Diplomarbeit / Diploma Thesis
Diplomarbeit / Diploma Thesis
Katalin Wirker-Dobány
angestrebter akademischer Grad / in partial fulfilment of the requirements for the degree of
Magistra der Philosophie (Mag. phil.)
I
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG .............................................................................................................................. 1
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II
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III
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IV
DARSTELLUNGSVERZEICHNIS (ABBILDUNGEN)
Abbildung 1: Lehrphasen
Abbildung 2: Unterschiede zwsichen Fremdsprachen- und Herkunftssprachen-
lernende
Abbildung 3: Referenzniveaus
Abbildung 4: Rückwärtsplanung
Abbildung 5: Vokalharmonie
Abbildung 6: Abschnitt vom Inhaltsverzeichnis I
Abbildung 7: Zusammenhängende Darstellungen
Abbildung 8: Elaborative Darstellungen
Abbildung 9: Markierung der Satzteile
Abbildung 10: Wichtige Zeichen bei Grammatikdarstellungen
Abbildung 11: Isolierte Einzelsätze
Abbildung 12: Einfügung von isolierten Sätzen
Abbildung 13: Offene Übung zur Bewusstmachung
Abbildung 14: Frage-Antwort-Übung I
Abbildung 15: Übungen für die Fertigkeiten ‚Schreiben’ und ‚Sprechen’
Abbildung 16: Übungen mit Bildern
Abbildung 17: Innovative Übung
Abbildung 18: Abschnitt vom Inhaltsverzeichnis II
Abbildung 19: Grammatische Zeichen
Abbildung 20: Grünes Quadrat I
Abbildung 21: Grünes Quadrat II
Abbildung 22: Darstellung der Kausussuffixe
Abbildung 23: Dynamische Symbole
Abbildung 24: Merkzettel I
Abbildung 25: Merkzettel II
Abbildung 26: Merkzettel III
Abbildung 27: Merkzettel IV
Abbildung 28: Elaborative Darstellung in der Phase der Einbettung
Abbildung 29: Gleichzeitige Einbettung mehrere Phänomene
Abbildung 30: Frage – Antwort- Übung II
Abbildung 31: Phonetische Übung
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V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AHS Allgemeinbildende Höhere Schulen
BAfEP Bildungsanstalt für Elementarpädagogik
BHS Berufsbildende Höhere Schulen
BFJ Bundesministerium für Familie und Jugend
BMB Bundesministerium für Bildung
BMWF Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
BMUKK Bundesminsiterium für Unterricht, Kunst und Kultur
EU-Kommission Europäische Kommission
FU Fremdsprachenunterricht
GER Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen
HAK Handelsakademie
HLL Heritage Language Lernende
HLW Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe
HTL Höhere Technische Lehranstalt
HS Hauptschule
HUM Humanberufliche Schulen
LA Language Awareness
LSR Landesschulrat
PIRLS Progress in International Reading Literacy Study
PISA Programme for International Student Assessment
PTS Polytechnische Schule
SchOG Schulorganisationsgesetz
VS Volksschule
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VI
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1. EINLEITUNG
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Der zweite Themenkomplex ‚Diversität im Sprachwissen’ stellt hingegen eine der
größten Problematiken des heutigen Schulwesens im Burgenland zur Ansicht. Im
Kapitel 3 ‚Diversität im Ungarischunterricht an Schulen im Burgenland’ wird in
einzelnen Subkapiteln aufgelistet, welche SchülerInnen eine Schulstunde der
Höheren Schulen mit Ungarisch als Fremdsprachen besuchen. Hier wird Ungarisch
als Minderheitensprache, als Sprache der ungarischen MigrantInnen und als
Nachbarschafts- bzw. Fremdsprache, mitsamt ihren speziellen Sprachkompetenzen,
beschrieben. Dabei muss betont werden, dass ausschließlich SchülerInnen, die am
ungarischen FU teilnehmen, behandelt werden und nicht die, die dem
Muttersprachenunterricht zugeordnet werden.
Um diese Diversität noch besser zu verstehen und natürlich die Ergebnisse dieser
Arbeit besser zu erreichen, soll anschließend, im Kapitel 4, die ‚Zielsetzung im
ungarischen Fremdsprachenunterricht’ genauer dargestellt und mit der Diversität
abgestimmt werden. So soll eine noch klarere Aussage über die Art und
Notwendigkeit betreffend grammatischen Wissens, welches diese Diversität benötigt,
erstellt werden.
Mit einer erhofften klaren Aussage über das grammatische Wissen, die zur
Zielerreichung für die Diversität benötigt wird, kann der dritte große Themenkomplex
‚Lehrwerke’, ein großes Thema in der Forschungsliteratur, abgestimmt werden. Viele
ForscherInnen sind gegen die Anwendung solcher ‚künstlichen’ Lehrmaterialien.
Lehrkräfte geben aber wiederum, an, dass sie aus Lehrwerken unterrichten und
somit auch ihre (grammatische) Progression annehmen und somit diese zu einem
‚geheimen Lehrplan’ werden. Daher soll im Kapitel 5 ‚grammatisches Wissen in
Lehrwerken für den ungarischen Fremdsprachenunterricht’ behandelt werden, indem
auf die Progression, grammatische Präsentation und grammatische Übungen näher
eingegangen wird.
Das 6. Kapitel ‚Lehrwerkforschung’ führt dann in die Empirie ein, indem eine
entsprechende Auswahl der Arten der Lehrwerkforschung sowie der zu
untersuchenden Lehrwerke getroffen und somit auch beschrieben bzw. die aus der
Theorie erstellten Kriterien zur Analyse vorgestellt werden.
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Mit dieser Auswahl soll dann im Kapitel 7 die ‚Lehrwerkkritik – Deklaratives Wissen in
Lehrwerken’ vollzogen und im Anschluss die Ergebnisse zusammenfassend
verglichen werden. Für jeden der drei Punkte, d.h. zur Progression, grammatische
Präsentation und grammatische Übungen, sollen zum Abschluss Empfehlungen
gegeben werden.
Die Kriterienkataloge können als Hilfe für Lehrkräfte bei der Auswahl von passenden
Lehrwerken dienen bzw. die Empfehlungen könnten sogar möglicherweise
AutorInnen bei der Gestaltung der nächsten Lehrwerkgeneration für Ungarisch als
Fremdsprache dienen.
Das Schlusswort sowie eine Bibliographie rundet die Arbeit ab.
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Wenn eine Person in ihrer Muttersprache bzw. in ihrer dominanten Sprache mit
anderen Personen kommuniziert, wird bei diesem Vorgang die Grammatik
automatisch realisiert und es werden kaum explizite Überlegungen getätigt. Wenn
jemand schön formulierte, literarisch bzw. mit Redewendungen angereicherte
Formulierungen äußert oder im Gegensatz einen groben Fehler in der Sprache
ausübt, werden die GesprächsteilnehmerInnen eventuell kurz aufmerksam, aber
solche Äußerungen würden im alltäglichen Leben kaum eine Diskussion über
Grammatik auslösen. Bereits in der Schule wird Grammatik eher als „trocken“
angesehen, abgesehen vielleicht vom Fremdsprachenunterricht. Dort wird
Grammatik, trotz Kritik aus diversen Stellen und kommunikativer
Fremdsprachenunterricht, als eine Art ‚Hilfsmittel’ (vgl. Steinig & Huneke, 2015: 173),
oder sogar mehr, angesehen. Aber was ist aber Grammatik überhaupt?
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denn Formen und Bedeutungen gehören, zwar auf indirekte Weise, zusammen und
„folglich kann es weder eine lexikonfreie Grammatik noch ein grammatikfreies
Lexikon geben“ (Helbig, 1993: 20).
HELBIG (vgl. 1993: 21) definiert Grammatik auch explizit, um das Verständnis ihrer
Wertigkeit u.a. auch für Gegendenker zu steigern und um zu zeigen, dass
Grammatik für jedeN SprecherIn und für jeden Fremdsprachenunterricht
unabdingbar ist.
• Als oberste Grammatik, als ‚Grammatik A’ wird das Regelsystem im
Gesamten einer Sprache angesehen, ohne linguistische Beschreibung bzw.
Realisierung von SprecherInnen.
• ‚Grammatik B’ ist die sprachwissenschaftliche Beschreibung einer Sprache.
Grammatikbeschreibungen können, um für diverse Gebrauchszwecke anwendbar zu
sein, unterschiedliche Unterteilungen unterlaufen. Sie können ‚synchron’, d.h. sich
auf eine gegebenen Zeit beziehend oder ‚diachron’, eine zeitliche Entwicklung
betrachtend, sein (vgl. Hentschel & Weydt, 2003: 7). Sie beziehen sich je nach
Zielsetzung auch entweder auf eine bestimmte Sprache oder beabsichtigen eine
universelle Beschreibung (vgl. Bußmann, 2002: 260).
Grammatikbeschreibungen sind ferner ‚normativ/präskriptiv’ oder ‚deskriptiv’.
‚Deskriptive Grammatiken’ sind linguistische Beschreibungen, die sprachliche
Phänomene ohne jegliche Bewertung empirisch untersuchen, um strukturierende
Prinzipien aufzudecken und Theorien darüber zu tätigen. Regeln und Normen
werden hier nur festgestellt und nicht vorgegeben. Dies geschieht in den ‚normativen/
präskriptiven Grammatiken’, wo sprachliche Gesetze bzw. Regeln explizit
vorgeschreiben werden, um einen korrekten Sprachgebrauch ohne Irregularitäten zu
erreichen (vgl. Lehmann, 2017)1. Für linguistische Zwecke verwendet man also
deskriptive Grammatiken und „von diesen wissenschaftlichen Beschreibungs-
grammatiken lassen sich didaktische Grammatiken, [also normative Grammatiken]
ableiten, die [...] LernerInnen [...] bei ihrem Lernprozess unterstützen sollen“ (Steinig
& Huneke, 2015: 166). Diese normativen Grammatikbeschreibungen sind synchron
und für eine gewisse Sprache bestimmt. Diese können auch ‚kontrastiv’ dargestellt
1
Christian Lehmann [Letzter Zugriff:15.04.2017]
http://www.christianlehmann.eu/fundus/deskriptive_und_normative_linguistik.html
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werden. Auch HELBIG (vgl. Funk & Koenig, 1991: 12f) unterteilt seine Grammatik B in
zwei Katergorien und zwar in B1 Grammatik für linguistische Zwecke bzw. in B2
Grammatik für pädagogische Zwecke. Letztere wird auch als didaktische bzw.
pädagogische Grammatik bezeichnet.
Diese grammatischen Beschreibungen, Regeln und Strukturen, werden in
Schulbüchern für das Sprachenlernen verwendet und im Gegensatz zu Grammatik B
werden hier keine vollständigen Systeme angegeben, sondern vielmehr eine
Auswahl von einer Regel, die für einen genaueren Verwendungszweck benötigt wird.
De facto dient die ‚normative/präskriptive’ bzw. die didaktische Grammatik für die
LehrwerkautorenInnen als Basis, aber als nicht alleiniger Einfluss, für ihre
Grammatikdarstellungen. Weitere Faktoren sollen noch im Kapitel 5.2 genannt
werden2.
In wissenschaftlichen Arbeiten kann man aber häufig Kritik an solche Darstellungen
finden, wie z.B. von TSCHIRNER (vgl. 2001: 111f), der kritisiert, dass solche
Beschreibungen aus gut durchdachten Formulierungen aus geschriebenen Texten,
die von AutorInnen/ SchriftstellerInnen bewusst produzierten wurden, abgeleitet
werden und ihre Anwendung für Grammatik C, nicht verwendbar ist. Diese Kritiken
bzg. Verarbeitungsprozess sollen jedoch nicht hier, sondern in den nächsten Kapitel
genauer behandelt werden.
• ‚Grammatik C’ ist die subjektive Grammatik, die sich bei SprecherInnen/
Lernenden bildet.
Diese dritte Definitionsart von Grammatik (vgl. Helbig, 1993: 21) besagt, dass einE
SprecherIn ein Regelsystem internalisiert und auf Grund dessen die Sprache auch
beherrscht. Dieses Regelsystem können sich SprachlernerInnen systematisch im
Sprachunterricht aneignen oder auch ohne Sprachunterricht unsystematisch
erwerben (vgl. Funk & Koenig, 1991: 12). In beiden Fällen, also in jeder Art von
Spracherwerb, führen SprecherInnen einen kreativen und individuell gestalteten
Aneignungsprozess aus. Dabei entsteht eine spezielle Lernersprache, die
grammatische Systeme der Zielsprache bzw. Erstsprache enthält und auch
Elemente, die in keiner der beiden Sprachen vorhanden sind. In jeder Lernphase
bildet der/die SprecherIn eine Hypothese über die Struktur der Sprache, mit der er
2
hier z.B. Bilder, um die Präsentation besser zu machen (vgl. Funk & Koenig, 1991:13)
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Der Wert von Grammatik im FU wird trotz Bedeutung und Definition kontrovers
diskutiert, wie bereits Kritiken der Darstellung, Anwendbarkeit bzw. natürliches
Erwerb zeigten. Trotzdem werden laut Untersuchungen von ZIMMERMANN (vgl.
1984:40, zit.n. Huneke & Steinig, 2013:186) 40%-60% der Unterrichtszeit für
Grammatikvermittlung verwendet. Hier muss daher die Frage gestellt werden, wie
Grammatik mitsamt ihrer Beschreibung und Didaktisierung eine Lernhilfe im
Spracherwerb sein kann.
Daher ist die Linguistik nicht gleichzustellen mit der Grammatik im FU, aber man darf
sie auch nicht davon abkoppeln. Lange Zeit war der FU unabhängig von Sprach- und
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Lerntheorien. Seit dem Strukturalismus wirkten sich moderne Sprachtheorien auf den
FU aus, jedoch wurden Lerntheorien nicht berücksichtigt. So war der FU
gleichzusetzen mit der ‚angewandten Sprachwissenschaft’. Danach etablierten sich
die Lerntheorien: anfangs zwar mit direkter Abhängigkeit zu den Sprachtheorien (wie
zum Strukturalismus die behavioristische Lerntheorien oder zur generativen
Sprachtheorie die mentalistische bzw. kognitive Lerntheorie zählten), später jedoch
wurde diese direkte ‚Vermischung’ beider Theorien aufgelöst. Der Gegenstand der
Sprachwissenschaft ist die ‚Sprache’ und der Gegenstand der Psychologie ist das
‚Lernen’. Daher wirken sich diverse Ergebnisse mehrerer Grundwissenschaften auf
den FU aus und nicht nur alleinig die angewandte Sprachwissenschaft. Vielmehr
sollte diese in indirekter und vermittelter Form im FU Eingang finden (vgl. Helbig,
2002: 245f). Das Resultat wird als ‚pädagogische Grammatik’ bezeichnet (vgl.
Huneke & Steinig, 2013: 192).
Ein Zusammenspiel zwischen ‚was’ gelernt und ‚wie’ es gelernt und gelehrt wird,
sollte gegeben sein. Dabei soll hier, um ein besseres Verständnis für das Gesamte
zu schaffen, noch die Unterscheidung zwischen ‚Grammatik für den
Fremdsprachenunterricht’ und ‚Grammatik im Fremdsprachenunterricht’
aufgenommen werden (vgl. Helbig, 2002: 245&249).
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impliziert, ist, desto größer ist auch die Verarbeitungschance (vgl. Funk, 2002: 207).
Dafür stehen diverse Mittel zur Verfügung, wie Visualisierung, Eselsbrücken etc. und
somit wird die Darstellung zur ‚Signalgrammatik’ (vgl. Huneke & Steinig, 2013: 193).
Daher widmet sich diese Arbeit auch der Untersuchung der Darstellungen in
Lehrwerken und ob sie diesen drei Kriterien – Verständlichkeit, Behaltbarkeit/
Einprägsamkeit und Anwendbarkeit entsprechen.
2.2.1.1 Lernprozess
Bevor in dieser Arbeit auf die Vermittlung von Grammatik übergegangen werden
kann, muss die Zusammenführung von grammatischen
Beschreibungen/Darstellungen und ihre Anwendung, konkreter der Lernprozess,
betrachtet werden. Denn wie schon im Kapitel 2.1 erklärt wird, geht Grammatik B1
nicht einfach in Grammatik C bzw. in language oder performance über. „[Denn das]
Sprachenlernen wird als ein kontinuierlicher kreativer Prozess des Bildens, Testens
und Revidierens von Hypothesen über die Regularitäten der fremden Sprache
verstanden“ (Storch, 1999: 74). Dieser Prozess wird durch Grammatikerklärungen
verkürzt, denn es werden dadurch korrekte Hypothesen gebildet. Dies ist wichtig,
denn im FU haben die Lernenden eine schmale ‚Induktionsbasis’, d.h. weniger Input
als im natürlichen Spracherwerb, um Hypothesen zu bilden (vgl. Storch, 1999: 75).
Weiters muss man beachten, dass beim Lernprozess unterschiedliche
Wissensstände mitspielen und diese nur unter bestimmten Bestimmungen aktiviert
werden (vgl. Storch, 1999: 75). Diese Wissensarten sind in allen
Spracherwerbstypen, wie beim L1 oder auch L2 präsent (vgl. Peyer, 2010: 87).
Dabei muss man beim ‚Erwerb von Wissen’, zwischen ‚explizitem Regelwissen’ und
der ‚Entwicklung von Können’ unterscheiden und ihr Zusammenspiel verstehen.
Denn grammatisches Wissen ist nur dann nützlich, wenn man es bei der
Kommunikation anwenden kann. In der kognitiven Psychologie wird diese
Unterscheidung als ‚deklaratives Wissen’ und ‚prozedulares Wissen’ bezeichnet.
Ersteres kann man durch explizites Wissen, durch gute grammatische Erklärungen
herstellen. Zweiteres hingegen kann man nur unterschiedlich ausbauen, denn dieser
Verlauf ist automatisch und benötigt Übung (vgl. Storch, 1999: 35&38).
Oft kommt es aber vor, dass Lernende grammatische Regeln sehr gut auswendig
lernen und in Lückentexte oder Tabellen sehr gut darstellen können, jedoch in der
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Für ein noch besseres Verständnis des LA Konzeptes sollen didaktische Beispiele
gebracht werden, um eine praktische Vorstellung zu bekommen. GNUTZMANN (vgl.
1994: 274&282) empfiehlt kreative ‚Fehleranalyse’ der SchülerInnen in einem Text
bzw. gut durchdachte ‚Wortspiele’, womit SchülerInnen ihr grammatikalisches Wissen
aktiv entdecken bzw. erweitern und bewusstmachen können. Auch LUCHTENBERG
(vgl. 2001: 92&109) gibt praktische Beispiele wie die Betrachtung von Satzstrukturen
in Werbesprüchen und die Betrachtung von einem evtl. angewandter Code-
Switching5, für LA und Grammatik im FU an.
Die praktische Umsetzung bzw. Vermittlung von grammatischen Darstellungen in den
Köpfen der Lernenden, d.h. der Aufbau vom ‚expliziten Wissen’ erweist sich nicht
immer ganz einfach. Auch wenn die Progression eine gelungene ist bzw. die
Darstellungen von Regelwerken gut konzipiert wurden, kann eine Überführung von
grammatischen Phänomenen nicht 100% garantiert werden. Unter diesen
Umständen darf nicht außer Acht gelassen werden, dass nicht nur von Bedeutung
ist, ‚was’ gelernt/gelehrt wird, sondern auch ‚wie’ diese Phänomene übermittelt
werden.
Des Weiteren ist auch die Überführung zur Kommunikation, wie auch schon beim
Lernprozess (prozedurales Wissen) erklärt, sehr komplex.
Vermittlungsmethoden geben dafür Wege an, wie man Lehren und Lernen
organisiert, d.h. sie sind Wege, die eine Lehrkraft beschreiten sollte, Inhalte im FU zu
behandeln um bestimmte Ziele zu erreichen (vgl. Doff, 2016: 321).
Das Ziel dieser Überführung ist die Kommunikation, wobei die SprecherInnen die
Sprache aktiv (Produzent) als auch passiv (Rezipient) verwenden. Wieviel
Grammatik hierbei übermittelt wurde, ist je nach historischer Methodenkonzeptionen
unterschiedlich gewesen.
Die Grammatik-Übersetzungs-Methode (GÜM) hatte nicht die Kommunikation in
Alltagssituationen als Ziel, sondern vielmehr das abstrahierende und
5
Welches im ungarischen FU eventuell, aus Gründen, die noch beschrieben werden, doch
hin und wieder vorkommen kann
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systematisierende Denken, wodurch die Lernenden den Bau der fremden Sprache
verstehen und gleichzeitig auch beherrschen sollten. Dabei war der Mittelpunkt des
Lernens die metasprachliche Formulierung von Grammatikregeln, die deduktiv (statt
induktiv) gefunden wurden. Sprachregeln und Grammatikbeschreibungen folgten der
lateinischen Schulgrammatik und die Vermittlung fand in der Muttersprache statt. Als
Übung dienten ‚literarische’ Übersetzungen, wobei dabei die Beherrschung einer
geschriebenen Standardsprache erzielt wurde (vgl. Huneke & Steinig, 2013:
200&202). Dabei sollte ‚accuracy’ (formale Korrektheit) statt ‚fluency’ (Redefluss)
beim Verstehen und bei der Sprachkonstruktion im Vordergrund stehen (vgl. Doff,
2016: 322).
Bei der darauffolgenden Methode, die sich in den 1860/70 Jahren entwickelte, die
sogenannte direkte Methode, wurde das induktive Lernen dem Deduktiven
vorgezogen. Übersetzungen wurden komplett abgesetzt. Auch die Sprachvermittlung
wurde in sprachimmanente Verfahren umgewandelt (vgl. Doff, 2016: 323).
Eine weitere Kehrtwendung bzgl. des Ziels brachte die audiolinguale/audiovisuelle
Methode, welche das sprachliche Können noch mehr in den Fokus rückte.
Alltagssituationen bildeten den Ausgangspunkt des FUs, wobei gesprochene
Umgangssprache erzielt wurde, indem mit zu erwerbenden sprachlichen Strukturen
angereicherte Dialoge verwendet wurden. Kognitivierende Verfahren gab es dabei
kaum. Wiederholungen, diverse Variationen der Dialoge und Pattern Drills als
Übungsform sollten zur aktiven Sprachbeherrschung führen. Die Fertigkeiten Hören
und Sprechen waren im Fokus und die Vermittlung war streng einsprachig in der
Fremdsprache (vgl. Huneke & Steinig, 2013: 203&206).
In den letzten Jahrzehnten zeigen alleine diese beiden Methodenkonzeptionen eine
enorme Unterscheidung der Wertigkeit von Grammatik. Die Verfahren sind aber
lehrergesteuert und gelten heute als die typischen Instruktionsverfahren. Weitere
zwei Hauptverfahren im Spracherwerb sind neben dem Instruktionsverfahren die
kognitivistischen und konstruktivistischen Verfahren. Letzteres geht davon aus, dass
durch entsprechende Lernumgebung, wie Auslandsaufenthalte, Immersionsklassen
etc., sich die kognitive Struktur beim Sprachenlernen durch eine sich permanent
ändernde Struktur selbst erzeugt. Dabei werden kognitive Strukturen neu aufgebaut
und gleichzeitig existierende umgestaltet. Auf dieses Verfahren wird diese Arbeit
nicht mehr eingehen, da der (ungarische) FU solche realen Ausgangsbedingungen
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nicht aufweist. Das kognivistische Verfahren betrachtet den Spracherwerb aus der
Sicht des Informationsverarbeitungsprozesses. Die Stufen dieses Prozesses, welche
bereits beschrieben wurden, sind ‚Wahrnehmen’, ‚Verstehen’, ‚Behalten’ und
‚Automatisieren’. Lernen soll durch diese Stufen ein gezieltes Erinnern von
Aufgenommenen erschaffen und dieses gekonnt anwenden (vgl. Roche, 2005: 17-
21).
Die Instruktionsverfahren hatten schlechte Kritik und wurden schließlich in den
1970ern aufgegriffen und weiterentwickelt (vgl. Faistauer, 2010:158). Durch die
daraus folgende ‚kommunikative-pragmatische Wende’, welche die kommunikative
Kompetenz als Ziel hatte und die kommunikative Orientierung im FU als Allheilmittel
sah, wurde die rein formale Ausdrucksgrammatik massiv abgewertet (vgl. Helbig,
2002: 250). Dieses soziologisch begründete Modell des Spachenlernens betrachtet
die Lernenden als ‚keinen leeren Behälter’ mehr, fordert v. a. Lernerzentriertheit bzw.
Fokus auf die Bedürfnisse Wünsch der Lernenden, wobei die Lehrenden als
Moderatoren agieren und Lehrwerke nicht mehr als die einzige Quelle fungieren (vgl.
Roche, 2005: 25). Das Können, der authentische Gebrauch, steht im Fokus. Daher
steht die Mündlichkeit vorrangig zur Schriftlichkeit. Nach einiger Zeit kam es zur
Weiterentwicklung und (literarische) Texte bekamen erneut Aufschwung, zwar nicht
mit der Methode Übersetzen, sondern mit der Methode ‚Sprechen über’ (vgl.
Faistauer, 2010: 158f). Damit soll die flüssige Kommunikation ‚fluency’ im
Vordergrund stehen, wobei auf formale Korrektheit verzichtet wird. Somit ist der
Syllabus auf sprachliche Fertigkeiten hin ausgerichtet und nicht mehr auf sprachliche
Systeme, d.h. Grammatikprogression. Merkmale wie Produktorientiertheit,
Kollaboration und induktive Verfahren sind vorherrschend. Dieser kommunikative
Ansatz dominiert auch heute noch im FU (vgl. Doff, 2016: 323f).
Nichtsdestotrotz kam es seit den 1980ern zur aktuellen Periode, zu den post-method,
wo betont wird, dass all diese Vermittlungskonzeptionen nicht als abgeschlossen
gesehen werden dürfen. Vielmehr sollten die zentralen Punkte dieser diversen
Vermittlungsmethoden parallel zueinander in Gebrauch treten (vgl. Doff, 2016: 321).
Die Abwertung von Grammatik ist im Ansatz, welcher im FU aktuell kommunikativ
fungierend ist, jedoch nicht gerechtfertigt! Wie bereits im Kapitel Grammatikdefinition
erwähnt, wurden HELBIG´S Grammatikarten mit CHOMSKY´s Performanz ergänzt.
Denn auch in der Verwirklichung der Sprache ist Grammatik enthalten, auch wenn
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dies unbewusst geschieht (siehe Aussage von STORCH). Und genau CHOMSKY´s
Performanz wird u.a. als Grundlage für den kommunikativen
Fremdsprachenunterricht angesehen (vgl. Faistauer, 2010: 18). Daher wurde dann
schlussfolgernd von einem ‚funktionalen/kommunikativen Ansatz’ gesprochen (vgl.
Helbig, 2002: 250). Leider bleibt die systematische und theoretisch überzeugende
Kategorisierung der grundlegenden sprachlichen Bausteine kommunikativer
Handlungskompetenz noch ein Desiderat (vgl. Barkowski, 2010: 157). Hierbei stellt
HELBIG (vgl. 2002: 251) sogar die große Frage nach der Exsistenz der
kommunikativen Grammatik6 und protestiert, dass Kommunikation Grammatik als
Mittel zum Ziel benötigt, und diese Grammatik als Wissen über die Sprache nicht
ausschließt. Das neue Lernziel soll kein Ersatz bzw. Veränderung in diesen
Gegenstand bringen, sondern vielmehr eine Erweiterung dessen.
Für das Verständnis dieser Erweiterung sollen die Lernphasen genauer betrachtet
werden, damit ersichtlich wird wie Grammatik überhaupt in den Köpfen der
Lernenden verankert und zu expliziten Wissen übergeht und schließlich soll die
Umsetzung von Grammatik bei den Lernenden, d.h. wie es zu prozeduralen Wissen
kommt, betrachtet werden. Damit soll eine bessere Einsicht für die
kommunikative/funktionale Grammatik hergestellt werden.
2.2.2.1 Lehrphasenmodelle
Damit die Lernenden zum Verstehen von neuen grammatischen Phänomen und
dann schließlich zur Äußerung kommen, muss ein bewusst geordneter, in Phasen
aufgeteilter Unterricht stattfinden. Diese Lehrphasen stellen Planungseinheiten auf
mittlerer Ebene für den FU dar und beruhen auf gedächtnis- und
kommunikationspsychologischen Annahmen (vgl. Storch, 1999: 155). Daher soll
zuerst, als Ausgangsbasis, das allgemeine, altbewerte 3-Phasen-Lehrmodell von
ZIMMERMANN (1972, 1988) hergenommen werden (vgl. Storch, 1999:155f). Dieses
wird in der Tabelle mit dem klassischen Fünfphasenmodell ergänzt, damit eine klare
Vorstellung über die Abschnitte eines Unterrichts erreicht wird (vgl. Raabe, 2003:
284). Da diese Arbeit sich auf den Grammatikunterricht fokussiert, und v.a. die
Bewusstmachung ins Zentrum stellt, sollen die Phasen der Bewusstmachung durch
6
Daher führte er auch sicher seine nicht Grammatiken weiter
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STORCH (vgl. 1999: 156) weiterentwickelt und konkretisiert werden. Diese konkreten
Strukturen sind für die heutige FU-Didaktik betreffend Grammatikarbeit angepasst
und erfüllen ihre Anforderungen. Daher wurden diese auch als ideale und
vorzeigbare Erweiterung in dieser Arbeit ausgewählt.
Bewusstmachung
1. Sprachaufnahme 2. Sprachintegration 3. Sprachanwendung
Präsentation Üben Kontrollphase
Kognitivierung Transferphase
Abb. 1: Lehrphasen (In Anlehnung an Storch, 1999:155)
1. Sprachaufnahme
In der ersten Phase, in der Phase der ‚Sprachaufnahme’, soll die allgemeine
Aufnahme des neuen Lernstoffs geschehen (vgl. Storch, 1999: 155). Im heutigen
Grammatikunterricht sollte diese Einführungsphase in drei charakteristische Aspekte
gegliedert werden, um eine aktive Erarbeitung der neuen grammatischen
Phänomene zu erreichen. Damit können die Lernenden diese nicht nur in Analogie
eigenhändig üben, sondern auch beim Regelerschließungprozess selbst aktiv
teilnehmen. Grammatik wird subjektiv als auch objektiv leichter und die Lernenden
erhalten ein Selbstbewusstsein für die zu lernende Sprache (vgl. Storch, 1999: 183).
1.1. Die Einbettung des grammatischen Phänomens
Kein Lehrwerk beginnt heute seine Lektion mit der Präsentation der neuen
Grammatik und geht somit ‚deduktiv’ vor. Die heutige Vorgehensweise ist ‚induktiv’,
d.h. ausgehend von einem Text oder einer Situation. Der Lernweg bzw. die
Erkenntnisgewinnung sollten vom Konkreten zum Abstrakten führen. Der Text sollte
aber unbedingt vor der neuen Grammatikeinführung pragmatisch und inhaltlich
erarbeitet sein. Die ‚induktive’ Grammatikeinführung voraussetzend, kann die
Einführung ‚eingebettet’ vorgenommen werden. So kann ein grammatisches
Regelwerk innerhalb eines textuellen oder situativen Zusammenhangs eingeführt
werden, womit ihre Verwendung bzw. Funktion von Anfang an sichtbar wird und nicht
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abstrakt und isoliert bleibt. Grammatik im Vollzug heißt also ein zentrales Postulat
des heutigen FUs (vgl. Storch, 1999: 182).
1.2. Die Phase der Erarbeitung
Eine aktive Hinführung und Erarbeitung der Lernenden zum neuen grammatischen
Phänomen mithilfe spezieller Schritte verschafft eine breite Induktionsbasis für die
abschließende Thematisierung der grammatischen Regularitäten und ist außerdem
motivations- und lernfördernd. Als erster Schritt sollten Lernende eigene Beispiele
bilden, dann selbst die Strukturen komplettieren und das Phänomen üben, bevor es
dann in der Phase 3 zusammenfassend thematisiert wird (vgl. Storch, 1999: 182f).
1.3 . Die Phase der (zusammenfassenden) Darstellung und Systematisierung
Für den weiteren Unterrichtsverlauf ist an dieser Stelle eine systematische Erklärung
und Darstellung des neuen grammatischen Phänomens wichtig.
Die Anknüpfung an das grammatische Vorwissen der Lernenden ist eine bedeutende
Forderung an die Grammatikeinführung. Es empfiehlt sich eine Art Wiederholung des
relevanten Vorwissens, um ein gezieltes Anknüpfen zu erreichen, welches viel zur
Verständlichkeit des neuen grammatischen Phänomens beitragen kann. Eine neue
grammatische Struktur, die sehr komplex ist, sollte in einzelne Teilstrukturen zerlegt
und diese nach und nach eingeführt werden. Dies schafft formale Zusammenhänge
und das Phänomen ist somit durchschaubarer (vgl. Storch, 1999: 183).
2. Sprachintegration & 3. Sprachanwendung
Die zweite Phase, die sogenannte ‚Sprachintegration’ und die dritte Phase
‚Sprachanwendung’ weisen ein Problem auf: der Spracherwerb, wozu die Phasen
Sprachaufnahme und Sprachintegration gehören und die Sprachanwendung können
in der Transferphase nicht klar abgetrennt werden. Es muss ein grammatisches
Üben in kommunikative Sprachanwendung übergehen und daher sollten diese
Phasen integrativ angesehen werden. Oft wird diese kommunikative Transferphase
auch aus Zeitmangel weggelassen, was wiederum die Motivation und den Spaß am
Lernen hemmt und eine grammatische Überlastung hervorruft. Aber auch der
separate Begriff ‚Aufgabe’, teils loslösend vom grammatischen Üben, macht einen
solchen fließenden Übergang bzw. ihre Wichtigkeit erkennbar (vgl. Raabe, 2003:
283).
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‚Üben’, welches zur zweiten Phase, der Phase der ‚Sprachintegration’, gehört und
anfangs noch zur Bewusstmachung gezählt wird, verläuft von der Erstbegegnung,
welches ‚Üben im engeren Sinn’ impliziert, über die Transferphase bis zur freien
Entfaltung. Letztere, die dann bereits zur dritten Phase gezählt wird, erzeugt ein
immer weiteres Üben. Somit kann gesagt werden, dass im Unterricht von der Übung
bis hin zur Aufgabe gearbeitet werden sollte (vgl. Raabe, 2003: 285). Die Übungen
müssen effektiv angeführt werden, indem der Stoff verteilt sowie immer wieder
wiederholt wird. Dabei sollen alle Sinne angesprochen werden bzw. sollten diese
gleichzeitig auch motivierend sein, d.h. nicht über- aber auch nicht unterfordernd und
das Lernziel soll augenscheinlich sein (vgl. Raabe, 2003: 286).
„Bei aller kognitivierenden Strukturbezogenheit sollten Grammatikübungen auch Affekte
und Emotionen, Kreativität und Phantasie ansprechen sowie dem tatsächlichen
Sprachgebrauch, der Erfahrungswelt der Lernenden, der Realität und
Bedeutungshaltigkeit verpflichtet sein“ (Raabe, 2003: 286).
Übungen und Aufgaben ergänzen sich, denn Aufgaben setzen Übungen voraus,
damit diese leichter lösbar sind. Aufgaben sind offener als Übungen, verlangen ein
problemlösendes Mitdenken, wobei es mehrere Lösungswege gibt, sind
mitteilungsbezogen und flexibel (vgl. Neuner, 1994: 10, zit. n. Raabe, 2003: 283).
Daher werden Aufgaben in dieser Arbeit vielmehr zur dritten Phase, d.h. zur
‚Sprachanwendung’ gezählt.
Ob Übung oder Aufgabe, die Auswahl der Methoden kann nicht willkürlich
stattfinden, sondern muss von der Lehrkraft genau auf die Lernphase abgestimmt
ausgewählt werden. Außerdem ist dies abhängig vom Lernziel, den
LernerInnenvariablen und den Lernbedingungen (vgl. Roche, 2005: 211).
Aus diesem Grund sollen in dieser Arbeit nach der Beschreibung der
LernerInnenvariablen und deren Lernziele, die Methoden der Phasen zur
‚Bewusstmachung’ von grammatischen Phänomenen, genauer die Phasen
Sprachaufnahme und zum Teil Sprachintegration, in den gängigsten Lehrwerken
untersucht werden. Damit sollen die Möglichkeiten zur Entstehung deklarativen
Wissens erforscht werden.
- 22 -
Wie die Notwendigkeit von Grammatik im FU gesehen wird, wird in der Forschung
genauso kontrovers diskutiert wie alle anderen bisherigen Punkte in dieser Arbeit.
Wie bereits dargelegt, geht explizites Grammatikwissen nicht gleich in Können über
bzw. kommt ungesteuertes Fremdsprachenlernen auch ohne explizite
Grammatikregeln aus. Es können auch keine pauschal formulierten Anteile hier
angegeben werden, da Anteil und Notwendigkeit, genauso wie bei den Methoden,
von den Lernervariablen, d.h. deren Grundvoraussetzungen, Bedürfnisse, und Ziele
etc. ausgehen.
Aber es ist sicher, dass Grammatik eine notwendige Hilfe im FU ist, da durch sie der
trial-and-error-Prozess von Hypothesenbildungen beschleunigt wird. Denn im
Unterschied zum natürlichen Spracherwerb gibt es im FU weniger Sprachkontakt,
weniger Input und somit weniger Zeit und Möglichkeit zur Hypothesenbildung. Aus
diesem Grund kann zuerst einmal behauptet werden, dass Grammatik den
Sprachlernprozess beschleunigt und verkürzt (vgl. Storch, 1999: 75). Dieser Aspekt
wird aber vernachlässigt, wenn man den FU dem ungesteuerten, natürlichen Erwerb
gegenüberstellt, welcher anscheinend viel Erfolg bringt (vgl. Huneke & Steinig, 2013:
188). Dabei müssen aber auch die dadurch gewonnenen Kenntnisse genau
betrachtet werden, denn jugendliche bzw. erwachsene LernerInnen kommen ohne
Grammatikunterricht nicht über ein sehr primitives Niveau der neuen Sprache hinaus
und erlangen auch keine fehlerfreie Beherrschung (vgl. Weydt, 1993: 120). An dieser
Stelle muss ein kurzer Exkurs getätigt und die Problematik von DaZ als Beispiel
aufgegriffen werden, wo die kommunikative Grammatik oft nur durch
automatisierende Methoden ausgeführt wird und die Lernenden nicht über ein
bestimmtes Niveau kommen. Sprachgebrauch passiert bereits im Leben, da hier
ständig Sprachkontakt besteht, jedoch die expliziten und bewusstmachenden
Methoden häufig fehlen.
Auch die Aufmerksamkeit der Lernenden im FU kann durch bewusstmachende
Grammatikarbeit gesteuert werden, indem beim Input genau auf die zum
Weiterlernen benötigten Strukturen geachtet wird. So kann es zu einem gezielten
Lernverhalten kommen (vgl. Huneke & Steinig, 2013: 188).
- 23 -
Der Grund für die kontroversen Überlegungen kann aber auch die Nicht-Beachtung
einiger Ergebnisse aus Untersuchungen zu besseren LernerInnenergebnissen durch
automatisierende und kognitivierende Unterrichtsverfahren sein. Die besagen
nämlich, dass erst ab dem Lernalter von 14 Jahren und mit zunehmendem Alter,
bewusstmachende Methoden und Verfahren im FU immer mehr zum Vorteil werden
(vgl. Storch, 1999: 74). Daher machen bewusstmachende Methoden u.a.
Darstellungen in der Primarstufe wenig Sinn. Erst im späteren Alter, in dem die
kognitive Entwicklung fortgeschritten oder abgeschlossen ist, kann Grammatik ein
Gewinn oder sogar unerlässlich sein. Dies beweist auch der
Muttersprachenunterricht, in dem Lehrkräfte aus der (gymnasialen) Sekundarstufe
Grammatik einen hohen Stellenwert und im Grund- und Hauptschulbereich eher
wenig Raum gegeben wird, da die Lernenden sich sehr schwer tun (vgl. Peyer, 2010:
73). Es wäre hierbei wichtig zu untersuchen, wann in der realen Schulbildung in
Österreich im ‚Muttersprachenunterricht Deutsch’ Grammatikwissen vermittelt wird!
Leider ist für die Behandlung dieser Frage in dieser Arbeit nicht ausreichend Platz.
Denn einen wesentlichen Aspekt übt auch die Bewusstmachung in der
Muttersprache auf die Notwenigkeit der Grammatik im FU aus. Je mehr einem
Grammatik in der Muttersprache bewusst ist, desto mehr wird Grammatik im FU
verlangt. Auch die Begabung ist ein entscheidender Aspekt für die Notwendigkeit von
Grammatik im FU. Denn bei mittel- und hochbegabten Lernenden sind die
bewusstmachenden Methoden effektiver als bei schwach Begabten, bei denen
automatisierende Methoden gewinnbringender sind (vgl. Storch, 1999: 74).
Auch WEYDT (vgl. 1993: 121-124) nennt weitere Faktoren, die den angemessenen
Grammatikanteil am Lernaufwand bestimmen. Einige davon sollen hier noch,
ergänzend zu den anderen, dargestellt werden. Die Grammatikarbeit im
Fremdspracherwerb, welcher auch auf den FU projiziert werden kann, ist in der
Anfangsphase, die recht kurz ausfällt und in der eher mit ‚chunks’ gearbeitet wird,
recht kurz. Hier ist der Anteil an Grammatik eher gering. In der Hauptlernphase
werden alle Grammatikstrukturen erworben. Der Anteil ist dabei sehr hoch, denn er
dauert bis nicht alle Grundstrukturen einmal behandelt worden sind. Dann kommt es
zur Perfektionierungsphase, in der es aber zu einer Gabelung kommt. Einerseits wird
der Anteil an Grammatik geringer, da u.a. die Relation Aufwand und Erfolg für
Lernende sowie Lehrende eher ungünstig ausfällt. Vielmehr führt Grammatik zu
Unsicherheiten. Oft kommt es vor, dass sogar Lehrende die Regeln nicht mehr
- 24 -
- 25 -
Die Lernenden kommen bereits mit der Einstellung in die erste Unterrichtsstunde,
dass die ungarische Sprache eine schwere Sprache ist. Diese Einstellung muss
daher zuerst dementiert oder begründet werden.
Die Kontrastivhypothese geht davon aus, dass die Erstsprache die Matrix für den
Erwerb weiterer Sprachen bildet. Die meisten Erwerbsschwierigkeiten treten dort auf,
wo sich die beiden Sprachen unterscheiden. Wo sich die Sprachen ähneln, treten
hingegen kaum Fehler auf und wenn spricht man von ‚Interferenz/negativem
Transfer’. Positiver Transfer ist, wo Ähnlichkeiten ohne Fehler auftreten (vgl. Roche,
2005: 105f). Wie die Methode GÜM, gilt diese Hypothese von der
Interlanguagehypothese (siehe Kapitel 2.1) als überholt (vgl. Rösch, 2011: 24).
Trotzdem spielt die Struktur der Zielsprache, wie im Kapitel 2.3 erwähnt, eine
essentielle Rolle, denn der Anteil von bewusstmachender Grammatik hängt von den
der Sprache innewohnenden Regeln und dem Grad der grammatisch
morphologischen Struktur ab. Daher soll hier in weiterer Folge auf die ungarische
Sprache eingegangen werden. Die Frage des Sprachvergleichs soll aber dennoch
nicht als unwichtig erachtet werden, und somit eine Unterscheidung zwischen
genetischer bzw. typologischer Zusammengehörigkeit getätigt werden.
Die ungarische Sprache ist genetisch nicht verwandt mit der deutschen Sprache, d.h.
sie bilden keine Sprachfamilie, haben keine gemeinsame Protosprache und weisen
somit keine Gemeinsamkeiten in der Phonologie, Morphologie oder Lexikon auf (vgl.
Demme, 2010: 301). Im Gegensatz zur deutschen Sprache, die zum Zweig der
germanische Sprachen in der indoeuropäischen/indogermanischen Sprachfamilie
gehört, ist Ungarisch heute eine Sprache in Europa, die zur uralischen Sprachfamilie,
welche neben Samojedisch zur Finno-Ugrisch Untergruppe gezählt wird. Sie hat
- 26 -
ihren uralischen Charakter über tausende Jahre bewahrt und ist somit für die
Sprachtypologie sehr informationsreich (vgl. Forgács, 2007: 15).
Die Sprachtypologie erforscht die Merkmale der Sprachen. Es gibt deutliche
Abweichungen zwischen den beiden Sprachen, jedoch bedeuten diese nicht immer
eine Schwierigkeit für den Lernenden.
Am Zeitaufwändigsten und daher evt. auch am Schwierigsten, auch laut Erfahrung
der Autorin dieser Arbeit, ist die Erweiterung des Wortschatzes. Da weder eine
genetische noch eine typologische Ähnlichkeit dieser beiden Sprachen besteht, und
der ungarische Grundwortschatz vom Indoeuropäischen stark abweicht, bereitet das
Lernen der Vokabeln oft Probleme bzw. ist sehr zeitaufwändig (vgl. Forgács, 2007:
24).
In der ungarischen Sprache gilt das Prinzip ‚ein Laut - ein Buchstabe’, welches den
Lernenden ermöglicht, dass sie das Gehörte auch relativ leicht schreiben können.
Daher bereitet die Orthografie im Regelfall keine Probleme, im Gegensatz zu
anderen Sprachen (Deutsch, Französisch, etc.), wo zwischen Lautstruktur und
Schriftform ein deutlicher Unterschied zu erkennen ist (vgl. Forgács, 2007: 22). Die
Leichtigkeit bzw. Problematik der Orthografie wird noch im nächsten Kapitel
diversitätsspezifisch näher erläutert.
Die Phonologie ist im Vergleich zu anderen Sprachen sicher gewöhnungsbedürftig.
Probleme in dieser linguisitischen Teildisziplin treten vermehrt bei der Aussprache
des labial ausgesprochenen Vokals ‚a’ bzw. bei den Konsonanten gy, ty, ny auf. Aber
durch richtige Übung, die leider aber in vielen Lehrwerken nicht präsent sind, kann
auch die Aussprache gut erlernt werden. Die immer auf der ersten Silbe stattfindende
‚Akzentsetzung’ empfinden Lernende als eher leicht im FU und haben somit auch
keine Probleme damit (vgl. Forgács, 2007: 22&25). Ebenso ist die Vokalharmonie ein
außergewöhnliches Phänomen der ungarischen Sprache und man würde vorest
denken, dass diese den meisten Lernenden Schwierigkeiten macht, was aber in der
Realität nicht der Fall ist. Sie wird schnell verstanden und auch in kürzester Zeit
relativ fehlerfrei angewendet.
- 27 -
7
diese werden im FU auch als unbestimmte/I. und bestimmte/II. Konjugation genannt
- 28 -
8
im FU bzw. in den Lehrwerken wird es auch ‚Seinsverb’ genannt
- 29 -
Ein didaktisches Grundprinzip besagt, dass man einen Lernenden genau dort
abholen und das neue Wissen an seine Erfahrungen anknüpfen soll, wo er/sie sich
gerade befindet (vgl. Steinig & Huneke, 2015: 11). Bei der Frage ‚Wieviel Grammatik
braucht der Mensch’ hob ebenso HELBIG (vgl. 1993: 19) als aller erstes den Mensch
hervor und spezifizierte ihn, um eine adäquate Antwort geben zu können. Zwar
bearbeitet diese Abeit nicht dieselbe Frage, dennoch muss auch hier der Mensch
bzw. die Lernenden genauer betrachtet, ‚klassifiziert’ und charakterisiert werden, um
den Versuch starten zu können, das Ziel im FU mittels Grammatik zu erreichen.
9
Homepage des LSR Burgenland, [Letzte Zugriff: 24. Mai 2017]
https://www.lsr-bgld.gv.at/schule-unterricht/minderheitenschulwesen/#c74
10
genaue Aufteilung: 71 Volksschulen + 14 NMS
- 30 -
Die erste Gruppe bilden die SchülerInnen, die die ungarische Sprache als
Minderheitensprache haben. Deren sprachliche Kenntnisse, Vorwissen sowie
Erfahrungen, wo ein Lehrender anknüpfen sollte, kann am Besten durch einen
kurzen geschichtlichen Überblick erläutert werden.
- 31 -
Schon bereits ab der ungarischen Landnahme (896 n. Chr.) war das heutige
Burgenland von BewohnerInnen mit ungarischer Muttersprache besiedelt (vgl.
Baliko, 2013: 58).
Durch seine geografische Lage war das Burgenland stets Austragungsort vieler
kriegerischer Konflikte bzw. funktionierte als Durchzugsgebiet. So kam es schon früh
auch zu einer kulturellen, gesellschaftlichen und sprachlichen Diversität. Jedoch
zählte diese Diversität nicht zu Österreich, sondern zu Ungarn. Denn bis 1921
gehörte das Burgenland zum ungarischen Territorium und unterlag einer ungarischen
Herrschaft, wobei aber durch eine Einwanderungswelle im 12. Jh. die
deutschsprachigen Bewohner eine Mehrheit bildeten (vgl. Ivancsics 2013: 21-24).
Mit dem Vertrag von St. Germain wurde das „Deutsch-Westungarn“ mit dem Namen
„Burgenland“ versehen und am 26. Juli 1921 kam es zum Anschluss an Österreich
(vgl. Ivancsics, 2013: 29). Durch eine extrem negative Anti-Ungarn-Propaganda in
der Politik, im Schulwesen und in der Verwaltung wurde die ungarische Sprache nur
mehr privat benutzt und viele ungarische Gebildete verließen auch das Burgenland
(vgl. Baumgartner, 1995: 93). Die verbleibenden burgenländischen UngarInnen
wohnten/wohnen in den beiden Sprachinseln um Oberpullendorf (Felsőpulya) und
Oberwart (Felsőőr) bzw. in verschiedenen kleineren Gemeinden im Nordburgenland
(vgl. Baumgartner, 1995: 90).
Im Schulwesen wurde im Jahr 1936 die deutsche Sprache als Unterrichtssprache
eingeführt (vgl. Mühlgaszner, 2013:50). „In den Jahren 1921 bis 1938 sah sich die
ungarische Sprachgruppe des Burgenlandes zum ersten Mal mit der Tatsache
konfrontiert, eine Minderheit in einem deutschsprachigen Nationalstaat zu sein“
(Baumgartner, 1995: 93).
3.2.2 Gesetzgebung
- 32 -
nur in deutscher Sprache abgehalten werden muss. Bei Letzterem bestand allerdings
die Möglichkeit eines freiwilligen ungarischen Unterrichtes (vgl. Ivancsics, 2013: 31).
Dieses Gesetz erlosch jedoch nach einem Jahr, denn mit dem Anschluss an das
Deutsche Reich verschwanden alle Gesetze, sowie auch das Burgenland selbst, von
der Landkarte. Erst im Jahr 1945 setzte man das Landesschulgesetz wieder im Kraft,
das bis 1994 die schulrechtliche Grundlage des burgenländischen
Minderheitenschulwesens war (vgl. Baliko, 2013: 58f).
Durch die Bemühungen des Kulturvereins der Burgenländischen Ungarn in
Oberwart, gegründet im Jahr 1968, wurde die ungarische Volksgruppe durch das
Volksgruppengesetz im Jahr 1976 anerkannt (vgl. Baumgartner, 1995: 94). Somit
zählt sie seitdem zu den sieben autochtonen Volksgruppen in Österreich (vgl. Cillia
et al. 2009: 15)11.
Im Jahr 1994 wurde das Minderheitenschulgesetz für das Burgenland sowie dessen
Ausführungsbestimmungen im ‚Burgenländischen Pflichtschulgesetz’ im Jahr 1995
(vgl. Baliko, 2013: 59) erlassen. Durch diese Gesetzgebung sollen VS, HS, und PTS
die ungarische Unterrichtssprache in verschiedenen Formen anbieten. Die Kinder
werden automatisch an diesen Schulen angemeldet, können sich jedoch auch
abmelden. Zumindest in einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP)12
muss ergänzender Unterricht in Ungarisch angeboten werden (vgl. BMUKK &
BMWF, 2008:34). Weiters haben die ungarischen Kinder die Möglichkeit ein
zweisprachiges Gymnasium zu besuchen und zwar das Volksgruppengymnasium im
Oberwart, die bundesweit einzige Schule mit Ungarisch als Unterrichtssprache, die
im Jahr 1992 gegründet wurde. Die Anzahl ihrer SchülerInnen steigt kontinuierlich
(vgl. Berényi-Kiss, et al., 2013: 8)13.
Auch Verträge auf europäischer Ebene schützen die ungarische Volksgruppe und
ihre Sprachen. Das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten
des Europarats verpflichtet Österreich seit 1.7.1998 zu Maßnahmen hinsichtlich des
Schutzes und der Förderung der ungarischen Minderheit. Das multilaterale
11
Verein EFSZ [Letzter Zugriff: 31. Mai 2017]
http://verein.ecml.at/Portals/49/2/praesentationen/OECD-CERI-Laenderbericht-
Oesterreich.pdf
12
Alle Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (BAKIP) heißen seit 1. Sept. 2016
BAfEP
13
ELDIA [Letzter Zugriff: 26. Mai 2017]
https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:308809/diss/Content/get
- 33 -
Die aktiven SprecherInnen der ungarischsprachigen Bevölkerung im Burgenland
werden durch Überalterung charakterisiert. Die Jugend unterzieht sich immer mehr
einer sprachlichen Assimilation. Dies zeigt eine ‚demografische Erhebung’ (vgl.
Brenner, 2008: 136).
14
WEB-FU http://webfu.univie.ac.at/texte/pathy.pdf [Letzter Zugriff: 23. Oktober 2016]
- 34 -
Die SchülerInnen, die heute zur ungarischen Volksgruppe gehören, sind auch nicht
automatisch MuttersprachlerInnen, wie die Mehrheit vor 30 Jahren. Der Erwerb der
ungarischen Sprache verlagert sich immer mehr in die Schulen (vgl. Mühlgaszner,
2013: 48). Ein Funktionsverlust der Minderheitensprache als Kommunikationsmittel
ist in Österreich wahrzunehmen. (vgl. Fischer & Doleschal, 2013: 69). Dies erklärt
MÜHLGASZNER (vgl. 2013: 48) durch sprachliche Mischehen, überdeckende
deutschsprachigen Medien bzw. trotz Nachbarschaftnähe, sehr wenig Sprachkontakt
mit der ungarischer Sprache. Dadurch werden die Sprachkenntisse in den meisten
Fällen nur passiv erworben (vgl. Pathy, 2007: 3) und wenn doch aktiv, passiert dies
ausschließlich im Familienkreis (vgl. Brenner, 2008: 137).
Ein weiteres Problem ist ebenfalls zu nennen. Trotz vieler Maßnahmen beim
Fremdsprachenunterricht bzw. Muttersprachenunterricht für MigrantenInnen in
Österreich, welche in den folgenden Kapiteln noch eingehend erläutert werden,
können diese „nicht auf eine umfassende lebensweltliche Mehrsprachigkeit mit
gleichberechtigten Sprachen im Alltag [abzielen], wie sie für die Erhaltung
autochthoner Minderheitensprachen notwendig wäre“ (Fischer & Doleschal, 2013:
69).
So geht der Unterricht für die Volksgruppensprachen immer mehr in Richtung der
Nachbarschaftsprachen, welche dann als Fremdsprachenunterricht angeboten und
auch künstlich und nicht natürlich erlernt wird (vgl. Fischer & Doleschal, 2013: 87).
Zusammenfassend kann hier gut erkannt werden, dass erstens wegen der
Sprachkompetenz der SchülerInnen (Assimilation der deutschen Sprache, keine
MuttersprachlerInnen, ‚nur’ passive Sprachkompetenzen) und zweitens auch
aufgrund der Ausrichtung der Sprachenpolitik (fremdsprachlich ausgerichteter
Volksgruppensprachunterricht), die ungarische Volksgruppensprache vielmehr einem
FU entspricht.
- 35 -
- 36 -
Die ungarische Diaspora umfasst drei Millionen Menschen (vgl. Boldog, 2014:75)16,
die auf der ganzen Welt zu finden sind. Da diese Arbeit speziell auf die ungarischen
SchülerInnen im Burgenland ausgerichtet ist, wird nachfolgend das Burgenland
behandelt.
Im Burgenland findet man in den Schulen etwa 35 verschiedene Erstsprachen (vgl.
Mühlgaszner, 2013:48). Wenn man daneben die Zahlen anschaut, dass im Jahr
2016 insgesamt 23.867 ‚Nicht- ÖsterreicherInnen’ im Burgenland gelebt haben, was
wiederum einen Ausländeranteil von 8,2% bei einer Gesamtbevölkerung von
291.011 Menschen ergibt und die größte Gruppe dieser Nationalitäten die Ungarn
mit insgesamt 5.090 Personen darstellen (vgl. Statistik Austria, 2016)17, ist eine
logische Schlussfolgerung, dass die meisten SchülerInnen aus diesen 35 Sprachen
Ungarisch als Erstsprache aufweisen.
Beim Begriff „AusländerInnen“ fand aber eine terminologische Wandlung statt. Laut
Statistik Austria verwendet man die Termonologie ‚Personen mit
Migrationshintergrund’ und dabei handelt es sich um Menschen mit ausländischer
Staatsangehörigkeit sowie Personen, die entweder selbst oder deren Eltern im
Ausland geboren wurden (vgl. Fleck, 2013: 9).
Durch die Arbeits- und Flüchtlingsmigration, durch den Fall des Eisernen Vorhangs
und die EU-Erweiterung am 1. Mai 2004, hat die ungarische Sprache bezüglich der
16
Elektronikus Periodika [Letzter Zugriff: 9. November 2016]
http://epa.oszk.hu/01400/01467/00012/pdf/EPA01467_thl2_2014_2_074-079.pdf
17
statistik.at [Letzter Zugriff: 2. November 2016]
https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/bevo
elkerungsstruktur/bevoelkerung_nach_staatsangehoerigkeit_geburtsland/022499.html
- 37 -
Charakteristisch für die SchülerInnen dieser Gruppe ist, dass sie hauptsächlich nur in
familiärer Umgebung die ungarische Sprache verwenden und ihre Bildungssprache
Deutsch ist (vgl. Hornyák, 2013: 66f). Abhängig vom Zeitpunkt ihrer Ankunft bzw. der
jeweiligen Generationsangehörigkeit (1., 2., 3. Generation) hatten sie vielleicht nie
ungarischen Sprachunterricht im Herkunftsland oder auch in Österreich (vgl. Pathy,
2007: 1). Daher ist Ungarisch nicht mehr für alle die Muttersprache, sondern vielmehr
ihre Herkunftssprache. Auch HORNYÁK (vgl. 2013: 66) gibt an, dass sie in ihrer
jahrelangen Unterrichtserfahrung kaum noch Lernende erlebt hat, die Ungarisch als
Muttersprache im Familienverband lernen. Dies soll anschließend detaillierter
erläutert werden.
In den Familiensprachen gibt es auch Unterschiede wahrzunehmen, welche auch
kurz behandelt werden müssen. Denn durch diese kann es zu unterschiedlichen
Sprachkompetenzen kommen. Es gibt Familien, die nur Ungarisch als
Familiensprache führen, aber auch u.a. Mischehen, in denen eine Sprache pro
Person verwendet wird oder auch Familien, die Deutsch als Familiensprache
aufweisen. Im Burgenland wird in Familien am Häufigsten die Mischung beider
Sprachen mit zahlreichen Sprachalternationen (Kodewechsel) vorgefunden. Dabei
sinkt die Position der ungarischen Sprache (vgl. Csiszár, 2007: o.J, zit. n. Berényi-
Kiss et al., 2013: 9). Das Anwendungsgebiet, neben dem Familiengebrauch, wo
Ungarisch gesprochen wird, ist hauptsächlich mit Freunden. Es wird angenommen,
dass ungarische MigrantInnen hauptsächlich Kontakt mit Gleichgesinnten suchen. Im
- 38 -
öffentlichen Leben ist die Verwendung eher marginal. Dies lässt sich im Burgenland
mit dem Prestige der Sprache wahrnehmen (vgl. Berényi-Kiss et al, 2013: 51f).
In der Schule haben Kinder mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, im Ausmaß
von bis zu 3-6 Wochenstunden, die Herkunftsprache im sogenannten
Muttersprachlichen Unterricht zu erlernen (vgl. Cillia & Haller, 2003: 117). In diesem
Unterricht dürfen alle SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache, die in einem
zweisprachigen Familienverband aufwachsen, teilnehmen. Ziel ist die Festigung und
Erweiterung der ungarischen Sprache, denn dies ist die Grundlage für die
Persönlichkeitsentwicklung und wichtig für den Zweit- und Fremdsprachenerwerb.
Die speziell für diese Arbeit betrachteten Lehrpläne für Höhere Schulen sind aber
nicht ident. Für die AHS-Oberstufe besteht seit 2004/2005 ein Fachlehrplan für den
muttersprachlichen Untericht, aber für BHS ist noch kein Lehrplan verordnet, kann
aber schulautonom und als Freigegenstand oder unverbindliche Übung (2-8
Wochenstunden im Zeitraum von 4 Jahren) angeboten werden. SchülerInnen
müssen sich eigens dafür anmelden (vgl. BMUKK & BMWF, 2008: 32). An dieser
Stelle muss jedoch betont hinzugefügt werden, dass WOJNETSITZ (vgl. 2016: 567) die
Bundesländer Wien, Niederösterreich, Steiermark und Tirol anführt, wo Ungarisch als
muttersprachlicher Unterricht angeboten wird. Das Burgenland wird hier nicht
angeführt.
Die Ausbildung in der Muttersprache ist ohnehin nicht immer ausreichend. Die
Ergebnisse von Studien, wie PISA und PIRLS, weisen auf die Probleme der zweiten
und dritten Generation hin und deuten auf Reformbedarf im österreichischen
Schulwesen (vgl. Cillia et al., 2009: 15).
Diese Problematik soll nun, bezogen auf die ungarischen Kinder mit
Migrationshintergrund, in weiterer Folge untersucht werden. Trotz besserer
Förderung aufgrund des autochtohonen Minderheitenstatus, gibt es dennoch
Probleme.
Es gibt einige Studien über die ungarische Diaspora, speziell auf diverse Länder
ausgerichtet (KERSZTÉLY Katalin, LÉGRÁDY Orsolya über Frankreich, Anna BOLDOG
über Amerika, Horváth MILÁN über Mazedonien). Auf deutschem Sprachgebiet findet
- 39 -
man nur sehr wenige Publikationen über ungarische MigrantInnen und ihren
Sprachgebrauch. Die wichtigsten Erkenntnisse, die für diese Arbeit wesentlich sind,
haben CSIRE (vgl. 2008) bzw. CSIRE & LAAKSO (vgl. 2014) getätigt. Diese
Erkenntnisse sollen noch mit den Informationen von ILLÉS-MOLNÁR (vgl. 2012)18
ergänzt werden, da sie die ungarische Diaspora in Deutschland und die Definition
der Herkunftssprache beschreibt. Hier muss gleich von Anfang an eine Aufteilung der
MigrantInnen und deren Sprachkompetenzen erfolgen.
Es gibt die ‚frischen’ MigrantInnen, d.h. die MigrantInnen aus der 1. Generation,
welche vor Kurzem nach Österreich kamen, bereits in Ungarn alphabetisiert wurden
und die ungarische Sprache besser beherrschen als die deutsche Sprache. Diese 1.
Generation hat ‚Ungarisch als Muttersprache’. Die Muttersprache ist jene Sprache,
die wir als Sprache unserer Herkunft sehen, welche wir bzw. andere als unsere
Muttersprache empfinden sowie welche wir am Häufigsten gebrauchen und am
Besten beherrschen (vgl. Illés-Molnár, 2010:60f). Die Verwendung der Muttersprache
und daher auch diese Sprachgruppe soll in dieser Arbeit jedoch nicht ausführlicher
erläutert werden, da diese Arbeit auf den „Fremdsprachenunterricht“ ausgerichtet ist.
Zudem gibt es ‚natürlich zweisprachige MigrantInnen’, die entweder der 2.
Generation angehören, das ist jene Personengruppe, die unter 18 Jahren bzw. in
Österreich geboren ist (vgl. Illés-Molnár, 2010: 60) oder jene der 3. Generation,
deren Eltern der 2. Generation angehören. Für beide dieser Generationen ist
Ungarisch keine Muttersprache, sondern vielmehr ‚Ungarisch als Herkunftssprache’.
Denn „alle Muttersprachen sind Herkunftssprachen, aber nicht alle
Herkunftssprachen sind Muttersprachen“ (Illés-Molnár, 2010:5 9). Der Terminus
‚Herkunftssprache’ ist viel erforscht und verschieden ausgelegt. CSIRE & LAAKSO
(2012:208) definieren die Herkunftssprache als eine Sprache, die zur ethnischen
Identität und Herkunft gehört und weisen darauf hin, „auch wenn die SprecherInnen
sich oft emotional mit diesen Sprachen identifizieren, haben sie häufig ein
subjektives Gefühl von unzureichenden Sprachkenntnissen.“
Aus Gründen, die im vorigen Kapitel genau beschrieben wurden, zeichnet ihr
Sprachkompetenzniveau auch Diversität aus und hat spezifische Züge (vgl. Csire,
18
Elektronikus Periodika [Letzter Zugriff: 9.November 2016]
http://epa.oszk.hu/01400/01467/00007/pdf/EPA01467_THL2_2010_1-2_067-081.pdf
- 40 -
2008:140f). Sehr viele können die ungarische Sprache gut sprechen, haben daher
aktive Sprachkenntnisse, die sich aber nur auf die mündliche Kommunikation
beschränken. Diesen SchülerInnen bereiten die Fertigkeiten Schreiben und Lesen
enorme Schwierigkeiten. Diese Kinder werden nämlich deutschsprachig
alphabetisiert (vgl. Cillia & Haller, 2003: 117).
Für diese Erscheinung hat J. CUMMINS (1979) die beiden Begriffe ‚BICS’ (basic
interpersonal communication) und ‚CALP’ (cognitive academic language proficiency)
konstruiert. Durch den alleinigen mündlichen Umgang entwickeln die Kinder relativ
schnell BICS, d.h. mündliche Sprachkompetenzen (vgl. Sprachförderzentrum Berlin-
Mitte, o.J.)19. Diese gesprochene Sprache in der Familie oder Peer-Groups wird
meist in dialektaler Form mit häufigen Codewechsel verwendet. Dabei wird aber die
Sprache nicht ausreichend entwickelt, insbesondere der Umgang mit konzeptioneller
Schriftlichkeit fehlt. Nur wenn die Kinder ein bestimmtes Schwellenniveau in Richtung
CALP erreicht haben, können sie eine positive bilinguale Entwicklung bzw. einen
Schulerfolg erreichen (vgl. Huneke & Steinig, 2013:17f). Diese kognitiv-akademische
Sprachkompetenz ist für die schriftsprachlichen Fertigkeiten unabdingbar, welche
aber zwischen 5-7 Jahre schulischer Entwicklung benötigen. Oft haben SchülerInnen
eine gute (Zweit-)Sprachbeherrschung im mündlichen Bereich, sodass sie keine
ausreichende Sprachförderung mehr erhalten. Niemandem fällt aber auf, dass sie
keine ausreichenden Fähigkeiten im schriftsprachlichen/ kognitiv-akademischen
Bereich erreichen konnten und somit die ungarische Sprache nicht in
dekontextualisierten ‚akademischen’ Situationen anwenden können (vgl.
Sprachförderzentrum Berlin-Mitte, o.J.).
Andere SprecherInnen wiederum können die Sprache ‚nur’ passiv. Auffallend ist,
dass diese beiden Erscheinungen gleichzusetzen sind mit denen der
MinderheitensprecherInnen.
CSIRE & LAAKSO (vgl. 2012: 213) stellten folgende Probleme sprachlicher Strukturen
aller Herkunftsprachlernenden fest:
- Phonologie (& Orthografie): Probleme bei der Unterscheidung zwischen
langen und kurzen Vokalen
19
Lehr- und Lernwerkstätte Deutsch als Zweitsprache Letzter Zugriff [07. Juni 2017]
http://daz-lernwerkstatt.de/glossar/calp/
- 41 -
- 42 -
Bis jetzt wurden u.a. Gruppen dargestellt, die ihre ungarischen Sprachkompetenzen,
auf unterschiedliche Art und Grad, auf ‚natürlichen’ Zweitsprachenerwerb
zurückführen können. Die Grenze zu Ungarn führt in der Politik, Wirtschaft, im
Bildungswesen und auch im privaten Leben zu intensiven Sprachkontakten und
beeinflusst auch die öserreichische Sprachenlandschaft (vgl. BMUKK & BMWF,
2008: 14).
- 43 -
Genau aus diesen Gründen wollen manche die ungarische Sprache lernen. Dafür
gibt es aber eine andere Art des Spracherwerbs und zwar das
Fremdsprachenlernen, das ‚nur’ auf ‚gesteuerte Lernprozesse’ zurückgreift (vgl.
Rösch, 2011: 13). Diese Lernprozesse (siehe Kapitel 2.2.1.1.) erwerben
SchülerInnen in Schulen.
Aber trotz so vielen sprachlichen Ressourcen im Burgenland, wie zahlreiche
Sprachen von MigrantInnen bzw. drei von sieben autochthonen
Minderheitensprachen in Österreich, ist das Ziel der EU-Kommission, dass
mindestens zwei Sprachen ab einem ‚frühen Lebensalter’ an österreichischen
Schulen gelehrt werden, noch lange Utopie (vgl. Steinek-Enzelsberger, 2006: 215).
20
seitdem viele Novellierungen in allen Bereichen
21
Österreichisches Deutsch als Unterrichts- & Bildungssprache [Letzter Zugriff: 1.Juni 2017]
http://oesterreichisches-
deutsch.bildungssprache.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/p_oesterr_dt_unterrichtssprache
/Publikationen_Rudolf_de_Cillia/de_Cillia_Krumm_FU_in_A_in_sociolingustica_2010.pdf
- 44 -
schulautonom wählen. In der HLW sind zwei Fremdsprachen und in der HTL und
BAfEP ist nur eine Fremdsprache verpflichtend (vgl. Cillia & Krumm, 2010: 157f).
Die bundeseinheitlichen Lehrpläne geben im Rahmen der Schulautonomie die
Möglichkeit, je nach Schulstandort, Fremdsprachenschwerpunkte zu bilden und
legen auch keine genauen Fremdsprachen fest. Neben Englisch und Französisch ist
auch Fremdsprachunterricht in den österreichischen Minderheiten- und
Nachbarsprachen möglich. Diese Tatsache spiegelt sich jedoch nicht im
tatsächlichen Sprachangebot der Schulen wider (vgl. Cillia & Krumm, 2010: 154). Am
Häufigsten wird in österreichischen Schulen Englisch angeboten, gefolgt von
Französisch und Italienisch. Die Minderheiten sowie Nachbarsprachen wie Ungarisch
spielen eine geringe Rolle in der Nachfrage (vgl. BMUKK & BMWF, 2008:41). Dies
wird aber im nächsten Kapitel noch genauer behandelt.
In der Sekundarstufe II gib es viel weniger SchülerInnen die Ungarisch lernen als in
den unteren Schulstufen. Als Ursache hierfür wird die hier von der bilingualen
Unterrichtsform zu einem Freigegenstand ändernde Unterrichtsform gesehen. Auch
mangelnde Informationen über die Gesetzeslage bzw. mangelndes Interesse
ergeben die Resultate der Nichtweiterführung von Ungarischlernen, aber vor allem
spielt die Einstellung der Schulführung und des Lehrerkollegiums zur
Mehrsprachigkeit, Volkssprachen sowie Minderheitensprachen beim Angebot eine
enorme Wichtigkeit. Diese bestimmt somit die Fremdsprachenhierarchie einer
Schule. Um SchülerInnen zu gewinnen, werden in der Sekundarstufe II v.a.
Modesprachen angeboten (vgl. Hornyák, 2013: 64f). Englisch hat bei der Jugend den
Vorteil, dass diese Sprache deren Idole, deren Musik, insgesamt deren ‚Kultur’
wiederspiegelt (vgl. Steinek-Enzelsberger, 2006: 215). Auch auf Grund des
tatsächlichen Angebots an den Schulen und weil keine gesicherte Kontinuität im Lauf
des Bildungssystems garantiert wird, wird v.a. Englisch gewählt (siehe Kapitel 3.1
Aktuelle Situation).
Jene SchülerInnen, die in der Schule die ungarische Sprache als Fremdsprache
lernen, werden in 5 Fertigkeiten, entsprechend der Ausrichtung der Lehrpläne gelehrt
- 45 -
22
genauer: BMB [Letzter Zugriff: 6. Juni 2017]
https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_ahs_os_lebende_fs_11854.pdf?5i84jw
- 46 -
Auch CSIRE & LAAKSO (2012: 209) haben eine für sich sprechende Tabelle mit
Unterschieden zwischen FremdsprachenlernerInnen und Herkunfts-
sprachenlernerInnen aufgelistet:
- 47 -
Probleme bei der expliziten Sprachbetrachtung. Das lässt sich aus vermehrten Inter-
ferenzproblemen bzw. aus der mangelnden Evaluierungskompetenz der eigenen
Sprachproduktion erkennen.
Ein erleichterndes Medium wäre ein gut durchdachtes und funktionierendes Lehr-
werk im Unterricht, das diese Problematik möglicherweise ein wenig erleichtert, damit
die erwünschten Ziele erreichen werden können.
- 48 -
Unabhängig von der Hierarchie und der Auswahl der Fremdsprache basieren die
Lehrpläne der meisten österreichischen Schultypen und somit auch die neue stan-
dardisierte kompetenzorientierte Reife- und Diplomprüfung auf dem ‚Gemeinsamer
europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen’, bekannt
auch als GER, welcher vom Europarat publiziert wurde (vgl. Österreichisches
Sprachen-Kompetenz-Zentrum, 2010: 6)26. Dabei handelt es sich um ein sprachen-
23
Deutscher Germanistenverband [Letzter Zugriff: 1. Juni 2017]
http://www.germanistenverzeichnis.phil.uni-erlangen.de/tutzing.html
24
Berufsbildende Schulen in Österreich [Letzter Zugriff: 7. Dezember 2016]
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/
25
BMB [Letzter Zugriff: 7. Dezember 2016]
https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_ahs_oberstufe.html
26
Österreichisches Sprachen-Kompetenz-Zentrum [Letzter Zugriff: 4. Dezember 2016]
http://www.oesz.at/download/publikationen/Broschuere_interaktiv.pdf
- 49 -
politisches Dokument, das verschiedene Instrumente enthält, die allen, die mit
Sprachverwendung zu tun haben (Lernenden, Lehrenden, Prüfenden, Lehrwerks-
autorInnen etc.), zugänglich sein sollen. Der Referenzrahmen soll im Sinne der
europäischen Integration und Mobilität ihrer BürgerInnen Inhalte aus verschiedenen
Bildungssystemen vergleichbar machen. Er hat den Anspruch ‚umfassend,
transparent und kohärent’ zu sein, um für möglichst viele BenutzerInnen verwendbar
und hilfreich zu sein, beispielsweise bei der Entwicklung von Lernzielen,
Lernfortschritten, sowie von Lehrmitteln und Lehrwerken (vgl. Europarat, 2001: 8f).
Die Referenzniveaus sind der bekannteste und meistverwendetste Teil des Refe-
renzrahmens bzw. werden häufig mit ihm gleichgesetzt. Diese Niveaus sind allge-
mein und breit gehalten, damit sie für spezielle Bedürfnisse aller BenutzerInnen aus
verschiedenen Bildungssystemen und Sprachen adaptiert werden können. Das Ziel
ist eine Möglichkeit der Beschreibung der gegebenen Sprachkompetenzniveaus, die
wiederum überall einen Vergleich bzw. ein Verständnis dieser ermöglicht (vgl.
Europarat, 2001: 32).
Die klassische Aufteilung in Grund-, Mittel- und Oberstufe wird ergänzend in je eine
höhere bzw. niedrigere Stufe unterteilt (vgl. Europarat, 2001: 34).
A B C
Elementare Sprachver- Selbstständige Sprach- Kompetente Sprachverwend-
wendung verwendung dung
A1 A2 B1 B2 C1 C2
Breakthrough Waystage Theshold Vantage Effective Ope- Mastery
rational
Proficiency
Abb. 3: Referenzniveaus (vgl. Europarat, 2001: 34)
Vor dem GER hatten Lehrende die Erreichung möglichst hoher sprachlicher Korrekt-
heit, die sich wiederum an Inhalten und Themen, also vor allem am Stoff des Lehr-
buches orientierten, als Ziel. Es stand der Inhalt und der dazu gehörige Wortschatz
und die Grammatik im Vordergrund. Durch den GER gab es einen
Perspektivenwechsel, wobei sich das Ziel vielmehr auf die fünf Fertigkeiten
ausrichtet, die die Lernenden auf reale Situationen im Leben vorbereiten. Lernende
verwenden diverse Texte, die sie hören, lesen, schreiben, führen Gespräche und
- 50 -
27
Bundeskanzleramt [Letzter Zugriff: 2. Dezember 2016]
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnumm
er=10008568
28
hier muss angemerkt werden, dass der 3. Teil vom AHS-Lehrplan ausgewählt wurde.
Dieser Teil heißt in allen Schultypen anders.
29
BMB [Letzter Zugriff: 2. Dezember 2016]
https://www.hak.cc/files/syllabus/Lehrplan_HAK_2014.pdf
- 51 -
Das Ziel für Ungarisch als Wahlpflichtgegenstand (vgl. BMB, 2016d: 1)30 entspricht
dem des Pflichtgegenstandes, ergänzt um die Möglichkeit von 3 Lernjahren, in denen
die SchülerInnen A1 in allen Fertigkeiten erreichen müssen.
Bei der als Freigegenstand bzw. unverbindliche Übung31 (vgl. BMB, 2016e: 1) ge-
wählten lebenden Fremdsprache muss beim Erreichen der 12. Schulstufe, d.h. nach
dem Antritt der standardisierten kompetenzorientierten Reifeprüfung, in den Fertig-
keiten Hören, an Gesprächen teilnehmen, zusammenhängendes Sprechen das Ni-
veau B1 gemäß GER und in Schreiben (wobei hier noch argumentative Formen des
Schreibens zusätzlich angeführt werden) sowie Lesen sogar das Niveau B2 gemäß
GER erreicht werden.
Am Ende der 12. Schulstufe in der AHS bzw. der 13. Schulstufe in der BHS werden
diese Referenzniveaus in der neuen standardisierten, kompetenzorientierten Reife-
prüfung’ genau überprüft, ob und wie gut sie in den aufbauenden Schuljahren erwor-
ben worden sind.
Wie der ‚Gemeinsame europäische Referenzrahmen’, an dem sich die neue Reife-
prüfung in den Fremdsprachen orientiert, ist auch die neue standardisierte, kompe-
tenzorientierte Reifeprüfung seit 2014/15 an der AHS (vgl. BMB, 2017a: 1)32 und seit
2015/16 an der BHS (vgl. BMB, 2017b: 1)33, so ausgerichtet, dass sie
Bildungseinrichtungen national und international einen aussagekräftigen Vergleich
und Anerkennung darstellt. Standardisiert bedeutet, dass die SchülerInnen
österreichweit zum selben Prüfungstermin zur Klausur antreten und die gleichen
Aufgabenstellungen erhalten. Bei der schriftlichen Matura in den Fremdsprachen
30
BMB [Letzter Zugriff: 6. Juni 2017]
https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_neu_ahs_17_11872.pdf?5i81nq
31
BMB [Letzter Zugriff: 6. Juni 2017]
https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_neu_ahs_37_11892.pdf?61ebzi
32
BMB [Letzte Zugriff: 6. Juni 2017]
https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/ba/reifepruefung.html#heading_Warum_eine_ne
ue_Reifepr_fung_
33
BMB [Letzte Zugriff: 6. Juni 2017]
https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/ba/reifepruefung_bhs.html
- 52 -
werden bei der AHS, wie bereits beschrieben, die Lernjahre berücksichtigt. Die BHS
bekommt hingegen einheitliche Aufgabenstellungen, die bei der Fremdsprache
berufsbezogen sind (vgl. BMB, 2016f: 2f)34.
In der AHS gelten diese standardisierten Aufgabenstellungen jedoch nur für die
Fremdsprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Latein und Griechisch
bzw. für die Unterrichtssprache Deutsch und auch u.a Ungarisch im bereits
beschriebenen zweisprachigen Gymnasium. Die schriftlichen Prüfungsfragen in der
Fremdsprache Ungarisch formuliert weiterhin die Klassenlehrkraft. Dabei sollen
rezeptive und produktive Kompetenzbereiche mit je zwei Aufgabenbereichen geprüft
werden (vgl. BMB, 2017a: 3&11). Die Maturabilität bzw. die Anzahl der
Themenbereiche ist bei der mündlichen Prüfung abhängig vom Gegenstandstyp,
welcher in der Schule für Ungarisch angeboten wurde (vgl. BMB, 2017a: 11f).
In der BHS ist je nach Schultyp unterschiedlich, ob die SchülerInnen in lebenden
Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) schriftlich mit zentralen
Aufgabenstellungen maturieren können. Die Schultypen HAK und HUM bieten
Lebende Fremdsprache explizit als mündliche Prüfung an, sonst können die
SchülerInnen diese als Wahlfach wählen (vgl. BMB, 2017b: 5f).
Für die mündliche Reifeprüfung müssen Lernende je nach Wochenstundenanzahl
und Gegenstandstyp eine unterschiedliche Anzahl an Themenbereichen bewältigen.
In der AHS können das 3-24 (vgl. BMB, 2017a: 12) Themenbereiche sein, in der
BHS (vgl. BMB, 2017b: 7) 20-25 Themenbereiche.
In der schriftlichen als auch in der mündlichen Reifeprüfung, die neben der
‚Standardisierung’ auch die Kompetenzorientierung in den Mittelpunkt rückt, sind wie
schon bereits beim GER beschrieben, die zu erreichenden Lernziele die
Kompetenzenniveaus und nur sekundär die Inhalte (vgl. BMB, 2017a: 3). Aber was
ist Kompetenz überhaupt?
„Kompetenz stellt die Verbindung zwischen Wissen und Können her und ist als
Befähigung zur Bewältigung unterschiedlicher Situationen zu sehen“ (BMB, 2017a:
2). Aus den Komponenten Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, Aspekte der
Erfahrung, Motivation und persönliche Einstellung ergibt sich Kompetenz. Diese
34
BMB [Letzte Zugriff: 6.Juni 2017]
https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/ba/reifepruefungneu_folder.pdf?5nnpo5
- 53 -
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der europäische Wunsch nach Mehrspra-
chigkeit von den österreichischen Schulsystemen, mit Anlehnung an den GER, mit
dem Hauptziel eines handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts, unterstützt
wird. Dabei werden alle 5 Fertigkeiten gleichzeitig trainiert, um in privaten, berufli-
chen und öffentlichen Bereichen richtig kommunizieren zu können und das überge-
ordnete Lernziel einer kommunikativen Sprachkompetenz zu erreichen. Hierbei wird
nicht mehr besonderer Wert auf sprachliche Korrektheit gelegt, denn Fehler sind er-
laubt, so lange sie das Hauptziel, die Kommunikation, nicht gefährden. Vielmehr
werden die einzelnen Kompetenzbereiche, welche die kommunikative Kompetenz
unterstützen, zentralisiert (vgl. BMB, 2016a: 1f). Speziell für diese Arbeit taucht je-
doch die Frage auf, welchen Stellenwert hier ‚Grammatik’ haben muss bzw. haben
sollte, wenn Fehler erlaubt sind, aber das Hauptziel Kommunikation ist. Wieviel
Grammatik brauchen SchülerInnen, um eine Sprache zu lernen, d.h. zur Kommuni-
kation bzw. zu den einzelnen Fertigkeiten?
Der AHS Lehrplan (BMB, 2016a: 3) fordert, Grammatik vorrangig unter funktionalem
Aspekt zu erarbeiten. Grammatik sollte also dominierend in themen- und situations-
bezogenen kommunikativen Aktivitäten und Strategien trainiert werden. Das Erfas-
sen von Regeln sollte vielmehr nur als Hilfsmittel und für strukturbetonte LernerIn-
nentypen dienen. Zur Bewältigung kommunikativer Aufgaben sollen grammatische
Strukturen in zyklischer Progression erarbeitet werden.
Bezogen auf das 2. Kapitel, in den Grammatik u.a. mitsamt des Lernprozesses und
deren Notwendigkeit beschrieben wurde, erweist sich dieses Ziel für den FU nicht
gewinnbringend bzw. dauert der Lernprozess ohne explizite Grammatik viel länger.
Auch für die HerkunftsprachenlernerInnen, die wie bereits beschrieben genauso den
- 54 -
- 55 -
Gleich hier am Anfang dieses Kapitel muss eine terminologische Trennung bzw.
Aufklärung vollzogen werden. Der Terminus ‚Lehrwerk’ bezeichnet ein komplexes
Medienverbundsystem, das u.a. aus einem Lehrbuch als zentrales Element besteht
(vgl. Elsner, 2016: 441). Um eine korrekte Untersuchung der Grammatik in
Lehrwerken zu tätigen, müssen neben dem Lehrbuch auch weitere Komponenten
wie beispielsweise das Arbeitsbuch herangezogen werden.
Das Lehrbuch nimmt eine zentrale Rolle im FU als Mittler zwischen ministeriell
verordneten Lehrplänen bzw. deren Zielen und den konkreten Unterrichtsstunden,
vor allem in der Sekundarstufe, ein. Somit nimmt es häufig die Funktion des
‚heimlichen Lehrplans’ ein, denn die Lehrkräfte kennen oft die Lehrbücher viel
genauer als den Lehrplan (vgl. Thaler, 2011: 15f). Heutzutage, wo enorme
Veränderungen am Schulwesen (siehe Kapitel 4) durchgeführt wurden, sind diese
Aussagen insbesonders gültig. Die Lehrwerke werden von den Lehrkräften als
Anker, als Fixpunkt, gesehen.
Trotzdem steigt seit mehreren Jahrzehnten das Sündenregister der Lehrwerke
progressiv an: Sie werden oft als veraltet angesehen;; laut didaktisch-methodischen
Forschungen bringen sie nur wenige Übungs- und Aufgabentypen hervor;; die
Individualität der Lernenden kann mit Lehrwerken nicht unterstützt werden bzw. die
unzureichende Vielfalt ist als Zerstörer der Kreativität der Lernenden anzusehen (vgl.
Funk, 2004: 42)35. Eine konsequente Realisierung eines FUs jedoch ohne
Lehrwerke, d.h. die Umsetzung des task-based-learning-Ansatzes, würde nach
KLIPPEL (vgl. 2006:113, zit. n. Schmelter, 2011: 149) auf Grund der unterschiedlich
intensiven Vorbereitungsengagements bzw. methodisch- didaktischen Qualität der
Lehrkräfte zu einer noch größeren Ausdehnung der Qualität zwischen exzellentem
und schlechtem Unterricht führen. Hier muss aber zusätzlich noch angemerkt
werden, dass die Kritik an Lehrwerken als relativ angesehen werden muss, denn das
35
Babylonia - Die Zeitschrift für Sprachunterricht und Sprachenlernen, [Letzte Zugriff: 06.Juli
2017] http://babylonia.ch/fileadmin/user_upload/documents/2004-3/funk.pdf
- 56 -
darin steckenden Potential ist oft auch abhängig von den Lehrkräften und deren
Gebrauch dieser (vgl. Thaler, 2011: 19).
„Um ein Lehrwerk optimal verwenden zu können, benötigen Lehrkräfte allerdings eine
ausgeprägte Lehrwerkkompetenz. Deshalb müssen sie in der Lehrer[Innen]ausbildung in
stärkerem Maße als bisher mit den wichtigsten Kriterien der Lehrwerkkritik und
Lehrwerkanaylse bekannt gemacht werden, um später verwendete Werke besser auf die
jeweilige Lerngruppe anzupassen“ (Thaler, 2011:25).
Die meisten Lehrkräfte im ungarischen FU verwenden, vielleicht auch aus diesem
Grund, ein Basislehrwerk (vgl. Gedeon, o.J.: 3)36. Die meisten Lehrwerke beinhalten
meist kurze Texte, Bildmaterialien, Grammatikdarstellungen, Übungen und
komplexere Lernaufgaben sowie Vokabellisten. Zusätzlich werden diese oft mit
einem Arbeitshelft, welches schriftliche Aufgaben inne hat, mit einer Audio-CD, durch
welche Hörtexte und Lieder abspielbar sind, bzw. mit Lehrerhandreichungen zu
diesem Ensemble und nicht selten auch mit CD-Roms, DVDs und einem Portfolio
ergänzt (vgl. Elsner, 2016: 441). Solche ergänzenden Zusatzmaterialien dienen den
Lernenden u.a. zum Nachschlagen von Grammatik, dem autonomen Lernen bzw.
Wiederholen und für die Lehrkräfte zur Unterrichtsvorbereitung. Diese können in
Printform oder auch online zugänglich sein, wobei die online Materialien oft als
unüberschaubar gelten (vgl. Summer, 2016: 450). Trotzdem eröffnen diese
Internetquellen laut SCHMELTER (vgl. 2011: 149) ein Stück der ‚geschlossenen’ Welt
des Lehrwerks und des Klassenzimmers.
Weiters werden aber im FU von ungarischen Lehrkräften trotz dieser vielfachen
Ergänzungen immer wieder eigens zusammengesuchte Zusatzmaterialien aus
unterschiedlichen Quellen, wie Internet bzw. anderen Lehrwerken, zusätzlich zu den
Basislehrwerken ausgehändigt, denn aus allen Lehrwerken kann man etwas
Wertvolles finden (vgl. Gedeon, o.J.: 3).
Daher sollen an dieser Stelle zusammenfassend die besonderen Funktionen des
Lehrwerks im FU ergänzend aufgelistet werden (vgl. Neuner, 1998: 8):
36
Nyeomszsz, [Letzte Zugriff: 18.Junii 2017]
http://www.nyeomszsz.org/orszavak/pdf/07_gedeon_m_magyar_nyelvkonyvek.pdf
- 57 -
Lehrkwerke sind die wichtigsten Instanzen bei der Grammatikvermittlung, denn sie
legen fest, wann und wie etwas behandelt wird. Sie weisen einen inneren Aufbau
auf, wozu Wortschatz, Aussprache, Landeskunde, Textsorten, etc. sowie Grammatik
gehören und diese aufeinander auf lehrreiche Weise Bezug nehmen. Die Lehrwerke
werden nach bestimmten Gesichtspunkten in diversen Lektionen aufgeteilt, die
unterschiedlich lang sein können (vgl. Rösler, 2012: 43&183). Die
Grundentscheidung beim Aufbau des Lehrwerks ist die Frage nach der Progression.
- 58 -
Soll es eine ‚steile’ Progression aufweisen, wo viel neues Material in kurzer Zeit
eingeführt wird oder eher eine ‚flache’ Progression, wo neues Material viel mehr in
die Länge gezogen wird und dabei viel mehr Zeit zum Üben bleibt. Diese beiden
Progressionsbegriffe zeigen die Intensivität der Stoffverteilung.
Die zweite, häufiger verwendete Progressionsbegriff, die ‚grammatische
Progression’, bezieht sich vielmehr auf die Reihenfolge und wie bzw. nach welcher
Methode diese aufgebaut wurde (vgl. Rösler, 2012: 44&184). Es gibt keine perfekte,
begründbare Gesamtprogression, d.h. Reihenfolge der Grammatik in einem
Lehrwerk (vgl. Funk & Koenig, 1991: 62). Viel mehr können die im Kapitel 2.2.1
bereits angeführten Kriterien den AutorInnen eine Hilfestellung geben.
Durch die historischen Methodenänderungen (siehe Kapitel 2.2.2) hat sich die
Progression der Lehrwerke in den letzten Jahrzehnten sehr geändert. Auch GEDEON
(vgl., o.J.: 1-6) beschreibt, weshalb ungarische Lehrwerke veralten, wofür sie das
Lehrwerk von MROCZKO aus dem Jahr 1957, welches in Polen als erstes Lehrwerk für
Ungarisch als Fremdsprache erschien und nach dem GÜM aufgebaut wurde und
ERDŐS & PRILESZKY ‚Halló, itt Magyarország!’ aus dem Jahr 1992 vergleicht. Beim
Ersten wurde die Grammatik in den Vordergrund gestellt und auf diese hinkonzipiert.
Letzteres wurde mit Themen der alltäglichen Situtationen konzipiert, bei welchen
Grammatik untergestellt wurde, aufgrund der kommunikativen Methoden. So wurde
auf lange grammatische Erklärungen verzichtet und stattdessen ein gut
übersichtliches, bildliches System angewendet, welches jedoch nicht immer
eindeutig verstehbar ist. Dieses wurde dann mit zusammenfassenden Tabellen, für
jede grammatische Struktur, am Ende des Buches noch ergänzt. Dieser Vergleich
der beiden Lehrwerke zeigt sehr gut, wie sich Lehrwerke seit der GÜM
weiterentwickelt haben und die heutigen Lehrwerke statt dem Erlernen von
Grammatik vielmehr der Realisierung kommunikativer Ziele (siehe Kapitel 4) dienen
(vgl. Summer, 2016: 449).
Das bedeutet, dass ‚systematische, deskriptive’ Grammatik von der
‚anwendungsorientierten’ Grammatik ersetzt wurde. Das heißt aber nicht, dass
Grammatik ganz weggelassen werden soll/darf. Die Lehrwerke, die sogar im Vorwort
ausdrücklich mit der ‚Befreiung’ von Grammatik argumentieren, sind und können
- 59 -
trotzdem nicht davon befreit sein (vgl. Jung, 1993: 108). Denn wie bereits HELBIG
(siehe Kapitel 2.1) darauf hinweist, Grammatik ist überall.
Die grammatiklosen Lehrwerke geben vielmehr und im falschen Verständnis die
kommunikative Methode als Alibi für ihre terminologiefreie ‚Häppchengrammatik’ an.
So tut auch eine entsprechende ‚Befreiung’ der Lehrwerke nur manchen Lehrenden
gut, die Schwierigkeiten mit Darstellungen und Erläuterungen haben und sich nur
deshalb ständig einzig auf das Sprechen fokussieren und so auch keine adäquate
Fehlerkorrektur durchführen können. Weiters lassen diese Lehrkräfte auch
metasprachliche Terminologien außer Acht, welche aber auch dem schnellen
Verständnis dienen könnten (vgl. Jung, 1993: 108&110).
Die Begründung für diese ‚Befreiung’ ist der Wunsch der Lernenden nach
grammatiklosem Unterricht, welcher jedoch unbelegbar blieb. Vielmehr kommt bei
den Lernenden Missstimmung auf, wenn Lernenden das grammatische System
vorenthalten bleibt oder sogar noch schlimmer, wenn bei einer
spiralförmigen/konzentrischen Progression (siehe Kapitel 2.2.1) Grammatik, im
Gegenteil zur linearen Progression, nur bruchstückhaft vermittelt und immer wieder
auf spätere Lektionen verwiesen wird. Bei manchen Lehrwerken wird auf diese
späteren Verweise dann aber sogar schlichtweg vergessen (vgl. Jung, 1993:108).
Eine Langzeitbeobachtung (JUNG 1991) zeigt, dass
„ein sehr deutlicher Zusammenhang besteht zwischen der Abnahme des grammatik-
orientierten Unterrichts mit entsprechenden Lehrwerken, der Zunahme der mehr situativ-
kommunikativ ausgerichteten Unterweisung mit entsprechendem Lehrmaterial, dem in
vielen dieser Lehrwerke zu beobachtenden geringeren Angebot an Grammatikstoff und
der steigenden Zahl der Lernenden, die die an sie gestellten Erwartungen und
Anforderungen eines möglichst grammatisch korrekten mündlichen und schriftlichen
Gebrauchs der Sprache nicht erfüllen [...]“ (Jung, 1993:110).
- 60 -
- 61 -
abgeänderte Spiele, Lieder etc. sehr gut geeignet (vgl. Storch, 1999: 180&186).
Solche Verfahren regen die Kreativität und die Motivation der Lernenden an und
führen zu besserem Verstehen und Behalten der grammatischen Strukturen. Trotz
dieser Erkenntnisse und diesem leitenden Vorgehen der neuen Lehrwerke
unterrichten sehr viele Lehrkräfte noch immer nach der traditionellen Regelerklärung,
wo sie in der Phase der Erarbeitung grammatischer Strukturen viel zu dominant
mitwirken (vgl. Koenig, 2001: 298ff).
So eine lehrerzentrierte Vermittlung bzw. Präsentation von grammatischen
Strukturen nennt die Wissenschaft ‚deduktive Methode’, wobei Lehrkräfte nach dem
Prinzip ‚von Regel zur Übung’ (top down) unterrichten (vgl. Rische, 2010:43). Dabei
bildet sich laut FUNK/KOENIG (1991) aber ein Teufelskreis der Grammatikvermittlung
Die Darstellungen werden von den Lehrkräften mit Fachwissen und Engagement
präsentiert, die Lernenden hören konzentriert zu, haben aber große Probleme bei der
Aufnahme und ihr Lehrwerk kann ihnen auch nicht viel weiterhelfen (vgl. Koenig,
2001: 295).
In der heutigen, aktuellen fachwissenschaftlichen Diskussion wird die deduktive
Vermittlung jedoch nicht mehr von allen ganz so negativ, vielmehr eher als
komplementär angesehen. Es wird diesen eher eine lernzielspezifische Auswahl
bzw. Nutzung beider Methoden empfohlen (vgl. Winter, 2010: 129).
- 62 -
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Aus Sicht der Lehrenden und Lernenden stellen noch immer die Bereitstellung von
Modellen, Verstehenshilfen und Hilfen zur grammatisch korrekten Sprachproduktion
die unumstrittenste wichtigste Funktion bei Lehrwerke dar, trotz angeblicher Wunsch
der ‚Grammatikbefreiung’ (vgl. Funk, 2001: 285). Das immer wiederkehrende
Problem der Gegenüberstellung im FU, da die einzelnen Sprachen der Welt
unterschiedlich konzipiert sind, kann bei der Erklärung durch visuelle Darstellungen
unterstützt werden (vgl. Hegedűs, 2012: 291f). Damit kann man ein optimales
kognitives Verständnis erreichen bzw. wie im Kapitel 2.2.1 bereits erwähnt, der
Lernschritt ‚Lernen/Behalten’ enorm unterstützt werden.
Denn aus neuropsychologischer Sicht wird das menschliche Gehirn in zwei Teile
geteilt und zwar in die sogenannte linke Hemisphäre und in die rechte Hemisphäre,
welchen jeweils unterschiedliche Aufgaben bei der Verarbeitung von Informationen
zugeteilt werden. Die linke Seite verarbeitet Informationen nacheinander, logisch,
linear bzw. ordnet und speichert Regeln, während die rechte Seite Informationen
gleichzeitig verarbeitet, indem sie in ganzen Bildern bzw. Einheiten denkt und Bilder
und Emotionen erfasst bzw. sich an diese erinnert. Wenn beide Gehirnhälften bei der
Verarbeitung von Informationen bzw. grammatischen Regeln zusammen aktiviert
werden, werden die Informationen länger und effizienter verarbeitet und können
schneller wieder hervorgerufen werden (vgl. Funk & Koenig, 1991: 86f).
Wenn sprachliche Erscheinungen zu konkret, zu abstrakt oder auch im Falle von
Kontrastivität mit alltäglicher mündlicher Kommunikation nicht bzw. nicht ausreichend
erklärt werden können, da die strukturelle Unterschiede zwischen der ungarischen
und deutschen Sprache riesig sind, verlangt die Situation im FU eine visuelle
Darstellung (vgl. Hegedűs, 2012: 293). Daher hat FUNK & KOENIG (vgl. 1991: 74-93)
visuelle Elemente gruppiert:
- 64 -
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- 66 -
Wie am Ende des Kapitels 2.2.2.1 bereits angeschnitten, sind Übungen von den
Aufgaben getrennt zu betrachten. Aufgaben sind sprachliche Aktivitäten, die auch
außerhalb des Klassenszimmers stattfinden. Um sie zu realisieren und bewältigen zu
können, benötigt man diverse Disziplinen wie sprachliche Regeln, Vokabeln,
Kenntnis von Textsorten sowie Landeskunde und die Fähigkeit zu flüssigem
Sprechen und Schreiben. Diese realen Sprachsituationen müssen jedoch vorbereitet
werden und zwar durch (grammatische) Übungen (vgl. Funk, et. al, 2014: 11&13).
Übungen unterstützen sowohl den Erwerb sowie die Behaltenssicherung von
deklarativen und auch prozeduralen Wissensbeständen als auch die Automatisierung
sprachlicher Routinen. Unstabile, noch nicht (vollkommen) erworbene kognitive
Strukturen sollen mit Übungen modifiziert und nachhaltig gefestigt werden (vgl.
Kieweg, 2013:182). Daher dürfen diese nicht einfach willkürlich im Unterricht
ausgehändigt werden, sondern müssen mit der jeweiligen Zielsetzung und den
Ausgangsbedingungen der LernerInnen abgestimmt werden (vgl. Roche, 2005: 211).
„Die Entscheidung über das, was man übt, wie man es übt und wie lange man es
übt, sind die wichtigsten Entscheidungen für Erfolg oder Misserfolg im Unterricht“
(Funk et.al, 2014: 9).
In diesem Sinne könnte man das Üben als das gesamte Unterrichtsgeschehen
ansehen. So ist es jedoch nicht und genau aus diesem Grund muss man das Üben
durch Merkmale eingrenzen.
Das Üben ist eine gesteuerte Unterrichtsaktivität. Jede Übung verweist einen
eingrenzbaren Übungsgegenstand bzw. -schwerpunkt auf, der innerhalb einer Übung
ident bleibt. Sie besteht aus mehreren ‚Items’, d.h. Teilen, die in mehreren
Durchgängen immer in gleicher oder ähnlicher Art durchgeführt werden, wodurch
eine Art Wiederholungseffekt auftritt. Für die Durchführung bestehen didaktisch
bedingte Regeln, woran sich die Lernenden halten müssen (vgl. Storch, 1999:1 99f).
„Die Übung ist stark bindend. Die Inhaltsebene, die Ausdrucksebene und die Regelebene
(was will ich sagen? wie sage ich es? welche Regel mußich dabei beachten?) sind eng
zusammengefügt. Das ist psycholinguistisch völlig ungewöhnlich: So sprechen wir nicht,
so denken wir auch nicht. Sondern: Wir denken, und es stellen sich, falls wir sprechen
sollen, unsere Sprachmittel automatisch ein. Im Fremdsprachenlernprozeß muß mal
- 67 -
dieser Vorgang da sein, daß ich diese drei Ebenen bewußt eng zusammenführe“
(Häussermann & Piepho, 1996: 196).
Das Üben ist somit eine Mittlertätigkeit und keine Zieltätigkeit (vgl. Storch, 1999:
199), genau wie die Grammatik. Grammatische Strukturen können nur durch das
Üben deutlich gemacht werden. Somit ist das Üben ein Verstehensvorgang, womit
auch Sicherheit und dadurch auch Autonomie bei den Lernenden erschaffen werden
kann (vgl. Häussermann & Piepho, 1996: 197). Die Zielaufgabe ist maßgebend und
um diese zu erreichen, müssen die Lehrenden das Prinzip der ‚Rückwärtsplanung’
anwenden. Die Übungen werden immer nach Benennung der Zielaufgabe
rückwirkend ausgewählt (siehe Abb. 4).
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Wie bereits erklärt, müssen Lehrkräfte der ungarischen Fremdsprache durch geringe
Anzahl von Lehrwerken bzw. Übungen in Lehrwerken oft eigenständig Übungen
erschaffen. Wie auch FUNK & KOENIG (vgl. 1991: 106) darauf hinweisen, ergänzen die
Lehrenden oft den Unterricht mit Übungen aus anderen Lehrwerken, die aber
überhaupt nicht mit der Wortschatzprogression oder der thematischen Aktualität
übereinstimmen. Aus diesem Grund sollen neben diesen traditionellen Übungen in
diesem Kapitel einige innovative, von renommierten ForscherInnen empfohlene
Übungen präsentiert und in der Lehrphase der ‚Bewusstmachung’, d.h. in die Phasen
der ‚Sprachaufnahme’ und ‚Sprachintegration’, welche für die Entwicklung von
deklarativem Wissen bedeutsam sind, eingeordnet werden. Diese Übungen sind zu
vielen Themen und grammatischen Phänomenen einsetzbar.
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dass auch die Langsamkeit im Schreiben eine Art Selbstkontrolle und dadurch eine
bewusste Auseinandersetzung mit der Sprache zustande kommt. Als dritten
gewinnbringenden Faktor für das Schreiben grammatischer Übungen nennen sie das
Tun mit der Hand, welches Gedächnisbilder erschafft. Richtig Sprechen lernt man
über das Richtigschreiben, wobei in diesem Sinne auch ‚Language Awareness’
erneut zu nennen ist. Diese Tatsache und Erkenntnis ermöglicht die Erreichung der
Ziele im ungarischen FU im Burgenland mit den Übungen zusammenfließen zu
lassen!
Daher sollten grammatische Übungen, bei denen tatsächlich geschrieben werden
muss, anstatt Übungen, in denen gesprochen wird, mit Linien oder Kreuzen
verbunden werden muss oder einfache Endungen einzufügen sind, überwiegend
vorkommen. In der Praxis ist neben der Qualität aber auch die Quantität wichtig.
Auch die besten Übungen helfen nicht, wenn die Lernenden nicht genug Zeit haben
grammatische Phänomene zu festigen (vgl. Häussermann & Piepho, 1996: 135).
Daher ist die Übung in engeren Sinn, welche möglicherweise nicht so viel
Schreibanlässe gibt, weniger zeitintensiv ist, am Anfang nicht verkehrt. Dieser sollten
Übungen folgen, die immer offener und schreibfreudiger werden. Einige solche
Übungen sollen hier nun auch präsentiert werden, wobei auch versucht wird von
engeren Übungen zu immer offeneren Übungen hinzu steigern:
o Memory (vgl. Funk & Koenig, 1991: 110f): Das Prinzip von Memory ist jedem
bekannt. Dabei können Satzergänzungen, Fragen-Antworten oder
Umformungen geübt werden. Dieses Spiel lässt sich zu diversen Zeitpunkten
der Progression, sogar in der ersten Phase, einsetzen und kann variiert
werden. Vorteil dieses Spiels ist das vielfache Lesen der Karten, die immer
wieder aufgedeckt werden.
o Satzstücke/Sprüche bilden (vgl. Häussermann & Piepho, 1996: 139): Zu
einem bzw. zwei Bildern Wortsprüche aus angegebenen Verben schreiben
lassen.
o Lernende als Produzent (vgl. Koenig, 2001: 302-304): Eine Umkehr der
traditionellen Übungen, wo Lernende statt Konsumenten als Produzenten
selber Übungen erstellen sollen. Die freie Gestaltung fördert neben der
Lernerautonomie komplexe Problemlösungssituationen. Dabei werden nicht
nur eine ganze Reihe kognitiver Prozesse durchlaufen, sondern auch
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ist Sieger. Die Verwendung einers Jokers lässt Kreativität zu. Hier ist auch
wichtig, dass die Farbe oder Form der Karte den Lernenden bereits einen
Hinweis auf die Position der Karte im Satz liefert. Dadurch ist ein Erkennens-
und Merkeffekt gewährleistet.
Zum Schluss sollen noch wenige ‚Inventionsübungen’ präsentiert werden, die im FU
die halboffenen Übungen bzw. die Aufgaben bezeichnen. Dabei sollen kurze Sätze
und kurze Texte bereits selbstständig entwickelt werden. Häufig fehlen aber genau
diese im FU, jedoch sind diese ein unverzichtbarer Zwischenschritt vom formalen
Üben zum freien Gestalten (vgl. Häussermann & Piepho, 1996: 149).
o Ungewöhnliche Sprech- und Satzbildung oder Satzumformung als
Fußballspiel (vgl. Funk & Koenig, 1991: 106f): Lernende werden in 2
Gruppen eingeteilt und müssen 10 Sätze aufschreiben. Es wird ein Satz
vorgelesen und die Gruppe oder ein/e TeilnehmerIn der Gruppe muss diese
umformulieren. Zum Beispiel wird auf dem Overheadprojektor ein Fußballfeld
gezeigt mit einer Münze, die bei jeder richtigen Antwort Richtung fremdes Tor
wandert.
o Schreibanlässe: Die Lehrkraft erzählt entweder eine ungewöhnliche
Geschichte, dies kann in schriftlicher oder in mündlicher Form geschehen oder
gibt ein Foto oder einen interessanten Gegenstand als Vorgabe. Die
Lernenden müssen auf einem Zettel Begründungen schreiben, warum der
Protagonist etwas tut. Diese Zettel werden vermischt und erneut ausgeteilt.
Dabei sollen die Lernenden die unbekannten Kärtchen lesen und die Besten
auswählen und auf die Tafel schreiben. Zur weiteren Entfaltung können dann
eigene Geschichten erfunden werden. In dem Fallbeispiel werden
Begründungssätze geübt (vgl. Funk & Koenig, 1991: 101ff). Der Einsatz dieser
Übung kann aber im ungarischen FU für verschiedene grammatische
Phänomene eingesetzt werden, wie Vergangenheit, Imperativ, Konditional etc.
o Sätze nachbauen (vgl. Häussermann & Piepho, 1996: 153): Es werden
mehrere Mustersätze vorgegeben. Die Antworten oder neue Sätze sollen aber
unbedingt frei gebildet werden.
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Diese (spielerischen) Übungen sollen einen kurzen Überblick über die Möglichkeiten
innovativer und ermunternder Übungen in Lehrwerken und auch im FU geben.
Neben den traditionellen Übungen, die sehr gut motivierend gebracht werden
können, gibt es etliche Möglichkeiten auch bei den Übungen und nicht nur bei den
Aufgaben kreativ vorzugehen.
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6. LEHRWERKFORSCHUNG
Lehr- bzw. Lernmaterialien beeinflussen den FU sehr stark, wie die Lehrkräfte und
auch die SchülerInnen selbst. Die systematische Lehrwerkforschung entwickelte sich
in erster Linie mit HEUER & MÜLLER (1973) und ihrem Arbeitskreis in den 70er Jahren,
als die kommunikative–pragmatischen Wende (siehe Kapitel 2.2.2.) einsetzte.
Während dieser Arbeitskreis Einzelaspekte untersuchte, lieferten später bestimmte
Gutachten, auf Basis veröffentlichter Kriterienraster, Analysen von kompletten
Lehrwerken. Diese Gutachten waren u.a. das Mannheimer Gutachten (Engel u.a.,
Band 1: 1977, Band 2:1979), das Gutachten des Sprachverbandes Deutsch als
ausländische Arbeitnehmer (Barkowski u.a. 1982), welche jedoch aufgrund ihrer
Subjektivität oft kritisiert wurden (vgl. Krumm, 1998: 23&25). Diese Gutachten sind
zwar für Lehrwerke für DaF/Z gedacht, könnten/können jedoch jederzeit auch auf
andere Sprachen angewendet werden.
Die Lehrwerkforschung unterteilt sich in drei Bereiche und zwar in ‚Lehrwerkanalyse’,
in ‚Lehrwerkbegutachtung’ und in ‚Lehrwerkkritik’. Letztere verfolgt das Ziel, eine
praxisbezogene, vergleichende Lehrwerküberprüfung zu tätigen, um Lehrkräfte bei
der Aus- und Weiterbildung bzgl. methodischer Innovationen zu unterstützen sowie
für eine konkrete Zielgruppe eventuelle Empfehlungen bzgl. Einführung von
Lehrmaterialien abzugeben (vgl. Funk, 2013: 364).
„Sie fragt nach der Eignung eines Lehrwerks für eine bestimmte Lerngruppe, die
bestimmte Zielsetzungen verfolgt und unter bestimmten Lernbedingungen
unterrichtet wird“ (Neuner, 1998: 17) .
Hier muss aber hervorgehoben werden, dass die Lehrwerkkritik zwar unter der Regel
wissenschaftlich begründeter Kriterien und Verfahren vorgeht, ihre Ergebnisse
jedoch keine wissenschaftliche Gültigkeit beanspruchen. Deren Kriterien bzw. die
Beantwortung dieser Kriterien ist subjektiv. Forschungsmethodisch geht die
Lehrwerkkritik hermeneutisch-vergleichend vor und genau aus diesem Grund
produziert sie nur eine begrenzte Aussage über die mit einem Lehrwerk erreichbare
Unterrichtsqualität (vgl. Funk, 2013: 364).
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Die Lehrwerkkritik soll lt. KRUMM (vgl. 1998: 25) die vorhandenen wissenschaflichen
Erkenntnisse, unterrichtspraktischen Erfahrungen sowie didaktisch wünschenswerte
Forderungen in einer „hermeneutischen Lehrwerkanalyse“ zusammenführen. So
kann eine ganzheitliche Erfassung und abgerundete Darstellung der Lehrwerke
getätigt werden, und die Möglichkeit dazu geben, Aussagen über ihre Brauchbarkeit
nicht unwiderlegbar zu machen, sondern vielmehr eine Diskussion auszulösen und
zur gezielten Erprobung aufzurufen.
In dieser Arbeit soll das explizite, deklarative Grammatikwissen unter bestimmten
Kriterien in zwei ausgewählten Lehrwerken untersucht werden, um diese dann für die
Diversität des ungarischen Fremdsprachenunterricht nutzbar zu machen.
- 78 -
aber erlauben. In wenigen Schultypen ist für den Unterricht der 2. lebenden
Fremdsprache in der 4. & 5. Schulstufe noch ‚Téma – Materialien zur ungarischen
Sprache und Kultur’ zu finden. Sonst gibt es keine anderen Lehrwerke für
Ungarisch als Fremdsprache.
Im Rahmen der österreichische Schulbuchaktion38 (vgl. BMB & BFJ, 2017b) werden
seit 1972 SchülerInnen an österreichischen Schulen unentgeltlich mit den
notwendigen Unterrichtsmitteln, in diesem Fall mit Lehrwerken für die ungarische
Fremdsprache, ausgestattet. Diese von den Lehrkräften ausgesuchten Schulbücher
gehen ins Eigentum der SchülerInnen über.
Daher sollte der Untersuchung in dieser Arbeit unbedingt ein Lehrwerk der
Schulbuchaktion zugrunde liegen. Die Wahl zwischen den beiden Lehrwerken fiel auf
‚Halló, itt Magyarország! 1. kötet’, denn dieses Lehrwerk ist das mit dem älteren
Erscheinungsjahr. ‚Halló, itt Magyarország! 1. kötet’ wurde im Jahr 1995 und ‚Szia!
Ungarisch für Anfänger, Arbeitsbuch und Lehrbuch’ im Jahr 2005 erstmals
produziert.
Das zweite zu untersuchende Lehrwerk, ‚MagyarOk’ 1. kötet’ wurde ebenfalls vor
allem wegen seines Erscheinungsdatums ausgewählt. Es ist nämlich das neueste
Lehrwerk, welches auf den Markt kam. Außerdem gehört es zu den Lehrwerken, die
den Gemeinsamen Referenzrahmen als Richtlinie innehaben. Durch E-Mailverkehr
mit den AutorInnen wurde auch in Erfahrung gebracht, dass trotz des angegebenen
Zielpublikums, Erwachsene und junge Erwachsene (StudentInnen), auch sehr viele
LehrerInnen das Lehrwerk in Höheren Schulen verwenden. Die Aufnahme in die
Schulbuchliste wurde zwar versucht, bis heute hatte dies aber keinen Erfolg. Die
AutorInnen gaben die Themenschwerpunkte als möglichen Grund an. Da dieses
Lehrwerk vorgibt, innovative didaktisch-methodische Pinzipien zu verwenden bzw. lt.
Vorwort auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse basiert, ist dies der
zweite Grund, warum die Wahl auf dieses Lehrwerk als zweites Untersuchungsobjekt
fiel.
38
Schulbuchaktion online, [Letzter Zugriff: 03.08.2017]
https://www.schulbuchaktion.at/indext2.html
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Für die beiden ausgewählten Lehrwerke, deren Auswahl bereits begründet wurde,
soll anschließend eine Lehrwerkkritik vollzogen werden. Jedes einzelne ausgewählte
Lehrwerk soll mit im Vorhinein erstellten, auf die Theorie und Zielsetzung
basierenden Kriterien untersucht werden. Die Kriterien können später auch von
Lehrkräfte für die Wahl des passenden Lehrwerkes angewendet werden. Die
Ergebnisse der Analyse der beiden Lehrwerke sollen dann miteinander verglichen
werden, um dann abschließend eine Empfehlung über bessere Gestaltung von
Lehrwerken abgeben zu können.
„Aufgabe der Lehrwerkkritik ist es also, ein valides Raster von Beurteilungskriterien zu
entwickeln, die Beurteilung eines Lehrwerks nach den festgelegten Kriterien vorzunehmen
und Empfehlungen zum Einsatz des Lehrwerks unter den vorgegebenen
zielgruppenspezifischen Bedingungen zu erarbeiten (Vorzüge/Schwäche)“ (Neuner, 1998:
17).
Der für die Analyse angefertigte Kriterienkatalog wurde, wie auch aus der Theorie
ersichtlich, in drei Teile gegliedert, um die Vermittlung von deklarativem Wissen
besser untersuchen zu können.
Der erste Teil behandelt die Progression, welche den Aufbau des Lehrwerks bzgl.
Grammatik genau darstellen sollte. Anhand dieser Kriterien soll ergründet werden,
welchen Stellenwert Grammatik in den Lehrwerken aufweist.
Der zweite Teil untersucht die grammatische Präsentation und Darstellung.
Mithilfe dieser Kriterien sollen die beiden Lehrwerke auf die erste Begegnung der
SchülerInnen mit den grammatischen Erscheinungen sowie den Einsatz von Mitteln
zur Regeldarstellung untersucht werden. Der letzte Teil bezieht sich auf die
Übungstypologie. Mittels der angefertigten Kriterien soll die Struktur des Aufbaus
von Übungen untersucht bzw. die in unterschiedlichen Lehrphasen eingesetzten
grammatische Übungen erfasst werden.
Für die Analyse wurde die grammatische Terminologie gewählt, welche in den
meisten Lehrwerken eingesetzt wird, um eine evtl. weiterführende Analyse zu
erleichtern, die auf allen drei Teile möglich wäre!
- 80 -
6.2.1 Kriterienkatalog
• Ist das Lehrwerk nach dem ‚engeren Sinn’ oder ‚weiteren Sinn’ von Grammatik
lt. HELBIG aufgebaut?
• Gibt es eine Argumentation bzgl. Grammatik im Vorwort?
• Verweist das Inhaltsverzeichnis auf Grammatik?
• Gibt es eine steile oder flache Progression?
• Welche Art von Progression, situative oder systematische bzw. lineare oder
spiralförmige, ist zu erkennen?
• Sind einige Kriterien bzgl. des Aufbaus grammatischer Progression
erkennbar?
• Sind die speziellen Fehlerquellen bestimmter SchülerInnentypen in der
Progression behandelt worden?
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- 82 -
Das Lehrwerk ‚Halló, itt Magyarország!’ ist ein Lehrwerk in 2 Bänden. Der erste
Band vermittelt eine Sprachkenntnis auf der Anfänger- und Mittelstufe. Das erste
Erscheinungsdatum des Lehrbuches war im Jahr 1992. In den Jahren 1995, 2001,
2002 kamen neue Auflagen mit Ergänzungen und Erneuerungen bzw.
Veränderungen auf dem Markt. Im Jahr 2009 gab es einen unveränderten Nachdruck
und im Jahr 2014 kam die neueste Version mit Online-Hörübungen auf dem Markt.
ERDŐS & PRILESZKY, Autor und Autorin dieses Lehrwerks, beabsichtigten in den 20
Lektionen, die das Lehrwerk aufweist, die wichtigsten alltäglichen Gesprächsdialoge,
Gesprächssituationen, und Themen zu präsentieren. Lt. GEDEON (vgl. o.J.: 3f) haben
der Autor und die Autorin die Lexik und Grammatik auch diesen Zielen
untergeordnet. Sie verweist eindeutig noch darauf, dass es trotz eines Alters von
mehr als über 20 Jahre, mit seiner Struktur, seinem Aufbau und methodisch-
didaktischen Konzepten noch immer eine wichtige Stellung bei den Lehrwerken für
Ungarisch als Fremdsprache einnimmt. Das Vorwort charakterisiert das Lehrwerk mit
einer klaren Übersicht sowie Verständis für Grammatik und genau aus diesem Grund
haben Autor und Autorin auf grammatische Erklärungen verzichtet (vgl. Erdős &
Prileszky, 2014a: 7).
Das Lehrkwerk besteht aus einem Lehrbuch39 und einem ‚ergänzenden Band’40 (vgl.
Erdős & Prileszky, 2014b) welcher im Jahr 2001 mit der ersten Auflage, im Jahr 2002
mit Verbesserungen und im Jahr 2014 mit unverändertem Nachdruck erschien.
Dieser bietet eine kontrastive Sichtweise auf die Grammatik, die im Lehrbuch
behandelt wird bzw. Lösungsschlüssel für die Übungen im Lehrbuch.
Die Struktur dieses Lehrwerks ist von Anfang an sehr übersichtlich und einfach
aufgebaut. Es besteht aus 20 Kapiteln mit insgesamt 151 Seiten, sowie einer
Beifügung von grammatischen Tabellen und einer Wortliste auf zusätzlichen 18
39
die dafür verwendete Abkürzung in der Analyse – HiM1
40
die dafür verwendete Abkürzung in der Analyse – HiM2
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Seiten. Jedes einzelne Kapitel beginnt mit mehreren Dialogen zum Lesen. Dieser
Teil wird mit einem A markiert. Als B werden dann hauptsächlich die darauffolgenden
Dialoge zur Selbstanwendung präsentiert bzw. einige Datenblätter zum Ausfüllen, die
bei einem Aufenthalt vorkommen können. Der Buchstabe C präsentiert die
Grammatik, welche immer auf einer Seite vorgestellt wird. Dann folgen auf einer
blauen Seite die Wörter, die in einzelnen Wortartgruppen aufgelistet werden. Als
letzter Punkt, auf welchen mit den Buchstaben D verwiesen wird, werden die
Übungen gebracht. Am Ende jedes Kapitels gibt es einen Platz, auf dem
Bemerkungen aufgeschrieben werden können.
Am Anfang des Lehrbuches sind grammatische Zeichen aufgelistet, die das
Verständnis der Erklärungen erleichtern sollen. Diese Zeichen werden, bis auf die
farblichen Markierungen, in den grammatischen Zusammenfassungen am Ende des
Lehrbuches weitergeführt. Im ergänzenden Band kommen diese aber gar nicht mehr
vor.
7.1.2 Lehrwerkanalyse
• Ist das Lehrwerk nach dem ‚engeren Sinn’ oder ‚weiteren Sinn’ von
Grammatik lt . HELBIG aufgebaut?
Dieses Lehrwerk behandelt die grammatischen Gegenstandsbereiche Morphologie
und Syntax. Der Gegenstandbereich Semantik wird durch die vielen Dialoge als
vorhanden angesehen. Durch diese lernen die SchülerInnen typische Phrasen bzw.
größere syntaktische Einheiten kennen. Ansonsten kommt die Semantik, speziell auf
Texte oder auch Diskurse gesehen, nicht vor.
Die Phonologie kommt in keinen Darstellungen oder Übungen vor bzw. wird nicht
explizit präsentiert. Im Gegenteil, denn die Vokalharmonie wird nicht einmal
angeschnitten und bei der Unterscheidung von velaren und palatalen
Suffixvariationen werden anfangs in der Tabelle oder bei visuellen Hilfsmitteln zwar
die Vokale für das velare Vokalsystem angegeben, für die Palatale jedoch nicht die
Vokale aufgelistet, sondern die velaren Vokale durchgestrichen, wie Abb. 5 dies auch
zeigt (siehe HiM, S.21). Ab der 5. Lektion wird auch dieser Verweis nicht angegeben.
Daher kann dieses Lehrbuch mit einer tendenziellen Zuordnung zu der ‚Grammatik
im engeren Sinn’ laut Helbig gezählt werden.
- 84 -
Abb. 5: Vokalharmonie (Erdős & Prileszky, 2014a: 21)
• Gibt es eine Argumentation bzgl. Grammatik im Vorwort?
Dieses Lehrwerk ermöglicht laut Vorwort (siehe HiM1, S.7) den Lernenden von
Anfang an das erworbene Wissen in den wichtigsten alltäglichen
Gesprächssituationen anzuwenden, aber auch gleichzeitig die grundlegendsten
Grammatikstrukturen kennenzulernen. Wortschatz und Grammatik wurden für das
kommunikative Ziel ausgewählt und geordnet. Diese kommunikative Orientierung
wird zudem mit der Absicht intensiviert, dass es, bis auf die Übungen im Teil D, keine
schriftlichen Übungen/Aufgaben gibt. Am Ende des Lehrwerks sind alle wichtigen
grammatischen Phänome in zusammenfassenden Tabellen dargestellt. Dies möchte
eventuell auch auf die Zweitrangigkeit der Grammatik verweisen.
• Verweist das Inhaltsverzeichnis auf Grammatik?
Das Inhaltsverzeichnis gibt nur Auskunft über die Themen in den einzelnen Kapiteln.
Es ist sehr schlicht, ohne Farbe, nur in schwarzer Schrift und ohne visuellen
Elemente dargestellt. Die einzige Formatierung ist die Zentrierung. Vorwort und
grammatische Zeichenerklärung werden mit ein wenig Abstand als erstes aufgelistet.
Dann mit erneuten Abstand kommen die 20 Lektionen mit Überschrift der Themen,
aber absolut ohne grammatische Erscheinungen. Zum Abschluss sind erneut mit
Abstand die grammatischen Tabellen und Wörter angeführt.
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Abb. 6: Abschnitt vom Inhaltsverzeichnis I (Erdős & Prileszky, 2014a: 5).
• Gibt es eine steile oder flache Progression?
‚Halló, itt Magyarország! I’ ist ein Lehrwerk, welches in jeder Lektion mit den
beginnenden Dialogen neben der Kommunikation auch immer wieder auf neue
grammatische Phänomene ausgerichtet ist. Die Progression ist eher flach gehalten,
sie ist aber nicht unterfordernd. Dies beweisen u.a. die folgenden Beispiele.
Die Behandlung von grammatischen Phänomenen ist genau gegliedert, denn bei z.B.
diversen Anwendungen oder Bedeutungen werden Grammatikstrukturen auf
einzelne Lektionen aufgeteilt. Dies kann man z.B. beim Kopulaverb ‚van’
beobachten, welches in Lektion 1 ohne die 3. Person konjugiert wird und in der
darauffolgenden Lektion erneut präsentiert wird, aber mit der 3. Person (siehe HiM1,
S.14&21). Auch die Konjugationen aller Verben, regelmäßig oder auch
unregelmäßig, werden bis zum Ende der 4. Lektion nur im Singular konjugiert. Erst
die Lektion 5 zeigt die Konjugation ‚nur’ im Plural und ab der Lektion 6 werden alle
neuen Verben bzw. Verbstämme in Singular und Plural angeführt (siehe HiM1, S.42).
Auch die Lokaladverbien verweisen auf eine flach gehaltene Progression. Die
Lokaladverbien beantworten 3 Richtungsfragen. In der Lektion 3 wird auf die Frage
‚hol?’ geantwortet, im Kaptiel 4 auf ‚hova?’ und mit einer Lektion Auslassung, im
Lektion 6 auf die Frage ‚honnan?’. Die Suffixe als Synonyme für ‚neben’ für diese
drei Richtungsfragen werden erst in Lektion 7 durchgenommen. Der Verweis, dass
diese auch auf Personen angewendet werden können, fehlt nicht nur bei den
- 86 -
Dialogen oder Übungen, sondern auch bei den grammatischen Darstellungen bzw.
bei den grammatischen Tabellen am Ende.
• Welche Art von Progression, situativ oder systematische bzw. lineare
oder spiralförmige, ist zu erkennen?
Zwar ist eine kommunikative Zielorientierung im Vorwort angegeben und es besteht
ein scheinbar großer Drang diese auch zu verwirklichen, jedoch kann die
grammatische Orientierung und Zuordnung nicht übersehen werden. Die Dialoge
unterliegen meistens eher den grammatischen Strukturen als umgekehrt. Daher wird
in dieser Arbeit behauptet, dass eine Tendenz zur strukturierten Progression
erkennbar ist. Da die Kapitel immer wieder auf grammatische Phänomene
zurückgreifen und diese ergänzen, wie z.B. beim Possessiv oder bei Modalverben
mit Infinitiv, kann eine leichte spiralförmige Progression erkannt werden, die aber
auch dezent ist, nicht ständig vorkommt und nicht überfordert.
• Sind einige Kriterien bzgl. des Aufbaus grammatischer Progression
erkennbar?
Wenn man bei den Richtungsfragen bleibt, sind die Postpositionen auf die Frage
‚hol?’ sicherlich einfacher zu lernen und zu begreifen, als, wegen der Besonderheit
und Neuheit der agglutienierenden Sprache, die Suffixe der Lokaladverbien (siehe
HiM1, S.21&28). Daher ist das Kriterium hinsichtlich nach der Auswahl ‚von Leichtem
zu Kompliziertem’ sicher öfters angewendet worden. Auch das ‚Kriterium von
plausiblen, bekannten Kontexten zu neuen inhaltlichen Zusammenhängen’ kann hier
zur Anwendung gekommen sein.
Als interessant sind jedoch auch die Präfixverben zu nennen. Trotz ihrer
bekanntlichen Schwierigkeit werden sie relativ früh, im Kapitel 7, ohne Präfixtrennung
und im Kapitel 8 mit Trennung erstmals präsentiert und geübt. Daher überwiegt hier
das Kriterium ‚Häufigkeit vor Verständlichkeit’.
Da das Akkustiv in der alltäglichen Sprache sehr hohe Frequenz zeigt, wird es auch
am Anfang, im Kapitel 3 präsentiert und geübt. Hier ist das Kriterium der Häufigkeit
einer Struktur ebenfalls vorhanden. Gleichzeitig wird das Pluralzeichen –k erst im
Kapitel 6 eingeführt, was auch verständlich wäre, wenn die Erklärung von ‚Zahlwörter
vor Nomen’ früher erfolgt wäre. Dies fehlt jedoch. Daher kann das Kriterium
‚Lernerbezug’ nicht immer 100%ig als angewendetes Kriterium gesehen werden.
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Abb. 7: Zusammenhängende Darstellungen (Erdős & Prileszky, 2014a: 42)
Abb. 8: Elaborative Darstellungen (Erdős & Prileszky, 2014a: 56)
Wie beispielweise bei der Verbkonjugation von ‚ik-Verbstämmen’ werden die ‚–s, -sz,
-zs, - dz Verbstämme’ eingeführt und somit die Unterschiede bzw. der
Zusammenhang präsentiert. Dies ist jedoch leider nicht eindeutig und auch nicht in
der vollen Komplexität dargestellt worden, trotz der Wichtigkeit des Phänomens.
Auch hier muss der Lehrer unbedingt ergänzend agieren.
Das Buch bringt zahlreiche visuelle Elemente, die aber für das genaue Verständnis
im nächsten Punkt aufgelistet und kategorisiert werden.
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Abb. 9: Markierung der Satzteile (Erdős & Prileszky, 2014a: 9)
Die neu dargestellten grammatischen Strukturen werden im Verlauf des Buches
schwarz fettgedruckt. Auch das soll eine schnelle Bewusstmachung der neuen
Informationen ermöglichen. Leider ist das nicht immer konstant (siehe HiM,1 S49,
S.21, S70).
Bei der bereits genannten Unübersichtlichkeit der Abgrenzung wären noch
drucktechnisch-graphische Mittel, wie einfache oder doppelte Unterstreichung, am
Ende eines Phänomens empfehlenswert gewesen.
Ein fettgedrucktes Rufzeichen ‚!’, welches ebenso am Anfang des Lehrbuches in der
Zeichenerklärung präsentiert wird, weist auf besondere Erscheinungen bzw.
Ausnahmen hin. Da es nicht häufig eingesetzt wird und wirklich bei besonderen
Ausnahmen verwendet wird, ist dieses Zeichen sehr nützlich, sowohl für Lehrende
- 92 -
als auch für Lernende. Außerdem wird noch ein gewelltes Gleichheitszeichen ‚≈’, das
auf ähnliche Phänomene hinweisen soll, angewendet. Dieses Zeichen wurde
insgesamt nur vier Mal gebraucht. Jenes Zeichen, welches aber als am Häufigsten
eingesetztes visuelles Element angesehen werden kann, wurde hier nicht erklärt.
Das Zeichen ‚}’ wird bei Erklärungen als Sammelzeichen für ein bestimmtes
Phänomen dargestellt. Auch Pfeile werden in verschiedenen Größen und Variationen
zur Regeldarstellung gerne eingesetzt.
Abb. 10: Wichtige Zeichen bei Grammatikdarstellungen (Erdős & Prileszky, 2014a:
77)
Abstrakte Symbole, wie Rechtecke, etc. werden mäßig verwendet. Einerseits bei der
Vokalharmonie (siehe HiM1, S. 28), bei welcher zwei Kreise mit den Vokalen
angeführt werden, welche dann mit einem Pfeil zu jeweiligen Suffixvariation im
Rechteck navigieren. An einigen anderen Stellen werden die Satzteile in Rechtecke
verpackt, die bereits schon bekannt sind und neben neuen Phänomenen, die in
Farbenpracht präsentiert werden, dargestellt.
Ohne Farben, aber mit Fettdruck, wird dieses visuelle Element auch im
Ergänzungsbuch weitergeführt. Hier werden die diversen Satzglieder in Rechtecken
umgeben, wobei die im Kapitel zu behandelnde Struktur fettgedruckt präsentiert wird.
Hier wurden die Farben weggelassen und alles in schwarz-weiß gehalten.
Konkrete Symbole kommen in ‚Halló, itt Magyarország! I’ nicht vor, dafür aber
unzählbare dynamische Symbole (siehe Abb. 9), die grammatische Regeln
personalisieren oder situieren. Zahlreiche Zeichnungen und Karikaturen verbildlichen
- 93 -
die Grammatik. Bis auf wirklich wenige Ausnahmen (siehe HiM1, S.112) werden alle
Seiten der Grammatikdarstellungen, d.h. alle Teil C, mit solchen visuellen Elementen
ergänzt. Fotos gibt es bei den Darstellungen nicht.41
Strichmännchen gibt es auch in diesem Lehrbuch, welche aber nicht für die
Erklärungen, sondern für die Darstellung der Personenformen in den Übungen
angewendet werden. Zwar gehören diese nicht zur grammatischen Darstellung,
trotzdem sollten diese hier noch erwähnt werden, da sie auch bei den
grammatischen Zeichenerklärungen am Anfang präsentiert werden.
• Gibt es Lerntipps oder Eselsbrücken, die das Einprägen, d.h. ‚Behalten’
erleichtern?
Dieses Lehrwerk weist keine Lerntipps, Eselsbrücken oder sonstige hilfreiche
Elemente zum Einprägen auf.
• Gibt es mögliche grammatische Verweise, die übersehen werden
könnten?
Die grammatischen Darstellungen im Lehrbuch sind genau dem Niveau der
Lernenden angepasst. Die Dialoge im Teil B enthalten immer die bereits
durchgenommenen Phänomene bzw. bringen die neuen Phänomene. Ein
Vorkommen von unbekannten grammatischen Phänomenen, die in den folgenden
Kapiteln oder in keinen Kapiteln erklärt werden, gibt es nicht.
Da die Seiten der Grammatik nie überladen sind, eher umgekehrt, kann man keine
Angaben übersehen.
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Abb. 11 Isolierte Einzelsätze (Erdős & Prileszky, 2014a: 51)
Es wurden auch Übungen gefunden, die zwar in sich selbst zusammenhängend
waren, jedoch mit dem Thema ‚wenig’ zu tun hatten.
Auch sind Übungen enthalten, die zwar zum Thema passende Sätze formulieren,
aber zwischendurch sind trotzdem isolierte Sätze eingefügt, wie die Abbildung 12
zum Thema ‚Jó étvágyat’ (Mahlzeit) zeigt.
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Abb. 12: Einfügung von isolierten Sätzen (Erdős & Prileszky, 2014a:107)
In diesem Sinne kann die Analyse behaupten, dass die isolierten Einzelsätze in
Übungen vermehrter vorkommen, als die situativen bzw. thematischen Übungen.
• Werden die einzelnen Lehrphasen der Bewusstmachung, d.h.
‚Sprachaufnahme’ bzw. ‚Sprachintegration’ berücksichtigt bzw. für diese
Phasen bestimmte, charakteristische Übungen ausgewählt?
Die überaus durchsichtige Struktur des Lehrwerks, welche auch im Vorwort von der
Autorin und dem Autor betont wird, deutet auf die Anwendung des Lehrphasenmodell
hin.
Beide akzentuieren jedoch, dass sie einerseits aus Platzgründen, andererseits als
‚Erleichterung für die Lehrenden’ jene Aufgaben ausgelassen haben, welche ‚bei der
eigenständigen Lösung Probleme bereiten würden’. Daher empfehlen sie
LehrerInnen diese zu ergänzen (vgl. Erdős & Prileszky, 2014a: 7).
Die Untersuchung interpretiert diese Aussage so, dass die Autorin und der Autor
absichtlich Teile der zweiten Lehrphase, d.h. der ‚Phase der Sprachintegration’, die
sogenannten offeneren Übungen, bzw. die dritte Phase, die ‚Phase der
Sprachanwendung’ nicht behandeln und diese Übungen von den Lehrkräften ergänzt
werden müssen.
Das bedeutet wiederum, dass ein Teil der ‚Phase der Bewusstmachung’ fehlt,
welches auch die Analyse bestätigt. Es gibt bis auf einige Ausnahmen, die als
offenere Übungen definiert werden können (siehe Abb. 12), keine Überleitung zur
dritten Lehrphase – ‚Phase der Sprachanwendung’.
- 96 -
Abb.14: Offene Übung zur Bewusstmachung (Erdős & Prileszky, 2014a: 23)
Diese offene Übung im Kapitel 2 wurde aber auch vor eine engere Übung gestellt,
das wiederum bedeutet, dass die SchülerInnen keine Möglichkeiten hatten das
Phänomen vor der Anwendung zu üben.
Wenn man die erste Lehrphase genauer untersucht, kann dies auch nur teilweise
erkannt werden. Die erste Phase der Sprachaufnahme, die sogenannte ‚Phase der
Einbettung des grammatischen Phänomens’, wird in jedem Kapitel als Teil A in
kleinen Dialogen, außer Teile von Kapitel 10&13, indem laufend Texte gebracht
worden, eingeführt. Dies passiert nur implizit, ohne Hinweise bzw. Markierungen.
Die zweite Phase der Sprachaufnahme, die ‚Phase der Erarbeitung’, ist jedoch
schwieriger zu behandeln. Im Teil B werden diverse kommunikative Dialoge, die die
im Teil A eingeführten grammatischen Phänomene u.a. anwenden, präsentiert.
Durch weitere Angaben können SchülerInnen die gleichen Dialoge nur mit anderen
Wörtern trainieren. Dies könnte, falls die Lehrkräfte gut mitwirken, auch ein Sammeln
und Ordnen der neuen grammatischen Phänomene bedeuten. Jedoch weist auf
diese Möglichkeit nichts hin – keine Tabelle, kein Platz für Notizen etc.
Im Gegenteil, denn laut Vorwort (vgl. Erdős & Prileszky, 2014a: 7) erweitern diese
Dialoge vielmehr die kommunikative Kompetenz und sollten sogar als Erstes
- 97 -
auswendig gelernt werden, damit anschließend selbst neue Dialoge kreiert werden
können.
Auf die neue Erarbeitung der grammatischen Phänomene wird nicht hingewiesen.
Daher werden diese Dialoge in dieser Untersuchung eher zur Phase der ‚Einbettung
des grammatischen Phänomens’ gezählt. Vielmehr könnten sie sogar eine Art
Aufgabe zur Sprachanwendung darstellen, die dann aber zur dritten Phase, zur
Phase der Sprachanwendung gehört. Das bedeutet wiederum, dass die Lehrphasen
chronologisch nicht eingehalten wurden.
Denn auf diese folgen die grammatischen Darstellungen, die bereits untersucht
wurden, welche noch zur ersten Phase gehören bzw. der Teil D, der die engeren
Übungen zur Grammatik darstellt und somit zur zweiten Phase, der ‚Phase der
Sprachintegration’, gehört.
Aus diesem Grund kann eindeutig behauptet werden, dass dieses Lehrbuch, trotzt
genauer Struktur, die Lehrphase, welche die Theorie angibt, nicht verfolgt und
anwendet!
An dieser Stelle sollen aber trotzdem die Übungen der zweiten Phase dargestellt
werden, damit ein besserer Vergleich der beiden Lehrwerke getätigt werden kann.
Fast alle Lektionen werden mit Lückenübungen begonnen, die nach
Endungen/Suffixen fragen bzw. ist diese Übungsformen auch am Häufigsten präsent
im ganzen Lehrbuch. Neben vielen Lückenübungen kommen in jedem Kapitel ein bis
zwei andere Übungsformen vor. Es wurden die traditionellen Übungsformen
Erweiterungsübung, Formationsübung (siehe Abb. 11), Umformungsübung
eingesetzt bzw. daneben weitere Übungsformen - Ergänzungsübung, Einsatzübung,
Frage-Antwort-Übung (mit Bild), Bild-Text-Übung angewendet.
Abb 14: Frage-Antwort-Übung I (Erdős & Prileszky, 2014a: 79)
- 98 -
Wie man aber auch aus der Abbildung ersehen kann, gibt es Fälle wo zwei
verschiedene Übungsformen in einer Übung zusammentreffen.
• Sind die Übungen eher der Fertigkeit ‚Schreiben’ zuzuordnen?
Die tatsächlichen engeren Übungen, die zur Bewusstmachung der Grammatik führen
sollen, welche in der 2. Lehrphase ‚Phase der Sprachintegration’ eingesetzt werden,
sind alle auf die Fertigkeit ‚Schreiben’ ausgerichtet. Einige Übungen können zwar
auch, entsprechend der Angaben, mündlich getätigt werden, siehe Abb. 15.
Abb. 15: Übungen für die Fertigkeiten ‚Schreiben’ und ‚Sprechen’ (vgl. Erdős &
Prileszky, 2014a: 65)
Hier klärt erneut das Vorwort (vgl. Erdős & Prileszky, 2014a: 7) weiter auf. Für die
kommunikative Ausrichtung wurden bis zum Teil D absichtlich keine schriftlichen
Aufgaben/Übungen dargeboten.
• Ist es sichtbar, dass eine ‚Rückwärtsplanung’ beim Aufbau von Übungen
ausgehend von der Zielaufgabe stattfindet?
Da es keine Aufgaben gibt, kann auch keine Rückwärtsplanung wahrgenommen
bzw. ermittelt werden.
• Werden traditionelle oder eher innovative Übungen zur
Bewusstmachung eingesetzt?
- 99 -
Die Übungen sind bis auf einige Ausnahmen sehr traditionell. Hier muss jedoch
angemerkt werden, dass diese traditionellen Übungen von Bildern ergänzt werden.
Abb. 16: Übungen mit Bildern (Erdős & Prileszky, 2014a:44)
Es gibt nur eine einzige innovative Übung, die man Ende des Lehrwerkes findet.
Abb. 17: Innovative Übung (Erdős & Prileszky, 2014a: 151)
- 100 -
Die Lehrwerkfamilie ‚MagyarOk’ von SZITA & PELCZ erschien für A1+ im Jahr 2013
und für A2+ im Jahr 2015. Das ‚+’ Plus verweist darauf, dass dies den Anspruch der
Referenzniveaus von GER überschreitet. Beide Lehrwerke, A142 wie auch A2, sind
kommunikativ orientiert, sprechen alle Fertigkeiten gleich an und bieten ein
grammatisches Basiswissen. Beide Lehrwerke haben 8 Kapitel, welche eine
spiralförmige Progression aufweisen, die das Erlernte immer wiederholt und
ausbreitet. Die beiden AutorInnen weisen darauf hin, dass grammatische
Zusammenfassungen und Übungen im Arbeitsbuch43 zu finden sind, welche zu
Aufgaben im Lehrbuch führen. Ebenso sind in diesen Lehrbüchern Übungen für die
Syntax zu finden (vgl. Janurik, 2015:189: 192)44.
Gewinnbringend für die BenutzerInnen dieser Lehrwerkfamilie muss erwähnt werden,
dass zahlreiche Ergänzungen, Wortschatzlisten, Handbücher für LehrerInnen, etc.
auf der Homepage45 (vgl. Szita & Pelcz, 2015a)46 der Lehrwerkfamilie zu finden sind.
Zu diesen Ergänzungen ist auch eine Zusammenstellung der Darstellungen aller
grammatischen Strukturen in spanischer und englischer Sprache zu finden (vgl. Szita
& Pelcz, 2015b)47. Diese Internetseite beinhaltet auch Materialien, die nur für
LehrerInnen bestimmt sind und zusätzlich noch Unterrichtsmaterial48 bieten (vgl.
42
die dafür verwendete Abkürzung in der Analyse – MO1
43
die dafür verwendete Abkürzung in der Analyse – MO2
44
Elektronikus Periodika, [Letzte Zugriff: 03.08.2017]
http://epa.oszk.hu/01400/01467/00013/pdf/EPA01467_thl2_2015_1_189-192.pdf
45
die dafür verwendete Abkürzung in der Analyse – MO3
46
MagyarOk [Letzte Zugriff: 11.09.2017]
http://magyar-ok.hu/hu/A1_materials.html
47
MagyarOk [Letzte Zugriff: 11.09.2017]
http://magyar-ok.hu/hu/A1_materials.html
48
die dafür verwendete Abkürzung in der Analyse – MO4
- 101 -
Szita & Pelcz, 2015c)49. In der Untersuchung sollen daher auch neben dem Lehrbuch
das Übungsbuch sowie die Zusammenstellung der Darstellung bzw. zusätzliches
Unterrichtsmaterial berücksichtigt werden.
Da 180 Seiten auf ‚nur’ 8 Kapitel aufgeteilt wurden, erscheint auf dem ersten Blick
die Überschaubarkeit unmöglich. Zu den einzelnen Kapiteln mit Hauptthemen gibt es
mehrere Subthemen, die die Aufteilung ein wenig auflockern. Diese Subthemen
werden auch auf der Anfangsseite jeden Kapitels aufgelistet. Die Länge und Dauer
der einzelnen Kapitel variiert sehr, sowohl auf thematischer als auch grammatischer
Ebene. Im Kapitel selbst gibt es auch keine erkennbare Grundstruktur, bezüglich
Aufbau der Lektionen bzw. Übungen, die das Lehrwerk dauerhaft verfolgt. Erst nach
einer längeren Untersuchung kann eine ungefähre Struktur erkannt werden.
Am Ende jedes Kapitels gibt es eine zusammenfassende Abschlussaufgabe, eine
gesamte Seite, welche gelb markiert wurde, mit Aufgaben zur Phonologie und eine
Seite in Blau gehalten, die die nützlichen Sätze, Dialoge der jeweiligen Themen
präsentiert. Im Übungsbuch befinden sich am Ende jeder Lektion Übungen zu
verschiedenen Syntax-Phänomenen, bis auf Kapitel 7, ‚Satzstellung mit Präfixverben’
(siehe MO1, S.145), wo auch im Lehrbuch Übungen angegeben werden.
Links neben einigen Tabellen oder Übungen im Lehrbuch, gibt es Verweise in roter
Farbe auf eine Seitenanzahl im Übungsbuch. Diese Stelle markiert, dass die
entsprechenden grammatischen Phänomene an diesem Punkt erklärt werden und
verweist auf die Erklärung bzw. Übung im Übungsbuch.
Dann gilbt es noch einen gelben Merkzettel, mit dem das Lehrbuch auf kleinere
grammatische Phänomene verweist. Diese werden noch näher behandelt.
49
MagyarOk [Letzte Zugriff: 11.09.2017]
http://magyar-ok.hu/hu/A1_teachers.html?ver=2.7
- 102 -
7.2.2 Lehrwerkanalyse
• Ist das Lehrwerk nach dem ‚engen Sinn’ oder ‚weiteren Sinn’ von
Grammatik lt. HELBIG aufgebaut?
Das Lehrwerk ‚MagyarOk A1+’ behandelt neben der Morphologie die
grammatischen Gegenstandsbereiche und in jedem Kapitel, vorwiegend im
Übungsbuch, Syntax und hervorhebend die Phonologie. Es behandelt im Kapitel 1
hauptsächlich die Aussprache und die Vokalharmonie genau. Zusätzlich kommen in
jedem Kapitel eine ganze Seite Übungen für die Aussprache – im ersten Band
bezüglich Vokale. Das Inhaltsverzeichnis beinhaltet eine eigene Spalte für nützliche
Ausdrücke. Diese werden immer ausdrücklich für das Thema am Ende des Kapitels
aufgelistet. Daher kann für dieses Lehrwerk eine eindeutige Zuordnung zur
‚Grammatik im weiteren Sinn’ laut Helbig erfolgen.
• Gibt es eine Argumentation bzgl. Grammatik im Vorwort?
Es wird eine eindeutige kommunikative Ausrichtung festgestellt. Am Anfang bezieht
sich das Vorwort sofort auf den ‚Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen’, der
auf die Kommunikation ausgerichtet ist. Mit dem Abschluss des letzten Kapitels
erreichen die Lernenden sogar höhere Kenntnisse als das Niveau A1 erfordert, daher
auch das ‚+’. Es gibt auch an, dass es eine stark steile Progression aufweist, womit
Lernende viel schneller mit dem Lehrwerk das Niveau erreichen bzw. sich in vielen
alltäglichen Gesprächssituationen verwirklichen können, als mit anderen Methoden
bzw. Lehrwerken. Für eine ständige Wiederholung und Erweiterung wird auch eine
spiralförmige Progression genannt, welche mit Multimodalität, d.h. mit allen
Fertigkeiten arbeitet. Alle grammatischen Phänomene werden in situativen oder
thematischen Kontexten eingebaut. Die AutorInnen betonen ebenfalls im Vorwort,
dass die grammatischen Elemente wie z.B. Possessivzeichen 1. und 2. Person
wegen der Häufigkeit ihrer Anwendung gleich am Anfang behandelt werden. So
können die Lernenden diese Erscheinung bereits am Anfang ihrer Lernperiode
erfolgreich anwenden. Zusätzlich, wie bereits mehrfach erwähnt, ist dieses Lehrwerk
mit zahlreichen Übungen, sehr auf die richtige Aussprache ausgerichtet. Diese
Aussagen verweisen auf eine extrem kommunikative Ausrichtung der grammatischen
Progression hin.
- 103 -
• Verweist das Inhaltsverzeichnis auf Grammatik?
Das Inhaltsverzeichnis dieses Lehrwerks ist auf dem ersten Blick gut strukturiert
sowie detailliert aufgelistet dargestellt. Da es ‚nur’ 8 Kapitel gibt, werden viele
Informationen in den einzelnen Kapiteln ausführlich aufgelistet. In Tabellenform wird
eine geordnete Überschrift in der Waagrechten über die jeweiligen Themen,
Grammatik, Aussprache, nützliche Ausdrücke und ungarische Kultur sowie
interkulturelle Elemente gegeben. Vertikal werden in der ersten Spalte alle Kapitel
mit Überschrift mitsamt passender Visualisierung, aufgelistet. Zu jeder waagrechten
Überschrift bzw. zu jedem Kapitel sind in senkrechter Form alle Subthemen markiert.
Abb. 18: Inhaltsverzeichnis II (Szita & Pelcz, 2013a: 6&7)
Das für diese Arbeit wichtigste Element, die Grammatik, wird ebenfalls senkrecht in
der zweiten Spalte sowie die Aussprache in der dritten Spalte ausführlich aufgelistet.
Zu der ungarischen Terminologie werden immer Beispiele bzw. Suffixe kursiv
präsentiert. Die beiden hellen Farbtöne, gelb und grün, die pro Lektion abwechseln,
ermöglichen eine schnelle und genaue Übersicht. Für eine noch bessere
grammatische Übersicht können Lehrende bzw. Lernende auch das
Inhaltsverzeichnis des Übungsbuches zur Hand nehmen, wo nur die Grammatik
aufgelistet wird. Diese wird wortwörtlich übernommen, außer dass das Übungsbuch
noch eine detailliertere Auskunft über die Übungen zu den jeweiligen grammatischen
Phänomenen von Syntax gibt.
Das Inhaltsverzeichnis kann schon darauf hinweisen, welches Kapitel mehr Zeit in
Anspruch nimmt (siehe MO1, Kapitel 4 & 8) und in welchem eher schneller
vorangegangen werden kann (siehe MO1, Kapitel 7).
Bei der genauen Analyse fielen jedoch einige Punkte auf. Wenn man gleich bei der
Syntax bzw. beim Satzbau bleibt, muss darauf hingewiesen werden, dass dies nur im
- 104 -
Übungsbuch durchgenommen wird. Im Lehrbuch wird dies, bis auf einer Ausnahme
(siehe MO1, Kapitel 7), nicht explizit behandelt bzw. geübt.
Die Chronologie der aufgelisteten grammatischen Phänomene stimmt nach genauer
Untersuchung des Lehrbuches oft nicht überein. Die Behandlung vieler
grammatischer Phänomene wird im Arbeitsbuch und im Übungsbuch in einer
anderen Reihenfolge gebracht.
Wenn die gelben Merkzettel, die bereits angeschnitten und noch genauer
beschrieben werden, nicht zu den grammatischen Phänomenen des jeweiligen
Kapitels zählen, fehlen trotzdem noch einige grammatische Erscheinungen, die nicht
im Inhaltsverzeichnis erscheinen. Hier können als Beispiel die ‚praktischen –zik’
Verben genannt werden, die zwar evtl. eine ergänzende Funktion innehaben, jedoch
trotzdem drei Seiten lang behandelt werden.
• Gibt es eine steile oder flache Progression?
Wie auch schon im Vorwort die AutorInnen betonen, weist dieses Lehrwerk eine
überaus steile Progression auf. Auch die Analyse ergab eine steile Progression. Fast
auf jeder neuen Buchseite kann ein neues grammatisches Phänomen erwartet
werden. Zu den einzelnen Themen werden in diesem Sinne überaus viele
grammatische Phänomene zugeordnet. Trotz dieser Steilheit kommen dennoch
grammatische Phänomene in den Texten vor, die im Anschluss nicht sofort oder
überhaupt nicht behandelt werden. Im Kapitel 2 werden bereits ‚Sätze mit Zahlwort
und Nomen’ gebraucht. Dieses Phänomen wird jedoch erst im nächsten Kapitel
behandelt.
• Welche Art von Progression, situativ oder systematisch bzw. linear oder
spiralförmig, ist zu erkennen?
Das Lehrwerk weist, trotz vieler grammatischer Phänomene, eine situative
Progression auf. Hier muss jedoch in Betracht gezogen werden, dass dies manchmal
irreführend sein kann. Nach der Einführung (siehe MO1, S.26) von der ‚subjektiven
Konjugation’ wird für die Kommunikation, für Meinungsäußerungen, ‚szerintem,
szerinted, szerint’ dargestellt und in einer Aufgabe trainiert. Diese Endungen können
die Lernenden möglicherweise ein wenig verwirren. Hier muss unbedingt auf die
Wortart hingewiesen werden, damit sie diese nicht mit der Verbkonjugation
verwechseln. Es ist eine Postposition mit Possessivzeichen, welches möglicherweise
- 105 -
- 106 -
- 107 -
- 108 -
Diese Weise kommt relativ häufig vor und behandelt oft größere Einheiten, wie u.a.
‚van’ (siehe MO1, Kapitel 2) oder ‚Unterscheidung zwischen bestimmten und
unbestimmten Objekt’ (siehe MO1, Kapitel 7). Leichtere Phänomene werden nicht als
Erstes in fließendem Text präsentiert, sondern sofort in Tabellen, die ergänzt werden
müssen.
Diese Vorgehensweise stimmt mit dem von der Theorie empfohlenen ‚entdeckendem
Lernen’ überein, welches das ‚Sammeln/Ordnen/Systematisieren’ befürwortet.
Negativ muss hier jedoch hinzugefügt werden, dass diese Chronologie der einzelnen
Phasen nicht immer linear verläuft, d.h. alle Phasen hintereinander dargestellt
werden. Sehr oft werden diese Phasen durch andere, neue Phänomen unterbrochen,
die gerade präsentiert werden oder von bereits behandelten Phänomen, die so
zwischen durch geübt werden. Das wäre nicht schlecht, wenn diese eine Verbindung
hätten zur neuen Erscheinung und eine gute Verknüpfung stattfinden könnte, wie die
Präsentation sämtlicher ‚Ortskasussuffixen einschließlich Personalpronomen’ (siehe
MO1, Kapitel 4). Dies ist aber nicht oft der Fall, im Gegenteil. Hier sind
wahrscheinlich sehr viele Lernende überfordert bzw. können das explizite Wissen gar
nicht anwenden, um es zu implizitem Wissen zu machen.
Die Textsorten für die Präsentation von Grammatik sind unterschiedlich. Es werden
(Hör-)Dialoge (siehe MO1, S.102), Texte mit mehreren neuen grammatischen
Phänomenen (siehe MO1, S.20), Lückentexte zur Wortschatzerweiterung mit
impliziter neuer Grammatik (siehe MO1, S.88), elaborative Darstellungen mittels
einfacher Sätze (siehe MO1, S.58) sowie Hörtexte mit Lücken für das neue
Phänomen (siehe MO1, S.75) unterschiedlich eingesetzt.
Auch die Positionierung des roten Seitenverweises, welcher die Stelle markiert, an
der die grammatischen Phänomene mit Hilfe der Darstellungen im Übungsbuch
präsentiert werden sollten, ist unterschiedlich. Meistens erscheint dieser bei der
Zuordnung des Phänomens, teils wieder beim Text, der das Phänomen einführt.
Auch hier besteht keine klare Linie.
• Welche Anforderungen hinsichtlich Verständlichkeit und Anwendung lt.
STORCH sind in den grammatischen Darstellungen zu finden?
Das Lehrwerk ‚MagyarOk’ besteht aus zwei Büchern, wie bereits beschrieben. Das
Lehrbuch führt neue grammatische Phänomene ein, sammelt bzw. präsentiert diese
- 109 -
in Tabellenform und bringt Regeldarstellungen. Das Übungsbuch ist aber speziell für
die grammatischen Regeldarstellungen und deren Übungen konzipiert worden. Wer
das Übungsbuch nicht benutzt, bekommt auch keine klare und vollständige
Regeldarstellung. Daher werden in diesem Punkt beide Bücher behandelt. Zudem
kommen noch die zusammenfassenden grammatischen Darstellungen im Internet,
die auch zu diesem Punkt gehören.
Das Lehrwerk entspricht den Anforderungen von STORCH in allen Ebenen. Das
Lehrbuch verwendet sehr knappe, ausdrucksvolle Grammatikdarstellungen und es
führt überhaupt keine grammatische Terminologie an, im Gegensatz zum
Übungsbuch. Grammatikdarstellungen, die konjugiert oder dekliniert werden, werden
in Tabellen präsentiert, die in Spalten durch abgestimmten Farbvariationen getrennt
werden (Pronomen in grau, Verben in grün). So kann eine gute Übersicht durch
visuelle Elemente erschaffen werden. Die Beispielwörter sind meistens jene, welche
bei der induktiven Einführung verwendet wurden, daher sind sie bereits bekannt. Die
bekannten Elemente werden im ganzen Buch schwarz geschrieben. Die Endungen,
die unbekannt sind, werden rot und fett markiert. Dies ist ebenfalls ein gutes visuelles
Element, welches im ganzen Buch weitergeführt wird. Für die elaborative
Verarbeitung werden die bereits bekannten, gut zum Phänomen passenden
Strukturen, als Hinweis markiert. So kann die Anforderung hinsichtlich
Zusammenhänge diverser grammatischer Phänomene in passenden Stellen
ebenfalls als erfüllt betrachtet werden. Für die Tabellen dieser Phänomene werden,
falls für die Anwendung notwendig, Beispielsätze angegeben, sonst nicht.
(Kasus-)Suffixe werden ebenfalls in Tabellen präsentiert, indem das Morphem als
Erstes angegeben wird, dieses mit einem ‚+’ versehen wird, da es ja etwas zugefügt
bekommt und anschließend das Suffix. Durch einen Pfeil wird erkenntlich gemacht,
dass dies zu einem vollständigen Phänomen führt. Assimilationen werden zusätzlich
mit Bildern oder Karikaturen vervollständigt.
- 110 -
Abb. 19: Grammatische Zeichen (Szita & Pelcz, 2013a: 92)
Anforderungen der visuellen Elemente sind somit bedacht und reichlich erfüllt
worden.
Wenn man anschließend das Übungsbuch betrachtet, werden die grammatischen
Phänomene ähnlich präsentiert, nur bekommen sie hier auch eine Terminologie.
Diese wird in ungarischer Sprache als Überschrift gebracht, mitsamt Beispielen oder
den Suffixen. Es gibt auch hier keine kontrastiven Hilfsmittel. Die
Grammatikdarstellungen sind in Tabellen farblich gut abgestimmt, oft sind sie sogar
ident mit dem jener im Arbeitsbuch, wie die ‚Rektion der Numeralien’ (siehe
MO1&MO2, Kapitel 7). Neue Informationen, Suffixe, Endungen werden hier, genauso
wie im Lehrbuch, ebenso farblich, nur statt rot in grün, markiert. Einige Phänomene
erhalten gute visuelle Elemente, wie Karikaturen, etc. neben den Tabellen. Um das
Verstehen wichtiger Einzelaspekte eines kompletten Phänomens so einfach wie
möglich zu halten, wie es auch STORCH verlangt, werden die Tabellen fallweise, so
benötigt, mit einem zusätzlichen grünen Quadrat versehen. Darin stehen kurze
wichtige Informationen (siehe Abb. 20) oder Hinweise kurz und knapp zur Funktion
(siehe Abb. 21).
Abb. 20 Grünes Quadrat I (Szita & Pelcz, 2013b: 9)
- 111 -
Abb. 21: Grünes Quadrat II (Szita & Pelcz, 2013b: 18)
Die zusätzlichen Informationen und Ergänzungen zur Bildung werden einfach unter
der Tabelle mit einigen Beispielen präsentiert, die diese übersichtlich
veranschaulichen.
Die zusammenfassenden Darstellungen aller grammatischen Mittel aus dem Internet
(siehe MO3, S.9) sieht wie eine Nachreichung aus, was nicht als negativ zu bewerten
ist. Sie ergänzt das Lehrwerk mit fremdsprachlichen Erklärungen (Englisch &
Spanisch) und bringt die Beispielsätze auch in diesen Sprachen. So kann eine
kontrastive Sichtweise erzeugt werden. Auch hier gelten die gleichen visuellen
Elemente der Markierung, außer bei den unregelmäßigen Verben, die einfach in
schwarzer Farbe gehalten bleiben.
• Welche visuellen Elemente finden für die Lernschritte Lernen/Behalten
Einsatz?
Wie im letzten Punkt bereits angeschnitten, kommen zahlreiche visuelle Elemente
zum Einsatz. Diese werden hier genau kategorisiert. In allen drei
grammatikvermittelnden Materialien des Lehrwerkes gibt es gute drucktechnisch –
graphische Hilfsmittel. Die Verwendung von Farben als Unterlage und auch
Druckfarbe wird reichlich eingesetzt. Auch Fettdruck markiert bereits
durchgenommene oder neue grammatische Phänomen. Das Übungsbuch und die
zusammenfassenden Darstellungen sind durch diese sehr übersichtlich aufgebaut
worden. Es ist positiv zu bewerten, dass alle drei Materialien die gleichen
drucktechnischen Hilfsmittel verwenden. Das Lehrbuch stellt auch Dialoge in der
gleichen Farbkombination wie die grammatischen Tabellen auf. Die wiederum
erschwert die Erkennung bzw. führt zur Überlastung der Sinne. Die farbliche
Druckfarbe der letzten Elemente jedes Kapitels (Zusammenfassende Aufgabe,
- 112 -
Phonetik, nützliche Ausdrücke) sorgen für eine klare Struktur. Weitere visuelle
Elemente sind in der zusammenfassenden Darstellung der Grammatik nicht mehr zu
finden.
In den beiden anderen Materialien, im Lehrbuch, sowie im Übungsbuch, werden
auch keine Symbole wie Ovale, Rechtecke oder Ähnliches gefunden. Nicht einmal
für die Erklärung der Syntax, wo dies evtl. am Passendsten wäre. Alles wird in
rechteckigen Tabellen oder Feldern präsentiert.
Konkrete Symbole bzw. visuelle Metaphern werden an passenden Stellen gut
angewendet, jedoch nicht immer im Lehrbuch, sondern nur im Übungsbuch. Zum
Beispiel eine der bekanntesten und eine von den Lernenden gut angenommene
Darstellung der Kasussuffixe für Ortsbestimmungen des inneren Raumes (siehe Abb.
22), damit Illativ, Inessiv und Elativ verständlich gemacht werden können, wurde nur
im Übungsbuch gegeben.
Abb. 22. Darstellung der Kausussuffixe (Szita & Pelcz, 2013b: 33)
Trotzdem sind einige Symbole (siehe Abb. 19) auch im Lehrbuch auffindbar, aber
seltener. Es überwiegen für die Grammatikdarstellungen die dynamischen Symbole,
genauer die Karikaturen, im Lehrbuch sowie Übungsbuch.
Abb.23: Dynamische Symbole (Szita & Pelcz 2013a: 120)
- 113 -
• Gibt es Lerntipps oder Eselsbrücken, die das Einprägen, d.h. ‚Behalten’
erleichtern?
Außer den beiden bekannten Worten für die Zuordnung der Vokalharmonie ‚autó’
und ‚teniszütő’ im Kapitel 1, werden keine Eselbrücken bzw. Lerntipps gegeben.
• Gibt es mögliche grammatische Verweise, die übersehen werden
könnten?
Ja! Es ist anzunehmen, dass die Merkzettel oft nicht von den Lernenden oder
Lehrenden registriert werden. Es gibt so viele grammatische Strukturen, die anfallen,
was dazu führt, dass diese einfach übersehen oder sogar absichtlich unbemerkt
gelassen werden. Trotz seiner verschiedenen Funktionen, welche aber erst nach der
Untersuchung klar genannt werden konnten.
Meistens verweist dieser gelbe Merkzettel auf neue grammatische Phänomene, die
aber nicht explizit behandelt werden (siehe Abb. 24). Des Weiteren wird er auch für
grammatische Zusatzinformationen bzw. elaborative Hinweise (siehe Abb. 25)
verwendet. Es gibt aber auch Fälle, wo grammatische Sätze für die Einbettung (siehe
Abb. 26) damit präsentiert werden oder auch Hinweise auf grammatische
Darstellungen (siehe Abb. 27) im Arbeitsbuch, dies mit Seitenangabe. Auf diesen
Merkzettel wurde aber nie explizit hingewiesen, und er fällt auch oft nicht auf, trotz
manch wichtiger Funktionen
Abb. 24: Merkzettel I (Szita & Pelcz, 2015a: 107)
Abb. 25: Merkzettel II (Szita & Pelcz, 2015a: 79)
- 114 -
Abb. 26: Merkzettel III (Szita & Pelcz, 2015a: 68)
Abb 27: Merkzettel IV (Szita & Pelcz, 2015a: 135)
Diese mangelnde Registrierung wäre hier unvorteilhaft, da manchmal die nächste
Übung/Aufgabe nicht erfüllbar ist, da noch keine Vorentlastung bzw. Präsentation
erfolgt ist.
Außerdem arbeiten sehr viele Lehrkräfte nicht mit Übungsbüchern, sondern kreieren
eigene Materialien.
Die Vermerke für Präsentation der Grammatikdarstellungen werden daher
möglicherweise auch oft übersehen und daraus folgernd an einer anderen Stelle
getätigt.
- 115 -
• Werden die einzelnen Lehrphasen der Bewusstmachung, d.h.
‚Sprachaufnahme’ bzw. ‚Sprachintegration’ berücksichtigt bzw. für diese
Phasen bestimmte, charakteristische Übungen ausgewählt?
Das Lehrwerk ‚MagyarOk A1+’ ist, laut dieser Analyse, nach den drei Lehrphasen
konzipiert worden. Die erste Phase der Sprachaufnahme, d.h. ‚die Phase der
Einbettung’, erfolgt in den meisten Fällen durch eine induktive Präsentation der
grammatischen Phänomene im Lehrbuch, indem die Lernenden vom Konkreten zum
Abstrakten geführt werden. Hier werden oft Texte oder (Hör-)Dialoge angewendet,
mit Lückenübungen, die eigentlich ein anderes Phänomen erfragen und das neue
Phänomen implizit einmal aufscheint. Auch elaborative Darstellungen werden als
Übungen für die Einbettung angewendet, wobei Sätze des alten Phänomens ergänzt
werden müssen und die neuen Phänomene danebenstehen.
Abb. 28: Elaborative Darstellung in der Phase der Einbettung (Szita & Pelcz,
2013a:43)
Der gelbe Merkzettel präsentiert auch einmal die Grammatik, ‚Instrumentalsuffix -val/
-vel’ (siehe Abb. 26) in zwei Sätzen. Dieser wird zwar nicht als Einbettung
wahrgenommen, trotzdem präsentiert er die Grammatik in zwei Sätzen, daher soll
dies hier auch vermerkt werden. Diese Phase wird in dieser Arbeit zur Präsentation
bzw. zur Darstellung gezählt, daher wurden dort die Textsorten bereits aufgelistet.
Die zweite Phase der Sprachaufnahme, ‚die Phase der Erarbeitung’ wird ebenso im
Lehrbuch durchgeführt. Für diese Phase wurden die Übungen – Tabelle zum Ordnen
des Phänomens;; Dialoge hören bzw. selber durchführen;; Beispiele des Phänomens
in eine Tabelle ordnen;; Lückenübungen charakterisiert.
- 116 -
Abb. 29: Gleichzeitige Einbettung mehrere Phänomene (Szita & Pelcz, 2013a: 20)
Oft werden in dieser Phase mehrere neue grammatische Phänomene geordnet. Es
sind aber auch viele grammatische Phänomene, die diese Lehrphase auslassen, wie
z.B. beim Hilfsverb ‚lehet’ im Kapitel 4 (siehe MO1, S.62).
Die Übungen der zweiten Lehrphase ‚die Phase der Sprachintegration’, mittels in
welcher tatsächlich die Übungen der Grammatik durchgeführt werden, findet man
fast ausschließlich im Übungsbuch. Hier kommen die folgenden traditionellen
Übungen, die in der Theorie beschrieben werden, vor: Lückenübungen,
Umformungsübungen, Formationsübungen, Erweiterungsübungen,
Ersetzungsübungen, Substationsübungen. Zusätzlich werden weitere enge
grammatische Übungen, und zwar die Einordnungsübungen, Wegstreichübungen
bzw. die halb offenen grammatischne Übungen mit Bild-Text-Zuordnung sowie
Frage-Antwort-Übungen (siehe Abb. 30) präsentiert.
- 117 -
Abb. 30: Frage-Antwort-Übung II (Szita & Pelcz,2013b: 84)
Wie bereits angemerkt wird die Phonetik in jedem Kapitel auf einer eigenen Seite
geübt, wofür Lückenübungen (siehe Abb. 31) und Wegstreichübungen verwendet
werden.
Abb. 31: Phonetische Übung (Szita & Pelcz, 2013a: 109)
Auch die Syntax wird separat geübt und zwar im Übungsbuch mit Übungsformen der
Formationsübung, Erweiterungsübung bzw. Frage-Antwort-Übung.
Hier muss angemerkt werden, dass kaum halb offene grammatische Übungen
gebracht werden, die dann zur dritten Phase, der ‚Phase der Sprachanwendung’
überleiten könnten. Diese Phase zählt zwar nicht zur Bewusstmachung, sondern zur
konkreten Anwendung. Daher soll diese in der gegenständlichen Arbeit nicht
analysiert werden. Trotzdem kann hier angemerkt werden, dass den ‚Phasen der
Bewusstmachung’ meistens ein Dialog zum selber Durchführen folgt.
• Sind die Übungen eher der Fertigkeit ‚Schreiben’ zuzuordnen?
Die SchülerInnen sollen, außer einigen wenigen Ausnahmen, in Übungen für die
erste Lehrphase ‚Erarbeitung grammatischer Phänomene’ die gefundenen und
geordneten Strukturen schriftlich festhalten.
- 118 -
Die Übungen für die Lehrphase der ‚Sprachintegration’ sind im Übungsbuch auf die
Fertigkeit ‚Schreiben’ ausgerichtet. Die offeneren Übungen, die man im Lehrbuch
finden kann, tendieren zur Vermittlung der Fertigkeiten ‚Hören’ und ‚Sprechen’.
• Ist es sichtbar, dass eine ‚Rückwärtsplanung’ beim Aufbau von Übungen
ausgehend von der Zielaufgabe stattfindet?
Da die Lehrphasen im Lehrwerk ‚MagyarOk A1+’ gut zu erkennen sind, ist auch eine
Rückwärtsplanung der AutorInnen in Betracht zu ziehen. Die zusätzliche Tatsache,
dass die kommunikativen Aufgaben bzw. offenen grammatischen Übungen bis hin zu
Aufgaben, die sich im Lehrbuch befinden und die engeren grammatischen Übungen
in einem extra Buch, ins Übungsbuch gebracht werden, lässt annehmen, dass das
Lehrbuch zuerst konzipiert wurde und dann erst die Übungen formuliert wurden.
Auch der verwendete Wortschatz und die erfragten Phänomene richten sich auf die,
im Lehrbuch, folgende Aufgabe. Dies lässt eine Rückwärtsplanung, ausgehend von
der Zielaufgabe, beim Aufbau der Übung erkennen.
• Werden traditionelle oder eher innovative Übungen zur
Bewusstmachung eingesetzt?
Das Lehrbuch bzw. Übungsbuch verwendet traditionelle Übungen zur Vermittlung
und Bewusstmachung von Grammatik. Wie bereits bei den Lehrphasen genau
aufgelistet, werden diese Übungen den traditionellen Übungen zugeordnet. Im Buch
selber können für die beiden ersten Phasen der Bewusstmachung keine innovativen
Übungen gefunden werden.
Es ist anzunehmen, aufgrund der Tatsache, dass wenige offenere Übungen im
Lehrwerk zu finden sind, diese die AutorInnen auf der Internetseite von ‚MagyarOk
A1+’ (siehe MO4) nachgereicht haben. Es gibt ‚nur’ für Lehrende Aufgabenblätter,
die sie im Unterricht verwenden können. Unter diesen sind, neben Lückentexten und
Dialogen mit Lücken, auch einige innovative Übungen in verschiedene Ausführungen
zu finden. Dies wären Wortkarten bzw. Wort-Bild- Karten zum Zusammenfinden,
Memory, Frage-Antwort-Spiele, fehlende Lücken durch Dialoge einer anderen
Person ausfüllen, jmd. durch angegebene Information suchen.
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‚MagyarOk A1+’ wird im Gegensatz zu ‚Halló, itt Magyarország! I.’ der ‚Grammatik
im weiteren Sinn’ zugeordnet, welche wiederum in der Forschungsliteratur präferiert
wird. Die vertiefte Behandlung der Phonologie, v.a. der Aussprache der Vokale hilft
allen SchülerInnentypen. Denn genau dieses Phänomen wird auch beim Lernen als
problematisch angesehen. Sehr viele SchülerInnen machen bei der Aussprache und
somit auch sehr häufig bei der Rechtschreibung von langen und kurzen Vokalen
Fehler. Die Semantik, die auch als Gegenstandsbereich der Grammatik angehört,
wird im MagyarOk auch stärker thematisiert. Aus semantischer Perspektive helfen in
diesem Lehrwerk die häufig anwendbaren Sätze zu den jeweiligen Themen enorm
bei alltäglichen Dialogen.
Beide dieser Lehrbücher geben im Vorwort an, dass das wichtigste Elemente des
jeweiligen Lehrwerks die alltägliche Sprache ist. Der Stellenwert der Grammatik wird
aber trotzdem hochgehalten, welches auch beide Lehrwerke in unterschiedlichen
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Ausführungen vollziehen, obwohl das Lehrwerk ‚Halló, itt Magyarország! I.’ dies mit
seinem Inhaltsverzeichnis überhaupt nicht vermittelt. Das Inhaltsverzeichnis sollte
Lernenden sowie Lehrenden einen ersten Eindruck, wie eben ‚MagyarOk A1+’ dies
macht, vermitteln. In weiterer Folge sollte Hilfestellung für die späteren Orientierung
geben. Dies konnte lt. Analyse auch MagyarOk A1+ nicht zu 100% erfüllen.
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Lehrwerken ist der Grad der
Progression. ‚Halló, itt Magyarország! I.’ weist eine eher flache Progression auf und
‚MagyarOk A1+’ eine sehr steile. Für jene Gruppe Lernende, die tatsächlich gerade
anfängt Ungarisch zu lernen, ist eine flache Progression vorteilhafter. Diese bietet
einen genau strukturierten, auch für den Lernenden sofort überschaubaren Aufbau,
womit ein erleichterteres Lernen und Erwerben stattfindet. Für eine Gruppe mit vielen
SchülerInnen, die Ungarisch als Herkunftssprache oder die Ungarisch bereits gelernt
haben, ist möglicherweise eine steilere Progression nicht so störend und
überfordernd. Aus eigener Erfahrung und auch aus der Literatur zeigt sich, dass aber
diese steile Art der Progression oft zu Problemen führen kann. Mehrere
grammatische Phänomene in einem situativen Kontext können oft mental zu
Überlastungen führen. Daher ist das ‚+’ bei ‚MagyarOk A1+’ nicht immer als positiv
zu bewerten, denn es wird in den wenigen (8) Kapiteln verlangt, viel Grammatik zu
bewältigen. Die Möglichkeit zur Auslassung eines Phänomens ist eher nicht
gegeben, da einzelne Subkapitel und deren Grammatik durch die spiralförmige
Progression ineinandergeflochten sind. Dieser Umstand, der immer wieder zu
Wiederholungen und Erweiterungen führen soll, kann aber für ungeübte Lehrkräfte
als verwirrend und undurchschaubar wirken. Leistungsstarke Lernende, wie dies
SchülerInnen in Höheren Schulen eindeutig sind, wollen bzw. können gerade in
diesem Alter Grammatik bewusst wahrnehmen. So besagt dies die Theorie. Oft reicht
diesen Lernenden die begrenzte Darstellung einer Struktur nicht aus und diese
verlangen sofort nach der komplexen Struktur. Dies wiederum sollte eine Lehrkraft
bei Interesse aber nicht ablehnen, auch wenn das Lehrwerk diese Inhalte erst viele
Kapitel später bringt. ‚Halló, itt Magyarország! I.’ erweckt den Anschein, dass es
eine situative Progression innehat, wenngleich dies aber laut der Analyse nicht der
Fall ist. Es tendiert zu strukturierten, d.h. grammatischen Progression, mit einer
leichtgradigen spiralförmigen Progression. Laut Theorie ist das eine passendere
Progression für AnfängerInnen.
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In ‚MagyarOk A1+’ wurde als erwünschtes Hauptkriterium ‚Frequenz bzw. Häufigkeit
einer Struktur’ angewendet und dies stand oft vor dem Kriterium ‚der Komplexität
einer Struktur’. Dies wurde meistens auch gut erfüllt, daher auch die eindeutige
Zuordnung zur kommunikativen Orientierung, welche aber manchmal die Lernenden
überfordert. Denn wie bereits aus der Theorie herausgearbeitet, können manche
Phänomene an bestimmten Sequenzen noch nicht erworben werden. Zur
Beleuchtung dieser Tatsache wäre eine gesonderte Untersuchung zu empfehlen.
Daher kann darauf an dieser Stelle kein Bezug genommen werden.
Das Lehrwerk ‚Halló, itt Magyarország! I.’ weist hingegen eindeutig das
Hauptkriterium der ‚Komplexität’ auf, d.h. es präsentiert gewichtig leichtere
Phänomene eher am Anfang und schwerere Strukturen in späterer Folge. Besonders
auffallend ist in diesem Lehrwerk die gesonderte Behandlung der Präfixverben, die in
dem anderen Lehrwerk kaum trainiert wurden. Diese Präfixverben verursachen viele
Probleme bei den LernerInnen, sogar auf hohem Sprachniveau. Daher war ein
weiteres Kriterium sicherlich das ‚Eingehen auf eine sprachliche Fehlerquelle’.
Dieses Kriterium kann aber auch ‚MagyarOk A1+’ zugewiesen werden, da es
betreffend Phonologie und Auswahl der beiden Konjugationen auffallend viele
Übungen und Aufgaben bietet. Zudem empfiehlt diese Arbeit noch ein weiteres
Kriterium für die Lehrwerke bzw. Forschung, das ‚Kriterium der oft vorkommenden
Fehler’.
Einige der typischen Fehler der SchülerInnen mit Ungarisch als Femdsprache sind in
den Lehrwerken nicht vorgekommen. Leider wurde zwar in ‚Halló, itt Magyarország!
I.’ z.B. beim Kopulaverb ‚van’ die Konjugationen zwei Mal explizit mit und ohne 3.
Person in Tabellenform dargestellt, aber deren genaue Anwendung als nominales
Prädikat nicht explizit erläutert. Aber genau dies verursacht eine hohe Fehlerrate bei
allen LernerInnentypen und nicht die Konjugation. Auf einige typische Fehler der
SchülerInnen mit Ungarisch als Herkunftssprache wurde nicht explizit eingegangen,
aber die Unterstützung für die Erkennung der Wortgrenze ist vorhanden. Durch viele
Suffixe, die behandelt werden bzw. durch Assimilationen, die Konsonanten
verdoppeln lassen, kann auch die Orthografie dieser SchülerInnen verbessert
werden.
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Probleme dieser Strukturen hingewiesen werden, damit sich Lernende gleich mit
einer intensiveren Aufmerksamkeit dem Phänomen zuwenden.
Genau dies wäre auch für die Erfüllung der Ziele im ungarischen
Fremdsprachenunterricht im Burgenland wichtig. Durch die Diversität der
SchülerInnen müssen Lehrwerke verstärkt auf die Probleme der SchülerInnen
eingehen. Natürlich kann das Lehrwerk nicht speziell auf alle Fehlerhinweise der
diversen LernerInnentypen eingehen, aber wenigstens einige davon behandeln
und/oder wichtige Hinweise darauf geben, damit Lehrkräfte diese erweitern können.
Denn „Lehrwerke bieten, besonders dann, wenn Theorie und Praxis zusammenarbeiten,
ein gestuftes, geordnetes, theoretisch fundiertes Programm, eine Leitlinie, die Theorie-
und Praxiserfahrung enthält und verfügbar macht, nicht aber ein alles umfassendes
Angebot für den Unterricht“ (Funk, 2001: 287).
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ist auch manchmal ungünstig. Eine Überlastung kann schnell erreicht werden,
welche auch zu Verwirrung führen kann.
Lerntipps, Eselsbrücken, Merksätze oder Hinweise zu Mnemotechniken unterstützen
das Behalten und ein schnelleres Lernen. Außer der bekannten Wörter der
Vokalharmonie, oder den bekannten Sätzen50 für die Bildung der Vergangenheit für
eine bessere Memorisierung, können auch Kinderreime hilfreich sein.
Verweise sind nützlich, wenn sie in die Struktur passen und immer wieder auf diese
hingewiesen werden kann. Sie dürfen nicht allzu oft kommen, da ein Überlesen
garantiert ist.
Das Lehrwerk ‚MagyarOk A1+’ besitzt ein eigenes Übungsbuch, welches die
Übungen genau mit den Themen bzw. Subthemen des Lehrbuches vollkommen
abgestimmt formuliert. Den Lernenden wird in dieser Art und Weise neben
grammatischem Wissen auch der Wortschatz zum gegenständlichen Thema
vermittelt. Diese Übungen führen die SchülerInnen tatsächlich zur Kommunikation.
Daher ist es unbedingt obligatorisch das Übungsbuch zu verwenden. Sehr viele
Lehrkräfte, aus eigener Erfahrung der Autorin dieser Arbeit, lassen aber jegliche
Übungsbücher bei Seite und verwenden dies nicht. Dies führt dazu, dass die
SchülerInnen diese auch nicht benutzen. Aus diesem Grund sollte darauf markanter
hingewiesen werden. Im ‚Halló, itt Magyarország! I.’ hingegen, ist es ersichtlich,
dass zwar damals bei der Buchgestaltung ein Versuch unternommen wurde,
Übungen thematisch bzw. situativ abzustimmen, was wiederum jedoch oft nicht
gelang. Es finden sich überwiegend Übungen, die isolierte Einzelsätze aufweisen.
Mit diesen kann zwar Grammatik geübt werden, diese zeigen aber keine Funktion
bzw. führen diese nicht zur erwünschten Kommunikation.
Trotz Wichtigkeit und Klarheit der Struktur des Lehrwerks ‚Halló, itt Magyarország!
I.’ konnten die von der Forschung präferierten Lehrphasen nicht erkannt werden. Die
Transferphase, in der die Bewusstmachung zur Sprachanwendung langsam
übergeht, ist nicht vorhanden und muss durch Lehrkräfte ergänzt werden. Die für die
50
z.B. für die auf –j, -l, -m, -n, -ny, -r endenden Verben bekommen das Vergangenheitssuffix
–t - Merksatz dafür: Jár a lányom.
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Beide Lehrwerke weisen kaum innovative Übungen auf. Die AutorInnen von
‚MagyarOk A1+’ haben dies vlt. aus Platzgründen, da sowieso schon (zu) viel im
Lehrbuch verpackt wurde, nicht getan und/oder aus neuen Erkenntnissen im
Nachhinein, im Internet für die LehrerInnen nachgebracht. Dies ist zwar als sehr
positiv zu bewerten, denn innovative Übungen motivieren und fördern Kreativität.
Solche Übungen sind auch offenere Übungen, die in beiden Lehrwerken kaum
vorkommen. Aber man muss hier anmerken, dass diese offeneren Übungen nicht nur
an Lehrkräfte gerichtet sein sollten.
Im Lehrwerk MagyarOk A1+’ ist eine genaue Erkennung der Rückwärtsplanung,
ausgehend von den Aufgaben bei der Erstellung der Übungen anzunehmen. Die
Übungen führen zu den im Lehrbuch präsentierten Dialogen bzw. andere Aufgaben
und sind gut zu meistern. Da das Lehrwerk Halló, itt Magyarország! I keine
Aufgaben angibt, kann dort eine Rückwärtsplanung nicht erfolgt sein.
Beide Lehrwerke haben die Wichtigkeit des Schreibens für grammatische Übungen
gut erkannt. Trotz der kommunikativen Ausrichtung werden grammatisch enge
Übungen mit der Fertigkeit ‚Schreiben’ ausgeführt.
Bedauerlicherweise sind in beiden Lehrwerken keine speziellen Übungen zur
Language Awareness zu finden.
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8. SCHLUSSWORT
Nach dem ersten Kapitel, welches in das Thema einführte und das Forschungsziel
nahelegte, konzentrierte sich die Arbeit gleich am Anfang, d.h. im 2. Kapitel, auf die
Grammatik. Dabei wurde deren Relevanz dargestellt, denn die Regeln der
Grammatik sind in der Sprache überall präsent und somit ist diese für jeden
Fremdsprachenunterricht unverzichtbar. Es wurde auch festgestellt, trotz
vorwiegender Orientierung hin zur Kommunikation, dass Grammatik noch immer eine
hohe Stellung innehat. Beim Erwerb dieses grammatischen Wissens muss zwischen
‚explizitem Regelwissen’, d.h. deklarativem Wissen und der ‚Entwicklung von
Können’, d.h. prozedularem Wissen unterschieden werden. Die erste Wissensart ist
vor allem für die Bewusstmachung von grammatischen Regeln wichtig, die wiederum
im FU oft vernachlässigt werden und sich Methoden vielmehr auf das prozedulare
Wissen fokussieren. Aus diesem Grund wurde die Notwendigkeit des expliziten
Wissens dargestellt, mit Hilfestellung der ungarischen Sprache. Denn die Stellung
bzw. Relevanz dieses Wissens ist v.a. von der Sprache selber und ihren
innewohnenden Regeln abhängig.
Da der Stellenwert von Grammatik festgestellt wurde, war es obligatorisch
aufzulisten, welche SchülerInnen im ungarischen FU im Burgenland überhaupt
präsent sind. Diese Untersuchung bzgl. der Schülertypen erwies sich auf die
Sichtweise der Stellung von Grammatik noch interessanter. Denn neben den
SchülerInnen, die Ungarisch wirklich als Fremdsprache lernen, sind auch noch die
SprecherInnen der ungarischen Herkunftssprache anwesend. Diese SchülerInnen
weisen lt. Untersuchung ein anderes Sprachwissen auf. So kann man behaupten,
dass eine ‚Diversität des Sprachwissens’ im ungarischen FU im Burgenland vorliegt,
welche die Arbeit der Lehrkräfte und auch der AutorInnen von Lehrwerken extrem
erschwert und berücksichtigt werden müsste. So wurde in dieser Arbeit auch ein
eigenes Kapitel für die Definierung von Zielen benötigt, da diese genau festgelegt
und erläutert werden müssen.
Die von der Institution Schule vorgegebenen Ziele sind im Lehrplan verankert,
welcher dann zur neuen standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung führt.
Beide wiederum basieren auf dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen.
Die standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung kann als Hauptziel aller
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10. ANHANG
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- 149 -
3 Dialog A: Seinsverb van (1-3 sg.) in Verwendung ‚sich befinden’
• Hány Zahl, – mit 3.P.
hányas,
hányadik Ordnungszahlwörter bestimmter & unbestimmter Artikel
• Kasussuffix: -ban/ben
• Akkusativ –t bestimmte & unbestimmte Zahlwörter vor Nomen –
• Kasussuffix -n-on-en-ön VERWEIS*
Dialog B: Possessivsuffix (3.P. Sg.) – (j)a/(j)e*
• Hány, hányas, hányadik
• Kasussuffix ban/ben Van/nincs Verneinung des Seinsverb – VERWEIS +
• Akkusativ –t Übung
Grammatik C: Anwendung der Reihenfolge von Suffixen: Stellung
von Possessivzeichen- irodádban
• Kasussuffix: -ban/ben
• Fragewort: mit?
Infinitiv
• Akkusativ –t (regelmäßige
Bildung) I. Verbalkonjugation der regelmäßigen Verbstämme
• Kasussuffix -n-on-en-ön mit Bindevorkal (1-3P.Sg&Pl)
Übungen D: Hilfsverb tud + Infinitv implizit*
• Kasussuffix: ban/ben
• Kasussuffix: -n,-on, -en, -ön Demonstrativpronomen
• Akkusativ -t
• 1. Konjugation Attributive Adjektive – türelmes ember
• Hány, hányas, hányadik
• Seinsverb van Syntax: Verneinung
Anmerkung: Phonologie: o-ó-a-á
Wiederholung: A&B: ein ganzer Dialog für
van/Nationalität/Beruf/ Anmerkung:
C: I. Konjugation, Seinsverb van ü Die Darstellung im Übungsbuch findet
chronologisch später statt
Im Teil A&B – nur –velare –ben ü noch immer keine explizite Darstellung
C: leider werden nur die velaren ü tud+ Infinitv wird nur in einem Text mit
Buchstaben der Vokalharmonie der Einführung von Infinitiv implizit
präsentiert, nicht die Palatale! präsentiert. Kein Verweis, keine Übung
im Lehrbuch. Im selben Kapitel des
Übungsbuches findet man eine Tabelle
und die Übungen.
- 150 -
- 151 -
- 152 -
Übungen D:
• Plural –k
• Suffix -ból/ből
• -ról/-ről
• Adjektive Pluralsetzung
• Konjugation alles
Anmerkung: A&B – Wiederholen der
Phänomene: Hova, nincs,ban/ben, van;;
ra/re;;
• Dialog B- kein Plural!!
Je weiter man mit den Kapitel kommt,
desto mehr Übungen
7 Dialog A: Richtungsweisende Präfixverben: fel-, le-, be-, ki-,
• Hoz-hez (ohne & mit Trennung) *
• -nál/-nél
• zisch-Verben Syntax: Satzstellung mit Präfixverben*
• Verben+ Bindevokal
• unbestimmter Artikel: egy Unterscheidung zwischen bestimmten und
• Präfixverben (-ohne Trennung) unbestimmten Objekt
Dialog B:
• Akkusativ Objektive (II) Konjugation (1-3P.Sg)
• Präfixverben (-ohne Trennung)
VERWEIS: Fragewort: Mikor? Mióta?
• Negation
• nak/nek Objektive (II) Konjugation (1-3P.Pl.)
• hoz/hez/höz
Syntax: Satzstellung mit Präfixverben (im
Grammatik C: Übungsbuch)
• Hova?- hoz/hez/höz
• Hol? - -nál/-nél Phonologie: u-ú-ü-ü
• Honnan? –tól/-től
• Kinek? –nak/-nek
• Präfixverben: be, ki, fel, le, át
• Verben+ Bindevokal
• Übungen D:
• Hova?- hoz/hez/höz
• Hol? - -nál/-nél
• Honnan? –tól/-től
• Kinek? –nak/-nek
• Präfixverben
• Wiederholung: ban/ben...
• Konjugation
Anmerkung:
•
*Eingeführt ohne Trennung- 5 Übungen, dann Text
mit Trennung
Anmerkung: Verben+Bindevokal sehr
*hier wird Syntax im Lehrbuch behandelt
unauffällig
8 Dialog A: Possessivzeichen (1-3 Sg.&Pl)
• Zeitsuffix –kor
• Präfixverben + Trennung Familienmitglieder – unregelmäßige Possessiv
• Dativ – nekem, neked
Dialog B: Personalpronomen im Akkusativ: engem, ...*
• Zeitsuffix –kor
• Präfixverben + Trennung Haben Konstruktion in allen Zeiten
• Dativ- nekem, neked
Merkzettel: Postposition elött, mögött
Grammatik C:
• Mikor? + Zeitsuffix –kor Vergangenheit (1.P. SG) von regelmäßigen und ik-
(Wochentag, Uhrzeit) * Verbstämmen
• Kinek? -Dativ – nekem, neked
Fragewort: Hányadikán?
• Präfixverben + Trennung el-,
vissza-, haza- oda-
Verbalsuffix: -lak/-lek
- 153 -
• Präfixverb- bemegy!
VERWEIS: -Suffix –ék
Übungen D:
• Präfixverb- bemegy! Postposition: mögött, alatt, melett, elött, fölött, között
• Präfixverben + Trennung el-,
vissza-, haza- oda- II. Konjugation auf -s,-sz, -z, –dz endende ik-
• Mikor? + Zeitsuffix –kor Verbstämme (1-3.P. Sg&Pl.)
(Wochentag, Uhrzeit) *
Syntax: Besitzverweisende Sätze
Anmerkung: * keine Wochentage
Keine Übungen zu nekem... Phonologie: o-ó-ö-ö
9 Dialog A:
• Possessivsuffixe (1-3Sg)
• Suffix-Konstruktionen (ban+
Possessiv)
• Akar, szeretek +Infinitiv
• Konjunktion: mert
• Fragewort: mennyi?
Dialog B:
• Possessivsuffix (1-3Sg)
• Suffix-Konstruktionen (ban+
Possessiv)
• Akar, szeretek +Infinitiv
• mennyi
• Konjunktion: mert
Grammatik C:
• Possessivsuffixe
• Frage nach dem Besitz: Vminek
vmije
• Zusammengesetzte Sätze: Miért
– azért, mert
• Akar, tud, szeret + Infinitiv
• Infinitiv Ausnahmen
Übungen D:
• Possessivsuffixe
• Zusammengesetzte Sätze: Miért
– azért, mert
• Akar+ Infinitiv + Präfixverben
• Akar, tud, szeret + Infinitiv
• Infinitiv Ausnahmen
10 Dialog A:
• Wh- Possessiv
• Suffixe: Tól/töl-ig
• Verbalableitungssuffix: -hat/-het
Dialog B:
• Wh- Possessiv
• Suffixe: Tól/töl-ig
• Verbalableitungssuffix: -hat/-het
• Negation – tud+ Infinitv
• Possessiv v. Familienmitglieder
• Haben Konstruktion
Grammatik C:
• Haben Konstruktion
• Mikor- Wochentage
• Meddig (Uhrzeit)
• Verbalableitungssuffix: -hat/-het
+ Ausnahmen
Übungen D:
• Verbalableitungssuffix: -hat/-het
- 154 -
+ Ausnahmen
• Fragesätze + hat/het
• Possessiv
• Haben Konstruktion
11 Dialog A:
• Possessivkonstruktion
• Possessiv (1-3 Pl)
• Possessiv mit Mehrbesitz*
Dialog B:
• Possessivkonstruktion
Grammatik C:
• Possessivkonstruktion
• Possessiv (1-3 Pl)
Übungen D:
• Possessivkonstruktion
• Possessiv (1-3 Pl)
Anmerkung: Im A Possessiv mit
Mehrbesitz
Aber keine Übung
12 D Dialog A:
• Possessiv + Mehrfachbesitz
• Instrumentalsuffix: Val/vel*
Dialog B:
• Familienmitglieder
• Adjektive
Grammatik C:
• Haben-Konstruktion Plural
• Fragewort: meddig? – nap
• Suffix: -ék
Übungen D:
• Possessiv+ Mehrfachbesitz
• Haben-Konstruktion Plural
• Fragewort: meddig? – nap
• Suffix: -ék
• Adjektive
Anmerkung: nicht geübt
13 Dialog A:
• Suffixgruppe: ra/re
• Konjugation v. tenni
• 2. Konjugation
• szerintem
• Demonstrativpronomen mit
Akkusativ: ezt/ezeket..
Dialog B:
• Suffixgruppe: ra/re
• 2. Konjugation
Grammatik C:
• Konjugation (1-3 Sg&Pl)
• Demonstrativpronomen mit
Akkusativ Ez, ezt, ezek, ezeket
Übungen D:
• 2. Konjugation
• Demonstrativpronomen mit
Akkusativ
- 155 -
14 Dialog A:
• Adjektivsuffix -tt
• Instrumentalsuffix: -val/vel
Dialog B:
• Instrumentalsuffix -val/-vel
• 2. Konjugation – Anwendung
Grammatik C:
• Instrumentalsuffix: val/-vel
• Objektive Konjugation–
Anwendung
• valami/valaki
• semmi/senki
Übungen D:
• Instrumentalsuffix: -val/-vel
• Objektive Konjugation
• Zusammengesetzte Sätze - hogy
Anmerkung:
15 Dialog A:
• *
• Personalpronomen mit -val/-vel:
velünk
• ha
Dialog B:
• Personalpronomen mit -val/-vel:
velem
• Präfixverben
Grammatik C:
• Imperativ
• meg-
• el-
• Personalpronomen mit -val/-vel:
velem-engem
• ha
Übungen D:
• 2.Imperativ
• 1. oder 2. Konjugation
• Personalpronomen
• Ha
Anmerkung: *Imperativ fehlt
16 Dialog A:
• kell/lehet+Infinitiv
• ott, ahol
• Flektierte Postposition: mellette,
közötte
• Dativsuffix: -nak/-nek
Dialog B:
• ott, ahol
• Flektierte Postposition: mellette,
közötte
Grammatik C:
• kell/lehet+Infinitiv
• ott, ahol
• Flektierte Postposition: mellette,
közötte
Übungen D:
• Kell, lehet, tilos, szabad
- 156 -
• Ott, ahol
• Flektierte Postposition: mellette,
17 Dialog A:
• Demonstrativpronomen: abban
• Adjektivbildungssuffix – i*
Dialog B:
• Demonstrativpronomen: ezen
• menni+ Infinitiv
Grammatik C:
• Demonstrativpronomen: ebben
• menni+ Infinitiv
Übungen D:
• Demonstrativpronomen Suffixe:
ebben
• Adjektive
• Menni+ Infinitiv
Anmerkung: *nicht geübt
18 Dialog A:
• Hogyan? –n/-an,-en// -l/-ul,-ül
• Légy szíves + Infinitiv
• Adjektive/Adverbien
Dialog B:
• Hogyan? –n/-an,-en// -l/-ul,-ül
• Légy szíves + Infinitiv
• Adjektive/Adverbien
•
Grammatik C:
• Hogyan? –n,-an,-en// -l/-ul,-ül
• Légy szíves + Infinitiv
Übungen D:
• Hogyan? –n/-an,-en// -l/-ul,-ül
• Légy szíves + Infinitiv
• Adjektive/Adverbien
19 Dialog A:
• Vergangenheit
Dialog B:
• Vergangenheit
Grammatik C:
• Vergangenheit – Bildung
Übungen D:
• Vergangenheit
20 Dialog A:
• Verbalsuffix: -lak/-lek
• ...-val/vel ezelött
• Konjunktionen: amikor, miután,
mielött, miközben
• Vgh. von ‚lesz’: lett
Dialog B:
• Verbalsuffix: -lak/-lek
• ...-val/vel ezelött
• Konjunktionen: amikor, miután,
mielött, miközben
• Vgh. von ‚lesz’: lett
Grammatik C:
• Verbalsuffix: -lak/-lek
- 157 -
• ...-val/vel ezelött
• Konjunktionen: amikor, miután,
mielött, miközben
• Vgh. von ‚lesz’: lett
Übungen D:
• Verbalsuffix: -lak/-lek
• ...-val/vel ezelött
Kapitel Inhalt Übungen
1. Kapitel 1.1 Lückenübung
Vokalharmonie: autó, teniszütő 1.2 -
1.3 AB Tabelle mit Grafik (S14)
2.
3.
Bestimmter Artikel a, az Deduktiv
1. Tabelle mit Grafik
2. Lückenübung
- 158 -
3. Seinsverb van (1-3 sg.) in Verwendung 1.1(Hör-)Dialog
Kapitel ‚sich befinden’ – mit 3.P. 1.2 -
S40 1.3 LB Tabelle Konj. (1-3) + Verweis//
AB Tabelle Konj (1-3Sg&Pl) + Anwendung
2.AB – Formationsübung
Bestimmter/ unbestimmter Artikel 1.1 -
a/az;; egy 1.2 Bild & Text Zuordnung + Verweis
S41 1.3 – AB Tabelle
2. AB - Bild& Text Zuordnung
3. Dialog
Anwendung der Reihenfolge von 1.1 – Aufgabe für ein anderes Phänomen + induktiven
Suffixen: Stellung von Possessivzeichen- Angabe dieses Phänomens
irodádban 1.2 Dialog mit einem anderen Phänomen + Verweis
S41 & S45 1.3 AB Tabelle
2. AB Lückenübung
3.
Possessivsuffix (3.P. Sg.) – (j)a/(j)e* 1.1 elaborative Darstellung – Lückentext mit alten
S43 Phänomen mit Angabe des Neuen Phänomens
1.2 Tabelle zum Ordnen + Verweis
1.3AB Tabelle
2.AB – Lückenübungen II
Formationsübung
3. Dialog
Van/nincs Verneinung des Seinsverb 1.1Hörtext mit Lückentext + gelber Merkzettel inkl.
S44 – Seitenangabe
1.2 -
1.3 AB Tabelle
2.AB Erweiterungsübungen III
Formationsübung
3. Dialog
- 159 -
4. Fragewörter: Mikor? Hány órakor? 1.1 elaborative Darstellung // Hörübung
Kapitel Melyik napszakban? Melyik napon? 1.2 Substutionsübung + Verweis
Kasussuffix der Zeit: -kor* 1.3 - / ÜB: Tabelle
S58 2. Fragen-Antwort-Übung I
Lückenübung II
3. Dialog
Kasussuffix der Zeitbestimmung auf die DEDUKTIV:
Frage: Mettől-meddig? 1. gelbe Hinweistafel + Erklärung + Verweis
S59 2. ÜB: Tabelle
3. Frage-Antwort-Übung
4. LB-Lückenübung
Hilfsverben: lehet 1. Lückenübung eig. Für den Wortschatz, wo in der
S62 Angabe neue gram. Phänomene vorkommen.
+Verweis
1.2 –
1.3. LB-//ÜB Tabelle
2. Umformungsübung
3-
Ortskausuffixe auf die Frage hova? Hol? 1.1. -
Honnan?...... 1.2 Tabelle zum Ergänzen
Ab 63 1.3 – keinen Hinweis für die Darstellung erst bei der
Zusammenfassung
2. Lückenübung I
Frage-Antwort-Übung I
Ergänzungsübung
Ergänzung im Text
2.1 alle Kasussuffixe zusammenfassende Übungen
3. Dialoge
Unregelmäßige Verb: menni (1- 1.1. Ergänzungsübung im Text für eine andere gram.
3P.Sg&Pl.) Übung
1.2 Sätze schreiben (von 1.P. in 3P.)
S66 1.3. AB Tabelle Form // ÜB Tabelle ohne Verweis
(erst bei jön)
2. -
3. Dialog
Instrumentalsuffix -vel/-val + 1.1. 2 Sätze im gelbe Merkzettel (nicht sehr auffallend)
Personalpronomen: velem.... 1.2 –
S68 1.3 LB Tabelle + Verweis//AB-Tabelle
2. LB: Lückenübung I
LB: Erweiterungsübung
AB: Lückenübung I
Frage-Antwort
Offener: Hören und Ergänzen
3. Text schreiben
Fragewort: honnan? 1. 1. elaborative Darstellung im Tabellen-Form
Kasussuffix.: -ból/-böl;; ról/-röl;; tól/-töl (für 1.2 Tabelle ergänzen + Verweis
Personen) + Personalpronomen: tölem, 1.3 – ÜB- Tabelle
töled, töle... 2. Lückenübung I
S69
Unregelmäßiges Verb – jönni 1..1 elaborative Darstellung der Konj. Von menni +
S70 jönni im Tabellen Form (gleiche Einführung mit
honnan) + Verweis
1.2 Dialog – Ersetzungsübung (mündlich)
1.3 AB Tabelle// ÜB Tabelle
Fragewort Hányas? 1.1 Dialog mit unterschiedlichen Angaben + Verweis
S74 1.2 –
1.3 AB Tabelle
2. AB Frage – Antwort Übung
3. -
Pluralsuffix: -k 1.1 Hörtext + Lückentext
1.2 Dialog (sehr viel Grammatik enthalten)
1.1. Beispielsätze
1.2 Tabelle zum Ordnen + Verweis
1.3 AB: Tabelle
1.2 AB : Tabelle zum Ordnen
- 160 -
2. AB:Lückenübung II
AB: Umformungsübung
1.1 Lückentext für Wortschatz
I. Verbalkonjugation der ik- Stämme (1- 1.2-
3P. Sg.&Pl.)* 1.3 LB. Tabelle mit gelber Zusatzinfo// ÜB Tabelle +
S79 Verweis
2. ÜB Lückenübung II
3. Dialog
Anwendung der Reihenfolge von 1.1. Beispielsätze
Suffixen: Stellung von Plural- 1.2. _
egyetemeken 1.3 ÜB Tabelle
2. Umformungsübung
Substationsübung I
Syntax: Verb und Rektion* Formationsübungen II
Übungsbuch Frage-Antwort Übung
Substionsübung
Phonologie: a-á-e Lückenübung
Erweiterungsübung
- 161 -
5. Fragewort: Hány? Mennyi? 1.1. Frage- Antwort Sätze
Kapitel 1.2 –
1.3 LB - / AB Tabelle
2 AB. Lückenübung I
3. AB Dialogeführen
2. LB Frage-Antwort-Übung
LB Hörübung mit ERgenzüngsübung
Akkusativ: -t 1.1 Lückentext für Wortschatz
2. LB-Tabelle // AB Tabelle mit Ausnahmen
1.2 LB- Tabelle zum Ordnen
2. AB: Lückenübungen , Erweiterungsübungen
2 LB – selektives Hörübung
LB – Lückentext
I. Konjugation auf -s,-sz, -z, –dz endende 1.1 Lückentext für Wortschatz
Verbstämme (1-3.P. Sg&Pl.) 1.1 elaborative Darstellung im Tabellen Form
1.2 Tabelle zum Ordnen
1.3 – AB:
2. Lückenübung I
Umformungsübung
3. Dialog
Rektion der Numeralien: egyet, hatbòl... 1.1 Dialog
1.2. –
1.3 LB tabelle – AB. Gleiche TaBellle
1.2 AB. Ergänzungstabelle zum Ordnen
LB. Antwort-Frage –Übung
3. Sätze formatieren
Rektion der Demonstrativpronomen: DEDUKTIV
ebbe, abból,.. 1. Tabelle
2. Ergänzungungsübung
3. ÜB – Ergänzungsübung
Ersetzungsübung
-‐ im
Inhaltsverzeichnis
wurden
die
s,
sz,
1.1. Beispielsätze mit Grafik
z,
endende
ik-‐
Verbstämme
1.2 Tabelle ergänzen
nicht
aufgelistet!
1.3 ÜB –
2. ÜB – Lückenübung
Erweiterungsübung
LB - Umformungsübung
Transitive & intransitive Verben AB- Lückenübungen
Prädikatives Adjektiv im Singular und 1.1 Beispielsätze
Plural 1.2 –
1.3 ÜB Tabelle
2. AB - Umformungsübungen
Erweiterungsübung II
LB Erweiterungsübungen
Hilfsverb: szeretne 1.1 Dialog
1.2 Beispielsätze bilden
1.3 Tabelle
2. AB Erweiterungsübungen
3. Sätzebilden
Anwendung der Reihenfolge von 1.1. Dialog ( für vorhirige Phänomen Phase 3)
Suffixen: Stellung von Plural & Akkusativ- 1.2 –
borokat 1.3 AB- Tabelle
2. AB Erweiterungsübung
Suffixe bei Adjektiven: szénsavast, 1.1 Dialog
szárazból 1.2 Dialog mit unterschiedlichen Angaben wh
1.3 LB Tabelle / ÜB Tabelle
2. AB Satzbildungsübungen (ÜB 59)
LB Zuordnungsübung (S103 Ü31b)
Syntax: Verneinung
Phonetik: e-é Lückenübungen
Umformungsübungen
Hörübungen
- 162 -
6. Kapitel Hilfsverb: kell 1.1 Lückentext für verschiedene andere gram.
S116 Phänomene + Verweis
1.2-
1.3 – LB- //AB Tabelle
2. AB: Frage-Antwort –Übung
Dativsuffix: -nak/-nek DEDUKTIV
Personalpronomen im Dativ: nekem,... 1. LB –Tabelle + Verweis //AB TABelle
2. AB – Erweiterungsübung
Umformatierungsübung
Lückenübung
2. Erweiterungsübung
! praktikus –zik Verben !!! nicht im DEDUKTIV
Inhaltsverzeichnis – nur AB Lückenübungen
Erweiterungsübung
Fragewörter + Suffixe;; Hányszor? Hányszor: 1.1 Lückentext für Verbkonj. Mit szor
Hányadik? implizite Anführung
S123 1.2 –
1.3 Lb Tabelle +Verweis // AB- Taballe
2. AB – Lückenübungen
Frage – Antwort – Übung
LB – Lückenübung
Hányadik:
1.1Lückentext zum Einführen des neuen Phänomens
Verweis
1.3. AB Grafik
2. Lückenübungen
1. Tabelle –Verweis
Tabelle Konjugation aller Verbstämme 2. Tabelle einfügen
S119 Lückenübung
Umformungübung
- 163 -
- 164 -
8. Kapitel Possessivzeichen (1-3 Sg.&Pl) 1.1 Text
S169 1.2 Tabelle zum Ordnen mit Verweis
1.3. AB Tabelle
2. AB Einordnungsübung
Lückenübungen
Haben Konstruktion in allen Zeiten: DEDUKTIV
volt/van/lesz kutyám 1. Tabelle mit Verweis
S169 2. AB Tabelle (gleich)
3. AB Lückenübung
Formationübung
Seinverb in allen Zeiten: volt/van/lesz 1. 1 Lückenttext für VGH. –mit lesz! Mit Verweis
S175 1.2 –
1.3. AbTabelle
2. AB Lückenübung
Personalpronomen im Akkusativ: DEDUKTIV
engem,..* 1. Tabelle im LB mit Verweis
S168 2. Tabelle im AB
3 Wegstreichübung
Lückenübung
VGh: -tam/-tem 1.1 Text mit Unterstreichung des Phänomens
S172 1.2. Tabelle mit Verweis
1.3 Tabelle im AB
2. AB- Lückenübungen
Umformulierungübung
LB – Umformulierungsübung
Verbalsuffix: -lak/-lek DEDUKTIV
S174 1. Tabelle mit Verweis
2. AB Tabelle (gleich)
3. AB Frage-Antwort-Übung
4. freien Dialog führen
DEDUKTIV
Fragewort: Hányadikán? 1. Tabelle mit Verweis
S173 2. AB Tabelle (gleich)
3. AB Frage-Antwort-Übung
4. freies Dialog führen
-Suffix –ék
1.1.Hör-Bild-Zuordnung
Merkzettel: Postposition alatt, mögött 1.2 –
S182 1.3 grafische Darstellung mit Verweis
AB: Tabelle
2. AB Bildbeschreibung – sehr offen
Wahr-Falsch
Frage-Antwort-Übung
LB: Lückenübungen
Frage-Antwort-Übung
3. Dialog+Zeichnen
II. Konjugation auf -s,-sz, -z, –dz 1.1. Zuordnungsübung
endende Verbstämme (1-3.P. Sg.&Pl.) 1.2-
1.3 Tabelle mit Verweis
AB – Tabelle
2. AB Lückenübungen
Formationsübungen
LB Erweiterungsübungen
Syntax: Besitzverweisende Sätze Formationübungen
- 165 -
10.3 ÖSSZEFOGLALÁS
A diplomamunka célja
A diplomamunka témája, egyben címe – Célmegvalósítás a magyar mint
idegennyelv-oktatásban grammatikai eszközökkel magyar nyelvkönyvekben. Kritikus
tankönyvelemzés” – utal a dolgozat témaköreire: a nyelvtanra, a tanulók
heterogenitására, az idegennyelv-oktatás céljaira és a tananyagokra. Ezen főbb
témakörök elméleti vizsgálatának célja nem a tökéletes tankönyv kiválasztása,
hanem az elméleti kritériumok kidolgozása, amelyek hasznosak lehetnek a
nyelvtannal kapcsolatos oktatási anyagok kiválasztásában, vagy támpontot adhatnak
a jövőbeni tananyagok elkészítéséhez.
Elméleti megközelítés
A 2. fejezet első része bemutatja a ’nyelvtan’ definícióját és relevanciáját. A nyelvtan
jellemzi a nyelv belső szerkezetét, valamint leírását. A tématerületeken HELBIG
(1993) ’szűkebb’ és ’tágabb’ értelemben vett nyelvtant különböztet meg, eközben az
idegennyelv-oktatásban az első felfogást sok kritika éri. A grammatika fontosságának
hangsúlyozása érdekében – az ellenkező véleményt megfogalmazókkal szemben –
HELBIG három grammatikája (A, B, C) kerül bemutatásra, amelyek alátámasztják,
hogy a nyelvtan elengedhetetlen minden idegen nyelvet tanuló számára és minden
nyelvoktatási folyamatban. A ’pedagógiai nyelvtan’ legfőbb kérdései a ’mit’ (melyik
nyelvtant az oktáshoz) és a ’hogyan’ (melyik módszer a nyelvtanban) a
meghatározók. A nyelvtan kiválasztásában a progresszió központi terület, amely
többek között a nyelvkönyvek felépítését, ezáltal a tananyagok, a célok, és a témák
sorrendjét is meghatározza. Számos elképzelés született a nyelvtan kiválasztásával
és sorrendjével kapcsolatban, például ’a könnyebbtől a nehezebbek felé’. A
progressziót különböző módon lehet megvalósítani, lehet
’szisztematikus/grammatikai’, vagy ’szituációorientált’. A szisztematikus progresszió
lehet lineáris vagy spirális, de számos oktató kezdő szinten a lineáris, szisztematikus
progressziót részesíti előnyben.
A progresszió mellett a nyelvtani struktúrák prezentációja/ábrázolása is fontos,
amelyben az ’érthetőség, alkalmazhatóság’ és a ’megjegyezhetőség,
- 166 -
- 167 -
- 168 -
nyelvtanra. Nyelvtantudás nélkül minden tanuló bizonytalanná válik, hibázik, és ezzel
veszélyezteti a kommunikációt, hiszen a szorongás miatt nem mer megszólalni.
A diákok nyelvi hátterének sokféleségét figyelembe vevő tananyag nem létezik. A
tankönyvek használata az idegennyelv-oktatás területén a szakirodalomban vitatott
tárgy. Mindazonáltal a magyar mint idegennyelv tanárok elsősorban egy alapkönyvet
használnak, és ezt egészítik ki más anyagokkal. A nyelvtannal kapcsolatos fontos
szempont a tankönyv progressziója, amely lehet ’lapos’ vagy ’meredek’. A nyelvtan
alól való felmentés, mint azt az innovatív tankönyvek gyakran jelzik, a tanulók
számára majdnem olyan rossz, mint a spirális progresszió, amely sokszor utal a
későbbiekre, majd egyszerűen elfelejti a struktúrákat. A progresszió áttekintése
érdekében hasznos lehet egy jól felépített tartalomjegyzék.
A ’nyelvtani szabályok bemutatása’ lehet induktív vagy deduktív. A könnyebb
megértés/alkalmazás érdekében ezzel kapcsolatosan STORCH (1999) különböző
követelményeket sorol fel, illetve léteznek különböző vizuális ábrázolási elemek,
amelyek szintén támogathatják a diákok nyelvtani jelenségekre vonatkozó elsajátítási
folyamatait. A harmadik témakör, amellyel ez a dolgozat foglalkozik a „nyelvtani
gyakorlatok”-at foglalja magában, amelyeket a feladatoktól elkülönítve kell kezelni.
Közvetítő, nem pedig céltevékenység, hiszen a cél meghatározza a gyakorlatok
kiválasztását. Ezért a gyakorlatok kiválasztásakor ’visszafelé’ kell tervezni. A
gyakorlatok kiválasztáskor az egyes tanítási fázisokat figyelembe kell venni, és a
különböző gyakorlattípusokat azokhoz kell besorolni.
Tankönyvkritika
A Burgenlandban magyart tanító pedagógusokkal e-mailben történt konzultáció,
valamint a tankönyvek megjelenési ideje alapján kiválasztottam a dolgozatom
célcsoportjának (középiskola, A1 szint) megfelelő két tankönyvet: a ’Halló, itt
Magyarország! I.’-et és a ’MagyarOk A1+’-t. A két tankönyvet a dolgozatom
elméleti része alapján a következő három fő szempont alapján vizsgáltam meg: a
’progresszió’, a ’nyelvtani szabályok bemutatása’ és ’nyelvtani gyakorlatok’.
Progresszió
A ’MagyarOk A1+ című tankönyv szélesebb értelemben vett nyelvtant tartalmaz,
ellentétben a ’Halló, itt Magyarország! I.’ című könyvvel. Mindkét könyv előszava
kiemeli a kommunikáció elsőbbségét, de a nyelvtan fontosságát is kihangsúlyozza. A
- 169 -
tartalomjegyzéket áttekintve ezt nem látjuk a ’Halló, itt Magyarország! I.’ esetében,
másik tankönyv azonban bemutatja a nyevtani témaköröket is. A tanárok és a
tanulók számára az első benyomás nagyon fontos, ezért a tartalomjegyzéknek
pontosnak kell lennie a további tájékozódás elősegítéséhez. ’MagyarOk A1+’
mégsem tud 100%-ot nyújtani. A másik különbség a progresszió mértéke a ’Halló, itt
Magyarország! I.’ progressziója lapos, a ’ MagyarOk A1+’ tankönyvé meredek, és
egy szituációs kontextusban több nyelvtani elemet tartalmaz, ami túlterheltséghez
vezethet. Utóbbi progressziója szituatív orientált, erősen spirális, a témák átnyúlnak a
fejezeteken. A ’MagyarOk A1+’ egy fő kritériuma a struktúra frekvenciája, míg a
’Halló, itt Magyarország! I.’-re a szerkezet komplexitása jellemző.
Ajánlás a nyelvtani progresszióhoz
A magyar nyelv magánhangzó-harmóniája, illetve a fonológia számos tanuló
számára nehézséget jelent. Ezért a tankönyvekben a nyelvtant a ’szélesebb
értelemben vett’ grammatikához kell sorolni. Az előszó és a tartalomjegyzék nyújtja
az első áttekintést a tankönyv progressziójáról, ezért fontos, hogy ezt a
legpontosabban és legrészletesebben, valamint jól áttekinthetően kell bemutatni. A
túl lassú progresszió kevés kihívást jelenthet, egy túlságosan meredek viszont
túlterheléshez vezethet. A lassú progresszió azonban kiegészíthető a tanulók
sokféleségére való tekintettel, míg egy meredek progressziónál a kihagyások
kellemetlenséget és zavart okozhatnak. A spirál formájú progresszió, amely többször
is megismétli a jelenségeket, nagyon hasznos. De azok, amelyek a nyelvtani
jelenségeket csak részben reprezentálják, majd fokozatosan, időeltolódással
egészítik csak ki ezeket, megkérdőjelezhetők. A progresszió kiválasztása
szempontjából döntő jelentőségű a ’gyakoriság’ és a ’komplexitás’. A vizsgálat alatt
felismert kritérium, a ’gyakran előforduló hibák’ jelensége figyelembe veendő a
progresszió kialakításánál. Éppen ez a kritérium lenne fontos a burgenlandi magyar
nyelvoktatás céljainak megvalósításában.
A nyelvtan bemutatása
A ’MagyarOk A1+’ tankönyv nagyon jól alkalmazza az „összegyűjtés, elrendezés,
rendszerezés” elvét, ami a ’Halló itt Magyarország! I.’-ből hiányzik. Bár „induktívan”
jár el, de sajnos a grammatikai jelenségeket ritkán és gyakran áttekinthetetlen
ábrázolásokban mutatja be. A ’MagyarOk A1+’ lehetővé teszi a ’felfedező tanulást’,
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10.4 ABSTRACT
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die grammatischen Phänomene nicht einfach vergessen werden. Für die Auswahl
der Progression sind die Kriterien Häufigkeit und Komplexität bestimmend, welche
mit dem neuen Kriterium ‚oft vorkommende Fehler’ speziell auf diese Diversität
ergänzt wird.
Für die Präsentation sollten grammatische Phänomene, bis auf einige bestimmte
Fälle, induktiv eingeführt werden. Für die Diversität ist es wichtig komplexe, statt
fragmenthafte Darstellungen zu bringen. Visuelle Elemente, Lerntipps, Eselsbrücken
werden als nützlich angesehen, können aber durch Übertreibung zu Überlastung
führen.
Für grammatische Übungen der Bewusstmachung ist zu empfehlen, dass die
Übungen mit den Themen abgestimmt gebracht werden bzw. sind diese den
Lehrphasen zuzuteilen. Innovative Übungen bzw. eine Vielfalt an traditionellen
Übungen sowie diverse Textsorten sind motivierend. Trotz kommunikativer
Ausrichtung sollten grammatische Übungen der Bewusstmachung mit der Fertigkeit
‚Schreiben’ ausgeführt werden. Speziell für die Lernenden mit Ungarisch als
Herkunftssprache, aber auch mit Ungarisch als Fremdsprachen wären Übungen zur
‚Language Awareness’ sehr zu empfehlen.
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