Baden Württemberg
Baden Württemberg
Baden-Württemberg [ˌbaːdn̩ˈvʏrtəmbɛrk] (Abkürzung BW; amtlich Land Baden-Württemberg) ist ein Land im Südwesten von Deutschland. Gemäß seiner
Verfassung hat es die Staatsform einer parlamentarischen Republik und ist ein teilsouveräner Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Das Land wurde 1952
durch Zusammenschluss der kurzlebigen Nachkriegsländer Württemberg-Baden, (Süd-)Baden und Württemberg-Hohenzollern gegründet und befindet sich somit
in der Tradition der alten Länder Baden und Württemberg mit Einschluss der Hohenzollernschen Lande. Baden-Württemberg ist naturräumlich geprägt von seinen
Anteilen an der Oberrheinischen Tiefebene und Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, dem südwestdeutschen Schichtstufenland mit der Schwäbischen Alb und
dem Alpenvorland nördlich des Bodensees. Sowohl nach Einwohnerzahl als auch bezüglich der Fläche steht Baden-Württemberg an dritter Stelle der deutschen
Länder. Bevölkerungsreichste Stadt Baden-Württembergs ist die Landeshauptstadt Stuttgart, gefolgt von Mannheim und Karlsruhe. Weitere Großstädte sind
Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Ulm, Heilbronn, Pforzheim und Reutlingen.
Baden-Württemberg ist das deutsche Land mit den höchsten Exporten (2021),[5] der zweitniedrigsten Arbeitslosenquote (April 2022),[6] dem vierthöchsten
Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf (2021)[7] sowie den meisten angemeldeten Patenten pro Kopf (2021)[8] und den absolut und relativ höchsten Forschungs-
und Entwicklungsausgaben (2019).[9] Die durchschnittliche Lebenserwartung lag im Zeitraum 2018/20 bei 79,9 Jahren für Männer und bei 84,2 Jahren für
Frauen, womit beide unter den deutschen Bundesländern jeweils den ersten Rang belegen.[10]
Inhaltsverzeichnis
Geographie
Naturräumliche Gliederung und Geologie
Klima
Temperaturen
Niederschlag
Folgen der globalen Erwärmung
Gewässer
Schutzgebiete
Flächenaufteilung
Verdichtungsräume
Großstädte
Geschichte
Vorgeschichte
Antike
Mittelalter
Frühe Neuzeit
Reformation und Bauernkrieg
Dreißigjähriger Krieg
Zeitalter des Absolutismus
1806 bis 1918
1918 bis 1933
Zeit des Nationalsozialismus
Machtergreifung und Terror
Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten
Widerstand
Kriegsende und Kriegsfolgen
Der Weg zum Südweststaat
Gründung des Landes
Erneute Abstimmung in Baden
Bevölkerungsentwicklung
Hoheitssymbole
Verwaltungsgliederung
Regierungsbezirke und Regionen
Stadt- und Landkreise
Gemeinden
Politik
Staatshaushalt
Wirtschaft
Landwirtschaft
Produzierendes Gewerbe
Energie
Medien
Tourismus
Verkehr
Straßenverkehr
Schienenverkehr
Schifffahrt Land Baden-Württemberg
Luftverkehr
Kultur
Religionen und Weltanschauungen
Konfessionsstatistik
Sprachen und Dialekte
Landesflagge
Sport
Fußball
Handball
Basketball
Volleyball
Eishockey
Großes Landeswappen
Wintersport
Tennis Basisdaten
Leichtathletik
Sprache Deutsch
Motorsport
Weitere Sportarten Landeshauptstadt Stuttgart
Staatsform parlamentarische Republik,
Bildung teilsouveräner Gliedstaat eines
Schulen Bundesstaates
Hochschulen Fläche 35.751,46 km²
Siehe auch Gründung 25. April 1952
Literatur ISO 3166-2 DE-BW
Dokumentarfilme Website [Link] (htt
Weblinks ps://[Link]-wuerttemberg.d
e/)
Einzelnachweise
Bevölkerung
Im Süden grenzt Baden-Württemberg mit dem Klettgau und dem Hotzenwald an den Hochrhein, im Wirtschaft
Hegau und Linzgau an den Bodensee und im Westen mit dem Breisgau und dem Markgräflerland an Bruttoinlandsprodukt
den Oberrhein. Im Norden zieht sich die Landesgrenze über Odenwald und Tauberland, im Osten (nominal) 536,0 Mrd. EUR (3.) (2021)[2]
über Frankenhöhe und Ries, entlang von Donau und Iller sowie durch das westliche Allgäu. Schulden 59,7 Mrd. Euro (2021)[3]
Benachbarte deutsche Länder sind im Osten und Nordosten Bayern, im Norden Hessen und im Arbeitslosenquote 3,8 % (März 2023)[4]
Nordwesten Rheinland-Pfalz. Im Westen grenzt Baden-Württemberg an die elsässischen
Politik
Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin in der französischen Region Grand Est. Die Schweizer
Grenze im Süden wird von den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau, Zürich, Regierungschef Ministerpräsident
Schaffhausen und Thurgau gebildet. Der Kanton St. Gallen ist nur über den Bodensee verbunden. Winfried Kretschmann (Grüne)
Über den Bodensee ist Baden-Württemberg außerdem mit dem österreichischen Bundesland Landtagspräsidentin Landtagspräsidentin
Vorarlberg verbunden. Mit diesem teilt es – weil dort ebenfalls alemannischer Dialekt gesprochen Muhterem Aras (Grüne)
wird – den manchmal umgangssprachlich verwendeten Beinamen Ländle respektive alemannisch Regierende Parteien Grüne und CDU
Ländli.
Sitzverteilung des 17. Landtags:
Der geographische Mittelpunkt Baden-Württembergs bei 48° 32′ 15,9″ N, 9° 2′ 28,21″ O wird von Sitzverteilung im Von 154 Sitzen entfallen auf:
einem Denkmal in einem Waldstück auf der Gemarkung von Tübingen markiert. Es handelt sich Landesparlament
dabei um den Schwerpunkt der Landesfläche. Im Gegensatz dazu wurde die Mitte von Baden- Regierung (100)
Württemberg aus den Extremwerten (nördlichster, südlichster, östlichster und westlichster Landpunkt)
ermittelt. Das Mittel aus der geographischen Breite des nördlichsten und südlichsten Punktes und das rüne 58
G
CDU 42
Mittel aus der geographischen Länge des östlichsten und westlichsten Punktes im Bezugssystem Opposition (54)
WGS84 errechnet sich zu 48° 39′ 43″ N, 9° 0′ 14″ O. Diese vier Extremkoordinaten Baden- SPD 19
Württembergs sind: im Norden 49° 47′ 28,67″ N, 9° 38′ 55,59″ O in der Stadt Wertheim, im Süden FDP 18
AfD 17
47° 31′ 57″ N, 7° 41′ 32″ O in der Gemeinde Grenzach-Wyhlen, im Westen 47° 41′ 52″ N,
7° 30′ 42″ O in der Gemeinde Efringen-Kirchen und im Osten 48° 41′ 18″ N, 10° 29′ 45″ O in der Letzte Wahl 14. März 2021
Gemeinde Dischingen. Die Mitte von Baden-Württemberg befindet sich 14,3 km nördlich vom Nächste Wahl voraussichtlich 2026
Tübinger Schwerpunkt in Böblingen in einem kleinen Waldstück, dem Hörnleswald, an der Tübinger
Straße von Böblingen nach Holzgerlingen und ist mit einem Steinpfeiler markiert. Stimmen im Bundesrat 6
Die höchste Erhebung des Landes ist der Feldberg im Schwarzwald mit 1493 m ü. NHN. Der tiefste
Punkt liegt im Mannheimer Naturschutzgebiet Ballauf-Wilhelmswörth am Rheinufer und an der
Grenze zu Hessen auf 87 m ü. NHN.[11]
Die Oberrheinische Tiefebene ist ein mit Sedimenten gefüllter Grabenbruch. Dazu
zählt auch die Vorbergzone zwischen der Ebene und dem Schwarzwald. In der
Tiefebene finden sich diverse Salzlagerstätten, Heilquellen und einige heute
erloschene Vulkane wie z. B. der Kaiserstuhl.
Die Randgebirge Schwarzwald und Odenwald bestehen aus Granit, Gneis und
Buntsandstein. Ihre Nord-Süd-Ausrichtung macht sie zu Regenfängern, deren
westliche Gewässer viel Wasser führen und sich vergleichsweise tief eingeschnitten
haben. Der im Südschwarzwald gelegene Feldberg ist mit 1493 m ü. NHN der höchste
Berg in den deutschen Mittelgebirgen.
Das südwestdeutsche Schichtstufenland besteht aus weiten, hügeligen Landterrassen,
die durch mehrere Gesteinsstufen voneinander abgegrenzt sind. Sie bestehen nach
Südosten hin aus immer jüngeren Gesteinsschichten, wobei wechselweise harte und
weiche Schichten übereinandergelagert sind. Teilräume sind die Neckar- und Tauber-
Gäuplatten (Baar, das Obere Gäu, Stromberg, Kraichgau, Hohenloher Ebene), das
Keuperbergland (Kleiner Heuberg, Rammert, Schönbuch, Glemswald, Strom- und
Heuchelberg, Schurwald, Schwäbisch-Fränkische Waldberge) und das Albvorland.
Zum Südwestdeutschen Schichtstufenland zählen auch der Randen und seine
Ausläufer im Klettgau.
Die Schwäbische Alb ist als geschlossenes Mittelgebirge ein gewässerarmes
Karstgebiet. Sie ist von typischen Karstformen (z. B. Dolinen) und zahlreichen kleinen
vulkanischen Formen durchzogen. Am östlichen Rand liegt der Meteoritenkrater von
Nördlingen (Nördlinger Ries).
Das Alpenvorland, zu dem Oberschwaben und das württembergische Allgäu gehören,
ist ein flachwelliges Hügelland, in dem der Bodensee und einstige vulkanische Berge
im Hegau liegen. Die starke Prägung durch eiszeitliche Vorgänge zeigt sich in
zahlreichen typischen Landschaftsformen wie Moränen, Seen und Mooren.
Siehe auch: Liste der naturräumlichen Einheiten in Baden-Württemberg
Klima
→ Hauptartikel: Klima in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg liegt in einem Übergangsgebiet zwischen Seeklima im Westen und Kontinentalklima im Osten.[13]
Das bewirkt, dass abwechselnd ozeanische und kontinentale Klimaeinflüsse wirksam werden. Aufgrund der
vorherrschenden Westwinde überwiegen die ozeanischen Klimaeinflüsse, wobei diese in den östlichen Landesteilen Blick vom Nordschwarzwald längs
der Oberrheinischen Tiefebene nach
abnehmen. Die Vielgestaltigkeit der Oberflächenformen, also das Nebeneinander hoher Bergländer und abgeschirmter
Norden zum Odenwald
Beckenräume, führt zu deutlichen klimatischen Unterschieden schon auf kurzen Entfernungen.[14]
Temperaturen
Durch die südliche Lage ist Baden-Württemberg gegenüber anderen Ländern hinsichtlich der Temperaturen begünstigt.
Das Oberrheinische Tiefland weist Jahresmitteltemperaturen von 10 °C auf und gehört damit zu den wärmsten Gebieten
Deutschlands. Klimatisch begünstigt sind auch der Kraichgau, das Neckartal nördlich von Stuttgart, das Bodenseegebiet,
das Hochrheingebiet und das Taubertal. Mit der Höhe sinkt die Durchschnittstemperatur, und der Südschwarzwald ist mit
durchschnittlich 4 °C eines der kältesten Gebiete Deutschlands. Eine Ausnahme von dieser Regel ist die im Winter
vorkommende Inversionswetterlage, bei der höhere Lagen wärmer sind als tiefer gelegene, weil bei windstillem
Hochdruckwetter die von den Höhen abfließende Kaltluft sich in Beckenräumen sammelt. Extreme Kältewerte lassen sich
deshalb auf der Baar beobachten. Hier kann es im Winter zu Temperaturen von unter −30 °C kommen.[15]
Gewässer
Aufgrund der bergigen Topographie spielten und spielen die Flüsse und ihre Täler eine erhebliche Rolle für Besiedlung, Verkehrswesen und Geschichte des
Landes. Die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau hat im Hochschwarzwald ihre westlichste Ausbuchtung und verläuft über die Baar im
Norden entlang der Schwäbischen Alb, im Süden durch das Alpenvorland. Das Einzugsgebiet des Rhein-Zuflusses Neckar nimmt mit etwa 14.000 km² fast zwei
Fünftel der Landesfläche ein.[18]
Der Rhein ist der wasserreichste Fluss des Landes. Mit ihm ist Baden-Württemberg an eine der bedeutendsten Wasserstraßen der
Welt angeschlossen. Sein Einzugsgebiet (ohne Neckar) im Land ist etwa 11.000 km² groß.[18] Im 19. Jahrhundert wurde der
Oberrhein ausgehend von den Plänen des badischen Ingenieurs Tulla begradigt. Er bildet mit wenigen Ausnahmen die westliche
Landesgrenze zu Frankreich und zu Rheinland-Pfalz. Hochrhein, Seerhein und Bodensee bilden den größten Teil der südlichen
Landesgrenze zur Schweiz.
Der Neckar entspringt am Ostrand des Schwarzwalds bei Villingen-Schwenningen und durchfließt das Zentrum des Landes, bis er
im Nordwesten in Mannheim in den Rhein mündet. Er wird durch zahlreiche Schleusen reguliert und dient als Verkehrsweg für
die industriereiche Landesmitte.
Die Donau entsteht bei Donaueschingen aus den vom Schwarzwald kommenden Quellflüssen Brigach und Breg und fließt etwa
ostnordöstlich, wobei sie die Schwäbische Alb nach Süden und Oberschwaben nach Norden begrenzt und hinter Ulm nach Karte der Landschaften von
Bayern fließt. Sie entwässert etwa 9400 km² und damit mehr als ein Viertel des Landes.[19] Baden-Württemberg mit
Flüssen
Während der Rhein das Land bei Mannheim auf einer Höhe von etwa 90 m ü. NHN verlässt, liegt die Donau an der bayerischen
Grenze bei Ulm noch über 460 m ü. NHN hoch. Die zum Rhein entwässernden Flüsse haben daher eine größere
Erosionskraft und vergrößern ihr Einzugsgebiet langfristig auf Kosten der Donau.[20]
Unter den übrigen Flüssen sind die längsten die Zwillingsflüsse Kocher und Jagst, die den Nordosten des Landes
durchfließen und in den Neckar münden. Ganz im Nordosten fließt die Tauber. Hier grenzt das Landesgebiet an den Main.
Mit dem Bodensee hat das Land Anteil am zweitgrößten Alpenrandsee. Über die Bodensee-Wasserversorgung erhalten
mehrere Millionen Einwohner vor allem im mittleren Neckarraum ihr Trinkwasser.[18]
Schutzgebiete
→ Hauptartikel: Liste der Schutzgebiete in Baden-Württemberg
Der 2014 gegründete Nationalpark Schwarzwald ist der erste Nationalpark in Baden-Württemberg. Die größten der mehr als 1000
Naturschutzgebiete des Landes sind die eiszeitlich überprägten Gebiete Feldberg und Gletscherkessel Präg im Hochschwarzwald,
das Hochmoorgebiet Wurzacher Ried im ebenfalls glazial geprägten Alpenvorland und das Auengebiet Taubergießen am
Oberrhein. Etwa 22,8 Prozent der Landesfläche sind als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Sieben Naturparke nehmen
zusammen ein Drittel der Fläche Baden-Württembergs ein. Die Biosphärengebiete Schwäbische Alb und Schwarzwald sind als
Biosphärenreservate der UNESCO anerkannt.
Flüsse in Baden-
Württemberg
Flächenaufteilung
Verdichtungsräume
Baden-Württemberg liegt innerhalb des als Blaue Banane bezeichneten, von London nach Norditalien verlaufenden europäischen
Agglomerationsbandes. Der gültige Landesentwicklungsplan aus dem Jahr 2002 unterscheidet zwischen den Raumkategorien
„Verdichtungsräume“, „Randzonen der Verdichtungsräume“ und „Ländlicher Raum“, wobei letzterer eigene Verdichtungsbereiche
enthält.[22][23] Außer dem größten und zentralen Raum Stuttgart liegen die sieben Verdichtungsräume in grenzüberschreitenden
Gunsträumen entlang der Peripherie des Landes. Die meisten sind als Teil Europäischer Metropolregionen ausgewiesen:
der Verdichtungsraum Stuttgart mit ca. 2,7 Millionen Einwohnern[24] einschließlich der Räume um Heilbronn und
um Reutlingen/Tübingen; siehe auch Metropolregion Stuttgart mit ca. 5,2 Millionen Einwohnern
der baden-württembergische Teil des grenzüberschreitenden Verdichtungsraums Rhein-Neckar, siehe auch
Metropolregion Rhein-Neckar
Bevölkerungsdichte nach
der Verdichtungsraum Karlsruhe/Pforzheim Gemeinden (2007).
der Verdichtungsraum Freiburg Schwarzwald, Schwäbische
der Verdichtungsraum Lörrach/Weil als baden-württembergischer Teil des grenzüberschreitenden Alb und Hohenloher Ebene
Verdichtungsraums um Basel, siehe Metropolregion Basel sind besonders dünn
der baden-württembergische Teil des grenzüberschreitenden Verdichtungsraums Ulm/Neu-Ulm besiedelt.
der Bodenseeraum mit besonderer struktureller Prägung
Der Oberrheinraum von Karlsruhe über Offenburg und Freiburg bis Lörrach/Weil am Rhein ist Teil der 2010 mit den angrenzenden südpfälzischen, französischen
und Schweizer Regionen gebildeten Trinationalen Metropolregion Oberrhein.
Großstädte
Neun Städte im Land haben mindestens 100.000 Einwohner und gelten als Großstädte.
Stuttgart 626.275 Stuttgart Landeshauptstadt, ehemalige Hauptstadt des Königreichs Württemberg, sechstgrößte Stadt
Deutschlands, am mittleren Neckar in Kessel- und Halbhöhenlage mit Weinbergen und
Mineralquellen, Zentrum der Automobilindustrie (Daimler, Porsche, Bosch), zwei Universitäten
und weitere Hochschulen.
Karlsruhe 306.502 Karlsruhe/Pforzheim Ehemalige Landeshauptstadt Badens, barocke Planstadt („Fächerstadt“) in der
Oberrheinebene, Sitz des Bundesverfassungsgerichts und Bundesgerichtshofes, neun
Hochschulen, bedeutender Standort der Informations- und Kommunikationstechnik, UNESCO
City of Media Arts.
Mannheim 311.831 Rhein-Neckar Industrie- und Handelsstadt am Zusammenfluss von Neckar und Rhein in der Oberrheinebene,
ehemalige Residenzstadt der Kurpfalz, barocke Planstadt („Quadratestadt“), Hochschulen,
UNESCO City of Music.
Heidelberg 159.245 Rhein-Neckar Universitätsstadt am Austritt des Neckars vom Odenwald in die Oberrheinebene, bis 1720
Residenzstadt der Kurpfalz, internationales Tourismusziel mit Altstadt und Schlossruine,
UNESCO City of Literature.
Ulm 126.949 Ulm/Neu-Ulm An der Donau und der Grenze zu Bayern, Universität, ehemalige Freie Reichsstadt und
Bundesfestung.
Pforzheim 125.529 Karlsruhe/Pforzheim Am Nordrand des Schwarzwalds und dem Zusammenfluss von Enz und Nagold gelegen,
bekannt für die Schmuck- und Uhrenindustrie.
Reutlingen 116.456 Stuttgart Am Westrand der Schwäbischen Alb gelegen, ehemalige Freie Reichsstadt.
Geschichte
Vorgeschichte
→ Hauptartikel: Urgeschichte Baden-Württembergs
Das Gebiet des heutigen Baden-Württemberg war nachweislich bereits vor mindestens einer halben Million Jahren von Vertretern der Gattung Homo besiedelt.
Der bei Mauer gefundene Unterkiefer von Mauer und der bei Steinheim an der Murr entdeckte Homo steinheimensis, die heute beide zur Hominini-Art Homo
heidelbergensis eingeordnet werden, zählen mit einem Alter von rund 500.000 beziehungsweise 250.000 Jahren zu den ältesten Funden der Gattung Homo in
Europa überhaupt.
Bedeutende paläolithische Nachweise kulturellen Lebens in Baden-Württemberg reichen circa 35.000 bis 40.000 Jahre zurück. So alt sind die Funde der ältesten
bekannten Musikinstrumente der Menschheit (eine Elfenbeinflöte, ausgegraben 1979 im Geißenklösterle) und Kunstwerke (Löwenmensch), die in Höhlen der
Schwäbischen Alb entdeckt wurden, vor allem in denen des Lonetals. Die wichtigsten dieser Höhlen sind die sogenannten Höhlen der ältesten Eiszeitkunst.
Vor allem aus dem Neolithikum finden sich zahlreiche Belege von Siedlungen und Bestattungen von der frühesten Zeit an, die ab der Bandkeramik auf die
unterschiedlichsten Kulturkomplexe zurückgehen und eine ununterbrochene Linie bis zum Beginn der Bronzezeit und bis zur Eisenzeit repräsentieren.[25] Bei
Kleinkems in Südbaden befindet sich das älteste deutsche Jaspisbergwerk aus der Jungsteinzeit.
In der Hallstattzeit besiedelten die Kelten große Teile des Landes. Dies ist durch die zahlreichen Hügelgräber belegt, deren bekanntestes das Grab des
Keltenfürsten von Hochdorf ist, und durch hallstattzeitliche Siedlungen wie der Heuneburg oder dem Münsterhügel von Breisach.
Antike
Seit Caesars Gallischem Krieg 55 v. Chr. bildete der Rhein im Norden die Ostgrenze des römischen Reiches. Um 15
v. Chr. überschritten die Römer unter Tiberius die Alpen. Die neu gegründete Provinz Raetia erstreckte sich bis an die
Donau und umfasste damit auch das heutige Oberschwaben.
Der Landweg zwischen Mainz und Augsburg war strategisch sehr wichtig. Um diesen zu verkürzen, bauten die Römer um
73/74 n. Chr. eine Straße durch das Kinzigtal im mittleren Schwarzwald; zum Schutz dieser Straße gründeten sie Rottweil.
Weitere Gründungen dieser Zeit sind Ladenburg, Bad Wimpfen, Rottenburg am Neckar, Heidelberg und Baden-Baden;
eine Siedlungskontinuität ist jedoch nur für Baden-Baden, Ladenburg und Rottweil wahrscheinlich. Die später gebaute
Straße über Bad Cannstatt verkürzte den Weg zwischen Mainz und Augsburg noch weiter. Die Landnahme in
Südwestdeutschland sicherten die Römer durch Feldzüge im heutigen Hessen ab. Um 85 n. Chr. gründete Kaiser Domitian
die Provinz Germania superior (Obergermanien).
Die Grenze des römischen Reiches verlief von ungefähr 98–159 n. Chr. entlang des Neckar-Odenwald-Limes, später Römische Expansion in
entlang des Obergermanisch-Rätischen Limes. Den vom Limes umschlossenen Teil des Gebietes rechts des Rheines und Südwestdeutschland
links der Donau bezeichneten die Römer als Dekumatland. Der nordöstliche Teil des heutigen Baden-Württemberg war
nie Teil des römischen Reiches.
Um 233 n. Chr. plünderten Alamannen das Dekumatland; in der Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts gaben die Römer um 260 n. Chr. nach erneuten
Überfällen die bisherige Grenze auf und zogen sich hinter Rhein, Donau und Iller, den Donau-Iller-Rhein-Limes, zurück. Sie hielten die Rheingrenze noch bis
zum Rheinübergang von 406.
Mittelalter
Im 5. Jahrhundert kam das Gebiet des Herzogtums Alemannien zum Fränkischen Reich. Die Nordgrenze Alemanniens wurde nach Süden verschoben und deckte
sich grob mit dem Verlauf der heutigen alemannisch-fränkischen Dialektgrenze. Das nördliche Drittel Baden-Württembergs lag somit im direkten fränkischen
Einflussbereich (Bistümer Mainz, Speyer, Worms, Würzburg), die südlichen zwei Drittel verblieben im alemannischen Einflussbereich (Bistümer Konstanz,
Augsburg, Straßburg). Im 8. Jahrhundert wurden Grafschaften (Gaue) als Verwaltungseinheiten installiert. Mit der Neubildung der Stammesherzogtümer gehörten
die südlichen Gebiete des heutigen Bundeslandes bis zum Ausgang des Hochmittelalters zum Herzogtum Schwaben, die nördlichen Gebiete befanden sich beim
Herzogtum Franken.
Im Hochmittelalter gehörte das Gebiet zu den zentralen Landschaften des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Es ist Heimat zahlreicher aufstrebender
Adelsdynastien und lag im Schnittpunkt einiger wichtiger Fernhandelsrouten. Der Hochadel und die Klöster lenkten einen intensiven Landesausbau, in dessen
Verlauf die Mittelgebirge erschlossen und zahlreiche Städte gegründet wurden, und erweiterten so ihre Machtbasis. Wichtige Familien waren neben den
Herzogshäusern vor allem die fränkischen Salier und die schwäbischen Staufer, die sich zu ihrer Zeit den Kaiserthron erkämpften. Weitere wichtige Adelshäuser
waren die – ursprünglich aus Oberschwaben stammenden – Welfen, die Zähringer und die Habsburger und auch die unterschwäbischen Hohenzollern.
Nach dem Ende der Stauferdynastie im 13. Jahrhundert kam es zu einer bleibenden Dezentralisierung des Reiches. Die ohnehin traditionell schwache
Zentralmacht von Kaisern und Königen verlor zunehmend Rechte und Befugnisse an aufstrebende Regionalmächte. Dieser langfristige Trend wurde auch und
gerade in Südwestdeutschland spürbar. Es kam zur territorialen Zersplitterung in Hunderte von kleinen Grafschaften, Reichsstädten, geistlichen Gebieten oder gar
einzelnen ritterschaftlichen Dörfern.
Die sich auf dem Gebiet der alten Stammesherzogtümer Franken und Schwaben im Hoch- und Spätmittelalter entwickelnden
Territorien erwiesen sich zumeist als beständig und dominierten bis zu den Umbruchsjahren 1803/1806. Zu den bedeutendsten
unter ihnen zählen:
die Reichsstädte Ulm, Biberach an der Riß, Esslingen, Heilbronn, Gmünd, Hall, Rottweil, Konstanz (bis 1548)
und Reutlingen
die weltlichen Fürstenstaaten Württemberg, Vorderösterreich, Pfalz, Baden, Hohenlohe und Fürstenberg
die weltlichen Herrschaftsgebiete der Bistümer Konstanz, Worms, Speyer und Straßburg
die Klosterstaaten St. Blasien, Zwiefalten, Ochsenhausen und Salem
Zur horizontalen Diversifizierung trat die vertikale Aufteilung von Rechten an einem Ort in verschiedene Rechteinhaber. So
konnten die zahlreichen finanziellen, wirtschaftlichen, militärischen und jurisdiktionalen Rechte innerhalb eines Dorfes in den Territoriale Zersplitterung um
Händen mehrerer Staaten, Herren oder Familien liegen. 1771
Frühe Neuzeit
Die frühe Neuzeit war geprägt von der Reformation und den Expansionsbestrebungen der entstehenden Flächenstaaten Österreich, Preußen, Frankreich und
Schweden. Aus diesen resultierten Konflikte wie der Bauernkrieg, der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg. Im heutigen Baden-Württemberg,
das territorial außerordentlich stark zersplittert blieb, lag dabei einer der Schwerpunkte der Kampfhandlungen mit entsprechenden Folgen für Bevölkerung und
Wirtschaft.
Das spätere Baden war Schauplatz der Bundschuh-Verschwörungen. Der aus Untergrombach stammende Joß Fritz führte von 1501 bis 1517 im Hochstift Speyer
und in Vorderösterreich insgesamt drei Verschwörungen an.
Bereits 1518 lernten junge südwestdeutsche Gelehrte bei der Heidelberger Disputation Martin Luther und seine Lehren kennen. Der Brettener Philipp
Melanchthon folgte Luther nach Wittenberg und wurde zu einem der führenden Köpfe der lutherischen Reformation. Johannes Brenz ging von Heidelberg nach
Schwäbisch Hall, führte dort die Reformation ein und unterstützte später Herzog Christoph von Württemberg beim Aufbau der evangelischen Landeskirche.
Der Deutsche Bauernkrieg hatte einen seiner Schwerpunkte im deutschen Südwesten. Bereits 1524 versammelten sich in Stühlingen, Furtwangen und Biberach
mehrere tausend Bauern.
Am Ostersonntag 1525 stürmten und besetzten schwäbische Bauern die Burg Weinsberg und töteten den Grafen Ludwig von Helfenstein, der ein Schwiegersohn
Kaiser Maximilians I. war. Diese Weinsberger Bluttat kostete die Bauern viele Sympathien. In der Folge zogen sie unter anderem in Stuttgart ein und zerstörten
zahlreiche Burgen und Klöster, darunter die Burg Hohenstaufen, das Kloster Lorch und das Kloster Murrhardt. Am 24. April 1525 übertrugen die Aufständischen
dem Hauptmann Götz von Berlichingen die militärische Führung. Am 23. Mai 1525 nahmen südbadische Bauern Freiburg ein.
Der Bauernaufstand wurde durch ein Söldnerheer, das im Auftrag des Schwäbischen Bundes unter der Führung von Georg Truchsess von Waldburg-Zeil kämpfte,
noch im Sommer 1525 brutal niedergeschlagen. Man schätzt, dass dabei ca. 100.000 Aufständische zu Tode kamen.
Besonders in den südwestdeutschen Reichsstädten verbreitete sich die Reformation schnell. Der Protestation zu Speyer gehörten 1529 fünf Reichsstädte aus dem
heutigen Baden-Württemberg an. Als Markgraf Philipp von Baden 1533 kinderlos starb, wurde die Markgrafschaft unter seinen Brüdern Ernst und Bernhard III.
in das protestantische Baden-Durlach und das katholische Baden-Baden aufgeteilt. Herzog Ulrich von Württemberg führte die Reformation ein, als er 1534 durch
die siegreiche Schlacht bei Lauffen nach fünfzehnjähriger Habsburgischer Zwangsverwaltung wieder auf den Stuttgarter Thron zurückkehrte.
In der Kurpfalz führte Kurfürst Ottheinrich 1557 die Reformation lutherischer Prägung ein. Unter seinem Nachfolger Friedrich III., der 1563 den Heidelberger
Katechismus ausarbeiten ließ, wurde die Kurpfalz calvinistisch.
Dreißigjähriger Krieg
Hauptschauplätze des Dreißigjährigen Kriegs im deutschen Südwesten waren die Kurpfalz und Vorderösterreich, aber auch die übrigen Gebiete wurden durch
Plünderungen und Mundraub der durchziehenden und lagernden Heere schwer getroffen.
Nach der Schlacht am Weißen Berg verlagerte sich der Böhmisch-Pfälzische Krieg in die Kurpfalz. Die vereinigten Heere der Grafen Peter von Mansfeld und
Georg Friedrich von Baden-Durlach besiegten Tilly 1622 bei Mingolsheim. Wenig später unterlag der von Mansfeld getrennte Markgraf von Baden Tilly in der
Schlacht bei Wimpfen.
Während sich die Kriegsereignisse danach nach Norden verlagerten, blieb die Kurpfalz von den Spaniern links des Rheines und den Bayern rechts des Rheines
besetzt. 1632 wurden beide durch die Schweden unter König Gustav Adolf vertrieben. 1634 eroberten die Schweden die Festung Philippsburg und zogen noch im
selben Jahr bis an den Hochrhein. Nach der Schlacht bei Nördlingen floh Herzog Eberhard III. ins Exil nach Straßburg. Die siegreichen kaiserlichen und
spanischen Truppen besetzten das Territorium Württembergs und es kam in diesen evangelischen Landstrichen zu verheerenden Übergriffen, Plünderungen und
Brandschatzungen. 1635 eroberte Johann von Werth Philippsburg und Heidelberg zurück, Bayern besetzte erneut die Kurpfalz.
1638 feierten die protestantisch-schwedischen Verbände unter Bernhard von Sachsen-Weimar in Vorderösterreich bei der Schlacht bei Rheinfelden, in Breisach
und in Freiburg Erfolge. 1643/44 schlug das Schlachtenglück in Schlachten bei Tuttlingen und Freiburg zugunsten der kaiserlich-katholischen Truppen um. Die
Kämpfe im Südwesten dauerten noch bis Kriegsende an.
Im Jahre 1647 unterzeichneten Bayern, Schweden und Frankreich in Ulm ein Waffenstillstandsabkommen, in dessen Folge sich die in Bayern eingefallenen
schwedischen und französischen Truppen nach Oberschwaben und Württemberg zurückzogen. Im Westfälischen Frieden 1648 erhielt Karl I. Ludwig die Pfalz
sowie die 1623 im Regensburger Reichstag verlorene Kurwürde zurück und Breisach wurde französisch.
Als Folge des Dreißigjährigen Kriegs war die Bevölkerung um mehr als die Hälfte, regional um zwei Drittel, zurückgegangen, der Viehbestand war fast völlig
vernichtet, ein Drittel des Nutzlandes lag brach. Die Region brauchte lange, um sich davon zu erholen.
Nach dem Ende des Holländischen Kriegs 1679 annektierte Frankreich Freiburg im Breisgau. Die vorderösterreichische
Regierung verlegte während der französischen Herrschaft über Freiburg ihren Sitz nach Waldshut.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg verwüsteten französische Truppen unter der Führung von General Ezéchiel de Mélac den
nordwestlichen Teil des heutigen Baden-Württembergs. Vor allem in den Jahren 1689 und 1693 ließ Mélac jeweils auf
dem Rückzug systematisch Verteidigungsanlagen sprengen und flächendeckend Dörfer und Städte in Brand setzen, dabei
wurden unter anderem die Residenzstädte Heidelberg mitsamt dem Schloss, Durlach und Baden zerstört, aber auch
Mannheim, Bretten, Pforzheim oder Marbach. Nach Kriegsende musste Frankreich Freiburg und Breisach am Rhein an
Österreich zurückgeben. Innenhof des Ludwigsburger
Residenzschlosses
In der Folge zogen mehrere der Landes- und Kirchenfürsten aus den alten Residenzstädten aus und errichteten neue
Barockresidenzen nach dem Vorbild von Versailles. So entstanden barocke Planstädte mit großen Schlössern in Karlsruhe,
Ludwigsburg und Rastatt, die kurpfälzische Residenz Schloss Mannheim und Sommerresidenz Schloss Schwetzingen sowie Schloss Bruchsal als Sitz des
Hochstifts Speyer.
Von 1703 bis 1713 war die Oberrheinebene zwischen Freiburg und Heidelberg im Spanischen Erbfolgekrieg Aufmarschgebiet der kaiserlichen Truppen und
mehrfach Schauplatz von Kämpfen zwischen diesen und denen Frankreichs.
Im österreichischen Erbfolgekrieg belagerten und eroberten französische Truppen unter dem persönlichen Kommando Ludwigs XV. 1744 Freiburg.
1782 wurde in den vorderösterreichischen Gebieten, d. h. in großen Teilen des südlichen heutigen Landesteils, die Leibeigenschaft im Zuge der Reformen Kaiser
Josephs II. abgeschafft.
Hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch etwa 300 Staaten im Gebiet des heutigen Baden-Württembergs territoriale Rechte inne, so reduzierte sich deren Zahl
nach der Auflösung des Alten Reiches auf vier. Vor allem das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden gehörten zu den Gewinnern der
Koalitionskriege. Die beiden Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen überlebten aufgrund besonderer Beziehungen zu Napoleon
die Mediatisierung. Zudem war die Stadt Wimpfen eine hessische Exklave.
Siehe auch: Territoriale Besonderheiten in Südwestdeutschland nach 1810
1849 wurde die Badische Revolution durch preußische Interventionstruppen niedergeschlagen, die Badische Armee
aufgelöst und unter preußischer Führung neu aufgebaut. 1850 wurden die beiden hohenzollerischen Staaten zur
preußischen Provinz Hohenzollernsche Lande. Im Deutschen Krieg 1866 standen Baden und Württemberg auf der Seite
Österreichs und mussten nach Kriegsende eine Entschädigung an das siegreiche Preußen zahlen und militärische
Geheimverträge mit dem Norddeutschen Bund schließen. Dies führte 1870 zum Eintritt dieser Staaten in den Deutsch-
Französischen Krieg. Infolge des Kriegs schlossen sich Baden und Württemberg dem neu gegründeten und von Preußen
angeführten Deutschen Kaiserreich an.
Niederschlagung des
Heckeraufstandes 1848 (Lithografie,
1918 bis 1933 um 1850)
1919 gaben sich die Republik Baden und der Volksstaat Württemberg demokratische Verfassungen.
1933 wurden die selbständigen Landesregierungen mittels Gleichschaltungsgesetzen zu Gunsten nationalsozialistischer Gauleiter und Reichsstatthalter entmachtet.
Die Machtergreifung wurde von Terror gegen die politischen Gegner begleitet und unterstützt.
In Baden ernannte sich Gauleiter Robert Wagner am 11. März 1933 selbst zum Staatspräsidenten. Diese Selbsternennung legalisierte Reichspräsident Hindenburg
am 5. Mai 1933 nachträglich durch Wagners Ernennung zum Reichsstatthalter. Das Amt des badischen Ministerpräsidenten übernahm Walter Köhler. Der
württembergische Landtag wählte am 15. März 1933 Wilhelm Murr mit den Stimmen der NSDAP, DNVP und des Bauernbundes zum Staatspräsidenten. Am 6.
Mai 1933 wurde er zum Reichsstatthalter ernannt, während das Amt des Ministerpräsidenten auf Christian Mergenthaler überging. Diese Dualität in der
Machtausübung blieb bis Kriegsende erhalten.
Die Regimegegner, vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, wurden ab März 1933 in einer Verhaftungswelle der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen und
in den Lagern Kislau (bei Bad Schönborn), Ankenbuck (bei Villingen) und Heuberg (bei Stetten am kalten Markt) interniert. Regimekritische Frauen wurden im
Frauengefängnis Gotteszell festgehalten. Die badische SPD-Führung wurde am 16. Mai 1933 von Karlsruhe nach Kislau verschleppt, wobei der Abtransport
öffentlich inszeniert wurde.
Nach der Umbildung der Landtage gemäß dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933 beschlossen die Landtage am 8. Juni 1933 in Württemberg bzw.
am 9. Juni 1933 in Baden Landesermächtigungsgesetze. An den Abstimmungen durften sich die Abgeordneten der inzwischen verbotenen KPD nicht mehr
beteiligen. Die SPD-Abgeordneten enthielten sich in Württemberg der Stimme, während die fünf verbliebenen in Baden offen mit „Nein“ stimmten. Alle anderen
Abgeordneten – in Württemberg waren dies Zentrum, DNVP, Bauernbund, CSVD und NSDAP – stimmten der Selbstentmachtung zu.
Das Lager Heuberg wurde Ende 1933 wegen Überfüllung geschlossen. Die Insassen wurden auf das Fort Oberer Kuhberg in Ulm verlegt. Mitglieder von
Gestapo, SS und SA ermordeten den führenden badischen Sozialdemokraten Ludwig Marum am 29. März 1934 in Kislau. 1936 meldete die Gestapo, sie habe die
„illegalen“ Strukturen von SPD und KPD zerschlagen.
Dem Massenmord der Nationalsozialisten an der deutschen Zivilbevölkerung fielen in Baden und Württemberg ca. 12.000 Juden, eine große Zahl von
Angehörigen der Roma-Minderheit, 10.000 Kranke sowie eine unbekannte Anzahl von Regimegegnern zum Opfer.
Bis 1939 waren zwei Drittel der ca. 35.000 Juden, die 1933 in Baden und Württemberg gelebt hatten, ausgewandert. Am 22.
Oktober 1940 leiteten der badische Gauleiter Robert Wagner und Josef Bürckel, Gauleiter der Westmark, die „Wagner-Bürckel-
Aktion“, bei der noch vor dem eigentlichen Holocaust ca. 6000 badische Juden in das Lager Gurs verschleppt wurden. Von dort
aus wurden die meisten von ihnen in deutsche Vernichtungslager in Osteuropa gebracht und dort ermordet. Die württembergischen
Juden wurden ab November 1941 in mehreren Direktzügen zu je ca. 1000 Personen nach Riga, Izbica, Auschwitz und
Theresienstadt deportiert, wo sie umgebracht wurden.
In der Tötungsanstalt Grafeneck bei Gomadingen ermordeten die Machthaber im Rahmen der Aktion T4 mehr als 10.000 Gedenk- und Namensbuch
von Grafeneck
Patienten psychiatrischer Kliniken in einer Gaskammer. Roma, und unter ihnen viele Sinti, wurden z. T. in lokalen
„Zigeunerlagern“ interniert, zum Beispiel im Zigeunerzwangslager in Ravensburg, und 1940 nach Polen und 1943 in das
Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. Zahlreiche Insassen baden-württembergischer Konzentrationslager starben bei
der Zwangsarbeit. Beispielsweise kostete im KZ Bisingen bei Hechingen der Versuch, Schieferöl zu gewinnen, 1000 Menschen das Leben. Andere Häftlinge
kamen auf den sogenannten Todesmärschen, mit denen die Machthaber kurz vor Kriegsende die Konzentrationslager angesichts der anrückenden amerikanischen
Truppen räumen wollten, ums Leben.
Widerstand
Mit dem in Stuttgart aufgewachsenen Graf von Stauffenberg, den Geschwistern Scholl, die ihre Kindheit in Forchtenberg,
Ludwigsburg und Ulm verbracht haben, sowie dem Hitler-Attentäter Georg Elser, der auf der Ostalb und in Konstanz lebte, haben
vier der bekanntesten deutschen Widerstandskämpfer ihre Wurzeln im Südwesten.
Weitere Beispiele sind die Freiburgerin Gertrud Luckner, die Juden bei der Ausreise unterstützte, 1943 verhaftet wurde und das
KZ Ravensbrück überlebte, der Mannheimer Georg Lechleiter, der eine Untergrundorganisation der KPD anführte und 1942 in
Stuttgart hingerichtet wurde sowie der Karlsruher Reinhold Frank und die Stuttgarter Fritz Elsas und Eugen Bolz, die als
Mitglieder der Verschwörung vom 20. Juli 1944 im Jahre 1945 hingerichtet wurden.
Im Oktober 1944 wurde die Regierung des Vichy-Regimes unter Marschall Pétain auf Befehl Hitlers von Vichy nach
Sigmaringen verlegt. Das Schloss Sigmaringen blieb bis Kriegsende Sitz der aus Sicht der Nationalsozialisten offiziellen
französischen Regierung.
Die alliierten Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg trafen die Städte in Südwestdeutschland nicht alle in gleichem Maße.
Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 starben innerhalb von wenigen Minuten 17.600 Menschen. Sehr
schwer getroffen wurden auch Stuttgart, Mannheim, Heilbronn, Friedrichshafen, Freiburg und Ulm. Schwere Schäden
trugen Karlsruhe, Reutlingen, Böblingen, Sindelfingen, Offenburg und Göppingen davon. Andere Städte, z. B. Rottweil, Durch Luftangriffe zerstörtes
Heidelberg, Baden-Baden, Esslingen, Ludwigsburg, Tübingen, Villingen, Konstanz, Aalen oder Schwäbisch Gmünd Heilbronn, 1945
blieben nahezu unversehrt und haben deshalb noch heute intakte Altstädte.
Im Frühjahr 1945 besiegten amerikanische und französische Bodentruppen auch auf dem Gebiet Baden-Württembergs diejenigen der Wehrmacht. Die Amerikaner
besetzten Mannheim am 29. März 1945. Stuttgart eroberten die französischen Truppen am 22. April 1945. Teilweise schwere Kämpfe führten dazu, dass in den
letzten Kriegswochen noch Crailsheim, Waldenburg, Bruchsal und Freudenstadt zerstört wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die nördlichen Teile von Baden und Württemberg zur US-amerikanischen Besatzungszone,
die südlichen Teile sowie Hohenzollern zur französischen. Die Aufteilung erfolgte entlang der Kreisgrenzen, wobei zur US-
amerikanischen Zone bewusst alle die Kreise geschlagen wurden, durch die die Autobahn Karlsruhe-München (heutige A 8)
verlief. Die Militärregierungen der Besatzungszonen gründeten 1945/46 die Länder Württemberg-Baden in der amerikanischen
sowie Württemberg-Hohenzollern und Baden in der französischen Zone. Diese Länder wurden am 23. Mai 1949 Teil der
Bundesrepublik Deutschland.
Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland traf in Art. 29 Regelungen zu einer Neugliederung des Bundesgebiets
mithilfe von Volksabstimmungen. Dieser Artikel trat jedoch wegen Vorbehalten der Besatzungsmächte zunächst nicht in Kraft.
Abweichend davon wurden in Artikel 118 die drei Länder im Südwesten dazu angehalten, eine Neugliederung durch
gegenseitige Vereinbarung zu regeln. Dieser Artikel beruhte auf der noch vor Beginn der Beratungen über das Grundgesetz
getroffenen Entscheidung vom 31. August 1948 bei der Konferenz der Ministerpräsidenten auf Jagdschloss Niederwald zur Situation bis 1945
Schaffung eines Südweststaats. Für den Fall, dass eine solche Regelung nicht zustande käme, wurde eine Regelung durch ein
Bundesgesetz vorgeschrieben.[26] Als Alternativen kamen entweder eine Vereinigung zu einem Südweststaat oder die separate
Wiederherstellung Badens und Württembergs (einschließlich Hohenzollerns) in Frage, wobei die Regierungen Württemberg-
Badens und Württemberg-Hohenzollerns für Ersteres, diejenige Badens für Letzteres eintraten. Eine Übereinkunft der
Regierungen über eine Volksabstimmung scheiterte an der Frage des Abstimmungsmodus. Das daraufhin am 4. Mai 1951
verabschiedete Bundesgesetz sah eine Einteilung des Abstimmungsgebiets in vier Zonen vor (Nordwürttemberg, Nordbaden,
Südwürttemberg-Hohenzollern, Südbaden). Die Vereinigung der Länder sollte als akzeptiert gelten, wenn sich eine Mehrheit im
gesamten Abstimmungsgebiet sowie in drei der vier Zonen ergab. Da eine Mehrheit in den beiden württembergischen Zonen
sowie in Nordbaden bereits abzusehen war (hierfür wurden Probeabstimmungen durchgeführt), favorisierten diese Regelung die
Vereinigungsbefürworter. Die (süd-)badische Regierung strengte eine Verfassungsklage gegen das Gesetz an, die jedoch
erfolglos blieb.[27]
Vor der Volksabstimmung, die am 9. Dezember 1951 stattfand, bekämpften sich Befürworter und Gegner des geplanten
Südweststaates. Die führenden Vertreter der Pro-Seite waren der Ministerpräsident Württemberg-Badens Reinhold Maier und der Situation 1945–1952
Staatspräsident Württemberg-Hohenzollerns Gebhard Müller, Anführer der Südweststaat-Gegner war der Staatspräsident Badens
Leo Wohleb. Bei der Abstimmung votierten die Wähler in beiden Teilen Württembergs mit 93 % für die Fusion, in Nordbaden
mit 57 %, während in Südbaden nur 38 % dafür waren. In drei von vier Abstimmungsbezirken gab es eine Mehrheit für die Bildung des Südweststaates, so dass
die Bildung eines Südweststaates beschlossen war. Hätte das Ergebnis in Gesamtbaden gezählt, so hätte sich eine Mehrheit von 52 % für eine Wiederherstellung
des (separaten) Landes Baden ergeben.
Hinweis: Die historischen Abläufe finden sich ausführlich auch im Abschnitt Die Entstehung Baden-Württembergs im Artikel Württemberg-
Hohenzollern.
Am 9. März 1952 wurde die Verfassunggebende Landesversammlung gewählt. Auf einer Sitzung am 25. April 1952 wurde der
erste Ministerpräsident gewählt. Damit war das Land Baden-Württemberg gegründet.
„Meine sehr verehrten Abgeordneten. Gemäß § 14, Absatz 4, Satz 2 wird hiermit der Zeitpunkt der Bildung der
vorläufigen Regierung auf den gegenwärtigen Augenblick, nämlich auf Freitag, den 25. April 1952, 12 Uhr 30 Minuten
festgestellt. Mit dieser Erklärung sind gemäß § 11 des zweiten Neugliederungsgesetzes die Länder Baden, Württemberg-
Baden und Württemberg-Hohenzollern zu einem Bundesland vereinigt. (…)“
– Reinhold Maier: [Link], Gründung des Landes Baden-Württemberg am 25. April 1952[28]
Reinhold Maier (FDP/DVP) bildete als erster Ministerpräsident eine Koalition aus SPD, FDP/DVP und BHE. Nach Inkrafttreten
50 Jahre Baden-Württemberg,
der Verfassung wirkte die Verfassunggebende Landesversammlung bis 1956 als erster Landtag von Baden-Württemberg.
Deutsche Briefmarke 2002
Der Name des Landes war Gegenstand eines längeren Streites. Der im Überleitungsgesetz vom 15. Mai 1952 genannte Name
Baden-Württemberg war zunächst nur übergangsweise vorgesehen, setzte sich jedoch letztlich durch, da kein anderer Name von
allen Seiten akzeptiert wurde. Die am 19. November 1953 in Kraft getretene Landesverfassung wurde lediglich von der Verfassunggebenden Landesversammlung
beschlossen, anschließend aber nicht durch eine Volksabstimmung bestätigt.
Reinhold Maier hatte mit seiner schnellen Regierungsbildung 1952 die CDU als stärkste Fraktion ausgeschlossen. Das erzeugte Unmut, sowohl bei den zwei
südlichen Landesteilen Südbaden und Südwürttemberg-Hohenzollern, die sich in der neuen Regierung nicht oder nur unzureichend vertreten fühlten, als auch bei
Gebhard Müller, dem neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden, der die Nichtbeteiligung der CDU als persönlichen Affront empfand. Bei der Bundestagswahl vom 6.
September 1953, die von Reinhold Maier zugleich zum Plebiszit über seine Politik erklärt worden war, errang die CDU in Baden-Württemberg die absolute
Mehrheit der Stimmen. Reinhold Maier zog die Konsequenzen und trat als Ministerpräsident zurück. Sein Nachfolger wurde Gebhard Müller, der eine Koalition
aus CDU, SPD, FDP/DVP und BHE bildete. Dieselbe Konstellation regierte auch nach der Wahl 1956 (die KPD hatte den Einzug in den Landtag nicht mehr
geschafft, somit wurde die Koalition zur Allparteienregierung) und hatte bis 1960 Bestand. Nachfolger Müllers wurde 1958 Kurt Georg Kiesinger als dritter
Ministerpräsident des Landes.
Die badischen Vereinigungsgegner gaben den Kampf gegen den Südweststaat auch nach 1952 nicht auf. Im Heimatbund
Badnerland organisiert, erstrebten sie weiterhin die Wiederherstellung Badens. Art. 29 Abs. 2 GG sah vor, dass in Gebieten, deren
Landeszugehörigkeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs ohne Volksabstimmung geändert worden war, ein Volksbegehren über die
Neugliederung möglich sei. Nachdem dieser Passus infolge des Deutschlandvertrags 1955 in Kraft trat, stellte der Heimatbund
einen Antrag auf ein Volksbegehren zur Wiederherstellung des Landes Baden in den Grenzen von 1945. Das
Bundesinnenministerium lehnte diese Forderung unter anderem mit der Begründung ab, das neue Bundesland sei bereits durch
eine Volksabstimmung zustande gekommen. In der darauf folgenden Klage vor dem Bundesverfassungsgericht bekam der
Heimatbund 1956 Recht.[29] Das Gericht argumentierte, dass die Abstimmung von 1951 keine Abstimmung im Sinne von Art. 29
GG gewesen sei, da hierbei die zahlenmäßig stärkere Bevölkerung Württembergs und Hohenzollerns die zahlenmäßig schwächere
Badens habe überstimmen können. Der Wille der badischen Bevölkerung sei durch die Besonderheit der politisch-geschichtlichen Ergebnisse der
Entwicklung überspielt worden, weshalb ein Volksbegehren nach Art. 29 GG zulässig sei. Volksabstimmung in Baden
1970 nach Kreisen (Prozent
Das Bundesverfassungsgericht setzte in seinem Urteil keine Frist für die Abstimmung, weshalb sie immer wieder verschleppt Stimmen für die
wurde. Es bedurfte einer weiteren Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes im Jahre 1969, in der es die Abstimmung bis Neueinrichtung des Landes
spätestens zum 30. Juni 1970 anordnete. Diese wurde am 7. Juni 1970 durchgeführt und ergab mit 81,9 % eine große Zustimmung Baden)
zum Verbleib von Baden im gemeinsamen Land Baden-Württemberg. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,5 %.[30]
Die Ablehnung des Volksbegehrens machte den Weg frei zu einer administrativen Neugliederung des Landes. 1971 wurde eine Reform der Landkreise und der
Regierungsbezirke eingeleitet, die 1973 in Kraft trat. Seitdem sind die ehemaligen Landesgrenzen kaum noch im Kartenbild zu erkennen.
Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg war zwischen 1950 und 2008 im Allgemeinen von einem stetigen Anstieg
geprägt.[32] In den 1950er Jahren stieg die Bevölkerung Baden-Württembergs um knapp 1,3 Millionen Menschen an. Auch in den
1960er Jahren stieg die Bevölkerung nochmals um knapp 1,2 Millionen Menschen an. 1971 überstieg die Bevölkerungszahl
erstmals die Neun-Millionen-Marke. Die 1970er Jahre waren dagegen bevölkerungsmäßig weitgehend von Stagnation geprägt.
Bevölkerungspyramide für
Vor allem in den zehn Jahren von 1977 bis 1987 trat die Bevölkerungsentwicklung weitgehend auf der Stelle. Ein Rückgang
Baden-Württemberg
Anfang der 1980er Jahre wurde zwar ausgeglichen, in den zehn Jahren nach 1977 nahm die Bevölkerung jedoch nur um rund
(Datenquelle: Zensus
165.000 Menschen auf knapp 9,3 Millionen zu. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zustrom von Menschen aus Zentral-
2011[31])
und Osteuropa änderte sich dies jedoch sehr deutlich.
Die zwanzig Jahre von 1988 bis 2008 waren von einem kontinuierlichen Bevölkerungsanstieg geprägt. Die Bevölkerung nahm in
dieser Zeit um fast 1,5 Millionen Menschen zu. In den Jahren 1990 und 1991 wuchs die Bevölkerung jeweils um fast 200.000 Personen.
Insgesamt ist in den 50 Jahren zwischen 1952 und 2002 die Bevölkerung Baden-Württembergs um knapp vier Millionen von 6,7 auf 10,7 Millionen Menschen
gewachsen, das ist eine Zunahme um knapp 60 Prozent. In den Jahren 2008 und 2009 gab es einen kleinen Bevölkerungsrückgang im ansonsten von Wachstum
geprägten Baden-Württemberg. Auch bisher ist die Bevölkerung stets höchstens drei Jahre in Folge geschrumpft, um dann wieder und weiter anzuwachsen.
Dennoch prognostizierte das Statistische Landesamt im Jahr 2010 einen Rückgang der Bevölkerung bis zum Jahr 2030 um 3,5 Prozent auf rund 10,3 Millionen
Menschen.[33]
Die Studie „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung geht in einer Prognose aus dem Jahr 2011 von einem Bevölkerungsrückgang von 0,4 Prozent für
Baden-Württemberg bis 2030 (gegenüber 2009) aus, womit Baden-Württemberg nach Bayern das Flächenland mit der stabilsten Bevölkerungsgröße ist.[34]
Bevölkerungsprognose 2011[35]
Datum Einwohner
Hoheitssymbole
→ Hauptartikel: Wappen Baden-Württembergs und Flagge Baden-Württembergs
Das Wappen zeigt drei schreitende Löwen auf goldenem Grund. Dies ist das Wappen der Staufer und Herzöge von Schwaben.[36] Über dem großen
Landeswappen befinden sich die sechs Wappen der historischen Landschaften, aus denen oder aus deren Teilen Baden-Württemberg gebildet worden ist. Diese
sind: Vorderösterreich (rot-weiß-rot geteilter Schild), Kurpfalz (steigender Löwe), Württemberg (drei Hirschstangen), Baden (roter Schrägbalken), Hohenzollern
(weiß-schwarz geviert) und Franken (drei silberne Spitzen auf rotem Grund). Dabei sind die Wappen Badens und Württembergs etwas größer dargestellt.
Schildhalter sind der badische Greif und der württembergische Hirsch. Auf dem kleinen Landeswappen ruht stattdessen eine Blattkrone.
Die Benutzung des Landeswappens ist genehmigungspflichtig und grundsätzlich nur den Behörden im Land Baden-Württemberg gestattet.[37]
Seit der letzten Änderung des Landeshoheitszeichengesetzes am 4. November 2020 (gültig seit 14. November 2020) wird auf der Landesdienstflagge mit großem
Wappen das große Landeswappen einschließlich der Schildhalter verwendet, auf welche vorher verzichtet wurde.[38]
Die Landesflagge ist schwarz-gold; die Landesdienstflagge trägt zusätzlich das kleine Landeswappen.
Verwaltungsgliederung
Baden-Württemberg ist seit dem 1. Januar 1973 in vier Regierungsbezirke, zwölf Regionen (mit je einem Regionalverband) sowie 35 Landkreise und neun
Stadtkreise eingeteilt. Die Regierungsbezirke werden durch ihre Behörden, den Regierungspräsidien, verwaltet.
Im Land bestehen die folgenden neun Stadtkreise (in Klammern die jeweiligen Kfz-
Kennzeichen):
Zum Landkreis Konstanz gehört die Exklave Büsingen am Hochrhein, die in der Nähe von Schaffhausen liegt und völlig von Schweizer Gebiet umschlossen ist.
Gemeinden
Siehe auch: Liste der Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg, Liste der größten Städte in Baden-Württemberg (alle
Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern) sowie Gemeindeordnungen in Deutschland
Seit dem Abschluss der Gebiets- und Verwaltungsreform und dem Zusammenschluss weiterer Gemeinden gliedert sich das Land
Baden-Württemberg in insgesamt 1101 Gemeinden (89 davon sind Große Kreisstädte, 311 Gemeinden werden als Stadt
bezeichnet)[39] sowie die zwei unbewohnten gemeindefreien Gebiete Gutsbezirk Münsingen und Gemeindefreier Grundbesitz
Rheinau.
Die Rechte und Pflichten der Gemeinden werden vor allem in der baden-württembergischen Landesverfassung (§§ 69–76) und in
der baden-württembergischen Gemeindeordnung (GemO) festgelegt. In § 1 GemO sind die Gemeinden als „Grundlage und Glied
des demokratischen Staates“ beschrieben, und die „Teilnahme an der […] Verwaltung der Gemeinde“ als „Recht und Pflicht“ der
Gemeinden in Baden-
Gemeindebewohner. Württemberg nach Klasse:
Stadtkreise (rot), Große
Als ein Gemeindegebiet wird in § 7 GemO die Gesamtheit der zur Gemeinde gehörenden Grundstücke definiert. Diese
Kreisstädte (orange), Städte
Grundstückseinheit ist als Gemarkung im Grundbuch dokumentiert. Ferner ist festgelegt, dass alle Grundstücke Baden-
(gelb)
Württembergs zu einer Gemeinde gehören sollen – „besondere Gründe“ rechtfertigen aber den Verbleib von Grundstücken
außerhalb eines gemeindlichen Markungsverbandes. Solche „gemeindefreien Grundstücke“ existieren in Baden-Württemberg in
zwei unbewohnten gemeindefreien Gebieten – Gutsbezirk Münsingen und Gemeindefreier Grundbesitz Rheinau.
Hinter den neun Großstädten des Landes sind die größten Mittelstädte Ludwigsburg, Esslingen, Tübingen, Villingen-Schwenningen und Konstanz.
In § 3 GemO sind als besondere Gemeindetypen Stadtkreise (außerhalb Baden-Württembergs Kreisfreie Stadt genannt) und Große Kreisstädte erwähnt. Sie
unterscheiden sich von den verbleibenden Gemeinden durch die ganze oder teilweise Übernahme von Kreisaufgaben. In Baden-Württemberg sind neun
Gemeinden zu Stadtkreisen und 91 Gemeinden zu Großen Kreisstädten erklärt worden.
Von den in § 8 GemO genannten Gemeindegebietsänderungen haben Eingliederung (Eingemeindung) und Neubildung (Gemeindefusion/Zusammenlegung) das
Ende der politischen Selbständigkeit einer Gemeinde zur Folge. Umfangreiche derartige Gebietsänderungen wurden unter dem Stichwort Gebietsreform in den
1970er Jahren verfügt. Die Eingliederung von Tennenbronn nach Schramberg am 1. Mai 2006 war die erste Aufgabe der Selbstständigkeit einer Gemeinde seit
1977.
Die alle fünf Jahre stattfindenden Kommunalwahlen wurden zuletzt am 26. Mai 2019 durchgeführt. Bei den Wahlen im Jahr 2009 waren 18.233 Gemeinderäte
und 1.960 Kreisräte zu wählen.
Politik
→ Hauptartikel: Politik Baden-Württembergs
Der Ministerpräsident ist Vorsitzender der Landesregierung von Baden-Württemberg, die aus Ministern, Staatssekretären und
ehrenamtlichen Staatsräten besteht. Die Ministerpräsidenten seit 1952:
Baden-Württemberg ist politisch bürgerlich-konservativ geprägt, die CDU und die FDP/DVP sind in Baden-Württemberg verhältnismäßig stark und haben die
meisten Regierungen des Landes gestellt. Aus diesem Grund hatte die SPD dort stets einen schweren Stand; ihre Ergebnisse lagen bislang immer unter dem
Bundesdurchschnitt. Die CDU ging bis 2011 bei jeder Wahl als stärkste Partei hervor, während das Bundesland für die FDP das bislang einzige darstellt, bei dem
sie bei Landtagswahlen noch nie an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Seit den 1980er Jahren ist Baden-Württemberg auch eine Hochburg der in Karlsruhe
gegründeten Grünen, deren Wahlergebnisse im Land stets über dem Bundesdurchschnitt lagen; ihr erstmaliger Einzug in den Landtag im Jahr 1980 war
gleichzeitig der erste in einem Flächenland; seit dem Erfolg bei den Landtagswahlen 2011 stellen die Grünen hier ihren ersten Ministerpräsidenten überhaupt.
Während der Ministerpräsident von 1953 bis 2011 immer von der CDU gestellt wurde, waren an der Regierung teilweise die FDP/DVP beziehungsweise die SPD
(Große Koalition) beteiligt. Während der 1990er Jahre waren die Republikaner im Landtag vertreten (10,9 % 1992 und 9,1 % 1996), die in diesem Bundesland
ihren größten Zulauf hatten. Zuvor saß zwischen 1968 und 1972 ebenso die NPD mit 9,8 % der Wählerstimmen im Landtag. 2016 zog die AfD mit 15,1 % in den
Landtag ein. In keinem anderen der alten (westdeutschen) Länder erreichten Parteien rechts von CDU und CSU derart hohe Wahlergebnisse.
Die CDU erreichte bei allen Wahlen zwischen 1972 und 1988 die absolute Mehrheit im Landtag. Aufgrund des Austrittes des Landtagsabgeordneten Ulrich
Maurer aus der SPD am 27. Juni 2005 und seinem Eintritt in die WASG am 1. Juli war diese im Landtag vertreten. Stefan Mappus wurde am 10. Februar 2010
zum Ministerpräsidenten gewählt, verlor allerdings seine schwarz-gelbe Regierungsmehrheit nach der Landtagswahl 2011. Die CDU selbst fuhr mit 39,0 % das
zweitschlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der Landespartei ein, die FDP schaffte nur knapp den Sprung in den Landtag (5,3 %). Die Grünen dagegen
erreichten mit 24,2 % das zu dem Zeitpunkt beste Ergebnis der Partei auf Landesebene. Die SPD erreichte mit 23,1 % ihr in Baden-Württemberg bis dahin
schlechtestes Wahlergebnis und trat als Juniorpartner in eine grün-rote Koalition unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein. Bei der Landtagswahl 2016
setzte sich der Trend fort: Sowohl CDU als auch SPD verschlechterten sich nochmals auf ihre bis dahin jeweils schlechtesten Ergebnisse im Land, wohingegen
die Grünen weiter zugewinnen konnten. Die neu angetretene AfD konnte 15,1 % der Stimmen erzielen.[40] In der Folge bildeten die Grünen zusammen mit der
CDU eine Koalition unter Ministerpräsident Kretschmann (Kabinett Kretschmann II).[41] Bei der Landtagswahl 2021 konnten die Grünen erneut bei Verlusten der
CDU Stimmenanteile dazugewinnen. Die FDP konnte ihr Ergebnis verbessern, während die SPD und AfD Verluste hinnehmen musste. Die Regierungsbildung
mündete erneut in der Bildung einer grün-schwarzen Regierung (Kabinett Kretschmann III).
Das Land unterhält zwei Landesvertretungen außerhalb von Baden-Württemberg. Seit 1954 existiert die Vertretung des
Landes Baden-Württemberg beim Bund, welche ihren Sitz bis zum Umzug der Bundesregierung in der Bundesstadt Bonn
hatte und heute in der Bundeshauptstadt Berlin sitzt. Im Jahre 1987 kam die Vertretung des Landes Baden-Württemberg
bei der Europäischen Union dazu, welche als Bindeglied zwischen dem Bundesland Baden-Württemberg und der
Europäischen Union fungiert. Zudem besteht seit November 2021 das BW-UK Office, die Auslandsrepräsentanz Baden-
Württembergs im Vereinigten Königreich.
Baden-Württemberg und die japanische Präfektur Kanagawa pflegen seit 1989 eine bilaterale Partnerschaft.[42] Innerhalb
Europas bildet Baden-Württemberg zusammen mit den Regionen Katalonien, Lombardei und Rhône-Alpes die
multilaterale Arbeitsgemeinschaft Vier Motoren für Europa.
Vertretung des Landes Baden-
Mit service-bw steht den Bürgern eine E-Government-Plattform zur Verfügung. Im landeseigenen Württemberg beim Bund in Berlin-
Umweltinformationssystem Baden-Württemberg sind aktuelle Messergebnisse zur Luftqualität, zum Bodensee, Tiergarten
Unwetterwarnungen, Geoinformationen, und ein Informationssystem für Wasser, Immissionsschutz, Boden, Abfall und
Arbeitsschutz abrufbar.
Staatshaushalt
Am 26. Oktober 2022 wurde vom Minister für Finanzen des Landes Baden-Württemberg, Danyal Bayaz (Grüne), der Haushaltsplan als Entwurf für die Jahre
2023 und 2024 (sogenannter Doppelhaushalt) in den Landtag eingebracht.[43] Aufgrund der Vorlage des Haushaltsentwurfs im Landtag wurde dieser von den
Abgeordneten debattiert. Der Landtag von Baden-Württemberg hat am 20. Dezember 2022 den Haushaltsplan für 2023 und 2024 beschlossen. Der Staatshaushalt
des Landes Baden-Württemberg sieht für das Jahr 2023 Aufwendungen (Ausgaben) in Höhe von [Link] Euro und für das Jahr 2024 in Höhe von
[Link] Euro vor.[44]
Der Haushaltsplan gliedert sich in ein Vorheft und in folgende 17 Einzelpläne, die von 01 bis 18 (mit Ausnahme der Zahl 15) nummeriert sind:[43]
Die Staatsverschuldung Baden-Württembergs bezifferte sich am 31. Dezember 2021 auf 59,7 Milliarden Euro.[3]
Wirtschaft
Baden-Württemberg zählt zu den wirtschaftsstärksten und wettbewerbsfähigsten Regionen Europas. Insbesondere im
Bereich der industriellen Hochtechnologie sowie Forschung und Entwicklung gilt Baden-Württemberg als die innovativste
Region der Europäischen Union.[45] Die Forschungsstärke spiegelt sich in den Ausgaben für Forschung und Entwicklung
wider, welche 2005 bei 4,2 % des Bruttoinlandsprodukt liegen, der höchste Wert unter den EU-Regionen (NUTS
1).[46][47]
Gemessen am Bruttoinlandsprodukt, das 2021 rund 536 Milliarden Euro betrug,[48] gehört Baden-Württemberg zu den
wohlhabenderen Regionen der EU mit einem Index von 144 (EU-28: 100, Deutschland: 126) (2014).[49] Nach Hamburg Stuttgart-Untertürkheim mit Daimler-
und Bayern belegt Baden-Württemberg den dritten Platz im Kaufkraftvergleich 2016 mit 23.368 Euro pro Einwohner.[50] Werken
Die durchschnittlichen Bruttolöhne je Arbeitnehmer im Jahr 2020 variierten je nach Kreis zwischen 32.000 bis über
50.000 Euro.[51] So weist der Landkreis Böblingen mit 50.244 Euro je Arbeitnehmer den höchsten Durchschnittsverdienst
im Jahr 2020 auf, gefolgt von den Stadtkreisen Stuttgart (49.375 Euro) und Karlsruhe (43.514 Euro). Die Arbeitslosenquote betrug 3,8 % (März 2023)[52]. Sie ist
dabei in den eher ländlich geprägten Regionen traditionell niedriger als in den Städten. So betrug die Quote im Juli 2020 im Landkreis Biberach lediglich 3,0 %,
im Bodenseekreis 3,2 % sowie im Alb-Donau-Kreis 3,4 %, während sie in den Stadtkreisen Heilbronn mit 6,6 %, Mannheim mit 7,4 % und Pforzheim mit 7,8 %
deutlich höher lag.[53] Ungefähr 50.000 Baden-Württemberger gehen als Grenzgänger einer Arbeit in der Schweiz nach.[54]
Charakteristisch für die Wirtschaft des Landes sind seine Familienunternehmen. Unter den 1000 größten Familienunternehmen Deutschlands befinden sich 190 in
Baden-Württemberg, das ist Platz drei im Bundesländervergleich.[55] Auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl kann das Land damit die drittmeisten
Familienunternehmen in Deutschland vorweisen.[56] Umsatzstärkstes baden-württembergisches Familienunternehmen ist der Handelsmulti Schwarz-Gruppe,
gefolgt von der Robert Bosch GmbH und der Merckle Unternehmensgruppe.[57]
Ab 1999 warb die Landesregierung mit dem Motto „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ für Baden-Württemberg als
Wirtschaftsstandort und Lebensumfeld. Ziel der von der Landesregierung als äußerst erfolgreich eingeschätzten Kampagne
war es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes bekannter zu machen und sie mit den kulturellen,
landschaftlichen und gastronomischen Vorzügen zu assoziieren. Das Motto wurde von der Werbeagentur Scholz & Friends
erfunden und zunächst dem Freistaat Sachsen angeboten, der seine Nutzung jedoch ablehnte.[58] Es wurde zum
geflügelten Wort. Ein weiteres, ebenfalls von der Agentur entworfenes Motto, ist „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in
Baden-Württemberg?“.[59] Seit 2021 wirbt die Landesregierung mit der Bezeichnung The Länd (Eigenschreibweise in
Majuskeln). Diese Kampagne wurde von der Werbeagentur Jung von Matt zusammen mit der Agentur Milla und Partner Aufkleber einer Werbekampagne des
entwickelt.[60][61] Landes Baden-Württemberg
1 Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze
pro 1000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahren; Zahlen zum 31. Dezember 2019 gemäß
Fortschreibung des Bevölkerungsstandes[63] nach Bevölkerungsstatistikgesetz auf Basis des Zensus 2011.[64]
2 Eigene Berechnung
Jahr[65] 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2
Arbeitslosenquote 5,4 4,9 5,4 6,2 6,2 7,0 6,3 4,9 4,1 5,1 4,9 4,0 3,9 4,1 4,0 3,8 3,8 3,5 3,2 3,2
in %
Landwirtschaft
Das Land weist für die Landwirtschaft höchst unterschiedliche natürliche Bedingungen auf (vgl. Abschnitt Geographie). In
der Bilanz sind die tiefer gelegenen Tal- und Beckenräume des Landes wie Oberrhein-Tiefland und Neckartal oder auch
das Bodenseegebiet ausgesprochene Gunsträume für die Landwirtschaft. Hier finden sich neben Ackerbau auch
Intensivkulturen wie z. B. Obst- und Weinbau mit den Weinbaugebieten Baden und Württemberg. Der überwiegende Teil
des Landes weist mittlere Höhenlagen auf, die für den Getreidebau günstig sind, der in unterschiedlichen Kombinationen
mit Grünlandwirtschaft und Futterbau auftritt. Ungünstige Wuchsklimate finden sich in den Höhengebieten des
Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb sowie in der Baar, hier herrschen Futterbau und Viehhaltung auf Grünland oder Weinbau am Rand des
Forstwirtschaft vor. Die ökologische Landwirtschaft ist 2018 auf 9290 Betriebe (11 % der Betriebe) und 197.751 Hektar Schwarzwalds
Ökofläche (14 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche) angestiegen.[66]
Der allgemeine Strukturwandel der Landwirtschaft, ihre betriebliche Konzentration und die Intensivierung der Produktion, vollzieht sich in Baden-Württemberg
aufgrund seiner kleinteiligeren Landwirtschaft mit einiger Verzögerung letztlich in gleicher Geschwindigkeit. Indikatoren sind z. B.[67]
der Rückgang der Betriebszahlen: 1971 gab es noch 215.430 landwirtschaftliche Betriebe, 2007 waren es nur noch 57.049;[68]
das Wachstum der durchschnittlichen Betriebsgröße: 1949 betrug diese noch 4,9 Hektar, im Jahr 2005 23,9 Hektar[69] (im Bundesdurchschnitt
unter den Flächenstaaten die geringste Zahl);
die Umkehrung des Verhältnisses von Haupt- zu Nebenerwerbsbetrieben: 1949 waren es 251.000 Haupt- und 141.000
Nebenerwerbsbetriebe, im Jahr 2005 wurden 19.900 Haupterwerbsbetriebe und 35.400 Nebenerwerbsbetriebe verzeichnet;[69]
der Rückgang der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen: deren absolute Zahl nahm in Baden-Württemberg noch bis 1925 zu und sank danach
zunächst langsam, ab den 1950er Jahren schnell ab, im Jahr 2005 waren es etwa 100.000 Erwerbstätige, was zwei Prozent aller
Erwerbstätigen entspricht.
Produzierendes Gewerbe
Industrie und Gewerbe beschäftigten 2005 in 8600 Betrieben gut 1,2 Millionen Menschen, was 38,3 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten darstellt.
Damit ist Baden-Württemberg das deutsche Bundesland mit dem höchsten Anteil der Industriebeschäftigten und dem höchsten Industrieanteil am
Bruttoinlandsprodukt.[47] Die international hohe Wettbewerbsfähigkeit der Industriebranchen des Landes wird maßgeblich durch hohe Forschungsleistungen der
Unternehmen begünstigt (Wirtschaftsanteil an Forschung und Entwicklung: 3,4 % vom Bruttoinlandsprodukt).[47]
die Maschinenbauindustrie, die mit vielen Unternehmen in Baden-Württemberg ansässig ist (z. B. Trumpf, Heidelberger Druckmaschinen,
Festo, Voith, Liebherr, Putzmeister, SEW);
der Fahrzeugbau: Baden-Württemberg ist ein Zentrum der Automobilindustrie[70] (Daimler AG, Porsche,
Robert Bosch GmbH, Audi, Smart, Iveco Magirus, ZF Friedrichshafen, LuK, Rheinmetall Automotive,
Mahle Kolben, BBS) mit Standorten in Stuttgart, Sindelfingen, Neckarsulm, Mannheim, Rastatt,
Gaggenau, Bühl (Baden), Ulm, Friedrichshafen und Weissach;
die Herstellung von Metallerzeugnissen (z. B. Wieland-Werke AG in Ulm).
Im Schwarzwald war früher die Feinmechanik sehr bedeutend, insbesondere die Uhrenindustrie sowie später die
Unterhaltungselektronik (Junghans, Kienzle, SABA, Dual).
Erstes Auto der Welt, erschaffen in
Auf der Schwäbischen Alb war und ist hauptsächlich die Textilindustrie (mit Hugo Boss, Trigema und Steiff) von Mannheim von Carl Benz aus
Bedeutung. Karlsruhe
In Walldorf hat das größte europäische Software-Unternehmen SAP seinen Sitz. Aus Baden-Württemberg stammen die bekannten Programme VirtualBox,
TeamSpeak und TeamViewer. Mit Lexware ist ein weiterer Softwareentwickler in Baden-Württemberg beheimatet und vor allem durch kaufmännische
Softwarelösungen bekannt.
Energie
In Baden-Württemberg gibt es noch ein Kernkraftwerk, das Kernkraftwerk Neckarwestheim, bei dem ein Block mit einer Gesamtbruttoleistung von 1400 MW in
Betrieb ist. Das Kernkraftwerk Obrigheim wurde 2005, das Kernkraftwerk Philippsburg 2019 stillgelegt. 2011 wurden die jeweils ältesten Blöcke der
Kernkraftwerke Neckarwestheim und Philippsburg stillgelegt.
Die Flüsse des Landes weisen zahlreiche Laufwasserkraftwerke auf. Mitte der 1970er Jahre wurde das Rheinkraftwerk Iffezheim gebaut. Es wurde 2013 erweitert
und ist seitdem mit 148 MW das größte dieser Art in Deutschland.
Mit Stand Ende 2015 waren in Baden-Württemberg 515 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 880 MW installiert, von denen 186 MW im ersten
Halbjahr 2016 errichtet wurden.[71] Die Zahl der Anlagen erhöhte sich bis 2018 auf 720, die Leistung auf 1534 MW.[72] Allerdings hat Baden-Württemberg
weiterhin die niedrigste installierte Windenergieleistung aller deutschen Flächenländer mit Ausnahme des Saarlandes.[73] Mit Stand August 2020 ist der Windpark
Harthäuser Wald mit 18 Anlagen und 54,9 MW der größte und leistungsstärkste Windpark des Landes.[74]
Medien
In Baden-Württemberg produzieren fast 50 Zeitungsverlage täglich mehr als 220 unterschiedliche Tageszeitungen mit einer
Auflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren.[75] Im Zeitungsbereich gibt es 17 Regionalzeitungen. Die auflagenstärksten
(mind. 80.000 Exemplare) sind die Südwest Presse, die Stuttgarter Nachrichten, die Schwäbische Zeitung, der Mannheimer
Morgen, die Badische Zeitung, die Badischen Neuesten Nachrichten, die Rhein-Neckar-Zeitung, die Heilbronner Stimme und die
Stuttgarter Zeitung. Die meisten Lokalzeitungen beziehen den Mantel von einer Regionalzeitung.
Über 500 Verlage in Baden-Württemberg produzieren jährlich über 10.000 Neuerscheinungen.[75] Viele traditionsreiche
Unternehmen wie beispielsweise der Ernst Klett Verlag, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck oder die Verlagsgruppe Hüthig
Jehle Rehm haben ihren Stammsitz im Land. Weiterhin befindet sich in Offenburg der Sitz der Hubert Burda Media, einer der
größten Verlags- und Medienkonzerne Deutschlands, der auch auf dem internationalen Markt von Bedeutung ist.
Die wichtigsten wissenschaftlichen Bibliotheken Baden-Württembergs sind die Württembergische Landesbibliothek und die
Badische Landesbibliothek. In den 800 öffentlichen Bibliotheken des Landes in kommunaler Trägerschaft werden etwa 16
Millionen Medien verfügbar gehalten.[76] Hinzu kommen mehrere hundert Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft.[77] Der Stuttgarter Fernsehturm
des Südwestrundfunks
→ Hauptartikel: Liste von Bibliotheken in Baden-Württemberg
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird vom Südwestrundfunk betrieben, der auch Klangkörper unterhält, die zu den führenden in Europa gehören: das SWR
Symphonieorchester, das SWR Vokalensemble Stuttgart sowie die SWR Big Band Stuttgart.
Im privaten Hörfunk gibt es neben 13 Lokalsendern drei regionale Bereichssender (Radio Regenbogen, Antenne 1, Radio 7) und einen überregionalen Sender
vorwiegend für junge Menschen (bigFM). Zwölf nichtkommerzielle private Hörfunkveranstalter, wie beispielsweise Bermudafunk, Querfunk oder radioaktiv, und
fünf Lernradios ergänzen das Angebot.[78]
Die Sender BWeins, HD Campus TV und Baden TV bieten ein privates Fernsehlandesprogramm. Darüber hinaus gibt es 14 regionale Fernsehsender wie das
Rhein-Neckar Fernsehen, Regio TV Schwaben oder RTF.1 Neckar-Alb. Acht private bundesweite Veranstalter senden aus Baden-Württemberg.[79]
Tourismus
Pro Jahr werden im Fremdenverkehrsgewerbe Baden-Württemberg rund 49 Millionen Übernachtungen gezählt.[80] Das
mittelständisch geprägte Tourismusgewerbe trägt rund fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der Tourismus bietet
etwa 200.000 Arbeitsplätze sowie 8000 Ausbildungsplätze. Da die Arbeitsplätze standortgebunden sind, gelten sie als
relativ sicher.
Der Schwarzwald ist die wichtigste Erholungsregion in Baden-Württemberg und das meistbesuchte Urlaubsziel unter den
deutschen Mittelgebirgen.[81] Er ist insbesondere für seine romantischen Täler, Schluchten, Mühlen und die typischen Bauernhof im südlichen Schwarzwald
Bauernhöfe sowie als Herkunftsort der Kuckucksuhr bekannt. Er ist auch wegen seines guten Wegenetzes mit
Fernwanderwegen wie dem Westweg ein beliebtes Wandergebiet. Rund um den Feldberg (1493 m), dem höchsten Berg
im Schwarzwald, sowie in vielen anderen Orten des Schwarzwalds hat der Wintersport eine lange Tradition.
Der Bodensee mit der Alpenkette im Hintergrund ist ebenfalls ein gut besuchtes Reiseziel und auch Naherholungsziel für
die Städter; hier finden sich mit den Pfahlbauten Unteruhldingen und der zum UNESCO-Welterbe zählenden Klosterinsel
Reichenau Zeugnisse unterschiedlichster Epochen. Am See haben die Blumeninsel Mainau und die alten Städte Konstanz
und Meersburg die höchsten Besucherzahlen. Nicht weit von der Region um den Bodensee liegen das Donautal sowie
Oberschwaben mit den alten reichsstädtisch geprägten Kleinstädten Biberach an der Riß und Ravensburg. Die
Oberschwäbische Barockstraße führt durch dieses Zentrum des Barocks nördlich der Alpen.
Das württembergische Allgäu lockt mit seiner Landschaft und vielen Wandermöglichkeiten, ebenso wie weiter nördlich
der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Burg Hohenzollern am Albtrauf
Die Schwäbische Alb ist für ihre kleinen romantischen Städte (z. B. Bad Urach), die Heidelandschaften, die ausgedehnten
Wälder, die Höhlen, Burgen und Schlösser bekannt (Burg Hohenzollern, Schloss Lichtenstein, Schloss Sigmaringen).
Baden-Württemberg hat rund 60 Heilbäder und Kurorte, insbesondere im Schwarzwald und in Oberschwaben.
Anziehungspunkte für Städtereisende sind auch die Kurstadt Baden-Baden mit ihrer berühmten Spielbank, die von ihrer akademischen Bevölkerung geprägten
alten Universitätsstädte Heidelberg (Heidelberger Schloss und Altstadt), Freiburg im Breisgau (Münster und „Bächle“ in der Altstadt) und Tübingen (am Rande
des idyllischen Waldes Schönbuch gelegen, auch bekannt für seine Stocherkähne auf dem Neckar), die alten Reichsstädte Esslingen am Neckar, Reutlingen und
Ulm und die zentral gelegene Landeshauptstadt Stuttgart mit dem zoologisch-botanischen Garten Wilhelma, der Staatsgalerie und den Automobilmuseen
(Mercedes-Benz, Porsche). Neben der Wilhelma gibt es weitere Botanische Gärten in Freiburg, Heidelberg, Hohenheim, Karlsruhe, Konstanz, Tübingen, und in
Ulm, der Stadt mit dem höchsten Kirchturm der Welt.
Der Europa-Park im südbadischen Rust ist Deutschlands größter Freizeitpark mit über fünf Millionen Besuchern im Jahr. Auch der Erlebnispark Tripsdrill bei
Cleebronn, der erste Freizeitpark in Deutschland, ist sehr bekannt.
Beliebt sind auch die badische und die schwäbische Gastronomie sowie die badischen und württembergischen Weine. Im Schwarzwaldort Baiersbronn befinden
sich mit der Schwarzwaldstube und dem Restaurant Bareiss zwei Restaurants, die vom Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet sind.[82] Insgesamt
befinden sich 74 Sternelokale in Baden-Württemberg.[83]
Verkehr
Straßenverkehr
Die wichtigsten Autobahnen sind in Süd-Nord-Richtung die A 5 (von Basel über Karlsruhe bis Weinheim und weiter
Richtung Frankfurt am Main) und die A 81 (von Singen am Hohentwiel über Stuttgart nach Würzburg). Weiter östlich
stellt die A 7, die allerdings nur auf einem kurzen Abschnitt zwischen Ulm und Ellwangen durch baden-württembergisches
Gebiet verläuft, eine weitere Süd-Nord-Verbindung dar.
In West-Ost-Richtung haben die A 6 (von Saarbrücken kommend über Mannheim und Heilbronn nach Crailsheim und
weiter Richtung Nürnberg) und die A 8 (von Karlsruhe über Stuttgart nach Ulm und weiter Richtung München) die größte Die Kochertalbrücke in Hohenlohe ist
Bedeutung. Besondere straßenbauliche Herausforderung war und ist der Albaufstieg, der auf 16 km Länge rund 380 m Deutschlands höchste Talbrücke.
Höhendifferenz vom Albvorland bis zur Albhochfläche überwindet.
Beide West-Ost-Autobahnen liegen weitgehend in der nördlichen Hälfte des Landes, in der bergigen Südhälfte fehlt eine
durchgehende West-Ost-Autobahn. Der Verkehr in diesen Richtungen wird hier durch Bundesstraßen aufgenommen, wie
z. B. durch die B 31, welche durch den Südschwarzwald sowie am nördlichen Bodenseeufer entlangführt und dabei die
Autobahnen 5, 81 und 96 miteinander verbindet. Letztere erschließt den äußersten Südosten des Landes. Lediglich am
Rande des Hochrheins entsteht derzeit nach und nach eine neue Autobahn, die A 98, von der es bereits einige Teilstücke
gibt.
Gerade die Autobahnen um die Großstädte Baden-Württembergs werden vor allem während der Stoßzeiten von sehr
starkem Verkehr belastet. Staus von über 25 Kilometern Länge sind auch außerhalb von Urlaubszeiten keine Seltenheit.
Die meistbefahrene Kreuzung Baden-Württembergs ist die als Echterdinger Ei bekannte Anschlussstelle Stuttgart-
Degerloch, welche die Kreuzung der A 8 mit der autobahnähnlich ausgebauten B 27 bildet. Es liegt einige Kilometer Projekt Stuttgart 21
östlich des Autobahnkreuzes Stuttgart und wird jeden Tag von 170.000 bis 180.000 Fahrzeugen befahren.
Die Länge der Autobahnen im Land beträgt 1039 km, die Länge der Bundesstraßen 4410 Kilometer. Die Landesstraßen
sind 9893 Kilometer lang, die Kreisstraßen 12.074 Kilometer. (Stand 2007)
Schienenverkehr
Das Schienennetz der DB Netz AG im Land umfasst 3400 Kilometer Strecke, auf denen 6400 Kilometer Gleise verlegt
und 9500 Weichen eingebaut sind. Rund 1400 Bahnübergänge sind vorhanden. Auf diesem Netz finden täglich 6500
Zugfahrten statt, die dabei 310.000 Kilometer zurücklegen.
Weitere Strecken werden von anderen Eisenbahninfrastrukturunternehmen betrieben; die bedeutendsten sind die
Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft, die SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH, die seit 2018 zur SWEG
gehörende Hohenzollerische Landesbahn und die Karlsruher Albtal-Verkehrs-Gesellschaft. Die Nahverkehrsgesellschaft
Baden-Württemberg bestellt im Auftrag des Landes den Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg. Das
Karte der Flughäfen und Landeplätze
Karlsruher Modell als Innovation verbindet technologisch die Systeme Eisenbahn und Straßenbahn und wird an vielen
in Baden-Württemberg
Stellen weltweit nachgeahmt.
Das Land Baden-Württemberg fördert die Realisierung von Schienenwegeprojekten, die grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich des Bundes fallen, über
mehrere Jahre hinweg mit insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro, mehr als alle Länder zusammen (Stand: 2017). Zu den geförderten Vorhaben zählen Stuttgart 21,
die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm, die Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel sowie die Südbahn.[84]
Schifffahrt
Der Rhein hat bis Basel und der Neckar bis Plochingen den Status von Bundeswasserstraßen. Am Zusammenfluss in Mannheim liegt der Hafen Mannheim, einer
der bedeutendsten Binnenhäfen Europas. Weitere große Häfen sind die Rheinhäfen Karlsruhe mit dem größten Ölbinnenhafen Europas, der Hafen Heilbronn und
der Hafen in Kehl. Auf den Flüssen wird auch Fahrgastschifffahrt im Ausflugs- und Freizeitverkehr betrieben. Auf dem Bodensee verkehren die Autofähren,
Personenschiffe und Ausflugsboote der Weißen Flotte.
Luftverkehr
Baden-Württemberg verfügt über vier Verkehrsflughäfen. Der internationale Flughafen Stuttgart ist der sechstgrößte Deutschlands. Der Flughafen
Karlsruhe/Baden-Baden bei Rastatt erfuhr einen Aufschwung durch die Angebote von Billigfluglinien und ist der zweitgrößte im Bundesland. Ein weiterer
Regionalflughafen befindet sich in Friedrichshafen. Die Regionen Oberrhein und Hochrhein-Bodensee profitieren zudem von den grenznahen Flughäfen
Flughafen Basel-Mülhausen, Flughafen Straßburg und Flughafen Zürich. Der Flughafen Lahr ist ein Frachtflughafen; im Personenluftverkehr hat er zudem die
Lizenz als Zubringerflughafen für den Europapark Rust. Mannheim besitzt mit dem Flugplatz Mannheim City einen bedeutenden Verkehrslandeplatz.
Kultur
Mit der Klosterinsel Reichenau im Bodensee, der Zisterzienserabtei Kloster Maulbronn und den Höhlen der ältesten
Eiszeitkunst liegen drei Stätten des UNESCO-Welterbes vollständig in Baden-Württemberg. An vier weiteren
Welterbestätten hat das Land Anteil: An den Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen mit Fundstätten überwiegend um
Bodensee und Federsee; am Obergermanisch-Raetischen Limes im Norden und Osten des Landes; zwei Häuser in der
Stuttgarter Weißenhofsiedlung wurden 2016 als Teil des architektonischen Werks von Le Corbusier in die Welterbeliste
aufgenommen; Baden-Baden erhielt den Welterbe-Status 2021 als eine der bedeutenden Kurstädte Europas.
Weltkulturerbe Kloster Maulbronn
In der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe wird die Ausgabe C des Nibelungenlieds aufbewahrt. Die drei
vollständigen Handschriften aus dem 13. Jahrhundert wurden gemeinsam im Juli 2009 zum UNESCO-
Weltdokumentenerbe ernannt.
Der Barbarastollen ist ein stillgelegter Versorgungsstollen bei Oberried in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Als einziges Objekt in Deutschland unterliegt der
Barbarastollen dem Sonderschutz nach den Regeln der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Er dient seit 1975 als Zentraler
Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland zur Lagerung von fotografisch archivierten Dokumenten mit hoher national- oder kulturhistorischer Bedeutung. In
Europa ist er das größte Archiv zur Langzeitarchivierung. Seit 1978 ist der Bergungsort auch in das Internationale Register der Objekte unter Sonderschutz bei der
UNESCO in Paris eingetragen.
Im Creative Cities Network der UNESCO sind die Städte Heidelberg (UNESCO City of Literature), Karlsruhe (UNESCO City of Media Arts) und Mannheim
(UNESCO City of Music) vertreten.
Im Süden und entlang des Rheins wird die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert. Das Cannstatter Volksfest wird nach dem Münchner Oktoberfest als
zweitgrößtes Volksfest der Welt bezeichnet. Seit 1978 werden im Land die Heimattage Baden-Württemberg veranstaltet.
Konfessionsstatistik
Während 2001 noch 74 Prozent einer der beiden großen Konfessionen angehörten, waren es 2019 noch 60 Prozent[85][86] und
2022 nur noch 57 Prozent.[87] Wie überall in Deutschland steigt die Zahl von Menschen, die keiner oder anderen Religionen (z. B.
Islam) zugehörig sind.
Unabhängig von der Kirchensteuer zahlt Baden-Württemberg jährlich über 130 Millionen Euro an Staatsleistungen an die römisch-katholische und die
evangelische Kirche.[97]
Siehe auch: Erzbistum Freiburg, Bistum Mainz und Diözese Rottenburg-Stuttgart, Evangelische Landeskirche in Baden und in Württemberg, Neuapostolische
Kirche Süddeutschland, Alt-Katholische Kirche in Deutschland #Verbreitung nach Bundesländern
Amts- und Verkehrssprache ist Deutsch. Zahlreiche weitere Sprachen und Dialekte werden von jenen gesprochen, die aus anderen Sprach- oder Mundartregionen
kommen oder einen entsprechenden Migrationshintergrund haben.
Die angestammten Dialekte werden von Sprachwissenschaftlern in oberdeutsche und mitteldeutsche Mundarten gruppiert:
Mitteldeutsch: Um Mannheim und Heidelberg wird Rheinfränkisch (stellenweise auch Kurpfälzisch oder
Pfälzisch genannt) gesprochen
Oberdeutsch: Etwa in den südlichen zwei Dritteln werden verschiedene Färbungen des Schwäbischen
(vor allem in Württemberg) sowie des Nieder-, Mittel- und Hochalemannischen (vor allem in Baden)
gesprochen. Um Karlsruhe und Heilbronn wird Südfränkisch gesprochen, im Osten des nördlichen Drittels
Baden-Württembergs Ostfränkisch.
Zwischen den Mundarträumen bestehen Übergangsgebiete, die sich keinem der Räume eindeutig zuordnen lassen. Es Das traditionelle Verbreitungsgebiet
existieren vor allem südfränkisch-schwäbische (unter anderem um Calw, um Pforzheim, Strohgäu, Zabergäu), westoberdeutscher
südfränkisch-niederalemannische (um Baden-Baden und Rastatt) und schwäbisch-niederalemannische (Oberschwaben) (= alemannischer) Dialektmerkmale
Übergangsgebiete. Vor allem in diesen Gegenden wird die Unschärfe der germanischen Dialektgliederung deutlich. im 19. und 20. Jahrhundert, an dem
Neuere Entwicklungen sind das Eindringen schwäbischer Dialektmerkmale nach Heilbronn und Schwäbisch Hall. Baden-Württemberg wesentliche
Anteile hat
Das Land wird auch außerhalb der Landesgrenze mit (vor allem schwäbischen) Dialektsprechern assoziiert, so etwa bei
der klischeehaften Identifizierung von Schwaben in Berlin. Die Landesregierung unter Erwin Teufel griff dies 1999 auf,
indem sie den Werbespruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ prägte. Bekannte Mundartkünstler sind z. B. die Dichter bzw. Schriftsteller Thaddäus Troll
und Harald Hurst, der Volksschauspieler und Komiker Willy Reichert, der Schauspieler Walter Schultheiß und der Kabarettist Christoph Sonntag. Es gibt
Fernsehsendungen im Dialekt wie z. B. Hannes und der Bürgermeister. Auch der Kinofilm bzw. die Fernsehserie Die Kirche bleibt im Dorf wurden in Mundart
verfilmt. Eine Verschriftlichung der Mundart wie in Luxemburg steht hingegen nicht zur Debatte.
Sport
Als Dachorganisationen für den Sport in Baden-Württemberg gibt es die drei Landessportbünde Württembergischer Landessportbund (WLSB), Badischer
Sportbund Freiburg (BSB) und Badischer Sportbund Nord (BSB Nord). Übergeordneter Verband ist der Landessportverband Baden-Württemberg (LSV), der
auch Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund ist.
Fußball
Stuttgart war Spielort der Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006. In der Fußball-Bundesliga spielen mit dem
fünfmaligen deutschen Meister und dreifachen Pokalsieger VfB Stuttgart, dem SC Freiburg und der TSG 1899
Hoffenheim drei Vereine aus Baden-Württemberg. In der 2. Bundesliga spielen der 1. FC Heidenheim, der Karlsruher SC
sowie der SV Sandhausen. In der 3. Liga ist der SV Waldhof Mannheim und die 2. Mannschaft des SC Freiburg aktiv. Die
ehemaligen Bundesligisten SSV Ulm 1846 und Stuttgarter Kickers spielen derzeit in der Regionalliga Südwest bzw. in der
Oberliga Baden-Württemberg. Aus dem heutigen Baden-Württemberg kommen auch die ehemaligen Deutschen Meister
Die Mercedes-Benz Arena in
Freiburger FC (1907), FC Phönix Karlsruhe (1909), Karlsruher FV (1910) und VfR Mannheim (1949). In der Frauen-
Stuttgart
Bundesliga spielen der SC Freiburg und die TSG 1899 Hoffenheim. Ehemalige Bundesligisten sind: SC Sand, VfL
Sindelfingen, TSV Crailsheim, SC Klinge Seckach, TSV Ludwigsburg, TuS Binzen und VfL Ulm/Neu-Ulm.
Der baden-württembergische Fußball wird von drei regionalen Landesverbänden organisiert: Badischer Fußballverband (BFV), Südbadischer Fußball-Verband
(SBFV) und Württembergischer Fußball-Verband (WFV).
Handball
Frisch Auf Göppingen gewann 1960 und 1962 den Europapokal der Landesmeister, zwischen 1954 und 1972 neun Mal die Deutsche Meisterschaft und in den
2010er Jahren viermal den EHF-Pokal. Die Rhein-Neckar Löwen wurden 2016 und 2017 Deutscher Meister und 2018 Pokalsieger. In der Handball-Bundesliga
der Männer spielt außerdem der TVB 1898 Stuttgart. In der Frauen-Bundesliga sind mit der SG BBM Bietigheim (Deutscher Meister 2017, 2019 und 2022,
Vizemeister 2018 und 2020), dem TuS Metzingen (Vizemeister 2016), der Sport-Union Neckarsulm und dem VfL Waiblingen vier Teams vertreten.
Basketball
In der Basketball-Bundesliga sind die die MHP Riesen Ludwigsburg, Ratiopharm Ulm, die Crailsheim Merlins und die MLP Academics Heidelberg beheimatet. In
der ProA (zweite Basketball-Bundesliga) spielen die Kirchheim Knights, die PS Karlsruhe Lions, die Wiha Panthers Schwenningen und das Team Ehingen
Urspring.
Volleyball
Die Männer-Mannschaft des VfB Friedrichshafen gewann 2007 die Volleyball Champions League und wurde 13-mal Deutscher Meister und 17-mal Pokalsieger.
Die Frauen-Mannschaft von Allianz MTV Stuttgart wurde 2019 und 2022 Deutscher Meister sowie von 2015 bis 2018 und 2021 Vizemeister. Zudem gewann sie
viermal den DVV-Pokal. CJD Feuerbach gewann von 1989 bis 1991 die Deutsche Meisterschaft der Frauen und wurde viermal Pokalsieger.
Eishockey
In der Deutschen Eishockey Liga spielen der achtfache deutsche Meister Adler Mannheim, die Schwenninger Wild Wings und die Bietigheim Steelers. In der
DEL2 sind die Ravensburg Towerstars, die Heilbronner Falken sowie der EHC Freiburg vertreten.
Wintersport
Tennis
Skisprung-Weltcup auf der
In Stuttgart finden zwei international bedeutende Tennisturniere statt: Der MercedesCup der Männer auf der Anlage des
Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt
TC Weissenhof ist Teil der ATP Tour 250. Der Porsche Tennis Grand Prix der Frauen in der Porsche-Arena gehört zur
WTA Tour.
Das Männerteam des TK Grün-Weiss Mannheim spielt in der 1. Bundesliga. Das Frauenteam des TEC Waldau Stuttgart wurde 2005 Sieger der Bundesliga, das
des TC Weissenhof zwischen 1975 und 1989 vier Mal Deutscher Mannschaftsmeister. Der TC Rüppurr aus Karlsruhe gehörte lange der 1. Herren- und aktuell der
1. Damen-Bundesliga an.
Aus dem nordbadischen Landesteil stammen die ehemaligen Weltranglistenersten Steffi Graf und Boris Becker.
Leichtathletik
Stuttgart war Austragungsort der Leichtathletik-Europameisterschaften 1986 und -Weltmeisterschaften 1993. Von 2006 bis 2008 fand hier das Leichtathletik-
Weltfinale statt. Danach wurde die Mercedes-Benz Arena in ein reines Fußballstadion umgebaut. Das Internationale Hochsprung-Meeting Eberstadt wurde von
1979 bis 2018 jährlich ausgetragen.
Motorsport
Der Hockenheimring zählt zu den bedeutendsten Motorsport-Rennstrecken in Deutschland. Er gehörte bis 2019 zu den
Austragungsorten für den Großen Preis von Deutschland in der Formel 1 und ist Schauplatz des Eröffnungsrennens sowie
des Finales der DTM.
In Holzgerlingen, Gaildorf und Reutlingen fanden Läufe zur Motocross-Weltmeisterschaft statt. In Rudersberg werden
WM-Läufe mit Seitenwagen veranstaltet. In Berghaupten und Hertingen fanden Läufe zur Langbahn-Welt- und
Europameisterschaft statt.
Autorennsport auf dem
Hockenheimring
Weitere Sportarten
Erfolgreichster Hockeyverein ist der HTC Stuttgarter Kickers, welcher 2005 die deutsche Meisterschaft und 2006 den Europapokal der Landesmeister gewann.
Aktuell spielt der Mannheimer HC sowohl bei den Damen als auch bei den Herren in der Feldhockey-Bundesliga, außerdem der TSV Mannheim bei den Damen.
In der Deutschen Wasserball-Liga sind der der SV Cannstatt (Deutscher Meister 2006), der SSV Esslingen und der SV Ludwigsburg 08. Die Frauen der TSG
Backnang 1920 Schwerathletik wurden 2017 und 2018 Deutscher Judo-Mannschaftsmeister. Bei den Männern belegte der KSV Esslingen seit 2011 sechsmal den
zweiten Platz.
In der Baseball-Bundesliga Süd spielen der deutsche Rekordmeister Mannheim Tornados, der vierfache Deutsche Meister Heidenheim Heideköpfe, die Stuttgart
Reds und die Ulm Falcons. Im American Football gewannen die Schwäbisch Hall Unicorns 2011, 2012, 2017 und 2018 den German Bowl. Außerdem spielen in
der German Football League die Stuttgart Scorpions. Heidelberg ist neben Hannover das Zentrum des Rugbysports in Deutschland. Die dortigen Vereine
Heidelberger RK, RG Heidelberg und SC Neuenheim holten in der Bundesliga insgesamt 18 deutsche Meisterschaften. Im Schach gewann die OSG Baden-
Baden von 2006 bis 2015 sowie 2017 und 2018 zwölf Mal die deutsche Meisterschaft. In der Bundesliga ist Baden-Württemberg außerdem mit dem SV 1930
Hockenheim, den SF Deizisau und dem SK Schwäbisch Hall vertreten. Pferderennen werden seit 1858 auf dem Rennplatz Iffezheim bei Baden-Baden
ausgetragen.
Bildung
Schulen
In Baden wurde mit dem Mannheimer Schulsystem der Vorläufer des modernen Schulsystems entwickelt.[98] Heute folgt in Baden-Württemberg nach der
vierjährigen Grundschule ein vielgliedriges Schulsystem mit Hauptschule und Werkrealschule, Realschule, Gymnasium und Gemeinschaftsschule.[99] Schüler mit
und ohne Behinderung werden gemeinsam erzogen und unterrichtet (inklusive Pädagogik).[100] Die sonderpädagogische Beratung, Unterstützung und Bildung
findet in den allgemeinen Schulen statt, soweit Schüler mit Anspruch auf ein entsprechendes Bildungsangebot kein sonderpädagogisches Bildungs- und
Beratungszentrum besuchen.[101] In ganz Baden-Württemberg gibt es lediglich drei integrierte Gesamtschulen in Freiburg, Heidelberg und Mannheim, die als
Schulen besonderer Art im Schulgesetz für Baden-Württemberg eine Sondergenehmigung erhalten haben.[102] Des Weiteren führt Baden-Württemberg als
einziges Land in Deutschland die besondere Form des „sechsjährigen Wirtschaftsgymnasiums“, welches das bundesweit einzige berufliche Gymnasium ist, das
bereits mit der gymnasialen Mittelstufe beginnt. Der Besuch beginnt in der achten Klassenstufe und endet in Jahrgangsstufe 13 mit der allgemeinen
Hochschulreife. Nach dem Regierungswechsel 2011 führte die Landesregierung als neue Schulform in Baden-Württemberg die Gemeinschaftsschule ein, die
meist aus ehemaligen Hauptschulen (bzw. Werkrealschulen), vereinzelt auch aus Realschulen gebildet wurden. Zum Schuljahr 2013/14 gab es 129
Gemeinschaftsschulen im Land, weitere 81 folgen 2014.[103]
Hochschulen
Baden-Württemberg verfolgt eine dezentrale Bildungs-, Hochschul- und Forschungsinfrastruktur. Die Hochschulen sind
über das ganze Land verteilt. Insgesamt liegen über ein Viertel aller Hochschulstandorte im ländlichen Raum.
Die staatlichen Fachhochschulen tragen in Baden-Württemberg seit 2006 den Titel Hochschule. Neben einer Vielzahl von weiteren Hochschulen, wie Kunst- und
Musikhochschulen oder pädagogischen Hochschulen wird der tertiäre Bildungsbereich durch die Duale Hochschule Baden-Württemberg ergänzt. Bundesweit
einzigartig ist die Popakademie Baden-Württemberg. In Ludwigsburg befindet sich die renommierte Filmakademie Baden-Württemberg.
Siehe auch
Literatur
Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-
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