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TU Ilmenau
Institut Rechtswissenschaft
FG Law and Economics of Digitization
Probeklausur Handels- und Gesellschaftsrecht
Bearbeitungszeit: 90 Minuten; Gesamtpunktzahl: 50 Punkte
Bearbeiten Sie alle Fragen (I., II., III., IV.)
Sie können die Antworten ausschreiben, aber auch in Stichpunkten arbeiten. Verwenden sie bei den
Fällen ggf. den Gutachterstil oder beschreiben Sie die Rechtsprobleme und mögliche Lösungen in
eigenen Worten.
Geben sie unbedingt Ihre Matrikelnummer auf Ihrer Klausur an.
Diese Klausur hat zwei (2) Seiten.
I. Person, Kaufmann, Verbraucher
1. Was sind Personen im Sinne de Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Was unterscheidet
natürliche Personen und juristischen Personen?
2. Was ist die Besonderheit des „Kaufmanns“ (Handelsgesetzbuch, HGB) im Vergleich zu den
Personen im BGB. Definieren und beschreiben Sie zwei Arten des Kaufmanns?
3. Was ist ein „Verbraucher“ im Sinne des BGB? Erläutern Sie die Sonderstellung des
Verbrauchers im BGB.
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II. „Firma“
1. Bewerten sie die folgenden Firmen (d.h. sind diese zulässig und im Einklang mit den
Prinzipien des Firmenrechts?)
a. Schulz & Scholz Reinigung
b. Franchising und Leasing Solutions e.K.
c. Edökö GmbH (orientalisch Supermarktkette)
2. Was könnte EDEKA (Stiftung & Co. KG) gegen die Firma c. tun? Nennen und beschrieben Sie
zwei Rechtsmittel.
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III. „Gesellschaften“
Bei der Wahl einer Gesellschaftsform geht es oft um Haftungsrisiken.
1. Erläutern Sie den Unterschied zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften und wo diese
rechtlich verankert sind.
2. Beschreiben Sie wie die Gesellschafter der folgenden Gesellschaften haften:
a. Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
b. Offenen Handelsgesellschaft (oHG)
c. Kommanditgesellschaft (KG)
3. Erläutern Sie in diesem Zusammenhang die Funktion der GmbH & Ko. KG
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IV. Fall „Holzwürmer“
H betreibt in Arnstadt eine angesehene Tischlerei. Sie hat 10 Mitarbeitende, von denen 2 in der
Buchhaltung arbeiten. Der Umsatz beläuft sich auf 1 Mio. Euro pro Jahr. Um eine Eintragung im
Handelsregister hatte H sich nicht gekümmert.
Im August bekommt H eine größere Holzlieferung vom Großhändler G aus Bayern. Das Holz wird im
Lager abgeladen und erst 2 Wochen später von den Mitarbeitenden X und Y inspiziert, da nunmehr
eine Bestellung für einen großen Tisch eingegangen ist. Hierbei bemerken X und Y kleine ringelartige
Eingrabungen und stellen fest, dass das Holz von Würmen durchsetzt ist. Nachdem H dies erfährt,
verlangt sie Neulieferung von G. Dieser weigert sich und sagt, H hätte dies früher merken müssen.
1. Wer hat Recht? Kann H von G Neulieferung (Nachbesserung) verlangen?
2. Kann G im Vertrag mit H (in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen) die Haftung für jegliche
Schäden ausschließen?
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V. Fall „Traum geplatzt“
Zwei Maschinenbauabsolventen der TU Ilmenau, A und B, haben während ihres Studiums einen
Luftentfeuchter entwickelt, den sie nunmehr herstellen und vertreiben möchten. A und B fassen am
15. Januar den Beschluss die „A+B GmbH“ zu gründen. An der GmbH sollen sie zu gleichen Teilen
beteiligt sein und auch jeweils 12.500 Euro einbringen. A will diese Summe in Bar einbringen, B hat
hingegen ein Laden und eine Lagerhalle in diesem Wert von seinem Opa geerbt. Ihr Freund F soll
Geschäftsführer werden.
Am 1. Februar wird der Gesellschaftsvertrag beim Notar geschlossen. Sodann bringen A und B ihre
Sach-/Bareinlagen ein und melden am 1. März die Gesellschaft zur Eintragung ins Handelsregister
beim zuständigen Gericht an.
A und B wollen sofort loslegen. Daher trifft sich F schon am 5. März mit W, Gesellschafter der W-
OHG, und kauft bei dieser im Namen der A+B-GmbH Werbebanner, Zeitungsinserate und Flyer für
einen Gesamtpreis von 5.000 €.
Am 1. April wird die A+B GmbH ins Handelsregister eingetragen.
Die Herstellung läuft allerdings schlecht. Die Luftentfeuchter sind extrem laut und können mit der
Konkurrenz nicht mithalten. Die A+B GmbH hat hohe Kosten und verdient nie einen Cent. Der am 1.
Juni gestellte Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird mangels Masse abgelehnt.
W möchte Zahlung der 5.000 Euro.
1. Kann W im Namen der W-OHG Zahlung von der A+B-GmbH verlangen?
2. Bestehen Ansprüchen gegen F?
3. Bestehen sonstige Ansprüche gegen eine Gesellschaft? Erläutern Sie in diesem
Zusammenhang die Natur der Vor-GmbH?
4. Bestehen Ansprüche gegen A und B (persönlich)?
5. Was ist die Unternehmergesellschaft (die UG)? Warum wurde diese 2008 (neu) geschaffen
und was ist ihr Verhältnis zu GmbH? Kennen sie eine ausländische Gesellschaft, die der UG
entspricht?
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