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Raunächte

Das Dokument beschreibt die Raunächte als die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig. Es erklärt den Ursprung in der germanischen Zeitrechnung und Mythologie und beschreibt Bräuche wie das Räuchern und Orakeln in dieser Zeit.

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Das Dokument beschreibt die Raunächte als die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig. Es erklärt den Ursprung in der germanischen Zeitrechnung und Mythologie und beschreibt Bräuche wie das Räuchern und Orakeln in dieser Zeit.

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Raunächte Anthrowiki

Als Raunächte (auch Rauhnächte oder Rauchnächte) oder Weihnächte werden gemeinhin die Zwölf Heiligen
Nächte (auch Zwölfte oder Glöckelnächte) zwischen dem 25. Dezember (Christtag) und dem 6. Januar
(Dreikönig bzw. Epiphanias) bezeichnet. Zählt man auch die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember dazu, den
Heiligen Abend bzw. die Heilige Nacht, der zugleich der Adam-und-Eva-Tag ist, wo wir der Vertreibung aus dem
Paradies gedenken, ergeben sich Dreizehn Heilige Nächte.
„Die Zeit, in welcher das geringste Maß von Eindrücken aus dem Makrokosmos zur Erde kommt, die Zeit
von Weihnachten bis über das Neujahr hinaus, ungefähr bis zum 6. Januar, ist wohl geeignet, daß man sich
nicht nur erinnere an das Gegenständliche der geistigen Erkenntnis, sondern an die Empfindungen, die wir
in uns entwickeln müssen durch das Aufnehmen der Geisteswissenschaft. Wahrhaft leben wir uns also
wieder hinein in den Erdgeist, mit dem wir zusammen doch eine Ganzheit bilden, und mit dem lebte das
alte, hellseherische Erkennen, wie es uns etwa in dieser Legende von Olaf Åsteson dargestellt ist.“ (Lit.:GA
275, S. 89f)
Der Name Raunacht leitet sich einerseits von "Rau" ab, den wilden Dämonen, die in diesen Nächten ihr
Unwesen treiben, wird anderseits aber auch oft auf den Rauch, das Räuchern bezogen, das in diesen Nächten
gepflegt wurde, um die Dämonen zu vertreiben. Etymologisch zutreffender scheint die Ableitung von dem
mittelhochdeutschen Wort rûch (haarig) zu sein. Das Tierfell, die Rauch- oder Rau(h)ware, weist auf die enge
Beziehung des Menschen zu den Tieren hin, die in diesen Nächten besonders stark erlebt werden konnte.
Mancherorts wird auch die Thomasnacht, die Nacht zum 21. Dezember, die längste Nacht des Jahres, zu den
Raunächten hinzugezählt. Gelegentlich werden die Zwölf Heiligen Nächte auch vom Thomastag an gezählt und
enden dann mit Neujahr.
Als die vier wichtigsten Rauhnächte werden oft genannt:
• 21./22. Dezember (Thomasnacht / Wintersonnenwende) (Längste Nacht des Jahres)
• 24/25. Dezember (Christnacht)
• 31. Dezember/ 1. Januar (Silvesternacht)
• 5./6. Januar (Epiphaniasnacht)

Geschichte
Die Festeszeit der Raunächte hat ihren Ursprung in der germanischen Zeitrechnung. Die Germanen kannten
das Mond- und das Sonnenjahr, wobei sie in Mondzyklen von ca. 29,5 Tagen rechneten. Da das Sonnenjahr
aber 365 Tage hat, besteht eine Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten. Diese 12 Nächte sind die 12
Weihnächte oder Rauhnächte, von denen jede einem Mondzyklus entspricht. Die zwölf Monate, nach denen
auch die Germanen das Jahr gliederten, bilden sich in der Abfolge der zwölf Nächte ab und Orakel, die in
diesen Nächten gestellt wurden, sollten eine prophetische Vorbedeutung für die entsprechenden Monate des
folgenden Jahres haben.

Mythologie und Brauchtum


Peter Nicolai Arbo: Odins Wilde Jagd (Åsgårdsreien), 1872
Zur Mitte der Weihnächte, nämlich zu Silvester, sollte Wotan mit den Toten zur wilden Jagd (nord.
Asgardareid) aufbrechen. In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen, und die Seelen
der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der
wilden Jagd durch die Lande ziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Europas der Glaube verbreitet,
dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in
Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten (etwa im Baltikum[1], in
Westdeutschland[2], speziell in der Eifel[3] und den benachbarten Ardennen[4], oder in Bulgarien und
Griechenland[5]). Tiere im Stall sollen um Mitternacht die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft
erzählen. Wer die Tiere allerdings sprechen höre, sterbe unmittelbar danach.
„Zu den seltsamsten Naturerscheinungen gehören die sogenannten Luftstimmen. Schon in den ältesten
Zeiten wurden in verschiedenen Gegenden sonderbare Töne gehört, welche die Luft erfüllten. Dieselben
scheinen in verschiedenen Richtungen die Luft zu durchfliegen, oft von der Höhe herabzukommen,
zuweilen aber auch von dem Erdboden aufwärts zu steigen. Diese seltsamen Luftstimmen werden
gewöhnlich mit dem Namen "die wilde Jagd" bezeichnet.
Unsere heidnischen Vorfahren brachten die wilde Jagd mit ihren heerführenden Göttern in Verbindung.
Nach dem Glauben des Volkes aber sind es die Geister ehemaliger unbarmherziger Jäger, die zu Lebzeiten
Menschen und Tiere arg mißhandelt hatten und nun lange Zeit zwischen Himmel und Erde schweben
müssen, ehe sie in ihre ewige Heimat eingehen dürfen; sie werden zur Strafe für ihre Freveltaten vom
Teufel mit Geschrei und rastloser, stürmischer Unruhe in der Luft umhergetrieben.“ (Lit.: Hans von der
Sann: Sagen aus der grünen Mark)
Altem Volksglauben zu Folge seien die Rauhnächte zum Erstellen vonn Orakeln sehr geeignet. Im
Silvesterbrauchtum wird dieser Glaube in Form des Bleigießens bis heute weiter gepflegt.
Die indogermanischen Kelten feierten diesen Brauch zu Samhain, was in der Neuzeit zu Halloween avancierte.
Zumindest an den vier besonders wichtigen Rauhnächten (21. Dezember, 24. Dezember, 31. Dezember und 5.
Januar) werden im Volksbrauchtum Haus und Stall vom Hausvater mit Weihwasser und Weihrauch gesegnet,
Kerzen entzündet und Gebete gesprochen. Diese vier Rauhnächte galten mancherorts als derart "gefährlich",
dass sie mit Fasten und Beten begangen wurden. Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine Wäsche
auf der Leine hängen. Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf der
Straße sein.
„Eines der schönsten Feste feiert die Kirche fast mitten im Winter, wo beinahe die längsten Nächte und
kürzesten Tage sind, wo die Sonne am schiefsten gegen unsere Gefilde steht, und Schnee alle Fluren deckt,
das Fest der Weihnacht. Wie in vielen Ländern der Tag vor dem Geburtsfeste des Herrn der Christabend
heißt, so heißt er bei uns der Heilige Abend, der darauf folgende Tag der Heilige Tag und die dazwischen
liegende Nacht die Weihnacht. Die katholische Kirche begeht den Christtag als den Tag der Geburt des
Heilandes mit ihrer allergrößten kirchlichen Feier, in den meisten Gegenden wird schon die
Mitternachtsstunde als die Geburtsstunde des Herrn mit prangender Nachtfeier geheiligt, zu der die
Glocken durch die stille, finstere, winterliche Mitternachtluft laden, zu der die Bewohner mit Lichtern oder
auf dunkeln, wohlbekannten Pfaden aus schneeigen Bergen an bereiften Wäldern vorbei und durch
knarrende Obstgärten zu der Kirche eilen, aus der die feierlichen Töne kommen und die aus der Mitte des in
beeiste Bäume gehüllten Dorfes mit den langen, beleuchteten Fenstern emporragt.“ (Lit.: Stifter)

Literatur
• Adalbert Stifter, Bergkristall
• Hans von der Sann: Sagen aus der grünen Mark, Graz 1911 [1]
• Rudolf Steiner: Weihnachten - ein Inspirationsfest, Vortrag in Berlin, 21. Dezember 1911 GA 127, S. 215
• Rudolf Steiner: Kunst im Lichte der Mysterienweisheit, GA 275 (1990), ISBN 3-7274-2750-7 pdf pdf(2)
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