–35; roman Hankeln, »zur musikstilistischen einordnung mittelalterlicher Heiligenoffizien«, in:
Lingua mea calamus scribae. Mélanges offerts à madame MarieNoël Colette, hrsg. von Daniel saulnier, Katarina
livljanic und christelle cazaux-Kowalski (= Études grégoriennes 36), solesmes 2009, s. 147–157. Hankeln stellt
zahlreiche weitere signifikante stilistische Merkmale vor.
46 David Hiley
nicht zu vergessen ist die tatsache, dass die responsorien nicht die alleinigen Gesänge des
nachtoffiziums sind. noch zahlreicher sind die antiphonen, die Psalmen und cantica. und
zum nachtoffizium kommen die vesper, die laudes und weitere Gebetsstunden hinzu, alle mit
texten aus unterschiedlichen historischen und stilistischen schichten. Ähnliches lässt sich zu
den Melodien feststellen. Wenn Gregor der Große im Damenstift st. Magdalena in Klosterneu-
burg im späten 12. jahrhundert in der nacht vor dem 25. januar zumindest geistig anwesend ge-
wesen wäre, hätte er die gesungenen Melodien oder wenigstens einige typische Wendungen und
idiome erkannt? – ganz zu schweigen von den Formen und texten (zum teil seinen eigenen!)
der liturgie. auch hier haben wir es mit mehreren historischen schichten zu tun. Die einfachen
melodischen Formeln für den vortrag der Psalmen wären für Gregor vielleicht erkennbar ge-
wesen. Die antiphonen, aus dem Hauptfest des apostels am 30. juni entnommen, enthalten ver-
mutlich ferne echos der römischen Gesangspraxis des 7. jahrhunderts. zitate aus seinen eigenen
schriften in den neuen responsorien hätte er nicht erwartet, und ihre Melodien hätten ihn zum
staunen gebracht – stilistisch üppig, weitschweifend, für die liturgie unpassend. Die jagd auf
das gehörnte tier hat in musikalisches neuland geführt.
Abbildungen 1–5: einhornjagd an der südseite des regensburger Doms55 (vgl. auch die Folgeseiten)
55 bilder vom verfasser. vgl. Friedrich Fuchs, Der Dom St. Peter in Regensburg, regensburg 2010, s. 198 mit
abb. 196; ferner achim Hubel und Manfred schuller, Der Dom zu Regensburg. Fotodokumentation (= Die Kunst-
denkmäler von bayern, neue Folge, bd. 7,4), regensburg 2012, abb. 479, s. 304; abb. 1094–1096, s. 365; abb.
1105–1106, 1108, s. 368.
andreas Pfisterer
Konjekturen sind editionstechnische notlösungen. notwendig sind sie umso häufiger, je weiter
die erhaltenen Überlieferungsträger vom autor entfernt sind; in den meisten Fällen ist die ent-
fernung umso größer, je älter der zu edierende text ist. immerhin sind sie umso eher möglich,
je enger das regelwerk ist, das der Komposition zugrunde liegt. Das zeigt sich insbesondere
beim vergleich zwischen ein- und Mehrstimmigkeit. Überlieferungsfehler im mehrstimmigen
notentext fallen sehr schnell durch verstöße gegen die rhythmische Koordination einerseits,
die regeln der Konsonanz- und Dissonanzbehandlung andererseits auf. in der einstimmigkeit
greift weder das eine noch das andere. schon die Diagnose von Überlieferungsfehlern ist dort
vielfach nur aufgrund stilistischer ungereimtheiten möglich; methodisch abgesicherte Konjek-
turen erfordern dann spezielle situationen wie Wiederholungsmuster in strophischen Gesängen
oder das zusammentreffen mit Überlieferungsfehlern im Worttext.1 Die Musik des 16. jahrhun-
dert ist demgegenüber geradezu eine ideale spielwiese für Konjekturversuche, zumal die vorlie-
genden editionen eine vielzahl von versäumten oder misslungenen Konjekturen bieten.
im Folgenden wird zunächst ein mehrfach ediertes Meisterwerk eines führenden Komponis-
ten vom beginn des jahrhunderts besprochen. an zweiter stelle steht das Werk eines Kompo-
nisten vom ende des jahrhunderts, dem es weitgehend gelungen ist, seine Werke gegen Druck-
fehler zu schützen. Dieses stück zeigt, wie glücklos auch zeitgenössische editoren auf diesem
Gebiet sein konnten, wenn der Perfektionismus des autors sie im stich ließ.
obrechts Missa Maria zart ist nur in einem basler Druck vom beginn des 16. jahrhunderts über-
liefert (risM o 8),2 der – wie anhand der breiter überlieferten Missa Fortuna desperata fest-
stellbar ist – zwar auf sehr guten vorlagen beruht, jedoch eine große zahl von Druckfehlern
1 vgl. beispielsweise Martin Dürrer, Altitalienische Laudenmelodien: Das einstimmige Repertoire der Handschrif-
ten Cortona und Florenz, 2 bde. (= bochumer arbeiten zur Musikwissenschaft 3), Kassel u. a. 1996, bd. 1, s. 69–
76. andreas Pfisterer, Cantilena Romana: Untersuchungen zur Überlieferung des gregorianischen Chorals (= bei-
träge zur Geschichte der Kirchenmusik 11), Paderborn 2002, s. 178–181; 202–203; 205; 210–211.
2 Der Druck ist inzwischen digital einsehbar: ‹www.e-rara.ch/bau_1/content/titleinfo/1732998› (stand:
2. 12. 2020).
51
enthält.3 johannes Wolf hat in seiner obrecht-edition vieles davon erkannt und korrigiert;4 die
folgenden Herausgeber, Marcus van crevel5 und barton Hudson,6 haben noch geringfügige ver-
besserungen eingebracht, und einzelne gute Konjekturen finden sich in der ausgabe von Dirk
Freymuth, die in der cD-aufnahme der tallis scholars klingend zugänglich ist.7 eine reihe von
Problemen ist aber bislang nicht befriedigend gelöst. im Folgenden werden die vorgeschlagenen
Konjekturen nach Graden der notwendigkeit geordnet besprochen. Die stellenangaben bezie-
hen sich auf Hudsons edition.
Die interessanteste stelle, agnus t. 221–223 und 239–241 sopran (notenbeispiel 1), wurde von
den tallis scholars korrekt verbessert. Fabrice Fitch kommentiert in seiner rezension »well
spotted« und liefert den ansatz zu einer erklärung der Konjektur: »the last note of the segment
now has the same value as the final note as all the other segments«.8
im dritten agnus-satz wandert der cantus firmus in den sopran. Ähnlich wie im ersten
agnus erscheint er vollständig im zusammenhang, nur um einen kurzen freien anhang er-
weitert. Während im agnus I alle semibreven punktiert werden (einschließlich der Pausen),
werden im agnus III alle breven punktiert. nur an den beiden angegebenen stellen weicht der
überlieferte sopran von dieser regel ab, und an genau diesen stellen ergeben sich kontrapunkti-
sche unstimmigkeiten: ausdünnung zur einstimmigkeit in t. 221, ungedeckte Quarte in t. 222,
Dissonanz in t. 239. all dies verschwindet, wenn man den sopran der erschlossenen regel ent-
sprechend korrigiert.9
Die stelle ist nicht nur deshalb interessant, weil die rekonstruktion der cantus-firmus-
Manipulation die kontrapunktischen Probleme beseitigt, sondern auch, weil hier eine Fehler-
glättung vorliegt. an beiden stellen sind die verkürzungen, die durch die falschen notenwerte
im sopran entstehen, durch einschub von Pausen ausgeglichen, sodass der sopran ansonsten
3 nicht unter Druckfehler zu rechnen sind die leseschwierigkeiten, die sich aus der stellenweise mangelhaf-
ten Koordination von notenlinien und noten ergeben.
4 jacob obrecht, Missa super Maria zart, hrsg. von johannes Wolf (= Werken van jacob obrecht 10, Missen 7),
amsterdam/leipzig o. j. ich zähle 49 gute Konjekturen, die hier nicht aufgelistet werden können.
5 jacob obrecht, Maria zart, hrsg. von Marcus van crevel (= opera omnia, editio altera, Missae VII), ams-
terdam 1964. Gute Konjekturen sind: Gloria t. 227–228 alt; credo t. 202 bass; agnus t. 200 sopran; agnus
t. 221–225 tenor und bass.
6 jacob obrecht, Missa Malheur me bat, Missa Maria zart, hrsg. von barton Hudson (= collected Works 7),
utrecht 1987. Gute Konjekturen sind: Gloria, t. 325–326, bass; credo, t. 83, bass; credo, t. 183–184, alt; san-
ctus, t. 1–2, alt; sanctus, t. 160–161, alt.
7 Jacob Obrecht, Missa Maria zart, the tallis scholars unter der leitung von Peter Phillips, Gimell records
2001 (cDGiM032).
8 Fabrice Fitch, »o tempora! o mores! a new recording of obrecht’s Missa Maria zart«, in: Early Music 24
(1996), s. 485–495, dort s. 494. laut einer von Fitch angeführten mündlichen Überlieferung stammt diese Kon-
jektur nicht aus Freymuths ausgabe, sondern wurde von den sängern während der aufnahmearbeiten vorge-
nommen.
9 Die Konjektur erklärt auch nebenbei, warum im sopran die töne b–a im sopran t. 223 nicht ligiert sind, wie
in tenor und bass.
52 Andreas Pfisterer
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Notenbeispiel
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obrecht,
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Gloria,
w t. 243–247
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Bass
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WKonjektur Freymuth
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Bass
Konjektur
Konjektur
Freymuth
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b Bass w w W ›
Notenbeispiel
? b Bass W3:Konjektur jacob obrecht,
Konjektur
wMissawMaria zart,W WGloria, t. 93–98
W W
W ›
? bb W W w w W W W ›
w w W W W ›
54 Andreas Pfisterer
korrekt mit den übrigen stimmen koordiniert ist.10 Das ist – angesichts der zahlreichen Fehler,
die nicht korrigiert sind – dem Drucker (Gregor Mewes) nicht zuzutrauen; die Korrektur muss
schon in seiner vorlage gestanden haben, entsprechend älter muss der Fehler sein.
an drei stellen ist der notentext der gedruckten editionen nicht tragbar:
• Im Gloria T. 244–246 Sopran (Notenbeispiel 2) ist der überlieferte Notentext eine Minima
zu lang. Wolf kürzte die semibrevis in t. 246 zur Minima, Hudson änderte dann, um die sep-
time zum alt zu vermeiden, g′ in t. 245 zu e′, obwohl die verschreibung einer abwärtsligatur
zu einer aufwärtsligatur unwahrscheinlich ist. beide Korrekturen stören jedoch (wie auch
Fitch bemerkt)11 die melodische sequenz im sopran t. 241–253. eine überzeugend einfache
lösung ergibt sich, wenn man die noten in der überlieferten Fassung belässt und die Pause
t. 244 zur Minima kürzt.12
• Im Gloria T. 94–95 Bass (Notenbeispiel 3) ist die überlieferte Diastematik f–e–c mit einer
septime zum tenor über die Dauer einer semibrevis nicht haltbar – trotz van crevels vertei-
digung. Wolfs Korrektur f–g–c, der Hudson folgt, ist paläographisch unwahrscheinlich, weil
die drei töne ligiert sind und ein schreiber wohl eher die gesamte ligatur falsch liest bzw.
schreibt, als ihre richtung verändert. außerdem löst sie nur eines der kontrapunktischen
Probleme: die ungedeckte Quarte in t. 95 bleibt ebenso stehen wie die oktavparallelen zwi-
schen tenor und bass in t. 93–94. alle Probleme lösen sich, wenn man die gesamte ligatur
mit Freymuth um eine terz nach unten verschiebt. Weiter unten zu besprechen ist die direk-
te Fortsetzung der bassstimme.
• Im Agnus T. 10 Alt (Notenbeispiel 4) bildet der Ton f eine ungedeckte Quarte mit dem zwei-
fellos richtigen c im bass. eine einfache Korrektur zu e löst dieses Problem.
bb ˙™
B ÓÓ ˙˙ ˙™ ˙™ œœ w
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b ÓÓ ˙˙ w
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Notenbeispiel 4: jacob obrecht, Missa Maria zart, agnus, t. 9–11
10 Dass im umfeld der ersten stelle sowohl im tenor als auch im bass zwei brevis-Pausen fehlen, ist auffällig,
lässt sich aber nicht mit dem Fehler im sopran in eine plausible verbindung bringen.
11 Fitch, »o tempora«, s. 494.
12 Diese Pause sieht auf den ersten blick aus wie eine brevis-Pause, dürfte aber – da die notenlinie etwas zu
hoch liegt – als semibrevis-Pause gemeint sein.
58 Andreas Pfisterer
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B bb w ∑ Ó ˙˙ ˙˙ ˙˙ œœ œ œœ œœ ˙™ ˙™ œ w w ∑
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∑
∑ Ó
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B b ÓAlt Konjektur
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B b ÓAlt Alt Konjektur
Alt Konjektur
Konjektur
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B b Alt
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Konjektur
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˙ ˙ ˙
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˙
Wolf ˙
˙ ˙˙ œœ œœ œœ œœ ˙˙ ™™ œœ w
˙ ™ w ∑∑ Ú
B b ∑Alt ˙ ˙ ˙ ™™ œ œœ œ˙ œ ˙ œ œ w
Ú
B b ∑Alt Alt Wolf
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B Alt Wolf ˙ ˙
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˙ ˙ w Ó
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B b ∑Alt ˙
Überlieferung
˙ ˙ ˙ ™™ œ œ œ ˙ œ œ w œ œ ˙ œ ∑
Ú
B b ∑Alt Alt Überlieferung
Alt Überlieferung Ú
B bb ∑∑ Alt
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Überlieferung
˙
Überlieferung
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B ˙
˙ ˙ ˙
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˙˙ ˙˙˙ ˙˙ ™™ œœœ œœœ œœœœ ˙˙˙ œœœ œœœ w
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B bb W W W W
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? ÚÚ ÚÚ ÓÓ ˙˙˙ ˙˙ ˙˙˙ œœœ œœ œœ œ ˙™ œ ˙™ œœœ
? bb Sopran
Notenbeispiel jacob
ÚÚ obrecht,˙MissaœMaria
9: Konjektur ÚÚ zart, credo, ÓÓt. 19–22
˙ ˙ ˙ œ œ œœ œœ ˙™ ˙™
B bb Sopran∑∑ w
Sopran
Sopranw
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Konjektur
Konjektur ˙ ˙ œ œœœ œ œ œ œ
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B b Sopran ∑ w Wolf w
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sopran
Sopran
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B
B b ∑∑ ÓÓ ˙˙˙ w w
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j W
B
B b Sopran ∑ Ó Überlieferung
w ˙ ˙ œ œ œ œ œ ˙™
œœ œ œ œ œœ œœ œœ ˙™ œ˙ ˙ œœœœ ˙™ ˙ ˙ ˙™ œœ
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Sopran Überlieferung
˙ ™™ œ œ œ œ œ œ
B bbb Sopran∑Sopran
sopran
Sopran Überlieferung
˙ ˙Überlieferung
˙ ˙
Überlieferung œ œ œ œ ˙ œ œ w œ œ ˙™ œjjœjjw W
B b ∑
∑ ˙
˙ ˙
˙ ˙ ˙
˙ ™ œ œœ œ
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œ œ œ œ œ ˙
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∑ ˙ ˙ ˙ œ œœ œœ œœ œœœœœœ œœ œ ˙˙ œœ œœ w œ j œjw W
B ∑ ˙ ˙˙ ˙˙ w œœœ œœœ ˙™ ˙™ œœœjœœ w
B ™ w ˙™ W
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˙ ˙
˙ ˙
˙ ww Ú Ú Ú
b
Notenbeispiel w ˙ Ú
w 10: jacob obrecht, Missa Maria zart, sanctus, t. 262–267
Ú Ú
• Im Agnus T. 78–79 Sopran (Notenbeispiel 11) ist die überlieferte Diastematik f′–g′ evident
falsch. Wolfs Korrektur zu e′–f′ führt zu unnötigen verdoppelungen des tones e′ und zu Fast-
akzentparallelen zwischen sopran und tenor. besser wäre eine mit gleichem aufwand zu
erreichende Korrektur zu g′–a′.
• Im Agnus T. 89–91 Bass (Notenbeispiel 12) ist der überlieferte Notentext eine Minima zu
lang. Wolf kürzte die semibrevis in t. 91 zur Minima, was stilistisch etwas ungewöhnlich ist;
die Quintparallelen zwischen alt und bass in t. 90–91 korrigierte er durch eine veränderung
des cantus-firmus-zitats im alt, was nicht akzeptabel ist. van crevel ließ daher lieber die
bbSopran Hudson
Sopran Hudson ˙
Sopran Hudson œœœ œœœ
B
B bbSopran
˙ ˙˙˙ ˙˙˙ ˙˙˙
˙ Hudson œœ ˙˙˙ ˙˙˙ ˙˙˙
B
B Sopran ˙˙ ˙ ˙ ˙ ˙ ˙
Überlieferung
bbSopran Überlieferung
˙ ˙˙ ˙˙˙
Sopran Überlieferung œœœ œœœ ˙˙˙
B
B b ˙
Sopran
b ˙ ˙ ˙ ˙ Überlieferung
˙ œœ ˙ ˙˙˙ ˙˙˙
B ˙˙ ˙ ˙
B ˙ ˙
B
B
B
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B bb ˙˙ ˙˙ w w ˙
˙ ˙ w w ∑ Ó
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œœ ˙ ˙ ˙
˙
Notenbeispiel 14: jacob obrecht, Missa Maria zart, Gloria, t. 305–306
• Im Gloria T. 96–98 Bass (Notenbeispiel 3, Fortsetzung der oben besprochenen Stelle) le-
sen die Herausgeber die letzte ligatur A–c, man könnte auch G–c lesen, da die noten-
linien an dieser stelle etwas zu tief liegen. Hudson korrigiert zu F–c, vermutlich um den
62 Andreas Pfisterer
b w w ∑ ∑ w ˙™ œœ ˙ ˙ œœw
B bb w w ˙™ œ ˙ ˙ œœw ˙
Bb w ∑ ∑ ˙™ ˙
B b w ∑ ∑ w
w ˙™ œœ ˙˙˙ ˙˙˙
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∑ w ˙˙
B b Alt Konjektur ˙
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B b ˙Alt œ œœ ˙ ˙˙ ˙˙ w
Alt Konjektur
Alt Konjektur
Konjektur ˙ w ™™ ˙ œœœœw
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œœ œœ œœœ œœœ w
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B b ˙Alt œœ
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B b ˙Alt Alt œ œœ ˙˙ ˙˙ ˙˙ w
Überlieferung
Alt Überlieferung ˙ w ™™ ˙ œœœœw
B œœ˙ ˙ ˙ w
bb ˙˙ Überlieferung ˙ w
B
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w ˙˙ w w™ ™ ˙˙
˙
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Bb ˙ w ˙ w w
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Bb Ú ∑ w w W
B Ú ∑ w
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w w W
B bbb Ú ∑ w w w
w W
B ÚÚ ∑∑ W
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? b ˙™ œœ ˙˙ ˙˙ œœ œ œ œ w w ∑ ∑ w
w
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? b ˙™ œœ ˙˙ ˙˙ œœ œœ œœ œ w w ∑
∑ ∑ w
? bb ˙˙™
Notenbeispiel˙™ 16: œjacob˙ ˙ œwœ œœ œœ ww
obrecht, œ
Missa œ
Maria
w
wzart, credo,wt.
w Ú 111–114∑ ∑∑ w
w
B
B bb ˙˙˙ w w ˙˙ w w
w w ÚÚ
B b ˙ w
w ˙
˙˙ w w
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B
B Alt w
Konjektur w ÚÚ
Alt Konjektur
B bb Alt Alt
Alt
Konjektur
Konjektur
Konjekturœ ˙ œ˙
B bb ˙˙Alt™™ Konjektur
B Alt
Alt œœ œœ œœ ˙˙ œœœ œœ ˙˙˙ ˙˙˙ ˙˙ ˙˙ ˙˙˙ ˙˙ ˙
Konjektur
Konjektur
B b ˙ ™™ œœ œœ œ ˙˙ œœ œœ ˙ ˙˙ ˙˙ ˙˙ ˙ ˙˙ ˙˙
˙˙Alt
Alt
Alt
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™ Konjektur
Alt Konjektur
Konjektur
Konjektur
˙ ˙ ˙ ˙ ˙˙
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Notenbeispiel 17: jacob obrecht, Missa Maria zart, credo, ˙ t.˙˙223–225
Vous qui aymez les dames trägt bei sandberger/leuchtmann die nummer I, 67 und ist in band 14
der sämtlichen Werke ediert.15 Überlieferungsgeschichtlich relevant sind nur die Drucke bis
einschließlich 1576-7/η.16 Diese lassen sich in zwei Gruppen teilen: Phalèses Tiers livre, von dem
15 orlando di lasso, Kompositionen mit französischem Text 2: Die fünf und achtstimmigen Chansons aus ›Les
Meslanges d’Orlande de Lassus‹, Paris 1576, hrsg. von Horst leuchtmann (= sämtliche Werke 14), Wiesbaden
21981, s. 45–48.
16 in der benennung der Drucke folge ich Horst leuchtmann und bernhold schmid, Orlando di Lasso, Supple
ment: Seine Werke in zeitgenössischen Drucken 1555–1687, 3 bde, Kassel u. a. 2001. Die älteren bezeichnungen boet-
tichers mit griechischen buchstaben, die auch in leuchtmanns edition verwendet sind, gebe ich bei der jeweils
ersten nennung mit an. ich danke bernhold schmid für die Möglichkeit, die Mikrofilme der lasso-arbeitsstelle
an der bayerischen akademie der Wissenschaften zu benutzen.
17 leuchtmann hat in seiner edition die textänderung bei le roy & ballard rückgängig gemacht, die damit
zusammenhängenden rhythmischen Änderungen aber übernommen. seine version ist also eine Mischung, die
nur vertretbar ist, solange der zusammenhang von text und Musik an dieser stelle nicht klar ist.
64 Andreas Pfisterer
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Notenbeispiel 18: orlando di lasso, Vous qui aymez, t. 7–11
Da der zweite vers hier regelmäßig ist, kann er der musikalischen Fassung von 1570-6 ohne wei-
tere Änderungen unterlegt werden.
Drei kleine varianten werfen ein licht auf die vorgänge zwischen den auflagen des Phalèse-
Druckes:
• Im Sopran, T. 6 hat der Erstdruck 1560-4 den mutmaßlich richtigen Notentext a′– b′– b′– a′–
b′– g′– e′ in semiminimen, der nachdruck 1562-9 setzt fälschlich die vierte und fünfte note
eine stufe zu tief. Dieser offenkundige Fehler wird in der nächsten auflage 1566-3 korrigiert,
jedoch nicht durch die Höhersetzung der beiden noten, sondern durch ihre vertauschung.18
Die resultierende Fassung a′– b′– b′– a′– g′– g′– e′ ist zwar kontrapunktisch korrekt, aber un-
geschickt; mit dem b′ fehlt an dieser stelle die terz des Dreiklangs, dafür wird der Grundton
verdreifacht. Da diese Fassung aber nicht mehr offenkundig falsch war, unterblieb eine wei-
tere Korrektur in den Folgeauflagen bei Phalèse (le roy & ballard übernimmt dagegen den
notentext des erstdrucks).
• Im Alt, T. 24–25 stehen im Erstdruck die letzte Note von T. 24 und die zweite von T. 25 eine
stufe zu tief. Der mutmaßlich richtige text, wie er sich dann bei le roy & ballard findet, lau-
tet d′– g′– e′– a′– f′– g′– a′, daraus wird also d′– f′– e′– g′– f′– g′– a′. von 1566-3 an haben die Pha-
lèse-Drucke d′– g′– e′– f′–f′– g′– a′; der erste falsche ton ist also nach oben, der zweite nach
unten korrigiert, womit auch hier ein terzloser Klang entsteht.
• Der Tenor hat im Erstdruck in T. 28 als vierte Note f, Phalèse korrigiert von 1566-3 an19 nach
oben zu g, le roy & ballard nach unten zu e. beides ist möglich; eine entscheidung, welches
die von lasso intendierte lesart war, fällt hier schwerer. Für g spricht die vermeidung der
ungeschickten stimmführung e–g–b (wenn auch durch eine zäsur getrennt) und die vermei-
dung einer terzverdopplung; für e spricht dagegen die imitation, die für die schlusssilbe Do-
mini einen melodischen abstieg nahelegt, und die paläographische Wahrscheinlichkeit, da
eine tonwiederholung nur schwer zu einer ab- und aufwärtsbewegung verschrieben bzw.
verdruckt werden kann.
Die wichtigsten varianten treten jedoch in den letzten vier takten der chanson auf. notenbei-
spiel 19 gibt die lesart des erstdrucks wieder. Diese enthält einige ungereimtheiten, vor allem in
t. 30. Die Korrekturen gehen bei Phalèse und le roy & ballard wieder unterschiedliche Wege;
gemeinsam ist aber, dass sie die oberstimmen nach dem bass korrigieren. bei Phalèse bleibt der
66 Andreas Pfisterer
erste nachdruck 1562-9 unkorrigiert, führt aber einen folgenreichen zusätzlichen Fehler ein: am
ende der sopran-stimme wird Minima – semiminima punktiert – Fusa zu semiminima – Mini-
ma punktiert – Fusa (!); offenbar hat der setzer eine weiße und eine schwarze note vertauscht,
das ergebnis ist rhythmisch unsinnig. Die Folgeauflagen korrigieren aber auch hier nicht nach
dem erstdruck, sondern nach dem spontanen eindruck zu semiminima – Minima – semimini-
ma; diese Fassung übernimmt auch le roy & ballard. Darüber hinaus werden in 1566-3 alle vier
oberstimmen dadurch korrigiert, dass am ende von t. 29 oder am anfang von t. 30 eine semi-
minima gestrichen und am ende von t. 30 oder am anfang von t. 31 eine semiminima hinzu-
gefügt wird. Hierbei fehlt in 1566-3 im alt wohl nur versehentlich eine semiminima-Pause, die
erst ab 1570-2 erscheint. zusätzliche Korrekturen erscheinen nur im tenor, der aber sein offen-
kundig falsches g am beginn von t. 30 behält, und im alt, der am ende von t. 30 ein dissonantes
d′ bekommt. Das ergebnis dieser Korrektur zeigt notenbeispiel 20.
le roy & ballard korrigiert in ähnlicher Weise, jedoch etwas glücklicher, und kommt so zu
einem kontrapunktisch korrekten notentext (notenbeispiel 21). vermutlich lag dieser schon in
1565-8 vor, wovon das sopran-stimmbuch verschollen ist. Da die schon genannte variante am
ende der sopran-stimme vermutlich durch den Druckfehler in 1562-9 provoziert ist, liegt die
annahme nahe, dass le roy & ballard von diesem Phalèse-Druck abhängig ist. Die le-roy-
&-ballard-Drucke stimmen dann (soweit erhalten) völlig überein, nur 1576-7 ändert rhythmus
und textunterlegung in t. 28 geringfügig (vgl. leuchtmanns ausgabe).
Was soll ein Herausgeber mit dieser situation machen? leuchtmann folgt le roy & ballard als
der einzigen korrekten unter den überlieferten Fassungen (mit der erwähnten Änderung von
1576); er bleibt aber eine erklärung schuldig, wie es zu der Fassung des erstdrucks gekommen
ist. Da lasso das stück schwerlich in dieser Gestalt komponiert haben kann, müssen die Fehler
auf das Konto von Kopisten und setzern gehen. Wenn die le-roy-&-ballard-Fassung lassos
Komposition entspricht, dann müssten die Kopisten neben anderen Fehlern in vier stimmen
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Notenbeispiele
19/20:
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68 Andreas
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Notenbeispiel
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in in di lasso, Vous ˙˙ qui---- aymez,
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no
no
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W ausgegli-
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˙˙ viel
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W
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chen haben. Damit
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W sich jedoch,
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W
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no - mi - ne Do - - mi mi - - ni. ni.
den bass nachmiden
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in no - Meine
korrigiert. mi - ne Do -
rekonstruktionmi ni.
steht -in notenbeispiel 22,
sie kommt mit zwei rhythmischen Korrekturen im bass und je einer melodischen Korrektur in
sopran und tenor gegenüber dem erstdruck aus. Dazu kommt im tenor die oben schon be-
sprochene Korrektur in t. 28 und die aus textlichen Gründen nahe liegende ersetzung der Pause
in t. 30 durch eine note, wie dies auch le roy & ballard hat. Dass diese hypothetische Fas-
sung sehr viel mehr Wahrscheinlichkeit beanspruchen kann, den ausgangspunkt für die text-
geschichte zu bilden und damit lassos original näher zu stehen als die von leuchtmann über-
nommene le-roy-&-ballard-Fassung, dürfte auf der Hand liegen.
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do mi ni-- ni ni in œ no œ mi œ-- ne ne do ˙ mi œ-in-niœmi---œ--inni miœni. ni. W
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B----bmi
do mido nimi -in inni in no
no --- mi mino - mi do
ne œ do - ne --
do mi
mi do ni. - ni.
miœ-- -ni - done- mi--do
do mi - -nimi mido inno
- - mino - ne - minodo - -nemi --donemi -do mi --
do ni œ in in œ in no
no - mi mino-- ne - mi
ne do do miJ- J mi - ni.
ni. ni.
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Ein Satzmodell Josquin des Prez’ und seine Rezeption in den Missae
Benedicta es und Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina *
aus Giovanni Pierluigi da Palestrinas umfangreichem Messenschaffen hat die Missa Papae Mar-
celli bislang wohl die größte aufmerksamkeit der Forschung erhalten. Das mag zum einen daran
liegen, dass sich mit ihr im blick auf das trienter Konzil die legende verband, Palestrina habe
mit der Komposition dieser Messe »als einem im sinne der Konzilsforderungen mustergülti-
gen, von weltlichen vorlagen freien und außerdem in höchstem Grade textverständlichen Werk
die polyphone Kirchenmusik vor einem verbot bewahrt«.1 Doch wie die Forschung gezeigt hat,
kann davon keine rede sein.2 zum anderen wurde immer wieder gefragt, ob hinter der Missa
Papae Marcelli, deren titel keinen Hinweis auf eine vorlage enthält und die deshalb als frei kom-
ponierte Messe gilt, nicht doch ein vorbild steht, das bislang lediglich nicht erkannt worden ist.
Das erste stück, das als vorlage für die Messe vorgeschlagen wurde, war, soweit ich sehe,
die chansonmelodie L’homme armé.3 angesichts der allgemeinheit des Materials und auch
aus kontrapunktischen Gründen ist die annahme der chansonmelodie als vorlage aber kaum
* Der vorliegende aufsatz ist in gewissem sinne eine Fortsetzung meiner bei Wolfgang Horn verfassten und
2008 eingereichten Dissertation Thema und Motiv in den Motetten von Josquin des Prez. Untersuchungen zur Struk-
tur des musikalischen Satzes (als Druckfassung unter dem titel Determination und Freiheit. Studien zum Formbau
in den Motetten Josquins [= regensburger studien zur Musikgeschichte 8], tutzing 2010, publiziert).
Für kritische lektüre und zahlreiche verbesserungsvorschläge danke ich herzlich Hanna zühlke (Würzburg),
für wichtige klärende Fragen charles M. atkinson (Würzburg / ohio). Für den Hinweis auf die arbeit Henk van
benthems danke ich thomas Drescher (basel).
1 Peter ackermann, art. »Palestrina, Giovanni Pierluigi da«, in: MGG2, Personenteil 13, Kassel 2005, sp. 7−46,
hier sp. 29.
2 zur neueren Forschung sowie zur bewertung der älteren vgl. craig a. Monson, »the council of trent re-
visited«, in: Journal of the American Musicological Society 55 (2002), s. 1–37.
3 nach irving Godt scheint auf den bezug des eröffnungssoggettos der Missa Papae Marcelli zur chanson-
melodie erstmals Henry coates, Palestrina, london 1938, s. 111 ff. hingewiesen zu haben. ihm folgten joseph
samson, Palestrina, ou La Poésie de l’exactitude, Genf 1940, s. 176, und Karl Gustav Fellerer, PalestrinaStudien
(= collection d’études musicologiques 66), baden-baden 1982, s. 208 ff. vgl. irving Godt, »a new look at Pales-
trina’s Missa Papae Marcelli«, in: College Music Symposium 23 (1983), s. 22–49. eingesehen wurde die online-ver-
sion: ‹symposium.music.org/index.php/23/item/1952-a-new-look-at-palestrinas-missa-papae-marcelli› (stand:
20. 9.2019).
Der bezug auf die chansonmelodie wird immer noch erwogen in: Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missarum
Liber Secundus, hrsg. von Francesco luisi (= edizione nazionale delle opere di Giovanni Pierluigi da Palestri-
na IV/1), rom 2002, s. 302.
71
plausibel.4 Knud jeppesen hat 1944/45 wiederum auf motivische Ähnlichkeiten zwischen Pales-
trinas Missa Papae Marcelli und dessen Missa Benedicta es hingewiesen.5 allerdings ging es jep-
pesen nicht in erster linie darum, eine abhängigkeit im sinne einer vorlage zu rekonstruieren,
sondern mit den dargelegten motivischen Ähnlichkeiten belege für ein entstehungsdatum der
Marcellus-Messe im jahr 1562 zu finden. in seiner kurz darauf entstandenen Dissertation über
josquins Motette Benedicta es, coelorum regina und die von ihr abhängigen Parodiemessen hat
Myroslaw antonowytsch im blick auf die Missa Papae Marcelli jeppesens anstoß aufgenommen
und zugleich dahingehend erweitert, dass er josquins Motette als Motivgeber für die Missa Pa-
pae Marcelli und für weitere, zum größten teil in den ersten drei Messbüchern veröffentlichte
Messen postulierte.6 Für Palestrinas Marcellus-Messe wollte er dabei eine bloße beeinflussung
durch josquin nicht gelten lassen. vielmehr versteht antonowytsch die Missa Papae Marcelli »in
gewissem sinne [als] eine inspirierte uebernahme der josquinschen benedicta-Motette«,7 also
wohl als Parodiemesse zweiten Grades. zu fragen wäre hier jedoch, ob die von antonowytsch
ins Feld geführten wenigen beispiele eine solche these überzeugend untermauern können,
denn es handelt sich keineswegs immer um exakte zitate. zudem lassen die verwendeten Mo-
tive eine planvolle anlage, wie man sie bei einer Parodiemesse erwarten würde, vermissen. in
jüngster zeit hat nun Henk van benthem einen neuen versuch unternommen, die Missa Papae
Marcelli als Parodiemesse zu verstehen und versucht, als vorlage die Motette Surge Petre, et indue
te von jachet de Mantua wahrscheinlich zu machen.8 allerdings gelingt, wie zu zeigen sein wird,
auch dieser versuch nicht überzeugend.
Die vorliegende arbeit hält an der annahme fest, dass die Missa Papae Marcelli frei kompo-
niert wurde. sie vertritt die these, dass sich die besondere struktur vor allem des Kyrie, aber
auch des sanctus und des agnus Dei der Missa Papae Marcelli von einem bassmodell herleitet,
das aus josquins Motette Benedicta es, coelorum regina stammt.9 Wann Palestrina dieses bass-
modell kennengelernt hat, lässt sich selbstverständlich nur vermuten.10 Wie in der folgenden
4 zum Material vgl. Knud jeppesen, »Marcellus-Probleme. einige bemerkungen über die Missa Papae Mar-
celli des Giovanni Pierluigi da Palestrina«, in: Analecta musicologica 16–17 (1944–1945), bes. s. 25 ff. und Godt,
»a new look«.
5 vgl. jeppesen, »Marcellus-Probleme«, s. 25 ff.
6 vgl. Myroslaw antonowytsch, Die Motette Benedicta es von Josquin des Prez und die Messen super Benedicta
von Willaert, Palestrina, de la Hêle und de Monte, utrecht 1951, s. 23–25.
7 antonowytsch, Die Motette Benedicta es von Josquin des Prez, s. 25.
8 Henk van benthem, »surge Petre versus Missa ›Papae Marcelli‹«, oktober 2014. ‹www.henkvanbenthem.
nl/fileadmin/uploads/the_syndics__chapel/gecorrigeerd_1.pdf› (stand: 27. 8. 2019).
9 Die Motette ist ediert in der alten, von albert smijers herausgegebenen Gesamtausgabe Werken van Josquin
des Prez, Motetten III, amsterdam 1955, nr. 46, s. 11−19 (abgekürzt Mo46) sowie in der von Willem elders u. a.
herausgegebenen neuen Gesamtausgabe Josquin des Prez. New Edition of the Collected Works (= new josquin
edition [nje]), Motets on Non-Biblical Texts 3. De beata Maria virigine 1 (= nje 23), utrecht 2006, nr. 13, s.
80−91 (nje 23.13). Die notenbeispiele von josquin folgen der alten Gesamtausgabe, wobei die nje zum ver-
gleich herangezogen wurde. Die alten schlüssel und notenwerte wurden grundsätzlich beibehalten.
10 Der früheste beleg für die Überlieferung der Motette in römischen Handschriften stellt die Handschrift
vats 16 dar, die um ca. 1515–1516 für das sängerkollegium der cappella sistina geschrieben wurde, vgl. josquin
des Prez, Motets on Non-Biblical Texts 3. De beata Maria virgine 1. Critical Commentary (= nje 23), utrecht 2006,
s. 184 (der Census-Catalogue of Manuscript Sources of Polyphonic Music 1400–1550, bd. 4 [= renaissance Manu-
script studies 1], neuhausen-stuttgart 1988, s. 30 datiert die Handschrift auf ca. 1512−1517, die Differenz in der
Datierung ist für die vorliegende arbeit unerheblich). Während des halben jahres von anfang 1555 bis zu seiner
entlassung am 30. juli desselben jahres, in dem Palestrina Mitglied des sängerkollegiums der cappella sistina
war, bestand für ihn folglich die Möglichkeit, die Motette kennenzulernen. Die Überlieferung der Motette in der
Handschrift rom, santa Maria Maggiore, archivio del capitolo Ms. 26, die um 1566−1567 von johannes Parvus
geschrieben wurde (vgl. josquin des Prez, Motets on NonBiblical Texts 3. De beata Maria virgine 1. Critical Com
mentary, s. 180), ist für die entstehung von Palestrinas beiden Messen Benedicta es und Papae Marcelli zu spät.
zu deren Datierung s. u.
Das von josquin eingesetzte bassmodell besteht aus einem Motiv, das in beiden bassstimmen
unmittelbar hintereinander im einklang wiederholt wird und damit eine überlappende, biswei-
len auch eine über Kreuz gebaute struktur bildet, die als basskontinuum bezeichnet werden
kann. josquin verwendet diese struktur zuerst in den Mensuren 68 ff. seiner Motette Benedicta
es, coelorum regina und damit an dem Punkt, an welchem auch der cantus prius factus als struk-
turelement des satzes verabschiedet wird (vgl. dazu die untenstehende analyse und notenbei-
spiel 1). indem die noten g, a und f der beiden bassus das Klangfundament für die Motivik der
oberstimmen darstellen, bilden die bassstimmen an der vorliegenden stelle das Fundament des
satzes. Der tenor, der zu dieser zeit noch als »fundamentum relationis« des musikalischen sat-
zes gilt,11 schweigt. Die oberstimmen folgen mit ihren ebenfalls repetierten Motivpartikeln der
Wiederholungsstruktur der bassstimmen, womit sich eine eigengesetzlichkeit ergibt, die weder
einen cantus prius factus noch einen Kanon oder ähnliches benötigt.
selbstverständlich gibt es Wiederholungsstrukturen in allen imitativen satztechniken. neu ist
hier jedoch, dass das bassmotiv auf demselben einsatzton unmittelbar von der nachfolgenden
bassstimme übernommen wird und sich damit keine quint- oder quartversetzte imitation,
sondern ein Kontinuum bildet, das Fundamentfunktion übernehmen kann. Deshalb ist dieses
Modell auch von den nicht unüblichen quint-, quart- oder auch terzversetzten imitationen zu
unterscheiden, wie sie zwischen den beiden bassstimmen in vielstimmigen Werken auch im
weitgehend vollstimmigen satz vielfach vorkommen. Denn in dieser Faktur sind die bassstim-
men in den imitationszusammenhang des gesamten satzes integriert. in josquins bassmodell
hingegen bilden die bassstimmen eine eigene schicht, die sich vom restlichen satzgeschehen
abhebt. noch etwas zugespitzter formuliert bilden die beiden bassstimmen nur eine stimme,
die aus zwei komplementären stimmen zusammengesetzt ist. Dabei ist es gleichgültig, ob die
Motivpartikel der stimmen nur überlappen, wie im notenbeispiel 1, oder sich überkreuzen, wie
im notenbeispiel 10 (s. u.).
Der sechsstimmige satzverband besteht damit aus einer basslinie, zu der die übrigen vier
stimmen hinzutreten. entscheidend ist daher für das bassmodell das vorhandensein zweier
bassstimmen bzw. die existenz einer zweiten, dem bassus gleichgeschlüsselten stimme. Denn
auch wenn eine umfassende analyse der strukturen des sechsstimmigen satzes im 16. jahrhun-
dert für diese arbeit nicht geleistet werden konnte, scheint das Modell bei Werken mit einer
stimmendisposition, die einen sextus im tenorschlüssel aufweist, so gut wie keine rolle zu
spielen.
11 vgl. johannes tinctoris, Terminorum musicae diffinitorium. Faksimile der inkunabel treviso 1495. Mit der
Übersetzung von Heinrich bellermann und einem nachwort von Peter Gülke (= Documenta musicologica.
erste reihe: Druckschriften-Faksimiles XXXVII), Kassel u. a. 1983, s. v.
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ter,
Notenbeispiel 1: josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, Mens. 68–75. Die sternchen markieren
Übernahmen aus der gleichnamigen sequenz.
61
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ver - bo se - ra - phin - que cre - a - ti,
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12 B
in Heinrich isaacs sechsstimmiger Motette Christus surrexit (vgl. Heinrich isaac, Opera Omnia XI, Motets
Part 1, hrsg. von se
edward
- ra - lerner
phin que,[= corpus Mensurabilis
se - ra - phin Musicae -65], o.que
o. 2011, cre
s. 79 f.) -zum beispiel
a sind von
43 Mensuren nur rund 5,5 Mensuren real sechsstimmig, also etwa 15%.
B b Ó w ˙ ˙ ˙ ˙ ˙ ˙™ œ w W™
13 vgl. Heinrich isaac, Opera Omnia XI, Motets Part 2, hrsg. von edward lerner (= corpus Mensurabilis Musi-
˙ ˙™ œ w ˙
cae 65), o. o. 2011, s. 167 ff., das notenbeispiel auf s. 171 f.
ver - bo se - ra - phin - que cre - a
B b W™ W™ W™ W™
76 Martin Christian Dippon
- - - - - - - - -
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que, ra -se
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phin
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- phin - creque
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14 Dass Ave nobilissima creatura dieselbe tenorordinatio wie Huc me sydereo besitzt, hat der Motette, neben
anderen Merkmalen, den verdacht der nichtauthentizität eingebracht. vgl. dazu die ausführungen von Willem
elders in josquin des Prez, Motets on Non-Biblical Texts 3. De beata Maria virgine 1. Critical Commentary (= nje
23), utrecht 2006, s. 140 ff. Die vorliegende arbeit geht von der authentizität der Motette aus.
15 ob es sich bei der Motette Huc me sydereo um ein fünf- oder sechsstimmiges Werk handelt, darüber herrscht
uneinigkeit in der Forschung. Für Fünfstimmigkeit votieren joshua rifkin, »Motivik – Konstruktion – Huma-
nismus. zur Motette Huc me sydereo von josquin des Prez«, in: Die Motette. Beiträge zu ihrer Gattungsgeschichte,
hrsg. von Herbert schneider in zusammenarbeit mit Heinz-jürgen Winkler (= neue studien zur Musikwissen-
schaft 5), Mainz 1991, s. 105−134, bes. s. 106 ff., sowie jaap van benthem, »josquins Motette Huc me sydereo,
oder Konstruktivismus als ausdruck humanistisch geprägter andacht?«, ebd., s. 135−164, bes. s. 138 f. Für die
authentizität der sechsstimmigkeit votiert bonnie j. blackburn, josquin Des Prez, Motets on Non-Biblical Texts 1.
De domino Jesu Christo 1. Critical Commentary (= nje 21), utrecht 2007, s. 57−59, dort finden sich auch angaben
zu weiterer literatur. David Fallows geht zwar davon aus, dass die Motette ursprünglich fünfstimmig kompo-
niert wurde, doch nimmt er an, dass josquin die sexta vox nachträglich ergänzt hat, vgl. David Fallows, Josquin,
turnhout 2009, s. 282−285, bes. s. 284.
16 eine ausnahme bildet die achtstimmige Motette Verbum bonum et suave, ediert in der Dissertation von jo-
sephine M. shine, The Motets and [sic!] Jean Mouton, 2 bde., Diss. new york university 1953, s. 853 ff. Diese
Motette wird allerdings nur in den beiden späteren Quellen, dem Druck risM 15641 von Montanus und neuber
sowie in der teilweise auf diesen Druck zurückgehenden, 1583 geschriebenen Hs. D-Mbs 1536 jean Mouton zuge-
schrieben. Die früheste Quelle, die diese Motette überliefert, die Handschrift i-vera 218 (nach nanie bridgman,
Manuscrits de musique polyphonique XVe et XVIe siècles. Italie [= risM b IV.5], s. 578, geschrieben zwischen 1523
und 1534), nennt zumindest im index »lupus« als Komponisten, womit wohl lupus Hellinck (1493/94–1541)
gemeint ist. aufgrund der Quellenlage ist die verfasserschaft von Hellinck wahrscheinlicher als diejenige Mou-
tons. Die übrigen sechsstimmigen Motetten Moutons kennen das bassmodell nicht.
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mi - na glo - - - - - ri -
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co. O do - mi - na W glo - W - ri - ae,
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Notenbeispiel 3 (Fortsetzung)
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Notenbeispiel
88 4: nicolas Gombert, Ave salus mundi, Mens. 84–91
° ˙ ˙ ˙ ˙ ˙ w w
B ˙ ˙ ˙ œœw Ó
mo, ve - rus ho - mo, ve - rus ho - mo, ve -
17 vgl. nicolas Gombert, Opera Omnia IX, Motecta 6v, hrsg. von joseph schmidt-Görg (= corpus Mensurabilis
B ˙ ˙™ œ ˙
Musicae 6), o. o. 1974, s. 86 ff. ˙ ˙ ˙ ˙ w ∑ ˙ ˙™ œ ˙
mo, ve - rus ho - mo, ve - rus ho -
B Ó ˙ ˙ ˙ ˙ w ˙ Ein œ œ œ w Josquin
œ Satzmodell w
˙ ™ des œPrez’ 81
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B
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88
° ˙ ˙ ˙ ˙ ˙ w w
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mo, ve - rus ho - - mo, ve -
Notenbeispiel 4 (Fortsetzung)
als basis für seine Motette Benedicta es, coelorum regina verwendet josquin die Melodie der
gleichnamigen Mariensequenz, die vermutlich aus dem 13. jahrhundert stammt.18 am anfang
der Motette steht für 28 Mensuren eine Kanonstruktur über die sequenzmelodie: cantus und
tenor tragen im abstand von vier Mensuren die sequenzmelodie im unteroktavkanon vor. er-
kennbar wird die Kanonstruktur jedoch erst auf den zweiten blick, denn das Kanonsoggetto
erklingt in rhythmisch gleichmäßigen Pfundnoten, wozu zunächst der altus, dann die sexta vox
einen contrapunctus bieten, wie er auch ex mente hätte gesungen oder als alternatim-verto-
nung hätte fortgeführt werden können.19 Die Motette beginnt demnach mit dem denkbar ältes-
ten cantus-firmus-orientierten satzmodell.
18 zur vorlage vgl. josquin Des Prez, Motets on Non-Biblical Texts 3. Critical Commentary, s. 199 ff.
19 vgl. johannes tinctoris, Liber de arte contrapuncti, lib. II cap. XIX ff. (= corpus scriptorum de musica 22),
o. o. 1975, s. 105 ff. vergleichbare stellen finden sich in alternatim-vertonungen des Salve regina von jacob ob-
recht, »salve regina nr. 24«, in: Collected Works Vol. 16 Motets II, hrsg. von chris Maas (= new obrecht edi-
tion), utrecht 1996, s. 85 ff., oder von Pierre de la rue, »salve regina II. nr. 16«, in: Opera Omnia IX, The Motets,
hrsg. von nigel st. john Davison, j. evan Kreider und t. Herman Keahey (= corpus Mensurabilis Musicae 97),
neuhausen/stuttgart 1996, Mens. 92 ff.
Notenbeispiel 5 (Fortsetzung)
Notenbeispiel 7: josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, Mens. 41–48
B
B B œœ œœ œœ œœ œ BBC ∑
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ter,
Notenbeispiel 9: beginn sequenzversikel 2a und josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, Mens. 37 ff.
B ∑∑ C ∑w
B CC B w w ˙˙ ˙˙˙ w w˙ w w w w
Das mosaikartigeTe
satzmodell wird von josquin ab Mensur 87 (strophe 2b, »sanctificavit, san-
Te De
De -- us
De - pa
ctam servavit«)Teim sechsstimmigen
us pa
satz pa ter,
us --wieder
ter,- aufgenommen,
ter, wozu in den bassstimmen auch
das bassmodell wieder verwendet wird (notenbeispiel 10). es wird in den letzten Mensuren
insofern noch gesteigert, als die Motivik zwischen den beiden bassstimmen über Kreuz ausge-
tauscht wird. Über dieser Klangbasis, die zunächst eine veränderte version des Motivs und dann
eine an den Kadenzschritten orientierte Motivik bietet, welche wie zuvor in beiden stimmen
repetiert wird, entsteht nun ein motivisches Gewebe der oberstimmen. Dieses besteht anfäng-
lich aus dem »te Deus pater«-Motiv der Mensur 74 ff., auf das nun der neue text »sanctificavit,
sanctam servavit« gesungen wird, um ab Mensur 92 in eine terzfallmotivik überzugehen. Der
cantus beendet diesen sequenzteil ab Mensur 94 f. mit einem absteigenden tetrachord, der mit
der rückkehr87zur akkordterz h′ jedoch zum nachfolgenden »amen« hin geöffnet wird.
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87
°
° 87
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Notenbeispiel 10: a,
josquin des Prez, Benedicta es, San - cti
coelorum - �
regina, -
Mens. caff.
87 - vit,
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Notenbeispiel 10 (Fortsetzung)
ist die bislang dargelegte lesart zutreffend, dann geht josquin in seiner Motette Benedicta es,
coelorum regina konsequent den Weg vom am tenor und cantus prius factus orientierten satz,
zunächst im sinne des althergebrachten contrapunctus, über den Kanon und die verarbeitung
des cantus prius factus bis hin zum freien satz. Für diesen ist innerhalb dieser Motette das mo-
tivische Kontinuum der beiden bassstimmen von größter bedeutung, denn sie bilden nunmehr
das neue Fundament. Dass der etwa zwei Generationen nach josquin geborene Palestrina in sei-
ner Missa Benedicta es20 diesen satztechnischen Weg der Motette nicht mehr nachbuchstabiert,
20 Die notenbeispiele der Werke Palestrinas folgen der Gesamtausgabe Pierluigi da Palestrinas Werke, hrsg.
von Franz Xaver Haberl, leipzig o. j. [1862 ff.]. Die beispiele wurden durchgesehen nach der ausgabe Le opere
complete di Giovanni Pierluigi da Palestrina, hrsg. von raffaele casimiri, rom 1939 ff. Für die Missa Papae Marcelli
lag zugleich die ausgabe Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missarum Liber Secundus, hrsg. von Francesco luisi
(= edizione nazionale delle opere di Giovanni Pierluigi da Palestrina IV/1), rom 2002, s. 225 ff., vor.
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Notenbeispiel 11: josquin des Prez, Benedicta es, coelorum regina, Mens. 96 ff.
21 vgl. antonowytsch, Die Motette Benedicta es von Josquin des Prez, passim und carol Whang, Re-Defining
Relationships: Modelling in Four Imitation Masses by Palestrina, Diss. university of Pennsylvania 2004, s. 112–152.
22 vgl. antonowytsch, Die Motette Benedicta es von Josquin des Prez, s. 39 f.
23 vgl. cristóbal de Morales, Opera Omnia III. Missarum Liber Secundus, hrsg. von Higinio anglés (= Monu-
mentos de la Música española 15), rom 1954, s. 1 ff.
24 Die Werke von loyset Piéton liegen noch in keiner Gesamtausgabe vor. Piétons Motette Benedicta es, coelo-
rum regina wird u. a. in den Handschriften vats 24, fol. 11v–18r; vats 57, fol. 110v–115r; vatG XII.4, fol. 120v–125r
und im Druck Primus liber cum sex vocibus. Mottetti del frutto a sei voci, venedig: antonio Gardano, 1539 (risM
15393) überliefert. eine edition der Prima pars der Motette findet sich als PDF auf folgender seite des Renais-
sance Imitation Mass Project: ‹crimproject.org/pieces/criM_Model_0023/› (stand: 2. 12. 2019). Dieser edi-
tion folgt auch notenbeispiel 12.
25 vgl. Whang, Re-Defining Relationships, s. 122 und 135 ff.
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Notenbeispiel 12: loyset Piéton, Benedicta es, coelorum regina, Mens. 24–32
Notenbeispiel 13: Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Benedicta es, christe, Mens. 59 ff.
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Notenbeispiel 14: Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Benedicta es, christe, Mens. 37 ff.
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Notenbeispiel 15 (Fortsetzung)
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Notenbeispiel 16: Giovanni Pierluigi da Palestrina, Missa Papae Marcelli, Kyrie, Mens. 57 ff.
Mit der bislang durchgeführten analyse stimmt die jüngst von Henk van benthem publizierte
these nicht zusammen, dass die Missa Papae Marcelli sehr wohl eine Parodiemesse sei, hinter
der sich als vorbild die Motette Surge Petre, et indue te von jachet de Mantua verberge, was der
26 vgl. dazu reinhold schlötterer, Der Komponist Palestrina. Grundlagen, Erscheinungsweisen und Bedeutung
seiner Musik, augsburg 2002, s. 177. auch schlötterer geht auf die verdoppelten bassstimmen und deren Mo-
tivwiederholungen ein, konzentriert sich in seiner Darstellung aber auf die »in den beiden baßstimmen sich
ostinatomäßig ablösenden romanesca-Quarten«, vgl. ebd., s. 175, und auch s. 53.
27 vgl. dazu Godt, »a new look«.
28 um die einzigartigkeit zu klären, müssten sämtliche sechsstimmige Werke, vor allem mit zwei bassstimmen,
untersucht werden, was für diese arbeit nicht möglich war.
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Notenbeispiel 18 (Fortsetzung)
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absteigenden linien in den schlüssen des christe und credo bzw. der secunda pars der Motette
mit verweis auf thomas Morleys Plaine and Easie Introduction to Practicall Musicke (london,
1597) selbst. zudem funktioniert diese analogie am ehesten beim binnenschluss des christe,
das aber ohnehin schon nach acht Mensuren mit absteigenden linien operiert. im Hinblick
auf den amen-schluss des credo weist van benthem wiederum selbst auf die Differenz der als
schlusssteigerung ansteigenden spitzentöne bei Palestrina hin, die die Motette nicht kennt.
auch beim analogen beginn der secunda pars von Surge Petre und dem Gloria sowie dem
Hosanna der Marcellus-Messe dürfte es sich um satztechnische Formeln handeln. sie beginnen
jeweils über g in terzlage und führen im cantus das h′ über c″ (2 ×) und d″ zum e″, verbunden
mit der korrespondierenden Klangfolge G – C – a – d – C. so lässt sich ein vergleichbarer beginn
zum beispiel schon zum »et incarnatus est« der Missa Benedicta es (Gloria Mens. 78 ff.) nach-
weisen, nur um eine Quinte tiefer versetzt und mit der terzlinie im altus. Der von van benthem
ebenfalls als beispiel vorgebrachte credo-beginn startet zwar ebenfalls über g mit terzlage, wird
aber vollkommen anders weitergeführt.
auch der neueste versuch, für die Missa Papae Marcelli eine vorlage zu postulieren, muss
damit als gescheitert angesehen werden.31
Ausblick
Die vorliegende arbeit versuchte deutlich zu machen, dass Palestrina aus josquins Motette
Benedicta es, coelorum regina ein bassmodell in seine Parodiemesse übernommen und in der
Missa Papae Marcelli zu einer tragenden satztechnischen struktur weiterentwickelt hat, die vor
allem dem Kopfsatz der Messe den ihm eigentümlichen charakter verleiht. zwar hätte Palestri-
na das bassmodell auch aus einer der anderen oben genannten sechs- bzw. fünfstimmigen jos-
quin-Motetten oder einer der sechsstimmigen chansons entnehmen können, doch deutet auch
die Werküberlieferung darauf hin, dass sich der rezeptionsweg wie angenommen vollzogen hat.
so wird die vermutlich früheste handschriftliche Überlieferung der Missa Benedicta es, die
Handschrift Mus. ms. 46 der bayerischen staatsbibliothek im census catalogue auf den zeit-
raum von ca. 1555–1563 datiert.32 Der Katalog der Musikhandschriften der bayerischen staats-
31 Hätte van benthem mit seiner these recht, wäre allerdings noch die Frage offen, warum Palestrina seine
Missa Papae Marcelli dann nicht als Missa Surge Petre benannt hat. van benthem stellt die Frage am ende sei-
nes aufsatzes selbst und gibt darauf als antwort, dass das trienter Konzil Parodiemessen verboten habe. Die-
se begründung ist jedoch schlechterdings unhaltbar, wie die Forschung längst gezeigt hat (vgl. Monson, »the
council of trent revisited«, passim) und auch die Konzilsdekrete deutlich machen. vgl. hierzu josef Wohlmuth
(Hrsg.), Konzilien der Neuzeit. Konzil von Trient (1545–1563). Erstes Vatikanisches Konzil (1869/70). Zweites Vati
kanisches Konzil (1962–1965) (= Dekrete der ökumenischen Konzilien 3), Paderborn u. a. 2002. Das trienter De-
kret über die Messfeier findet sich dort auf s. 736, der wenig aussagekräftige text zur Musik auf s. 737. van bent-
hems begründung ist aber schon allein deshalb kurios, weil der Missa Papae Marcelli im zweiten Messenbuch
mit der Missa Aspice Domine und der Missa Salvum me fac zwei Messen über Motetten aus jachets Primo libro
di motetti a cinque voci von 1539 vorangehen, die im erstdruck von 1567 auch als solche gekennzeichnet werden.
32 vgl. CensusCatalogue of Manuscript Sources of Polyphonic Music 1400–1550, bd. 2 (= renaissance Manuscript
studies 1), neuhausen/stuttgart 1982, s. 206 f.
33 vgl. Martin bente, Marie louise Göllner, Helmut Hell und bettina Wackernagel, Bayerische Staatsbibliothek.
Katalog der Musikhandschriften 1. Chorbücher und Handschriften in chorbuchartiger Notierung (= Kataloge bayeri-
scher Musiksammlungen 5/1), München 1989, s. 170.
34 vgl. Franz Körndle, art. »ludwig«, in: MGG2, Personenteil 5, Kassel 2001, sp. 458–461, hier sp. 459.
35 vgl. bente, Göllner, Hell und Wackernagel, Bayerische Staatsbibliothek, s. 36 f.
36 vgl. CensusCatalogue of Manuscript Sources of Polyphonic Music 1400–1550, s. 35 f.
37 vgl. clara Marvin, Giovanni Pierluigi da Palestrina. A Guide to Research, new york / london 2002, s. 128.
38 vgl. jeppesen, »Marcellus-Probleme«, s. 31.
39 vgl. anm. 16.
40 Dieser Dialog aus dem text der Motette geht auf das Gespräch zwischen dem auferstandenen christus und
Petrus in joh 21,15 ff. zurück. Der gesamte text der Motette ist aus responsoriumstexten zum Fest der apostel
Petrus und Paulus zusammengesetzt und lautet komplett: »[1] surge Petre et indue te vestimentis tuis, accipe
fortitudinem ad salvandas gentes: Quia ceciderunt catenae de manibus tuis. [2] tu es Petrus, et super hanc
petram aedificabo ecclesiam meam, et portae inferi non praevalebunt adversus eam, et tibi dabo claves regni
caelorum. [3] si diligis me, simon Petre, pasce oves meas. tu scis, domine, quia amo te, et animam meam pono
pro te. [4] tu es pastor ovium, princeps apostolorum: tibi tradidit Deus omnia regna mundi, et ideo tibi traditae
sunt claves regni caelorum. alleluia.« [1] bezieht sich auf apg 12,6 ff.; [2] auf Mt 16,18, [3] auf joh 21,15 ff. [4]
wurde nach den stellen bei Mt und joh offenbar für das responsorium frei formuliert.
41 zwar kann man in der ebenfalls mit zwei bassstimmen komponierten sechsstimmigen Missa Alma redemp-
toris mater ebenfalls die imitation auf demselben einsatzton in den bassstimmen finden, etwa in den Mensuren
11 ff. des Kyrie II, doch ist diese dort in ein imitationsfeld integriert, das fast alle stimmen umfasst. Die imitation
im einklang der bassstimmen bildet in dieser Messe also keine eigene schicht innerhalb des satzes aus, wie es
bei der Missa Papae Marcelli der Fall ist.
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Notenbeispiel 19: Das bassmodell als element der textausdeutung in jachets Motette Surge Petre
Franz Körndle
zu den gedruckten Motettenbüchern des 16. jahrhunderts können von der Musikforschung in
vielen Fällen interessante Geschichten über den Kontext ihrer entstehung und bestimmung er-
mittelt werden. es war daher die idee von Peter bergquist, die Motetten von orlando di lasso
nicht nach der Methode herkömmlicher Gesamtausgaben zu edieren, in denen die Komposi-
tionen entsprechend der Qualität der Quellen angeordnet werden, sondern die Kompositio-
nen in ihrer originalen umgebung, den erstdrucken, zu belassen.1 bergquist entschied sich, die
Motetten lassos außerdem in der chronologischen reihenfolge der historischen Drucke zu pu-
blizieren, denn damit wird auch angezeigt, wann eine Komposition zum ersten Mal öffentlich
verfügbar wurde. es ist auch abzulesen, an welchem ort der Druck ans licht kam, ob es eine
Widmung gibt, wie die Motetten angeordnet sind und nicht zuletzt, welche besonderheiten die
einzelnen Werke aufweisen.
ein solcher Druck ist das Motettenbuch mit dem titel Mottetta, sex vocum, typis nondum
uspiam excusa (abbildung 1), erschienen in München 1582 bei adam berg.2 rebecca Wagner
oettinger besorgte in der obengenannten reihe die neuausgabe für a-r editions und trug in
der einleitung die wichtigsten angaben zu den Motetten zusammen.3 Mit dem hier vorgelegten
artikel werden zu Wagner oettingers Forschungen noch einige weitere Details beigesteuert, so
dass am ende möglicherweise ein etwas genaueres bild vom Hintergrund dieser Publikation
entsteht. Mit dem Widmungsträger jakob Fugger dem jüngeren (1542–1598) führen die spuren
nach augsburg. zu der reichsstadt, zur benediktinerabtei st. ulrich und afra und zu mehreren
der Patrizierfamilien unterhielt orlando di lasso über alle jahre seines Münchner Wirkens sehr
gute beziehungen. Da der augsburger Überlieferung seiner Werke eine erhebliche bedeutung
zukommt,4 muss auch für die Publikation des Motettenbuchs von 1582 der Frage nach der Kon-
textualisierung in der Fuggerstadt bevorzugt nachgegangen werden.
1 orlando di lasso, The Complete Motets, 22 bde., hrsg. von Peter bergquist u. a., Madison, Wi, 1995–2007.
2 im verzeichnis der Werke orlando di lassos 1582-7. im Folgenden markiert lv die zählung seiner Kompo-
sitionen. siehe: Horst leuchtmann und bernhold schmid, Orlando di Lasso, Supplement: Seine Werke in zeitge-
nössischen Drucken 1555–1687, Kassel u. a. 2001, bd. 2, s. 66–68.
3 orlando di lasso, Mottetta, sex vocum, typis nondum uspiam excusa, hrsg. von rebecca Wagner oettinger
(= orlando di lasso, the complete Motets 13), Madison, Wi 2005.
4 Franz Körndle, »Primär- und sekundärquellen – die lasso-Überlieferung in der staats- und stadtbibliothek
augsburg«, in: Die Zukunft der Memoria. Perspektiven der Staats und Stadtbibliothek Augsburg nach der Verstaat
lichung, hrsg. von reinhard laube, augsburg 2016, s. 67–80.
113
Abbildung 1: orlando di lasso, Mottetta, sex vocum, typis nondum uspiam excusa, München: adam berg, 1582.
bayerische staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 137#beibd. 1, titelseite des Discantus, ‹urn:nbn:de:bvb:12-
bsb00093473-6›
Die Widmungsvorrede ist auf den 17. Februar (12. Kalenden des März 1582) datiert.5 sie ist ge-
richtet an jakob Fugger den jüngeren (in der Familienabfolge der dritte träger dieses namens;
1542–1598). bedauerlicherweise ist der text dieser Widmung sehr allgemein gehalten, die Groß-
zügigkeit jakob Fuggers wird angesprochen, vor allem die Gunst, die er lasso gegenüber bereits
gezeigt hat. lasso gibt immerhin an, dass die Motetten die Frucht einiger zurückliegender Mo-
nate seien (»mensibus nonnullis ingenium fructus«). Damit kann angenommen werden, die
Motetten der sammlung seien damals weitgehend neu komponiert worden. aber mehr ist aus
der Widmungsvorrede nicht zu erfahren, so dass man im Hinblick auf den Kontext von ent-
stehung und bestimmung auf andere informationen angewiesen ist. in der tat waren zum zeit-
punkt des Druckes nicht alle darin enthaltenen Kompositionen nur einige Monate alt. Die zwei-
te Motette, O gloriosa Domina, war bereits in den Moduli quatuor 5. 6. 7. 8. et novem vocum (Paris:
le roy & ballard, 1577) als nr. 40 enthalten gewesen (1577-8, lv 638).6 Weitere zwölf stücke
5 Horst leuchtmann, Orlando di Lasso, bd. 1: Sein Leben, Wiesbaden 1976, s. 55: 18. Februar.
6 leuchtmann und schmid, Lasso. Supplement, bd. 1, s. 407.
7 Katalog der Musikhandschriften. Chorbücher und Handschriften in chorbuchartiger Notierung: mit einem An-
hang: Nachträge zu den Tabulaturen und Stimmbüchern, hrsg. von Martin bente, Marie louise Göllner, Helmut
Hell und bettina Wackernagel (= Kataloge bayerischer Musiksammlungen 5/1), München 1989 (im Folgenden:
KbM 5/1).
Abbildung 2: Gedenktafel zur orgelstiftung bei der Grabkapelle jakob Fuggers des jüngeren in der basilika
st. ulrich und afra
Die inschrift weist also besonders auf die orgel hin, zu der wir den vertrag besitzen. Darin heißt
es:15 »und soll diß ganz werckh aller gestalt vnd maß Disponiert, gemalt vnd geschnitten wer-
den wie das bei st. anna.« Das erscheinungsbild der orgel sollte also ebenfalls so gestaltet sein
wie beim vorbild in der Kirche st. anna (abbildungen 3 und 4).
Dem sollten auch die gestifteten Gottesdienste entsprechen. Der organistenvertrag regelte
nicht nur die tage, an denen zu spielen war, sondern legte fest: »Der organist soll zu abent alle-
zeit umb zwee uhren und zu morgenn halben achten da sein, domit ihm werdt ahnzeigt, waß und
von wem zuschlagen sey«.16 Die vielzahl der Dienste wirkte sich auch in naturalien aus: »und
alß oft erschlagt sol er jhm convent essen haben«.17 als das instrument im jahr 1607 auf der
Westempore durch Marx Günzer neu errichtet wurde, behielt es seine ursprüngliche Gestalt.18
Das Hauptgehäuse hat sich bis heute erhalten, ein rückpositiv mit historisierender, aber neu
entworfener Prospektgestaltung kam 1982 hinzu.19 es ist damit nicht mehr festzustellen, ob zum
ursprünglichen aussehen auch ein mit der orgel von st. anna ähnliches rückpositiv gehört hat-
te. Dann hätten die Flügeltüren wie am Hauptgehäuse die gleiche ikonographie wie beim vor-
bild zeigen müssen, wobei eine sängergruppe mit dem Ave verum corpus zu sehen gewesen wäre.
immerhin weisen Dokumente zu reparaturen auf ein rückpositiv hin. im jahr 1790 sollte
johann andreas stein die ulrichsorgel reparieren, weil sie nicht mehr richtig funktionierte, ja
gar nicht funktionieren konnte, denn stein bemerkte in seinem Gutachten, es würden 34 Pfeifen
in 8-Fuß, 4-Fuß und 3-Fuß-lage fehlen. Dann notiert stein: »Die orgel hat auch 2. clavier, nem-
lich ein Positif, ist aber weder ein pfeiffen noch wind darin, und dieses zu ersetzen wäre der un-
kosten zu groß«.20 bedauerlicherweise schreibt stein nur »Positiv« und nicht »rückpositiv«.
und Lernen im Zeitalter der Reformation: Methoden und Funktionen, hrsg. von Gerlinde Huber-rebenich, tübin-
gen 2012, s. 213–228.
25 Wagner oettinger, »introduction«, in: lasso, Mottetta, sex vocum, s. xiv.
26 orlando di lasso, Sämmtliche Werke, bd. 15, hrsg. von Franz Xaver Haberl, leipzig 1903, s. VIII.
27 thomas von Kempen, Nachfolge Christi, hrsg. von Walter Kröber, übersetzt von johann Michael sailer, Dit-
zingen 41986.
28 thomas von Kempen, Hortulus rosarum de valle lacrimarum, basel 1499, fol. 95r. Moderne ausgabe: thomas
von Kempen, Opera omnia, bd. 4, hrsg. von Michael joseph Pohl, Freiburg 1918, s. 2–50, hier s. 33.
29 leuchtmann und schmid, Lasso. Supplement, bd. 2, s. 299 f.
30 thomas von Kempen, Opera omnia, bd. 4, s. 53–134, hier s. 105 (In hora ultima) und s. 107 (Omnium delicia-
rum).
43 Peter Fleischmann, Etwas geenderte vnd verbesserte Description: Des aller Durchleüchtigisten […] Fürsten vnd
Herrn Herrn Rudolfen des andern Erwölten Römischen Kaisers […] Erstgehaltenen Reichstag zu Augspurg, augs-
burg 1582, s. 6–14.
44 adolf sandberger, Beiträge zur Geschichte der bayerischen Hofkapelle unter Orlando di Lasso, bd. 3, leipzig
1895, s. 134.
45 leuchtmann und schmid, Lasso. Supplement, bd. 2, s. 298.
46 KbM 5/1, s. 98.
47 München, bayerische staatsbibliothek, Mus.ms. 23, fol. 144v und fol. 159r. KbM 5/1, s. 98.
48 Placidus braun, Geschichte des Kollegiums der Jesuiten in Augsburg, München 1822, s. 32.
49 Felix joseph lipowsky, Geschichte der Jesuiten in Schwaben, teil 1, München 1819, s. 102.
50 Maximus Mangold, Origo Collegii Societatis Jesu ad Sanctum Salvatorem Augustae Vindelicorum, augsburg
1786, s. 65–70.
51 Duhr, Geschichte der Jesuiten, bd. 1, s. 201 f.; braun, Geschichte des Kollegiums, s. 26 f.
60 Franz Körndle, »jesuits and theatrical Music«, in: The Jesuits II: Cultures, Sciences, and the Arts, 1540–1773,
hrsg. von john W. o’Malley, s. j., Gauvin alexander bailey, steven j. Harris und t. Frank Kennedy, toronto/
buffalo/london 2006, s. 479–497, hier s. 480 f.
61 berndt baader, Der bayerische Renaissancehof Herzog Wilhelms V. (1568–1579). Ein Beitrag zur bayerischen und
deutschen Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts, leipzig 1943, s. 211.
62 Dietmar Heil, Die Reichspolitik Bayerns unter der Regierung Herzog Albrechts V. (1550–1579) (= schriftenreihe
der Historischen Kommission bei der bayerischen akademie der Wissenschaften 61), Göttingen 1998, s. 526,
537–539, 570, 594 f., 598 f. und 602.
63 baader, Der bayerische Renaissancehof, s. 211.
64 KbM 5/1, s. 73 f.
65 München, Geheimes Hausarchiv, Korr. akt 607/Fugger I.
66 ebd.
67 reinhard Hildebrand, Die ›Georg Fuggerischen Erben‹. Kaufmännische Tätigkeit und sozialer Status 1555–1600
(= schriften zur Wirtschafts- und sozialgeschichte 6), berlin 1966, s. 35.
Katelijne schiltz
Dass die Faszination für italienische Musik im deutschsprachigen raum ab der zweiten Hälfte
des 16. jahrhunderts stark zunimmt und ab ca. 1600 stilbildend wird, ist hinlänglich bekannt.
italienisches repertoire wurde importiert, gedruckt und kontrafaziert, italienische Musiker
besetzten zentrale Posten an deutschen Höfen; umgekehrt gingen deutsche Musiker zur aus-
bildung nach italien und machten sich mit dem stile moderno vertraut. Die rezeption und be-
deutung italiens für die deutsche Musik und der daraus resultierende Kulturtransfer sind kaum
zu überschätzen und führten im deutschsprachigen raum zu einer veritablen italianisierung des
Musikgeschmacks.1 so bekannt das Phänomen in der Musikwissenschaft ist, erstaunt es umso
mehr, dass es bis dato nicht systematisch untersucht und kartiert wurde.
Der vorliegende aufsatz soll dazu einen beitrag leisten, indem im Folgenden eine sammlung
des Komponisten bernardino borlasca untersucht wird, die unter dem titel Fioretti musicali in
zwei exemplaren überliefert ist: Das eine, die Handschrift mit der signatur Mus.ms. 3232k, die in
der bayerischen staatsbibliothek aufbewahrt wird, trägt das Datum 1630;2 das zweite exemplar
befindet sich in der berliner staatsbibliothek (signatur: Mus.ms. 2260) und ist auf 1631 datiert.3
nach einem kurzen Überblick über die biographie und das Œuvre des wohl nicht allzu bekann-
ten borlasca sollen die Fioretti musicali aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.
insbesondere die vorangestellte »instruttione«, die aufführungspraktische Hinweise für sänger
und instrumentalisten enthält, zeigt – so meine these –, dass borlasca das von Giulio caccini
praktizierte und von Giovanni battista bovicelli und Francesco rognoni kodifizierte cantare con
affetto aufgreift und somit einen beitrag zur verbreitung des stile moderno in Deutschland leistet.
1 siehe beispielsweise das von der Fritz thyssen stiftung geförderte Projekt »Deutsche Musiker an oberita-
lienischen Höfen um 1600« von Dr. Michael chizzali sowie dessen im Druck befindliche Habilitationsschrift
»In Harmoniam Cantionum italogermanicarum«. Italienische Musik als Referenz im mitteldeutschen Raum des 16.
und beginnenden 17. Jahrhunderts.
2 Digitalisat: ‹urn:nbn:de:bvb:12-bsb00079005-8›.
3 Digitalisat: ‹resolver.staatsbibliothek-berlin.de/sbb0001b04F00000000›. Mus.ms. 2260 war zuvor im be-
sitz von Georg johann Daniel Poelchau (1773–1836), einem Gelehrten, Musiker und Musiksammler. Danuta
szlagowska, »bernardino borlasca i jego ›bukiet muzyczny‹ ofiarowany senatorum ratyzbony i Frankfurtu«,
in: Annales Universitatis Mariae Curie Skłodowska Lublin 13 (2015), s. 41–61.
129
Weder über bernardino borlascas Geburtsjahr, noch über die ausbildung des aus Gavi bei
Genua stammenden Musikers – er bezeichnet sich auf der titelseite mehrerer sammlungen als
»nobile di Gavio Genovese« – ist uns etwas bekannt.4 Doch muss er sich im ersten jahrzehnt
des 17. jahrhunderts bereits in italien und darüber hinaus einen namen gemacht haben, denn
1610 trat er in die Münchener Hofkapelle ein.5 Dort zeichnet sich genau um diese zeit ein wach-
sendes interesse an der neuen italienischen Musik ab:6 von 1607 an war etwa der Komponist
und lautenist Michelangelo Galilei, bruder des universalgelehrten Galileo Galilei und sohn
des Musiktheoretikers und Komponisten vincenzo Galilei in der Maximilianeischen Hofkapel-
le tätig, und wenige jahre später wird orlando di lassos enkel Ferdinand zum studium nach
rom geschickt.7
1611, bereits ein jahr nach borlascas anstellung in München, wurde er zum vizekapellmeister
am Hof der Wittelsbacher ernannt und sollte sich – so alexander Fisher – zu einer der »lea-
ding creative figures at the Munich court in the years leading up to the thirty years War« ent-
wickeln.8 Während Ferdinand di lassos studienaufenthalt in der urbs aeterna leitete borlasca
sogar die Kapelle. nach Ferdinands rückkehr im september 1614 teilten sich beide die leitung,
bis im jahr 1617 die aufgabenverteilung in der fürstlichen Kapelle in einem recht ausführlichen
4 vgl. auch Maria rosa Moretti, Musica e costume a Genova tra Cinquecento & Seicento, Genua 1990. Die Fami-
lie borlasca stammt ursprünglich aus Korsika: vgl. canavelli colonna, Les seigneurs de Leca et leurs descendants,
1342–1914, bd. 4: Les familles alliées, ajaccio 2012, s. 155–156.
5 Horst leuchtmann, »Die Maximilianeische Hofkapelle«, in: Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximi
lian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst 1573–1651, hrsg. von Hubert Glaser (= Wittelsbach und bay-
ern II/1), München 1980, s. 364–375. vgl. auch august scharnagl, »Musik um Kurfürst Maximilian I. ein beitrag
zur Musikgeschichte bayerns in der ersten Hälfte des 17. jahrhunderts«, in: Capella Antiqua München: Festschrift
zum 25jährigen Bestehen, hrsg. von thomas Drescher, tützing 1988, s. 237–246.
6 bereits im 16. jahrhundert macht sich der italienische einfluss am Münchener Hof erkennbar: er kommt
nicht nur in der anstellung italienischer Musiker (wie etwa Massimo troiano, Giuseppe Guami u. a.), sondern
auch in der veröffentlichung italienischer Madrigale von in München tätigen Komponisten zum ausdruck.
Paradigmatisch sind hier die beiden sammlungen Musica de’ virtuosi della florida capella dell’Illustrissimo et Eccel
lentis. S. Duca di Baviera A cinque voci […] Libro Primo (venedig 1569) und Il secondo libro de madrigali a cinque
voci de floridi virtuosi del Serenißimo Ducca di Baviera […] (venedig 1575). vgl. zum einfluss italiens auf die Musik
in Deutschland generell etwa barbara Wiermann, Die Entwicklung vokalinstrumentalen Komponierens im protes
tantischen Deutschland bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, Göttingen 2005.
7 alexander j. Fisher, Music, Piety, and Propaganda: The Soundscapes of CounterReformation Bavaria, new
york 2014 bringt in den (ausschließlich online zugänglichen) »extended references« zu seiner Monographie
(s. ‹global.oup.com/us/companion.websites/9780199764648/resources› [stand: 22. 10. 2020]) faszinierende
beispiele von archivdokumenten aus den ersten jahrzehnten des 17. jahrhunderts, die zeigen, dass bei anstel-
lungen die beherrschung des stile moderno und die Fähigkeiten zum ausführen von verzierungen wichtige Kri-
terien waren (nr. 2.67).
8 Fisher, Music, Piety, and Propaganda, s. 90. in den »extended references« zu seiner Monographie zitiert
Fisher ein Dokument (2.63), aus dem hervorgeht, dass borlasca bereits vor seiner anstellung im jahr 1610 Ma-
ximilian Musik gewidmet und dafür 12 Gulden bekommen hat: »Bernardino Parlasco Musico, so ir Dtl. etliche
gesenger Dediciert« (bayHsta, Hzr 59 [1610], fol. 366r). es ist leider nicht bekannt, um welche Kompositionen
es sich handelt.
9 eine Übertragung des Dokuments findet sich in der »extended reference 2.65« zu Fisher, Music, Piety, and
Propaganda.
10 vgl. scharnagl, »Musik um Kurfürst Maximilian I.«, s. 241.
11 steven saunders, Cross, Sword, and Lyre: Sacred Music at the Imperial Court of Ferdinand II of Habsburg, ox-
ford 1995, s. 8. vgl. auch den anhang »Personnel of the imperial Music chapel under Ferdinand II (1619–1637)«,
s. 227. offenbar hat borlasca kurz vor seiner anstellung in Wien versucht, sich für eine stelle an der Musikkapel-
le des Herzogs johann Friedrich von Württemberg (1582–1628) zu bewerben: Gustav bossert, »Die Hofkapelle
unter johann Friedrich (1608–1628)«, in: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Neue Folge 20
(1911), s. 150–208 zitiert auf s. 201 eine bezahlung an »bernhardin borlasca aus Genua, der um anstellung bat
und etliche Kompositionen übergab«.
12 Digitalisat des Museo internazionale e biblioteca della musica di bologna: ‹www.bibliotecamusica.it/
cmbm/viewschedatwbca.asp?path=/cmbm/images/ripro/gaspari/_X/X139› (stand: 22. 10. 2020). es handelt
es sich um eine sehr frühe verwendung des begriffs scherzo in einem musikalischen Kontext; der terminus
kommt wohl das erste Mal in Gabriello Pulitis sammlung Scherzi, capricci et fantasie, per cantar a due voci (vene-
dig, 1605) vor, und 1607 veröffentlichte claudio Monteverdi seine erste sammlung Scherzi musicali. beim titel
von borlascas Druck handelt es sich gewissermaßen um eine contradictio in adiecto. bemerkenswert ist weiter-
hin seine ergänzung, die scherzi könnten zwischen geistlichen Konzerten im »stile rappresentativo« gesungen
werden (vgl. die titelseite des Drucks). Damit ist ein musikalischer stil gemeint, der den text ausgesprochen
dramatisch und affektgeladen darstellt.
13 Die canzonette Mentre Clori il suo core (nr. 13) und L’acceso fuoco mio (nr. 14) sind darüber hinaus einem
gewissen Massimiliano turco gewidmet.
enthaltenen Kompositionen hat borlasca fast 20 jahre später in den Fioretti musicali überarbei-
tet.14 jedenfalls geht aus dem titel indirekt hervor, dass es auch einen Libro primo mit canzonet-
te gegeben haben muss, der nach aktueller Kenntnis jedoch verschollen ist.
insb. Kapitel 2 »the ›Guitar villanella‹: villanella, canzonetta, and the Five-course Guitar in naples and
rome circa 1600«, s. 40–126 geht auf die verwendung einer »chitariglia alla spagnuola« – wie borlasca sie auf
der titelseite des Druckes nennt – für die begleitung von dreistimmigen villanelle ein.
15 vgl. Fisher, Music, Piety, and Propaganda, passim. ein exemplar der Cantica befindet sich unter der signatur
a.r. 367 in der bischöflichen zentralbibliothek regensburg. vgl. auch Fishers edition rudolph di lasso, Virgi-
nalia Eucharistica (1615) (= recent researches in the Music of the baroque era 114), Middleton, Wi, 2002. ein
teil des Magnificat primi toni wurde in Fishers buch (s. 95–99) transkribiert.
16 vgl. auch alfred einstein, »italienische Musiker am Hofe der neuburger Wittelsbacher. 1614–1716. neue
beiträge zur Geschichte der Musik am neuburg-Düsseldorfer Hof im 17. jahrhundert«, in: Sammelbände der
Internationalen Musikgesellschaft 9 (1908), s. 336–424. borlascas sammlung mit großbesetzter Musik passt gut
zur vorliebe des reichsfürsten für italienische mehrchörige Musik.
17 »[…] il Primo choro vuol essere di quattro voci principali col soprano o d’eunuco, o Falsetto dilettevole ac-
compagnato di varij istrumenti di viole a braccia, o a gamba arpone, lirone, e simili come hoggi di si costuma; e
massime nella corte di baviera; havendone quell’altezza serenissima in ogni genere copia, & huomini d’esquisi-
ta eccellenza; e dove si trovarà un v. descritto cantara la voce, dove sinfonia, ivi li strumenti; e dove t. ivi le voci
& istrumenti assieme. il secondo choro pure anch’egli vorra come il primo esser medesime voci; ma di diversi
istrumenti; che se nel primo hanno posto quelli da penna, o da corde; nel secondo dovranno mettere quelli da
fiato, come cornetti, e tromboni bene, e gratiosamente temperati, con un violino, all’ottava alta del contralto;
come anco al Primo choro un cornetto alla medesima parte se è choro di viole a tale istrumento diverso […]«.
18 Die bischöfliche zentralbibliothek in regensburg besitzt die beiden einzigen erhaltenen exemplare der
Ardori spirituali (signatur: a.r. 480 und a.r. 522). Die Cantica, Scala und Ardori hat borlasca mit einer opus-
nummer versehen. Die von ihm verwendete numerische Klassifizierung deutet auf jeden Fall darauf hin, dass
mehrere seiner sammlungen verloren gegangen sind. Das geht bereits aus der Widmung zu den Scherzi musicali
ecclesiastici hervor, die er als seine zweite sammlung und die erste mit geistlichem inhalt (»seconda mia creatura
e primo parto spirituale«) bezeichnet.
möglich hören zu lassen (vgl. »far intendere distintamente le parole«), sondern vor allem auch
das vortragstempo flexibel zu gestalten und es an den inhalt und die affekte des textes anzu-
passen.19
Die recht ausführliche aufführungsanweisung am anfang der Fioretti musicali – sie bilden
den Fokus dieses beitrags – kann nun, so möchte ich argumentieren, als eine logische Fort-
setzung und Präzisierung davon betrachtet werden. abgesehen von der spätesten, auf 1633
19 Der anschließende »avvertimento nel sonare« setzt sich mit der instrumentalen begleitung des Gesangs
auseinander. Moretti, Musica e costume a Genova, s. 178 thematisiert bei der besprechung des »avvertimento
nel cantare« Parallelen zu Frescobaldis Primo libro delle Toccate, das erst zwei jahre früher gedruckt wurde. Dort
heißt es in bezug auf instrumentalmusik, dass man versuchen sollte, eben nicht ständig so zu spielen, dass man
dem takt folgt (»questo modo di sonare stare soggetto a battuta«), sondern, wie das in »modernen Madri-
galen« der Fall ist, mal schmachtend, mal schnell den affekten oder der bedeutung der Worte entsprechend
(»come veggiamo usarsi nei Madrigali moderni, i quali quantunque difficili si agevolano per mezzo della bat-
tuta portandola hor languida, hor veloce, è sostenendola etiandio in aria, secondo i loro affetti, ò senso delle
parole«). zur affektbezogenheit des musikalischen vortrags siehe auch das Kapitel »stimme und affekt« in
thomas seedorf (Hrsg.), Handbuch Aufführungspraxis Sologesang, Kassel u. a. 2019, s. 64–72.
datierten sammlung borlascas, dem Accentus musicalis,20 haben wir es hier mit der einzigen hand-
schriftlich überlieferten sammlung des Komponisten zu tun. Das 1630 datierte exemplar der
Fioretti musicali aus der Münchener staatsbibliothek ist dem rat der stadt regensburg gewid-
20 Die einst in der Danziger stadtbibliothek aufbewahrte Handschrift des Accentus musicalis, die dem stadtrat
von Danzig gewidmet ist, gilt laut Michael silies, art. »borlasca, bernardino«, in: MGG Online, hrsg. von laurenz
lütteken, Kassel u. a. 2016 ff., zuerst veröffentlicht 2000, online veröffentlicht 2016, ‹www.mgg-online.com/mgg/
stable/19946›, zwar als verschollen, befindet sich aber in der berliner staatsbibliothek und steht wie fast alle
anderen sammlungen borlascas als Digitalisat zur verfügung: ‹resolver.staatsbibliothek-berlin.de/sbb0001b04
D00000000›. Der vollständige titel lautet »accentus | Musicalis | tam vocibus, quam instrumentis | concinendus
cum base ad organum | nobilissimis, Magnificis, amplissimis, | spectabilibus, et consultissimis | Dominis | burg-
gravio, Praeconsulibus, et | consulibus augustissimae, et Floren-|tissimae reipublicae Gedanen: | Mecenatibus,
ac Patronis suis plurimum | Honorantis | Humiliter Dicatus | ab auctore | bernardino borlasca | anno | 1633«. Für
eine moderne edition der sammlung siehe Danuta szlagowska / Danuta Popinigis, Bernardino Borlasca. Ac- centus
musicalis (= thesaurus Musicae Gedanensis 1), Danzig 2016. eine aufnahme des Madrigals Carco d’honori fin- det
sich unter ‹youtu.be/fwytbf9ag8c› (zugriff: 22. 10. 2020). zu borlascas Präsenz in Danzig siehe Danuta szla-
gowska, »bernardino borlasca’s compositions Dedicated to the Gdańsk senate«, in: Musica Baltica. Im Umkreis des
Wandels – von den cori spezzati zum konzertierenden Stil, hrsg. von Danuta szlagowska, Danzig 2004, s. 277–293.
21 Das Manuskript kam 1881 vom Königlichen allgemeinen reichsarchiv in München an die damalige Hof-
und staatsbibliothek. Das Wasserzeichen zeigt das augsburger Wappen mit den initialen MMa; diese stehen
für Matthäus Mair, einen augsburger Papierer von ca. 1598 bis ca. 1630. vgl. auch Friedrich von Hössle, Die alten
Papiermühlen der Freien Reichsstadt Augsburg, augsburg 1907.
22 in seiner auf den 11. Februar 1630 datierten Widmung an den rat der stadt regensburg hebt borlasca deren
rolle als »Grand’ imperial conclave albergo« hervor, was als Hinweis auf den bevorstehenden Kurfürstentag,
der von juli bis november 1630 in regensburg stattfinden sollte, gedeutet werden könnte.
23 Das als »Prohemio« bezeichnete Gedicht ist in beiden exemplaren bis auf den schluss identisch (vgl. die
varianten in eckigen Klammern). es rät den liebenden, sich von der blume der grausamen liebe fernzuhalten,
da sie einem nur schmerz und großes leid zufügt, und stattdessen der süßen blume zu folgen, die aus einer ge-
liebten und ernsten eintracht (Harmonie) besteht und einem letztendlich einen ausblick auf das unsterbliche
leben gewährt:
Fuggite amanti il Fiore, / che vi porge il Fanciul crudele amore; / ch’aletta [berlin: alletta], e nel diletto[,] /
a gran martiri, e stinti / Gravi dolor vi porge, e gran tormenti: / seguite fior soave, / D’un armonia com-
posto amata[,] e grave; / che se pena vi porge altera vita [berlin: al fin v’addita] / al fin v’annuncia d’im-
mortale vita [berlin: altera gloria d’immortale vita].
24 vgl. Massimo ossi, »claudio Monteverdi’s ›ordine novo, bello et gustevole‹: the canzonetta as Dramatic
Module and Formal archetype«, in: Journal of the American Musicological Society 45 (1992), s. 261–304, hier
s. 274: »the collection is set up in choirbook format and was issued in folio, apparently a less common and
more expensive arrangement than partbooks would have been«. bei Monteverdi befinden sich die drei stimmen
(canto primo, canto secondo und basso) untereinander; auf der gegenüberliegenden seite sind in der regel
das instrumentale ritornello und der text der weiteren strophen abgedruckt. antonio brunellis Scherzi, arie,
canzonette e madrigali a una due, e tre voci. Per sonare e cantare con ogni sorte di strumenti (venedig, 1614) haben
ein ähnliches Format wie Monteverdis Scherzi.
25 Die blattzählung stammt von julius joseph Maier, dem bibliothekar der Königlichen Hof- und staatsbiblio-
thek zu München (vgl. auch den vermerk »j. j. Mr.« unter dem letzten eintrag).
und in Fürstengemächern).26 Hier wird also die Funktion seiner Musik als höfische und geho-
bene unterhaltung hervorgehoben. auch die besetzung wird präzisiert – zwischen den beiden
Handschriften gibt es bei den instrumentenangaben allerdings einige unterschiede (vgl. ab-
bildung 4 und 5): während borlasca 1630 noch »liuti; thiorbe; chitarriglie [eine kleine Gitarre,
die damals en vogue war]; Pandore [eine gezupfte Kastenhalslaute]; | lirone [lira da gamba];
arpone [arpa doppia]; Manacordi; et simili, | con il basso continuo per sonare, | et per cantare«
vorschreibt, schränkt er die Wahl der instrumente 1631 auf »lauto tiorba e Gitarriglia | arpicor-
do, e simili et | con il basso continuo | e di stru[menti] per sonar | et per cantar« ein.27
in der bereits erwähnten »instruttione« geht borlasca weiter auf aufführungspraktische as-
pekte ein:
instruttione | Gli present [sic!] Fioretti si dovran concertarsi nel modo, | che quì
segue; ciò è con voci pure, et uguali; et che | l’una non superi l’altra; raffrenandola tallhor
nelle | cascate con dolcezza; et rippigliarla in groppo ò leggiadria | leggiadremente addata;
et sopra tutto distinguir la | parola; [berlin Ms. 2260: come anima del corpo armonico]
e tanto letta; e riletta s’imprimi, et si | appresenti propria, e non mendicata cantilena. |
havendo solamente posto un basso, che serve, et per | sonar, et per cantar; però dove sarà
descritto il testo: | non segnando; quarte, seste, et altre dissuonanze per non | causar
confusione: rimettendomi alla discretezza | del buon sonator conoscer quelle, et altri ri-
battimenti | d’unisuoni; veri mezzi per accompagnar le parti | che cosi sequendo l’ordine
saran sicuri d’ottener gratiosa | et dilettevole armonia; et Dio gli feliciti.
borlasca bedient sich hier, wie viele seiner italienischen Kollegen, die an transalpinen Höfen
tätig waren, eines vokabulars, das eindeutig auf das von caccini in seinen Nuove musiche (Flo-
renz, 1602) initiierte Modell zurückgeht. in diesem zusammenhang kann etwa der begriff des
»raffrenare« (also das zurückhalten) der stimme bei »cascate« (schnell absteigenden läufen)
verstanden werden: Giovanni battista bovicelli verwendet in seiner schrift Regole, passaggi di
musica […] (venedig 1594) zum beispiel den terminus »groppetto raffrenato«, bei dem der
sänger die rhythmische intensität in der Mitte oder am ende einer verzierung bremsen bzw.
zurückhalten kann.28 Francesco rognoni schreibt in den »avvertimenti« zu seiner Selva dei
vari passaggi (Mailand 1620) ebenfalls vor, das tempo von jedem »passaggio« – insbesondere
beim »trillo« und beim »gruppo« – auf der vorletzten note zu bremsen, damit man die letzte
note nicht zu plötzlich erreicht, was zu einer Härte führt, die der zuhörende als geschmacklos
28 Giovanni battista bovicelli, Regole, passaggi di musica […], venedig 1594, s. 11: »[…] i groppetti, i quali si
possono finire in due maniere; la prima de note d’un medesimo valore: la seconda, che il fine del groppetto sia,
per cosi dire, raffrenato, e questo riesce per lo più assai meglio; perche si dà maggior gratia alla voce, & è anco
più commodo per finir le parole: onde non si viene a finire quella furia, che s’è detto, la qual bisogna fuggir più,
che si può« (Die Groppetti kann man auf zwei arten beendigen: erstens mit gleichwertigen noten, zweitens,
indem man das ende des Groppetto gleichsam zurückhält. Das gelingt meistens viel besser, weil man der stim-
me größere Gefälligkeit verleiht, und es ist bequemer, um die Worte gut zu beendigen: damit man nicht mit
der gleichen Hast aufhört, was man, wie gesagt, so viel als möglich vermeiden muß [Übersetzung zitiert aus
Max Kuhn, Die Verzierungs-Kunst in der Gesangs-Musik des 16.–17. Jahrhunderts (1535–1650) (= Publikationen der
internationalen Musikgesellschaft. beihefte 7), leipzig 1902, s. 82]).
29 Francesco rognoni, Selva dei vari passaggi secondo l’uso moderno, per cantare et suonare con ogni sorte de strom-
enti, divisi in due parti, Mailand 1620: »[…] bisogna fermarsi sempre sopra la penultima di qual si voglia passag-
gio, & in particolar sopra il trillo, ò Gruppo per non dar subito in quella asprezza dell’ultima, perche sarebbe
di disgusto alli ascoltanti«. Hier sei noch angemerkt, dass rognoni seine Passaggi per postersi essercitare Nel Di-
minuire terminatamente con ogni sorte d’Instrumento. Et anco diversi passaggi per la semplice voce humana […],
venedig 1592, Herzog Willhelm V. von bayern (dem vater von borlascas brotherrn Maximilian I.) gewidmet hat.
Dies deutet wohl auf ein frühes interesse für verzierungstechniken am Hof der Wittelsbacher hin.
30 zur verzierungspraxis generell siehe timothy McGee, »How one learned to ornament in late sixteenth-
century italy«, in: Performance Practice Review 13 (2008), online: ‹scholarship.claremont.edu/ppr/vol13/
iss1/6› (stand: 22. 10. 2020).
31 bovicelli, Regole, passaggi di musica […], s. 11. »la sprezzatura è quella leggiadria la quale si da al canto co’l
trascorso di più crome, e simicrome sopra diverse corde, col quale, fatto a tempo, togliendosi al canto una certa
terminata angustia, e sechezza, si rende piacevole, licenzioso, e arioso, siccome nel parlar comune la eloquenza e
la fecondia rende agevoli, e dolci le cose di cui si favella«.
32 vgl. auch Giulio caccini, Le Nuove Musiche, hrsg. von H. Wiley Hitchcock (= recent researches in the Mu-
sic of the baroque era 9), Madison, Wi, 1970, s. 45, Fn. 10.
33 Der Gedanke geht auf Gioseffo zarlino, Le istitutioni harmoniche, venedig 1558, s. 5 (buch I, Kapitel 2) zu-
rück: »Ma poscia la Poesia ben si vede con la Musica esser tanto congiunta, che chiunque da questa separarla
volesse, restarebbe quasi corpo separato dall’anima«.
34 im Münchener exemplar der Fioretti musicali ist der basso in den nummern 9, 13 und 18 gänzlich untextiert,
was auf eine instrumentale Faktur schließen lässt (s. unten).
35 vgl. den »avvertimento al sonare« zu den Ardori spirituali: »esendo [sic] necessario, che chi suona accom-
pagni il meglio che si può il canto, si rimette al sapere, & alla discretezza del buon sonatore il conoscere dove
vadano tocche le seste e le quarte, & altri ribattimenti d’unisoni necessarij alle buone accompagnature, tralasci-
andosi il segnarle per non generar confusione«.
36 es ist wohl davon auszugehen, dass borlasca – anders noch als etwa Giulio caccini am anfang des 17. jahr-
hunderts – der Meinung war, die Praxis des Generalbasses sei zur zeit der Fioretti musicali genügend bekannt.
Das basso-continuo-stimmbuch von Franzone amantis I nuovi fioretti musicali a tre voci, venedig 1607, um nur
ein beispiel zu nennen, kommt ebenfalls komplett ohne bezifferung aus. vgl. im Gegensatz dazu etwa caccinis
Widmung (an Giovanni de’ bardi) zu Euridice, Florenz 1600, in der er ausdrücklich schreibt, dass beim »basso
continovato […] ho io segnato le quarte, seste e settime; terze maggiori, e minori più necessarie«. im vorwort zu
den Nuove musiche e nuova maniera di scriverle (1614) begründet caccini diese entscheidung auch damit, dass er
sich auch den weniger erfahrenen verständlich machen kann, sollten diese lust haben, sich darin zu üben (»per
rendermi più facile a li manco periti, che avessero gusto di esercitarsi in esse«).
37 vgl. dazu ausführlicher luigi Fernando tagliavini, »l’arte di ›non lasciar vuoto lo strumento‹. appunti sulla
prassi cembalistica italiana nel cinque- e seicento«, in: Rivista Italiana di Musicologia 10 (1975), s. 360–378. bei
caccini wird das erneute anschlagen von noten als »il ripercuotere con il basso« bezeichnet, das einen zwei-
fachen zweck verfolgen kann: einerseits, damit man die akkorde besser versteht (»quelle corde che possono
essere di migliore intendimento loro«), andererseits, damit man die stimme, die alleine singt, besser begleiten
kann (»che più accompagnano la parte che canta sola«).
exemplare fast identisch ist: knapp die Hälfte der insgesamt achtzehn stücke steht an genau der-
selben stelle; in einigen Fällen wurde die reihenfolge vertauscht oder verschoben. allerdings
gibt es jeweils ein stück, das nicht im anderen exemplar vorkommt: in der Münchener Hand-
schrift ist es das als »spirituale« bezeichnete Numi sacri del cielo (nr. 17), in der berliner Hand-
schrift Dori d’amore i pianti (nr. 6). auffallend ist weiterhin, dass in der Münchener Handschrift
insgesamt acht stücke eine Überschrift haben (diese fehlen im berliner exemplar): neben dem
als »scherzo« bezeichneten Semplicetta farfalletta und dem »Madrigale« S’io la guardo, finden
sich vor allem am ende sechs stücke, von denen vier jeweils paarweise präsentiert werden. Non
so chi fa partita und Sconsolata fui sempre hängen als »Partenza amorosa« bzw. »risposta amo-
rosa« zusammen,38 während alta fiamma m’incende und Numi sacri del cielo als »spirituale«
gekennzeichnet werden – bereits auf der titelseite der Fioretti musicali ist ja von einer »parte
amorosa« und einer »parte spirituale« die rede.39
38 Man denkt hierbei unweigerlich an die »Partenza amorosa« Se pur destina in Monteverdis siebtem Madrigal-
buch, venedig 1619. Die tonwiederholungen am anfang von borlascas Non so chi fa partita erinnern allerdings
stark an die art und Weise, wie Monteverdi die Phrase »tu se’ da me partita« aus Tu se morta (L’Orfeo, 2. akt)
vertont hat. Für eine besprechung von Kompositionen des späten 16. und frühen 17. jahrhundert, welche die
abschiedsthematik behandeln, siehe james chater, »›such sweet sorrow‹: the dialogo di partenza in the italian
Madrigal«, in: Early Music 27 (1999), s. 576–599.
39 Darüber hinaus sei noch angemerkt, dass im Falle von vier Kompositionen das Münchener exemplar der
Fioretti musicali unvollständig ist – vgl. dazu auch die (von julius joseph Maier?) hinzugefügten »??« am rand
von S’io la guardo (nr. 9; nur canto primo), Bocca ridente (nr. 10; canto primo und secondo), Lasso ch’io ardo
(nr. 13; canto primo und secondo) und Non so chi fa partita (nr. 14; canto primo und secondo). Das berliner
exemplar weist keine unvollständig überlieferten Werke auf.
40 vgl. etwa alfred noe, Die Präsenz der romanischen Literaturen in der 1655 nach Wien verkauften Fuggerbiblio-
thek, bd. 3: Die Texte der »Musicales«, amsterdam 1997: M006 (agostino agresta, 1617), M347 (vincenzo liber-
ti, 1608), M410 (tiburtio Massaino, 1604), M585 (vincenzo dal Pozzo, 1612), M618 (Francesco rognoni, 1613),
M636 (nicolo rubini, 1615), M660 (oratio scaletta, 1604), M721 (vincenzo ugolini, 1615) und M851 (alessan-
dro constantini, 1621)
41 vgl. etwa jane a. bernstein, Music Printing in Renaissance Venice: The Scotto Press (1539–1572), new york / ox-
ford 1998, passim.
42 Dori d’Amori i pianti (nr. 1) erscheint nur in der berliner Handschrift der Fioretti musicali. Die Massimiliano
turco gewidmeten Mentre Clori il suo core (nr. 13) und L’acceso fuoco mio (nr. 14) aus den Canzonette werden
nicht in die Fioretti musicali übernommen.
Tabelle 3: inhalt der Canzonette a tre voci im vergleich zu den Fioretti musicali (berliner exemplar)
mit einer Kadenz auf G), durchbricht er in der Fioretti-version dieses Muster im ersten teil.
vor allem die oberstimmen und ihren melodischen verlauf hat borlasca stark verändert. Den
einleitenden Gestus behält er zwar bei, aber ansonsten ist der Duktus doch recht unterschied-
lich – auch die erweiterung des ambitus (bis zu g″) und der sextsprung d″– fis′ im canto primo
sind auffällig. vor allem baut der Komponist am ende noch ein weiteres segment ein, wodurch
ein teil der letzten strophenzeile (»et ard’ il core«) in längeren notenwerten wiederholt wird.
Ähnliches passiert in der dreistrophigen »spirituale«-Komposition Alta fiamma m’incende.
auch hier gibt es im vergleich zu den Canzonette immer wieder kleinere rhythmische Änderun-
gen, insbesondere bei den Kadenzen. bei »dal ciel splende« wird die Kadenz im canto primo
dadurch verziert, dass die semiminima auf »ciel« (in den Canzonette) nun in vier semifusae
unterteilt wird (vgl. abbildung 6 und 7). auch hier findet, wie bei Semplicetta farfalletta, die größ-
te Änderung am ende statt. nachdem borlasca in den Canzonette die Phrase »la mia pena mia
colp’error commesso« zweimal fast identisch bringt und mit einer Kadenz auf D schließt, fügt er
in den Fioretti musicali noch eine weitere Wiederholung des textes hinzu, allerdings mit neuem
Material und mit einer ähnlichen verzierung vor der Kadenz wie beim ende des ersten teils.43
43 in der letzten zeile gibt es darüber hinaus zwischen den beiden exemplaren der Fioretti musicali noch kleine
rhythmische und melodische unterschiede – auch der text dieser zeile ist im berliner exemplar anders (»il
mio trasmisso ben fino alla morte«). auch in anderen stücken zeigen sich insbesondere am ende unterschiede
zwischen dem Münchener und dem berliner exemplar, vgl. etwa bei Non so chi fa partita.
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146 Katelijne Schiltz
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Während bei Semplicetta farfalletta und Alta fiamma m’incende die Änderungen insgesamt über-
schaubar bleiben und die anlehnung an die Canzonette unverkennbar ist, greift borlasca bei an-
deren stücken wesentlich stärker in die frühere Fassung ein, sodass diese manchmal kaum wie-
derzuerkennen ist. Se tant’a me crudele ist dafür ein gutes beispiel. Die version von 1611 ist nicht
nur kürzer, sondern sowohl in rhythmischer als auch in melodischer Hinsicht weniger komplex
– auffallend sind allerdings die chromatischen Färbungen (fis, cis, b, es und as) am anfang, die
gut zur Grausamkeit der im text angesprochenen »Donna« passen (vgl. notenbeispiel 3). in
den Fioretti musicali übernimmt borlasca zwar die struktur, inklusive des Wechsels zum Dreier-
takt bei »se vostro sguardo non vedrò giamai«, schafft aber innerhalb dieses rahmens deutliche
unterschiede zur früheren Fassung (vgl. notenbeispiel 4). sowohl die rhythmischen Kontraste
als auch die bandbreite an notenwerten sind wesentlich größer. bei der aufführung des rhyth-
misch ausgedehnten und kontrastreichen »com’esser può« könnte borlasca das oben erwähnte
»raffrenare della voce« intendiert haben.44
schließlich sei hier noch auf ein Werk eingegangen, das nicht in den Canzonette von 1611
erscheint und somit erst einmal für sich steht bzw. bei dem kein vergleich möglich ist. Das be-
sondere an Lasso ch’io ardo, das hier übrigens als »canzonetta« bezeichnet wird, besteht unter
anderem darin, dass der basso gänzlich ohne textunterlegung notiert ist – dies kommt in den
Fioretti musicali sonst bei nur zwei weiteren stücken (S’io la guardo und das als »Madrigaletto in
partenza« bezeichnete E tu parti ben mio) vor.45 Hier haben wir es mit zwei rhythmisch sehr ak-
tiven, größtenteils entweder in parallelen terzen oder imitativ verlaufenden oberstimmen über
44 ein vergleichbares beispiel wäre Donna, se questo core: borlasca behält zwar die Wiederholungsstruktur des
originals bei, verändert aber sowohl den melodischen Gestus als auch die rhythmische intensität. an mehreren
stellen baut er schnelle läufe ein und auch hier wird der schluss wesentlich länger im vergleich zum original.
45 Lasso ch’io ardo gehört zu den wenigen Werken, die im Münchener exemplar der Fioretti musicali unvoll-
ständig überliefert sind. Die schlusstakte von canto primo und canto secondo habe ich anhand des berliner
exemplars vervollständigt. beide versionen sind weitgehend identisch, bis auf die tatsache, dass das berliner
exemplar für die beiden canti in t. 21–23 statt vier achteln jeweils eine punktierte achtel + sechzehntel, punk-
tierte achtel + sechzehntel hat und somit noch mal einen subtilen rhythmischen unterschied aufweist.
einem ruhiger verlaufenden bass zu tun, der sich nicht am motivischen Material, geschweige
denn an den virtuosen, meist sequenzierenden verzierungen in den beiden oberstimmen be-
teiligt, sondern vielmehr eine instrumentale Faktur aufweist und das harmonische Gerüst der
Komposition bildet (notenbeispiel 5). Hier scheint genau das zu greifen, was borlasca in der
»instruttione« zu den Fioretti musicali zur beteiligung von instrumenten schreibt: Der bass
wurde an keiner stelle beziffert, weil borlasca die konkrete realisierung der Harmonien den
aufführenden überlassen will.
Diese wenigen beispiele mögen hier genügen. eine vollständige spartierung der beiden
sammlungen – ebenso wie ein (bereits von robert eitner angeregter) systematischer vergleich
zwischen den beiden exemplaren der Fioretti musicali46 – wäre natürlich notwendig, um alle
Details von borlascas bearbeitungsprozess zu kartieren und zu analysieren. bei den stücken, bei
46 robert eitner, Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen
Zeitrechnung bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, bd. 2: Bertalotti–Cochereau, leipzig 1900, s. 136. ein
umfassender vergleich zwischen den Canzonette und den Fioretti musicali würde freilich den rahmen dieses
beitrags sprengen. es sind darüber hinaus nur ganz wenige seiner stücke in moderner edition zugänglich.
denen es keine entsprechung in den Canzonette gibt,47 bleibt freilich die Frage, ob sie tatsächlich
neu hinzugefügt wurden oder einer heute verschollenen sammlung borlascas entnommen sind.
Denn wie oben erwähnt, gibt es zwischen den Fioretti musicali und den Canzonette a tre voci von
1611 für gut die Hälfte der stücke eine Übereinstimmung. Die Frage scheint also berechtigt, ob
auch die anderen Werke aus den Fioretti musicali frühere Kompositionen zur Grundlage haben.
immerhin handelt es sich bei den Canzonette von 1611 um einen Libro secondo. Könnte die ande-
re Hälfte der Fioretti musicali in ähnlicher Weise Parallelen mit einem heute verschollenen Libro
primo aufweisen bzw. eine Überarbeitung der darin enthaltenen stücke sein? und wenn ja, wie
verhalten beide versionen sich zueinander bzw. wie hoch ist das ausmaß der bearbeitung? Die
Hypothese ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn in den Paratexten zu den Fioretti musi-
cali die vorlagen mit keinem ton erwähnt werden.
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Notenbeispiel in tan
borlasca, ti me crudele. gua
-Se tant’a - Canzonette
version in den - i. voci, venedig
a tre
1611)
48 ruth i. DeFord, »Marenzio and the villanella alla romana«, in: Early Music 27 (1999), s. 535–552, hier s. 535:
»the implication that a new and distinctive variety of villanella was cultivated in rome at the time is clearly
borne out by the contents of the book: Marenzio’s villanellas combine features of the traditional villanella with
techniques derived from his own madrigals, from the canzonettas of orazio vecchi and from improvised per-
formance practices«.
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Notenbeispiel 5: bernardino borlasca, Lasso, ch’io ardo in den
siegfried Gmeinwieser
Vorwort
ausgangspunkt für die folgenden notizen ist eine bislang unbekannte handschriftliche Quelle
für das Te Deum in G-Dur von johann adolf Hasse, wohl in Dresden entstanden, 1776 in venedig
veröffentlicht (nr. IV in der auflistung von Hans joachim Marx).1 sie befand sich vormals unter
der obhut von Pater amadeus schmalhofer oP (1923–2012) in der Musiksammlung der theati-
nerkirche st. Kajetan in München und kam durch die Überführung dieses bestandes am 24. juni
2013 in die bayerische staatsbibliothek, wo sie nunmehr die signatur Mus.ms. Mk 2018 trägt.
Da der verfasser dieser zeilen erst nach veröffentlichung von band 4 der Kataloge bayeri-
scher Musiksammlungen2 durch schmalhofer auf die neue, für die Hasse-Forschung wichtige
Quelle hingewiesen wurde, wird deren beschreibung jetzt nachgeholt. Mit der Überführung in
die bayerische staatsbibliothek ist auch deren zukunft gesichert.3
auf einem etikett auf dem einband und auf der innenseite des einbanddeckels steht die
bezeichnung »Hauberianae collectionis«, die auf die Musiksammlung Michael Hauber hin-
deutet. nun ist dies nicht die einzige Quelle eines Te Deum von Hasse in den ehemaligen
1 Hans joachim Marx, »zu den te Deum-vertonungen von johann adolf Hasse (1699–1783)«, in: Hamburger
Jahrbuch für Musikwissenschaft 16 (1999), s. 363–374; ders., »zur Überlieferung der te Deum-vertonungen von
johann adolf Hasse«, in: Johann Adolf Hasse in seiner Zeit. Bericht über das Symposium vom 23. bis 26. März 1999
in Hamburg, hrsg. von reinhard Wiesend, stuttgart 2006, s. 251–259.
2 siegfried Gmeinwieser, Die Musikhandschriften der Theatinerkirche St. Kajetan in München: Thematischer Ka
talog (= Kataloge bayerischer Musiksammlungen 4), München 1979. regierungsbaudirektor otto auer (1910–
1982) war sehr angetan, dass der notenbestand der theatinerkirche st. Kajetan erhalten blieb und begrüßte das
Projekt seiner Katalogisierung lebhaft.
3 Die ausarbeitung des textes zur veröffentlichung wurde dadurch erleichtert, dass dem verfasser, der über
mehr als fünfzig jahre als ehrenamtlicher custos des Musikarchivs der theatinerkirche tätig war, vom biblio-
theksdirektor der Musikabteilung, Dr. reiner nägele, weiterhin zugang zum Dokument gewährt wurde.
157
Hauber-beständen der theatinerkirche. auch ein Te Deum in D-Dur von Hasse ist dort zu fin-
den und zwar im der Musikforschung bereits bekannten Manuskript Mk 1010.4
Hauber wurde am 2. april 1778 in irsee bei Kaufbeuren geboren und besuchte dort die Klos-
terschule bis 1795. studien der rhetorik im ehemaligen reichskloster salmansweiler schlossen
sich an, darauf solche der logik und Physik im Priesterseminar der erzdiözese München-Frei-
sing. nach der Priesterweihe 1801 war er tätig als Festtagsprediger bei st. johann in München,
1807 als Prediger an der Kirche zu unserer lieben Frau in München und wurde religionslehrer
an der Frauenpfarrei-Knabenschule, 1818 Prediger an der königlichen residenz-Hofkapelle, bald
darauf Präses der st. Georgs-bruderschaft an der theatinerkirche,5 1826 Geistlicher rat, 1830
vorstand von st. Kajetan und Präses der cäcilien-bruderschaft, 1839 erster Dekan des König-
lichen stifts zum Hl. Kajetan, 1841 königlicher Hofkapellendirektor und zeremoniar des Haus-
ordens vom Hl. Hubert, verbunden mit dem theologischen Doktorgrad. 1843 starb Hauber im
65. lebensjahr. er überließ einen großen teil seiner umfangreichen Musikaliensammlung der
bayerischen staatsbibliothek, der Proske-bibliothek in regensburg sowie st. Kajetan zur Grün-
dung eines Musikarchivs.6
vor ihrer Überführung in die bayerische staatsbibliothek gemeinsam mit dem übrigen
theatiner-Musikarchiv wurde die hier beschriebene Quelle des Te Deum von Pater amadeus
schmalhofer oP aufbewahrt. schmalhofer wurde 1954 zum Priester geweiht, war danach an der
theatinerkirche als chordirektor und organist tätig und hat sich um die Pflege der Werke der
klassischen vokalpolyphonie, vertreten unter anderem durch Giovanni Pierluigi da Palestrina,
orlando di lasso, Giuseppe antonio und ercole bernabei bis hin zu josef Gabriel rheinberger,
große verdienste erworben. nicht zu vergessen ist sein einsatz für den Gregorianischen choral
im Gottesdienst. bevor das Hasse-Manuskript in schmalhofers obhut kam, war es in der end-
phase des zweiten Weltkrieges der zerstörung nur knapp entkommen. Für diese Geschehnisse
ist die chronik von st. Kajetan7 eine wichtige informationsquelle, worauf regierungsbaudirek-
tor otto auer (1910–1982) in einem brief an den verfasser verwiesen hat. im Folgenden werden
stellen aus dieser chronik zusammengefasst. im zweiten teil des beitrags wird die neue Quelle
für Hasses Te Deum beschrieben.
4 Gmeinwieser, Musikhandschriften der Theatinerkirche, s. 145. es handelt sich um eine Partitur in Kopie im
Querformat, entstanden etwa 1820. sie trägt den besitzvermerk »M. Hauber m. p.« und die alte signatur Hau-
berianae collectionis, Mus.pract. sectio II, cod. 75, nr. 2394. ergänzend sei auf das literaturverzeichnis zu den
Katalogen der allerheiligen-Hofkirche und von st. Kajetan verwiesen.
5 Die aktivitäten Haubers für st. Kajetan werden beschrieben in der einleitung zu Gmeinwieser, Musikhand-
schriften der Theatinerkirche, s. X–XVII.
6 vgl. siegfried Gmeinwieser, »Die Musikaliensammlung des johann Michael Hauber, stiftspropst von
st. Kajetan in München«, in: Kirchenmusikalisches Jahrbuch 60 (1976), s. 89–91, besonders s. 90–91; ders., Mu-
sikhandschriften der Theatinerkirche, einleitung s. X, sammlung Michael Hauber, s. 131–171, Hasse s. 145; ders.,
»Die altklassische vokalpolyphonie roms in ihrer bedeutung für den kirchenmusikalischen stil in München«,
in: Analecta Musicologica 11 (1973), s. 173–175.
7 sebastian staudhamer, »chronik der Kollegiatsstiftkirche«, Ms. vor 1945, fortgeführt von johann baptist
Michl. Die chronik wird beschrieben in Gmeinwieser, Musikhandschriften der Theatinerkirche.
Während der jahre des zweiten Weltkrieges bis zu seinem tod wurde die chronik durch den
emeritierten stiftsdekan sebastian staudhamer (1857–1945) geführt, der für die kirchenmusika-
lische und kunsthistorische ausrichtung in st. Kajetan bedeutende akzente gesetzt hatte. zur
Wiederherstellung der originalen chorschranke von 1675 hatte er eine überzeugende expertise
verfasst (2. März 1927).
Die von staudhamer angefertigte chronik ist kriegsbedingt unter besonderem Druck ent-
standen. eintragungen betreffen regelmäßig das cäcilienbündnis, die ausgaben für Kirchenmu-
sik, die anschaffung von Musikalien, Kirchenkonzerte, jahresschlussandachten und orgelspiel.
zu finden sind ferner:
– Hinweise zu den stiftern seit 1890 mit der abbildung des Hochaltars (s. 5);
– die stiftsgeistlichen ab 1859 mit der abbildung der Heiligen Markus und lukas von balthasar
ableithner (s. 6–16);
– das verzeichnis der seit 1926 für die registratur angefertigten Fotografien mit verweis auf
staudhamers eigene Privataufzeichnungen zur Wiederherstellung des ursprünglichen alta-
res (s. 302–308);
– angaben zur trennung der bayerischen staatstheater vom cäcilienbündnis am 19./31. März
1943, wodurch dieses nicht mehr mit der finanziellen unterstützung durch die staatlichen
stellen rechnen konnte (s. 318 ff.);
– ein bericht zu Fliegerschäden (s. 327);
– ein abschnitt »vom Kriege« (338–341);
– informationen zum Kirchenchor (s. 375–378);8
– auskünfte zur chorkrise anlässlich der Währungsreform 1949 (s. 422 f.);
– ein abschnitt zu otto auer als Kirchenangestelltem (s. 405);
– eine verlautbarung Papst Pius’ XII. zum Krieg und zu den Wandlungen in rom (s. 348).9
8 »Der Kirchenchor von st. Kajetan hatte eine sehr bedeutende bibliothek, die zwar nicht an jene der aller-
heiligen-Hofkirche oder der Michaelskirche heranreichte, die aber immerhin sehr reichhaltig war und sehr gute
Werke, vielfach handschriftliche, aufwies. Diese bibliothek ist völlig vernichtet, nicht ein stück blieb beim brand
am 7. januar 1945 erhalten, lediglich das inventarverzeichnis ist noch vorhanden und läßt den verlust erst richtig
spüren. Der chor selbst bestand aus guten sängern, die vielfach auch in anderen Kirchen, so auch in st. Michael
und in der allerheiligen-Hofkirche sangen. ein unglück war es aber mit der leitung … Mein bestreben war, den
chor dortselbst als eigenes institut neben der allerheiligen-Hofkirche weiterzuführen.« (chronik, s. 375). Die
aussage, dass alles verbrannt sei, ist tatsächlich übertrieben. Geringe reste haben neben dem angesprochenen
verzeichnis überdauert, wenn auch mit beschädigungen durch das löschwasser.
9 zitiert aus Münchner Neueste Nachrichten nr. 221 vom 10. august 1944, »Wandlungen in rom« – Pius XII.
zum Krieg: »im rundschreiben vom 30. september 1944 äußert sich der Papst dahingehend, dass die Feststel-
lungen zum bibelstudium für alle zeiten gelten, ganz besonders für unsere leiderfüllten tage, in denen fast alle
völker in ein Meer von unglück versenkt würden, in denen ein unmenschlicher Krieg ruinen auf ruinen häufe
und blutbad an blutbad aneinanderreihe: Mit tiefem schmerz müsste man wahrnehmen, dass das Gefühl der
christlichen liebe, selbst die edle Menschlichkeit ersticke.« (chronik, s. 352 f.).
Quellenbeschreibung
johann adolf Hasse: titelblatt fol. 2: L’inno Ambrogiano / ovvero / il Te Deum laudamus / com-
posto / dal / Sig[no]re Giovanni Adolfo Hasse /detto il Sassone. / Giovanni Christoforo
Schlegel. /1776.
einband etikett: auf dem einband und auf der innenseite des einbanddeckels (beschriftung
von unbekannter Hand mit bleistift durchgestrichen): Hauberianae collectionis / Mu-
sic. pract. II Cod 26, Nro. 1585 usque –
einband innenseite: etikett mit denselben signatur-angaben
schwarz-gelb gemusterter Pappeinband mit lederrücken und Kennzeichen der sammlung
Hauber, Maße 37,8 × 24 cm.
tonart G-Dur
fol. 1 Wasserzeichen (Wz) im vorsatzblatt vorne und hinten: bekröntes Wappenschild
zweigeteilt, links Quaderanordnung, rechts lothringer Kreuz, unten angehängt kleine
sonne (sternchen). (siehe fol. 1 und fol. 39)15
13 siegfried Gmeinwieser, »Glanzvolles zeremoniell im ritusbuch der Königskrönung 1745. zur Geschichte
des Musikarchivs der theatinerkirche in München«, in: Colloquium Collegarum, Festschrift für David Hiley zum
65. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Horn und Fabian Weber, tutzing 2013, s. 121–132.
14 zwar gab es schon vor den rettungstaten der 1940er-jahre enge verbindungen zwischen theatiner- und
allerheiligen-Hofkirche, jedoch enthalten deren Musikalien besitzvermerke wie »Kgl. Hofmusik-intendanz«
oder die stempelung »Königl. baier. Hofmusikintendanz« bzw. »K. bayer. Generalintendanz der Hoftheater u.
der Hofmusik«, vgl. Gmeinwieser, Musikhandschriften der Theatinerkirche, s. XII.
15 vgl. eineder, Georg: The Ancient PaperMills of the Former AustroHungarian Empire and their Watermarks,
Hilversum 1960.
fol. 15 Tu Patris sempiternus es Filius t solo, Tu ad liberan…dum suscepturus ho… (fol. 15v)
…minem non horruisti Vir…ginis uterum
fol. 15v Tu, devicto mortis aculeo, aperuisti (fol. 16) creden…tibus regna caelo…rum, a solo
fol. 16v Tu ad dexteram Dei se…des a 4 voci, nach sedes kurze Generalpause mit Fermate Wie-
derholung Tu ad dexteram Dei a cappella, se… (fol. 17) …des mit instrumenten, Gene-
ralpause mit Fermate
fol. 27 unbeschrieben
fol. 28 unbeschrieben. auf diesen blättern war Salvum fac vorgesehen, in Dresden aber cho-
raliter vorgetragen.
fol. 29 Kopftitel Allegro ma non troppo, G-Dur (alte nummer 6), links oben rote Markierung
corno I, corno II, oboe I, oboe II, violino I, violino II, viola, soprano, alto, tenore,
basso, organo
Et rege eos et extolle illos usque in aeternum a 4 voci, Per singulos dies benedicimus te. Et
laudamus nomen tuum in sae…culum, et in saeculum sae…culi. (bis fol. 31), dann dop-
pelter schlusstaktstrich.
fol. 31v neuer abschnitt, ohne Kopftitel: instrumentales vorspiel, »con sordini« Flauti, vio-
lini, viola, soprano, organo, G-Dur
letzte akkolade: soprano solo Digna…re Domine die isto sine pecca… (fol. 32) …to
nos custodire. Misere…re nostri Domine, miserere nostri.
fol. 32 Fiat misericordia tua, Domine, super nos quem (fol. 32v) admodum spera…vimus in te,
s solo – kurzes nachspiel.
bettina berlinghoff-eichler
1 eine Übersicht über die nachweislich von andré verfassten bühnentexte bietet Wilhelm stauder, »johann
andré. ein beitrag zur Geschichte des deutschen singspiels«, in: Archiv für Musikforschung 1 (1936), s. 318–360,
hier s. 325–327.
2 Der verlag präsentiert sich im internet unter ‹www.musik-andre.de› (stand: 31. 10. 2020).
3 Mit andrés singspiel beschäftigte sich in jüngster zeit beispielsweise adrian Kuhl in seiner umfangreichen
Dissertation »Allersorgfältigste Ueberlegung«. Nord- und mitteldeutsche Singspiele in der zweiten Hälfte des 18. Jahr
hunderts, beeskow 2015, vor allem s. 205–226, s. 363–457 und s. 484–489.
4 andrés Großvater, Gilles andré (1673–1748), stammte aus einer in südfrankreich beheimateten Hugenot-
tenfamilie. 1687 floh diese über Genf nach Frankfurt, wo sie ab 1688 einige jahre lebte. im april 1709 siedelte
Gilles andré mit der Familie nach offenbach über. vgl. hierzu vor allem august Hermann andré, Zur Geschichte
167
eine wichtige Quelle für Darstellungen der lebensgeschichte andrés stellt in der regel der
artikel in ernst ludwig Gerbers Historisch=Biographischem Lexicon der Tonkünstler dar, der noch
zu lebzeiten andrés erschien und in dem am ende darauf verwiesen wird, dass er aus »einer
eigenhändigen biographie des Hrn. Kapellmeisters gezogen« worden sei.5 Dass es in derartigen
selbstdarstellungen mitunter zu Diskrepanzen zwischen Dichtung und Wahrheit kommt, dürfte
nicht nur einer zur beschönigung oder sogar Glorifizierung tendierenden Darstellungsweise ge-
schuldet sein, sondern möglicherweise auch auf erinnerungslücken basieren.6 Der biographi-
sche teil des Gerberschen artikels wird daher im Folgenden als eine der zentralen Quellen,
vor allem für die jugendzeit, berücksichtigt, stellenweise aber auch kritisch hinterfragt werden
müssen, zumal dieser offensichtlich das in der Musikerbiographik des 18. und 19. jahrhunderts
geradezu klischeehaft verbreitete bild eines Komponisten kolportiert, der »blos zufälliger Weise
von seinem Genie« zur Musik »getrieben« wurde.7
als ältestem sohn des seidenfabrikanten Marc andré (1705–1751) und der aus der Mannhei-
mer Kaufmannsfamilie Pfaltz stammenden Mutter Marie julienne (1710–1784) waren der aus-
bildungsweg und die berufliche Karriere johann ( jean) andrés, geboren am 28. März 1741 in of-
fenbach, lange zeit auf eine spätere Übernahme des Familienunternehmens ausgerichtet. nach
dem tod des Großvaters Gilles andré, der von beruf ursprünglich wohl seiden- und strumpf-
wirker war8 und in offenbach eine seidenmanufaktur aufgebaut hatte, leitete dessen sohn ab
1748 die Firma, verstarb aber bereits drei jahre später im april 1751. Da johann andré als zehn-
jähriger zu jung war, um das renommierte unternehmen weiterzuführen, übernahm seine Mut-
ter, wohl mit unterstützung ihres bruders johann balthasar Pfaltz,9 stellvertretend die leitung.10
Falls Gerbers angaben den tatsachen entsprechen, beschränkte sich andrés mehr oder we-
niger zufällig begonnene musikalische »ausbildung«, die um 1750 eingesetzt haben dürfte, auf
einen zeitraum von wenigen jahren, in denen er lediglich aus zweiter Hand, derjenigen eines
musikinteressierten Freundes, unter anderem in die anfangsgründe der notation und des Kla-
vierspiels eingeführt wurde:
der Familie André, Garmisch 1963, und alfred Kurt, »offenbach, die Hugenotten und die Familie andré«, in:
225 Jahre Musikverlag Johann André. Festschrift zum Jubiläum, hrsg. von ute-Margrit andré und Hans-jörg andré,
offenbach 1999, s. 13–37.
5 ernst ludwig Gerber, art. »andré ( johann)«, in: ders., Historisch=Biographisches Lexicon der Tonkünst
ler, welches Nachrichten von dem Leben und Werken musikalischer Schriftsteller, berühmter Componisten, Sänger,
Meister auf Instrumenten, Dilettanten, Orgel= und Instrumentenmacher, enthält, tl. 1, leipzig 1790, sp. 38–42, hier
sp. 42. Der artikel im Neuen historisch=biographischen Lexikon der Tonkünstler, liefert, abgesehen vom sterbe-
datum, kaum neue Details zur biographie andrés (tl. 1, leipzig 1812, sp. 98 f.).
6 eines der prominentesten beispiele für dieses Phänomen dürfte Georg Philipp telemann sein, dessen mit-
unter sogar zeitnah entstandene autobiographien teilweise falsche Daten liefern.
7 Gerber, art. »andré«, sp. 39.
8 andré, Zur Geschichte der Familie André, s. 65, nach emil Pirazzi, Bilder und Geschichten aus Offenbachs Vergan
genheit. Eine Festgabe zur Hessischen Landes=Gewerbe=Ausstellung in Offenbach am Main, offenbach 1879, s. 182.
9 Wolfgang Matthäus, Johann André, Musikverlag zu Offenbach am Main. Verlagsgeschichte und Bibliographie
1772–1800, nach dem tode des verfassers hrsg. von Hans schneider, tutzing 1973, s. 16.
10 vgl. hierzu Gerber, art. »andré«, sp. 38: »[ johann andré] war bestimmt, die Handlung zu erlernen, um die
seiden=Fabrik, welche seine Fr. Mutter in offenbach besaß, fernerhin verwalten zu können.«
Wie Wolfgang Matthäus überzeugend darstellt, dürfte es sich bei diesem Freund, »welcher sich
auf die Musik legen wollte, aber hernach ein guter Maler wurde«,12 um den Porträtmaler Georg
oswald May (1738–1816) gehandelt haben, der 1783 andrés jüngere schwester antoinette elisa-
beth (1745–1815) heiratete.13
Möglicherweise war andrés Mutter mit der erziehung ihrer fünf Kinder und der leitung
der Firma überfordert, so dass sie ihren ältesten sohn vom »12ten bis ins 16te jahr« (d. h. in den
jahren 1752/53 bis 1756/57)14 von einem wahrscheinlich der französisch-reformierten Kirche an-
gehörenden Prediger auf dem land erziehen ließ. Dort soll ihm zwar »ein Klavier zu seinem
Gebrauche in den erholungsstunden« zur verfügung gestanden haben, doch erhielt er offenbar
keinen »weitern unterricht in der Musik«.15 anschließend kehrte er nach offenbach zurück,
um im familieneigenen betrieb in das »Handlungs= und Fabrikwesen« eingeführt zu werden.16
Parallel dazu erhielt andré für einige Monate unterricht im Generalbassspiel. Dieser bestand
nach Gerber jedoch nur aus der »abspielung« von »Königs choralbuche«.17 verfasser des er-
wähnten choralbuches mit dem titel Harmonischer Lieder=Schatz, oder Allgemeines Evangeli-
sches Choral=Buch,18 Frankfurt am Main 1738, war der damalige Frankfurter Director musices
johann balthasar König (1691–1758).
um 1758 lebte andré, vermutlich um seine kaufmännische ausbildung fortzusetzen, für
ein jahr in Mannheim, wo er angeblich »keine Komödie und kein Konzert« versäumte.19 Die
aussage überrascht insofern, als in Mannheim die aufführung von Komödien während des
20 anton Pichler, Chronik des Großherzoglichen Hof- und National-Theaters in Mannheim. Zur Feier seines hun-
dertjährigen Bestehens am 7. October 1879, Mannheim 1879, s. 18 f.
21 elisabeth Mentzel, Geschichte der Schauspielkunst in Frankfurt am Main von ihren ersten Anfängen bis zur Er
öffnung des städtischen Komödienhauses. Ein Beitrag zur deutschen Kultur und Theatergeschichte (= archiv für
Frankfurts Geschichte und Kunst, neue Folge 9), Frankfurt am Main 1882, s. 260–262, und beilage XIII, »aus-
zug aus dem repertoire der französischen Komödianten während der besetzung Frankfurts im siebenjährigen
Kriege«, s. 496–500.
22 Gerber, art. »andré«, sp. 39 f.
23 Mentzel, Geschichte der Schauspielkunst in Frankfurt am Main, s. 271–278, und beilage XIV, »nicht ganz voll-
ständiges repertoire der französischen Komödianten unter Direktion von claude barizon 1764«, s. 500–509.
24 Die angaben otto bachers, »Frankfurts musikalische bühnengeschichte im achtzehnten jahrhundert,
teil I: Die zeit der Wandertruppen. (1700–1786)«, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 32 [4. Folge,
bd. 1] (1925), s. 133–206, hier s. 146, beziehen sich zum einen auf Dittersdorfs Lebensbeschreibung. Seinem Sohne
in die Feder diktiert, leipzig 1801, s. 125, und zum anderen auf das sog. Krönungsdiarium von 1764, dessen zweiter
abschnitt von Philipp johann nepomuk seitz unter dem titel Vollständiges Diarium Von der Höchst=beglück
ten Wahl Des Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Josephs des Andern, Erwählten
Römischen Königes, Zu allen Zeiten Mehrers des Reiches, in Germanien Königes zu Hungarn, Böheim, Dalmatien,
Croatien, Sklavonien Königlichen Erbprinzen, Erzherzoges zu Oestreich, Herzoges zu Burgund, zu Lothringen und
Baar […] Großprinzen zu Toskana […] da Allerhöchst Sie am 27ten März im Jahre 1764. Zum Römischen Könige
[…] erwählet worden. Worinnen die merkwürdigsten Handlungen und Begebenheiten […] und all jenes enthalten ist,
was bey dieser Höchst=beglückten Begebenheit In der Freien Reichs= und Wahl=Stadt Frankfurt am Mayn vorgegangen
in Mainz 1770 erschien. Die namen anwesender Musiker bzw. die anzahl von Musikern bestimmter Kapellen
finden sich u. a. auf s. 14, 32 und 54 f. der beigefügten »Furir=listen« (mit separater Paginierung).
25 Gerber, art. »andré«, sp. 40.
26 zum beispiel bei stauder, »johann andré«, s. 320. stauders tabellarische erfassung der musikalischen büh-
nenwerke und seine auflistung der von andré verfassten bühnentexte repräsentierten den Kenntnisstand des
jahres 1936. zu ergänzen wäre in jedem Fall das vermutlich 1772 entstandene einaktige singspiel Peter und Hann-
chen, oder Die Bezauberten.
27 Gerber, art. »andré«, sp. 42, erwähnt lediglich am ende andrés Übersetzungen französischer operetten.
28 julius reinhard Dieterich, »Phylandria. ein Kulturbild aus Goethes jugendzeit«, in: Allgemeine Zeitung
(München), beilagen nr. 80–82 (8.–10. april 1902), s. 49–52, 59–62 und 65–67, hier vor allem s. 49–51. Der über-
wiegende teil des von Dieterich verwendeten Materials verbrannte nach einem bombenangriff im jahr 1944
(Johann Wolfgang Goethe. Briefe. Historisch-kritische Ausgabe, bd. 1/II: 23. Mai 1764 – 30. Dezember 1772. Kommen
tar, hrsg. von elke richter und Georg Kurscheidt, berlin 2008, s. 6). erhalten sind lediglich die Acta der Arca
dischen Gesellschaft zu Phylandria. Vom 1ten Aprill biß ult. Junii 1764, die in der universitätsbibliothek leipzig (slg.
Hirzel, sign. b 2) aufbewahrt werden und in denen sich u. a. der erste überlieferte brief Goethes vom 23. Mai
1764 befindet.
29 Dieterich, »Phylandria«, nr. 80, s. 51.
30 ebd., s. 50 f.
31 ebd., s. 51.
32 Die Komischen Versuche, die möglicherweise ausschließlich aus bei den arkadiern aufgeführten stücken be-
stehen, enthalten außerdem das einaktige schäferspiel Der unschuldige Plauderer und das einaktige lustspiel
Fritz, der Student. in allen drei stücken sind keine Passagen zum singen vorgesehen. ob es sich bei ihnen um
Übersetzungen handelt, ist den titelblättern nicht zu entnehmen.
33 Goethes besuche bei andré lassen sich belegen durch einen brief Friedrich Karl schweitzers an ludwig
ysenburg von buri vom 10. juli 1764 (»ach dencken sie der bewuste Freund Herr W. Göthe ist zu offenbach
bey unserm andre gewesen und dieses vorgestern.«) und einen brief ysenburg von buris an schweitzer vom
20. juli 1764 (»[…] es hat daher der kluge amint den Herrn Göthe, als er vorgestern zu ihm kam sehr schleunig
abgefertigt.«), abgedruckt bei Dieterich, »Phylandria«, nr. 81, s. 61 und 62.
34 ebd., s. 61 f.
35 Marchands Gesellschaft spielte bis 1777 außerdem in straßburg, Köln, Pyrmont, Mannheim und Hannover;
vgl. den Wanderweg Marchands bei eike Pies, Prinzipale. Zur Genealogie des deutschsprachigen Berufstheaters
vom 17. bis 19. Jahrhundert, ratingen u. a. 1973, s. 236. 1777 wechselte er mit seiner Gesellschaft an das Mannhei-
mer theater und ging 1778 im Gefolge Karl theodors, der nach dem tode Max’ III. joseph von bayern dessen
erbe antrat, mit nach München, um dort die leitung der national-schaubühne zu übernehmen.
36 eine auflistung des repertoires der Marchand’schen Gesellschaft findet sich bei Mentzel, Geschichte der
Schauspielkunst in Frankfurt am Main, beilage XIX. »auszug aus dem repertoire der Kurpfälzischen Hofschau-
spieler unter Direktion von theobald Marchand, während ihrer hiesigen Wirksamkeit von der ostermesse
1771 bis zur ostermesse 1777«, s. 517–521; vgl. ferner das Kapitel »theobald Marchand’s Wirken in Frankfurt«,
s. 311–340.
37 zum beispiel in Wolfgang Plaths artikel über johann andré in: NGroveD2, london u. a. 2001, bd. 1, s. 618 f.,
hier s. 619, oder Matthäus, Johann André, s. 17.
38 Die angaben zur zueignung an Marchand und zur zusammensetzung des bandes basieren auf reinhart
Meyer, Bibliographia dramatica et dramaticorum. Kommentierte Bibliographie der im ehemaligen deutschen Reichs
gebiet gedruckten und gespielten Dramen des 18. Jahrhunderts nebst deren Bearbeitungen und Übersetzungen und
ihrer Rezeption bis in die Gegenwart, 1. abteilung, bd. 1, hrsg. von dems. in zusammenarbeit mit Wolfgang Fenner
u. a., tübingen 1986, s. 11 f. Die Lustspiele erschienen ohne angabe des verfassers. Die beiden erstgenannten
stücke datieren aus dem jahr 1766, Der Wittwer aus dem jahr 1771. beim Alten Freyer handelt es sich um eine
bearbeitete version des in den Komischen Versuchen aus dem jahr 1767 (s. 75–110) abgedruckten lustspiels. in
den Göttingischen Anzeigen von Gelehrten Sachen unter der Aufsicht der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften,
bd. 1, 7. stück (16. januar 1772), s. 56, hält der rezensent die stücke offenbar für originale und nicht für Über-
setzungen: »Da die deutsche bühne mit originalen noch nicht überflüßig versehen ist, so hat man ihm [dem
verfasser, einem Kaufmann] für diesen beytrag zu danken, und zu wünschen, daß die glückliche anlage und die
neigung die er zu solchen arbeiten zeigt, noch weiter von ihm möge gebraucht, und vollkommener gemacht
werden.« – explizit als verfasser angegeben wird andré in einer kurzen besprechung der Allgemeinen deutschen
Bibliothek, bd. 22, berlin/stettin 1774, 1. stück, rubrik »Kurze nachrichten«, s. 236. Der gesamte band wurde
ferner besprochen im Almanach der deutschen Musen auf das Jahr 1772, leipzig [1772], »notiz poetischer neuig-
keiten vom jahr 1771«, s. 99 f.
39 Meyer, Bibliographia dramatica et dramaticorum, 1. abteilung, bd. 1, s. 12, nennt als verlag andreä. Da kein
exemplar dieser sammlung nachweisbar war, wird die zusammensetzung der drei teile nicht erwähnt.
40 nach carl Martin Plümicke, Entwurf einer Theatergeschichte von Berlin, nebst allgemeinen Bemerkungen über
den Geschmack, hiesige Theaterschriftsteller und Behandlung der Kunst, in den verschiedenen Epochen. Mit ange
hängtem Verzeichnisse aller auf der Kochschen und Döbbelinischen Bühne erschienenen Stücke und Ballette, berlin/
stettin 1781, s. 318. Plümicke fungierte in dieser zeit als theaterdichter der Döbbelinschen Gesellschaft und
dürfte daher einen guten Kontakt zu andré gehabt haben. – Die vier stücke gehören zu einer großen Gruppe
von in Frankfurt veröffentlichten opern- und schauspiel-Übersetzungen, die in der literatur wahlweise dem
Hofgerichtsrat johann Heinrich Faber (1742–1791) oder johann andré zugeschrieben werden; vgl. hierzu auch
Meyer, Bibliographia dramatica et dramaticorum, 2. abteilung, bd. 25: (1772–1774), tübingen 2006, s. 19–39. an-
dré überarbeitete text und Musik zu Peter und Hannchen einige jahre später noch einmal für das Döbbelinsche
ensemble (Die Bezauberten, 1777).