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Stellvertretung

Das Dokument beschreibt die Stellvertretung nach dem BGB. Es erläutert die Prüfungspunkte für eine wirksame Stellvertretung und unterscheidet zwischen Stellvertreter und Bote. Zudem werden Vertretungsmacht, Vollmacht und das Fortwirken einer erloschenen Vollmacht behandelt.

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Das Dokument beschreibt die Stellvertretung nach dem BGB. Es erläutert die Prüfungspunkte für eine wirksame Stellvertretung und unterscheidet zwischen Stellvertreter und Bote. Zudem werden Vertretungsmacht, Vollmacht und das Fortwirken einer erloschenen Vollmacht behandelt.

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Stellvertretung

siehe §§ 164 ff BGB

Prüfung besteht im Wesentlichen aus drei Prüfungspunkten:

1. Hat der vermeintliche Stellvertreter eine eigene WE abgegeben?


2. Hat er die WE im Namen des Vertretenen abgegeben?
3. Hat er mit Vertretungsmacht gehandelt?
 wenn 3x ja, dann liegt eine wirksame Stellvertretung vor

Unterschied Bote – Stellvertreter


- grob: Stellvertreter gibt eigene WE ab
o hat somit Entscheidungsspielraum bzgl. der WE
- grob: Bote gibt genau die WE ab, die ihm mit auf den Weg gegeben worden ist
(„Sprachrohr“)

Die Entscheidung für oder gegen diese oder jene Zuordnung ist aus der Sicht eines
objektiven Betrachters in der Rolle des Erklärungsempfängers zu treffen. Wie präsentiert
sich der Erklärende aus seiner Sicht? Hat er einen Entscheidungsspielraum (eigene WE) oder
übermittelt er nur (fremde WE)?

Bei der Stellvertreterprüfung ist auch zu hinterfragen, ob eine Stellvertretung überhaupt


zulässig ist. Den Punkt „Zulässigkeit der Stellvertretung“ bringt man jedoch nur in die
Klausurformulierung ein, wenn in diesem Bereich wirklich etwas kritisch ist. Ansonsten
verliert man kein Wort dazu. Unzulässig ist die Stellvertretung zum Beispiel bei der
Eheschließung (§ 1311 BGB) oder bei der Errichtung des Testaments (§ 2064 BGB).

Aus § 177 BGB ergibt sich mittelbar, dass die WE eines Vertreters ohne Vertretungsmacht
nicht automatisch nichtig oder unwirksam ist. Ausweislich des Wortlauts des § 177 Absatz 1
BGB hängt die Wirksamkeit eines Vertrags (nicht nur einer WE!) von der Genehmigung des
Vertretenen ab. Der Vertrag, der ohne Vertretungsmacht geschlossen worden ist, ist
schwebend unwirksam. Wenn die Genehmigung erfolgt, ist er wirksam. Wenn die
Genehmigung nicht erfolgt, ist er unwirksam. Es ist außerdem ohne Belang, ob der
Stellvertreter bewusst oder irrtümlich etwas anderes erklärt hat.
 Wenn man also feststellt, dass ein Vertrag schwebend unwirksam ist, dann sollte
anschließend der Punkt „Wirksamkeit des Vertrags trotz fehlender Vertretungsmacht“
geprüft werden! Dann steht und fällt der Vertrag mit der Genehmigung. Er ist endgültig
wirksam oder endgültig unwirksam.

siehe auch § 179 BGB  hier ist es sehr wohl von Belang, ob der Stellvertreter irrtümlich
oder bewusst etwas falsch macht

Ob jemand im eigenen oder fremden Namen = im Namen des Vertretenen auftritt, bestimmt
sich abermals aus der Sicht eines objektiven Betrachters in der Rolle des
Erklärungsempfängers. Das ist genauso wie bei der Beantwortung der Frage, ob eine eigene
oder eine fremde WE vorliegt.
§ 164 Absatz 1 BGB normiert, dass der Vertreter im Namen des Vertretenen handeln muss.
Der Prüfungspunkt lautet also „im Namen des Vertretenen“. Durchaus üblich ist auch die
Bezeichnung „in fremdem Namen“. Gemeint ist dasselbe. § 164 Absatz 1 BGB beinhaltet das
sogenannte Offenkundigkeitsprinzip. Für den Vertragspartner soll klar sein, mit wem er
einen Vertrag abschließt. Hierin soll er sich sicher sein können. Der Handelnde muss aber
nicht unbedingt ausdrücklich erklären, dass er für einen anderen handelt. Das darf sich auch
aus den Umständen ergeben.

Wenn eine Person als Bote auftreten soll, aber als Stellvertreter auftritt und dann genau das
erklärt, was sie übermitteln soll, dann ist trotz fehlender Vertretungsmacht die WE des
Vertreters ausnahmsweise dem Vertretenen zuzurechnen, da keine Nachteile entstanden
sind. Auf eine Genehmigung kommt es nicht mehr an.

Nach § 164 Absatz 2 BGB ist der Irrtum, im fremden Namen zu handeln, unbeachtlich. Oder
anders ausgedrückt: Es spielt keine Rolle, ob der Handelnde im fremden Namen handeln
will. Wenn er das nicht zeigt, ist er im eigenen Namen aufgetreten. Er ist dann
Vertragspartner. Eine Anfechtung nach § 119 Absatz 1 BGB ist im Übrigen ausgeschlossen.

Eine bloße Namenstäuschung bereitet keine wirklichen Probleme. Der Vertrag kommt
selbstverständlich zwischen den beiden Personen zustande, die sich gegenübergetreten sind.
Bei einer Identitätstäuschung hingegen wird das Handeln unter fremdem Namen wie ein
Handeln in fremdem Namen behandelt (§ 164 Absatz 1 BGB analog). Der Vertrag ist aber
lediglich schwebend unwirksam. Derjenige, unter dessen Namen der Handelnde aufgetreten
ist, hat die Möglichkeit, per Genehmigung in den Vertrag „einzusteigen“ (§ 177 Absatz 1
BGB). Tut er das nicht, dann haftet der „Täuscher“, der unter fremdem Namen aufgetreten
ist, nach § 179 Absatz 1 BGB.

Grundsätzlich gilt das Offenkundigkeitsprinzip. Der Vertragspartner soll wissen, mit wem er
den Vertrag abschließt.
Doch es gibt Ausnahmen: Eine davon ist das sogenannte Geschäft, für den, den es angeht.
Darunter fallen regelmäßig Bargeschäfte des alltäglichen Lebens. In diesem Fall ist das
Handeln „im Namen des Vertreters“ ausnahmsweise entbehrlich. Trotzdem muss geprüft
werden, ob der vermeintliche Stellvertreter mit Vertretungsmacht gehandelt hat. Hatte er
keine Vertretungsmacht, so liegt erst einmal ein schwebend unwirksamer Vertrag vor.

Die Vertretungsmacht kann auf Gesetz oder auf Bevollmächtigung beruhen. Die gesetzliche
Vertretungsmacht findet sich etwa in § 1629 BGB (Eltern für Kinder), in § 1793 BGB
(Vormund für Mündel) oder in § 1902 BGB (Betreuer für Betreuten). Eine weitere
Möglichkeit, Vertretungsmacht zu erlangen, bietet die Bevollmächtigung. Hier stellt sich
zunächst die Frage nach der wirksamen Erteilung der Vollmacht. Die Vollmacht kann nach §
167 Absatz 1 BGB entweder als sogenannte Innenvollmacht (Vertretener erteilt Vollmacht an
Vertreter gegenüber diesem) und/oder als sogenannte Außenvollmacht (Vertreter erteilt
Vollmacht an Vertreter gegenüber dem zukünftigen Vertragspartner) erteilt werden. Die
Erteilung der Vollmacht erfolgt in beiden Varianten durch einseitige empfangsbedürftige
Willenserklärung. Die Vollmacht ist grundsätzlich nicht formbedürftig, § 167 Absatz 2 BGB.
Es gibt jedoch Ausnahmen. Außerdem kann die Vollmacht nach allgemeiner Meinung durch
Erklärung an die Öffentlichkeit erteilt werden, etwa durch eine Anzeige in der Zeitung. Eine
derartige wiederum einseitige Erklärung ist aber nicht empfangsbedürftig.
Innenvollmacht  § 167 Absatz 1 1. Alternative BGB
Außenvollmacht  § 167 Absatz 1 2. Alternative BGB

Nach § 165 BGB hat die Minderjährigkeit keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der WE des
Vertreters.

siehe auch § 168 BGB bzgl. Erlöschen der Vollmacht

Die Vollmacht kann nicht nur durch die Beendigung des zugrunde liegenden
Rechtsverhältnisses erlöschen (§ 168 Satz 1 BGB), sondern auch durch Widerruf der
Vollmacht. Das ergibt sich aus § 168 Satz 2 BGB. Der Widerruf erfolgt – wie die Erteilung der
Vollmacht – durch einseitige empfangsbedürftige WE.

Nach § 168 Satz 3 BGB findet auf die Erklärung des Widerrufs § 167 Absatz 1 BGB
entsprechende Anwendung.

Der durchaus missverständlich formulierte § 168 Satz 3 BGB meint dies: Der Widerruf kann –
wie die Erteilung der Vollmacht – im Innenverhältnis und/oder im Außenverhältnis erfolgen.
Aber: Nach allgemeiner Ansicht muss der Widerruf nicht in dem Verhältnis erfolgen, in dem
die Vollmacht erteilt wurde.

Weitere Erlöschensgründe einer Vollmacht: Befristung, Anfechtung, Verzicht, usw.

§ 170, § 171 Absatz 2 und § 172 Absatz 2 BGB beschreiben, wann eine (an sich erloschene)
Vollmacht fortwirkt (Rechtsschein). § 173 BGB relativiert das Fortwirken unter bestimmten
Voraussetzungen.
Aus § 170 BGB ist zu folgern, dass die im Außenverhältnis erteilte Vollmacht bestehen bleibt,
bis sie auch im Außenverhältnis widerrufen wird. § 173 BGB schränkt diese Fiktion der
Vollmacht ein, wenn der Dritte bei der Vornahme des Rechtsgeschäfts das Erlöschen kannte
oder kennen musste.
Auch bei § 171 Absatz 2 und § 172 Absatz 2 BGB ist als Korrektiv § 173 BGB zu
berücksichtigen.

Wenn niemals eine Vollmacht erteilt wurde, spielt dies für eine wirksame Stellvertretung
dann keine Rolle, wenn der Vertretene weiß, dass eine Person in seinem Namen auftritt und
er dies duldet. Oder anders ausgedrückt: Der Vertreter handelt mit sog. Duldungsvollmacht,
wenn der Vertretene zwar keine Vollmacht erteilt hat, aber das Handeln duldet. Und:
Natürlich muss der Geschäftspartner gutgläubig sein. Wenn er nämlich weiß, dass keine
Vollmacht besteht, muss er nicht geschützt werden.
Im Gegensatz dazu kennt der Vertretene bei der Anscheinsvollmacht das Handeln des
Vertreters gerade nicht, hätte es aber erkennen und verhindern können.

Eine gesetzliche Beschränkung der Vertretungsmacht ergibt sich aus § 181 BGB, der
Insichgeschäfte grundsätzlich untersagt. Es soll vermieden werden, dass ein und dieselbe
Person verschiedene Interessen vertritt und etwa bei einem Kaufvertrag als Käufer und als
Verkäufer agiert. § 181 BGB nennt zwei Arten des untersagten Insichgeschäfts:
- Selbstkontrahieren: der Handelnde tritt auf der seinen Seite als er selbst und auf der
anderen Seite als Vertreter einer anderen Person auf
- Mehrvertretung: eine Person darf nämlich auch nicht auf der einen Seite als
Vertreter einer Person und auf der anderen Seite als Vertreter einer anderen Person
auftreten
Wenn ein Insichgeschäft vorliegt, so ist der Vertrag in der Regel erst einmal nur schwebend
unwirksam. Der Vertrag ist aber unter verschiedenen Voraussetzungen endgültig unwirksam.
 Rettungsmöglichkeiten:
- Gestattung des Insichgeschäfts (vor dem Insichgeschäft)
- Erfüllung einer Verbindlichkeit
o besteht etwa in der Übereignung eines Gegenstandes aufgrund eines
wirksamen Kaufvertrags; die Abwicklung der dinglichen Übereignung ist die
Erfüllung der Verbindlichkeit, die sich aus dem Kaufvertrag ergibt
- wenn lediglich rechtlich vorteilhaft
- Genehmigung (also die nachträgliche Zustimmung)

Siehe § 177 Absatz 2 Satz 2 BGB bzgl. Frist von 2 Wochen

Ein Widerruf ist gemäß § 178 Satz 1 BGB grundsätzlich bis zur Erteilung der Genehmigung
möglich. Die Erklärung darf gemäß § 178 Satz 2 BGB auch dem Vertreter gegenüber erfolgen.
Wenn der Widerrufende aber den Mangel der Vertretungsmacht kennt, dann läuft der
Widerruf gemäß § 178 Satz 1 BGB leer.

§ 179 Absatz 2 BGB ersetzt den sogenannten Vertrauensschaden (negatives Interesse), aber
nur in der Höhe des sogenannten Erfüllungsschadens (positives Interesse). Zunächst ist also
das negative Interesse und dann das positive Interesse zu ermitteln, um beide Posten
miteinander zu vergleichen. Sollte das positive Interesse niedriger sein als das negative
Interesse, ist nur der niedrigere Wert zu ersetzen. Der Sinn des Ganzen ist der folgende: Der
Anspruchsteller soll nicht bessergestellt werden, als wenn der Schuldner den Vertrag erfüllt
hätte.

 Beispiel: X verkauft dem Y im Namen des Z für 99 Cent einen Goldfisch, der 1 Euro wert
ist. Y fährt für 10 Euro mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Z, bei dem nach Aussage des X die
Übereignung stattfinden soll. Als Y erscheint, stellt sich heraus, dass X zu Unrecht dachte, mit
Vertretungsmacht zu handeln. Welchen Schaden kann Y gegen X geltend machen?

Nach obigen Grundsätzen kann er – bei Vorliegen aller Voraussetzungen des § 179 Absatz 2
BGB – das negative Interesse, begrenzt durch das positive Interesse, geltend machen. Das
negative Interesse (Frage: Wie würde der Gläubiger stehen, wenn er den Schuldner nie
getroffen hätte?) beträgt 10 Euro. Y hätte dann nämlich keinen Vertrag geschlossen und
wäre nicht für 10 Euro zu Z gefahren. Das positive Interesse (Frage: Wie würde der Gläubiger
stehen, wenn der Schuldner erfüllt hätte?) beträgt aber lediglich 1 Cent. Bei Erfüllung des
Vertrages durch X wäre das Vermögen des Y lediglich um diesen Betrag angewachsen. Er
hätte einen Goldfisch für 99 Cent erhalten, der einen Wert von 1 Euro hat. Y kann über § 179
Absatz 2 BGB also nur 1 Cent von X verlangen. Wäre der Vertrag ordnungsgemäß erfüllt
worden, hätte Y ebenfalls 10 Euro für die Fahrt aufgewendet. Und er hätte diesen Betrag von
niemandem einfordern können. Warum auch?!

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