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Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Kondratieff-Zyklen

Nicolai Kondratieff veröffentlichte 1926 in der Berliner Zeitschrift "Archiv für


Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" seinen Aufsatz "Die langen Wellen der Konjunktur".
Hierin stellte er anhand empirischen Materials aus Deutschland, Frankreich, England und
den USA fest, dass die kurzen Konjunkturzyklen von langen Konjunkturwellen überlagert
werden. Diese 40 bis 60 Jahre dauernden langen Wellen bestehen aus einer länger
andauernden Aufstiegsphase und einer etwas kürzeren Abstiegsphase. Die Talsohle wird
durchschnittlich nach 52 Jahren durchschritten.
Joseph Schumpeter prägte 1939 in seinem Werk über Konjunkturzyklen für diese langen
Konjunkturwellen den Begriff der "Kondratieff-Zyklen" und stellte heraus, dass die Basis für
diese langen Wellen grundlegende technische Innovationen seien, die zu einer
Umwälzung in der Produktion und Organisation führen. Er prägte für diese den Begriff der
Basisinnovationen, wobei er offenließ, was zu deren Entstehung und damit zu einem
neuen "Kondratieff-Zyklus" führt. Für ihn war hierbei nicht die Entdeckung einer
Basisinnovationen ausschlaggebend, sondern deren breiter Einsatz.
"

Widget
-

GmbH

Produktivität

wird bestimmt durch Produktionsfaktoren


Boden [ Fabrikgebäude > Tisch)

Kapital C Maschinen > Scheren)

Arbeit [ Arbeitskraft pro Kopf)


bei gleichem Einsatz der Faktoren Boden , Kapital
Einsatz
kann zunächst durch gesteigerten
von Faktor Arbeit , die Produktivität gesteigert
werden ( ersichtlich an ☒ Gesamtkosten)

Basis :
Prinzip der Arbeitsteilung &
Spezialisierung
Anzahl von Arbeitskräften
bei zunehmender die
eintreten , dass
kann aber der Effekt
Produktivität abnimmt
Produktions potential ausgeschöpft
in Faktor Boden und Kapital
>

> ggf .
Investitionen
Aufschwung ! Boom
im :

Investitionen in Boden & Kapital


bzw . Mehr einstellungen
/ Rezession
Abschwung
:
im

keine Investitionen
des Faktor Arbeits ) Entlassungen
Kürzung
soziale Marktwirtschaft :
Entlassungen nur unter bestimmten Bedingungen
-

kiindung.es schutz
'

Kurzarbeit als Alternative


weniger Stunden / weniger
-
Lohn

Preisgünstiger produzieren
arbeit
-

z.B .
Zeitarbeitkein
durch Umstrukturierungen oder
Einsparen
-

kostengünstigeren Einkauf
Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs
Faktor allokation (
>
je
nach
Verteilung
von Boden ,
Arbeit , Kapital )
kann der
Ertrag linear e. überproportional
steigen
> bei übermäßigen Einsatz des Faktors
Arbeit kommt es zum Ertragsrückgang
1 Immer diese Wirtschaftskrisen! Wie sind dle n 1.3 Ursachen von Konjunktur- und Wachstumsschwankungen

M14 Konjunktur- und Wachstumsschwankungen in der Karikatur gen. Ähnlich bestimmt die Wachstumsra-
der Produktivität die des Durchso
reweIKSchaften zuzurechne
Leistung der Arbeiterschaft i
lio einkommens. Produktivität. Auf der anderen Seite wird

160 Die grundlegende Verknüpfung v


duktivit
atierteinverlar

schaftswachstum erkläre sich durch die 75


einfach, aber die Folgewirkungen sind weit ärlte aucländische Konkurrenz Doch
chend Wenn die Produktivitä
die eidentliche Ursache dafür ist nicht der
märe Bestimmungsfaktor des Leber internationale Wetthewerhsondern das

dards ist, müssen andere Erklärungen vA e e leAeC cc eei1l, ri ▇ ▇ ▇ elet ▇ ▇

chrangiger Bedeutung sein. So könt eigenen Land.

„.B. versucht sein, den Anstieg des Le—


bensstandards für gewisse Zeitspannen der
niW1(KIU11 Volkswirtschaftslehre, Stuttgart 2012, S. 15,
ckhaltenden Lohnsteigerungspolitik Mar

Aufgaben

1. Ermitteln Sie in arbeitsteiliger Gruppenarbeit auf der Grundlage der Materiatien


M13 Ursachen für Konjunktur- und Wachstumsschwankungen,
M15 Nationale Unterschiede der Produktivitat entscheidena Tur ure
WVIrt5cna tSteiStung und die Höhe des
Bearbeiten Sie in den Gruppen die folgenden Aspe U
Gruppe 1|M12)

ve, nach denen private Unternehmen Investitionen tätigen


Im Janr 2009 Deug aas aurenSChmICHe g0
pIU EHWUmCT I TTanIKIeICIED nIS0 1OD) SIma a ZeI
Rematik für die Unternehmen, die richtige Höhe der Investitionen zu er-
knapp 30.600 pro Jahr und in Deutsch-rungen des Lebensstandards. In den letz-
i e i

nd E 29.300 pro Jahr. In Spanienten 50 Jahren sind die Durchschn Folgen von Fehleinschätzungen in Bezug auf die Entwicklung der Konj
e 22.900) und Griechenland (E 21.200)kommen in Westeuropa und Nor (Betrachtet wird die Gesamtnachfrage nach einem Produkt, z.B. Fernsehgeräa
ag der Wert unter diesem Niveau, in Ir- um etwa 2 Prozent pro Jahr (real) gewach- aswirkungen zu hoher oder zu geringer Investitionen für die Nachfrage, der
Rei dieSer Wachstumsrate verdoDDelt Preis und die Beschaftigung
(E 74.900) darüber. Diese Zahlen liegensich das Einkommensniveau alle 35 Jahre, Gruppe 2 (M13)
om Durchschnittsein-und im Verlauf der letzten 100 Jahre hat
kommen in den IISA (C 33.300) und Kan Auswirkungen der Erhöhung der Nachfrage oder des Nachlassens der Nach-
sich das Durchschnittseinkor
age nach Fernsehger
da (E 28.400), Abseits der wohlhabenden len wohlhabenden Volkswirtschafter Erläuterung der Begriffe „Akzelerationsprinzip" und „Multiplikatoreffe
Volkswirtschaften Europas und Nordame-hezu verachtfacht.
findet man iedoch IInterschie uppe 3 (M15)
Wie sind diese großen Unterschiede der
Lebensstandard, die ziemlich schockierendLebensstandards im Querschn Ursachen steigenden oder nachlassenden Wachstums in einer volksWi ischan
in Mexiko im Jahr 2009 gerade mal bei Längsschnitt zu erklären? Die Antwort ist
überraschend einfach. Die Unterschiede Erläuterung des Begriffs „Produktivität"
Fünftel des deutschen Pro-Kopf-E
Lebensstandards sind fast gänzlich den 45 Erklärung des Zusammenhangs von Produktivität und Lebensstandard
kommens, und in Äthiopigerade
rchschnittseinkommen en betrugeinndasnationalen Unterschieden der Produktivi Gründe für die starken Unterschiede des Lebensstandan

20 C 280. Selbstverständlich schlägt sich die de produziert


dh, den pro iIen / He Aufgabe 3
große inStreuung
sekommens des Durchschni die Bedeutung der Höhe des Lohns Ihre

den verschiedenen Mal Staaten, in denen die Beschaftigren cm Sie Ihre Ergebnisse aus Aufgabe 1 im Kurs und werten Sie Thonan inrefnetda
Lebensaualität und im Lehengstandard n groBe Gutermenge pro Zeiteinheit her- 50 7U o 1 II 1 I I ) - I I U | 1 (t| 1 1| ) 1 Tt I1 U
I.lLe e a

der. Bürger von Länderm mit hohen Ein- rellen können. erfreuen sich die meiste al Bedeutung der Höhe der Investitionen, der Entwicklung den fältigt werden kann, da
25 kommen haben mehr Fermsehderälte. mehr Menschen eines hohen Gesamtnachfrage für das Wachstum der Wirtschaft und
die

Autos, bessere Ernährung, bessere Gesund- Staaten mit weniger produktiven Arbeits
der Texte fir

b Gründe für Konjunktur- und Wachstumsschwankungern re Arbeit lins

heitsfürsorge und eine längere Lel kräften (und oft erheblich niedrigerer Ka 3. Analysieren Sie die Karikatur in M14 mithilfe der Informationen aus M9,
dere die Bearbeitung

ag als Bürger von Ländem mit pitalausstattung)müssen die Menschen eor VertieTU9

aur
scheidenere Lebensbedingungen eurtenenoe ateA 55age ae57
Wirtschaft Sowi LK Q1 Datum:

Warum Wirtschaftspolitik?

Inflation – und nun?

„150 Milliarden Mark für ein simples Straßenbahnticket. 356 Milliarden für ein Roggenbrot. Und
2,6 Billionen Mark für ein Kilo Rindfleisch“ – so beginnt Frank Stocker sein Buch „Die Inflation
von 1923 – wie es zur größten deutschen Geldkatastrophe kam“. Er beschreibt darin die
rasende Geldentwertung als surreale Zeit. Preise, die sich binnen Stunden verdoppelten.
Arbeiter, die ihren Lohn in Koffern voller Papiergeld nach Hause trugen – wenn sie ihn nicht
direkt ausgegeben hatten, bevor das Geld noch weniger wert war. Kinder, die aus Geldbündeln
riesige Kartenhäuser bauten.
Solche Bilder haben sich tief in die kollektive Erinnerung älterer Generationen von Deutschen
eingebrannt. Dass die Inflation aber zu einem echten Trauma wurde, hat tiefere Gründe.
Erstens machten damals nur die Deutschen die Erfahrung einer Hyperinflation. Sie war neu
und einzigartig. Zweitens verloren Millionen Menschen ihre Ersparnisse – und ihr Vertrauen in
die Politik und den demokratischen Staat. Drittens: Viele Fehler hatten Deutschland in die
Inflation getrieben. Doch falsche Schlüsse aus der Inflation vertieften zehn Jahre die nächste
Wirtschaftskrise zur nächsten Katastrophe – sie mündete in die Machtübernahme der
Nationalsozialisten.
Und heute? Stockers Buch ist hochaktuell. Über Jahrzehnte war das Gespenst der Inflation
tief im Keller der kollektiven Erinnerungen verborgen. Nun spukt es wieder im Alltag. Die
Inflation erreicht die bisher höchsten Raten der Bundesrepublik. Eine Folge von Krisen
erschüttert das Land, und wieder reagieren Politik und Notenbanken mit Schulden und
Geldvermehrung. Worauf läuft das hinaus? Frank Stocker, Wirtschaftsredakteur der „Welt“,
hat dazu ein kenntnis- und lehrreiches Buch geschrieben. […]
Ursachen: Finanzierung des Ersten Weltkriegs
Der Weg in die Inflation begann mit dem Krieg, genauer mit seiner Finanzierung. Das
Kaiserreich finanzierte die enormen Kriegskosten fast ausschließlich über Schulden, kaum
über Steuern. Es löste gleichzeitig die Bindung der Mark an das Gold und erlaubte dem Staat,
sich direkt bei der Reichsbank zu verschulden, also selbst Geld zu drucken. Bürger, die dem
Staat Geld für den Krieg geliehen hatten, durften ihre Schuldscheine bald wie Bargeld
ausgeben. „Damit jedoch wurden aus einer Mark plötzlich zwei“, schreibt Stocker. Mit der
Geldmenge stiegen die Preise. Nach außen verfiel der Wert der Mark. […]
Kann das wieder passieren?
War die Hyperinflation in den Jahren 1922 und 1923 noch etwas völlig Neues, so hat es sie
seither in vielen Staaten gegeben. Und hier und heute? Stocker benennt die Parallelen:
Wirtschaft Sowi LK Q1 Datum:

Warum Wirtschaftspolitik?

Droht eine Lohn-Preis-Spirale?


1

Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:_________

Die Ziele des Magischen Vier- und Sechsecks

Das Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft (StabG) vom
8. Juni 1967, nichtamtlich auch Stabilitäts- und Wachstumsgesetz oder nur Stabilitätsgesetz,
konkretisiert das Staatsziel des Gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts aus Art. 109 Abs. 2 GG.
Es definiert politische Instrumente, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen.[1] Seither wurden
mehrfach erfolglos Vorschläge für grundlegende Reformen des Gesetzes und für eine
Neuausrichtung der Ziele vorgebracht.

Vor dem Hintergrund der Rezession 1966/1967 konkretisiert dieses Gesetz das Ziel des
gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts. Diese Ziele werden häufig als "magisches Viereck" der
Wirtschafts- und Finanzpolitik bezeichnet, da sie sich nicht immer ohne Konflikte gleichzeitig
realisieren lassen.

Das "magische Viereck" umfasst laut Stabilitätsgesetz folgende Ziele:


• stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum
• stabiles Preisniveau
• hoher Beschäftigungsstand
• außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Zur Messung dieser Ziele werden statistische Indikatoren herangezogen. So wird das
preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) zur Messung des Wirtschaftswachstums verwendet.
Dieser und andere Indikatoren gehen ein in den Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung,
der laut Stabilitätsgesetz auch eine nach vorn gerichtete Jahresprojektion der Bundesregierung
auf der Grundlage der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen enthält.
Die Daten zum "magischen Viereck" über die letzten 50 Jahre1 zeigen, dass die Wirtschafts-
entwicklung in Deutschland von deutlichen konjunkturellen Schwankungen geprägt war.
2

1. Hoher Beschäftigungsstand

Indikator: Arbeitslosenquote

Berechnung:
Arbeitslosenquote: Zahl der registrierten Arbeitslosen x 100 /(Zahl der zivilen Erwerbstätigen +
nicht registrierte Arbeitslose)

Das Ziel „Vollbeschäftigung“ ist bei einer Arbeitslosenrate von unter 3 Prozent
verwirklicht.

Die Arbeitslosigkeit befindet sich in Deutschland seit den 1970er Jahren auf einem recht hohen
und auch steigenden Niveau. Bis in die 1960er Jahre herrschte in der Bundesrepublik
Deutschland Vollbeschäftigung. Übrigens: Die Arbeitslosenquote in Deutschland lag in den
1920er Jahren zwischenzeitlich bei etwa 14 Prozent. Grund war damals die
schwere Wirtschaftskrise in den USA.
Die aufgezeigten konjunkturellen Schwankungen spiegeln sich auch in den deutschen Arbeits-
marktzahlen wider: Mit Ausnahme der Finanzkrise 2009 kam es während der anderen
Rezessionen zu einem Rückgang der Beschäftigung und vermehrter Arbeitslosigkeit. Durch die
deutsche Vereinigung kam es 1991 zu einem sprunghaften Anstieg der Erwerbstätigen um über
8 Millionen und in den Folgejahren zu steigenden Arbeitslosenquoten. Die höchste Arbeitslosen-
quote gab es im Jahr 2005, seither ist sie rückläufig und hat sich bis heute nahezu halbiert, z.T
aufgrund der HartzIV Gesetzgebung (siehe unten), zuletzt aber vor allem wegen des
konjunkturellen Aufschwungs der letzten Jahre. Im September 2018 betrug die Arbeitslosenquote
in Deutschland 5,0 Prozent.

Arten der Arbeitslosigkeit:

Konjunkturelle Arbeitslosigkeit hängt mit den regelmäßig wiederkehrenden Schwankungen


der Produktion und des Absatzes in unserer Wirtschaft zusammen. Kommt die Nachfrage nach
Waren und Dienstleistungen ins Stocken, drosseln die Unternehmen ihre Produktion. Der Bedarf
an Arbeitskräften sinkt. Sobald die Produktion wieder auf ausreichende Nachfrage stößt,
beginnen die Unternehmen in Erwartung eines neuen Aufschwungs wieder zu investieren. Es
kommt zu Neueinstellungen bzw. zur Aufhebung der Kurzarbeit.
→ Konjunkturpaket für Unternehmen oder Nachfrager/priv Haushalte .

Saisonale Arbeitslosigkeit entsteht dadurch, dass in verschiedenen Wirtschaftszweigen und


Berufsgruppen saisonbedingt mal mehr und mal weniger Arbeitskräfte gebraucht werden. Diese
Arbeitsplatzverluste sind z.B. auf die Witterungsverhältnisse und auf sonstige jahreszeitliche
Einflüsse zurückzuführen. Betroffen sind u.a. die Landwirtschaft und das Baugewerbe.
den Faktor Arbeit einzusetzen
→ Leikarbeit reduzieren Kündigungsschutz
,
aber belastet Bran an wie Landwirtschaft flexibel
Strukturelle Arbeitslosigkeit tritt ein, wenn in einzelnen Wirtschaftszweigen Arbeitsplätze
dauerhaft verlorengehen, weil z.B. der Absatz unaufhaltsam schrumpft, die Produktion in Ausland
verlagert oder durch die Einführung moderner Technologien Arbeitsplätze wegrationalisiert
werden. Typische Beispiele für diesen langfristigen Strukturwandel sind der Niedergang der
Textilindustrie, des Bergbaus, des Schiffbaus und der Stahlindustrie.
→ Subvention für Branchen ,
neuen branchen (fördert/verzögert Strukturwandel )

Friktionelle Arbeitslosigkeit entsteht beim Wechsel von der alten in eine neue Stelle. Selbst
wenn genügend Arbeitsplätze vorhanden wären, würde aus diesem Grund die Arbeitslosigkeit
nicht auf Null absinken. Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt greifen nie reibungslos
ineinander. Es kommt immer wieder mal zu Entlassungen oder zu freiwilligen Kündigungen. Bis
die betroffenen Arbeitssuchenden eine neue Stelle gefunden haben, vergeht meist eine gewisse
Zeit.
3

Kritik:

Vollbeschäftigung – eine Utopie


Von Vollbeschäftigung spricht man üblicherweise dann, wenn die Arbeitslosenquote weniger als
drei Prozent beträgt. Ein gewisser Prozentsatz von Arbeitslosen ist nämlich auch unter optimalen
wirtschaftlichen Bedingungen nicht zu vermeiden. Gründe dafür kann zum Beispiel die saisonale
Arbeitslosigkeit sein. So fällt ein arbeitsloser Maurer im Winter – sofern er während der Saison in
einem Beschäftigungsverhältnis war – unter saisonaler Arbeitslosigkeit.

Vollbeschäftigung von unter 3 Prozent kaum erreichbar


Eine Arbeitslosigkeit von unter 3 Prozent scheint heute kaum erreichbar. So führt die
zunehmende Arbeitsteilung und Spezialisierung zu immer größerem Fachkräftemangel, bzw. bei
struktureller Arbeitslosigkeit, kann der Betreffende nicht ohne weiteres in einem anderen
Wirtschaftsbereich arbeiten.
Ein weiterer Aspekt, warum die optimale wirtschaftliche Situation eine Vollbeschäftigung kaum zu
erreichen ist, ist die freiwillige Arbeitslosigkeit. Schließlich gibt es auch Menschen, die eigentlich
körperlich und geistig dazu in der Lage wären zu arbeiten, praktisch gesehen aber einfach keine
Motivation haben, arbeiten zu gehen.

Arbeitslosenquote ist nicht immer ein verlässliches Maß


Z.T. werden unterschiedliche Zahlen zur Berechnung der Arbeitslosenquote herangezogen
durchgeführt. Z.B. fällt man bei der Bundesagentur für Arbeit aus der Statistik, wenn man älter
als 58 Jahre und länger als 12 Monate ohne Beschäftigung war. 2014 wies die Bundesagentur
durchschnittlich 2,9 Millionen Personen als arbeitslos aus. Zählt man die Empfänger von
Arbeitslosengeld-I-und Hartz-IV-Leistungen zusammen, ergab sich im Schnitt eine Zahl von 5,28
Millionen Menschen. ALG I und II Empfänger, die in Um- und Weiterbildungsmaßnahmen
stecken, werden u.U. nicht in Statistiken miteinbezogen.
4

2. Stabilität des Preisniveaus

Indikator: Inflationsrate, Verbraucherpreisindex

Berechnung:
• Fiktiver Warenkorb: Abfrage von Preisen für ca. 700 Güterarten (s. Buch S.59)
• Gewichtung nach einem sog. „Wägungsschema“, das die durchschnittlichen
Verbrauchsgewohnheiten abbildet
• Danach werden die einzelnen Preisveränderungen gewichtet und so wird die
Veränderung des „Verbraucherpreisindexes“ berechnet

Das Ziel „Preisniveaustabilität“ gilt bei einer Inflation von ≤ 2% erreicht und wird z.B. von
der EZB als solches angestrebt.

Beim Ziel der Preisniveaustabilität geht es nicht um die Stabilität einzelner Preise, sondern der
Durchschnitt aller Preise soll möglichst unverändert bleiben.
Die Europäische Zentralbank definiert ihr Ziel für ein stabiles Preisniveau in der Eurozone als
jährliche Inflationsrate von annähernd 2 %. In Deutschland schwankt die Entwicklung des
Verbraucherpreisindex (VPI) erheblich und bewegt sich seit Einführung des Euros 1999 zwischen
0,3 % und 2,6 %. Auch in den anderen Jahren zwischen 1967 und 1999 war die Inflationsrate bis
auf eine einzige Ausnahme im Jahr 1986 (-0,1 %) stets positiv. Die frühen 70er-Jahre waren mit
Inflationsraten von über 5 % von einem starken Anstieg der Preise gekennzeichnet. Ab Mitte der
1990er-Jahre haben die Preisschwankungen merklich abgenommen.

Bedeutung von Inflation und Deflation:

Als Inflation bezeichnet man den andauernden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Waren
und Dienstleistungen verteuern sich kontinuierlich. Da man sich im Zeitablauf für einen
bestimmten Geldbetrag immer weniger kaufen kann, spricht man von Geldentwertung oder
Kaufkraftverlust.

Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Die Preise für Waren und Dienstleistungen gehen
dauerhaft zurück, das Preisniveau sinkt kontinuierlich. Das Geld gewinnt dabei an Wert, denn
seine Kaufkraft steigt. Vereinfacht heißt das, morgen bekomme ich dafür mehr als heute.
Von rückläufigen Preisen können problematische Signale ausgehen. Die Menschen verschieben
ihre Einkäufe in die Zukunft, in der Erwartung, für einen bestimmten Geldbetrag später mehr
Waren und Dienstleistungen zu bekommen. Die Unternehmen verkaufen und investieren
weniger, mögliche Folgen sind Standortschließungen und steigende Arbeitslosigkeit. Die
Konsumenten werden noch vorsichtiger, die Kaufzurückhaltung nimmt weiter zu. Die Banken
vergeben kaum mehr Kredite, die Steuereinnahmen und die Ausgaben des Staates sinken – so
kann ein Abwärtskreislauf in Gang kommen, bei dem die Wirtschaftsleistung mehr und mehr
abnimmt.

Kritik:

Die Geldpolitik liegt in der Hand der EZB. Die EZB ist unabhängig, d.h. nicht weisungsgebunden
an die Politik. Das vornehmliche Ziel der EZB ist die Preisstabilität, im gesamten Euroraum, d.h.
sie muss andere wirtschaftspolitische Ziele nicht im Blick haben. Zuletzt wurde eine expansive
Geldpolitik zur Stärkung der Konjunktur eingesetzt. Dabei wirkt dieses Instrument auf die
Konjunktur aller Euro-Länder. Die Konjunktur von Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien,
Spanien, Griechenland etc. verläuft aber nicht immer gleichförmig.
5

3. Angemessenes Wirtschaftswachstum

Indikator: BIP

Berechnung:
inflationsbereinigte Zunahme des BIP in Prozent des Ausgangszeitraums
Gemessen wird das Wirtschaftswachstum anhand der jährlichen Zuwachsrate des realen
Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistungskraft eines
Landes.

Das Wachstumsziel gilt als erreicht, wenn das reale Bruttoinlandsprodukt


stetig und angemessen wächst.

Bei der realen Zunahme des Bruttonationaleinkommens bzw. des Bruttoinlandsprodukts wächst
die Wirtschaft. Der Zielwert sollte zwischen 3 und 4 Prozent liegen.

Gemessen an der Entwicklung des preisbereinigten BIP ist die deutsche Wirtschaft seit 1967
durchschnittlich um 2,4 % gewachsen. Dieses langfristige Wachstum ist geprägt von zyklischen
Aufschwüngen und Rezessionen. Der stärkste wirtschaftliche Einbruch der vergangenen Jahre
mit -5,9 % ereignete sich während der weltweiten Finanzmarktkrise im Jahr 2009, gefolgt von
dem beachtlichen konjunkturellen Aufholprozess in den darauffolgenden Jahren. In der
deutschen Nachkriegsgeschichte hatte es zuvor bereits fünf Rezessionsphasen mit negativen
jährlichen Veränderungsraten des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts gegeben und zwar in
den Jahren 1967 (-0,3 %), 1975 (-0,9 %), 1982 (-0,4 %), 1993 (-1,0 %) und 2003 (-0,7 %).

Kritik:

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft.
Es gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die über einen bestimmten Zeitraum produziert
Die Veränderung des BIP gibt Aufschluss über das Wirtschaftswachstum.

Das Bruttoinlandsprodukt ist also in erster Linie ein Produktionsindikator. Es zeigt die
wirtschaftliche Leistung eines Landes während eines bestimmten Zeitraums. Das BIP wurde nicht
mit dem Ziel entwickelt, ein Maßstab für das Wohlbefinden oder die gesellschaftliche Wohlfahrt
zu sein. Es beleuchtet die Wohlfahrt aus rein monetärer Sicht. Kritik an der Messung des BIPs
gibt es aus vielen Gründen.
Einiges spricht dafür, dem Bruttoinlandsprodukt als Messgröße für die Wirtschaftsleistung einer
Volkswirtschaft mit Skepsis zu begegnen. Ein besseres Maß ist allerdings noch nicht gefunden.
Altenpfleger z.B. haben keinen leichten Job. Kinder, die ihre Eltern am Lebensabend begleiten,
stehen oftmals vor ähnlich großen Herausforderungen. Und doch unterscheidet die beiden
Personengruppen eines fundamental: Der Job des Pflegers erhöht das Bruttoinlandsprodukt
(BIP), die Betreuung der Eltern dagegen nicht.
Die Tatsache, dass das BIP nur die über den Markt gehandelten Transaktionen enthält, und vieles
– wie das ehrenamtliches Engagement und die Kindererziehung zu Hause – nicht erfasst, ist nur
eines der Probleme des BIP als Wohlstandsindikator.
Ebenfalls problematisch ist, dass das Maß nicht zwischen erstrebenswerten und weniger
erstrebenswerten Waren oder Dienstleistungen unterscheidet: Der Verkauf von Zigaretten erhöht
das BIP genauso wie der Absatz von Bio-Lebensmitteln. Andererseits fließen aber auch die
Ausgaben für die Suchtprävention und all die Kosten, die das Rauchen im Gesundheitssystem
verursachen, in die BIP-Berechnung ein. Was dem Indikator also fehlt, ist die Möglichkeit, positive
und negative Effekte gegeneinander aufzurechnen. Das wäre beispielsweise für den Verbrauch
fossiler Energieträger, aber auch für Naturkatastrophen wie Erdbeben angebracht.
6

Alternativen zum BIP:

Der "Human Development Index (HDI)" ist eine Messzahl für den Entwicklungsstand eines
Landes und setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Lebenserwartung, Ausbildung und
Kaufkraft. Dabei bleiben jedoch die sozialen Disparitäten und Einkommensunterschiede, die es
in den Ländern gibt, weitgehend unberücksichtigt, auch unterscheidet der HDI nicht zwischen
Städten und ländlichen Gebieten. Der "Human Development Report" wird von den Vereinten
Nationen (UNDP) jährlich veröffentlicht.

Der „Nationale Wohlfahrtsindex (NWI)“ ist ein Wohlfahrtsmaß, bei dem 20 ökonomische,
ökologische und soziale Komponenten erfasst, in Geldeinheiten bewertet und
zusammengerechnet werden. Seine Entwicklung lässt sich mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP)
vergleichen, das in der Regel als Maß für den Wohlstand einer Gesellschaft verwendet wird.
Komponenten sind z.B. Index der Einkommensverteilung, Wert der Hausarbeit, Wert
der ehrenamtlichen Arbeit, Öffentliche Ausgaben für Gesundheits- und Bildungswesen, Kosten
und Nutzen dauerhafter Konsumgüter, Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte,
Kosten durch Verkehrsunfälle, Kosten durch Kriminalität, Kosten des Alkohol-
Tabak- und Drogenkonsums Gesellschaftliche Ausgaben zur Kompensation
von Umweltbelastungen etc.

In Deutschland nahm im Januar 2011 die Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand,


Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der
Sozialen Marktwirtschaft ihre Arbeit auf. Sie suchte nach möglichen neuen Messzahlen für
Wohlstand und Fortschritt – jenseits der Wachstumsfixierung des bisher als beherrschenden
Maßstab geltenden Bruttosozialprodukts sowie der bisher nicht bzw. ungenügend
berücksichtigten Kosten z. B. des Naturverbrauchs oder des Artensterbens. Die Kommission
setzt sich aus siebzehn Abgeordneten aller Fraktionen sowie siebzehn Fachleuten zusammen.
Ein Ergebnis der Kommission sind die „W3-Indikatoren“, die im Gegensatz zum
Bruttoinlandsprodukt ganzheitliche Wohlstands- und Fortschrittsindikatoren
darstellen sollen.
Wirtschaftspolitik Sowi Lk Q1 Datum:

Immer mehr
Brauchen wir immer mehr? Oder lässt es sich auch ohne Wirtschaftswachstum leben?
Das Wirtschaftswachstum soll die Lösung für alle Probleme sein. Dabei schafft es dennoch
ständig neue. Warum muss die Wirtschaftsleistung eigentlich ständig wachsen?

Die Politik allein, so schrieb kürzlich ein britischer Ökonom, könne Italiens Koma-Wirtschaft
nicht retten. „Koma“ bedeutet im griechischen „tiefer Schlaf“. In der Medizin gilt es als
zumeist lebensbedrohlich. Nun arbeiten in Italien fast 23 Millionen Menschen am Band, im
Büro, auf dem Bau. Jedes Jahr produzieren sie Güter im Wert von 2000 Milliarden Euro.
Doch aus Sicht der Ökonomie ist Italiens Wirtschaft quasi tot. Warum? Weil sie seit zehn
Jahren nicht wächst.
Stagnation – das ist in der Wirtschaft gleichbedeutend mit Scheitern, der kleinste Rückgang
der Produktion gleicht einer Katastrophe. Während alle Lebewesen irgendwann
ausgewachsen sind, muss es mit der Wirtschaft stets aufwärts gehen. Mit Wachstum will die
Politik alle Probleme lösen: Armut, Arbeitslosigkeit, Überschuldung, Ungerechtigkeit.
Umgekehrt werden alle Probleme aus dem Mangel an „Wachstum“ erklärt. Der Internationale
Währungsfonds (IWF) hat gerade seine Prognose gesenkt: Dieses Jahr wird die
Weltwirtschaftsleistung demnach nur um 3,4 Prozent zulegen, für 2015 sollen es 4,0 Prozent
sein. Hält dieses Tempo an, würde sich die Produktion in 18 Jahren verdoppeln. Doch gilt
dies als zu wenig. Für die letzte Verdopplung brauchte die Weltwirtschaft nur elf Jahre – trotz
globaler Krise.
Die Zweifel an diesem System wachsen, die Kritiker werden lauter. Kommende Woche
treffen sie sich in Leipzig, um auf der vierten Degrowth-Konferenz (s.u.) über Alternativen zu
diskutieren. Für sie soll das Wohl der Gesellschaft nicht mehr nur vom Wachstum des
Bruttoinlandsprodukts (BIP), beziehungsweise dem Bruttosozialprodukt (BSP) abhängen
[…].
Das BSP wurde erst vor 70 Jahren eingeführt, als die USA im Weltkrieg ihre Möglichkeiten
zur Rüstungsproduktion schätzen wollten. Vater des BSP war der Ökonom Colin Clarke.
Clarkes Lehrer, Simon Kuznets, schwebte hingegen eine ganz andere Maßzahl vor: das
„income enjoyed“, das „genossene Einkommen“ der Menschen. Kuznets fand es absurd, den
Fortschritt am Wachstum der puren Produktion zu messen. Wichtiger fand er die „Steigerung
der Wohlfahrt im weiteren Sinne“, in die auch die „Vorstellung eines guten Lebens“ einfließen
sollte. Doch Kuznets setzte sich in der Politik nicht durch. Und seitdem dreht sich alles um
den Wert, den der Politologe Lorenzo Fioramonti „Bruttoinlandsproblem“ getauft hat.
Allen ist klar: Nichts wächst ewig, alles hat eine Grenze und ein Ende. Nur das BIP darf nicht
ruhen, ganz egal, wie hoch es ist. Dieses Gesetz gilt absolut. Das belegt die internationale
Klima-Diplomatie: Noch im Jahr 2007, die Konjunktur lief rund, hatte die Senkung des CO2-
Ausstoßes Priorität, alle warnten vor der globalen Erwärmung. Doch dann kam die
Wirtschaftskrise. Und seitdem ist das Thema faktisch tot. Die vereinbarten Klimaziele werden
verfehlt, die Meerespegel steigen. Denn effektiver Klimaschutz verursacht Kosten – und
damit Wettbewerbsnachteile. Umweltschutz, so die klare Botschaft, gibt es nur, wenn das
Wachstum nicht leidet. Und mit „das Wachstum“ meint jeder Standort: mein Wachstum.
Doch die Politik wiegelt ab. Ökologie und Ökonomie seien keine Gegensätze, heißt es.
Gemeint ist damit: Sie sind Gegensätze. Aber sie müssen es nicht sein. Um sie zu
versöhnen, setzt man auf die Wunderwaffe – den „Technik-Fix“, die Lösung des Problems
durch neue Technologie. Vor allem bessere Ressourcenproduktivität soll immerwährendes
Wachstum ermöglichen: immer mehr BIP mit immer weniger Rohstoffen und Emissionen.
Das ist der „grüne Kapitalismus“.
Doch bleibt er eine Hoffnung. Denn die rettende Technologie ist zumeist entweder nicht
„wirtschaftlich“, sprich: rentabel nutzbar; oder sie ist noch gar nicht erfunden. Bislang führt
jede Erhöhung der Ressourceneffizienz in der Regel zu vermehrtem Verbrauch und damit zu
höherer Naturbelastung.
Diesen „Rebound“ genannten Effekt zeigt der Energie-Riese BP in seinem Energy Outlook
bis zum Jahr 2030: Zwar würden erneuerbare Energien zügig wachsen und dank politischer
Maßnahmen Fortschritte bei der Energieeffizienz erzielt. Diese Fortschritte reichten aber
nicht aus, um die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Der Energiebedarf der Welt wachse
zu schnell.
Warum muss die Wirtschaftsleistung ständig wachsen? Ökonomen antworten oft: um
Arbeitsplätze zu schaffen. Einerseits stimmt es – ohne Wachstum keine Jobs. Doch zeigt
dies gleichzeitig, dass die Unternehmen nur solche Arbeitsplätze schaffen, die dem
Wachstum dienen. Der Wachstumszwang ist beim Argument „Arbeitsplätze“ also schon
unterstellt. Abgesehen davon – dass Menschen arbeiten, um mehr zu produzieren, leuchtet
noch gerade so ein. Dass sie mehr produzieren müssen, um arbeiten zu dürfen, nicht mehr.
Viele glauben, hinter dem Wachstumszwang stecke, was der Vater der
Volkswirtschaftslehre, Adam Smith, das menschliche „Verlangen, unsere
Lebensbedingungen zu verbessern“ nannte. Oder weniger freundlich: die Gier der Menschen
nach immer mehr. Auch die Volkswirtschaftslehre setzt voraus, dass die Bedürfnisse des
Menschen prinzipiell nicht zu stillen sind. Dabei spricht eigentlich wenig für die Vermutung.
Dass mehr Konsumgüter immer glücklicher machen, belegt keine Umfrage, zumindest in den
reicheren Ländern. Als wichtiger bewerten die Menschen regelmäßig Freundschaften,
Familie, Freizeit oder eine intakte Umwelt. „Wirtschaftswachstum war für lange Zeit Motor
des Fortschritts, doch in den reichen Ländern ist dieser Antrieb inzwischen weitgehend
erschöpft“, so die Gesundheitsforscherin Kate Pickett. „Langfristig haben Ängste,
Depressionen und andere soziale Probleme mit wachsendem Wohlstand zugenommen.“
Dass die Menschen immer mehr wollen, ist zweifelhaft. Dass dieses Immer-mehr-wollen die
Ursache des Wachstumszwangs sein könnte ebenso. Man stelle sich vor: Mit einem Mal
besinnen sich alle Deutschen, üben Verzicht und Sparsamkeit, gehen nicht mehr einkaufen.
Folge wäre eine ausgewachsene Krise in einem Land, in dem der private Konsum mehr als
die Hälfte des BIP ausmacht. Der Wachstumszwang besteht getrennt von den Bedürfnissen
der Menschen. Er ist dem Wirtschaftssystem eingeschrieben. It’s the economy, stupid.
Appelle zum Maßhalten werden den Wachstumszwang also nicht beseitigen. Forderungen
nach „einem Wertewandel hin zu nachhaltigen Konsummustern sind wichtig, aber auch
etwas hilflos“, so Ulrich Brand, Professor an der Uni Wien. Das Individuum ist mit der Lösung
des Problems überfordert. Denn die Firmen sind nicht seine Auftragnehmer, sondern haben
eigene Ziele: Gewinn, Umsatzsteigerung, Rendite, Marktanteile. „Politik findet eben nicht für
‚die Menschheit‘ statt, sondern ganz konkret als Verfolgung von Interessen“, so Brand.
„Umweltfragen sind Macht- und Herrschaftsfragen.“

„Degrowth“- Konferenz: Die Zweifel an unserer auf Wachstum fixierten Gesellschaft werden wieder
größer. In Leipzig diskutierten die Kritiker des derzeitigen Wirtschaftssystems. Mehr als 2500
Teilnehmer trafen sich zur internationalen „Degrowth“- Konferenz, die nach Paris (2008), Barcelona
(2010) sowie Venedig, Montreal (2012), Leipzig (2014) in 2018 in Malmö zum sechsten Mal stattfandt.
Die Debatte: Die „Degrowth“- Bewegung setzt sich für eine Wirtschaft ein, die „unabhängig von
Wirtschaftswachstum ein gutes Leben für alle“ ermöglicht. Ungleichheit und Umweltverbrauch,
Produktion und Konsum sollen reduziert und vorhandene Ressourcen gerechter verteilt werden.

Quelle: faz.net, 31.08.2014

Der 1.August 2018 war Earth Overshoot Day (Welt Raubbau Tag) 2015 war er noch am 13. August:
Das heißt, dass wir momentan anderthalb Erden bräuchten, um den weltweiten Bedarf an Wasser,
Ackerland, Wäldern und anderen Rohstoffen nachhaltig zu decken. Alles was ab diesem Tag bis zum
Ende des Jahres verbraucht wird, kann nicht mehr nachgebaut oder kompensiert werden. Der Earth
Overshoot Day rückt jedes Jahr ein Stück nach vorne. Der allererste Earth Overshoot Day, 1987, war
noch am 19. Dezember. Würde sich die deutsche Wirtschaftsweise weltweit durchsetzen, würden wir
sogar gut zweieinhalb Erden verbrauchen.
Das jeweilige Datum des Jahres wird berechnet, indem man den globalen ökologischen
Fußabdruck (die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen innerhalb dieses Jahres) zur
gesamten globalen Biokapazität (die Anzahl global generierter natürlichen Ressourcen innerhalb
dieses Jahres) in ein rechnerisches Verhältnis setzt.

Aufgaben:
Arbeite aus dem Text heraus:
1. Was spricht für, was gegen ständiges Wirtschaftswachstum?
2. Welche Alternativen gibt es?
nicht aus, um die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Der Energiebedarf der Welt wachse zu
schnell.
Warum muss die Wirtschaftsleistung ständig wachsen? Ökonomen antworten oft: um
Arbeitsplätze zu schaffen. Einerseits stimmt es – ohne Wachstum keine Jobs. Doch zeigt dies
gleichzeitig, dass die Unternehmen nur solche Arbeitsplätze schaffen, die dem Wachstum
dienen. Der Wachstumszwang ist beim Argument „Arbeitsplätze“ also schon unterstellt.
Abgesehen davon – dass Menschen arbeiten, um mehr zu produzieren, leuchtet noch gerade
so ein. Dass sie mehr produzieren müssen, um arbeiten zu dürfen, nicht mehr.
Viele glauben, hinter dem Wachstumszwang stecke, was der Vater der Volkswirtschaftslehre,
Adam Smith, das menschliche „Verlangen, unsere Lebensbedingungen zu verbessern“
nannte. Oder weniger freundlich: die Gier der Menschen nach immer mehr. Auch die
Volkswirtschaftslehre setzt voraus, dass die Bedürfnisse des Menschen prinzipiell nicht zu
stillen sind. Dabei spricht eigentlich wenig für die Vermutung.
Dass mehr Konsumgüter immer glücklicher machen, belegt keine Umfrage, zumindest in den
reicheren Ländern. Als wichtiger bewerten die Menschen regelmäßig Freundschaften, Familie,
Freizeit oder eine intakte Umwelt. „Wirtschaftswachstum war für lange Zeit Motor des
Fortschritts, doch in den reichen Ländern ist dieser Antrieb inzwischen weitgehend erschöpft“,
so die Gesundheitsforscherin Kate Pickett. „Langfristig haben Ängste, Depressionen und
andere soziale Probleme mit wachsendem Wohlstand zugenommen.“
Dass die Menschen immer mehr wollen, ist zweifelhaft. Dass dieses Immer-mehr-wollen die
Ursache des Wachstumszwangs sein könnte ebenso. Man stelle sich vor: Mit einem Mal
besinnen sich alle Deutschen, üben Verzicht und Sparsamkeit, gehen nicht mehr einkaufen.
Folge wäre eine ausgewachsene Krise in einem Land, in dem der private Konsum mehr als
die Hälfte des BIP ausmacht. Der Wachstumszwang besteht getrennt von den Bedürfnissen
der Menschen. Er ist dem Wirtschaftssystem eingeschrieben. It’s the economy, stupid.
Appelle zum Maßhalten werden den Wachstumszwang also nicht beseitigen. Forderungen
nach „einem Wertewandel hin zu nachhaltigen Konsummustern sind wichtig, aber auch etwas
hilflos“, so Ulrich Brand, Professor an der Uni Wien. Das Individuum ist mit der Lösung des
Problems überfordert. Denn die Firmen sind nicht seine Auftragnehmer, sondern haben eigene
Ziele: Gewinn, Umsatzsteigerung, Rendite, Marktanteile. „Politik findet eben nicht für ‚die
Menschheit‘ statt, sondern ganz konkret als Verfolgung von Interessen“, so Brand.
„Umweltfragen sind Macht- und Herrschaftsfragen.“

„Degrowth“- Konferenz: Die Zweifel an unserer auf Wachstum fixierten Gesellschaft werden wieder
größer. In Leipzig diskutierten die Kritiker des derzeitigen Wirtschaftssystems. Mehr als 2500
Teilnehmer trafen sich zur internationalen „Degrowth“- Konferenz, die nach Paris (2008), Barcelona
(2010) sowie Venedig, Montreal (2012), Leipzig (2014) in 2018 in Malmö zum sechsten Mal stattfandt.
Die Debatte: Die „Degrowth“- Bewegung setzt sich für eine Wirtschaft ein, die „unabhängig von
Wirtschaftswachstum ein gutes Leben für alle“ ermöglicht. Ungleichheit und Umweltverbrauch,
Produktion und Konsum sollen reduziert und vorhandene Ressourcen gerechter verteilt werden.

Der Earth Overshoot Day fällt in diesem Jahr auf den 28. Juli – einen Tag früher als 2021. Das Datum
des Earth Overshoot Day wird seit 1961 vom Global Footprint Network errechnet. Die Grundlage ist
unser ökologischer Fußabdruck. Wie viel Fläche brauchen wir, um all unsere Bedürfnisse zu
decken? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir bereits alle Ressourcen verbraucht haben, die
für das ganze Jahr reichen sollten? Seit 1961 ist der Earth Overshoot Day immer früher im Jahr
eingetreten. War er 1970 noch im Dezember, lag er im Jahr 2019 schon im Juli. Unser Planet war also
bereits im Juli „erschöpft“ - so früh wie noch nie. Auch dieses Jahr ist der Earth Overshoot Day wieder
einen Tag nach vorne gerückt.Die einzige Ausnahme war das Jahr 2020, als der Erdüberlastungstag
erst auf den 22. August fiel. Dies war laut Global Footprint Network eine direkte Folge der
weltweiten Corona-Pandemie. Der Effekt war allerdings nur kurzfristig – schon im Jahr 2021 hatte der
Earth Overshoot Day wieder das Niveau von 2019 erreicht.
Das jeweilige Datum des Jahres wird berechnet, indem man den globalen ökologischen Fußabdruck
(die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen innerhalb dieses Jahres) zur gesamten
globalen Biokapazität (die Anzahl global generierter natürlichen Ressourcen innerhalb dieses Jahres)
in ein rechnerisches Verhältnis setzt.

Aufgaben:
Arbeite aus dem Text heraus:
1. Was spricht für, was gegen ständiges Wirtschaftswachstum?
2. Welche Alternativen gibt es?
Mehr Wirtschaftswachstum ?

Pro Contra Alternativen


steigendes Einkommen •
hat nichts mit
→ mehr Geld für alle Lebensqualität antun

Wirtschaftswachstum
existiert
unabhängig
von bedürfnissen der

Verbraucher
→ Verbraucher wollen

sparsamer Leben führt


Wirtschaftskrise
"
zur „

→ Wachstums
Wang
Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:_________

Das BIP – muss es immer wachsen?

Die schwierige Kunst, den Wohlstand zu berechnen

Das Bruttoinlandsprodukt ist der Maßstab für Wirtschaftskraft, in Medien und Politik gilt das
BIP als der Wohlstandsindikator schlechthin. Doch über unser tatsächliches Wohlergehen
sagt es nichts. Die Unzufriedenheit darüber wächst, Bürger und nun auch der Bundestag
machen sich auf die Suche nach Alternativen.

Mit den einfachsten Fragen tun die Ökonomen sich am schwersten. Was ist Wohlstand? Wie
misst man ihn? Steigert Wachstum automatisch die Lebensqualität? Auf das, was Millionen
Bürger interessiert, finden die Wirtschaftsexperten keine befriedigenden Antworten.
Sie sind seit Jahrzehnten gedrillt in der Disziplin des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Berechnet
wird es als die Summe aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr in einem Land
oder einer Staatengemeinschaft als Endprodukte erzeugt werden. Das ist für die Ökonomen
der wichtigste, wenn nicht sogar der alleinige Maßstab. Dabei amüsierte sich schon 1968
Robert Kennedy, der später ermordete Bruder des US-Präsidenten: „Das BIP misst alles,
außer dem, was das Leben lebenswert macht.“ Denn dieser Indikator erfasst alle
wirtschaftlichen Aktivitäten, ob sinnvoll oder sinnlos, nützlich oder schädlich, ohne sie zu
bewerten.
Das hat absurde Folgen: Der Bau und die laufende Produktion der Bohrinsel „Deepwater
Horizon“ haben das BIP gesteigert. Die Versuche, die Folgen der Ölschwemme nach der
Explosion der Plattform einzudämmen, haben es noch einmal kräftig erhöht. Doch wenn
Deepwater Horizon nie gebaut worden wäre, ginge es der Menschheit zweifellos besser.
Auch wie das Einkommen verteilt und die Arbeit organisiert ist, ignoriert das BIP, obwohl
beides für die Lebensbedingungen eine große Rolle spielt.
Weit über die Wirtschaftspolitik hinaus gilt das BIP-fixierte Wachstumsdiktat. Maßnahmen,
die nach diesem Kriterium als „wachstumsschädlich“ kritisiert werden können, etwa im
Bereich der Sozialpolitik, haben von vornherein einen schweren Stand. Eine Senkung der
Kriminalität etwa verbessert zweifellos unsere Lebensqualität, sie mindert aber das BIP, weil
dann ja weniger Gefängnisse gebraucht werden und Unternehmen wie Privathaushalte
weniger Sicherungseinrichtungen anschaffen.
Dennoch gilt das BIP in Medien und Politik als der Wohlstandsindikator. Ein anderes Maß,
das die vielen Dimensionen des materiellen Wohlergehens einer Nation prägnant auf den
Punkt bringt, haben wir nicht. Doch die Bürger sind zunehmend kritisch. Die Suche nach
anderen Maßstäben nimmt zu, eine neue Wachstumsskepsis breitet sich aus.
Wie kaum ein anderer Sektor hat die Finanzindustrie in den vergangenen Jahren das BIP-
Wachstum vorangetrieben. Gleichzeitig ist sie der Verursacher der zweiten
Weltwirtschaftskrise. Was hat also wirklich unseren Wohlstand vergrößert? Das fragen sich
nicht nur die Menschen, die unmittelbar unter den Billionenverlusten seit Ausbruch der Krise
leiden.
Zu den Fallstricken gehört auch der Wunsch, eine neue Messzahl zu entwickeln, die
genauso ist wie das BIP, nur besser. Sie soll alles gewichten, was gut und schön ist:
materiellen Lebensstandard, Umweltqualität, Bildungschancen, Lebenserwartung, soziale
Sicherung und Zufriedenheit.
Doch wo soll die allgemein akzeptierte Gewichtung dieser Ziele herkommen? Hier spielen
unterschiedliche Interessenlagen und Weltanschauungen hinein. Ein Geringverdiener und
ein gutsituierter Angestellter sehen Zielkonflikte zwischen Wirtschaftswachstum und
Artenvielfalt sehr unterschiedlich. Ein Anhänger der FDP wertet den Zielkonflikt zwischen
sozialer Absicherung von Kindern und einer hohen Arbeitsmoral anders als ein Anhänger der
Linken. Solche von individuellen Interessen und Weltanschauungen gespeisten
Unterschiede kann kein noch so kluger und wohlmeinender Experte in einer
allgemeingültigen Bewertung auflösen.
Das soll nicht heißen, dass Erfolgsmaße wie der Human Development Index der Vereinten
Nationen oder der Fortschrittsindex des von Stefan Bergheim geleiteten Zentrums für
gesellschaftlichen Fortschritt keine Daseinsberechtigung hätten. Diese stellen neben das BIP
auch Indikatoren, die näher am Menschen sind, wie die Lebenserwartung oder die
Bildungschancen. Solche Indikatoren haben einen gewaltigen Vorteil: Sie machen die Folgen
von ungleichen Lebensbedingungen sichtbar. Wenn nennenswerte Teile der Bevölkerung
schlechte Bildungschancen oder eine schlechte Gesundheitsversorgung haben, dann zieht
das den Durchschnitt nach unten, auch wenn andere Bevölkerungsteile umso besser
versorgt werden. Das ist ganz anders beim BIP, wo ein Plus von einer Milliarde Euro für
einen Hedge-Fonds-Manager ein Minus von jeweils 1000 Euro für eine Million Menschen
ausgleicht.
In Bergheims Rangliste sind die USA nicht mehr das Maß aller Dinge, denn sie warten unter
den reichen Ländern mit der niedrigsten Lebenserwartung auf und verursachen die
zweithöchsten Umweltbelastungen. Im Fortschrittsindex rangieren sie deshalb weit unten.
Zugleich sieht man in diesen Studien, dass die Wahrnehmung, in Deutschland stagniere die
soziale Entwicklung oder falle zurück, in vieler Hinsicht falsch ist: So hat die
Lebenserwartung in Deutschland seit 1991 um fast fünf Jahre zugenommen, ist das
durchschnittliche Einkommen der Deutschen in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt
um 20 Prozent gestiegen und ging dennoch die von den Bundesbürgern durch ihren Konsum
verursachte Umweltbelastung zurück. Nach Bergheims Index war der gesellschaftliche
Fortschritt in Deutschland in den letzten zehn Jahren größer als in der Schweiz und den
Niederlanden.

Solche alternativen Ranglisten demonstrieren aber auch, dass man zu sehr verschiedenen
Ergebnissen kommt, je nachdem, wie man Indikatoren auswählt und gewichtet. In
Deutschland steigt der Fortschrittsindex seit 1990 recht steil an, wenn man sich nur auf
Nationaleinkommen und Lebenserwartung bezieht. Fügt man die Bildung als weitere
Komponente hinzu, verläuft die Kurve viel flacher. Was ist der "richtige" Wert? Als
Richtschnur für das Handeln demokratischer Regierungen taugen derartige Indikatoren
daher nur sehr begrenzt.

Quelle: www.handelsblatt.de; 21.01.2011


Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:_________

Das BIP – muss es immer wachsen?


Kritik am Konzept des BIPs als wichtigstem Wohlstandsindikator:

„Das BIP misst alles, außer dem, was das Leben lebenswert macht.“

Robert Kennedy

Zwei Hauptkritikpunkte:

1. BIP ist ein rein ökonomisches Maß, das andere Bereiche des Wohlstands
außer Acht lässt.
• Zustand der Umwelt / Natur; Nachhaltigkeit des Wirtschaftens
• Gesundheit der Menschen
• Gerechtigkeit / Rechtsstaatlichkeit
• Fairness der Gesellschaft: Chancengerechtigkeit, Einkommens-Ungleichheit
• Soziale / gesellschaftliche Konflikte
• Verteilung des Wohlstandes
• Ehrenamtliche Arbeit
• Zufriedenheit

2. BIP ist ein Maß, das eindeutig wohlstandsmindernde Entwicklungen als


wohlstandssteigernd bewertet.
Beispiele:
• Öl-Pest im Golf von Mexiko: Aufräumarbeiten
•• Steigern BIP
• Vogelgrippe: Impfstoff-Herstellung steigert BIP
• Kriege: Waffen-Herstellung steigert BIP
• Kriminalität: Sicherheitstechnik-Investitionen steigern BIP
• Workaholismus steigert BIP
• Depressions-Epidemie steigert BIP
Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:_________

Das BIP – muss es immer wachsen?

Die Risiken des Reichtums

Die menschliche Psyche reagiert empfindlich auf Geld. Es macht nicht glücklich
genug – und fördert den Egoismus.

Bas Kast hat darüber ein Buch geschrieben.

Seit Jahrzehnten registrieren Ökonomen ein paradoxes Phänomen, das bis heute nicht ganz
verstanden ist: Sowohl reiche Menschen als auch reiche Nationen dürften in der Regel mit
mehr Lebenszufriedenheit rechnen als ihre mittellosen Gegenstücke. Zugleich jedoch scheint
das Glück einer Nation über die Jahrzehnte hinweg kaum mit wachsendem Wohlstand
zuzunehmen. Man bezeichnet das Phänomen auch als Easterlin-Paradox , nach seinem
Entdecker Richard Easterlin, einem US-Ökonomen der University of Southern California in
Los Angeles.
Das Easterlin-Paradox gilt gerade für viele der weltweit reichsten Länder, wie etwa die USA ,
Großbritannien und Japan – und es gilt in besonderem Maße für Deutschland: In
Deutschland ist das Glück in den letzten drei Jahrzehnten trotz nahezu stetig gestiegenem
Bruttoinlandsprodukt sogar gesunken.
Das Wohlstandsparadox wird noch paradoxer durch die Beobachtung, dass offenbar
ausgerechnet wir privilegierten Menschen in den reichen Nationen mit psychischen
Problemen zu kämpfen haben. Forscher der Weltgesundheitsorganisation WHO haben
kürzlich die Häufigkeit von 18 psychischen Störungen in sieben "Entwicklungsländern" und
sieben der wohlhabendsten Nationen der Welt ermittelt, und zwar – natürlich eine
essenzielle Voraussetzung – anhand einheitlicher Diagnosekriterien. Der Befund: Die
Menschen in den reichen Ländern, darunter auch Deutschland, litten durch die Bank weg
häufiger unter psychischen Störungen.
Niemand weiß genau, wie sich diese Art von Wohlstandsparadoxien erklären lassen, sicher
spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Eine mögliche Erklärung wäre, dass Wohlstand und
Geld (ähnlich wie Freiheit und allzu viele Wahlmöglichkeiten) mit Risiken und
Nebenwirkungen einhergehen, die uns aufs Gemüt schlagen, die wir aber unterschätzen,
weil diese Nebenwirkungen nicht ganz so offensichtlich sind wie die Vorzüge eines prall
gefüllten Portemonnaies. Nur was könnten diese vermeintlichen Schattenseiten des
Reichtums sein?
Meine Vermutung lautet, dass Wohlstand auf Kosten intimer Beziehungen geht, und dieser
Verlust macht uns zu schaffen. Er mindert unser Glück und belastet unsere Psyche. Geld
und Reichtum führen tendenziell zur Auflösung alter, traditioneller Gemeinschaften, enger
Familienbande und verlässlicher Freundschaften, und damit zu Einsamkeit und Isolation.
Überspitzt formuliert könnte man sagen: In unserer Wohlstandsgesellschaft haben wir fast
alles im Überfluss, nur eins nicht – zwischenmenschliche Nähe.
"Geld oder Liebe", dieser Gegensatz mag nach einem verstaubten Klischee oder einer
albernen TV-Show klingen. Tatsächlich jedoch mehren sich die Befunde, die dafür sprechen,
dass Geld und zwischenmenschliche Nähe sich in gewisser Weise zueinander verhalten wie
Feuer und Wasser. In einer ebenso einfachen wie aufschlussreichen Versuchsserie dazu,
erschienen im Fachmagazin Science , setzte ein Psychologenteam Testpersonen an einen
Schreibtisch mit Computer. Dort mussten die Probanden einen Stapel Fragebögen ausfüllen.
Die Fragebögen waren aber nur ein Vorwand. In Wahrheit ging es den Wissenschaftlern um
etwas anderes. Bald nämlich erschien auf dem Bildschirm des Computers ein Screensaver.
In einer Variante des Versuchs bestand der Screensaver aus Fischen, in einer anderen aus
Geldscheinen.
Nach dieser Aufwärmphase kam es zum eigentlichen Test. Die Forscher erlösten die
Testpersonen von ihrem Fragebogen und sagten ihnen: "Du lernst jetzt einen anderen
Teilnehmer des Versuchs kennen. Nimm dir doch den Stuhl da in der Ecke und stell ihn zu
deinem Stuhl, die andere Person kommt gleich." Sobald die Leute den Stuhl herangerückt
hatten, wurde das Experiment abgebrochen. Die Wissenschaftler hatten ihr Ziel erreicht. Es
war ihnen lediglich um die Frage gegangen, ob die Personen, die sie soeben auf unauffällige
Weise an Geld erinnert hatten, anders reagieren würden als jene, die zuvor virtuellen
Fischen ausgesetzt worden waren. Und genau das war der Fall: Die Geld-Leute stellten die
Stühle deutlich weiter auseinander als die Fisch-Leute, im Schnitt fast einen halben Meter.
Wie es scheint, distanziert Geld, es bewirkt aber mehr als nur physische Distanz, wie ein
zweites Experiment der Science -Versuchsserie zeigt. Darin spielten die Testpersonen eine
Runde Monopoly mit einem der Forscher. Nach dem Spiel legte man den Leuten in einer
Version des Versuchs 4.000 Dollar Spielgeld hin, in einer anderen 200 Dollar, während es in
einer dritten Version kein Spielgeld gab. Gleich darauf führte man die Testpersonen unter
einem Vorwand nach draußen auf den Flur, wo eine Mitarbeiterin des Wissenschaftlerteams
eine Handvoll Bleistifte fallen ließ.
Wieder schien die Präsenz von Geld die Menschen verändert zu haben: Je mehr Geld man
den Testpersonen hingelegt hatte, desto weniger Stifte hoben sie auf. Geld distanziert also
nicht nur, es senkt auch die Hilfsbereitschaft – ein Ergebnis, das zu dem Befund von Studien
des Psychologen Paul Piff von der University of California in Berkeley passt, die offenbart
haben, dass reiche Menschen (sowohl im echten Leben als auch in experimentellen
Versuchsanordnungen) paradoxerweise weniger spenden als Menschen, die nicht ganz so
viel auf der hohen Kante haben (was Ausnahmeerscheinungen wie Bill Gates umso
bemerkenswerter erscheinen lässt).
Versuche, in denen man Testpersonen unscheinbar an Geld erinnert, wurden mittlerweile in
weit mehr als einem halben Dutzend Varianten durchgespielt, stets mit ähnlichem Ergebnis:
Wer an Geld und Reichtum erinnert wird, verhält sich danach mehr auf sich selbst bezogen.
Geld-Leute sind weniger hilfreich, suchen aber auch umgekehrt weniger die Hilfe ihrer
Mitmenschen. Stellt man sie vor die Wahl, eine Aufgabe alleine oder mit einem Partner zu
erledigen, wollen sie sich lieber auf eigene Faust durchschlagen. Man könnte sagen: Geld
kapselt ab, macht autonom, ja, Geld macht uns zu Einzelgängern.
Teils bringt Geld sogar unsere asoziale Seite zum Vorschein. Das zumindest suggeriert eine
Studie, die der Psychologe Piff kürzlich im US-Fachblatt PNAS berichtete . Piff und sein
Team hatten das Verhalten Dutzender Verkehrsteilnehmer San Franciscos observiert und
festgestellt: Fahrer von großen, teuren Autos verhalten sich durchgehend rüpelhafter als die
Verkehrsteilnehmer kleiner, billigerer Wagen. Wer am Steuer eines Oberklassewagens saß,
schnitt zum Beispiel an einer Straßenkreuzung häufiger anderen Fahrern den Weg ab. Auch
Fußgänger hatten unter den dicken Autos zu leiden: Luxusfahrzeuge bremsten an
Zebrastreifen deutlich seltener als die Fahrer bescheidenerer Wagen.
Reichtum macht, wie es scheint, egoistisch und asozial (das heißt auch: In einer reichen
Gesellschaft sollte man nicht mit allzu viel Rücksicht und Hilfe seiner Mitmenschen rechnen).
Und warum auch nicht? Wer Geld hat, ist grundsätzlich weniger auf die Gunst seiner
Mitmenschen angewiesen. Sobald man etwas von seiner sozialen Umwelt braucht, muss
man seine Mitmenschen nicht darum bitten – man kann es sich einfach kaufen. Wer Geld
hat, kann es sich schlicht leisten, ein asoziales Verhalten an den Tag zu legen.
In einer wohlhabenden Dienstleistungsgesellschaft ist man zum Überleben im Grunde gar
nicht mehr auf persönlich-intime Beziehungen – intakte Familienstrukturen, Freunde oder
hilfreiche Nachbarn – angewiesen. Es stehen uns ja an allen Ecken und Enden Profis zur
Verfügung (von Umzugsfirmen bis hin zu Altersheimen), die uns, wenn die Bezahlung
stimmt, nur allzu gerne "zur Seite stehen" (in ärmeren Gesellschaften die Aufgabe von
Familien, Nachbarn und Freunden).
Die Konsequenz ist, dass persönliche Beziehungen im Alltag wohlhabender
Dienstleistungsgesellschaften systematisch an Bedeutung verlieren, mit Folgen, wie ich
meine, für unser Glück. Verkehrsmittel verführen dazu, weniger zu Fuß zu tun – dennoch
sind wir für unser körperliches Wohl auf Bewegung angewiesen. Auf ähnliche Weise verführt
eine reiche Gesellschaft dazu, unser soziales Leben zu vernachlässigen, auch wenn es für
unser psychisches Wohlbefinden das A und O bleibt.
Gut möglich, dass unser Einzelgängertum auch mit ein Grund dafür ist, weshalb wir in der
wohlhabenden Welt vermehrt unter Depressionen , Angststörungen und sozialen Phobien
leiden. Spätestens wenn wir mit den unvermeidlichen Krisen des Lebens konfrontiert
werden, zehrt das chronische Alleinsein an unseren Nerven. Wir brauchen Hilfe, und in
unserer Not wenden wir uns an die einzigen Kräfte, die für uns da sind: Profis.
Wahrscheinlich könnte eine Gesellschaft, in der jeder über fünf nahestehende Menschen
verfügt, die ihm oder ihr ohne Wenn und Aber beistehen, auf 80 Prozent ihrer
Psychotherapeuten verzichten.

Quelle: www.zeit.de; 12.05.2012


7

4. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Indikator: a) Außenhandelsüberschuss b) Außenbeitrag bzw. Zahlungsbilanz

Berechnung:
a) Export –Import
b) Export – Import in Prozent des nominalen BIP

Deutsche Unternehmen exportierten ihre Waren und Dienstleistungen ins Ausland. Gleichzeitig
werden aber auch aus dem Ausland Produkte und Dienstleistungen importiert. Alle diese
Vorgänge zwischen einzelnen Ländern werden in der Zahlungsbilanz statistisch erfasst.

Wirtschaftspolitisch wird ein ausgeglichenes Verhältnis von Exporten und


Importen, also ein Gleichgewicht zwischen Zahlungs-eingängen und
Zahlungsausgängen, angestrebt.

Der hohe deutsche Außenhandelsüberschuss des vergangenen Jahrzehnts, welcher


international häufig kritisiert wird, erreichte 2016 mit einem Überschuss von über 238 Milliarden
Euro einen neuen Rekordwert. In den vergangenen 50 Jahren wurden nur in einigen wenigen
Jahren nominal mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert: So war der deutsche
Außenbeitrag insbesondere in den Jahren nach der deutschen Vereinigung nahezu ausgeglichen
und in den Jahren 1991 und 1992 sogar negativ. Ein ähnliches Phänomen war während der
beiden sprunghaften Ölpreisanstiege 1973 sowie 1979 und 1980 zu beobachten.

Die Zahlungsbilanz:
Die Zahlungsbilanz eines Landes beinhaltet die
Aufzeichnung (doppelte Buchführung) der
gesamten ökonomischen Transaktionen (Kauf und

Handelsbilanz _
Verkauf von Gütern) zwischen Inland und Ausland
während eines Jahres. Die Zahlungsbilanz besteht
aus einzelnen Teilbilanzen, wie die Leistungs-
Kapital- und Devisenbilanz. Alle Transaktionen, die
zu Einnahmen im Inland führen werden auf der
Habenseite (hier: links) gebucht, alle Transaktionen,
die zu Zahlungsaus-gängen ins Ausland führen
werden auf der Sollseite gebucht (rechts).

Die Aktivseite der Bilanz setzt sich aus der


Leistungsbilanz und der Bilanz der
Vermögensübertragung zusammen (hier: oben).
Die Gegenüberstellung von Einfuhren und
Ausfuhren wird auch als Handelsbilanz bezeichnet
(hier: ganz oben). Die Passivseite der Bilanz setzt
sich aus Kapital- und Devisenbilanz zusammen
(unten). Die Differenz (Saldo)
zwischen Export und Import von Waren und
Dienstleistungen wird als Außenbeitrag bezeichnet.
Wenn man von Zahlungsbilanzungleichgewichten
(Überschüssen oder Defiziten) spricht, meint man
immer unausgeglichene Teilbilanzen.
Ist der Außenbeitrag positiv, besteht
ein Exportüberschuss an Waren und
Dienstleistungen, also eine unausgeglichene
Handelsbilanz bzw. Leistungsbilanz. Der Wert der
erhaltenen Güter aus dem Ausland ist
dementsprechend geringer.

Kritik:
8

In der wirtschaftspolitischen Diskussion spielt das "Zahlungsbilanz-Gleichgewicht" eine wichtige


Rolle. Dieser Begriff ist zwar schillernd, aber leicht missverständlich. Denn rein formal ist die
Zahlungsbilanz - wie jede Bilanz - stets ausgeglichen, da sie nach dem Prinzip der doppelten
Buchführung aufgebaut ist, d.h. jeder eingeführten Ware steht ein Geldstrom ins Ausland
gegenüber und umgekehrt. Meist wird, wenn es um das außenwirtschaftliche Gleichgewicht geht,
die Leistungsbilanz in den Blick genommen und ein Leistungsbilanzüberschuss als Zeichen einer
hohen Wettbewerbskraft einer Volkswirtschaft gesehen. Für die Bundesrepublik sind positive
Außenbeiträge die Regel, da der Warenexport wesentlich höher ist als der Import. Deutschland
gilt schon lange als Exportweltmeister. Warum ist ein solches Ungleichgewicht jetzt schlecht?
Die hohen Exporte sind ein Beleg für die hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte und
Dienstleistungen. Mit anderen Worten: nichts, wofür man sich schämen müsste. Dabei ist es nicht
der hohe Export, an dem man sich im Ausland stört – sondern der hohe Exportüberschuss. Hat
ein Land einen Exportüberschuss, heißt das: Es verkauft mehr Waren ins Ausland, als es aus
dem Ausland einkauft. Zum Problem wird ein solcher Exportüberschuss, wenn er immer größer
wird. Und genau das ist in Deutschland der Fall. Die Exporte übersteigen die Importe inzwischen
um 253 Milliarden Euro – womit der Überschuss der Deutschen sogar größer ist als der der
Chinesen. Angesichts dieser Dimension warnt der IWF vor einem exzessiven Ungleichgewicht
und – in der Folge – einer Instabilität des Finanzsystems.
Deutschland stehen Länder wie die USA gegenüber, die mehr Waren importieren, als sie ins
Ausland verkaufen. Dafür müssen sie sich bei den Handelspartnern verschulden. D.h. durch
unseren Exportüberschuss müssen sich andere Länder verschulden, und zwar bei uns. Wenn wir
also mehr exportieren als importieren, geben wir dem Ausland Kredit. In einem gewissen Umfang
ist das in Ordnung. Werden die Dimensionen größer, kann das zum Risiko werden – und zwar
auch für uns. Denn durch die Entwicklung besitzt Deutschland zum Beispiel viele US-
Staatsanleihen. Sollten die aufgrund einer Finanzkrise an Wert einbüßen, geht hierzulande
Vermögen verloren.
Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Wie Corona die deutsche Leistungsbilanz wieder ins Lot bringt

Was Donald Trump und EU-Kommission mit ihren mehr oder minder freundlichen
Appellen nicht geschafft haben, gelingt Corona im Handumdrehen: Der im Ausland seit
Jahren angeprangerte enorme deutsche Exportüberschuss wird nach Prognose von
Bundesbank und führenden Instituten wegen der weltweiten Rezession in diesem Jahr
kräftig sinken.

Zum ersten Mal seit 2011 dürfte daher der Überschuss in der Leistungsbilanz unter sechs
Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen – eine Marke, deren Überschreiten die EU-
Kommission langfristig für stabilitätsgefährdend hält. Es mehren sich sogar Hinweise, dass dies
dauerhaft so bleiben könnte. “Die Zeiten hoher deutscher Leistungsbilanzüberschüsse sind
wohl vorüber”, sagt der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel
Felbermayr.
Die deutsche Exportstärke und das lange Zögern der Bundesregierung, die Binnennachfrage
mit hohen Ausgaben für die Infrastruktur zu stimulieren, ärgert internationale Organisationen
seit langem. US-Präsident Trump sieht sein Land sogar von Deutschland ausgebeutet und droht
wiederholt mit Strafzöllen auf den deutschen Exportschlager schlechthin – Autos. Die EU-
Kommission sorgt sich vor allem um das Gleichgewicht in Europa: Ländern mit hohen
Überschüssen stehen solche mit großen Defiziten gegenüber, die diese mit Schulden
finanzieren müssen. Seit 2014 prangert sie dieses “makro-ökonomische Ungleichgewicht”
regelmäßig an.
Das muss die Brüsseler Behörde vorerst nicht mehr tun, glaubt man den Prognosen der
Bundesbank. Sie rechnet damit, dass der Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf unter
fünf Prozent der Wirtschaftsleistung fällt. Das wäre der niedrigste Stand seit Beginn der
Kanzlerschaft von Angela Merkel 2005 und weit weg von dem 2015 erreichten Höchststand von
8,6 Prozent. Grund: Die Exporte dürften wegen der Rezession bei wichtigen Handelspartnern
wie den USA, Frankreich und Großbritannien um 13 Prozent einbrechen. Die Importe sollen
dagegen nur um sieben Prozent fallen. Dadurch schmilzt der Exportüberschuss. Das wiederum
drückt die Leistungsbilanz, die sich vor allem aus dem Warenhandel speist und in geringerem
Maße aus dem Dienstleistungs- und Kapitalverkehr. “Mit der Erholung der Weltwirtschaft wird
der Saldo bis 2022 wieder ansteigen, ohne jedoch die Niveaus der vergangenen Jahre zu
erreichen”, sagt Bundesbank-Chefvolkswirt Jens Ulbrich. […]
Die Exportüberschüsse dürften aber auch deshalb abgetragen werden, weil Deutschland wegen
der Krise anfängt, stärker zuhause zu investieren. Davon könnten andere Länder profitieren, da
die deutschen Importe dadurch angekurbelt werden. “Wir sparen nicht gegen die Krise an,
sondern werden die nötigen Ausgaben und Investitionen finanzieren”, sagt ein Sprecher des
Bundesfinanzministeriums. Das Corona-Konjunkturpaket wird finanziert mit einer
rekordverdächtigen Kreditaufnahme von 218,5 Milliarden Euro. Staatliche Investitionen werden
deutlich erhöht, Länder und Kommunen entlastet sowie die Binnennachfrage durch
Maßnahmen wie die zeitlich begrenzte Mehrwertsteuersenkung oder 300 Euro an zusätzlichem
Kindergeld angekurbelt. “Auch wird mehr für Forschung und Entwicklung getan, was zu mehr
Investitionen der Unternehmen führen kann”, sagt OECD-Expertin Koske.
Die EU-Kommission warnt die Regierung aber vor Selbstzufriedenheit. Sie rät dazu, auch in den
kommenden Jahren vorhandene Spielräume zum Geldausgeben zu nutzen. “Daher empfiehlt
die EU-Kommission Deutschland weiterhin, seine Investitionen in den grünen und digitalen
Wandel, in Qualifikationen, Bildung, Forschung und Innovation sowie in den Wohnungsbau zu
erhöhen”, betont Nora Hesse, Senior Economic Advisor der EU-Kommission. “Das sollte zur
Verringerung des Ungleichgewichts zwischen Ersparnissen und Investitionen beitragen.”
Der renommierte Havard-Ökonom Dani Rodrik findet die finanzpolitische Reaktion
Deutschlands auf die Pandemie “beeindruckend”. “Wenn sie am Ende den
Außenhandelsüberschuss verringert, ist das eine gute Sache”, sagt er und schickt mahnende
Worte hinterher: “Deutschlands Überschuss in den vergangenen Jahren grenzt an
Merkantilismus und ist ein Schandfleck für die Weltwirtschaft.”

Quelle: www.euractiv.de; 26.06.2020


9

Ziellkonflikte im „Magischen Viereck“ bzw. „Vieleck“


Es ist also immer ein wirtschaftspolitisches Abwägen von Nöten, um die Ziele innerhalb des
„magischen Vierecks“ auf allgemeinverträgliche Weise zu realisieren und zu hohe Negativeffekte
für eines der Ziele zu verhindern.

Je nachdem, wie viele Ziele in den gesamtwirtschaftlichen Zielkatalog einbezogen sind, spricht
man vom „magischen“ Vier- oder Vieleck. Magisch deshalb, weil es schon der Kunst eines
Magiers (sprich Zauberers) bedürfte, alle Ziele gleichmäßig zu erreichen. Die Bezeichnung soll
auch zum Ausdruck bringen, dass wirtschaftspolitische Ziele nie für sich allein stehen können,
sondern in gegenseitiger Beziehung stehen, wobei folgende zwei Möglichkeiten von Beziehungen
vorliegen können:

Vereinbarkeit der Ziele (Zielharmonie): Die Verwirklichung des einen Zieles begünstigt das
andere. Beispiel: Erhöhung der Beschäftigung vergrößert das Wachstum der Volkswirtschaft.

Konkurrenz der Ziele (Zielkonflikte): Die Annäherung an ein Ziel ist mit der Entfernung von
einem anderen verbunden. Beispiel: Schutz der eigenen Landwirtschaft führt zu höheren Preisen
für landwirtschaftliche Produkte.

Beispiele für Zielkonflikte:

1. Preisniveaustabilität und Arbeitslosigkeit


Mit der sogenannten Phillips-Kurve, die den
Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit
darstellt, ist der bekannteste Zielkonflikt im magischen
Viereck gemeint.
Berühmt geworden ist er durch einen Ausspruch von
Helmut Schmidt, der meinte, dass ihm 5 % Inflation
lieber seien als 5 % Arbeitslosigkeit.
In der Tat existiert dieser Zielkonflikt in der sogenannten
kurzen Frist. Denn eine höhere Beschäftigung führt zu
höheren Preisen. Allerdings löst sich dieser Effekt
langfristig auf, da die Wirtschaftsakteure ihre
Erwartungen an die geänderten Rahmenbedingungen
anpassen. In der Geschichte der BRD hat es auch immer
wieder Phasen gegeben, in denen es gleichzeitig hohe
Inflationsraten und hohe Arbeitslosigkeit gegeben hat
(z.B. Mitte der 70er Jahre)

2. Wachstum, Preisniveaustabilität und außen-wirtschaftliches Gleichgewicht


Ein höheres Wirtschaftswachstum kann zu höheren Preisen führen, da möglicherweise die
Nachfrage größer als das Angebot ist. Und die Unternehmen ihre Kapazitäten erst anpassen
müssen. Versucht man dieses Problem durch Importe zu beheben, kann hierdurch unter
bestimmten Umständen auch das Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichtes gestört
werden. Oder ein stetiges Wachstum, dass durch einen starken Export erzielt wird, wie es häufig
in Deutschland der Fall ist, führt ebenfalls zu einer unausgeglichenen Leistungsbilanz.
Finanzierungssaldo des Staates
Der Finanzierungssaldo des Staates, welcher nicht originärer Bestandteil des magischen
Vierecks ist, jedoch einen zentralen Indikator der europäischen Stabilitätspolitik darstellt, war in
den letzten 50 Jahren überwiegend geprägt durch ein Finanzierungsdefizit der öffentlichen
Haushalte. Der im europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt festgelegte Grenzwert für das
öffentliche Defizit im Verhältnis zum BIP von 3 % wurde vor allem Anfang der 2000er-Jahre
mehrfach und zuletzt im Jahr 2010 in Folge der weltweiten Finanzmarktkrise überschritten (-
4,2 %). Im Jahr 2016 erzielte Deutschland mit einem Finanzierungssaldo von über 26 Milliarden
Euro zum dritten Mal in Folge einen Überschuss. In der deutschen Nachkriegsgeschichte gab es
eine solch positive Serie der öffentlichen Haushalte zuletzt in den Jahren 1969 bis 1971.
10

Vom „Magischen Viereck“ zum „Magischen Sechs-, Acht- bzw. Vieleck“


Das magische Viereck spiegelt die Ziele und den Kenntnisstand der Wirtschaftspolitik in den
spätem 1960er Jahren wieder. Im Laufe der Jahre haben sich die Vorstellungen darüber immer
wieder geändert wann diese Ziele erreicht sind. Zudem handelt es sich bei den Zielen des
magischen Vierecks um rein wirtschaftliche Ziele. In der sozialen Marktwirtschaft haben sich vor
allem seit den 1970er Jahren Zielvorstellungen entwickelt, die darüber hinausgehen. Vermehrt
haben Gerechtigkeitsvorstellungen und Umweltziele in den wirtschaftspolitischen
Forderungskatalog Einzug gehalten.

1. Umwelt
• Ressourcen sichern
• Umweltschutz

2. Verteilungspolitik
• gerechte Einkommens- und Vermögenverteilung
• humane Arbeitsbedingungen

Bezieht man diese Ziele mit in die Wirtschaftspolitik ein, erweitert sich das magische Viereck über
ein magisches Sechseck sogar zu einem magischen Achteck. Abhängig davon, wie sich die
Gesellschaft und ihre Wertvorstellungen weiter entwickeln, wird sich auch das
wirtschaftspolitische Zielsystem weiter anpassen.

Die Erweiterung des magischen Vierecks ist eine natürliche Folge des gewachsenen
Wohlstandsniveaus in der Bevölkerung. Allerdings war es bislang schon schwierig die
Zielkonflikte im magischen Viereck zu umgehen. Durch die Einbeziehung weiterer Ziele hat sich
auch die Anzahl der Zielkonflikte erhöht. Gerade der Schutz der Umwelt ist meist mit Kosten
verbunden, die sich negativ auf Wachstum, aber auch durch höhere Preise für Güter auf die
Nachfrage und damit letztendlich auf die Vollbeschäftigung auswirken können.

Zielbeziehungen im magischen Vier- bzw. Vieleck

Komplementäre Ziele:
Hierunter versteht man Ziele, die sich gegenseitig ergänzen. Das bedeutet, das Erreichen des
einen Zieles unterstützt ein zweites Ziel.

Konkurrierende Ziele:
Wenn zwei Ziele nicht gleichzeitig angestrebt werden können handelt es sich um konkurrierende
Ziele. Die meisten Ziele im magischen Viereck bildeten bereits konkurrierende Ziele. Durch die
Erweiterung zum Vieleck haben sich die Konflikte noch verstärkt.

Indifferente Ziele:
Hierunter versteht man Ziele, die sich gegenseitig weder positiv noch negativ beeinflussen.
Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:_________

Die Ziele des magischen Vielecks

M 1 Die wirtschaftliche Lage in Deutschland

Aufgabe:

1. Fasst mithilfe von M1 kurz die wirtschaftliche Lage in Deutschland 1966/67 zusammen
und erläutert warum dies zum Stabilitätsgesetz geführt hat.

2. Schaut euch den weiteren Verlauf der 3 Ziele an. Was stellt ihr fest?
3. Erläutert mithilfe von M2 die Zielbeziehung zwischen den folgenden
wirtschaftspolitischen Zielen:
- Hoher Beschäftigungsstand und Wirtschaftswachstum
- Wirtschaftswachstum und Umweltschutz

M 2 Die Zielbeziehungen – Wie hängen die Ziele miteinander zusammen?

M3 Das magische Vieleck interaktiv

In der interaktiven Anwendung sollt ihr nun die wirtschaftliche Lage eines
Landes verbessern. Dazu sollen möglichst alle dort angegebenen
wirtschaftspolitischen Ziele vollumfänglich erfüllt werden. Um das zu
erreichen, wählt ihr aus einem Katalog maximal zehn wirtschaftspolitische
Maßnahmen aus, mit denen ihr die Probleme eindämmen wollen. vor Was wird
passieren?

Aufgabe:

4. a) Spielt die interaktive Anwendung M3 gemäß der Anleitung. Tauscht euch nach
Beendigung des Spiels über eure Beobachtungen aus. Spielt ggf. noch einmal.
b) Erläutert abschließend, warum die Ziele des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes
bzw. die wirtschaftspolitischen Ziele der Bundesrepublik Deutschland als „magisches
Vier- bzw. Vieleck“ bezeichnet werden.
Wirtschaftspolitik Sowi Lk Q1 Datum:

Wirtschaftspolitik: Habeck warnt vor Dauerschäden für Wirtschaft

Die umstrittene Gasumlage wird nach der Absage von Spitzenpolitikern der Ampel-
Koalition kaum noch kommen - im Gespräch ist nun auch eine Gaspreisbremse. Doch
die dürfte den Staat viele Milliarden kosten. Und nicht nur die.
Die Bundesregierung ringt um Lösungen im Kampf gegen die Energiepreiskrise. Dabei geht
es um eine Alternative zur umstrittenen Gasumlage sowie um eine Gaspreisbremse.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach sich außerdem für umfangreiche finanzielle
staatliche Hilfen für Unternehmen aus.
„Teils ist es erst ein Schwelbrand, teils brennt schon die Hütte. In jedem Fall ist die
Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft in Gefahr, es drohen Dauerschäden“, sagte Habeck der
Deutschen Presse-Agentur.
Innerhalb der Bundesregierung liefen am Dienstag Verhandlungen, als möglich galt eine
Einigung über ein Paket bis zur Kabinettssitzung am Mittwoch. Eigentlich sollte das Kabinett
am Mittwoch Änderungen an der Gasumlage auf den Weg bringen, die „Trittbrettfahrer“
ausschließen - also profitable Firmen, die gar keine Unterstützung brauchen.
Zuletzt waren immer mehr Spitzenpolitiker der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP
von der Gasumlage abgerückt, Hintergrund ist auch die geplante Verstaatlichung des
Gasimporteurs Uniper. Die Umlage soll eigentlich Anfang Oktober in Kraft treten und würde
deutliche Preiserhöhungen für alle Gaskunden bedeuten.
Wegen ausbleibender russischer Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 müssen
Importeure wie Uniper zu stark erhöhten Preisen Ersatz beschaffen, können diese aber bislang
nicht an die Kunden weitergeben. Dies soll eigentlich über die Umlage geschehen. Es geht um
Milliardensummen.
Habeck sagte der dpa, die Umlage erfülle den Zweck, den Gasmarkt und damit die Versorgung
zu stabilisieren. „Diese Notwendigkeit besteht weiter, denn Uniper und Co müssen ja weiter
Ersatzgas kaufen.“ Der Umlagen-Zweck der Stabilisierung lasse sich auch erreichen, indem
den Unternehmen der nötige Kapitalbedarf aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung gestellt
werde. „Das würde die Aufgabe erfüllen und wäre die beste Lösung, gerade vor dem
Hintergrund der anstehenden Verstaatlichung von Uniper.“ Eine Alternative zur Umlage sei
nötig. „Sie ist kein Hexenwerk, wenn es Bereitschaft gibt, die Finanzkraft dafür aufzuwenden.“
Dies zielt vor allem auf Finanzminister Christian Lindner. Der FDP-Chef pocht bei Maßnahmen
der Bundesregierung gegen die galoppierenden Energiepreise auf die Einhaltung der
Schuldenbremse im kommenden Jahr. Von den finanzpolitischen Instrumenten habe er „eine
ganz präzise Vorstellung“, wolle diese aber innerhalb der Bundesregierung besprechen, hatte
er gesagt. „Das Ziel heißt Schuldenbremse für den Bundeshaushalt und eine
Gaspreisbremse.“
Die Schuldenbremse war wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden. Sie erlaubt dem
Bund nur in geringem Maße, neue Kredite aufzunehmen.
Neben der Zukunft der Gasumlage geht es in der Regierung auch um eine Gaspreisbremse.
Verbraucher könnten eine bestimmte Menge Gas zu einem gedeckelten Preis bekommen.
Auch das würde aber viel Geld kosten. Die Gaspreise sind in der Folge des russischen
Angriffskriegs gegen die Ukraine stark gestiegen.
Auch zusätzliche Hilfen für Firmen, die wegen der stark gestiegenen Energiepreise in
Bedrängnis geraten sind, würden Milliarden kosten. Habeck sagte: „Wir müssen jetzt alle
Finanzkraft aufbringen, um die gute Substanz unserer Wirtschaft über die Krise zu bringen,
Arbeitsplätze zu sichern und die Investitions- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft zu
schützen.“ Es werde mit Hochdruck an Hilfsprogrammen gearbeitet, die wichtige
Finanzierungsfrage werde in der Regierung besprochen. „Wir dürfen hier keine Zeit verlieren.“
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen im kommenden Jahr mit einer Rezession in
Deutschland. In einer Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft heißt es: „Der
deutschen Wirtschaft stehen schwierige Zeiten bevor. Energie ist nicht nur extrem teuer,
sondern im Winterhalbjahr für Unternehmen auch nicht gesichert: In vielen Branchen ist unklar,
ob es in den kommenden Monaten genug Rohstoffe und Vorprodukte geben wird.“ Zugleich
breche die Nachfrage ein.
Habeck hatte angekündigt, staatliche Hilfsprogramme für Unternehmen erweitern zu wollen.
Zur Finanzierung hatte er ein Sondervermögen ins Spiel gebracht. Für die Bundeswehr war
ein 100 Milliarden Euro schwerer Sondertopf beschlossen worden.
Die FDP möchte eine Gaspreisbremse mit einer Ausweitung des Energieangebots verbinden,
wie FDP-Fraktionschef Christian Dürr der „Rheinischen Post“ gesagt hatte. Eine
Gaspreisbremse müsse in Kombination mit einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke
kommen. Eigentlich sollten zum Jahresende alle deutschen Atomkraftwerke vom Netz gehen.
Pläne von Habeck sehen vor, zwei Kraftwerke für den Fall von Energieengpässen noch bis
Mitte April einsatzbereit zu halten.

Quelle: Aachener Zeitung, 27.09.2022


Was waren noch mal Kurz gesagt geht's
Deeine
Dein he Ziele, Maynard? um folgendes: Die
Privatsphäre soll
Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum, stabile frei gehalten werden
Preise, ein Überschuß in der Zahlungsbilanz. von öffentlicher Ein-
mischung.

Eine Volkswirtschaft
unter Regierungs-
kontrolle also?amE Darf man sich nach
Wie nett!iv Jai foa Ihren Zielen erkundigen,
meine Herren?

ey
a

Ökonomen pokern um Erleuchtung: Während Milton Friedman (links) nach Freiraum für den einzelnen ruft, wirbt John Maynard Keynes (rechts) für sein
magisches Viereck – wobei es Friedrich A. von Hayek (Mitte) graust. Illustration aus „Kapitalismus für Anfänger“ (Robert Leckachman/Boris van La
Keynes vs .

Hayek
sich selbst
Grund Nachfrage schwankungen Markt reguliert
-
-
-

werden ,

annahmen Auslöser von Krisen muss freigesetzt


Staat soll nicht ein
→ Staat muss
eingreifen →
-

und
antizyklisch greifen
gegensteuern →
Langfristig schaden
und
Staate
-

Marktkräfte allein reichen Eingriffe


.

provozieren Krisen
nicht aus
Markt reguliert sich nicht Sparen statt Geld
-

selbst ausgeben
dafür verantwortlich

sparen
um
private &
→ Investitionen
,
:
unternahm
dhi-api-biuhrration.eu
.

leisten verhindert
verhalten / Elementen im Fehlinvestitionen
Wirtschafts geschehen ( planvolles Handeln)
Nachfrage erhöhen im Markt setzt sich
-
-

durch den Staat nur durch was ,

durch definite open ding produktiv ist [ was


cschuldeniFe.am
anzukurbeln , 2 Ansätze :
.
nachgefragt wird )

tikal ( Haushalt > Einnahmen
-

Gleichgewicht von

und Ausgaben ) Sparen


und Geldmenge
monetär ( Zinssatz)
Geldmenge

→ monetär der Wirtschaft


angepasste Geldpolitik
keineantizykl .
Markt fokussierung
können
-

Fehlinvestitionen
Kritik
-

berücksichtigt nicht
Markt schaden ( Einflüsse die animal spirit
durch Lobbyismus ) ( Mensch Beziehungen)
Theorie basiert
.

auf
Erkenntnis der Welt _
-

Folgen der Rezession


Wirtschaftskrise ( Abschwung tendenzen)
→ Staats
eingvitte Zum
wirken
ungehemmt
2.
Weltkrieg geführt → z.B . hohe / Arbeits
Dig -

falsche Nachfrage : weit


Quantität statt Keynes sagt : in the
-

Qualität > alles


kurbelt
Wirtschaft an long men we are au
"
dead
-
Kredite ( definite
spending ) führt zu →
Auswirkungen
wie
der Krise
Verschuldung
den Markt Arbeitslosigkeit
Eingriffe in ,
Konkurse etc
-

können Menschen Reaktion


,
.

sind langfristig
.

nicht vorherbestimmen
schmerzhaft
=
auch
Geldpolitik →
sparen und fehlende
[
Geldmengen ausweitung) Investitionen
führt zu
Problemen verlängern die
→ Inflation Krise
verstärkt Krise
sparen
-
1

Wirtschaftspolitik Sowi Lk Q1 Datum:

Angebots- und nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik und -theorie

Merke: Wirtschaftstheorie ≠ Wirtschaftspolitik


Wirtschaftstheorien sind lediglich die theoretische Grundlage konkret angewandter
Wirtschaftspolitik.

Wirtschaftstheorien
1. Monetarismus / Angebotstheorie:

Der Begriff Monetarismus steht für eine Wirtschaftstheorie, nach der die Regulierung der
Geldmenge den wichtigsten Faktor zur Steuerung des Wirtschaftsablaufes darstellt.

Die Grundannahme basiert auf der Vorstellung, dass der Markt sich selbst reguliert, also eine
liberalistische Wirtschaftsordnung, es also einen freien Markt, benötigt.

Der bekannteste Vertreter ist Milton Friedman.


Der Staat soll keine Eingriffe in den Markt vornehmen. Lediglich durch die Steuerung der
Geldmenge soll Einfluss genommen werden. Wesentlicher Faktor ist also die Geldpolitik, die
von Zentralbanken gesteuert wird, die unabhängig sind, d.h. sie sind nicht weisungsgebunden an
den Staat. Die Europäische Zentralbank z.B. steuert die Geldmenge des Euro über den Zinssatz.
Ein hoher Zinssatz erhöht die Sparneigung, d.h. die Geldmenge wird reduziert, ein niedriger
Zinssatz erhöht Investitionen und Konsum, d.h. die Geldmenge auf dem Markt wird erhöht.
Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, z.B. antizyklische Maßnahmen der Wirtschaftspolitik zur
Steuerung der Konjunktur, wie vom Keynesianismus gefordert, lehnen die Monetaristen
grundsätzlich ab. Maßnahmen der antizyklischen Konjunkturpolitik wie Investitionszulagen im
Abschwung oder Steuererhöhungen im Aufschwung würden die konjunkturellen Schwankungen
weiter verstärken und wirken demnach nicht stabilisierend auf die Konjunktur.

➢ daraus hat sich die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik entwickelt

2. Fiskalismus / Keynesianismus / Nachfragetheorie:

Der Fiskalismus / Keynesianismus ist die in den 1930er Jahren von John Maynard Keynes
aufgestellte und von seinen Anhängern weiterentwickelte Wirtschaftstheorie.

Die Grundannahme der Theorie beruhte auf Keynes Beobachtungen zu der 1. Weltwirtschaftskrise
in den 1920er Jahren. Damals führte die wachsende Arbeitslosigkeit wiederum zu sinkender
Nachfrage und damit zu einem weiteren Abschwung. Keynes kam zu dem Schluss, dass der Markt
tendenziell instabil ist und sich nicht selbst reguliert.

Da wegen der fehlenden Nachfrage Unternehmen immer mehr Arbeitsplätze abbauten forderte
Keynes der Staat solle in der Rezession als Ersatznachfrager auftreten.
Dazu solle er sich wenn nötig auch verschulden (deficite spending). In Boomzeiten könne die
Verschuldung dann durch höhere Einnahmen wieder zurückgeführt werden. Dieses Vorgehen
nennt man antizyklische Steuerung. Wesentlicher Faktor ist also die Finanzpolitik=
Fiskalpolitik, d.h. die Einnahmen und Ausgaben des Staates.
In einem Abschwung soll der Staat konjunkturbelebend (mehr Ausgaben auch durch deficite
spending) eingreifen, in einem Boom hingegen konjunkturdämpfend (durch weniger Ausgaben und
höhere Steuern).

➢ daraus hat sich die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik entwickelt


2

Wirtschaftspolitik Sowi Lk Q1 Datum:

Wirtschaftspolitische Konzepte:

1. Angebotspolitik / Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik:


Theorien handeln
Situationsbedinkt
hier : nur wachstum
.

Die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik wurde von Wirtschaftswissenschaftlern in den 1930er-


Jahren entwickelt und in den 1970er-Jahren neu aufgegriffen. Sie basiert im Wesentlichen auf der
,

Wachstum , Wachstum
.

?
Annahme, dass Unternehmen (Anbieter) auf der Grundlage ihrer Gewinn- bzw.
Renditeerwartungen über Investitionen und damit auch über die Schaffung von Arbeitsplätzen
entscheiden. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Investitionsbedingungen. Durch den
Anreiz für die Unternehmen zu investieren soll ein angemessenes Wachstum und dadurch ein
hoher Beschäftigungsstand erreicht werden. Durch die Förderung von Unternehmen, soll so die
Angebotsseite und damit dann indirekt die Nachfrageseite der privaten Haushalte gestärkt werden.

Wirtschaftspolitische Bereiche / Maßnahmen:

Erreicht werden sollen diese Ziele durch

Die angebotsorientierte Fiskalpolitik unterstützt im Gegensatz zur oben beschriebenen


nachfrageorientierten Fiskalpolitik die Angebotsseite, also die Unternehmer. Diese wird aus diesem
Grunde auch als Unternehmerpolitik bezeichnet. Im Mittelpunkt der angebotsorientierten
Fiskalpolitik steht die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen für Unternehmen bei gleichzeitiger
Kontorolle des Schuldenstandes des Staates.

• Senkung der Unternehmenssteuern


• Senkung der Sozialabgaben ( teilt sich Arbeitnehmer & Arbeitgeber > Lohn hebe kosten)
• Abschreibungserleichterungen und großzügige Abschreibungsregelungen ( weniger Steuern mehr Gewinne)
,

• Lockerung des Kündigungsschutzes


• Bürokratieabbau und Deregulierung (d.h. möglichst große Entscheidungsfreiheit und wenig
bürokratische Hürden für Unternehmen) ( Abbau von Auflagen)
• Flexibilisierung, d.h. z.B. Verringerung von Kündigungsschutz etc., um flexibel auf den Markt
mit z.B. Entlassungen reagieren zu können
• die Verringerung der Produktionskosten, insbesondere der Lohnnebenkosten
• die Verringerung der Sozialleistungen auf ein notwendiges Mindestmaß
• ein einfaches Steuersystem mit niedrigen Steuersätzen ( für Unternehmen )
• den Abbau der Staatsverschuldung (Sparen)
• Sicherung des Wettbewerbes, Abbau von Subventionen (Subventionen nur wenn nötig)
• Privatisierung öffentlicher Unternehmen (der Staat soll sich aus der Wirtschaft raushalten)
(z.B Post Telekom Bahn)
.
, ,
e
Ein weiteres Element ist die Geldpolitik. Di Geldpolitik der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik
wird als potenzialorientierte Geldpolitik (=Orientierung der Geldmengenentwicklung am
Wirtschaftspotenzial, d.h. bei steigender Wirtschaftsleistung die Geldmenge zu erhöhen und
umgekehrt) verstanden. prozyklisch

➢ Durch die Fokussierung der Angebotspolitik auf betriebswirtschaftliche Interessen


wird als mikroökonomischer Ansatz bezeichnet.
3

2. Nachfragepolitik / Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik

Die Nachfragepolitik (oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik) versucht die Nachfrage zu


steuern und dadurch die Konjunktur zu beeinflussen.

Der Staat versucht Konjunkturschwankungen auszugleichen, um die in Deutschland im


Stabilitätsgesetz von 1967 festgelegten Ziele zu erreichen. Dafür bedient er sich fiskalpolitischer
Instrumente (Fiskalpolitik = Finanzpolitik) und geldpolitischer Instrumente (siehe
Geldpolitik). Der Staat soll also antizyklisch auf den Markt reagieren, d.h. im Aufschwung sparen
und in der Rezession die Nachfrage ankurbeln (die Nachfrage der privaten Haushalte, aber auch
die des Staates).

Wirtschaftspolitische Bereiche / Maßnahmen:

Fiskalpolitik ist ein wirtschaftspolitisches Instrument des Staates. Sie ist ein Teilbereich der
Finanzpolitik und wird oft fälschlicherweise mit dieser gleichgesetzt. Fiskalpolitik ist des Weiteren
ein wichtiges Element der Konjunkturpolitik. Sie beabsichtigt mittels der Beeinflussung von Steuern
und Staatsausgaben die konjunkturellen Schwankungen auszugleichen und damit ein stabiles
wirtschaftliches Wachstum zu erhalten, wobei auch ein hoher Beschäftigungsstand und eine
gleichmäßig geringe Inflation Ziel sind.

Nachfrageorientierte Fiskalpolitik

Expansive (nachfragesteigernde) fiskalpolitische Instrumente in der Rezession sind z.B.


• Senkung von Steuersätzen Staatsausgaben ausweiten
• Gewährung von Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen
• Investitionszulagen und Subventionen
• Vergabe von öffentlichen Aufträgen (der Staat als Nachfrager)
• Ausbau von Sozialleistungen (um private Haushalte zu stützen)
• Förderung von Beschäftigungsprogrammen (um möglichst viele in Beschäftigung zu
bringen)

Restriktive (nachfragesenkende) fiskalpolitische Instrumente im Boom sind z.B.


• Erhöhung von Steuersätzen Staatsausgaben Zurückführen
• Abbau von Abschreibungsmöglichkeiten
• Subventionsabbau
• Verringerung öffentlicher Aufträge
• Abbau von Sozialleistungen

Gleichzeitig soll die nachfrageorientierte Geldpolitik flankierend eingesetzt werden. Kredite mit
niedrigen Zinsen sollten angeboten werden, um die Investitionsneigung und private Nachfrage
zu steigern (easy money policy). Keynes hält jedoch das Eingreifen der Zentralbanken (durch die
Geldpolitik) für ungeeignet. Die Geldpolitik, wie das Verändern des Leitzinses würde nach Keynes
Ansicht erst mit einer zu großen Verzögerungszeit wirken.

➢ Die Nachfragepolitik fördert also sowohl die Unternehmen, als auch die privaten
Haushalte (hat also die Gesamtwirtschaft im Blick) und wird daher auch als
makroökonomischer Ansatz verstanden.

• BEACHTE: Wie du siehst bedient sich die angewandte Wirtschaftspolitik in der Regel sowohl
geldpolitischer als auch finanzpolitischer Instrumente. Geldpolitische Instrumente zu
verwenden bedeutet nicht immer angebotsorientiert zu sein und umgekehrt finanzpolitische
Instrumente zu verwenden nicht immer nachfrageorientiert zu sein!
• Als Geldpolitik (auch Geldmarktpolitik) bezeichnet man zusammenfassend alle
wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die die Zentralbank ergreift, um ihre Ziele zu
verwirklichen. In der EU wird die Geldpolitik von der Europäischen Zentralbank
wahrgenommen. Im engeren Sinn bezeichnet man eine Verknappung der Geldmenge als
kontraktive/restriktive Geldpolitik und eine Ausdehnung der Geldmenge als expansive
Geldpolitik.
4

Wirtschaftspolitik Sowi Lk Q1 Datum:

Kritik an Wirtschaftspolitik

Kritik Angebotspolitik

- Förderung der Angebotsseite führt nicht automatisch zu mehr Beschäftigung,


mehr Lohn und damit mehr Nachfrage
Gründe:
• Gewinnmaximierung (auch aufgrund Aktionärsinteressen, hoher Boni für
Manager oder Interessen von Investoren (Hedgefonds), hohes Risiko bei
hoher Rendite „Heuschrecken“-Debatte)
• Kostensenkung (auch aufgrund von Konkurrenz, Standortdruck etc.)
• zunehmende Automatisierung
- die Liquiditätsfalle führt trotz expanisver Gedlpolitik nicht dazu, dass mehr
Geld in die Wirtschaft fließt (siehe Kasten unten)

Kritik Nachfragepolitik

- hohe Staatsverschuldung, die in Boomzeiten nicht zurückgeführt wird, da


Steuererhöhungen politisch nicht opportun sind
- time lags, d.h. Probleme der Zeitverzögerung zwischen Ergreifen und Wirken
von Maßnahmen:

➢ information lag Informationsverzögerung: Beschreibt die Verzögerung, bis alle


Zusammenhänge am Markt wahrgenommen werden
➢ recognition lag Erkennungsverzögerung: beschreibt die Verzögerung, die zwischen
Informations-Wahrnehmung bis zur Reaktion auf die Störung entsteht
➢ decision lag Entscheidungsverzögerung: beschreibt die Verzögerung, die durch
Entscheidungs- und Abstimmungszeit bei der Wahl geeigneter Maßnahmen
entstehen
➢ operational lag Wirkungsverzögerung: beschreibt die Verzögerung bis die
ergriffenen Maßnahmen wirken

- Crowding-out-Effekt (deutsch: Verdrängungseffekt) bezeichnet in der


Volkswirtschaftslehre die Verdrängung privater Nachfrage durch staatliche
Nachfrage

Liquiditätsfalle (Liquidity Trap) nach J. M. keynes


ÄH

Sie beschreibt einen Bereich einer unendlichen Zinselastizität der Geldnachfrage gemäß
einer Theorie von Keynes. Kein Wirtschaftssubjekt erwartet bei einem herrschenden
niedrigen Zinssatz eine positive Rendite auf Wertpapierhaltung. Wer bei diesem Zinssatz
Wertpapiere hat, kann sie nicht ohne Kursverluste verkaufen; wer Geld hält kauft aus Angst
vor Kapitalverlusten keine Wertpapiere. Kauft die Zentralbank Wertpapiere im Rahmen
einer expansiven Geldpolitik erhält sie zum herrschenden Zinssatz/Kurs jede gewünschte
Menge. Die Wirtschaftssubjekte halten das zusätzliche Zentralbankgeld (es fällt in die
Liquiditätsfalle) in ihrem Vermögen; sie strukturieren ihre Vermögenshaltung dann soweit
wie möglich zugunsten der Geldhaltung (vollkommene Liquiditätspräferenz) um. Die
Geldmengenexpansion führt zu keiner Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität
(Investition etc.).
Was ist die
richtige Wirtschaftspolitik ?
beide Ansätze und
nachfrage die angebots
-
-
-

orientierte Wirtschaftspolitik haben Vorteile und


Nachteile bzw .
Chancen und Risiken
-
die Maßnahmen müssen & werden
situationsbedingt ausgewählt werden
-
die Angebots politik unterstützt vor allem
die Unternehmen → Fokus auf Wirtschaftswachstum
Fokus auf
-
die Nachfragepolitik setzt den

Nachfrage und damit auch auf private Haushalte


eher sozialen im Fokus
→ hat damit Ausgleich
[ mag Sechseck )
.

steht die inwieweit der


> über Allem Frage ,

in den Markt eingreifen sollte muss kann


Staat , ,

( Verankerung im 66 ,
Stabilitätsgesetz ,
.
)
mag 4-16 Eck
-

< >
statt
Freiheit peregulation Regulierend
sparen Schulden/Staatsausgaben
Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten

I. Coronakrise: Arbeitszeitverkürzung ist für die Autoindustrie ein Modell


mit Tücken

Als die Coronakrise Mitte März über die Autoindustrie hereinbrach und die gesamte Produktion
zum Erliegen brachte, herrschte blanke Not. Lieferketten zerfielen über Nacht, Angebot und
Nachfrage lösten sich in Luft auf. Schlagartig hatten die Unternehmen zu wenig Arbeit für zu viele
Beschäftigte. Fast zeitgleich beantragten BMW, Daimler und VW sowie Bosch, Continental und
viele andere Zulieferer – wie schon während der Finanzkrise 2008/2009 – bei der Bundesagentur
für Arbeit (BA) Kurzarbeitergeld.
Es war genau das richtige Mittel für den ersten heftigen Corona-Schock. Die Unternehmen konnten
sich Zeit verschaffen, die Lage analysieren und abwarten, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.
Die Lage wurde nun ausgiebig analysiert – und das Ergebnis ist niederschmetternd. Eine kollektive
Senkung der Arbeitszeit ist kaum zu vermeiden, aber die hat ihre Tücken.
Corona ist keine Finanzkrise, es ist ein Virus, das sich nicht um arbeitsmarktpolitische Instrumente
oder Unternehmensstrategien schert. Die Pandemie wird langfristige Folgen für die Industrie
haben, sowohl finanzielle als auch strukturelle. Die Autobranche erwacht aus dem
Kurzarbeitskoma und muss nun die Folgeschäden beheben – und das wird Jahre in Anspruch
nehmen.
Klar ist: Mit Kurzarbeit lässt sich ein so langer Zeitraum nicht überbrücken. […] Genau das ist das
Problem der Kurzarbeit. Sie verhindert Strukturmaßnahmen. Die Kurzarbeit sichert den Status quo
so lange, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird.
Auch andere „herkömmliche“ Krisenwerkzeuge wie die Altersteilzeit bringen in einer akuten Krise
nicht viel, da sie nur langfristig eine Wirkung entwickeln. Der Vorruhestand ist ebenfalls kein
Corona-Schmerzmittel, da er erst die Bilanz eines Unternehmens belastet, bevor er seine positive
Wirkung entfaltet.
Die Manager der Autoindustrie müssen tiefer in den Werkzeugkasten greifen. Doch was sie dort
finden, ist weder bei den Unternehmen noch bei den Arbeitnehmern wirklich beliebt: die kollektive
Absenkung der Arbeitszeit.
Continental-Personalvorständin Ariane Reinhart wagte Ende Juni den Vorstoß. Ihr schwebt eine
Absenkung der Arbeitszeit in Bereichen vor, in denen weniger Arbeit vorliegt. Neu ist die Idee nicht.
Bereits 1993 hatte VWs damaliger Personalvorstand Peter Hartz mit der IG Metall eine
Arbeitszeitabsenkung ausgehandelt. Auf diese Weise wurden 20.000 Arbeitsplätze gerettet. Seit
1994 ist die Beschäftigungssicherung mithilfe der Absenkung der Arbeitszeit gemäß der
sogenannten „TV Besch“ bei der IG Metall tariflich geregelt.
Es gibt bei Conti allerdings zwei entscheidende Unterschiede zum Hartz-Modell: Während die VW-
Mitarbeiter damals eine Jobgarantie bekamen, sieht sich der Autozulieferer dazu außerstande.
Außerdem schwebt Conti eine Aufstockung der Löhne niedrigerer Tarifgruppen durch die BA vor.
In der Branche wird das Thema heiß diskutiert. Die Gewerkschaften prüfen, wo ihre
Schmerzgrenzen liegen, die Autobauer und Zulieferer kalkulieren, welches Sparpotenzial sie
heben können. Die BA wiederum könnte die Kurzarbeiterkassen schonen und trotzdem Arbeit statt
Arbeitslosigkeit finanzieren. […]
Die Bundesregierung jedoch könnte Kapital aus dem „Conti-Modell“ schlagen und sich bei den
Gewerkschaften und den Arbeitern in der Autoindustrie wieder beliebter machen, nachdem sie eine
Kaufprämie abgelehnt hatte. Gegenüber der „Welt“ sagte Niedersachsens Ministerpräsident
Stephan Weil (SPD) – gleichzeitig auch Aufsichtsratsmitglied bei VW –, dass eine Vier-Tage-
Woche, ergänzt durch eine BA-Unterstützung, Arbeitslosigkeit vermeiden könnte. Doch das
Problem ist, dass eine kollektive Absenkung der Arbeitszeit, die branchenübergreifend Schule
macht, nicht nur die Tarifverträge bis an die Grenzen strapaziert; das Instrument, breit angewandt,
ist volkswirtschaftlich nicht ganz ungefährlich.
Denn wenn nach der Autoindustrie zum Beispiel auch der ebenfalls Corona-geschwächte
Maschinenbau die Arbeitszeit absenkt, könnten Millionen Arbeitnehmer über Jahre hinweg deutlich
weniger verdienen – und die werden dann ganz sicher keine teuren Konsumgüter, wie zum Beispiel
Autos, kaufen. Für das künftige Wirtschaftswachstum sind das keine guten Nachrichten.
Doch am Ende wissen alle Seiten, dass die Alternative noch desaströser wäre: Denn wenn sich
Gewerkschaften, Politik und Unternehmen nicht auf ein Modell zur Arbeitszeitabsenkung einigen,
drohen Massenentlassungen.

Quelle: www.handelsblatt.de; 16.07.2020


Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten
II. Coronakrise: Diesmal müssen die Reichen zahlen

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr bei einer noch optimistischen Sicht um rund zehn
Prozent einbrechen. Es kann auch schlimmer kommen. Jetzt werden dringend notwendige
staatliche Hilfsprogramme aufgelegt. Das ist absolut richtig. Die dabei bisher von der Regierung
zugesagten Hilfen werden aber nicht ausreichen.
Nicht noch einmal, wie bei der 2007 ausgebrochenen weltweiten Immobilien-, Finanz- und
Wirtschaftskrise, dürfen aber infolge der Coronavirus-Pandemie die Krisenlasten auf das „Konto“
Staatsverschuldung verbucht werden. Damals wurden die Regierungen und Notenbanken weltweit
zu heuchlerischen Keynes-Anhängern, die zuvor noch als Marktradikale den Staat quasi
abschaffen wollten. Die Notenbanken pumpten Geld zum Preis null in den Wirtschaftskreislauf und
die Regierungen legten kreditfinanzierte Konjunkturprogramme von zuvor noch nie erreichten
Größenordnungen auf. Die staatlichen Verschuldungskonten schossen daraufhin in die Höhe. In
Deutschland auf über 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Schon kurz nach der überwundenen Krise, etwa ab 2010, wollten aber die Neoliberalen von Keynes
und seinem „Defizit Spending“ nichts mehr wissen. Es kam zu einer gespaltenen Wirtschaftspolitik.
Die Europäische Zentralbank fuhr zwar weiter eine expansive Geldpolitik und rettete damit den
Euro, während eine unbelehrbare, durch und durch neoliberale Politikerelite wie schon vor der
Krise auf einen brutalen Austeritätskurs, auf eine restriktive Finanzpolitik setzte. Zum Abbau der
Staatsverschuldung […] wurden letztlich die herangezogen, die nichts hatten. Mehr Widerspruch
geht nicht. Renten wurden beschnitten, Sozial- und Gesundheitshaushalte gekürzt. […] Die
öffentliche Infrastruktur verfiel und nicht zuletzt wurde die Umwelt weiter mit Füßen getreten.
Aber, so die Botschaft der neoliberalen Adepten, die Staatsverschuldung müsse schließlich durch
die Armen und Machtlosen in der Gesellschaft abgebaut werden. In einem neoliberalen Wahn
wurde eine Schuldenbremse ins Grundgesetz geschrieben und schließlich die schwarze Null im
Staatshaushalt zum Mantra erklärt. Ergebnis: Von 2012 bis 2019 kam es in Deutschland zu einem
staatlichen Finanzierungsüberschuss von rund 233 Milliarden Euro. Gleichzeitig ist der Reichtum
weiter kräftig gestiegen, aber die Armutsquote auch.
Dies alles darf nicht wiederholt werden! Es wird aber wiederholt, wenn die unvermeidliche
Krisenlast wieder auf das Konto Staatsverschuldung gebucht wird. Am Ende wird uns für die
notwendig ausgereichten Hilfen die Rechnung präsentiert werden. Es ist unglaublich, wie naiv mit
dieser, nach der Krise zu finanzierenden großen Last bisher umgegangen wird.
Man hat den Eindruck, die Menschen und selbst Ökonomen glauben, das Geld fällt vom Himmel.
Hinter Geld steht jedoch immer Arbeit, die wegen der Corona-Pandemie nicht geleistet und auch
später kaum noch zur Bezahlung der Krisenrechnung nachgeholt werden kann.
Trotzdem gibt es in der Ökonomie einen Ausweg – in Form von in Geld gespeicherter Arbeit aus
der Vergangenheit auf den Sparkonten. Diese sind in Deutschland prall gefüllt. Allein das
Nettogeldvermögen der privaten Haushalte, ohne Immobilien- und Sachvermögen, lag im ersten
Quartal 2019 bei etwa 4,4 Milliarden Euro. […] Das Geldvermögen halten jedoch hochkonzentriert
nur wenige.
Angela Merkel hat recht. Wir brauchen jetzt eine gesellschaftliche Corona-Solidarität. Im
Gegensatz zur Kanzlerin, die nicht mit einem Wort sagt, was sie darunter versteht, sage ich: Die
reichen privaten Haushalte werden sich in dieser Krise für ihre „räuberische Ersparnis“ (Keynes),
und damit der zumeist getätigten Aneignung von Arbeit anderer, solidarisch verhalten müssen.
Dazu muss die neoliberale Politikerelite, selbst wenn sie dabei ins Würgen kommt, sofort eine
dreijährige Vermögensabgabe in Höhe von zehn Prozent auf das Nettogeldvermögen der
Deutschen […] erheben. Der Staat könnte dann etwa über die drei Jahre mit Einnahmen von rund
einer Billion Euro rechnen. Diese Billion ist bitter notwendig. Nicht nur zur Bekämpfung der Corona-
Pandemie, sondern auch zur Gestaltung eines sozial-ökologischen Umbaus der deutschen
Volkswirtschaft.

Quelle: www.fr.de, 23.03.2020


Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten

III. Eine übermäßig stimulierende Finanzpolitik ist eine Gefahr für


die Inflationsbekämpfung
Die anhaltende Inflation, steigende Zinsen und die Rezessionsgefahr lasten auf den
Konjunkturprognosen. In Europa ist das Gespenst der Stagflation wieder aufgetaucht, da die
steigenden Preise für Öl, Gas und Lebensmittel die Inflation weiter anheizen und gleichzeitig die
wirtschaftliche Dynamik erlahmen lassen. Die Zentralbanken stehen vor einem Balanceakt, da sie
die Leitzinsen anheben müssen, um die Inflation einzudämmen. Derzeit scheint die Geldpolitik auf
dem richtigen Weg.
Dennoch schlagen Analysten zunehmend Stagflationsalarm, der an die Ölkrise in den 1970er-
Jahren erinnert. Die Gefahr, dass es dauerhaft zu einer Kombination aus hoher Inflation und
stagnierender Wirtschaft kommt, sollte jedoch nicht übertrieben werden. Die Arbeitslosigkeit ist
weltweit immer noch relativ niedrig, und die Arbeitsmärkte zeigen sich robust.
In Europa, wo sich das Lohnwachstum nicht beschleunigt hat, ist die Gefahr einer
inflationären Lohn-Preis-Spirale begrenzt. In den USA mit ihrer stärker dezentralisierten
Lohnbildung sieht die Sache anders aus – dort sind die Löhne stark gestiegen.
Wir haben aus den 1970er-Jahren die Lehre gezogen, wie wichtig das Vertrauen in die Fähigkeit
der Zentralbanken ist, die Inflationsziele einzuhalten. Eine weitere Lektion ist, dass
vorübergehende Ölpreisspitzen weniger ins Gewicht fallen, als wir denken.
Aber die Auswirkungen der stark gestiegenen Gas- und Strompreise stoßen die Volkswirtschaften
in unbekannte Gewässer. Werden sie von Dauer sein, oder werden sie wie der Ölpreis
zurückgehen? Das hängt vom Angebot ab und davon, wie wirksam die Maßnahmen sind, mit
denen die Nachfrage verringert und die Nutzung alternativer Energien gefördert werden soll.
Sollten die Gaslieferungen nach Europa vollständig unterbrochen werden, könnte das extreme
Auswirkungen haben. Staatliche Hilfen, die Haushalte und Unternehmen vor einem sprunghaften
Anstieg der Gas- und Strompreise schützen sollen, können zwar die Preise auf Haushaltsebene
kurzfristig drücken.
Aber wegen der durch die Hilfen erhöhten Kaufkraft könnten die Gelder langfristig den
Inflationsdruck verstärken. So entsteht die Gefahr einer Preis-Stimulus-Spirale, bei der als
Reaktion auf Preiserhöhungen zusätzliche Ausgaben für Entlastungen beschlossen werden. Dies
würde die Preise weiter in die Höhe treiben und die Regierungen dazu veranlassen, noch mehr
staatliche Hilfen zu beschließen.
Eine Finanzpolitik, die vor allem auf Stimulierung der Wirtschaft setzt, kann die Wirkung von
Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation neutralisieren. In diesem Szenario gewinnt niemand,
da die Zinssätze darin nur noch weiter angehoben werden müssen. Es droht also keine Lohn-Preis-
, sondern eine Preis-Stimulus-Spirale.

Quelle: www.handelbaltt.com; 25.10.22


ommwmaggkwimjha.tk
s-Sgeodloogdi%ae.im#::a- %EF.H%EE.is?-i%EE*:E:Ei: regen
"
Nachfrage
-
oder Angebotspolitik
Po -

eine Fokussierung auf Nachfrage reicht


nicht aus "

4 → Unternehmen müssen bei Laune bleiben


C → Investitions freundliches Klima


Y schaffen

bessere Rahmenbedingungen
reicht
eine
Fokussierung auf Angebot nicht
-

M aus
\ →
auch Konsum / Nachfrage muss sichergestellt
✗ sein
Absatz finden
→ nur dann kann Angebot
und Beschäftigung sichergestellt werden
werden
> beides muss
in den Blick
genommen
kein Entweder I Oder
>
-

> sondern Synthese


der Konzepte
Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten

I. Coronakrise: Arbeitszeitverkürzung ist für die Autoindustrie ein Modell


mit Tücken

Als die Coronakrise Mitte März über die Autoindustrie hereinbrach und die gesamte Produktion
zum Erliegen brachte, herrschte blanke Not. Lieferketten zerfielen über Nacht, Angebot und
Nachfrage lösten sich in Luft auf. Schlagartig hatten die Unternehmen zu wenig Arbeit für zu viele
Beschäftigte. Fast zeitgleich beantragten BMW, Daimler und VW sowie Bosch, Continental und
viele andere Zulieferer – wie schon während der Finanzkrise 2008/2009 – bei der Bundesagentur
für Arbeit (BA) Kurzarbeitergeld.
Es war genau das richtige Mittel für den ersten heftigen Corona-Schock. Die Unternehmen konnten
sich Zeit verschaffen, die Lage analysieren und abwarten, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.
Die Lage wurde nun ausgiebig analysiert – und das Ergebnis ist niederschmetternd. Eine kollektive
Senkung der Arbeitszeit ist kaum zu vermeiden, aber die hat ihre Tücken.
Corona ist keine Finanzkrise, es ist ein Virus, das sich nicht um arbeitsmarktpolitische Instrumente
oder Unternehmensstrategien schert. Die Pandemie wird langfristige Folgen für die Industrie
haben, sowohl finanzielle als auch strukturelle. Die Autobranche erwacht aus dem
Kurzarbeitskoma und muss nun die Folgeschäden beheben – und das wird Jahre in Anspruch
nehmen.
Klar ist: Mit Kurzarbeit lässt sich ein so langer Zeitraum nicht überbrücken. […] Genau das ist das
Problem der Kurzarbeit. Sie verhindert Strukturmaßnahmen. Die Kurzarbeit sichert den Status quo
so lange, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird.
Auch andere „herkömmliche“ Krisenwerkzeuge wie die Altersteilzeit bringen in einer akuten Krise
nicht viel, da sie nur langfristig eine Wirkung entwickeln. Der Vorruhestand ist ebenfalls kein
Corona-Schmerzmittel, da er erst die Bilanz eines Unternehmens belastet, bevor er seine positive
Wirkung entfaltet.
Die Manager der Autoindustrie müssen tiefer in den Werkzeugkasten greifen. Doch was sie dort
finden, ist weder bei den Unternehmen noch bei den Arbeitnehmern wirklich beliebt: die kollektive
Absenkung der Arbeitszeit.
Continental-Personalvorständin Ariane Reinhart wagte Ende Juni den Vorstoß. Ihr schwebt eine
Absenkung der Arbeitszeit in Bereichen vor, in denen weniger Arbeit vorliegt. Neu ist die Idee nicht.
Bereits 1993 hatte VWs damaliger Personalvorstand Peter Hartz mit der IG Metall eine
Arbeitszeitabsenkung ausgehandelt. Auf diese Weise wurden 20.000 Arbeitsplätze gerettet. Seit
1994 ist die Beschäftigungssicherung mithilfe der Absenkung der Arbeitszeit gemäß der
sogenannten „TV Besch“ bei der IG Metall tariflich geregelt.
Es gibt bei Conti allerdings zwei entscheidende Unterschiede zum Hartz-Modell: Während die VW-
Mitarbeiter damals eine Jobgarantie bekamen, sieht sich der Autozulieferer dazu außerstande.
Außerdem schwebt Conti eine Aufstockung der Löhne niedrigerer Tarifgruppen durch die BA vor.
In der Branche wird das Thema heiß diskutiert. Die Gewerkschaften prüfen, wo ihre
Schmerzgrenzen liegen, die Autobauer und Zulieferer kalkulieren, welches Sparpotenzial sie
heben können. Die BA wiederum könnte die Kurzarbeiterkassen schonen und trotzdem Arbeit statt
Arbeitslosigkeit finanzieren. […]
Die Bundesregierung jedoch könnte Kapital aus dem „Conti-Modell“ schlagen und sich bei den
Gewerkschaften und den Arbeitern in der Autoindustrie wieder beliebter machen, nachdem sie eine
Kaufprämie abgelehnt hatte. Gegenüber der „Welt“ sagte Niedersachsens Ministerpräsident
Stephan Weil (SPD) – gleichzeitig auch Aufsichtsratsmitglied bei VW –, dass eine Vier-Tage-
Woche, ergänzt durch eine BA-Unterstützung, Arbeitslosigkeit vermeiden könnte. Doch das
Problem ist, dass eine kollektive Absenkung der Arbeitszeit, die branchenübergreifend Schule
macht, nicht nur die Tarifverträge bis an die Grenzen strapaziert; das Instrument, breit angewandt,
ist volkswirtschaftlich nicht ganz ungefährlich.
Denn wenn nach der Autoindustrie zum Beispiel auch der ebenfalls Corona-geschwächte
Maschinenbau die Arbeitszeit absenkt, könnten Millionen Arbeitnehmer über Jahre hinweg deutlich
weniger verdienen – und die werden dann ganz sicher keine teuren Konsumgüter, wie zum Beispiel
Autos, kaufen. Für das künftige Wirtschaftswachstum sind das keine guten Nachrichten.
Doch am Ende wissen alle Seiten, dass die Alternative noch desaströser wäre: Denn wenn sich
Gewerkschaften, Politik und Unternehmen nicht auf ein Modell zur Arbeitszeitabsenkung einigen,
drohen Massenentlassungen.

Quelle: www.handelsblatt.de; 16.07.2020


Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten
II. Coronakrise: Diesmal müssen die Reichen zahlen

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr bei einer noch optimistischen Sicht um rund zehn
Prozent einbrechen. Es kann auch schlimmer kommen. Jetzt werden dringend notwendige
staatliche Hilfsprogramme aufgelegt. Das ist absolut richtig. Die dabei bisher von der Regierung
zugesagten Hilfen werden aber nicht ausreichen.
Nicht noch einmal, wie bei der 2007 ausgebrochenen weltweiten Immobilien-, Finanz- und
Wirtschaftskrise, dürfen aber infolge der Coronavirus-Pandemie die Krisenlasten auf das „Konto“
Staatsverschuldung verbucht werden. Damals wurden die Regierungen und Notenbanken weltweit
zu heuchlerischen Keynes-Anhängern, die zuvor noch als Marktradikale den Staat quasi
abschaffen wollten. Die Notenbanken pumpten Geld zum Preis null in den Wirtschaftskreislauf und
die Regierungen legten kreditfinanzierte Konjunkturprogramme von zuvor noch nie erreichten
Größenordnungen auf. Die staatlichen Verschuldungskonten schossen daraufhin in die Höhe. In
Deutschland auf über 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Schon kurz nach der überwundenen Krise, etwa ab 2010, wollten aber die Neoliberalen von Keynes
und seinem „Defizit Spending“ nichts mehr wissen. Es kam zu einer gespaltenen Wirtschaftspolitik.
Die Europäische Zentralbank fuhr zwar weiter eine expansive Geldpolitik und rettete damit den
Euro, während eine unbelehrbare, durch und durch neoliberale Politikerelite wie schon vor der
Krise auf einen brutalen Austeritätskurs, auf eine restriktive Finanzpolitik setzte. Zum Abbau der
Staatsverschuldung […] wurden letztlich die herangezogen, die nichts hatten. Mehr Widerspruch
geht nicht. Renten wurden beschnitten, Sozial- und Gesundheitshaushalte gekürzt. […] Die
öffentliche Infrastruktur verfiel und nicht zuletzt wurde die Umwelt weiter mit Füßen getreten.
Aber, so die Botschaft der neoliberalen Adepten, die Staatsverschuldung müsse schließlich durch
die Armen und Machtlosen in der Gesellschaft abgebaut werden. In einem neoliberalen Wahn
wurde eine Schuldenbremse ins Grundgesetz geschrieben und schließlich die schwarze Null im
Staatshaushalt zum Mantra erklärt. Ergebnis: Von 2012 bis 2019 kam es in Deutschland zu einem
staatlichen Finanzierungsüberschuss von rund 233 Milliarden Euro. Gleichzeitig ist der Reichtum
weiter kräftig gestiegen, aber die Armutsquote auch.
Dies alles darf nicht wiederholt werden! Es wird aber wiederholt, wenn die unvermeidliche
Krisenlast wieder auf das Konto Staatsverschuldung gebucht wird. Am Ende wird uns für die
notwendig ausgereichten Hilfen die Rechnung präsentiert werden. Es ist unglaublich, wie naiv mit
dieser, nach der Krise zu finanzierenden großen Last bisher umgegangen wird.
Man hat den Eindruck, die Menschen und selbst Ökonomen glauben, das Geld fällt vom Himmel.
Hinter Geld steht jedoch immer Arbeit, die wegen der Corona-Pandemie nicht geleistet und auch
später kaum noch zur Bezahlung der Krisenrechnung nachgeholt werden kann.
Trotzdem gibt es in der Ökonomie einen Ausweg – in Form von in Geld gespeicherter Arbeit aus
der Vergangenheit auf den Sparkonten. Diese sind in Deutschland prall gefüllt. Allein das
Nettogeldvermögen der privaten Haushalte, ohne Immobilien- und Sachvermögen, lag im ersten
Quartal 2019 bei etwa 4,4 Milliarden Euro. […] Das Geldvermögen halten jedoch hochkonzentriert
nur wenige.
Angela Merkel hat recht. Wir brauchen jetzt eine gesellschaftliche Corona-Solidarität. Im
Gegensatz zur Kanzlerin, die nicht mit einem Wort sagt, was sie darunter versteht, sage ich: Die
reichen privaten Haushalte werden sich in dieser Krise für ihre „räuberische Ersparnis“ (Keynes),
und damit der zumeist getätigten Aneignung von Arbeit anderer, solidarisch verhalten müssen.
Dazu muss die neoliberale Politikerelite, selbst wenn sie dabei ins Würgen kommt, sofort eine
dreijährige Vermögensabgabe in Höhe von zehn Prozent auf das Nettogeldvermögen der
Deutschen […] erheben. Der Staat könnte dann etwa über die drei Jahre mit Einnahmen von rund
einer Billion Euro rechnen. Diese Billion ist bitter notwendig. Nicht nur zur Bekämpfung der Corona-
Pandemie, sondern auch zur Gestaltung eines sozial-ökologischen Umbaus der deutschen
Volkswirtschaft.

Quelle: www.fr.de, 23.03.2020


Wirtschaftspolitik Sowi LK Q1 Datum:

Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten

III. Eine übermäßig stimulierende Finanzpolitik ist eine Gefahr für


die Inflationsbekämpfung
Die anhaltende Inflation, steigende Zinsen und die Rezessionsgefahr lasten auf den
Konjunkturprognosen. In Europa ist das Gespenst der Stagflation wieder aufgetaucht, da die
steigenden Preise für Öl, Gas und Lebensmittel die Inflation weiter anheizen und gleichzeitig die
wirtschaftliche Dynamik erlahmen lassen. Die Zentralbanken stehen vor einem Balanceakt, da sie
die Leitzinsen anheben müssen, um die Inflation einzudämmen. Derzeit scheint die Geldpolitik auf
dem richtigen Weg.
Dennoch schlagen Analysten zunehmend Stagflationsalarm, der an die Ölkrise in den 1970er-
Jahren erinnert. Die Gefahr, dass es dauerhaft zu einer Kombination aus hoher Inflation und
stagnierender Wirtschaft kommt, sollte jedoch nicht übertrieben werden. Die Arbeitslosigkeit ist
weltweit immer noch relativ niedrig, und die Arbeitsmärkte zeigen sich robust.
In Europa, wo sich das Lohnwachstum nicht beschleunigt hat, ist die Gefahr einer
inflationären Lohn-Preis-Spirale begrenzt. In den USA mit ihrer stärker dezentralisierten
Lohnbildung sieht die Sache anders aus – dort sind die Löhne stark gestiegen.
Wir haben aus den 1970er-Jahren die Lehre gezogen, wie wichtig das Vertrauen in die Fähigkeit
der Zentralbanken ist, die Inflationsziele einzuhalten. Eine weitere Lektion ist, dass
vorübergehende Ölpreisspitzen weniger ins Gewicht fallen, als wir denken.
Aber die Auswirkungen der stark gestiegenen Gas- und Strompreise stoßen die Volkswirtschaften
in unbekannte Gewässer. Werden sie von Dauer sein, oder werden sie wie der Ölpreis
zurückgehen? Das hängt vom Angebot ab und davon, wie wirksam die Maßnahmen sind, mit
denen die Nachfrage verringert und die Nutzung alternativer Energien gefördert werden soll.
Sollten die Gaslieferungen nach Europa vollständig unterbrochen werden, könnte das extreme
Auswirkungen haben. Staatliche Hilfen, die Haushalte und Unternehmen vor einem sprunghaften
Anstieg der Gas- und Strompreise schützen sollen, können zwar die Preise auf Haushaltsebene
kurzfristig drücken.
Aber wegen der durch die Hilfen erhöhten Kaufkraft könnten die Gelder langfristig den
Inflationsdruck verstärken. So entsteht die Gefahr einer Preis-Stimulus-Spirale, bei der als
Reaktion auf Preiserhöhungen zusätzliche Ausgaben für Entlastungen beschlossen werden. Dies
würde die Preise weiter in die Höhe treiben und die Regierungen dazu veranlassen, noch mehr
staatliche Hilfen zu beschließen.
Eine Finanzpolitik, die vor allem auf Stimulierung der Wirtschaft setzt, kann die Wirkung von
Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation neutralisieren. In diesem Szenario gewinnt niemand,
da die Zinssätze darin nur noch weiter angehoben werden müssen. Es droht also keine Lohn-Preis-
, sondern eine Preis-Stimulus-Spirale.

Quelle: www.handelbaltt.com; 25.10.22


Gymnasium der Benediktiner
2. Klausur LK Sozialwissenschaften Q1, 1. Halbjahr
Name:

[…] Der SPD gelang in den Koalitionsverhandlungen ein richtiger Coup. Der rote
Juniorpartner schnappte sich das Finanzressort. Seitdem wacht Olaf Scholz über die
Finanzen der Republik. Der ehemalige Hamburger Bürgermeister übernimmt das Ministerium
5 in goldenen Zeiten. Er sitzt auf einer prall gefüllten Staatskasse. Der kräftige Aufschwung
lässt die Steuereinnahmen sprudeln. Scholz kann, wenn wirtschaftlich nichts schiefgeht, in
3,5 Jahren fast 60 Milliarden verteilen, ohne dafür Banken und Investoren anpumpen zu
müssen. […]
Mitte Mai konnte der rote Kassenwart erstmals seine Finanzpolitik einer breiten Öffentlichkeit
10 besser erklären. In der Haushaltsdebatte des Bundestags erläuterte Scholz, was er unter
einer soliden, sozial gerechten und zukunftsorientierten Finanzpolitik versteht. Solide
Haushaltspolitik bedeutet für Scholz: Keine neuen Schulden machen und für schlechte
Zeiten vorsorgen. Eine sozial gerechte Finanzpolitik stärkt den sozialen Zusammenhalt und
besteuert nach Leistungsfähigkeit. Unter einer Fiskalpolitik, die der Zukunft zugewandt ist,
15 versteht der oberste Schatzmeister mehr öffentliche Investitionen.
Die jüngste Finanzplanung soll diesen drei Prinzipien Rechnung tragen. In den nächsten
Jahren will Olaf Scholz nicht mehr ausgegeben als die Staateinnahmen hergeben. […] Die
Finanzmittel für frühkindliche Bildung werden um 7,5 Milliarden Euro erhöht. Kindergeld und
Kinderfreibetrag steigen im Umfang von rund fünf Milliarden Euro. Studenten dürfen sich
20 über ein höheres Bafög freuen. Der soziale Wohnungsbau wird mit zwei Milliarden Euro
gefördert. Für einen sozialen Arbeitsmarkt plant der Finanzminister weitere vier Milliarden
Euro ein. […] Zwischen 2018 und 2022 soll fast ein Viertel mehr investiert werden als im
dritten Kabinett Merkel. Auf den ersten Blick klingt Scholz' Erzählung einer
sozialdemokratischen Finanzpolitik überzeugend. Der neue Kassenwart ist kein ordoliberaler
25 Hardliner. Er verwendet die aktuellen Haushaltsüberschüsse für Investitionen und höhere
Sozialleistungen, nicht für Schuldentilgung. Scholz' Bekenntnis zu einer soliden
Haushaltspolitik ist auch keine Absage an eine antizyklische Finanzpolitik. Er will vielmehr
Staatseinnahmen und -ausgaben über den Konjunkturzyklus ausgleichen. Olaf Scholz weiß,
dass der Staat keine schwäbische Hausfrau ist. Staatsausgaben sind wesentlicher
30 Bestandteil der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. […]
Die Unzulänglichkeiten der Finanzpolitik des roten Kassenwarts zeigen sich erst auf den
zweiten Blick. […] Der aktuelle fiskalische Verteilungsspielraum reicht trotz
Steuerrekordeinnahmen nicht aus, um die gesellschaftlich notwendigen Ausgaben und
Investitionen zu finanzieren. Scholz erbte von seinen Amtsvorgängern einen Magerstaat.
35 Seit der Jahrtausendwende traten die heimischen Finanzminister so stark auf die
Ausgabenbremse wie kein anderer europäischer Kassenwart. Dieser Sparkurs änderte sich
erst in der Finanzmarktkrise. Wenn die heutige Staatsquote – Staatsausgaben im Verhältnis
zur Wirtschaftsleistung – so hoch wäre wie im Jahr 2000, dann hätte der Sozialstaat über
100 Milliarden Euro mehr in der Kasse. Zwischen 1991 und 2008 wurde im öffentlichen
40 Dienst jeder dritte Arbeitsplatz abgebaut. Über zwei Jahrzehnte floss zu wenig Geld in die
physische und soziale Infrastruktur des Landes. […] Die deutsche Volkswirtschaft fährt auf
Verschleiß. […] Allein der kommunale Investitionsstau beläuft nach Angaben der
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf 126 Milliarden Euro. Dabei geht es nicht nur um
Beton, Asphalt und Kabel, sondern auch um Personal. […]
45 Die geplanten Mehrausgaben der großen Koalition reichen […] hinten und vorne nicht aus,
um die großen gesellschaftlichen Bedarfe zu decken. Deswegen ist es ökonomisch
unvernünftig und sozial schädlich, an einer Finanzpolitik der „schwarzen Null“ festzuhalten.
Wer jetzt nicht ausreichend in Bildung, Gesundheit, Wohnen, Verkehr, Klimaschutz und
Digitalisierung investiert, verschlechtert die Zukunftsperspektiven nachfolgender
50 Generationen. Dies gilt umso mehr in Zeiten historisch niedriger Zinsen. Nie war es günstiger
Zukunftsinvestitionen mit der Kreditkarte zu bezahlen. Zudem könnten so die
Finanzierungslasten auf mehrere Generationen verteilt werden. […]
Die chronische Unterfinanzierung der öffentlichen Haushalte ist nicht vom Himmel gefallen.
Sie ist politisch gemacht. In den letzten Jahrzehnten stürzte neoliberale Politik den
55 Steuerstaat in die Krise. Weltweit senkten die Kassenwarte Gewinn- und Vermögenssteuern.
Auch die Schröder- und Merkel-Regierungen beteiligten sich in den 2000er Jahren am
Steuersenkungswettlauf. Milliardenschwere Steuergeschenke leerten die Staatskassen.
Noch heute belaufen sich die Steuerausfälle gegenüber dem Steuerrecht von 1998 auf
jährlich 45 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen aber die Anforderungen an den
60 Wohlfahrtsstaat. Folglich führte die Schwächung der staatlichen Einnahmeseite zu höheren
Schulden. […]
Die staatliche Zwangsdiät war zu keinem Zeitpunkt alternativlos. Der Ausbau der öffentlichen
Infrastruktur und Daseinsvorsorge kann entweder über Kreditkarte oder höhere Steuern
finanziert werden. Politisch einfacher vermittelbar sind Steuererhöhungen. Schulden gelten
65 republikweit als Teufelszeug. Hier haben neoliberale und konservative Denkfabriken ganze
Arbeit geleistet. Deswegen spricht viel dafür, die politische Auseinandersetzung auf die
Stärkung der staatlichen Einnahmeseite zu konzentrieren.
Entscheidend ist natürlich, wer die höheren Steuern bezahlen soll. Aus wirtschaftspolitischer
Sicht fällt die Antwort eindeutig aus: Reichensteuern belasten den privaten Verbrauch
70 aufgrund der hohen Sparquote der Spitzenverdiener schwächer als Lohn- oder
Konsumsteuern. Folglich sollten Steuererhöhungen immer einhergehen mit mehr
Steuergerechtigkeit. Topverdiener, Vermögende und finanzstarke Unternehmen leisten
keinen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens mehr. […]
Ein SPD-Finanzminister sollte öffentlich für die ökonomische Sinnhaftigkeit von
75 kreditfinanzierten Investitionen werben und sich gleichzeitig für eine Stärkung der staatlichen
Einnahmeseite einsetzen. […]
Gymnasium der Benediktiner
Schuljahr 2018/2019
2. Klausur LK Sozialwissenschaften Q1, 1. Halbjahr
Name: 07.12.2018

Thema: Wirtschaftspolitik

Bibliographische Angaben zum Material:

Dierk Hirschel: „Der Staat ist keine schwäbische Hausfrau“, Gastbeitrag in „der Freitag“,
www.derfreitag.de, 28.06.2018

Der Freitag ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung.

Dierk Hirschel ist Bereichsleiter Wirtschaftspolitik, Europa und Internationales der


Gewerkschaft Verdi (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft). Er hat eine Ausbildung zum
Tischler sowie ein Studium der Politischen Ökonomie in Hamburg und Bremen
abgeschlossen und zu Ursachen hoher Einkommen an der Universität Lüneburg promoviert

Z. 25 ordoliberal: Der Ordoliberalismus ist ein Konzept für eine marktwirtschaftliche


Wirtschaftsordnung, in der ein durch den Staat geschaffener Ordnungsrahmen den
ökonomischen Wettbewerb und die Freiheit der Bürger auf dem Markt gewährleisten
soll.

Z.71 Konsumsteuern: Eine Konsumsteuer ist eine Steuer, welche auf den Konsum von
Produkten und Dienstleistungen erhoben wird, wie z.B. die Mehrwertsteuer auf
Konsumprodukte, Hotelübernachtungen, Benzin, Tabak etc..

Aufgaben:

1. Stelle die Grundannahmen und wesentlichen Maßnahmen der


nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik dar.

2. A) Analysiere den Text im Hinblick auf die Position des Autors zur aktuellen
Haushaltspolitik des Finanzministers Olaf Scholz.

B) Ordne die Position des Autors begründet (Bezug zur Theorie) einer
wirtschaftspolitischen Theorie zu und belege deine Aussagen am Text
(Textbelege vgl. oder. S. Z…).

3. Erörtere, inwiefern die Aussage des Autors es sei „ökonomisch unvernünftig


und sozial schädlich, an einer Finanzpolitik der „schwarzen Null“ festzuhalten“
(s. Z. 46-47) richtig ist. Berücksichtige dabei ökonomische und soziale
Aspekte (was spricht aus wirtschaftlicher was aus sozialer Sicht für bzw.
gegen die „schwarze Null“?) und die politische Durchsetzbarkeit. Bezieh dazu
persönlich Stellung!

Viel Erfolg!
76
Kompetenzen prüfen.
I. Selbstdiagnose
lch kann.

sehr gut | gut nicht gut Übung durch z.B.


+4

die vier Ziele des Stabili- * M3, M7, M12-M13,


täts- und Wachstumsge- M16 - M17, M19, M22
1.
setzes beschreiben und die Wissen kompakt
entsprechenden Indikatoren Erklärfilme zu M7 und M18
beschreiben (AFB I).
mögliche Zielkonflikte zwi- ii
M6
3. schen den Zielen erläutern Aufgabe 9 auf S. 50
(AFB II).

das „Magische Viereck“ und M1, M3

:
das „Magische Sechseck“ Aufgaben 3,4 auf S. 50
erläutern (AFB I).
das BIP und andere Indizes M7 – M10
zur Messung des Wohlstands Erklärfilm zu M7
erklären (AFB II). W3 - Indikatoren BNG Bhutan
,

unterschiedliche Formen von


( 1.2-a) Arbeitslosigkeit darstellen
M12, M16, M17
(AFB I).

den Warenkorb für den Preis-


II. 2- A) index erklären (AFB II).
M20
Erklärfilm zu M18
/ Globalisierung
die einzelnen Bilanzen der
. M22 - M25
Zahlungsbilanz erläutern
(AFB II).

unterschiedliche Positionen
3. zur Wachstumsdebatte M26 - M30
darstellen und erörtern Urteilsbildung auf S. 70 H.
(AFB III).

Kompetenzen anwenden - am Beispiel

A) Bhutan: Bruttoinlandsglück statt Bruttoinlandsprodukt


Tief im Himalaya, in einem kleinen Land zwischen Indien und China, steht ein Mann
Strohdemzusammen.
auf Reisfeld undSpäter sein erGlüden
erntetwird ck. ErBallen
hält einanziend Holzharke in der Hand und kehrt
A
Krisen ( z.B Weltwirtschaftskrise, ö(
. -

Krise ) → Konjunkturschwankungen

Gesamtwirtschaft Nachfrage
.

→ Akzdarttivnsprinzip
& Multiplikatoreffekt

^ .

3 Kritik
vor & Nacht
.

Poli cy Mix

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