Lineare Algebra I: Wintersemester 2016/17 Universit at Regensburg Clara L Oh
Lineare Algebra I: Wintersemester 2016/17 Universit at Regensburg Clara L Oh
Wintersemester 2016/17
Universität Regensburg
Clara Löh
Version vom 20. April 2017
[email protected]
©
Fakultät für Mathematik, Universität Regensburg, 93040 Regensburg
Clara Löh, 2016
Inhaltsverzeichnis
Literaturhinweise vii
0 Einführung 1
0.1 Was ist Mathematik? 1
0.2 Was ist Lineare Algebra? 2
0.3 Überblick über die Vorlesung 3
3 Vektorräume 53
3.1 Vektorräume 54
3.1.1 Geometrie in Koordinaten 54
3.1.2 Vektorräume 57
3.1.3 Untervektorräume 60
3.1.4 Erzeugendensysteme 63
3.2 Lineare Unabhängigkeit 66
3.2.1 Linearkombinationen 66
3.2.2 Lineare Unabhängigkeit 67
3.2.3 Lineare (Un)Abhängigkeit und Darstellbarkeit 70
3.3 Basen 72
3.3.1 Basen 72
3.3.2 Endlich erzeugte Vektorräume 74
3.3.3 Exkurs: Das Zornsche Lemma 78
3.3.4 Allgemeine Vektorräume 80
3.3.5 Zusammenfassung 81
3.4 Dimension 82
3.4.1 Dimension von Vektorräumen 82
3.4.2 Dimensionsformeln für Vektorräume 83
3.4.3 Komplementäre Untervektorräume 86
3.4.4 Quotientenvektorräume 87
4 Lineare Abbildungen 91
4.1 Lineare Abbildungen 92
4.2 Lineare Abbildungen aus Matrizen 96
4.2.1 Matrizen 96
4.2.2 Multiplikation von Matrizen 98
4.2.3 Lineare Abbildungen aus Matrizen 102
4.3 Lineare Abbildungen und Basen 105
4.4 Kern und Bild 107
4.4.1 Kern und Bild 107
4.4.2 Isomorphismen von Vektorräumen 109
4.4.3 Die Dimensionsformel für lineare Abbildungen 112
4.4.4 Konsequenzen für lineare Gleichungssysteme 114
4.5 Homomorphismenräume 116
5 Matrizenkalkül 123
5.1 Darstellung von linearen Abbildungen 124
5.1.1 Invertierbare Matrizen 124
5.1.2 Darstellung von linearen Abbildungen 126
5.1.3 Basiswechsel 130
5.2 Das Gaußsche Eliminationsverfahren 132
5.2.1 Zeilenstufenform 133
5.2.2 Zeilenoperationen 135
Inhaltsverzeichnis v
A Anhang A1
A.1 Das griechische Alphabet A3
A.2 Konstruktion der natürlichen Zahlen A5
A.3 Das Spiel SET A7
A.4 Mächtigkeit von Mengen A9
A.5 Kategorien A 11
A.6 Elementare Analysis von Sinus und Kosinus A 15
A.7 Funktoren A 17
A.8 3D-Druck A 21
A.8.1 Fused Filament Fabrication A 21
A.8.2 Die Spezifikation dreidimensionaler Objekte A 21
A.8.3 Berechnung der Schnitte A 23
B Übungsblätter B1
C Fingerübungen C1
D Allgemeine Hinweise D1
Literaturverzeichnis C1
vi Inhaltsverzeichnis
Literaturhinweise
Die Vorlesung wird sich nicht an einer einzelnen Quelle orientieren – Sie
sollten also individuell je nach Thema und eigenen Vorlieben die Literatur
auswählen, die am besten zu Ihnen passt.
Lineare Algebra
Sonstige Grundlagen
A. Beutelspacher. Das ist o.B.d.A. trivial!, neunte Auflage, Vieweg+-
Teubner, 2009.
http://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-8348-9599-8
A. Doxiadis, C. Papadimitriou, A. Papadatos, A. Di Donna, Logicomix:
An epic search for truth, Bloomsbury Publishing, 2009.
A.G. Konforowitsch. Logischen Katastrophen auf der Spur, zweite Auf-
lage, Fachbuchverlag Leipzig, 1994.
C. Löh, S. Krauss, N. Kilbertus. Quod erat knobelandum, Springer Spek-
trum, 2016.
G. Polya, J.H. Conway (Hrsg.). How to Solve it: A New Aspect of Ma-
thematical Method, Princeton Science Library, 2014.
T. Tao. Solving mathematical problems. A personal perspective, Oxford
University Press, 2006.
0
Einführung
Algebra Analysis
Was sind Zahlen? Was ist Approximation?
Geometrie
Was ist Krümmung?
Logik Mengenlehre
Was ist ein Beweis? Was ist eine Menge?
Ein grober schematischer Überblick über den Aufbau der Mathematik und
ihrer Teilgebiete findet sich in Abbildung 0.1; stellvertretend ist jeweils eine
zentrale Frage jedes Gebiets genannt, die andeutet, womit sich das Gebiet be-
fasst. Zwischen den Gebieten gibt es vielfältige Verbindungen und unzählige
Mischgebiete (z.B. algebraische Geometrie, diskrete Geometrie, stochastische
Geometrie, geometrische Analysis, . . . ).
...
0.3. Überblick über die Vorlesung 3
Wie wir sehen werden, sind lineare Strukturen sehr gut verstanden und
können effizient bei Berechnungen eingesetzt werden. Daher versucht man
in vielen anderen Gebieten der Mathematik, kompliziertere Strukturen auf
lineare Strukturen zu reduzieren. Zum Beispiel ist der Ableitungsbegriff der
Analysis nichts anderes als eine lineare Approximation an kompliziertere
Funktionen.
Vektorräume
Multilineare Algebra
Literaturaufgabe. Lesen Sie den Literaturhinweis aus dem Buch von Jänich [10,
Kapitel 1.4].
4 0. Einführung
1
Grundlagen:
Logik und Mengenlehre
Die mathematische Logik beschreibt die Spielregeln“, auf denen die Mathe-
”
matik basiert; die Mengenlehre beschreibt das Spielfeld“ bzw. die grundle-
”
genden Bausteine, aus denen mathematische Objekte konstruiert werden.
Der stringente simultane Aufbau von Logik und Mengenlehre als Grundla-
ge der modernen Mathematik ist zu aufwendig, um zu Beginn des Studiums
im Detail ausgeführt zu werden. Wir werden uns daher im folgenden auf ein
paar Einblicke beschränken, die die für den mathematischen Alltag wichtig-
sten Punkte behandeln.
Überblick über dieses Kapitel.
Definition 1.1.1 (Gruppe). Eine Gruppe ist ein Paar (G, · ), bestehend aus ei-
ner Menge G und einer Abbildung · : G×G −→ G (sogenannte Verknüpfung
der Gruppe) mit folgenden Eigenschaften:
∀g∈G g · e = g = e · g.
g · h = e = h · g.
Wir bezeichnen dann h als inverses Element von g und schreiben dafür
auch g −1 .
∀g,h,k∈G (g · h) · k = g · (h · k).
Oft unterdrückt man in der Notation auch die Verknüpfung und sagt kurz
(aber etwas schlampig), dass G eine Gruppe“ ist.
”
Beispiel 1.1.2 (ganze Zahlen als Gruppe). Die ganzen Zahlen bilden eine Grup-
pe bezüglich Addition. Genauer: Das Paar (Z, +) ist eine Gruppe. Neutrales
Element ist 0; zu n ∈ Z ist −n das Inverse von n bezüglich +.
Die ganzen Zahlen bilden jedoch keine Gruppe bezüglich Multiplikation,
da z.B. 0 und auch 2 kein multiplikatives Inverses in Z besitzen.
Proposition 1.1.3 (Eindeutigkeit des neutralen Elements und von Inversen). Sei
(G, · ) eine Gruppe.
e = f · e = f;
in der ersten Gleichung haben wir verwendet, dass f neutral ist und in der
zweiten, dass e neutral ist.
Zu 2. Sei g ∈ G und es seien h, k ∈ G inverse Elemente von g; sei e ∈ G
das neutrale Element von (G, · ). Dann folgt
wie behauptet.
Um zu verstehen, was dieser Text besagt, müssen wir also verstehen, wie
mathematische Aussagen und Behauptungen formuliert bzw. bewiesen wer-
den können (mathematische Logik) und wie man mathematische Objekte
über Mengen beschreiben/konstruieren kann (Mengenlehre). Deshalb werden
wir, bevor wir in die eigentliche lineare Algebra einsteigen, zunächst logische
und mengentheoretische Grundlagen lernen.
1.2.1 Aussagenlogik
Die Aussagenlogik ist ein einfaches logisches System, das die Grundlagen des
logischen Denkens formalisiert. Aussagenlogik besteht aus
einer syntaktischen Ebene (Wie dürfen Aussagen aussehen?) und
einer semantischen Ebene (Ist eine Aussage wahr?).
Wir beschreiben diese Ebenen im folgenden etwas detaillierter.
Zunächst definieren wir aussagenlogische Formeln – nach dem divide and
”
conquer“-Prinzip. Ausgehend von aussagenlogischen Variablen (das sind ein-
fach Symbole, z.B. Großbuchstaben) erklären wir wie man Schritt für Schritt
kompliziertere Formeln zusammensetzen kann:
Definition 1.2.1 (Syntax aussagenlogischer Formeln).
Aussagenlogische Variablen sind aussagenlogische Formeln.
Sind A und B aussagenlogische Formeln, so auch
aussagenlogische Formeln.
Aber A ∧ ∧B oder ∧A sind keine aussagenlogischen Formeln.
Anmerkung zum Lernen. Bei der Nachbereitung der Vorlesung helfen die
folgenden Fragen:
1.2. Logische Grundlagen 9
A ¬A
nicht“
” (insbesondere nehmen wir tertium non datur an)
w f
f w
A B A∧B A∨B A =⇒ B A ⇐⇒ B
und“ oder“ impliziert“ gilt genau dann, wenn“
” ” ” ”
wenn . . . , dann . . .“
”
w w w w w w
w f f w f f
f w f w w f
f f f f w w
A B A =⇒ B B =⇒ A (A =⇒ B) ⇐⇒ (B =⇒ A)
w w
w f f w f (!)
f w
f f
1.2.2 Quantorenlogik
Wir werden nun die Aussagenlogik etwas erweitern und verfeinern, um typi-
sche All- und Existenzaussagen besser formalisieren zu können. Zum Beispiel
würden wir gerne Aussagen wie
Für jede natürliche Zahl x gilt x + 0 = x.
formulieren und mit Wahrheitswerten belegen können.
Wie im Fall der Aussagenlogik besteht auch die Quantorenlogik aus einer
syntaktischen und einer semantischen Ebene. Da die exakten Definitionen je-
doch sehr aufwendig sind [7, 4], begnügen wir uns hier mit einer vereinfachten,
pragmatischen Darstellung.
Definition“ 1.2.9 (Syntax quantorenlogischer Aussagen). Sei T eine mathe-
”
matische Sprache/Theorie (z.B. die Sprache/Theorie der natürlichen Zahlen).
Atomare Aussagen“ aus der Theorie T sind quantorenlogische Aussa-
”
gen über T ; diese dürfen auch Variablen enthalten.
Ist A eine quantorenlogische Aussage über T und ist x eine (in A freie“)
”
Variable, so sind auch
∀x A(x) bzw. ∃x A(x)
0 + 1 = 1, x+0=x
atomare Aussagen aus der Theorie der natürlichen Zahlen, aber 0 + +0“ ist
”
keine zulässige atomare Aussage.
Die Variable x ist frei in der Aussage x + 0 = x, da sie durch keinen
Quantor gebunden ist. Daher ist
∀x x + 0 = x
Man kann dabei quantorenlogische Aussagen über T i.a. nur dann auf einen
Wahrheitswert reduzieren, wenn sie keine freien Variablen enthalten!
Beispiel 1.2.12. Wir betrachten wie in Beispiel 1.2.10 die Sprache/Theorie
der natürlichen Zahlen. Die Aussage
∀x x + 0 = x
∃x ¬(x = x)
wobei A(x, y) bedeute, dass x eine Frau ist, y ein Mann und x eine Affäre
mit y hat.
1.2. Logische Grundlagen 13
Caveat 1.2.14 (Quantoren gehören nach vorne!). Formeln wie A(x) ∀x“
”
oder gar ∃x A(x, y) ∀y“ ergeben keinen Sinn (selbst wenn es die deutsche
”
Sprache manchmal nahelegt . . . )!
Was bedeutet es nun, dass B logisch aus V folgt“? Bzw. wie kann man
”
nachweisen, dass B logisch aus V folgt“?
”
Der Nachweis, dass B logisch aus V folgt, wird in Form eines Beweises
gegeben:
oder
man erhält sie aus vorherigen Aussagen des Beweises mit Hilfe des
Modus Ponens 2 : Enthalten die vorherigen Aussagen eine Aussage der
Form A =⇒ A0 und die Aussage A, so kann man A0 zum Beweis hin-
zufügen.
Beispiel 1.2.16 (ein erster Beweis). Wir betrachten das folgende Axiomensy-
stem über die Theorie der Pinguine:
Axiome/Voraussetzungen:
À Pinguine, die bellen, beißen nicht.
D.h. es gilt ∀x A(x), wobei
A(x) := (x ist Pinguin) =⇒ (x bellt) =⇒ ¬(x beißt) .
Beweis.
– [Axiom À]
∀x A(x)
– [quantorenlogisches Axiom]
∀x A(x) =⇒ A(Tux)
– [Modus ponens]
A(Tux)
Ausformuliert bedeutet dies:
(Tux ist Pinguin) =⇒ (Tux bellt) =⇒ ¬(Tux beißt)
2 oder der Generalisierungsregel; auf diese soll hier aber nicht eingegangen werden. (Die
Generalisierungsregel beschreibt, wann der Allquantor ∀“ eingeführt werden darf.)
”
1.2. Logische Grundlagen 15
– [Axiom Á]
Tux ist ein Pinguin
– [Modus Ponens]
– [Modus Ponens]
– [Axiom Â]
Tux beißt
– [Modus ponens]
¬(Tux bellt)
Beweis. Da Tux nach Axiom Á ein Pinguin ist, erhalten wir mit Axi-
om À:
Wenn Tux bellt, beißt Tux nicht.
Mit Kontraposition folgt daraus:
Wenn Tux beißt, bellt Tux nicht.
Da Tux nach Axiom  beißt, liefert dies, dass Tux nicht bellt.
Der formale Zugang zu Beweisen ist jedoch nötig, um überhaupt einen be-
lastbaren Beweisbegriff einführen zu können und hat den zusätzlichen Vorteil,
dass explizit formalisierte Beweise maschinell überprüft werden können.
Anmerkung zum Lernen. Bei jedem Beweis, dem Sie begegnen, sollten Sie
kritisch hinterfragen, ob Sie wirklich alle Beweisschritte verstehen, ob der
Beweis vollständig ist, und was die grundlegende Idee dahinter ist. Sobald
Sie mehr Beweise kennen, sollten Sie außerdem überlegen, ob es sich um eine
Beweistechnik handelt, die in gleicher oder ähnlicher Form bereits in einer
anderen Situation verwendet wurde.
Beweis von Äquivalenzen. Oft zerlegt man den Beweis von Aussagen der
Form Es gilt A genau dann, wenn B gilt.“ in den Beweis von Wenn
” ”
A gilt, dann gilt auch B.“ und Wenn B gilt, dann gilt auch A“. Dies
”
leitet sich von der aussagenlogischen Tautologie
(A ⇐⇒ B) ⇐⇒ (A =⇒ B) ∧ (B =⇒ A)
ab.
Literaturaufgabe. Lesen Sie das Buch Das ist o.B.d.A. trivial!“ von Beu-
”
telspacher [1].
Mengen und
Abbildungen
Wir beginnen mit der sogenannten naiven Mengenlehre, die auf folgender
Begriffsbildung beruht:
Definition“ 1.3.1 (Cantor, 1895). Unter einer Menge verstehen wir jede Zu-
”
sammenfassung M von bestimmten wohlunterschiedenen Objekten m unserer
Anschauung oder unseres Denkens (welche Elemente von M genannt werden)
zu einem Ganzen.
1.3. Mengentheoretische Grundlagen 17
Beispiel 1.3.6. Wir betrachten die Mengen (wobei wir 0, 1, 2 als Symbole
ansehen)
A := {0, 1} und B := {0, 2}.
Da Mengen genau dann gleich sind, wenn sie die gleichen Elemente enthalten,
folgt
A = {1, 0} = {1, 0, 1} = {0, 0, 0, 1, 1, 1, 0} = . . .
Es gilt nicht A ⊂ B (da 1 ∈ A aber 1 6∈ B); analog gilt auch nicht B ⊂ A.
Nach Definition ist
A ∩ B = {0}
A ∪ B = {0, 1, 2}
A \ B = {1}
P (A) = ∅, {0}, {1}, {0, 1}
P (B) = ∅, {0}, {2}, {0, 2}
A × B = (0, 0), (0, 2), (1, 0), (1, 2) .
18 1. Grundlagen: Logik und Mengenlehre
Notation Bedeutung/Definition
x∈A x ist ein Element von A
A⊂B A ist eine Teilmenge von B, d.h. alle Elemente
von A sind Elemente von B
{x, y, z, . . . } die Menge mit den Elementen x, y, z, . . .
{x | C(x)} die Menge aller x, für die C(x) gilt
A∩B die Schnittmenge von
A und B, d.h. die Menge
A ∩ B := x (x ∈ A) ∧ (x ∈ B)
A∪B die Vereinigung von A und B, d.h. die Menge
A ∪ B := x (x ∈ A) ∨ (x ∈ B)
A\B das Komplement von B in A (oder A ohne B),
d.h. die Menge
A \ B := x (x ∈ A) ∧ (x 6∈ B)
∅ oder {} die leere Menge, d.h. die Menge, die keine Ele-
mente enthält
P (A) die Potenzmenge von A, d.h. die Menge aller
Teilmengen von A:
P (A) := {x | x ⊂ A}
A×B das (kartesische)
Produkt
von A und B, d.h.
A × B := (x, y) (x ∈ A) ∧ (y ∈ B)
Dabei sind Paare (x, y) und (x0 , y 0 ) genau
dann gleich, wenn x = x0 und y = y 0 gilt.
Bemerkung 1.3.7. Die Definition der Schnittmenge, der Vereinigung und des
Komplements von Mengen lässt erkennen, wie man eine Korrespondenz zwi-
schen logischen Operationen und Mengenkonstruktionen herstellen kann. Ins-
besondere liefert dies auch gut Eselsbrücken für die logischen Symbole ∧“
”
bzw. ∨“ über die geläufigeren Symbole ∪“ bzw. ∩“ aus der Mengenlehre.
” ” ”
Caveat 1.3.8. Es ist P (∅) = {∅} 6= ∅, denn {∅} enthält ein Element
(nämlich ∅), aber ∅ enthält keine Elemente.
A B A B A B A B
B A×B
(x, y)
y
x A
4. Es gilt
(A ∩ B) ∪ C = (A ∪ C) ∩ (B ∪ C),
(A ∪ B) ∩ C = (A ∩ C) ∪ (B ∩ C).
Beweis. Der Beweis dieser Proposition erfolgt, indem man die Behauptungen
elementweise überprüft (s. Analysis I) oder indem man geeignete aussagenlo-
gische Tautologien auf die definierenden Eigenschaften der Mengen anwendet.
Stellvertretend geben wir den Beweis des ersten Teils:
Zu 1. Es gelte A ⊂ B und B ⊂ C. Sei x ∈ A. Wegen A ⊂ B ist dann
auch x ∈ B. Wegen B ⊂ C ist somit x ∈ C.
Also gilt: Für alle x ∈ A ist x ∈ C. D.h. es gilt A ⊂ C.
Anmerkung zum Lernen. Ebenso wie die Definitionen, sollten Sie sich auch
die Aussagen der Propositionen, Sätze, Lemmata, . . . einprägen; wichtig ist
dabei nicht der genaue Wortlaut, sondern der genaue mathematische Inhalt!
Zusätzlich sollten Sie überprüfen, ob Sie die Aussage wirklich verstehen (z.B.,
indem Sie die Aussage an Beispielen ausprobieren), und ob Sie den Beweis
nachvollziehen können.
20 1. Grundlagen: Logik und Mengenlehre
1.3.2 Abbildungen
Es ist ein allgemeines Prinzip in der Mathematik, nicht nur Objekte zu be-
trachten, sondern auch zu studieren, wie gewisse Objekte zueinander in Be-
ziehung stehen; im Fall der Mengenlehre sind die
Objekte Mengen und die
Beziehungen“ sind Abbildungen (bzw. allgemeiner Relationen).
”
Definition“ 1.3.13 (Abbildung, naive Definition). Seien X und Y Mengen.
”
Eine Abbildung X −→ Y ordnet jedem Element aus X genau ein Element
aus Y zu.
Caveat 1.3.14. Dies ist keine mathematische Definition, denn zuordnen“
”
besitzt keine mathematisch exakte Bedeutung!
1.3. Mengentheoretische Grundlagen 21
Y f X ×Y
(x, f (x))
f (x)
x X
Eine saubere Definition erhält man zum Beispiel, indem man Abbil-
dungen mengentheoretisch durch ihre Abbildungsgraphen beschreibt (Ab-
bildung 1.6).
Definition 1.3.15 (Abbildung). Seien X und Y Mengen.
Eine Abbildung X −→ Y ist eine Teilmenge f ⊂ X × Y mit folgender
Eigenschaft: Für jedes x ∈ X gibt es genau ein y ∈ Y mit (x, y) ∈ f ;
man schreibt in diesem Fall f (x) := y oder x 7−→ y.
Zwei Abbildungen f, g : X −→ Y sind genau dann gleich, wenn die
zugehörigen Teilmengen von X ×Y gleich sind, d.h., wenn für alle x ∈ X
gilt, dass
f (x) = g(x).
Definition 1.3.16 (Identität). Sei X eine Menge. Die Identität (auf X) ist die
wie folgt definierte Abbildung idX :
idX : X −→ X
x 7−→ x.
f : X −→ Y
0 7−→ 0
1 7−→ 2
2 7−→ 2
22 1. Grundlagen: Logik und Mengenlehre
Y X ×Y
(x, y)
y
π2
π1
x X
und
g := (0, 0), (2, 2)
bzw.
g : Y −→ X
0 7−→ 0
2 7−→ 2
Abbildungen X −→ Y . Aber die Teilmenge {(0, 2), (0, 0)} von X × Y be-
schreibt keine Abbildung X −→ Y .
π1 : X × Y −→ X
(x, y) 7−→ x
bzw.
π2 : X × Y −→ Y
(x, y) 7−→ y
g ◦ f : X −→ Z
x 7−→ g f (x) .
Beispiel 1.3.20. Für die Abbildungen f und g aus Beispiel 1.3.17 erhalten
wir die Kompositionen
g ◦ f : X −→ X
0 7−→ 0
1 7−→ 2
2 7−→ 2
und
f ◦ g : Y −→ Y
0 7−→ 0
2 7−→ 2,
d.h. f ◦ g = idY .
(h ◦ g) ◦ f = h ◦ (g ◦ f ).
f |A : A −→ Y
x 7−→ f (x).
Oft ist es günstig, Abbildungen nicht nur auf Elemente, sondern auch auf
Teilmengen anwenden zu können. Dies führt zu den Begriffen Bild und Urbild
(Abbildung 1.8):
24 1. Grundlagen: Logik und Mengenlehre
X f −1 (B) X
A
f f
f (A) Y B Y
Beispiel 1.3.24. Wir betrachten die Abbildung f aus Beispiel 1.3.17. Dann
ist
f {0, 1} = {0, 2} und f −1 {2} = {1, 2}.
Beispiel 1.3.28. Ist X eine Menge, so ist idX : X −→ X sowohl injektiv als
auch surjektiv und somit bijektiv.
Beispiel 1.3.29. Wir betrachten die Abbildungen f und g aus Beispiel 1.3.17.
Die Abbildung f ist surjektiv, aber nicht injektiv (denn f (1) = 2 = f (2)).
Die Abbildung g ist injektiv, aber nicht surjektiv (denn 1 besitzt kein Urbild
unter g). Die Abbildung g ◦ f : X −→ X ist weder injektiv noch surjektiv.
Beispiel 1.3.31. Ist X eine Menge, so ist idX eine (bzw. sogar die) Umkehr-
abbildung von idX : X −→ X.
f
X /Y
g
h
Z
idX
X /X
> >X
g
f f
g
Y Y /Y
idY
idX
X /X
>
f f
g
Y /Y
idY
kommutativ ist.
Extensionalität. Zwei Klassen sind genau dann gleich, wenn sie diesel-
ben Elemente enthalten.
eine Klasse.
Die leere Klasse ∅ := {x | x ist eine Menge und x 6= x} ist eine Menge.
Jede Teilklasse einer Menge ist eine Menge; eine Klasse A ist eine Teil-
klasse einer Klasse B, wenn jedes Element von A ein Element von B
ist.
Caveat 1.3.36 (Widerspruchsfreiheit?). Man kann aus den Axiomen der Men-
genlehre nicht folgern, dass die Mengenlehre widerspruchsfrei ist! (Zweiter
Gödelscher Unvollständigkeitssatz). Die Mathematik beruht auf der Annah-
me, dass die Axiome der Mengenlehre widerspruchsfrei sind.
Proposition 1.3.37 (Existenz einer echten Klasse). Es gibt eine Klasse, die
keine Menge ist, nämlich zum Beispiel die Russellsche Klasse
Beweis. Sei R := {x | x ist eine Menge und x 6∈ x}. Nach dem Komprehen-
sionsaxiom ist R eine Klasse.
Angenommen, R wäre eine Menge. Dann gilt R ∈ R oder R 6∈ R.
À Ist R ∈ R, so gilt nach Definition von R, dass R 6∈ R, im Widerspruch
zu R ∈ R.
Á Ist R 6∈ R, so gilt nach Definition von R, dass R ∈ R ist, im Widerspruch
zu R 6∈ R.
Also ist R keine Menge, und damit eine echte Klasse.
Eine naheliegende Frage ist, warum man das Russellsche Paradoxon nun
nicht einfach eine Ebene höher, also auf Klassenebene, reproduzieren kann,
indem man {x | x ist eine Klasse und x 6∈ x} betrachtet. Dabei ist jedoch
zu beachten, dass diese Konstruktion mit unserem Axiomensystem nicht
zulässig ist – denn Elemente von Klassen sind immer Mengen!
(Echte) Klassen, über die man in der Mathematik häufig spricht, sind zum
Beispiel
die Klasse aller Mengen,
die Klasse aller Gruppen,
die Klasse aller Vektorräume über einem gegebenen Grundkörper,
die Klasse aller topologischen Räume.
Wir gehen nun noch einmal kurz auf das Auswahlaxiom ein. Das Auswahl-
axiom scheint zunächst irgendwie offensichtlich zu sein: Ist A eine Menge und
gilt ∅ 6∈ A, so bedeutet dies gerade, dass es zu jedem x ∈ A ein yx ∈ x gibt.
Daher scheint es naheliegend, dass man durch x 7→ yx eine Auswahlfunkti-
on für A definieren kann. Das Problem dabei ist, dass Abbildungen Mengen
sind (nämlich Teilmengen des entsprechenden kartesischen Produktes) und
daher den Anforderungen an die Konstruktion von Mengen genügen müssen
(so wie sie durch die Axiome bereitgestellt werden). Dies ist in dem gerade
betrachteten Beispiel aber nicht klar. Genauer gilt sogar:
Caveat 1.3.38 (Unabhängigkeit des Auswahlaxioms). Das Auswahlaxiom ist
unabhängig“ von den anderen Axiomen der Mengenlehre (d.h. es kann weder
”
aus den übrigen Axiomen gefolgert noch widerlegt werden). Aufgrund der
nicht-konstruktiven Charakteristik und etwas ungewöhnlicher Konsequenzen
wird im Normalfall explizit angegeben, wenn ein Beweis das Auswahlaxiom
verwendet.
Als erste Anwendung des Auswahlaxioms geben wir eine nützliche Cha-
rakterisierung von Surjektivität:
Proposition 1.3.39 (Spalte und Surjektivität). Seien X, Y Mengen und sei
f : X −→ Y eine Abbildung. Dann sind folgende Aussagen äquivalent:
30 1. Grundlagen: Logik und Mengenlehre
f ◦ s = idY .
4
Beweis (AC).
2 =⇒ 1“. Sei s : Y −→ X eine Abbildung mit f ◦ s = idY . Dann ist f
”
surjektiv, denn (s. Beweis von Proposition 1.3.32): Sei y ∈ Y . Für das
Element x := s(y) ∈ X erhalten wir dann
f (x) = f s(y) = f ◦ s(y) = idY (y) = y.
Da f surjektiv ist, gilt für jedes y ∈ Y , dass f −1 ({y}) 6= ∅; also ist ∅ 6∈SA.
Nach dem Auswahlaxiom existiert somit eine Abbildung g : A −→ A
mit
∀z∈A g(z) ∈ z.
S
Nach Definition von A ist A = X. Daher ist
s : Y −→ X
y 7−→ g f −1 ({y})
4 Die Abkürzung AC“ steht dabei für Axiom of Choice (Auswahlaxiom) und deutet an,
”
dass der Beweis das Auswahlaxiom verwendet.
5 D.h. diese Sätze sind äquivalent zum Auswahlaxiom, wenn man alle Axiome der Men-
Zentrale Objekte der Mathematik (und ihrer Anwendungen) sind Zahlen al-
ler Art. In diesem Kapitel werden wir Schritt für Schritt verschiedene Zah-
lenbereiche und ihre algebraische Struktur kennenlernen. Dazu erklären wir
zunächst den Zusammenhang zwischen Zählen“ und den natürlichen Zah-
”
len. Ausgehend von den natürlichen Zahlen werden wir dann die Konstruk-
tion der ganzen bzw. rationalen Zahlen durchführen. Gleichzeitig werden wir
dabei fundamentale Abstraktionsmechanismen kennenlernen und Gruppen
bzw. Körper einführen.
À Es ist 0 6∈ s(N ).
Bemerkung 2.1.2 (Prinzip der vollständigen Induktion). Sei (N, 0, s) ein Tripel,
das die Peano-Axiome erfüllt. Sei E eine Eigenschaft“ von Elementen von N
”
(d.h. wir können E als Teilmenge von N auffassen), und es gelte:
Beweisskizze. Mit Hilfe des Induktionsprinzips kann man sich vom vorgege-
benen Startwert 0 7−→ a Nachfolgerschritt für Nachfolgerschritt durch ganz N
hochhangeln“.
”
Satz 2.1.4 (Modelle der Peano-Axiome).
1. Es existiert ein Tripel, das die Peano-Axiome erfüllt.
2. Je zwei Tripel, die die Peano-Axiome erfüllen, sind kanonisch iso-
morph; genauer: Erfüllen (N, 0, s) und (N 0 , 00 , s0 ) die Peano-Axiome,
so gibt es genau eine Bijektion f : N −→ N 0 mit f (0) = 00 und der
Eigenschaft, dass für alle n ∈ N gilt, dass f (s(n)) = s0 (f (n)).
Der Beweis der ersten Aussage beruht auf dem Unendlichkeitsaxiom; der
Beweis der zweiten Aussage beruht auf dem Rekursionssatz. Eine Beweisskiz-
ze findet sich in Anhang A.2.
Definition 2.1.5 (Natürliche Zahlen). Das (bis auf kanonische Isomorphie) ein-
deutige Tripel, das die Peano-Axiome erfüllt, bezeichnen wir mit (N, 0, · + 1)
und nennen es natürliche Zahlen.
Notation 2.1.6. Im Normalfall bezeichnen wir natürliche Zahlen durch ihre
Dezimaldarstellung, d.h. N = {0, 1, 2, . . . } (und ignorieren auch den mengen-
theoretischen Standpunkt, dass Elemente von Mengen Mengen sind).
Caveat 2.1.7 (beginnen die natürlichen Zahlen mit 0 oder mit 1 ?). In manchen
Quellen wird die Konvention verwendet, dass die natürlichen Zahlen mit 1
beginnen. Achten Sie daher unbedingt darauf, welche Konvention jeweils ver-
wendet wird! Beide Konventionen haben ihre Vorzüge:
In der Analysis verwendet man oft Folgen wie (1/n)n∈N . An dieser Stelle
ist es günstig, wenn 0 keine natürliche Zahl ist (was soll 1/0 sein?!).
Vom algebraischen Standpunkt her ist es angenehmer, wenn 0 eine
natürliche Zahl ist, denn auf diese Weise enthalten die natürlichen Zah-
len ein neutrales Element bezüglich Addition.
34 2. Zählen, Zahlen, Körper
m + (n + 1) := (m + n) + 1.
m · (n + 1) := m · n + m.
mn+1 := mn · m.
n+0=n=0+n und n · 1 = n = 1 · n.
k + (m + n) = (k + m) + n und k · (m · n) = (k · m) · n.
m+n=n+m und m · n = n · m.
(k + m) · n = k · m + m · n.
Beweis. All diese Aussagen können per vollständiger Induktion gezeigt wer-
den. Wir beweisen hier nur stellvertretend die Assoziativität der Additi-
on. Genauer: Seien k, m ∈ N. Wir zeigen per Induktion über n ∈ N, dass
k + (m + n) = (k + m) + n gilt:
k + (m + 0) = k + m = (k + 0) + m,
wie gewünscht.
wie gewünscht.
∀n∈A n + 1 ∈ A,
so folgt bereits A = N.
und X
n+1
X n
xj := xj + xn+1
j=0 j=0
Pn
für alle n ∈ N. D.h. j=0 xj = x0 + · · · + xn“.
”
Pk+n
Ist k ∈ N, so definieren wir analog j=k xj = xk + xk+1 + · · · + xk+n“
”
(durch Induktion über n).
Pk0
Sind k, k 0 ∈ N und gibt es kein n ∈ N mit k+n = k 0 , so sei j=k xj := 0.
Analog: Sei X eine Menge zusammen mit einer assoziativen und kom-
mutativen Multiplikation · : X × X −→ X, die ein bezüglich Multipli-
kation neutralesQElement 1 enthält, und seien x0 , x1 , . . . ∈ X. Dann
n
definieren wir x “ für alle n ∈ N induktiv durch
” j=0 j
0
Y
xj := x0
j=0
und Y
n+1
Y n
xj := xj · xn+1
j=0 j=0
Qn
für alle n ∈ N. D.h. xj = x0 · · · · · xn“.
j=0 ”
Qk+n
Ist k ∈ N, so definieren wir analog j=k xj = xk · xk+1 · · · · · xk+n“
”
(durch Induktion über n). Sind k, k 0 ∈ N und gibt es kein n ∈ N mit k +
Qk 0
n = k 0 , so sei j=k xj := 1.
Ist n ∈ N, so schreibt man auch kurz
n
Y
n! := j.
j=1
Insbesondere ist 0! = 1.
2.2. Die ganzen Zahlen und Gruppen 37
Wir werden in Zukunft den Vorgang des Addierens gerne umkehren“ wol-
”
len. Als Vorbereitung dafür werfen wir noch einmal einen Blick auf die Ei-
genschaften der Addition natürlicher Zahlen.
Proposition 2.1.12 (Addition auf N, Kürzungsregeln).
1. Es gilt die folgende Kürzungsregel: Für alle k, m, n ∈ N gilt: Ist k + n =
m + n, so ist bereits k = m.
2. Jede natürliche Zahl n ∈ N \ {0} besitzt einen Vorgänger, d.h. es gibt
ein m ∈ N mit m + 1 = n.
3. Für alle n, n0 ∈ N gilt: Ist n + n0 = 0, so ist n = 0 = n0 .
4. Für alle n, n0 ∈ N existiert ein m ∈ N mit n + m = n0 oder es existiert
ein m0 ∈ N mit n0 + m0 = n. Für alle n, n0 ∈ N gilt also n ≤ n0 oder
n0 ≤ n.
Literaturaufgabe. Lesen Sie das Buch Surreal numbers von Knuth [11].
x+n=m
nicht mit x ∈ N lösbar (zum Beispiel gibt es kein x ∈ N mit x + 1 = 0). Wir
werden daher N um Lösungen solcher Gleichungen erweitern; dies führt zu
den ganzen Zahlen. Als Hilfsmittel für die Konstruktion verwenden wir dabei
sogenannte Äquivalenzrelationen bzw. den Übergang zu Äquivalenzklassen.
Nach der Konstruktion werden wir die additiven Eigenschaften der ganzen
Zahlen zum Konzept der Gruppe abstrahieren.
38 2. Zählen, Zahlen, Körper
– symmetrisch, wenn
∀x,y∈X (x y ⇐⇒ y x)
– transitiv, wenn
∀x,y,z∈X (x y ∧ y z =⇒ x z).
Eine Relation auf X ist eine Äquivalenzrelation auf X, wenn sie reflexiv,
symmetrisch und transitiv ist.
Ist ∼ ⊂ X × X eine Äquivalenzrelation auf X und x ∈ X, so heißt
[x] := {y ∈ X | x ∼ y} ⊂ X
Die Relation ≤“ aus Bemerkung 2.1.10 ist reflexiv und transitiv (nach-
”
rechnen!), aber nicht symmetrisch. Also handelt es sich hierbei nicht
um eine Äquivalenzrelation.
Beweis. Dies folgt, indem man sich sorgfältig und geduldig durch die Defini-
tionen hangelt (Übungsaufgabe).
Unsere Differenzen in spe von natürlichen Zahlen sollten die folgende Ei-
genschaft haben: Sind m, m0 , n, n0 ∈ N, so gilt genau dann m − n = m0 − n0 ,
wenn m + n0 = m0 + n ist. Letztere Darstellung hat den Vorteil, dass sie nur
Addition (und nicht die erst noch zu definierende Subtraktion!) verwendet
und somit in den natürlichen Zahlen formulierbar ist. Diese Darstellung ist
der Grund dafür, dass wir die folgende Relation betrachten werden:
m + n = m + n,
m0 + n = m + n0 ,
Mit den Kürzungsregeln für die Addition auf N (Proposition 2.1.12) erhalten
wir daraus
m + n00 = m00 + n,
und damit (m, n) ∼ (m00 , n00 ). Also ist ∼“ transitiv.
”
Zu 2. Sei x = (m, n) ∈ N × N. Nach Proposition 2.1.12 gibt es ein k ∈ N
mit m + k = n oder n + k = m. Im ersten Fall gilt (m, n) ∼ (0, k), im zweiten
Fall gilt (m, n) ∼ (k, 0).
Satz 2.2.5 (die ganzen Zahlen). Sei ∼“ die Äquivalenzrelation der formalen
”
Differenzen aus Proposition 2.2.4. Dann definieren wir
Z := (N × N) ∼
0. Die Abbildung
i : N −→ Z
n 7−→ (n, 0)
ist injektiv.
+ : Z × Z −→ Z
[(m, n)], [(m0 , n0 )] 7−→ (m + m0 , n + n0 )
ist wohldefiniert.
· : Z × Z −→ Z
[(m, n)], [(m0 , n0 )] 7−→ (m · m0 + n · n0 , m · n0 + m0 · n)
ist wohldefiniert.
2.2. Die ganzen Zahlen und Gruppen 41
3. Die Addition auf Z ist assoziativ und kommutativ und hat [(0, 0)] als
neutrales Element.
4. Die Multiplikation auf Z ist assoziativ und kommutativ und hat [(1, 0)]
als neutrales Element.
x · (y + z) = x · y + x · z.
und damit (m + m0 , n + n0 ) ∼ (M + M 0 , N + N 0 ).
Zu 2. Man zeigt die Wohldefiniertheit der Multiplikation analog zum Fall
der Addition.
Zu 3., 4., 5. Diese Behauptungen folgen durch Nachrechnen aus den ent-
sprechenden Eigenschaften der arithmetischen Operationen auf den natürlichen
Zahlen.
Z −→ N
[(m, n)] 7−→ m
nicht wohldefiniert! Denn zum Beispiel für (1, 0) bzw. (2, 1) erhält man die
verschiedenen Werte 1 bzw. 2, obwohl (1, 0) ∼ (2, 1) und somit [(2, 0)] =
[(1, 0)] gilt.
42 2. Zählen, Zahlen, Körper
wie gewünscht.
2.2.2 Gruppen
Wir konzentrieren uns nun auf die additiven Eigenschaften der ganzen Zah-
len (Satz 2.2.5, Proposition 2.2.7) und abstrahieren diese Eigenschaften zum
Begriff der Gruppe:2
Definition 2.2.9 (Gruppe). Eine Gruppe ist ein Paar (G, · ), bestehend aus ei-
ner Menge G und einer Abbildung · : G×G −→ G (sogenannte Verknüpfung
der Gruppe) mit folgenden Eigenschaften:
∀g∈G g · e = g = e · g.
g · h = e = h · g.
2 Insbesondere haben Sie nun bereits so viel gelernt, dass Sie den Text aus Kapitel 1.1
verstehen können!
2.2. Die ganzen Zahlen und Gruppen 43
Wir bezeichnen dann h als inverses Element von g und schreiben dafür
auch g −1 .
∀g,h,k∈G (g · h) · k = g · (h · k).
Oft unterdrückt man in der Notation auch die Verknüpfung und sagt kurz
(aber etwas schlampig), dass G eine Gruppe“ ist.
”
Beispiel 2.2.10 (ganze Zahlen als Gruppe). Die ganzen Zahlen bilden eine
Gruppe bezüglich Addition. Genauer: Das Paar (Z, +) ist eine Gruppe. Neu-
trales Element ist 0; zu n ∈ Z schreiben wir auch −n für das Inverse von n
bezüglich + (die Existenz ist nach Proposition 2.2.7 gesichert).
Man kann sogar zeigen, dass die ganzen Zahlen die kleinste“ Gruppe sind,
”
die die additive Struktur der natürlichen Zahlen fortsetzen (wir gehen hier
aber nicht näher darauf ein).
Die ganzen Zahlen bilden jedoch keine Gruppe bezüglich Multiplikation,
da z.B. 0 und auch 2 kein multiplikatives Inverses in Z besitzen.
e = f · e = f;
in der ersten Gleichung haben wir verwendet, dass f neutral ist und in der
zweiten, dass e neutral ist.
Zu 2. Sei g ∈ G und es seien h, k ∈ G inverse Elemente von g; sei e ∈ G
das neutrale Element von (G, · ). Dann folgt
44 2. Zählen, Zahlen, Körper
wie behauptet.
Anmerkung zum Lernen. Der Beweis des zweiten Teils ist ein alter Bekann-
ter! (Beweis von Proposition 1.3.32) Sie sollten beim Lernen versuchen, solche
Ähnlichkeiten zu finden, um sich das Thema leichter und besser zu erschlie-
ßen.
Definition 2.2.13 (abelsche Gruppe). Eine Gruppe (G, · ) heißt abelsch, wenn
die Verknüpfung kommutativ ist, d.h., wenn folgendes gilt:
∀g,h∈G g · h = h · g.
x·b=a
Wir wollen die rationalen Zahlen aus den ganzen Zahlen konstruieren, indem
wir formale Brüche“ von ganzen Zahlen betrachten. Da manche formalen
”
Brüche aber derselben rationalen Zahl entsprechen sollen, werden wir ge-
wisse formale Brüche als gleich ansehen wollen ( Hochmultiplizieren“ der
”
hypothetischen Nenner):
Bei der Definition der Addition bzw. Multiplikation von formalen Brüchen
lassen wir uns von den gewünschten Rechenregeln mit Brüchen leiten (insbe-
sondere dürfen wir bei der Addition den gemeinsamen Nenner nicht verges-
sen!).
Satz 2.3.2 (die rationalen Zahlen). Sei ∼“ die Äquivalenzrelation der forma-
”
len Brüche aus Proposition 2.3.1. Dann definieren wir
Q := Z × (Z \ {0}) ∼
Z −→ Q
a 7−→ (a, 1)
ist injektiv.
1. Addition. Die Abbildung
+ : Q × Q −→ Q
[(a, b)], [(a0 , b0 )] 7−→ (a · b0 + a0 · b, b · b0 )
ist wohldefiniert.
2. Multiplikation. Die Abbildung
· : Q × Q −→ Q
[(a, b)], [(a0 , b0 )] 7−→ (a · a0 , b · b0 )
ist wohldefiniert.
3. Es ist (Q, +) eine Gruppe, mit neutralem Element [(0, 1)].
4. Die Multiplikation auf Q ist assoziativ und kommutativ und hat [(1, 1)]
als neutrales Element. Außerdem ist (Q \ {[(0, 1)]}, · ) eine Gruppe.
5. Es gilt das Distributivgesetz, d.h. für alle x, y, z ∈ Q gilt
x · (y + z) = x · y + x · z.
Beweis. Der Beweis ist analog zum Fall der ganzen Zahlen (Satz 2.2.5, Pro-
position 2.2.7) und wir werden die Details hier nicht ausführen.
Notation 2.3.3. Da die obige Abbildung Z −→ Q injektiv und mit der Additi-
on bzw. Multiplikation auf Z bzw. Q verträglich ist, fassen wir Z im folgenden
auch als Teilmenge von Q auf. Wir werden in Notation 2.3.6 auch erklären,
wie man daraus eine gute Notation für alle rationalen Zahlen erhält.
2.3. Die rationalen Zahlen und Körper 47
2.3.2 Körper
Wir abstrahieren nun die Eigenschaften der rationalen Zahlen zum Begriff
des Körpers. Grob gesagt ist ein Körper eine algebraische Struktur mit einer
Addition und einer Multiplikation, die hinreichend gutartig sind und mitei-
nenander kompatibel sind – d.h. in Körpern kann man bequem rechnen“.
”
Definition 2.3.4 (Körper). Ein Körper ist ein Tripel (K, +, · ) bestehend
aus einer Menge K und Abbildungen +, · : K × K −→ K (Addition bzw.
Multiplikation) mit folgenden Eigenschaften:
Das Paar (K, +) bildet eine abelsche Gruppe. Sei 0 das neutrale Ele-
ment dieser Gruppe.
Das Paar (K \ {0}, · ) bildet eine abelsche Gruppe. Sei 1 das neutrale
Element dieser Gruppe.
x · (y + z) = x · y + x · z.
Bemerkung 2.3.5 (0 6= 1). Ist (K, +, · ) ein Körper, so gilt nach Definiti-
on 1 ∈ K \ {0} und somit insbesondere 0 6= 1.
Anmerkung zum Lernen. Es ist eine gute Übung, die obige Definition noch-
mal explizit zu expandieren, d.h. den Baustein Gruppe“ jeweils in explizite
”
Eigenschaften der Addition bzw. Multiplikation auszuformulieren.
An dieser Stelle können wir bereits den Wert der Abstraktion schätzen
lernen: Aus Proposition 2.2.11 wissen wir bereits, dass das neutrale Element
sowie inverse Elemente bezüglich Addition bzw. Multiplikation jeweils ein-
deutig sind.
Notation 2.3.6 (Brüche und Differenzen). Sei (K, +, · ) ein Körper und seien
x, y ∈ K. Dann verwenden wir die Differenznotation
x − y := x + (−y).
Hinweis für die geistige Gesundheit: Im Normalfall werden wir nur wis-
sen müssen, dass wir die rationalen Zahlen konstruieren können aber nicht
wie. Statt sich also vorzustellen, dass rationale Zahlen Äquivalenzklassen
von Paaren ganzer Zahlen sind, die wiederum Äquivalenzklassen von Paaren
natürlicher Zahlen sind, die wiederum induktiv aus der leeren Menge konstru-
ierte Mengen sind, ist es viel verünftiger, die obige Bruch-/Dezimaldarstellung
von rationalen Zahlen zu verwenden (Abbildung 2.1) und im Kopf zu behal-
ten, dass die rationalen Zahlen den kleinsten“ Körper bilden, der die ganzen
”
Zahlen enthält (dies wird im Rahmen der Algebra rigoros bewiesen).
+ 0 1 · 0 1
0 0 1 0 0 0
1 1 0 1 0 1
Q(i) := {a + i · b | a, b ∈ Q} ⊂ C
Da die Addition kommutativ ist, folgt auch (−1) · x + x = 0. Also ist (−1) · x
das additive Inverse von x, d.h. es gilt −x = (−1) · x.
Insbesondere ist (−1) · (−1) = −(−1). Da −1 das additive Inverse von 1
ist, ist 1 das additive Inverse von −1. Also ist (−1) · (−1) = 1.
Zu 3. Dies folgt mit Kontraposition und Multiplikation mit Inversen.
Aus diesen Eigenschaften lassen sich noch viele weitere ableiten, unter
anderem zum Beispiel die gewöhnlichen Bruchrechenregeln.
Notation 2.3.10 (ganzzahlige Vielfache). Sei K ein Körper, sei x ∈ K und
sei n ∈ Z. Dann schreiben wir
( P
n
j=1 x falls n ∈ N ist
n · x :=
−(−n) · x falls −n ∈ N \ {0} ist.
Man beachte dabei, dass mindestens einer dieser beiden Fälle eintritt (Pro-
position 2.2.4.2) und dass nicht beide Fälle gleichzeitig eintreten können (dies
folgt aus der Kürzungsregel Proposition 2.1.12.3).
2.3. Die rationalen Zahlen und Körper 51
N −→ K
n 7−→ n · 1
ist im allgemeinen nicht injektiv (z.B. für F2 ). Falls diese Abbildung injektiv
ist, so sagt man, dass K Charakteristik 0 hat. Ist diese Abbildung nicht
injektiv, so bezeichnet man die kleinste Zahl n ∈ N \ {0} mit n · 1 = 0 als
Charakteristik von K (dass eine Zahl n ∈ N \ {0} mit n · 1 = 0 mit nicht-
injektiven Fall existiert, folgt aus einer kleinen Rechnung; dass eine kleinste
solche Zahl existiert, folgt aus dem Induktions- bzw. Wohlordnungsprinzip). √
Zum Beispiel hat F2 die Charakteristik 2, aber die Körper Q, R, C, Q( 2),
Q(i) haben Charakteristik 0.
Literaturaufgabe. Lesen Sie das Buch Zahlen von Ebbinghaus [6].
52 2. Zählen, Zahlen, Körper
3
Vektorräume
Aufbauend auf dem Begriff des Körpers werden wir nun die grundlegenden
Objekte der linearen Algebra einführen: Vektorräume.
Einerseits dienen Vektorräume der bequemen Beschreibung des zwei- bzw.
dreidimensionalen Anschauungsraums. Andererseits gibt es auch viele weitere
natürlich auftretende Situationen in der Analysis, der Algebra, . . . und in den
Anwendungen, die sich gut durch Vektorräume modellieren lassen.
Wir werden uns dann mit den fundamentalen Handgriffen in Vektorräumen
vertraut machen und lineare Unabhängigkeit, Basen, Dimension sowie einfa-
che Konstruktionen von Vektorräumen betrachten.
Überblick über dieses Kapitel.
3.1 Vektorräume 54
3.2 Lineare Unabhängigkeit 66
3.3 Basen 72
3.4 Dimension 82
3.1 Vektorräume
Wir beginnen mit der Definition des Vektorraums. Als Vorbereitung dafür
werden wir einen kurzen Blick in die Geometrie werfen.
K 0 := {0} ⊂ K.
∀j∈{1,...,n} xj = yj
gilt.
Bemerkung 3.1.2 (Paare, Tripel, Tupel und die Mengenlehre). An dieser Stelle
ist es vielleicht angebracht, kurz über die Modellierung von Paaren, Tripeln
und allgemeineren Tupeln in der axiomatischen Mengenlehre nachzudenken.
Wie kann man Paare modellieren? Man kann nachrechnen, dass für alle
Mengen x, x0 , y, y 0 die Äquivalenz
{x}, {x, y} = {x0 }, {x0 , y 0 } ⇐⇒ (x = x0 ∧ y = y 0 )
3.1. Vektorräume 55
Á
x1
x2
x2
x1 À
definieren.
Ist K ein Körper, so könnte man nun induktiv K 0 := {0}, K 1 := K
und
K n+1 := K n × K
für alle n ∈ N \ {0} definieren (und dann eine Tupelnotation einführen,
um die Notation zu vereinfachen).
Alternativ kann man (nachdem man Paare modelliert hat und da-
mit das kartesische Produkt und Abbildungen formalisieren kann)
für n ∈ N \ {0} auch K n als Menge aller Abbildungen {1, . . . , n} −→ K
definieren. Es gibt dann eine kanonische Bijektion zwischen dieser De-
finition und der im vorigen Absatz.
Wir werden uns im folgenden nicht weiter mit diesen Details auseinanderset-
zen und einfach die Notation und Eigenschaften aus Definition 3.1.1 verwen-
den.
Den Grund dafür, dass wir Elemente von K n als Spaltenvektoren anse-
hen wollen, wird sich später im Zusammenhang mit der Multiplikation von
Matrizen erschließen.
Beispiel 3.1.3 (Anschauungsraum der Geometrie). Den zweidimensionalen
Anschauungsraum kann man in dieser Notation als R2 modellieren (Abbil-
dung 3.1), den dreidimensionalen Anschauungsraum als R3 . Diese Sichtweise
spielt auch in der Computergraphik eine entscheidende Rolle – die Model-
lierung von zwei- bzw. dreidimensionalen Objekten erfolgt im Normalfall in
kartesischen Koordinaten.
Beispiele für grundlegende geometrische Operationen sind das Verschie-
ben von Objekten im Anschauungsraum und das Skalieren von Objekten im
Anschauungsraum (Abbildung 3.2).
56 3. Vektorräume
Á x 1 + v1 Á
x 2 + v2 λ · x1
x1 λ · x2
x2 x1
x2
v
À À
Á Á
À À
R2 −→ R2
x1 x 1 + v1
7−→
x2 x 2 + v2
R2 −→ R2
x1 λ · x1
7−→
x2 λ · x2
gegeben.
Diese grundlegenden geometrischen Operationen sind der Ursprung des
Vektorraumbegriffs. Insbesondere hängt das Reskalieren mit dem Begriff des
Skalars bzw. der Skalarmultiplikation zusammen und das Verschieben ist der
Ursprung des Begriffs des Vektors (von lateinisch vectare, was in etwa tragen,
transportieren bedeutet).
Es wird sich jedoch herausstellen, dass der Begriff des Vektorraums so gut
gewählt ist, dass sich viele weitere geometrische Transformationen und auch
viele weitere theoretische und praktische Situationen gut damit modellieren
lassen.
3.1. Vektorräume 57
3.1.2 Vektorräume
Inspiriert von der kartesischen Geometrie führt man den Begriff des Vektor-
raums folgendermaßen ein:
Definition 3.1.4 (Vektorraum). Sei K ein Körper. Ein K-Vektorraum ist ein
Tripel (V, +, · ), bestehend aus einer Menge V und Abbildungen + : V ×
V −→ V bzw. · : K × V −→ V , mit folgenden Eigenschaften:
Es ist (V, +) eine abelsche Gruppe.
Assoziativität. Für alle λ, µ ∈ K und alle v ∈ V gilt
(λ · µ) · v = λ · (µ · v).
1 · v = v.
(λ + µ) · v = λ · v + µ · v und λ · (v + w) = λ · v + λ · w.
Die Elemente von V heißen Vektoren. Wir bezeichnen +“ als Addition auf V
”
und · : K × V −→ V als Skalarmultiplikation.
Oft unterdrückt man in der Notation auch die Verknüpfungen und sagt
kurz (aber etwas schlampig), dass V ein K-Vektorraum“ ist.
”
Anmerkung zum Lernen. Es ist eine gute Übung, sich in dieser Definition
genau zu überlegen, welche Addition/Multiplikation in K bzw. V stattfindet.
Caveat 3.1.5 (Multiplikation). Sei K ein Körper und sei (V, +, · ) ein K-
Vektorraum. Man beachte, dass die Skalarmultiplikation Skalare mit Vek-
toren multipliziert (was Vektoren liefert). Im allgemeinen können in einem
Vektorraum nicht zwei Vektoren sinnvoll“ miteinander multipliziert werden
”
(um wieder einen Vektor zu erhalten).
Proposition 3.1.6 (Vektorraum der n-Tupel). Sei K ein Körper und sei n ∈ N.
Dann bildet K n mit den Abbildungen
+ : K n × K n −→ K n · : K × K n −→ K n
x1 y1 x1 + y1 x1 λ · x1
.. .. .. .. .
. , . 7−→ . λ, . 7−→ ..
xn yn xn + yn xn λ · xn
einen K-Vektorraum.
58 3. Vektorräume
Beispiel 3.1.7 (triviale Vektorräume). Sei K ein Körper. Dann ist K 0 = {0}
ein K-Vektorraum (bezüglich der Addition/Multiplikation aus Propositi-
on 3.1.6); man bezeichnet diesen auch als Nullvektorraum (über K).
λ · v = 0 =⇒ (λ = 0 ∨ v = 0).
Beweis. Der Beweis beruht auf ähnlichen Argumenten wie der Beweis von
Proposition 2.3.9. Wir geben stellvertretend den Beweis für die dritte Aussa-
ge:
Zu 3. Seien λ ∈ K und v ∈ V mit λ · v = 0. Ist λ = 0, so ist nichts zu
zeigen. Wir können also annehmen, dass λ 6= 0 ist. Da K \ {0} bezüglich
Multiplikation ein Körper ist, besitzt λ ein multiplikatives Inverses λ−1 ∈ K.
Damit erhalten wir
60 3. Vektorräume
wie gewünscht.
Literaturaufgabe (für Physiker). Lesen Sie das Kapitel Was sind Vektoren?
im Buch Lineare Algebra von Jänich [10, Kapitel 2.6].
3.1.3 Untervektorräume
In vielen Situationen ist es vorteilhaft, wenn man sich bei der Betrachtung,
auf einen kleinen Ausschnitt konzentrieren kann. Im Fall der Vektorräume
führt dies zum Begriff des Untervektorraums:
Definition 3.1.11 (Untervektorraum). Sei K ein Körper und sei (V, +, · ) ein
K-Vektorraum. Ein K-Untervektorraum von V ist eine Teilmenge U ⊂ V
mit folgenden Eigenschaften:
Die Abbildungen + : V × V −→ V und · : K × V −→ V schränken
sich zu Abbildungen + : U × U −→ U und · : K × U −→ U ein.
Die Menge U bildet bezüglich dieser eingeschränkten Addition bzw.
Skalarmultiplikation einen K-Vektorraum.
Anmerkung zum Lernen (Unter. . . ). Die Definition von Untervektorräumen
folgt einem allgemeinen Prinzip: Im Normalfall erhält man aus der Definition
von Irgendwas die Definition von Unter-Irgendwas, indem man eine geeig-
nete Teilmenge betrachtet und verlangt, dass sich die Struktur des großen
Irgendwas auf diese Teilmenge einschränkt und die Teilmenge mit dieser ein-
geschränkten Struktur die Bedingungen der Definition von Irgendwas erfüllt.
Auf diese Weise erhält man auch den Begriff Untergruppe, Untermodul, Un-
termannigfaltigkeit, Teilkörper, Teilraum (im Sinne der Topologie), . . .
Beispiel 3.1.12 (triviale Untervektorräume). Sei K ein Körper und sei V ein
K-Vektorraum. Dann sind {0} ⊂ V und V ⊂ V jeweils K-Untervektorräume
von V .
In der Praxis, ist es besser, die obigen Definition durch das folgende Kri-
terium zu ersetzen:
Proposition 3.1.13 (Charakterisierung von Unterräumen). Sei K ein Körper,
sei (V, +, · ) ein K-Vektorraum und sei U ⊂ V eine nicht-leere Teilmen-
ge. Dann ist U genau dann ein K-Untervektorraum von V , wenn folgende
Bedingungen beide erfüllt sind:
3.1. Vektorräume 61
0 = 0 · u ∈ U.
R·v
Á
w+R·v
w v
Definition 3.1.18 (affiner Unterraum). Sei K ein Körper und sei V ein K-
Vektorraum. Eine Teilmenge U ⊂ V ist ein affiner K-Unterraum von V ,
wenn es ein w ∈ V gibt, so dass
w + U := {w + u | u ∈ U } ⊂ V
w + K · v = {w + λ · v | λ ∈ K} ⊂ V
3.1.4 Erzeugendensysteme
Da die Spezifikation von Untervektorräumen, indem man die Menge aller
Elemente angibt, umständlich ist, verwendet man die folgende Konvention:
Definition 3.1.20 (Erzeugendensystem, erzeugter Untervektorraum). Sei K ein
Körper, sei V ein K-Vektorraum und sei E ⊂ V .
Dann heißt der K-Untervektorraum (Proposition 3.1.16)
\
SpanK (E) := U
U ∈UE (V )
Beweis. Es ist eine Gleichheit von Mengen zu zeigen; wir zeigen die beiden
Inklusionsrichtungen einzeln. Wir schreiben kurz W für die Menge auf der
rechten Seite.
Es gilt SpanK (E) ⊂ W , denn: Nach Definition von SpanK (E) genügt es
zu zeigen, dass W ∈ UE (V ) ist – denn dann folgt
\
SpanK (E) = UE (V ) ⊂ W.
Die Tatsache, dass W ∈ UE (V ) ist, kann man mithilfe der Definition von W
nachrechnen (Übungsaufgabe).
Außerdem gilt W ⊂ SpanK (E), denn: Nach Definition von SpanK (E)
genügt es dafür folgendes zu zeigen: Ist U ∈ UE (V ), so folgt W ⊂ U . Diese
Aussage folgt durch eine naheliegende Induktion (Übungsaufgabe).
In Vektorräumen der Form K n gibt es ein ausgezeichnetes Erzeugenden-
system, nämlich die Menge der Standardeinheitsvektoren.
Definition 3.1.22 (Standardeinheitsvektoren). Sei K ein Körper, sei n ∈ N>0 .
Ist j ∈ {1, . . . , n}, so schreiben wir
0
..
.
ej :=
1 (in der j-ten Zeile) ∈ Kn
.
..
0
3.1. Vektorräume 65
(d.h. in der j-ten Zeile steht 1, in allen anderen Zeilen steht 0) für den j-ten
Standardeinheitsvektor von K n .
Beispiel 3.1.23. Sei K ein Körper und sei n ∈ N. Dann ist {e1 , . . . , en } ein
Erzeugendensystem von K n , denn: Jedes x ∈ K n kann in der Form
x1 n
.. X
x= . = xj · ej
xn j=1
dargestellt werden.
Andererseits ist {e1 } kein Erzeugendensystem von K 2 , denn die zweite
Koordinate aller Elemente von SpanK ({e1 }) ist 0; insbesondere ist daher
auch e2 ∈ K 2 \ SpanK ({e1 }).
Beispiel 3.1.24. Sei K ein Körper und sei V ein K-Vektorraum. Aus der
Definition von erzeugten Untervektorräumen folgt
Wir können mit diesen Begriffen einen ersten Schritt in Richtung Kom-
plexität von Vektorräumen gehen:
Definition 3.1.25 (endlich erzeugt). Ein Vektorraum ist endlich erzeugt, wenn
er ein endliches Erzeugendensystem besitzt.
Beispiel 3.1.26. Sei K ein Körper und sei n ∈ N. Dann ist K n nach Bei-
spiel 3.1.23 endlich erzeugt.
Ist X eine unendliche Menge, so kann man zeigen, dass der Vektor-
raum Abb(X, K) nicht endlich erzeugt ist (wir werden später ein Hilfsmittel
kennenlernen, mit dem man das einfach zeigen kann).
3.2.1 Linearkombinationen
Als Hilfsmittel für die Definition der linearen Unabhängigkeit führen wir
zunächst Familien und Linearkombinationen ein:
Definition 3.2.1 (Familie). Seien X und I Mengen. Eine (über I indizierte)
Familie (xi )i∈I in X ist eine Abbildung
I −→ X
i 7−→ xi .
Ist (xi )i∈I eine Familie in X, so ist eine Teilfamilie von (xi )i∈I eine Familie
der Form (xj )j∈J , wobei J ⊂ I eine Teilmenge von I ist. Eine Familie (xi )i∈I
ist endlich, wenn I endlich ist.
Man beachte, dass über N indizierte Familien dasselbe wie Folgen sind.
Bemerkung 3.2.2 ((Teil)Mengen vs. Familien). Seien X und I Mengen und sei
(xi )i∈I eine Familie in X. Im Unterschied zur Menge {xi | i ∈ I} ⊂ X können
in der Familie (xi )i∈I Elemente aus X mehrfach auftreten und bei (xi )i∈I
ist auch die Reihenfolge“ der Elemente relevant (d.h. welches Element zu
”
welchem Index aus I gehört).
Definition 3.2.3 (Linearkombination). Sei K ein Körper, sei V ein K-Vektor-
raum und sei (vi )i∈I eine Familie in V . Eine Linearkombination der (vi )i∈I
ist eine Summe der Form X
λj · vj ,
j∈J
wobei J ⊂ I eine endliche Teilmenge und (λj )j∈J eine Familie (sogenannter
Koeffizienten) in K ist. Man beachte dabei, dass diese Summe tatsächlich
wohldefiniert ist (dies folgt induktiv über |J|, da die Addition in V assoziativ
und kommutativ ist).
Ist (vi )i∈I eine Familie in einem K-Vektorraum, so ist SpanK ({vi | i ∈ I})
nach Proposition 3.1.21 die Menge der Linearkombinationen von (vi )i∈I .
3.2. Lineare Unabhängigkeit 67
Definition 3.2.4 (linear abhängig, linear unabhängig). Sei K ein Körper und
sei V ein K-Vektorraum.
Eine Familie in V ist linear abhängig, wenn sie nicht linear unabhängig
ist.
Bemerkung 3.2.5 (linear abhängig, explizit). Sei K ein Körper, sei V ein K-
Vektorraum und sei n ∈ N. Eine Familie (vj )j∈{1,...,n} (auch als (v1 , . . . , vn )
geschrieben) ist genau dann linear abhängig, wenn es λ1 , . . . , λn ∈ K gibt
mit
Xn
∃j∈{1,...,n} λj 6= 0 und λ j · vj = 0
j=1
Die Familie, die nur aus 0 besteht, ist in jedem K-Vektorraum linear
abhängig, denn
1 6= 0 und 1 · 0 = 0.
Ist V ein K-Vektorraum, ist (vi )i∈I eine Familie in V und gibt es i, j ∈ I
mit i 6= j und vi = vj , so ist diese Familie linear abhängig, denn
1 6= 0 und 1 · vi + (−1) · vj = vi − vj = 0.
v
w = −2 · v w
0 n λ1
.. X ..
. = 0 = λ j · ej = . .
0 j=1 λn
Also gilt für alle j ∈ {1, . . . , n}, dass λj = 0 ist.
Analog zeigt man: Ist X eine Menge, so ist die Familie (fi )i∈X im
Abbildungsraum Abb(X, K) linear unabhängig, wobei wir für i ∈ X
die Abbildung fi wie folgt definieren:
fi : X −→ K
(
1 falls x = i
x 7−→
0 6 i
falls x =
Beispiel 3.2.7 (Ebenen). Seien v, w ∈ R3 . Dann ist der von {v, w} erzeug-
te Untervektorraum von R3 genau dann geometrisch eine Ebene, wenn die
Familie (v, w) linear unabhängig ist (siehe auch Abbildung 3.5).
Beispiel 3.2.8 (RGB). Ein weitverbreitetes Modell zur Beschreibung von Far-
ben ist RGB (als Abkürzung für red, green, blue). Es handelt sich dabei um
ein additives Farbmodell (Wasserfarben und Farbdrucker hingegen mischen
subtraktiv), das an die Funktionsweise des menschlichen Auges angelehnt ist,
und z.B. in Computermonitoren und Bildsensoren für Digitalkameras verwen-
det wird. Farben im RGB-Modell werden durch Vektoren im Würfel
r
[0, 1]3 := g r, g, b ∈ [0, 1] ⊂ R3
b
3.2. Lineare Unabhängigkeit 69
(d.h. einer der Vektoren aus der Familie ist als Linearkombination der
anderen darstellbar).
=⇒
2. =⇒ 3.
zu zeigen, da dann jede der drei Aussagen die anderen beiden impliziert; an
dieser Stelle geht die folgende aussagenlogische Tautologie ein:
(A =⇒ B) ∧ (B =⇒ C) =⇒ (A =⇒ C)
Zu 1. =⇒ 2. Die Familie (vi )i∈I sei linear abhängig. Insbesondere ist die
Familie somit nicht-leer und es existiert eine endliche Teilmenge J ⊂ I, eine
Familie (λj )j∈J in K mit X
λj · vj = 0,
j∈J
Dann ist X
1 · vi + (−λj ) · vj = 0
j∈J
eine Linearkombination der gegebenen Familie, die 0 ergibt, und einer der
Koeffizienten (nämlich der von vi ) ist nicht 0. Also ist die Familie linear
abhängig.
Umgekehrt betrachtet sind linear unabhängige Familien von Vektoren ef-
fizient in dem Sinne, dass jeder Vektor auf höchstens eine Art als Linearkom-
bination einer gegebenen linear unabhängigen Familie geschrieben werden
kann:
Proposition 3.2.11 (lineare Unabhängigkeit und Darstellbarkeit). Sei K ein
Körper, sei V ein K-Vektorraum, sei n ∈ N und sei (v1 , . . . , vn ) eine Familie
in V . Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent:
1. Die Familie (v1 , . . . , vn ) ist linear unabhängig.
2. Die folgende Abbildung ist injektiv:
K n −→ V
Xn
λ 7−→ λj · vj
j=1
72 3. Vektorräume
Beweis. Man kann dies aus Proposition 3.2.10 folgern oder die beiden Impli-
kationen ausgehend von den Definitionen ableiten (Übungsaufgabe).
Wir werden später einen Algorithmus kennenlernen, mit dem man effizient
überprüfen kann, ob eine Familie in K n linear unabhängig ist oder nicht.
3.3 Basen
Wir werden uns nun auf linear unabhängige Erzeugendensysteme, sogenannte
Basen, konzentrieren. Wir werden feststellen, dass jeder Vektorraum eine
Basis besitzt und dass je zwei Basen dieselbe Mächtigkeit haben. Dies führt
zum Begriff der Dimension eines Vektorraums.
3.3.1 Basen
Wir geben nun die präzise Definition von Basen in Vektorräumen:
Definition 3.3.1 (Basis). Sei K ein Körper und sei V ein K-Vektorraum. Eine
Familie (vi )i∈I in V ist eine Basis von V , wenn
Notation 3.3.2. Ist (vi )i∈I eine Familie in einem Vektorraum V , so sagen wir
auch kurz (aber etwas schlampig), dass (vi )i∈I ein Erzeugendensystem von V
ist, wenn die zugehörige Menge {vi | i ∈ I} ein Erzeugendensystem von V
ist.
Beispiel 3.3.3 (Standardbasis). Sei K ein Körper und sei n ∈ N. Dann ist
(ej )j∈{1,...,n} eine Basis von K n , die sogenannte Standardbasis von K n .
Man beachte dabei aber, dass K n noch viele andere Basen besitzt: Zum
Beispiel ist für jedes λ ∈ K \ {0} auch (λ · ej )j∈{1,...,n} eine Basis von K n .
Eine weitere Basis von K n ist zum Beispiel (e1 + e2 , e2 , . . . , en ). Wir werden
später lernen, wie man alle Basen von K n beschreiben kann.
Andererseits ist (e1 , e2 , −e2 , . . . , en ) keine Basis von K n , da diese Familie
nicht linear unabhängig ist, und (e1 , . . . , en−1 ) ist keine Basis von K n , da
dies kein Erzeugendensystem ist (falls n > 0 ist).
Á Á À
e2
v2
v1
e1 À
n
X
v= λ j · vj
j=1
2. Es ist (vi )i∈I eine maximale linear unabhängige Familie (d.h. diese Fa-
milie ist linear unabhängig und jede Familie in V , die diese Familie als
echte Teilfamilie enthält, ist linear abhängig).
Beweis. Zu 1. =⇒ 2. Sei (vi )i∈I eine Basis von V . Nach Definition ist (vi )i∈I
somit linear unabhängig. Warum liegt Maximalität vor? Da {vi | i ∈ I} ein
74 3. Vektorräume
Erzeugendensystem von V ist, gilt dies auch für jede Familie, die (vi )i∈I als
echte Teilfamilie enthält. Mit Proposition 3.2.10 (genauer mit der Implikati-
on 3. =⇒ 1.“) folgt somit, dass jede solche echte Oberfamilie linear abhängig
”
ist.
Zu 2. =⇒ 3. Sei (vi )i∈I eine maximale linear unabhängige Familie. Dann
ist {vi | i ∈ I} ein Erzeugendensystem von V , denn: Sei v ∈ V . Fügt
man v zur gegebenen Familie hinzu, so ist die neue Familie (aufgrund
der Maximalität) linear abhängig. Mit Proposition 3.2.10 (genauer mit der
Äquivalenz 1. ⇐⇒ 2.“) erhalten wir somit, dass v als Linearkombination
”
der (vi )i∈I dargestellt werden kann. Mit Proposition 3.1.21 folgt daher, dass
v ∈ SpanK ({vi | i ∈ I}) ist. Also ist V = SpanK ({vi | i ∈ I}).
Außerdem ist dieses Erzeugendensystem von V aufgrund der linearen Un-
abhängigkeit minimal nach Proposition 3.2.10 (genauer nach der Kontrapo-
sition der Implikation 3. =⇒ 1.“).
”
Zu 3. =⇒ 1. Sei {vi | i ∈ I} ein minimales Erzeugendensystem von V .
Dann ist die Familie (vi )i∈I nach Proposition 3.2.10 (genauer nach der Kon-
traposition der Implikation 1. =⇒ 3.“) linear unabhängig.
”
Um sinnvoll mit Basen in Vektorräumen arbeiten zu können, sind die
folgenden Fragen zu beantworten:
Wir werden diese Fragen zunächst im endlich erzeugten Fall beantworten und
dann auf den nicht endlich erzeugten Fall eingehen.
Satz 3.3.7 (Existenz von Basen, endlich erzeugter Fall). Jeder endlich erzeugte
Vektorraum besitzt eine endliche Basis.
Beweis. Die Idee ist, die Charakterisierung von Basen als minimale Erzeu-
gendensysteme zu verwenden, und die folgende (etwas stärkere) Aussage zu
zeigen, indem wir so lange Vektoren aus einem endlichen Erzeugendensystem
entfernen, bis ein minimales Erzeugendensystem vorliegt:
Ist K ein Körper und ist V ein endlich erzeugter K-Vektorraum mit
endlichem Erzeugendensystem E, so gibt es eine Basis von V , die nur
aus Elementen von E besteht (insbesondere ist eine solche Basis also
auch endlich, da E nur endlich viele Elemente enthält und in einer Basis
keine Vektoren mehrfach vorkommen können).
3.3. Basen 75
Wir beweisen diese Aussage induktiv über die Anzahl |E| der Elemente
von E: Induktionsanfang. Ist |E| = 0, so ist E = ∅. Insbesondere ist E dann
linear unabhängig und somit eine Basis (von V = SpanK ∅ = {0}).
Induktionsschritt. Sei |E| > 0 und die Behauptung in allen Fällen mit
Erzeugendensystemen mit weniger Elementen bereits gezeigt. Da E endlich
ist, gibt es ein n ∈ N und (paarweise verschiedene) Vektoren v1 , . . . , vn ∈ V
mit E = {v1 , . . . , vn }. Wir unterscheiden nun zwei Fälle:
Ist E ein minimales Erzeugendensystem von V , so ist (v1 , . . . , vn ) nach
Satz 3.3.6 eine Basis.
Ist E kein minimales Erzeugendensystem von V , so gibt es also ein j ∈
{1, . . . , n} mit der Eigenschaft, dass E 0 := E \ {vj } ein Erzeugenden-
system von V ist. Wegen |E 0 | ≤ |E| − 1 < |E| können wir die Induk-
tionsvoraussetzung auf E 0 anwenden und finden somit eine Teilfamilie
von (v1 , . . . , vj−1 , vj+1 , . . . , vn ), die eine Basis von V ist.
Also gibt es eine Basis von V , die nur aus Elementen von E besteht.
Beispiel 3.3.8. Es gibt keinen F2 -Vektorraum, der genau 2016 Elemente
enthält (Übungsaufgabe).
Um Basen gut miteinander vergleichen zu können, gibt es zwei zentrale
Hilfsmittel, den Austauschsatz und den Ergänzungssatz.
Satz 3.3.9 (Austauschsatz). Sei K ein Körper, sei V ein endlich erzeugter
K-Vektorraum und sei (v1 , . . . , vn ) eine Basis von V . Ist w ∈ V \ {0}, so gibt
es ein j ∈ {1, . . . , n}, so dass
Indem wir die obige Gleichung für w in diese Gleichung einsetzen, er-
halten wir
X
µ · λ j · vj + (µ · λr + µr ) · vr = 0.
r∈{1,...,n}\{j}
Korollar 3.3.10 (iterierter Austausch). Sei K ein Körper, sei V ein end-
lich erzeugter K-Vektorraum, sei (v1 , . . . , vn ) eine Basis von V und sei
(w1 , . . . , wm ) eine linear unabhängige Familie in V . Dann gibt es eine Teil-
menge J ⊂ {1, . . . , n}, so dass die zusammengesetzte Familie
w1 , . . . , wm , (vj )j∈J
Beweis. Wir können m-mal den Austauschsatz (Satz 3.3.9) anwenden und
erhalten so induktiv Basen
2 Das Wort Korollar leitet sich vom lateinischen Wort corollarium ab, das ursprünglich
Kränzchen oder Geschenk bedeutet. Ein Korollar ist also so etwas wie ein Geschenk,
das man zu einem Satz dazu bekommt . . .
3 Das Wort iterieren leitet sich vom lateinischen Wort iterare ab, das wiederholen bedeu-
tet.
3.3. Basen 77
w1 , eine Teilfamilie von (v1 , . . . , vn ) ,
w1 , w2 , eine Teilfamilie von (v1 , . . . , vn ) ,
w1 , w2 , w3 , eine Teilfamilie von (v1 , . . . , vn ) ,
..
.
w1 , . . . , wm , eine Teilfamilie von (v1 , . . . , vn ) ,
Beispiel 3.3.11. Also ist jede Familie mit mindestens vier Vektoren im R-
Vektorraum R3 linear abhängig (da die Standardbasis von R3 nur drei Ele-
mente enthält).
Korollar 3.3.12 (alle Basen haben dieselbe Länge). Sei K ein Körper, sei V
ein endlich erzeugter K-Vektorraum und seien (v1 , . . . , vn ) und (w1 , . . . , wm )
Basen von V . Dann folgt n = m.
Beweis. Da Basen linear unabhängige Systeme sind, können wir den iterier-
ten Austauschsatz (Korollar 3.3.10) in beide Richtungen anwenden; auf diese
Weise erhalten wir m ≤ n und n ≤ m, und damit m = n.
Beispiel 3.3.13 (Basen von K n ). Ist K ein Körper und n ∈ N, so besteht jede
Basis von K n aus genau n Vektoren (da die Standardbasis dies erfüllt).
Korollar 3.3.14 (Ergänzungssatz). Sei K ein Körper, sei V ein endlich er-
zeugter K-Vektorraum und sei (w1 , . . . , wm ) eine linear unabhängige Fami-
lie in V . Dann gibt es ein n ∈ N≥m und Vektoren vm+1 , . . . , vn , so dass
(w1 , . . . , wm , vm+1 , . . . , vn ) eine Basis von V ist.
Beweis. Nach Satz 3.3.7 besitzt V eine endliche Basis. Auf eine solche Basis
und die gegebene linear unabhängige Familie (w1 , . . . , wm ) wenden wir den
iterierten Austauschsatz (Korollar 3.3.10) an und erhalten so eine Basis von V
von der gewünschten Form.
Korollar 3.3.15 (große linear unabhängiger Familien). Sei K ein Körper und
sei V ein endlich erzeugter K-Vektorraum. Dann enthält V keine unendliche
linear unabhängige Familie.
78 3. Vektorräume
Beweis. Da V endlich erzeugt ist, besitzt V eine endliche Basis (Satz 3.3.7),
etwa (v1 , . . . , vn ).
Angenommen, V enthält eine unendliche linear unabhängige Familie. Dann
enthält V auch eine linear unabhängige Folge (wm )m∈N (strenggenommen
benötigt man dafür Satz A.4.7). Für jedes m ∈ N ist (w1 , . . . , wm ) linear un-
abhängig und mit dem iterierten Austauschsatz (Korollar 3.3.10) folgt daher,
dass m ≤ n, was nicht sein kann.
Also enthält V keine unendliche linear unabhängige Familie.
Beispiel 3.3.16 (ein nicht endlich erzeugter Vektorraum). Ist K ein Körper und
ist X eine unendliche Menge, so ist also der K-Vektorraum Abb(X, K) nicht
endlich erzeugt, denn Abb(X, K) enthält eine unendliche linear unabhängige
Familie (Beispiel 3.2.6).
Eine partielle Ordnung auf M ist eine Relation ≤ auf M , die reflexiv,
transitiv und anti-symmetrisch ist, d.h.
∀x,y∈M (x ≤ y) ∧ (y ≤ x) =⇒ (x = y).
∀x,y∈M (x ≤ y) ∨ (y ≤ x).
∀x∈N x ≤ m.
{0, 1}
{0} {1}
Abbildung 3.8.: Die Inklusionsrelation auf der Potenzmenge von {0, 1}. Men-
gen, die weiter oben gezeichnet sind, sind größer als Mengen,
die weiter unten gezeichnet sind; Elemente, die vergleichbar
sind, sind dabei durch eine Linie verbunden.
Bemerkung 3.3.20 (das Zornsche Lemma für kleine Mengen). Sei (M, ≤) ei-
ne höchstens abzählbare nicht-leere partiell geordnete Menge, die die Vor-
aussetzungen im Zornschen Lemma erfüllt. Dann kann man induktiv (ohne
Auswahlaxiom!) zeigen, dass (M, ≤) ein maximales Element enthält.
Satz 3.3.21 (Existenz von Basen, allgemeiner Fall). Jeder Vektorraum besitzt
eine Basis.
Beweis (AC). Die Idee ist, die Charakterisierung von Basen als maximale
linear unabhängige Familien zu verwenden, und die folgenden (etwas stärkere)
Aussage zu zeigen:
Sei K ein Körper, sei V ein K-Vektorraum und sei (vj )j∈J eine linear
unabhängige Familie in V . Dann gibt es eine Oberfamilie von (vj )j∈J ,
die eine Basis von V ist.
Die Behauptung des Satzes folgt dann, indem wir die leere Familie (die
bekanntlich linear unabhängig ist) in V betrachten.
Wir beweisen die obige Behauptung mit dem Zornschen Lemma. Wir er-
weitern zunächst die Familie (vj )j∈J zu einer Familie (vi )i∈I in V , die jeden
Vektor aus V enthält, und betrachten dann die Menge
M := A ⊂ I (vi )i∈A ist linear unabhängig und J ⊂ A .
Beweis (AC). Nach Korollar 3.3.12 und Korollar 3.3.15 bleibt nur der Fall
zu betrachten, dass I und J unendlich sind.
Die Idee ist, Gleichmächtigkeit mithilfe des Satzes von Schröder-Bernstein
(Satz A.4.4) zu zeigen. Es genügt also zu zeigen, dass es eine injektive Ab-
bildung J −→ I gibt (indem man die Rollen der beiden Basen vertauscht,
erhält man auch eine Injektion I −→ J).
Ist i ∈ I, so ist vi als Linearkombination einer endlichen Teilfamilie
von (wj )j∈J darstellbar; es gibt also eine endliche Teilmenge Ji ⊂ J mit
vi ∈ SpanK {wj | j ∈ Ji } .
Da (vi )i∈I ein Erzeugendensystem von V ist und (wj )j∈J als Basis ein mini-
males Erzeugendensystem von V ist (Satz 3.3.6), folgt
[
Ji = J.
i∈I
Da jedes Ji endlich ist, folgt aus dieser Gleichheit, dass es eine injektive
Abbildung
J −→ I × N
gibt. Andererseits ist aus der Mengelehre bekannt, dass I × N und I gleich-
mächtig sind, da I unendlich ist (an dieser Stelle geht das Auswahlaxiom
ein). Somit erhalten wir eine injektive Abbildung J −→ I.
3.3.5 Zusammenfassung
Wir haben also folgendes gesehen:
Jeder Vektorraum besitzt eine Basis.
Jede linear unabhängige Familie kann zu einer Basis erweitert werden.
Aus jedem Erzeugendensystem kann man eine Basis auswählen.
Je zwei Basen eines Vektorraums sind gleich groß.
Diese Eigenschaften bilden die Grundlage für den Dimensionsbegriff.
82 3. Vektorräume
3.4 Dimension
Wir können nun die Größe“ eines Vektorraums dadurch messen, dass wir
”
die Größe von Basen betrachten.
Definition 3.4.1 (Dimension). Sei K ein Körper und sei V ein K-Vektorraum.
Ist V endlich erzeugt und ist (v1 , . . . , vn ) eine Basis von V , so definieren
wir die Dimension von V als
dimK (V ) := n.
Ist V nicht endlich erzeugt, so definieren wir die Dimension von V als
die Mächtigkeit einer/jeder Basis von V . Wir schreiben dann oft auch
(etwas vereinfachend)
dimK (V ) := ∞
und sagen, dass V unendlich-dimensional ist.
Beispiel 3.4.2.
Ist K ein Körper und ist X eine unendliche Menge, so gilt nach Bei-
spiel 3.3.16, dass dimK Abb(X, K) = ∞.
e1
e2 À
Proposition 3.4.4 (Dimension von Unterräumen). Sei K ein Körper, sei V ein
endlich-dimensionaler K-Vektorraum und sei U ⊂ V ein Untervektorraum.
Dann ist auch U endlich-dimensional. Ist U 6= V , so folgt dimK U < dimK V .
Beweis. Dies folgt aus den bereits bewiesenen Eigenschaften von Basen und
linear unabhängigen Familien (Übungsaufgabe).
U + W := {u + w | u ∈ U, w ∈ W } ⊂ V.
Die Dimension von Summenräumen lässt sich aus den Dimensionen der
Summanden berechnen – dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass man den
Durchschnitt der Summanden nicht doppelt zählen“ darf. Dies führt zur
”
folgenden Dimensionsformel:
Satz 3.4.6 (Dimensionsformel für Unterräume). Sei K ein Körper, sei V ein
endlich-dimensionaler K-Vektorraum und seien U, W ⊂ V Untervektorräume
von V . Dann gilt
Dann folgt
k
X n
X m
X
λj · vj + λj · uj = (−µj ) · wj .
j=1 j=k+1 j=k+1
Da die linke Seite in U liegt und die rechte Seite in W liegt, liegen also
beide Seiten in U ∩ W . Nach Wahl unserer Basen bedeutet dies aber,
dass
λk+1 = · · · = λn = 0 und µk+1 = · · · = µm = 0.
Setzt man dies in die obige Gleichung ein, so folgt
k
X
λj · vj = 0.
j=1
3.4. Dimension 85
 Â
W
W0
U ∩W U U ∩ W0 U
À À
Á Á
Also ist B eine Basis von U + W . Nach Konstruktion von B ist dann
dimK (U + W ) = k + (n − k) + (m − k) = n + m − k
= dimK (U ) + dimK (W ) − dimK (U ∩ W ),
wie behauptet.
U := SpanR ({e1 , e2 }), W := SpanR ({e2 , e3 }), W 0 := SpanR ({e1 +e2 +e3 })
Dann gilt
und
U + W = R3 , und U + W 0 = R3 .
Außerdem ist
86 3. Vektorräume
Beweis. Wir führen dies auf die obige Dimensionsformel zurück: Dazu be-
trachten wir die Untervektorräume
dimK (U ⊕ W ) = dimK (U 0 + W 0 )
= dimK U 0 + dimK W 0
= dimK U + dimK W,
wie behauptet.
3.4.4 Quotientenvektorräume
Als nächsten Schritt werden wir sogenannte Quotientenräume betrachten.
Ist V ein Vektorraum und U ⊂ V ein Untervektorraum, so ist es manchmal
günstig, den Quotientenvektorraum V /U zu betrachten:
v ∼U w ⇐⇒ v + U = w + U
v + U = (w + u) + U = w + (u + U ) = w + U.
v − w = u ∈ U.
1. Die Abbildungen
· : K × V /U −→ V /U
(λ, v + U ) 7−→ (λ · v) + U,
+ : V /U × V /U −→ V /U
(v + U, w + U ) 7−→ (v + w) + U
sind wohldefiniert.
Die Addition ist in Abbildung 3.11 illustriert – als Addition von affinen
Unterräumen.
3.4. Dimension 89
U v+U w+U (v + w) + U
v+w
Beweis. Zu 1. Wir zeigen nur die Wohldefiniertheit der Addition (der Beweis
für die Skalarmultiplikation verläuft analog): Seien also v, w, v 0 , w0 ∈ V mit
v ∼U v 0 und w ∼U w0 . Dann ist (da die Addition in V kommutativ ist!)
(v + w) − (v 0 + w0 ) = v + w − v 0 − w0 = v − v 0 + w − w0 ∈ U,
und
−1 0 −1
+U +2· +U = + U.
1 1 3
und damit
m
X
v− λj · wj ∈ U.
j=1
Da (u1 , . . . , un ) eine Basis von U ist, können wir diesen Vektor somit
als Linearkombination von (u1 , . . . , un ) schreiben. Durch Umstellen er-
halten wir so v als Linearkombination von (w1 , . . . , wm , u1 , . . . , un ).
Also ist B eine Basis von V und es folgt
Bemerkung 3.4.17. Wir werden im folgenden Kapitel sehen, wie man linea-
re Abbildungen nutzen kann, um die Dimensionsformel für Quotientenvek-
torräume aus der Dimensionsformel für komplementäre Untervektorräume
ableiten kann (Bemerkung 4.4.12).
4
Lineare Abbildungen
Wie jede mathematische Theorie besitzt die lineare Algebra neben grundle-
genden Objekten (den Vektorräumen) auch strukturerhaltende Morphismen
zwischen solchen Objekten. Dies sind die sogenannten linearen Abbildungen.
Geometrisch gehören neben den durch die Skalarmultiplikation gegebenen
Streckungen auch Spiegelungen, Rotationen und daraus zusammengesetzte
Abbildungen zu den linearen Abbildungen.
Außerdem treten lineare Abbildungen in vielen Anwendungen auf natür-
liche Weise auf und dienen als gut berechenbarer Approximationsbaustein in
der Analysis.
f (v + v 0 ) = f (v) + f (v 0 )
f (λ · v) = λ · f (v).
Beispiel 4.1.2 (generische Beispiele). Sei K ein Körper, seien V und W Vek-
torräume über K und sei U ⊂ V ein Untervektorraum. Dann sind
0 : V −→ W
v 7−→ 0,
idV : V −→ V
v 7−→ v,
i1 : V −→ V ⊕ W
v 7−→ (v, 0),
p1 : V ⊕ W −→ V
(v, w) 7−→ v,
iU : U −→ V
u 7−→ u,
πU : V −→ V /U
v 7−→ v + U
K-lineare Abbildungen.
R −→ R
x 7−→ x2
C 1 (R, R) −→ C 0 (R, R)
f 7−→ f 0
C 0 ([0, 1], R) −→ R
Z 1
f 7−→ f (x) dx
0
sind R-linear.
94 4. Lineare Abbildungen
Á Á Identität
x1 1 0
x 7→
x2 0 1
À −→ À
Á Á Nullabbildung
0 0 0
x 7→
0 0 0
À −→ À
Á Á Spiegelung an R · e2
−x1 −1 0
x 7→
x2 0 1
À −→ À
Á Á Rotation um π/2
−x2 0 −1
x 7→
x1 1 0
À −→ À
Á Á Koordinatenvertauschung
x2 0 1
x 7→
x1 1 0
À −→ À
Á Á Unterschiedliche Skalierung
2 · x1 2 0
x 7→
x2 0 1
À −→ À
Á Á Scherung
x1 + x2 1 1
x 7→
x2 0 1
À −→ À
f (0) = f (0 · 0) = 0 · f (0) = 0.
Zu 2. Dies folgt per Induktion über die Anzahl der Summanden aus der
Definition von Linearität (nachrechnen).
Aus dem ersten Teil folgt insbesondere, dass die (nicht-trivialen) Ver-
schiebungsabbildungen in Vektorräumen nicht zu den linearen Abbildungen
zählen. Möchte man solche Abbildungen auch betrachten, so bietet es sich
an, zu den sogenannten affin-linearen Abbildungen überzugehen. Wir werden
uns im folgenden auf lineare Abbildungen konzentrieren.
Proposition 4.1.6 (Vererbungseigenschaften von linearen Abbildungen). Sei K
ein Körper und seien V , W , X Vektorräume über K.
1. Ist f : V −→ W linear und ist λ ∈ K, so ist auch λ·f : V −→ W linear.
Zur Erinnerung (Beispiel 3.1.9):
λ · f : V −→ W
v 7−→ λ · f (v).
f + g : V −→ W
v 7−→ f (v) + g(v).
4.2.1 Matrizen
Eine Matrix ist nichts anderes als ein mit Zahlen aus dem Grundkörper
gefülltes Rechteck (Abbildung 4.2):
Die Konvention ist, in der ersten Koordinate die Zeilen (oben begin-
nend) und in der zweiten Koordinaten die Spalten (links beginnend) zu
indizieren.
Wir bezeichnen die Menge aller m×n-Matrizen über K mit Mm×n (K).
Ist A = (ajk )j.k ∈ Mm×n (K) und ist j ∈ {1, . . . , n}, so schreiben wir
für die j-te Zeile von A. Analog schreiben wir für k ∈ {1, . . . , m}
a1k
A∗k := ... ∈ Mm×1 (K)
amk
Wir identifizieren dabei Mm×1 (K) mit K m und M1×1 (K) mit K.
4.2. Lineare Abbildungen aus Matrizen 97
Beispiel 4.2.2 (Einheitsmatrix). SeiK ein Körper und sei n ∈ N. Dann ist
1 0 0 ... 0
0 1 0 . . . 0
0 1 . . . 0
In := 0
.. .. ..
. . .
0 0 0 ... 1
lässt sich die Einheitsmatrix kurz als In = (δj,k )j,k ∈ Mn×n (K) schreiben.
Beweis. Der Beweis der Vektorraumeigenschaften ist analog zum Beweis von
Proposition 3.1.6.
Wir bestimmen die Dimension von Mm×n (K), indem wir eine Basis an-
geben: Dazu betrachten wir die Elementarmatrizen; zu r ∈ {1, . . . , m},
s ∈ {1, . . . , n} ist die (r, s)-Elementarmatrix als
definiert (d.h. alle Einträge in Er,s sind 0, bis auf den Eintrag in der r-ten
Zeile und s-ten Spalte, welcher 1 ist).
Eine einfache Rechnung zeigt, dass (Er,s )(r,s)∈{1×m}×{1,...,n} eine Basis
von Mm×n (K) ist – analog zur Standardbasis von K m (nachrechnen!). Also
ist
dimK Mm×n (K) = {1, . . . , m} × {1, . . . , n} = m · n.
k-te Spalte
A A·B
HAMMM!
Wie kann man sich diesen Zahlensalat merken? Eine bewährte Methode ist,
sich die zu multiplizierenden Matrizen wie in Abbildung 4.3 aufzuschreiben
und die Multiplikation so wie dort angedeutet zu berechnen. Dabei werden
einzelne Zeilen mit Spalten wie im Zeilen/Spalten-Krokodil (Abbildung 4.4)
miteinander multipliziert.
A · ek = A∗k ,
100 4. Lineare Abbildungen
wobei ek ∈ K n ist. Analog kann man Zeilen extrahieren, indem man von
links mit den entsprechenden Standardeinheitszeilenvektoren multipliziert.
Beispiel 4.2.10 (Fibonacci-Zahlen und Matrixmultiplikation). Die Folge (Fn )n∈N
der Fibonacci-Zahlen ist die rekursiv durch
F0 = 0
F1 = 1
∀n∈N Fn+2 = Fn + Fn+1
A · In = A und Im · A = A.
(A + A0 ) · B = A · B + A0 · B und A · (B + B 0 ) = A · B + A · B 0 .
λ · (A · B) = (λ · A) · B = A · (λ · B).
(A · B) · C = A · (B · C).
Anmerkung zum Lernen. Verfolgen Sie den Verlauf der Indizes nochmal ge-
nau in einer geeigneten schematischen Skizze von Matrizen.
102 4. Lineare Abbildungen
Anmerkung zum Lernen. Das Rechnen mit Matrizen sollte unbedingt von
Hand geübt werden, damit man ein Gespür dafür bekommt. Es bietet sich
jedoch an, die Ergebnisse mit einem Computeralgebrasystem zu überprüfen.
Korollar 4.2.13 (lineare Abbildungen aus Matrizen). Sei K ein Körper und
seien m, n, p ∈ N.
L(A) : K n −→ K m
x 7−→ A · x
Der erste Teil dieser Proposition ist der Hauptgrund dafür, dass wir im
Normalfall mit Spaltenvektoren arbeiten – denn dann können wir bequem
durch Matrixmultiplikation von links lineare Abbildungen beschreiben.
Indem man die Standardeinheitsvektoren einsetzt, erhält man daher mit
Beispiel 4.2.9 die zentrale Einsicht, die dem Matrizenkalkül zugrundeliegt:
Á Á
e2
sin ϕ
ϕ cos ϕ
ϕ
cos ϕ À À
e1 − sin ϕ
Bild von e1 Bild von e2
L(A)(ej ) = A∗j .
a11 · x1 + · · · + a1n · xn = b1
..
.
am1 · x1 + · · · + amn · xn = bn .
V (A, b) := {x ∈ K n | A · x = b} = {x ∈ K n | L(A)(x) = b}
wobei M (f ) ∈ Mm×n (K) die Matrix ist, deren Spalten f (e1 ), . . . , f (en )
sind.
Beweis. Zu 1. Sei x ∈ K n . Dann ist (nach Proposition 4.1.5 und der Defini-
tion der Matrixmultiplikation)
X
n n
X
f (x) = f xj · ej = xj · f (ej )
j=1 j=1
= M (f ) · x.
Satz 4.3.1 (universelle Eigenschaft von Basen). Sei K ein Körper, sei V ein K-
Vektorraum mit einer Basis (vi )i∈I und sei W ein K-Vektorraum. Dann gibt
es zu jeder Abbildung f : I −→ W genau eine K-lineare Abbildung F : V −→
W mit
∀i∈I F (vi ) = f (i).
Wir zeigen, dass dann F = F 0 ist: Sei v ∈ V . Da (vi )i∈I eine Basis
von V (und somit insbesondere erzeugend!) ist, gibt es eine endliche
Teilmenge J ⊂ I und eine Familie (λj )j∈J in K mit
X
v= λj · vj .
j∈J
= F 0 (v),
wie behauptet.
Eine Rechnung zeigt nun, dass man auf diese Weise eine lineare Ab-
bildung F : V −→ W erhält (nachrechnen!). Nach Konstruktion gilt
dabei F (vi ) = f (i) für alle i ∈ I.
∃!F (linear)
VO /W
:
i7→vi
f
I
Beweis. Dies folgt direkt aus der universellen Eigenschaft von Basen.
Analoge Aussagen gelten natürlich auch, wenn die Indexmengen der Basen
gleichmächtig sind (und nicht gleich).
1. Ist (vi )i∈I eine Familie in V und ist die Bildfamilie (f (vi ))i∈I linear
unabhängig, so ist auch (vi )i∈I linear unabhängig.
Beweis. Diese Aussagen folgen aus Proposition 4.1.5. Wir beweisen hier stell-
vertretend die zweite Aussage (die anderen gehen analog):
4.4. Kern und Bild 107
Zu 2. Sei (vi )i∈I linear unabhängig und f injektiv. Dann ist auch (f (vi ))i∈I
linear unabhängig, denn: Sei J ⊂ I endlich und sei (λj )j∈J eine Familie in K
mit X
λj · f (vj ) = 0.
j∈J
f : R2 −→ R2
0
x 7−→ .
x2
108 4. Lineare Abbildungen
Dann ist ker f = SpanR ({e1 }) und im f = SpanR ({e2 }). Insbesondere ist also
rg f = 1.
Injektivität von linearen Abbildungen lässt sich wie folgt mithilfe des Kerns
charakterisieren:
Proposition 4.4.4 (Injektivität und Kern). Sei K ein Körper und sei f : V −→
W eine lineare Abbildung von K-Vektorräumen. Dann ist f genau dann in-
jektiv, wenn ker f = {0} ist.
f (v) = 0 = f (0).
f (v − v 0 ) = f (v) − f (v 0 ) = 0,
Insbesondere misst also die Dimension des Kerns wie wenig injektiv eine
lineare Abbildung ist.
Umgekehrt lässt sich Surjektivität von linearen Abbildungen (nach De-
finition) durch das Bild charakterisieren; der Rang misst also wie surjektiv
eine lineare Abbildung ist. In Analogie zur Charakterisierung von surjekti-
ven Abbildungen von Mengen durch Spalte (Proposition 1.3.39) gilt auch die
folgende lineare Version:
Proposition 4.4.5 (lineare Spalte und Surjektivität). Sei K ein Körper und
sei f : V −→ W eine lineare Abbildung von K-Vektorräumen. Dann sind
folgende Aussagen äquivalent:
f ◦ s = idW .
Beweis (AC).
für alle i ∈ I. Wenden wir nun die universelle Eigenschaft von Basen
auf f ◦ S an, so erhalten wir f ◦ S = idW , wie gewünscht.
und analog
g(w + w0 ) = g f (g(w)) + f (g(w0 )) = g f (g(w) + g(w0 ))
= g(w) + g(w0 ).
Anmerkung zum Lernen. Viele Quellen verwenden als Definition für Isomor-
phismen zwischen Vektorräumen die zweite Charakterisierung (d.h. linear
”
und bijektiv“). In der Praxis verwendet man tatsächlich meist die zweite oder
dritte Charakterisierung. Konzeptionell gesehen trägt aber die Definition als
strukturerhaltend invertierbare strukturerhaltende Abbildung weiter.
Insbesondere besitzen Isomorphismen eindeutige inverse Isomorphismen
(Proposition 1.3.32) und Isomorphismen bilden Basen auf Basen ab (Propo-
sition 4.3.4). Genauer gilt sogar, dass die Dimension eine vollständige Iso-
morphieinvariante von Vektorräumen ist:
Proposition 4.4.9 (Invarianz der Dimension). Sei K ein Körper und seien V ,
W Vektorräume über K. Dann sind folgende Aussagen äquivalent:
4.4. Kern und Bild 111
1. Es gilt V ∼
=K W .
2. Es gilt dimK V = dimK W .
Insbesondere folgt: ist V ein endlich-dimensionaler K-Vektorraum, so ist
V ∼
=K K dimK V .
Beweis. Dies folgt aus Proposition 4.3.4 und der universellen Eigenschaft von
Basen (Satz 4.3.1) (Übungsaufgabe).
Beispiel 4.4.10 (geometrische lineare Abbildungen, Isomorphismen). In Bei-
spiel 4.1.3 sind die Spiegelungen, Rotationen, Streckungen und Scherungen
(je mit Skalierungsfaktor ungleich 0) Isomorphismen. Projektionen auf Quo-
tienten und Inklusionen von Untervektorräumen sind im allgemeinen jedoch
keine Isomorphismen.
Wir geben zwei generische Beispiele, die insbesondere im Kontext von
Dimensionsformel interessant sind:
Proposition 4.4.11 (komplementäre Untervektorräume und direkte Summen).
Sei K ein Körper, sei V ein K-Vektorraum und seien U, W ⊂ V Untervek-
torräume. Dann sind folgende Aussagen äquivalent:
1. Die Untervektorräume U und W sind komplementär in V .
2. Die Abbildung
f : U ⊕ W −→ V
(u, w) 7−→ u + w
πU |W : W −→ V /U
w 7−→ w + U
Satz 4.4.13 (Homomorphiesatz für Vektorräume). Sei K ein Körper und sei
f : V −→ W eine lineare Abbildung von K-Vektorräumen. Dann ist
f : V / ker f −→ im f
v + ker f 7−→ f (v)
bzw.
rg f = dimK V − dimK ker f.
Beweis. Mit dem Homomorphiesatz (Satz 4.4.13) und der Invarianz der Di-
mension (Proposition 4.4.9) folgt, dass
Ausblick 4.4.17 (Exaktheit und Homologie). Sei K ein Körper und sei
fn+1 fn
... / Vn+1 / Vn / Vn−1 / ...
im fn+1 = ker fn .
114 4. Lineare Abbildungen
exakte Sequenzen.
Gilt in obiger Sequenz für alle n ∈ Z, dass fn ◦ fn+1 = 0, so wird Nicht-
Exaktheit von dieser Sequenz durch die sogenannte Homologie gemessen: Für
alle n ∈ Z definiert man die n-te Homologie als den Quotienten
Nach Definition gilt genau dann Hn (V∗ ) ∼ =K {0} für alle n ∈ Z, wenn die
Sequenz exakt ist. Je größer die Homologie ist, desto weniger exakt ist also
die Sequenz.
Mithilfe von Homologie können viele geometrische Eigenschaften von geo-
metrischen Objekten algebraisch berechnet werden (z.B. in der Algebraischen
Topologie oder Algebraischen Geometrie). In der Algebraischen Topologie
liefert dann die Dimensionsformel für lineare Abbildungen einen wichtigen
Schritt in dem Beweis, dass die Euler-Charakteristik eine Homotopieinvari-
ante ist.
das lineare Gleichungssystem zu A und b. Man sagt, dass dieses lineare Glei-
chungssystem aus m Gleichungen in n Variablen besteht (siehe auch Bemer-
kung 4.2.16). Die Lösungsmenge ist
V (A, b) := {x ∈ K n | A · x = b}.
Man bezeichnet
Beweis. Zu 1. Nach Definition ist V (A, 0) = ker L(A), woraus mit Bemer-
kung 4.4.2 die Behauptung folgt.
Zu 2. Es gilt
Damit folgt, dass V (A, b) genau dann nicht-leer ist, wenn b ∈ im L(A) ist.
Die Eindeutigkeitsaussage folgt aus dem dritten Teil.
Zu 3. Sei x0 ∈ K n eine spezielle Lösung. Ist x ∈ V (A, b), so ist x − x0 ∈
V (A, 0), denn
A · (x − x0 ) = A · x − A · x0 = b − b = 0.
A · (x0 + x) = A · x0 + A · x = b + 0 = b.
4.5 Homomorphismenräume
Zum Abschluss unserer allgemeinen Betrachtungen von linearen Abbildungen
nehmen wir nochmal einen anderen Blickwinkel ein: Statt einzelne lineare
Abbildungen zu betrachten, studieren wir Mengen bzw. Vektorräume von
linearen Abbildungen. Insbesondere werden wir den sogenannten Dualraum
kennenlernen.
Beweis. Die Menge HomK (V, W ) ist nicht-leer, da sie die Nullabbildung
enthält. Nach Proposition 3.1.13 genügt es zu zeigen, dass HomK (V, W ) unter
Addition und Skalarmultiplikation abgeschlossen ist, d.h. dass die punktweise
Summe bzw. punktweise Skalierung von linearen Abbildungen wieder lineare
Abbildungen liefern. Dies folgt aus Proposition 4.1.6.
dimK HomK (K n , K m ) = m · n.
Beweis. Dies folgt aus Korollar 4.2.13 und Proposition 4.2.17 (bzw. Proposi-
tion 4.4.8). Die Bestimmung der Dimension erfolgte in Proposition 4.2.6.
Definition 4.5.3 (Dualraum). Sei K ein Körper und sei V ein K-Vektorraum.
Dann bezeichnet man den K-Vektorraum
V ∗ := HomK (V, K)
als Dualraum von V . Die Elemente von V ∗ bezeichnet man auch als Linear-
formen auf V .
Satz 4.5.4 (Dualraum von endlich-dimensionalen Vektorräumen). Sei K ein
Körper und sei V ein endlich-dimensionaler K-Vektorraum. Dann gibt es
einen Isomorphismus V ∼=K V ∗ .
Beweis. Nach Proposition 4.5.2 ist dimK V ∗ = dimK V und somit V ∼ =K V ∗
(Proposition 4.4.9). Wir geben nun noch einen etwas expliziteren Beweis über
sogenannte duale Basen:
Sei n := dimK V und sei (v1 , . . . , vn ) eine Basis von V . Wir konstruie-
ren nun die zu (v1 , . . . , vn ) duale Basis von V ∗ : Zu j ∈ {1, . . . , n} bezeich-
ne vj∗ : V −→ K die eindeutige lineare Abbildung (universelle Eigenschaft
von Basen!) mit
∀k∈{1,...,n} vj∗ (vk ) = δj,k .
Dann ist (v1∗ , . . . , vn∗ ) eine Basis von V ∗ , denn:
Erzeugendensystem: Dass {v1∗ , . . . , vn∗ } den Dualraum V ∗ erzeugt, folgt
aus der universellen Eigenschaft von Basen (Satz 4.3.1).
Lineare Unabhängigkeit: Seien λ1 , . . . , λn ∈ K mit
n
X
λj · vj∗ = 0;
j=1
man beachte dabei, dass die Null auf der rechten Seite die Nullabbil-
dung V −→ K ist. Einsetzen der Basisvektoren v1 , . . . , vn liefert für
alle k ∈ {1, . . . , n}, dass
X
n
0 = 0(vk ) = λj · vj∗ (vk ) = λk · vk∗ (vk ) = λk .
j=1
Proposition 4.5.6 (Doppeldual). Sei K ein Körper und sei V ein K-Vektor-
raum. Dann ist die Abbildung
i : V −→ (V ∗ )∗
v 7−→ f 7→ f (v)
Beweis. Eine einfache Rechnung zeigt, dass i linear ist. Dass i injektiv ist,
kann man zum Beispiel über Basisergänzung und die universelle Eigenschaft
von Basen zeigen (Übungsaufgabe).
Bemerkung 4.5.7 (Funktorialität des Dualraums). Sei K ein Körper und sei
W ein K-Vektorraum. Ist f : V −→ V 0 eine lineare Abbildung von K-
Vektorräumen, so ist
eine linear Abbildung. Man beachte dabei, dass es sich bei HomK (f, W )
nur um eine Notation handelt; HomK (f, W ) ist eine lineare Abbildung,
kein Vektorraum. Die Notation kommt daher, dass man die Konstrukti-
on HomK ( · , W ) auf Vektorräume und auf lineare Abbildungen anwendet
(und so Vektorräume bzw. lineare Abbildungen erhält). Im Fall W = K
schreiben wir auch kurz
f ∗ := HomK (f, K) : V 0∗ −→ V ∗
Satz 4.5.8 (universelle Eigenschaft von Quotienten). Sei K ein Körper, sei V
ein K-Vektorraum und sei U ⊂ V ein Untervektorraum. Dann besitzt der
4.5. Homomorphismenräume 119
f ◦ πU = f.
f
V /W
=
πU
∃! f
V /U
In anderen Worten: Für jeden K-Vektorraum W ist die lineare Abbildung
HomK (πU , W ) : HomK (V /U, W ) −→ f ∈ HomK (V, W ) f |U = 0
g 7−→ g ◦ πU
f : V /U −→ W
v + U 7−→ f (v)
f ◦ π = πU .
Denn:
einmal hin“: Nach (∗), angewendet auf πU : V −→ V /U gibt es eine
”
lineare Abbildung f : Q −→ V /U mit
f ◦ π = πU .
g ◦ πU = π
rundherum, das ist nicht schwer“: Wendet man nun noch einmal (∗)
”
bzw. die universelle Eigenschaften des Quotienten V /U auf π : V −→ Q
bzw. πU : V −→ V /U and, so folgt mit der Eindeutigkeitsaussage
4.5. Homomorphismenräume 121
Korollar 4.5.9 (Kern und Rang dualer Homomorphismen). Sei K ein Körper
und sei f : V −→ W eine lineare Abbildung zwischen K-Vektorräumen. Dann
gibt es einen (kanonischen) Isomorphismus
ker(f ∗ ) ∼
=K (W/ im f )∗ .
Beweis. Es gilt
ker(f ∗ ) = {g ∈ W ∗ | g ◦ f = 0}
= {g ∈ W ∗ | im f ⊂ ker g}
∼
=K (W/ im f )∗ ,
wobei wir in der letzten Gleichheit die universelle Eigenschaft des Quotien-
ten W/ im f verwendet haben.
Die zusätzlichen Aussagen folgen daraus mit der Dimensionsformel für
Quotientenvektorräume (Satz 3.4.16), der Dimensionsformel für lineare Ab-
bildungen (Korollar 4.4.14) und Satz 4.5.4.
Wir werden nun algorithmische Aspekte der Theorie der Vektorräume und
linearen Abbildungen untersuchen, indem wir den Matrizenkalkül entwickeln.
Als ersten Schritt überlegen wir uns, wie man lineare Abbildungen zwischen
allgemeinen endlich-dimensionalen Vektorräumen durch Matrizen darstellen
kann. Im zweiten Schritt werden wir sehen, wie man mit dem sogenannten
Gaußschen Eliminationsverfahren lineare Gleichungssysteme algorithmisch
lösen kann; insbesondere werden wir dadurch Kerne von linearen Abbildun-
gen, Durchschnitte von Untervektorräumen, etc. berechnen können. Im letz-
ten Schritt betrachten wir eine weitere Invariante, die in diesem Kontext eine
wichtige Rolle spielt, die Determinante.
Definition 5.1.1 (invertierbare Matrix). Sei K ein Körper und sei n ∈ N. Eine
Matrix A ∈ Mn×n (K) heißt invertierbar, wenn es eine Matrix B ∈ Mn×n (K)
mit
A · B = In und B · A = In
gibt. Ist A invertierbar, so schreibt man auch A−1 für das (eindeutig be-
stimmte!) Inverse von A.
ist nicht invertierbar (man beachte die Nullspalte). In M2×2 (R) gilt
−1
1 1 2 −1
= ;
1 2 −1 1
auch wenn uns an dieser Stelle noch nicht unmittelbar klar ist, wie man
Matrizen auf Invertierbarkeit testen kann und wie man inverse Matrizen be-
5.1. Darstellung von linearen Abbildungen 125
stimmen kann, so können wir leicht durch Nachrechnen überprüfen, dass die
obigen beiden Matrizen tatsächlich invers zueinander sind.
Invertierbarkeit von Matrizen hängt wie folgt mit der Invertierbarkeit von
linearen Abbildungen zusammen:
Proposition 5.1.4 (Invertierbarkeit von linearen Abbildungen vs. Matrizen). Sei
K ein Körper, sei n ∈ N und sei f : K n −→ K n linear. Dann sind die
folgende Aussagen äquivalent:
1. Die Abbildung f : K n −→ K n ist ein Isomorphismus.
2. Die Matrix M (f ) ∈ Mn×n (K) ist invertierbar.
Beweis. Dies folgt aus dem Zusammenhang zwischen Matrixmultiplikati-
on und Komposition linearer Abbildungen (Korollar 4.2.13 und Propo-
sition 4.2.17). (Übungsaufgabe). Dabei ergibt sich im invertierbaren Fall
auch M (f )−1 = M (f −1 ).
Wir können daher auch Korollar 4.4.15 in die Welt der Matrizen übersetzen;
wir verwenden dafür den Rangbegriff für Matrizen:
Definition 5.1.5 (Rang einer Matrix). Sei K ein Körper und seien m, n ∈ N.
Der (Spalten)Rang einer Matrix A ∈ Mm×n (K) ist
rg A := rg L(A) ∈ N.
gilt (die Spalten sind die Bilder der Standardeinheitsvektoren, und Proposi-
tion 4.3.4) und grundlegenden Eigenschaften von Basen und Dimension.
Insbesondere liefern Basen invertierbare Matrizen:
Beispiel 5.1.7 (Matrix zu einer Basis). Sei K ein Körper und n ∈ N. Ist B =
(v1 , . . . , vn ) eine Basis von K n , so ist die Matrix MB , deren Spalten v1 , . . . , vn
(in dieser Reihenfolge) sind, invertierbar, d.h. MB ∈ GL(n, K).
126 5. Matrizenkalkül
Beispiel 5.1.8. Sei K ein Körper, sei n ∈ N und sei En := (e1 , . . . , en ) die
Standardbasis von K n . Dann ist
M En = I n .
Zum Beispiel lassen sich mithilfe dieser Matrizen auch die Basistransfor-
mationsabbildungen beschreiben:
(denn die Spalten sind die Bilder der Standardeinheitsvektoren!). Also ist
fB,C := TE−1
m ,C
◦ f ◦ TEn ,B ∈ HomK (K n , K m )
und
MB,C (f ) := M (fB,C ) ∈ Mm×n (K).
5.1. Darstellung von linearen Abbildungen 127
Wir bezeichnen MB,C (f ) als Matrix zu f bezüglich der Basen B und C. Diese
Situation lässt sich durch das folgende kommutative Diagramm veranschau-
lichen:
f
VO /W
O
TEn ,B TEm ,C
Kn / Km
fB,C
Man beachte dabei, dass die Abbildungen der Form TX,Y Isomorphismen
sind; die universelle Eigenschaft von Basen zeigt nämlich, dass TY,X das In-
verse von TX,Y ist. Die Kommutativität des obigen Diagramms bedeutet
eigentlich, dass
TEm ,C ◦ fB,C = f ◦ TEn ,B
ist. Da die vertikalen“ Abbildungen TEm ,C und TEn ,B Isomorphismen sind,
”
ist dies aber äquivalent zu der definierenden Gleichung
fB,C = TE−1
m ,C
◦ f ◦ TEn ,B
bzw.
f = TEm ,C ◦ fB,C ◦ TE−1
n ,B
.
Dann ist
λ1
..
.
λm
die k-te Spalte von MB,C (f ). Kurz zusammengefasst:
Die Spalten sind die Bilder der Basisvektoren!
Bevor wir konkrete Beispiele für die Darstellung von linearen Abbildungen
durch Matrizen angeben, wollen wir uns vom prinzipiellen Nutzen dieser Dar-
stellung überzeugen (unter der Annahme, dass es uns später gelingen wird,
Fragen zu Matrizen algorithmisch zu beantworten):
128 5. Matrizenkalkül
Wie kann man in der Situation der Definition die Abbildung f aus der
Matrix MB,C (f ) zurückgewinnen? Für alle v ∈ V gilt (nach dem obigen
kommutativen Diagramm)
f (v) = TEm ,C MB,C (f ) · (TE−1
n ,B
(v)) .
Wie kann man den Kern von f aus MB,C (f ) bestimmen? Da TEn ,B
und TEm ,C Isomorphismen sind, gilt
ker f = v ∈ V f (v) = 0
= TEn ,B v ∈ K n fB,C (v) = 0
= TEn ,B V (MB,C (f ), 0) .
Wie kann man den Rang von f aus MB,C (f ) bestimmen? Da TEn ,B
und TEm ,C Isomorphismen sind, gilt
rg f = rg fB,C = rg MB,C (f ).
Außerdem kann man ein Analogon von Proposition 4.5.2 über den Zu-
sammenhang zwischen dem Abbildungsraum HomK (V, W ) und Mm×n (K)
herleiten.
von R2 (sowohl im Start- als auch im Zielraum). Dann erhalten wir (mit
Beispiel 5.1.9 und Beispiel 5.1.3 sowie etwas Geduld beim Rechnen)
MB,B (f ) = M (TE−1
2 ,B
◦ f ◦ TE2 ,B ) = MB−1 · A · MB
2 0
= .
0 1
5.1. Darstellung von linearen Abbildungen 129
Durch geschickte Wahl einer Basis konnten wir also eine deutlich einfachere
Darstellung unserer linearen Abbildung erreichen! Selbst für lineare Abbil-
dungen zwischen den Standardvektorräumen ist es daher unerlässlich auch
die Darstellung durch Matrizen bezüglich anderen Basen zu untersuchen.
Eine interessante Situation erhält man auch, wenn man duale Abbildun-
gen bezüglich dualen Basen darstellt: Dabei treten sogenannte transponierte
Matrizen auf; die transponierte Matrix erhält man, indem man die gegebene
Matrix an der Hauptdiagonalen spiegelt“:
”
Definition 5.1.14 (transponierte Matrix). Sei K ein Körper, seien m, n ∈ N
und A = (ajk )j,k ∈ Mm×n (K). Dann ist
und
T !T
1 2 3 1 2 3
= .
4 5 6 4 5 6
Proposition 5.1.16 (Matrix der dualen Abbildung). Sei K ein Körper, seien
V, W endlich-dimensionale K-Vektorräume, seien B und C Basen von V
bzw. W und seien B ∗ bzw. C ∗ die zugehörigen dualen Basen von V ∗ bzw. W ∗ .
Ist f : V −→ W linear, so gilt
MC ∗ ,B ∗ (f ∗ ) = MB,C (f )T .
Wir schreiben
für die zugehörigen dualen Basen (Beweis von Satz 4.5.4) von V ∗ bzw. W ∗ .
Ist A := MB,C (f ) ∈ Mm×n (K) und k ∈ {1, . . . , n}, so ist (die Spalten sind
die Bilder der Basisvektoren)
130 5. Matrizenkalkül
n
X
f (vk ) = Ar,k · wr .
r=1
Wir bestimmen nun die Koeffizienten von MC ∗ ,B ∗ (f ∗ ), indem wir die Wer-
te f ∗ (w1∗ ), . . . , f ∗ (wm
∗
) in der dualen Basis B ∗ darstellen: Sei j ∈ {1, . . . , m}.
Dann gilt
X
n
∀k∈{1,...,n} f ∗ (wj∗ ) (vk ) = wj∗ f (vk ) = wj∗ Ar,k · wr = Aj,k ,
r=1
In anderen Worten: Die j-te Spalte von MC ∗ ,B ∗ (f ∗ ) stimmt mit der j-ten
Zeile von A überein. Also ist MC ∗ ,B ∗ (f ∗ ) = AT .
Als Anwendung der Theorie der linearen Abbildungen erhalten wir insbe-
sondere die folgende Tatsache über Matrizen:
rg A = rg f = rg f ∗ = rg AT .
5.1.3 Basiswechsel
Wir untersuchen nun systematischer, was passiert, wenn wir lineare Abbil-
dungen bezüglich unterschiedlichen Basen durch Matrizen darstellen. Die
Nützlichkeit solcher Basiswechsel haben wir bereits in Beispiel 5.1.13 gese-
hen. Auch z.B. in der Physik sind (affine) Basis-/Koordinatenwechsel allge-
genwärtig: Wollen wir die Bewegung des Mondes relativ zur Erde beschrei-
ben, bietet es sich an, ein geeignetes Koordinatensystem zu wählen, dessen
5.1. Darstellung von linearen Abbildungen 131
Ursprung im Erdmittelpunkt liegt; wollen wir die Bewegung der Planeten des
Sonnensystems relativ zur Sonne beschreiben, bietet es sich an, ein Koordi-
natensystem zu wählen, dessen Ursprung in der Sonne liegt. In der Compu-
tergraphik werden (affine) Koordinatenwechsel benötigt, um den Blick auf
3D-Modelle von verschiedenen Punkten/Richtungen zu berechnen.
Als erstes betrachten wir Basiswechselmatrizen, d.h. Matrizen die Koor-
dinaten bezüglich einer Basis in Koordinaten bezüglich einer anderen Basis
umrechnen:
Man erhält die Koeffizienten von MB,C also, indem man die Elemente
aus B bezüglich der Basis C darstellt und die entsprechenden Koeffizienten
in die Spalten füllt.
Diese Basiswechselmatrizen sind tatsächlich invertierbar, da sie Matrizen
zu Isomorphismen sind. Genauer gilt in der Situation der obigen Definition,
−1
dass MB,C = MC,B ist (nachrechnen).
Beispiel 5.1.19. Sei K ein Körper und n ∈ N. Sind B und C Basen von K n ,
so gilt (nach Konstruktion)
fB 0 ,C 0 = TE−1
m ,C
0 ◦ f ◦ TEn ,B 0
B0 B C C0
f
Kn / Kn / Km o
7 Km
(idV )B 0 ,B fB,C (idW )C 0 ,C
fB 0 ,C 0
bzw.
Die alternative Darstellung ergibt sich dann daraus, dass (MC 0 ,C )−1 = MC,C 0
gilt.
Korollar 5.1.21 (Basiswechsel und identische Basen). Sei K ein Körper und sei
f : V −→ V ein linearer Endomorphismus eines endlich-dimensionalen K-
Vektorraums V mit n := dimK V . Ist B eine Basis und ist A ∈ Mn×n (K),
so sind die folgenden Aussagen äquivalent:
A = S −1 · MB,B (f ) · S.
Beweis. Dies folgt aus Proposition 5.1.20 und der Korrespondenz zwischen
Basen und invertierbaren Matrizen (Übungsaufgabe).
1 ... k1 k2 kr n
2 0 1
.. ...
.
r 1
5.2.1 Zeilenstufenform
Lineare Gleichungssysteme in Zeilenstufenform können durch Rückwärtsauf-
”
lösen“ von unten nach oben rekursiv gelöst werden. Die folgende Proposition
enthält die allgemeine Beschreibung dieses Verfahrens. Es empfiehlt sich je-
doch, sich nicht diese allgemeine Formulierung zu merken, sondern den dem
Verfahren unterliegenden (einfachen!) Mechanismus anhand von konkreten
Beispielen zu verstehen.
1. Es ist
n
X
V (A, 0) = x ∈ K n ∀j∈{1,...,r} xkj = − Aj,k · xk .
k=kj +1
gegeben ist (falls in den Pivotspalten über den Einsen der Treppenstufen
nur Nullen stehen, ist die hintere Summe jeweils Null!). Insbesondere
gilt dimK V (A, 0) = n − r und rg A = n − dimK V (A, 0) = r.
3. Sei b ∈ K m .
Gibt es ein j ∈ {r + 1, . . . , m} mit bj 6= 0, so ist V (A, b) = ∅.
Gilt bj = 0 für alle j ∈ {r + 1, . . . , m}, so ist x ∈ K n mit
∀j∈{1,...,n}\{k1 ,...,kr } xj := 0
xkr := br
xkr−1 := br−1 − Ar−1,kr · xkr
..
. Xr
xk1 := b1 − A1,kj · xkj
j=2
ein Element von V (A, b). Insbesondere ist V (A, b) = x + V (A, 0).
Beweis. Zu 1. Dass V (A, 0) die angegebene Gestalt hat, sieht man, indem
man das lineare Gleichungssystem
dass
−x2 + 6 · x4
6 −1
x x2 , x4 ∈ R , mit Basis , 1 ,
0
V (A, 0) =
2
−2 · x 4
−2 0
x4 1 0
V (A, b) = ∅ (man beachte die letzte Gleichung),
−2 −2
0 0
V (A, c) =
1 + V (A, 0), denn 1 ∈ V (A, c).
0 0
5.2.2 Zeilenoperationen
Das Gaußsche Eliminationsverfahren überführt eine gegebene Matrix in Zei-
lenstufenform und beruht auf drei grundlegenden Zeilenoperationen:
V (A, b) = V (Z · A, Z · b).
5.2. Das Gaußsche Eliminationsverfahren 137
A · x = b =⇒ Z · A · x = Z · b
und
Z · A · x = Z · b =⇒ A · x = Z −1 · Z · A · x = Z −1 · Z · b = b.
1 ... K k n
J AJ,k
0 0 1 2 0 1
Pivot? 2 2 6 0 0 2
1 1 1 −4 1 −1
1 0 0 1 2 0 1
2 · (2)
1 1 3 0 0 1
1 1 1 −4 1 −1
0 0 1 2 0 1
(3) − (2)
1 1 3 0 0 1
0 0 −2 −4 1 −2
1 1 3 0 0 1
(1) ↔ (2)
0 0 1 2 0 1
0 0 −2 −4 1 −2
1 1 3 0 0 1
Pivot?
0 0 1 2 0 1
0 0 −2 −4 1 −2
1 1 3 0 0 1
(3) + 2 · (2)
0 0 1 2 0 1
0 0 0 0 1 0
2. Es gilt
V (A, b) = V (A0 , b0 ).
Insbesondere kann dann V (A, b) explizit wie in Proposition 5.2.1 be-
schrieben werden.
Beweis. Zu 1. Aus der Beschreibung des Algorithmus ist ersichtlich, dass der
Algorithmus nach endlich vielen Schritten terminiert (die Ausgangsmatrix
hat nur endlich viele Zeilen und Spalten, und die Anzahl der Zeilen bzw.
Spalten ändert sich nicht). Außerdem folgt induktiv, dass der Algorithmus
eine (erweiterte) Matrix in Zeilenstufenform liefert.
140 5. Matrizenkalkül
5.2.4 Gauß-Rezepte
Wir geben nun eine Auswahl von Standardsituationen an, die mit dem Gauß-
schen Eliminationsverfahren behandelt werden können:
Anmerkung zum Lernen. Typischerweise sind Berechnungen von Hand mit
dem Gaußschen Eliminationsverfahren recht fehleranfällig (s. Vorlesung . . . ).
Sie sollten Ihre Ergebnisse daher mit einem Computeralgebrasystem über-
prüfen oder zumindest stichprobenartig von Hand nachrechnen, dass das Er-
gebnis plausibel ist.
Rezept 5.2.11 (Lösung linearer Gleichungssysteme).
Gegeben sei ein Körper K, n, m ∈ N und A ∈ Mm×n (K), b ∈ K m .
Gesucht sei V (A, b), d.h. ein Element von V (A, b) und eine Basis
von V (A, 0).
Rezept: Man wendet das Gaußsche Eliminationsverfahren auf die er-
weiterte Matrix (A | b) an und liest dann die Lösung an der entstande-
nen Zeilenstufenform ab; dabei bestimmt man (jeweils durch rekursives
Rückwärtsauflösen)
– eine Basis von V (A, 0), sowie
– eine spezielle Lösung in V (A, b).
Am bequemsten lassen sich die Lösungen ablesen, wenn man die
gründliche Variante des Eliminationsverfahrens anwendet (also auch
über den Pivotelementen für Nullen sorgt).
5.2. Das Gaußsche Eliminationsverfahren 141
Begründung: Dies ist der Inhalt von Satz 5.2.8 und Proposition 5.2.1.
Rezept 5.2.12 (Bestimmung des Kerns einer linearen Abbildung).
Gegeben sei ein Körper K und eine lineare Abbildung f : V −→ W
zwischen endlich-dimensionalen K-Vektorräumen.
Gesucht sei eine Basis von ker f ⊂ V .
Rezept: Man wähle Basen B und C von V bzw. W und bestimme die
darstellende Matrix MB,C (f ) (im einfachsten Fall ist f bereits eine li-
neare Abbildung K n −→ K m von der Form L(A) mit A ∈ Mm×n (K)).
Dann bestimme man eine Basis D von V (MB,C (f ), 0) wie in Re-
zept 5.2.11. Man bildet nun D mit TEdimK V ,B nach V ab und erhält so
eine Basis von ker f .
Begründung: Es gilt (s. Seite 127)
ker f = TEdimK V ,B V (MB,C (0), 0)
0 1 6 1 0 0
Pivot? 0 1 7 0 1 0
1 6 0 0 0 1
1 6 0 0 0 1
(3) ↔ (1)
0 1 7 0 1 0
0 1 6 1 0 0
1 6 0 0 0 1
Pivot?
0 1 7 0 1 0
0 1 6 1 0 0
1 6 0 0 0 1
(3) − (2)
0 1 7 0 1 0
0 0 −1 1 −1 0
1 0 −42 0 −6 1
(1) − 6 · (2)
0 1 7 0 1 0
0 0 −1 1 −1 0
1 0 −42 0 −6 1
Pivot? 0 1 7 0 1 0
0 0 -1 1 −1 0
1 0 −42 0 −6 1
−1 · (3)
0 1 7 40 1 0
0 0 1 −1 1 0
1 0 0 −42 36 1
(1) + 42 · (3)
0 1 7 0 1 0
0 0 1 −1 1 0
1 0 0 −42 36 1
(2) − 7 · (3)
0 1 0 7 −6 0
0 0 1 −1 1 0
144 5. Matrizenkalkül
Die linke Seite parametrisiert dabei SpanK {v1 , . . . , vr } und die rechte
Seite parametrisiert SpanK {vr+1 , . . . , vn }. Die Lösungen dieses Glei-
chungssystems liefern also genau die Punkte in K m , die in beiden Un-
terräumen gleichzeitig (d.h. in U ) liegen. Man benötigt aber nur jeweils
eine der beiden Linearkombinationen um die Punkte von U zu beschrei-
ben; es genügen also z.B. die Koordinaten r + 1, . . . , n von x“.
”
Die Berechnung des Durchschnitts von Untervektorräumen ist zum Beispiel
in der Computergraphik und im 3D-Druck essentiell.
Rezept 5.2.19 (komplementäre Untervektorräume).
Gegeben sei ein Körper K, m, n ∈ N und Vektoren v1 , . . . , vn ∈ K m .
Gesucht sei eine Basis eines zu SpanK {v1 , . . . , vn } komplementären Un-
tervektorraums von K m .
Rezept: Man betrachtet die Matrix A ∈ Mm×(n+m) (K) mit den Spal-
ten v1 , . . . , vn , e1 , . . . , em (in dieser Reihenfolge) und wendet das Gauß-
sche Eliminationsverfahren auf A an. Die Standardeinheitsvektoren zu
den Pivotspalten in den rechten m Spalten liefern dann eine Basis eines
zu SpanK {v1 , . . . , vn } komplementären Untervektorraums von K m .
Begründung: Die Begründung ist analog zur Begründung von Re-
zept 5.2.17; auch hier ist es essentiell, dass die Ordnung der Spalten
während des Eliminationsverfahrens erhalten bleibt und dass der Eli-
minationsvorgang auf der linken Seite beginnt (dass also die Standard-
einheitsvektoren erst dann wirklich in Aktion treten, wenn die Zeilen-
stufenform der ersten n Spalten bereits erreicht ist).
Rezept 5.2.20 (Quotientenvektorräume).
Gegeben sei ein Körper K, m, n ∈ N und Vektoren v1 , . . . , vn ∈ K m .
Sei U := SpanK {v1 , . . . , vn } ⊂ K m .
146 5. Matrizenkalkül
M1×n (K) −→ K
v
1
..
.
v 7−→ f v
.
.
.
vn
linear.
5.3. Die Determinante 147
f (A0 ) = −f (A).
f (v1 , . . . , vn ) + f (v1 , . . . , vk , . . . , vj , . . . , vn )
= f (v1 , . . . , vn ) + f (v1 , . . . , vk , . . . , vk , . . . , vn )
+ f (v1 , . . . , vj , . . . , vj , . . . , vn ) + f (v1 , . . . , vk , . . . , vj , . . . , vn )
= f (v1 , . . . , vj + vk , . . . , vk , . . . , vn ) + f (v1 , . . . , vj + vk , . . . , vj , . . . , vn )
= f (v1 , . . . , vj + vk , . . . , vj + vk , . . . , vn )
=0
(im ersten und letzten Schritt haben wir verwendet, dass f alternierend ist, in
den anderen Schritten die n-Linearität). Die Umkehrung gilt im allgemeinen
nur, wenn die Charakteristik von K nicht 2 ist.
Satz 5.3.3 (Determinante). Sei K ein Körper und n ∈ N>0 . Ist c ∈ K, so gibt
es genau eine n-lineare und alternierende Abbildung ∆c : Mn×n (K) −→ K
mit ∆c (In ) = c.
Man bezeichnet det := ∆1 : Mn×n (K) −→ K als Determinante.
Anmerkung zum Lernen. Der Beweis dieses Satzes ist zwar recht lang in der
Durchführung; die unterliegenden Ideen sind jedoch einfach und übersichtlich:
Für die Eindeutigkeit überlegt man sich wie sich solche Abbildungen
unter Zeilenumformungen ändern und was man aus den geforderten Ei-
genschaften schon über die Werte auf (gründlichen) Zeilenstufenformen
weiß. Der Gaußsche Algorithmus fügt dann alles zusammen.
Für die Existenz zeigt man, dass man solche Funktionen rekursiv durch
Entwicklung nach der ersten Spalte“ konstruieren kann.
”
Beweis. Eindeutigkeit. Seien f, g : Mn×n (K) −→ alternierend, n-linear und
es gelte f (In ) = c = g(In ). Dann ist f = g, denn:
Wir überlegen uns zunächst, wie sich f und g unter Zeilenoperationen
verhalten: Sei dazu A ∈ Mn×n (K), j, k ∈ {1, . . . , n} mit j 6= k und sei
λ ∈ K.
148 5. Matrizenkalkül
Addition des Vielfachen einer Zeile zu einer anderen Zeile: Sei A0 die
Matrix, die man aus A erhält, indem man die j-te Zeile durch die k-te
Zeile von A ersetzt. Dann gilt (da f eine n-lineare Abbildung ist)
Ist rg A0 < n, so besteht die n-te Zeile von A0 nur aus Nullen. Also ist
wegen der n-Linearität f (A0 ) = 0 = g(A0 ).
f1 : M1×1 (K) −→ K
(a) 7−→ a,
was offensichtlich eine Determinante auf M1×1 (K) ist. Für den Induktions-
schritt sei n ∈ N>1 und eine/die Determinante fn−1 sei bereits konstruiert.
Dann definieren wir (sogenannte Entwicklung nach der ersten Spalte)
5.3. Die Determinante 149
A1,1 Aj,1
A[1, 1] A[j, 1]
fn : Mn×n (K) −→ K
n
X
A 7−→ (−1)j+1 · Aj1 · fn−1 (A[j, 1]).
j=1
Dabei bezeichnen wir mit A[j, 1] ∈ M(n−1)×(n−1) (K) die Matrix, die aus A
entsteht, wenn man die j-te Zeile und die erste Spalte streicht (Abbil-
dung 5.5).
Wir zeigen, dass dann fn eine Determinante ist:
– Erster Summand: Der Faktor A1,1 ist linear in der ersten Zeile
von A und die Matrix A[1, 1] ändert sich nicht, wenn sich die erste
Zeile von A ändert. Also ist die Abbildung
150 5. Matrizenkalkül
Mn×n (K) −→ K
A 7−→ A1,1 · fn−1 (A[1, 1])
Mn×n (K) −→ K
A 7−→ Aj,1 · fn−1 (A[j, 1])
fn (A) = A1,1 · fn−1 (A[j, 1]) + (−1)J+1 · AJ,1 · fn−1 (A[J, 1])
X
+ j ∈ {1, . . . , n} \ {1, J}(−1)j+1 · Aj,1 · fn−1 (A[j, 1]).
Die Formel in Dimension 3 heißt auch Regel von Sarrus und lässt sich mit
dem Schema in Abbildung 5.6 leicht merken.
Beweis. Sei B ∈ Mn×n (K). Es genügt (nach Satz 5.3.3) zu zeigen, dass die
Abbildung
f : Mn×n (K) −→ K
A 7−→ det(A · B)
alternierend und n-linear ist und f (In ) = det B gilt. Die letzte Bedingung ist
nach Konstruktion erfüllt.
Die Abbildung f ist alternierend, denn: Hat A zwei gleiche Zeilen, so hat
auch A · B zwei gleiche Zeilen. Da die Determinante alternierend ist, ist somit
auch f alternierend.
Die Abbildung f ist n-linear, denn: Linearkombinationen in den Zeilen
von A übersetzen sich in Linearkombinationen in den Zeilen von A · B. Daher
folgt die n-Linearität von f aus der n-Linearität der Determinante.
Da auch A 7→ det A · det B diese Eigenschaften besitzt, folgt mit der Ein-
deutigkeitsaussage aus Satz 5.3.3, dass det(A · B) = f (A) = det A · det B für
alle A ∈ Mn×n (K) gilt.
Satz 5.3.6 (die Cramersche Regel). Sei K ein Körper, sei n ∈ N>0 und sei
A ∈ Mn×n (K). Zu j, k ∈ {1, . . . , n} schreiben wir A[j, k] ∈ M(n−1)×(n−1) (K)
für die (n−1)×(n−1)-Matrix, die wir aus A erhalten, indem wir die j-te Zeile
und die k-te Spalte streichen. Sei B := ((−1)j+k ·det A[j, k])j,k T ∈ Mn×n (K).
1. Dann gilt
B · A = (det A) · In .
Beweis (von Satz 5.3.6). Zu 1. Wir rechnen die behauptete Gleichung koef-
fizientenweise nach. Um die Notation übersichtlich zu halten, bestimmen wir
5.3. Die Determinante 153
nur Bj∗ · A∗1 für alle j ∈ {1, . . . , n}. Die Produkte mit den anderen Spal-
ten von A ergeben sich analog (unter Verwendung von Bemerkung 5.3.7).
Nach Konstruktion von B, der Definition der Matrixmultiplikation und der
Konstruktion der Determinante ist
n
X
B1∗ · A∗1 = (−1)k+1 · det(A[k, 1]) · Ak,1 = det A.
k=1
Ist j ∈ {2, . . . , n}, so betrachten wir die Matrix A0 , die aus A entsteht, wenn
man die j-te Spalte durch die erste Spalte von A ersetzt. Mit Bemerkung 5.3.7
erhalten wir dann
n
X
Bj∗ · A∗1 = (−1)k+j · det(A[k, j]) · Ak,1
k=1
Xn
= (−1)k+j · det(A0 [k, j]) · A0k,j
k=1
= (−1)j−1 · det A0 .
B · A = (det A) · In .
Zu 2. Der zweite Teil folgt aus dem ersten Teil, denn: Hat A ein linksseitiges
Inverses, so ist L(A) : K n −→ K n injektiv und damit nach Korollar 4.4.15
invertierbar. Also ist auch A invertierbar und in Rezept 5.2.15 wird erklärt,
warum jedes einseitige Inverse bereits ein beidseitiges Inverses ist.
Aus den bisherigen Resultaten können wir nun direkt ableiten, dass Inver-
tierbarkeit durch die Determinante charakterisiert wird:
2. Es gilt det A 6= 0.
Beweis. Dies ist bereits implizit im Beweis von Satz 5.3.3 enthalten. Wir
geben nun noch ein alternatives Argument mithilfe der Multiplikativität un
der Cramerschen Regel:
Sei A invertierbar. Dann ist det A 6= 0, denn: Sei B ∈ Mn×n (K) das Inverse
von A. Mit der Multiplikativität der Determinante (Proposition 5.3.5) folgt
dann
1 = det In = det A · B = det A · det B;
insbesondere ist det A 6= 0 bzw. det A−1 = det B = 1/ det A.
Sei det A 6= 0. Dann liefert die Cramersche Regel (Satz 5.3.6), dass A
invertierbar ist.
Korollar 5.3.10 (Invertieren von 2 × 2-Matrizen). Sei K ein Körper und
a b
A= ∈ M2×2 (K).
c d
Bemerkung 5.3.11 (spezielle lineare Gruppe). Sei K ein Körper und n ∈ N>0 .
Dann ist
A ∈ GLn (K) det A = 1
eine Gruppe bezüglich Matrixmultiplikation mit neutralem Element In (nach-
rechnen), die sogenannte spezielle lineare Gruppe SLn (K) über K. Zum Bei-
spiel spielt die Gruppe SL2 (R) eine wichtige Rolle in der hyperbolischen Geo-
metrie, der geometrischen Gruppentheorie und der Zahlentheorie.
Daher liefert nicht jede Invariante von Matrizen eine Invariante von En-
domorphismen (die nicht von den gewählten Basen abhängt). Für die De-
terminante funktioniert das jedoch (wenn man für den Start- und Zielraum
dieselbe Basis wählt):
wie behauptet.
2. Es gilt det f 6= 0.
156 5. Matrizenkalkül
Satz 5.3.16 (Leibniz-Formel für die Determinante). Sei K ein Körper und sei
n ∈ N>0 . Ist A ∈ Mn×n (K), so gilt
X n
Y
det A = sgn(σ) · Aj,σ(j) .
σ∈Sn j=1
Sn := S{1,...,n}
für die symmetrische Gruppe von {1, . . . , n} (d.h. für die Gruppe aller Bijek-
tionen {1, . . . , n} −→ {1, . . . , n} bezüglich Komposition, Proposition 2.2.16).
Die Elemente von Sn bezeichnet man auch als Permutationen von {1, . . . , n}.
Die Gruppe Sn enthält genau n! Elemente (nachrechnen) und daher hat die
Leibniz-Formel n! Summanden.
sgn : Sn −→ {−1, 1}
Y σ(k) − σ(j)
σ 7−→ ,
k−j
(j,k)∈Jn
= sgn(σ) · sgn(τ ).
Beweis. Per Induktion folgt aus Beispiel 5.3.18 und Propositon 5.3.19, dass
sgn(σ) = (−1)d ist.
Außerdem kann man sich leicht (induktiv) überlegen, dass sich jede Permu-
tation in Sn als Komposition endlich vieler Transpositionen schreiben lässt.
Die geraden Permutationen sind somit genau die Permutationen, die sich als
Komposition einer geraden Anzahl von Transpositionen schreiben lassen.
Sn = An ∪ An · τ und An ∩ An · τ = ∅.
D : Mn×n (K) −→ K
X n
Y
A 7−→ sgn(σ) · Aj,σ(j)
σ∈Sn j=1
n-linear und alternierend ist und auf In den Wert 1 liefert (Satz 5.3.3).
X n
Y
D(In ) = sgn(σ) δj,σ(j)
σ∈Sn j=1
X n
Y
=1+ sgn(σ) δj,σ(j) .
σ∈Sn \{id} j=1
Der erste Faktor in jedem der Summanden hängt linear von der J-ten
Zeile ab und die restlichen Faktoren hängen nicht von der J-ten Zeile
ab. Also ist D linear in der J-ten Zeile.
Die Abbildung D ist alternierend, denn: Sei A ∈ Mn×n (K) und es gebe
J, K ∈ {1, . . . , n} mit J 6= K und AJ∗ = AK∗ . Dann gilt D(A) = 0,
denn: Sei τ := (J K) ∈ Sn . Dann liefert die Definition von D und
Bemerkung 5.3.21, dass
X n
Y
D(A) = sgn(σ) · Aj,σ(j)
σ∈Sn j=1
X Yn X n
Y
= sgn(σ) · Aj,σ(j) + sgn(σ ◦ τ ) · Aj,σ◦τ (j) .
σ∈An j=1 σ∈An j=1
Beweis. Mit der Leibniz-Formel für die Determinante (Satz 5.3.16) erhalten
wir
X n
Y
T
det A = sgn(σ) · Aσ(j),j
σ∈Sn j=1
X Yn
= sgn(σ) · Aj,σ−1 (j)
σ∈Sn j=1
X n
Y
= sgn(σ −1 ) · Aj,σ(j) .
σ∈Sn j=1
Wir werden uns nun mit der Klassifikation von Endomorphismen von Vek-
torräumen auseinandersetzen. Wie wir bereits gesehen haben, kann man in
manchen Fällen Endomorphismen durch Basiswechsel auf eine einfacher zu
verstehende Form bringen. Es ist daher eine naheliegende Frage, auf welche
einfachen Formen man sich im allgemeinen Fall reduzieren kann.
Wir werden zunächst den Spezialfall untersuchen, in dem man den betrach-
teten Endomorphismus sogar auf Diagonalgestalt transformieren kann. Dies
führt zur Theorie der Eigenwerte und Eigenvektoren. Geometrisch betrach-
tet sind Eigenvektoren Vektoren auf denen der betrachtete Endomorphismus
besonders einfach (nämlich als Skalierung) wirkt.
Die Theorie der Eigenwerte und Eigenvektoren hat vielfältige Anwendun-
gen, z.B. in der Physik und der Kombinatorik.
als Eigenraum zum Eigenwert λ von f ; als Kern ist dies tatsächlich ein
Untervektorraum von V . Man nennt dimK Eigλ (f ) die geometrische
Vielfachheit von λ bezüglich f .
Diese Begriffe können wir auch auf quadratische Matrizen übertragen:
Definition 6.1.2 (Eigenwert, Eigenvektor, Eigenraum von Matrizen). Sei K ein
Körper, sei n ∈ N und sei A ∈ Mn×n (K). Eigenwerte, Eigenvektoren und
Eigenräume von L(A) : K n −→ K n bezeichnet man auch als Eigenwerte,
Eigenvektoren und Eigenräume von A.
Beispiel 6.1.3.
Die Identität (bzw. die Einheitsmatrix, jeweils im Falle nicht-trivialer
Vektorräume) haben 1 als einzigen Eigenwert, der Eigenraum ist der
ganze Raum (also sind alle Vektoren ungleich 0 Eigenvektoren zum
Eigenwert 1).
Ein Endomorphismus hat genau dann 0 als Eigenwert, wenn der Endo-
morphismus nicht injektiv ist.
Sei C ∞ (R, R) der R-Vektorraum der unendlich oft differenzierbaren
Funktionen R −→ R. Dann ist der Ableitungsoperator
D : C ∞ (R, R) −→ C ∞ (R, R)
f 7−→ f 0
6.1. Eigenwerte und Eigenvektoren 163
Wir können also die Eigenwerte von A bestimmen, indem wir alle λ ∈ K
bestimmen, die die Gleichung
det(A − λ · In ) = 0
erfüllen.
Man kann die Eigenwerte von f also bestimmen, indem man die Eigen-
werte von A bestimmt.
Außerdem ist
Eigλ (f ) = ker(f − λ · idV ) = TEn ,B V (A − λ · In , 0) .
Beispiel 6.1.7.
Sei
0 −1
R := ∈ M2×2 (R).
1 0
Dann ist L(R) : R2 −→ R2 Rotation um π/2. Geometrisch würden wir
daher keine Eigenwerte erwarten. Für alle λ ∈ R gilt
det(R − λ · I2 ) = λ2 + 1 6= 0.
Sei
−1 0
S := ∈ M2×2 (R).
0 1
Dann ist L(S) : R2 −→ R2 die Spiegelung an der zweiten Koordina-
tenachse. Geometrisch erwarten wir, dass dann e1 ein Eigenvektor zum
Eigenwert −1, dass e2 ein Eigenvektor zum Eigenwert 1 ist und dass
S keine weiteren Eigenwerte hat. Dies lässt sich wie folgt überprüfen:
Für alle λ ∈ R gilt
det(S − λ · I2 ) = λ2 − 1.
Also besitzt S genau die Eigenwerte 1 und −1. Nachrechnen zeigt au-
ßerdem, dass Eig1 (S) = R · e2 und Eig−1 (S) = R · e1 .
Sei
2016 0
D := ∈ M2×2 (R).
0 2017
Für alle λ ∈ R gilt dann
Also besitzt D genau die Eigenwerte 2016 und 2017. Dabei ist e1 ein
Eigenvektor zum Eigenwert 2016 und e2 ist ein Eigenvektor zum Ei-
genwert 2017.
Sei
2 1
J := ∈ M2×2 (R).
0 2
Für alle λ ∈ R gilt dann
det(J − λ · I2 ) = (2 − λ) · (2 − λ).
V (J − 2 · I2 , 0) = SpanR {e1 }
Sei
0 2
A := .
1 0
Für alle λ ∈ R ist
det(A − λ · I2 ) = λ2 − 2.
Fassen wir A als Matrix
√ in M√2×2 (R) auf, so besitzt A genau zwei Ei-
genwerte, nämlich 2 und − 2. Fassen wir A als Matrix
√ in M
√2×2 (Q)
auf, so besitzt A jedoch keine Eigenwerte (denn 2 und − 2 sind
irrationale Zahlen).
166 6. Normalformen I: Eigenwerte und Diagonalisierbarkeit
Sei
0 2
B :=
−1 0
Für alle λ ∈ C ist
det(B − λ · I2 ) = λ2 + 2.
Fassen wir B als Matrix
√ in M2×2
√ (C) auf, so besitzt B genau zwei Eigen-
werte, nämlich i · 2 und −i · 2. Fassen wir B als Matrix in M2×2 (R)
oder M2×2 (Q(i)) auf, so besitzt B jedoch keine Eigenwerte.
Definition 6.1.8 (Spektrum). Sei K ein Körper und sei f : V −→ V ein En-
domorphismus eines K-Vektorraums. Dann bezeichnen wir
als Spektrum von f (über K). Ist n ∈ N und A ∈ Mn×n (K), so schreiben wir
auch
σK (A) := σK L(A) ⊂ K
für das Spektrum von A (über K).
Induktionsschritt. Sei nun n ∈ N≥2 und die Behauptung sei bereits für
Familien mit höchstens n − 1 Eigenvektoren zu verschiedenen Eigen-
werten bereits bewiesen. Seien α1 , . . . , αn ∈ K mit
n
X
αj · vj = 0.
j=1
6.1. Eigenwerte und Eigenvektoren 167
Wenn wir nun f auf die ursprüngliche Gleichung anwenden und diese
Darstellung von v1 einsetzen, erhalten wir (da es sich um Eigenvektoren
handelt!)
X
n n
X n
X
0 = f (0) = f αj · vj = αj · f (vj ) = αj · λj · vj
j=1 j=1 j=1
n n
1 X X
= −α1 · λ1 · · αj · vj + αj · λj · vj
α1 j=2 j=2
n
X
= αj · (λj − λ1 ) · vj .
j=2
∀j∈{2,...,n} αj = 0.
Korollar 6.1.11 (Größe des Spektrums). Sei K ein Körper und sei f : V −→ V
ein Endomorphismus eines endlich-dimensionalen K-Vektorraums V . Dann
ist
σK (f ) ≤ dimK V.
Beweis. Dies folgt aus der Tatsache, dass das Spektrum σK (f ) von f ge-
nau aus den Eigenwerten von f besteht (Bemerkung 6.1.9) und der obigen
Proposition 6.1.10.
168 6. Normalformen I: Eigenwerte und Diagonalisierbarkeit
6.2 Diagonalisierbarkeit
Wir betrachten nun die einfachste Form, die ein Endomorphismus besitzen
kann, nämlich Diagonalgestalt. Manche Endomorphismen sind zwar nicht in
Diagonalgestalt gegeben, können aber in eine solche Diagonalgestalt transfor-
miert werden (Beispiel 5.1.13). Es wird sich jedoch herausstellen, dass nicht
jeder Endomorphismus auf eine solche Diagonalgestalt transformiert werden
kann. Dies führt zum Begriff der Diagonalisierbarkeit (die einer der Ursprünge
der Normalformentheorie ist).
∀j,k∈{1,...,n} j 6= k =⇒ Aj,k = 0
Beweis. Dies folgt aus Proposition 6.2.2 und Korollar 5.1.21 (über darstel-
lende Matrizen von Endomorphismen).
1. Dann ist X
dimK Eigλ (f ) ≤ dimK V.
λ∈σK (f )
ist (d.h. wenn sich die geometrischen Vielfachheiten zur Dimension des
Vektorraums summieren).
Zusammen mit der Ungleichung aus dem ersten Teil erhalten wir somit
Gleichheit. P
Es gelte umgekehrt λ∈σK (f ) dimK Eigλ (f ) = dimK V . Setzen wir Basen
der Eigenräume wie in der Vorüberlegung zu einer Familie B zusammen, so
erhalten wir eine linear unabhängige Familie B in V , die aus dimK V Vektoren
besteht. Also ist B eine Basis von V , was zeigt, dass f diagonalisierbar ist.
Korollar 6.2.7 (Gratis-Diagonalisierbarkeit). Sei K ein Körper und es sei
f : V −→ V ein Endomorphismus eines endlich-dimensionalen K-Vektor-
raums. Gibt es dimK V verschiedene Eigenwerte zu f , so ist f diagonalisier-
bar.
Beweis. Dies folgt direkt aus der vorherigen Proposition 6.2.6.
Aus den bisherigen Überlegungen erhalten wir, wie man Diagonalisierbar-
keit testen bzw. Transformationen auf Diagonalform berechnen kann:
Bemerkung 6.2.8 (Test auf Diagonalisierbarkeit und Diagonaltransformatio-
nen). Sei K ein Körper, sei n ∈ N>0 und sei A ∈ Mn×n (K). Wie können wir
feststellen, ob A diagonalisierbar ist? Und wie können wir A bei Vorliegen
von Diagonalisierbarkeit in eine Diagonalmatrix transformieren?
Zunächst bestimmt man wie in Bemerkung 6.1.6 die Eigenwerte von A,
d.h., man berechnet das Spektrum σK (A) von A.
Für jedes λ ∈ σK (A) bestimmt man dann wie in Bemerkung 6.1.6
die Dimensionen (bzw. sogar eine Basis) des Eigenraums Eigλ (A) =
V (A − λ · In , 0).
Nach Proposition 6.2.6 ist A genau dann diagonalisierbar, wenn
X
dimK Eigλ (A) = n
λ∈σK (A)
ist.
Falls A diagonalisierbar ist: Zu jedem λ ∈ σK (A) sei Bλ eine Basis
von Eigλ (A). Dann ist (nach dem Beweis von Proposition 6.2.6) die
kombinierte Familie B := (Bλ )λ∈σK (A) eine Basis von K n , die aus
Eigenvektoren von A besteht. Nach dem Beweis von Proposition 6.2.2
hat dann die Matrix
S := TEm ,B
(also die Matrix, die man erhält, indem man die Elemente von B als
Spalten der Matrix auffasst) die Eigenschaft, dass
S −1 · A · S
D := S −1 · A · S
eine Diagonalmatrix ist (Proposition 6.2.2). Aus der Definition der Ma-
trixmultiplikation ist sofort ersichtlich, dass Potenzen von Diagonalmatrizen
einfach Diagonalmatrizen mit entsprechend potenzierten Diagonaleinträgen
sind. Wir können daher effizient Dk für jedes k ∈ N berechnen. Dies lie-
fert uns auch einen Zugang, um die Potenzen von A zu berechnen, denn für
alle k ∈ N ist
K −→ K
λ 7−→ det(A − λ · In )
6.3.1 Polynome
Aus der Analysis sind wir mit Polynomfunktionen (z.B. linearen, quadra-
tischen, kubischen, . . . Funktionen) vom Typ R −→ R bzw. C −→ C
wohlvertraut. Im algebraischen Kontext möchte man natürlich auch ande-
re Grundkörper zulassen und das Augenmerk mehr auf algebraische (z.B.
Nullstellen, Teilbarkeit) statt auf analytische Eigenschaften (z.B. Stetigkeit)
richten.
Die Grundidee dabei ist, dass Polynome durch die Folge ihrer Koeffizi-
enten beschrieben werden. Diese Beschreibung genügt für alle algebraisch
relevanten Operationen.
Definition 6.3.1 (Polynomring). Sei K ein Körper. Der Polynomring K[T ]
über K in einer Variablen ist wie folgt definiert:
Als K-Vektorraum ist K[T ] der Untervektorraum
(an )n∈N ∈ Abb(N, K) ∃d∈N ∀n∈N≥d an = 0
und T := T 1 ∈ K[T ].
Wir definieren auf K[T ] die Multiplikation durch
Man beachte dabei, dass das Bild dieser Abbildung tatsächlich wieder
in K[T ] (und nicht nur in Abb(N, K)) liegt.
Ist p = (an )n∈N ∈ K[T ], so ist
der Grad von p. Dabei verwenden wir die Konvention sup ∅ := −∞;
insbesondere ist das Nullpolynom das einzige Polynom in K[T ] mit
Grad −∞.
Die Elemente von K[T ] bezeichnet man als Polynome in der Variablen T mit
Koeffizienten in K.
Notation 6.3.2. Sei K ein Körper. Die Familie (T n )n∈N ist eine Basis
von K[T ] (nachrechnen mithilfe von Beispiel 3.2.6). Ist p = (an )n∈N ∈ K[T ]
und d := deg p, so schreibt man daher dafür normalerweise
d
X
p= an · T n .
n=0
p · (q + r) = p · q + p · r.
6.3. Das charakteristische Polynom 175
Das einzige, was fehlt um K[T ] mit dieser Addition und Multiplikation als
Körper auffassen zu können, ist also die Existenz multiplikativer Inverser. Sol-
che algebraischen Strukturen bezeichnet man als (kommutative) Ringe (mit
Eins). Da sich die Multiplikation auf K[T ] außerdem mit der Skalarmultipli-
kation verträgt, bildet K[T ] sogar eine (kommutative) K-Algebra (mit Eins).
Wir werden diese Begriffe in der Linearen Algebra II genauer kennenlernen.
Beispiel 6.3.4 (Produkt von Polynomen). Sei K ein Körper. Mit der obigen
Notation gilt dann
(T + 1) · (T − 1) = (1 · T 1 + 1 · T 0 ) · (1 · T 1 − 1 · T 0 )
= 1 · T 2 + (1 − 1) · T 1 − 1 · T 0
= T2 − 1
in K[T ].
Durch Einsetzen“ erhalten wir die uns bekannten Polynomfunktionen:
”
Definition 6.3.5 (Polynomfunktion, Nullstelle). Sei K ein Körper und p =
Pd j
j=0 aj · T ∈ K[T ]. Die zugehörige Polynomfunktion ist als
fp : K −→ K
d
X
x 7−→ aj · xj
j=0
R −→ R
x 7−→ p(x) = −2 · x2 + 1.
√ √
Die (reellen) Nullstellen von p sind somit 2/2 und − 2/2.
Caveat 6.3.7 (Polynom vs. Polynomfunktion). Sei K ein Körper. Nach De-
finition sind Polynome p, q ∈ K[T ] genau dann gleich, wenn sie dieselben
Koeffizienten besitzen. Insbesondere sind dann auch die zugehörigen Poly-
nomfunktionen fp , fq : K −→ K gleich.
176 6. Normalformen I: Eigenwerte und Diagonalisierbarkeit
Die Umkehrung gilt jedoch im allgemeinen nicht: Zum Beispiel liefern das
Nullpolynom in F2 [T ] und das Polynom T 2 +T ∈ F2 [T ] beide die Nullfunktion
als Polynomfunktion F2 −→ F2 . Aber T 2 + T ist nicht das Nullpolynom.
Satz 6.3.8 (Fundamentalsatz der Algebra). Jedes Polynom in C[T ] vom Grad
mindestens 1 hat mindestens eine Nullstelle in C.
evx : K[T ] −→ K
p 7−→ p(x)
sogar mit Polynomen aus K[T ] multiplizieren kann und dass man analog
zu Mn×n (K) eine Matrixmultiplikation Mn×n (K[T ]) × Mn×n (K[T ]) −→
Mn×n (K[T ]) erhält.
Analog zu Mn×n (K) können wir im Fall n > 0 inspiriert durch die Leibniz-
Formel die Determinantenfunktion
definieren. Man beachte dabei, dass die Summen und Produkte auf der rech-
ten Seite im Polynomring K[T ] stattfinden und dass dieser Term in K[T ]
wirklich Sinn ergibt.
Man kann nun analog zu Mn×n (K) nachrechnen, dass diese Determi-
nantenfunktion n-linear (sogar über K[T ]) und alternierend ist und die
Normierung det In = 1 erfüllt. In diesen Berechnungen geht essentiell ein,
dass die Multiplikation auf K[T ] kommutativ ist. Außerdem gilt für al-
le A, B ∈ Mn×n (K[T ]), dass
Diese Definitionen über Analogie mögen etwas holprig erscheinen. Mit ei-
nem kleinen algebraischen Trick kann man sich hier auch anders behelfen:
Analog zur Konstruktion von Q aus Z durch formale Brüche kann man auch
aus K[T ] einen Körper konstruieren, den sogenannten rationalen Funktio-
nenkörper K(T ), der K[T ] auf kanonische Weise enthält. Da K(T ) ein Körper
ist, wissen wir, was Matrizen, Determinanten, etc. über K(T ) sind. Diese De-
finitionen schränken sich dann zu den entsprechenden Definitionen von K[T ]
ein.
Wir können nun die Definition des charakteristischen Polynoms einer Ma-
trix wie geplant durchführen; der Name kommt daher, dass das charakteri-
stische Polynom bereits viele wichtige Informationen über die Normalformen
von Matrizen enthält (wie wir in der Linearen Algebra II sehen werden).
χA := det(T · In − A) ∈ K[T ]
Die Rotationsmatrix“
”
0 −1
R := ∈ M2×2 (K)
1 0
χR = det(T · I2 − I2 ) = T 2 + 1 ∈ K[T ].
Dann ist
T −λ −1
χA = det(T · In − A) = det = (T − λ)2 .
0 T −λ
Dann gilt
χA = det(T · In − A) = p
(Übungsaufgabe). Man bezeichnet diese Matrix A auch als Begleitma-
trix zu p.
Die Bestimmung der Eigenwerte einer Matrix lässt sich nach Konstruktion
des charakteristischen Polynoms auch als Bestimmung der Nullstellen des
charakteristischen Polynoms formulieren:
Proposition 6.3.14 (Nullstellen des charakteristischen Polynoms). Sei K ein
Körper, sei n ∈ N>0 und sei A ∈ Mn×n (K). Dann gilt
6.3. Das charakteristische Polynom 179
Beweis. Aus der Definition des charakteristischen Polynoms über die Leib-
nizformel folgt
n
Y X n
Y
χA = (T − Aj,j ) + sgn(σ) · (δj,σ(j) · T − Aj,σ(j) ).
j=1 σ∈Sn \{id} j=1
Daran lässt sich deg χA = n ablesen (das erste Produkt hat Grad n und die
hintere Summe hat Grad kleiner als n).
Nach Konstruktion gilt für alle λ ∈ K, dass
Korollar 6.3.15. Ist n ∈ N>0 und A ∈ Mn×n (C), so hat A mindestens einen
Eigenwert.
Beweis. Dies folgt direkt aus dem Fundamentalsatz der Algebra (Satz 6.3.8)
und der vorigen Proposition.
Beweis. Mit den Eigenschaften der Determinante auf Mn×n (K[T ]) erhalten
wir für alle S ∈ GLn (K), dass
χS −1 ·A·S = det(T · In − S −1 · A · S)
= det(S −1 · T · In · S − S −1 · A · S)
= det S −1 · (T · In − A) · S
1
= · det(T · In − A) · det S
det S
= χA ,
wie behauptet.
χMB,B (f ) = χMC,C (f ) .
180 6. Normalformen I: Eigenwerte und Diagonalisierbarkeit
Beweis. Dies ist eine direkte Folgerung aus der Konjugationsinvarianz des
charakteristischen Polynoms (Proposition 6.3.16) und dem Zusammenhang
zwischen darstellenden Matrizen eines Endomorphismus (Korollar 5.1.21).
Zum Beispiel erhält man daraus auch die Unabhängigkeit der Spur von
der gewählten Basis:
Bemerkung 6.3.18 (Spur). Sei K ein Körper und sei n ∈ N. Die Spur (eng-
lisch: trace) einer Matrix A ∈ Mn×n (K) ist definiert als die Summe ihrer
Diagonaleintrage, d.h.
n
X
tr A := Aj,j ∈ K.
j=1
tr MB,B (f ) = tr MC,C (f ).
tr(A · B) = tr(B · A)
für alle A, B ∈ Mn×n (K) gilt (sogenannte Spureigenschaft). Damit folgt für
alle A ∈ Mn×n (K) und alle S ∈ GLn (K), dass
tr(S −1 · A · S) = tr S · (S −1 · A) = tr (S · S −1 ) · A = tr(In · A) = tr A.
Außerdem haben wir in Beispiel 5.1.13 gesehen, dass die zweite Matrix zu
3 −1
∈ M2×2 (R)
2 0
ähnlich ist. Diese drei Matrizen sind aber nicht ähnlich zur Nullmatrix oder
zur Einheitsmatrix I2 (nachrechnen).
raums V und sei B eine Basis von V . Sei A ∈ MdimK V ×dimK V (K) Dann
sind folgende Aussagen äquivalent:
Beweis. Dies ist einfach nur eine Umformulierung von Korollar 5.1.21.
Frage 6.4.5 (Klassifikation von Matrizen). Sei K ein Körper und n ∈ N. Wie
kann man den Quotienten
Mn×n (K) Ähnlichkeit
(d.h. die Menge aller Äquivalenzklassen von Matrizen in Mn×n (K) bezüglich
Ähnlichkeit) beschreiben?
Bemerkung 6.4.6 (Invarianten). Sei X eine Menge und sei ∼“ eine Äquiva-
”
lenzrelation auf X. Sei Y ein Menge. Eine ∼“-Invariante auf X mit Werten
”
in Y ist eine Abbildung I : X/∼ −→ Y . Wie helfen Invarianten bei der Klassi-
fikation von X bezüglich ∼“? Sei I : X/ ∼−→ Y eine ∼“-Invariante auf X.
” ”
Sind x, y ∈ X mit I(x) 6= I(y), so folgt x 6∼ y. Man beachte aber, dass die
Umkehrung im allgemeinen nicht gilt! (Zum Beispiel kann man immer trivia-
le Invarianten in einelementigen Mengen betrachten . . . ). Die Kunst besteht
nun darin, eine Invariante zu finden, die
1. Es ist rg A = rg B.
3. Es gilt χA = χB und tr A = tr B.
mj,1 ≤ · · · ≤ mj,nj
Jm1,1 (λ1 )
Jm1,2 (λ1 )
..
.
Jm1,n1 (λ1 )
Jm2,1 (λ2 )
..
.
sonst nur Nullen
Jmr,nr (λr )
Caveat 6.4.12. Nicht jede reelle Matrix besitzt eine Jordansche Normalform
mit reellen Jordanblöcken (zum Beispiel Rotationsmatrizen zu nicht-trivialen
Winkeln).
6.4. Ausblick: Die Jordansche Normalform 185
Die Jordansche Normalform ist nicht nur aus Sicht der Linearen Algebra an
sich interessant, sondern ist auch in vielen Anwendungen essentiell. So liefert
die Jordansche Normalform zum Beispiel den Schlüssel zur Lösung linearer
Differentialgleichungssysteme (Analysis II). Wir werden daher in der Linea-
ren Algebra II nicht nur den Beweis für die Jordansche Normalform liefern,
sondern uns auch überlegen, wie man die Jordansche Normalform (und zu-
gehörige Ähnlichkeitstransformationen) einer gegebenen Matrix bestimmen
kann.
χA = det(T · I2 − A)
T − A11 −A12
= det
−A21 T − A22
= (T − A11 ) · (T − A22 ) − A21 · A12
= T 2 − (A11 + A22 ) · T + A11 · A22 − A21 · A12 .
χA = (T − λ1 ) · (T − λ2 ).
ähnlich.
– Falls der Eigenwert λ die geometrische Vielfachheit 1 besitzt:
Sei v ∈ C2 ein Eigenvektro zum Eigenwert λ von A. Dann
ergänzen wir v zu einer Basis B := (v, w) von C2 ; insbesondere
gibt es dann auch α, β ∈ C mit
A · w = α · v + β · w.
(T − λ) · (T − β) = χM −1 ·A·MB = χA = (T − λ)2 ,
B
A α alpha A \alpha
B β beta B \beta
Γ γ gamma \Gamma \gamma
∆ δ delta \Delta \delta
E ε, epsilon E \varepsilon , \epsilon
Z ζ zeta Z \zeta
H η eta H \eta
Θ ϑ, θ theta \Theta \vartheta , \theta
I ι iota I \iota
K κ kappa K \kappa
Λ λ lambda \Lambda \lambda
M µ my M \mu
N ν ny N \nu
Ξ ξ xi \Xi \xi
O o omikron O o
Π π pi \Pi \pi
P %, ρ rho P \varrho , \rho
Σ σ, ς sigma \Sigma \sigma , \varsigma
T τ tau T \tau
Y υ ypsilon Y \upsilon
Φ ϕ, φ phi \Phi \varphi , \phi
X χ chi X \chi
Ψ ψ psi \Psi \psi
Ω ω omega \Omega \omega
A4 A. Anhang
A.2. Konstruktion der natürlichen Zahlen A5
s : N −→ N
x 7−→ x ∪ {x}
Zu Beginn des Spiels werden zwölf Karten offen auf den Tisch gelegt.
Alle Spieler betrachten diese Karten gleichzeitig; wer ein SET entdeckt, ruft
SET!“ und entfernt die entsprechenden drei Karten. Daraufhin werden die
”
offenen Karten auf dem Tisch durch drei neue Karten ergänzt, etc.
Es kann aber passieren, dass es unter den ausliegenden Karten kein SET
gibt. In diesem Fall werden so lange weitere offene Karten hinzugefügt bis ein
SET auffindbar ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die folgende Frage:
Frage A.3.2. Was ist die maximale Anzahl an Karten, die kein SET enthält?
Wir geben nun eine Übersetzung dieser Frage in lineare Algebra an: Dazu
betrachten wir den F3 -Vektorraum F43 , wobei F3 der folgende Körper ist:
1 SET ist eine Trademark von SET Enterprises, Inc.
A8 A. Anhang
Bemerkung A.3.3 (der Körper F3 ). Sei F3 := {0, 1, 2}. Dann bildet F3 mit
der folgenden Addition und der folgenden Multiplikation einen Körper (nach-
rechnen!):
+ 0 1 2 · 0 1 2
0 0 1 2 0 0 0 0
1 1 2 0 1 0 1 2
2 2 0 1 2 0 2 1
gilt. Der erste Teil der Menge auf der rechten Seite entspricht dann dem Fall,
dass die Werte dieses Attributs bei allen drei Karten gleich sind; der zweite
Teil entspricht dem Fall, dass die Werte des betrachteten Attributs bei allen
drei Karten verschieden sind.
Frage A.3.2 ist also äquivalent zur folgenden Frage:
Frage A.3.4. Wieviele Elemente kann eine Teilmenge von F43 höchstens be-
sitzen, die keine affine Gerade enthält?
Man kann mit elementaren Mitteln der linearen Algebra und der Kombina-
torik zeigen, dass die Antwort auf diese Frage 20 ist [5]; die Formulierung als
geometrisches Problem hilft in diesem Fall dabei, die Argumente übersichtlich
zu organisiern. Je 21 SET-Karten enthalten also mindestens ein SET.
A.4. Mächtigkeit von Mengen A9
∅ = {k ∈ N | 1 ≤ k ∧ k ≤ 0} = {1, . . . , 0}.
Eine Menge heißt höchstens abzählbar, wenn sie endlich oder abzählbar
unendlich ist.
Eine Menge heißt überabzählbar unendlich, wenn sie unendlich aber
nicht abzählbar unendlich ist.
Beispiel A.4.9. Die Menge N × N ist abzählbar unendlich (diagonales Zick-
zack!), die Menge Q ist abzählbar unendlich, aber die Menge R ist nicht
abzählbar unendlich (Cantorsches Diagonalargument).
Caveat A.4.10 (Kontinuumshypothese). Ob es eine Menge X gibt, die nicht
abzählbar unendlich ist, und für die es keine injektive Abbildung R −→ X
gibt, ist unabhängig von den Axiomen der Mengenlehre(!). Diese Aussage
kann also weder aus den Axiomen der Mengenlehre gefolgert noch widerlegt
werden.
A.5. Kategorien A 11
A.5 Kategorien
Mathematische Theorien bestehen aus Objekten (z.B. Gruppen, reelle Vek-
torräume, topologische Räume, messbare Räume, . . . ) und strukturerhalten-
den Abbildungen (z.B. Gruppenhomomorphismen, R-lineare Abbildungen,
stetige Abbildungen, messbare Abbildungen, . . . ) dazwischen. Dies abstra-
hiert man zum Begriff der Kategorie [13, 3]:
Eine Klasse Ob(C); die Elemente von Ob(C) heißen Objekte von C.
von Morphismen.
h ◦ (g ◦ f ) = (h ◦ g) ◦ f.
Caveat A.5.2. Das Konzept der Morphismen und Verknüpfungen ist nach
dem Beispiel der Abbildungen zwischen Mengen und der gewöhnlichen Ab-
bildungskomposition modelliert. Im allgemeinen muss es sich bei Morphismen
A 12 A. Anhang
aber nicht um Abbildungen zwischen Mengen und bei der Verknüpfung nicht
um Abbildungskomposition handeln!
Beispiel A.5.3 (leere Kategorie). Die leere Kategorie ist die (eindeutig be-
stimmte) Kategorie, deren Objektklasse die leere Menge ist.
Beispiel A.5.4 (Gruppen als Kategorien). Sei G eine Gruppe. Dann erhalten
wir wie folgt eine Kategorie CG :
Objekte: Die Kategorie CG besitze genau ein Objekt, etwa 0.
Morphismen: Es sei MorC (0, 0) := G.
Verknüpfungen: Die Verknüpfung sei wie folgt gegeben:
Beispiel A.5.5 (Mengenlehre). Die Kategorie Set der Mengen besteht aus:
Objekte: Es sei Ob(Set) die Klasse(!) aller Mengen.
Morphismen: Sind X und Y Mengen, so sei MorSet (X, Y ) die Menge
aller mengentheoretischen Abbildungen X −→ Y .
Verknüpfungen: Sind X, Y und Z Mengen, so sei die Verknüpfung
MorSet (Y, Z) × MorSet (X, Y ) −→ MorSet (X, Z) die gewöhnliche Abbil-
dungskomposition.
Es ist klar, dass die Verknüpfung assoziativ ist. Ist X eine Menge, so ist die
gewöhnliche Identitätsabbildung
X −→ X
x 7−→ x
Beispiel A.5.7 (Topologie). Die Kategorie Top der topologischen Räume be-
steht aus:
Objekte: Es sei Ob(Top) die Klasse aller topologischen Räume.
cos : R −→ R
X∞
(−1)n 2n
x 7−→ ·x
n=0
(2n)!
sin : R −→ R
X∞
(−1)n
x 7−→ · x2n+1 .
n=0
(2n + 1)!
1
cos
1
sin
Quadratsumme. Es gilt
cos2 + sin2 = 1,
denn (cos2 + sin2 )0 = 0 und cos2 (0) + sin2 (0) = 1.
Die Zahl π und ihre Hälfte. Eine sorgfältige Abschätzung von Hand der
Potenzreihe zeigt, dass sin(x) > 0 für alle x ∈ (0, 2] gilt; also ist cos we-
gen cos0 = − sin auf [0, 2] streng monoton fallend. Außerdem zeigt eine
Abschätzung von Hand, dass cos(2) < 0 ist. Also hat cos in [0, 2] genau
eine Nullstelle x0 . Wir definieren
π := 2 · x0 .
Nach Definition ist cos(π/2) = 0. Aus der Quadratsumme und der Positivität
von sin auf [0, 2] folgt sin(π/2) = 1.
Additionstheoreme. Mithilfe des Cauchyprodukts von Potenzreihen kann
man nachrechnen, dass
für alle x, y ∈ R gilt. Insbesondere erhält man daraus aus den bereits bekann-
ten Werten, dass
cos(x + 2 · π) = cos(x)
sin(x + 2 · π) = sin(x)
π
cos x − = sin(x)
2
für alle x ∈ R.
Invertierbarkeit. Aus den bereits gezeigten Positivitäts- und Symmetrieei-
genschaften sowie den bereits berechneten Werten folgt, dass
A.7 Funktoren
Die Übersetzung zwischen mathematischen Theorien (d.h. zwischen Katego-
rien) erfolgt durch sogenannte Funktoren. Grob gesagt handelt es sich dabei
um strukturerhaltende Abbildungen zwischen Kategorien“.
”
Definition A.7.1 (Funktor). Seien C und D Kategorien. Ein (kovarianter)
Funktor F : C −→ D besteht aus folgenden Komponenten:
Einer Abbildung F : Ob(C) −→ Ob(D).
Zu je zwei Objekten X, Y ∈ Ob(C) einer Abbildung
F : MorC (X, Y ) −→ MorC F (X), F (Y ) .
Beispiel A.7.2 (Identitätsfunktor). Sei C eine Kategorie. Dann ist der Iden-
titätsfunktor IdC : C −→ C wie folgt definiert:
Auf Objekten betrachten wir die Abbildung
Ob(C) −→ Ob(C)
X 7−→ X.
Beispiel A.7.3 (Vergissfunktor). Der Vergissfunktor VectR −→ Set ist wie folgt
definiert:
Auf Objekten betrachten wir die Abbildung Ob(VectR ) −→ Ob(Set),
die einem R-Vektorraum die unterliegende Menge zuordnet.
Auf Morphismen: Für alle R-Vektorräume X, Y betrachten wir
F : Ob(Set) −→ Ob(VectR )
M
X 7−→ R.
X
L
(Dabei ist X R eine Verallgemeinerung der direkten Summe zweier
Vektorräume (s. Lineare Algebra II). Wir betrachten eine
LMenge X in
kanonischer Weise als Teilmenge, bzw. sogar Basis, von X R.)
Auf Morphismen definieren wir F wie folgt: Sind X, YLMengen und L ist
f : X −→ Y eine Abbildung, so definieren wir F (f ) : X R −→ Y R
als die eindeutig
L bestimmte R-lineare Abbildung, die f von der Basis X
auf ganz X R fortsetzt.
Dies liefert tatsächlich einen Funktor. Dabei gilt für alle Mengen X und alle
R-Vektorräume V , dass
MorVectR F (X), V −→ MorSet (X, V )
f −→ f |X
Beispiel A.7.6 (Dualraum). Man kann die Konstruktion des Dualraums als
kontravarianten Funktor · ∗ : VectR −→ VectR auffassen:
A.7. Funktoren A 19
Ob(VectR ) −→ Ob(VectR )
X 7−→ X ∗ = HomR (X, R).
MorC ( · , X) : C −→ Set,
den von X dargestellten kontravarianten Funktor. Dieser Funktor ist wie folgt
definiert:
Auf Objekten: Sei
Beweis. Der erste Teil folgt direkt aus den definierenden Eigenschaften von
Funktoren. Der zweite Teil ist eine unmittelbare Folgerung aus dem ersten
Teil.
A.8 3D-Druck
Die Technologie des 3D-Drucks ermöglicht es, kostengünstig Prototypen bzw.
Einzelstücke herzustellen; je nach Drucker können dabei Kunststoffe, Me-
talle, . . . verarbeitet werden. Zum Beispiel kann 3D-Druck zur Herstellung
passgenauer Prothesen oder zur Herstellung von Ersatzteilen auf der ISS ver-
wendet werden. Die Anwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig und der
3D-Druck wird im Laufe der nächsten Jahre unseren und den industriellen
Alltag maßgeblich verändern.
Wir geben einen kurzen Ausblick, wie 3D-Druck funktioniert und warum
Lineare Algebra dabei hilft.
Schicht
für Schicht
für Schicht
für Schicht
für Schicht
...
Material aufträgt.
Abbildung A.2 zeigt dieses Verfahren schematisch, wenn es von Hand aus-
geführt wird. Eine maschinelle Variante dieses Verfahrens ist Fused Filament
Fabrication, wobei z.B. Kunstoff geschmolzen und schichtweise aufgetragen
wird (Abbildung A.3).
−→
solid name
Es folgt die Liste der Dreiecke, wobei jedes Dreieck wie folgt definiert
ist:
facet normal n1 n2 n3 äußerer Einheitsnormalenvektor
outer loop
vertex u1 u2 u3 erster Eckpunkt des Dreiecks
vertex v1 v2 v3 zweiter Eckpunkt des Dreiecks
vertex w1 w2 w3 dritter Eckpunkt des Dreiecks
endloop
endfacet.
endsolid name
Zusätzlich wird verlangt, dass die Orientierung des Dreiecks mit der Rich-
tung des Normalenvektors kompatibel ist; daher ist die Angabe von facet
normal redundant.
In der Praxis beschreibt man natürlich nicht jedes dieser Dreiecke einzeln,
sondern spezifiziert das dreidimensionale Objekt in einer höheren Sprache
(z.B. OpenSCAD) und generiert dann eine entsprechende STL-Datei. Bei
der Beschreibung dreidimensionaler Objekte ist ein Hintergrund in Linearer
Algebra und der Geometrie des R-Vektorraums R3 sehr hilfreich.
berechnet (dies ist ein Problem aus der Linearen Algebra!). Falls die STL-
Datei eine sinnvolle Oberfläche eines dreidimensionalen Objekts beschreibt,
ist dieser Schnitt für jede Schicht eine endliche Menge von Polygonen, die
dann von dem Druckkopf auf die bereits gedruckten Schichten aufgemalt“
”
wird.
Im Detail ist das Verfahren natürlich etwas komplizierter, da die Bewegung
des Druckkopfs noch angemessen optimiert werden sollte . . .
Literaturaufgabe. Theoretischer 3D-Druck kommt aber nicht an praktischen
3D-Druck heran. Man sollte daher unbedingt einem 3D-Drucker bei der Ar-
beit zusehen, zum Beispiel:
https://www.youtube.com/watch?v=nk 8IcBVkRA
https://www.youtube.com/watch?v=dKPxJW65IQg
B
Übungsblätter
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 0 vom 20. Oktober 2016
1. (A =⇒ B) ⇐⇒ (¬A ∨ B)
2. ¬(A ∧ B) ⇐⇒ (¬A ∧ ¬B)
3. (¬A) =⇒ (B ∧ ¬B) =⇒ A
4. (A =⇒ B) ∧ (B =⇒ C) =⇒ (A =⇒ C)
Aufgabe 2 (Negation). Formalisieren Sie die folgenden Aussagen im Stile der
Quantorenlogik und negieren Sie die Aussagen; versuchen Sie dabei, die Nega-
tionen auch wieder sprachlich sauber zu formulieren.
1. Alle Vöglein sind schon da.
[Volkslied]
2. Veranstaltungen mit Kraftfahrzeugen bedürfen der Erlaubnis, wenn sie die
Nachtruhe stören können.
[StVO]
3. Verkehrshindernisse sind, wenn nötig, mit eigener Lichtquelle zu beleuch-
ten oder durch andere zugelassene lichttechnische Einrichtungen kenntlich
zu machen.
[StVO]
4. Wenn Du einen Schneck behauchst
Schrumpft er ins Gehäuse, [und]
Wenn Du ihn in Kognak tauchst,
Sieht er weiße Mäuse.
[Ringelnatz, Überall]
Hinweis. Da die deutsche Sprache viele Mehrdeutigkeiten besitzt und nicht je-
der Satz auf eine eindeutige Art und Weise als quantorenlogische Formel forma-
lisiert werden kann, kann es verschiedene vernünftige Lösungen dieser Aufgabe
geben.
Bitte wenden
Aufgabe 4 (Implikationsumkehr). Was ist falsch am nachfolgenden Beweis“?
”
Geben Sie genau an, an welcher Stelle etwas schiefgeht und erklären Sie den
Fehler!
Abgabe bis zum 27. Oktober 2016, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 2 vom 27. Oktober 2016
Aufgabe 1 (Bild und Urbild). Welche der folgenden Aussagen sind für alle Ab-
bildungen f : X −→ Y von Mengen wahr? Begründen Sie Ihre Antwort (durch
einen Beweis oder ein geeignetes Gegenbeispiel)!
1. Es gilt für alle A ⊂ X, dass f −1 f (A) ⊂ A.
2. Es gilt für alle B ⊂ Y , dass f f −1 (B) ⊂ B.
Aufgabe 2 (Injektivität für alle!). Was ist falsch am nachfolgenden Beweis“? Ge-
”
ben Sie genau an, an welcher Stelle etwas schiefgeht und erklären Sie den Fehler
(indem Sie ein Gegenbeispiel für den entsprechenden Beweisschritt angeben)!
Behauptung. Ist f : X −→ Y eine Abbildung, so ist f injektiv.
Beweis. Seien x, x0 ∈ X mit x 6= x0 . Also ist {x} ∩ {x0 } = ∅ und wir erhalten
f {x} ∩ f {x0 } = f {x} ∩ {x0 } = f (∅) = ∅.
Insbesondere ist somit f (x) 6= f (x0 ). Mit Kontraposition folgt daraus, dass
die Abbildung f injektiv ist.
Aufgabe 3 (Potenzmengen sind groß“). Sei X eine Menge. Zeigen Sie, dass es
”
keine surjektive Abbildung X −→ P (X) gibt.
Hinweis. Sei f : X −→ P (X) eine Abbildung. Liegt {x ∈ X | x 6∈ f (x)} im
Bild von f ?! Argumentieren Sie wie im Russellschen Paradoxon . . .
f1 8 XO 1
p1
∃!f
Z /P
p
f2 & 2
X2
veranschaulichen (dabei ist ∃!“ eine gebräuchliche Abkürzung für es existiert
” ”
genau ein . . .“).
1. Zeigen Sie, dass X1 × X2 zusammen mit den beiden kanonischen Pro-
jektionen π1 : X1 × X2 −→ X1 und π2 : X1 × X2 −→ X2 die universelle
Eigenschaft des kartesischen Produktes von X1 und X2 erfüllt.
Hinweis. Don’t panic! Lesen Sie die Definition noch einmal in Ruhe durch.
Was ist gegeben? Was ist zu zeigen? Was heißt genau eine“?
”
2. Zeigen Sie: Erfüllt die Menge P mit den Abbildungen p1 : P −→ X1
und p2 : P −→ X2 die universelle Eigenschaft des kartesischen Produk-
tes von X1 und X2 , so gibt es genau eine Bijektion f : P −→ X1 × X2
mit
π1 ◦ f = p1 und π2 ◦ f = p2 .
Hinweis. Setzen Sie für Z“ als Testmenge P bzw. X1 × X2 ein und
”
Verwenden Sie die Charakterisierung von Bijektivität durch Umkehrab-
bildungen . . .
Bitte wenden
Bonusaufgabe (Der Satz von Schröder-Bernstein). Seien X und Y Mengen. Zei-
gen Sie: Gibt es injektive Abbildungen X −→ Y und Y −→ X, so gibt es bereits
eine bijektive Abbildung X −→ Y .
Hinweis. Eine Abbildung h : P (X) −→ P (X) heißt monoton wachsend, wenn
für alle Teilmengen A, B ⊂ X mit A ⊂ B gilt, dass
h(A) ⊂ h(B).
Eine S
Teilmenge
A ⊂ X ist ein Fixpunkt
von h, wenn h(A) = A gilt. Zeigen Sie,
dass B ⊂ X B ⊂ h(B) = x ∃B∈P (X) (B ⊂ h(B)) ∧ (x ∈ B) ein
Fixpunkt von h ist.
Betrachten Sie dann zu f : X −→ Y und g : Y −→ X die Abbildung
h : P (X) −→ P (X)
A 7−→ X \ g Y \ f (A) .
Zeigen Sie, dass h monoton wachsend ist und betrachten Sie einen Fixpunkt . . .
Aufgabe 3 (Kommutativität der Addition). Zeigen Sie wie folgt die Kommutati-
vität der induktiv definierten Addition auf N; Sie dürfen dabei verwenden, dass
wir die Assoziativität bereits bewiesen haben. Bearbeiten Sie zwei der folgenden
drei Aufgabenteile:
Bitte wenden
Bonusaufgabe (Infinisudoku). Zeigen Sie: Man kann das nach rechts und oben
unendliche Gitter
.. .
. ..
...
so mit natürlichen Zahlen füllen, dass in jeder Zeile und in jeder Spalte jede
natürliche Zahl genau einmal auftritt.
Hinweis. Versuchen Sie zunächst, das Problem systematisch für kleine Qua-
drate zu lösen!
Abgabe bis zum 10. November 2016, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 4 vom 10. November 2016
Aufgabe 2 (symmetrische Gruppen). Sei X eine Menge. Zeigen Sie, dass die
symmetrische Gruppe SX genau dann abelsch ist, wenn X höchstens zwei ver-
schiedene Elemente enthält.
Hinweis. Es ist eine Äquivalenz ( genau dann . . . , wenn . . .“) zu zeigen. In
”
welche beiden Teilprobleme zerlegt sich die Aufgabe daher auf natürliche Weise?
Rechnen Sie zunächst ein paar Beispiele, um der allgemeinen Lösung auf die
Spur zu kommen!
Aufgabe 3 (Wurzelkörper). Sei
√
K := {a + i · 2016 · b | a, b ∈ Q} ⊂ C.
1. Was ist falsch am nachfolgenden Beweis“? Geben Sie genau an, an welcher
”
Stelle etwas schiefgeht und erklären Sie den Fehler!
Behauptung. Die Menge K bildet bezüglich der von C auf K eingeschränk-
ten Addition und Multiplikation einen Körper.
Beweis. Nach Konstruktion ist 0 ∈ K und 1 ∈ K.
Einfaches Nachrechnen zeigt, dass
∀x,y∈K x + y ∈ K.
√ √
Wegen i · 2016 · i · 2016 = −2016 folgt außerdem durch Ausmul-
tiplizieren, dass
∀x,y∈K x · y ∈ K.
Also schränken sich Addition und Multiplikation von C tatsächlich
zu Verknüpfungen K × K −→ K ein.
Da C ein Körper ist und K ⊂ C gilt, folgt somit, dass sich die
Körpereigenschaften von C auf K vererben. Also ist auch K ein
Körper.
2. Zeigen Sie, dass K tatsächlich ein Körper ist.
Aufgabe 4 (kleiner Körper). Zeigen Sie, dass es einen Körper gibt, der genau
vier Elemente enthält.
Hinweis. Die Charakteristik eines solchen Körpers ist 2. Versuchen Sie, Schritt
für Schritt die Verknüpfungstabellen für Addition bzw. Multiplikation zu füllen.
Beginnen Sie mit den Teilen, die direkt aus den Axiomen folgen, und hangeln
Sie sich dann vorwärts, um einen geeigneten Kandidaten zu finden.
Beim Aufschreiben der Lösung sollten Sie jedoch umgekehrt vorgehen: Prä-
sentieren Sie Ihre fertigen Verknüpfungstabellen und begründen Sie dann, warum
diese tatsächlich die Körperaxiome erfüllen.
Bitte wenden
Bonusaufgabe (Zauberwürfel). Erklären Sie, wie man die zulässigen Züge am
Zauberwürfel (https://eu.rubiks.com/about/the-history-of-the-rubiks-cube) durch
eine Gruppe beschreiben kann.
Bonusaufgabe (Zahlen; nur für Lehrämtler! (als optionale Alternative zum Zau-
berwürfel)).
Abgabe bis zum 17. November 2016, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 5 vom 17. November 2016
Aufgabe 2 (der Körper K n ?!). Sei K ein Körper und sei n ∈ N \ {0}.
1. Was ist falsch am nachfolgenden Beweis“? Geben Sie genau an, an welcher
”
Stelle etwas schiefgeht und erklären Sie den Fehler!
Behauptung. Dann ist K n bezüglich der folgenden Addition und Multi-
plikation ein Körper:
+ : K n × K n −→ K n · : K n × K n −→ K n
x1 y1 x1 + y1 x1 y1 x1 · y1
.. .. .. .. .. .
. , . 7−→ . . , . 7−→ ..
xn yn xn + yn xn yn xn · yn
Beweis. Wir wissen bereits, dass (K n , +) eine abelsche Gruppe ist. Kom-
ponentenweises Nachrechnen zeigt, dass diese Multiplikation auf K n
kommutativ und assoziativ ist, dass der Vektor
1
..
.
1
das neutrale Element bezüglich dieser Multiplikation ist, und dass
das Distributivgesetz gilt. Es genügt also zu zeigen, dass jedes Ele-
ment x ∈ K n \ {0} ein multiplikatives Inverses hat. Wegen x 6= 0 gilt
für die Koordinaten von x, dass xj 6= 0 für alle j ∈ {1, . . . , n}. Dann
rechnet man koordinatenweise nach, dass
−1
x1
..
.
x−1
n
Abgabe bis zum 24. November 2016, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 6 vom 24. November 2016
ist injektiv.
Bitte wenden
Bonusaufgabe (Polynomfunktionen). Sei Poly(R, R) ⊂ Abb(R, R) die Menge
aller Polynomfunktionen R −→ R; diese Menge ist ein R-Untervektorraum
von Abb(R, R). Dabei ist eine Funktion f : R −→ R eine Polynomfunktion,
wenn es n ∈ N und a0 , . . . , an ∈ R gibt mit
n
X
∀x∈R f (x) = aj · xj .
j=0
fn : R −→ R
x 7−→ xn .
Zeigen Sie, dass (fn )n∈N eine Basis von Poly(R, R) ist.
Hinweis. Die lineare Unabhängigkeit lässt sich auf verschiedene Arten nach-
weisen; es kann an dieser Stelle nützlich sein, Methoden aus der Analysis zu
verwenden.
dimR (U ∩ W ) = 0.
dimR (U ∩ W ) = 2.
von R3 .
1. Skizzieren Sie diese Teilmenge von R3 und zeigen Sie, dass es sich dabei
um einen Untervektorraum von R3 handelt.
2. Was ist dimR U ? Begründen Sie Ihre Antwort!
Hinweis. Wenn man die Resultate aus der Vorlesung geschickt einsetzt,
muss man fast gar nichts rechnen.
Aufgabe 4 (Dimension von Untervektorräumen). Sei K ein Körper, sei V ein
endlich erzeugter K-Vektorraum und sei U ⊂ V ein Untervektorraum.
1. Zeigen Sie, dass U endlich erzeugt ist.
Hinweis. Es handelt sich hierbei um Proposition 3.4.4 aus der Vorlesung; diese
Proposition dürfen Sie also natürlich nicht für die Lösung der Aufgabe verwen-
den.
Bitte wenden
Bonusaufgabe (Vereinigungen von Unterräumen). Sei K ein unendlicher Körper
und sei V ein K-Vektorraum. Zeigen Sie, dass V nicht als Vereinigung von
endlich vielen echten Untervektorräumen geschrieben werden kann.
3 5
2 1
etwas höherdimensional gestalten, damit endlich auch sein üppiger Bauch rein-
passt. Er überlegt daher, was die maximal mögliche Dimension ist, ohne die
Auflagen des Denkmalschutzes zu verletzen . . .
Sei K ein Körper und sei V ein K-Vektorraum. Eine Menge
in V erfüllt sind.
1. Was haben diese Gleichungen mit dem Haus des Nikolaus zu tun?
2. Was ist die maximal mögliche Dimension dimK SpanK N für Nikolaus-
hausmengen N ? Begründen Sie Ihre Antwort!
Aufgabe 1 (Linearität vs. Bijektivität). Welche der folgenden Aussagen sind wahr?
Begründen Sie Ihre Antwort (durch einen Beweis oder ein geeignetes Gegenbei-
spiel)!
1. Jede lineare Abbildung zwischen Vektorräumen ist bijektiv.
2. Jede bijektive Abbildung zwischen Vektorräumen ist linear.
Aufgabe 2 (Vererbungseigenschaften linearer Abbildungen). Sei K ein Körper und
seien V , W , X Vektorräume über K.
1. Zeigen Sie: Sind f, g : V −→ W lineare Abbildungen, so ist auch die punkt-
weise Summe f + g : V −→ W linear.
2. Zeigen Sie: Sind f : V −→ W und g : W −→ X lineare Abbildungen, so
ist auch die Komposition g ◦ f : V −→ X linear.
Aufgabe 3 (komplementäre Untervektorräume und lineare Abbildungen). Wir be-
trachten den Untervektorraum
1 0 1
U := SpanR 1 , 1 , −1
1 −1 3
des R-Vektorraums R3 .
1. Bestimmen Sie einen zu U komplementären Untervektorraum in R3 (und
begründen Sie Ihre Antwort). Illustrieren Sie diese Situation durch eine
geeignete Skizze.
2. Geben Sie eine lineare Abbildung f : R3 −→ R an, die nicht die Nullab-
bildung ist, aber
∀u∈U f (u) = 0
erfüllt (und begründen Sie Ihre Antwort).
Aufgabe 4 (ein X für ein U?!). Wir betrachten die Teilmengen
Á Á
À À
X := {t · (e1 + e2 ) | t ∈ [0, 1]} ∪ {e1 + t · (e2 − e1 ) | t ∈ [0, 1]}
U := {t · e1 | t ∈ [0, 1]} ∪ {t · e2 | t ∈ [0, 1]} ∪ {e1 + t · e2 | t ∈ [0, 1]}
im R-Vektorraum R2 . Zeigen Sie, dass es keine lineare Abbildung f : R2 −→ R2
mit f (X) = U gibt.
Hinweis. Was machen lineare Abbildungen mit (affinen) Geraden? Welche (af-
finen) Geraden sollte man wohl betrachten?
Bitte wenden
Bonusaufgabe (Nullfolgen vergessen!). Sei V die Menge aller Cauchyfolgen in Q;
diese Menge bildet bezüglich punktweiser Addition und Skalarmultiplikation
einen Q-Vektorraum, genauer gesagt einen Untervektorraum von Abb(N, Q).
Sei U die Menge aller Nullfolgen in Q. Diese Menge ist ein Untervektorraum
des Q-Vektorraums V . Somit erhalten wir den zugehörigen Quotientenvektor-
raum V /U .
1. Zeigen Sie, dass die Abbildung
• : V /U × V /U −→ V /U
(an )n∈N , (bn )n∈N 7−→ (an · bn )n∈N
wohldefiniert ist.
2. Zeigen Sie, dass (V /U, +, •) ein Körper ist. Es genügt, wenn Sie den Beweis
für die Existenz von multiplikativen Inversen im Detail angeben und für
die anderen Eigenschaften nur eine kurze Begründung angeben.
Abgabe bis zum 15. Dezember 2016, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 9 vom 15. Dezember 2016
wie folgt veranschaulichen (der Verlauf der Kanten ist nicht relevant; wichtig ist
nur, welche Knoten durch Kanten verbunden sind und welche nicht):
4 4
3 5 3 5
oder
2 1 2 1
Sei n ∈ N und sei X = ({1, . . . , n}, E) ein Graph mit Knotenmenge {1, . . . , n}.
Dann wird die Adjazenzmatrix (ajk )j,k ∈ Mn×n (R) von X durch
(
1 falls {j, k} ∈ E
ajk :=
0 sonst
2. Sei A ∈ Mn×n (R) die Adjazenzmatrix eines Graphen mit der Knoten-
menge {1, . . . , n} und sei d ∈ N. Welche geometrische Bedeutung hat das
Produkt Ad ? Begründen Sie Ihre Antwort!
Abgabe bis zum 22. Dezember 2016, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 10 vom 22. Dezember 2016
ein magisches Quadrat über Q der Kantenlänge 4 mit magischer Zahl 9. Sei
MQn (K) die Menge aller magischen Quadrate über K mit Kantenlänge n und
magischer Zahl 0.
1. Bestimmen Sie alle Elemente von MQ2 (R).
2. Bestimmen Sie alle Elemente von MQ2 (F2 ).
3. Zeigen Sie, dass MQn (K) bezüglich kästchenweiser Addition bzw. Skalar-
multiplikation einen K-Vektorraum bildet.
Hinweis. Falls Sie nicht rechnen möchten: Man kann MQn (K) als Kern
einer geeigneten linearen Abbildung schreiben.
4. Zeigen Sie, dass dimR MQ3 (R) = 2 ist.
Hinweis. Bestimmen Sie den Rang der linearen Abbildung aus dem vo-
rigen Teil und verwenden Sie die Dimensionsformel . . .
Bitte wenden
Bonusaufgabe (Eilenberg-Schwindel). In Professor Pirkheimers Nachlass finden
sich unzählige Akten. Pirkheimers Ordnungsdrang hat ihn dazu verleitet, die
Akten als Vektorraum zu organisieren. Sehr zum Ärgernis seiner Nachlassver-
walter hat er es geschafft, einen nicht-trivialen Vektorraum zu verwenden, der
doppelt so groß ist wie er selbst ( Sonst hat man ja nie genug Platz für all die
”
wichtigen Notizen!“). Zeigen Sie, dass es zu jedem Körper K tatsächlich einen
Vektorraum V mit V 6∼ =K {0} und
V ∼
=K V ⊕ V
gibt!
Die folgenden Aufgaben bieten die Gelegenheit, den bisher gelernten Stoff zu
Vektorräumen und linearen Abbildungen wiederholen und zu vertiefen; für jede
dieser Aufgaben können Sie bis zu vier Zusatzpunkte bekommen.
V −→ (V ∗ )∗
v 7−→ f 7→ f (v)
\Ferwandlung{a}{b}{c}{d}
auf den Buchstaben F“ graphisch dar und zeigt auch noch die entsprechende
”
Gleichung an. Zum Beispiel liefert dann \Ferwandlung{1}{2}{1}{0} so etwas
wie
Á Á
1 1
À À
1 1
R2 7−→ R2
x1 + 2 · x2 1 2
x 7−→ = ·x
x1 1 0
• \Ferwandlung{1}{−1}{0}{1}
• \Ferwandlung{0}{0}{1}{1}
• \Ferwandlung{1}{2}{2}{1}
Hinweis. Bei Graphiken in LATEX hilft z.B. das Paket tikz.
Abgabe bis zum 12. Januar 2017, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Abgabe bis zum 19. Januar 2017, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 12 vom 19. Januar 2017
Aufgabe 1 (Determinante). Sei K ein Körper und n ∈ N>0 . Welche der folgenden
Aussagen sind in dieser Situation immer wahr? Begründen Sie Ihre Antwort
(durch einen Beweis oder ein geeignetes Gegenbeispiel)!
1. Für alle Matrizen A, B ∈ Mn×n (K) gilt det(A + B) = det A + det B.
2. Für alle A ∈ Mn×n (K) und alle λ ∈ K gilt det(λ · A) = λn · det A.
Aufgabe 2 (Matrizenkalkül). Sei
f : Q4 −→ Q3
x2 + 2 · x3 − x4
x 7−→ −x1 + 3 · x2 + 2 · x4
2 · x1 + x3 − 2 · x4
Lösen Sie die folgenden Aufgaben mithilfe des Gaußschen Eliminationsverfah-
rens:
1. Bestimmen Sie eine Basis von ker f .
Hinweis. Überprüfen Sie auch, ob Ihr Ergebnis korrekt ist!
2. Für welche x ∈ Q4 gilt f (x) = e1 ?
Aufgabe 3 (XOR-SAT). Das exklusive Oder ⊕ ist durch die folgende Wahrheits-
tabelle definiert (und offenbar assoziativ):
A B A⊕B
w w f
w f w
f w w
f f f
Wir betrachten nun das folgende Problem: Kann man die aussagenlogischen
Variablen A, B, C, D so mit Wahrheitswerten belegen, dass die Formel
A ⊕ B ⊕ C ∧ A ⊕ (¬B) ⊕ D ∧ B ⊕ (¬C) ⊕ (¬D)
den Wahrheitswert w liefert? Gehen Sie wie folgt vor (dies ist im allgemeinen
Fall effizienter als alle Kombinationen durchzuprobieren):
1. Wenn wir 0 ∈ F2 als wahr“ und 1 ∈ F2 als falsch“ interpretieren, welche
” ”
algebraische Beschreibung besitzt dann ⊕ ?
2. Übersetzen Sie die obige Formel in ein lineares Gleichungssystem über F2
mit vier Variablen und drei Gleichungen (so dass die Lösungen dieses Glei-
chungssystems genau den Wahrheitsbelegungen entsprechen, unter denen
die obige Formel den Wahrheitswert w liefert).
3. Lösen Sie dieses lineare Gleichungssystem mit dem Gaußschen Eliminati-
onsverfahren.
4. Was bedeutet dies für das ursprüngliche Problem?
Bitte wenden
Aufgabe 4 (schwache Diagonalisierung). Sei K ein Körper, seien m, n ∈ N und
sei A ∈ Mm×n (K). Zeigen Sie: Dann gibt es S ∈ GLm (K) und T ∈ GLn (K)
mit folgender Eigenschaft: Ist
B := S · A · T,
Bj,k = 0.
∂0 := 0 : C0 (X) −→ {0}
∂1 : C1 (X) −→ C0 (X)
f{v,w} 7−→ fw − fv = fw + fv
∂2 := 0 : {0} −→ C1 (X);
dabei ist ∂1 durch die universelle Eigenschaft von Basen definiert (vgl. Bei-
spiel 3.2.6) und man beachte, dass in F2 Subtraktion und Addition überein-
stimmen. Man bezeichnet dann die Quotientenvektorräume
H0 (X) := ker ∂0 im ∂1 und H1 (X) := ker ∂1 im ∂2
Abgabe bis zum 26. Januar 2017, 10:00 Uhr, in die Briefkästen
Übungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 13 vom 26. Januar 2017
Aufgabe 1 (Eigenwerte und Eigenvektoren). Sei K ein Körper, sei n ∈ N und seien
A, B ∈ Mn×n (K). Welche der folgenden Aussagen sind in dieser Situation immer
wahr? Begründen Sie Ihre Antwort (durch einen Beweis oder ein geeignetes
Gegenbeispiel)!
1. Ist λ ∈ K ein Eigenwert von A, so ist 2017 · λ ein Eigenwert von 2017 · A.
2. Sind v und w Eigenvektoren von A, so ist v + w ein Eigenvektor von A.
Aufgabe 2 (Orientierungen). Sei V ein endlich-dimensionaler R-Vektorraum und
sei n := dimR V > 0. Wir definieren wie folgt eine Relation ∼“ auf der Menge
”
der Basen von V : Sind B und C Basen von V , so gelte genau dann B ∼ C,
wenn det(TB,C ) > 0 ist.
1. Zeigen Sie, dass ∼“ eine Äquivalenzrelation ist. Die Äquivalenzklassen
”
von Basen von V bezüglich ∼“ bezeichnet man als Orientierungen von V .
”
2. Zeigen Sie, dass die Basen
1 0 0 0 1 0
0 , 1 , 0 und 1 , 0 , 0
0 0 1 0 0 1
verschiedene Orientierungen von R3 repräsentieren.
3. Was hat der zweite Teil mit der linken bzw. rechten Hand zu tun? Illus-
trieren Sie Ihre Antwort geeignet!
4. Zeigen Sie, dass V genau zwei Orientierungen besitzt.
definierte Folge natürlicher Zahlen (Aufgabe 3 von Blatt 9). Wir betrachten
außerdem die Matrix
1 1
A := ∈ M2×2 (R).
1 0
1. Zeigen Sie, dass A genau zwei reelle Eigenwerte λ1 und λ2 besitzt.
2. Bestimmen Sie je einen Eigenvektor zu den Eigenwerten λ1 bzw. λ2 von A.
3. Finden Sie eine Matrix S ∈ GL2 (R) mit
−1 λ1 0
S ·A·S = .
0 λ2
Daraus möchte er Türme der Form n × 2 mit n ∈ N bauen. Zum Beispiel sind
Babeltürme der Höhe 4 bzw. 6. Finden Sie eine explizite (nicht rekursive) Formel
für die Anzahl der Babeltürme gegebener Höhe.
Hinweis. Was hat das mit Linearer Algebra zu tun?
Aufgabe 1 (Jordansche Normalform). Sei K ein Körper, sei n ∈ N>0 und seien
A, B ∈ Mn×n (K). Welche der folgenden Aussagen sind in dieser Situation immer
wahr? Begründen Sie Ihre Antwort (durch einen Beweis oder ein geeignetes
Gegenbeispiel)!
Aufgabe 3 (großspurig). Sei A ∈ SL2 (C) mit | tr A| > 2. Zeigen Sie, dass A
diagonalisierbar ist.
Bonusaufgabe (Würfel). Schreiben Sie von Hand ein STL-Modell eines Würfels.
Wie sehen die (horizontalen) Schnitte davon aus?
keine Abgabe
B 32 B. Übungsblätter
C
Fingerübungen
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 0 vom 17. Oktober 2016
1. λ + α · (η + ε)
ϑβ
2. ϕ·ψ +∆−Γ·Π
δ
3. ζ(κ + ι) − χ − %(γ)
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 1 vom 24. Oktober 2016
f : X −→ Y g : X −→ Y
0 7−→ 2 bzw. 0 7−→ 1
1 7−→ 1 1 7−→ 3
2 7−→ 2 2 7−→ 0
gegeben.
1. Skizzieren Sie f und g als Teilmengen von X × Y .
2. Wie finden Sie in Ihrer Skizze alle x ∈ X mit f (x) = 2 ?
3. Wie finden Sie in Ihrer Skizze alle x ∈ X mit g(x) ∈ {0, 1} ?
4. Ist die Aussage
∀y∈Y ∃x∈X f (x) = y ∨ g(x) = y
wahr?
Aufgabe 3 (Abbildungskompositionen). Wir betrachten die Abbildung
f : {0, 1, 2, 3} −→ {0, 1, 2, 3}
0 7−→ 1
1 7−→ 0
2 7−→ 3
3 7−→ 1.
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 2 vom 31. Oktober 2016
f f f f
X /Y X /Y
O Xo Y XO /Y
O
g h g h g h g h
Z /W Z /W Zo W Z /W
k k k k
1. k ◦ h = g ◦ f
2. h ◦ k ◦ g = f
3. h ◦ f = k ◦ g
4. f ◦ g = h ◦ k
Aufgabe 4 (etc.). Formulieren und lösen Sie weitere Aufgaben vom selben Typ!
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Aufgabe 2 (kleine Relationen). Sei X := {0, 1, 2, 3}. Wir betrachten die folgen-
den Relationen auf X:
(0, 0), (0, 1), (1, 1), (1, 2), (2, 2), (2, 3), (3, 3)
(0, 0), (0, 2), (1, 1), (1, 3), (2, 0), (2, 2), (3, 1), (3, 3)
1. Skizzieren Sie diese Teilmengen in X × X.
2. Überprüfen Sie, ob diese Relationen reflexiv, symmetrisch, transitiv sind.
3. Welche dieser Eigenschaften lassen sich gut anhand der Skizze überprüfen?
Aufgabe 3 (eine größere Relation). Wir betrachten die Relation
(m, n) ∈ N × N ∃k∈N (m + 7 · k = n) ∨ (n + 7 · k = m)
auf N.
1. Überlegen Sie sich, warum es sich dabei um eine Äquivalenzrelation han-
delt (Transitivität ist etwas unangenehm zu überprüfen).
2. Bestimmen Sie die Äquivalenzklassen dieser Relation.
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
f : X −→ X g : X −→ X
1 7−→ 2 1 7−→ 2
bzw.
2 7−→ 1 2 7−→ 3
3 7−→ 3 3 7−→ 4
4 7−→ 4 4 7−→ 1
gegeben.
1. Zeigen Sie, dass f und g Elemente der symmetrischen Gruppe SX sind.
1. (2016 + i) · (2016 − i)
2. 1/i + i
3. (1 + i)4
2017−i
4. 2016+i
Aufgabe 3 (Aussagen in Körpern). Sei (K, +, · ) ein Körper. Negieren Sie die
folgenden Aussagen korrekt:
1. ∃x∈K x 6= 0
2. ∀n∈N n · 1 = 0 =⇒ n = 0
3. ∀x,y∈K x · y = 0 =⇒ (x = 0 ∨ y = 0)
4. 1 = 0 =⇒ ∀x∈K x = x2
Welche dieser Aussagen gelten in jedem Körper?
Aufgabe 4 (etc.). Formulieren und lösen Sie weitere Aufgaben vom selben Typ!
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 5 vom 13. November 2016
Aufgabe 1 (Koordinaten in R2 ).
1. Zeichnen Sie die folgenden Punkte in R2 :
3 3 −3 −3
, , , .
1 −1 1 −1
2. Lesen Sie die Koordinaten für die Punkte in der folgenden Skizze ab:
1
À
1
4. λ + v
Aufgabe 4 (etc.). Formulieren und lösen Sie weitere Aufgaben vom selben Typ!
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Blatt 6 vom 21. November 2016
1. 2 · v1 + 0 · v2 + 1 · v3
2. 3 · v1 − 1 · v2 + 0 · v3
P3
3. j=1 1 · vj
P3
4. j=1 j · vj
Aufgabe 2 (eine affine Ebene). Zeichnen Sie den affinen Unterraum
2 −1 −1
0 + SpanR 1 , 0
0 0 1
in R3 .
Aufgabe 3 (Vektorentrio in R2 ). Wir betrachten die folgenden Vektoren in R2 :
0 1 2
v1 := , v2 := , v3 :=
1 1 0
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 7 vom 28. November 2016
in R2 .
1. Zeigen Sie, dass (v1 , v2 ) eine Basis von R2 ist.
2. Zeichnen Sie das Koordinatengitter“ zu dieser Basis.
”
3. Bestimmen Sie λ1 , λ2 , µ1 , µ2 ∈ R mit
e1 = λ1 · v1 + λ2 · v2 ,
e2 = µ1 · v1 + µ2 · v2 .
in R3 . Finden Sie ein j ∈ {1, 2, 3} mit der Eigenschaft, dass (w1 , w2 , vj ) eine
Basis von R3 ist.
Aufgabe 4 (Wiederholung). Wiederholen Sie das Material über Äquivalenzrela-
tionen, Körper und die Grundlagen von Vektorräumen. Fallen Ihnen die Übungs-
aufgaben dazu jetzt leichter?
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 9 vom 12. Dezember 2016
in M2×2 (R).
1. Berechnen Sie A2 , A3 , A4 .
2. Berechnen Sie B 2 , B 3 , B 4 .
3. Vollziehen Sie diese Rechnungen auch geometrisch nach, indem Sie die
linearen Abbildungen L(A), L(B) : R2 −→ R2 betrachten.
Aufgabe 3 (Noch mehr Produkte von Matrizen). Wir betrachten
1 2 1 1 1 0
A := , B := , C :=
3 4 0 1 0 2
in M2×2 (R).
1. Berechnen Sie A · B.
2. Berechnen Sie B · A.
3. Berechnen Sie A · C.
4. Berechnen Sie C · A.
5. Berechnen Sie (A · B) · C.
6. Berechnen Sie A · (B · C).
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 10 vom 19. Dezember 2016
Á Á
1 1
À À
1 1
Á Á
1 1
À À
1 1
Bestimmen Sie Kern und Bild (und die Dimensionen dieser Vektorräume) der
linearen Abbildungen L(A) : R3 −→ R2 bzw. L(B) : R2 −→ R3 .
Aufgabe 4 (Zusammenfassung). Verfassen Sie eine kurze Zusammenfassung des
bisher behandelten Materials. Welche Aspekte sollten Sie in den nächsten Wo-
chen nochmal besonders intensiv wiederholen?
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Aufgabe 2 (Basen und Matrizen). Wir betrachten die folgenden Basen von R2 :
1 1 0 1
B := , und C := ,
2 1 1 0
f : R2 −→ R
x 7−→ x1 + 3 · x2 .
Bestimmen Sie jeweils die darstellende Matrix MB,C (f ) für die folgenden Ba-
sen B und C von R2 bzw. R:
B C
E2 E1
E2 (5)
0 1
, E1
1 0
1 1
, (3)
1 2
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 12 vom 16. Januar 2017
über R. Bestimmen Sie Basen von V (A1 , 0), V (A2 , 0), V (A3 , 0).
Aufgabe 2 (Invertierbarkeit). Testen Sie die folgenden Matrizen in M3×3 (R) auf
Invertierbarkeit und bestimmen Sie gegebenenfalls die inverse Matrix:
1 2 3 2 0 −1 −1 0 2
2 3 4 , 6 3 0 , 0 1 0
3 4 5 4 4 2 4 0 −3
x1 + x2 − x3 = 0
x1 + x3 = 1
x1 − x2 = 0
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 13 vom 23. Januar 2017
Aufgabe 1 (Determinante). Berechnen Sie für die folgenden Matrizen in M3×3 (R)
die Determinante:
1 0 0 1 2 3 1 0 0 1 1 1
0 2 0 , 1 2 3 , 1 2 3 , 2 0 3 .
0 0 3 1 2 3 3 2 1 1 0 1
3. Schreiben Sie alle Elemente von S3 auf; bestimmen Sie das Signum aller
Elemente von S3 .
4. Schreiben Sie die Leibniz-Formel für det : M3×3 (K) −→ K explizit aus.
5. Vergleichen Sie Ihr Ergebnis mit den bereits bekannten Formeln für 2 × 2-
bzw. 3 × 3-Matrizen.
Hinweis. Die Gruppe S2 enthält genau zwei Elemente, die Gruppe S3 genau
sechs Elemente.
Aufgabe 4 (CAS). Überprüfen Sie Ihre Rechnungen mit einem Computeralge-
brasystem!
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Witzig Blatt 14 vom 30. Januar 2017
Aufgabe 1 (Nullstellen). Bestimmen Sie für jede der folgenden Gleichungen die
Menge aller λ ∈ Q (bzw. R, Q(i), C, F2 ), die die Gleichung lösen:
1. λ2 + 1 = 0
2. λ2 − 1 = 0
3. λ2 + 2 · λ + 3 = 0
4. λ3 + λ2 − 2 = 0
Aufgabe 2 (Eigenwerte und Eigenräume). Bestimmen Sie für die folgenden Ma-
trizen in M2×2 (C) alle Eigenwerte (in C) und alle Eigenräume (in C2 ):
0 2 2 −i −1 −9
, ,
−2 0 −i 0 0 2
keine Abgabe!
Fingerübungen zur Linearen Algebra I
2. (T 2 + 2 · T + 1) · (T 2 − 2 · T + 1)
3. (T 2016 − 1) · (T 2017 − 1)
4. (T 2 + i · T − i) · (i · T 2 − T + 2017)
Aufgabe 2 (Polynomfunktionen). Betrachten Sie die Polynomfunktionen zu den
Polynomen
T 3 − T 2 − 2 · T und T 2 + T
über R bzw. F2 . Wie sehen die zugehörigen Polynomfunktionen aus? Welche
Nullstellen haben diese Polynome?
Aufgabe 3 (charakteristische Polynome). Bestimmen Sie jeweils das charakteris-
tische Polynom der folgenden Matrizen (in M3×3 (C)).
1 0 0 2 1 0 1 0 0 2 4 0
0 2 0 , 0 2 1 , 0 2 3 , 3 5 0
0 0 3 0 0 2 0 4 5 0 0 1
keine Abgabe!
C 18 C. Fingerübungen
D
Allgemeine Hinweise
Lineare Algebra I im WS 2016/17
Organisatorisches
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Oktober 2016
http://www.mathematik.uni-regensburg.de/loeh/teaching/linalg1 ws1617
https://elearning.uni-regensburg.de
Vorlesung. Die Vorlesung findet jeweils montags (10:15–12:00; H 32) und don-
nerstags (10:15–12:00; H 32) statt. Ausnahme: am 17. Oktober in H 20.
Es wird ein (Kurz)Skript zur Vorlesung geben, das eine Übersicht
über die wichtigsten Themen der Vorlesung enthält. Dieses Skript wird
jeweils auf den obigen Homepages aktualisiert. Beachten Sie bitte, dass
dieses Kurzskript keineswegs geeignet ist, den Besuch der Vorlesung
oder der Übungen zu ersetzen!
Übungen. Die neuen Übungsaufgaben werden wöchentlich donnerstags späte-
stens um 10:00 Uhr auf den obigen Homepages online gestellt und sind
bis zum Donnerstag eine Woche später um 10:00 Uhr in die entspre-
chenden Briefkästen in der Mathematik abzugeben.
Auf jedem Übungsblatt gibt es vier reguläre Aufgaben (je 4 Punkte)
und herausforderndere Bonusaufgaben (je 4 Bonuspunkte).
Sie dürfen (und sollen) die Aufgaben in kleinen Gruppen bearbeiten;
aber die Lösungen müssen individuell ausformuliert und aufgeschrieben
werden (andernfalls werden die Punkte aberkannt). Sie dürfen (müssen
aber nicht!) Lösungen zu zweit abgeben; in diesem Fall müssen selbst-
verständlich jeweils beide Autoren in der Lage sein, alle der Zweier-
gruppe abgegebenen Lösungen an der Tafel zu präsentieren (andernfalls
werden die Punkte aberkannt).
Die Übungen beginnen in der zweiten Vorlesungswoche; in diesen
ersten Übungen wird das Einführungsblatt, Blatt 0, besprochen.
Zentralübung. Zusätzlich zur Vorlesung und den Übungen bietet die Zentral-
übung die Gelegenheit, Fragen zu stellen und den Stoff der Vorlesung zu
wiederholen und zu vertiefen. Die Zentralübung findet jeweils montags
(14:15–16:00; H 32) statt und wird von Daniel Fauser und Johannes
Prem geleitet; die Zentralübung beginnt in der zweiten Vorlesungswo-
che.
Außerdem werden wir auf der Homepage Fingerübungen anbieten,
mit denen grundlegende Begriffe, Handgriffe und Rechentechniken ein-
geübt werden können. Diese Aufgaben werden nicht abgegeben bzw.
korrigiert.
1
Einteilung in die Übungsgruppen. Die Einteilung in die Übungsgruppen er-
folgt über GRIPS:
https://elearning.uni-regensburg.de
Sie können sich bis Mittwoch, den 19. Oktober 2016, um 10:00 Uhr
für die Übungen anmelden; Sie können dort Ihre Präferenzen für die
Übungstermine auswählen und wir werden versuchen, diese Wünsche
zu erfüllen. Bitte beachten Sie jedoch, dass es sein kann, dass wir nicht
alle Wünsche erfüllen können.
Falls Sie noch keine Kennung des Rechenzentrums haben, wenden
Sie sich bitte an Daniel Fauser oder Johannes Prem.
Die endgültige Einteilung der Übungsgruppen wird spätestens am
Freitag, den 21. Oktober 2016, in GRIPS bekanntgegeben. Ein Wechsel
in volle Übungsgruppen ist dann nur durch Tausch mit einem Tausch-
partner möglich.
Bei Fragen zur Einteilung der Übungsgruppen und zum Übungsbe-
trieb wenden Sie sich bitte an Daniel Fauser ([email protected]) oder
Johannes Prem ([email protected]).
Leistungsnachweise. Diese Vorlesung kann wie in den einzelnen Modulkatalo-
gen spezifiziert in die Studiengänge eingebracht werden.
Klausur. Die Klausur findet am Dienstag, den 14. Februar 2017, von 9:00 bis
11:00 Uhr, statt. Die Wiederholungsklausur ist voraussichtlich am Ende
der Semesterferien; der genaue Termin wird so bald wie möglich be-
kanntgegeben.
Sie müssen sich in FlexNow für die Studienleistung und die Prüfungs-
leistung anmelden. Bitte informieren Sie sich frühzeitig. Wir werden
rechtzeitig Einträge in FlexNow vorbereiten. Berücksichtigen Sie bit-
te auch (implizite) Fristen der entsprechenden Prüfungsordnungen bis
wann (Wiederholungs-)Prüfungen abgelegt werden müssen.
Wichtige Informationen im Krankheitsfall finden Sie unter:
http://www.uni-regensburg.de/mathematik/fakultaet/studium/studierende-und-studienanfaenger/index.html
2
Hinweise für Wiederholer. Studenten, die bereits in einem vorangegangenen
Semester die Klausurzulassung erhalten haben, aber im entsprechenden
Semester die Klausur nicht bestanden haben oder nicht an der Klausur
teilgenommen haben, können mit dieser Zulassung auch an den oben
genannten Klausurterminen teilnehmen. Informieren Sie sich rechtzei-
tig über den Stoffumfang dieser Vorlesung (z.B. über das Kurzskript).
Außerdem kann es je nach Kenntnisstand sinnvoll sein, nochmal an den
Übungen oder der Vorlesung teilzunehmen.
Für den Drittversuch besteht alternativ zur Klausur auch wahlweise
die Möglichkeit, die Prüfung als mündliche Prüfung abzulegen.
Falls Sie an den Übungen teilnehmen möchten, ohne dass Ihre Lösun-
gen korrigiert werden sollen, schreiben Sie bitte eine email an Daniel
Fauser oder Johannes Prem mit Ihren Wunschterminen (damit die Übungs-
gruppen einigermaßen gleichmäßig besucht sind).
Ansprechpartner.
http://www-cgi.uni-regensburg.de/Studentisches/FS MathePhysik/cmsms/
3
Lineare Algebra I im WS 2016/17
Hinweise zur Prüfungsvorbereitung
Prof. Dr. C. Löh/D. Fauser/J. Prem Oktober 2016
Ziel der Übungsaufgaben. Ziel der Übungsaufgaben ist, sich aktiv mit den be-
handelten Definitionen, Sätzen, Beispielen und Beweistechniken ausein-
anderzusetzen und zu lernen, damit umzugehen.
Wie bearbeitet man eine Übungsaufgabe?
• Beginnen Sie mit der Bearbeitung an dem Tag, an dem das Übungs-
blatt erscheint – manche Dinge brauchen einfach ein paar Tage
Zeit.
• Lesen Sie sich alle Aufgaben gründlich durch. Kennen Sie alle auf-
tretenden Begriffe? Verstehen Sie, was in den Aufgaben verlangt
wird?
• Was sind die Voraussetzungen? Was ist zu zeigen? Wie könnten
diese Dinge zusammenhängen? Gibt es Sätze aus der Vorlesung,
die auf diese Situation passen?
• Welche Lösungsstrategien bzw. Beweisstrategien passen auf die
Aufgabe? Kann man einfach direkt mit den Definitionen arbeiten
und so zum Ziel gelangen?
• Ist die Aufgabe plausibel? Versuchen Sie die behaupteten Aussa-
gen, an einfachen Beispielen nachzuvollziehen!
• Falls Sie die Aufgabe unplausibel finden, können Sie versuchen, sie
zu widerlegen und untersuchen, woran dieses Vorhaben scheitert.
• Kann man die Situation durch eine geeignete Skizze graphisch dar-
stellen?
• Versuchen Sie, das Problem in kleinere Teilprobleme aufzuteilen.
Können Sie diese Teilprobleme lösen?
• Verwenden Sie viel Schmierpapier und geben Sie sich genug Zeit, an
der Aufgabe herumzuexperimentieren! Selbst wenn Sie die Aufgabe
nicht vollständig lösen, werden Sie auf diese Weise viel lernen, da
Sie sich aktiv mit den Begriffen und Sätzen auseinandersetzen.
• Wenn Sie nicht weiterwissen, diskutieren Sie die Aufgabe mit Kom-
militonen. Lassen Sie sich aber auf keinen Fall dazu verleiten, ein-
fach Lösungen irgendwo abzuschreiben. Mathematik kann man nur
lernen, wenn man aktiv damit arbeitet und seine Gedanken selbst
formuliert!
[10] K. Jänich. Lineare Algebra, 11. Auflage, Springer, 2013. Zitiert auf
Seite: 3, 60
[11] D.E. Knuth. Surreal numbers, Addison-Wesley, 1974. Zitiert auf Sei-
te: 37
[12] C. Löh, S. Krauss, N. Kilbertus. Quod erat knobelandum, Springer Spek-
trum, 2016. Zitiert auf Seite:
[13] S. MacLane. Categories for the Working Mathematician, zweite Auf-
lage, Springer, 1998. Zitiert auf Seite: A 11