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10 9 8 7 6 5 4 3 2
22 21 20 19
Printed in Slovenia
Inhaltsübersicht
Vorwort der Autoren zur 4. Auflage 15
Die Autoren 21
Kapitel 4 Prozessmanagement 65
Kapitel 6 Fallstudien 99
Register 483
6
Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Autoren zur 4. Auflage 15
Die Autoren 21
Kummer, Sebastian, et al. Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, Pearson Education Deutschland GmbH, 2018. ProQuest
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Inhaltsverzeichnis
Kapitel 4 Prozessmanagement 65
4.1 Begriff und Merkmale von Geschäftsprozessen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
4.2 Betrachtungsebenen von Geschäftsprozessen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
4.3 Messung der Prozesseffizienz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
4.4 Ansätze zur Steigerung der Prozesseffizienz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
4.5 Lean Management . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
4.6 Change Management. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
4.7 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
Kapitel 6 Fallstudien 99
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
6.1.1 Einführung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
6.1.2 Steckbrief . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
6.1.3 Geschäftskonzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
6.1.4 Wettbewerbssituation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
6.1.5 Grundlagen der betrieblichen Leistungserstellung . . . . . . . . . . . . 104
6.1.6 Beschaffung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
6.1.7 Produktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
6.1.8 Logistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
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Inhaltsverzeichnis
Register 483
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Vorwort der Autoren zur
4. Auflage
Für das positive Feedback der Leserinnen und Leser und die große Nachfrage nach der
dritten Auflage sind wir dankbar. Sie zeigen uns, dass unsere Darstellung der Grund-
lagen der Beschaffung, Produktion und Logistik für deutschsprachige Universitäten,
Fachhochschulen aber auch Aus- und Weiterbildungseinrichtungen führend ist. Die
kompakte Einführung in das „Operations Management“, so bezeichnet die angelsäch-
sische Literatur das Management der betrieblichen Leistungserstellungsprozesse, stif-
tet großen Nutzen.
Wie viele andere Bereiche auch befinden sich Beschaffung Produktion und Logistik
zurzeit in einem tief greifenden Wandel. Auch wenn die Grundlagen gleichbleiben, so
stellen Digitalisierung und nachhaltiges Wirtschaften Herausforderungen für Unter-
nehmen und die akademische Ausbildung dar, die nicht ignoriert werden können.
Aufbauend auf der soliden Basis der dritten Auflage haben wir deswegen das Buch
konsequent in diese Richtung weiter entwickelt.
Im Teil I geben wir einen Überblick über die Herausforderungen der betrieblichen
Leistungserstellung, wobei digitale Transformation und nachhaltiges Wirtschaften
Schwerpunkte darstellen, die in den weiteren Teilen des Buches vertieft werden. Im
Kapitel 2 Transformationsebenen im Unternehmen haben wir die dispositive Ebene
stark ausgebaut. Die Managementaufgaben Planung, Entscheidung und Kontrolle wer-
den intensiver behandelt. Zusätzlich gehen wir auf Management-Ansätze, wie zum
Beispiel die integrierte Absatz-, Produktions- und Beschaffungsplanung (Sales and
Operations Planning), ein. Das Kapitel 4 Prozessmanagement haben wir um praxisre-
levante Konzepte, insbesondere Prozesslandkarten und Change Management erwei-
tert. Das Kapitel Supply Chain Management wurde komplett überarbeitet, die Supply
Chain Planung wurde ausgebaut und das SCOR-Modell auf die aktuelle Version 12.0
aktualisiert. Die praktische Anwendung der beschriebenen Konzepte zeigen wir
anhand kurzer Exkurse.
Der Teil II – Beschaffung wurde überarbeitet und aktualisiert. Die Überarbeitung bezog
sich unter anderem auf Überschneidungen mit und Abweichungen gegenüber anderen
Teilen. Die Aktualisierung betraf vor allem die Berücksichtigung von zwei für die
Beschaffung bedeutsamen neuen Trends, nämlich die Nachhaltigkeit und die Indust-
rie 4.0. Auf Grund der großen Bedeutung für die Praxis wurden im Rahmen der Über-
arbeitung und Aktualisierung des Teils III ein neuer Abschnitt zum Projektmanage-
ment sowie Ergänzungen im Bereich der Produktionsplanung eingefügt. Der Teil III –
Produktion bildet somit das Kernstück der kompakten Einführung in das „Operations
Management“.
Im Zuge der Überarbeitung von Teil IV – Logistik haben wir die Grundlagen der Logis-
tikdienstleister in einem eigenen Kapitel beschrieben. Da Umweltaspekte und soziale
Fragen zunehmend eine Herausforderung für die Logistik darstellen, adressieren wir
diese umfassend in Abschnitt 17.4 Nachhaltige Logistik und integrieren Beispiele
dazu in den Folgekapiteln. In Kapitel 18 erläutern wir neben den bestehenden Inhal-
15
Vorwort
ten die digitale Transformation im Kontext mit Logistik 4.0. Im Kapitel 21 Supply
Chain Management wurde die Gestaltung des SCM aktualisiert und erweitert. Das Effi-
cient Consumer Response als Konzept des SCM wurde ausführlicher erläutert. Außer-
dem wurden die Herausforderungen des SCM aktualisiert und um die digitale Trans-
formation sowie Nachhaltigkeitsaspekte ergänzt.
Das Übungsbuch wurde analog zur neuen Auflage des Textbuchs überarbeitet. Ergän-
zende Materialien zum Textbuch in elektronischer Form sind über die Website des
Verlages kostenlos erhältlich.
Die Autoren zeichnen weiterhin für ihren jeweiligen Themenbereich verantwortlich,
Sebastian Kummer fungiert darüber hinaus wie gehabt als Herausgeber. Die Koordina-
tion der Autoren und die Abstimmung mit dem Verlag besorgte dankenswerter Weise
wieder Herr Dr. Wolfram Groschopf. Für die großartige Unterstützung bei der Aktuali-
sierung der Fallstudien möchten wir uns bei Herrn Professor J. Rod Franklin und
Herrn Dr. Christoph Horvatits bedanken. Unser Dank gilt auch dem Verlag für die gute
Zusammenarbeit, insbesondere Herrn Martin Milbradt. Last but not least danken wir
den Studierenden und TutorInnen der Wirtschaftsuniversität Wien sowie den Kolle-
ginnen und Kollegen anderer deutschsprachiger Universitäten und Fachhochschulen
für ihre zahlreichen Rückmeldungen, Fragen und Anregungen.
16
Vorwort
17
Vorwort
Zusammenarbeit, insbesondere Herrn Martin Milbradt. Last but not least danken wir
den Studierenden und TutorInnen der Wirtschaftsuniversität Wien für ihre zahlrei-
chen Rückmeldungen, Fragen und Anregungen.
Kummer, Sebastian, et al. Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, Pearson Education Deutschland GmbH, 2018. ProQuest
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Vorwort
19
Die Autoren
Teil I
Univ.Prof. Dr. Sebastian Kummer ist Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft
und Logistik der Wirtschaftsuniversität Wien. Als praxisorientierter Wissenschaftler
führt er sowohl wissenschaftliche Forschungsprojekte als auch Beratungsvorhaben zu
aktuellen Fragen des Logistikmanagements und des Supply Chain Management
durch.
E-Mail: [email protected]
Dr. Wolfram Groschopf ist Mitarbeiter des Instituts für Transportwirtschaft und Logis-
tik der Wirtschaftsuniversität Wien. Im Rahmen seiner Lehr- und Forschungstätigkeit
beschäftigt er sich mit Logistikmanagement und Supply Chain Management.
E-Mail: [email protected]
Teil II
em. o. Univ.Prof. Dr. Oskar Grün war Vorstand des Instituts für Organisation und
Materialwirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien. Konzeptionelle Fragen sowie
Kern- und Supportprozesse der Materialwirtschaft bilden den Schwerpunkt seiner
Lehre und Forschung.
E-Mail: [email protected]
Mag. Jean-Claude Brunner ist Berater für Business Intelligence. Er war wissenschaft-
licher Mitarbeiter am Institut für Organisation und Materialwirtschaft der Wirtschafts-
universität Wien. Seine Forschungsinteressen sind Organisationsgrenzen und Wert-
schöpfungsnetzwerke.
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E-Mail: [email protected]
Teil III
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Werner Jammernegg war bis 2018 Professor für Operations
Management am Institut für Produktionsmanagement der WU Wien. Seine Schwer-
punkte in Forschung, Lehre und Beratung liegen im Operations Management und im
Supply Chain Management.
E-Mail: [email protected]
Dr. Martin Poiger ist externer Lehrbeauftragter an der Donauuniversität Krems sowie
an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er war stellvertretender Studiengangsleiter der
Fachhochschulstudiengänge „Logistik und Transportmanagement“ (Bachelor & Mas-
ter) der FH des bfi Wien sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Produkti-
onsmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seine fachlichen Schwerpunkte
liegen in den Bereichen Prozess- und Qualitätsmanagement, Supply Chain Manage-
ment und wissenschaftliche Methoden.
E-Mail: [email protected]
Kummer, Sebastian, et al. Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, Pearson Education Deutschland GmbH, 2018. ProQuest
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Die Autoren
Dr. Stefan Treitl ist Senior Lecturer am Institut für Produktionsmanagement der Wirt-
schaftsuniversität Wien. Im Rahmen seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit beschäftigt
er sich u.a. mit Methoden und Tools des Produktionsmanagements sowie mit Nach-
haltigkeitsaspekten im Operations und Supply Chain Management.
E-Mail: [email protected]
Teil IV
Univ.Prof. Dr. Sebastian Kummer
Dr. Wolfram Groschopf
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TEIL I
Grundlagen der betrieblichen
Leistungserstellung
1 Betriebliche Leistungserstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
2 Transformationsebenen im Unternehmen . . . . . . . . . . . . . 41
4 Prozessmanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
6 Fallstudien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
Teil I Grundlagen der betrieblichen Leistungserstellung
Sebastian Kummer
Wolfram Groschopf
Dieser erste Teil vermittelt Ihnen die Grundlagen der betrieblichen Leistungserstel-
lung aus unterschiedlichen Perspektiven. Zunächst erläutern wir aktuelle Herausfor-
derungen der betrieblichen Leistungserstellung und beschreiben grundlegende Ziele,
die Unternehmen im Kontext der Nachhaltigkeit verfolgen. Danach stellen wir Ihnen
Beschaffung, Produktion und Logistik als Spezielle Betriebswirtschaftslehren, als
betriebliche Funktionen und Funktionsbereiche sowie als betriebliche Prozesse im
Kontext mit der Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre vor. Davon ausgehend
beschreiben wir die Transformationsebenen der betrieblichen Leistungserstellung. Im
Folgenden führen wir Sie in die faktorbezogene Sichtweise ein und stellen betriebli-
che Leistungserstellung als Input-Output-System dar. Wir erläutern anschließend die
prozess(fluss-)orientierte Sichtweise der Leistungserstellung und stellen unterneh-
mensübergreifende Sachverhalte im Rahmen des Supply Chain Managements dar.
Den Abschluss des ersten Teils bilden Fallstudien aus der Güter- und Dienstleistungs-
produktion über die Unternehmen Kurt Mann Bäckerei & Konditorei und den Logis-
tikdienstleister Kühne + Nagel.
Sie lernen:
Herausforderungen der betrieblichen Leistungserstellung kennen
Ziele als Ausgangspunkt wirtschaftlicher Handlungen zu verstehen
Nachhaltiges Wirtschaften als essenzielle Unternehmensaufgabe zu erfassen
Beschaffung, Produktion und Logistik als betriebliche Funktionen, Funktionsbereiche und
Spezielle Betriebswirtschaftslehren zu begreifen
Die Entwicklung der betrieblichen Leistungserstellung von der Funktions- zur Prozessbe-
trachtung kennen
Transformationsebenen in einem Unternehmen zu unterscheiden
Produktionsfaktoren zu differenzieren und Beispiele zu nennen
Güter- und Dienstleistungsproduktion voneinander zu unterscheiden
Faktor-, Funktions- und Prozessbetrachtung abzugrenzen und anzuwenden
Kennzahlen und Kennzahlensysteme zu erklären
Konzepte zur Effizienzsteigerung zu verstehen
Grundlagen des Supply Chain Managements zu erfassen
Die Bereiche „Beschaffung“, „Produktion“ und „Logistik“ anhand von Fallstudien aus der
Güter- und Dienstleistungsproduktion einzuschätzen
24
Betriebliche
Leistungserstellung
ÜBERBLICK
1.5 Beschaffung, Produktion und Logistik als
betriebliche Funktionen und Funktionsbereiche . . 35
1.6 Beschaffung, Produktion und Logistik:
von der Funktions- zur Prozessorientierung. . . . . . . 36
1.7 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
1 Betriebliche Leistungserstellung
26
1.1 Aktuelle Herausforderungen
27
1 Betriebliche Leistungserstellung
28
1.3 Nachhaltigkeit
1.3 Nachhaltigkeit
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ (sustainability) lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurück-
verfolgen und hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Die Grundidee dabei war,
nicht mehr Holz aus dem Wald zu entnehmen als nachwächst, um den Wald nicht zu
schädigen und somit die natürliche Umwelt langfristig zu erhalten.
3
Definition
Nachhaltiges Wirtschaften (engl. „sustainable development“) bedeutet, dass den
Bedürfnissen der heutigen Generation dergestalt Rechnung getragen werden
sollte, dass die Möglichkeit künftiger Generationen, ihre Bedürfnisse zu befriedi-
gen, nicht gefährdet wird.3
Die Erfüllung der gesetzlichen Rahmenbedingungen ist die Basis der betrieblichen
Leistungserstellung und damit die Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften.
Allerdings müssen Unternehmen als Reaktion auf Stakeholderinteressen ihre Nach-
haltigkeitsstandards über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus anheben.
Zunehmend erkennen Unternehmen die Chancen nachhaltigen Wirtschaftens und
nutzen dieses Differenzierungsmerkmal als Teil der Unternehmensstrategie, wie fol-
gende Abbildung 1.1 zeigt.
29
1 Betriebliche Leistungserstellung
Als Reaktion auf schlechte Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen während der
Industrialisierung wurden in den meisten westlichen Ländern gesetzliche Rahmenbe-
dingungen im Arbeits-, Sozial- und Umweltbereich geschaffen, die bei der betriebli-
chen Leistungserstellung eingehalten werden müssen.
Zwar wurde die Arbeitszeitgesetzgebung durch die EU in der Europäischen Richtlinie
93/104/EG und der Richtlinie 2003/88/EG über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitge-
staltung geregelt, die Umsetzung ist jedoch in den Ländern der EU und selbst in so
nahen Rechtssystemen wie Deutschland und Österreich unterschiedlich. Neben der
höchstzulässigen täglichen Arbeitszeit regelt die Arbeitszeitgesetzgebung in der Regel
die Ruhepausen während der Arbeitszeit und Mindestruhezeiten, die zwischen Been-
digung und Wiederaufnahme der Arbeit einzuhalten sind. Außerdem gibt es Regelun-
gen für Arbeit bzw. Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen sowie zur Nachtarbeit.
Spezifische gesetzliche oder zwischen den Sozialpartnern vereinbarte Arbeitszeit-
regelungen gibt es in einzelnen Branchen, z.B. gelten für Lkw-Fahrer zusätzlich zu
den Arbeitszeitregelungen noch strengere Lenkzeitregelungen. Außerdem sehen viele
Tarifverträge Arbeitszeitregelungen und entsprechende Vereinbarungen für Löhne
und Gehälter vor.
Bereits zur Frühzeit der Industrialisierung wurden erste Umweltgesetze erlassen,
diese blieben jedoch lange Zeit sehr fragmentiert und ließen den Unternehmen große
Spielräume. Mit dem beginnenden Umweltbewusstsein im deutschsprachigen Raum
wurden seit den 1970er-Jahren viele Umweltgesetze verabschiedet. Allerdings gibt es
lediglich in der Schweiz ein Umweltgesetz, das den gesamten Umweltbereich außer
dem Gewässerschutz regelt. In Deutschland und Österreich ist die Umweltgesetz-
gebung auf unterschiedliche Gesetze verteilt.
Bei der betrieblichen Leistungserstellung muss darauf geachtet werden, dass (nega-
tive) Einwirkungen auf Mensch und Natur vermieden und Gesetze beachtet werden,
die zum Schutz der Umwelt erlassen wurden. Um die diversen Naturschutz- und Was-
sergesetze nicht zu verletzen, muss sichergestellt werden, dass z.B. von betrieblichen
Abwässern keine Gefahren für Grundwasser oder fließende Gewässer ausgehen. Durch
Immissionsschutzgesetze werden z.B. Luftverunreinigungen, Lärm oder Strahlenemis-
sionen geregelt, indem Unternehmen Emissionsobergrenzen für bestimmte Stoffe vor-
gegeben werden. Außerdem regeln Gesetze die Verwendung bestimmter umweltge-
fährdender Stoffe. Beispiele hierfür sind das Abfall- und das Chemikalienrecht.
Unternehmen sollten nicht nur aus moralischen Gründen hohe Umweltstandards ein-
halten, denn Verstöße gegen Umweltgesetze können zu Strafzahlungen führen. Außer-
dem können die verantwortlichen ManagerInnen bei Verstößen gegen Umweltgesetzte
auch strafrechtlich verfolgt werden.
Um nachhaltig zu wirtschaften, sind Unternehmen somit gefordert, im Rahmen des
betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagements wirtschaftliche Leistung sozial- und
umweltverträglich zu realisieren. Das grundlegende „Drei-Säulen-Modell“ der Nach-
haltigkeit4 (engl. „Triple Bottom Line“) zielt daher auf die gemeinsame Berücksichti-
gung ökonomischer, ökologischer und sozialer Formalziele von der Strategiefindung
bis zur operativen Erstellung betrieblicher Leistungen ab. Dabei erscheint es sinnvoll,
30
1.3 Nachhaltigkeit
die Treiber der einzelnen Säulen sowie Schnittmengen zwischen den Säulen genauer
zu betrachten. Während Treiber die Leistung innerhalb der einzelnen Säulen beein-
flussen, stellen die Schnittmengen auf die Wechselwirkungen zwischen einzelnen
Säulen der Nachhaltigkeit ab (vgl. Abbildung 1.2).
Treiber:
• Mitarbeiter
• Lieferanten/Kunden
Soziale Leistung • Sozialpartner
• Gesellschaft
tragbar sozialver-
träglich
nachhaltig
Treiber:
• Staat
Ökologische überlebens- Ökonomische Treiber:
Leistung fähig Leistung • Eigentümer
• Gesellschaft
• Ressourcen • Mitarbeiter
• Lieferanten • Konkurrenz
• Kunden • Fremdkapitalgeber
• Umweltorganisationen
Die grundlegendste Schnittmenge besteht zwischen der ökologischen und der ökono-
mischen Leistung, die die Überlebensfähigkeit des Unternehmens und der natürli-
chen Umwelt sichern. Dazu sind die wirtschaftlich effiziente und ökologisch tragbare,
zielgerichtete Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und der Aufbau kreisförmiger
Material- und Güterflüsse wichtig, um die Ressourcenintensität zu senken. Der Erhalt
der natürlichen Umwelt ist dabei in erster Linie Selbstzweck und dient dem Überle-
ben der Menschheit, der Sicherung des sozialen Friedens und der menschlichen
Lebensqualität.
Die gemeinsame Betrachtung von ökonomischer und sozialer Leistung des Unterneh-
mens kann über die Erfüllung gesetzlicher Standards hinaus als Fairness im Sinne der
Sozialverträglichkeit betrachtet werden. Diese umfasst neben der gemeinsamen
Berücksichtigung der Arbeits- und Lebenswelten von MitarbeiterInnen (engl. „work-
life balance“) auch gesellschaftliche Werthaltungen und politische Entwicklungen,
wodurch ein komplexer und sich wandelnder Betrachtungsraum entsteht.6
Tragbarkeit bezeichnet die gemeinsame Betrachtung von ökologischer und sozialer
Leistung des Unternehmens. Die Beanspruchung natürlicher Ressourcen und die
Emission von Schadstoffen und Treibhausgasen haben oftmals soziale Auswirkungen
zur Folge (z.B. Verschlechterung der Lebensqualität durch Luftschadstoffe), die
gemeinsam berücksichtigt werden müssen.
5 Eigene Darstellung in Anlehnung an: Carter, C./Rogers, D. (2008), S. 365 und Straube, F./Bor-
kowski, S./Nagel, A. (2009), S. 207
6 Vgl. Corsten, H./Roth, S. (2012), S. 5
31
1 Betriebliche Leistungserstellung
32
1.3 Nachhaltigkeit
33
1 Betriebliche Leistungserstellung
34
1.5 Beschaffung, Produktion und Logistik als betriebliche Funktionen und Funktionsbereiche
Definition
Eine Funktion entsteht durch die Zusammenfassung gleichartiger Aufgaben.
Definition
Ein Funktionsbereich ist ein abgegrenzter Bereich zur Aufgabenerfüllung inner-
halb einer betrieblichen Organisation. Im Organigramm einer funktionalen Orga-
nisation findet er sich als Element der Aufbauorganisation wieder.
Die Abbildung 1.4 zeigt eine derartige Gliederung nach Funktionsbereichen mit
Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Absatz etc.
Geschäftsleitung
Rechnungswesen/ Logistik
Controlling
Aufgabe der Beschaffung ist es, das Unternehmen mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen,
Zulieferteilen, Waren, Betriebsmitteln, Dienstleistungen, Personal, Informationen und
Kapital in entsprechender Art, Menge und Qualität zum richtigen Zeitpunkt und am
richtigen Ort zu versorgen (vgl. Teil II).
35
1 Betriebliche Leistungserstellung
Die Produktion erzeugt aus den beschafften Materialien und Teilen durch Kombina-
tion der Produktionsfaktoren (Arbeit, Betriebsmittel, Material) die durch das Sachziel
vorgegebenen Produkte. Bei der Dienstleistungsproduktion sind Arbeit und Informa-
tionen die wesentlichen Produktionsfaktoren. Die Kriterien Zeit, Flexibilität, Qualität
und Wirtschaftlichkeit spielen bei der Gestaltung des Produktionsprozesses eine
wesentliche Rolle (vgl. Teil III).
Unter dem Begriff Absatz (Vertrieb) werden die Maßnahmen zum Verkauf (marktliche
Verwertung) der erstellten Leistungen zusammengefasst, die wiederum Zahlungsvor-
gänge auslösen. Der Absatz von Sachgütern und Dienstleistungen ist die Grundlage
aller anderen unternehmerischen Aktivitäten, da die Absatzmengen, die im Rahmen
der Absatzplanung ermittelt werden, die Planungsgrundlage für die anderen Funktio-
nen (Beschaffung, Produktion und Logistik) bilden.
Die Funktion Logistik umfasst alle Transport-, Lager- und Umschlagsvorgänge, die in
und zwischen Unternehmen getätigt werden, sowie deren Steuerung. Üblicherweise
erfolgt eine Konzentration auf die drei genannten Leistungen Transport, Lagerung und
Umschlag. Darüber hinaus existieren logistische Dienstleistungen wie Verpacken,
Kommissionieren, Etikettieren oder Palettieren, deren Management ebenfalls von
Bedeutung ist. Die Logistik als Koordinationsfunktion geht über die Optimierung der
material- und warenflussbezogenen Dienstleistungen innerhalb der betrieblichen
Funktionsbereiche hinaus und zielt auf eine Abstimmung zwischen den unterschied-
lichen Funktionsbereichen ab. Deshalb bezeichnet man die Logistik auch als Quer-
schnittsfunktion. Ein in der Praxis wichtiges Beispiel hierfür ist das Just-in-Time-Prin-
zip als Verbindung zwischen den beiden Funktionen Beschaffung und Produktion
(vgl. Teil IV).
Durch die Bündelung von Aufgaben zu Funktionen und deren Erfüllung in Funktions-
bereichen werden Spezialisierungsvorteile erzielt. Wesentliche Spezialisierungsvorteile
liegen in der Realisierung von Lern- bzw. Erfahrungskurveneffekten in den einzelnen
Funktionsbereichen. Darüber hinaus lassen sich Teilsysteme wie die Beschaffung ein-
facher leiten als das Gesamtsystem Unternehmen.
36
1.6 Beschaffung, Produktion und Logistik: von der Funktions- zur Prozessorientierung
Prozessorientierung
Funktionsspezialisierung
Abbildung 1.5: Betriebswirtschaftliche Entwicklungsstufen
Die Grundlagen für die Funktionsspezialisierung durch Arbeitsteilung finden sich in den
Theorien von Adam Smith und Frederick Winslow Taylor. Die erste Theorie zur Funk-
tionsspezialisierung durch Arbeitsteilung in der klassischen Literatur stammt von Adam
Smith. Um den Grundgedanken der Produktivitätssteigerung durch Arbeitsteilung zu ver-
deutlichen, wählte Smith das folgende Beispiel der Stecknadelproduktion:
Der eine Arbeiter zieht den Draht, der andere streckt ihn, ein dritter schneidet ihn,
ein vierter spitzt ihn zu, ein fünfter schleift das obere Ende, damit der Kopf auf-
gesetzt werden kann. Um eine Stecknadel anzufertigen, sind somit etwa 18 ver-
schiedene Arbeitsgänge notwendig. Ich selbst habe eine kleine Manufaktur gese-
hen, in der nur zehn Leute beschäftigt waren, sodass einige von ihnen zwei oder
drei solcher Arbeiten übernehmen mussten. So waren die zehn Arbeiter imstande,
täglich etwa 48.000 Nadeln herzustellen, jeder also ungefähr 4.800 Stück.
Hätten sie indes alle einzeln und unabhängig voneinander gearbeitet, noch
dazu ohne besondere Ausbildung, so hätte der Einzelne gewiss nicht einmal
20, vielleicht sogar keine einzige Nadel am Tag zustande gebracht. Mit anderen
Worten, sie hätten mit Sicherheit nicht den zweihundertvierzigsten, vielleicht
nicht einmal den vierhundertachtzigsten Teil von dem produziert, was sie nun-
mehr infolge einer sinnvollen Teilung und Verknüpfung der einzelnen Arbeits-
gänge zu erzeugen imstande waren.9
Der von Smith geprägte Grundsatz der Arbeitsteilung verfolgt die Teilung von Aufgaben
in einzelne Teilaufgaben und führt somit zu einer Spezialisierung der Arbeitskräfte hin-
sichtlich der Erfüllung einzelner Teilaufgaben in handwerklich geprägten Unterneh-
men. Neben der Erfüllung individueller Aufgaben einzelner Arbeiter betrachtet er die
Koordination der einzelnen Teilaufgaben mit dem Ziel, die operativen Abläufe im
Unternehmen zu verbessern. Die Arbeitsteilung wirkt dabei laut Smith in dreifacher
Weise auf die Produktivität:
37
1 Betriebliche Leistungserstellung
11
Adam Smith wurde 1723 in Kirkcaldy (Schottland) geboren und starb 1790 in Edin-
burgh. Er gilt als Begründer der liberalen Nationalökonomie.11 In Glasgow und
Oxford studierte Smith Mathematik, Philosophie, Sprachen und Ökonomie. 1750
wurde er Professor für Logik an der Universität von Glasgow. Im Jahre 1752 erhielt er
den Lehrstuhl für Moralphilosophie, den er bis 1764 innehatte. Nach einigen Jahren
der literarischen Tätigkeit veröffentlichte er 1776 das bahnbrechende Werk „An
Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ (kurz: „Wealth of
Nations“). Im Jahr 1779 übernahm er das Amt des königlichen Zollkontrolleurs für
Schottland, das er bis zu seinem Tode bekleidete.
Auswahl seiner Werke:
– „The Theory of Moral Sentiments“, 1759
– „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“, 1776
38
1.6 Beschaffung, Produktion und Logistik: von der Funktions- zur Prozessorientierung
Auf die Phase der Funktionsspezialisierung folgte die Phase der Produkt- und Kun-
denspezialisierung. Ziel der Unternehmen war es dabei, sich stärker an den Bedürf-
nissen der Kunden zu orientieren, d.h. die Wünsche der Kunden besser zu erkennen
bzw. zu wecken und diese zu befriedigen. Die Produkte wurden individualisierter, das
heißt den Bedürfnissen der jeweiligen Kunden angepasst.
Aufbauend auf der Produkt- und Kundenspezialisierung war es Ziel der Unterneh-
men, den Fluss von Material und Informationen durch das Unternehmen zu verbes-
sern. Dies ergibt sich aus der Forderung der Kunden nach kürzeren Lieferzeiten und
aus dem Bestreben der Unternehmen, durch schnellere Durchlaufzeiten der Unsicher-
heit über die zukünftige Nachfrage besser zu begegnen. Kürzere Reaktionszeiten und
größere Flexibilität führen bei großer Unsicherheit zu geringeren Gesamtkosten. Aller-
dings wird das Management komplexer Beschaffungs-, Produktions- und Logistiksys-
teme bei steigenden Anforderungen an Präzision, Schnelligkeit und Flexibilität immer
schwieriger. Hier setzt die Prozessorientierung (Flussorientierung) an, um die unter-
nehmensinternen und -übergreifenden Waren- und Informationsströme innerhalb der
einzelnen betrieblichen Funktionsbereiche besser zu koordinieren und durchgängige
Flüsse über die einzelnen Funktionsbereiche und Unternehmensgrenzen hinaus zu
gestalten.
Als Pionier gilt in diesem Zusammenhang die japanische Toyota Motor Company.
Dort wurde bereits nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung eines prozess-
orientierten Produktionssystems begonnen. Die Grundlagen des Prozessmanagements
sowie das von Toyota geprägte Lean Management lernen Sie in Kapitel 4 kennen.
39
1 Betriebliche Leistungserstellung
Z U S A M M E N F A S S U N G
Z U S A M M E N F A S S U N G
1.7 Übungsfragen
1. Welche unterschiedlichen Bedeutungen haben die Begriffe „Beschaffung“,
„Produktion“ und „Logistik“?
2. Erläutern Sie den Unterschied zwischen Sach- und Formalzielen und nennen
Sie die vier Kategorien von Formalzielen.
3. Definieren Sie den Begriff „Nachhaltiges Wirtschaften“ und erläutern Sie nö-
tige Handlungen in Unternehmen, Politik und Gesellschaft, um die Nachhal-
tigkeit zu steigern.
4. Ordnen Sie Beschaffung, Produktion und Logistik in das Schema der Speziel-
len Betriebswirtschaftslehren nach Jürgen Weber ein.
5. Warum wird Logistik als Querschnittsfunktion bezeichnet?
6. Welche betriebswirtschaftlichen Entwicklungsstufen sind wesentlich für die
Entwicklung von Beschaffung, Produktion und Logistik?
Lösungen zu den Übungsfragen und weiterführende Materialien finden Sie auf
der Website zum Buch unter www.pearson-studium.de.
40
Transformationsebenen
im Unternehmen
2.1 Güterebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 2
2.2 Finanzebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
2.3 Dispositive Ebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
ÜBERBLICK
2.4 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
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2 Transformationsebenen im Unternehmen
Management
Liefe-
Kunden
ranten
Logistik
Beschaffungslogistik Produktionslogistik Distributionslogistik
2.1 Güterebene
Die Güterebene (bonetäre Ebene; lat. „bonum“, das Gut) behandelt den Güterfluss von
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Zulieferteilen, Waren, Halbfertig- und Fertigproduk-
ten innerhalb eines Unternehmens und zwischen Unternehmen (Realgüterstrom).
Beispiele für diese Transformationsebene sind der innerbetriebliche Weitertransport
mittels Montagestraße, Verladung von Schiff auf Lkw oder der Pakettransport der Post.
Alle material- und warenflussbezogenen Aktivitäten sind Aufgabe der Logistik mit
den Teilbereichen Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik.
Der Material- und Güterfluss beginnt beim Lieferanten mit der Lieferung an das
Unternehmen und erstreckt sich über den Wareneingang (Eingangslager) im Rahmen
der Beschaffungslogistik. In der Produktion erfolgt die Verarbeitung der Materialien
in Abstimmung mit der Produktionslogistik. Nach der Fertigung „fließt“ das Produkt
im Rahmen der Distributionslogistik über Fertigwaren- und Auslieferungslager zum
Kunden. Der Strom von Recyclinggütern, Verpackungen und Leergut verläuft in die
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2.2 Finanzebene
Management
Produktions-
Versand:
Wareneingang: interne
Fertigwaren-
Eingangslager Bewegungen
lager
und Lagerungen
Liefe-
Kunden
ranten
Fertigung
Logistik
Beschaffungslogistik Produktionslogistik Distributionslogistik
Entsorgungs-
unternehmen
Materialstrom Produktstrom
Zwischenproduktstrom Strom von Recyclinggütern,
Verpackungen, Leergut,
Neu- und Gebrauchtwaren,
Ausschuss
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2.2 Finanzebene
Die Finanzebene (monetäre Ebene, lat. „moneta“, die Münze) erfasst den Geldfluss
innerhalb eines Unternehmens und zwischen Unternehmen (Nominalgüterstrom). Im
Einzelnen handelt es sich um Zahlungsströme, die vom Kunden zum Produzenten
(Bezahlung des Kaufpreises am Absatzmarkt) und vom Produzenten zum Lieferanten
(Bezahlung der Faktorpreise am Beschaffungsmarkt) verlaufen. Die ausgelösten
Zahlungsverpflichtungen werden vom Kunden in Form von Bargeld oder bargeldlos als
Buchgeld (Giralgeld) abgegolten. Gutschriften als Folge von Retournierungen, Gegenlie-
ferungen oder anderen Gegengeschäften verlaufen in entgegengesetzter Richtung.2 Man-
che Unternehmen arbeiten mit internen Verrechnungspreisen, um die Leistungen ein-
zelner Abteilungen an andere Abteilungen abzurechnen (vgl. Abbildung 2.3).
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2 Transformationsebenen im Unternehmen
Management
Liefe-
Kunden
ranten
Logistik
Beschaffungslogistik Produktionslogistik Distributionslogistik
Kaufpreise Faktorpreise
scheidungen im Unternehmen. Sie ist den Tätigkeiten auf den anderen Ebenen (bone-
tär, monetär) zeitlich vorgelagert.3 Dispositive Tätigkeiten sind Management- und
Führungsprozesse
innerhalb des Unternehmens (interne dispositive Tätigkeiten) wie die Bestimmung
eines Beschaffungs-, Produktions- und Absatzplans,
zwischen Unternehmen und Lieferanten beziehungsweise Kunden (externe
dispositive Tätigkeiten) wie die Abwicklung einer Kundenbestellung von der
Anfrage bis hin zur Rechnungslegung,
mit sonstigen Institutionen wie Kooperationspartnern, Banken, öffentlicher Verwal-
tung.
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2.3 Dispositive Ebene
Management
Anforderung Anforderung
Angebot Angebot
Bestellung Bestellung
Rückfragen Rückfragen
Liefe-
Kunden
ranten Auftrags- Auftrags-
bestätigung bestätigung
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Meldungen Meldungen
Faktura Faktura
Produktinformationen/Rückfragen Produktinformationen/Rückfragen
Logistik
Beschaffungslogistik Produktionslogistik Distributionslogistik
Bei der auftragsbezogenen Beschaffung und Produktion (purchase and make to order)
werden erst nach Eingang einer konkreten Kundenbestellung die notwendigen Kompo-
nenten und Rohstoffe beschafft und anschließend die Produkte hergestellt. Auslöser der
Prozesse auf der dispositiven Ebene ist somit die Kundenbestellung: Die Kundenanfrage
(1) bildet die Basis für ein Angebot, das in eine Bestellung mündet und vom Unterneh-
men in Form einer Auftragsbestätigung fixiert wird. Die folgende interne Anforderung
aus dem Absatzbereich nach fertigen Produkten (2) löst eine Anforderung der Produk-
tion nach Rohstoffen für den Produktionsprozess aus (3). Darauf folgt nach eventuellen
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2 Transformationsebenen im Unternehmen
Rückfragen eine externe Anfrage der Beschaffung beim Lieferanten (4). Der Lieferant
seinerseits versorgt die Beschaffung mit Informationen zum gewünschten Material und
erstellt entsprechende Angebote. Nach Vereinbarung der Details wie Preis, Qualität,
Menge, Liefer- und Zahlungsbedingungen bestellt die Beschaffung beim Lieferanten.
Eine entsprechende Meldung darüber geht an die Produktionsabteilung. Die Auftragsbe-
stätigung und die Rechnung (Faktura) des Lieferanten sowie die Rechnungserledigung
komplettieren den Beschaffungsprozess auf der dispositiven Ebene. Nach erfolgter Pro-
duktion und Auslieferung der Produkte an den Kunden (Güterebene) erfolgen die Rech-
nungslegung und Rechnungserledigung durch den Kunden als Auslöser für den Geld-
fluss auf der Finanzebene (vgl. Abbildung 2.4).
Funktionsübergreifende Planung
Die Planung dient dabei der Vorbereitung des künftigen Handelns auf Basis verfügba-
rer Informationen und Erwartungen über die zukünftige Marktentwicklung. Sie
umfasst die Festlegung der zu erreichenden Unternehmensziele und Maßnahmen zur
Erreichung dieser Ziele. Im Rahmen der Planung werden Entscheidungen zwischen
unterschiedlichen, sich ausschließenden Handlungsmöglichkeiten getroffen.
Ausgangspunkt der Planung der betrieblichen Leistungserstellung ist die Produktpro-
grammplanung, bei der die vom Unternehmen angebotenen Güter und Dienstleistungen
definiert werden (spezielle Sachziele, vgl. Abschnitt 1.2). Ausgehend vom Produktpro-
gramm erfolgt im Rahmen der integrierten Absatz-, Produktions- und Beschaffungspla-
nung (Sales and Operations Planning, S&OP) die laufende Abstimmung zwischen
Plänen der leistungsverwertenden Absatzbereiche sowie der leistungserstellenden
Bereiche Beschaffung, Produktion und Logistik. Ziel ist die laufende, gewinnoptimale
Abstimmung zwischen Kundennachfrage und der betrieblichen Leistungserstellung.
Dazu wird gemeinsam in definierten Intervallen (z.B. auf Monatsbasis) der folgende Pla-
nungszyklus durchlaufen:
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Beschaffungs- und
Absatzplanung Bedarfsplanung Produktionsplanung
Bereitstellungsplanung
Abbildung 2.5: Flussprinzip der integrierten Absatz-, Produktions- und Beschaffungsplanung (Sales and Operations Plan-
ning)
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2.3 Dispositive Ebene
und Baugruppen zu möglichst geringen Kosten beschafft (vgl. Kapitel 11) und
durch die Logistik termingerecht bereitgestellt (vgl. Abschnitt 19.1).
Die laufende Abstimmung der einzelnen betrieblichen Funktionsbereiche im Zuge
der simultanen Planung ist komplex, jedoch verbessert der Einsatz von S&OP die
Kundenorientierung, die innerbetriebliche Kommunikation und den Abbau von
Barrieren zwischen einzelnen Planungsfeldern. Diese Faktoren führen in der Regel
zur Verbesserung der Zielerreichung und der Erhöhung des Unternehmensgewinns.
Die Kontrolle hat die Aufgabe, den Grad der Zielerreichung zwischen geplanten und
realisierten Ergebnissen abzugleichen. Auf diese Weise kann die Veränderung der Effi-
zienz der betrieblichen Leistungserstellung ermittelt werden (vgl. Abschnitt 3.5). Dar-
über hinaus liefert die Analyse von Abweichungen zwischen Plänen und ihrer Umset-
zung wesentliche Informationen für die zukünftige Planung.4
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2 Transformationsebenen im Unternehmen
Definition
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Wichtige Instrumente der Akteure auf der dispositiven Ebene betreffen quantitative
Methoden des Operations Research (OR-Modelle) zur Unterstützung der Entschei-
dungsfindung sowie Methoden zur Abbildung und Diagnose der betrieblichen Leis-
tung in Form von Kennzahlen bzw. Kennzahlensystemen (z.B. Effizienz von Faktoren
im Abschnitt 3.5). Im vorliegenden Buch werden zahlreiche OR-Modelle und Kenn-
zahlen für die betrieblichen Funktionsbereiche Beschaffung, Produktion und Logistik
vorgestellt. Wesentliche OR-Modelle des vorliegenden Buchs betreffen dabei die opti-
male Bestellmenge in Teil II, das Kapazitätsmanagement in Teil III sowie das News-
boy-Modell und Transportmodelle in Teil IV.
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2.3 Dispositive Ebene
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2 Transformationsebenen im Unternehmen
Z U S A M M E N F A S S U N G
Z U S A M M E N F A S S U N G
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2.4 Übungsfragen
1. Welche Transformationsebenen lassen sich im Unternehmen unterscheiden?
2. Welche Arten von Strömen unterscheidet man auf der Güterebene?
3. Wozu dienen interne Verrechnungspreise auf der monetären Ebene?
4. Wie läuft die integrierte Absatz-, Produktions- und Beschaffungsplanung
(Sales and Operations Planning) ab?
5. Welche Vorgänge löst die interne Anforderung der Produktionsabteilung (z.B.
nach Rohstoffen) im Unternehmen und beim Lieferanten bei auftragsbezoge-
ner Beschaffung und Produktion aus?
Lösungen zu den Übungsfragen und weiterführende Materialien finden Sie auf
der Website zum Buch unter www.pearson-studium.de.
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Faktorbetrachtung
(Input – Output)
3.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 3
3.2 Input (Produktionsfaktoren) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
3.3 Transformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
ÜBERBLICK
3.4 Output (Güter und Dienstleistungen) . . . . . . . . . . . . . 59
3.5 Effizienz von Faktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
3.6 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
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3 Faktorbetrachtung (Input – Output)
3.1 Einführung
Die Produktion ist Teil der betrieblichen Leistungserstellung (vgl. Kapitel 1). Das Wort
Produktion (lat. „producere“ = hervorbringen) bezeichnet den Transformations- bzw.
Wertschöpfungsprozess, der Ausgangsstoffe (Rohstoffe, Zwischenprodukte) unter Ein-
satz von Arbeitskraft, Betriebsmitteln und Energie in Güter transformiert (Sachgüterpro-
duktion). Im Gegensatz dazu erfordern Dienstleistungen (z.B. Beratungsleistungen) bei
ihrer Herstellung keine Werkstoffe, weisen aber oft „Begleitgüter“ auf (z.B. Gutachten
bei Beratungsleistungen).1 In diesem Fall spricht man von Dienstleistungsproduktion.
Die betriebliche Leistungserstellung kann somit als Transformations- bzw. Wertschöp-
fungsprozess gesehen werden. Mit einem Input (Material, Betriebsmittel, Personal etc.)
wird ein Output (Sachgüter oder Dienstleistungen) geschaffen.
Transformation
Input Output
(Faktorkombination)
Grund und
Volkswirt-
Arbeit Boden Kapital Information
schaftslehre
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(Natur)
Werk-
mittel i.e.S
Geschäfts-
Betriebswirtschaftslehre
matik von
Betriebs-
bezogene
leitung
Organi- stoffe
Gutenberg Planung menschl.
sation Arbeits- Betriebs-
leistung stoffe
Repetier-
Heinen Potenzialfaktoren
faktoren
Personalführung
Werk-
Informationen
Informations-
Objekt-
Subjektfaktor
Erweitertes
Organisation
Zusatzfaktor
mittel i.e.S
stoffe
Kontrolle
Betriebs-
bezogene
Planung
Objekt-/
system
System von
menschl.
Produktions- Arbeits- Betriebs-
faktoren leistung stoffe
Abbildung 3.2: Produktionsfaktoren
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3.2 Input (Produktionsfaktoren)
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3 Faktorbetrachtung (Input – Output)
Edmund Heinrich Heinen wurde am 18. Mai 1919 in Saarbrücken geboren und
starb am 22. Juni 1996 in München. Er gilt als Schöpfer und Wegbereiter der
deutschsprachigen entscheidungsorientierten Betriebswirtschaftslehre.
Der Zweite Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft unterbrachen sein
Studium. In Frankfurt/Main legte Heinen 1948 das Examen als Diplom-Kaufmann
ab. Ein Jahr später promovierte er an der Universität in Saarbrücken. Nach der
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Habilitation 1951 war er dort zunächst als Privatdozent, dann ab 1954 als Professor
tätig. Drei Jahre später folgte Heinen einem Ruf an die Universität München, wo er
als ordentlicher Professor das Institut für Industrieforschung gründete und bis
1987 leitete.
In seinen zahlreichen Veröffentlichungen entwickelte der Schüler von Erich
Gutenberg die Betriebswirtschaftslehre entscheidend weiter. Seine Werke wur-
den in viele Sprachen übersetzt, allein fünf Bücher ins Japanische. Heinen erfuhr
unzählige Ehrungen und Auszeichnungen (u.a. das Bundesverdienstkreuz).
Auswahl seiner Werke:
– „Die Kosten – ihr Begriff und ihr Wesen“, 1956
– „Handelsbilanzen“, 1958
– „Einführung in die Betriebswirtschaftslehre“, 1968
– „Kosten und Kostenrechnung“, 1975
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3.3 Transformation
Das erweiterte System der Produktionsfaktoren umfasst neben den klassischen Pro-
duktionsfaktoren auch Informationen, Objektfaktoren und Zusatzfaktoren:
Es ist unbestritten, dass Informationen unverzichtbare Produktionsfaktoren dar-
stellen. Es wird lediglich darüber gestritten, ob Informationen eine eigene Kategorie
von Produktionsfaktoren darstellen. Wegen der wachsenden Bedeutung von Infor-
mationen wird dies hier bejaht.
Objektfaktoren sind Faktoren, die vom Kunden zur Leistungserstellung bereitge-
stellt werden. In der Sachgüterproduktion sind dies z.B. bereitgestellte Halbfertig-
produkte, die bearbeitet werden. Noch wichtiger sind die Objektfaktoren bei der
Dienstleistungsproduktion. Der Objektfaktor beim Gütertransport ist das zu trans-
portierende Gut. Ohne dieses kann die Produktion nicht erfolgen. Wird eine Dienst-
leistung an einer Person erbracht, z.B. Personentransport oder Haarschnitt, muss
diese Person anwesend sein. Da Menschen keine Objekte sind, wird hier die
Bezeichnung Subjektfaktor verwendet. Dieser Begriff macht ein weiteres Problem
der Dienstleistungsproduktion am Menschen deutlich. Eine objektiv gleiche Leis-
tungserstellung wird häufig von verschiedenen Personen – oder sogar von dersel-
ben Person zu unterschiedlichen Zeitpunkten – unterschiedlich beurteilt.
Zusatzfaktoren sind Faktoren, die für die Erstellung eines Produkts unentgeltlich
oder entgeltlich eingesetzt werden. Dies sind insbesondere Dienstleistungen, die
von Betriebsfremden erbracht werden: Nutzung der materiellen (z.B. Verkehrsinfra-
struktur) und immateriellen (z.B. staatliches Rechtssystem) Infrastruktur sowie die
Beanspruchung der Umwelt.
3.3 Transformation
Im Zuge der Transformation werden die Produktionsfaktoren (Input) kombiniert.
Dadurch entsteht Output in Form von Gütern und/oder Dienstleistungen.
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x = f (r1, r2,...rn )
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3 Faktorbetrachtung (Input – Output)
menge eingesetzt werden. Bei der partiellen Substitution wird häufig das soge-
nannte Ertragsgesetz unterstellt, das auf das im 18. Jh. entwickelte Gesetz vom
abnehmenden Bodenertrag von Turgot zurückgeht. So führt beispielsweise in der
Landwirtschaft der Einsatz von Düngemitteln bei gleichbleibender Menge an
Saatgut bis zu einer bestimmten Einsatzmenge zu höheren Produktionserträgen,
im Falle einer Überdüngung jedoch zu sinkenden Erträgen.
In der Betriebswirtschaftslehre wird das Ertragsgesetz als Produktionsfunktion
vom Typ A bezeichnet. Voraussetzung ist, dass die Faktoren in gewissen Grenzen
frei variierbar sind, also die Einsatzmenge eines Faktors variiert werden kann,
während die Einsatzmengen der anderen Faktoren konstant bleiben.3 Daher wer-
den in Folge alle Faktoren außer r1 konstant gesetzt und die Variation von r1 be-
trachtet. Daher gilt:
x = f (r1, r2,... rn )
konstant ( r c )
Die Kernaussage ist, dass bei einem vermehrten Einsatz eines Produktionsfaktors
zunächst der Gesamtertrag progressiv ansteigt (siehe Produktionsfunktion vom
Typ A3.3, Phase I). Bei weiterem Einsatz desselben Faktors nimmt der Gesamt-
ertrag nur noch degressiv zu (Phasen II, III), bis das Ertragsmaximum erreicht ist.
Danach führt jede zusätzliche Steigerung des Einsatzes dieses Produktionsfaktors
sogar zu einem Rückgang des Gesamtertrags (Phase IV).
Der Durchschnittsertrag x ist das Verhältnis zwischen Gesamtertrag und Einsatz-
menge des variablen Faktors und lautet:
x
x=
r1
einsatz an. An der Grenze von Phase II zu III erreicht der Durchschnittsertrag sein
Maximum und nimmt ab diesem Punkt ab.
Der Grenzertrag x′ ist der Zuwachs der Ausbringungsmenge, der durch den
zusätzlichen Einsatz einer Einheit des variablen Faktors erzielt werden kann und
wird definiert als:
x′ = f ′(r1 )
Der Grenzertrag nimmt in Phase I zu und erreicht an der Grenze der Phasen I und
II sein Maximum, da hier die Gesamtertragskurve die größte Steigung aufweist. In
den Phasen II und III nimmt der Grenzertrag bereits ab, erreicht an der Grenze
zwischen den Phasen III und IV den Nullpunkt, da sich hier das Maximum der
Gesamtertragskurve befindet, und wird in Folge negativ.
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3.3 Transformation
I II III IV
x
x
x‘
Gesamtertrag x
Durchschnitts-
ertrag x
r1
Grenzertrag x‘
Abbildung 3.3: Produktionsfunktion vom Typ A
ri = ai × x
r1 r2
x = Min( , )
a1 a2
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3 Faktorbetrachtung (Input – Output)
Tisch-
Tische beine
(r2)
(X)
16
12
8
4
4
2
1 2 3 4 Platten (r1)
Abbildung 3.4: Linear-limitationale Produktionsfunktion
Die von Gutenberg entwickelte Produktionsfunktion vom Typ B ist limitational. Die
linear-limitationale Produktionsfunktion kann als praxisrelevanter Spezialfall ange-
sehen werden. In der Produktionsrealität finden sich jedoch häufig auch nicht lineare
Zusammenhänge, z.B. steigt bei einer Erhöhung der Geschwindigkeit beim Autofah-
ren der Einsatz des Produktionsfaktors Treibstoff überproportional.
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Zur Erhöhung des Produktionsertrags stehen nach Gutenberg grundsätzlich drei Mög-
lichkeiten zur Verfügung:
1. Bei der intensitätsmäßigen Anpassung bleiben die Anzahl der Ressourcen und
deren Einsatzzeit gleich. Die Mengensteigerung wird durch eine intensivere Nut-
zung erzielt, z.B. durch Erhöhung der Drehzahl der Maschinen.
2. Bei der zeitlichen Anpassung wird mit einer gleichbleibenden Anzahl von Res-
sourcen die Einsatzzeit verlängert, z.B. durch die Einführung einer weiteren
Schicht.
3. Bei der mengenmäßigen Anpassung bleiben die Einsatzzeit und die Intensität
der Nutzung der Ressourcen gleich. Die Mengensteigerung wird durch eine Er-
höhung der Anzahl der Ressourcen erreicht, z.B. durch den Einsatz zusätzlicher
Maschinen.
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3.4 Output (Güter und Dienstleistungen)
Güter Dienstleistungen
Lagerungsfähig, im Voraus produzierbar (Lager Lager im engeren Sinne nicht möglich, jedoch Verschie-
zwischen Produktion und Konsumierung möglich) bung der Dienstleistungsproduktion in aufkommens-
schwache Zeiten (z.B. Flugreisen, Urlaube)
Zuerst Erstellung des Produkts, dann Kundenerfah- Erbringung der Leistung und Kundenerfahrung häufig
rung gleichzeitig
Bei Erstellung der Leistung ist die Anwesenheit Erfordert in der Regel die physische Anwesenheit des
des Kunden NICHT notwendig Objekt- (Dienstleistungen an Objekten) oder Subjekt-
faktors (Dienstleistungen an Menschen) bei Erstellung
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3 Faktorbetrachtung (Input – Output)
Güter Dienstleistungen
Herstellungsprozesse richten sich nach ökono- Höhere Anforderungen bezüglich Gestaltung der Pro-
mischen und materialbedingten Vorgaben zesse (Umgangsformen, Umweltgestaltung, Kunden-
orientierung)
Messung der Qualität des Produkts oftmals stan- Messung der Qualität der Leistung erfolgt oft subjektiv
dardisiert (z.B. DIN, ISO) durch den Kunden
Produktmenge
Arbeitsproduktivität =
Arbeitsstunden
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3.5 Effizienz von Faktoren
Eine Steigerung der Arbeitsproduktivität kann z.B. durch den Einsatz anderer
Betriebsmittel erfolgen (besseres Werkzeug, größeres Fahrzeug), eventuell aber auch
durch organisatorische Verbesserungen.
Produktmenge
Maschinenproduktivität =
Maschinenstunden
Produktmenge
Materialergiebigkeit =
Materialverbrauch
Wirtschaftlichkeit ist die monetär bewertete Ergiebigkeit. Die Wirtschaftlichkeit wird
meist als Verhältnis zwischen den Erträgen und Aufwendungen oder zwischen den
Leistungen und Kosten definiert. Das Wirtschaftlichkeitsprinzip (auch ökonomisches
Prinzip) fordert, dass mit gegebenen Mitteln ein möglichst großer Bedarfsdeckungs-
effekt (Maximumprinzip) oder ein gegebener Bedarfsdeckungseffekt mit möglichst
wenigen Mitteln (Minimumprinzip) erzielt werden soll.
Erträge Leistungen
Wirtschaftlichkeit = oder
Aufwendungen Kosten
Die Rentabilität eines Unternehmens gibt an, wie hoch sich das eingesetzte Kapital
während einer bestimmten Zeitspanne verzinst hat. Die Rentabilität bezeichnet somit
das Verhältnis des Gewinns zum erzielten Umsatz (Umsatzrentabilität) oder zum ein-
gesetzten Kapital (Kapitalrentabilität). Bei Betrachtung der Eigenkapitalrentabilität
wird nur das von den Eigentümern im Unternehmen eingesetzte Kapital in die Renta-
bilitätsrechnung einbezogen.7
Gewinn
Umsatzrentabilität =
Umsatz
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Gewinn
Eigenkapitalrentabilität =
Eigenkapital
Für die Sicherung der Liquidität reichen Kennzahlen in der Regel nicht aus. Vielmehr
bedarf es dafür eines Finanzplans, der alle Einnahmen und Ausgaben periodengerecht
erfasst.
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3 Faktorbetrachtung (Input – Output)
Gewinn Umsatz
ROI = ×
Umsatz Kapital
Umsatz
Brutto-
Gewinn marge –
Kosten der
(nach verkauften
Steuern) –
Produkte
(Materialkosten)
Umsatz- :
rentabilität Variable Kosten
Kosten +
Umsatz
– Fixkosten
Steuern
ROI x
Umsatz
Lager-
Kapital- : Umlauf- bestände
umschlag vermögen +
Gesamt- + Forderungen
vermögen Anlage- +
(Kapital) vermögen andere
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Vermögens-
gegenstände
Abbildung 3.5: Das ROI-System
Die Veränderung der einzelnen Rechengrößen wirkt sich direkt auf den ROI aus.9 So
bedeutet z.B. eine Erhöhung der Materialergiebigkeit (Senkung des Materialeinsatzes
pro Output-Einheit) eine Steigerung von Bruttomarge, Gewinn (nach Steuern) und
Umsatzrentabilität. Dies wirkt sich positiv auf den ROI aus, wie in der folgenden
Abbildung 3.6 dargestellt wird.
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3.5 Effizienz von Faktoren
Umsatz
Brutto-
Gewinn marge –
Kosten der
(nach verkauften
Steuern) –
Produkte
(Materialkosten)
Umsatz- :
rentabilität Variable Kosten
Kosten +
Umsatz
– Fixkosten
Steuern
ROI x
Umsatz
Lager-
Kapital- : Umlauf- bestände
umschlag vermögen +
Gesamt- + Forderungen
vermögen Anlage- +
(Kapital) vermögen andere
Vermögens-
gegenstände
Abbildung 3.6: Steigerung des ROI durch Erhöhung der Materialergiebigkeit
Z U S A M M E N F A S S U N G
put) geschaffen. Output der betrieblichen Produktion können Güter (z.B. Pkw)
oder Dienstleistungen (z.B. Haarschnitt) sein. Diese unterscheiden sich grundle-
gend dadurch, dass Güter materiell und lagerungsfähig sind. Dienstleistungen
hingegen sind immateriell und erfordern zur Leistungserstellung in der Regel die
physische Anwesenheit des Objekt- oder Subjektfaktors.
Zur Messung der Effizienz von Produktionsfaktoren werden Kennzahlen ver-
wendet. Diese können in Kennzahlensystemen (z.B. ROI-System) miteinander
verknüpft werden, um die Auswirkungen der Veränderung einer Kennzahl auf
den Erfolg des gesamten Unternehmens zu messen.
Z U S A M M E N F A S S U N G
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3 Faktorbetrachtung (Input – Output)
3.6 Übungsfragen
1. Welche Faktoren unterscheidet Gutenberg in seiner Basissystematik?
2. Was bedeutet Faktorkombination?
3. Welche zusätzlichen Faktoren werden im erweiterten System von Produk-
tionsfaktoren berücksichtigt?
4. Welche Arten von Output gibt es und wie unterscheiden sie sich?
5. Vergleichen Sie den Informationsgehalt von Kennzahlen und Kennzahlensys-
temen.
Lösungen zu den Übungsfragen und weiterführende Materialien finden Sie auf
der Website zum Buch unter www.pearson-studium.de.
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Prozessmanagement
ÜBERBLICK
4.4 Ansätze zur Steigerung der Prozesseffizienz . . . . . . 73
4.5 Lean Management . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
4.6 Change Management . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
4.7 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
4 Prozessmanagement
Definition
Ein Geschäftsprozess ist ein abgrenzbarer, meist arbeitsteiliger Vorgang, der zur
Erstellung oder Verwertung betrieblicher Leistungen führt. Die Betonung liegt
hierbei auf der Leistungsorientierung im Rahmen einer Kunden-Lieferanten-
Beziehung. Es geht sowohl um die Orientierung des Leistungsangebots am exter-
nen Kunden als auch um die Orientierung an den internen Kunden (z.B. zwi-
schen den einzelnen Produktionsstufen).2
Das Prozessmanagement umfasst die Planung, Organisation und Kontrolle sowie
die Optimierung von Geschäftsprozessen.
Sowohl Geschäftsprozesse als auch deren Teilprozesse bestehen jeweils aus Input-
Output-Beziehungen, die durch einen Transformationsprozess verbunden sind. Diese
grundlegende Systematik ist auch auf das Management von Geschäftsprozessen
(Prozessmanagement) anwendbar, das ebenfalls als Input-Output-Transformation dar-
gestellt werden kann. Die folgende Abbildung 4.1 zeigt die grundlegende Logik
eines Geschäftsprozessmodells.
66
4.1 Begriff und Merkmale von Geschäftsprozessen
Prozessmanagement
.. ..
. Faktor- Produkte .
Flusseinheiten kombination (Güter, Dienst-
leistungen)
Input Transformation Output
Interne Leistungen
Interne Leistungen
Abbildung 4.2: Typische primäre und sekundäre Geschäftsprozesse eines produzierenden Unternehmens
67
4 Prozessmanagement
68
4.2 Betrachtungsebenen von Geschäftsprozessen
Kundenproblem
Innovations-
prozess
Produktidee und
Prototyp
Anforderungen
Produkt- Pflichtenheft Produkt-
planungs- entwicklungs-
prozess prozess
Fertigungsreifes
Produkt
Kundenbedarf
Kunde Vertriebs- Kundenauftrag Auftrags- Lieferung Kunde
prozess abwicklungs-
prozess
Produkt-
problem
Service-
Problemlösung
prozess
Abfolge
Informationsfluss zum Kunden
Querverbindung
Abbildung 4.3: Prozesslandkarte eines produzierenden Unternehmens (make to order3)
Im Rahmen des Vertriebsprozesses wird der mengenmäßige Bedarf nach dem marktfä-
higen Produkt durch einzelne Kunden vertraglich fixiert und der Kundenauftrag dem
Auftragsabwicklungsprozess zugeführt. Entsprechend der Beziehung der Produktion
zum Absatzmarkt wird der Bedarf direkt aus dem Lager bedient (make to stock) oder
kundenspezifisch produziert (make to order). Die Auftragsabwicklung endet mit der
Lieferung an den Kunden und dem erfolgten Zahlungseingang. Im Rahmen des (After
Sales) Service bieten Unternehmen eine Reihe von produktbezogenen Dienstleistun-
gen an:
Bei Auftreten von Produktproblemen erfolgt ein Serviceprozess, der mit der Prob-
lemlösung (z.B. Reparatur, Tausch des Produkts) endet und auftretende Produkt-
probleme an die Produktentwicklung rückmeldet.
Unternehmen gehen immer mehr dazu über, neben physischen Produkten im Bün-
del Services, wie z.B. Wartung und Instandhaltung, zu verkaufen.
Serviceangebote selbst von etablierten Herstellern entkoppeln sich zunehmend von
den physischen Produkten. So versuchen fast alle Automobilhersteller sich in
Zukunft als Mobilitätsanbieter zu positionieren und innovative Dienstleistungen
69
4 Prozessmanagement
Geschäfts-
prozess Auftragsabwicklung
Haupt-
prozesse Auftragsmanagement Distribution Forderungsmanagement
Verfügbar-
Teil- Auftrags- Auftrags- Liefer- Kommis- Trans- Faktu- Forderungs- Zahlungs-
keits-
prozesse erfassung bestätigung disposition sionierung port rierung überwachung eingang
prüfung
Wie Abbildung 4.4 zeigt, setzt sich ein Geschäftsprozess aus mehreren Hauptpro-
zessen zusammen. Diese sind eine Folge zusammenhängender Prozesse, die in einer
Leistungsbeziehung stehen und innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nach definier-
ten Regeln ablaufen. Für die Prozesse können unterschiedliche Varianten existieren
(Prozessvarianten). Will man eine weitere Ebene einführen, so werden die Prozesse in
Teilprozesse unterteilt. Die unterste Betrachtungsebene sind die einzelnen Aktivitä-
ten. Der folgende Exkurs über die Autoteile GmbH zeigt die Logik sowie den Zusam-
menhang der unterschiedlichen Betrachtungsebenen von Geschäftsprozessen anhand
eines praktischen Beispiels.
70
4.3 Messung der Prozesseffizienz
Geschäftsprozess
Handel
Hauptprozesse
Auftrags- Material-
Distribution Verkauf Reklamation
bearbeitung bereitstellung
Prozesse
Ent- Ent-
Anfor- nahme nahme Ver- Trans- Eingang
Anfrage Verkauf Check Lösung
derung Artikel- Karossen- packung port NL
lager lager
Prozessvarianten
Anfor- Entnahme
Anfrage derung Artikel- Verkauf Check Lösung
lager
Entnahme
Karossen-
lager
Ver- Trans- Eingang
packung port NL
Transport-
Teilprozesse Beladung durch- Ausladen
führung
Aus der Abbildung wird deutlich, dass es unterschiedliche Prozessvarianten gibt, aus
denen verschiedene Teilprozesse sowie Aktivitäten resultieren. Bestellt ein Kunde ein
Teil, so wird eine interne Anforderung ausgelöst. Die für den Auftrag benötigten Teile
können entweder aus dem Artikel- oder dem Karossenlager entnommen werden. Wer-
den die Teile an andere Niederlassungen (NL) oder direkt an den Endkunden versen-
det, so werden sie verpackt und transportiert. Werden die Teile am Standort direkt ver-
kauft, so entfallen der Verpackungs- und Transportprozess.
71
4 Prozessmanagement
durchgeführt werden. Ein Beispiel für Kennzahlen dieses Kriteriums ist z.B. die
Lieferzeit (Wie schnell kann ein Unternehmen liefern?).
Kosten
Je nach Gestaltung des Prozesses können höhere oder niedrigere Kosten anfallen. In
der traditionellen Denkweise bedeuteten kürzere Zeiten, höhere Qualität oder hö-
here Flexibilität auch höhere Kosten. Dies muss aber nicht der Fall sein, z.B. kann
eine höhere Materialqualität zunächst zu höheren Produktionskosten führen. Wenn
jedoch dadurch die Anzahl der Reklamationen sinkt, können ggf. die Gesamtkosten
sinken. Darüber hinaus kann dies über ein besseres Image auch zu weiteren positi-
ven Effekten führen, die die Wirtschaftlichkeit verbessern. Als Beispiel kann der
Anteil der Material- oder Personalkosten an den Gesamtkosten einzelner Prozesse
genannt werden.
Qualität
Die Qualität bildet die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen eines Pro-
dukts oder Prozesses sowie die daraus resultierende Kundenzufriedenheit (z.B. An-
zahl der Reklamationen) und stellt einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor dar
(siehe Kapitel 14). Eine wesentliche Kennzahl für Qualität in der Güterproduktion
ist die Ausschussrate (Anteil des Ausschusses am Gesamt-Output).
Flexibilität
Die Flexibilität von Geschäftsprozessen beschreibt ihre Anpassungsfähigkeit an sich
wandelnde Kundenanforderungen, wie beispielsweise eine Änderung des Produkt-
programms oder schwankende Kundennachfrage. Geschäftsprozesse sind flexibel,
wenn eine Anpassung in der nötigen Zeit zu vertretbaren Kosten erfolgen kann.
Die Zieldimensionen Zeit, Kosten, Qualität und Flexibilität bilden dabei ein „magi-
sches Viereck“, wobei zwischen den einzelnen Zielen häufig Zielkonflikte auftreten.
Das heißt, bei dem Versuch, eine der Zielgrößen zu verbessern, verschlechtert sich
meist der Erfüllungsgrad einer anderen Zielgröße (vgl. Abbildung 4.6).
Zeit
Kosten Qualität
Flexibilität
Abbildung 4.6: Zielgrößen und Zielkonflikte beim Prozessmanagement
Drei weitere wichtige Kennzahlen zur Beurteilung von Geschäftsprozessen sind die
Durchlaufzeit (wie lange dauert die Transformation von Input zu Output?), die Out-
72
4.4 Ansätze zur Steigerung der Prozesseffizienz
put-Rate (wie viele Einheiten verlassen pro Zeiteinheit einen Prozess?) und der
Bestand eines Prozesses (wie viele Einheiten sind zeitgleich in einem Prozess?). Den
Zusammenhang zwischen diesen Kennzahlen beschreibt das Gesetz von Little, das im
Zusammenhang mit Produktionsprozessen in Kapitel 14 behandelt wird.
Diese grundlegenden Kennzahlen können auf verschiedenste Anwendungsfälle ange-
wandt werden und liefern wesentliche Erkenntnisse zur Messung der Effizienz von
Geschäftsprozessen. Darüber hinaus werden in vielen Unternehmen weitere Spitzen-
kennzahlen zur Effizienzmessung der betrieblichen Leistungserstellung eingesetzt. So
beinhaltet das weit verbreitete SCOR-Modell ein Kennzahlensystem für die Messung
der Prozessperformance (vgl. Abschnitt 5.5).
73
4 Prozessmanagement
Effizienz
Kontinuierliche
Veränderung
durch KAIZEN
Radikale
Veränderung
durch BPR
Zeit
Abbildung 4.7: Vergleich BPR und KAIZEN-Konzept
74
4.5 Lean Management
Definition
Lean Management ist eine Management-Strategie zur effizienten Ausgestaltung
von betrieblichen Leistungssystemen unter den Prämissen der konsequenten
Kundenorientierung und der Vermeidung jeglicher Verschwendung.
Im Rahmen dieses Ansatzes wird davon ausgegangen, dass der Wert eines Produkts vom
Hersteller erzeugt, jedoch nur vom Kunden (Endverbraucher) bestimmt wird. Im Rah-
men dieser konsequenten Kundenorientierung werden nicht nur der Endkunde, son-
dern auch inner- und zwischenbetrieblich jede nachfolgende Produktionsstufe als
Kunde betrachtet. Die Weitergabe fehlerhafter Teile oder unvollständiger Informationen
erfüllt somit nicht den Kundennutzen und ist Verschwendung (japanisch „muda“).
Um „muda“ zu identifizieren, wird der Wertstrom eines Produkts (Gut, Dienstleis-
tung) erhoben. Dieser setzt sich aus allen erforderlichen Tätigkeiten der Produktent-
wicklung, der Transformation im Rahmen der betrieblichen Leistungserstellung und
dem Informationsmanagement zusammen. Alle Aktivitäten werden in einer umfas-
senden Wertstromanalyse im Hinblick auf die Schaffung von Nutzen für den Kunden
analysiert. Schließlich wird jede Aktivität einer der folgenden Gruppen zugeordnet.6
75
4 Prozessmanagement
Definition
Change Management hat die Aufgabe, Veränderungsprozesse im Unternehmen in
Abstimmung mit der Unternehmensführung konsequent zu gestalten, zu steuern
und umzusetzen.
Je nach Umfang der Veränderung kommen dabei die Begriffe Transformation, Wandel
oder Änderung zum Einsatz.8 Als Transformation wird die gesamthafte Neuausrich-
tung des Unternehmens bezeichnet, z.B. anlässlich einer Übernahme oder im Rahmen
einer umfassenden Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Wandel umfasst funktions-
und abteilungsübergreifende Veränderungen, wie die Einführung neuer Technologien
oder Prozesse (z.B. Einführung einer SCM-Software) oder die Neugestaltung von inter-
nen Regelungen (z.B. Entlohnungssystem). Änderung bezeichnet abteilungsbezogene
Anpassungen, wie beispielsweise die Reorganisation eines Funktionsbereichs mit
dem Ziel der Effizienzsteigerung (z.B. Zentralisierung der Beschaffung).9
Veränderungsprozesse lassen sich grob in fünf Phasen mit unterschiedlichen Aufga-
ben einteilen, wie folgende Abbildung 4.8 zeigt.
76
4.6 Change Management
77
4 Prozessmanagement
Z U S A M M E N F A S S U N G
Z U S A M M E N F A S S U N G
78
4.7 Übungsfragen
4.7 Übungsfragen
1. Erläutern Sie den Unterschied zwischen Funktionsspezialisierung und
Prozessorientierung.
2. Wofür steht der Begriff „Geschäftsprozess“? Woraus setzt sich ein Hauptpro-
zess zusammen?
3. Wodurch unterscheiden sich primäre und sekundäre Geschäftsprozesse?
4. Welche Kennzahlen werden zur Messung der Effizienz herangezogen?
5. Erläutern Sie die unterschiedlichen Ansätze und Modelle zur Effizienzsteige-
rung.
6. Geben Sie einen Überblick über die Wertstromanalyse.
7. Welche Arten von Konzepten können in Abhängigkeit von Umfang und Ziel-
setzung eines Change-Prozesses zum Einsatz kommen?
Lösungen zu den Übungsfragen und weiterführende Materialien finden Sie auf
der Website zum Buch unter www.pearson-studium.de.
79
Supply Chain Management
ÜBERBLICK
5.3 Die Bedeutung von Informationen:
Bullwhip-Effekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
5.4 Supply-Chain-Planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
5.5 SCOR-Modell. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
5.6 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
5 Supply Chain Management
Definition
Eine Supply Chain (SC, Wertschöpfungskette) umfasst alle an der Entwicklung,
Erstellung, Lieferung und Entsorgung eines Produkts Beteiligten vom Rohstofflie-
feranten bis zum Endkunden.
Supply Chains entstehen in der Regel durch vertikale Kooperationen, also den
Zusammenschluss von Unternehmen aufeinanderfolgender Wertschöpfungsstufen
innerhalb einer Branche in Form eines strategischen Netzwerks. Ziel ist, die gemein-
same Leistungserstellung bestmöglich auf die Endkundennachfrage abzustimmen. Die
Grundlagen zu Kooperationen und Erscheinungsformen von Netzwerken werden in
Kapitel 21 ausführlich behandelt.
Die Idee der Supply Chain ist der Versuch der ganzheitlichen Betrachtung möglichst
aller Wertschöpfungsstufen vom Rohstoff bis zum Endkonsumenten (engl. bird eye’s
view). In der Regel sind auf den einzelnen Stufen der Supply Chain mehrere Unter-
nehmen tätig, wodurch ein Netzwerk an miteinander interagierenden Unternehmen
entsteht. Im strategischen Netzwerk erfolgt diese Betrachtung aus Sicht des Fokalen
Unternehmens. Das Fokale Unternehmen ist das Unternehmen, das wesentliche Teile
der Wertschöpfung kontrolliert (vgl. Abbildung 5.1). In der Automobilindustrie ist
dies z.B. die Produktentwicklung, die Gestaltung und Steuerung der beschaffungssei-
tigen Supply Chain (z.B. Teile- und Komponentenproduktion) sowie der Marktauftritt
in Form einer Marke.
82
5.1 Ursprung und Entwicklung
1 1
2 2
n n
Rohstofflieferanten
Endkonsumenten
1 1 1
1
n n
2 2
1 1
2 2
3 3
3 3
n n
n n
1 1
n
n n
n
Abbildung 5.1: Systematisierung von Supply Chains als Kette und Netzwerk
83
5 Supply Chain Management
Definition
Supply Chain Management (SCM) ist ein prozessorientierter Managementansatz,
der alle Flüsse von Gütern (Rohstoffe, Bauteile, Halbfertig- und Fertigprodukte),
Informationen, Finanzmitteln sowie die vertraglichen und sozialen Beziehungen
entlang der Supply Chain vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden umfasst und
das Ziel der Integration der Wertschöpfungsprozesse und letztendlich einer Verbes-
serung der Wettbewerbsposition aller an der Supply Chain Beteiligten verfolgt.
Der Fokus der Betrachtung erweitert sich beim SCM analog zur Entwicklung der
Logistik im Zeitablauf stufenweise (vgl. Teil IV). Ein wesentliches Kernelement ist
dabei die konsequente unternehmensinterne und -übergreifende Prozessorientierung.
In Unternehmen erfolgt die Integration der betrieblichen Funktionen (vgl. Kapitel 1)
zu internen Supply Chains. Die Tätigkeiten in den einzelnen Funktionsbereichen ent-
wickeln sich zu bereichsübergreifenden Prozessketten. Die betriebliche Leistungser-
stellung wird durch die gemeinsame Betrachtung der Flüsse auf allen drei Ebenen
durch das Unternehmen verbessert.
Aus Unternehmensperspektive ergeben sich durch die konsequente Prozessorientie-
rung drei Makroprozesse, um Kundenanfragen zu generieren, Kundenaufträge zu
erhalten und zu erfüllen sowie den damit verbundenen Material- und Güterfluss, den
Informationsfluss sowie den Fluss an Geldmitteln zu managen:
Der Prozess des Kundenbeziehungsmanagements (Customer Relationship Manage-
ment, CRM) behandelt alle kundenseitigen Beziehungen mit dem Ziel, die Kunden-
nachfrage zu generieren sowie die Auftragsabwicklung und Nachverfolgung von
Bestellungen zu unterstützen. Dieser Prozess beinhaltet zum Beispiel Marketing,
Preisgestaltung, Vertrieb, Auftragsmanagement und Callcenter-Management. CRM-
Prozesse umfassen auch die Erstellung von Marketingunterlagen oder das Verwalten
eines Online-Shops.
Der Prozess des internen Supply Chain Managements (ISCM) umfasst alle internen
Prozesse des Unternehmens mit dem Ziel, die durch den CRM-Prozess generierte
Nachfrage termingerecht zu geringstmöglichen Kosten zu erfüllen. ISCM-Prozesse
beinhalten die Erstellung von Bedarfs- und Beschaffungsplänen, die Ausführung von
Bestellungen (vgl. Teil II), die Produktionsplanung (vgl. Teil III) und das Bestandsma-
nagement (vgl. Teil IV).
Der Prozess des Lieferantenbeziehungsmanagements (Supplier Relationship Manage-
ment, SRM) umfasst alle Prozesse an der Schnittstelle zwischen dem Unternehmen
und seinen Lieferanten. Die SRM-Prozesse beinhalten dabei Lieferantensuche sowie
Aufbau und Management langfristiger Lieferbeziehungen, die Bewertung und Aus-
wahl von Lieferanten, die Verhandlung von Lieferbedingungen sowie alle Maßnah-
men zur Gestaltung des Informationsflusses mit den Lieferanten (vgl. Teil II).
84
5.1 Ursprung und Entwicklung
Entkopplungs-
punkt
Push-Prozess Pull-Prozess
(prognosebasiert) (auftragsbasiert)
85
5 Supply Chain Management
Kernbestandteile sind:
Ganzheitliche, integrierte Betrachtung von Supply Chains
Kooperation der Supply-Chain-Partner durch: partnerschaftliches Verhalten, lang-
fristige Verträge und Aufbau von Vertrauen
Wesentliche Enabler sind somit:
SCM-Software
Kommunikationstechniken
Vertrauen
Insgesamt ist das Ziel des SCM das Schaffen von Kundennutzen unter Berücksichti-
gung von Kosten (Prozesskosten, Transaktionskosten, Kosten des SCM) und Gewinn.
Die Wege, die Unternehmen bei SCM gehen, sind vielfältig: Neben Anstrengungen zu
einer besseren Koordination des Güter- und Informationsflusses zwischen den einzel-
nen Unternehmen einer Supply Chain wird durch die unternehmensübergreifende
Verlagerung von Teilprozessen in der Supply Chain nach Synergien gesucht. Somit
plant, steuert und überwacht SCM den Güter- und Informationsfluss durch ein unter-
nehmensübergreifendes Netzwerk unter Berücksichtigung aller Transformationsebe-
nen (vgl. Kapitel 2).
86
5.2 Zieldimensionen und Gestaltungsebenen des SCM
Standardisierte Innovative
Produkte Produkte
Supply Chain
geeignet ungeeignet
Effiziente
Reaktionsfähige
Supply Chain
ungeeignet geeignet
87
5 Supply Chain Management
Zur Erreichung der Zieldimensionen ist die Gestaltung der SC maßgeblich. Ausge-
hend vom vorherrschenden Führungskonzept und der Kooperationsform innerhalb
der Supply Chain können unterschiedliche Gestaltungsebenen für das SCM abgeleitet
werden:6
Die strategische Ebene beinhaltet Gestaltungs- und Lenkungsaufgaben und zielt auf
eine Optimierung der Effektivität der Supply Chain durch Setzen der richtigen
Maßnahmen ab, z.B. Integration von Logistikdienstleistern, Technologieauswahl,
Abstimmung der Produktentwicklung zwischen den einzelnen Partnern und Strate-
gien zur gemeinsamen Marktbearbeitung.
Auf taktischer Ebene erfolgt die Mittelfristplanung, z.B. Planung von Absatzzahlen
eines neuen Produkts oder die produktspezifische Konfiguration der Supply Chain.
Auf operativer Ebene kommen unterschiedliche Instrumente zum Einsatz, die die
Effizienz der Leistungserstellung erhöhen. Dadurch sollen günstige Kosten-Nutzen-
Relationen bei der Leistungserstellung entstehen, z.B. durch die Abstimmung von
Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsmengen sowie Lieferterminen der
einzelnen Teilnehmer an der Supply Chain.
Teile der taktischen Ebene sowie die Gestaltung und Steuerung der Supply Chain auf
operativer Ebene sind Aufgabe der Logistik. Sie zielt auf die unternehmensübergrei-
fende Verknüpfung und Abstimmung des Material- und Informationsflusses zwischen
den Supply-Chain-Partnern. Aus Unternehmenssicht übernimmt die Beschaffungslogis-
tik die Gestaltung und Abwicklung der Güter- und Informationsflüsse ins Unterneh-
men. Für den Produktionsbereich relevant ist die Gestaltung der Produktionsprozesse
mit dem Ziel der Reduktion von Durchlaufzeiten, also einer möglichst raschen Transfor-
mation und effizienten Ausgestaltung der Prozessabläufe in Abstimmung mit der Pro-
duktionslogistik. Die Distributionslogistik realisiert den auftragsbezogenen Güter- und
Informationsfluss zwischen Produzenten und Kunden in der Supply Chain. Immer stär-
kere Bedeutung kommt dabei dem umfassenden und durchgängigen Informationsfluss
entlang der gesamten SC zu, um dem sogenannten Bullwhip-Effekt entgegenzuwirken.
88
5.4 Supply-Chain-Planung
5.4 Supply-Chain-Planung
Bereits innerhalb eines Unternehmens ist es schwierig, die gemeinsame Planung funk-
tionsbereichsübergreifend zwischen Absatz, Beschaffung, Produktion und Logistik im
Rahmen von Sales & Operations Planning zu gestalten. Die unternehmensübergrei-
fende Planung in einer Supply Chain ist entsprechend schwieriger.
Die Abstimmung und unternehmensübergreifende Planung ist jedoch wesentlich, um
Angebot und Nachfrage aufeinander abzustimmen und den Bullwhip-Effekt zu ver-
meiden. Bezüglich der Verantwortlichkeit gibt es unterschiedliche Planungsansätze.
Da es in der Realität keinen (unabhängigen) zentralen Planer gibt, der unternehmens-
übergreifend plant, kann eine solche Funktion das Fokale Unternehmen übernehmen.
Aufgrund der Komplexität, Machtbedingungen und Informationsasymmetrien opti-
mieren Fokale Unternehmen sich häufig lediglich selbst. Die Supply-Chain-Partner
müssen sich an die Planungsvorgaben des Fokalen Unternehmens anpassen. Eine wei-
tere Form der Supply-Chain-Planung sind kooperative Ansätze, bei denen idealer-
weise die Partner durch gemeinsame Planung für alle Beteiligten vorteilhafte Lösun-
89
5 Supply Chain Management
gen suchen. Planungsaufgaben entlang der Supply Chain bestehen auf allen drei
Gestaltungsebenen des Supply Chain Managements (vgl. Abschnitt 5.2). Dabei sind
unterschiedlicher Umfang, Fristigkeiten und Genauigkeitsstufen der Planung zu
unterscheiden:
Auf der strategischen Ebene erfolgt die langfristige Planung des gesamten Netz-
werks (Supply Chain (Re-)Design), die den Rahmen für die folgenden Planungsebe-
nen bildet. Wesentliche Fragestellungen sind dabei: Welche Unternehmen nehmen
an der Supply Chain teil? Wo sollen Standorte positioniert werden? Wie erfolgt der
Vertrieb der Waren?
Auf der taktischen Ebene erfolgt die Mittelfristplanung. Dabei werden im Rahmen
der bestehenden Netzwerkkapazitäten ausgehend von der Absatzplanung die Pro-
duktions- und Distributionsmengen für entsprechende Zeiträume festgelegt und
den entsprechenden Produktionskapazitäten zugeordnet. Daraus ergeben sich für
die Mitglieder der Supply Chains Vorgaben für die operative Planung. Wesentliche
Fragen sind: Wie entwickeln sich Nachfrage, Mitbewerber und Preise? Wann und in
welchem Umfang werden Marketing-Aktivitäten gesetzt? Welche Märkte sollen von
den einzelnen Standorten aus beliefert werden? Wie hoch sollen die Sicherheitsbe-
stände sein?
Auf operativer Ebene erfolgt die kurzfristige Planung mit dem Ziel, die Vorgaben
aus strategischer und operativer Ebene umzusetzen und Abläufe zur Erfüllung ein-
zelner Kundenaufträge zu planen. Hauptfragen sind dabei: In welcher Losgröße soll
gefertigt werden? In welcher Reihenfolge werden Aufträge abgearbeitet? Welche
Produkte werden gemeinsam transportiert?
Um eine Stabilität der Planung zu gewährleisten, erfolgt die Planung regelmäßig für
eine festgelegte Anzahl von Perioden (z.B. werden Ende Dezember 2019 zwölf Monat-
spläne von Januar 2020 bis Dezember 2020 erstellt). In einer rollierenden Planung
wird bei jeder Planungsrunde die „letzte“ abgelaufene Periode gestrichen und durch
eine neue Planungsperiode ersetzt. In unserem Beispiel würden Ende Januar 2020
zwölf Monatspläne für Februar 2020 bis Januar 2021 erstellt. Um außerdem die Stabi-
lität der Produktion zu sichern, wird der Plan für die aktuelle Planungsperiode einge-
froren. Dies bedeutet, dass keine Planungsänderungen für diese Periode zulässig sind.
Treten – was in der Regel der Fall ist – Abweichungen zwischen Planung und Realität
auf, z.B. fehlendes Material oder Störungen bei einer Maschine, müssen Ad-hoc-
Lösungen gefunden werden. Die daraus resultierenden Planabweichungen müssen in
der nächsten Planungsrunde berücksichtigt werden.
Moderne IT-Systeme ermöglichen es, dass die oben beschriebene traditionelle Pla-
nung durch eine ereignisgesteuerte Echtzeitplanung abgelöst wird, bei der immer
dann, wenn es zu einer Abweichung der Realität von der Planung kommt, ein neuer
Planungsdurchlauf gestartet wird, bei dem die gesamte Planungsperiode neu geplant
wird. Einen Überblick über IT-Systeme im SCM sowie die Umsetzung kollaborativer
Planung entlang der Supply Chain lernen Sie in Teil IV kennen.
90
5.5 SCOR-Modell
5.5 SCOR-Modell
Mit dem Supply-Chain-Operations-Reference-(SCOR)-Modell können bestehende
Geschäftsprozesse erfasst und analysiert werden. Dies kann sowohl für ein einzelnes
Unternehmen als auch unternehmensübergreifend für gesamte Supply Chains erfol-
gen.
Definition
Das Supply-Chain-Operations-Reference-Modell (SCOR-Modell) ist ein Werk-
zeug zur Darstellung, Messung und Analyse der Effizienz unternehmensinterner
und unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse.
Die Idee einer standardisierten Beschreibung und Analyse aller Aspekte einer Supply
Chain (SC) wurde Anfang 1996 von zwei Bostoner Unternehmensberatungen entwi-
ckelt. Das Modell wurde vom Supply Chain Council (SCC), einer unabhängigen Non-
Profit-Organisation, entworfen. Seit dem Zusammenschluss des SCC mit der Ameri-
can Production and Inventory Control Society (APICS) ist SCOR nicht nur ein Stan-
dardtool im Supply Chain Management, sondern Teil eines umfassenden Produktbün-
dels, das alle Prozesse vom Produktdesign bis zu Vertrieb und Service standardisiert
und abgestimmt betrachtet. Interessierte Leser finden weitere Informationen dazu
unter http://www.apics.org/scor.
Das SCOR-Modell ist ein allgemein gehaltenes Referenzmodell und kann auf Geschäfts-
prozesse unterschiedlicher Supply Chains angewendet werden. Die Hauptaufgabe
besteht in der Beschreibung aller auf die Befriedigung der Kundenbedürfnisse gerichte-
ten Aktivitäten und Prozesse in Form einer einheitlichen Sprache. Ziel ist die Entwick-
lung einer Prozessarchitektur, die Unternehmensziele und betriebliche Funktionen ent-
lang der Supply Chain abstimmt. SCOR adressiert dazu die folgenden vier Aspekte und
integriert unterschiedliche Konzepte in einem umfassenden Referenzmodell:
Prozesse (Processes): Standardisierte Beschreibung von Prozessen und der Bezie-
hungen zwischen den einzelnen Prozessen. Dabei dient das Konzept des Business
Process Reengineering der Erhebung des Ist-Zustands eines Geschäftsprozesses und
der Ableitung eines Idealzustands. Der Idealzustand wird oftmals durch radikale
Änderungen im Unternehmen herbeigeführt (vgl. Abschnitt 4.4).
Leistung (Performance): Standardisierte Kennzahlen, um die Leistung der Supply-
Chain-Prozesse zu messen und um strategische Ziele zu verfolgen. Ein Konzept zur
Erhebung und Verbesserung der Performance von Geschäftsprozessen ist dabei das
Benchmarking, wobei das eigene Unternehmen mit Unternehmen derselben und
anderer Branchen verglichen wird.
Anwendung (Practices): Aufzeigen von Management-Praktiken, die signifikant bes-
sere Ergebnisse erzielen. Dabei werden Best-Practice-Analysen zur Identifikation
von Management-Praktiken und Softwarelösungen eingesetzt, die bestmögliche
betriebliche Leistungen innerhalb einer bestimmten Branche aufweisen.
Menschen (People): Standardisierte Definition von Fähigkeiten, die für die Ausfüh-
rung einzelner Prozesse erforderlich sind.
91
5 Supply Chain Management
Das SCOR-Modell ist somit ein weithin anerkanntes Modell als Basis für spezifische
Modelle unterschiedlicher Branchen. Es erleichtert die Zusammenarbeit von Unter-
nehmen in Supply Chains und schafft Ansatzpunkte für die unternehmens-
übergreifende Messung der Effizienz.
Plan
Deliver Source Make Deliver Source Make Deliver Source Make Deliver Source
Enable
Vorlieferant Lieferant Eigenes Unternehmen Kunde Kunde des
(intern oder extern) (intern oder extern) Kunden
Abbildung 5.4: Wirkungsbereich und Prozesse des SCOR-Modells10
92
5.5 SCOR-Modell
4
Stock Order Order
3
Angebotserstellung des Kundenauftrags Lagerbeständen zur Durchführung notwendige
4
sD1.4: Konsolidierung sD1.5: sD1.6: Versand der Fähigkeiten von MitarbeiterInnen
von Kundenaufträgen Auftragszusammen- Waren gemäß
stellung Kundenbestellungen (Skills)
halten)
93
5 Supply Chain Management
Zur Messung der Prozesseffizienz gibt es im Rahmen des SCOR-Modells ein System
von Kennzahlen (SCOR Metrics). Diese sind analog zu den vier Ebenen meist hierar-
chisch aufgebaut. So setzt sich eine Kennzahl auf Ebene 1 aus mehreren Kennzahlen
der darunterliegenden Ebenen zusammen und betrifft meist mehrere der oben ange-
führten Prozesse. Kennzahlen auf Ebene 1 werden den beiden Sichtweisen „Kunden-
sicht“ und „interne Sicht“ zugeordnet (vgl. Tabelle 5.4).
Aus Sicht des Kunden sind die wichtigsten Aspekte die Zuverlässigkeit, die Reakti-
onsfähigkeit und die Flexibilität des Lieferanten. Die Zuverlässigkeit beschreibt die
Fähigkeit des Lieferanten, Vereinbarungen hinsichtlich Lieferungen einzuhalten und lässt
sich auf Ebene 1 des SCOR-Modells in drei Kennzahlen darstellen: Die Lieferzuverlässig-
keit drückt den Anteil der termingerechten Lieferungen aus. Die Lieferverfügbarkeit gibt
Auskunft über die Fähigkeit, die erwartete Nachfrage bedienen zu können. Die perfekte
Auftragserfüllung drückt sich im Anteil vollständiger, termingerechter und unbeschädig-
ter Lieferungen inklusive der entsprechenden Dokumentation aus. Die Reaktionsfähigkeit
des Lieferanten lässt sich an der Durchlaufzeit der Auftragsabwicklung messen, also jener
Zeit, die der Lieferant benötigt, um einen Kundenauftrag zu bearbeiten.
Für die interne Sichtweise des Unternehmens sind unter anderem die anfallenden
Herstellungskosten oder der Kapitalumschlag von Bedeutung. Als Beispiel einer Spit-
zenkennzahl des SCOR-Modells beschreibt die Cash-to-Cash Cycle Time die Zeit-
dauer, wie lange eingesetztes Kapital von der Bezahlung des Materials bis zur Bezah-
lung durch den Kunden gebunden ist (vgl. Abbildung 5.6).
94
5.5 SCOR-Modell
DLZ Lieferanten-
Cash-to-Cash Cycle Time
verbindlichkeiten
Finanzwirtschaftliche
1 Maßnahmen 2
Realwirtschaftliche Maßnahmen
4 3 5
DLZ DLZ Leistungs- DLZ
Eingangslager erstellung Ausgangslager DLZ Kundenforderungen
Die Cash-to-Cash Cycle Time wird wie folgt anhand der einzelnen Durchlaufzeiten
(DLZ) berechnet:
Cash-to-Cash Cycle = DLZ Eingangslager
+ DLZ Leistungserstellung (inkl. Zwischenlagerungen)
+ DLZ Ausgangslager
+ DLZ Kundenforderung
− DLZ Lieferantenverbindlichkeiten
Die Reduzierung der Cash-to-Cash Cycle Time kann zum einen durch finanzwirt-
schaftliche Maßnahmen erfolgen, nämlich durch:
95
5 Supply Chain Management
Z U S A M M E N F A S S U N G
96
5.6 Übungsfragen
Z U S A M M E N F A S S U N G
5.6 Übungsfragen
1. Erläutern Sie wesentliche Charakteristika von SCM.
2. Welche Entwicklungen forcieren die SC-Betrachtung?
3. Welche Aufgaben übernimmt die Logistik im SCM?
4. Beschreiben Sie die Auswirkungen des Bullwhip-Effekts.
5. Welche Hauptprozesse werden im Rahmen des SCOR-Modells unterschie-
den?
6. Welchen Sachverhalt misst die Cash-to-Cash Cycle Time?
Lösungen zu den Übungsfragen und weiterführende Materialien finden Sie auf
der Website zum Buch unter www.pearson-studium.de.
97
Fallstudien
Kummer, S., Grün, O., & Jammernegg, W. (2018). Grundzüge der beschaffung, produktion und logistik. Retrieved from http://ebookcentral.proquest.com
Created from wuww on 2020-02-18 07:16:40.
6 Fallstudien
6.1.2 Steckbrief
Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick über die Unternehmensentwicklung und
die Organisationsstruktur von „Der Mann“:
Firmengeschichte
1 Die Verfasser danken Dr. Christoph Horvatits für die Unterstützung bei der Erstellung der Fall-
studie.
100
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“
Umsatzin Mio. € 60 55 45
Firmensitz Wien
Einteilung des Geschäftsjahres Vom Kalenderjahr abweichend – jeweils April bis März des Folgejahres
Website http://www.dermann.at
Firmenlogo
101
6 Fallstudien
FIRMEN-
EIGENTÜMER
GESCHÄFTS-
SICHERHEITS-
FÜHRUNG
FACHKRAFT
ASSISTENT SEKRETARIAT
DER GL
6.1.3 Geschäftskonzept
Die Geschäftstätigkeit der Firma Mann umfasst die Herstellung und den Verkauf des
eigenen Produktprogramms (vgl. Tabelle 6.1). Zusätzlich werden zugekaufte
Handelswaren (z.B. Milchprodukte, Getränke) vertrieben, die einen Anteil von 10%
am Gesamtumsatz der eigenen Filialen ausmachen. Alle Handelswaren werden von
den Lieferanten direkt an die einzelnen Filialen geliefert.
Mehlspeisen 65.000
Kleingebäck 90.000
Brote 55.000
Snacks 15.000
SUMME 225.000
102
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“
Filialnetz als auch über Handelsketten. Den wichtigsten Distributionskanal bilden die
eigenen Filialen, die 80% des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Aktuell betreibt „Der
Mann“ 75 eigene Filialen im Großraum Wien. Um den Kunden möglichst frische Pro-
dukte anbieten zu können, wird jede Filiale mehrmals täglich mit Frischware und im
Backzentrum produzierten Teiglingen beliefert. Alle Filialen verfügen über einen eige-
nen Ladenbackofen, in dem laufend frisch gebacken wird.
6.1.4 Wettbewerbssituation
Da sich die Geschäftstätigkeit von „Der Mann“ auf den Großraum Wien erstreckt, zäh-
len grundsätzlich alle im Großraum Wien tätigen Anbieter von Nahrungsmitteln, die
zum sofortigen Verzehr geeignet sind, zu den Mitbewerbern. Um das Marktsegment
klarer abzugrenzen, werden nur Bäckereien, die mehr als eine Filiale betreiben, als
Mitbewerber betrachtet. Supermärkte und andere Verkäufer von Snacks und Backwa-
ren werden nicht berücksichtigt.
Die numerische Distribution4 ist eine Kennzahl, welche die Anzahl eigener Filialen in
Relation zum Gesamtmarkt setzt. Den Gesamtmarkt bilden demnach die Filialen aller
Premiumanbieter von Backwaren in Wien. Daraus ergibt sich die folgende Wettbe-
werbssituation:
Sonstige 18 5,1%
103
6 Fallstudien
Die Betrachtung der numerischen Distribution auf Basis der Filialen zeigt, dass „Der
Mann“ knapp vor der Bäckerei Ströck an zweiter Stelle in Wien liegt. Die Stärkung der
eigenen Wettbewerbssituation erfolgt in erster Linie durch den Ausbau des eigenen
Filialnetzes und begleitende Marketing-Maßnahmen.
Plan
Plan Plan
Deliver Source Make Deliver Source Make Deliver Source Make Deliver Source
Enable
Return Return Enable
Die Flüsse von Rohstoffen, unfertigen und fertigen Produkten auf der Güterebene ver-
laufen von den (Vor-)Lieferanten durch das Backzentrum von „Der Mann“ mit den
Hauptbereichen Wareneingang, Produktion und Absatzbereich hin zu den eigenen
Filialen oder zu externen Kunden und schließlich zum Endverbraucher. Einen Über-
blick über das Layout des Backzentrums gibt die folgende Abbildung 6.4.
104
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“
Wareneingang
Siloräume Kühlhaus & Tiefkühlhaus Werkstatt
Hochregallager
Sauerteigraum verschiedene Tageslager
hygienische Trennung sauberer & unsauberer Bereich
Feinbäckerei
Pro- Pro- Pro- Pro- Pro- Pro- Pro-
dukt- dukt- dukt- dukt- dukt- dukt- dukt-
linie linie linie linie linie linie linie Produkt-
linie
Produktion
räume räume Konditorei
Kühlblock I
Ofenblock
Snack- &
Imbiss-
Abteilung
Kühlblock II Verpackung
Absatzbereich
Einzähl- Einzähl- Einzähl- Einzähl- Einzähl- Einzähl- Einzähl- Einzähl-
Plätze Plätze Plätze Plätze Plätze Plätze Plätze Plätze
Verladerampen
Abbildung 6.4: Layout Backzentrum
Nach der Anlieferung durch die Lieferanten erfolgen im Wareneingang die Über-
nahme der angelieferten Rohstoffe und die Wareneingangsprüfung. Danach werden
die Rohstoffe in speziellen Eingangslagern zwischengelagert (z.B. Mehl im Silo). Der
Wareneingang ist von der Produktion (Backstube) durch eine Hygieneschleuse
getrennt, durch die keine Verpackungen der Lieferanten gelangen dürfen. Die in die-
sem Bereich anfallenden beschaffungslogistischen Tätigkeiten basieren auf den
Bestellungen des Einkaufs.
105
6 Fallstudien
7 Quelle: J. Zinner
8 Quelle: J. Zinner
106
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“
Zum Absatzbereich gehört der Warenversand inklusive der Einzählplätze zur Zusam-
menstellung (Kommissionierung) der Produkte gemäß den Bestellungen der eigenen
Filialen und der Handelsketten. Die korrekt kommissionierten Teilmengen gelangen
von den Einzählplätzen über die Verladerampe in die Fahrzeuge und werden an die
Filialen und externen Kunden ausgeliefert. Die Kommissionierung sowie die Ausliefe-
rung basieren auf den einzelnen Kundenbestellungen und werden von den Mitarbei-
tern der Distributionslogistik (Expedit/Fuhrpark) durchgeführt.
Die Flüsse auf der Finanzebene sind gegenläufig zu den eben dargestellten Flüssen
auf der Güterebene. Die Einnahmen aus Umsatzerlösen fließen von den Kunden in das
Unternehmen. Von dort fließen die Ausgaben für Faktorpreise (Rohstoffe, Handels-
waren, Betriebsmittel) zu den Lieferanten.
Einen Überblick über typische Entscheidungen auf der dispositiven Ebene bei „Der
Mann“ gibt die folgende Tabelle 6.3:
9 Quelle: J. Zinner
107
6 Fallstudien
Zur Messung der Effizienz des Faktoreinsatzes wird der mengen- oder wertmäßige
Output des Unternehmens in Form von Kennzahlen ermittelt.
Arbeitsproduktivität
Dieses mengenmäßige Input-Output-Verhältnis zeigt, wie effizient die eingesetzten
Faktoren (Mitarbeiter, Material oder Betriebsmittel) sind. Im vorliegenden Beispiel
wird die Anzahl der Mitarbeiter in der Produktion in Relation zur Anzahl der täg-
lich hergestellten Produkte gesetzt. Bezugsgrößen zur Errechnung der Arbeitspro-
duktivität sind im vorliegenden Beispiel nur direkt in der Produktion beschäftigte
Mitarbeiter und die Produktionsmenge eines Tages. Bei „Der Mann“ erzeugen 145
Mitarbeiter in der Produktion täglich 225.000 Produkte.
225.000
= = 1.551,72 Stück/Mitarbeiter
145
Wirtschaftlichkeit
Im Gegensatz zur Produktivität betrachtet die Wirtschaftlichkeit das wertmäßige In-
put-Output-Verhältnis. Im vorliegenden Fall wird die (Gesamt)Wirtschaftlichkeit
des Unternehmens betrachtet. Das Verhältnis des Ertrags (Output: 60.000.000) zu
den Aufwendungen (Input: 57.142.857) ergibt:
6.1.6 Beschaffung
Aufgabe der Beschaffung ist die Versorgung des Unternehmens mit allen Produktions-
faktoren, die nicht selbst erstellt werden (Beschaffung im weiteren Sinn). Im folgen-
den Abschnitt wird beispielhaft die Beschaffung von Rohstoffen dargestellt.
Alle Beschaffungsaktivitäten sind bei „Der Mann“ im Bereich „Einkauf“ zusammenge-
fasst und organisatorisch dem Bereich Administration zugeordnet. Das Bestellbüro ist
ebenfalls dem Bereich Administration zugeordnet und dient als Sammelstelle aller
internen und externen Kundenbestellungen (vgl. Abbildung 6.2).
Für das Produktprogramm von „Der Mann“ werden monatlich 400 unterschiedliche
Artikel von fast 100 Lieferanten bestellt. Der Großteil der Bestellungen betrifft Roh-
stoffe mit 300 Bestellpositionen pro Monat. Eine Auswahl der wichtigsten Rohstoffe
zeigt Tabelle 6.4.
Mehl 460
Eier 25
108
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“
Butter 25
Zucker 22
Marmeladen 13
Kürbis-, Sonnenblumenkerne 25
Tomaten 4
Käse 5
109
6 Fallstudien
6.1.7 Produktion
Wie bereits erwähnt, produziert „Der Mann“ für zwei verschiedene Kundenkreise,
steht also zu den einzelnen Absatzmärkten in unterschiedlichen Beziehungen:
Die Produktion für die eigenen Filialen (interne Kunden) erfolgt auf Basis der täg-
lichen Bestellungen der einzelnen Filialen. Dies kann als prognosegetrieben (Make
To Stock) bezeichnet werden, da jede Filiale die Bestellmengen auf Basis des erwar-
teten Absatzes (Prognose) kalkuliert. Die Endkunden sind in der Regel Privatperso-
nen, die Produkte zum eigenen Verzehr kaufen.
Die Produktion für Wiederverkäufer (z.B. Handelsketten, Restaurants) gehört zur
Kundenauftragsproduktion (Make To Order), da in diesem Fall genau definierte
Mengen an Produkten gemäß dem Auftrag der Großkunden hergestellt werden.
Die Struktur der Produktion bei „Der Mann“ ist der umgruppierenden Produktion
zuzuordnen, da aus einer Vielzahl von Zutaten und Materialien verschiedenste
Produktvarianten hergestellt werden. Zur Fertigung der über 200 Produktvarianten
stehen Produktionsflächen von knapp 8.000 m2 zur Verfügung, die modernsten
technischen Standards entsprechen. Das Backzentrum gliedert sich in die Bereiche
„Bäckerei“, „Feinbäckerei“, „Konditorei“ und „Snackerzeugung“ (vgl. Tabelle 6.5),
wobei auf klimatisch und hygienisch getrennte Produktionsbereiche größter Wert
gelegt wird.
Neben den 145 Mitarbeitern in der Produktion und den Rohstoffen sind die Betriebs-
mittel die wichtigsten Ressourcen der Produktion. Daher wurden bei der Anlagenpla-
nung im Hinblick auf das zukünftige Unternehmenswachstum beim Bau des neuen
Backzentrums bewusst ausreichende Reserven berücksichtigt, damit Produktionseng-
pässe vermieden werden. Die zur Verfügung stehende Backfläche beträgt 355 m2, ver-
teilt auf 17 Backöfen:
Thermoöl-Durchlaufofen 1 80
Thermoöl-Etagenofen 2 115
Stikkenofen/Doppelstikkenofen 12 130
Statikofen 2 30
Das Produktionsmanagement trägt dafür Sorge, dass ausreichend Ressourcen für die
Produktion zur Verfügung stehen. Dazu werden Arbeitspläne erstellt, in denen Rei-
henfolge und Bearbeitungszeiten der einzelnen Produktionsschritte angeführt werden.
Die Kapazitätsdaten der einzelnen Maschinen geben die Maximalkapazität, also den
maximal erzielbaren Output pro Maschine und Zeiteinheit an (z.B. Semmeln pro
Arbeitsstunde). Einen Überblick über die Transformation der Inputfaktoren zu
„Back(kunst)werken“ gibt die Abbildung 6.8:
110
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“
Ressourcen: Stammdaten:
Mitarbeiter Arbeitspläne
Teigkneter Rezepturen
Backöfen Kapazitätsdaten
etc. etc.
Material: Güter:
Wasser Semmeln
Mehl Brote
etc. etc.
Wertsteigerungsprozess:
Zubereiten, Formen, Backen
Grundlage für die Zusammensetzung der einzelnen Produkte ist die Rezept-Biblio-
thek, in der alle Rezepturen gespeichert sind. Die Zutaten werden auf Knopfdruck
vollautomatisch aus dem Wareneingangslager direkt in die Produktion transportiert
und gewogen. Danach erfolgt im Teigkneter die Teigbereitung, bevor die weiteren Pro-
duktionsschritte durchlaufen werden. 20% der Gesamtproduktion an Semmeln wer-
den vor der Auslieferung gebacken, während 80% der Semmeln als Teiglinge tiefge-
froren und erst in den Filialen frisch gebacken werden.
6.1.8 Logistik
Logistische Tätigkeiten fallen bei „Der Mann“ entlang der gesamten Wertschöpfungs-
kette an: im Rahmen der Zulieferung von Rohstoffen, in allen drei Teilbereichen des
Backzentrums und bei der Distribution an die Kunden. Logistische Aufgaben fallen
demnach in allen Stationen des Material- und Warenflusses mit den entsprechenden
Informationsflüssen an.
Beschaffungslogistik
Die beschaffungslogistischen Aufgaben betreffen den Wareneingang und beinhalten
eine Vielzahl an Teiltätigkeiten: Nach der Anlieferung der Rohstoffe per Lkw zum
Wareneingang werden sie entladen, gemäß den Vereinbarungen mit den Lieferanten
anhand der Lieferscheine hinsichtlich Qualität und Bestellmengen geprüft und in die
entsprechenden Eingangslager transportiert.
Die Lagerhaltungsstrategie folgt dem FIFO-Verfahren („First In First Out“). Dieses Ver-
fahren besagt, dass jene Rohstoffe, die zuerst angeliefert werden, wegen ihrer
begrenzten Haltbarkeit in der Produktion als Erste verarbeitet werden. Die Lager-
bestände werden möglichst gering gehalten, um wenig Kapital in Form von Rohstof-
fen im Lager zu binden und um die Gefahr des Verderbens auszuschließen. Die
Bestandsführung im Lager wird teilweise den Lieferanten übertragen (z.B. bei Mehl),
die häufig, meist wöchentlich liefern und auch Lagerhaltungsaufgaben wahrnehmen.
111
6 Fallstudien
Zur Vermeidung von Fehlmengen, die zum Stillstand der Produktion führen können,
gibt es Sicherheitsbestände im Lager. Die Übergabe der Rohstoffe aus dem Warenein-
gang in die Produktion erfolgt ausnahmslos über die Hygieneschleuse. Aus hygieni-
schen Gründen dürfen keine Verpackungen der Lieferanten in die Produktion gelan-
gen (vgl. Abbildung 6.4 „Trennung sauberer und unsauberer Bereich“).
Produktionslogistik
Die Maschinen sind prozessorientiert angeordnet (Fertigungslayout). Die Orientierung
an der Abfolge der einzelnen Produktionsschritte ermöglicht klar definierte Produk-
tionsabläufe und kurze interne Transportwege zwischen den einzelnen Produktions-
schritten.
Der innerbetriebliche Transport erfolgt zum Teil automatisch über ein computergesteu-
ertes Rohrleitungssystem, durch das Rohstoffe aus dem Wareneingangsbereich direkt in
die Produktion gelangen, wo die Zutaten gemischt und weiterverarbeitet werden. Der
innerbetriebliche Transport zwischen den einzelnen Produktionsschritten erfolgt vor
allem mittels Fließbändern, „Stikkenwägen“ (siehe folgende Abbildung 6.9) oder
manuell.
Als Produktionslager dienen in erster Linie die Gärräume und die Transportmittel
selbst, für die bestimmte Abstellzonen im Produktionsbereich gekennzeichnet sind.
Dabei wird auf Abstände zwischen Transportmitteln und Wänden geachtet, um Ver-
unreinigungen auszuschließen. Nach Abschluss der Produktion fließen die fertigen
Erzeugnisse in den Absatzbereich.
Distributionslogistik
Die Distributionslogistik übernimmt alle warenbezogenen Aufgaben von der Fertig-
stellung der Produktion bis zur Übernahme durch den Kunden. Ausgangspunkt der
Tätigkeiten sind die Bestellungen der einzelnen Filialleiter und der externen Kunden.
Um allen Kunden die georderten Arten und Mengen an Produkten liefern zu können,
müssen die bestellten Teilmengen zusammengestellt werden. Diese Bündelung von
Teilmengen ist Aufgabe der Kommissionierung und geschieht bei „Der Mann“ im
10 Quelle: J. Zinner
112
6.1 Fallstudie „Der Mann, der verwöhnt“
Die Distribution der Produkte erfolgt größtenteils mit dem eigenen Fuhrpark. Er
umfasst aktuell 18 Fahrzeuge, die täglich durchschnittlich 430 Lieferungen zustellen.
Bei Engpässen werden zusätzliche Transportkapazitäten bei Logistikdienstleistern
(LDL) angemietet. Für die Optimierung der Transportwege wird ein System zur Tou-
renplanung eingesetzt. Es stellt sicher, dass die richtigen Produkte in der gewünschten
Menge zum vereinbarten Zeitpunkt am richtigen Ort und zu minimalen Kosten bis zu
dreimal täglich frisch ausgeliefert werden können. Darüber hinaus trägt die Optimie-
rung der Transporte zur Verringerung der Umweltbelastung bei.
113
6 Fallstudien
114
6.2 Fallstudie Kühne + Nagel: Logistikdienstleistungen für einen Druckerproduzenten
reich und einem Kühlaggregat ausgestattet. Somit sind die Fahrzeuge flexibel einsetz-
bar und können je nach Bedarf ohne großen Aufwand an die aktuellen Anforderungen
angepasst werden.
Im Bereich der Entsorgungslogistik werden Konzepte zur Verwertung von unverkäuf-
lichen oder überzähligen Produkten angewandt: Backwaren mit leichten Mängeln
(z.B. zu geringes Gewicht) und überzählige Produkte werden karitativen Organisatio-
nen gespendet. Nicht verkaufte Backwaren aus den Filialen werden im Sinne einer
nachhaltigen Entsorgung in einer Biogasanlage in Energie umgewandelt.
6.2.1 Unternehmensprofil
Kühne + Nagel ist einer der weltweit größten Full Service Third Party Logistics Ser-
vice Provider (3PL). Das Unternehmen wurde 1890 in Bremen, Deutschland, gegrün-
det und wuchs stetig. Aktuell ist Kühne + Nagel in 109 Ländern tätig, unterhält circa
1.300 Niederlassungen und beschäftigt über 75.000 Mitarbeiter. Die Geschäftstätigkeit
des Unternehmens erstreckt sich auf Luft- und Seefrachtspedition, Straßen- und
Eisenbahnlogistik sowie Kontraktlogistik in Form maßgeschneiderter Logistikdienst-
leistungen für Kunden aus allen Branchen. Einen Überblick über die Entwicklung von
Umsatz, Gewinn und Mitarbeiter gibt die folgende Tabelle:
Tabelle 6.6: Kennzahlen Kühne + Nagel (in Mio. CHF bzw. Personen)12
6.2.2 Geschäftskonzept
Kühne + Nagel erbringt als international tätiger Logistikdienstleister für seine Kunden
umfassende Dienstleistungen im Logistikbereich. Dazu zählt die Übernahme aller
unternehmensbezogenen Logistikprozesse für Kunden. Neben der Organisation und
Vermittlung von Transporten als Spedition übernimmt das Unternehmen auch die
Durchführung von Transport- und Lageraktivitäten und bietet seinen Kunden im
115
6 Fallstudien
23,85%
Seeverkehr
39,63%
Luftverkehr
Landverkehr
15,10%
Kontraktlogistik
21,42%
Als global agierender Dienstleister verfügt Kühne + Nagel über ein eigenes Vertriebs-
und Servicenetzwerk. Das gesamte Dienstleistungsportfolio wird somit über mehr als
1.300 Niederlassungen in 109 Ländern angeboten.
116
6.2 Fallstudie Kühne + Nagel: Logistikdienstleistungen für einen Druckerproduzenten
Beschaffungsmanagement
Endfertigung von Produkten: Zusammenbau bzw. Verpackung (product completion)
Anpassung von Produkten an regionale Gegebenheiten (localization)
Planung der Fertigungsreihenfolge von Produktionsaufträgen (sequencing)
Versorgung von Fertigungslinien (line feeding)
Zusammenstellung von Produktbündeln (kitting)
Filialbelieferung inklusive Regalbestückung
Herstellung von Verkaufsdisplays
Basis für diese maßgeschneiderten Mehrwertdienstleistungen sind langfristige Ver-
träge und die enge Kooperation mit Kunden. In den folgenden Abschnitten wird ein
Beispiel für einen solchen Service vorgestellt, der im Auftrag eines weltweit führen-
den Herstellers von Druckern erbracht wird. Dabei übernimmt Kühne + Nagel für den
Kunden die Verpackung, das Kitting und die Distribution von Verbrauchsmaterialen
für Tintenstrahldrucker.
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Ne
Er
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E
13
Er
Diese Erweiterung der Zusammenarbeit mit Kühne + Nagel von der Übertragung logisti-
scher Dienstleistungen hin zu Produktionsaufgaben wurde durch einen Strategiewech-
sel des Druckerproduzenten begünstigt: Statt die gesamte Fertigung selbst durchzufüh-
117
6 Fallstudien
ren, wurden Teile der Produktion ausgelagert, sofern sie nicht als Kernkompetenz
betrachtet wurden (z.B. Verpackung). Die erfolgreiche Umsetzung und das Management
der Produktion bei Kühne + Nagel führten zu einer Erweiterung der Aktivitäten in Form
von zusätzlichen Verpackungslinien für Druckerpatronen, Reparaturdiensten für Dru-
cker, der Localization von Druckern (z.B. durch Beipacken von entsprechenden Netztei-
len) und der Konfiguration von Druckern für den europäischen Markt (Jabil, Hydra). Für
die Folgejahre sind zusätzliche Erweiterungen geplant (vgl. Abbildung 6.13).
Ursprünglich hat Kühne + Nagel für das Projekt einen Standort erbaut, der jedoch aus
Kapazitätsgründen für das bestehende Projekt und zusätzliche Vorhaben bis heute auf
zwei Hauptstandorte mit zwei zusätzlichen Satelliten-Standorten erweitert wurde.
Einen Überblick gibt die folgende Abbildung 6.14:
Hauptstandort BKH
„Am Blumenkampshof “
An den beiden Hauptstandorten BKH (57.500 m2) und LGP (95.000 m2) werden Lager-,
Distributions- und Value Added Services durchgeführt. Der gesamte Standort BKH
und 14.500 m2 am Standort LGP werden exklusiv für den Druckerproduzenten betrie-
ben. An beiden Standorten befinden sich Containerdepots: Das Duisburg Intermodal
Terminal am Standort LGP und die Duisburger Container-Terminalgesellschaft am
Standort BKH. Am Standort BKH befinden sich neben Wareneingangs- und Distributi-
onslager auch Verpackungslinien zur endkundengerechten Verpackung von Drucker-
patronen für den europäischen Markt.
Die folgende Abbildung 6.15 zeigt die maßgeschneiderten Logistikdienstleistungen
von Kühne + Nagel für den Druckerproduzenten und den gesamten Güterfluss. Aus
den einzelnen Werken des Druckerproduzenten (Lieferanten) werden Produkte ent-
weder direkt ins Distributions-Center angeliefert oder zunächst in der Fertigung bear-
beitet und verpackt. Von dort werden die verkaufsfähigen Produkte an Händler und
sonstige Großabnehmer (Empfänger) verschickt, die den Verkauf an Endkunden abwi-
ckeln. Kühne + Nagel führt auch den Versand von Ersatzteilen an die Endkunden
118
6.2 Fallstudie Kühne + Nagel: Logistikdienstleistungen für einen Druckerproduzenten
durch. Defekte Geräte werden im Rahmen der Entsorgungslogistik direkt vom End-
kunden ans Distributions-Center zurückgeschickt.
Entsorgungslogistik
Anlieferung
Lieferant
Distributions-
Empfänger Endkunde
Center Distribution
Lieferant Fertigung
Ersatzteillogistik
Maßgeschneiderte
Logistikdienstleistungen
6.2.5 Management
Das Management dieses komplexen Betriebs ist in drei funktionale Bereiche gegliedert
(vgl. Abbildung 6.16). Das Logistikmanagement hat dabei die Aufgabe, alle Anliefe-
rungsverkehre, die Lagerhaltung und die Distribution zu koordinieren. Das Bestands-
management (vgl. Lager in Abbildung 6.16) hat die Aufgabe, alle Bestände an ferti-
gen Druckern, in Produktion befindlichen Druckern und Verbrauchsmaterialien über
die einzelnen Betriebsbereiche hinweg zu überwachen und den Schwund zu mini-
mieren. Der Bereich Value Added Services (VAS) verantwortet die gesamte Produk-
tion, die Zusammenstellung von Produktbündeln und die Anpassung der Produkte an
die unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten. Darüber hinaus ist dieser Bereich für
die Erfüllung kurzfristiger Kundenanforderungen zuständig. Je nach aktueller Auf-
tragslage sind am Standort Duisburg zwischen 150 und 450 Mitarbeiter vor Ort verfüg-
bar.
119
6 Fallstudien
Standort
Assistenz
Manager
Standort
IT Leitung
Support
IT
Administration
Mitarbeiter
6.2.6 Logistik
Logistische Aufgaben am Standort BKH dienen zur Abwicklung des gesamten Güter-
flusses mit den entsprechenden Informationsflüssen (v.a. in Form von Lieferscheinen
und Kundenaufträgen). Folgende Hauptaktivitäten sind dazu vom Empfang der Drucker
und Verbrauchsteile in der Reihenfolge ihres Auftretens notwendig: Zunächst erfolgt im
Eingangsbereich die Warenannahme. Dabei ist oftmals der Umschlag der Waren von
nicht standardisierten Paletten oder aus Containern auf standardisierte Paletten not-
wendig, um die folgende Lagerhaltung raumoptimiert durchführen zu können. Auf
Basis der Kundenbestellungen erfolgen bei der Kommissionierung die Entnahme der
bestellten Teilmengen aus den unterschiedlichen Bereichen des Lagers und die trans-
portgerechte Palettierung der bestellten Teilmengen. Abschließend erfolgen die Verpa-
ckung und der Versand der bestellten Mengen an die unterschiedlichen Kunden. Darü-
ber hinaus erledigt Kühne + Nagel die Zollabwicklung für den Druckerproduzenten.
Am Standort BKH werden täglich im Durchschnitt folgende logistische Leistungen
erbracht:
Empfang von ca. 2.500 Paletten
Versand von ca. 2.500 Paletten
Kommissionierung von ca. 9.400 Teilen
Beladung und Abfertigung von ca. 65 Lkw
Lagerung von ca. 70.000 Paletten
Lagerung von ca. 5.500 unterschiedlichen Artikeln
120
6.2 Fallstudie Kühne + Nagel: Logistikdienstleistungen für einen Druckerproduzenten
Zur Abwicklung dieser enormen Gütermengen am Standort BKH setzt Kühne + Nagel
Materialflusstechnik in Form von speziellen Maschinen und Einrichtungen ein. Für
den raschen Umschlag und die Einlagerung von angelieferten Produkten auf Stan-
dardpaletten kommen dabei Gabelstapler und Regalbedienungsgeräte zum Einsatz
(vgl. Abbildung 6.17).
Am Standort BKH dient ein Einfahrregal-System (drive in racking system, DIS) zur
Lagerung der Produkte und Verbrauchsmaterialien. Diese Regaltechnik erlaubt eine raum-
optimierte Lagerung und minimiert Ein- und Auslagerungszeiten (vgl. Abbildung
6.18).
121
6 Fallstudien
Paletten Mitarbeiter
4.500 90
82
Anzahl versendete Paletten
4.000 Benötigte Mitarbeiter 76 80
4.263
3.500 70
3.364
3.000 57 60
2.770
2.500 50
39
2.000 40
1.823
1.500 30
22
1.000 20
894
500 10
0 0
Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4 Tag 5
Abbildung 6.20: Schwankungen von Sendungsaufkommen und Personalbedarf
Die Flexibilität wird durch Entscheidungen und Handlungen des Managements garan-
tiert. Zunächst werden auf Basis historischer Daten und aktueller Prognosen tagesge-
naue Personalbedarfsmodelle errechnet. Im nächsten Schritt werden diese Modelle an
den tatsächlichen Arbeitsaufwand des Folgetags angepasst. Um 14 Uhr treffen die vor-
122
6.2 Fallstudie Kühne + Nagel: Logistikdienstleistungen für einen Druckerproduzenten
Neben der flexiblen Personalbereitstellung sind auch die Betriebsmittel und Anlagen
in Duisburg auf unterschiedliche Kapazitätsanforderungen ausgelegt, sodass die
Betriebsmittel bedarfsgemäß erweitert oder reduziert werden können. Zusätzlich sind
Servicetechniker vor Ort, um die Anlagen zu warten und rasch auf technische Defekte
der Betriebsmittel reagieren zu können.
Das Duisburger Management gewährleistet, dass die fristgerechte Auftragserfüllung
bei über 95% liegt (on time order delivery performance). Die folgende Abbildung
6.22 zeigt die Entwicklung der Flexibilität der Anlage hinsichtlich der Versandmen-
gen in den letzten Jahren.
80.000
70.000
60.000
50.000
40.000
30.000
20.000
10.000
0
Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4 Jahr 5 Jahr 6
123
6 Fallstudien
6.2.7 Endkonfiguration
Als Product Completion Center erfolgt am Standort BKH die Endkonfiguration der
Verbrauchsmaterialien im Auftrag des Druckerproduzenten mit folgenden Teilaktivi-
täten:
Auslieferungsvorbereitung (pre-flighting): Upgrade von Drucker-Betriebssystemen,
Austausch von Speicherkarten, Durchführung kurzfristiger Qualitätsverbesserun-
gen, etc.
Verpackung: Entwurf von Verpackungen, Abpacken von Druckpatronen in Einzel-
handelsverpackungen, Zusammenstellung von Sammelpackungen, Kommissionie-
rung von Handelsverpackungen nach Stücklisten etc.
Multi-boxing: Zusammenfügen verschiedener Teile in ein größeres Installations-
paket, Umverpacken verschiedener Teile für eine Einzelinstallation etc.
Localization: Anbringen länderspezifischer Beschriftungen, Beilegen von Handbü-
chern, Austausch von Artikelnummern, Austausch der Stromversorgungskabel etc.
Umbeschriftung von Verpackungen
Umpacken von Teilen
Die Hauptaktivität der Anlage ist die Verpackung von Tintenstrahldruckpatronen. Der-
zeit sind vierzehn Verpackungslinien in Betrieb, zwei weitere Verpackungslinien sind
im Design- oder Installationsstadium. Die Linien lassen sich wie folgt unterscheiden:
124
6.2 Fallstudie Kühne + Nagel: Logistikdienstleistungen für einen Druckerproduzenten
12.000.000
10.000.000
8.000.000
6.000.000
4.000.000
2.000.000
0
Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4 Jahr 5
125
6 Fallstudien
Stufe 3 Qualitäts-Audit
Die Einhaltung der vereinbarten Service Level ist für Kühne + Nagel besonders wich-
tig, da der Druckerproduzent berechtigt ist, den Vertrag bei Nichteinhaltung der Ser-
vice Level zu kündigen und zu einem anderen Logistik-Dienstleister in Osteuropa zu
wechseln. Diese Vereinbarung mit dem Druckerproduzenten ist ein laufender
Ansporn für Kühne + Nagel zu besonderer Sorgfalt bei der Leistungserstellung und
der ständigen Verbesserung des Services in allen Bereichen. Für die Zusammenarbeit
mit dem Druckerproduzenten besteht aufgrund der hohen Zufriedenheit weiteres
Potenzial (z.B. für die Auslagerung von Aktivitäten in anderen Regionen).
6.2.9 IT-Systeme
Zur Steuerung der gesamten Leistungserstellung am Standort Duisburg kommen vier
IT-Systeme zum Einsatz. Diese Systeme sind spezifisch auf die Aktivitäten in Duis-
burg angepasst worden und bieten eine verlässliche und flexible Unterstützung bei
der Planung und Steuerung der Aktivitäten über alle Anlagen hinweg. Die vier Haupt-
systeme am Standort Duisburg sind:
126
6.2 Fallstudie Kühne + Nagel: Logistikdienstleistungen für einen Druckerproduzenten
Lagerverwaltungssystem
Das Lagerverwaltungssystem ist eine Eigenentwicklung von Kühne + Nagel. Das Sys-
tem ist bei über 500 Auftraggebern weltweit im Einsatz und ermöglicht eine vollkom-
men papierlose Abwicklung im Lager. Es weist Gütern anhand ihrer Artikelnummer
einen passenden Lagerplatz zu. So werden Gefahrengüter nur den speziell dafür aus-
gelegten Lagerplätzen zugewiesen. Zusätzlich verwaltet das System die Chargen- und
Seriennummern sowie die Lagerdauer. Durch die Erfassung dieser Daten wird sicher-
gestellt, dass eine kurze Lagerdauer der Produkte realisiert wird und keine Produkte
wegen Überalterung ausgeschieden werden müssen.
Transportmanagementsystem
Das Transportmanagementsystem erlaubt es dem Duisburger Transportteam, einzelne
Sendungen anhand individueller Lkw-Beladungspläne aus dem Warenlager abzurufen.
Diese versandbasierten, individuellen Lkw-Beladungspläne helfen dem Warenlagerteam,
den Versandbereich effektiv und effizient zu managen. Da das Versandvolumen zwischen
weniger als 50 bis zu über 200 Lkw-Ladungen pro Tag schwankt, ist die effiziente Steue-
rung des Versandbereichs ein kritischer Erfolgsfaktor für eine termingerechte Zustellung.
Produktionssteuerungssystem
Die effektive Steuerung der gesamten Anlage und die Belegungsplanung der Hochge-
schwindigkeitsverpackungslinien sind erfolgskritisch für die Einhaltung der Planung.
Ebenso wichtig ist die Verfügbarkeit der richtigen Ressourcen, um die geplanten Pro-
duktionsaktivitäten auszuführen. Das Produktionssteuerungssystem der Duisburger
Anlage wurde speziell für diese Art von Produktionsprozessen entwickelt und erlaubt
eine effektive Einsatzplanung. Zusätzlich unterstützt das System die Wartungspla-
nung, das Management der Maschinenausfallszeiten und anderer unproduktiver Akti-
vitäten, sodass mit den verfügbaren Betriebsmitteln die maximale Produktionsleis-
tung erbracht werden kann.
Training
Angesichts der starken Mengenschwankungen in den Bereichen Warenannahme, Produk-
tion und Distribution ist am Standort Duisburg ein effektives und effizientes Trainingssys-
tem zur laufenden Fortbildung der Mitarbeiter erfolgskritisch. Das VETO-System wurde
genau für diesen Zweck entwickelt. Es erfasst nicht nur die Trainingsaktivitäten, sondern
identifiziert, wer das notwendige Qualifikationsprofil für eine bestimmte Aktivität besitzt,
welche Mitarbeiter Auffrischungstrainings benötigen und welche Zusatzqualifikationen
zur Deckung des Personalbedarfs notwendig sind, um den Betrieb sicherzustellen. Darü-
ber hinaus teilt das System die Auszubildenden den offenen Trainingsplätzen zu und
unterstützt so die Weiterbildungsaktivitäten umfassend.
127
6 Fallstudien
Fortschritt
Umweltthema Ziel bis 2020
2012–2016
Reduktion standortbezogener CO2- 15% CO2-Reduktion pro Mitarbeiter 25% pro Mitarbeiter und
Emissionen und 100 m2 Fläche 13% pro 100 m2 erreicht
Verbesserung der Treibstoffeffizi- 10% Reduktion (l/km) 7% Verbesserung erreicht
enz eigener Lkw
Erhöhung des Einsatzes erneuer- 10% des gesamten Energieverbrauchs 7% eingespart
barer Energie
Steigerung des Anteils CO2-armer Erhöhung des Volumens auf Schiene 2% Erhöhung
Verkehrsträger und Binnenschiff um 2% (ab 2016)
Erhöhung der Recyclingqoute Erhöhung der Recyclingqoute um 82% erreicht
5% pro Jahr (75% b́is 2020)
128
6.3 Verwendete Literatur
129
6 Fallstudien
Forrester, J.W. (1958): Industrial dynamics: a major breakthrough for decision makers,
Harvard Business Review, Vol. 36, No. 4, S. 37–66.
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betriebslehre, 2. Auflage, München, S. 449–568.
Gutenberg, E. (1973): Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Band 1, 20. Auflage,
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Hammer, M., Champy, J. (1993): Reengineering the Corporation: A Manifesto for Busi-
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Hesse, H. (2003): Ökonomen Lexikon, Düsseldorf.
Hesse, J., Neu, M., Theuner, G. (2007): Marketing-Grundlagen, 2. Auflage, Berlin.
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Küpper, H.-U., Weber, J. (1995): Grundlagen des Controlling, Stuttgart.
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Lechner, K., Egger, A., Schauer, R. (2005): Einführung in die allgemeine Betriebswirt-
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Melzer-Ridinger, R. (2007): Supply Chain Management, München.
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130 http://ebookcentral.proquest.com/lib/wuww/detail.action?docID=5763956.
Ebook Central,
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6.3 Verwendete Literatur
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Kummer, Sebastian, et al. Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, Pearson Education Deutschland GmbH, 2018. ProQuest
Ebook Central, http://ebookcentral.proquest.com/lib/wuww/detail.action?docID=5763956. 131
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12 Lieferantenmanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199
Kummer, S., Grün, O., & Jammernegg, W. (2018). Grundzüge der beschaffung, produktion und logistik. Retrieved from http://ebookcentral.proquest.com
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Teil II BESCHAFFUNG
Oskar Grün
Jean-Claude Brunner
Die Beschaffung zählt zu den Kernfunktionen des Unternehmens. Sie ist der Produk-
tion vorgelagert. Wegen der überragenden Bedeutung der Beschaffung gilt für den
Handel der Slogan „Im Einkauf liegt der Gewinn“. Im Zuge der Erhöhung des Fremd-
bezuges hat die Beschaffung auch in anderen Branchen, u.a. in der Automobilindus-
trie, stark an Bedeutung gewonnen, wie die beiden folgenden Zitate belegen: „Bei uns
hat die Beschaffung eine Schlüsselfunktion, die wesentlich dazu beiträgt, die Unter-
nehmensziele zu erreichen.“ „Die richtigen Beschaffungsentscheidungen zu treffen,
wird immer wichtiger für den Unternehmenserfolg.“
Der Teil Beschaffung umfasst die Kapitel 7 bis 13. Im Kapitel 7 werden nach der
Definition und der Abgrenzung der Beschaffung deren Objekte, Prozesse, Institutionen,
Ziele und Effizienzpotenzial sowie deren aktuelle Trends erläutert. Das Kapitel 8
behandelt die Grundbegriffe und die vorbereitenden Maßnahmen sowie die Methoden
der Bedarfsermittlung (programmorientierte, verbrauchsorientierte und Schätzverfah-
ren). Im Kapitel 9 wird die Beschaffungsmarktforschung dargestellt. Das Kapitel 10
beschäftigt sich mit der Bedeutung, den Varianten, den Anlässen, den Kriterien und
den Instrumenten der Entscheidung über Make or Buy. Die Grundbegriffe und Prozesse
der Bestellung, die Bestellmengenentscheidung und die Bestellpolitiken finden sich
im Kapitel 11. Kapitel 12 geht auf die Lieferantenauswahl, die Kriterien und Instru-
mente der Lieferantenbewertung sowie die Lieferantenpolitik und die Lieferantenent-
wicklung ein. Abschließend führt Kapitel 13 in die Beschaffungspolitik und in das
Beschaffungscontrolling ein. Die logistischen Aspekte der Beschaffung, insbesondere
die physische Bereitstellung des Materials, werden in Teil IV Logistik abgehandelt.
Sie lernen:
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Den Beschaffungsbereich anhand seiner Funktionen und Objekte von anderen Unternehmens-
bereichen abzugrenzen und die Trends der Beschaffung zu erkennen
Den Zusammenhang von Bedarfsermittlung, Beschaffungsmarktforschung, Entscheidungen
über Make or Buy, Lieferantenmanagement und Bestellung zu verstehen
Die ABC-Analyse sowie Verfahren zur programm- und verbrauchsorientierten Bedarfsermitt-
lung einzusetzen
Die Unterschiede und den Zusammenhang zwischen Marktbeobachtung und Marktanalyse
aufzuzeigen
Eine Make or Buy-Entscheidung mithilfe der Kostenvergleichsrechnung und der Nutzwert-
analyse (Punktbewertung) zu treffen
Trends bei der Auswahl der Lieferanten zu erkennen und deren Konsequenzen für die Liefe-
rantenbeziehungen darzulegen
Lieferantenpolitiken in Abhängigkeit vom Beschaffungsrisiko und vom Einfluss auf das
Betriebsergebnis zu unterscheiden
Die Bestellung in Prozesse zu gliedern und das Grundmodell zur Ermittlung der optimalen
Bestellmenge grafisch und mithilfe einer Formel anzuwenden
Die Bedeutung des Beschaffungscontrolling und seine wichtigsten Instrumente zu erkennen
Kummer, S., Grün, O., & Jammernegg, W. (2018). Grundzüge der beschaffung, produktion und logistik. Retrieved from http://ebookcentral.proquest.com
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Das Aufgabenfeld der
Beschaffung
ÜBERBLICK
7.4 Trends . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144
7.5 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
7 Das Aufgabenfeld der Beschaffung
Die Beschaffung zählt wie die Produktion, der Absatz und die Logistik zu den Kern-
funktionen des Unternehmens. Dementsprechend früh und intensiv hat die Betriebs-
wirtschaftslehre das Thema „Beschaffung“ behandelt.
Die Beschaffung ist Teil des betrieblichen Transformationsprozesses mit seinen drei
Ebenen: Die beschaffungsrelevanten Aspekte der Güterebene (Realgütertransforma-
tion, z.B. Anlieferungen und innerbetriebliche Transporte) werden in Teil IV behan-
delt. Auf der Finanzebene (Nominalgütertransformation) werden die durch die
Beschaffung verursachten finanziellen Prozesse abgebildet, gegenläufig zum Real-
güterstrom (das Geld fließt vom Abnehmer zum Lieferanten). Die Mehrzahl der
Beschaffungsprozesse (von der Bedarfsermittlung bis zum Beschaffungscontrolling)
ist der dispositiven Ebene zuzurechnen.
Das Kapitel Aufgabenfeld dient der Einführung und beschäftigt sich mit Definitio-
nen (Abschnitt 7.1), Prozessen (Abschnitt 7.2), Zielen (Abschnitt 7.3) und Trends
(Abschnitt 7.4).
Definition
Unter Beschaffung im weiteren Sinn versteht man alle Maßnahmen zur Versor-
gung des Unternehmens mit jenen Produktionsfaktoren, die nicht selbst erstellt
werden.
Objekte der Beschaffung sind das Material (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Zuliefer-
teile), Handelswaren, Ersatzteile, Dienstleistungen, Betriebsmittel (Anlagen), Perso-
nal, Informationen und Kapital.
Rohstoffe gehen mit hohen Mengen- bzw. Wertanteilen in das Endprodukt ein (z.B.
Mehl bei Backwaren, Holz bei Möbeln, Stahlbleche bei Automobilen). Rohstoffe
sind aus der Erzeugnisgliederung (Stückliste, vgl. Abschnitt 8.2) bzw. aus Rezeptu-
ren (wie bei Backwaren) zu ersehen.
Hilfsstoffe gehen ebenfalls in das Produkt ein, allerdings mit geringeren Mengen-
bzw. Wertanteilen (z.B. Gewürze bei Backwaren, Leim und Farbe bei Möbeln,
Schrauben und Schweißmaterial bei Automobilen). Auch die Hilfsstoffe sind in
den Stücklisten bzw. Rezepturen aufgeführt.
Betriebsstoffe gehen nicht in das Endprodukt ein. Sie sind für die Nutzung der
Betriebsmittel erforderlich und dienen somit der Aufrechterhaltung des Produktions-
prozesses (z.B. Schmierstoffe und Energie für Mischanlagen, Sägen oder Pressen).
Zulieferteile gehen als Komponenten in das Endprodukt ein (Matratzen in Betten,
Sitze in Kraftfahrzeugen). Zulieferteile sind wie Roh- und Hilfsstoffe in den Stück-
listen aufgeführt.
Handelswaren dienen der Ergänzung und Erweiterung der eigenen Produkt(ions)-
Palette (z.B. Getränke, um das Sortiment der Backwaren zu ergänzen). Sie werden
nicht (allenfalls geringfügig) bearbeitet, d.h. direkt nach der Beschaffung in das Fer-
tigwarenlager überstellt.
136
7.1 Definitionen und Abgrenzung
Ersatzteile sind erforderlich, weil die Betriebsmittel (Anlagen) im Zuge ihrer Nut-
zung verschleißen bzw. beschädigt werden. Ihr Einsatz erfolgt anlässlich der
Instandhaltung oder des Umbaus der Betriebsmittel. Ihr Bedarf wird anhand der
Konstruktionspläne der Betriebsmittel unter Berücksichtigung der Instandhaltungs-
intervalle ermittelt.
Dienstleistungen sind immaterielle Güter (z.B. Transportleistungen oder Leistun-
gen des Facility Management/Gebäudeservice wie Reinigung, Wachdienst). Im
Zuge des Trends zum Outsourcing (siehe Abschnitt 7.4 und Fallstudie Kühne +
Nagel) nimmt die Bedeutung des Dienstleistungseinkaufs ständig zu.
Betriebsmittel (Anlagen) sind Maschinen und Einrichtungen zur Erstellung
betrieblicher Leistungen (z.B. Backofen, Fräsmaschinen, Stapler, Förderbänder).
Die Beschaffung von Maschinen und Einrichtungen dient dem Ersatz alter Anlagen
(Ersatzinvestition), der Vergrößerung der Fertigungskapazität (Erweiterungsinvesti-
tion) oder der Kostensenkung (Rationalisierungsinvestition).
Personal (Human Resources) wird im Wege der internen bzw. externen Rekrutie-
rung beschafft, wobei man insbesondere nach den Qualifikationen differenziert
(Fachkräfte vs. ungelernt/angelernt/Auszubildende; Generalisten vs. Spezialisten
etc.).
Informationen sind zweckbezogenes Wissen. Mitarbeiter aller Unternehmensberei-
che und Hierarchiestufen benötigen diese als Entscheidungsgrundlage. Im Einzel-
nen handelt es sich um Informationen über Produkte, Kunden, Märkte (Mitbewer-
ber) und Verfahren. Sie werden teils intern generiert (z.B. durch Beobachtung des
Kundenverhaltens), teils extern beschafft (z.B. von Auskunftsbüros, Marktfor-
schungsinstituten). Mit der Einführung des Wissensmanagements (Knowledge
Management) haben die Gewinnung, Verteilung und Nutzung des Wissens stark an
Bedeutung gewonnen.
Kapital (finanzielle Mittel) ist erforderlich, um die Produktionsfaktoren zu beschaf-
fen und zu nutzen (Investitionen in Material/Dienstleistungen, Betriebsmittel, Per-
sonal, Informationen). Kapitalgeber sind die Eigentümer des Unternehmens, die
Lieferanten, die Banken und andere Finanzdienstleister wie Investmentgesell-
schaften und Versicherungen sowie die öffentliche Hand (z.B. als Subventions-
geber).
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Zulieferteile fassen wir unter dem Begriff „Mate-
rial“ zusammen. Es handelt sich dabei ebenso wie bei den Handelswaren, den Ersatz-
teilen und den Dienstleistungen um sog. Repetierfaktoren, im Unterschied zu
Betriebsmitteln und Personal, die als Potenzialfaktoren bezeichnet werden (vgl.
Abschnitt 3.2).
Die Beschaffung der Produktionsfaktoren unterscheidet sich hinsichtlich des Mengen-
volumens, des Wertvolumens, der Beschaffungsprozesse und der Qualifikation der
Prozessbeteiligten sowie der Folge- und Begleitprozesse. Dies soll am Beispiel der
Beschaffung von Material und Betriebsmitteln beim Backwarenhersteller „Der Mann“
gezeigt werden.
137
7 Das Aufgabenfeld der Beschaffung
Material Betriebsmittel
Personal Personalwesen
Informationen Informationswirtschaft
Kapital Finanzwesen
138
7.2 Prozesse und Institutionen
Da hier nicht der Raum ist, alle Beschaffungsobjekte abzuhandeln, konzentrieren wir
uns im Folgenden auf die Objekte Material, Handelswaren, Ersatzteile sowie Dienst-
leistungen und verwenden deshalb einen enger gefassten Beschaffungsbegriff:
Definition
Beschaffung im engeren Sinn umfasst alle Maßnahmen zur Versorgung des
Unternehmens mit Material (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Zulieferteile), Han-
delswaren, Ersatzteilen und Dienstleistungen.
Die Begriffe Beschaffung und Einkauf werden hier synonym verwendet. In einer enge-
ren Begriffsfassung bezeichnet „Einkauf“ nur operative Tätigkeiten der Beschaffung
oder die vertraglichen Aspekte zwischen Abnehmern und Lieferanten.
Institutionen
Marktbeobachtung/
Marktanalyse
Beschaffungsmarktforschung
Beschaffungscontrolling
Beschaffungspolitik/
Anfragen/ Analysen
Angebote
Make or Buy
Verhandlungen/ Meldungen
Bestellungen
Bestellung inkl. Abwicklung
Kontrolle/Zahlungen
Lieferantenauswahl/ Lieferanten-
Lieferantenmanagement -entwicklung beurteilung
139
7 Das Aufgabenfeld der Beschaffung
Zeitpunkt und Ort. Die Anforderungen der Bedarfsträger basieren ihrerseits auf der
Kundennachfrage (vgl. Kapitel 8).
Beschaffungsmarktforschung, d.h. die Sammlung, Analyse, Aufbereitung und
Weiterleitung von Marktinformationen für Beschaffungsentscheidungen (vgl. Kapi-
tel 9).
Make-or-Buy-Entscheidungen, d.h. Entscheidungen über Eigenerstellung oder
Fremdbezug unter Berücksichtigung der jeweiligen Kernkompetenzen, der Kosten,
der Bedarfscharakteristika, der Produktionskapazität des Abnehmers, des Lieferan-
gebots und des Kapitalbedarfs (vgl. Kapitel 10).
Bestellung inkl. Bestellabwicklung, d.h. die Ermittlung von Bestellmengen und
-zeitpunkten, -vereinbarung der Lieferbedingungen, Bestellüberwachung, Waren-
eingangskontrolle, Rechnungsprüfung und -erledigung (vgl. Kapitel 11).
Lieferantenmanagement (Supplier Relationship Management, SRM), d.h. die
Bestimmung des Lieferantenkreises, Auswahl, Beurteilung und Entwicklung der
Lieferanten nach Maßgabe der Lieferantenpolitik (vgl. Kapitel 12).
Beschaffungspolitik, d.h. die Formulierung von Zielen, Grundsätzen und Program-
men für die Beschaffung unter Berücksichtigung der übergeordneten Unterneh-
menspolitik (vgl. Abschnitt 13.1).
Beschaffungscontrolling, d.h. die Unterstützung des Managements durch Mitwir-
kung an der Formulierung der Beschaffungsziele und -strategien, Entwicklung von
Instrumenten zur Steuerung der Beschaffungsprozesse, Überwachung der Zielerrei-
chung und Einleitung von Korrekturmaßnahmen (vgl. Abschnitt 13.2).
Die an den Beschaffungsprozessen beteiligten Institutionen sind die Bedarfsträger, die
Kunden, der Absatz, die Lieferanten/Third Parties und die Beschaffungsspezialisten.
Als Bedarfsträger bezeichnet man alle betrieblichen Stellen/Bereiche, die Güter/
Dienstleistungen verbrauchen (interne Kunden). In Industriebetrieben ist der Produk-
tionsbereich der dominierende Bedarfsträger, im Handel ist es der Absatz. Die
Bedarfsträger lösen durch ihre Bedarfsanforderungen den Beschaffungsprozess aus.
Sie wirken auch an der Entscheidung über Make or Buy und am Lieferantenmanage-
ment mit und erhalten von den Beschaffungsspezialisten Meldungen über die getä-
tigten Bestellungen. Im Fall der Just-in-Time- (produktionssynchronen) Beschaffung
löst der Materialverbrauch durch die Bedarfsträger eine (meist automatisierte)
Bedarfsanforderung an die Lieferanten aus (vgl. Abschnitt 18.1.2).
Bei der Auftragsfertigung ist der Kunde der Prozessauslöser. Die Produktion und in
weiterer Folge die Beschaffungsspezialisten werden in der Regel erst aktiv, wenn
ein konkreter Auftrag eines Kunden vorliegt, z.B. der Auftrag zur Lieferung einer
Spezialmaschine. Dem Auftrag gehen üblicherweise Anfragen seitens der und
Rückfragen an die Kunden voraus. Man spricht hier von Einzelbeschaffung im
Bedarfsfall, wobei die Beschaffungsobjekte nicht oder nur kurzfristig gelagert wer-
den, ehe sie von den Bedarfsträgern eingesetzt werden (vgl. Abschnitt 15.1).
Der Absatz ist das Bindeglied zwischen den (externen) Kunden und den unterneh-
mensinternen Stellen. Die MitarbeiterInnen des Absatzes beraten die Kunden und
beeinflussen damit deren Nachfrage. Ihnen obliegen auch die Auftragsannahme
und wesentliche Teile der Auftragsabwicklung.
140
7.2 Prozesse und Institutionen
Lieferanten werden eingeschaltet, wenn sich ein Unternehmen gegen die Eigenerstel-
lung (Make) und für den Fremdbezug (Buy) entscheidet. Sie sind die Adressaten der
Bestellungen und wirken an der Bestellabwicklung mit. Die Lieferanten versuchen,
die Beschaffungsspezialisten und die Bedarfsträger durch ihre absatzpolitischen Inst-
rumente bei der Bedarfsermittlung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Beschaffungs-
spezialisten nehmen ihrerseits auf dem Wege des Lieferantenmanagements Einfluss
auf das Verhalten der Lieferanten. Bei den sog. Third Parties handelt es sich in der
Regel um spezialisierte Dienstleister wie Logistikunternehmen, die im Auftrag der
Lieferanten oder der Abnehmer z.B. Transport- oder Lagerdienste leisten. Kühne +
Nagel ist eine Third Party für den Hersteller von Druckern (vgl. Fallstudie Kühne +
Nagel).
141
7 Das Aufgabenfeld der Beschaffung
}
mit den richtigen Gütern und Dienstleistungen
in der richtigen Art, Menge und Qualität
Sachziel
zur richtigen Zeit
am richtigen Ort
zu möglichst geringen Kosten } Formalziel
unter Bedachtnahme auf Mitarbeiterinteressen } Sozialziel
und Umweltbelange/Nachhaltigkeit } Umweltziel
In Analogie zur finanziellen Liquidität soll das Sachziel der Beschaffung die „materi-
elle Liquidität“ sicherstellen, es geht also um die Versorgungssicherheit. Wie
anspruchsvoll dieses Ziel ist, kann am Beispiel der Automobilindustrie gezeigt wer-
den. Für einen Mittelklasse-Pkw werden mehr als 4.000 Teile benötigt und ein Pkw-
Hersteller hat mehrere Tausend Zulieferer und Dienstleister.
Das Formalziel dient der Versorgungswirtschaftlichkeit. In materialintensiven Betrie-
ben wie der Automobilindustrie entfallen auf den Materialaufwand ca. 75% des
Gesamtaufwands. Je höher der Fremdbezugsanteil (je geringer also die Fertigungs-
tiefe), desto stärker schlagen Veränderungen der Versorgungswirtschaftlichkeit (z.B.
bedingt durch gestiegene Rohstoffpreise) auf das Unternehmensergebnis durch.
Bei den Sozialzielen gibt es in der Beschaffung keine Besonderheiten, abgesehen von
Freisetzungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Outsourcing (vgl. Kapitel 10)
und der Beachtung arbeits- und sozialrechtlicher Mindestanforderungen seitens der
Lieferanten (vgl. Abschnitt 12.2). Die Umweltziele (vgl. Abschnitt 1.3) gewinnen stän-
dig an Bedeutung und sind deshalb beschaffungsrelevant, weil Art und Menge des
Materials die Umweltbelastung im Zuge der Produktion und der Wiederverwendung
(Recycling) bzw. Entsorgung maßgeblich beeinflussen.
Bei der Beschaffung treten Zielkonflikte auf. Ein klassischer Zielkonflikt liegt vor, wenn
einerseits die Bedarfsträger hohe Servicegrade und andererseits das Management Kos-
tensenkungen erwarten. Der Servicegrad (Lieferbereitschaft) wird meist in einer Kenn-
ziffer als Prozentsatz der erfüllten zu den von den Bedarfsträgern artikulierten
Bedarfsanforderungen dargestellt (vgl. Abschnitt 13.2.3). Der Servicegrad kann Spitzen-
werte knapp unter 100% erreichen. Hohe Servicegrade helfen, Produktionsausfälle zu
vermeiden, verursachen jedoch hohe Kosten, nämlich Lagerkosten (Kosten der Kapi-
talbindung in den Beständen) und Dispositionskosten (Kosten für die Ermittlung von
Soll-Werten und für die Erfassung von Ist-Werten). Die folgende Abbildung 7.3 zeigt
den Zusammenhang zwischen Servicegrad (Lieferbereitschaft) und Kosten.
142
7.3 Ziele und Erfolgspotenzial
Kosten
Gesamtkosten (LBK+FMK)
Optimum Servicegrad
Abbildung 7.3: Zusammenhang von Servicegrad und Kosten
Bei niedrigen Servicegraden fallen zwar nur geringe Lagerhaltungs- und Dispositions-
kosten (Lieferbereitschaftskosten) an, die Fehlmengenkosten (z.B. Vertragsstrafe
wegen Lieferverzögerungen oder Erfolgseinbußen durch entgangene Aufträge) sind
jedoch hoch. In der Praxis wird der Zielkonflikt meist dadurch gelöst, dass ein
bestimmter Servicegrad fixiert wird, der mit möglichst geringen (vertretbaren) Kosten
erreicht werden soll.
Die Erfolgspotenziale der Beschaffung hängen vor allem von der Branche, aber auch
vom Organisationsgrad der Anbieter ab. Die Erfolgspotenziale sind im Handel am
größten und rechtfertigen den eingangs zitierten Slogan „Im Einkauf liegt der
Gewinn“. Aber auch in anderen Branchen ist bei einem hohen Anteil des Materialauf-
wands der Einfluss der Versorgungswirtschaftlichkeit auf den Unternehmenserfolg
unmittelbar einsichtig. Da bei der Senkung des Materialaufwands in der Regel weni-
ger Restriktionen zu beachten sind als beim Personalaufwand (z.B. Kündigungsfristen,
Versetzungsschutz), gilt die Devise „Material sparen ist einfacher als Personal einzu-
sparen“. Wie weit das gelingt, hängt entscheidend von der Marktmacht des Abneh-
mers gegenüber den Lieferanten ab. Bei starker Marktmacht kann der Abnehmer den
Lieferanten Preise und Konditionen diktieren, bei schwacher Marktmacht sind sie für
ihn kaum beeinflussbar. Die Bildung von Kooperationen erhöht die Marktmacht
sowohl auf Seiten der Abnehmer als auch der Lieferanten.
Unternehmensintern kommt es vor allem darauf an, die Art und Menge des Material-
bedarfs zu beeinflussen. Wirksame Anstrengungen zur Senkung des Materialaufwands
setzen auch Eingriffe in das sog. Mengengerüst voraus. Beispielsweise kann durch die
Forcierung des Einsatzes von Gleichteilen die Teilevielfalt reduziert werden. Voraus-
setzung dafür ist ein starkes Aktionspotenzial der Beschaffungsspezialisten, das es
ihnen dank ihrer hierarchischen Position und ihrer fachlichen Qualifikation erlaubt,
die Anforderungen der Bedarfsträger kritisch zu hinterfragen.
143
7 Das Aufgabenfeld der Beschaffung
7.4 Trends
In der Beschaffung zeichnen sich folgende bedeutsame Trends ab, die sich zum Teil
gegenseitig verstärken:
Erhöhung des Zukaufanteils (Outsourcing). Outsourcing zählt zu den prominentesten
Managementkonzepten der Gegenwart. Vorreiter dieses Trends ist die Automobilindu-
strie. Dort hat sich die Erhöhung des Zukaufanteils als bedeutsamer Erfolgsfaktor
erwiesen. Dementsprechend gewinnt die Zulieferindustrie ständig an Bedeutung und
die Hersteller entwickeln sich zu reinen Entwicklungs- und Montagebetrieben. Auf-
grund des hohen Anteils zugekaufter Teile und eines weitgehend globalisierten Liefer-
markts verlieren Herkunftsbezeichnungen wie „Made in Germany“ oder „Made by
BMW“ zunehmend an Aussagekraft. Apple formuliert korrekt: „Designed by Apple in
California, assembled in China“. Wenn bei den Lieferanten Probleme hinsichtlich der
Qualität und Zuverlässigkeit der Lieferungen auftreten, wie jüngst im Flugzeugbau,
erwägen die Hersteller einen Richtungswechsel zu mehr Eigenfertigung, d.h., es
kommt zum Insourcing.
In steigendem Maße werden im Zuge von Outsourcing auch Dienstleistungen zugekauft.
Dies gilt insbesondere für Dienstleistungen der Supportbereiche wie IT-Services, Logis-
tikdienste (Transport und Lagerung) und Facility Management (Reinigungs-, Reparatur-
und Bewachungsdienste). Die Erhöhung des Zukaufanteils impliziert eine Steigerung
der Bedeutung des Dienstleistungseinkaufs (vgl. auch Kapitel 10).
Lange Zeit war man bemüht, die Liefermengen auf mehrere/viele Lieferanten aufzutei-
len, um günstigere Beschaffungspreise zu erzielen und besser gegen Lieferstörungen
gewappnet zu sein. Aus Risikoüberlegungen und mangels Kenntnis von Alternativen
bevorzugte man regionale oder nationale Lieferantenbeziehungen. Heute ist man in
vielen Branchen von dieser Lieferantenstrategie abgerückt (vgl. auch Abschnitt 12.1)
und tendiert zum Single Sourcing und zum Global Sourcing. Das bedeutet, große
Beschaffungsvolumina mit wenigen (im Extremfall einem) Lieferanten abzuwickeln,
diese jedoch weltweit auszuwählen.
Neben den markt- oder lieferantenseitigen Anstrengungen zur Senkung des Materialauf-
wands gibt es auch eine wirksame innerbetriebliche Maßnahme, nämlich die Ver-
kleinerung des Materialsortiments. Mit dem sog. Baukastensystem kann aus einer ver-
gleichsweise geringen Zahl von Bauteilen eine Vielfalt von Varianten erstellt werden.
Eine ähnliche Maßnahme ist die von der Automobilindustrie erfolgreich praktizierte
Plattformstrategie, d.h. die Verwendung derselben Plattform für verschiedene Fahrzeug-
modelle. Auch die Modularisierung bewirkt eine Verkleinerung des Materialsortiments,
weil anstelle von Einzelteilen (z.B. Griffe) zunehmend Komponenten (z.B. Seitenteile)
und Systeme/Module (z.B. Autotüren) beschafft werden (vgl. Abschnitt 12.1.1).
144
7.4 Trends
Auch das Verhältnis zwischen Abnehmern und Lieferanten hat sich gewandelt. Die
Abnehmer bemühen sich zunehmend um den Aufbau partnerschaftlicher Lieferan-
tenbeziehungen, insbesondere zu den sog. Schlüssel-Lieferanten, denen wichtige
Funktionen (z.B. Entwicklungsaufgaben) übertragen und mit denen oft langfristige
Vereinbarungen getroffen werden (vgl. Abschnitt 12.1.4). Das gilt allerdings nicht in
Krisenzeiten, wo die Abnehmer die angestrebten Kostensenkungen häufig mit rigoro-
sen Forderungen gegenüber den Lieferanten durchsetzen. In diesem Zusammenhang
ist zu berücksichtigen, dass im Zuge des Aufbaus logistischer Ketten (Supply Chains)
die traditionelle Abnehmer-Lieferanten-Beziehung durch ein Geflecht von Beziehun-
gen mit einer Mehrzahl von Wertschöpfungspartnern ersetzt wird (vgl. Kapitel 21).
Die Absatzkrise in der Automobilindustrie (im Jahr 2008) hatte tiefgreifende Auswir-
kungen auf die Zulieferer und deren Vorlieferanten. Ähnliches galt für den Flugzeug-
bau, wo die rückläufige Nachfrage nach neuem Fluggerät in Verbindung mit dessen
verspäteter Entwicklung und Fertigung zu massiven Umsatzeinbrüchen und zum
Kapazitätsabbau bei den Zulieferern geführt hat.
Unter dem Begriff „E-Procurement“ (elektronische Beschaffung) werden vielfältige Nut-
zungen moderner elektronischer Medien für die Beschaffung zusammengefasst. Zuneh-
mend verbreitet sind standardisierte Datenformate (Electronic Data Interchange, EDI) zur
Vermeidung von Medienbrüchen oder Doppelerfassungen, IT-basierte Bestellwerkzeuge
(Self Service Procurement oder Desktop Purchasing mit elektronischen Katalogen, vor
allem für C-Teile), elektronische Ausschreibungen und Auktionen sowie Online-Verhand-
lungen mit den Lieferanten. Je nachdem, wer das IT-System betreibt und die Systemde-
tails vorgibt, spricht man von buy-side-Lösungen (abnehmerseitig), sell-side-Lösungen
(lieferantenseitig) oder von Marktplatzsystemen (sog. many-to-many-Lösungen), die einer
Vielzahl von Lieferanten und Abnehmern den Zugang eröffnen. Große Aufmerksamkeit
hat die Internetplattform führender Automobilhersteller gefunden (Covisint), welche die
Einkaufsmacht bündeln und die Ansprache eines großen Lieferantenkreises erleichtern
sollte. Die beteiligten Automobilhersteller erwarteten sich davon eine höhere Transparenz
des Lieferangebots, eine Beschleunigung der Bestellprozesse und eine Senkung des Mate-
rialaufwands (vgl. Abschnitt 12.1.2). E-Procurement senkt die Prozesskosten und verkürzt
die Durchlaufzeiten erheblich, was angesichts der Ausbreitung von Supply Chains von
zunehmender Bedeutung ist. Obwohl E-Procurement also eine wesentliche operative Ent-
lastung bewirkt und Freiräume für die strategischen Aufgaben schafft, wird es derzeit nur
in Großbetrieben intensiv genutzt.
Ein weiterer markanter Trend ist das Streben nach Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit in
der Beschaffung bedeutet, dass neben ökonomischen Zielen (Versorgungssicherheit
und Versorgungswirtschaftlichkeit) auch ökologische (Umwelt-) Ziele und Sozialziele
(Verzicht auf Kinderarbeit, Brandschutzvorkehrungen in den Produktionsstätten) ver-
folgt werden (vgl. Abschnitt 1.3).
Der Trend zur nachhaltigen Beschaffung ist in allen Wirtschaftsbereichen zu beobach-
ten, er ist im Handel jedoch besonders bedeutsam, weil er sich dort unmittelbar auf
den Absatzbereich auswirkt. Ein im deutschsprachigen Raum führender Einzelhänd-
ler für Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs verfolgt im Rahmen eines
langfristigen Projekts ehrgeizige Ziele wie die Umstellung des Sortiments auf Bio-Pro-
dukte, die Konzentration der Lieferquellen auf zertifizierte bzw. regionale (bei Frisch-
waren) Lieferanten, die Vermeidung umweltschädlicher Inhaltsstoffe, die Nutzung
umweltfreundlicher Transportsysteme und Verpackungen sowie die Vermeidung von
145
7 Das Aufgabenfeld der Beschaffung
Abfall. Darüber hinaus wird das CO2-neutrale Betreiben des weitgespannten und
dichten Filialnetzes angestrebt. Das ökonomische Ziel, im Wettbewerb um ein preis-
günstiges Angebot führend zu bleiben, wird dabei nicht vernachlässigt.
Im Zuge der Ausbreitung von Industrie 4.0 (Internet of Things) werden unter dem
Stichwort „Beschaffung 4.0“ auch für den hier behandelten Bereich z.T. tief greifende
Veränderungen erwartet. Die am häufigsten prognostizierte Veränderung betrifft das
Verhältnis von operativer und strategischer Beschaffung, d.h. der durch E-Procure-
ment angestoßene Trend verstärkt sich, weil die digitale Vernetzung der Abnehmer
mit ihren Lieferanten noch enger wird. Viele der oben beschriebenen Beschaffungs-
prozesse können digitalisiert werden, insbesondere die Bedarfsermittlung (bei auto-
matisierter Lagerhaltung), die Bestellabwicklung (von der Angebotseinholung bis zur
Rechnungserledigung), die laufende Lieferantenbeurteilung sowie Teilaufgaben des
Beschaffungscontrollings (z.B. Kennzahlenfortschreibung).
Die fortschreitende Automatisierung der administrativen Beschaffungsprozesse setzt
Kapazitäten für die intensivere Beschäftigung mit strategischen Beschaffungsaufgaben
frei, insbesondere für Make-or-Buy-Entscheidungen und die vorgelagerte Beschaf-
fungsmarktforschung, für das Lieferantenmanagement zur Stärkung der unterneh-
mungsübergreifenden Supply Chain sowie für die Pflege der Schnittstellen mit den
internen Bedarfsträgern und den Kunden (Beschaffung als Treiber der horizontalen
Vernetzung). Im Zuge ihrer Marktforschung wird von der Beschaffung auch zuneh-
mend erwartet, sich als „Innovationshorchposten“ zu betätigen und dafür zu sorgen,
dass die neuesten Technologien erkannt und verfügbar werden. Insgesamt sollten die
genannten Veränderungen den Wertbeitrag der Beschaffung erhöhen.
Als Folge der beschriebenen Tendenzen wird der operative Einkäufer an Bedeutung
verlieren, es wird weniger Einkäufer, aber solche mit einem höheren Qualifikationsni-
veau, geben. Die Prognosen stimmen darin überein, dass der persönliche Kontakt mit
den Lieferanten und zu den anderen Partnern in der Supply Chain bedeutsam bleibt.
Als neue geforderte Fähigkeiten werden u.a. jene zum Schnittstellenmanager und
Berater, zum Datenanalysten und zum Innovationsscout genannt. Der Beschaffungsbe-
reich ist also auch in Zukunft ein herausforderndes und spannendes Tätigkeitsfeld.
Z U S A M M E N F A S S U N G
Das Aufgabenfeld der Beschaffung ist vielfältig und hängt im Wesentlichen von
der Art und Menge der zu beschaffenden Produktionsfaktoren (Objekte) ab. Die
Beschaffung beginnt mit der Bedarfsermittlung und endet mit dem Beschaffungs-
controlling. An diesen Prozessen wirken interne (insbesondere Bedarfsträger und
Beschaffungsspezialisten) sowie externe Institutionen (insbesondere Lieferanten)
auf unterschiedlichen Transformationsebenen mit. Die dominanten Beschaf-
fungsziele sind die Versorgungssicherheit und die Versorgungswirtschaftlichkeit,
deren Erreichung den Unternehmenserfolg wesentlich beeinflusst.
Z U S A M M E N F A S S U N G
146
7.5 Übungsfragen
7.5 Übungsfragen
1. Nennen Sie die Objekte der Beschaffung und geben Sie jeweils ein Beispiel
an.
2. Erläutern Sie die Prozesse der Beschaffung.
3. Geben Sie für die folgenden Prozesse die jeweils zutreffende Transformations-
ebene an.
Transformationsebene
Finanze- Dispositive
Güterebene
bene Ebene
Prozesse
Bedarfsermittlung
Lieferantenbeurteilung
Anlieferung + Lagerung
Bestandsrechnung + Rechnungsprüfung
Rechnungserledigung (Bezahlung)
147
Die Bedarfsermittlung
ÜBERBLICK
8.3 Die verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung . . . . . 160
8.4 Schätzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
8.5 Übungen und Übungsfragen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
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8 Die Bedarfsermittlung
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8.1 Grundbegriffe und vorbereitende Maßnahmen
Neben dem Unterschied von Primär-, Sekundär- und Tertiärbedarf ist die Unterschei-
dung von Brutto- und Nettobedarf zu beachten.
Der Bruttobedarf ist die Summe aus Sekundär- bzw. Tertiärbedarf unter Berück-
sichtigung des Zusatzbedarfs (für Ausschuss etc.). Der Bruttobedarf umfasst die von
der Produktion in einer Periode benötigte Menge. Er ist vom Nettobedarf zu unter-
scheiden.
Den Nettobedarf (Bestellbedarf) erhält man, wenn man den Bruttobedarf um die
Lagerbestände, die Vormerkbestände (erwartete Lagerabgänge) und die offenen
Bestellungen (erwartete Lagerzugänge) korrigiert.
Das folgende Beispiel zeigt die Ermittlung der verschiedenen Bedarfsarten in der
Möbelfertigung. Der Tertiärbedarf (Farbe) wird im Beispiel nicht weiter spezifiziert, da
dieser Hilfsstoff auch für andere Möbelprodukte benötigt wird.
Tertiärbedarf
0,3 Liter Farbe weiß 1.500 Liter
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8 Die Bedarfsermittlung
Materialarten. Das Beispiel ist fiktiv und wurde so gewählt, dass sich eine eindeutige
Klassifikation der Materialarten ergibt.
Die ABC-Analyse erfolgt in vier Schritten:
1. Schritt: Erfassen von Menge und Wert je Materialart und Ermittlung des Gesamt-
werts (absolut und relativ).
2. Schritt: Vergabe von Rangziffern entsprechend der Wertanteile der Materialarten
(1 steht für den höchsten Wertanteil).
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8.1 Grundbegriffe und vorbereitende Maßnahmen
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8 Die Bedarfsermittlung
Tabelle 8.2: ABC Analyse: Rangreihung nach dem Wertanteil und Klassenbildung (in der Tabelle treten Rundungsdiffe
renzen auf.)
In unserem Beispiel entfallen jeweils 6,67% auf die insgesamt fünfzehn Materialarten.
Bei der ABC-Analyse kann neben dem relativen Anteil an der Anzahl der Materia-
lien (Materialarten) auch der relative Anteil an der Gesamtmenge verwendet werden.
4. Schritt: Grafische Darstellung.
Das Ergebnis der ABC-Analyse wird in Form eines Diagramms (siehe
Abbildung 8.2) oder in einer Summenkurve (sog. Lorenzkurve) dargestellt.
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8.1 Grundbegriffe und vorbereitende Maßnahmen
Wertanteil
A
69,9%
B
20,3%
C
9,8%
13,3%
20,0%
Anteil Materialarten 66,7%
Abbildung 8.2: Grafische Darstellung der ABC-Analyse
auf das Betriebsergebnis mit jeweils zwei Ausprägungen (gering, groß). Das ergibt eine
Vier-Felder-Matrix mit unterschiedlichen Materialbeschaffungsstrategien, wie die fol-
gende Abbildung zeigt.
Groß
Einfluss auf das Betriebsergebnis
Strategisch
Hebel- bedeutsame
materialien Materialien
Unkritische Engpass-
Materialien materialien
Gering
Gering Groß
Beschaffungsrisiko
Abbildung 8.3: Materialklassifikation mithilfe der Portfolio-Methode
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8 Die Bedarfsermittlung
Für unkritische Materialien gilt, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Die
Wirtschaftlichkeit kann durch Ausreizen der Verhandlungsposition verbessert wer-
den. Im Übrigen genügt für diese Materialklasse (meist C-Teile) eine Grobplanung.
Bei strategisch bedeutsamen Materialien empfiehlt sich eine sog. Investitionsstrate-
gie. Im Interesse der Versorgungssicherheit werden höhere Bestände und höhere
Beschaffungspreise in Kauf genommen. Zusätzlich empfehlen sich langfristige, part-
nerschaftliche Beziehungen zu den Lieferanten ebenso wie Anstrengungen zur Materi-
alsubstitution. Strategisch bedeutsame Materialien erfordern wegen ihres hohen
Beschaffungsrisikos und ihres großen Einflusses auf das Betriebsergebnis eine inten-
sive Beobachtung und exakte Bedarfsprognosen.
Für die verbleibenden Materialklassen sind Kompromisse zwischen Versorgungswirt-
schaftlichkeit und -sicherheit zu schließen (selektive Strategie). Bei Engpassmateria-
lien sind eine intensive Beobachtung und exakte Bedarfsprognosen im Hinblick auf
die Versorgungssicherheit wichtig, obwohl ihre Relevanz für das Betriebsergebnis
geringer ist. Auf Hebelmaterialien ist vor allem bei den Preisverhandlungen mit Liefe-
ranten zu achten, weil sie die Versorgungswirtschaftlichkeit stark beeinflussen.
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8.2 Die programmorientierte Bedarfsermittlung
1 11 Unterkasten
1 13 Oberteil komplett
1 15 Vorgelege komplett
1 18 Antriebswelle komplett
16 27 Schraube
1 32 Antriebswelle komplett
2 40 Welle komplett
1 46 Mittelkasten
3 49 Lager
4 52 Lager
2 71 Welle
2 73 Passfeder
2 75 Schraube
1 77 Welle
1 79 Zahnrad
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1 81 Zahnrad
1 88 Oberkasten
1 94 Zahnrad
1 98 Zahnrad
Der Gozinto-Graph wird aus dem Konstruktionsplan abgeleitet und stellt die Struktur
eines Erzeugnisses grafisch durch Gliederung in Baugruppen oder Fertigungsstufen
auf verschiedenen Ebenen mit Verbindungslinien (Kanten) dar. Der Name Gozinto ist
eine Verballhornung von „(the part that) goes into“. Im Gozinto-Graph erkennt man
leichter als in der Strukturstückliste, dass Teile bzw. Baugruppen verschiedenen Ebe-
nen der Erzeugnisstruktur angehören (z.B. die Teile 40 und 52 in die Baugruppen 18
und 32). Der Gozinto-Graph in der folgenden Abbildung basiert auf der Strukturstück-
liste für das Getriebe ( Abbildung 8.4).
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8 Die Bedarfsermittlung
1 1 8 1 1
11 13 18 15
1 1 1 8 2 1 1 1 1 1 3
46 88 32 27 81 77 94 79 49
1 2 1
98
98 52
52 40
40
1 1 1
71 73 75
Abbildung 8.4: Gozinto-Graph eines Getriebes
plett wiederum je 100 Wellen komplett, 100 Zahnräder und 200 Lager benötigt.
Die Verwaltung der Strukturstücklisten wird mit zunehmender Komplexität der
Erzeugnisse (Vielzahl von Fertigungsstufen bzw. komplexe Teile und Baugruppen)
immer aufwendiger. Baukastenstücklisten lösen dieses Problem, indem pro Stückliste
stets nur eine Fertigungsstufe dokumentiert wird. Aus einer großen Stückliste entste-
hen auf diese Weise viele kleine, leichter zu wartende Stücklisten (siehe Abbildung
8.5). Allerdings kann man aus einer einzelnen Baukastenstückliste den Zusammen-
hang zwischen den jeweils aufgelisteten Baugruppen und Teilen mit dem Endprodukt
nicht mehr erkennen.
In der Baubranche wird die Stückliste mit BIM (Building Information Modeling) zu
einem digitalen Vollmodell erweitert. Jedes Gebäudeteil (z.B. Wände, Fenster, Türen)
hat ein digitales Äquivalent („digitaler Schatten“) mit den entsprechenden physi-
schen und logischen Attributen und ist durch einen Primärschlüssel eindeutig identi-
fiziert. Die Sonderwünsche und Spezifikationen des Modells werden mit den
(Vor-)Lieferanten ausgetauscht und wechselseitig aktualisiert, was die Qualität, Ter-
mintreue und den Informationsaustausch verbessert. Zusätzlich hinterlegte wichtige
Informationen wie Standort, Zeit und Kosten steigern die Effizienz der Prozesse. Wei-
tere Informationen zu BIM finden sich unter www.buildingsmart.de.
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8.2 Die programmorientierte Bedarfsermittlung
1 2 3 4
x 1 13 Oberteil komplett
x 1 46 Mittelkasten
x 1 88 Oberkasten
x 8 27 Schraube
x 1 32 Antriebswelle komplett
x 1 98 Zahnrad
x 2 52 Lager
x 1 40 Welle komplett
x 1 71 Welle
x 1 73 Passfeder
x 1 75 Schraube
x 8 27 Schraube
x 1 18 Antriebswelle komplett
x 1 81 Zahnrad
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x 2 52 Lager
x 1 40 Welle komplett
x 1 71 Welle
x 1 73 Passfeder
x 1 75 Schraube
x 1 11 Unterkasten
x 1 15 Vorgelege komplett
x 1 77 Welle
x 1 94 Zahnrad
x 1 79 Zahnrad
x 3 49 Lager
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8 Die Bedarfsermittlung
Sach-Nr. 10 Bezeichnung:Getriebe
1 Bezeichnung: Getriebe
Stück Sach-Nr. Bezeichnung
1 18 Antriebswelle kpl.
8 27 Schraube
1 13 Oberteil kpl.
1 11 Unterkasten
1 15 Vorgelege kpl.
Sach-Nr. 15 Bezeichnung: Vorgelege kpl. Sach-Nr. 13 Bezeichnung: Oberteil kpl. Sach-Nr. 18 Bezeichnung: Antriebswelle kpl.
Stück Sach-Nr. Bezeichnung Stück Sach-Nr. Bezeichnung Stück Sach-Nr. Bezeichnung
1 77 Welle 1 46 Mittelkasten 1 40 Welle kpl.
1 94 Zahnrad 1 32 Antriebswelle kpl. 1 81 Zahnrad
1 79 Zahnrad 1 88 Oberkasten 2 52 Lager
3 49 Lager 8 27 Schraube
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8.3 Die verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung
Diese Unterscheidung ist auch für die Wahl der Bestellpolitik relevant (vgl.
Abschnitt 11.4).
X konstant
X Trend
Y saisonal
Z unregelmäßig
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24
Periode
Abbildung 8.6: Bedarfsverläufe von XYZ-Gütern
Für die mathematische Modellierung des Bedarfsverlaufs gibt es eine Vielzahl von
Verfahren. Einfache Berechnungsmethoden arbeiten mit Mittelwerten oder mit Glät-
tungsfaktoren. Sie beruhen auf der Annahme, dass der Mittelwert des Verbrauchs in
der Vergangenheit ein brauchbarer Indikator für den zukünftigen Bedarf ist (Zukunft
als Durchschnitt der Vergangenheit).
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i Zählindex
G Gewichtungsfaktor in Prozent
Der arithmetische Mittelwert wird aus den Einzelwerten aller bisherigen Perioden
errechnet.
1 t
Vt+1 = ∑T
t i=1 i
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8 Die Bedarfsermittlung
Die Verfahren der exponentiellen Glättung arbeiten mit einem Glättungsfaktor α zur
Anpassung der zukünftigen an die früheren Verbrauchsmengen. Die Methode der
exponentiellen Glättung 1. Ordnung liefert brauchbare Ergebnisse, wenn die Vergan-
genheitswerte um einen Mittelwert schwanken, also bei schwachen Trend- oder
Saisoneinflüssen.
i Ti Vorhersage (Vt) Prognosefehler Vorhersage (Vt) Prognosefehler Vorhersage (Vt) Prognosefehler Vorhersage (Vt) Prognosefehler
1 315 - - - - - - - -
2 325 - - - - - - - -
3 318 320,0 2,0 - - - - - -
4 321 319,3 -1,7 - - - - - -
5 327 319,8 -7,3 - - - - 325,0* -2,0
6 316 321,2 5,2 321,2 5,2 322,9 6,9 325,2 9,2
7 318 320,3 2,3 321,4 3,4 320,4 2,4 324,3 6,3
8 320 320,0 0,0 320,0 0,0 319,6 -0,4 323,7 3,7
9 301 320,0 19,0 320,4 19,4 319,5 18,5 323,3 22,3
10 280 317,9 37,9 316,4 36,4 312,0 32,0 321,1 41,1
11 292 314,1 22,1 307,0 15,0 298,9 6,9 317,0 25,0
12 296 312,1 16,1 302,2 6,2 294,9 -1,1 314,5 18,5
13 304 310,8 6,8 297,8 -6,2 293,5 -10,5 312,6 8,6
14 310 310,2 0,2 294,6 -15,4 297,1 -13,0 311,8 1,8
15 298 310,2 12,2 296,4 -1,6 302,4 4,4 311,6 13,6
*geschätzter Anfangswert
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8.4 Schätzungen
8.4 Schätzungen
Schätzungen und heuristische Methoden werden für die Bedarfsermittlung herange-
zogen, wenn die Voraussetzungen für die Anwendung programmorientierter bzw. ver-
brauchsorientierter Verfahren fehlen. Die sog. Analogschätzung basiert auf den Ver-
brauchsmengen artverwandter Güter, d.h., man unterstellt einen ähnlichen
Bedarfsverlauf. Zum Beispiel unterstellt man für Muttern einen ähnlichen Bedarfsver-
lauf wie für Schrauben und Unterlegscheiben. Die sog. Intuitivschätzung verzichtet
auf Rechenverfahren und stützt sich auf einfache Heuristiken („Faustregeln“, z.B. für
die Ermittlung von Schwund und Ausschuss). Die geringe Prognosegenauigkeit der
Schätzung kann vor allem bei Gütern mit kurzer Beschaffungszeit bzw. mit niedrigem
Wert (C-Güter) toleriert werden.
Z U S A M M E N F A S S U N G
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Ziel der Bedarfsermittlung ist die zeitgerechte und exakte Feststellung der benö-
tigten Güter und Dienstleistungen, um die Versorgungssicherheit und die
Versorgungswirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Bei A- und B-Gütern sowie bei
Materialien mit großem Beschaffungsrisiko empfiehlt sich die programmorien-
tierte Bedarfsermittlung, bei C-Gütern und Materialien mit geringem Beschaf-
fungsrisiko die verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung oder die Schätzung. Bei
programmorientierten Verfahren wird der Bedarf auf Basis von Stücklisten ermit-
telt (sog. analytische Bedarfsauflösung). Die verbrauchsorientierte Bedarfsermitt-
lung basiert auf Verbrauchswerten aus der Vergangenheit. Schätzungen und heu-
ristische Methoden werden verwendet, wenn die Voraussetzungen für die
Anwendung exakterer Verfahren fehlen. Die Verfahren können auch kombiniert
werden, z.B. durch die Verwendung von verbrauchsorientierten Verfahren für
lange und von programmorientierten Verfahren für mittlere und kurze Prognose-
zeiträume.
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8 Die Bedarfsermittlung
Rückwand 150 20 30
1. Berechnen Sie den Primärbedarf (netto) des Regals „Silvia“ unter Berücksichti-
gung des Lagerbestands.
2. Berechnen Sie den Nettobedarf der Seitenwände, Regalfächer bzw. Boden-/
Deckplatten und der Rückwände. Hinweis: Um den Nettobedarf ermitteln zu
können, müssen Sie zunächst den Bruttobedarf der Einzelteile berechnen.
3. Berechnen Sie den Nettobedarf der Buchenholz-Platten.
Übung 2: ABC-Analyse
Sie sind der Einkaufsleiter eines mittelständischen Produktionsbetriebs mit dem
unten angegebenen Einkaufsvolumen im letzten Jahr. Welche Materialarten ver-
langen einen besonders hohen Dispositionsaufwand? Treffen Sie eine Auswahl
auf Basis einer ABC-Analyse.
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8.5 Übungen und Übungsfragen
A-305 1.000 60
A-306 750 95
A-307 50 750
A-308 30 900
Übung 3: Stücklisten
Die BHR Maschinenbau GmbH konstruiert eine Maschine M 1, die aus zwei
Baugruppen BG 32, zwei Baugruppen BG 88 und einer Baugruppe BG 40 besteht.
Die Baugruppe BG 32 besteht aus:
1 Stück BG 40
4 Stück Einzelteil (EZ) 45
2 Stück EZ 48
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8 Die Bedarfsermittlung
Periode (= Monat) 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Gewichtungskoeffizienten
Übungsfragen
1. Nach welchen Kriterien werden Güter im Rahmen der ABC-Analyse klassifi-
ziert?
2. Nach welchen Kriterien werden Güter im Rahmen der XYZ-Analyse klassifi-
ziert?
3. Erklären Sie die Begriffe Primär-, Sekundär- und Tertiärbedarf.
4. Worin unterscheiden sich die programmorientierte und die verbrauchsorien-
tierte Bedarfsermittlung?
5. Welche Arten von Stücklisten gibt es (mit kurzer Erläuterung)?
6. Vergleichen Sie den trendmäßig steigenden und den saisonabhängigen Be-
darfsverlauf anhand von Beispielen.
Lösungen zu den Übungsfragen und weiterführende Materialien finden Sie auf der
Website zum Buch unter www.pearson-studium.de.
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Die Beschaffungsmarkt-
forschung
ÜBERBLICK
9.4 Übungsaufgaben und Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . 173
9 Die Beschaffungsmarktforschung
In Kapitel 8 konzentrierte sich die Betrachtung auf die Bedarfsermittlung und damit
auf die unternehmensinternen Bedarfsträger. Demgegenüber beschäftigt sich die
Beschaffungsmarktforschung mit unternehmensexternen Aspekten, dem Beschaf-
fungsmarkt. Allerdings hängen die beiden Teilaufgaben der Beschaffung eng zusam-
men, weil die Bedarfsermittlung den Rahmen für die Marktforschungsaktivitäten vor-
gibt. Von den Ergebnissen der Beschaffungsmarktforschung hängt es wiederum ab, ob
der Bedarf am Markt gedeckt wird oder ob die benötigten Güter und Dienstleistungen
intern erzeugt werden, d.h. ob man sich für Make (Eigenerstellung) oder für Buy
(Fremdbezug) entscheidet (siehe Kapitel 10). Schließlich sind die Ergebnisse der
Beschaffungsmarktforschung auch für das Lieferantenmanagement von Interesse, ins-
besondere für die Lieferantenauswahl und die Lieferantenbeurteilung. Die folgende
Abbildung soll diesen Zusammenhang verdeutlichen. Eine einmal getroffene Ent-
scheidung (für Make bzw. Buy oder einen bestimmten Lieferantenkreis) muss infrage
gestellt werden, wenn die Beschaffungsmarktforschung wesentliche Veränderungen
auf dem Beschaffungsmarkt erkennen lässt.
Bedarfs- Beschaffungs-
Make or Buy
ermittlung marktforschung
Definition
Unter Beschaffungsmarktforschung versteht man die systematische Ermittlung
des aktuellen und des zukünftigen Lieferangebots hinsichtlich aller relevanten
Merkmale (Sortiment, Menge/Zeiteinheit, Preis, Know-how, Konditionen).
2. Auswahl der zu
1. Auswahl der 3. Methoden und 4. Auswertung
erhebenden Daten
Untersuchungsobjekte Quellen und Darstellung
und Kriterien
168
9.1 Definition, Ziele und Bedeutung
169
9 Die Beschaffungsmarktforschung
Potenzielle Liefe-
ranten/Märkte Alte, bewährte Angrenzende Lie- Neue Lieferanten/
Lieferanten/
feranten/Märkte Märkte
Bedarfsobjekte Märkte
Die Tabellen zeigen, dass insbesondere in den Fällen „Neue Aufgabe (New Task)“ bzw.
„Neue Bedarfsobjekte sowie neue Lieferanten/Märkte“ ein sehr hoher Informationsbe-
darf bzw. eine „Beschaffungsinnovation“ vorliegt, die eine entsprechend intensive
Marktforschung rechtfertigen.
9.2 Objekte
Objekte der Beschaffungsmarktforschung sind die Beschaffungsgüter und deren
Preise, die Lieferanten und der Markt (gilt analog für Dienstleistungen).
Die Beschaffungsgüter müssen hinsichtlich ihrer Beschaffenheit und Verwendung
untersucht werden. Oftmals stellen die Bedarfsträger zu hohe Ansprüche an die
Qualität („vergoldet“) und an die Verfügbarkeit („gestern“), was sich negativ auf die
170
9.3 Methoden
9.3 Methoden
Die Methoden der Beschaffungsmarktforschung werden nach den Kriterien Häufigkeit
und Datenquellen differenziert. Dementsprechend unterscheidet man zwischen Marktbe-
obachtung und -analyse einerseits sowie Primär- und Sekundärforschung andererseits.
Die ständige Marktbeobachtung der Mengen-, Preis- und Qualitätsentwicklung sowie
der Anbieterstruktur (z.B. Marktanteile) der relevanten Beschaffungsmärkte soll Ent-
wicklungen im Zeitablauf aufzeigen, damit Unternehmen zeitgerecht und in geeigne-
ter Weise reagieren können. Die Marktbeobachtung baut einerseits auf Erkenntnissen
der Marktanalyse auf und liefert andererseits Hinweise für die Schwerpunkte von
Marktanalysen.
Anlassbezogene Marktanalysen zeigen die Marktstrukturen zu einem gegebenen Zeit-
punkt. Interne Anlässe für Marktanalysen sind z.B. die Unzufriedenheit mit den der-
zeitigen Lieferanten, Produktinnovationen oder Reorganisationen. Externe Anlässe für
eine Marktanalyse sind insbesondere:
Unvorhergesehene Angebotsverknappungen, z.B. als Folge politischer Umwälzun-
gen oder Naturkatastrophen
Der Ausfall von Stammlieferanten
Das Auftreten neuer Wettbewerber und Lieferanten
Technologischer Wandel (Produkt- oder Verfahrensinnovationen)
Umweltveränderungen (Haftungsrichtlinien, Umweltgesetze)
171
9 Die Beschaffungsmarktforschung
Z U S A M M E N F A S S U N G
Z U S A M M E N F A S S U N G
172
9.4 Übungsaufgaben und Übungsfragen
173
9 Die Beschaffungsmarktforschung
Übungsfragen
1. Erläutern Sie den Zusammenhang der Beschaffungsmarktforschung mit der
Bedarfsermittlung und der Make-or-Buy-Entscheidung.
2. Nennen Sie fünf Datenquellen für die primäre Beschaffungsmarktforschung.
3. Welche Vorteile ergeben sich aus der Nutzung des Internets für die Beschaf-
fungsmarktforschung?
Lösungen zu den Übungsfragen und weiterführende Materialien finden Sie auf
der Website zum Buch unter www.pearson-studium.de.
174
Make or Buy
ÜBERBLICK
10.3 Entscheidungsinstrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
10.3.1 Die Break-Even-Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
10.3.2 Das Make-or-Buy-Portfolio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
10.3.3 Die Investitionsrechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
10.3.4 Checklisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
10.4 Übungsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186
10 Make or Buy
Die Aussage „Wir machen nur das, was wir besser können als andere“ verdeutlicht,
dass es bei Make-or-Buy-Entscheidungen um die Arbeitsteilung zwischen den Abneh-
mern und den Lieferanten geht. In vielen Branchen ist ein eindeutiger Trend zur
Reduzierung der Fertigungstiefe (der Zahl der Fertigungsstufen) und zur Erhöhung
des Zukaufanteils, d.h. zum Fremdbezug, erkennbar. Obwohl diese Trends für ganze
Branchen gelten, bezieht sich die Entscheidung Make or Buy immer auf einzelne
Güter und Dienstleistungen.
100%
80%
80% 72,5% 75%
65%
60%
50%
40%
30%
20%
0%
Entwicklungsanteil Fertigungsanteil Gesamt
Abbildung 10.1: Prognose der Wertschöpfungsanteile der Zulieferer in der Automobilindustrie1
Zur Bedeutung ist festzustellen, dass sich Outsourcing seit den 90er-Jahren des vori-
gen Jahrhunderts zu einem der mächtigsten Trends mit nach wie vor starkem Wachs-
tumspotenzial entwickelt hat. Die Entscheidung über Make or Buy von Gütern und
Dienstleistungen hat wegen ihres Potenzials zur Kostensenkung und zur Qualitätsstei-
gerung und den damit verbundenen Wettbewerbsvorteilen den Stellenwert einer stra-
tegischen Entscheidung.
Die Beschaffungsspezialisten nehmen maßgeblichen Einfluss auf die Make-or-Buy-
Entscheidung. Das hat zur Bedeutungsaufwertung eines Bereichs geführt, der früher
oft abschätzig als „Bestellbüro“ bezeichnet wurde, weil er vielfach nur Hilfsfunktio-
nen für die Bedarfsträger wahrnahm. Heute ist der Beschaffungsbereich in vielen
Unternehmen zur „Know-how-Drehscheibe“ geworden, welche die zukünftige Struk-
tur des Unternehmens entscheidend mitbestimmt, indem die Wertschöpfungsaktivitä-
176
10.1 Bedeutung und Varianten
ten eines Unternehmens hinterfragt und mit den am Markt angebotenen Leistungen
verglichen werden.
Varianten der Make-or-Buy-Entscheidung ergeben sich aufgrund unterschiedlicher
Anlässe, Objekte und Ausmaße.
Die Anlässe unterscheiden sich, je nachdem, ob es sich um eine Erst- oder um eine
Folge-Entscheidung handelt:
Erst-Entscheidung: Häufiger Anlass für die erstmalige Entscheidung über Eigenfertigung
oder Fremdbezug ist ein neuer oder zusätzlich auftretender Bedarf an Gütern oder Dienst-
leistungen. Erst-Entscheidungen sind bei der Firmengründung, bei einer Sortimentserwei-
terung oder einer Verlagerung der Produktionsstandorte des Abnehmers im Zuge der
Internationalisierung bzw. Globalisierung des Unternehmens zu treffen.
Folge-Entscheidung: Eine früher getroffene Entscheidung für Eigenfertigung oder
Fremdbezug ist bei folgenden Anlässen infrage zu stellen:
Fokussierung des Abnehmers auf seine Kernkompetenzen
Veränderung der Beschäftigungslage auf dem Beschaffungsmarkt, beziehungsweise
beim Abnehmer
Änderungen der Kosten der Eigenfertigung bzw. des Fremdbezugs
Veränderung der Liquiditätslage des Abnehmers
Veränderte Qualitäts- und Flexibilitätsanforderungen
Verschlechterung der Lieferzuverlässigkeit, z.B. sich häufende Terminüberschrei-
tungen oder Qualitätsmängel
Auslaufen von Lieferverträgen
Markteintritt neuer bzw. Marktaustritt derzeitiger Lieferanten
Ein namhafter Hersteller von Druckern begründet seine Entscheidung zum Outsourcing
wesentlicher logistischer Funktionen an Kühne + Nagel vor allem mit der Fokussierung
auf seine Kernkompetenz in der Drucktechnologie (vgl. Fallstudie Kühne + Nagel).
Der Backwaren-Hersteller „Der Mann“ hat die Mehlversorgung an seinen Lieferanten
übertragen, der selbstständig ein eigenes Silo auf dem Gelände des Herstellers betreibt
und damit für das Mehl verantwortlich ist (vgl. Fallstudie „Der Mann“).
Objekte von Make-or-Buy-Entscheidungen sind alle Arten von Gütern (Roh-, Hilfs-
und Betriebsstoffe, Teile oder Baugruppen) und Dienstleistungen. Bei Letzteren wird
ein besonders großes Outsourcing-Potenzial geortet, insbesondere:
Bei IT-Dienstleistungen (z.B. Hardware-Wartung)
Bei Human-Resources-Dienstleistungen (z.B. Aus- und Weiterbildung)
Beim Engineering (z.B. die Vergabe von Entwicklungsleistungen an Lieferanten
oder an Ingenieurbüros)
Bei der Logistik (z.B. die Lagerhaltung durch externe Logistikdienstleister oder das
Flottenmanagement durch spezialisierte Dienstleister)
Bei der Distribution (z.B. Einschaltung von Vertriebsgesellschaften)
Beim Facility Management (z.B. Sicherheitsdienste, Reinigungs- und Instandhal-
tungsarbeiten)
177
10 Make or Buy
Bei der Beschaffung (z.B. die Übertragung des Einkaufs geringwertiger Güter an
Einkaufsverbände oder die Wahrnehmung der Beschaffungsmarktforschung durch
Marktforschungsinstitute)
An dieser Stelle ist auf zwei Besonderheiten des Dienstleistungseinkaufs hinzuwei-
sen, nämlich die gesteigerten Anforderungen an die Spezifizierung der Leistung und
die Bedeutung von Service Level Agreements. Was die Spezifizierung betrifft, zeigt
die Erfahrung, dass sie häufig vernachlässigt und nicht hinreichend detailliert wird.
Es empfiehlt sich deshalb, potenzielle Lieferanten in den Prozess der Spezifizierung
einzubeziehen und die damit verbundenen Verzögerungen in Kauf zu nehmen. Bei
der Spezifizierung ist auch danach zu unterscheiden, ob die zugekaufte Leistung vom
Abnehmer oder von Kunden des Abnehmers empfangen wird. Letzteres gilt zum Bei-
spiel für Wartungsleistungen und für das Beheben von Störungen, welche die Herstel-
ler bzw. Betreiber von Investitions- oder langfristigen Konsumgütern an spezialisierte
Dienstleister vergeben.
Die Vereinbarungen mit den Dienstleistungslieferanten werden in Form von Service
Level Agreements (SLA) fixiert. Sie stellen Vereinbarungen über die gewünschte Qua-
lität der Leistung dar. Wichtig ist, die vereinbarten Leistungen durch Maßgrößen zu
definieren, die alle wesentlichen Aspekte der Leistung abdecken. Letztlich leiten sich
die Qualitätskriterien und -maße aus den Anforderungen der Bedarfsträger (interne
Kunden) bzw. der Kunden ab. In der Fallstudie Kühne + Nagel (vgl. Fallstudie Kühne
+ Nagel) darf beispielsweise der Anteil fristgerechter Auftragserledigungen (orders on
time) 95 Prozent nicht unterschreiten. Im Falle von Wartungsarbeiten und Störungsbe-
hebungen könnte die durchschnittliche Dauer bis zur Wiederinbetriebnahme berück-
sichtigt werden. Je nach Erfüllungsgrad kommt es zu Zu- und Abschlägen beim ver-
einbarten Entgelt.
Make or Buy unterscheidet sich schließlich im Ausmaß:
Reiner Fremdbezug: In diesem Fall wird auf die Eigenfertigung völlig verzichtet,
d.h., bestimmte Güter/Dienstleistungen werden ausschließlich fremdbezogen. Eine
Sonderform des reinen Fremdbezugs ist der Kauf von Produkten (Handelswaren)
zur Sortimentserweiterung und zur Entlastung der eigenen Kapazität. Dieser Fall
trifft auf die Firma Kühne + Nagel zu, die vom Druckerhersteller nicht nur mit
Lagerung und Transport (Distribution) betraut wurde, sondern unter anderem auch
mit Montagearbeiten sowie mit der Kommissionierung und Verpackung.
Reine Eigenfertigung: In diesem Fall wird bei bestimmten Gütern und Dienstleis-
tungen auf die Einschaltung von Lieferanten verzichtet, d.h., es gibt keinen Fremd-
bezug.
Mischformen aus Eigenfertigung und Fremdbezug: Bestimmte Güter und Dienst-
leistungen werden sowohl selbst erstellt als auch fremdbezogen, wobei jeweils das
Verhältnis von selbst gefertigter und zugekaufter Menge bestimmt werden muss.
Bei unternehmensweiter Betrachtung liegt immer eine Mischform vor, da sich kein
Unternehmen bei allen Gütern und Dienstleistungen für reinen Fremdbezug oder
reine Eigenfertigung entscheiden wird.
Im Folgenden präsentieren wir je ein markantes Beispiel für die Eigenfertigung und
für den Fremdbezug, beide aus der Automobilindustrie. Die im Beispiel der Ford-
Werke River Rouge dargestellte Eigenfertigung durch vertikale Konzentration aller
Wertschöpfungsaktivitäten vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt galt lange Zeit als vor-
178
10.1 Bedeutung und Varianten
bildlich. Dagegen ist für die moderne Automobilfertigung der hohe Fremdbezugsan-
teil wie im Beispiel „MAN Resende“ typisch.
Hauptmontage – Zusammenführen
von Karosserie + Motorblock
Auslieferung
Reifenproduktion
Werkzeug- und
Maschinen-
produktion Motorblock-
erzeugung
Stahlpressung
Schiffs-Dock
Stahlerzeugung
Eisenbahn-
anbindung
500 m
2
Abbildung 10.2: Gesamtansicht Ford-River-Rouge-Komplex
179
10 Make or Buy
illustrativ
Carese
Powertrain Lackierung
AKC
Motoren, Getriebe
Fahrerhaus-
Montage
Remon
Räder/Reifen e l
Tei
Meritor
Fahrwerk/
Te
e il
Federung
Te
e
ile
il
Te
Hauptfertigungs- ile
linie Te
VDO
Endmontage Kabine
und Innenraum
Prüfung
en
ag
w
e
ks
il
l
Te
Vo
Versuch/Kontrolle
IOCHPE-Maxion
Fahrgestell-Module
Abbildung 10.3: MAN-Werkslayout Resende3
180
10.2 Entscheidungskriterien
10.2 Entscheidungskriterien
Bei der Make-or-Buy-Entscheidung sind eine Reihe von Kriterien zu berücksichtigen:
Kernkompetenz/Unternehmensstrategie: Unter Kernkompetenzen versteht man
einzigartige, nicht imitierbare und nicht substituierbare Ressourcen eines Unter-
nehmens, die dauerhafte Wettbewerbsvorteile sichern. Leistungen im Zusammen-
hang mit den Kernkompetenzen sollten selbst erstellt werden (Konzentration auf
Kernkompetenzen). Umgekehrt empfiehlt es sich, Leistungen, die nicht auf den
Kernkompetenzen eines Unternehmens basieren, an Lieferanten zu vergeben. Das
gilt insbesondere für sog. Supportprozesse wie die Informationsverarbeitung. Stra-
tegische Programme wie „Lean Production“ haben zu einer wesentlichen Reduzie-
rung der Fertigungstiefe und damit zu einer Erhöhung des Fremdbezuganteils
geführt. Auch Bestrebungen, Lieferanten im Zuge von Gegengeschäften oder in
Exportmärkten die lokalen Lieferanten zu berücksichtigen („Local Content“), füh-
ren zu einer Erhöhung des Fremdbezuganteils.
Kosten: Bei der Eigenfertigung fallen Kosten für Material, Löhne und Gehälter
sowie für Abschreibungen auf Fertigungs-, Transport- und Lagereinrichtungen an.
Die Kosten des Fremdbezugs ergeben sich aus den Lieferpreisen, den Kosten des
Wareneingangs und der Kontrolle sowie der Einsteuerung der Fremdteile. Outsour-
cing bedeutet vielfach eine Kostensenkung, jedenfalls eine Variabilisierung von
Fixkosten.
Höhe und Regelmäßigkeit des Bedarfs: Vielfach wird der Grundbedarf (längerfris-
tig gleichbleibender Bedarf) durch Eigenfertigung gedeckt, während geringer oder
nur sporadisch auftretender Bedarf durch Fremdbezug gedeckt wird.
Qualitative und quantitative Produktionskapazität des Abnehmers: Die jeweils
verfügbare Kapazität ist kurz- bis mittelfristig meist unveränderlich und limitiert
die Eigenfertigung. Rechtliche Bindungen (z.B. Liefer- bzw. Beschäftigungsverträge,
Patente/Lizenzen) können die Eigenerzeugung bzw. den Fremdbezug erschweren
bzw. verhindern. Die Furcht vor Qualitätsproblemen ist ein häufiges Argument
contra Outsourcing.
Autonomie: Fremdbezug setzt häufig die Preisgabe von Know-how an die Lieferan-
ten voraus, z.B. durch Bereitstellung von Konstruktionsunterlagen. Daraus kann
eine Abhängigkeit vom Lieferanten bzw. die Gefahr entstehen, einen potenziellen
Konkurrenten zu „züchten“. Eigenfertigung wird deshalb oft damit begründet,
einen unbeabsichtigten Know-how-Abfluss zu vermeiden.
Lieferangebot/Marktmacht: Fremdbezug setzt ein ausreichendes Lieferangebot hin-
sichtlich Qualität und Menge voraus. Dabei ist zu beachten, dass mit steigendem
Fremdbezugsanteil auch die Qualität zunehmend vom Lieferanten abhängt. Hohe
Qualitäts-, Mengen- und Terminrisiken auf dem Beschaffungsmarkt sind – insbe-
sondere im Falle weniger potenzieller Lieferanten und bei geringer Marktmacht des
Abnehmers – oft das ausschlaggebende Argument für die Eigenfertigung.
Kapitalbedarf: In finanzwirtschaftlich angespannten Situationen (Kapitalknapp-
heit bzw. hohe Zinskosten) ist der Kapitalbedarf ein wichtiges Kriterium. Eine
Ausweitung des Fremdbezugs vermindert den Kapitalbedarf für Ersatz- bzw.
Erweiterungsinvestitionen.
181
10 Make or Buy
10.3 Entscheidungsinstrumente
Geläufige Instrumente der Entscheidung über Make or Buy sind die Break-Even-Ana-
lyse, das Make-or-Buy-Portfolio, die Investitionsrechnung, die Nutzwertanalyse
(Punktbewertung, siehe Abschnitt 12.3.3) und Checklisten.
Gesamtkosten
Gesamtkosten des
Fremdbezugs
Einsparungen
durch
Eigenfertigung
90.000
Menge, ab der
80.000 sich die Eigen-
fertigung lohnt
70.000
60.000 proportionale
Gesamtkosten der
Kosten der
50.000 Eigenfertigung
Eigenfertigung
40.000 Break-Even-Punkt
30.000
182
10.3 Entscheidungsinstrumente
hoch Eigen-
fertigung
Strategische Bedeutung
g
un
e id
sch
mittel
nt
eE
tiv
lek
Se
gering Fremd-
bezug
Verfügbarkeit am Markt
Selektive Entscheidung bedeutet, die Entscheidung über Make or Buy von Fall zu Fall
auf der Basis von Kostenvergleichsrechnungen und anderer Entscheidungshilfen zu
treffen. In allen anderen Fällen empfiehlt sich bis auf Weiteres (vgl. oben Folge-Ent-
scheidung) die Eigenfertigung bzw. der Fremdbezug.
183
10 Make or Buy
Der Fremdbezug wäre vorteilhaft, wenn die Werkstätte voll ausgelastet ist (3.380,50 €
vs. 5.614,20 €). Da die Werkstätte in unserem Fall nicht voll ausgelastet ist, wird der
Kostenvergleich nur auf der Basis der Einzelkosten durchgeführt. Die Variante
Eigenfertigung verursacht Einzelkosten in Höhe von 3.358,90 € (Materialeinzelkosten
und Fertigungseinzelkosten). Da der Fremdbezug nur geringfügig teurer ist, müssen
andere Kriterien zur Entscheidung über Fremdbezug oder Eigenfertigung herangezo-
gen werden (z.B. Kernkompetenz).
Dynamische Verfahren der Investitionsrechnung berücksichtigen die unterschied-
lichen Zeitpunkte der zu erwartenden Ausgaben und Einnahmen durch zinseszins-
mäßiges Rechnen unter Festlegung eines gemeinsamen Bezugszeitpunkts. Dadurch
liefern die dynamischen Verfahren (z.B. dynamische Amortisationsmethode, Kapital-
wertverfahren, Interner-Zinsfuß-Methode) eine wesentlich aussagekräftigere Entschei-
dungsgrundlage, insbesondere wenn es sich um Investitionsvorhaben mit langer Nut-
zungsdauer handelt.
10.3.4 Checklisten
Checklisten zählen zu den sog. heuristischen Verfahren. Sie erfassen zwar ebenfalls
eine Vielzahl und Vielfalt entscheidungsrelevanter Kriterien (in Frageform), die man,
wie bei der Nutzwertanalyse, entsprechend ihrer Bedeutung gewichten kann. Prob-
184
10.3 Entscheidungsinstrumente
leme ergeben sich bei der Verdichtung der Antworten auf die einzelnen Fragen zu
einem Gesamturteil. Checklisten eignen sich daher vor allem zur Schaffung eines
Problembewusstseins und liefern Anstöße für weitere, quantifizierende Analysen.
Für Betriebe, welche den Fremdbezug erwägen, sind folgende Fragen zu den Kriterien
Bedarf, Lieferanten (qualitativ, quantitativ-zeitlich), Markt, Finanzierung, Sonstige
relevant: