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Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses. L Das Oktogon und die Symbolik der Achtzahl. Die Inschrift des hl. Ambrosius im Baptisterium der Theklakirche von Mailand. Unter den Anweisungen fiir den christlichen Kultbau bringt das syrische Testament unseres Herrn auch die Bestim- mung: ,,.Jnnerhalb des Atriums sei das Taufhaus. Es habe eine Lange von 21 Ellen, um die volle Zahl der Propheten anzudeuten, und eine Breite von 12 Ellen zum Sinnbild derjenigen, die zur Verkiindigung des Evangeliums bestellt waren. Zugang sei einer, Ausgiinge aber drei‘*. Ob bis jetzt schon ein Baptisteriumbau auf syrischem Gebiet nachgewiesen ist, der genau diesen symbolischen Mafen entspricht, weif ich nicht. Das Baptisterium von Dehhes, etwa der Zeit um 500 zugehorig, ist ein quadratischer Bau, der an 1 Testamentum Domini nostri Jesu Christi I, 19 S. 28 Raumant. Dio Zahl 21 als Zahl der Propheten ist eigenartig, da sonst bei Epiphanius die Zahl 24 genannt wird. Vgl. Th. ScHERMANN, Propheten- und Apostellegenden nebst Jingerkatalogen des Dorotheus und verwandter Texte=TU 81,8 (1907) 24. 26. Doch kommen in Varianten auch die Zahlen 81 und 21 vor. Vgl. ScHERMANN a. a. 0. 25. Die Zahl 24 wird fiir eine wichtige Bausymbolik genannt in der arabischen Didaskalie 85,4. 5 (II, 124 Funk): E parte occiden- tali huius unius portae sit photisterium, cuius longitudo sit cubitorum viginti quatuor secundum typum congregationis seniorum viginti quatuor et cuius latitudo sit cubitorum duodecim in typum eorum, qui constituli sunt ad adnun- tiandum evangelium. Et ex parte occidentali seplemtrionali photisterii sit locus baptismatis catechumenorum et etiam eaorcisterium; sit a latere ecclesiae, ut tatechumeni, qui in eo sunt, inveniant facultatem audiendi pericopas et hymnos spirituales et psalmos, qui dicuntur in ecclesia. Hier wird der locus baptismatis Von dem pholisterium unterschieden. Demnach milfte das photisterium etwas anderes sein als das gewohnlich mit dem Taufhaus gleichgesetzte pororfoor der Griechen, Es gewinnt den Anschein, da8 das pholisterium der arabischen Didaskalie (vorausgesetzt daB die Ubersetzung bei Funk richtig ist) von pwrifew = lehren“ stammt und demnach einen ,,Lehrsaal“ der Katechumenen dar- stellt. Doch haben hier zunichst die Orientalisten zur Uberpritfung des Urtextes Roch das Wort. qe Délger, Antike und Christentum. IV. Band 19% oe 154 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses jeder Seite fimf Meter mift*. Das Baptisterium von Dar Qita, datiert auf das Jahr 422, ebenfalls quadratisch angelegt, mift an jeder Seite 4,75 m, Das Taufbecken ist hier in eine vorspringende Abside eingebaut*. Quadratisch ist auch das Baptisterium von Bakirha aus dem Jahre 501‘. Ebenso zeigt der dlteste Teil des Taufhauses in Amwas (Emmaus), den man in die Zeit des Julius Africanus (+ nach 240) ansetzen méchte, ein Quadrat von 10,40 m Seitenlinge “*. Die Bestimmung im Testament unseres Herrn war also die Anordnung eines symbolfreudigen kirchlichen Wiirden- tragers, die aber nicht tiberall Anklang gefunden hat. Wichtig ist sie aber fiir uns wegen der klar ausgesprochenen Absicht, beim Bau eines Taufhauses eine Symbolik zur Ausfihrung zu bringen. Ob eine Symbolik auch bei anderen Anlagen beabsichtigt war, ist nunmehr zu untersuchen. Wir beginnen mit dem Oktogon. Zum erstenmal tritt die Achtzahl in der Konstruktion eines alt- christlichen Taufhauses fiir uns fafSbar in die Erscheinung in dem Konstantinischen Baptisterium an der Basilika des Lateran, Unter dem jetzigen Oktogon des Papstes Xystus III (482—440) wurden die im Kreisrund gezogenen Mauern eines dlteren Baues fest- gestellt, an dessen Innenseite acht Pfeiler vorgelagert waren’. Das kénnte einfach die Ubernahme aus dem Bauschema einer antiken Badeanlage sein. Daf eine Symbolik mit den acht Pfeilern ange- strebt worden sein kénnte, hingt ganz von den theologischen Be- ratern des Kaisers und seiner Architekten ab. Aber wir wissen nichts dariiber. Das gleiche gilt von den fiir die weitere Aus- schmiickung des Baues bereit gehaltenen acht Sdéulen aus dem kai- serlichen Porphyr*. Xystus III dagegen und sein Diakon Leo mégen schon ganz von der Symbolik der Achtzahl erfiillt gewesen sein, als sie die Taufkapelle iiber dem Kreisrund der dlteren An- 2 DACL IV, 1, 457 Fig. 3640. Abb. nach H. C. Burter, Architecture and other arts (London 1904) 206. Eine Tiraufschrift aus dem fiinften Jahrhundert oder den ersten Jahren des sechsten Jahrhunderts sagt: ,,Dies ist das Haus der Taufe von Gott Vater und unserem heiligen menschgewordenen Herm Jesus Christus und seinem Erleuchter“. 3 DACL IV, 1, 267 Fig, 3598; 269 Fig. 3599 und 8601; 271 Fig. 8602. Die Abbildung nach H. C. Burer a. a. 0. 187—140. * DACL II, 1, 129 Fig. 1218. Abb. nach H. C. Burrer a. a. 0. 191. 4a H. Vincent-F. M. Aner, Emmaus (Paris 1982) 237. Hinweis von A. Rocker. ® Den Plan der Grabungen siehe bei G. B. Grovenate, Il Battistero Lateranense nelle recenti indagini della Pont. Commissione di Archeologia sacra (Roma 1929) Tafel I. Vgl dazu A. von Gerkan, in: Deutsche Literatur- veitung 51 (1980) 1659-1663 und Th. Krauser, in: Jahrbuch fir Liturgie- wissenschaft 11 (1981) 287 Nr. 217. aA 6Ne Antike und Christentum 2 (1980) 252 A. 1 und GroveNaLE 1. Die Baptisteriuminsehrift und die Theologie des Ambrosius 155 lage im Oktogon auffiihrten, die acht Sdulen um das Taufbecken aufstellten und den im Achteck dariiber gelagerten Architrav mit den bekannten acht Distichen schmiickten’. Ausgesprochen haben sie die Symbolik aber nicht. 1. Die Inschrift im Baptisterium der Theklakirche von Mailand im Einklang mit der Theologie des Ambrosius, Die einzige klare Stelle, die uns eine Symbolik fiir das christ- liche Taufhaus im Abendlande berichtet, ist die Inschrift, die Ambrosius von Mailand fir das Baptisterium an der Thekla- kirche in Mailand verfafte. Sie ist uns leider nicht mehr im Original erhalten, sondern nur in der Abschrift der Inschriften- sammlung von Lorsch, der sogenannten Sylloge Laureshamensis, in dem Vatikanischen Cod. Palat. 833 aus'dem neunten Jahr- hundert iiberliefert. Sie lautet: Octachorum s(an)c(t)os templum surrecit in usus, octagonus fons est munere dignus eo. Hoc numero decuit sacri baptismatis aulam surgere, quo populis vera salus rediit luce resurgentis Chr(ist)i, qui claustra resolvit mortis et e tumulis suscitat exanimes confessosq(ue) reos maculoso crimine solvens fontis puriflui diluit inriguo. Hic, quicum(que) volent probrosa(e) crimina vitae ponere, corda lavent, pectora munda gerant, Huc veniant alacres: quamvis tenebrosus adire audeat, abscedet candidior nivibus. Huc s(an)c(t)i properent: non eapers ullus aquarum s(an)c(tu)s, in his regnum est consiliumg(ue) d(e)i, gloria iustitiae, Nam quid divinius isto, ut puncto exiguo culpa cadat populi?® Die Verse sind in der Uberlieferung als Versus Ambrosi ad fontem oder Versus Ambrosii ad fontem Ecclesiae Sanctae Theclae (Grurer) iiberliefert. Da fons in der zweiten Halfte des vierten Jahrhunderts, besonders auch im Sprachgebrauch des Ambrosius, fiir gewdhnlich das Taufbecken oder den ,,Taufbrunnen“ im 7 Vgl. Antike und Christentum 2 (1980) 252—257. * G. B. pe Rosst, Inscriptiones christianae urbis Romae II, 1 p. 161 n. 2. — CIL Vp. 617, 2. Danach Carmina latina epigraphica II, 420 Nr. 908 Bucueter. — Auch abgedruckt von P. Lesay, Ambrosien rit = DACL I, 1, 1386. Siehe auch I. Grurerus, Inscript. roman, corpus 1168, 8 mit der Erstausgabe der Insebrift. 10** 1568 Zur Symbolik des altehristlichen Taufhauses engeren Sinne bedeutet**, so kénnten die Verse in der Nahe des Taufbeckens oder iiber ihm angebracht gewesen sein. Zu beachten ist die nicht zufallige Achtzabl von Distichen. Sie soll die im Texte selber so stark betonte Symbolik der Achtzahl noch einmal hervor- heben, sie wird aber andererseits auch bautechnisch bedingt sein. Diese Achtzahl von Distichen ist uns namlich soeben begegnet, und zwar iiber dem Architrav, der die im Achteck aufgestellten Sdulen des Taufbrunnens im Baptisterium von S. Giovanni in Fonte an der Lateranensischen Basilika iiberdeckt**. Die Anbringung der rémischen Inschrift auf dem achtgeteilten Gebalk fallt etwa 45 oder 50 Jahre spater als der Text von Mailand. Sie scheint mir aber einen Typus darzustellen, der schon in Mailand in den letzten Jahr- zehnten des vierten Jahrhunderts vorhanden war, Zur Textgestalt der Inschrift ist wenig zu sagen. Zu octagonus in Zeile 2 hat BUcHELER die schlechte Note prave angemerkt. Das ist unversténdlich. In der griechischen Architektensprache des vierten christlichen Jahrhunderts ist é«téywvos sowohl als Sub- stantiv wie als Adjektiv gelaufig, wie man aus Gregor von Nyssa ersehen mag, der Formeln gebraucht wie diese: tot Sxraydvou nlevgai* sowie 15 dxrdywvoy oxfua"! und 6 dxtdywvos olxoc**. Das griechische éxrdywvoc ist nach den Parallelen von zetedywvos und éntdywvos gebildet und nach dem Ausweis von Sophocles s. v. bereits fiir Nicomachus belegt. Wichtiger aber ist fiir uns, da®B die griechische Form bereits am Ausgang der Re- publik latinisiert war. Vitruvius hat naémlich sowohl die substan- tivische wie die adjektivische Fassung in die lateinische Archi- tektensprache nach dem Ausweis der besten handschriftlichen Uberlieferung iibernommen. Er hat Zusammenstellungen wie diese: lateribus octagoni", anguli octagoni ** und turrim marmoream octa- gonon*, Das Wort brauchte also von dem Verfasser der mailandi- schen Baptisteriuminschrift nicht einmal aus dem Griechischen iibernommen zu werden, es war latinisiert bereits vorhanden, Sacri baptismatis aula in Zeile 8 scheint fiir Baptisterium eine bevorzugte dichterische Fassung gewesen zu sein. Sie begegnet 2 Vgl. Antike und Christgntum 8 (1982) 22 f. __* Vgl. Antike und Christentum 2 (1980) 252ff.: Die Inschrift im Bap- tisterium S. Giovanni in Fonte an der Lateranensischen Basilika aus der Zeit Xystus’ TIT. (482—440) und die Symbolik des Taufbrunnens bei Leo dem Grofen. * Gregor von Nyssa, Epistula 25,3. 4 (VIII, 2, 77 Z. 11. 14 Pasquati). *4 Gregor von Nyssa, Epistula 25,8 (VIII, 2,77 Z. 10 Pasquati)- *e Gregor von Nyssa, Epistula 25,6 (VIII, 2,77 Z. 25 Pasquati). “f Vitruvius, De architectura I, 6,4 (S. 24 Z. 2 Rose). ‘« Vitruvius, De architectura I, 6,18 (S. 28 Z. 17. 22 Rose). *. Vitruvius, De architectura I, 6,4 (S. 24 Z. 1 Rose). 1. Die Baptisteriuminschrift und die Theologie des Ambrosius 157 (vielleich von Mailand abhéngig) auch bei Venantius Fortunatus, der nach der Mitte des sechsten Jahrhunderts seine Inschrift fiir das Baptisterium des Bischofs Sidonius von Mainz mit dem Verse begann: Ardua sacrati baptismatis aula coruscat*, In Zeile 9 hat Grurer fiir das probrosa der Uberlieferung probrosae vorge- schlagen. Gerant in Zeile 10 hat Mommsen in gerent verbessern wollen. In der Formel candidior nivibus der Zeile 12 hat HENsE die Abhingigkeit von Ovid, Amores III, 5, 11 festgestellt, Man kann vielleicht so iibersetzen: Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu heiligem Brauch. Oktogonal ist der Brunnen gefaft, wiirdig der (heiligen) Gabe°, 8i Vgl. F. X. Knaus, Die christlichen Inschriften der Rheinlande I (Frei- burg i. B. 1890) 26 Nr. 46. Vgl. dazu noch Venantius Fortunatus I, 15 (Migne PL 88,78) von der Bautatigkeit des Bischofs Leontius von Bordeaux: Instaurata etiam sacri est baptismatis aul Quo maculas veteres fons lavat unus aquis. * Man kénnte versucht sein, das munus auf den liturgischen Dienst zu beziehen, wie etwa Tertullianus, De spectaculis 12 (CSEL 20, 14 Z. 101. R.—W.) munus mit officium zusammenbringt und von einem munus ad altare perficere spricht, vgl. De patientia 12 (CSEL 47, 18 Z. 15. Krovmann). Dann de das Wort den Gedanken von sanctos usus noch einmal aufnehmen. Da ir den Text nach dem unten gegebenen Nachweis als Eigentum des Ambro- sius annehmen, so ist die Ausdrucksform des Ambrosius in seinen Ausfih- rungen iiber die Achtzahl magebend. Dort (vgl. S. 1681.) spricht er aber von vilae aeternae munus und von oclavae munus. Im Breviarium Romanum leitet der als ambrosianisch geltende Hymnus in der Matutin der Apostelfeste also ein: Aeterna Christi munera, ‘Apostolorum gloriam, Palmas et hymnos debitos Laetis canamus mentibus. Fir Ambrosius sind die munera die Gaben, wie er ja auch die Reliquien der Martyrer Agricola und Vitalis munera salutis = ,Gaben des Heils“ nannte. Vg). Antike und Christentum 8 (1932) 108 A. 60. Fir Ambrosius ist ,die Gabe des ewigen Lebens" (vitae aeternae munus) in der Taufe grundgelegt und garantiert. Er spricht damit ganz das Gleiche aus, was auch die Inschrift des Baptisteriums bei S. Anastasia am Fufe des Palatin in Rom verkiindet mit den Worten: aeternumque datur casto baptismate munus wund ewige Gabe wird in der reinen Taufe gegeben“. Vel. Carmina latina epigraphica I, 151 Nr. 811, 5 BUcHELER. Munus und munus Christi ist dann auch die Gabe oder Begnadung Christi in der Taufe oder die Taufgnade. So ist eine Inschrift aus dem Coemeterium der hl. Christina in Bolsena gemeint, wenn sie von einem verstorbenen Alexander sagt: nuper praeclaro signatus munere Christi. H. Stevenson hat in Rémische Quartalschrift 2 (1888) 844 behauptet, in diesem Text sei ,offenbar die consignatio, die Firmung, gemeint". P. Srycer, Die rémischen Katakomben (Berlin 1983) 185 A. 1 hat sich dadurch verleiten lassen, ebenfalls zu behaupten, da8 hier wabrecheinlich vom Sakrament der Firmung die Rede sei. Allein das munere Christi ist auf die christliche Initiation im 10 188 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses In der (heiligen) Achtzahl mufte das Haus der heiligen Taufe entstehen, In der den Vélkern heimkehrte in Wahrheit das Heil Im Licht des (siegreich) erstehenden Christus, der léset die Riegel Des Todes und aus den Grabern die Toten erweckt Und von der Makel der Siinde befreit die reuig bekennenden . Siinder, Da er sie reinigt im Wasser des kristallhell flieBenden Taufquells. Wer sich sehnet danach, abzulegen des Lebens schimpfliche Taten— Hier ist die Statte fiir ihn, das Herz zu baden, um reines Gewissen zu tragen. Hierher sollen sie eilen in seliger Freude: Wenn auch schwarz ist die Sele, So fass’ er den Mut doch, zu kommen, weiBer wie Schnee wird er fortgehn, Auch wer rein sich wahnt, soll kommen in Eile: Keiner ist rein, der nicht teilhat an diesen Gewiissern. Sie gewihren das Reich, Gottes traute Gemeinschaft**, Der Gerechtigkeit herrliche Krone. Was kann gittlicher sein, als daB Nach kurzem Bemiihen die Schuld des Volkes dahinsinkt?“ De Ross trug kein Bedenken, diese Verse als Eigentum des Ambrosius anzuerkennen”. Auch MERKLE betonte, diese Verse seien zu gut als das Eigentum des Ambrosius bezeugt*’. Dagegen erhob Lesay von dem Inhalt der Verse her Bedenken gegen die Vollsinn zu beziehen, und der Text von der Auszeichnung (signatus) des Ver- storbenen durch die Gnade Christi zu verstehen. Vgl. dazu F. J. Déxcer, Die Firmung in den Denkméalern des christlichen Altertums = Rémische Quartal- schrift 19 (1905) 17. Ein prachtvolles Seitenstiick besitzen wir nunmehr in einer von StyGER entdeckten und verdffentlichten Inschrift dus der Priszillakatakombe: Restutus nomen factus in morte fidelis terrena; nam vita manet caeli mihi iugis. Equestris turmas quondam qui condecoravi, ingenio veloz, studiis instructus honestis, emensus lucis spatium tris atq(ue) X annos hic corpus iaceo, caeli sed in aethere vivo ante pedes doming, praecellens munere Christi. Parent(es) et fratres d(e)d(icaverunt). Vgl. P. Srycer a. a. 0. 183 und Tafel 25. Munus Christi ist in diesen In- schriften soviel wie gratia, das als Bezeichnung fiir die Taufe und Taufgnade in altchristlichen Inschriften hiufig begegnet und auch in der Kurzform accepit vorausgesetzt ist. — Zur Bedeutungsgeschichte von munus vgl. noch ©. Caset, Aerrovgyia— munus = Oriens Christianus 8. Reihe 7. Band (1982) 269—302. 2 Ich méchte vorsehlagen, conciliumque zu verbessern. 31 G. B. be Rosst, Inscriptiones christianae urbis Romae II, 1, 161 n. 2. 7S. MeRELE, Die Ambrosianischen Tituli = RQS 10 (1896) 185. 1. Die Baptisteriuminschrift und die Theologie des Ambrosius 159 Verfasserschaft des Ambrosius. Die Verse 13 und 14: Huc sancti properent: non expers ullus aquarum sanctus sollen einen Anklang an die Pelagianischen Streitigkeiten erkennen lassen, die erst nach dem Tode des Ambrosius (397) in die Erscheinung traten. Von diesem Zeitpunkte habe man auf die Notwendigkeit der Taufe besonderes Gewicht gelegt**. Der Verfasser der Schrift De sacra- mentis bringe den Einwand eines Pelagianers mit den Worten: »Warum soll ich mich taufen lassen? Ich habe keine Siinde. Habe ich mir eine Siinde zugezogen?“ Die feste Antwort darauf laute: Kein Mensch ist naémlich ohne Siinde“ **. Der Beweisgang Lesays ist vollig abwegig. Selbst ohne Be- riicksichtigung der Lehre von der Erbsiinde hat man mancherorts in aller Schirfe die Notwendigkeit der Taufe betont auf Grund des Wortes Jesu: ,,Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, der kann nicht in das Reich Gottes eingehen* (Joh, 35) *. Wie stark man nach diesem Johanneischen Text die Notwendigkeit der Taufe gerade fiir die Erlangung der Heiligkeit oder Reinheit betont hat, bezeugtz.B. Tertullianus an einer fiir die sprach- geschichtliche und dogmengeschichtliche Beurteilung unserer In- schrift gleich bedeutsamen Stelle. In Riicksicht auf die im rémi- schen Heidentum bei der Geburt eines Kindes iiblichen aber- glaubischen Zeremonien, die ihm wie eine dimonische Befleckung des Kindes vorkommen, sagt er, da8 fast keine Geburt rein sei, wenigstens nicht bei den Heiden, daf bei den Christen dagegen durch die gegenseitige Heiligung der Eltern reine und heilige Kinder geboren wiirden nach dem Worte des Apostels I Kor 7, 14. Dann fiigt Tertullian bei: ,,Im iibrigen hatte er (der Apostel) auch an den Ausspruch des Herrn gedacht: ,Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, wird er nicht eingehen in das Reich Gottes‘ Joh 3,5), d. h. er wird nicht rein (sanctus) sein“**. Hier wird durch die Gedankenentwicklung das sanctus ganz deutlich in dem Sinne von ,,rein“ gefaBt, was ja auch der Betonung der Wie- dergeburt aus dem Wasser trefflich entspricht*. Genau so ist es 2 P. Lesay, Ambrosien rit = DACL I, 1, 1386. ™ Ambrosius, De sacramentis III, 2, 18. 38 Vel. F. J. Déxcer, Der Exorzismus im altehristlichen Taufritual (Pader- born 1909) 404. mit besonderem Hinweis auf die Klementinische Homilie XIII, 21 (S. 140 Lacarpe). % Tertullianus, De anima 39, 4 (S. 144 Waszinx): Alioquin ‘meminerat dominicae definitionis: nisi quis nascelur ex aqua et spiritu, non ‘inibit in regnum dei, id est non erit sanctus. 1” Man vergleiche dazu den herrljchen antiken Vers, der uns bei Kle- mens von Alexandrien, Stromata IV, 22 § 142,8 (II, 811 Z. 9 SrAutin) dberliefert ist in der Form: Lo ji) lovreg, Atha vop xadages. 160 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses in unserer Inschrift. Hier ist durch die vorausgehende Partie gerade die durch die Taufe vermittelte Loslésung von der Siinde, die bewirkte Reinheit der Seele gekennzeichnet. In der Gedanken- folge muS darum das folgende sancti und sanctus im Sinne von »Tein“ verstanden werden. Vom Standpunkt der Dogmengeschichte aus kénnten also die beiden Verse 13 und 14 genau so gut schon um das Jahr 200, also rund zweihundert Jahre vor Ambrosius verfaSt sein. Aber auch mit der Theologie des Ambrosius selber sind die Verse inhaltlich véllig im Einklang. Es mag beachtet werden, daB Ambrosius in Riicksicht auf das Mosaische Gesetz, den Knaben am achten Tag zu beschneiden, darauf hinweist, da8 dies ein mystisches Gesetz sei, denn der achte Tag sei der Tag der Auferstehung, Am Tage des Herrn sei der Herr Jesus aufer- standen**. Das gibt nun Ambrosius den Anlaf, zu sagen, daB sowohl ,der Gerechte wie auch der Siinder beschnitten werden miisse mit der Nachlassung der Siinden, damit er nicht weiter eine Siinde tue, denn niemand steigt zum Himmelreich auf, wenn nicht durch das Sakrament der Taufe“**. Mit der Anwendung der Be- schneidung auf die Taufe fiihrt dann Ambrosius aus: ,,Zugleich damit niemand sich aufblihe, da er sich als Gerechter vorkomme, wird der Befehl gegeben, daf Abraham im fortgeschrittenen reiferen Alter beschnitten wiirde. Weder der greise Proselyt noch das Kind des Stammes wird ausgenommen, weil jedes Alter der Siinde verhaftet ist und deshalb jedes Alter geeignet ist fir das Sakrament“*°, Das sind doch alles Gedanken, die genau so in unserer In- schrift wieder begegnen. Ein Widerspruch zwischen der Theologie des Ambrosius und der Theologie der Baptisteriuminschrift an der Theklakirche von Mailand ist also nicht vorhanden”. 2. Die Symbolik der Achtzahl in den Schriften des Ambrosius. Der Text der Inschrift ist auch nach dem iibrigen Inhalt véllig entsprechend dem Gedankengang und der Bildersprache des Am- © Ambrosius, De Abraham II, 11, 79 (CSEL 82, I, 681 Z, 11-18 ScuENsL). * Ambrosius, De Abraham II, 11, 79 (CSEL 82, I, 632 Z. 7—11 ScuENEL): Et domesticus et alienigena et iustus et peccator circumeidatur remissione peccatorum, ut peccatum non operetur amplius, quia nemo ascendit in regnum caelorum nisi per sacramentum baptismatis. » Ambrosius, De Abraham Il, 11, 81 (CSEL 32, I, 638 Z. 7—11 ScHENkL). * Auch die Ausfiihrungen des Ambrosius iber die Bedeutung der Fu8- waschung als Taufzeremonie, auf die Lesay so groBes Gewicht legt, sind nicht Segensitzlich. Vgl, dazu J. E, NiepeRnuer, in: BKV 82 (1917) 90. 2. Die Symbolik der Achtzahl bei Ambrosius 161 brosius. Vor allem gilt dies von dem Lobpreis der Achtzahl und der Begriindung ihrer Wiirde, wie dies in dem Verse 4 und den folgenden Versen zum Ausdruck kommt. Die héchste Aussage geht aus von dem Auferstehungstage Jesu, der tiber die Siebenzahl der Woche hinausliegend als achter Tag bezeichnet wird, Dazu ver- gleiche man einen Text in der etwa 389 verfaSten Erklarung des Psalmes 47: ,,Mit seiner Auferstehung heiligte er (Christus) den achten Tag, es begann zugleich der erste zu sein, der der achte ist, und der achte der, welcher der erste ist, denn er hat aus der Zahlenordnung heraus seinen Vorzug und aus der Auferstehung des Herrn seine Heiligkeit“**, Fast gleichzeitig, 888 oder bald danach, fiihrt Ambrosius in seiner Erklarung des Lukasevange- liums Ahnliches aus. Wenn bei Lukas 9, 28 gesagt wird, daB unge- fahr acht Tage nach den Reden die Verklarung vor Petrus, Johannes und Jakobus erfolgte, so erwaigt Ambrosius, ob dies etwa bedeute, ,,da®8 der, der die Worte Christi hért und glaubt, zur Zeit der Auferstehung die Herrlichkeit Christi sehen wird; am achten Tage namlich geschah die Auferstehung, weshalb gar viele Psal- men fiir die Oktav betitelt sind. Oder vielleicht, um uns anzu- deuten, daf er gesagt hatte, daB der, der wegen des Wortes Gottes seine Seele verloren hat, sie retten wird: denn seine Verheifungen wird er in der Auferstehung erfiillen“**. Hier sieht man, da die Zahl Acht von dem achten Tag der irdi- schen Auferstehung Jesu ganz im Sinne alter Uberlieferung auf das Jenseits hiniiberspielt. Das war fir Ambrosius nur natiir- lich, nachdem er einmal die Siebentagewoche und den Sabbat als Sinnbild der gegenwirtigen Zeit aufgefaBt hatte”, nach der die ewige Ruhe folgen wird. Ganz aus dieser Uberlegung heraus fihrter in seiner Erklirung des Lukasevangeliums zur Heilung der 18 Jahre krank gewesenen Frau aus: ,Es folgt in der kranken Frau gleichsam das Bild der Kirche, die, wenn sie das Maf (die Zahl) des Gesetzes und der Auferstehung erfillt hat, in jener ewigen Ruhe in die erhabene Hohe erhoben das Gebeugtsein unserer Schwachheit nicht mehr fihlen wird. Diese Frau hitte nicht anders geheilt werden kénnen als dadurch, daf sie das Gesetz erfiillt hatte und die Gnade: das Gesetz in den Geboten, im (Tauf-)Bade die Gnade, durch die wir tot der Welt mit Christus » Ambrosius, Explanatio pealmi 47: 1,8 (CSEL 64, 847 Z. 5—7 PETScHENIG). * Ambrosius, Expositio evangelii Lucae VII, 6 (CSEL 82 IV, 284f. ScuEnxt), * Ambrosius, Explanatio psalmi 87: 2, 2 (CSEL 64, 188 Perscuenic). * Ambrosius, Expositio evangelii Lucae VIII, 28 (CSEL 32, IV, 401f. Scuenzx). Délger, Antike und Christentum. IV. Band 1994 it 162 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses auferstehen; denn in den zehn Worten (Geboten) ist die Voll- endung des Gesetzes, in der Zahl Acht ist die Fiille der Aufer- stehung. Das Werk des Sabbats ist ein Zeichen der Zukunft, weil jeder, der das Gesetz erfiillt und die Gnade empfangen hat, durch die Barmherzigkeit Christi von der Belistigung der kérperlichen Gebrechlichkeit befreit wird“ **. Die Gleichung octava = Auferstehung und Seligkeit bringt Ambrosius noch in einer anderen Stelle-seiner Erklarung des Lukasevangeliums. Der Text hat auch im Officium pro pluribus martyribus (in secundo loco) des Breviarium Romanum als achte Lektion eine Stelle und hat wegen seiner schweren Verstindlich- keit schon manchen AnstoB erregt?". Ambrosius sagt da: ,Selig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes. Selig, die nun hungern und diirsten, denn sie werden gesittigt werden. Selig, die ihr nun weinet, denn ihr werdet lachen. Selig werdet ihr sein, wenn euch die Menschen hassen. Nur vier Seligpreisungen des Herrn hat Lukas angegeben, acht aber der heilige Matthdus. Aber in diesen acht sind jene vier enthalten und in diesen vier jene acht, Dieser (Lukas) hat naimlich die vier als Kardinaltugenden gefaSt, jener (Matthdus) hat in den acht die mystische Zahl kundgegeben™. Fir die Oktav lautet die Uberschrift vieler Psalmen, und den Befehl erhiltst du (Prediger 11,2), jenen acht Anteil zu geben, wohl den Seligpreisungen. Wie namlich die Oktav die Vollendung unserer Hoffnung ist, so ist die Oktav die Summe der Tugenden* ™. Am reichstett hat Ambrosius seine Gedanken iiber die Symbolik der Achtzahl ausgesprochen in dem Brief 44 aus der Zeit 389/390, in dem er im Anschlu8 an seine gerade verfafte Arbeit liber das Sechstagewerk die Bedeutung der Siebenzahl und Acht- |. © Ambrosius, Expositio evangelii Lucae VII, 178 (CSEL 82, IV, 350 Z. 9-16 Scuenxt). Véllig die gleiche Ausfihrung findet sich in dem unter dem Namen des Theophilus von Antiochien stehenden, aber einer viel spiteren Zeit 2ugehdrenden Evangelienkommentar Commentarium in evangelia lib. III, 41 = Corpus apologet. christ. VIII, 315 Orro: Ideo autem curata est haee mulier, id est populus christianus, quia et legem implevit et percepit gratiam in lavacro, per quod morimur seculo et resurgimus Christo; nam in decem verbis legis perfectio est, in octavo numero resurrectionis est plenitudo. Vgl. III, 67 (VIII, 817 Orro): crederet in domini resurrectionem, quae octavae diei numero continetur . 31 Vgl. A. ScudnFeLpER, Die achte Ambrosianische Lesung des rémischen Breviers fiir die Feste mehrerer Martyrer = Separatabzug aus dem ,Schle- sischen Pastoralblatt Jahrgang 1900 Nr. 12. ,,Siehe auch A. W. in Linzer Theol. Prakt. Quartalschrift 60 (1907) 467." RUcKER. 2* Die Lesart reseravit méchte ich bevorzugen. 7 a. Ambrosius, Expositio evangelii Lucae V, 49 (CSEL 82 III, 201 Z. 8-18 ScHENEL): . . . sicut enim spei nostrae oclava perfectio est, ita octava summa virtutum esi. Andere Ubersetzung versucht SCHONFELDER a. a. O. 11. 2. Die Symbolik der Achtzahl bei Ambrosius 168 zabl nebeneinander behandelt. Von der Siebenzahl sagt er, daB zuweilen im siebenten Monat ein Mensch geboren werde, da aber der achte Monat fiir gewohnlich fiir die Geburt verschlossen sei, und daf eine Geburt in diesem Monat gefuhrlich sei fiir die Mutter und das Kind. Daran anschlieSend heift es nun: ,,Aber jener Siebenmonatsmensch, auch wenn er gut geboren wird, wird zur Miihsal geboren: Wer aber am achten Tage die Mysterien der Wie- dergeburt erhalt, wird geheiligt durch die Gnade und zur Erb- schaft des himmlischen Reiches berufen. Grof ist die Gnade der Siebenheit in den Tugenden des Heiligen Geistes, doch laBt sie die Siebenheit (nur) erklingen, heiligt aber die Achtheit. In jener ist Schall, in dieser Frucht, Daher hat die am achten Tage geliste Gnade diejenigen dem Paradies zuriickgegeben, die ihre Schuld in die Verbannung geschickt hatte“ *°, ,,Jene Ogdoas, die wir lateinisch Oktav nennen, kennt das Alte Testament, wenn der Prediger sagt: ,Gebe Teil jenen Sieben und jenen Acht‘ (Eccles. 11,2). Die Sie- benheit gehért zum Alten Testament, die Oktav zum Neuen, da Christus auferstand und der Tag des neuen Heiles allen aufleuch- tete. Jener Tag, von dem der Prophet sagt: ,Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, laSt uns an ihm jubeln und fréhlich sein‘ (Ps. 117,24); an diesem hat sich der Glanz der vollen und voll- kommnen Beschneidung dem menschlichen Herzen eingegossen. Deshalb hat auch das Alte Testament Teil gegeben der Oktav in der Feierlichkeit der Beschneidung. Aber jene war bisher noch im Schatten verborgen. Es kam die Sonne der Gerechtigkeit und nach Vollendung des eigenen Leidens hat sie die Strahlen ihres Lichtes geoffenbart **: allen gab sie diese Strahlen kund und 6ffnete die Klarheit des ewigen Lebens“**, Dann bemiiht sich Ambrosius, auch die 15 Silberlinge in Oseas 3,2 auf das Alte und Neue Testa- ment zu deuten, indem er die Zahl 15 in 7 und 8 zerlegt und die Sieben dem Alten, die Acht dem Neuen Testamente zuweist™. Bei Michdas 5,5 liest er den Text: et insurrexerunt in eum septem Pastores et octo morsus hominum und erkennt in den sieben Hirten die Gebote des Gesetzes, in den acht Bissen der Menschen die Ge- bote des Evangeliums und die Worte des Herrn. ,,Gute Bisse, durch die wir die Gabe des ewigen Lebens (vitae acternae munus) gekostet haben, im Leibe Christi den Nachla8 der Siinden ver- schlingend“**. Weiterhin deutet Ambrosius aus verschiedenen *° Ambrosius, Epistula 44, 5 (V, 507 BALLERIN!). ; Zu der bildlichen Vorstellungvgl. F. J. DOLGER, Sol Salutis? (Minster i.W. 1925) 836 ff.: ,,Christus als Sonne im Totenreich“. * Ambrosius, Epistula 44, 6 (V, 507 BALLER). *8 Ambrosius, Epistula 44, 7 (V, 507 BALLERINI). * Ambrosius, Epistula 44, 9 (V 508 BaLtenmt). i1° 164 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses Schriftstellen die Siebenzahl auf das geistige Gestern, dié Acht- zah] auf das geistige Heute. ,,Am heutigen Tage hat uns Christus (in die Ruhe) eingefiihrt, zu dem der Vater sagte: ,Heute habe ich dich gezeugt’ (Ps. 2,7). Durch seine Auferstehung némlich hat Jesus dem Volke die Ruhe bereitet. Unsere Ruhe ist der Herr Jesus, der gesagt hat: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein‘ (Luk 23,43). Die Ruhe namlich ist im Himmel, nicht auf der Erde“*, 2 Wie Philo von Alexandrien™ spielt Ambrosius mit Texten aus Hippokrates und Solon, die die Bedeutung der Sieben- zahl fiir die Entwicklung des menschlichen Leibes und Lebens hervorheben*’. Von seinem christlichen Standpunkte aus und in Anlehnung an Eph 4,13 betont er aber demgegeniiber die viel héhere Bedeutung der Achtzahl. Sie sinnbildet nach ihm das eine und stete Alter, in dem wir zum vollen Manne heranwachsen in der Erkenntnis Gottes, in der Fiille des Glaubens**. Gegeniiber der Siebenzahl der inneren’ Glieder und der Siebenzahl der auBeren Glieder des Kérpers, die insgesamt dem Schmerze aus- gesetzt sind, betont er die gréSere Bedeutung der Gnade der Acht- zahl (octavae munus), die den ganzen Menschen erneuert hat, so da er keinerlei Schmerz mehr fihlt. ,,.Das siebente Alter der Welt ist damit abgeschlossen, aufgeleuchtet ist als die Achtzahl die Gnade, die den Menschen umschafft, daf er nicht mehr dieser Welt gehért, sondern iiber der Welt ist. Denn nicht mehr unser Leben leben wir, sondern, Christus“. ,,Vergangen ist die Siebenerwoche, gekommen ist die Oktav. Vergangen ist das Gestern, gekommen ist das Heute“**, Die Achtzahl ist also fiir Ambrosius das Sinnbild der geistigen Wiedergeburt. Damit mufte Ambrosius von selber mit seiner Symbolik der Achtzahl immer wieder in die Vorstellung von der Taufe als der Gnadenvermittlung und ihrer Grundlage, der Auferstehung Jesu am achten Tage, hiniibergleiten. Solcherlei Gedanken fihrt er denn auch in seiner Erklarung des Psalmes 118 durch. Er sagt, der Psalmist habe je acht Versen immer einen Buchstaben beigeschrie- ben, um die Reinigung der gesetzmaBigen Heiligung zu kennzeich- nen: ,,Am achten Tage nimlich fand die feierliche Reinigung statt, sei es nach dem Gesetz, weil fiir den achten Tag die Feierlichkeit der * Ambrosius, Epistula 44, 10 (V, 508 Battenint). __ % Vgl. die Zusammenstellung der entsprechenden Texte bei K. STAEHLE, Die Zahlenmystik bei Philon von Alexandreia (Leipzig-Berlin 1981) 45. * Ambrosius, Epistula 44,12, 18 (V, 509 BaLLeRtNt). ‘* Ambrosius, Bpistula 44,14 (V, 509 BaLLenini). % Ambrosius, Epistula 44,16 (V, 510 Battenini). Ambrosius, Epistula 44,17 (V, 510 BALLERIN!). 8. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 16) Beschneidung festgesetzt wurde, oder weil die ganze Welt befleck! war von unseren Siinden und besudelt mit jenen sieben Tagen Sobald aber der Tag der Auferstehung kam, sind wir mit dem Herrn Jesus lebendig geworden und auferstanden und aulge: richtet in der Erneuerung des Lebens, tragend die Gnade der Ab- waschung. Und mit Recht bringen wir die Erstgeburt dar in einem Bilde des erstgeborenen Sohnes Gottes, ein geistiges Opfer der Keuschheit und Einfalt, angenehm fiir Gott, nicht am vierten oder fiinften Tag, damit das Opfer nicht unrein oder unvollendet sei. sondern am achten Tage, an dem wir alle in der Auferstehung Christi nicht nur auferweckt, sondern auch gefestigt wurden. Wenn nun auch in der Taufe sofort die volle Reinigung stattfindet, so bringt doch der Getaufte, weil er die Begriindung der Abwaschung selber und des Opfers kennenlernen mufs sein Opfer erst dar. wenn er zum achten Tage gekommen ist, damit er unterrichtet durch die Erkenntnis der himmlischen Geheimnisse, nicht wie ein rohes Opfer, sondern wie ein verniinftiges Wesen dann erst seine Gabe zum heiligen Altare bringe, wenn er angefangen hat, unter- richteter zu sein, damit nicht die Unwissenheit des Opferers das Geheimnis der Opferung beflecke“*’. 3. Die Symbolik der Achtzahl in der sonstigen Literatur des christlichen Altertums, Ambrosius bringt mit seiner Ausdeutung der Achtzahl auf Himmel und Seligkeit keine selbstandige Erfindung, er gibt nur wieder, was die Griechen schon langst gesagt hatten. Da Hierony- mus beziiglich der Predigten iiber das Sechstagewerk die Ab- hingigkeit des Ambrosius von Basilius deutlich angemerkt hat“, ist es gut, vor allem dorthin den Blick zu wenden. Nun sagt Basilius gerade in seinen Ausfiihrungen tiber das Sechstage- werk mit Bezug auf Joel 2,11: ,Jeden Tag kennt das Wort (Schrift) als Tag ohne Abend, ohne Folge, ohne Ende, den auch der Psalmen- “ Ambrosius, Expositio psalmi 118: Prologus 2,1—8 (CSEL 62,4 Z. 1-17 Perscuenic). Die gleiche Ausfihrung bei Augustinus, Contra itteras Petiliani II, 87, 87 (CSEL 52, 72 Z. 22f. PerscHenic): aliud est carnis circumeisio Iudaeorum, aliud autem quod octavo die baptizatorum nos cele- bramus. Auch vorher spricht Augustinus genau wie Ambrosius von der Recht- fertigung der Christen am achten Tage, als dem Auferstehungstag Jesu. Man wollte also die Achtzahl sowohl mit dem Tauftag als dem Oktavtag zusammen- bringen. “ Hieronymus, Epistula 84, 7, 6 (CSEL 55, 180 Z. 8—10 Hrtsenc): Nuper Ambrosius sic Exaemeron illius (se. Origenis) conpilavit, ut magis Hippolyti sententias Basiliique sequeretur. Vgl. bierzu auch W. WiBRanp, S. Ambrosius quos auctores quaeque exemplaria in epistulis componendis Secutus sit (Monasterii Guestfalorum 1909) 80. Ferner Antike und Christen- tum 2 (1980) 240 A. 54. 168 Zur Symbolik des altehristlichen Taufhauses stinger den achten Tag genannt hat, da er auSerhalb dieser (irdi- schen) Siebenerzeit liegt“. Von da schweifen die Gedanken des Basilius auf den Schépfungsbericht, wo es am SchluB des ersten Schépfungstages heift: ,,Es wurde Abend, es wurde Morgen, ein Tag. Dazu sagt er: ,Um unseren Gedanken auf das zukiinftige Leben hinzulenken, nannte er den Tag einen Tag, das Abbild des Kons, den Anfang der Tage, den Altersgenossen des Lichtes, den heiligen Tag des Herrn, den Tag, der mit der Auferstehung des Herrn ausgezeichnet wurde“ ‘*. Wir haben mit der Ausdeutung des achten Tages als eines Sinnbildes der seligen Ewigkeit gemein- sames Uberlieferungsgut des griechischen Ostens, das gleichmaBig wiederkehrt. Gregor von Nazianz stellt den ersten Schép- fungstag als den ersten Sonntag und den neuen Sonntag der Christen gegeniiber: ,Jener war ein heilbringender Tag, dieser aber ist der Geburtstag des Heils. Jener war an der Grenze von Grab und Auferstehung. Dieser aber gehért durchaus der zweiten Geburt (der Wiedergeburt). Damit, wie die erste Schépfung vom Tag des Herrn ihren Anfang nahm — das ist klar: denn von diesem ab wird der siebente Tag zum Sabbat, die Ruhe von den Werken — auch die zweite von dem gleichen Tag den Anfang nehme. Er ist der erste der Tage, die nach ihm kommen, und der achte derer, die vor ihm waren, héher als der hohe und wunderbarer als der wunderbare Tag. Er hat seine Beziehung zum Zustand im Himmel, den auch der erhabene (#eioc) Salomon (Ecclesiastes 11,2) mir an- zudeuten scheint mit der Bestimmung, Teil zu geben den Sieben, namlich diesem Lebe@, und den Acht, d. i. der bleibenden Ewig- keit, die auf diese Zustindlichkeit folgt und der dort vorhandenen Wiederherstellung (Apokatastasis). Auch der grofe David scheint von diesem Tage seine Psalmen von der Oktav zu singen“ **. Auch der dritte der grofen Kappadokier, Gregor von Nyssa, kennt die gleiche Deutung von der Achtzahl: ,,Das Myste- rium der Oktav kennt ihr sehr wohl,‘ sagt er in einer Predigt zum sechsten Psalm zu seinen Gldubigen‘*. Er hatte ja bereits in der allgemeinen Einleitung in die Psalmen davon gesprochen, daf die Zeit durch sieben bezeichnet werde, da ihr Ma® in der éBdopds = Siebenheit-Woche gegeben sei. Dariiber hinaus wird ,,jene Oktav folgen, die die kommende Ewigkeit ist, ganz ein einziger Tag, wie einer der Propheten sagt, indem er das von uns erhoffte Leben den ,grofen Tag‘ nennt (Joel 2,11). Denn nicht die sichtbare Sonne wird jenen Tag erleuchten, sondern das wahre Licht, die Sonne der Gerechtigkeit, die von der Prophezie ,Aufgang‘ genannt wird *® Basilius, In Hexaemeron Homilia II (I, 21 Garnter). “ Gregor von Nazianz, Oratio 43 (in novam Dominicam) (I, 700 Brutus). “ Gregor von Nyssa, In sextum psalmum (Migne PG 44, 608 C). 3. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 167 (Zach 6,19), weil sie niemals vom Untergang verborgen wird“. . Zum Psalm 6 fihrt Gregor dies noch einmal weiter aus: Die Sieben als Abschlu8 der Schépfung umschreibt die Welt-Zeit. Die Zeit zhlt man nach Tagen, die man mit eins zu zéhlen beginnt und mit sieben abschlieBt; sie enthilt steten Wechsel. Dariiber hinaus kommt der achte Tag, die unverinderliche Ewigkeit*. Naherhin wird von ihm der achte Tag als Anfang der Ewigkeit be- zeichnet **, so da also damit auch der Tag der Auferstehung und die Auferstehung selber gekennzeichnet wird“. Keiner dieser Texte Grogors hat die Symbolik der Achtzahl mit dem christlichen Kultbau in Zusammenhang gebracht. Dies ist fiir uns um so mehr zu bedauern, als wir gerade Gregor jenen beriihmten Brief an Amphilochius von Ikonium verdanken, in dem er so eingehend iiber das Oktogon als Bauschema einer geplanten Martyrerkapelle in Nyssa spricht*’. _ Nach den angefiihrten Proben darf man annehmen, da sich die Belege fiir die sinnbildliche Ausdeutung der Achtzahl noch erheblich vermehren lassen kénnten. Genannt seien nur noch Didymus von Alexandrien, der aus der Uberlieferung der alexandrinischen Schule heraus die Oktav den iiberweltlichen Zu- stand nennt™ und Johannes Chrysostomus, der aus der antiochenischen Schule heraus das irdische Leben als die Siebener- Woche, das Jenseits und die Erneuerung des kiinftigen Lebens als die Oktav bezeichnet*. Theodoret nennt die Oktav den Tag des Gerichts **. 4 Gregor von Nyssa, In psalmos c. 5 (Migne PG 44, 504f.). “Gregor von Nyssa, In sextum psalmum (Migne PG 44, 6001). “8 Gregor von Nyssa, In pealmos c. 5 (Migne PG 44, 504D): aaca yao énpélea ras ivagézov Cais nods roy spetys aldva Pléner o5 # dort ‘Oydén Meyer... “© Gregor von Nyssa, De beatitudinibus oratid 8 (Migne PG 44, 1292.B). : 5° Gregor von Nyssa, Epistula 25 (VIII, 2, 76—80 Pasquatt). Eine Ubersetzung des kunstgeschichtlich so bedeutsamen Briefes versuchte B. Ket. bei J. Srrzycowskt, Kleinasien, ein Neuland der Kunstgeschichte (Leipzig 1903) 71 ff. Uber andere einschligige Literatur sowie Uber das Fir und Wider strittiger Punkte in der Ubersetzung vgl. man den Apparat bei Pasquatt. A. Ricker verweist noch auf A. BirnsauM, Die Oktogone von Antiocheia,: Nazianz und Nyssa = Repertorium fiir Kunstwissenschaft 36 (1918) S. 202—209. *| Didymus von Alexandrien, Expositio in psalmum 6 v. 1 (Migne PG 39, 1176 A): . . . dei agoolapeiv rh» ineoxdomor bate tabryy xatdoraow boar dyddnv. % Johannes Chrysostomus, De compunctione II, 4 (I, 178 = I, 145 Monrrauco): Im Anschlu8 an Psalm 6,1: ‘Oydéyy & adriy ixdleos, rd tis xaraordcews émmblaynévoy éugaivor, xai vijs mellobone Coffs thy dvavéwow. ‘0 iv yag nagdw fids obdiv Ereody dor, GAX 4 éSouds pla... " Theodoret, In canticum canticorum 6 (II, 128 Scuutze): In An- Jebnung an Psalm 6: rv yao ris xgloews xaigr dyddny % Pela xgooayogete yoapy. Ahnlich Interpretatio psalmi 11 (I 674 ScHutze). 168 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses Ambrosius triigt in seinen Erklirungen der Achtzahl als der mystischen Zahl Gedanken vor, die schon vor ihm in die Exegese des Abendlandes Eingang gefunden hatten. Vor allem ist hier der an den Griechen geschulte Hilarius von Poitiers zu nennen. Auch er sucht einen geheimnisvollen Sinn aus der Tatsache her- auszuholen, daS gerade dem sechsten Psalm die Uberschrift ge- geben ist pro octava, Er bemerkt dazu: »Der sechste Psalm aber bezieht sich eigentlich auf die Auferstehung, die am achten Tage ist. Wir haben namlich sowohl den ersten Tag als den achten. Der achte Tag ist nach dem Sabbat, der erste am Anfang. Es wire zu lange, wenn wir nun iiber die Achtzahl sprechen wollten. Wie acht Seligpreisungen bei Matthdus sind, wie im 118, Psalm die ein- zelnen Buchstaben acht Verse haben, wie fiinfzehn Stufenpsalmen sind, wie es sieben und acht sind und wie der Prediger sagt: Gebet Teil den sieben, gebet Teil den acht', wie die dstliche Pforte bei Ezechiel sieben Stufen hat und acht Stufen. Es wiirde zu weit fiihren, davon zu reden, wie der achte von den Séhnen Jesses David war, der das Reich erhielt. Daher kommt es, da$ nun von der Oktav gesprochen wird: in der Oktav namlich haben wir das Himmelreich empfangen“™. Hilarius spricht auch sonst von der ,,heiligen und religidsen Fiille“ der Achtzahl, die schon im jiidischen Gesetz des Alten Bundes eine gewisse Heiligkeit besessen habe, wie durch die Be- schneidung am achten Tage und anderes bestatigt werde’. Hilarius spricht von dem sacramentum ogdoadis, von dem ,,Ge- heimnis der Achtheit***. Schon die Ausdrucksweise mit dem bei- behaltenen griechischen dySode 1éBt die Wiedergabe eines urspriing- lich griechischen pvotijquoy vis dydoddoc vermuten'’, Dieses Ge- heimnis ist ihm gegeben in der Tatsache, daB der achte Tag, der auch wiederum der erste ist, d. i. der Sonntag als das Fest des voll- kommenen Sabbats zu betrachten sei"*. Hilarius spricht ferner von der Siebenheit des Gesetzes und von einer Achtheit des Evan- geliums“, er nimmt die Achtheit als ein Sinnbild der christlichen Religion auf Erden und als Sinnbild der erhofften Seligkeit”. Die Texte des Hilarius machen deutlich, daf die Symbolik der % Hilarius, Initium explanationis de ps. VI. et VII. (CSEL 22, 879 2, 12-24 Zincente). °° Hilarius, Tractatus in psalmum CXVIII (CSEL 22, 358 Z. 6ff. ZancERLE). °° Hilarius, Instructio psalmorum 14 (CSEL 22,12 Z. 24. 29 ‘ZINGERLE). ‘7 Aus dem griechischen ogdoas allein wire dies noch nicht gesichert, da ogdoas schon bei Tertullian, De anima 87,4 S. 188 Waszink latinisiert ist. a Hilarius, Instructio psalmorum 12 (CSEL 22, 12 Z. 1f. ZinceRLe)- a Hilarius, Instructio psalmorum 16 (CSEL 22, 14 Z. 101. ZinGERLE)- Hilarius, Instructio psalmorum 16 (CSEL 22, 14 Z. 6f. ZinGERLE). 8. Die Achtzahl in der altchriatlichen Symbolik 169 Achtzahl in der Zeit des Ambrosius fiir das Abendland in der Exegese und demnach auch in der Predigt ganz geliufig war. Auch von diesem Gesichtspunkte aus gewinnt die Verfasserschaft des Ambrosius beziiglich der Inschrift am Baptisterium der Thekla- kirche erhéhte Sicherheit. Die Symbolik der acta steht so gut im Einklang mit der Auffassung seiner Zeit, wie die Betonung des Kreuzes als des Grundrif-Symbols in der Ambrosianischen Dedikationsinschrift der Apostelkirche von Mailand® sich im Ein- klang befindet mit den Aussagen des Gregor von Nyssa und dem Brief der Kaiserin Eudoxia an den Bischof Porphyrius von Gaza“, Ahnliche Auslegungen der Achtzahl wie bei Hilarius und Am- brosius begegnen uns bei Hieronymus und Augustinus, Hiero- nymus aft in der Zahl acht das Evangelium und die Aufer- stehung Jesu am Tage des Herrn gesinnbildet sein“ und last durchblicken, da® die Zahl acht das Mysterium unseres Heiles ent- halte*’, Die Achtzahl ist ihm eine heilige Zahl, die den Typus der wahren Beschneidung, der Taufe, enthalt*. Augustinus fihrt aus, da zwar ,das Geheimnis der Acht- zahl‘ (octavi sacramentum) auch den Vatern des Alten Bundes keineswegs verborgen blieb, wie ja die Beschneidung der Kinder am achten Tage und das Wort des Predigers 11,2 beweise, aber das Geheimnis sei verhiillt gewesen, denn der Hauptinhalt der Achtzahl sei erst in der Auferstehung Jesu enthiillt worden, so daB nach dem Sabbat der Juden erst der Tag des Herrn als der achte * Vgl. Carmina latina epigraphica II, 419 Nr. 906 BUcHELER. * Gregor von Nyssa, Epistula 25, 3 (VIII, 2, 77 Pasquati). * Marcus Diaconus, Vita Porphyrii 75 (S 60 Z. 20 Greicome- Kucener). Vgl. dazu S. Guyer, Die Bedeutung der christlichen Baukunst des inneren Kleinasiens fiir die allgemeine Kunstgeschichte + Byzantinische Zeit- schrift 88 (1988) 85. * Hieronymus, Commentarius in Eeclesiasten c. 11 (Migne PL 28, 1101: Da partem septem, et quidem octo: quia non scis quid futurum sit malum super terram. Et in Ezechiele septem et octo gradus ad fempli leguntur ascensum (Ez. 40,26. 81). Et post ethicum illum psalmum, id est, centesimum cctavum decimum quindecim graduum psalmi sunt, per quos primum erudimur ‘in lege, et septenario numero expleto, postea per ogdoadem ad evan- gelium scandimus, Praecipitur ergo, ut in ulrumque instrumentum, tam vetus scilicet quam novum, pari veneratione credamus. Iudaei dederunt partem septem, credentes sabato: sed non dederunt octo, resurrec- tionem diei Dominicae denegantes. Econtrario haeretici, Marcion, et Manichaeus, et omnes qui veterem Legem rabido ore dilaniant, dant Partes octo, suscipientes Evangelium: sed eamdem septenario numero non tribuunt, Legem veterem respuentes. a6, gq lietenymus, Breviariuni in psalmos, Psalmus VI (Migne PL , 888), ** Hieronymus, Comment. in Aggaei proph. cap. 1 (III, 1692 Maur.): Octavus numerus sanctus est et in verae circumcisionis typo accipitur. 170 Zur Sympolik des altchristlichen Taufhauses und zugleich der erste gefeiert werden konnte . Fir Augusti- nus macht demnach die auf eins zuriickkehrende Achtzahl die Vollkommenheit unserer Seligkeit aus“, sie sinnbildet die ewige Seligkeit, die ewige Ruhe, das ewige Leben “’; sie erinnert ihn aber auch an die Feier der acht Tage, die wir bei der Wiedergeburt des neuen Menschen begehen” und an den Oktavtag (weifien Sonntag) selber”. Es sind das Gedanken, die uns genau soin der Taufinschrift der Theklakirthe von Mailand begegnen. Es ist nicht ausgeschlossen, daf Predigtgedanken des Ambrosius hier bei Augustinus weitergewirkt haben. Alles, was im Abendland iiber die Achtzahl und ihre Symbolik ausgefiihrt wurde, fat noch einmal Cassiodorus zusammen”. Die Inschrift des Baptisteriums an der Theklakirche geht gunichst aus von der Bezeichnung des Tages der Auferstehung Jesu und seiner wéchentlichen Gedichtnisfeier, des Sonntags, als des achten Tages, eine Bezeichnung, die fiir Ambrosius und die ihm folgende Zeit" ganz geldufig war, Sie ist natiirlich viel alter als Ambrosius und seine ihm zunichst zur Verfiigung stehenden Gewiahrsmanner. Sie geht zuriick auf die Gegensitzlichkeit des alten Christentums gegen die jiidische Sabbatfeier als Feier des siebenten Tages. In diesem Sinne begegnet die Sonntagsbenennung * Augustinus, Epistula 55, 13, 28 (CSEL 34 II, 194. Goppacuer). * Augustinus, Epistula 55, 15, 28 (CSEL 84 II, 201 Z. 111. Goup- BACHER). * Augustinus, Epistul@ 55, 9, 17 (CSEL 84, II, 188 Z. 1217 Goup- sacuer). Dazu auch W. Roerzer, Des heiligen Augustinus Schriften als liturgiegeschichtliche Quelle (Miinchen 1980) 6, A. 4. 7 Augustinus, De sermone domini in monte lib. I, 12 (Migne PL 84, 1285): Celebratione octavarum feriarum, quas in regeneratione novi hominis celebramus. 4% Augustinus, Contra litteras Petiliani II, 87, 87 (CSEL 52, 72 Z. 9-28 Perscuentc): Sie ergo circumeisio octavi diei quae patribus data est praenuntiabat iustificationem nostram in expoliatione carnalium concupiscentia- rum per resurrectionem domini, quae post septimum id est sabbati diem octavo die id est dominico facta est .. . aliud est carnis circumcisio Iudaeorum, aliud autem quod octavo die bapticatorum nos celebramus. Vgl. dazu die ganz ahn- lichen Ausfihrungen bei Ambrosius oben S. 161 ff. 72 Cassiodorus, Expositio in psalterium: Expositio in psalmum 6 (Migne PL 70, 59). Uber die Fortwirkung der frihebristlichen Ausdeutung der Achtzahl bis in das Mittelalter hinein vgl. J. Sauer, Symbolik des Kirchen- gebiiudes? (Freiburg i. B. 1924) 78 f. 389. 7 Mit der Betrachtung des Sonntags als des achten Tages beriihrt sich auch Sedulius in seinem Ostergedicht, in dem der Sonntag als der Tag der Auferstehung Christi und als Tag der Weltschépfung gepriesen wird. Vgl. Paschale carmen V, 815—322 (CSEL 10, 187f. Huemen). Sedulius nennt zwar die Zahl Acht nicht ausdriicklich, aber inhaltlich ist sie in seiner Durch- fGhrung gemeint. Man vgl. dazu noch die Stelle aus Pseudo-Barnabas, Ep. 15,9 (PA I, 84f. Funx). 8. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 171. schon bei Pseudo-Barnabas, der ja wie kein zweiter den Kampf gegen den jiidischen Ritualismus aufgenommen hat. Er verweist auf das Wort bei Isaias 1,18: ,Euere Neumonde und Sabbate kann ich nicht ausstehen“ und fiigt dann bei: ,Sehet, in welchem Sinne er das sagt. Nicht die jetzigen Sabbate sind mir an- genehm, sondern der (Sabbat), den ich gemacht habe, an dem ich das All zur Ruhe bringen werde und den Anfang des achten Tages, d. i, den Anfang einer anderen Welt, machen will. Deshalb feiern wir auch den achten Tag (als Tag) der Freude, einmal weil an ihm Jesus von den Toten auferstand und weil er nach seiner Er- scheinung an ihm zum Himmel aufgestiegen ist‘’*. Ganz im Geiste dieser gegensiitzlichen Stellungnahme zum Judentum hat auch Justin gegentiber dem jiidischen Sabbat als dem siebenten Wochentag dem achten Tage ein ,,Geheimnis“ zuge- sprochen *, auf das er wiederholt in seinem Dialog mit dem Juden Trypho zu sprechen kommt, So sagt er: ,,Das Gebot der Beschnei- dung, das fiir alle geborenen (Knaben) am achten Tage die Be- schneidung verlangte, war ein Vorbild der wahren Beschneidung, in der wir beschnitten wurden von Irrtum und Siinde durch unseren Herrn Jesus Christus, der am ersten Wochentage von den Toten auferstanden ist. Der erste Wochentag, der erste aller Tage, wird namlich bei der weitergehenden Zahlung nach dem Umlauf aller Tage der achte genannt; in Wirklichkeit ist und bleibt er der erste“*, Taufe und Auferstehung liegen in der altchristlichen Vorstellung fiir den achten Tag nebeneinander. Dies kommt auch an einer weiteren Stelle Justins zum Ausdruck, wo er im teil- weisen Anschluf an II Petr 2,5 und besonders I Petr 3,20—2277 einen nicht belegten Schrifttext ,Bei der Flut Noes habe ich dich gerettet*** also erklart: ,,Dies ist der Sinn des Wortes Gottes, daB sich zur Zeit der Flut das Mysterium zur Rettung der Menschen bereits (geheimnisvoll) vollzog. Denn der gerechte Noe mit den iibrigen Menschen der Flut d. h. seiner Frau, seinen drei Séhnen und den Frauen seiner Séhne, insgesamt acht an der Zahl, waren ™ Pseudo-Barnabas, Ep. 15, 8.9 (PA I?, 84f. Funn). Zu der hier vorliegenden Annahme, daB Jesus an einem Sonntag in den Himmel aufge- fahren sei, vgl. H. Winpisca, Der Barnabasbrief = Handbuch zum Neuen Testament, Erginzungsband. Die Apostolischen Vater III (Tubingen 1920) 885. Weiteres siche F. J. DoxceR, Sol Salutis? (Miinster i. W. 1925) 212f.; 871 A. 2. * Justin, Dialog 24,1 S. 117 GoopspEep. 7 Justin, Dialog 41,4 S. 188 Goonspeep. Ph. Hacuser hat in seiner Ubersetzung ula ra» oaffdrww stets mit Sonntag gegeben; dies stirt den Ge- danken und ist zudem in der Auseinandersetzung mit den Juden undenkbar. 7 Die Stellen sind weder von GoopsPeeD noch Haguser angemerkt. 77a Justin nennt dabei Isaias. Aber Isaias 54,9 entspricht nicht. -- A. Rescu, Agrapha =TU NF 15 (1906) hat den Text (wenigstens nach den Registern) nicht gebucht. 172 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses mit der Zahl] ein Sinnbild des Tages, an dem unser Christus von den Toten auferstanden erschienen ist, des achten Tages, der aber seiner Kraft nach stets der erste ist. Denn Christus, der Erstge- borene aller Kreatur, ist auch der Anfang eines neuen Geschlechtes, das wiedergeboren ist von ihm durch Wasser und Glauben und das Holz, mit dem Mysterium des Kreuzes, Auf diese Weise wurde ja auch Noe gerettet, da er im Holze mit den Seinen tiber das Wasser fuhr“?*, Den Sonntag mit der Zahl Acht zusammenzubringen, ist von da ab geldufig geblieben, wie uns etwa die Syrische Didas- kalie bezeugt, wenn sie sagt: ,Die Zahl Acht also ist das, was iiber die Woche hinausreicht, der Sonntag‘ ”*. Am Sonntag ist nach urchristlicher Lehre mit Christi Auf- erstehung den Christen das Leben geschenkt worden. So sagt Ignatius von Antiochien: ,Nicht mehr den Sabbat haltend, sondern nach dem Tage des Herrn lebend, an dem auch unser Leben aufgegangen ist durch ihn und seinen Tod“. Wie uns die Excerpta ex Theodoto belehren, war die xvguan} (se. “ov oder oixia) als oberster Himmelsraum, als Ac ht- heit, als Ogdoas bezeichnet worden™. Da nun am Sonntag oder ® Justin, Dialog 138,1. 2 (S. 260 Goopspeep). ° Syrische Didaskalie 26 (S. 187 ACHELIS-FLEMMING). CONNOLLY gibt S. 286 seiner Ausgabe den Text so: But the Sabbath itself ist counted even unto the Sabbath, and it becomes eight (days); thus an ogdoad is (reached), which is more than the Sabbath, even the first of the week. Der Gedanke ist, daS der Sonntag der Christen gréfer ist als der Sabbat der Juden. * Ignatius von Antiochien, Ad Magnetas 9, 1 (PA I?, 2361. Funk). § Klemens von Alexandrien, Excerpta ex Theodoto 63, 1 (III, 128 Srikuun): H piv ofy roy aveynarixdy dvdnavos év xvgiaxt, év 7806s, 4} [Link] dvoudterar. Im Zusammenhang hiermit habe ich in IX@YC I, 279 die koptisch tiberlieferte Epistula Apostolorum verglichen, wo der Logos sagt: ich bin geworden in der Achtheit, d. h. der xvgcaxj". Diesen Text habe ich in den gnostischen Gedankenkreis eingereiht. C. Scumipr, Gespriche Jesu mit seinen Jiingern nach der Auferstehung = TU 48 (1919) 275 fand darauf ,die Gleichung Ogdoas = xveraxy auf den ersten Blick eine frappante", bestritt aber den gnosti- schen Charakter der Epistola. Die Ogdoas sei eine altertiimliche Bezeichnung, die der GroSkirche und Gnosis gemeinsam gewesen sei. Es ist méglich, da8 hier die Trennungslinien nicht immer klar waren. Gerade die Studie tber die Achtzahl bestarkt mir diese Vermutung. — Uber die gnostische Ogdoas vel. besonders Epiphanius, Panarion haer. 31, 4, 2 (I, 888 Hott) mit den von Hout angefithrten Parallelen. Dazu noch Oracula Sibyllina VII, 140 (S. 140 Gerrcxen). Vel. auch J. P. Srerres, Das Wesen des Gnostizismus und sein Verhaltnis zum katholischen Dogma (Paderborn 1922) 98 A. 2; 159 A. 3; 188. — DaG der Text in den Johannesakten 95 (AAA Il, 1, 198 Z. 4f. BONNET): ‘Oydods juiv ovupdide gnostischen Charakter trage, bestreitet Senne @. a. 0, 280 A. 1. Mit der valentinianischen Ogdoas habe dies nichts B, 8. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 173 in der Achtheit das Leben aufsprofite, der Sonntag aber zugleich das Sinnbild der kommenden jenseitigen Seligkeit oder des ewigen Lebens darstellt, so wird es verstindlich, daB die Zahl Acht direkt fiir Leben gesetzt wurde. So heift es denn in den gleichen Excerpta: ,,Wer von der (irdischen) Mutter geboren wird, der wird zum Tode gefiihrt und in die Welt, wer aber von Christus wiedergeboren wird, der wird in das Leben versetzt, in die Acht- heit. Sie sterben der Welt, leben aber fiir Gott, damit der Tod durch den Tod aufgelést werde und die Vergiinglichkeit durch die Auferstehung“**, Die Achtheit ist ewiges Leben und Unsterblich- keit, die Siebenheit die irdische Zeit und Verginglichkeit. Beson- ders deutlich ist hier eine bei Hippolyt festgehaltene Formel aus der Seelen- und Vergottungslehre im System des Gnostikers Valentin. Nach einer Liicke heift es da: ,,.Dementsprechend ist die Seele zum Teile sterblich, sie ist eine Art Mittelding; denn sie ist Siebenheit und Ruhe. Sie ist nimlich unterhalb der Achtheit, wo die (von Christus) gestaltete Sophia und der vom Pleroma gemein- sam geschaffene Karpos weilt; sie ist aber andererseits iiber der Materie, iiber die der Dimiurg herrscht. Wenn nun die Seele denen oben, der Achtheit angedhnelt sein wird, so ist sie damit unsterblich geworden und in die Achtheit eingegangen, die das himmlische Jerusalem‘ ist (Hebr 12,22). Wenn sie aber der Materie angedhnelt sein wird, d. h, den hylischen Leidenschaften, so wird sie verginglich sein und ist dem Untergang verfallen“**. Diese Texte werden schon friiher behandelt worden sein in der Schrift des Irenaeus ,,Uber die Achtzahl“, die gegen den im Banne des Gnostikers Valentin stehenden Florinus gerichtet war, von der wir aber leider nur mehr den Titel kennen™. Was hier durch die Excerpta und durch Hippolyt als Lehrgut der griechischen Theologie vorgetragen wird, ist schon friihe auch in das lateinische Abendland iibernommen worden. Tertullian beschaftigt sich einmal mit der Frage tiber die Lebensfihigkeit des Kindes, warum es im siebenten Monat nach der Empfangnis lebens- * Klemens, Excerpta ex Theodoto § 80,1 (GCS: Clem. IIT 181 Z, 24 ff. SvAHLIN): “Ov yer 4 wiirne, els Pdvarov Gyerar nal els xdopor, dy db dvayerrt Xouords, eis Coty uetariPerar, els dybodda: xai dxoPyjoxovaw pay rH xdopnp, Cao ds T@ VeG, iva Ddvaros Bardrp lvOf, dvaordoe d: 4 POood. °° Hippolyt, Elenchos VI 82 § 9 (GCS: Hippolyt III 161 Z. 16{ff, WENDLAND): dav (ody) onowwd7 tots vc, tif dpdodds, dDdvaros dyévero nal HABev els tiv éy8odda, fris early, gnoly, »Teoovoaliu éxovedriose. — Hierher gehért auch die Bezeichnung der Ogdoas (Sophia) als rélevos aléy Elenchos VI 81 §7 (III 150 2. 19 Wenpanp). — Auch Elenchos VI 85 § 4 (III 165 Z. 1. WeNDLAND): + + nal yérntas Adyos énovodvios dnd rijs dyboddos yermBels 3: Maglas. ™ Eusebius, Hist. eccl. V, 20,1 (GCS: Eus. II, 1,480 [Link]). 174 Zur Symbolik des altchristlichea Taufhauses fahig werde, wahrend ein Achtmonatskind leichter dem Tode ver- falle, Dabei sagt er: ,Es steht der Geburt frei, (der Zeit) voraus- mueilen, jedoch in passender Weise mit der Siebenzahl zusammen- zutreffen, zur Vorbedeutung der Auferstehung und der (ewigen) Ruhe und des (himmlischen) Reiches. Deshalb schafft uns die Achtzahl nicht; denn dann wird es keine Hochzeit geben“, Die Art, wie Tertullian hier die Achtzahl in seine Abhandlung verwebt, setzt voraus, da® seinen Lesern und Hérern‘die Achtzahl als Sinn- bild der jenseitigen Welt und der himmlischen Seligkeit gelaéufig war, Nach diesen Texten ist es also uralte Uberlieferung, wenn im siebenten Jahrhundert Maximus Confessor sagt, die Zahl Sieben bedeute die gegenwiartige Zeit**, die Zahl Acht dagegen die kommende Ewigkeit". Die obige Bemerkung des Ignatius vom Aufgang unseres Lebens am Sonntag (dem achten Tag) wird von hier aus erst véllig klar, da Acht soviel wie Leben bedeutet. Derartige Gedanken, von der Gnosis besonders stark aufge- nommen, sind nicht Sondergut dieses religidsen Systems. Beson- ders in der dem Hellenismus stark entgegenkommenden alexandri- nischen Katechetenschule ist, vielleicht als Erbe hellenistisch- jiidischer Deutungsweise, Ahnliches festgehalten worden. Philo hatte die Arche ein Sinnbild des geistigen Kosmos d. [Link] Himmels genannt™*. Auf diese oder eine derartige Stelle Bezug nehmend sagt Klemens von Alexandrien, daf die Arche unter anderem auch als Achtheit und geistiger Kosmos gedeutet werde ®. Hat Klemens die eine Hilfte des Vergleichs ,,Arche = Achtheit* von “hilo entnommen, so wird er auch die Gleichung ,,Arche = geistiger Kosmos“ von dort haben. Eine deutliche Stelle dafir scheint allerdings bisher in den erhaltenen Schriften Philos nicht nachgewiesen zu sein®°. Philo sagt einmal bei den Ausfihrungen * Tertullian, De anima 87, 4 S. 188 Waszinx: Concessum est pro- perare nativitati, ef tamen idonee occurrere in hebdomadem, in auspicia resur- rectionis el requietis et regni. Ideo ogdoas nos non creat; tunc enim nuptiae non erunt. Man sieht, wie alt die Gedanken sind, die Ambrosius oben S. 168 entwickelt hat. * Doctrina patrum 89, VI S. 206 Z. 12 Diexamp: 6 éard rdv zodv0v. * Doctrina patrum 89,VI S. 296 Z. 18 Diexamp: ¢ dxtd tov wéllovra aidva. ** Philo von Alexandrien, Quaest. in Exod. II,68 S, 515 AucHER- TiscHenporF, Philonea inedita S. 150 Z. 14f.: Zor 88 xcBwrds xdopov vontod ovupoloy. Vgl. Sriuin zu Klemens, Stromata V,6 § 36,3 Klemens von Alexandrien, Stromata V,6 § 96,3 (II,850 Z. 174. Stkmun): Es ist von der Arche die Rede: er’ ofy dy8ods xai 6 vontés ouos elte xal 6 [negi] xdytwy xeguextixds doznudtiards te xai ddgaros dndodrar a, Bei C. Stecrrien, Philo von Alexandria (Jena 1875) 181, wo die Sym- dolik der anderen Zahlen gebucht ist, findet sich uber die Achtzahl nichts. 8. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 175 iiber das jiidische Laubhiittenfest im Herbste: ,,Den sieben Tagen aber fiigt (das Gesetz) noch einen achten hinzu, den es als Schlu6- tag bezeichnet, wie es scheint, nicht blof fiir dieses Fest, sondern fiir alle die Jahresfeste, die ich aufgezihlt und besprochen habe; denn es ist das letzte im Jahre und der AbschluB, (der Feste). Vielleicht wurde aber die erste Kubikzahl, die Acht, dem Feste aus folgendem Grunde zuerkannt: sie ist der Anfang der kérper- lichen Substanz beim Ubergangsproze8 vom Unkérperlichen (am Kérperlichen) und zugleich der Abschluf der geistigen; das rein geistig Gedachte (geht) durch die Steigerung (der Sieben zur Acht) ins Kérperliche (iber)“®. Hier wird wohl die Achtzahl als ,,Ab- schlu8 der geistigen Substanz‘ bezeichnet, aber noch nicht als »geistiger Kosmos“. Trotzdem werden wir die Grundlagen zu den Erérterungen des Klemens im Kreise der von Philo vertretenen Schulweisheit zu suchen haben*. Von Philo hat Klemens ja auch die Ausfiihrung der Zahl Acht als Sinnbild der vollen Gleichheit, da sie als erster Kubus die volle Gleichheit in Lange, Breite und Tiefe darstellt™. Die Deutung der Acht auf die dem geistigen Kosmos nahe Himmelsgegend™ und auf den geistigen Kosmos selber, auf Himmel und ewiges Leben gehen fiir Klemens inein- ander tiber. Klemens fiihrt aus: Diejenigen, die nach dem pau- linischen Worte ,zum volkommenen Manne“ (Eph 4,13) heran- gereift sind, ,,werden, wie David sagt, ,ausruhen auf dem heiligen Berge Gottes‘, in der obersten (himmlischen) Kirche, in der sich die Philosophen Gottes versammeln, die wahren Israeliten, die reinen Herzens sind, in denen kein Falsch ist, die nicht in der Sie- benheit der Ruhe geblieben sind, sondern durch gute Werke sich Gott angeihnelt und zum Erbe des zur Achtheit (=Seligkeit) ge- hérigen Wohltuns erhoben haben, indem sie achthaben auf das K. Srazute, Die Zablenmystik bei Philon von Alexandreia (Leipzig-Berlin 1981) 50—52 hat zwar die meisten Texte herangeholt, die ein Bild von der verlorenen Schrift Philos ,,Uber die Zablen“ zu geben vermégen, aber doch einiges dibersehen. % Philo von Alexandrien, De specialibus legibus II, 211. 212 (V, 189 Z. 810 Conn). Die obige Ubersetzung von I. HEINEMANN, in: Die Werke Philos von Alexandria II (Breslau 1910) 166 f. .., ,°2 Von dorther wird auch Ps-Barnabas (oben S. 171) seine Deutung der éyéods als Anfang einer anderen Welt haben. % Klemens von Alexandrien, Stromata VI,11 § 84,6 (II, 478 Z. 811. Srinuin): 6 48 durch, xbfos 6 xgdros, # lodrns by dxdoas rais daordoeot, whxovs, xidrous, BéBovs. Vgl. die weitere Philostelle bei F. J. Doxcer, Die Sonne der Gerechtigkeit und der Schwarze (Minster i, W. 1918) 98 A. 2. StXmun verweist ferner auf Plutarch, Moralia p. 288D. ™ Klemens von Alexandrien, Stromata IV, 25 § 159,2 (II, 818f. Stkuuin): alee xai 4 dxlavis zadga f ahyordCovoa tH vonr@ xdou@ éyBods Adyorro. 176 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses reine Schauen unersittlicher Betrachtung“**. Im Hintergrund steht die Klemens gelaufige Anschauung, da8 der Sabbat als die Sieben- heit die Enthaltung vom Bésen bedeutet **. Beide Gedanken spricht er noch einmal klarer aus an einer anderen Stelle, in der er eine Stelle aus dem I. Klemensbrief also zitiert: ,,Dann fiigt er das gnostische Mysterium der Siebenheit und Achtheit hinzu: ,Bewahre deine Zunge vom Bésen und deine Lippen, da sie keine List reden. Lasse ab vom Bisen und tue Gutes,suche Frieden und jage ihm nach‘ “*", Die Acht ist das Gute oder die Vollkommenheit, weil sie die erste vollendete Zahl in der Kérperwelt, die beste iodrn¢ ist, was zugleich Rechtschaffenheit bedeutet, Die Achtheit oder ioétys ist dabei nach dem obengenannten Text Gottverdhnlichung, die ihren Abschluf in der eigentlichen Vollendung, in der himm- lischen Achtheit, dem geistigen Kosmos findet. Vergottung und Achtheit stehen in engster Beziehung. Klemens hat dies noch ein- mal bei der Verklarung Jesu (nach Lukas 9,28, wo es heift nach acht Tagen) genauer zur Geltung gebracht, wobei die ganze pytha- goreische Zahlenmystik zur Darstellung kommt: ,Die Achtheit nennen sie Kubus, unbewegte (Himmels-)Kugel aber, wenn sie dieselbe mit den sieben Planeten zusammenzihlen, durch die das grofe Jahr vollendet wird wie eine Periode des Genusses der Verheifungen. (So verstehen wir jetzt den Text der Schrift): Der Herr steigt als vierter (neben Petrus, Jakobus und Johannes) auf den Berg, wird dort sechster (mit Moses und Elias), wird von geistigem Lichte umstrahlt, indem er die von ihm ausgehende Kraft offenbarte, soweit sie von den Erwahlten gesehen werden konnte. Durch die Stimme, die die Zahl Sieben vertritt, wird er als Sohn Gottes verkiindet, damit jene itber sein Wesen hinreichend unter- richtet zur Ruhe kamen, er selbst aber, bisher nur durch die Ge- burt, die die Sechs sinnbildet, bekannt in seinem Wesen als Acht- heit erscheine, indem er als Gott im Fleische seine Macht offen- bart, unter die Menschen gezihlt, in seinem Wesen verborgen“*. Demnach wurde die Acht als Sinnbild des Jenseits, des Himmels und der Gdttlichkeit gewertet™ * Klemens, Stromata VI,14 § 108,1 (II,486 Z. 6ff. Srkmumn): of mi xatapeivarres év EBdoudd: dvanadocws, dyadocgylg 58 Delas opouchoeas els dySoadixifs sdepyecias xAqoovoulay ‘egnipartes .. . _ % Klemens, Stromata VI, 16 § 188,1 (11,501 Z. 28ff. Srxmuin): 9 &B- 8sun toivvy tudoa dvdxavors xngbooeta, dxozi xaxdv éroudtovoa thy doxéyovor tudoay thy 1 Sve dvdnavow Hpiv ... * Klemens, Stromata IV,17 § 109,2 (11,206 Z. 12f. Srxmumn): era [Poouddor xai dyBoddos uvorjguy yroorxdy érupéger .. . * Klemens von Alexandrien, Stromata VI,16 § 140,2. 8 (GCS: Clem. 11, 508 Z. 7 ff. Srxmuin). * Vgl. dazu Klemens von Alexandrien, Stromata V,6 § 86,3 (IL, 350 Z. 171. Srxntin), wo die Deutung der Arche auf Achtheit, geistigen Kosmos und Gott erscheint. 8. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 177 Vielleicht liegt dieser Gedanke auch der Annahme zugrunde, daB die Acht die acht Gétter bedeute, die tiber das Weltall herr- schen’, Ié»ta été war ein antikes Sprichwort und soll sich auf die acht Sphiren beziehen, die sich um die Erde bewegen**, Die gleiche Symbolik der Zahlen 7 und 8 begegnet wiederholt bei Origenes. Er sagt: ,,Wie die Acht Sinnbild dor zukiinftigen Welt ist, indem sie die Kraft der Auferstehung in sich begreift, so ist die Sieben Sinnbild dieser Welt‘. Noch etwas feierlicher nennt Origenes den achten Tag ,Mysterium der zukiinftigen Welt“***. Er geht dabei von der auf den achten Tag festgesetzten kérperlichen Beschneidung der Juden auf die geistige Beschnei- dung der Christen iiber, die der zukiinftigen Welt dienen, wo sie weder heiraten noch verheiratet werden, sondern sein werden wie die Engel Gottes. Auch anderwarts, da Origenes auf das Gesetz der Beschneidung am achten Tag zu sprechen kommt, fiihrt er aus: »Die Sieben (= die siebentagige Woche) kann als Zeit des gegen- wartigen Lebens angesehen werden; in dem Zeitraum von sieben Tagen namlich wurde die Welt vollendet. Solange wir im Fleische sind, kénnen wir nicht véllig rein sein, wenn nicht der achte Tag gekommen ist, d. h. wenn nicht die Zeit der zukiinftigen Welt erschienen ist. An diesem Tage wird der, der mannlich ist und mannlich gehandelt hat, sofort beim Erscheinen der zukiinftigen Welt gereinigt, und rein wird die Mutter, die ihn geboren hat; sie wird namlich ein von Sinden gereinigtes Fleisch durch die Auf- erstehung empfangen“ ***. Von dem Wiederaufleben Jesu aus dem Tode, von seiner Auf- erstehung am Tage nach dem Sabbat, also am achten Tage aus- gehend, betont Origenes den achten Tag als ,,Typus des neuen Lebens“**, Was er sich dabei dachte, macht er klar, wenn er zu dem Text des Psalmes 118 (117),24: ,,Dieses ist der Tag, den der Herr gemacht hat, ausfiihrt: ,,Was méchte wohl diesem Tage gleich sein, an dem die Verséhnung Gottes mit den Menschen erfolgt, an dem der Krieg der Zeitlichkeit vernichtet und die Erde als Himmel erwiesen wurde, da die Menschen, die der Erde unwert waren, des Himmelreichs wiirdig erschienen, da der Erstling 2% Theon von Smyrna, Expositio rerum mathematicarum S. 104. Huter. 1 Theon a a. 0. S. 105 Z. 12 Hazen. . _., # Origenes, Selecta in Psalmos (XIII,102£ Lommatzscu): Goxce # 8785 abpfoldv dor tod péilovtos aldvos, divajuy dvaordoews negiézovoa, obte xal 4 $Bdsun oiuBoléy tors tov xdopov robrov. 23 Origenes, In ep. ad Romanos Comment. II, 18 (VI, 188 LommatzscH). %% Origenes, In Leviticum Homilia VIII, 4 (VI, 390 Z. 12-18 Barnrens). 1 Origenes, Selecta in Psalmos (XI, 358f. Lommarzscx). Dolger, Antike und Christentum. IV. Band 1934 12 178 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses . unserer Natur iiber die Himmel erhoben und das Paradies eréffnet wurde, an dem wir die alte Heimat wieder erhielten, an dem der Fluch hinweggenommen und die Siinde gelést wurde? Denn wenn auch (Gott) alle Tage gemacht hat, so doch jenen in ganz besonderer Weise, da er an ihm die héchsten seiner Mysterien zur Vollendung brachte. Deshalb lat uns jubeln und fréhlich sein an ihm, da wir ein doppeltes Freudenfest feiern, einmal, da wir der Gefangenschaft des Teufels entrissen wurden und zweitens, weil wir auch zum Himmelreich erhoben wurden“ *’*. Besonders kehrt Origenes die Achtzahl hervor beim Psalm 118, in dem jeder Buchstabe achtmal wiederholt wird. Dabei nennt er die Siebenzahl das Zeichen der stofflichen Dichtigkeit, die Achtzahl aber den Anfang der unstofflichen und besseren Zustindlichkeit. ,.Bevor naémlich der achte Tag des Herrn Jesus Christus kam, war die ganze Welt unrein und unbeschnitten. Sobald aber der achte Tag der Auferstehung Christi kam, da wurden wir alle insgesamt gereinigt in der Be- schneidung Christi, da wir begraben wurden und mit ihm auf- erstanden, wie der Apostel sagt (Rom. 6,4)“*’. Da Paulus in der angerufenen Stelle iiber die Taufe als den mystischen Tod und die mystische Auferstehung der Gldubigen spricht, so hat Origenes mit dem Hinweis auf diese Stelle die Taufe bereits in die Symbolik der Achtzahl hineinverflochten, genau so wie es spiter Ambrosius in der Baptisteriuminschrift tat. Da nun die Taufe als Ablegung der Bosheit, als Beginn eines neuen Lebens, als geistige Auferstehung, als Vergottung und Unterpfand der Seligkeit galt, so miifte es iiberraschen, wenn sie nicht auch mit der Symbolik der Achtzahl in Verbindung gebracht worden wire. In den Excerpta ex Theodoto heift es denn auch in der bereits angefiihrten Stelle: ,,Wer von der Mutter geboren wird, der wird zum Tode gefiihrt und in die Welt, wer aber von Christus wiedergeboren wird, der wird in das Leben versetzt, in die Achtheit***. In einem ahnlichen Gedankenkreis scheint sich auch Kle mens von Alexandrien zu bewegen, Er spricht von den Priestern, die zur Leiche von Vater, Mutter, Sohn oder Tochter hineingegangen sind: ,Auch diese werden gereinigt in sieben Tagen, in welcher Zeit die Schépfung (yéearc) vollendet wird; am siebenten Tage namlich wird Ruhe gefeiert; am achten bringt er das Siihnopfer dar, wie bei Ezechiel 3° Origenes, Selecta in Psalmos (XIII,65 LomMarzscu). 1? Origenes, Selecta in Psalmos (XIII, 68 Lommarzscu). Vgl. zu der Achtzahl bei Origenes auch A. v. Harnack, Der kirchengeschichtliche Ertrag der exegetischen Arbeiten des Origenes = TU 42,4 (1919) 112. 2 Klemens von Alexandrien, Excerpta ex Theodoto 80,1 (II, 181 Z. 244f. Srinzin). Text oben S. 173 A. 82. 8. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 179 (44,27) geschrieben steht. Durch das Siihnopfer ist die Ver- heifung zu erlangen. Die vollkommene Reinigung ist, wie ich glaube, der durch Gesetz und Propheten zum Evangelium fiihrende Glaube, das Siihnopfer die durch vollen Gehorsam erfolgende Entsiihnung mit der Ablegung aller Weltdinge bis zu der mit der Loslésung der Seele erfolgenden freudigen Riickgabe des Zeltes (Leibes). Mag nun die Zeit gemeint sein, die durch die sieben Umlaufe zur vollendeten Ruhe (= Achtheit) fiihrt oder die sieben Himmel, die einige beziiglich der Himmelfahrt (éxavéfaow) zihlen, und mag auch die unwandelbare Gegend, die zum geistigen Kos- mos fihrt, unter der Achtheit verstanden sein, sicher spricht die Stelle die Notwendigkeit aus, daS der Gnostiker aus der Geburt (yéveots) und aus der Siinde auftauchen miisse. In den sieben Tagen werden fiir die Sinden Opfer dargebracht; es besteht ném- lich noch die Furcht der Anderung und diese reicht bis zum siebten Umlauf. Job aber, der Gerechte sagt: Nackt ging ich aus dem Leibe meiner Mutter hervor und nackt kehre ich dorthin wieder zuriick‘, nicht nackt an Besitz (denn das wire eine gering- fiigige und gewdhnliche Wahrheit), sondern als Gerechter ging er nackt von der Bosheit und Siinde hinweg und von dem gestalt- losen Bild, das denjenigen folgt, die ungerecht gelebt haben. Dies war naimlich gemeint mit dem Wort: ,Wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder‘ (Matth. 18, 3), rein nach dem Fleische, heilig in der Seele durch Enthaltung von bésen Werken.. Dabei zeigt er, daB er uns so haben will, wie er uns gezeugt hat aus dem Mutterleib des Wassers. Die Geburt, die die Geburt aufnimmt, will durch das Fortschreiten unsterblich machen, der Gottlosen Leuchte aber wird ausgeléscht werden“ *”*, Die Taufe, die Geburt aus dem Mutterleib des Wassers, ist das Auftauchen zur Achtheit. Klemens hat einige Zeilen vor unserem Texte von dem Fremdling ge- sprochen, der unbeschnitten an Fleisch und Herz unrein ist an Kérper und Geist. Hat vielleicht die Beschneidung am achten Tag die Verbindung der Taufe mit dem Sinnbild der Achtheit noch enger verbunden? Méglich ist dies, besonders, wenn man eine hier einschlagige Ausfiihrung bei Methodius von Philippi beachtet. Wir lesen naimlich bei Methodius: ,,Von den Menschen nach der Sintflut war die Erkenntnis Gottes immer weiter abge- kommen, schon breitete sich allmahlich der Bilderdienst aus, da brauchten die Menschen eine neue Lehre, die ihnen das Bése abwehren und helfend zur Seité treten sollte. Damit das Men- 109 Klemens von Alexandrien, Stromata IV,25 § 158,4—160,8 (GCS: Clem. II, 318 Z. 22-819 Z. 14 StxumN). 12° 180 Zur Symbolik des altchristlichen Taufhauses ie schengeschlecht nicht véllig versinke in der Vergessenheit des Guten, hat nun Gott seinem eigenen Sohn den Auftrag gegeben, den Propheten seine kommende Ankunft im Fleische und im irdi- schen Leben kundzutun; in der die Freude und Erkenntnis der geistigen Achtheit verkiindigt werden sollte als Spenderin von SiindenerlaS und Verleiherin der Auferstehung. Durch sie sollte von den Menschen weggeschnitten w¢rden (aegerunpdijoeobar) Leid und Verderben. Darum hat er im Verzeichnis der Propheten von Abraham an — wegen der Wiirde der Beschneidung, die die Achtzahl umschlieSt, wie ja an der Beschneidung auch das Gesetz hangt —, achtzig Nebenfrauen namentlich aufgefiihrt. (Die Prophe- ten) waren ja, bevor die Braut, die Kirche, mit dem Logos ver- miahlt wurde, die ersten, die den géttlichen Samen empfingen und die Beschneidung der geistigen Achtheit vorausverkiindeten“ “°. Die an sich recht ratselhafte Durchfiihrung wird durch die Vergottungs- lehre verstindlich. Die Taufe als geistige Beschneidung bringt durch Nachla® der Siinden und die geistige Auferstehung die Ver- gottung, oder wie es hier umschreibend heift, sie nimmt Leiden und Verderben (ta xddy xai ryv gdogdvy) hinweg, wodurch der Mensch éxadyjo und d0dvatos wird, d. h. die Vergéttlichung empfangt. Diese Vergéttlichung ist ewiges Leben d. i. die geistige Achtheit. Da die Taufe diese Achtheit spendet, so kann sie selbst die Achtheit genannt werden, Das Wesentliche, was Ambrosius als Geheimnis der Acht- zahl in der Anwendung auf Taufe und Taufhaus ausfiihrt, bietet uns als forterhaltene Uberlieferung im Osten auch Cyrill von Alexandrien, Die Zeit des christlichen Vorbereitungsunter- richtes fiir die Taufe ist fiir Cyrill die Jugendzeit, wihrend mit der Erfiillung des Mysteriums Christi am achten Tage die geistige Mannhaftigkeit beginnt. Es bezeichnet namlich fiir uns der achte Tag die Zeit der Auferstehung, als Christus, der fiir uns den Tod erduldet hatte, wieder auflebte, dem wir geistigerweise gleich- gestaltet werden, indem wir durch die heilige Taufe sterben, d mit wir auch der Auferstehung teilhaftig werden“, Das gelte fiir die Heidenchristen und die Christen aus den Juden. ,,Die Zeit, die am besten geeignet ist fiir solche Vollendung ist das Mysterium Christi, das durch den achten Tag kundgetan werde. Gott ist ném- lich nicht zugiinglich durch den Gesetzeskult, zugiinglich wird er nur durch Christus allein. Durch ihn haben wir Zugang erhalten, uo Methodius von Philippi, Symposion VII,6 § 162. 163 (GCS: Meth. 77 Z. 6 ff. Bonwetscn). _ 4 Cyrill von Alexandrien, Glaphyrorum in Exodum lib, IT (Migne PG 69, 441 A). 8. Die Achtzahl in der altchristlichen Symbolik 181 wie nach dem siebenten Tag d. i. nachdem der Sabbatismus des Gesetzes vergangen ist“ ™*, Woher diese Zahlensymbolik im letzten Grunde stammt, ist noch nicht hinreichend erklart. Wir wiiSten dariiber vielleicht mehr, wenn uns das Werk des Irendus ,,Uber die Achtzahl“, von dem Eusebius spricht**, nicht verlorengegangen wire. Die starke Betonung der Achtzahl bei den Gnostikern scheint auf die antike Zahlenspielerei eines philosophischen Systems hinzuweisen. Die Gnostiker haben die Sophia mit der Achtzahl gleichgesetzt™*. Irendus sagt von Achamoth: ,,Diese Mutter nennen sie auch Acht- heit und Sophia und Erde und Jerusalem und Heiligen Geist und in der mannlichen Form Herrn“**. Dies ist insofern von Wert, als diese Sophia, die Himmelsmutter, dem Jerusalem d. i. dem himm- lischen Jerusalem gleichgesetzt wird und damit ebenfalls den Seligkeitsbegriff in sich birgt. Das System des Gnostikers Valentin, in dem mit der Achtzahl so gespielt wird, wird schon von den friihesten Ketzerbestreitern mit der Zahlenmystik des Pythagoras in Zusammenhang gebracht***. Bei den Pythagoreern galt die Acht- zahl als die Zahl des vollen Kérpers als die Zahl der Himmels- harmonie und als die Zahl der Gerechtigkeit’*”. Damit ergibt sich die gréS8te Wahrscheinlichkeit, daB die reli- gidse Mystik der Achtzahl dem philosophischen System der Pythagoreer entlehnt ist. Auch Klemens von Alexandrien 1laft deutlich einen Anschluf der christlichen Zahlensymbolik an die Antike erkennen, wenn er sogar den Tag des Herrn als den achten Tag bei Platon angedeutet findet. Er sagt: ,Den Tag des Herrn hat Plato im zehnten Buche seines Staates durch folgende Worte verkiindigt: 42 Cyrill von Alexandrien, Glaphyrorum’ in Exodum lib. II (Migne PG 69, 441.C): xagds 8 6 uddeora rH rogde tehevdoer agéawv 16 Xocorod Mvariigioy, 8 bd ts 6y8dns onualverat. 18 Eusebius, KG V,20,1 (II,1,480 Z. 22 Scnwarrz). 44 Klemens von Alexandrien, Excerpta ex Theodoto 68,1. 2 (UI, 128 Z, 9—12 StXmuin). Vgl. noch oben S. 176 A. 83. 45 Irenaeus, Adversus haereses I,1,9 (1,46 Harvey). , 48 Hippolyt, Elenchos VI,29 § 1 S. 155 Z. 18-22 Wenpzanp: Hier wird geradezu die Zahlenlehre als Beweis der Abbingigkeit genannt. Vgl. noch besonders Filastrius, Haeresis 88 (CSEL 88,20 Manx): Post istum Valen- tinus quidam surrecit, Pythagoricus magis quam Christianus, uanam quandam a perniciosam doctrinam eructans et uelut arithmeticam id est numerositatis notitiam fallacissimam praedicans, mullorumque animas ignorantium capliuauit. 47 Maecrobius, Commentariorum in somnium Scipionis 1,5 §§ 11. 15—18 8. 498 ff. EvssenHarpt. Vgl. dazu oben S.179 A. 109 Klemens von Alexan- drien. — Hier mag besonders beachtet werden, daf Basilides die Gerechtigkeit in die Ogdoas versetzt. Siche Klemens von Alexandrien, Stromata IV, 25 § 162,1 (II, 320 Srimtin): Baovteibns 32 bxoorards Auxasootyyy te xal chy Svyaréoa abtis thy Elonyny brolaupaver dv dyd0dd: pévew erdrareraypévas.

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