Weimarer Klassik
Weimarer Klassik
Historischer Hintergrund
Grundideen
Das Menschenbild wurde von dem Mittelstellung des
Menschen zwischen Geist und Materie gepraegt ; Mensch hat
durch seinen Geist an der "Gottheit", durch seine Natur an
der "Tierheit" teil. Einen besonders grossen Wert wurde auf
die Bildung zur Humanität durch Kunst und Dichtung
(Schiller: "ästhetische Erziehung") gelegt. Das
Erziehungsideal war der in sich ruhende, gute und schöne
Mensch, in dessen Handeln Pflicht und Neigung sich in
Übereinstimmung befinden (die "schöne Seele")
Wie die Aufklärung ging die Klassik von der Erziehbarkeit des
Menschen zum Guten aus. Ihr Ziel war die Humanität, die
wahre Menschlichkeit (das Schöne, Gute, Wahre). Doch der
Mensch sollte nicht nur einzelne Tugenden (z.B. Toleranz,
Nächstenliebe) besitzen, sondern einem Ideal zustreben.
Verwirklicht sah man dieses Ideal in der griechischen Antike;
die Griechen des klassischen Altertums hätten ihre Kräfte
allseitig und harmonisch entfaltet wie kein Volk zuvor oder
danach. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Das war der
Leitspruch der Weimarer Klassiker. Die Menschen sollten zu
Vernunft und moralischem Handeln erzogen werden, und die
Vernunft sollte auch die Politik leiten.
Als einen weiteren Bereich, in dem das Ideal bereits
Wirklichkeit sei, verstand man die Natur. Dieser Gedanke
wurde von Goethe vertreten. Er verstand sich selbst in
erster Linie als Naturforscher, nicht als Dichter. Zeit seines
Lebens versuchte er die mannigfaltigen Erscheinungsformen
der Tier- und Pflanzenwelt auf bestimmte Urformen
zurückzuführen (z.B. die Urpflanze),
Literatur der Klassik
Die Dichtung der Klassik war sehr vom Idealismus geprägt. Sie
zielte auf eine geschlossene Form, auf Vollendung, auf
Humanität, auf Sittlichkeit und auf Harmonie. In Schillers Briefen
über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) forderte er
eine Wahrnehmung der Kunst, die auch die Gesellschaft
befördert.
Kunstgegenstand ist nicht "das Leben", sondern die
Gesetzlichkeit des Lebens, nicht die Wirklichkeit, sondern die
Wahrheit. Goethe hat es festgessteldt : Der Dichter muss in der
individuellen Gestalt den Typus erkennen lassen, dem Typus
durch individuelle Gestalt Leben verleihen.
die Klassik griff zahlreiche Stil- und Gestaltungsmittel der Antike
wieder auf: So erlebten unter anderem die Hymne und die an
strenge formale Kriterien gebundene Ode eine neue Blütezeit.
Ebenso ist die verstärkte Hinwendung zur dramatischen Form
nur mit Verweis auf die griechischen Vorbilder zu verstehen.
Die bevorzugten literarische Formen waren: Ideendrama
Charakterdrama, Gedankenlyrik (Ideengedichte); Balladen;
Bildungsroman, Ode, Hymne, Sonett, Distichon, Stanze.
Friedrich Schiller
o Don Carlos (1787), Über die ästhetische Erziehung des
Menschen (1795), Die Kraniche des Ibykus (1797), Der
Ring des Polykrates (1798), Die Bürgschaft (1798),
Wallenstein (1799), Das Lied von der Glocke (1799),
Maria Stuart (1800), Die Jungfrau von Orléans (1801),
Die Braut von Messina (1803), Wilhelm Tell (1804)
Johann Wolfgang von Goethe
o Wilhelm Meisters theatralische Sendung (1776),
Egmont (1788), Iphigenie auf Tauris (1787), Torquato
Tasso (1790), Römische Elegien (1790), Faust (1790),
Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796), Xenien (mit Schiller,
1796), Novelle (1797)
…sowie einige Werke von Christoph Martin Wieland (etwa
Alceste 1773, Oberon 1780, Dschinnistan 1789) und von
Johann Gottfried Herder (etwa Terpsichore 1795 und
Kalligone 1800)