Thüringer Kultusministerium
Abiturprüfung 1999
Physik
als Leistungsfach
(Haupttermin)
Arbeitszeit: 270 Minuten
Hilfsmittel: Taschenrechner (nicht programmierbar, nicht grafikfähig)
Tafelwerk
Der Prüfungsteilnehmer wählt von den Aufgaben A1, A2 und A3 eine
und
von den Experimenten E1, E2 und E3 eines zur Bearbeitung aus.
Rechts neben jeder Teilaufgabe steht die für diese Teilaufgabe maximal
erreichbare Anzahl von Bewertungseinheiten (BE).
2
Aufgabe A1
1 Thermodynamik aus kinetisch-statistischer Sicht
1.1 Nennen Sie die Grundannahmen des Modells "ideales Gas"! 3 BE
1.2 Die Änderung der inneren Energie eines einatomigen idealen
Gases ist nur durch die Änderung der Translationsenergie
seiner Teilchen möglich.
Begründen Sie diesen Sachverhalt! 2 BE
1.3 Leiten Sie aus der Zustandsgleichung des idealen Gases und
aus der Grundgleichung der kinetisch-statistischen Gastheorie
eine Gleichung her, welche die kinetische Deutung der
Temperatur ermöglicht!
Interpretieren Sie diese Gleichung! 3 BE
1.4 Ein Versuch zur Messung der Teilchengeschwindigkeit in
Abhängigkeit von der Temperatur ist der Atomstrahlversuch
von Stern (siehe Abb.).
Dabei werden von der Oberfläche eines versilberten Drahtes
der Temperatur T Silberatome abgedampft. Ein Teil der Atome
gelangt durch die Blende auf den Schirm. Bei M entsteht ein
schmaler Silberstreifen.
lässt man den Schirm um die Drehachse mit der konstanten
Frequenz f rotieren, treffen die Silberatome in M* auf.
3
1.4.1 Erläutern Sie, warum die Silberatome in M* auftreffen!
2 BE
1.4.2 Die Geschwindigkeit der Silberatome lässt sich mit der
Gleichung berechnen.
Leiten Sie diese Formel her!
2 BE
1.4.3 In einem Versuch wurde bei der Frequenz f = 25 Hz und den in
der Abbildung bezeichneten Größen = 3,0 cm und r = 6,0 cm
der Abstand der Punkte M und M* zu bestimmt.
Berechnen Sie mit diesen Werten die Geschwindigkeit der
Silberatome!
2 BE
1.4.4 Berechnen Sie die Temperatur T des Silbers, wenn für die
Teilchen die Geschwindigkeit beträgt!
Näherungsweise soll gelten.
3 BE
1.4.5 Begründen Sie, warum der Silberstreifen bei M* gegenüber M
eine größere Breite aufweist!
2 BE
4
2 Verhalten von Bauelementen im Gleich- und im
Wechselstromkreis
2.1 In der Abbildung ist der Zusammenhang zwischen Stromstärke
und Zeit für drei Spulen dargestellt. Die Spulen werden
nacheinander an die konstante Gleichspannung Uo
angeschlossen.
Dabei ergibt sich folgendes I-t-Diagramm:
Nennen Sie Ursachen, die den charakteristischen Kurvenverlauf
im Diagramm bestimmen!
Interpretieren Sie das Diagramm!
Begründen Sie Ihre Aussagen!
4 BE
2.2 An eine Wechselspannungsquelle (U = 220 V, f = 50 Hz)
werden drei ideale passive elektrische Bauelemente in Reihe
angeschlossen (siehe Abb.). Für die Spannungabfälle an den
Widerständen misst man die Werte U1 = 220 V, U2 = 300 V
und U3 = 300 V. Der ohmsche Widerstand beträgt .
Die beiden anderen Bauelemente befinden sich jeweils in einer
"black box".
5
2.2.1 Nennen Sie die Bauelemente, die sich in den beiden "black
boxes" befinden!
Begründen Sie Ihre Antwort!
4 BE
2.2.2 Berechnen Sie die Wechselstromwiderstände in beiden "black
boxes"!
Bestimmen Sie jeweils ihre charakteristische Größe!
5 BE
2.2.3 Berechnen Sie die Energie, die während einer Periode aus der
Spannungsquelle entnommen wird!
3 BE
2.2.4 Berechnen Sie die Frequenz der angelegten Wechselspannung
für eine mögliche Anordnung der Bauelemente für den Fall,
dass sich die Spannungsabfälle U1:U2:U3 wie [Link] verhalten!
4 BE
6
3 Ein Taucher mit der Körperhöhe h steht auf dem Grund eines
Sees (siehe Abb.).
3.1 Wenn der Taucher über sich schaut, sieht er einen kreisrunden
hellen Fleck. Geben Sie eine Begründung für diese
Erscheinung!
2 BE
3.2 Leiten Sie die Gleichung zur Berechnung des minimalen
Abstandes L vom Standort des Tauchers bis zu den Punkten des
Grundes, die der Taucher an der Wasseroberfläche sehen kann,
her!
Die Brechzahl des Wassers ist n.
4 BE
7
Aufgabe A2
1 Die Abbildung stellt eine braunsche Röhre dar. In ihr befinden
sich zwei parallel geschaltete Kondensatoren, an denen eine
sinusförmige Wechselspannung u anliegt. Die Anordnung dient
zur experimentellen Bestimmung der spezifischen Ladung
des Elektrons.
1.1 Diskutieren Sie die Bewegung der Elektronen von der Kathode
bis zum jeweiligen Auftreffpunkt! Betrachten Sie dazu die
Bewegung unter folgenden Bedingungen:
a) die Spannung U am Kondensator K1 ist gerade null,
b) die Spannung U am Kondensator K1 ist gerade maximal.
4 BE
8
1.2 Bei der folgenden Betrachtung liegt der Auftreffpunkt auf dem
Leuchtschirm S. In der Zeit t1 bewegt sich ein Elektron vom
Kondensator K1 bis zum Kondensator K2. Das nächste
Elektron, das den Kondensator K2 erreichen kann, kommt um
die Zeitspanne später an.
1.2.1 Auf dem Schirm S treten entweder zwei symmetrisch gelegene
Leuchtflecke oder ein gemeinsamer Leuchtfleck auf.
Erklären Sie diese Sachverhalte unter Nutzung der Ergebnisse
von 1.1!
4 BE
1.2.2 Tragen Sie im beigefügten Arbeitsblatt in das vorgegebene
Diagramm für einen möglichen Zeitpunkt t2 die Spannung u2
am Kondensator K2 ein, sodass auf dem Schirm der braunschen
Röhre zwei zueinander symmetrisch gelegene Leuchtflecke
auftreten! Begründen Sie Ihre Darstellung!
4 BE
1.2.3 Geben Sie den Wert für die Zeitspanne in Abhängigkeit von
der Periodendauer T an!
2 BE
1.2.4 Diskutieren Sie den Einfluss der Anodenspannung UA auf die
Lage des Zeitpunktes t1!
2 BE
9
1.2.5 Leiten Sie für den Fall, dass nur ein Fleck auf dem Schirm
auftritt, eine allgemeine Gleichung für die Berechnung der
Geschwindigkeit der Elektronen in Abhängigkeit vom Abstand
l der Kondensatoren und der Frequenz f der angelegten
Wechselspannung her!
Ergebnis:
2 BE
1.2.6 Diskutieren Sie die Bedeutung des Parameters k in der
Gleichung aus 1.2.5!
1 BE
1.2.7 Berechnen Sie die spezifische Ladung des Elektrons mit
folgenden experimentell ermittelten Werten:
Parameter: k = 1
Anodenspannung: UA = 300 V
Abstand der Kondensatoren: l =15 cm
Frequenz der Wechselspannung: f = 34,4 MHz
Nutzen Sie dazu den Energiesatz! 4 BE
2 Eine Wärmekraftmaschine mit angeschlossenem Wärme-
Speicher verwendet als Arbeitsmittel n = 0,50 mol eines
einatomigen idealen Gases. Die bei der isochoren Abkühlung
freigesetzte Wärme wird dem Gas bei der isochoren
Erwärmung wieder vollständig zugeführt. Beim Durchlaufen
der vier Zustände treten zwei isotherme und zwei isochore
Zustandsänderungen auf. Der Kreisprozess wird vollständig
durchlaufen und beginnt auf der Isothermen mit der Temperatur
T1 = 350 K bei einem Druck von p1 = 500 kPa. Das größte
Volumen beträgt V = 4,50 dm3, infolge isochorer Abkühlung
sinkt die Temperatur um .
2.1 Stellen Sie in einem Diagramm die Abhängigkeit des Druckes
vom Volumen für den gesamten Kreisprozess dar! Berechnen Sie
für jeden der vier Zustände Druck, Volumen und Temperatur!
6 BE
10
2.2 Stellen Sie für diesen Kreisprozess sowohl das Volumen als
auch den Druck in Abhängigkeit von der Temperatur in je
einem Diagramm dar!
5 BE
2.3 Berechnen Sie die vom System verrichtete Arbeit und die dabei
zugeführte Wärme! Leiten Sie dazu die Gleichung zur
Berechnung der Volumenarbeit für isotherme Vorgänge her!
6 BE
2.4 Leiten Sie die Gleichung für den thermischen Wirkungsgrad
dieses Prozesses her!
Ergebnis:
3 BE
2.5 Berechnen Sie den thermischen Wirkungsgrad!
2 BE
11
Aufgabe A3
1 Gase und Festkörper senden unter bestimmten Bedingungen
Licht aus.
1.1 Erläutern Sie die Begriffe spontane Emission und induzierte
Emission von Photonen!
4 BE
1.2 Beschreiben Sie den prinzipiellen Aufbau eines Lasers und
erläutern Sie seine Wirkungsweise!
4 BE
1.3 In der Abbildung ist ein vereinfachtes Energieniveauschema
eines Lasers dargestellt.
1.3.1 Berechnen Sie die Wellenlänge des Laserlichtes!
2 BE
1.3.2 Nennen Sie drei charakteristische Eigenschaften des
Laserlichtes!
3 BE
12
2 Auf einen Doppelspalt mit dem Spaltabstand b trifft in einem
ersten Versuch Laserlicht der Wellenlänge λ auf und wird auf
einem Schirm abgebildet. Danach wird der Versuch mit
Glühlicht der gleichen Wellenlänge wiederholt.
2.1 Begründen Sie, warum unter den angegebenen
Versuchsbedingungen mit Laserlicht stationäre
Interferenzbilder entstehen, mit Glühlicht jedoch im
Allgemeinen nicht!
Gehen Sie dabei insbesondere auf räumliche und zeitliche
Kohärenz ein!
3 BE
2.2 Skizzieren Sie eine Experimentieranordnung mit der es möglich
ist, auch bei Glühlicht stationäre Interferenzbilder zu erzeugen.
Erläutern Sie die Funktionsweise der Experimentieranordnung!
4 BE
2.3 Leiten Sie die Interferenzgleichung für Minima beim
Doppelspalt her!
Ergebnis:
2 BE
2.4 Berechnen Sie den Abstand der Minima 2. Ordnung auf dem
Schirm, wenn folgende Größen gegeben sind:
Wellenlänge des Lichtes: λ = 694 nm
Spaltabstand des Doppelspaltes: b = 0,05 mm
Abstand Doppelspalt - Schirm e = 0,8 m
2 BE
13
3 Auf die Objektseite hochwertiger optischer Geräte wird eine
dünne Schicht als "reflexvermindernde Schicht" aufgetragen
(siehe Abb.).
3.1 Begründen Sie die Notwendigkeit neben der geometrischen
Weglänge die optische Weglänge einzuführen!
2 BE
3.2 Erklären Sie die Wirkungsweise der "reflexvermindernden
Schicht"!
4 BE
3.3 Leiten Sie die Gleichung zur Berechnung der Schichtdicke für
den Fall her, dass bei senkrechtem Lichteinfall (siehe Abb.) der
reflektierte Anteil ausgelöscht wird!
Ergebnis:
3 BE
3.4 Berechnen Sie für die Wellenlänge die minimale
Schichtdicke!
Die Brechzahl der Schicht ist ns = 1,22.
2 BE
4 Das radioaktive Isotop Thallium ist ein .
Zur Messung des Energiespektrums der Betastrahlen treten diese
senkrecht zu den Feldlinien eines homogenen Magnetfeldes der
magnetischen Flussdichte in eine Messapparatur
ein. In den Abbildungen sind das Energiespektrum dieses
Strahlers und die prinzipielle Messapparatur dargestellt.
14
4.1 Dieses kontinuierliche Spektrum steht scheinbar im
Widerspruch zu den diskreten Energieniveaus im Atomkern.
Erläutern Sie wie dieser Widerspruch aufzulösen ist!
2 BE
4.2 Erläutern Sie die prinzipielle Funktionsweise dieser Apparatur!
4 BE
4.3 Berechnen Sie die Geschwindigkeit der Teilchen mit der
Maximalenergie sowie deren Bahnradius im magnetischen Feld
(siehe Abbildung Energiespektrum)!
Ergebnis: v = 0,91c 4 BE
15
Experiment E1
Ermitteln Sie experimentell die relative Permeabilität eines
Eisenkernes in einer Spule .
1. Bestimmen Sie experimentell den ohmschen Widerstand R der
Spule!
2. Bestimmen Sie experimentell den Scheinwiderstand Z dieser
Spule ohne bzw. mit Eisenkern!
3. Ermitteln Sie unter Verwendung Ihrer experimentellen Ergebnisse
die relative Permeabilität des Eisenkernes!
Geräte: 2 Messgeräte
1 Stromversorgungsgerät
1 Spule N = 3000 Windungen
1 geblätterter U-Kern
1 geblätterter I-Kern
Verbindungsleiter
Das Protokoll soll enthalten:
- Vorbetrachtung und Versuchsbeschreibung
- Messprotokoll
- Auswertung
- Fehlerbetrachtung
15 BE
Experiment E 2
Bestimmen Sie experimentell die Haftreibungszahl µ für den Ihnen
zur Verfügung gestellten Körper mit Hilfe einer geneigten Ebene!
1. Skizzieren Sie eine geeignete Versuchsanordnung, und stellen Sie
die wirkenden Kräfte dar!
2. Leiten Sie die Gleichung für die Haftreibungszahl in
Abhängigkeit vom Neigungswinkel α der geneigten Ebene her!
3. Bestimmen Sie die Haftreibungszahl µ aus mindestens fünf
Messungen!
16
Geräte: geneigte Ebene
Körper
Lineal
Das Protokoll soll enthalten:
- Vorbetrachtung und Versuchsbeschreibung
- Messprotokoll
- Auswertung
- Fehlerbetrachtung 15 BE
Experiment E 3
Bestimmen Sie experimentell die Brechungszahl n für den Übergang
eines Lichtstrahles von Glas in Luft!
1. Leiten Sie das Brechungsgesetz her!
2. Messen Sie für 5 verschiedene Einfallswinkel α den Brechungs-
winkel !
3. Zeichnen Sie ein - Diagramm und ermitteln Sie daraus
die mittlere Brechungszahl n!
(1 Einheit = 10 cm)
4. Ermitteln Sie experimentell den Grenzwinkel der Totalreflexion!
5. Berechnen Sie unter Verwendung der von Ihnen ermittelten
Brechungszahl den Grenzwinkel der Totalreflexion und
vergleichen Sie ihn mit dem experimentellen Ergebnis!
Geräte: Glaskörper
Heftleuchte mit Spalt
Winkelmesser
Millimeterpapier
Das Protokoll soll enthalten:
- Vorbetrachtung und Versuchsbeschreibung
- Messprotokoll
- Auswertung
- Fehlerbetrachtung 15 BE
17
Arbeitsblatt zur Aufgabe A2
1.2.2
1.2.2 Tragen Sie in das vorgegebene Diagramm für einen möglichen
Zeitpunkt t2 die Spannung u2 am Kondensator K2 ein, sodass
auf dem Schirm der braunschen Röhre zwei zueinander
symmetrisch gelegene Leuchtflecke auftreten! Begründen Sie
Ihre Darstellung!
Fügen Sie dieses Arbeitsblatt Ihrer Reinschrift bei!
18
Thüringer Kultusministerium
Abiturprüfung 1999
Physik
als Leistungsfach
(Haupttermin)
Hinweise zur Vorbereitung der Experimente
Alle Experimente sind vom Lehrer vor der Prüfung auszuprobieren.
19
Folgende Experimente sind von den Prüfungsteilnehmern
durchzuführen:
E1 Ermitteln Sie experimentell die relative Permeabilität eines
geschlossenen Eisenkernes!
E2 Bestimmen Sie experimentell die Haftreibungszahl µ!
E3 Bestimmen Sie experimentell die Brechungszahl n für den
Übergang eines Lichtstrahles von Glas in Luft!
Hinweise zur Vorbereitung der einzelnen Experimente:
Bereitzustellende Geräte:
2 Messgeräte
1 Stromversorgungsgerät
Potentiometer
1 Spule N = 3000 Windungen
1 geblätterter U-Kern
1 geblätterter I-Kern
Verbindungsleiter
Glaskörper
Heftleuchte mit Spalt
Winkelmesser
Millimeterpapier
geneigte Ebene
Körper
Lineal