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"Es gibt im Netz keine Schutzräume mehr" von Carla Bleiker

A Hass im Internet kann im Alltag schnell in Gewalt umschlagen. Jüngstes Opfer ist
ein 14-jähriges Mädchen in Indonesien. Beim Kampf gegen Cyber-Mobbing setzen
Experten deswegen verstärkt auf Prävention.
5 Kinder können grausam sein. Das weiß jeder, der in der Schule gemobbt wurde oder

Kinder hat, die das gleiche durchmachen. Aktuell erschüttert ein Fall in Indonesien
die internationale Öffentlichkeit. Eine 14-Jährige wurde nach Informationen lokaler
Medien von zwölf älteren Schülerinnen krankenhausreif geschlagen. Anlass sollen
Kommentare gewesen sein, die das Opfer bei Facebook gepostet hatte.
10 B "Das Ausmaß der Gewalt ist extrem, aber dass ein Konflikt zwischen Jugendlichen

online beginnt und dann in die 'offline Welt' überschwappt, ist nicht ungewöhnlich",
sagt Birgit Kimmel, Diplompädagogin und Leiterin der EU-Initiative Klicksafe. Das
Projekt ist Teil einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Internet.
"Mobbing kann im Netz beginnen und im normalen Leben weitergehen oder
15 umgekehrt", sagte Kimmel der DW. "In der Regel sind beide Welten betroffen, wie

auch in dem Fall in Indonesien."


C Laut Kimmel betreffe Mobbing hauptsächlich Jugendliche in der Pubertät und von
denen habe mittlerweile die Mehrzahl ein Smartphone. Deswegen hätten Opfer auch
zuhause keine Ruhe vor gehässigen Kommentaren, Sticheleien und Drohungen. Es
20 gebe keine Schutzräume mehr; man werde 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die

Woche angegriffen. So gut wie jedes Mobbing, was in der Schule passiere, werde im
Netz weitergeführt.
Wegen dieser Wechselbeziehung trennen Kimmel und andere Experten nicht mehr
zwischen Cyber-Mobbing und "offline"-Mobbing. Und auch gesetzlich gibt es in
25 Deutschland keine Regelungen, die speziell auf Cyber-Mobbing abzielen.
Stattdessen wird viel Arbeit in die Prävention gesteckt.
D "Wir haben Mitarbeiter, die speziell für Prävention geschult werden und dann in
Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen in die Schulen gehen", erklärt Erika Krause-
Schöne, Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, im DW-Gespräch.
30 Diese Bemühungen richten sich nicht nur an Teenager – schließlich sind auch viele

Kinder im Grundschulalter schon im Internet unterwegs.


"Mit der Prävention müssen wir früh anfangen", sagt auch Kimmel. Den Kindern
müsse erstmal erklärt werden, "was im Internet alles passieren kann, und dass es
wichtig ist, sich Hilfe zu holen, wenn man online angegriffen wird". "Wir erklären,
35 dass es nicht petzen ist, wenn man um Hilfe fragt", sagt Kimmel. "Das spielt bei

Kindern eine große Rolle."


E In den höheren Klassenstufen sei es dann wichtig, die Jugendlichen zu
sensibilisieren und ihnen den Unterschied zwischen Öffentlichkeit und privatem
Raum klarzumachen, erklärt die Pädagogin. Ein großes Thema dabei: Keine
40 freizügigen Bilder verschicken, auch nicht an den eigenen Freund! Wenn die

Beziehung auseinander geht, könnten die dann in der Klassen-WhatsApp-Gruppe


landen. Schnell hat die ganze Schule die sehr privaten Aufnahmen gesehen und redet
darüber – ein Albtraum für das Opfer.
F "Am wichtigsten ist es dann für die Opfer, dass als erstes diese Bilder
45 verschwinden", sagt Kimmel. Sie erinnert sich an einen Fall, als eine Schülerin ein

explizites Video an ihren Freund geschickt hatte. Der Film kursierte unter den
Mitschülern.
"Als die Sache herauskam, ist das Schulpersonal durch alle Klassen gegangen und hat
angeordnet, dass alle das Video sofort von ihren Geräten löschen." Auch aus dem
50 Internet wurde das Video entfernt. Nach kurzer Zeit war es nirgendwo mehr zu sehen.

Leider, sagt Kimmel, gibt es in vielen Schulen noch keine Verantwortlichen für
Cyber-Mobbing, die in solchen Fällen wissen, was zu tun ist, und schnell eingreifen.

Quelle: https://www.dw.com/de/cyber-mobbing-es-gibt-keine-schutzr%C3%A4ume-mehr/a-48293614
bearbeitet von Zhihao Zhang

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