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Walter Milos 1.:: Wolfdietrich Schnurre: Schmerzliche Auslegung

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Walter Milos

1.:
Wolfdietrich Schnurre: Schmerzliche Auslegung.

„Ich sehe dir an“, sagte die Katze zum Kanarienvogel, der schmatzend im Käfig beim
Körnermahl saß, „du bist zuinnerst verzweifelt über dein Los.“ „Herrje!“ sagte der
Kanarienvogel erstaunt, „und ich habe mich stets für zufrieden gehalten.“ „Ein Irrturm“,
sagte die Katze, nur die Freiheit macht innerlich froh..“ “Und eben die fehlt mir!“ rief der
Kanarienvogel bestürzt.

„Aber moment mal!“ rief der Vogel, „wie stellst du dir das vor mit meiner so Freiheit.
Wie könnte ich denn in dieser Umgebung auswildern? Wo ist das Nahrungsangebot?
Ich bin schon in der xten Generation als Käfigtier geboren. Klar könnte ich meine
Flügel gebrauchen, aber wohin soll ich fliegen? Besonders in der kalten Jahreszeit?
Und im Übrigen hab ich dich nicht gestern gesehen draußen auf der Straße von
meinem Fenster aus. Ich kann von hier nämlich die ganze Straße überblicken Drum
wird es mir hier gar nicht langweilig. Jedenfalls, habe ich dich bewundert, wie
leichtfüßig du sprangest, gestern am späten Nachmittag. Trotzdem bist du dem
schwarzen Nachbarhund nur knapp entkommen. Saßest dann erschöpft auf dem Ast
des Kastanienbaums schräg gegenüber. Und von welcher „Begegnung“ stammt dein
zerbissenes Ohr?
Geh du nur hin in deine Freiheit. Ich werde jetzt mein Frühstück vollenden. Nebenbei
bemerkt: Du bist ja auch schon ganz schön handzahm geworden. Wie umschmeichelst
du doch immer die Herrin, damit sie dir den Fressnapf schön voll füllt.“

2.:
„Ich sehe dir an“, sagte die Katze zum Kanarienvogel, der schmatzend im Käfig beim
Körnermahl saß, „du bist zuinnerst verzweifelt über dein Los.“ „Herrje!“ sagte der
Kanarienvogel erstaunt, „und ich habe mich stets für zufrieden gehalten.“ „Ein Irrturm“,
sagte die Katze, nur die Freiheit macht innerlich froh..“ “Und eben die fehlt mir!“ rief der
Kanarienvogel bestürzt. „Daran siehst du“, sagte die Katze, „wie Recht ich habe, dass ich mir
Sorgen mache um dich.“ Der Kanarienvogel senkte betäubt seinen Kopf. „Aber was kann man
da tun?“ „Nichts einfacher“, sagte die Katze und hatte auch schon die Käfigtüre geöffnet.
Komm raus.“ „Aber mein regelmäßiges Futter! Der Kalkstein! Mein Bad!“ „-wiegt die
Freiheit tausendfach auf.“ Also schön“, seufzte der Kanarienvogel und hüpfte hinaus.

Gerade als die Katze mir ihrer Tatze nach ihm schlagen wollte, flog er auf, nicht
ohne ihr vorher einen kräftigen Schnabelhieb auf die empfindliche Nasenspitze zu
geben. Dann setzte er sich obenauf auf die Gardinenstange. Von dort, in luftiger
und sicherer Höhe, verspottete er das Katzentier: „Du hattest recht, jetzt spüre ich
auch das Abenteuer der Freiheit!“ Die Katze in ihrem Zorn über den Spott und den
Verlust des schon sicher gewähnten Happens sprang die Gardine hoch, um sich
doch noch ihre Beute zu sichern. Welch verhänglichvoller Einfall: Beim
Hochsteigen verhedderte sie sich hoffnungslos in den Maschen und hing solcherart
verwickelt an der Stange, dass sie laut aufmaunzte. . „Gefangen! Gefangen!“ rief
der Vogel. Die Frau des Hauses, durch den Lärm alarmiert, stürzte ins Zimmer.
Das Katzentier, nicht zum ersten Male ertappt bei der Vogeljagd, wurde zu fernen
Verwandten in die Verbannung geschickt.
Der Kanarienvogel aber durfte von nun an öfters kleine Ausflüge im Wohnzimmer
unternehmen

Lili Horn:

Die Katze und der Kanarienvogel

Der Kanarienvogel – mit sich und der Welt recht zufrieden – immerhin
bekommt er regelmäßig Futter, seine Behausung wird ebenso regelmäßig
gesäubert; tagtäglich leistet er sich den Luxus eines wohligen Bades und – wenn
weit draußen die Sonne scheint und fremde Vögel fremde Melodien pfeifen,
wird seine Wohnstatt hinausgetragen zur eigenen ergötzlichen Unterhaltung.
Sogar herumfliegen darf er – wenn alle Fenster und Türen geschlossen sind.
Wahrhaftig – ein paradiesisches Leben!
Nun aber strich seit Tagen schon die Katze um sein Lager herum, konnte kaum
ihre begehrlichen Blicke abwenden, erzählte von fernen Welten, wundersamen
Abenteuern und den 1000 Möglichkeiten sich mehr und mehr und noch mehr zu
vergnügen.
Das stimmte den Kanarienvogel verdrießlich, hatte er ihrer Aufdringlichkeit
doch kaum etwas entgegenzusetzen. Andererseits stahl sich nach und nach eine
unbestimmte Sehnsucht in sein Herz.
Die Katze erbot sich schließlich, ihm die Tür zu öffnen, damit er sich selbst von
der Schönheit der weiten Welt überzeugen könne, wobei sie nicht versäumte,
ihn vor unbekannten Gefahren zu warnen, die bereits vor seiner Haustür lauern
könnten.
Der Kanarienvogel bedachte ihre Worte wohl und bat sie, als erstes seine
Futterstelle hinauszutragen, währenddessen er oben auf der Käfigstange warten
wolle, Vor seinem großen Ausflug sollte noch einmal ausgiebig in Freiheit
gefrühstückt werden.
Die Katze – schon in gieriger Vorfreude auf den köstlichen Vogelbraten –
schlüpfte in den Käfig, um die Futterschale zu schnappen.
Da flog der Vogel rasch hinaus, schlug die Käfigtür zu – und die Katze war
gefangen.
„Es ist nur gerecht,“ zwitscherte er, „dass du jetzt an meiner Stelle die
Menschen erfreust. Mach es dir bequem und denk dir was Schönes aus. Ich
hingegen erkunde nun die Freiheit!“
Und fort war er.
Rosemai M. Schmidt:

„Ich sehe dir an“, sagte die Katze zum Kanarienvogel, der schmatzend im Käfig beim
Körnermahl saß, „du bist zuinnerst verzweifelt über dein Los.“

„Ah ja?“, staunte der gelbe Geselle, „was du nicht sagst.“


„Doch, ganz bestimmt, das musst du mir einfach glauben, denn ich bin weiter
in der Welt herumgekommen als du in deinem engen Käfig, deshalb bin ich viel klüger als
du.“
„So, so!“, piepste der Vogel, beäugte die Katze interessiert und fuhr fort: „Was rätst du
mir also?“
„Das beste, was du tun kannst“, schmeichelte die listige Versucherin, „ist, dein übles
Gefängnis zu verlassen und in die weite Welt zu gehen,, damit du ebenso klug wirst, wie
ich.“
„Das ist ein guter Rat“, nickte der Vogel, „aber, wer bewacht dann meinen Schatz?“
„Schatz?“ Die Augen der Katze begannen begehrlich zu funkeln. „Mach dir keine Sorgen,
das werde ich erledigen. Flieg du nur weg, ich passe schon auf.“
Die Katze öffnete den Käfig, und ehe sie sich’s versah, war der Vogel auf die Lampe
geflogen, die mitten von der Decke herabhing.
Die Katze achtete seiner nicht und zwängte ihren Kopf in den Käfig, um den Schatz zu
erspähen.
„Nun, Frau Katze“, flötete der kluge Vogel von der Lampe herab, „wie steht es jetzt mit
Eurer Klugheit?“
Die Katze aber mühte sich vergeblich, ihr unfreiwilliges Gefängnis wieder loszuwerden
und stürzte sich damit bei dem Versuch, durch das Fenster zu entkommen, jämmerlich zu
Tode.
Der Kanarienvogel aber trällerte ihr ein fröhliches Liedlein hinterher.

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