Lesemappe Deutsch
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Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
Arbeitsauftrag: Aufgaben
1. Fassen Sie die Handlung der 3 Abschnitte/Kapitel der Erzählung von Kafka jeweils kurz
zusammen.
2. Analysieren Sie Gregors Verhalten und seine innere Entwicklung innerhalb der Erzählung
3. Erläutern Sie, wie Gregors Familie und der Prokurist auf dessen Verwandlung in einen
4. Erläutern Sie, wie Gregor seine Verwandlung direkt im Anschluss dieser und im Verlauf
der weiteren Handlung selbst empfindet und wie er seine Familie sieht.
5. Analysieren Sie, welche Rolle das Motiv der Tür/der Türen in „Die Verwandlung“ spielt.
6. Analysieren Sie die Ursachen für Gregors Tod und erläutern Sie, wie die einzelnen
interpretieren ist.
8. Ordnen Sie Kafkas Werk in eine literarische Epoche ein und begründen Sie Ihre
9. Aufgabe 1)
Die Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka erschien im Jahr 1915 und handelt von
Gregor Samsa, der sich in einen Käfer verwandelt hat. In seinem Zimmer verweilend denkt er
über seine Abhängigkeiten und verlorengegangenen Fähigkeiten nach, die das Leben seiner
Familie, die sich nach und nach von ihm abwendet, beeinflussen. Der Schauplatz der
Handlung, die sich über mehrere Monate erstreckt, ist die Wohnung der Familie. Das Werk
stammt aus der Epoche des Expressionismus.
Abschnitt 1:
Gregor wacht eines Morgens auf und ist plötzlich ein großer Käfer anstatt eines Menschen.
Er ist jedoch eher passiv und glaubt, es sei eine Einbildung und denkt deshalb nur an seine
Arbeit und wie er dort hinkommen soll. Zudem regt er sich darüber auf, dass sein Beruf so
anstrengend ist, den er nur wegen der Schulden seines Vaters ausübt, um damit seine
Familie zu versorgen, sodass er ihn nicht kündigen kann. Trotz seiner stark eingeschränkten
Fähigkeit sich zu bewegen, versucht er aufzustehen. Währenddessen kommt der Prokurist,
um sich zu erkundigen, warum Gregor nicht auf der Arbeit erschienen ist. Mit großen Mühen
und Verletzungen schafft es Gregor, die Tür zu öffnen. Als der Prokurist und seine Familie
seinen Zustand mit eigenen Augen sehen, sind sie fassungslos. Verzweifelt versucht Gregor,
den Prokuristen abzufangen, damit er kein schlechtes Wort bei seinem Chef über ihn
verliert, jedoch flüchtet dieser panisch aus dem Haus. Auch seine Mutter hat große Angst vor
ihm. Daraufhin scheucht der Vater Gregor brutal in sein Zimmer zurück, sodass er sich
verletzt, und schließt die Tür.
Abschnitt 2:
Erst abends erwacht Gregor aus einem tiefen Schlaf. Stark verletzt humpelt er zu der Tür, vor
die seine Schwester ihm sein Lieblingsessen gestellt hat, jedoch schmeckt ihm dieses
aufgrund seiner körperlichen Veränderungen nicht mehr. Er beginnt, seine Familie zu
beobachten und denkt darüber nach, dass er seiner Familie die große Wohnung und ein
gutes Leben verschaffen konnte. Da sich zunächst niemand traut, sein Zimmer zu betreten,
überlegt Gregor, wie er sein Leben neu ordnen kann. In der nächsten Zeit wagt nur die
Schwester das Betreten von Gregors Zimmer und versorgt ihn. Währenddessen gibt sich
Gregor große Mühe, sie nicht zu erschrecken. Um weiterhin wenigstens etwas am
Familienleben teilzunehmen, lauscht er heimlich an der Tür. Seine Familie, die ohne ihn als
Versorger finanzielle Schwierigkeiten hat, überlegt, wie es jetzt weiter geht. Gregor findet
zudem heraus, dass sein Vater heimlich Geld angelegt hat, mit denen er die Schulden früher
hätte begleichen können, für die er hatte arbeiten müssen. Nach ein paar Wochen möchte
die Mutter das Zimmer betreten, wird jedoch von ihrer Tochter davon abgehalten. Aufgrund
seiner zunehmenden Langeweile beginnt Gregor, über die Wände zu kriechen, sodass seine
Familie für ihn nach kurzer Zeit sein Zimmer leer räumen will. Bei dem Versuch, dies zu
verhindern, erschreckt er seine Mutter heftig. Während er seine eigentlich guten Absichten
beweisen will, seiner Mutter zu helfen, geht ein Glas kaputt, welches ihn verletzt. Sein Vater,
der gerade nach Hause kommt, wird sehr wütend, weil Gregor sein Zimmer verlasen hat und
Name: Jennifer Bayer
Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
beginnt ihn mit Äpfeln zu bewerfen. Dabei verletzt er seinen Sohn sehr schwer und tötet ihn
beinahe, sodass Gregors Mutter und Schwester eingreifen müssen.
Abschnitt 3:
Gregors ohnehin schon durch das kleine Zimmer eingeschränkte Beweglichkeit wird durch
die Verletzungen, die nicht behandelt werden, noch einmal stark eingeschränkt. Seine
Familie, die starke Schuldgefühle hat, öffnet für ihn die Wohnzimmertür, um ihn mit
allgemeiner Erlaubnis am Familienleben teilhaben zu lassen. So kann er seine Familie
unauffällig beobachten. Er stellt viele Veränderungen fest, die seit seiner Verwandlung
geschehen sind. Neben den Jobs, die sie nun angenommen haben, reden sie nur noch wenig
und sind übermüdet. Nach und nach haben sie immer weniger Geld, während Gregor immer
mehr seine Menschlichkeit verliert. Des Weiteren muss die Familie drei Zimmer vermieten.
Gregors Schwester vernachlässigt ihn immer mehr und bald wird sein Zimmer als Ablageort
für ungebrauchte Gegenstände benutzt. Als Gregor eines Abends dem Geigenspiel seiner
Schwester lauscht, wünscht er sich ihre frühere Nähe zu ihm wieder. Während sie spielt,
dringt er immer weiter richtung Wohnzimmer vor, sodass die drei Männer, die die Zimmer
mieten, ihn sehen. Daraufhin gibt es einen Streit zwischen Vater und Untermieter, die eine
Erklärung verlangen, die sie jedoch nicht bekommen und daraufhin ihre Wohnung kündigen.
Da seine Familie immer verzweifelter wird, leugnet seine Schwester Gregors noch
vorhandene Menschlichkeit und will ihn loswerden. Aufgrund seiner Unterernährung und
seinen entzündeten Verletzungen stirbt Gregor letztendlich. Seine Familie ist davon sehr
erleichtert, wirft die Untermieter heraus, plant, sich eine neue Wohnung zu suchen und
beginnt ein neues Leben ohne Gregor.
Name: Jennifer Bayer
Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
Aufgabe 2)
Gregor ist der Versorger seiner Familie. Da sein Vater Schulden hat, nimmt er einen zwar gut
bezahlten, aber erniedrigenden Job an, in dem er sich sogar hocharbeitet. Sein Chef erwartet
von ihm völlige Aufopferung für den Job und zeigt den Mitarbeitern häufig ihre niedrigere
Stellung auf, indem er von einem Pult herab zu ihnen spricht. Des Weiteren überprüft der
Chef sehr genau, ob seine Angestellten pünktlich abgefahren sind und duldet kein Fehlen
wegen Krankheit. Trotz der Tatsache, dass Gregor schon so lange für seinen Chef arbeitet,
schickt er seinen Prokuristen, um nach ihn zu sehen, obwohl Gregor sich immer wieder für
die Firma aufopfert, was dieses Verhalten des Chefs noch unverständlicher macht. Gregor
nimmt dies jedoch hin und übt seinen Beruf gewissenhaft aus. Auch für seine Familie opfert
er sich auf. Da er der Versorger der Familie ist, sind sie von ihm abhängig. Zwar gefällt ihm
sein Job nicht sonderlich gut, jedoch gibt er ihn zuliebe der Familie nicht auf, die ihm dafür
wenig Anerkennung gibt, da sie sich daran gewöhnt haben. Dazu kommt, dass er nicht mal
Zeit für sich selbst hat. Er schafft es weder, eine Frau zu finden, noch etwas zu tun, was er
mag. Stattdessen möchte er sogar seiner Schwester ihren Traum erfüllen und sie auf das
Konservatorium schicken. Zusammengefasst kann man also sagen, dass Gregor alle
Erniedrigungen und sein Leben ohne Zeit für sich selbst einfach hinnimmt und sich nicht
dagegen auflehnt. Er möchte seiner Familie gefallen und sieht sich scheinbar selbst noch als
Kind und nicht als selbstständige erwachsene Person, da er auch selbstbestimmter handeln
und den Job kündigen könnte. In gewisser Weise ist er also von seinen Eltern und deren
Anerkennung emotional abhängig. Dieses Verhalten seiner emotionalen Abhängigkeit wird
zusätzlich dadurch betont, dass er versucht, seine Eltern glücklich zu machen und nicht
andersherum. Ganz offensichtlich scheinen sie nämlich zu bemerken, dass sein Job ihn
unglücklich macht, jedoch wollen sie auf den Luxus nicht verzichten und verhalten sich
egoistisch gegenüber ihm. Gregor hingegen sieht aber nur die positiven Eigenschaften seiner
Eltern und Gründe, warum er sie unterstützen muss.
Nach seiner Verwandlung in ein Ungeziefer drehen sich einige vorherige Verhältnisse in der
Familie vollständig um. Er wird vom Versorger zum Abhängigen, der versorgt werden muss.
Zu Beginn wehrt er sich dagegen, ein Tier zu sein. Er ignoriert es sogar zuerst vollständig und
will trotz seiner körperlichen Veränderung sein bisheriges Leben fortsetzten und denkt nur
an seine Eltern. Dadurch wird wieder deutlich, wie emotional abhängig er von ihnen ist. Er
bewegt sich wie ein Mensch fort, indem er versucht, aufrecht zu gehen und anfangs ist er
auch noch in der Lage dazu, mit seiner Familie zu sprechen. Seine körperliche
Metamorphose, der kurz darauf auch die psychische folgt, schreitet jedoch voran. Nach und
nach beginnt er herauszufinden, wie er seinen neuen Körper benutzen kann. Eine längere
Zeitspanne hofft Gregor darauf, dass sein Zustand sich wieder verbessert. Als dies jedoch
nicht eintritt, beginnt er damit, sein Schicksal hinzunehmen. Auffällig ist hierbei, dass er
keinen Weg sucht, um die Verwandlung rückgängig zu machen, sondern er versucht nur, sein
bisheriges Leben weiterzuleben und trauert darüber, dass er dazu nicht in der Lage ist, als er
feststellt, dass sein Körper so bleibt. Durch die Vernachlässigung seiner Familie, auf die er
eigentlich angewiesen ist, wird er immer schwächer. Trotzdem sitzt tief in ihm noch der
Name: Jennifer Bayer
Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
Wunsch, seine Familie glücklich zu machen. Deshalb verhält er sich ruhig und lehnt sich nicht
gegen ihr Verhalten auf. Selbst als er herausfindet, dass der Vater ohne sein Wissen Geld
angespart hatte, mit dessen Hilfe er seinen Job früher hätte kündigen können, wird er nicht
wütend, sondern freut sich darüber, dass sie sich dadurch noch eine Zeit lang versorgen
können. Trotz der offensichtlichen Ablehnung seiner Familie, versucht Gregor immer noch,
am Familienleben teilzunehmen. Er beobachtet seine Familie genau und macht sich viele
Gedanken über sie. Gegen Ende der Erzählung wird sein Wunsch nach Nähe, der sich immer
weiter in ihm aufbaut, unerträglich groß und er denkt daran, wie nah er seiner Schwester
früher stand. Dieses natürliche Verlangen nach Zuneigung treibt ihn dazu, soweit ins
Wohnzimmer vorzudringen, dass er einen Konflikt auslöst. Wieder will er seiner Familie nur
helfen und geht in sein Zimmer zurück, um sie nicht weiter zu verärgern. Daran erkennt man,
dass er noch immer seine Bedürfnisse zurückstellt und sich lieber erniedrigt, anstatt sich
gegen die Vernachlässigung seiner Familie aufzulehnen. Am Schluss des Werkes von Kafka
will seine Schwester, deren Nähe er sich so sehr gewünscht hat, ihn aber loswerden. Erneut
kann man an Gregors Gedanken, die er danach hat, erkennen, wie unselbständig er ist, da er
immer noch selbstlos nur an das Wohl seiner Familie denkt, die ihn offenbar nicht mehr bei
sich haben will. Er verhält sich für seine Lage äußerst untypisch. Er stimmt seiner Schwester
zu und ist der Meinung, er will noch lieber als sie, dass er verschwindet. Erschöpft durch
seine innerlichen und äußerlichen Wunden verlässt ihn letzten Endes sein Lebenswille und er
stirbt. Zusammengefasst hat sich Gregors Verhalten vor und nach der Verwandlung
eigentlich nicht verändert. Er passt sich den Wünschen und Bedürfnissen seiner Familie
aufopfernd an, sowohl vor als auch nach der Verwandlung. Es scheint sogar, als wäre er
zuliebe seiner Familie gestorben, um ihnen jetzt, wo er ihr kein Geld mehr geben kann,
trotzdem noch einen letzten Wunsch zu erfüllen. Die Absichten und das Verhalten seiner
Familie befürwortet er allgemein bis zum Schluss und sucht das Problem eher bei sich selbst
und nicht bei ihnen.
Name: Jennifer Bayer
Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
Aufgabe 3)
Als der Prokurist Gregor sieht, ist er entsetzt und fassungslos. Angeekelt weicht er zurück
und flieht sofort richtung Haustür. Zudem wendet er sich ab, da er den Anblick von Gregor
nicht ertragen kann. Kurz darauf dreht er sich noch einmal um, während er, aus Angst davor,
dass Gregor ihn angreifen könnte, ohne ihn aus den Augen zu lassen aus der Wohnung
verschwindet. Als Gregor jedoch versucht, ihn noch einmal im Treppenhaus einzuholen,
schreit er laut durch das Treppenhaus und flüchtet mehrere Stufen gleichzeitig nehmend aus
dem Haus. Allgemein ist der Prokurist also angeekelt und hat große Angst vor Gregor. Er
nimmt ihn nicht mehr als Menschen wahr, sondern als gefährliches und ekliges Tier, welches
ihn angreifen möchte und sieht seinen Zustand sehr wahrscheinlich als endgültig an, da er
nicht noch einmal vorbei kommt, um zu sehen, ob er wieder arbeitsfähig ist.
Gregors Mutter ist erst sehr irritiert und ungläubig. Sie geht zwei Schritte auf ihn zu und fällt
dann, sicher dass es doch keine Einbildung ist, in sich zusammen. Als Gregor sich von der Tür
aus stehend auf seine Beine fallen lässt, um den Prokuristen einzuholen, springt diese
erschrocken und ängstlich auf und schreit nach Hilfe. Während sie versucht, Gregor besser
zu sehen, vermutlich, um nach Anzeichen seines früheren Aussehens zu suchen, weicht sie
gleichzeitig zurück und wirft die Kaffeekanne, die auf dem Tisch steht, um. Sie ist so
erschrocken, dass sie nichts davon merkt und als Gregor sie darauf hinweisen will, schreit sie
erneut auf und wirft sich seinem Vater in die Arme. Kurze Zeit später bekommt sie einen
Asthmaanfall und lehnt sich aus dem offenen Fenster. Allgemein ist sie also entsetzt und
fassungslos über seine Veränderung und versucht zwar einerseits, nach Anzeichen ihres
Sohnes zu suchen, hat andererseits aber zu große Angst und ist zu angeekelt, um sich ihm zu
nähern. Im Verlauf der weiteren Handlung muss sie erst einmal den Schrecken verarbeiten.
Wie der Rest der Familie fällt ihr das Essen schwer und sie redet nur wenig. Nach etwas
mehr als zwei Wochen möchte sie Gregor allerdings sehen. Sie hat Mitleid mit ihm und nur
mit Gewalt können ihr Mann und ihre Tochter sie zurückhalten. Sie sieht Gregor trotz seiner
Verwandlung noch als ihren Sohn beziehungsweise als menschlich an, was man daran
erkennen kann, dass sie sagt: „Lasst mich doch zu Gregor, er ist ja mein unglücklicher Sohn!
Begreift ihr es denn nicht, dass ich zu ihm muss?“, (S.33, Z.31f). Sie vermisst ihn, erschreckt
sich allerdings trotzdem sehr, als sie ihn sieht, woraufhin sie erneut einen Asthmaanfall
bekommt. Die Hoffnung, dass sich sein Zustand wieder verbessert, verliert sie im Vergleich
zu ihrer Tochter erst später, da sie seine Möbel in seinem Zimmer lassen will: „Ich glaube, es
wäre das Beste, wir suchen das Zimmer genau in dem Zustand zu erhalten, in dem es früher
war, damit Gregor, wenn er wieder zu uns zurückkommt, alles unverändert findet und umso
leichter die Zwischenzeit vergessen kann.“, (S.35, Z.34ff). Zudem möchte sie sich mit um
ihren Sohn kümmern, als sie merkt, dass ihre Tochter es nicht allein schafft. Da ihre Tochter
das nicht zulässt und sie dafür anschreit, weint sie, kann sich aber auch nicht gegen sie
durchsetzen. Dass sie ihren Sohn nicht mit ihrem schlechten Zustand belasten möchte,
eventuell aber auch, dass sie das Leid ihres Sohnes, was sie nicht beenden kann, nicht
ertragen kann, wird deutlich, als sie eines Abends weinend auf dem Sofa sitzt und ihre
Schwester daraufhin bittet, die Tür zu schließen, die sie sonst offen hatten, um Gregor
Name: Jennifer Bayer
Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
wenigstens ein bisschen am Familienleben teilnehmen zu lassen. Ein wenig später bekommt
sie auch das dritte Mal, als sie Gregor erblickt, einen Asthmaanfall, was ihren noch
vorhandenen Schrecken über seinen Körper offenbart. Als er dann letzten Endes stirbt, ist sie
erleichtert, dass ihr Sohn von seinem Leid erlöst ist. Sie ist zwar traurig, plant aber mit ihrer
Familie ein neues Leben und ihre Tochter gerät zunehmend mehr in ihren Fokus, was man
daran erkennt, dass sie mit ihrem Mann einen Mann für ihre Tochter suchen will. Allgemein
hängt Gregors Mutter im Verlauf der Handlung sehr an ihm und gibt die Hoffnung auf eine
Besserung erst endgültig nach seinem Tod auf.
Gregors Vater ist zunächst einmal wie gelähmt. Er betrachtet erst einmal das Geschehen,
vermutlich zu fassungslos, um sich zu bewegen. Als Gregor versucht, den Prokuristen
einzuholen, holt er sich eine Zeitung und einen Stock und versucht mit Hilfe der beiden
Gegenstände und seinem wütenden Fußstampfen, Gregor in sein Zimmer zurück zu treiben.
Daran, dass er Gregor dabei sehr ungeduldig drängt und dabei wütend zischt, kann man
erkennen, dass auch der Vater große Angst hat, die sich in Wut äußert. Er möchte seine Frau
beschützen und nimmt Gregor als Gefahr wahr. Er dirigiert ihn in sein Zimmer und öffnet
Gregor auch nicht die Seitentür, als er nicht durch die Tür passt, woran man ebenfalls
erkennt, dass er seinen Sohn als Gefahr und nicht als menschlich wahrnimmt. Der Vater
nimmt es in Kauf, dass sich Gregor bei der Prozedur verletzt und gibt ihm sogar einen Tritt,
was seine Wut und seinen Ekel offenbart. Zusammengefasst hat der Vater also große Angst,
die sich in Wut und körperlicher Gewalt äußert, da er keine Schwäche zeigen will und seine
Frau beschützen möchte. Des Weiteren ist anzumerken, dass das Verhältnis zu seinem Sohn
auch vorher schon schlecht gewesen sein muss, da er ihn sonst vermutlich anders behandelt
hätte. Im Verlauf der weiteren Handlung weigert er sich, das Zimmer seines Sohnes zu
betreten. Zudem wehrt er sich dagegen, zu essen oder zu schlafen und muss jeden Tag von
seiner Frau und seiner Tochter erneut dazu bewegt werden. Außerdem übernimmt er auch
nicht die Aufgabe, sich um Gregor zu kümmern und erkundigt sich nur wenig nach ihm. Im
Gegensatz zu seiner Tochter und seiner Frau überlegt er auch nicht, was man tun könnte, um
Gregors Zustand zu verbessern, sondern er scheint schon zu Beginn damit abgeschlossen zu
haben, dass der Zustand seines Sohnes endgültig ist. Dies wird daran deutlich, dass er das
Geld, was er heimlich angespart hat, hervorholt. Daran kann man außerdem erkennen, dass
er allgemein kein ehrliches und tiefes Verhältnis zu seinem Sohn, der er ausgenutzt hat,
pflegt, was auch seine weiteren Handlungen bestätigen. Bei dem zweiten “Ausbruch“ von
Gregor aus seinem Zimmer, wird er erneut sehr wütend und greift zu körperlicher Gewalt. Er
bewirft ihn mit Äpfeln und bringt ihn fast um. Daran wird deutlich, dass er seinen Sohn nicht
mehr als menschlich ansieht, sondern als ein Ungeziefer, welches seine Familie angreift.
Trotz allem, vermutlich mehr, weil sich das “so gehört“ als aus Liebe, duldet er seinen Sohn
nach seiner Tat und erlaubt ihm, die abendlichen Gespräche mitzuhören. Für Gregors
Zustand scheint er sich zu schämen und will nicht, dass seine Untermieter herausfinden, dass
sie einen Käfer in ihrer Wohnung beherbergen und wird deshalb sogar unhöflich. Erst gegen
Ende der Erzählung zieht er es doch noch einmal in Betracht, dass Gregor noch menschlich
sein könnte. Er fragt sich, ob Gregor ihn nicht doch verstehen könnte und schlägt vor, dass
man ein Kompromiss mit ihm eingehen könnte, verwirft den Gedanken aber wieder, da
seine Tochter ihn vom Gegenteil überzeugt. Als Gregor stirbt, ist er erleichtert und dankt
Gott für dessen Tod. Sofort trifft er Vorkehrungen, lässt sich mit dem Rest seiner Familie von
Name: Jennifer Bayer
Fach: Deutsch
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der Arbeit entschuldigen und plant ein neues Leben mit ihnen. Zusammengefasst hat der
Vater zu Gregor also ein schlechtes Verhältnis. Gleich zu Beginn hat er damit abgeschlossen,
dass Gregor nicht mehr zurückkommen wird und ist erleichtert, als er endlich tot ist. Seine
Existenz hat er als für sein Leben hindernd angesehen, da er im Gegensatz zu vorher keinen
Nutzen mehr hatte.
Gregors Schwester, die zu der Zeit, in der seine Eltern ihn zum ersten Mal gesehen haben,
nicht dabei war, macht sich zunächst Sorgen um Gregor. Sie verhält sich direkt nach seiner
Verwandlung erst einmal fürsorglich. Im Verlauf der weiteren Handlung versucht sie,
herauszufinden, was er gerne isst und reinigt regelmäßig sein Zimmer. Sie lässt ihm seinen
Raum und versucht, ihm zu helfen. Ihren Eltern berichtet sie abends von seinem Zustand.
Von seinem Aussehen ist sie wie ihre Eltern anfangs angeekelt, nach ein paar Wochen
allerdings weniger erschrocken, da sie sich daran gewöhnt hat. Trotzdem hat sie immer noch
Angst vor ihm, was man daran erkennen kann, dass sie schnell die Tür schließt, als sie Gregor
einmal am Fenster stehen sieht. Da sie die Aufgabe, Gregor zu versorgen, ganz für sich
beansprucht, will sie nicht, dass ihre Mutter ihn besucht oder sich um ihn kümmert.
Vermutlich sieht sie dadurch auch den höheren Stellenwert, den sie zunehmen in der Familie
seit Gregors Verwandlung hat, angegriffen. Nach einiger Zeit stellt sie mit der Mutter die
Möbel von Gregor mit der Begründung aus dem Zimmer, dass er dann mehr Platz hat. Daran
kann man erkennen, dass sie keinen Zweifel daran hat, dass Gregors Verwandlung endgültig
ist, da er in seinem momentanen Zustand die Möbel nicht braucht. Dass Gregor ihr aber
noch wichtig ist, erkennt man daran, dass sie ihren Vater davon abhalten will, Gregor zu
verletzen. Mit der Zeit vernachlässigt sie Gregor aber immer mehr. Sie stellt ihm nur noch
beliebige Speisen hin, egal ob Gregor sie isst oder nicht. Durch ihren mittlerweile
angenommenen Job schafft sie es ganz offensichtlich nicht, ihren Bruder so wie vorher zu
versorgen. Als ihre Mutter sein Zimmer reinigt, wird sie aber sehr wütend. Vermutlich will sie
nicht zugeben, dass die Versorgung von Gregor ihr zu viel wird, da Gregor es vorher geschafft
hat, nicht nur sie, sondern die ganze Familie zu versorgen. Aufgrund ihres Stolzes und der
wenigen Zeit, die sie hat, erledigt sie ihre Aufgabe immer schlechter. Sie reinigt nicht mehr
das Zimmer und achtet auch nicht auf seine Unterernährung. Zudem verhindert sie es nicht,
dass Gregors Zimmer als Abstellkammer genutzt wird und mit vielen Dingen gefüllt wird, die
nicht gebraucht werden, was ein Symbol dafür ist, dass die Familie Gregor, der ebenfalls in
der Abstellkammer ist, ebenfalls nicht mehr braucht. Zum Schluss empfindet sie ihren Bruder
sogar als so große Last, dass sie ihn loswerden will. Dass ihr Bruder noch menschlich ist,
leugnet sie ab diesem Zeitpunkt, was offenbart wird, als sie dem Vater widerspricht, der es
kurzzeitig in Betracht zieht, dass Gregor sie verstehen könnte. Als ihr Bruder daraufhin
verstirbt ist sie kurz traurig, hauptsächlich aber erleichtert und freut sich darauf, ein neues
Leben zu beginnen. Sie scheint also schon mit seinem Tod abgeschlossen zu haben. Ihr
gefällt zudem der neue Stellenwert, den sie durch Gregors Tod in der Familie bekommen
hat. Zwar ist sie kurz bestürzt, als sie erkennt, wie unterernährt Gregor ist, jedoch hält dies
nicht lange an. Allgemein kann man sagen, dass Gregor seiner Schwester nach seiner
Verwandlung immer unwichtiger wird. Nach und nach vernachlässigt sie ihn und empfindet
ihn als Last, lässt wegen ihres Stolzes aber auch keine Hilfe zu.
Name: Jennifer Bayer
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Aufgabe 4)
Zu Beginn empfindet Gregor seine Verwandlung zunächst nur als einschränkend bezüglich
seiner Bewegung und ignoriert sie erst einmal. Er sieht sich noch dazu in der Lage, zu
arbeiten. Seine Sicht auf seine Verwandlung ist also relativ unrealistisch, da seine
körperlichen Veränderungen es ihm offensichtlich nicht erlauben, so zu arbeiten wie vorher.
Zwar fällt ihm dies auf, jedoch hält ihn das nicht davon ab, seinen Tag normal zu planen.
Dazu ist aber zu erwähnen, dass er zunächst denkt, dass es eine Einbildung ist: „[…]er war
gespannt, wie sich seine heutigen Vorstellungen allmählich auflösen würden. Dass die
Veränderung der Stimme nichts anderes war als ein Vorbote einer tüchtigen Verkühlung,
einer Berufskrankheit der Reisenden, daran zweifelte er nicht im Geringsten.“, (S.9, Z.4ff).
Erst, nachdem es ihm nicht gelingt, mit seiner Familie und dem Prokuristen normal zu
sprechen und seine guten Absichten zu zeigen, realisiert er, dass es keine Einbildung ist und
empfindet es als einschränkend, da seine Familie Angst vor ihm hat und er es nicht schafft,
zu zeigen, dass er ihnen nichts antun will. Im Verlauf der weiteren Handlung wird ihm immer
mehr bewusst, dass er nicht mehr der Versorger der Familie sein kann, sondern jetzt
versorgt werden muss, also abhängig ist, was für ihn wohl die größte Einschränkung, die aus
seiner körperlichen Metamorphose folgt, darstellt. Er ist traurig über deren darauf folgende
Konsequenzen, sodass er seine Verwandlung, die er trotzdem noch passiv wahrnimmt,
immer mehr als Last empfindet. Ungewöhnlich ist dabei, dass er nicht versucht, seine
Verwandlung rückgängig zu machen oder zu überlegen, wie er dies bewerkstelligen könnte,
was sehr untypisch ist. Nach und nach gibt er sein menschliches Verhalten auf. Der Versuch,
das Bild der Dame in seinem Zimmer zu retten, welches ein Symbol für seine Sexualität ist
und damit einen menschlichen Teil von Gregor darstellt, zeigt, dass er seine Menschlichkeit
aber noch nicht ganz aufgegeben hat.
Über seine Familie denkt Gregor bis zum Schluss der Erzählung positiv und ist der Ansicht,
dass er das Problem ist, obwohl er nichts für seine Veränderung kann. Er macht sich Sorgen
um sie, beobachtet ihr Verhalten und reagiert beispielsweise auf die Erkenntnis, dass sein
Vater ihn ausgenutzt hat, nicht wütend, sondern befürwortet es, da es dem Wohl der Familie
dient, was ihm am wichtigsten ist. Auch die Tatsache, dass sein Vater ihn zwei Mal schwer
verletzt und das eine Mal davon fast getötet hat, scheint ihn nicht wachzurütteln, da er
großes Verständnis für ihn hat. Das er wieder am Familienleben teilnehmen darf, obwohl
dies selbstverständlich sein sollte, sieht er als Entschädigung dafür an, obwohl er sein
Zimmer immer noch nicht verlassen darf. Das einzige Mal, als er sich wehrt, weil seine
Mutter und seine Schwester sein Zimmer ausräumen wollen, wird er dafür bestraft und
macht sich dafür Vorwürfe, obwohl seine Familie nicht nach seinen Wünschen gefragt hat
und er immer noch ein Recht auf seine Sachen hat. Seine Reaktionen sind also völlig normal,
jedoch hat er ständig ein schlechtes Gewissen und versucht zu beweisen, dass er es gut
meint, wobei jedes Mal etwas schief geht. Auch zum Schluss, als seine Familie ihn loswerden
will, scheint es, als würde er ihnen zuliebe sterben, damit er ihnen keine Last ist.
Zusammengefasst stellt er das Wohl seiner Familie deutlich über sein Wohl und stimmt dem
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Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
falschen Verhalten der Familie sogar zu, anstatt zu erkennen, dass sie nicht richtig handeln,
sodass er nicht nur seine Verwandlung, sondern auch sich selbst zum Schluss als große
Belastung empfindet.
Aufgabe 5)
Türen dem Zweck der Privatsphäre. Zudem symbolisieren sie eine Grenze/Barriere oder
einen Schutz und haben wesentliche Einflüsse auf die Kommunikation mit anderen Personen
und deren Einsicht in das Privatleben. Auch in der Erzählung von Franz Kafka spielen die
Türen zu Gregors Zimmer eine wichtige Rolle. Zu Beginn der Erzählung ist Gregor noch selbst
dazu in der Lage, seine Türen zu öffnen und zu verschließen. Daran kann man erkennen, dass
Gregor seine Privatsphäre schätzt. Zugleich geht aus diesem Verhalten aber auch ein
Misstrauen gegenüber seiner Familie hervor und es wird verdeutlicht, dass er eine fragliche
Beziehung zu seiner Familie hat. Die Türen dienen hier also als dem Schutz. Ab dem
Moment, an dem Gregor an dem Morgen seiner Verwandlung unter Mühen ein letztes Mal
die Tür öffnet, geht die Gewalt, die Gregor über seine Türen hat, komplett auf seine Familie
über. Dies ist eine große Einschränkung, da er weder entscheiden kann, wer hereinkommt,
noch wann er das Zimmer verlassen darf. Ab diesem Zeitpunkt ist die Tür nicht nur ein
Symbol für Gregors Privatsphäre und das Verhältnis zwischen ihm und seiner Familie,
sondern sie symbolisiert zudem auch die Intensität, mit der Gregor am Familienleben
teilnehmen darf. Zunächst ist die Tür verschlossen, sodass Gregor lauschen muss, um etwas
von den Gesprächen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern mitzubekommen. Die
geschlossenen Türen drücken somit das Unbehagen gegenüber Gregor aus und dienen dem
psychischen und physischen Schutz der Familie sowie dem Schaffen einer Barriere, um die
für sie nötige Distanz herzustellen. Später, nachdem sein Vater ihn stark verletzt hat, beginnt
seine Familie damit, ihn mehr zu dulden und öffnet symbolisch dazu die Tür ein wenig,
sodass er mit der allgemeinen Erlaubnis von ihnen ihre Gespräche verfolgen kann. Jedes
Verschließen der Tür schmerzt Gregor erneut, sowohl seelisch als auch körperlich, da seine
Wunde parallel zu seiner Trauer über diese erneute Distanzierung seiner Familie schmerzt.
Des Weiteren hat er nicht die Erlaubnis, sein Zimmer zu verlassen, denn nachdem Gregor in
jedem Abschnitt einmal das Zimmer verlässt, wird wieder brutal zurückgedrängt. Außerdem
ist anzumerken, dass gleich zu Beginn aus der Erzählung hervorgeht, dass jedes
Familienmitglied eine eigene Tür hat. Betrachtet man genauer, wie oft welche Tür geöffnet
wird, kann man ebenfalls die Beziehung zu den einzelnen Familienmitgliedern analysieren.
Die Tür der Schwester und die der Mutter, durch welche auch andere herein kommen
können, werden häufiger geöffnet. Die Tür des Vaters jedoch bleibt durchgängig
verschlossen, woran man die schlechte Beziehung zwischen Gregor und seinem Vater
erkennen kann. Gegen Ende der Erzählung wird eine der Türen zudem von einer Fremden
geöffnet, da die Bedienerin manchmal bei ihm vorbeischaut. Dadurch wird die verlorene
Privatsphäre von Gregor noch einmal besonders hervorgehoben. Zusammengefasst lässt sich
also sagen, dass die Türen ein Symbol für die Intensität darstellen, mit der Gregor am
Familienleben teilnehmen darf und zeigen gleichzeitig die Veränderung der Verhältnisse zu
Gregor auf. Zum anderen stellen sie den Verlust seiner Selbstbestimmung dar und betonen
den Verlust seiner menschlichen Fähigkeiten, da Türen öffnen normalerweise etwas ist, was
jeder kann.
Name: Jennifer Bayer
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Aufgabe 6)
Der Tod der Hauptfigur Gregor Samsa in Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ hat
unterschiedliche Gründe. Die Hauptursache ist aber offensichtlich der schlechte
gesundheitliche Zustand von Gregor. Der Auslöser davon entspringt dem Familienverhältnis.
Durch den Stolz der Schwester, die fehlende Fähigkeit der Mutter, sich gegenüber ihrer
Tochter durchzusetzen sowie das Desinteresse und die Brutalität des Vaters, der schon mit
Gregor abgeschlossen hat, verschlechtert sich nach und nach Gregors Zustand. Durch die
zunehmenden Belastungen durch Job und Familie vernachlässigt Grete ihren Bruder immer
mehr. Die Vernachlässigung bezieht sich neben der Ernährung auch auf die Säuberung des
Zimmers. Der sich dadurch anhäufende Schmutz trägt zusätzlich zu der Entzündung der
Wunden bei, die der Vater Gregor zugefügt hat und die zudem nicht behandelt wurden, da
sie zu große Angst/zu großen Ekel vor Gregor haben. Ein weiterer Aspekt, der zur
Verschlimmerung der Gesundheit beigetragen hat, ist Gregors psychischer Zustand. Durch
seine Schuldgefühle, die er beispielsweise durch den Verlust der Fähigkeit hat, seine Familie
zu versorgen und durch die mangelnde Zuwendung und Nähe seiner Familie sowie dem am
Ende der Erzählung erwähnten Wunsch der Schwester, ihn loszuwerden, verlässt ihn
letztendlich sein Lebenswillen. Kurz darauf stirbt er. Somit ist sein gesundheitlicher Zustand,
der sich aufgrund dem Verhalten seiner Familie und seinem seelischen Schmerz
verschlechtert, der Grund für seinen Tod.
Die erste Person, die Gregors Leichnam findet, ist die Bedienstete der Eltern. Sie informiert
seine Eltern, die sich noch zunächst verwirrt, dann neugierig im Schlafzimmer befinden.
Grete, die ebenfalls aus ihrem Zimmer kommt, als sie sich auf den Weg zu Gregors Zimmer
machen, ist entgegen der Erwartung schon komplett angezogen, so als hätte sie eine
Vorahnung gehabt. Zur Demonstration von Gregors Tod stupst die Bedienstete Gregors
Leichnam mit einem Stock an. Zwar will die Mutter ihre Bedienstete zurückhalten, macht es
dann aber doch nicht. Daran kann man erkennen, dass sie ihrem Sohn den Stoß ersparen
möchte, was zeigt, dass er ihr immer noch wichtig ist, jedoch sieht sie ein, dass es jetzt
sowieso egal ist, da er schon Tod ist. Der Vater ist sehr erleichtert, was man an seiner
Aussage erkennt: „Jetzt können wir Gott danken.“, (S.55, Z.20). Gregors Schwester, die für
ihn zuständig war, möchte sich rechtfertigen, indem sie ihn betrachtet und sagt: „Seht nur,
wie mager er war. Er hat ja auch schon so lange Zeit nichts gegessen. So wie die Speisen
hereinkamen, sind sie wieder hinausgekommen.“, (S.55, Z.22). Vermutlich fühlt sie sich ein
wenig schuldig, was aber nicht lange anhält. Zudem geht aus dem Text hervor, dass sie ihn
wieder mehr als menschlich sehen anstatt als ein Ungeziefer. Anschließend trauern die
Familienmitglieder kurz, jedoch ist dies nicht von langer Dauer, denn kurz darauf beschließen
sie, ein neues Leben anzufangen und erkennen, dass ihre Lage gar nicht so aussichtslos ist,
da sie Jobs haben, die für die Zukunft vielversprechend sind. Sie nehmen sich einen Tag lang
frei, woran man erkennt, wie sehr die Lage von Gregor sie belastet hatte und fahren mit der
Straßenbahn vor die Stadt. Zum Schluss wird der neue Stellenwert, den die Tochter in der
Familie bekommen hat, verdeutlicht, da die Eltern immer mehr Potenzial in ihrer inzwischen
Name: Jennifer Bayer
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erwachsen gewordenen Tochter erkennen. Sie beschließen, für sie einen Mann zu finden
und scheinen mit Gregor schon abgeschlossen zu haben.
Aufgabe 7)
Die Verwandlung Gregors in Kafkas Werk kann man unterschiedlich deuten. Eine Möglichkeit
wäre es, dass die Verwandlung nur das sichtbar macht, was sich vorher lediglich durch das
Verhalten seiner Mitmenschen geäußert hat. Wie man durch Gregors innere Monologe und
an einigen Aussagen oder Handlungen der Familie erfahren kann, war das Verhältnis
zwischen Gregor und seinen Eltern auch vorher schon schlecht. Zwar war er der
Hauptversorger der Familie, jedoch hat er keine Anerkennung der Familie, die sich bereits
daran gewöhnt hat, bekommen. Stattdessen hat sein Vater ihn ausgenutzt und angelogen.
Auch seine Mutter scheint nicht wirklich zu wissen, wie sich ihr Sohn fühlt, da sie behauptet,
ihm würde seine Arbeit gefallen, obwohl er seinen Job hasst. Zudem behandelt ihn sein Chef
schlecht und von oben herab, misstraut ihm und lässt nicht den kleinsten Fehler zu.
Allgemein kann man also behaupten, dass Gregor auch schon vorher wie ein Ungeziefer
behandelt wurde. Durch die hohen Erwartungen seiner Mitmenschen musste er des
Weiteren seine Gefühle unterdrücken und hat sich dadurch selbst entmenschlicht. Somit
war er quasi ein Tier in einem menschlichen Körper. Seine Verwandlung in einen Käfer hat
also nur das offenbart, was schon die ganze Zeit über da war. Der Käfer wurde hier gewählt,
weil dieses Tier Ekel auslöst und Menschen dazu neigen, Distanz zu “Ungeziefer“
herzustellen. Auch Gregors Familie hat sich von ihm distanziert, weshalb es in der Erzählung
passend ist. Des Weiteren haben Käfer eine harten Panzer, dafür aber ein weiches Inneres,
was sich ebenfalls auf Gregor, der sehr sensibel und verletzlich ist, übertragen lässt. Gregors
Panzer hingegen scheint aber auch nicht sonderlich hart zu sein, da der Vater es schafft, ihn
mit einem Apfel zu verletzen, was ein Symbol dafür ist, wie sensibel Gregor besonders
gegenüber seinem Vater ist. Außerdem zwingt Gregors Körper ihn dazu, nicht mehr auf einer
Augenhöhe mit anderen Menschen reden zu können. Er muss zu ihnen hinaufschauen, was
eine Demütigung darstellt. Dass Gregor morgens auf seinem Rücken aufwacht, stellt die
Hilflosigkeit dar, die er schon vorher in seiner Situation beziehungsweise in der Familie hatte,
während der Verlust seiner menschlichen Stimme darstellt, dass die Kommunikation auch
vorher schon nicht funktioniert hat, was beispielsweise an der Aussage der Mutter deutlich
wird, dass Gregor seinen Job lieben würde. Betrachtet man all diese Aspekte, wird deutlich,
dass Gregor sich zwar in einen Käfer verwandelt hat, aber sein Stellenwert und die
Sichtweise seiner Mitmenschen auf ihn keinen Wandel erfahren. Wer jedoch einen Wandel
durchlebt, ist Gregors Familie, denn durch seine Verwandlung wird ausgelöst, dass sein Vater
seine frühere verlorene Kraft wiedererlangt, seine Mutter weniger hilflos und seine
Schwester schneller erwachsen, selbstbewusster und verantwortungsvoller wird. Somit
findet im Sinne der Sichtweise der anderen Figuren auf Gregor eigentlich keine Verwandlung
statt. Dennoch zeigt die Erzählung, wie schnell ein unerwartetes Ereignis das Leben einer
Familie auf den Kopf stellen kann und wie dadurch die wahren Absichten und Verhältnisse
der einzelnen Familienmitglieder offenbart werden.
Name: Jennifer Bayer
Fach: Deutsch
Kurs: BG 12, Frau Hoffmann
Aufgabe 8)
„Die Verwandlung“ von Franz Kafka lässt sich zeitlich in die Epoche des Expressionismus
einordnen. Diese Epoche ist von verschiedenen literarischen Motiven geprägt. Die Werke
dieser Literaturepoche offenbarten eine “Ästhetik des Hässlichen und Kranken“ in denen
eine Lebenswirklichkeit voller Krieg, Leid, Tod, Verwesung, Entwurzelung und Angst vor
Identitätsverlust widergespiegelt wurde. Auch in Kafkas Werk wird die im Expressionismus
im Vordergrund stehende Perspektivlosigkeit an Gregor besonders deutlich, da seine
Situation, die einer schweren Krankheit gleichkommt, ausweglos ist. Zudem waren Gefühle
wie Ängste, unter denen auch Gregor leidet, oder Ahnungen beherrschende Elemente des
Expressionismus, die häufig durch Übertreibungen, aber auch durch Gegensätze ausgedrückt
wurden. Zu der Zeit herrschten große politische Spannungen und die Materialschlachten und
empfundene Sinnlosigkeit des Krieges brachten sowohl physische als auch psychische
Verletzungen hervor, die das Leben der Menschen prägte. Durch die Industrialisierung und
deren neue Maschinen fühlten sich die Menschen in ihrer Existenz verunsichert und die
wachsende Anonymität der Großstädte führte bei vielen Menschen zu einer inneren
Heimatlosigkeit. Auch Gregor erfährt einen Verlust der Identität und Menschlichkeit sowie
eine entfremdete Berufswelt, die ihm keinen Raum für sich gibt. Außerdem leidet Gregor so
wie die Menschen zur Zeit des Expressionismus unter autoritären Strukturen. Die durch die
Heimatlosigkeit ausgelösten Gefühle der damaligen Bevölkerung spiegeln sich ebenfalls an
ihm wider, da er sich einsam, schwach und minderwertig fühlt und zudem keine Zuwendung
erfährt. Alle seine gut gemeinten Kommunikationsversuche werden missverstanden und
seine Beziehungen zu Mitmenschen scheitern oder kommen erst gar nicht zustande. Des
Weiteren kann der durch das starke Bevölkerungswachstum hervorgerufene Platzmangel
durch die Einengung Gregors in seinem Zimmer veranschaulicht werden und der Sinn und
Wert seiner Existenz wird durch seine schlechte Behandlung und dem fehlenden Grund
seiner Verwandlung hinterfragt, was ebenfalls typisch für den Expressionismus ist. Auch zu
erwähnen ist die Übertragung der Gesellschaftskritik des Autors auf einen Vater-Sohn-
Konflikt und das Motiv des Käfers, welche die Entmenschlichung und Hilflosigkeit der Epoche
aufzeigen.